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LITERN T^HRRLATT
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GERMANISCHE UiND KOx. iSCHE PHILOLOGM
HERAUSGEGEBEN VON
j)R. OTTO BEHAGHEL usd D'' FRITZ NEUMANN
o. ö. Professor der germauischen Philologie
an der üiiiversität Giessen.
o. ö. Professor der romanischen Philologie
an der Universität Heidelberg.
Erscheint monatlich.
VERLAG VON
O. R. REISLAND, LEIPZIG.
Preis halbjährlich M. 5.
XII. Jahrgang.
Nr. 1. Januar.
1891.
Braun. Die letzten Schicksale der Krimgoten
(B e h a g h e ll.
Hir Sehfeld. Untersuchungen zur Lokasenna
iGo 1 th e rl.
Meier, Bruder Hermanns Leben der Gräfin Jolande
von Vianden (B e h a g h e 1).
Schweitzer, De poemate latino Walthario
(Pei p er).
K a u f f m a n n , Geschichte der schwäbischen Mund-
art im Mittelalter und in der Neuzeit (B eh a g h e 1).
Hauffen, Caspar Scheidt der Lehrer Fischarts
(Franke 1).
(l e u H n g , Die komische Figur in den wichtigsten
deutschen Dramen bis zum Ende des XVIL Jlu^s
(Minor).
Steiner, Goethe :tls Vater einer neuen Aesthetik
IS ie beck;.
B r a i t ra a i e r , Geschichte der poet. Theorie und
Kritik von den Diskursen der Maier bis auf Lessing
(V e tt er).
L i n o w , The Desputisoun bitween the Bodi and
the Soule (Kalaza).
B u c h h o 1 z , Die Fragmente der Reden der Seele
an den Leichnam in zwei Hss. zu "Worcester und
Oxford (Kaluza).
Haeckel, Das Sprichwort beiChaucer (Bül bring).
Riegel, Die Quellen von "Will. Morris' Dichtung
„The Earthly Paradise'- (B ü 1 b r i n g).
P r o e 1 s s , Shakespeares Macbeth erläutert (Koch).
Schmeding, Jacob Thomson, ein vergessener
Dichter des 18. Jh.'s (Kressner».
Kawczynski, Essai comparatif sur I'origine et
rhistoire des rvthmes (Becker).
L e m a i t r e , Corneille et la poetique d'Aristote
(M o r f).
Bouquet, Points obscurs et nouveaux de la vie
de Pierre Corneille (Mo rf).
Boadurand, Charte d'acensement du Xllt" s. en
langue d'oc (Levyt.
. — , Hommage en langue d'oc a l'eveque de Mende
(L e V y).
Gaudenzi, I suoni, le forme e le parole del-
l'odierno dialetto della cittä di Bologna (Meyer-
L ü b k e).
J e 1 1 i n e k , Die Sage von Hero und Leander in
der Dichtung (Müller).
Bibliographie.
Literarische Mittheilungeu, Pcrsonal-
nachrichteu etc.
BraaD, F., Die letzten Schicksale der Krim^oten.
Separatabdruck au3 Jem Jahresbericht der reformirten
Kirchenschule zu St. Petersburg für 1889/90. St. Peters-
burg, Golicke, Troizkistr. 18.
Braun fasst zusammen, was wir bisher über die
Krimgoten wussten. Dazu fügt er mancherlei kleine
Nachträge, zumal aus russischen Quellen. Weiter aber
hat er die Schicksale jenes Volksstammes zu einer Zeit
verfolgt, von der wir bis jetzt keine Kunde. liatten. Er
zeigt, dass die Krimgoteu später tatarisirt wurden, und
dass ihre Nachkommen im vorigen .Jahrhundert unter
Suwaroffs Leitung in die Gegend des Asowschen Meeres
übergesiedelt wurden. Die Arbeit ist durchaus löblich,
am löblichsten aber, was sie in Aussicht stellt : der Ver-
fasser will noch in diesem Sommer Ausgrabungen in der
Krim anstellen. Möge ihm und uns reiche Ausbeute zu
Theil werden.
Giessen, 2. .Juli 1890. 0. Behaghel.
Hirschfeld, M. , Untersuchungen znr Lokasenna.
(In den Acta germanica I.) Berlin, Maj-er & Müller. 1S89.
86 8. 8.
Das Bändchen gibt den Text im AVesentlichen nach
Sievers' Proben und eine nebenstehende Uebersetzung mit
dem sehr geschmackloseu Titel „Lokes Zwist bei Aegers
Trinkgelage, Götterkomödie in einem Akt, nordisch imd
deutsch", nebst Theaterzettel und Bühnenweisungen. Eine
Inhaltsangabe und Erläuterungen zu den einzelnen Strophen,
, worin aber nichts Xeues und Bemerkenswerthes gegeben
ist, gehen voraus. Den rntersuchungen liegt Bugges
Text zu Grunde: zu rügen ist, dass vielfach die in der
. l Tntersuclinng gebrauchte Strophenzählung mit derjenigen
des abgedruckten Textes nicht genau stimmt; hier war
doch Einheitlichkeit herzustellen. So bleibt ein ver-
hältnissmässig nur kleiner Raum für die eigenen For-
schungen des Verfassers. S. 10 — 15 wird eine Deutung
der Lokasenna d. h. ihi-es Inhaltes gegeben. Loki ist
die züngelnde Flamme,, die Sonnenhitze, die Erdwärme,
der warme Wind, der Blitz u. s. w. ; überwunden wird
der Sonnenbrand durchs Gewitter, Loki durch Porr.
Loki rühmt sich bekanntlicli der Buhlschaft mit Frigg,
Sif und andern, d. h. mit Personifikationen des Wassers,
der Luft, der Erde; das thut er in seiner Eigenschaft
als schmeichelnder, buhlerischer, warmer Wind. Dass
diese Deutung völlig nichtssagend ist, braucht wolil kaum
erwähnt zu werden. Die natursymbolische M3'thologie
in dem hier gebrauchten Sinne ist denn doch nimmer
zeitgemäss. S. 16 — 32 ist überschrieben: der Loki-
mythus, enthält aber keineswegs eine gründliche syste-
matische Beschreibung und Erklärung dieser interessanten
Gestalt. Eichtig und brauchbar ist nm-, was H. aus
Hofforys und Noreens Bemerkungen über Vlöpiir den
Feuer- imd Wärmegott anführt, dessen Stelle nachmals
Loki einnahm, und dann allenfalls der allgemeine Hin-
weis darauf, dass Loki. so weit er Feuerdämon ist, unter
der Einwukung isländischer Xatur erklärt werden kann.
Aber Loki ist eben ausserdem auch noch etwas anderes,
eine mephistophelische Figur, die unmöglich natiu'sym-
bolisch gedeutet werden darf. S. 28 findet es H. über-
flüssig, noch weitere Gründe gegen Bugges.Loki-Lucifer
anzuführen; er betrachtet wohl diese ganze phantastische
Richtung als einen überwundenen Standpunkt, wie auch
aus S. 18 hei'vorgeht, wo eine sehr harmlose Erklärung
des Namens Byleiptr vorgetragen wird. Die vom Verf.
betriebene Mj'thologie ist jedenfalls dem Referenten und
vielleicht noch manchem Andern auch nicht befriedigend.
S. 23 wird im Handumdrehen das Bild des Feni'isülfr
mit dem Schwert im Radien aus einer isländischen
Schwefelquelle gewonnen; der Mythus von Porr, wie er
sich im Däumling des Handschuhs des Skryinir verkriecht,
ist ein isländischer, weil in West-Island auf der Karte
eine Landzunge Aehnlichkeit mit einer ausgespreizten
Hand besitzt! Island war ziu- Landnämatifl am Strande
dicht bewaldet, so dass man von einer Laubinsel (laufet/)
reden konnte; Loki Laufeifjar sonr, Loki der Laub-
insel Sohn ist das vulkanische Feuer Islands!! Auch
S. 46 Anm. zu Str. 42, 4 — 5 taucht der isländische
Wald nochmals auf: und das schreibt H., obschon er
Maurers Island S. 13 if. citirt; ernstlich gelesen hat er
1
1891. Litcraturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1.
.lie betreflViide Stelle bei Maurer scliwerUcL. Die S. 28 f.
an-eführte Sa^e ist jedfufalls tn.t/ .1. Grimm gelelirten
iTsprungs und die Forscliunf? sieht besser Von derlei
höchst zweifelhaften Producten ab. Was S. 32—34
von den vier Verfassem ffesa;,'t wird, ist unklar und
s.l.werlidi richtig. Der Versuch, das Alter der Loka-
senna um !'iV" anzusetzen (S. 49—58), bietet gar keine
tiewiihr Dass das Gedicht in die heidnische Zeit fallen
IUU88. ist keinesweirs auspremacht. Wir können bis
jetzt nur ganz allgemein sagen, dass die Lokasenna die
ausgebildete imrdisclie Jlyth.dogie voraussetzt. So lange
aber noch über deren wichtigste Quellen wie die VijlospQ
^o grosse Ungpwissheit herrscht, ist die Altersbestira^-
mung von wahrscheinlicli Jüngeren Gedichten unmöglich,
l'nser rrtheil über Hiischfelds Arbeit kann nicht
günstig ausfallen. Entweder hätte die Schrift irgend
welchen neuen und rördenideu (udankeii in der l-orm
einer Specialuntersuchung vortragen sollen, was aber
nicht der Fall ist, oder hätte der Verf. einen ausfuhr-
lichen (nmmentar schreiben können und wäre schon dui-ch
erschöiifende übersichtlich.- Darstellung der seither ge-
wonnenen Ergebnisse des Dankes der Fachgelehrten sicher
gewesen, auch ohne dass er selber viel Eigenes und
wesentlich Neues beibringen musste. So aber ist die
Arbeit ungenügend und nicht gehörig ausgereift. Von
einer \bliandlung aus dem Gebiete der nordischen Philo-
logie in einer Saiiunlung. welche unter Hottorys Leitung
steht, durfte man widil Besseres und GrümUicheres er-
warten. ,^ , ,
München. Wolfgang Golther.
Die Anmerkungen wollen hauptsächlich die stilistischen
Motive des Dichters durch die übrige Literatur verfolgen,
bieten aber auch sonst manches Lehrreiche.
Giessen. <">• Behaghcl.
Bruder Hermanns Leben der Gräfln.Tolande von Vianden
mit Hinloitunf; und An.nerkuni;en hr^s. von John -Moiei.
Hresbiu. Koebner. 18S». CXXXIV, 13_9 S. 8. (üerman.
Abimnillungen hrsg. von ^^elnhol^l, H. (.)
.lohn Meier bietet uns eine Arbeit, die durchaus
Tüchtiges und Erfreuliches leistet. Er ist einer der
Wenigen, die bei der Ausgabe eines mittelalteili<lien
Textes das volle Rüstzeug der modernen grammatisclien
Forschung handhaben. Das ist um so werthvoller, als
bei der .lolande das poetische und das literarhistorische
Interesse sehr in den Hintergrund tritt, dagegen neben
.len geschichtlichen VerliäUnissen besonders die sprach-
lichen Tliatsachen unsere Aufmerksamkeit in Anspruch
nehmen.
In seiner sorgfältigen Einleitung erörtert Jl. sehr
ausführlich die Sprache der .Jolaude. Er scheidet richtig
zwischen der Mundart des Schreibers und der des
Dichters: er vermag die Heimath des letzteren mit
gi-osser Genauigkeit festzustellen und bietet im Enizelucn
mancherlei Förderung unserer grammatischen Kenntnisse;
ich erwähne die Erörterungen über das bewegliche n,
die Grenze von rd/rt, die Praep. hit, die er - gewiss
richti"- — aus unbetontem mit erklärt. Neben den sprach-
lichetri'ntersuchungen nehmen di.' gründlichen Darlegungen
über die Geschichte d.-r Grafen von Vianden den grössten
Raum ein. ^ •,, ■ .
Die Ueberlieferung des Textes ist sehr gut; M. ist
mit Recht sehr conservativ verfahren und hat im Wesent-
lichen nur Regelungen der Orthographie vorgenommen.
In einem Punkte ist er mir auch hier zu weit gegangen:
dass dem mlid. Diphth. ie in der Regel die Schreibung
V entspriclit, aber im Adverbimu ic häufig ye geschrieben
wird (ich zähl.' 20 Belege, nicht 19), hat doch gewiss
sprachliche Bedeutung, und es wäre hier einfach der
llan.lschrift zu folgen.
Schweitzer. Charles. De poemate latino Walthario.
Th.'sim proponebat la.iiltuti litteranim Pansiensi. Lutetiae
Parisiorum. MDCCCLXXXIX. XXVllI, 117 S. 8.
1 »er Verfasser wünscht seine Landsleute, bei .lenen
vielfach noch die Behauptung Famüels gilt, dass der
Waltharius lateinischen Ursprungs sei, mit den Ergeb-
niss.-n der neueren deutschen Forschung bekannt zn
machen. Er schickt eine Beschreibung der Handschriften,
sowie eine Uebersicht der einschlägigen Literatur, die
der wünschenswerthen Vollständigkeit entbehrt (s. z. B.
•lenaer L.Z. 1875, 5tw), voraus, theilt den Inhalt des
Gediclits in kurzen Zügen mit, verfolgt der Walthersag^e
rrspruna- und Verbreitung, schildert die Stätte des
Kami)fes. all das ohne eigene Zugabe einzig uach den
Arbeiten der Vorgänger. Er selbst hat seine Autin«rk-
samkeit insbesondere auf Spra.he und Metrik des Ge-
dichtes gerichtet: bezüglich der ersteren wiederholt er
manche fragliche und unrichtige Meinung friiherer Zeit,
die man längst abgethan meinte. In dein Kapitel über
die Metrik, welches im Mitteli)unkt der Arbeit steht,
sucht der Verfasser die ungemeine Ausdehnung, welche
Alliteration. Assonanz, dazu .l.-r Reim, seiner Ansicht
nach in dem Gedichte gewonnen haben, zu erweisen —
nicht die Alliteration, wie sie im Altdeutschen üblich,
wo die SUben. welche Träger derselben sind, rhytiuischen
oder metrischen Accent haben: er versteht darunter viel-
mehr eine dem Unbefangenen meist weder durchs Ohr
noch auch (luichs Auge wahrnehmbare Wiederholung
derselben Mitlauter oder solcher, die unter einander in
engerer oder weiterer Verwandtschaft stehen ; eine ^^ le.ler-
hohme-, welche zudem in jedem Vers- oder Worttheile
stattfinden kann. Dieselbe Ungebundenlieit herrscht m
den geaensoitigen Beziehungen der Vokale: hier darf
nach de'm V.-rfasser sogar selbstlautendes u oder / dem
mitlauteuden {D oder /) entsprechen, einfaches n oder v
den Doppellautern oii oder ei< gegenüber treten sowie
den Lauten qu und (ju (z. B. Jlle ,/ac.>bat, »*ergit in
rt«strum. 5(Mppe «idetur, sine san(/»ine «ictor). Wenn
wir nicht leugnen wollen, dass all den Ungeheuerlich-
keiten, die man selbst nachlesen möge, ein Schatten von
Wahrheit zu Grunde liegt, dass der mit spracldicher
Darstellung rinaend.' Dichter oft durch den Wortklaug
(„das Wortgeklingel") den Aus.lruck und Nachdruck der
Rede ersetzt, dass seine ungefügen Worte die rauhen
Töne seiner noch unaeschliftenen Muttersprache uns ahnen
lassen, so hat sich doch der Verfasser der Mühe über-
hoben, seine Aufstellungen an den Dichtungen der Alten,
zumal des Virgil, zu prüfen - eine unablässige Forderung,
deren Erfüllung ihn freilich belehrt haben wurde, dass
der Dichter des Waltharius mit dem Römer in allen
jenen Beziehungen auftällig übereinstimmt, d. h. dass es
'im Allgemeinen nichts ist mit seinen Entdeckungen. Em
grösserer Fehler tritt dazu. An Sammlung und Sichtung
des Materials darf man in einer so sehr dem Gefühl und
Geschmack des Einzelnen unterliegenden Sache immer
erst gehen nach erfolgter Feststellung des Textes auf
Grund wohlerwogener Abschätzung der Handschriften.
Den entgegengesetzten Weg schlägt Schweitzer ein: er
will für Abstammung und Alter der Handschritten des
Waltherliedes, sowie für die Autorschaft der einzelnen
Recensionen die Kriterien gewinnen aus den Assonanzen.
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1.
Hier feiert nun der Dilettantismus in der Kritik wahre
Orgien: es wird Alles durcheinander g:e\virbelt: die fest-
stehenden Thatsachen der Kritik werden umgestossen,
die schlechtesten Lesarten finden Anerkennun;?, die guten
werden verworfen; die jüngsten Handscliriftenklassen,
die am schlimmsten interpolirten, sieht man zu Originalen
gestempelt. Wozu sollen wir einzelne Blüthen des
Xonsens. der hier gezeitigt worden ist, anfuhren. Genug,
die Schrift ist von Anfang zu Ende verfehlt — in dem
ersten Tlieile -(und oft im letzten) Plagiat, im zweiten
Tlieil Thorheit. Die krasseste Unwissenheit in Dingen,
auf die es hier zumal ankam, wie Handschriftenkunde,
Orthogiaphie des mittelalterlichen Lateins, macht sich
hier breit und wird nur noch durch die besondere
Abart von Latein überboten, in der die Schrift ver-
fasst i.st. Mit den rühmlichen Leistungen der mittel-
alterlichen Philologie uud Geschichtsforschung des Nach-
barlandes berührt sich die Arbeit auch nicht entfernt.
Breslau. R. Peiper.
Kaiiffmann, Friedlich, Geschichte der schwäbischen
Mundart im .Mittelalter und in der Neuzeit. Mit Te.xt-
prubeu un.l einer Geschichte üei- Schriftsprache in Schwaben.
Strassburg, Trübner. 1890. X.\;VI, .355 S. 8.
Kauffmann ist der erste, der es unternommen hat,
eine wirkliche Geschichte einer heutigen Jhmdart zu
schi-eiben, uud er hat die Aufgabe, die er sich gestellt
hat, in ganz vortrefflicher Weise gelöst. In seiner
Arbeit vereinigen sich wie in einem Brennpunkte die
Bestrebungen der beiden letzten .Jalu-zehnte. Er bietet
einerseits eine musterhaft klare und sorgfältige Be-
schreibung des lebendigen Sprachlautes, anderseits eine
umfassende Uebersicht über die in den schriftlichen
Quellen überlieferten Thatsachen. Ueberall wird Ver-
gangenheit und Gegenwart in Beziehung gesetzt: von
jedem Aberglauben au den überlieferten Buchstaben ist
K. unbedingt frei. Was aber besonders sein Buch kenn-
zeichnet, ist das Streben, die Thatsachen in ihrem Zu-
sammenhange zu begreifen, möglichst viele Erscheinungen
mit einer Erklärung zu umfassen. So hat er denn in
dem vorliegenden Werke unsere Kenntniss und Ein-
sicht vielfältig gefördert. Ich erwähne beispielsweise
den Umstand, dass im Schwäbischen ein Xasalconsonant
nicht nur vorhergehenden, sondern auch nachfolgenden
A'okal nasalii-t; so dürfte sich auch nhd. tum = mhd.
/lu erklären. Ferner seine Fassung des schwäbischen,
bezw. allgemein alemannischen Dehuungsgesetzes, seine
Darstellung der Ä-- und /J-^'erschiebung. Das Gesammt-
ergebniss seiner Betrachtungen ist dies, dass die schwä-
bische Mundart schon vor vier, fünf Jahrhunderten den
heutigen Stand eingenommen habe, und er zieht in der j
Einleitung daraus allgemeine Schlüsse über das Wesen '
der Sprachentwickelung überhaupt. j
Es versteht sich, dass bei einer so umfangreichen |
uud so vieles Neue bietenden Arbeit nicht alle Auf-
stellungen gleich sicher sein können.
Um bei dem Allgemeinsten zu beginnen : auf Grund '
des langen BehaiTens der schwäbischen Mundart verwirft
er überhaupt die Ansicht, dass die Laute sich von selber '
weiterbilden: er will nur äussere Anlässe, also z. B.
Wanderungen, zugeben und betrachtet die Eigenart des
schwäbischen Dialekts als Ergebiiiss der Aupassiuig an
neue Wohnsitze des schwä'bischen Stammes. Aber ab-
gesehen davon, dass das auf S. X über die Stabilität
der Mondart Gesagte nicht mit dem auf S. 41 Vorge-
brachten in Einklang steht, widerspricht seiner Ansicht
z. B. die Entwickelung von ai > ^i > ai: es ist doch
kaum denkbar, dass die .\npassungsvorgänge einen Laut
X erst zu y wandeln und dann dieses wieder zu x zurück-
kehren lassen. — K.'s Ansicht über das schwäbische k
theile ich, dagegen halte ich das über p- Gesagte für
irrig. Er meint, p sei auch im Anlaut ursprünglich zu
/ verschoben; das später fast ausschliesslich geltende
pf sei theils durch Satzsandhi entstanden : ein funt >
eimp/imt > ein p/unt (als ob aus empfinden ein pp'nden
abgeleitet würde), theils durch Compromiss von Doppel-
formen: das Nebeneinander von pinit und funt habe
pfiint ergeben. Dagegen scheinen mir nun die Orts-
namen zu sprechen. Bei ihnen sind derartige Doppel-
formen, d. h. Nebeneinander von früherer tmd späterer
Entlehnung kaum denkbar und, so viel ich sehe, auch
nicht nachgewiesen. Und sie stehen im Satzzusammen-
hang fast ausschliesslich . nach der Praeposition ze. Auch
für pßegen dürften sich Doppelformen schwer wahr-
scheinlich machen lassen, und das Verbum steht in den
meisten Fällen nach den Pronomina personalia, deren
keines auf X'asal ausgeht. Sicher unrichtig ist es, wenn
Kauffmann annimmt (S. 152), dass der Umlaut von ü,
0, Oll, u, uo nur vor urspr. i, nicht vor / sich ent-
wickelt habe. AVie sollten z. B. beim schwachen Verbum
der /-Klasse die 2. und 3. Pers. Sgl. Praes. Ind. im
Stande gewesen sein, das ganze Paradigma des Praesens
in ihre Analogie zu ziehen? — Gerne wüsste mau, wie
sich K. die Umwandlung des alten Lautstandes: in vor
Gutturalen und Labialen, io vor Dentalen zu dem spätem
Sachverhältniss denkt:, er hat S. 94 die Frage überhaupt
nicht berührt. — Der Syntax, die doch einen wichtigen
Bestandtheil in der geschichtlichen Darstellung einer
Mundart bilden müsste, hat K. keine eigene Betrachtung
gewidmet; dass es an Stoff dafür- gefehlt haben würde,
kann ich nicht zugeben.
Reicher Gewinn ist trotzdem unserer Forschung aus
K.'s Buche erwachsen, und wir hoffen, dass aus den von ihm
gegebenen Anregungen neue schöne Früchte reifen mögen.
Giessen. 0. Behaghel.
Hauffen, Adolf, Caspar Scheidt der Lehrer Fischarts.
Studien zur Geschichte der grobianischeu Literatur in
Deutschlanii. Strassburg, Trübner. 18S9.
Eine willkommene Gabe bietet uns das neueste Heft
der 'Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kultur-
geschichte der germanischen Völker', der ganzen Reihe
66. Xummer. Dr. Hauffen, der sich kürzlich für das
Fach der neueren deutschen Literatur an der Prager
deutschen Universität habilitirt -hat, legt hier die Er-
gebnisse seiner eingehenden Untersuchungen über den
literarischen Grobianismus nebst dessen Vor- uud Xach-
geschichte vor, indem er die deutschen Zeugnisse des
16. Jahrhimderts und hier wiederum die liebenswürdige
Gestalt des Wormser Präceptors Caspar Scheidt in den
Mittelpunkt seiner Betrachtung rückt. Der umfangreiche
Stoff' ist nach allen Seiten mit Autljietung aller verfüg-
baren Hilfsmittel durchforscht; zwei volle Jahre müh-
seliger Ai-beit, deren Ertrag gewiss oftmals die gehegten
Hoffniuigen täuschte, hat Hauffen auf sein Werk ver-
wandt (wenn Ref. anders sich seiner Angaben aus ihi-er
gemeinsamen Thätigkeit über den herrlichen Schätzen
der Berliner königlichen Bibliothek, Winter 1887 auf
1888, recht erinnert). Es ist ihm sicherlich in aner-
kennenswerthester Weise gelungen, des zusammenge-
tragenen Materials so weit Herr zu werden, dass die
äussere Form des Vortrags, in die er die Summe
2
1891. LitcraturbUtt für germaoiaoheundjomanUcl.e Philoloeic-
Nr. 1.
8
festgestellter Tliatsaclu-n und wahrscheinlich gemachter
Annahm.n rüpte. nicht zu kurz kam. Im lic;?entheil .
Der oft Nvenig salontahise Inhalt tritt uns in einer Dar-
stellung vor Atigen, die sich mit tnos^H^m Uc.<chick
dem wechselnden Spiel von Scherz und Ernst in den
verschlungenen Ciängen der Grobianusliteratur jezuweilen
aiii.asst Die Entwicklungsgeschichte des grt.biauischen
^tils im besonderen noch erläutert durch Vergleich ge-
i-igneter Kulturmomente verwandten Schlags, wird somit
treffend veranschaulicht. .. ,v ,
Diese Anzeige bescheidet sich, aut die mit Dank
begrilsste Bereicherung, die die Literat urfreschichte
des Reformationszeiuilters durch Hauffen ertiihrt. hin-
zuweisen Da im Einzelnen weniger zu berichtigen und
einzuwenden als hinzuzufügen wäre, so fasste Referent ■
seine Zusätze als 'Bemerkungen zur Entwicklung des |
Grobianismus' zusammen, die etwa gleichzeitig hiermit die
'Germania veröffentUcht. Es zeigrte sich, dass namentlich
die Entstehung des Grobiancharakters weit truher vor-
bereitet wurde als Hautleu vermuthet, nämlich im klas-
sischen \lterthuiii, und auch sonst lässt sich der Umfang
des grobianischeu Literaturgebiets sowohl im 16. Jahr-
hundert selbst wie in der Periode der Nacligeschiclite
mannigfach erweitern. \'.elleicht vernachlässigte H. das
und jenes, weU es sich ihm wesentlicli um Sclieidt drehte
(obwohl das Vorwort im Hinblick auf Ph. Strauchs' an-
gekündigte Monographie gerade für dessen Behandlung
engere Schranken zieht). Daher tritt wohl auch b. 12
Scheidt bisher noch unerwähnt, ohne weiteren Beisatz
auf Und ebenderselbe Grund erklärt es möglicherweise
auch dass die Grobianusschriften vor Sclieidts Dede-
kindscher Grundlage etwas stiefmütterlich wegkommen:
insbesondere war S. 9 if. diesbezüglich eine schärfere
Klassitication der Tischzuchtdrucke nach den niiter-
sclieidenden Merkmalen erforderlich, zumal mit ganz be-
stimmten Buchstabensigeln hautirt wird. Die gesammte
mittelalterliche Didaktik von der Art der deutscheu
Sittenbücher überblickt man beiiuem in den vergleichen-
den 'Essays on early Italian and German books of
courtesy", die Furnivall 18(59 seiner Ausgabe von Gilberts
'Queene Elizabeth's Academy' angehängt hat. Einmal
bei der einleitenden Epoche der Grobianusbewegung,
folgen noch einige Kleinigkeiten aus dem betreffenden
Abschnitte. Weshalb setzt Häuften (S. 19) Brants
Narrenschiff" etUche Jahre vor die übliche Aimahme.
ohne es zu begründen? Zur Chronologie der Phagifacetus-
Uebersetzuug s. M. Radlkofer, Brant Murner Erasinus
(Progiamm Burghausen 1877) S. 4 A. 10. Der Charakter
der Fressschilderung in des M. Reinerus Thesmophagia
- die übrigens (gegenüber S. 19 A. 3) schon Jena 183J
durch E(ichstädt) neu gedruckt wurde - scheint doch
(S 20) verschoben, wenn man nur die ^^arnung in eine Aut-
forderung zur VüUerei verwandeln solle, um die Parodie
fertig zu haben. Zum Johannestrunk (S. 22 A. 6) sei aut
Seilers Ruodlieb-Ausgabe S. KU u. 222 sowie auf Böckel,
Volkslieder aus Oberhessen p. XXllI ff. verwiesen. Das
Citat aus Wrampelmeyer, Cordatus' Tagebuch über Luther
(S 22 A. 2) wünscht man genauer — wenigstens dass
es erst 1H83 hervortrat - und tiefer ausgenützt; jeden-
falls versprach sich Referent mehr davon als er den
Verfasser seinerzeit darauf aufmerksam machte.
Das Tliema ist mit Glück durchgeführt. Häuften
. Der inzwischen Beinen treffliclien Artikel über Schei(d)t
in der „Allg. Deutschen Biogr." 30, 721 ff. veröffentlicht hat.
hat selbst eine geschmackvolle Uebersieht seiner reich-
haltigen Funde und Combinationen in der Skizze ^anct
Groblanus im IG. Jahrhundert" 24. Sonntagsbeilage zur
^•„ssischen Zeitung 1889 (IG. Juni) geliefert. Auch
^til tuid Aurtassungsweise sind durchgeh. nds der btoit-
bewältiguug ebenbürtig. lu ersterer Hinsicht sei blo.>
die seltsame Bezeichnung des landläuügen Anekdoten-
krams zotiger Gattung als 'venerischer Schwanke (b. 3M
herausgegritten. Was die Art der Anschauung anlangt
so durfte beispielsweise doch ein freierer Standpunkt
verlangt werden, als er in der Titulatur der Werke von
Montanus. Schumann und Lindener als Schandsaminluugen
in Bausch und Bogeu zum Ausdruck gelangt. Alles in
Allem • die Frucht fteissigsten gewissenhaftesten Grabens
und Scharrens in den thcilweise noch gänzlich nneroft-
neten Literaturschachten des IG. Jahrliunderts. Xeben-
sächliche Schwächen, mit denen jede literarhistorische
Quellenstudie behaftet sein muss, besagen nicht viel
o-e-enüber dem echt wissenschaftlichen Eifer, mit dem
Ha'uffen die durch seine Stil- und Ursprungsgeschichte
des Marienlebeus von Walther von Bheinau (Zs t d.
Alterth N. F. 20) angeregten Erwartungen erfüllt hat.
Einzelfragen beantwortet Referent nach Kräften an ge-
nannter Stelle. T^ •■ 1 1
Leipzig. Ludwig I-rankeL
deutschen Dramen bis f" ,?"?«, ^•"« ^^Vl' 4
hunderts. Stuttgiiit, Göschen. 1S<)0. 1^*1 S-^ J^'- ^•
Dieses Buch behandelt einen Gegenstand, über dessen
Wichtigkeit kein Zweifel sein kann ; aber es ist eine
unreife Frucht. Schon der Titel, welcher keine volle
Kenntniss des Dramas der bezeichneten Periode voraus-
setzen lässt. noch mehr aber der Inhalt deutet auf unge-
nügende Beherrschung des Materials hin. Aus der reichen
dramatischen Literatur des XVI. Jahrhunderts kennt der
Verfasser nur die Schweizer Dramen und auch diese zum
grösseren Tlieile nur aus den Auszügen Bächtolds; das
hiteinische Drama lässt er gänzlich ausser Betnicht
\uf den Morio des lateinischen Dramas und auf die
Abhängigkeit der typischen Xarrenfigur von dem 1 ara-
siten der lateinischen Komödie kommt daher ebenso wenig
die Rede als auf den Leimstengler des aussersciweize-
rischen Dramas, über welchen Spengler im Archiv ur
Literaturgeschichte X, 576 ft'. gehandelt hat. Auf das
XVII. Jahrhundert hätte sich der Verfasser lieber gai
nicht einlassen sollen, da ihm nur vereinzelte Dramen
und Dramatiker aus dieser Zeit bekannt sind und der
Einfluss des italienischen Harlekin auf die deutsche
Xarrenfigur ihn lücht ziu- Untersuchung gereizt liat
In den Kapiteln über die englischen Komödianten und
über das Volksschauspiel vom Doctor Faust ist er ganz
abhängig von Creizenach, in dem Abschnitt über die
Wanderbühnen von Dr. Heine. Auf genauer Kenntniss
des Materials beruhen also bloss die Kapitel über Hans
Sachs, Ayrer, den Herzog Julius von Braunschweig und
Ch. Weise. .. , . ,.„
In diesen Kapiteln geht der Verfasser zunächst die
einzelnen Dramen durch, indem er von jedem eine kurze
Inhaltsangabe vorausschickt und die Stellung der komischen
Figur innerhalb des (Janzeu. näher bestimmt. Dass aut
dii-ein Wege Vieles mit unterläuft, was nicht zum Thema
gehört und die Aufmerksamkeit gerade von der komischen
Figur wieder abzieht, ist begreiflich. Der \ erfassei
hätte die Uebersichtlichkeit wenigstens durch emc bes e, e
Anordmuig fördern können, wenn er z. B. die »tucke
1891. Literatuvblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1.
10
Ayrers anstatt iu der Reihenfolge des Druckes so nach
einander aufgezählt hätte, dass die Stücke in welchen
der Xarr wenig- zu tliun hat, denen voransgingen. in
welchen er viel beschäftigt ist: die Stücke, in welchen
er Nebenperson ist denen, in welchen er die Hauptrolle
spielt: die Stücke, in denen er nur mit den bekannten
Zügen erscheint, denen, in welchen er luit neuen Zügen
ausgestattet ist. Auf diese Weise hätte der Leser
der Untersuchung schrittweise folgen können, welche
jetzt beständig liinauf und hinunter, abwärts und wiederum
iu die Höhe führt. Ich zweifle aber, ob es überhaupt
nöthig war, die Excerpte selbst dem Leser vorzulegen,
welchem die Texte der von dem Verfasser benutzten
Dramen in den meisten Fällen unschwer zugänglich sind.
Die zusammenfassenden Charakteristiken, welche der
^'erfasser am Schlüsse jedes Abschnittes gibt, hätten
vollauf genügt, wenn sie der Verfasser etwas weniger
schematiseh gehalten und die Darstellung zu einem
lebendigen Bild abgerundet hätte.
Ein letztes und schweres Bedenken richtet sich
ferner gegen die Abgrenzung des Stoffes. Das Buch
schliesst genau mit dem Zeitpunkt, in welchem die Herr-
schaft des Hanswurst beginnt, dessen immer mehr um
sich greifender Bedeutung schon die letzten Kapitel nicht
mehr gerecht zu werden verstanden. Es wird neuer-
dings Mode, Vorgeschichten zu schreiben. In der Regel
vergisst mau dabei zweierlei: erstens dass die Dinge
selbst freüich immer da waren, dass es sich aber in der
Geschichte des geistigen Lebens darum handelt, ob sie
im Vordergrund oder im Hintergrmid, obenauf oder unten
waren; zweitens dass uns eine Vorgeschichte nur dann
willkommen ist, wenn sie die Geschichte selbst einleitet
oder ergänzt. Eine Geschichte des Hanswurst müsste
selbstverständlich auch auf dessen Vorgeschichte Ruck-
sicht nehmen. So weit aber, wie der Verfasser meint,
sollte man die Specialisirung doch nicht kommen lassen.
Er verlangt einen eigenen Arbeiter und ein eigenes Buch
über die komische Figur in den Fanstdramen, über den
Hanswiu'st der Wandertruppen, endlich für die selbstän-
dige HanswTirstkomödie. Wir glauben, dass die Unter-
suchung über einen einzigen Charakter in einer einzigen
Dichtungsgattung in dem Zeitraum vom XVI. bis zum
XVII. .lahrhundert doch vielleicht noch von einem
Arbeiter zu bewältigen sein wird, vorausgesetzt, dass
er sich auf seinen Gegenstand wohl vorbereitet hat.
Forderungen, wie sie der Verfasser aufstellt, lesen sicli
wie ein Hohn auf das Princip der Arbeitstheilung und
öffnen dem schlinunsten Dilettantismus das Thor: nämlich
demjenigen, der von heute auf morgen arbeitet und von
der Hand in den Mund lebt, sich wissenschaftlich anstellt
und doch zur wissenschaftlichen Uebersicht über die That-
sachen niemals durchdringt.
Wien. Minor.
Steiner, Rudolf, Goethe als Vater einer neuen
Aesthetik. Vortrag geholten im Wiener Goetheverein.
Wien, Verlag der „Deutschen Warte" (Engelbert Perner-
storffer). 18S9. [Sonderabdruck aus dem 4. (April-) Heft
der , Deutschen Warte", 1889.]
Gegenüber der idealistischen Aesthetik, welche die
Schönheit als sinnliche Erscheinung der Idee betrachtet,
sowie gegenüber der empiristischen, die aus der Analyse
des subjectiven Lustgefiihls das Prhicip für die Begriffs-
bestimmung des objectiv Schönen zu gewinnen sucht,
weist der Verf. in feiner und bei aller Kürze klar durch-
geführter Erörterung auf ein Princip der A^'Sthetik
zurück, welches, schon in Schillers Untersuchungen nahe
gelegt, bei Goethe in mehr gelegentlichen Aensserungen,
i aber scharfer Beleuchtung hervortritt. S. 13: „In dem
Hinausgehen des Ciegenstandes über sich selbst, aber
doch nur auf Grundlage dessen was in ihm schon ver-
borgen ist, liegt das Schöne." In diesem Sinne aber
ist es nicht die „Idee in der Form der sinnlichen Er-
scheinung", sondern gerade umgekehrt eine „sinnliche
Erscheinung in der Form der Idee" (15). Das Schöne
ist nicht ..das Göttliche in einem sinnlich-wh-klichen
Gewände"; sondern „das Sinnlich-Wirkliche in einem
göttlichen Gewände" ; es ist Schein (im Sinne Schillers),
weil es eine sinnliche Wirklichkeit vor Augen stellt, „die
sich als solche wie eine Idealwelt darstellt" (ebd.). Dass
wir hier in der That auf dem Boden der Aesthetik
unserer Klassiker, insbesondere Cxoethes, stehen, hätte
sich noch diu'ch viel eingehendere Belege darthun lassen,
als es bei dem Verf. (etwas zu flüclitig) vermittelst
einiger Aphorismen aus Dichtung imd Wahrheit, den
Sprüchen in Prosa und den Gesprächen mit Eckermann
geschieht. Seine Ansicht am Schlüsse (15): „Die Aesthe-
tik, die von der Defiuition ausgeht: das Schöne ist ein
sinnlich Wirkliches, das so erscheint, als wäre es Idee,
diese besteht noch nicht" — ist übrigens nur theilweise
zutreffend. Denn jene Auffassung des Schönen liegt
bereits demjenigen zu Grunde, was iu Aristoteles' Poetik
über die Aufgabe der dichterischen Darstellung gesagt
ist (es ist unrichtig (5), dass Ai'ist. „kein höheres Kunst-
princip kannte als die Xaturnachahmung"), und sie ist
auch iu der Aesthetik der Gegenwart nicht ohne Ver-
tretung.
Giessen. H. Siebeck.
Braitmaier, Friedrich, Geschichte der poetischen
Theorie und Kritik von den Disknrsen der Maler
bis auf Lessing. Frauenfeld, Huber. I. Theil. 1888.
X, 312 S. 8. II. Theil. 1889. VIII, 288 S. 8. M. 10.
Vor drei .Jahren hat uns Karl Borinski mit einer
vortrefflichen Arbeit über „Die Poetik der Renaissauce
und die Anlange der literarischen Kritik in Deutschland"
(Berlin, Weidmann) beschenkt. Er schildert uns die
poetische Theorie von Opitz bis ziun Anfange des 18.
.Jahrhimderts, bricht also leider gerade au dem Punkte
ab, wo der grosse Kampf über das Wesen der Poesie
zu entstehen beginnt. Eine willkommene Fortsetzung
bietet uns nun Braitmaier und zwar auf nT)ch breiterer
Grmidlage und mit einer Beleseuheit, die derjenigen
Boi'inskis kemeswegs nachsteht.. B. verspricht uns im
Vorworte nicht nur eine Geschichte einzelner Begriffe
luid Lehren, sondern ..eine zusammenhängende DarsteUnng
des Systems der bedeuteuderen Autoren". Von den
Diskursen der Maler ausgehend charakterisirt der Ver-
fasser die historisch-kritische Stellimg dieser ei-sten
deutschen moralischen Wochenschi ift zm- deutschen Lite-
ratiu-, ihi- Verhältniss zu den Franzosen mid Engländern
und — in eingehender Weise — die Ziele der jungen
Autoreu namentlich mit Hinsicht auf ihre poetischen
Theorien. B. versäumt nicht, wiederholt auf die Ab-
hängigkeit der Schweizer von ihren ausländischen Vor-
gängern hinzuweisen, gleichwohl scheint uns diese Seite
noch nicht genügend hervorgehoben zu sein. Wie wenig
entwickelt der Begi'iff des literarischen Eigenthumsrechtes
damals war, hat neuerdings Servaes (Die Poetik Gott-
scheds und der Schweizer; Anliang) an Breitiugers
kritischer Dichtkunst gezeigt. Von den Diskiu'sen düi-fte
11
1891. Litoraturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1.
12
narh genaner. allseitiger Untersncliimg nur noch sehr |
wei)i(sr als ;r-istigr<-s KifTfiithum dt-r Zürcher übrisr Weihen.
Die grusse Ahhäiifrifrkeit der „Verniinftifren Tadle- j
rinnen" von der Wochenschrift liodmers und Ureitingers
ist vom Verf. — unsers Wissens zum ersten Male —
genau nachg'ewiesen worden. 1
Im weiteren Verlaufe seiner Untersuchung schildert
uns H. das anfängliche Zusammengehen der Leipziger
und Zünher, die entstehenden Difterenzeii, den Ausbruch
des (irt'enen Streites — Alles theilweise unter wiatlicher
Beiziehung der wichtigsten Stellen ans den Streitschriften.
Wer schon Anläufe genommen hat, sich durch den zum
Theil doch recht unerquicklichen Wald jener Literatur
durchzusoUlag.'n. wird dem Verf. dafür dankbar sein,
dass er uns in angenehmer und doch recht zuverlässiger
Weise mit allen wichtigen Einzelheiten der Bewegung
bekannt macht. In einem Punkte nur können wir mit
B. nicht übereinstimmen. Die freundliche Sorgfalt, mit
der er die Verdienste Bodmers und Breitingers hervor-
hebt, verwandelt sich ins Gegentheil, sobald die Unter-
sncliung auf Gottsched übergeht. Danzel mag seinen
Helden zu sehr gepriesen haben, B. geht nach entgegen-
gesetzter Seite zu weit, indem er den Leipziger Dictator
sammt seinem Biographen zerzaust. Wir greifen ein
Beispiel heraus. Es soll imrichtig sein, wenn „heute noch
in vorgeblich wissenschaftlichen Literaturgeschichten" be-
hauptet wird, Gottscheds historische Bedeutung liege
auch „in der Fixiining der neueren deutschen Schrift-
sprache" (p. 9). Dazu vergleiche man nun, was B.
später selbst über diese Frage sagt (p. 49): „Selbstän-
dig ist Gottsched in der Schätzung der deutschen Sprache
und aller Achtung werth ist sein Appell an den deutschen
Patriotismus wegen sorgfältigerer Pflege der Jlutter-
sprache"; ferner: „es ist ein wirkliches Verdienst von
ihm, dass er mit grossem Eifer nic'iit bloss für die Rein-
haltung der lluttersprache von fremder Beimischung,
sondern überhaupt für feinere und geschmackvollere Aus-
bildung derselben eintritt-'. Die abschwächenden Zwischen-
bemerkungen B.'s, Gottsched gebe damit „nichts als die
in den deutschen Sprachgesellschaften seit einem Jahr-
hundert hergebrachte Phrase", oder er setze „die seit
Opitz übliche Tradition" fort, können die Thatsache
seiner Verdienste nicht verschwinden machen. Vgl.
noch p. 53.
Den gi-össten Reichthum an neuen Gesichtspunkten
scheint uns im I. Theile das 9. Kapitel zu enthalten;
besonders was B. über .T. E. Schlegel bringt, ist von
bleibendem Werth, tiotz der Abhandlung von Antouiewicz,
mit welchem sich der \'erf. in einer längeren Anmerkung
auseinandersetzt (p. 292—295).
Der IL Theil ist den Aesthetikern der Leibuitz-
Wolffschen Schule gewidmet. Baumgartens Eintührung
der neuen Wissenscliaft der Aestlietik wird ausführlich
behandelt; wir erhalten ein genaues Bild seiner Be-
strebungen und hören auch, wie die bisher herrschenden
Theoretiker sich zu der neuen Lehre stellen. Es ist
überhaupt ein besonderes Verdienst B.'s, dass er die
verschiedenen Anschauungen und Theorien nicht nackt
darstellt, sondern fortwährend auch grossen Fleiss darauf
verwendet, die Lmstände, unter welchen dieselben auf-
tauchten, genau zu schildern. — Nach einer kurzen
Charakterisirnng des Snlzerschen Standi)unktes fallt der
Löwenantheil des II. Bandes Jloses Mendelssohn zu,
dessen Kunstlehre aus seinen Schriften zu einem weit-
läufigen Gebäude aufgeführt wird. Ohne im Stande zu
sein, die Einzelheiten nachprüfen zu können, heben wir
nur die Sorgfalt hervor, mit welcher der Verf. die Be-
ziehungen .Mendelssohns zu Franzosen und Engländern
darstellt, während bei den üblichen Schilderungen Jener
Literaturperiode diese Seite gewöhnlich verkürzt wird
zu Gunsten einer weiteren Austührung der Anknüpfunjreu
des Berliner Aestlietikers an die klassischen V.>rl)ilder.
B.'s Werk darf den berechtigten Anspruch auf volle
Beachtung von Seite der Literarhistoriker des 18. .lahr-
hunderts erheben : denn nirgends sind bisher die poetischen
Theorien .jener Zeit mit solcher Gründlichkeit und Aus-
führlichkeit behandelt worden. Auch die Bibliograidien
werden sich über die detinitive Feststellung einer Reihe
bisher schwankender Angaben freuen.
Zürich. Theodor Vetter.
Erlanser BeitrSRe znr englisohen Philologie. Hernus-
gegeben von U e r ni a n n V a r n h a gc ii. 1. Heft : Pe Dcspu-
tisoun bitwecn jie Boili iin.l l)e Soule. Hrsg. von W i lli e I m
Linow. Nebst dem altfrnnz. Oo. lichte 'Un Siimedi par
Nuit'. 209 S. — VI. Heft: Die l'ia;,'menfo der Keilen der
Seele nn den Leichnam in zwei Handscliriftcn zu Worccster
und Oxforil. Neu hrsR. nebst einer üntersucliung über
Sprache und Metrik, sowie einer deutsehen Uebersetzung
von Richard Buch holz. LXX, 2S S. Erlangen und
Leipzig, Deichertsche Verlagsbucliliandlung (Georg Bölinie).
1889/1890.
Von den 'Erlanger Beiträgen zur englischen Philo-
logie (vgl. Ltbl. 1890, Sp. 301) sind zwei weitere Hefte
erschienen, die dasselbe Lob verdienen, wie die früheren.
Heft I enthält zunächst eine in sechs Hss. über-
lieferte me. Bearbeitung des „Streites zwischen Leib
und Seele". Seine Absicht, eine kritische Ausgabe des
Denkmals zu versuchen, hat der Herausgeber. Linow,
„nicht ohne Widerstreben und Bedauern" aufgegeben.
Die Schwierigkeiten, die sich der Ausführung seines
Planes entgegenstellten, hat er auf S. 21 ft". aufgezählt.
Aehnliche Schwierigkeiten begegnen aber fast bei jeder
kritischen Ausgabe; sie wären nicht unüberwindlich ge-
wesen. Innnerhin ist es besser, dass die kritische Ge-
staltung des Textes vor der Hand hinausgeschoben ist,
denn es ist mir fraglich, ob der von L. aufgestellte
Stammbaum der Hss. in allen Punkten den thatsächlichen
Verhältnissen entspricht. L. ist bei der Beurtheilung
des Hss.-Vcrhältnisscs von der Strophentabelle, S. 5—7,
ausgegangen, und das wäre ganz gut, wenn wir nur
irgend einen äusseren Anhalt hätten, um mit Sicher-
heit diese oder jene Strophe für echt oder unecht zu
erklären. Wenn aber auch wirklich, was ich zugebe,
die in AL enthaltenen, in VDR fehlenden sieben Strojdie.n
ursprünglich sind, so folgt daraus doch nur, dass VDR
auf eine gemeinsame, bereits lückenhafte Quelle, also
j', zurückgehen. Irgend welche gemeinsame Fehler,
Lücken. Zusätze für AL hat der Herausgeber nicht
nachgewiesen, und ich habe auch keine gefunden; es ist
demnach durchaus nicht „schon aus dem Obigen klar,
dass A und L auf eine gemeinsame Quelle « zurück-
gehen" (S. 8); vielmehr kann jede Hs. für sich, unab-
hängig von der andern und von der Gruppe y aus dem
Original herstannnen. In praxi würde dies freilich nicht
allzuviel ändern, denn wenn AL der Gruppe VDR gegen-
überstehen, würde man auch nach Linows Stammbaum
ihnen, als den älteren, den Vorzug geben. Wichtiger
aber ist etwas anderes. Linow hat es untei lassen, die
Richtigkeit seines Stammbaums auch im Detail an den
Lesarten der einzelnen Hss. nachzuprüfen und etwaige
Widersprüche gegen denselben in befiiedigender Weise
13
1891. Literaturblatt für ^ermanisclie und romanische Philologie. Nr. 1.
14
zu lösen. So liiitti- vr ■/.. l'>. timifn müssen, dass K an
einer Keihe von Stellen in eleu Lesarten genauer mit
A übereinstimmt, wiiln-enil LVD oder VI) iremeinsam
anders lesen, leli erwiiline als die wiclitiirsten Fälle
(die Verszahlen nach dem Drig-inal) : V. 54: wilde icoriiie»
AR > foule warmes LVD : A'. 67 : nie» AE > gyloiirs
\'Y) : V. 89 : hl alle Jn Utie AE > in al pi siht VD ;
V. 122: AI pi gode AE > Pyn oper ])i»g V; /'//
other catel D: V. 126: Jlors o>id sirine, sehepe and
net AK; Scheep or siri/n or Jtors or nei VD : V. 145:
reweful AE > grisli VD; V. 151: Wlupcr poii ort
mi fere A; Where hast J>ou he mif ferc R > Whoder
pOH^test pou fere VD ; V. 172: Hui A; have lived R
> haue dured V; endured D; V. 177: iroipli AR >
iiiurie VD; V. 197: wirhecraff ALR > wikl'ed craft
VD; V. 217: wreche AR > om. LVD: V. 402: of pi
soule AE ; of me pi soule L > of me . . . rihtliche VD;
V. 522: ^s he schuld ALR > And scholde VD ;
V. 541: fendes A: dcveles R; deceles ratchcs L >
racches VD. Xach Linows Stammbaum müssten, falls
AR die ursprüngliche Lesart bieten, die Schreiber von
V und D : falls letztere lichtig- sind, die Schreiber von
A und R. jeder selbständig' für sich, auf genau dieselben
Aenderung-en verfallen sein. Das ist aber unmöglich ;
es musä vielmehr irgendwie eine Diu'chkreuzung des
Hss.-Verhältnisses stattgefunden haben. Jedenfalls bedarf
es einer nochmaligen, gründlichen Untersuchung-, ehe
man an die Herstellung eines kritischen Textes heran-
g:elien kann.
In dem Abschnitt C '(^uellenfrage' (S. 10 — 13) sucht
es li. wahrscheinlich zu machen, dass der englische
Dichter ausser der lateinischen Fassung auch noch eine
der alt französischen Bearbeitungen des Stoftes benutzt
hat, nämlich das von Varnhagen im 'Anhang I' heraus-
gegebene Gedicht 'Uu samedi par nuit' O'gl- darüber
Mussalias Referat Ltbl. Sp. 150). Ich muss gestehen,
dass die von L. zum Beweise dafür angeführten Parallel-
stellen mich durchaus nicht von der Richtigkeit seiner
Ansicht haben überzeugen können. Gleich der erste
Hinweis aiif 'Pi proude palfrais und pi siede' etc. ist
in der me. Lviik so stereotj'p, dass der Dichter diesen
Gedanken nicht erst aus einem franz. Gedichte zu schöpfen
brauchte. Ebenso sind Klagen über die Untreue der
AVeiber gar nicht ungewöhnlich (vgl. z. B. Maximion)
und überdies hier durch die lateinische Vorlage nahe
gelegt (ed. Wright V. 66/67). Die dritte Stelle steht
im Franz. in einem ganz anderen Zusammenhange und
auch die folgenden zeigen keineswegs eine sehr enge
Berührung. Von einer Benutzung des franz. Gedichtes
durch den Engländer könnte man nur dann reden, wenn
irgend ein der franz. Bearbeitung allein eigenthttm-
licher Passus im engl. Gedichte wiedergegeben wäre,
so z. B. die Darstellung der Auferstehung von den
Todten und des jüngsten Gerichts, die dort einen sehr
grossen Raum einnimmt (V. 45-3 — 564). Also, es steht
nur so viel fest, dass das englische Gedicht in engem
Anschluss au das lateinische, vielleicht aber auch unter
leiser Anlehnung an ältere englische Gedichte ähnlichen
Inhalts geschrieben ist.
Ueber den Dialekt handelt L. auf S. 16—19. Wie
Heesch entscheidet er sich für das Mittelland und fügt
hinzu : Die consefiuente Abwerfung des n des Intinitivs
und die Formen fro und liifurn sprechen für den Norden
desselben.
Auf die Metrik des Denkmals ist L. leider niilit
näher eingegangen. Als Entstehungszeit nimmt er die
zweite Hälfte des 13. .Th.'s an, was richtig sein dürfte.
Bei dem Abdruck der Texte, von denen X und L
einerseits. V und D anderseits parallel gedruckt sind,
hat Linow diejenige Stropheiioidnung zu Grunde gelegt,
welche er als die des Originals auf S. 13 ft'. ermittelt
hat ; er ist also bis zu einem gewissen Grade wenigstens
kritisch verfahren. Diese gleichmässige Anordnung er-
leichtert die Uebersicht und die Vergleichung ungemein,
selbst wenn sie in einzelneu Punkten nicht ganz richtig
sein sollte. I'm so mehr ist zu bedauern, dass L. die
von Varnhagen (Angl. II, 229 If.) herausgegebene Hs.
R nicht nochmals abgedruckt hat. Von dem Fragment
der Simeon-Hs., die fast wörtlich mit der Vernon-Hs.
übereinstimmt, gibt L. mit Eecht nur die Varianten.
Da L. auf eine kritische Gestaltung des Textes
verzichtet hat, so hätte er vielleicht besser gethan, iiuch
jede Aeuderung der handschriftlichen Lesart im Texte
selbst zu unterlassen. Wollte er aber, was ja voll-
ständig zu billigen ist. offenbare Fehler der Schreiber
bessern, so hätte er mindestens diese Stellen hn Text
dui-ch cursiven Druck auszeichnen und die handschrift-
liche Lesung unter dem Texte verzeichnen müssen. In
den dem Texte folgenden Anmerkungen (S. 107 — 111)
gibt L. zwar Auskunft über seine Aenderungen und die
Lesung der Hss., aber, so weit L in Betracht kommt,
nicht mit absoluter Vollständigkeit. So steht z. B. im
Texte von L V. 72: Htli: 273: te; 291 je; 312:
Forpi, während die Hs. nach Varuhagens Collation
(Angl. II, 249 ff.) an den entsprechenden Stellen litel
— to — pe — forhi liest; in den Anmerkungen hat
aber L. nicht das Geringste darüber bemerkt. Dabei
sind manche Aenderungen von L, die der Herausgeber
allerdings von Varnhagen (1. c.) übernommen hat, ganz
überflüssig. So ist z. B. L 123 die Lesung der Hs.
ivijt (= ae. täte) durchaus passend; warum ist also
dafür das synonyme gult aus den jüngeren Hss. einge-
setzt? — Ebenso ist L 190: Was te nane non of
pise 'es fehlte dir keiiis von diesen' (d. h. von den vor-
her aufgezählten Lastern) sehr gut und verständlich,
und es lag nicht die geringste Veranlassung vor, mit
den übrigen Hss. in al icise zu schreiben.
Im Anschluss daran ein paar andere Bemerkungen :
L 235. Die Bedeutung 'günstig gesinnt' hat mind
auch Cursor Mundi 21895: sa meke and mind {: kind).
— L 447. Warum ist Mätzners Aeuderung mani,
die auch Varnhagen billigt, nicht adoptirtV — D 29.
brede 'brüten' gäbe vielleicht auch einen passenden Sinn.
— D 132. Es war einfach zusammenzuschreiben kneland
'knieend'. — D 255. Linow schreibt list ; „die Hs. lie^
find (letzteres Wort durch Abkürzungszeichen)". Nun
kann aber das Abkürzungszeichen für and unter Um-
ständen einem st zum Verwechseln ähnlich sehen ; so hat
z. B. hn Rom. of the Rose 6344 der Schreiber statt
Ahstinence utreyned (cf. ib. 7325. 7366. 7483) ganz
sinnlos Ahstinence and reijued geschrieben und alle
Herausgeber drucken es so nach. Auch an unserer Stelle
stand jedenfalls He-^st in der Vorlage. — A 168. In
der Hs. steht Per nis non ojain-char da gibt es keine
Rückkehr' (vgl. ^einchar Rückkehr. Umkehr' Mätzner,
Wb. 2, 346). L. schiebt aber nach VDR, wo die Con-
structiou ganz verschieden ist. helpe hinter non ein: Per
nis nun [hetpej o^ain char. Wie will er das über-
setzen? — A 242. higin(n) in der Bedeutung 'um-
garnen, bezaubern" kunnut auch vor C. M. 3880. 15966.
3
ir.
1891. Literaturbutt fQr ^ermanisolio und romRnigohc PhilotoKie. I7r. I.
\i;
1222(1. A 343 44. Die Stelle ist sjar nicht ver-
derbt: nur darf nicht />/ einscschubi-n wi-rden. Nicht
'Icli ^'inü• nacli deinem Willen nach Nurdeu und
Süden", sundern 'ich g:iug nach Willen (d. h. nach
nicinr-ni Willen, willkiirüch) nach Norden und Süden
und licss auch dich deinen ci^:cnen Willen halien'.
— A 411. Alias.'... wi lif ijhtKt 'Wehe, dass mein
Leben (Sf lang:e) K't'dauert hat', 'Wehe über mein ver-
frangenes Leben' ist eine l'articiiiialconstiuction ähnlich
wie .A 107 : }\ow weh- is liiiii Jiis day i/sviii 'Nun wcilil
ihm. dass er diesen Tag gesehen' eder Lib. Desc. (meine
.■Vusg.) 073: 117/«/ Itcl/j tno toleg tehl ; Maximion (ed.
Varnhagen) HO: ]V(ü lidpt/) (il ito/il : K. .\lis. 7H70 :
U'liat hfi/Htli il h-ni/cr i/teld etc.
Eine sehr dankenswertlie Beigabe ist '.-Vnhang U':
The Moiik'.'' Dreani, eine freie Bearbeitung des me.
(iedichtes von Sir Theodore Martin, mit Erlaubniss des
Verfassers aus: The Song of the Bell and otlier
Translations frum Schiller. Goethe, l'hland and
others (Bliickwood & Sons) hier wieder abgedruckt.
„Statt der aclit/.eiligen. aus lauter vieiliebigeu Versen
bestehenden Stroiihe der Vorlage hat der moderne IHchter
eine neunzeilige Strophe gewählt, in weidier die ersten
acht Verse in je zehn Silben fünf Hebungen haben,
während der letzte Vers zwiilfsilbig und sechshebig ist.
Die Keimfolge ist abablicbcc" sagt der Herausgeber.
Warum nicht einfach: ..die Spen.serstanze'" V
Heft W enthält 'I>ie Fragmente der Keden der
Seele an den Leichnam in zwei Hss. zu Worcester und
Oxford. Neu hrsg. von Riehard Buchholz'. Diese Frag-
mente sind zwar längst bekannt und' wiederholt gedruckt ;
aber es ist immentlich der Text der ersteren so ver-
stümmelt uns überliefert, ilass selbst nach den zahl-
reiclien glückliclien Ergiinzungen Haufes (tireifswalder
Diss. 1880) innner noch viel zu tliuii übrig bliel).
Die neue, von Buchholz hier besorgte Ausgabe ist recht
sorgfältig gearbeitet.
In der EinhMtung Itespricht B. zunäclist die Hss.
und .Ausgaben, sodann das \'erliältniss von W zu O.
Etwas Sicheres lässt sich über letzteres nicht feststellen :
aber dass O nur ein weiteics Bruchstück des in den
W-Fragmeuteu enthalteiieii Gedichtes sein sollte, ist
m. E. doch recht unwahrscheinlich. Die ganze Anlage
ist in beiden Gedichten zu sehr verschieden, und da ich
O dem \'ersbau nach für älter halte, so ist die IMöglich-
keit. dass O v<in dem Verfasser von W benutzt wurde,
trotz Varnhagen keineswegs ausgesclilossen. Die Fnter-
suchung über die '(^uellelifrage' (III) und 'Eutsteliungs-
zeit' (XI 1) hat kein positives Resultat ergeben.
Auf S. V1--LX11 gibt B. eine ausführliche Dar-
steilnng der Laut- und Fh-xionsverhältnisse der Frag-
mente, was gerade l)el einem Denkmal ans der Ueber-
gaugszeit verdienstvoll ist. l iipractiscli aber erscheint
mir. gerade weil es sich um die rebergangszelt liandelt,
das Ausgelieu von dem Lautbestaude des Denkmals; das
emptiehlt sich nur in Perioden, in denen eine gewisse
Fixirung der Sjiraclie stattgefunden hat. also ■/.. B. bei
Chaucer. Beiläufig will ich zu p. XVI ;■ bemerken, dass
die Ursache, weshalb in (Inzeluen Wörtern urg. o im
Ae. zu u geworden ist (z. B. /»'//, fi(f/ol, inilf etc.)
doch wohl 'ersichtlich' ist, nämlich die Nähe eines labialen
Consonanteu (vgl. Sweet. Ilistor.v of English Sounds
1888 p. 118 § 423). (ianz dieselbe l'rsache hat auch
im Ne. in einzelnen Wörtern, wie fiill, huU, wiilf, pull,
pul etc. den w-Laut rein erhalten. Es fidgen auf
S. LXII — LXXVI Bemerkungen über die Metrik beider
Texte, die sich allerdings auf die Verwendung der W-
literation und des Endreims beschränken und von einer
Durchforschung der rhythmischen Principien absehen ;
eine Beschränkung, die bei diesen Texten gewiss be-
rechtigt ist. Zu den Versen mit Endreim hätte B. nicht
bloss vermutliunusweise. sondern thatsächlich ancli die
Verse A .U». 42. 44: C 15. 37: D ü. Di. 42; F 19;
G t) rechnen können, denn ungenaue Reime wie /// ;
$'i[) sind auch in der späteren Zeit gar nicht selten: ich
verweise z. B. auf Desputisouu ed. l.inow A Sit: liuv :
sijic : kipe : hlific.
Den Texten selbst (S. 1-11) folgen Anmerkungen
(S. 12 -UM und als .\nhang eine deutsche l'ebersetzung.
Der Text und das Aerstäudniss der Worcester-Fragmente
hat inzwischen eine wesentliche Förderung erfahren durch
die zahlreichen Besserungs- luid Erkliirungsvorschläge
Zui)itzas im Archiv für nenere Sprachen 8.5. 78 ff. Einige
Kleinigkeiten füge ich hinzu: D 44. \ielleicht ist zu
lesen: Tu loii<jlv spatjedc ihaji Jie fiel he uoldc uimcti
pe. — F 2. 3. Zupitza (1. c.) hat schon darauf hinge-
wiesen, dass die Lücke zu ergänzen ist: I'k /opiirdc?!
phie miijij nicht fdn l/Oii. Aber auch in dem htt. \'erse
steckt ein Fehler. Statt ipsuiii, das keinen Sinn gibt, ist
mit der A'ulgata spiritiiiii zn lesen, wofür in der englischen
Uebertragung des Verses »ic steht, weil es eben der In'isf
Selbst ist, der spricht. Der Schreiber konnte die Ab-
kürzung von sjiiritinii leicht mit ijisuni verwechseln. —
G 25. A! iiHiltc hirc im etc. drnckeu H. und B. und
letzterer übersetzt : '.Ach ! werde ihr Weh' etc. Es ist
aber A hier sicher nicht die Interjection, sondern das
adv. (( 'immerdar, ewig'. Das Ausrufung-szeiclien ist also
zu streichen und demnach zu übersetzen: 'Auf ewig
werde ihr Weh 1
Königsberg i. Pr. Max Kaluza.
Uuevkel, NN'ill.v, Ilas Sprich wurt bei CliHUcei'. /^u-
{{li'icli Pin Beitrag zur vorglciclipii<lpn Piirichwörterkunde.
Krlangon iiml Leipzig, DeioluMt. ISiU). M. l.SO.
Riegel, .lulin». Die (|nelleii vuii William Morris'
Dichtung ,,The Karthly Paradise". Erlangen ii. Leipzig,
Deichert. ISltO. M. 1,00.
Die beiden Arbeiten bilden Heft VUI und IX der '
„Erlanger Beiträge zur Englischen Philologie", welche
Prof, Varnhagen herausgibt.
In dem erstgenannten Werke finden wir an ei>iei
Stelle eine wohlgeordnete Zusammenstellung von 187 '.
j.sichern Spiichwörtern und sjiricliwörtlichen Redensarten" )
aus Cliaueers Werken mit Einscliluss des Roseuromans. v
Daviiii Werden 1(15 auch ans dem sonstigen Englischen n
und aus andern Sinaclien nachgewiesen; für I (i findet 7
der \eil. Xergleichsstellen nur im Englischen, und 6
konnnen alh'in bei Chaucer vor. der sie aber ausdrück-
lich als Siirichwörter bezeichnet. Darauf gibt der Verf,
noch eine lange Liste ,,zweifelliafter Sprieinvörter und
sprichwörtli<'her Redensarten", die er zum Tlieil auch
sonst belegt, l'nil schliesslich konnnen Cliaueers ,. .An-
spielungen auf Sprichwörter und sprichwörtliche Redens-
arten". Am P^nde angehängt ist ein nach den Werken
Chaucers geordnetes ,.\'erzeicliniss der besprochenen
Stellen". Hierdurch, und namentlich durch sorgfältige •
Hinweise auf die umfangreiche einschlägige Literatm 1
wird die Benutzung des verständig auKefertigten Buche |
sehr erleichtert unil seine Brauchbarkeit erheldieh ;;■
steigert. Es hat namentlich die Eikenntniss von Chane >
.Art und Sprache einen guten Schritt vorwärts gebiad
17
1^191. Literaiurblatt für gcrnianiscliu unil romanische Philologie. Kr. I.
18
l)as andere Heft dev Erlaiig-er Beiträi^e' beliandelt
die voi'züjiliilie Dichtung' TIte Ecrtitli/ Paradise des
iR'kannten englischen Sozialisten und Pneten William
.Alorris in iiireni Veihältniss zu den benutzten (Quellen.
Her Verf. folgt darin den Spuren seines Lelirers. der
in Sil schöner Weise den Ursprung: der meisten eiii-
zi'liien Erzählungen in Longfellows Tales of a Wdijside
Inti nachgewiesen hat. Es ist ihm gelungen, für jede
der 24 Geschichten, die i[orris in seinem Werke in so
anziehender Weise vereinigt und bearbeitet hat, die
entsprechende mittelalterliche oder klassische Fassung
autzutiuden. Auch hat er durch Vergleichung der Vor-
lagen mit der neuen Bearbeitung in ihren einzelnen
Zügen nianclnnal helleres Licht auf die dichterische
Eigenart !Morrisens geworfen und gezeigt, wo, wie und
warum er auslässt, zufügt oder ändert. Einige kurze,
nicht .Federn zugängliche Quellen theUt er wörtlich mit.
Heidelberg. Karl D. Bülbring.
Proelss, Robert, Shakespeare's -Macbeth erl.äntert.
Erläuterungen zu den .■juäländischen Klassikern it. Bämlchen.
Leipzig, Ed. Wartigs Verlag (Ernst Hoppe). 1SS9. 153 S.
S. M. 1.
Proelss handelt kurz von der Entstehung- des Stückes,
theilt dann aus Holiiished die Abschnitte über Duncan
und König Dutfs Ermordung mit, sowie eine Scene aus
Middletou's Witch und einige Sätze aus E. Scott's Dis-
coveries of Witchraft. Au dritter Stelle, S. 49—86,
untersucht er Shakespeare's VerhUltniss zu seiner Quelle,
an vierter gibt er eine ..Entwicklung der Handlung"'.
Dieser letzte Theil erscheint mir als der ungenügendste
der Arbeit, gegen die freilich auch sonst manche Bedenken
auftauchen müssen. Die Aufzählung der Uebersetzungen
bis 1833 könnte den Glauben erwecken, als wenn hier
nach Vollständigkeit gestrebt würde: es feUljt aber die
Uebertragung von Wieland 1765, Eckert 1779, H. L.
AVagner 1779. Lachmann 1829. Von den späteren
hätte wenigstens Simrocks Probeband ..Shakespeare als
Vermittler zweier Nationen" 1842 noch ausser Leo, nach
dem Proelss citirt, Erwähnung verdient. Literatiu"-
angaben sind überhaupt ausgeschlossen, und es lässt sich
ja die Ansicht wohl begründen, dass dem Schüler nur
das thatsächlich Vorliegende erklärt werden soll, ohne
ihn mit Büchertitelu, die ihm ja doch nur Namen bleiben,
zu belästigen. Bei Düutzers Erläuterungen, nach deren
Muster ja die Erläuterungen zu ausländischen Klassikern
entstanden sind, wird freilich nicht bloss der Schüler
und sein Bedürfniss berücksichtigt. Jedenfalls erscheint
mir auch tür den Schulgebrauch die citatenreiche pro-
saische Inhaltsumschreibung der Sceneu, wie Proelss sie
als ..Entwickeluug der Handlung" gibt, so verkehrt wie
möglich. Was soll mit dieser Verwässerung dessen was
in der Dichtung klar vorliegt erreicht werden'? Ohne
zu hohe Anforderungen an den Schüler zu stellen, kann
man doch die Erläuterung eines Werkes wie Macbeth
in ganz anderer Weise ausnützen. Was Werder in
seinen A'orlesungen über Macbeth (188.5) über die ästhe-
tische Antiassung des Stückes so anziehend entwickelt,
lässt sich auch dem Verständnisse des Schülers zurecht-
legen und wü'd seine Theibiahme, und damit sein Lernen,
ganz anders fördern, als die entsetzlich geistlose Para-
phrasirung des vom Dichter eindringlicher Gesagten.
Ich weiss recht gut, dass Proelss nur in gleicher Weise
Verfährt, wie so viele Erläuterungen zu deutscheu
Klassikern es thun. W. Bittmauns Studie über Goetlies
Iphigenie (1888) z. B. ist ein Muster dieser verwässern-
den Umschreibung einer Dichtung. Durch die HänUgkeit
dieser üblen Erklärungsart wird indessen die Sache nicht
besser. Was Proelss in den drei ersten Abschnitten
seines Bändchens gibt, findet sich ungefähr ebenso gut
in den Einleitungen von Delius, Leo, Bodeustedt : das
als „Eutwickelung der Handlung"' Gebotene (S. 87 — 148)
ist Umschreibung, nicht Erläuterung der Dichtung. Dabei
sind noch einzelne Bemerkungen von höchst fragwürdiger
Richtigkeit. Selbst wenn man Lady Macbeth als eine
verhärtete Verbrecherin betrachtet, hat doch der Vor-
wurf S. 143, sie schliesse sich ., selbstisch" mit ihrer Qual
von Macbeth ab, keinen Sinn. Wenn sie das thut,
geschieht es doch aus dem geraden Gegen theil von
„selbstischem"' Triebe, sie will dann den geliebten Mann
nicht durch Einblick in ihr Elend noch elender machen.
Werder ist für die einst ^^el versiiottete Ansicht Tiecks
eingetreten, welche in Lady Macbeth nicht die Ueber-
liexe, sondern die liebende und durch ihre Liebe zum
Verbrechen getriebene Gattin sieht. Ich habe stets
Tiecks Auffassimg, freilich väe er sie geäussert, nicht
wie seine Gegner sie verzerrt haben, für richtig gehalten.
Die lehrreiche Vergleichung mit Schillers Umdichtimg
sollte in jeder Erläuterung des Macbeth Platz finden.
Proelss hat üir so gut wie keine Beachtung geschenkt.
Aber auch der Vergleich mit andern W'erken Shake-
speares selbst wäre noch in anderer Weise als Proelss
es durch die Gegenüberstellung von Brutus und Hamlet
gethan hat für den Unterricht auszunützen. Macbeth,
sagte Goethe 1825 zu Eckermann, .,halte ich für Shake-
speares bestes Theaterstück : es ist darin der meiste
Verstand in Bezug auf die Bühne"'.
Breslan. Max Koch.
' Scbmediu;^, G., Jacob Thomson, ein vergessener
Dichter des achtzehnten Jahrhunderts. Brauuschweig,
Scliwetsehke & Sohn. 1889. VIL 94 S. 8. il. 1,80.
Wenn auch Thomson durchaus nicht als ..vergessener"'
Dichter bezeichnet werden kann (ist doch sogar eine
Schulausgabe des Spring von A. Werner in Leipzig bei
Teiibner erschienen), so ist er doch durch die dem ruhigen
Empfinden und der beschaulicheu Betrachtung diametral
entgegengesetzten Literatiu-bestrebungen unserer Zeit et-
was in den Hintergnuid gedrängt worden. Es darf so-
mit als ein verdienstliches Unternehmen bezeichnet werden,
wenn Scluueding in seiner Schrift den Blick der Zeit-
genossen wieder auf jenen Mann ziunicklenkt, der einst
als beller Stern an dem Himmel der englischsii Literatur'
glänzte, dessen Dichtungen tiefen Frieden und sittlichen
Ernst athmen, dessen Meisterwerk „Die Jalu-eszeiten"
ein anderes, grösseres Genie zu einer der edelsten
Schöpfungen des menschlichen Geistes veranlasste, ich
meine Haydn mit seiner gleichnamigen musikalischen
Dichtung. Der Verfasser behandelt zunächst das Leben
des Dichters, über welches die Quellen allerdings ntu'
düi'ftig fliessen : sodann aber in eingehender Weise seine
Werke, wobei selbstverständlich den ,..Jahreszeiteu"" der
Hauptantheil zufällt, deren Schönheiten und Schwächen
genügend hervorgehoben werden. Eine etwas ki'u'zere
aber vollkommen ausreichende Besprecluuig erfahren auch
die kleinen Gedichte (Britamiia — In Memory of Isaac
Newton — Castle of Indolence), sowie die Dramen, die
allerdings nur für den engeren Kreis der Literatiu"-
historiker Interesse haben, da sie sowohl der Anlage,
der Ausführung und der Sprache nach als verfehlt zu
bezeichnen sind.
Schmedings Buch wendet sich weniger an den Fach-
1!»
1891. Literaturblatt für gcrmanisohe und romanisclie Philologie. Kr. 1.
20
iiiiuni (obgleich auch dieser es mit grossem (ienuss lesen
wird), als au das g-rosse gebildete Publiknui : wenn da-
her einifre Partien der Schrift nicht vertieft genug er-
scheinen — so z. B. erfahren wir nichts über Thumsoiis
Metrik, über die sich eine ganze Abliandlnng schreiben
Messe — , so ist sie doch wegen ihrer glanzvollen, von
Begeisterung für den (Gegenstand getragenen Sjnache
zur Leetüre durchaus zu empfehlen: sie wird gewiss
ihren Zweck erfüllen und dem englischen Dichter neue
Leser und Bewunderer zuführen.
Kassel. .\dolf Kressiier.
Kawczynski, Maximilien. Kssai cuniparatif sur
l'origine et riiistoire des rythmes. Paris, Uouillon.
ISSil. -.'20 S. S. fr. 5.
Vorliegende .\rbeii behandelt Jen Ursprung der
rythmischen Poesie und ihre AVeiterentwicklung bis zu
den romanischen Literaturen hinab. Der A'erf. geht von
eigenen Principien aus, die er sehr entschieden und
etwas iiaradoxal verficht: Die Poesie wie die musischen
Künste überhaupt sind kein spcmtanes Erzeuguiss. sondern
ein künstliches; und dieses ihr charakteristisches Jlerk-
mal niuss bereits ihren ersten Keimen angehaftet haben.
Eine arische Urpoesie gibt es nicht, die Autochthoneität
ist zumeist ein Wahn des Nationalstolzes; aucli kann
die sog. Volkspoesie nicht älter sein als die Kiuistpoesie,
vielmehr ist sie, wo sie auftiitt. das Derivat einer
früheren Kunstperiode. Nie erfindet das Vtdk, es kann
nur bewahren; die Initiative ist stets die persönliche
Tliat auserwählter Geister, das von ihnen Erdachte und
(beschaffene pflanzt sich anf dem AVege der Nachalnnung
Weiter, selbst übei' die Grenze der Nationen hinaus.
Die ersten und lehrreichsten Kapitel beschäftigen
sich mit dem Begriff des Rythnnis. I. Der Vers geht
aus dem Satze hervor, zuerst als unregelniässiger \'ers,
alsdann durch die Verwendung der gleichen Wortzahl
geregelt (.Saturnier. A'irgilius Jlaro granim.), erst spät
in gleichviel Silben zerlegt (den Deutschen gelang dieser
Fortschritt erst im lii. Jh.); vom syllabischen Verse
gelangten die Alten bei ihrem feinen (iefühle für Vokal-
ijuantität bald zum lythmisclien Verse. IL Der Kythmus
ist der regelmässige ^^'echsel kurzer und langer Silben.
Kythnuis und Metrum sind im Princip nicht verschieden ;
der Rytlnnus ist eine unbegrenzte Reihe von Füssen, das
^Metrum eine begrenzte: der Ictus bedeutet ja keinen
expiratorischen Nachdruck. III. Der antike A<-cent war
melodisch: <lii' natürliche Jlelodie der Sprache ward beim
empliatischen Vortrag der rythmischen \'erse zum Gesang;
lange lehnte sich der griechische Gesang an dieselbe an,
bis zu i;uri])ides' Zeiten ungefähr. IV. I'rsprünglich
war der Rytlnnns der Poesie, des Tanzes, des (Gesanges
eins, nämlich ein Wechsel von Längen und Kürzen
ohne (Inteusitäts-) Ictus. .\ls sich später ]\Insik
und I'oesie trennten, erfolgte eine secundäre Unter-
scheidung von Rythnnis inid Jletrum, indem die Silbe
die .Masseinheit des Jh'trums, die abstracte Zeit die des
Rytlnnus wurde, so dass metrische Füsse gleiche .Anord-
nung iler Längen und Kürzen, rythmische bloss gleiche
Sunnnen von Zeiteinheiten verlangen. Die (iriecheu
bildeten vornelnnlich dir lytlniiisclie Seite aus in ihrer
Chorlyrik, die Römer bcM'liränklcn s|iäter deren Freiheit
zu (Gunsten der metrischen .\nffassinig. A'. Die römische
Rhetorik besass einige Elemente, die hier einschlagen:
das inimerose cadere, welches nicht auf dem Wortton
beruht, sondern lediglich ein proxiine accederc ad numeros
ist, Woher nnmeiosus = rijyllniii speciem habens; ferner
den Reim und die .\lliteration. .\lle drei finden wii' in
der hiteiuischen Poesie und der des Mittelalters wieder.
VI. Die Metrik und die Rythmik haben sich also so
getrennt, dass erstere die conlocatio pedum, letztere bloss
die temporum ratio beachtet und sich mithin Jede .\rt
von .Vuflösungeu und Zusammenziehungeu gestatten kann.
Nun war bei den Rythmen die musikalische Composition
die Hauptsache; bald kamen die Componisten dazu, dass
sie ihre Weisen ohne Rücksicht anf die Quantitätsver-
liältnisse ihrer Textvorlagen rythmisirten, die Melodie
sagte sieh vom Gesetze der Metrik los, nud zwar geschah
dies schon zur klassischen Zeit, als noch die "Längen-
Unterschiede in der Rede gefühlt wurden (Zeuguiss des
Dionysius H;»licarn.), und bereits taucht jenes {nHuofidtc
der Khetoriker in den Schriften der Rythmiker auf.
Nach alledem wäre nun die bekannte Stelle des Jlarius
Victorinus (Granun. lat. VI, 200) so zu deuten : Rythmen
sind Verse mit einer JFelodie vcrboruiii inodiilata
compositio , welche auf die Vokahjuantitäten keine
Rücksicht nehmen nun iiietrlra ratioiie, sondern eine
eigene rj'thmische Bewegung (d. i. freien Wechsel von
langen uiul kurzen Noten) haben sed iiumerusa scau-
sione, nach dem Ermessen des Componisten, der im
übrigen das (Gehör für natürliche Länge und Kürze der
Vokale nicht mehr hat, ud iudicixm anriinii exiimi-
iitita. Zu diesen ^Merkmalen der rythmischen Verse
(Vernachlässigung der (Quantität und numerositas) treten
noch die der Wahrung der Silbenzahl (von Diomedes
zuerst erwähnt und durch Beda an Stelle der numerosa
scansio eingeschoben) und im Mittelalter die Beobachtung
der Schlusscadenz. Bei dieser Hessen sich die Dichter
durch den .\ccent leiten, aber bloss insofern sie durch
ihn die Vokahiuantitätcn zu erkennen vermeinten. Im
Versinueru beobachteten sie ihn nicht, es sei denn aus
Zufall. „Und thäten sie es auch, so wäre es immerhin
nur eine secimdäre Erscheinung, kein Princip."* (!)
MI. Die horazischen Metra werden nicht nur von
den heidnischen Dichtern, sondern auch von den christ-
lichen verwendet mit verschiedenen Neuerungen 1) im
(Gebrauch y.arn aTi/nv, 2) in den Strophenformen. So
lebte die lat. Lyrik bis ins 5. .Ih. fort, ging im •>.
zurück, ward im 7/8. nach England verpflanzt, kam dann
an Karls Hof und gedieh zu neuer Blüthe. Klassisch
waren die Vorbilder, klassisch die Versmasse. Diese
Versmasse, sowohl die wieder in (Gebrauch genommenen
als solche, die sie nur ans (Granniiatikern kennen lernten,
ahmten die rythmisclien Dichter nach (imiter, calquer),
d. h. sie schrieben Verse von gleicher Silbenzahl wie
die klassischen Metra, ohne dass je vom .-Vccent die
Rede ist. Nicht einmal im .Vusgang ninnnt der Verf.
eine Berücksichtigung desselben an: so ist es ihm z. 1!.
gleich, ob die Zeile: Altrix saiirtortim putrin profudit
Aqiiitiiiiin einen troch. (!)ctc)uar oder einen doppelten
ianib. Dinn'ter darstelle. Der Verf gibt für die ryth-
mischen Verse von 4 bis l(j Silben eine Liste ent-
sprechender metrischer Vorbilder an : z. B. Zehnsilber =
trimet. dactyl. hypercat.. Elfsilber = hcnd. phaläc,
Neuusilbei' fehlt ; für den iM'eizehnsilber (Goliardenzeile)
findet der \'erf. kein lat. A'orbiid, er leitet ihn deshalb
aus dem franz. .Mexandriner mit wcilil. Caesnr al) (!).
\111. .Auch die freien Formen der griechischen
Rythmik wurden nach dem .Abendlande gebracht. .Auch
bei den griech. Troparien liegt der Rythmus lediglich
in der AA'eise, die gleiche Dislokation der .Accente in
den i-inzeliu-n Strophen hat keine rythmische sondern
■2\
1891. Literaturblatt für Rcrraanischc und romanische Philologie. Nr. 1.
90
eine melodische Bedeutung- (en repetant les memes accents
lians tüUtes les stroiilies, on deteniiinait les faites de la
iiieliidie). Unter Karl d. Ur. wurden die byzant. Melodien
im Reich eingeführt: im 12. .Ih. veränderte sieh die
Furm der Sequenzen, indem ihre Kula sich in feste, ge-
reimte Verse, ihre Perioden in Strophen verwandeln,
auf Grund der Abneigung' der Abendländer für schwan-
kende Formen.
IX. ..La versitication romane tiie son origine de la
rvtlimique latine, mais la phipart des fornies lyriques
romanes sont posterieures ä rintroduction des sequences
latines." Das ist das Thema des letzten Kapitels: zum
Deweis des ersten Satzes dienen die Detinitionen der
ältesten romanischen Verslehren, und in der That deti-
niren auch sie die Kythmeu — so nennen sie ihre
Verse — als Zeilen von bestinnnter Silbenzalil mit
reimenden Ausgängen ; von einer Xachbildung von Füssen
ist keine Eede. „Les rythraes latins servaient de modele
pour la plupart de ces vers (romans), mais nous ne
croyous pas devoir iusister sur ce point paree qu'on a
pu faire des rythmes romans inniiediatemeut sur des
sehemes metriques que les createurs de vers romans
connaissaient sans doute." Xur eine einste Schwierigkeit
besteht : Obwohl man in den lat. ßythmen schon längst
nur gleichbetonte Worte reimte, so zählte man doch
alle Silben, wälirend man sie in den franz. und provenz.
nur bis zur letzten Tonsilbe zälilt. Diese E^igenthüm-
lichkeit ist rythmisch gar nicht begründet, sie kann nur
Vom AVerthe der Vokale abhängen ; sie erklärt sich
mithin im Französischen, aber im Pruvenzalischen — ?
Sollte hier die franz. Auffassiuig hinübergenommen worden
sein? Die abweichende Zähluugsweise der Italiener,
welche die versi tronchi und sdruccioli den piani unter-
ordnen, sclieint ein Kompromiss zwischen dem franz.
Vorbild und dem Wesen der ital. .Sprache. — Zum
Scliluss untersucht der Verf., welche Formen der roman.
Lyiik aus dem lat. Typus, welche aus dem byzaut.
hervorgegangen sind, bei jenen sind die Strophen gleich
und isometrisch, häutig mit Refrain, diese siiul meta-
bolisch gebaut (heterometriscli) und haben oft ein Pro-
iiemium oder Epliynnüon. Am productivsten war der
byzant. Typns. aus ihm flössen (freilich häutig aus der
sequence en mi-voie de transformation) : Canzonen. Chan-
sons. Pastonrellen. Ballaten. Tanzlieder, Lais, Sonette,
Eondeaux, Albas, Motette; dem lat. Tj^jus gehört nur
die fi'anz. Romanze an. Bald kreuzten sich beide Typen
imd entlehnten einander Refrain und Tornada, aber bis
lieutzutage besteht in Frankreich zwischen Chanson und
Romance der charakteristische Unterschied in der Ver-
wendung gleicher oder ungleicher Zeilen.
Als ich im vorigen Jahr meinen Aufsatz ..über den
Ursprung der roman. \'ersmasse" (Strassbnrg, Trübner,
1890) ausarbeitete, hatte ich keine Kenntniss von dem
eben analysirten Werke. Zwar hätte es im Allgemeinen
meine Autfassung nicht geändert; gedankenreich und an-
regend wie das Buch aber ist, hätte es manchen neuen
iTesichtspunkt eröti'net. Namentlich scheinen mir die
Ergebni.sse der Kap. II. IV. VI sehr beachtenswerth ;
sie erweitern imd berichtigeH unsere Einsicht in den
BegTiflf des Rythmus und seine Wandlungen auf Grund
reichhaltiger und scharf beleuchteter Zeugnisse von Zeit-
genossen selbst. Ist aber der Verf. nicht zu früh stehen
geblieben V Haben die Zeugnisse des Mittelalters, blosse
Kopien der Definitionen der .\lteii. gleichen WertliV
Entsprechen sie den tliatsächliclicu Veihältnisseny —
Es seien die Eythmen des 4. .Jh. 's -Verse mit Melodien'',
nicht metrische, sondern (nhiionöilc und syllabische : wie
nun, wenn sich diese Verse abermals von der .Musik be-
freien ? sollte sich da nicht wieder der Begriff des Ryth-
mus spalten, in musikalischen Rythmus einerseits und
Versrythmus anderseits? Und sollte hier nicht der
Accent, der respiratorische, bedeutsam werden? I>enn
offenbar tritt doch das expiratorische Xacbdruckselement
schon vor dem 14. .Jh. in der Spiache des lat. Westens
hervor ! Es handelte sich dabei nicht um Xachaiimung
metrischer Füsse vermittelst des Betonnngsrythmus — ein
Einfall, auf den erst Opitz kam — : W. Meyer hat mit
dieser Auffassung wohl definitiv aufgeräumt : freilich
werden seine Arbeiten nur in beschränktem blasse vom
Verf. herangezogen.
Worin aber meine .\nsichten mit denen des Verf.'s
diametral auseinander gehen, das sind elien die Principien.
Ich kann mich schlechterdings nicht mit einer künstlichen,
geleiirten tmd in hohem Ma.sse willkürlichen Entlehnung
der roman. Versmasse befreunden. Die Schöpfung der
rythmischen Versmasse ist nicht die That eines Mannes,
eines Tages, sondern das Product von Geschlechtern
(nicht unbewusste CoUectivarbeit. sondern die Summe der
successiveii Zuthaten der betheiligten Individuen). Und
zwischen dem 4. und H. Jh. liegen viele Jahrdreissig.
Wie unwahrscheinlich, dass man sieben oder acht .Jahr-
hunderte hindurch mit stets bewusstem Akt die ryth-
mischen Versmasse den metrischen nachbildete ! Schliess-
lich brauchte man die Rythmen kaum als Zwischenstufe
der klassischen und romanischen 'Wrse ! — Bei so ent-
gegengesetztem Standpunkte ist eine Einzelkritik nicht
mögUch.
Die letzte Frage, die der Verf. auf wirft, welche
Formen der roman. Lyrik dem lat., welche dem byzant.
Typus entspringen, wäre wohl einer ausführlicheren
Untersuchung wertli, als ihr auf wenigen Seiten zu Tlieil
werden konnte: mir scheint eine so durchgreifende Schei-
dung nicht möglich.
Die Frage vom Ursprung und der Geschichte der
Rythmik schwebt noch ; K.'s Buch hat ihre Lösung jeden-
falls durch einen bedeutenden Beitrag gefördert.
Freiburg i. B. Ph. Aug. Becker.
Lemaltre, Jules. Corneille et la poetitine d'Aristote.
Paris, Leceue et Oudiii. ISSS. 84 S. 12. fr. 1,.J0.
In seiner Pratlque du theätre von 1,657 liatte der
Abbe d'Aubignac jene uns leider so unbefriedigend über-
lieferten Notizen des Aristoteles, die wir seine Poetik
nennen, von neuem im Sinne der strengsten Regelhaftig-
keit iuterpretirt, „so dass nirgends vollkommener und
mit mehrerem Verstände die Regeln der Einheit des
Ortes und der Zeit entwickelt sind", wie J. E. Schlegel
sagt. D'Aubignac erklärt aber ausdrücklich, dass er
nur Theorie gebe. Pour la pratique et l'applicatioii de
ces grandes Instructions — je n'en ai rien trouve. fügt
er hinzu.
Diese Lücke will Corneille ausfüllen. Er sagt dies
zwar nicht ausdrücklich, aber an mehr als einer Stelle
seiner drei dramaturgischen Abhandlungen von 1660
scheint er auf den Wortlaut der Pratique du theätre
Bezug zu nehmen und insbesondere auf D'Aubignac zu
weisen, wenn er zur Rechtfertigung seiner Abhandlungen
sagt, dass Aristoteles bislang meist nur von Grammatikern
und Pliüosoidien interpretiit wonlen sei, denen die
I experience du theätre gefehlt habe, welche ihm auf
IHUI. Litcraturblatt für germanische und romauiscbc Philologie. Nr. I.
•24
Grund dreissigjiUniger diamaturgiselier ThStifrkeit zur
Vi-rfügiin? stehe.
r»alii-i zi-ijrt sich in den Ausfiihrung'en IfAubi^uacs
und Corueilles deutlich der Unterseliied in der Auftas-suiiy'
des Tlieuretikers und des Praktikers. Jener ist. wie
iiatürlieh, strentrer. unbeugsamer als dieser. Corneille
' "rtriit den .Standpunkt des ("onipromisses zwischen
• rengrer Reg'el und Praxis. Mau kann sagen, dass seine
'liauiaturjrischen Abhandluufren für ihre Zelt einen Vt-i--
sueh darstellen. Aristoteles" Lehren im Sinne der Ki'eiheit,
freilirh einer sehr bescheidenen Freiheit, zu deuten.
Ciiineille niaclil den Eindruck eines Jlenschen. der fühlt,
dass diese zweitausend .lahre alten dramaturg:isehen
Bemerkungen eines g-riechischen Philosoi»heu. die aus
ganz andern Lebens- und Theaterverhiiltnisseu hervor-
gegangen sind, nicht mehr recht für den modernen
Poeten passen wollen. Aber er ist so tief von der
-Vutorititt dieses alten Philosophen durchdrungen, so sehr
in der .Scheu des Aristoteles befangen, dass er über
dieses Gefühl sich selbst nicht deutlich Rechenschaft
abzulegen im .Stande ist und demselben also noch viel
weniger in oft'ener Auflehnung gegen die unbequeme
Autorität entschiedene Worte zu leihen vermag. Er
redet sich vielmehr die geahnte Discrepauz beständig
wieder aus luid deutelt an ihr herum, bis sie glücklich
verschwunden zu sein scheint. Man möchte sagen: der
Dramaturg Corneille betrügt sich in einem fort selbst
und mit mitleidigem Lächeln folgt der Leser heute
diesem Hebahren, das oft geradezu den Eindruck eines
tiaukclsiiiels macht. Man meint einen mittelalterliclien
Gelehrten zu sehen, der sich die widerspenstige Gegen-
wart nach aprioristischeu Formeln haarspalteiüsch zurecht
zu legen bemüiit.
('"est une comedie excellente, au fonds qne cc debat
d'Aristote et de Corneille, sagt Lemaitre. und bei seiner
geistreichen und witzigen Darstellung zieht diese Komödie
in unterhaltender und belehrender Form an uns vorüber.
Zürich. H. Morf.
Bouqnet, F., Points obscnrs et noiiveanx de la vie
de Pierre Corneille. Etuile liistoiiquo et eiitiqiie, avcc
pieees iiistifieativcs. Paris, Ilaohcttu. 1S88. XVI, 394 S. S.
Das ]}ucli ist vom Verf. seinem engern Landsmann
Leopold r)elisle gewidmet, dessen .Vufmuntorung es theil-
wcise seine \'eröttentlicliuiig verdankt. Bouiiuet gehört
zu den zahlreichen Koiiennais, welche durch emsige und
minutiöse archivalische Forschungen auf die uns noch
recht wenig bekannten Lebensverhältnisse Pierre Cor-
neilles Licht zu werfen unternommen und aus deren
nützlicher Arbeit die Biographen Tascliereau (LSiiO) und
Marty-Laveaux (lKi)2) so viel Vortheil gezogen haben.
Das Corneillejnbiläum von 1884, aus dessen .-\nlass von
so vielen unberufenen Federn alte und neue Fabehi über
den Dichter dem l^ublikuui geboten wurden, ward für
Bouquet eine Gelegenheit, in kritischen Zeitungsartikeln
sich mit einer Reihe diesei- Legenden zu befassen. Diese
.\rtikel sind im vorliegenden Bande in neuer Redaction
vereinigt und es sind ihnen die entsprechenden iiiices
Justilirdtifrg (p. MS — 383), >iel)enumlzwanzig an der
Zahl, beigegeben.
Der Text umfasst in einem ersten Tlieil die .5li Jahre,
die (.'orneille in Ronen vei'bracht, in einem zweiten die
22 .Fahre, die er in Paris verl(4)t hat ; doch sdireibt
der N'erf. nicht eine eigentliche Biographie, sondern er
erörtert, wie der Titel sagt, nur einzelne Punkte. Es
ist von iler Familie und ihren \'erwandten die Rede.
von Corneilles Kindheit, seiner Studien- und ei-sten Amts-
zeit, von seinen ersten literarischen Versuchen, insbeson-
dere der Melite und den frühesten Beziehungen zum
Hofe, von der Verleihung des Adelstitels und deren
Folgen, besonders aber werden die tinanziellen Verhält-
nisse Pierre Corneilles untersucht : die Hälfte der zwanzig
Kapitel des Buches sind dieser eiugeheiulen Erörterung
gewidmet.
Gewiss enthalten alle Abschnitte des Buches einzelne
neue Jlittheilungeu — und für manches, was auch schon
anderswo gesagt worden sein mag. ist der nicht an der
Quelle sitzende Leser ebenfalls dankbar — , aber der
.Schweri)unkt der Belehrung liegt in diesen Auseinander-
setzungen über die ökonomischen Verhältnisse des I »ichters,
durch welche die Legende von seiner Armuth endgiltig
beseitigt wird: P. Corneille war ein wohlhabender Mann,
der den ererbten nicht unerheblichen Besitz durch ge-
schäftskundige Führung seiner literarischen .\ngelegen-
heiten zu vermehren verstand. Mit Dedicationsepistelu
und schwungvollen Versen gewami und quittirte er nach
Art der Zeit Geldgeschenke und Pensionen, während er
zugleich, hierin mehr dem modernen Schriftsteller gleichend,
von den Bühnen und den Verlegern imgewöhnliche Hono-
rare zu erhalten verstand. P. Corneille gehört zu den
ersten .\utoreu. welche auf diese Weise die nuUerielle
Unabhängigkeit ihres Standes förderten, indem sie neben
den erbettelten Gunstbezeugungen hochstehender Personen
sich eine natürlichere und würdigere Form der Remune-
ration auf dem grossen Markte der republique des lettres
suchten und fanden.
Unstreitig hätte indessen Bouquet seine Auseinander-
setzungen viel kürzer fassen können, ohne dass dieselben
deswegen weniger lehrreich geworden wären. Er ist
von Anfang bis zu Ende viel zu weitschweifig, im Text
sowohl als in den Beilagen. In diesen druckt er z. B.
Stücke v<illständig ab, die in einem so leicht zugäng-
lichen Werke, wie es die Corneilleausgabe von Marty-
Laveaux ist, längst ganz mitgetheilt sind: und vom Text
ist zu sagen, dass manche rhetorische Weitschweifigkeit,
die der Lokalpatriotismus einem Zeitungsartikel gerne
gestattet hat, in einem Buche nicht mehr am Platze ist.
Zürich. H. Morf.
B on d u r an d , Edouard, Charte d'acensement dn XIII°
siede en langiie d'oc. Paris, Alplioiise Picani. 18S9.
18 S. S. (lixtrait Jos Memuii'c.s de I'-Vcaileiuie de Xiiues ISSS.)
, Hommage cn langne d'oc ä l'eveque de Mende
(1332). Paris, Alphonse Pieard. ISSlt. 18 S. 8. (Extrait
dos Meiiiüires de rAcndeinie de Nimcs 1888.)
Die ..Charte" ist am 31. December 120.') von einem
Notar aus Millau in Cantobre bei Nant abgefasst worden
und befindet sich .jetzt in Priv:ttbesitz. Der Heraus-
geber hat dem Text eine grosse Zahl von Anmerkungen
beigefügt, zu denen auch Dr. E. Mazel beigetragen hat.
— Das zweite Denkmal befindet sich in den Archiven
des Departement dn Gard. Es enthält die Huldigung,
die am 19. September 13.'!2 Raimund dWnduze, Herr
der Baronie Florac. dem Bischof von Mende Albert
Lordet, Grafen von Gevaudan. leistete. Auch dieser
Text ist mit zahlreichen Anmerkungen versehen. Cha-
baneau hat in der Revue des laugues roraaues XXXIII,
454 — .") Anm. die hauptsächlichsten Irrthümer der beiden
Texte verbessert. Es ist ferner zu bemerken: Charte S. 5
Anm. (i. A'/i kommt nicht von Senhvr: -■- S. 9 Z. ti ist mir
tetis in . . (1(1 mas ijiic leiis Giiillicitin Mergucs nicht ver-
ständlich ; corr. ijue teil eiis G., wie eus Benin fz S. 16 Z. 1 1>
1S9I. Literaturblntt für germftniscfie und romanisclio Philologie. Kr. I.
Ü6
iiacli Chabaneaus Correctur? — S. 10 Z. 1 coir. airals?
— 8. 14 Z. 16 ist das Kuinina iiacl» tot zu streiclieii
und desgleichen das Kduinia S. 16 Z. 17 nacli mos-, —
Hoinmag-e S. 10 Z. 11 corr. scf/ou statt segeii? —
S. 10 Z. 15 ist das KdUinia vor // zu tilgen, desgleichen
das Komma S. 11 Z. )i vor io: — S. 12 Z. 4 corr. e
statt fH: — S. 12 Z. 12 corr. (ki statt det; — S. 14
Z. 9 corr. seria statt serio; — S. 15 Z. 6 corr. no statt
)ii; — S. 15 Z. 20 corr. dels statt del; — S. 16
Z. 14 wird das Komma nach seroij zu streichen und
zu deuten sein : ..ich werde mich nicht berinden in. d.h.
idi werde nidit tlieihielnneu an einem Eath oder einer
That". I'ie in der .Anmerkung gegebene Uebersetzung
setzt Aenderung von serai/ in foraij voraus. — Die
folgenden ^Vörter habe ich mir als bei Eaynouard felilend
notirt: Charte 0. 1 und 10. 1 cfiscniuro: 9, 8 co)i-
fronfar in der Bedeutung .abgrenzen, näher bestimmen,
bezeichnen"; 9, M coifroiifonieir. !'. 9 fricii ..Pfad.
AVeg"; 10, 2 pufif. 11. 8 aondoa „befriedigt" [ijuens
e» teneii per ben l>fif/i'[j, per rontev e per ahomlos]-,
II. 9 odissir: 13, 2 spOiiUine.: 1.3. 6 nnd 17. 9 sol-
Jcmpne-, 10, 3, 16, 6 und 17, 2 usk-, 17, 15 caliimp-
niar -anfecliteu" [e^ eii re vostra drechuro noits ca-
himpiiiarew, Uebers. coiifesferoiis]-. — Hommage 13, 4
froiifiei/nimoi: 13 1. Z. posier, vgl. Ltbl. XI. 313 zu
III. 23V. und Crois. Alb. Gl. nnd II. 77 Anm. 5; 15
1. Z. Maiiatt/e. — Zu bemerken ist auch der Xom. Sg.
wa^es Ciiarte S. 9 Z. 3: vgl. Ltbl. IX. 270 Anm.
Freiburg i. B. Emil Lew.
Gaudenzi. A., I suoni, ie forme e le parole del-
l'odierno dialetto della cittä di Bologna, studio seguito
da una serie di antichi testi boloE^nesi inediti in Latino, in
volgare, in dialetto. Turin, Loescher. 18^9. LVI, 292 S.
kl. 8. L. ;,.50.
Während durch Ascoli. Flechia, Jlussatia, .Salvioni.
Tobler die mittelalterliclien Schriftsprachen und z. Th.
auch die heutigen Dialekte auf dem linken Poufer von
Turin bis Venedig sorgfältige Behandlung erfahren haben,
konnte sich die Emilia nicht derselben Aufmerksamkeit
erfreuen. Mussafias treffliche Darstellung des llodern-
romagnolischeu ist bis jetzt meines Wissens vereinzelt
geblieben, und zum .Studium des Bolognesischen im XIII.
und XIV. Jli. lag lauge Zeit nur der Tesoro dei poveri
vor in der nicht leicht zu verschaffenden Ausgabe von
Mazzoni-Toselli Origiue della liiigiia italiana 231. Vor
einigen Jahren hat T. Casini durch die Veröffentlichung
von Briefen luid Urkunden dem Mangel wenigstens etwas
abgeholfen', ohne übrigens selber mehr als die Texte
zu geben. Jetzt ist die Lücke durch das Buch Oaudenzis
in vorzüglicher Weise ausgefüllt ; wir erhalten zalilreiche
Sprachproben, die vom XIII. Jh. anfangen und eine
genaue Darstellung des Xeubolognesischen, der man es
nicht anmerken würde, dass ihr Verfasser nicht Sprach-
forscher von Beruf ist. Von ganz besonderer Wiclitig-
keit ist die Vorrede, die llonacis Ansicht über die Ent-
stehung der italienischen Schriftsprache (vgl. Gaspary,
Ltbl. 1884, Sp. 442) aufnimmt und eine Reihe neuer
Stützen füi- dieselbe beibringt. Die bolognesische Studenten-
schaft theilte sich im XIII. Jh. in vier Landsmannsdiafteu,
Tedeschi. Fraacesi, Provenzali. Italici, und diese
letzteren zerfielen seit 1213 in Lombardi. d. li. die
' IJocunienti dell'antico dialetto bologncse 1SS2.
GaUoitaliker. nnd Toschi, d. h. die Toskaner. Römer.
Süditaliener nnd die Venezianer. Die Toschi waren
bedeutend zahlreicher als die Lombardi. und bei ihnen
hat sich die Literärsprache entwickelt. Die einzelneu
Landsmannschaften hatten Lelirer aus ihrer Heimat,
die Toschi also Toskaner, und diese haben zunächst in
den Vorlesungen über die ..arte notaria" das Tos-
kanische eingeführt. Der erste Professor aber dieses
Faches war Rainero da Perugia, von dem ein zwischen
1214 und 1216 verfasster imd wie es sclieiut eben den
Toschi gewidmeter Tractat über die ars notaria uns
überliefert ist. Nun enthält eine senesische Haudsclirift
dieses Tractats Fragmente einer von Rainero selber zum
Gebranch in seinen Vorlesungen abgefassten Bearbeitung
des lateinischen Textes in der Vulgärsprache, und zwar
weisen die juristisclien Formeln darauf hin. dass diese
Bearbeitung für Toskaner, nicht für Lombarden, bestimmt
war. Von diesem Collegienhefte des Pmfessors sind uns
die Xotizen eines Schülers in der senesisdien Handschrift
erhalten. Vielleicht liegt darin der älteste italienische
Text vor, da manche Momente dafür sprechen, dass die
lateinische A'eröffentlichung des Collegienheftes jünger
ist. als diese italienische Eedaction, für die wir so anf
das erste .Jahrzehnt des XIII. Jh. 's kämen. — Der Ge-
brauch der Vulgärsprache ging von der I'niversität bald
zu der „scuola di arti liberali" über, in der That be-
sitzen wir von einem ihrer Professoren, von Guido Fava.
,.parlamenti", d. h. Briefe in Vulgärspraclie, die er in
Siena ums .Jahr 1230 abgefasst hat. Bemerkenswe'rth
ist, dass er nicht senesisch sclireibt, sondern florentiuisch
mit bolognesisch und venezianisch untermischt, also offen-
bar die in Bologna entstandene und übliche Universitäts-
nnd Literärsprache. Dies die wesentlidien Punkte der
Einleitung, die mit einer kurzen Uebersicht über die
gegenseitigen Verhältnisse der ältesten bolognesischen
Chroniken scldiesst. — Die gi-ammatische Darstellung
(Laut-. Formen-. Wortbildungslehre, Bemerkungen über
Personen-, Orts-, .Strassennameu) ist. wie gesagt, vor-
züglich, sie lehrt uns eine merkwürdige Mundart in fast
durchweg ausreichender Weise kennen. Die Einwirkung
der Accentstelluug auf die Entwicklung der Consouauten.
die ja überhaupt in Italien gross ist, macht sich hier in
zwei bemerkenswertheu Fällen geltend: der Uebergang
von dentalem zu velarem « vor Consonanten ist auf
betonte Silben beschränkt : piänfa aber pkoitdr und </?
wird nur vor betontem Vokal zu '/, vor tonlosem zu // :
ifaz (ghiaccio) aber tjazöl. Interessanter noch sind die
Quantitätsvevhältnisse der betonten Vokale. Roman. / und
u wird, wenn es im Roman. Kürzung erfahrt, zu e bezw.
0, diese Kürzung tritt nun ein im directen bolognesischen
Auslaut, also nicht nur in de = ital. di, sondern auch
fine = finito, in lateinischer Position vellu ■■=- liUa,
dess = disse, finess -^ finisce, tresfe = friste u. s. w.
und vor bolognesisch gedehnter Consonanz. Die Con-
sonantendehniuig aber hat statt in Proparosytonis .-
Jeqqnid = liquido, nettid, ferebbil, veppera -. in
Fällen wie frezz = frifpje, bei intervokalisdiem /,
mit andern Worten in Buchwörtern, da in Erbwörtern
dafür d eintritt: cetta = vitu (vgl. Rom. Gramm.
§ 547), mott neben mud = nudo. Auch fusell =
furile kann hierher gehören, und wenn nun nie(/(/a
neben spi(/ci steht, so kann man vermuthen. dass
me(/(/a ein Toskanismus an Stelle eines altern mincja
sei. Daraus würde aber weiter folgen, dass bol. spitja
entweder in der Qualität oder Quantität des / oder in
1891. Literaturblatt für ^germanische und romanische Philologie. Nr. 1.
28
«li-r .\rtlkulation dt-s 7 von tosk. "pii/n viTseliiedcii ist-.
Es Wi'iln'ii also iiiiiiier iiiii-h eiiiif,'e iliinkli' rnukti-, über
di>* ein Hidiignese am besten wird Licht verbreiten
können. Interessant ist anch die Stellung der Propar-
iixytona zur (Quantität. Wiihrend, wie gesag-t. im all-
jfenieineii Kürzung eintritt, bleibt doch der lange Vokal
Vor ;/i<el ^- -rolo : periijurl : ferner bleibt die Länge
vor *• -r- Coiis., daher pKi't/, huriic = ciirro u. s. w.
Aus der Formenlehre will ieh nur einen Punkt hervor-
heben. I>ie Feminina der Adjectiva und die Bezeieh-
nnngen weiblicher Personen, die nur durch -a sich von
dem zugehörigen .Masculiiuim unterscheiden, bilden ihren
Plural auf /", walii'end sonst alle auslautendi'u Vokale
fallen. I)a das l)emonstrativuni im I'hnal Jlasc. ipii.-'fi,
Fem. qHiisti lautet, so wird man anzunehmen haben,
dass vor dem Substantivum die .\djectiva ihr -/ nicht
verloren und dass dann die Poiipelformen (/nitidi — <jrnnd
so vertheilt wurden, dass (/ranHi nur fürs Femininum,
tjnnui fürs Masi-ulinnni verwandt wurde. — ])en dritten
Theil des Puches endlich bilden Texte und zwar zuerst
liriefe von (iuidu Fava, in denen man schon aus einem
nicht seltenen Verwechseln des Auslautes den Fall von
e, 0, i vorscliliessen kann, vgl. ahcsoipiasso 5, avero
24, // nostro maiore 24, hvevemeiito 3(, mviehomhte
(Plur.) .53, veniro t>l u. s. w., ferner stets sc), sria,
rose), also die Formen, die man lautgesetzlich erwartet I
u. s. w. Jlanche olfenbare Versehen der Handschrift
sind im Texte gebessert, doch l)leibt auch so noch zu
corriglren, x. B. 57 r/iiodur/iio statt <i(iudi<j)U), 72 voglati
füre renclecta in fale fjHim che . . . de quesfa favUJa
vn iiasca fot/o statt favilhi nnsrn, 80 co lo la.raro
2)erchi'' co 110 sapravi statt Ja.rnrc . . . sapavi, 82 le
foc oare r f/risc statt rarr vtfriav w. s. w.
Sodann folgen die Fragmente der Uebersetzung des
Kainero, Parlamenti und Kjiistole aus dem XIIL .Ih.
in lombardischer Jlundart, bolognesische Texte verschie-
dener Art aus dem XIIL nnd XIV. Jh., Auszüge aus
den altbolognesisehen Chroniken. Gedichte von Giulio
Cesare C'roce (•[■ l(i09), IJruchstücke aus einer Ueber-
setzung der (ierusalemme liberata von Xegri (1028),
verschiedene Gedichte aus der llitte, endlich Prosa-
erzählungen aus dim Ende des XVIII. .Jh. 's. — Wie
diese Inhaltsübersicht zeigt, gehört das Buch vom sprach-
lichen Standpunkt aus zu den wichtigsten Veröffent-
lichungen, die wir seit langer Zeit über altitalienische
.Alundarten erhalten haben.
Wien. W. Meyer-Lübke.
.lellinek, Max Hermann, Die Sage von Hero nnd
Leander in der Dichtung. Berlin, Speyer & l'eters.
1800. IV, 02 S. M. 3.
Die vei-gleichcnden Zusammenstellungen von dich-
terischen Bearbeitungen eines und desselben Stoffes mehren
sich allmiilig. Die meisten der bisher erschienenen
Arbeiten wurden mit Anerkennung aufgenommen. .Auch
' Vgl. dazu Rom. Oramm. I § 39, 4.S und 63, wo auch
nus dem Südostfranzösischcn eine verwandte Erscheinung an-
geführt ist. Die dort gegebene Bezeichnung: „vor nielirfachcr
("onsonanz" ist nicht ganz genau, (loch wüsste icli auch Jetzt
keine trcH'enilcrc. Wenn aber Behrens, Zs. f. frz. Spr. .\II, 14
es mir zum Vorwurf ninoht, dass ich ilas obwalcl. <■ aus ü
nicht ebenda, sondern g 54 beliandclt habe, so übersieht er
den farullelisniuB in der Entwickhing von / und » (iV) und
verkennt das Wesen des südostlVanzüsiscIien Vorganges ebenso
sehr, wie das des rätischen: der letztere ist spontan, der
erstere durch die Kürzung des Vokals bedingt, daher dort
zwar per, mir, hier aber nur jiHr, iiiiiy vorkommt.
die Schrift .lellineks darf im .Mlgemeinen auf Dank
rechnen. Freilich ist ihr. obgleich der Verf. der Hilfe
von Miinnern wie Minor, E. Köhler. Sauer, v. Wald-
berg u. a. sich zu erfreuen hatte, doch mindestens so
viel Stoff' entgangen, als zu einem richtigeren Verhillt-
niss zwis<hen ilirem Umfange nnd ihrem Preise niithig
wäre. Zudem beschränkt sich .1. in dem Masse auf die
„Dichtung", dass er die Einwirkung der verschiedent-
lichen Vidkssagen und Volkslieder auf die von ihm be-
sprochenen Kunsterzeugnisse kaum berührt, vgl. S. 38
Anin., S. 80 und 82. Slusaeus und Ovid waren schwer-
lich alleinige (Juellen für die Späteren: dass die lite-
rarische Geschichte der Sage Vtm IL und L. so „wenig
erfreulich" ist, rührt m. E. zum ;;uten Theil davon her,
dass die „I)ichter" von der ihnen bekannten Form der
Sage Gebotenes vielfach übernahmen, ohne sich noch
besonders Gedanken darüber zu machen. Uebrigens sind
die Ilöliepunkte dieser Entwicklungsgeschichte, wie sie
Jlusaeus. Schiller, Grillparzer verkörpern, erfreulich
genug. - Dass .1. die .Arbeit seines Vorgängers Cl.
Friedr. Meyer (18.")8 nannte er sich noch nicht Meyer
von AN'aldeck) von diesem nur in einem Auszuge über-
mittelt bekam, ist ebenso verwunderlich, wie dass er sie
nicht von der kgl. Bibliothek zu Berlin bezog. — Ziem-
lich kurz behandelt .1. die antike Ueberlieferung (§ 1),
und zwar ohne Kenntiiiss von der Dissertation .Toh.
Klennns (Leipz. 1889) zu haben, ganz zu schweigen
von der auch Klemm nicht bekannten Vernnitliung, welche
L. Ehrenthal: Quaestiones Froutonianae S. ,")1 aufstellte
(vgl. Bursians .lahresber. 16, 240); ferner die mittel-
hochdeutsche Erzählung (§ 2), die im Anhang S. 83 zu
Conjecturalkritik veranlasst -- dass Goedeke sie Bligger
von Steinach zuschreibt, hat seinen Grund jedenfalls in
den Vermnthungen Pfeiffers sowie E. Schröders (.Anz.
f. d. Alterth. 13, 119): vgl. aucli Liebrecht in der
Genn. 1, 260 sowie De t^ruyter: Das deutsche Tage-
lied S. 123 — und am kürzesten Hans Sachs (§ 3),
dessen Gedicht allerdings kaum mehr als ein .Auszug
aus Musaeus ist. Seine Quelle ist wohl keine vollstän-
dige Uebersetzung des Jlusaeus, wenn es auch vor ihm
nicht daran fehlte. Eine solche enthält z. B. C'hristo-
phorus Bruno von Hyrthwcyl: Etliche Historien unnd
Fabeln gantz lustig zu lesen u. s. w. Augspurg 1541;
Bl. 83 : Histori von dem .Tüngling Leander unnd von
der .Tunckfrawenn Ero. — Unter den Kenaissanceepen
(§ 4) verniisst man die Grundlage Boscans, Bernardo
Tassos fast 300U vcrsi sciolti fassende Erzählung, vgl.
Ticknor: Gesch. der schönen Lit. in Span. 1852, 1, 377;
Klein: (fesch, des Dramas 9, 108 .Anm.: auf die eng-
lische Travestie von Nash hatte bereits Val. Schmidt
S. 273 hingewiesen, .1. hätte also R. Köhlers nicht be-
durft: zu breit behandelt erscheint Barths Leandris
(S. 28—37, dazu S. 84—87). Dass Hölderlin 1788
einen umfänglichen Monolog der Hero dichtete (s. .Archiv
f. Literaturgesch. 13, 370 ff'.) ist .J. unbekannt, wie
auch verschiedene Erwähnungen, bez. Benutzungen der
Sage von selten Dantes, Ranilers, Hangs n, a. — Die
Uebersetzungen des Musaeus (S. 51) findet man auch bei
Engelmann S. 517 und bei Beiiili;üdy II, 1, 345.
Mehrere dort nicht aufgeführte rebersetzungen ins Ital.,
Franz. und Schwed. besitzt die !)resd<'ner kgl. Biblio-
thek. Die im .lalire 1799 zu Konneburg bei A(ug.)
Seh(umann) erschienene, unterzeichnet W. (.ike., rührt
.jedenfalls von F'ricdr. Willi. Gencke her, dessen ,.Ge-
dichte und F^ijigramnie"' Leipzig 1795 ein Spottgedieht
29
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1.
30
auf „Schraders Klagelied auf Heros iind Leanders Tod"
enthalteu. Zu § 7 (Scliiller) hätte sich J. die treft'enden
Bemerkungen von 0. F. Gruppe: Leben und Werke
deutscher Dichter 5, 238 und J. Hub: Deutschlands
Balladen- und Romanzendichter S. 70 zu Nutze machen
können, ebenso die Xachweisungeu von Friedr. Widder:
Schiller als erzählender Dichter. Progr. Lahr 1885,
S. 9. 20. 21. 23. Hub hat S. 480 auch ein parodistisches
Gedicht von Saphir, das wie ein satirisches von D. Fr.
Strauss (Schriften 12, 155) von Schillers Ballade an-
geregt ist. Warum ist bezüglich der Opern (§ 8) nicht
auf H. Riemanns Opern-Handbuch S. 212 f. verwiesen
und warum sind die in den letzten 50 Jahren erschienenen
ausgeschlossen worden? Herklots Melodrama (S. 62)
gab vielleicht Grillparzer die erste Anregung, vgl. Fäul-
haramer: Grillparzer S. 239, Anm. 10. — Der Rück-
blick S. 79 f. müsste ähnliche Gedanken enthalten, wie
sie Simrock: Die Quellen des Shakespeare 1-, 86 aus-
spricht. Im Anhang ist die ..wichtigste Literatur" der
Volkssagen und Volkslieder verzeichnet, allerdings nui'
diü'ftig, ebenso die der Kunstdichtungeu ähnlichen Inhalts.
Zu Straparolas Gedicht s. Ludw. Bechstein: Mj-then,
Sagen, Märe und Fabel 2, 28. Von Byron war auch
The brj'de of Abydos anzuführen, ebenso ein Schwank
von Rieh. Schott (Reclam Nr. 2306); unter den ..mytho-
logischen Deutungen" war auf Nork: Mythol. Realwörter-
buch 2, 182 zu verweisen, bezüglich der „wirklichen
Ereignisse ■" auf F. A. Ukert: Geogr. der Griechen und
Römer III, 2, 130 ff. sowie Alb. Diük zu nennen. Auch
konnten plastische und bildliche Darstellungen mehr
Berücksichtigung finden, als es im Nachtrag auf der
letzten Seite geschieht. — S. 82, Z. 2 ist repu;:»likanisch
stehen geblieben.
Dresden. Carl -Müller.
Ze i tschrift en.
Archiv f. das Stndinm der neuem Sprachen 85, 2. 3:
Pfütze, Die Sprache in J. M. R. Lenzens Dramen. —
Schwan u. Pringsheim, Der franz. Accent. — Pen-
ner, Metrische Untersuchungen zu George Peele. (Auch
Hall. Diss.) — Napier, Altenglische Glossen. — Loge-
luan, Zu Wright-Wülker I, 204—30.3.
Nenphilolog. Centralblatt IV, 12: Ausstellung von Bild-
nissen, Hss., Briefen und seltenen Ausgaben schwäbischer
Dichter. — W. Reimann, Ein deutsch-rumänisches Ueber-
setzungsmusterwerk. — K. Hofmann f. — R. Wülker,
A. Ebeit f.
Modern Lansuage Notes V, 8: Fr. Spencer, The Poetry
of the Franks (besonders im Anschluss an Pio Rajnas Le
origini dell'cpopea francese). — F. N. Scott, Simple,
sensuous, and passionate. — C. H. Grandgent, Practical
Phonetics. — Th. Logie, Notes to ileyer-Lübke's Treat-
mentofyowels in Pieard. — A. H. Tolman, Morris-Skeat,
Chaucer, The Prologue, The Kniglites Tale, The Nonne
Preestes Tale. — J. M. Garnett, Jloiley, English Writers.
— Fr. T. Lawrence, Buchheim, Schillers Jungfrau von
Orleans. — F. E. Schelling, Cook, Sidney's Defense of
Poesy. — P. Groth, Wenström-Lindgren, Engelsk-svensk
Ordbok. — S. C. Lougee, Sauveur, Petites Causeries,
Devoirs pour les classes et traductions. — W. M. JIuss-
Arnolt, Semitic and other Glosses to Kluge's „Etym.
'Wörterbuch der deutschen Sprache".
Taaistudie XI, 4: J. S. P., De la lexicologie. - J. S. P.,
De l'etude de la litterature. — L. M. Baale, Le Substan-
tif compose. — Ders. , Les Indes du Roi de France. —
J. Ch. H. llatile, Explication de quelques proverbes et
loCutions de la langue frangaise. — Ders., Quelques traces
des patois ou dialectes populaires dans le francais moderne.
— C. S t 0 f f el , Annotated Speeimens of ^.^rryese" ; a Study
in Vulgär English. — K. tenBruggenoate, New Books
and Aids to Study. — P. A. Seh wippe rt. De Examen-
dag. — Ders., Lexikographische Notizen für Studierende,
zum Gebrauche bei Uebersetzungen ana dem Niederlän-
dischen ins Deutsche. — Ders., Victor Scheffels Ekkehard
nach der ononiatischen Methode erläutert.
Zs. f. Volkskunde III, 2: 0. Knoop, Die neuentdeckten
Göttergestalten und Götternamcn der norddeutschen Tief-
ebene. Der pommersche Gauden und Vergodendel. — Edm.
Veckenstedt, Die mythischen Könige der arischen Volks-
heldensage und Dichtung. — F. Branky, Volksüber-
lieferungen aus Oesterreich.
Melusine V, 6: H. Gaidoz, Jean de TOurs. — E. Le-
febure, La Motte de Terre. — L'Etymologie populaire
et le folk-lore: VI. Kr. Nvrop, Noms de Saints. VII. H.
Gaidoz. — Ad. Orain, Devinettes de la Haute-Bretagne
(Forts.). — J. T u 0 h m a n n , La Fascination : Moyen d'acquerir
le pouvoir de fascination; A. Etfets de la Fascination. —
H. Gaidoz, La Photographie. — J. L e v i , Le Juif en
morceaux. — Ders., Oblations ä la mer et presagea. —
H. G., L'Arc-en-Ciel. XXXV.
Revue des Traditions populaires V, 11: A. L. Jarchy,
La Medecine superstitieuse en Russie. — Le Portrait de la
Maitresse. III. J. Tiersot, Version du Morvan. IV. M°"
Destriche, Version de la Sarthe. — Ch. Hercouet,
Superstitions de Quillimane (Mozambique). — P. Sebillot,
Superstitions de civilises II. — L. Sichler, Moeurs et
coutumes de mariage en Russie (suite). — P. M. Lavenot,
Devinettes de la Basse-Bretagne. Pays de Vannes. — L.
Bonnemere, Les superstitions du canton de Gennes
(Maine-et-Loire). — L. Pineau, Les Danseurs maudits.
III. Legende du Poitou. — P. Sebillot, Pensees sur les
Traditions populaires extraites de divers auteurs. — A.
Certeux, Les calendriers des illettres. V. Un calendrier
du VI' siecle. VI. Calendrier horloge du XV siecle. —
A. Harou, Pitje de Dood (Pierre la Mort) conte flamand.
— Ders., Pourquoi Polichinelle a deux bosses, legende
liegeoise. — Le Lac des Fees. — R. B., Saint-Blaise IV.
Germania XXXV, 3: Oscar Böhme, Die Uebereinstim-
mungen zwischen dem Wigaloistexte und den Lesarten der
Handschriftengruppe Bb in Hartmanns Iwein. — Karl Bo-
rinski, Zur Warnung. — F. Grimme, Die Schweizer
Minnesänger. 1. Ulrich von Singenberg. 2. Der Taler. 3.
Pfeffel. 4. V. AVengen. 5. Heinrich v. Strettlingen. 6. Hein-
rich V. Frauenberg. 7. Heinrich v. Sax. 8. Gast. 9. Heinrich
von Tettingen. 10. zera Turne. 11. Steinmar. 12. Der von
Gliers. 13. Conrad der Schenk von Landegg. 14. Jacob von
Warte. 15. Der von Buwenburg. 16. Der von Trostberg.
17. Job. V. Rinkenberg. 18. Albrecht Marschall v. Raprechts-
wyl. 19. Rost, Kirchher zur Sarnen. — FedorBech, Lese-
früchte (Schluss). — O. Glöde. Noch einmal zur Tristan-
sage. — Felix Liebrecht, Zur Volkskunde (Schluss). —
Gustav Ehrismann, Bibliographische Uebersicht der Er-
scheinungen auf dem Gebiete der germ. Philologie i. J. 1886.
Zs. f. den deutschen Unterricht IV, G: Ludw. Fränkel,
Bibliographische Glossen zur Klopstockbiographie. — Ernst
Groth, Der deutsche Unterricht auf den Staatsgymnasien
Frankreichs. — Paul Schumann, Schlechtes Deutsch. 2.
— Ed. Niemeyer, „Ein Kuss nahm das letzte Leben von
der Lippe". — Otto Stiller, Der literaturgeschichtliche
Unterricht an unseren höheren Mädchenschulen. — Karl
F rank e , Luthers Streitschriften. — Rud. D i e t r ich , Der
deutsche Unterricht in der pädagogischen Presse des Jahres
1889. — Fr. Polle, Verblüffende Wörter im Deutschen. —
Rud. Hildebrand, Wie die Sprache altes Leben fort-
führt. 2. — Otto Lyon, Ein Wort zu meiner in Wychgrams
Sammlung erscheinenden Auswahl deutscher Gedichte. —
Jul. Sahr, Die ältere deutsche Literatur in der Schule. 2.
— Koppin, Zur Berichtigung und Abwehr. — L. Vier-
eck, Erwiderung. — Sprechzimmer. — Kleine Mittheilungen.
Jahrbuch des Vereins f. niederdeutsche Sprachforschnng
XV (Jahrg. 1889): Edw. Schröder, Die Ebstorfer Lieder-
handschrift. — K. E. H. Kr ause, Niederdeutsche Hand-
schriften ; mndl. Bruchstücke ; zitelöse. — Ed. Damköhler,
diele, clile, diile. — 0. Knoop, Plattdeutsche Sprichwörter
und Redensarten aus Hinterpommern. — H. Jellinghaus,
Der Heiland und die niederländischen Volksdialekte. (Der
Hei. soll in den Niederlanden entstanden sein; die sprach-
lichen Darlegungen des Verf.'s zeugen theilweise von starker
Unwissenheit.) — W. Ribbeck, Ein Liebesbrief aus dem
16. Jh. — K. Breul, Zu Pseudo-Gerhard von Minden. —
Ed. Damköhler, Zum Sündeufall. — R. Sprenger,
Zu Johann Laurembergs Scherzgedichten; zum Düdeschen
31
1891. Liloruturblntt für st'fm»niaoho und ronianiBilie Pliilolosic. Nr. I.
32
Sililijnior. — t». lircmer, Zcujfiiisso für die friiliorc Vcr-
lirciiuns der nordfrics. Spraclie; l'elwuriin'r Xordfriesisch. —
.1. II. Oallee, Mnd. Arzneibuch. — K. E. H. Krause,
Norli einmal das Hundekorn. — R. Moseu, Karl Strackcr-
jalin.
Noord en Zuid XIH, -4: Wolf^jnnu *'"n der Meij, De
kuiist viin lizen. — S. li u i s ni a n , Ovcr Poot en zijne gc-
dioliton. — Tnco 11. de beer, De Studie van de Ocscliie-
dinis der fjctterkunde. — C. II. den Her t off, Dil de leer
van den zin. Lijdeml, nieewerkend en ourzakeli.jk voorwerp.
— H. \V. J. A. Seliook, De Modaliteit der «edaeliten en
de iniddclcn om die uit tc drukken. — XIII, 5: Dr. A.
Kluyver, Tweeerlei Studie. — II. Italic, Icts ovcr de
fabel. — C. H. clen Hertog, Uit de leer van den zin.
liijwoordelijke bc|)alingen. — C. G. Kakebeen, Zelf-
standig en bijwoordclijk, mct Naschrift van C II. <!. II. —
('. II. ilen Hertog, Nauwkeurig lezcn. Uit De Zusters en
Hlauwbcs van Potgieter en Staringg Aan de stad Parijs. —
Schril'telijke opgaven bij bet exameu M. 0. in Ned. Taal
en Wetterkunde. — Scliriftelijke taalopgaven bij de exanienä
voor de akte van onderwijzer(cs). — S^ersclieidenlieden : S.
B u i Si ni a n , Ilet getal des werkwoords na cen verzamel-
woord. — „Benijd uw zoon den beniel niet''. — De telegraaf
al.s taalbedcrver. — Tenzij. — Boekaankondiging: J. L. Ph.
Duyser. Overziclit vnn de Gesehicdenis der Nederlandscbe
Lctterkunde en van bare lioofdvormen in Proza en Poi-zie.
— Bloemlezing uit Nederlandscbe Prozascbrijvers. — Jan
te Winkel, üvorzicbt der Nederlamlscbe Letterkunde. —
Frans Willems, Voornaaniwoorden en Zelfstandig gebruikte
Hijvoegli.jke woordcn. — Dr. G. Pcnon, ßlocmlezing uit
Middelnederlandscbe dicbters. IV. Woordcnlijst.
Romanische Forschungen IV, 2: Herlct, Studien über
die sog. Vznpets (LyoMcr Y., Y. I und Y. II). ^ Dann-
bcisse r. Zum Scblusskapitel von A. Eberts ^Entwieklungs-
gescbiclite der frz. Tragödie". — Sarrazin, Zur Geo-
graphie und Geschichte der Tristansage.
Zs. f. franz. Sprache d. Literatur X.II, 5 u. 7: F. Ten-
dering, Lehrplan für den franz. Unterrieht am Gymnasium.
— Ä. II aase, Synt. Notizen zu Jean Calvin. — H. Zim-
mer, Breton. Elemente in der Arthursage des Gottfried
von Monmouth. — E. Stengel, Plan einer Geschichte der
franz. Grammatik bes. in Deutschland (mit Beschreibung
der Institutiü Pilots). — R. Mahrenholtz, Fz. Grillparzer
über die franz. Literatur.
Revue de philoloigie fran^raise et provenrale IV, 3 :
Quelques mudifieations orthographiqius ailopt''e3 par la
revue. — L. Cledat, L'ortliographe franenise. — L. C,
Correction : le vers 127 du Pelerinagc de Charleniagne. —
IL Chapuis, Kecit en patois de Crans (Jura), suite. —
P. Mareliot, Le Patois de Saint-Hubcrt (Lu.xeinbourg,
Beige). Phonetique et vocabulaire. — E. Phi lipon, Coq-
ä-räne de 1.>9-1 en patois lyonnais. — Ch. Lebaigue,
Feminins et pluriels anomaua. — J. G u e r i n , Textes en
patois <le l'ile d'EUe (Vend^e). — Puitspolu, Lyonnais
uhliKjer, hielte. — Ferrand, Ternies du patois de Jons
(Iserc).
Franco-Gallia VII, 12: Kressner, Franz. Ililfsbücher. —
Be.nprecdiungen : Scliiifer, Kleine franz. Schulgranimatik
für die Oberstufen. — Arnaud, Petit diotionniiire des
verbes irreguliers, defcctifs et difficilcs. — The teaching
und learning of foreign lungungcs.
Giornale storico della letteratnra italiana XVI, 1. 2
(41). 47): l'r. K 1 a m i n i , Leonardo di Piero Dati poota
latino del .sec. XV. ^ li. Koehler, Illustrazioni coniparn-
tivo ad alcuno novelle di Giuv. Sereanibi. V. De Superbia
et panco bene (Triv., Nr. 38); VI. De nialvagitate ypocriti
(Triv., Nr. !I3). — Luzio-Renier, I Filelfo o 1' unianismo
alla Corte dei Oonzaga. — G. Rua, Intorno alle „Piacevoli
Notti" rlello Straparola (Schluss). — G. Zannoni, Notizie
di Jncopu Filippo Pellenegra.
Literar. Centralblatt öO: Keller, Altspan. Lesebuch mit
Grammatik und Glossar. — Eddalieder. Hrsg. von Jönsson.
— v. Eyb, Deutsche Schriften. — 51: Bulle, Dantes Beatrice
im Leben und in der Dichtung. — Venus-Gärtlein hrsg.
von v. Waldberg. — Reuter. Lustspiele. Hrsg. v. Ellingcr.
— 'y2: üauticr d'Arrus, Eracle p. p. Lüseth. — 1: Meyer,
Etyni. Wörterbuch des Albanesisclien. — Wiese, Eine alt-
lonib. Margarcthenlcgende. — Wolf, Kleine Schriften. —
Rnjna, Le corii d'aniore. — Ohle, Shakespeares Cymbelinc.
— Deutsche Litcraturdenkraale etc. hrsg. von Seuifert.
Deutsche Literaturzeituns 4'J: Huemer, Haureau, Des
poemes latins attribues ä Saint Bernard. — 50: Hart-
mann, Bradke, Ueber die arische .Xlterthumswissensehaft ;
Beitrüge zur Kenntniss der vorh. Entwicklung unseres Sprach-
stammes ; Ueber Methode uml Ergebnisse der arischen
Älterthumswissenschaft. — E. Schmidt, Albrecht, Leasings
Plagiate. — W. Meyer-Lübke, Wiese, Eine altlomb.
Margarethenlegcnde. — 51: Bczzenberger, Webster,
Zur Gutturalfrage im Gutischen. — Holte, Kalff, Geschie-
denis der nederlandscbe Letterkunde in de IG'" eeuw.
Göttinsische gelehrte Anzeigen 23: Bradke, Schrader,
Sprachvergleichung und Urgeschichte.
Centralblatt f. Bibliothekswesen III, 11: C. Flaischlen,
Lord Byron in Deutsclilaml. — G. Meyer, Cardinal Oa-
rampis literarische Reise durch Deutschland 17G1 — 1763. —
12: Torrent, Catalonische Manuscriptc in der Bibliothek
von Tarragona. — H. Hayn, Die deutsche Räthselliteratur.
Versuch einer bibliographischen Uebersicht bis zur Neuzeit.
Nebst einem Verzeicbniss deutscher Loos-, Tranchir- und
Complinientirbücher.
Neue Jahrbücher f. Philologie u. Pädagogik 142, 10:
Bettingen, Die Tliemnta zu den deutschen Aufsätzen in
den oberen Klassen höherer Lehranstalten. — Bertling,
Ueberredet Emilia Galotti ihren Vater durch W^ahrheit oder
durch Unwahrheit.
Zs. f. die österr. Gymnasien 11: Heinzel, Hcnzen, Ueber
die Träume in der altnordischen Sngaliteratur. — Ha uf f e n ,
Basch, Scherer et la pliilologie alleniande.
Anzeiger f. schweizerische Geschichte 6: P. Schweizer,
Beitrag zur Kritik und Ergänzung der Grimmschen Weis-
thümer.
Berichte des freien Hochstifts zu Frankfurt a. M. N. F.
VII, 1: (i. Locella, (ioetlie und Italien. — II. Junker,
Ueber die Bildnisse von J. J. v. Willemer und Marianne
v. Willemer. — H. Büttner, Roman de Renart und Rein-
hart Fuchs.
Das Ausland 46 u. 47: L. Wilscr, Anthropologie und
Geschichte.
Die Nation 7: C. Abel, Ding und W^ort. — 8: Jul. Elias,
Konrail Hofmann.
Preussische Jahrbücher 0 : K. K o c h e n d 5 r f f e r , Goethes
Glaubwürdigkeit in Dichtung und Wahrheit. — M. Beb eim-
So h \v a r z b a c h , Homer in der deutschen Literatur.
Deutsche Revue Nov.: Karl Tb. Gaedertz, Ungedruckte
Briefe von und an K. L. von Knebel.
Die Grenzboten 47: Karl Koch, Die natürliche Spracli-
entwicklung und unsere heutige Gemeinsprache. — 50: A.
K o 1 1 ni a n n , Pui)pcnspiele.
Frankfurter Zeitung 289: C. Beyer, Friedrich Rückert.
— 294: J. Sarrazin, Alphonse de Lamartine. — 303 u.
304: Georg Uran des, Anastasius Grün, Herwegh, Dingel-
stedt und Ludwig Feuerbach. — 324: Ludw. Geiger,
Ein Wolfenbüttelcr Genosse Lessings.
Wissenschaftl. Beilage der Leipziger Zeitung 185: K.
W. G ei ssler, Schillers draniatiselie Entwürfe. — 140:
G. Port ig, Die Träger des Christentbums in Lessings
„Nathan der Weise".
Beilage zur AUg. Zeitung 261: Re inhardstö t tner ,
Jean de Mairet, Silvanire, hrsg. von R. Otto. — 280: L.
Geiger, Clemens Brentano und Beethoven. — 281—286:
Scartazzini, Aus der neuesten Danteliteratur.
The Academy 967: Tyler, The Henry Irving Shakspcre.
Sommer, Proposed Emendations in Harl. .Ms. 22."i2. —
Wedgwood, ,Co';kney". — 968: Skeat, The Order of
Letters in tlie Runic. — May he w, „Oross" and .Crosier".
— Johnson. Bacon's Essays. — Sayce, Brugmann's
Coniparative Indo-European Graminar.
The Athenaeum 3289: Dr. A. J. Ellis.
Nordisk tid.skrift für vctenskap. konst och indnstri
1890, H. 6, S. .")01 — 514: Fintuir Jönsson, Völuspä. S.
Dania. Tidsskrift for folkemäl og folkeminder udgivet for
universitets-jubilajets danske s'anifiind af Otto Jespersen og
Kristotfer Nyrop. Kobeiihavn, Lybecker & Meyer. I, 1 :
Kr. Nyrop^ Kludetra)et. — Otto Jespersen, Danias
Lydskrift. — Sniäting og Forespörgsler : Kr. N., Fostbroder-
skab. — Kr. N., Ilestcsko. — Jsp., Mou.
Revue critique 4fi : Camus, Les niss. franj. de la bibliotheque
d'Esto. — La Bruyere p. p. Servois et Rebolliau. — _ 47:
Timmcrmans, Traite de ronomatopee. — Waag, Püemes
33
1891. Literaturbliitt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1.
34
alleniands. — Gebliart, L'Italie mystique. — 48: Nerrlich,
Jean Paul. — Brnitiiiaier, Histoire de la critiquo allemande.
— Du Puitspelu, Dictionnaire du patois lyoiinais. — 49:
Jelliiii'k, Heio et Leandre. — Gaste, La jeunesse du Malhcrbe.
— Robert, La poetique de Racine. — 50 : Süpfle, Histoire
dos iiitiuences de rAIIemagne sur la Kraiice II. — Litz-
niann, Schröder. — 51: Bayle, Correspondance p. p. Gigas.
— Lentzner, Bacon et Shakespeare. — J. Bertrand, Pascal.
— H. Cordier, Stendhal et ses amis. — Parigot, Äugier.
Kev. pol. et litt. 20: F.-A. Aulard, Madame Ackermann.
(Lesenswerthe Charakteristik der freidenkerischen U.Sprachen-
kundigen Verfasserin der Contes en vers, der Premieres
pocsies und der Poesies philosophiques, der Gattin des den
Kunianisten bekannten Paul Ackermann, die ihr Leben in
Kürze selbst erzählt hat. Geb. 1813, t 1885.) — R. Yal-
lery-Radot, Quelques mots de la langue courante. (Im
Anschluss an die Einleitung des Würterbuchs von Darme-
steter und Hatzfeld und an Littres Etudes et glanures han-
delt der A'erfasser von dem Missbrauch hochtünender Be-
zeichnungen für ganz alltägliche, geringfügige Dinge.) —
Die Chronique theätrale beschäftigt sich mit der im Odeon
aufgeführten Bearbeitung von Romeo und Julie durch Le-
fevre. — 21: Im Courr. litt.: Port-Tarascon p. A. Daudet.
— 22: E. Rod, Les idees morales du temps present.
Schopenhauer. — P. Gauthiez, Apropos de Flaubert. —
Im Courr. litt. u. a. der neueste Band Gedichte (Paroles
sinceres) von F. Coppee. — 23: Ernest Tissot (nicht zu
verwechseln mit Victor T.), La vie d'etudiant en AUemagne.
(Handelt nur vom Leben in den Verbindungen, nicht immer
mit vollem Verständniss, aber ohne die Gehässigkeit, die
manche Franzosen für ihre Pflicht halten.) — Rene Dou-
m i e , Le theätre d'hier et le theätre de demain. — J.
Dar mostete r, Parysatis et le roman historique. (Aus
Anlass des im alten Persien spielenden Romans Parysatis
von Frau Jane Dieulafoy.)
Journal des Savants Oot.: G. Paris, Dictionnaire general
de la langue frang.
Revne des denx mondes 15. Nov.: Texte, Le mysti-
cisme litteraire. S. T. Coleridge. — Müntz, Une cour de
la Haute-Italie ä la fin du XV" siecle. Ludovic de More et
Leonard de Vinci.
Annales de l'Ecole libre des sciences politiques
1890, 15. Oct. : Capperon, Lamartine parlementaire.
Revne de ßelgique 15. Nov.: Duchesne, La Societe
liegeoise de litterature wallone et son oeuvre. — In den
, Essais et Notices": Defrecheux, Vocabulaire de noms
wallous d'animaux. 2^ ed.
Nnova Antologia Anno XXV. 3. serie, 30, 23: A. Graf,
Una sorgente di pessimismo nel Leopardi.
Atti e memorie della societä storica savonese vol. II:
G. Chiabrera, Lottere e poesie inedite o rare, a cura
di O. Varaldo. 36 S.
Neu erschienene Bücher.
Brugmann, Karl, Grundriss der vergleichenden Grammatik
der igm. Sprachen. Bd. II, 2. Hälfte, erste Lieferung: Zalil-
wortbildung. Casusbildung der Nomina. Pronomina. Strass-
burg, Trübner. S. 463-846.
Gott lieb, H., Ueber mittelalterliche Bibliotheken. Leipzig,
Harrassowitz. 520 S. 8 (vgl. Allg. Zeitg. Beil. Nr. 273 >.
Krumbacher, K., Geschichte der byzantinischen Literatur
von Justinian bis zum Ende des oströmischen Reiches. 527 —
1453. München, Beck. Handb. der klass. Alterthumswissen-
schaft IX, 1. 495 S. S. [Erste Gesammtdarstellung des Ge-
bietes. Tretl'liehes Werk. Enthält, besonders in der 3. Ab-
theilung ,Vulgärgriech. Literatur'" vieles den Romanisten
und Germanisten angehendes].
Sammlung v. Compendien für das Studium u. die Praxis.
I. Serie 3: Grundriss der Geschichte der römischen Literatur
von M. Zoeller. Münster, Heinrich Schöningh. XII, 342 S.
gr. 8. M. 3,60.
Welsch in ger, H., Jeanne d'Aro dans l'histoire et dans la
poesie. In-8, 32 pages. Amiens, imprim. Delattre-Lenoel.
Extrait de la Revue de la Societe des etudes historiques
(annee 1890J.
Albrecht, P, Lessings Plagiate. I. Bd. 1. Heft. 1. Hälfte.
Hamburg, Selbstverlag des Verf. S. 143—222. M. 1.
Bääth, A. U., Nordiskt forntidslif. Stockholm, Fahlcrantz &
Co. IV, 241 S. 8. Kr. 3,25. S.
Brenner, Oskar, Mundarten n. Schriftsprache in Baiern.
Bamberg, Buchner. 85 S. 8. mit Karte. M. 1. 40 (Bayrische
Bibliothek Bd. 18).
F r 0 i t z h e i m , J., Lenz und Goethe. Mit ungedrukten Briefen
von Lenz, Herder, Lavater, Köderer, Luise König. .Stutt-
gart, Deutsche Verlagsanstalt. Vlll, 132 S. 8. .M. 2,50.
Fulda, Albert, Die Kiffliäusersage, hrsg. von J. Schmidt u.
J Gnau. Sangershausen, Franke, 50 S. M. 1,25.
Funck, H., J. K. Lavater und der Markgraf Karl Friedrich
von Baden. Freiburg i. Br., Mohr. VII, 5S S. M. 1.
Goethes Werke, Weimarer Ausgabe: Bd. 3: Gedichte,
3. Theil. — Bd. 43 u. 44: Benvenuto Cellini. - 2. Ab-
theilung Bd. 2: Zur Farbenlehre, polemischer Theil.
Goethe. Zur Nacligeschichte der italienischen Reise. Goethes
Briefwechsel mit Freunden und Kuustgenossen in Italien
1788—1790. Hrsg. v. Otto Harnack. Mit vier Lichtdrucken.
Weimar, Verlag der Goethe- Gesellschaft. XI, 259 S. 8.
Schriften der Goethe-Ciesellschaft Bd. 5.
Grimm, Jacob, Deutsche Grammatik. Dritter Theil, neuer
vermehrter .Abdruck, zweite Hälfte (Titel, Vorwort u. Bogen
25 bis Schluss). Besorgt durch Gustav Roethe u. Edward
Sciiröder. Gütersloh, Bertelsmann.
Grisebach, E., Das Goethe'sche Zeitalter der deutschen
Dichtung. Mit ungedruckten Briefen Wilh. Heinse's und
Clemens Brentano's. Leipz., Engelmann. V, 197 S. 8. M. 3,.50.
Haselmaver, J. E. , Ueber Ortsnamenkunde. Würzburg,
Kellner. LVI S. gr. 8. M. 0,60.
Ho ff mann von F alle rsl eben. Gesammelte Werke, Bd. I:
Lyrische Gediclite. Hrsg. v. Heinrich Gersteuberger. Berlin,
Fontane. XIX, 406 S. 8. M. 5. (Vollständig in 8 Bänden).
Karlsso n, K. H., Den svenske konungens domsrätt och for-
merna för dess utüfning under medeltiden. I. Akademisk
afhandling. Stockholm , Isaac Marcus Bocktr.-Aktiebolag.
III, 105 S. 8. Kr. 7. S.
Keil, R., Ein Goethe -Strauss. Jugend- Gedichte Goethes
nach der Handschrift des Dichters von 1788, biographisch
erläutert. Stuttgart, deutsche Verlagsanstalt. VIII, 196 S.
8. M. 5.
Lenz, J. M. R., Gedichte. Mit Benutzung des Nachlasses
W. von Maltzalins hrsg. von K. Weinhold. Berlin, Besser.
XXII, 328 S. 8. M. 6.
Ljunggren, G., Svenska vitterhetens häfder efter Gustaf III:
s död. IV, 4. Lund, C. W. K. Gleerup. S. 485-652, VI S.
8. Kr. 2. S.
L o e c k , Georg, Die Homiliensammlung des Paulus Diakonus
die unmittelbare Vorlage des Otfriedisehen Evangelienbuchs.
Kieler Dissertation. 47 S. 8.
Maschka, Glosse virgiliane in alto tedeseo antico Rovereto,
tip. Roveretana. 20 S. 8.
Seh er er, W., Deutsche Studien I u. II. (Sonderdr.) 2. Aufl.
Leipzig, Freytag. III, 129 S. 8. M. 3.
Schiller. Guglielmo TeU di F. Schiller preceduto da uno
studio suUa vita e suUe opere deU' autore dal prof. Giacomo
Schwarz. Genua.
Svenska Akademiens Handlingar ifran är 1886. IV.
Stockholm, Norstedt & Söner. — S. 115—368: Th. Wisen,
Minnesteckning öfver Carl Johan Schlyter. S.
Svenskt D i p 1 om at arium l'rän och med är r401, utgifvet
af Riksarkivet geuom Carl Silfverstolpe. III, 5. Stockholm,
KongL Boktryckeriet. S. 397-528. 4. Kr. 3. S.
T i b u s , A. , Beiträge zur Namenkünde westfälischer Orte.
Münster i. W., Regensberg. 124 S. 8. M. 2,40.
Artliour and Merlin. Nach der Auchinleck-Hs. ; nebst
zwei Beilagen. Hrsg. v. E. Kölbing. Leipzig, Reisland. Alt-
engl. Bibl. IV. CLXXXIX, 503 S. 8. M. 14.
B a r n e 1 1 , Notes on Shakespeare's Play of King iohn. Lon-
don, Bell & S.
Chatterton, Thomas, The Poetical Works of. With an
Essay on the Rowley Poems by Rev. Walter W. Skeat, and
a Memoir by Edward Bell. New ed. (Aldine Edit. of the
British Poets). 2 vols. 12°. London, Bell and Sons.
Dürnhöfer. Max, Shakspeare's „Venus u. Adonis" im Ver-
hältniss zu Ovids Metamorphosen u. Constable's Schäferge-
sang. 47 S. 8. Hallenser Dissertation.
Jahrbuch der deutschen Shakespeare-Gesellschaft. Im Auf-
trage des Vorstandes hrsg. durch F. A. Leo. 24. Jahrg. mit
dem Porträt v. Nicol. Delius u. dem Testamente Shake-
speares in Photo-Lith. III, 404 S. — 25. Jahrg. Mit zwei
zinkograph. Facsimiles III, 325 S. Weimar, Huschke in
Comm. gr. 8. ä M. 12.
35
1891. Literaturblatt für germanische und romanisobe Philologie. Nr.
36
Jentsch. Fr., Die me. Romanze Richard Coeur de Lion und
ihre Quellen. I. Breslauer Dissertation. Leipzig. O. R. Reis-
laiid. 38 S. 8.
Libeaus Desconus. Die nie. Rumanzo Toni schönen llnbe-
knnnd n hrs?. v. Max Kaluza. Leipzig, Reisland. Altenjil.
Bibl. V. CLXVl, 227 S. .>*. M. in.
Longmans" Handbook of English Litorature. By R. ' Mc.
William. From a. d. 673 to the Prcsent Time. 604 p. gr. 8.
Longmans. 4/6.
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Fock. 76 S. gr. 8. M. 2.
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1860. 480 p. gr. b. Perciväl. 7,6.
Shakespeare Reprints. II Hamlet. Parallel Texts of the
first and second (juartos and the first folio. Ed. bv \Y. Vietor.
Marburg. Elwert. IL 319 S. 8.
shak es pearc's Plays. Edited by Prof. Henry Morley. Com-
plete in 13 vols, in case. Cassel. 21/
Shakespeare. Plays: Eiiig John. Edited by O. Elton. King
Henry the Fifth. Edited by A. D. Innes. (The Fulcon Edition).
18. Longmans. 1,6.
. The Merchant of Venice. With Introduction and Notes
by K. Deighton. Mncmillau. 16.
, Edited by Charles Knight. (Red-line Library Edition).
In six Tols. Vol. 1. gr. 8. Routlcdge. 3'
Webster's International Dictiouary of the English Lauguage.
Under the Supervision of Xoah Porter. Rcvised and Enlarged,
ond Reset in New Type from begiuning to end. In 12 Mouthly
Parts. London, Bell and Sons. 2,6.
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Fe. XIL 296 p. gr. 8.
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1706. Public d'apres les originaux conserves ä la biblio-
theque royale de Copenhague par E. Gigas. Copenbague,
Gad. Paris', Firmin-Didot. XXIX, 731 p. 8.
Bert hier, Gioacbino, II senso dell' Allegoria Dantesca se-
condo la Scolastica. 2. edizione. Freiburg (Schweiz), Uni-
Tersitätsbuchhandlung. M. 1.
Ganzen i antiche del popolo italiano riprodotte sccondo le
vecchie stampe a cura di M. Mengbini. Vol. I, 1 — 3. Roma.
(s. N. Antol. 16. Sept.)
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du XI' au XVII' siede. Paris, Jules Martin, fr 6.
— — , Dictionnaire des abreviatlons latines et fran^aises
usitees dans les iuscriptions lapidaires et nidtalliques, les
manuscrits et les chartes du moyen-äge. Cinquieme edition.
Petit in-8. Paris, Jules Martin, "fr. 6.
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(Aus Bibl. delle scuole ital. III, 3.)
Gaspary, Ad., Storia della letteratura italiana, trad. da
Viit. Rossi, con aggiunte dell'autore. Vol. II, 1. Torino,
Loescber. VIH, 371 p. 8. L. 7.50.
Gautier, Leon, La Chevalerie. Grand prix Gobert de l'aca-
demie fran^aise. 850 p. 4. Paris, Ch. Delagrave. fr. 25.
G essner, E., Das Vorbild des Don Quijote. Festschrift des
Franz. Gymnasiums zu Berlin, zur Feier des 200jähr. Bestehens.
Godefroy, Fr., Dictionnaire de l'ancienne langue fran^aise
et de tous scs dialectes du IX' au XV' si^cle. Livr. 64
(RoBcli^re ü Sartir) iD-4. Paris, Bouillon, fr. 5.
Hof mann. F., .IroiV und (>s/rf in den amsohreibenden Zeiten
des altfranz. intransitiven Zeitworts. Berlin, Mayer & Müller.
65 S. gr. 8. M. 1.20.
Irmer, E., Die altfranz. Bearbeitung der Formula honestae
Titae des Martin von Braga. 40 S. 8. Hallenser Diss.
Lanson, G., Bossu >t. [L'homme it l'ecrivain; l'orateur;
l'education du Dauphin; les idees politiques de Bossuet;
Bossuet histurien: theologie et controverscs religieuses;
Bossuet cvcque de Condom et de Meaux: Bossuet dirccteur
de conscience; la pbilosophie de Bossuet.] Un fort volume
in-18 Jesus. Paris, Lecene, Oudin et C. fr. 3,50.
Le Breton, A., Le Roman au XVII' siede. In-18 Jesus,
X, 323 p. Paris, Hachette et C. fr. 3,50. Bibliotlieque variee.
Lemaitre, Jules, Impressions de theätre. Cinquieme S6rie.
[Ibsen; Ostrowsky; Pisemsky ; Marlowe; Corneille; Florian;
Emile Augier; Dumas fils ; Mcilhac et Halevy; Manuel;
Edouard Grenier; Jules Uarbier; Henri de Bornier; Maurice
Bouchor: G. .\ncey ; Stanislas Rzewusky; Catulle Mendes;
Anatole France; Henry Ceard, etc.] Un beau volume in-lS
Jesus. Paris, Lecene, Oudin & C. fr. 3,50.
Leo par di, G., Le prose orlginali. Nuova ed. corretta su
stanipe e manoscritti a cura di G. Mestica. Firenze, Barbera.
XL, 650 p. 24. L. 2,25.
Menuung, Alb., Der Bei Inconnu des Renaut de Bcaujeu
in seinem Verhältniss zum Lybeaus Disconus, Carduino und
Wigalois. Eine literarhistor. Studie. Hallenser Diss. 66 S. 8.
Michele, Fr., da Carbonara. Studi danteschi. I. (Dante e
S. Francesco; Dante c Pier Lombardo.) Tortona. 190 p. 16.
Micocci, Ul., La fortuna di Dante nel secolo XIX. Venezia,
Olschki. 31 p. 4. (Aus Alighieri.)
Mugnier, Fran^ois, Madame de Warens et J.-J. Rousseau,
etude historique et critique. .\vec un portrait de M"" de
"Warens, uue vue des Charniettcs et deux fac-simil^s. Un
beau volume in-8. Paris, Calman Levy. fr. 7.50.
Orsi, D., II teatro in dialetto piemonteso: primi passi (1859 —
1862) studio critico. Milano, Civelli. (s. N. .\ntol. 1. Sept.)
P löger, E., Die Partikeln im Altlothringischen. Hallenser
Dissertation. 88 S. 8.
Saineanu, Lazar, Deutsch-romanisches Wörterbuch. Buka-
rest, Socecu & Co. XVI, 502 S. 8. .M. 4,80.
Sammlung beliebter spanischer Lust- und Schauspiele, zur
Vervollkommnung und Unterhaltung im Spanischen hrsg.
und mit deutschen Anmerkungen versehen von P. Förster.
4. u. 5. Bändehen : El desden con el desden de Don A.
Moreto. Leipzig, Gloeckner. 130 S. 12. M. 1,20.
Samosch, Siegfr., Ariosto als Satiriker und italienische
Portraits. Minden, Bruns. X, 200 S. 8. M. 2,25.
Schauer, K,, Textkritische Beiträge zu den Coutumcs du
Beauvaisis des Philippe de Beaumanoir, Hüll. Diss. 52 S. 8.
Schürmann, Joh., Die Entstehung und Verbreitung der
sog. , verkürzten Participien'" im Italienischen. Strassburger
Dissertation. 61 S. S.
Stork, M. A., Ueber französische Liquiden im Auslaute nach
den Gramniatikerzeugnissen des 16. Jh.'s. Heidelberger
Dissertation. 31 S. 8.
Torre, R. Della, Poeta-Veltro, Parte II (ultima). Cividale.
5. 393—721. 8. L. 6.
Voretzsch, Karl, Der Reinhart Fuchs Heinrichs des Gliche-
zäre und der Roman de Renart. Hallenser Dissertation.
39 S. 8. [S.-A. aus Gröbers Zs.J
Wil motte, M., Etudes de dialectologie wallonne. (Extrait
de la Romania.) Paris, Bouillon, gr. 8. fr. 5.
Wistasse le Moine, altfranzösischer Abenteuerroman des
XIII. Jb.'s. Nach der einzigen Pariser Hs. hrsg. von W.
Foerster und Joh. Trost. Rom. Bibliothek IV. Halle, Nie-
meyer.
Literarische Mittheiluugen, Personal-
nachrichten etc.
Die Bearbeitung von Bd. 3 von Brugmanns Qrundriss
der vergl. Grammatik der indogermanischen Sprachen , der
die indogermanische Syntax behandeln soll, hat Professor
A. Delbrück übernommen.
In Berlin ist ein Verein für Volkskunde gegründet worden.
Sein Organ wird den Titel führen: Zeitschrift des Ver-
eins für Volkskunde. Neue Folge der Zeitschrift für
Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft , begründet von
M. Lazarus und H. Steinthal. Im Auftrage des Vereins her-
ausgegeben vor Karl Wein hold und vom Januar 1891 ab
im Verlage der Buchhandlung von A. Asher & Co. in Berlin
37
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philoloffie. Nr. 1.
38
erscheinen, .fiihrlicli wonlen 4 Hefte im Gesammtumfange
von etwa 30 Bogen mit Text-Illustrationen, sowie Tafeln —
letztere zum Tlieil farbig — ausgegeben werden. Das Gebiet
der Zeitschrift ist die Volkskunde überhaupt. Das innere und
äussere, geistige und stoffliclie Leben der Völker in Gegen-
wart wie in Vergangenheit wird Gegenstand der Sammlung,
Untersuchung und Darstellung sein. Die Zeitschrift, wclclie
den Mitgliedern des Vereins für Volkskunde unentgeltlich ge-
liefert wird, kostet im Buchhandel jährlich 15 — 16 M. Bei-
trittserklärungen nimmt der Schriftführer, Dr. XJ. Jahn, Berlin
NW. Perlebergcrstr. 32, entgegen. Der Vorsitzende des Vereins
ist Prof Dr. K. Weinhold.
In den von Litzniann herausgegebenen „Theaterge-
schichtlichen Forscliungen'' erscheint demnächst : Das Eeper-
toir des Weimarschen Theaters unter Goetlies Leitung, 1791 —
1817; bearbeitet und herausgegeben von C. A. H. Burkhardt.
"Weiter sollen zur VerötVontlichung kommen : Gesammelte Auf-
sätze zur Bühnengeschichte von Gisbert Freiherr v. Vincke ;
Die ältesten Schauspielhäuser in Deutschland von K. Traut-
mann ; Zur Geschichte des deutschen Schauspiels im 17. .Jahr-
hundert von J. Bolte ; Studien über das Drama des 18. Jahr-
hunderts von G. Witkowsky : Geschichte des Wiener Hanswurst
von A. von Weilen : Geschiclite des Dramas und Theaters in
Berlin bis ca. 1740 von J. Bolte; Aktenstücke zur Geschichte
der Ackermann'schen Truppe von B. Litzmann ; Ueberblick
über die Geschichte des The.aters an der Wien von August
Schmidt: Einfluss der deutsehen Bühne auf die Entwickelung
des russischen Theaters von R. Löwenfeld ; Studien zur Technik
des Dramas im 18. Jahrhundert. I. Vorhang und Drama von
K. Heinemann; Briefe von Beck und Iffland an Gotter, 1786
— 1794 bearbeitet von B. Litzmann: Aus verschollenen Dramen
des 16. und 17. Jahrhunderts von K. Th. Gaedertz; Geschichte
des Schuldraraas in Salzburg von R. JI. Werner: Beiträge
und Studien zur Geschichte der Jesuiten -Komödie und des
Klosterdramas von .1. Zeidler.
Johannes Bolte bereitet eine Ausgabe geistlicher Schau-
spiele des 14. — 16. Jli.'s vor.
A. Kollmann in Leipzig ist im Begriif, eine im
Königreich Sachsen zusammengebrachte Sammlung von Puppen-
I spielen zu veröffentlichen. Das erste Heft soll Judith und
Holofernes enthalten.
Die Engl. Dialect Society wird ein Glossary of
words in use in the county of Gloucester von S. D. Robertson
veröffentlichen.
Das kgl. bayrische Kultusministerium macht den Uni-
versitäten Bayerns bekannt, dass in Folge einer dahingehen-
den Anregung von deutscher Seite in Genf an der dortigen
Universität ein Institut zur theoretischen und praktischen
Heranbildung deutscher Lehrer in der französischen Sprache
gegründet und eingerichtet wurde. Auch wurde eine Kom-
mission von drei Mitgliedern, darunter der deutsche Konsul,
eingesetzt, welche die Aufsicht über den Betrieb der Ein-
richtung ausüben und den betheiligten Lehrern und Studieren-
den an die Hand gehen werden.
Der ao. Professor Dr. G. Roethe in Göttingen ist zum
ordentlichen Professor der deutschen Sprache und Literatur
daselbst ernannt worden.
Professor Dr. Birch-Hirsohfeld in Giessen wird
einem Rufe an die Universität Leipzig als Nachfolger Ebert»
Folge leisten.
Hugo Schuchardt ist zum correspondierenden Mit-
gliede der franz. Akademie ernannt worden.
Dr. Sütterlin habilitierte sich an der Universität Heidel-
berg für vergleichende Sprachwissenschaft.
Am Seminar für Orientalische Sprachen an der König-
lichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin werden seit
1. December auch Kurse für Englisch von dem Anglisten
Dr. phil. Karl Lentzner abgehalten.
t am 28. October der bekannte englische Sprachforscher
A. J. Ellis.
Antiquarische C ata löge: Baer & Co. , Frank-
furt a. M. (270: Neuere deutsehe Literatur); Köbner, Breslau
(208: Deutsche und ausländische LileraturJ; Lissa, Berlin
(3: Literatur vom 15. — 19. Jh.); Neubner, Köln (22: Franz.
Literatur).
Abgeschlossen am 31. December 1890.
NOTIZ.
Den germanistischen Theil redigirt Otto Beha^lfe] (Giessen, Bahnhofstrassc 71), den romanistischen und englischen Theil Fritz Neumann
(Heidelberej, Rohrbacheratr. 51), und man bittet die Beiträge (Recensionen. kurze Notizen, Personalnachrichtei. etc.) dem entsprechend gefnlliffsi zu adressiren.
Die Kedaction richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafür Sorge irag-en zu wollen, das« alle neuen AVerke germanistischen una
romanistiechen Inhalte ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von O. R. Reisland in Leipzig' zugesandt
werden. Nur in diesemFaUe wird dieRedaction stets iraStande sein, über neue Publicationen einoBesprechung oder
kürzere Bemerkung (in der Bibliogr.) zu bring'en. An O. R. Reisland sind auch die Anfragen über Honorar und Sonderabzüge zu richten.
VI--
Preis für dreigespaltene
Petitzeile 25 Pfennige.
Literarische Anzeigen.
Beilagegebühren nach
Umfang M. 12, 15 u. 18.
^^
Verlag von O. R. Reisland in Leipzig, j matischeuEinleitung, enthaltend die Grund- IX. Band : Adgars Marien-Legenden.
züse der Grammatik des altlothringischen Xach der Londoner Handschrift Egerton
Dialects, und einem Glossar zum ersten
Mal herausgegeben von Friedrich
.A.p f e 1 s t ed t. geh. M. 6.—
V. Band : Lyoner Yzopet, altfranzös.
Altli'iiiizösisflicßiiotliet.
l. Band: Chardry's Josaphaz , Set
Dormanz und Petit Plet , Dichtungen üebersetzung des XIII. Jahrhunderts in
in der anglo-normannisohen Mundart des der Mundart der Franche-Comte, mit dem
XIII. Jahrh. Zum ersten Mal vollständig kritischen Text des lateinischen Originals
mit Einleitung, .\nmerkungen und Glossar- (sog. Anonymus Neveleti), Einleitung, er-
Index herausgegeben von John Koch, klärenden Anmerkungen und Glossar zum
geh. M. 6.80 erstenMal herausgegeben von Wendelin
IL Band: Karls des Grossen Reise Fo er st er. geh. M. 5.20
nach Jerusalem und Constantinopel, VI. Band: Das altfranzös. Rolands-
ein altfranz. Heldengedicht, mit Einleitung, lied. Text von Chiiteauroux und Venedig
dem diplomatischen .Abdruck der einzigen VII, herausgegeben von Wendelin
verlorenen Handschrift, .\nmerkungen und Fo erst er. geh. M. 10. —
vollständigem Wörterbuch herausgegeben yil. Band: Das altfranzösische Ro-
vonLduardKoschwitz. Zweitevollst. landslied. Text von Paris, Cambridge,
umgearb. u. vermehrte Aufl. geh. M. 4.40 Lyon u. d. sog. Lothr. Fragm. mit R.
III. Band: Oetavian . altfranzösischer Heiligbrodt's Concordanztabelle zum alt-
Roman , nach der Oxforder Handschrift französischen Rolandslied, herausgegeben
Bodl. Hatten 100. Zum erstenMal hrsg. i von Wendelin Förster, geh. M. 10 —
von Karl Voll mö 11 er. geh. M. 4.40 > vm. Band: Orthographia gallica.
IV. Band: Lothringischer Psalter des Aeltester Traktat über französische Aus-
XIV. Jahrhunderts. (Bibl. Mazarine i spräche und Orthographie, nach vier
Nr. 798.) Altfranzösische üebersetzung Handschriften vollständig zum ersten Mal a
des XIV. Jahrhunderts mit einer gram- ' hrsg. von J. Stürzinge r. geh. M. 2.40 ' äosati
XII in der Presse.
612 zum ersten Mal vollständig herausg.
von Carl Neuhaus. geh. M. 8. —
X.Band: Commentar zn'den ältestenV
französischen Sprachdenkmälern hrsf
von Eduard Ivoschwitz. I.Eide, Pcll
lalia, Jonas, Hohes Lied, Stephan. ,ien
geh. Mgjgj..
XL Band : Die Werke des Tro.'nd die
N'At de Mens, zum ersten Mj.'jj^jjg jjj
gegeben von Wilhelm Bs. , t»
jcn, so dass
dieser Rich-
lug' nnd Neu-
Wandel der
Den Herren Faohgen^ Y\\r eineil
sich der Unterzeichnete;! ^^^^^ j
sigen Adresse Mittheil " '
I deren sich dieselben jfde Sprache SO
] u. dergl. gefälligst thodiäcber Behand-
; Paris, 23 Rue Iirliegende Leistung
I (Hotel Racin^veil es dafür noch
""^^s absreiiutzte Scha-
I
Laute nud Formen.
4
:»9
1891. Literaturblatt fOr ftermaiiiBche und romanisqhe Philolof^ie. Ifr. I.
4U
Verlaff von (>. H. HKISLANP in Leiir/i?.
Fraiizösisclio Studien.
Heraiissjeffeben von
G. Körting uihI E. Koschwitz.
Bebrens, Dietrich, l'norijaiiische Laiilnrlretiiny innerhalb
iler furinalin Enlicickelung des /miizösischt'H iirbal-
»7(i»ini('S. (III. IJiind, tj. Heft.) t't Ü.'iO
/{eitrlt/r zur Geschichte der tranzösischeii Sprache in Eng-
lunil. I. Zur Laui lehre der fraiizösisclieii Lehnwörter im
Mittelenslisdieii. (V. Band, •>. Heft.) ....<-« 7.60
Borneinann, Wilhelm, Boileau-Oespriaitx im Urlheile seines
Zi ih/f niissin Jean Desniarets de Suint-Sorlin. (lY. linnd,
3. Hell.) i«i ä.—
Ooerlich. Dr. Ewald. Der biirgundische Dialekt im XIIJ.
und XIV. Jahrhiinderi. (VJI. Band, I. Heft.) M 5.—
Die xiidirestlifhen Dialekte der Lamjue d'u'il. Poitou,
Aunis, Saintonge und AnguunioU. (III. Bund, '2. Heft.)
M 4.80
Die nordwestlichen Dialekte der laugtie d'o'il Bretagne,
Anjoii, Maine, Tonraine. (V. Band, -i. Heft.) . M '6S0
Oröbedinkel, P., Der Versbau bei Philippe Desportes und
Frangois de Malherbe. (Enthalten in I. Band, 1. Heft.)
M 4.50
Grosse, R.. Der Stil Crestien's von Troies. (I. Band, '2.
Heft.) M ^.m
Haase, A., Xiir Syntax Bobert Garnier». (Y. Band, 1. Heft.)
Ji. 3.40
Hannappel, H., Poetik Alain Cliartier's. (Enthalten in L
Bunt. 3. Heft.) M 7.20
Heine, Tli. H. C, Comeille^s Medie in ihrem Verhältnisse zu
den Medea- Tragödien des Eiiripides und des Seneci« be-
trachtet, mit Berücksiehtigung der Medea-OichtunKon
Olover's, Grillparzer'8 und Legouvii'g. (Enthalten in
I. Band, 3 Heft.) M T.-20
Horniii;:;, \)r. Adolf, Die ostfra musischen Grenzdialekte
zirischen Metz und Beifort. Mit einer Karte. (V. Band,
4. Heft.) M 4.40
Jaeger, Julius, Die Quantität der betonten Vokale im Neu-
framösischen. (I^ . Band, 2. Heft.) . . . . M 2.40
Klappericta, JoKeph, Historische Enttrickelung der syntak-
tischen Verhiiltnisse der Bedinguiigssätte im Altfran-
zösischen. (Itl. Band, 4. Heft.) M 2.30
Li!<zt. W., Syntaktische Studien aber VoHure. (Ei.thalten in
1. Band, 1. Ueft.j «tt 4.00
Maokel, Dr. Emil, Die germanischen Elemente in der fraii-
ziisi.-'chen und prorenzalischcn Sprache. (YI. Band, I.
Heft.) cH 6.80
Malirenholtz. R., Muliire's Leben und Werke vom Siaad-
[luiikt ilor heuiijjen Fursrhunj. (_II. Bund.) <(< 12. —
Mann, Max Friedrieb. Der Bestiaire divin des Guillaume
le Cleir. (\1. Band, 2. Heft) dt 3.60
Marx, G., Veber die Wortstellung bei Joinville. (Knthnlien in
I. B.ind, 3. Heft.) M 7.20
Müller, Konrad, Die Assonanzen im Girart con ttossillon.
X.ioii allen err<'iohliaren Handschriften bearbeitet. (III.
B.ui.l, ö. Hi'ft.) JC 2.40
Mushacke, Wilhelm, Geschichtliche Entuickelung der Mund-
iirf von Muiit/iellier (Lanyue-d'oc). JY. Band, 5. Heft.)
Jt Ö60
Schllcknra, Julius, Die Wortstellung in der altfranzösischeu
Dichtung „Aucassin und Nicolete". (III. Band, 3. Heft.)
M 1.60
Schoppe, Joseph, Veber Metrum und Assonanz der Chanson
de Giste „Amis et Amiles". (III. Band, 1. Haft.) M 1.40
Schnmann. Wilhelm, Vocatismus und l'onsonaniismus des
Cambridger Psalters. Mit einem Auhani;: Nachträge zur
Fle.xionslehre desselben Denkmals. (IV. Band, 4. Heft.)
.(C 2.40
Soltraann, H., Der Inßnitiv mit der Präposition ä im Alt-
franzosischen bis zum Ende des 12. Jahrhunderts. (Ent-
hiilteii in I. Band, 3 Heft.) di. 7.20
UthoiT, Johannes, yirelle de la Chaussee's Leben und
Werke. Ein Beitrag zur Litteraturgeschiohtc des 18. Jh.V
und insbesondere zur Entwicklungsgeschichte der „ComMie
larmoyante". (lY. lian.l, I. Hefr.) di. 2.4»)
Visin;;, Joban, Die Tempora der Vergangenheit in den
romanischen Sprachen mit besonderer Berücksichtigung
des Französischen. I. Lateir. — Porlugiesisoli - "i'.ianiscb
— Italienisch. (YI. Band, 3. Heft.) . . . . J6 7.40
Die realen Tempora der Vergangenheit im Französischen
und den übrigen romanischen Sprachen. Eine syutaktisoh-
stilisiisehe Studie II. Französisch (Yll. Band, 2. Heft.)
Völcker, Bernhard, Die Worlslellung in den ältesten fran-
zösischen Sprachdenkmalen. IUI. Bind, 7. H.MI. ! ■!(■ '2 —
.-»uibt-ii erschien :
AI.TEXGLISCHE
BIBLIOTHEK:
her.4Usi;egeben
V>tV
EUGEN KÖLBING.
Vierter B.1111I.
1.
Fi..
Co
F i 1 0 1.
ib,^hL>ur aiul Merlin
UaT.Tol if r Am-hinleek-H..
Gabotto, I-t zwei Beilagen
Ittternria d.
(Aus Bibl. (MrausRegebr-n
G a 8 p a r y , .' tod
Yitt. Kussi, . iz •• II ■
Loeschcr. Vllt, KOIDlllg.
G n u t i e r , Leon, j ,, .. , ,
deraie fran«aise. i*^">" *' ''»• "
G e s 8 n e r , E., Das
Franz. Gyninasium'
G o d e f r oy , Fr., D
et de tou3 ses ( „ , " „ . i>
(RoscJiörc ä Sar' Redaotenr Pro!. Dr.
Päufter Band.
Libeaus Desconus
Die
inittplciiglisclie Romanze
vom
schönen Unbekannten
Herausgegeben
von
Max Kaliiza.
24 Uogen 8". Preis M 10 —
0. R Reislaiid.
Verlag von O. R. REISLAND in Leipzig.
Die Aussprache des
Schrift deutschen.
-Alit dorn
, Wörterverzeichnis für die deutsche Recht-
schreibung zum Gebrauch in den proussi-
soheii Schulen" in ]ihüiietiaeher Umschrift
sowie phoneiisclien Texten.
Yon
Wilhelm VIeto*.
Zweite, umgearbeitete Auflage der $chrift
,Die Aussprache des Würtervorzoichnisses
für die deutsche Rechtschreibung zum
I Gebrauch in deu preussiscben Schulen".
I (lY, 101 S.) 8. Preis M 1,60.
j Vorwort zur 2. Auflage: In der vor-
I liegenden neuen Auflage hat die , Einlei-
tung" („Plionetisches — Ortoepisohes'')eine
! gründliche Umarbeitung und nicht unbe-
trächtliche Erweiterunst erfahren, wodurch
dieser Theil des Schriftchens hoffentlich
an Brauchbarkeit gewonnen hat. Die üm-
' Schrift des Würtorverzoichuisses sowie der
I aus meinem Buche German pronunciation
I herübergenommenen Texte ist einer ge-
I nauen Durchsicht unterzogen worden.
Fritz Neumano in Heidelberg. — O. O tto 's Hofbuchdrookerei in Darmstadt.
LITERATURBLATT
FÜR
GERMANISCHE UND ROMANISCHE PHILOLOGIE.
IIKRACSGEGEBKX VON
QR. OTTO BEHAGHEL üsd D'' FRITZ NEUMANN
»t. Ö. Professor der germanischen Philologie
«»« der Untversitäi dessen.
o. o. Professor der romanischen Philologie
an der Universität Heidelberg*.
Erftcheiiit monatlich.
VERLAG VON
O. R. REISLAND. LEIPZIG.
XIL Jahrgang.
Nr. 2. Februar.
Preis halbjährlich M. 5.
I*aul. Gruudriäs der german. Philologie. Forts
iTol)len.
Meyer, Die altgerm. Poesie nach ihren formeifaaftea ' Behrens, Die französ. Elemente im Englischen
Kelle, Die St. Galler Deutschen Schriften und S i m o n e t . Glosario de voees ibericas y latinas
Notker Labeo (Behaghell.
Elementen beschrieben (Kauffmanni.
Kelle. Untersuchungen zur Ueberlieferuog. Ueber-
setzung. Grammatik der Psalmen NotkersfHeu sleri.
Pauls Grundriss I (Such i er».
Jean deMairel, Silvanire mit Ein], und Anmerk.
hrsg. von R. Otto Dannheisseri.
usadas entre los Mozarabes tMeyer-Lübke).
Bibliographie.
Literarische Mittbeilungen, Personal-
nachrichlen etc.
villi Tl. Paul. Furrsctzuiit,' ISMO. Strussbiiig. Trübner.
In Xr. 4 des letzten Jahres sind die bis zu .jener
Zeit erschienenen Lieferungen dieses Werkes besproclien
worden. Da seither weitere ausgegeben worden sind,
soll der erfreuliche Fortgang bezeugt w^erdeu, jedoch
mit ausdrücklicher Erinnerung an die bei der ersten
üesprechung gemachten Einschränkungen betreffend Um-
fang und Haltung der vom Referenten anzubringenden
IJemerkungen. Denn je weiter das Werk fortschreitet,
um so mehr bestätigt sich die Voraussicht, dass es nicht
Sache eines Einzelnen werde sein können, vollständig
zu beuvtheilen und wohl gar noch zu ergänzen, was
zwanzig Mitarbeiter unter sich vertheilt haben. Die
Leistungen des Einzelnen bleiben zwar als solche natlir-
lidi der Kritik unterworfen, aber diese müsste dann auch
gleichmässig an Allen vollzogen werden, und eben dies
ist einem Einzelneu unmöglich. Auch wäre es kleinlich,
gegenüber einem so gi-oss angelegten und im Ganzen
gewiss wohl gelungenen Werke einzelne Mängel zu be-
kritteln oder streitige Ansichten zu erörtern: mein Augen-
merk soll darauf gerichtet bleiben, ol) die Theile des
Werkes zum Ganzen das richtige Verhältniss haben und
dem Gesammtzweck entsprechen.
Die zweite und dritte Lieferung des ersten Bandes
enthalten die Geschichte der nordischen Sprachen, von
A. Noreen. Die Behandlung geht natürlich über den
Rahmen der von demselben Verfasser bearbeiteten alt-
nordischen (d. h. altnorwegischen und altisländischen)
Grammatik weit hinaas. indem sie auch das Ostnordische
(Dänische nnd Schwedische) umfasst und die Geschichte
der Laute und Formen dmx'h zwei Perioden hindurch-
fühlt: 1. Urnordisch und Gemeinnordisch bis zum Ende
der Vikingeizeit, 2. von dort bis zur Reformation, mit
durchgängiger Berücksichtigung anch der dialektischen
Unterschiede der Einzel.sprachen. Den deutschen Fach-
genossen muss diese Vollständigkeit der lUnstellung
doppelt erwünscht sein, da Gegenstände und Quellen
ihnen ferner liegen.
Es folgen in der dritten, vierten nnd fünften Liefe-
rung die Geschichte der deutschen Sprache von Behaghel,
die der niederliindisclien von .T. te Winkel und die der
fi'iesischen von Th. Siebs. — Behaghel liat hier natür-
lich eine ganz andere Arbeit geliefert als in seinem tür
weitere Kreise bestimmten Buche. Nach Abgrenzung
des Gebietes der deutschen Sprache gibt er zunächst
eine Uebei-sicht der Innern Gliederung
arten, dann ein Kapitel über das Verl
zur Schriftsprache und eines über
Sprache und Schrift (resp. Orthogifc
wei'th ist die Behandlung des Satzl
Gegenstand noch wenig bearbeitet, su
noch mehr unterworfen ist als der^
manche Theile der Phonetik. — Bi
der Laute und Formen ist besonders
durchgehende Berücksichtigung der Dialekte nnd Mund-
arten, wenn auch die Angaben über die räumlichen
Grenzen einzelner Lauterscheinungen noch manche Er-
gänzung und Berichtigung finden werden. Bei der ganzen
Darstellung ist mit Recht die Entstehung und Geschichte
des Neuhochdeutschen hauptsächlich ins Auge gefasst,
da wir für die ältere Zeit, wenigstens für Ober- und
Mitteldeutsch, bereits treffliche Darstellungen besitzen.
Es kommen also die xielfachen Verschiebungen. Spaltungen,
Uebertragungen und Ausgleichungen, welche besonders
das Neuhochdeutsche mit sich gebracht hat, zu ziemlich
vollständiger Uebersicht.
Viel einfacher ist die Entwicklung der nieder-
ländischen Sprache, wenn man, wie leider gewöhnlich
geschieht, bei Geschichte der Sprache bloss den gram-
matischen Theil und auch innerhalb von diesem nm-
Laute und Formen berücksichtigt. Doch hat Kluge schon
bei der Vorgescliichte der germanischen Sprachen (und
mm auch bei der Geschichte der .englischen Sprache,
über die ich noch nicht vollständig referh'en kann) anch
den Wortschatz und die Wortbildung (beim Englischen
auch die .Syntax) bedacht. Der Bearbeiter der nieder-
ländischen Sprachgeschichte hat mit gutem Grund die
verhältnissmässige Arnmth, welche dieser Sprache in
formeller Beziehung anhaftet, dnrch ausführliche Be-
handlung des materiellen Theiles ausgegeglichen, so dass
fast alle Ei^cheinungen, die eine Sprache in dieser Rich-
tung aufweisen kann, nicht nui- in Entlehnung und Neu-
bildung von Wörtern, sondern auch im Wandel der
Bedeutung, hier zni" Darstellung kommen. Für einen
Grundriss mag damit sogar etwas zu viel gethan sein,
und es ist nicht zu verlangen, dass jede Sprache so
behandelt werde; aber als Beispiel methodischer Behand-
lung auch dieses Gebietes muss die vorliegende Leistung
rühmlich anerkannt werden, gerade weil es dafür noch
keine so bequeme und nachgerade etwas abgenutzte Scha-
blone gibt wie tür die Behandlung der Laute und Formen.
4
43
1B91. Litersturblatt fflr germanisohe untl romanisohe Philologie. Nr. 3.
44
Die Gescluohte der friesischen Spracbe liätte wohl
keiiuii tri'iinilliilH'ren Kenner und sorgtaltisreren Dar-
8tellt-r tiinliMi können als Th. Siebs, der diesen liegen-
stand Vor Kuizem in einem besundern liiiciie behandelt
hat. Wenn anch das Friesische ki-ine eigentliche Literatur
hat, sei nimmt es doch als Sprache eine so wichtige und
leiirn-iche Stellung zwischen Deutscii, Nordisch und Eng-
lisch ein, dass ihm eine entsprechende Behandlung ge-
bühi-te.
Indem wir von der Sprachgeschichte zur Litera-
.tu rgwschichte übergehen, finden wir in der Darstellung
der althochdeutschen und altniederdeutschen Literatur
von Kögel fast wieder ein l'eberniass des Guten, insofern
als er sich nicht begnügt hat, eine vollständige und
vortreftliche Besprechung der Literaturdenkmäler nach
Inhalt und Sprachform zu geben, sondern hermeneutisclie
und kritische Bemerkungen über einzelne Texte und
Stellen beigefügt hat, die. von einem Gruudriss nicht zu
verlangen wai'en, aber den Studenten, für die dieser
doch auch besonders bestimmt ist, sehr erwünscht und
förderlich sein werden.
Eine schwere Aufgabe war es, die reiche mittel-
hochdeutsche Literatur so zu behandeln, dass das
Mass eines Grundrisses richtig getroffen und nirgends
übei-schritten wurde. F. Vogt hat diese Aufgabe meister-
haft gelöst. Wenn wir seine Darstellung an Umfang
etwa mit der von Wackernagel vergleichen, der freiere
Hand hatte und in seineu reichen Anmerkungen auch
allerlei Belege beibringen konnte, so ei'gibt sich, dass
Vogt auf c. 170 Seiten alles Wesentliche so gut ent-
hält wie Wackernagel auf c. .^50 (die allerdings anch
Sprachgescliichtliches und Metrisches umfassen). Die
Charakteristik und Beurtheilung aller Haupterscheinungen
ist bündig, zutreffend und unbefangen.
Im Veihältniss zur mittelhochdeutschen Literatur
kann die mittelniederdeutsche nur als Anhang beti-achtet
werden: es ist aber erwünscht, dieselbe von .Jellinghaus
nach dieser Werthschätzung richtig zusannnengestellt zu
finden, so dass ihr Antheil an der Gesammtentwicklung
ermessen werden kann. Auch die mittelniederlän-
dische, bearbeitet von te Winkel, kann nicht viel
höliere Ansprüche machen, da wenigstens die Originalität
durch Einwirkung von Frankreich stärker eingeschränkt
war als in Deutschland. .lakob von Jlaerlant steht
allerdings in seiner Zeit hervorragend da und findet an
Vielseitigkeit und Gediegenheit in Deutschland nicht
seines (ileichen; aber wenn er als klassischer Vertreter
des niederländischen ^'olksgeistes gelten mag, so offen-
bart sich in ihm eben anch der dem letztern inwohnende
l\Iangtd an schöpferischer Kraft. • — r)ie Rhetoriker kann
man den deutschen Meistersängern vergleichen; sie hatten
aber tiefere und breitere Wurzeln im Volksleben; Uire
AVettkämpfe waren allgemeine Volksfeste (wie S. 480 ff.
sehr anschaulich geschildert wird), und erstreckten sich
auch anf das Gebiet der dramatischen Poesie.
Zum Schlüsse der diesmaligen Besprechung erlaube
ich mir zwei allgemeine Bemerkungen, die eine an den
Herausgeber, die andere an den Verleger des Werkes
gerichtet.
Der von mir in der ersten Anzeige, und auch von
anderer Seife ausgesprochene Wunsch, es möchte die
Neuzeit der Sprache und Literatur in den Grundriss
aufgenommen winden, kam eigentlich schon zu spät, um
Berücksicliligung finden zu können (vgl. Band I S. 8),
und es muss zugegeben werden, dass die Erfüllung des-
selben das ganze Werk bedeutend erweitert, also auch
vertheuert hätte. Von der andern Seite wird man zu-
gestehen müssen, dass die Festsetzung und Festhaltung
einer Grenze zwischen Mittelalter und Neuzeit grosse
Schwierigkeit hat und dass die Grenze da und dort
überschritten worden ist, also eine gewisse Ihigleich-
mässigkeit der Behandlung vorliegt. Da aber dieser
üebelstand dem Werthe des nun einmal Beabsichtigten
und Vorliegenden keinen Abbruch thut, so soll davon
nicht weiter die Rede sein.
Der Verleger hat das Werk in Form von Liefe-
rungen erscheinen lassen und zwar so, dass diese nicht
mit Abschnitten des Inhalts zusammenfallen. Aus die^sem
Veifahren wird die Absicht zu erkennen sein, das Werk,
oder wenigstens die zwei Bände, nur als Ganzes abzu-
geben. Dagegen ist von buchliändlerisehem Standpunkt
und auch von Seite der Sache und des rein wissen-
schaftlichen Zweckes nichts einzuwenden. Aber in Ab-
sicht auf den practischen Zweck wäre im Interesse der
Studierenden zu wünschen, dass, wenigstens nachdem
eine gehörige Anzahl von Gesammtausgaben abgesetzt
wäre, auch eine Ausgabe nach einzelneu Fächern ver-
anstaltet werden könnte, deren Anscliatfung keinem
Studenten zu schwer fiele, dann aber auch Jedem zuzu-
muthen wäre. Zugegeben, dass für Jeden die ideale
Anforderung besteht, das Gesammtgebiet der germanischen
Philologie kennen zu lernen, haben doch die einzelnen
Fächer an sich und vollends für die einzelne Person
nicht alle denselben Werth, z. B. zur Vorbereitung auf
ein Examen, in welchem nicht gleichmässige Kenntniss
aller Gebiete verlangt wird. Vom Mittelpunkt der
Philologie, den doch immer Sprache und Literatur bilden
werden, liegen bildende Kunst und Musik, Wirthschaft,
Recht, Kriegswesen und Sitte in verschiedenen Abständen
zur Seite. Der Verleger würde, wenn er Einzelausgaben
veranstaltete (die dann sogar etwas theurer angesetzt
werden dürften), wahrscheinlich sogar noch ein besseres
Geschäft machen! Vielleicht hat er aber dies Alles
schon zum voraus selbst erwogen und beabsichtigt; in
diesem Fall bleibt uns nichts übrig, als ihm dafür zu
danken und ihm und dem Werke den besten Erfolg zu
wünschen.
Zürich. Ludwig Tobler.
Meyer, llichard M., Die altgernianische Poesie nach
ihren formelhaften Elementen beschrieben. Berlin.
\V. Ucrtz. ISMO.
Jac. Grinnn (Andreas und Eleue. 1840 S. V f.)
fürchtete ,.wenig Widerspruch" gegen die Annahme,
„dass das deutsche lleidenthum seine eigene Poesie und
Sage besessen, ausgebildet, nachher aber gegen das
Christenthum eingebüsst habe . . . Kaum .Anfluge des
Neuen und Fremden hat die nordische Edda, in ihrem
Umfang lagert breit und ungezwängt das Heidenthum;
unter den früher bekehrten Hochdeutschen hatte die
unmittelbar dringende Gewalt der lateinischen Kirche
inuner auf A'erniclitung der einheimischen Ueberlieferung
hingearbeitet . . . Im altsäclisischen Heliand streift die
Darstellung gei-ne noch an ehmalige Form, aber der
vorgesteckte heilige Stoff übte zu grossen Einflnss. Offen-
bar waren die Angelsachsen, deren Geistlichkeit der
Muttersprache befreundet blieb, am nächsten daran, eine
Vereinigung beider Elemente zu Stande zu bringen . . .
Es ist an sich nicht ohne Reiz und bringt der Forschung
Gewinn, die lialbverschleierten Ueberreste heidnischer
Poesie in ihn frühsten .Anfängen der christlichen unter
45
1891. Literaturblatt für geriuanische und romanische Philologie. Nr. 2.
4(i
ili-ii .\iigelsaclisen aufzudecken und zu betrachten. Nirgend
piiie vortretende Persiinlielikeit der Dichter, alle, vom
Krbi^ut der \'orf;iIiren zehrend, wissen gewandt und
reinliih eine selir eig-enthüiniiche Form zn handhaben."
„Nicht alsofrleich Hess das Volk von angestammten tief-
wurzelnden Au.sdrncksweisen und die christliche Lelu-e
gestattete oder trachtete selbst, ihren milden Sinn, ihr
innigeres (ietülil der rauhen Einde des frischkriiftigen
Holzes heidnischer Ansclir.uungen einzuimpfen, woraus
Zweige trieben und Früchte entsprossen, deren künst-
liches Wachsthuni etwas Gestörtes verriith, noch
nicht alle gesunde Derbheit der alten Säfte verleugnet."
Weniger feintlihlig sprach sich der Bruder in der Ge-
schichte des Reims S. 181 aus: „Die alte Darstellungs-
weise wurzelte in der grossartigen aber nngezähmten
Naturkraft des Heidenthunis" und für lange .Tahre hatte
UIl^cre Emiitindung auf diesem Euhekissen geschlummert.
Ein sdiarfer Hauch vuui Norden ist losgebrochen und
das sonnige Bild altgermanischer Dichtung ist in drücken-
den Nebel gehüllt worden. „Das Zeitalter des reinen
Glaubens pflegt nicht das der Kunst oder Poesie zu sein.
Die Kunst verlangt eine gewisse Entfernung von den
^■orstellungen und Gegenständen, die sie behandeln soll,
damit sie dieselben mit genügender Freiiieit behandeln
kann . . . Die reichste Entfaltung der Dichtung kann
erst nach der Periode fallen, in der die Eeliglou noch
unberührt von fremden Einflüssen in ihrer vollen Kraft
stand" (E. Sars, Udsigt over den uorske historie S. 171;
H. Petersen, Ueber den Gottesdienst und den Götter-
glauben des Nordens wahrend der Heidenzeit S. 118).
E. M. Meyer lässt uns in seiner Darstellung altgerma-
nischer Poesie von dieser packenden Wendung der Gegen-
wart, von der .,gestörten" Empfindung .Jac. Grimms
nichts spüren. Dem inhaltreichen Buche, das er ge-
schrieben, fehlt ein Centrum. Der Verfasser steht nicht
auf einem Standpunkt, zu dem er seinen Leser heran-
ziehen wollte. Zahllose Flocken wirbeln umher; jedoch
vergebens ist alles Bemühen, die Axe zu tiudeu, um
welche die Bilder sich drehen. Dem Schreiber der Vor-
rede ist deutlich zwischen den Zeilen zu lesen, wie un-
geniüthiich ihm selber bei seinen Wort- und Formellisten
geworden war. Bei einem Buch wie dem vorliegenden
hätte man gerne einmal den frisch und frei zugreifenden
Math des Fehlens gewünscht: die rückhaltlose Sicherheit,
mit der die Ueberlieferung alliterirender Dichtung un-
besehen als altgermanische Poesie behandelt ist, wii-d
schädlicher sein, als sogar ein einseitig ki'itischer Standpunkt
es hätte werden können. „Ich verstehe unter altgerma-
nischer Poesie die uns erhaltenen Beste stabreimender
Dichtung bei den germanischen Stämmen und zwar vor-
zug-sweise diejenigen, welche von christlich gelehrtem
Einfluss nicht berührt sind" (S. 1). Was das bedeutet,
kann durch S. 42 ff. (um ein Beispiel herauszugreifen)
illustrirt werden. Es handelt sich um die Stoffe der
altgermanischen Gedichte. Zunächst die Welt in ihrem
ganzen Umfang. Statt den dürftigen Bestand mit
schlichten Worten zu bekennen, wüd ungefähr Folgendes
geboten. Neben der Volospö wird das Wessobrimner
Gebet citirt und die sog. kleine Volospö: Anfang oder
Ende der Weltgeschichte soll z. B. (für mich sehr über-
raschend) die VegtamskuCta erzählen. Beiden Arten
welthistorischer Poesie konnten sich später christliche
iiichtungen anschliessen. wie einerseits Heiland, Krist
(wariun nicht als Otfrids Evangelienbuch citirt? ist Crist ge-
meint'?), ags. Bibelgedichte, anderseits lluspilli und Domes
dsej. An Grimnesmöl und ^'afIJI•ü(lIlesm6l passen sich
solche christliche Stücke an wie Hinnuel und Hölle u. s. w.
„Innerhalb der Weltbeschreibung entsprechen den Liedern,
die nur die allerbedeutendsten Momente aus dem Welt-
lauf erzählen, solche Gedichte, die aus dem Bereich der
Natur nur das Merkwürdigst« beschreiben; sie sind
uns aber nur durch christliche Stücke der ags.
Poesie, wie die Wunder der Schöpfung und die Käthsel
vertreten. Meregarto ist etwas anders geartet, und die
Symbolisirungen von Naturwundern, die man als 'Pliysio-
logus' zu bezeichnen pflegt, sind von Grund aus spe-
cifisch christlich-gelehrter Art." Andere Aufzäh-
lungen belehren über die Bewohner der Welt und ihre
Schicksale: der Verf. kann sich nicht versagen „(Fischarten
im Euodlieb XIII, 41 f.)" anzufügen, mit demselben Recht
hätte er bei der vorausgehenden Besprechung der Hc'ivamöl
der Lebensregeln gedenken können, die der Ruodlieb
enthält. Als Hanptzeuge könnte hier allein Widsip
geltend gemacht werden, dessen christlich-gelehrtes
Wissen ihm das Bürgerrecht im Kreise altgermaniseher
Sänger versagt (Michel Beitr. XV, 377 ff. ist für mich
allerding-s noch nicht annehmbar). Ob in altgerman.
Poesie auch schon Berufung auf Quellen in all den
Formen stattgefunden hat, wie sie S. 377 gehäuft sind,
diese Frage möchte ich kaum aufwerfen: warum ist
daselbst nicht auch Elene 825. 1255 citirt V u. s. w.
Zu verwundern bleibt in erster Linie, dass der Aus-
blick auf Dichtungen jüngeren Datums sich nicht auf
die volksthümliche Epik des 12. Jahi-huuderts erstreckt
hat, die erwiesenermassen so reichen Ertrag an alt-
ererbten Formeln bietet. Ich erspare mir am Wege
liegende Verweise und hebe zur Rechtfertigung nur- ein
kleines unscheinbares Beispiel heraus. In der Darstellung
bei Meyer S. 30 ff. fehlt ein Hinweis darauf, welch
mächtigen Factor in der Werthschätzung des edlen
Charakters die Geradheit, Ehi'lichkeit und Offenheit aus-
machte, cfr. Rückert, Kulturgeschichte I, 95. Man ver-
gleiche hierzu den Rückblick auf die gute alte Zeit im
König Eother v. 4500 ö'. mit der Schilderung des Goten
Frawitta, wie sie Eunapius (Müller, Fragm. histor. graecor. .
lY; Bessel, Goten in Ersch und Grubers AUg. Encycl.
Sect. I, LXXV, 167) entwii-ft. Schritt für Schritt macht
sich der Mangel an Kritik bei Aufnahme der Materialien
fühlbar. Die leichtbeschwingte Phantasie ist vorschnell
ziu- Hand, mit den schutzlosesten Positionen einen Organi-
sationsplan zu skizziren, mit dem sich Alles erreichen
lässt, nur nicht die Befriedigung des Lesei-s, den es so
mächtig drängt, durch Dornen und Gestrüpp in die
Ruhmeshalle altgermanischer Sänger zu gelangen.
Wie viel Fremdartiges ist hereingekommen, wie viel
WerthvoUes ist kaltblütig ausgeschlossen! S. 122 ff',
findet sich eine wortreiche Sammlung einfacher poetischer
Synonyma unter Stichwörtern geordnet. Ich vermisse
mancherlei. Dass aber in einer Beschreibung der alt-
germanischen Poesie nach üu-en formelhaften Elementen
all das fehlt, was die aUiterh-enden Gedichte selbst über
Lied und Gesang, singen imd sagen. Dichter und Denker
ttns hinterlassen haben, wii-d nicht bloss mich enttäuschen.
So fehlt denn auch unter den Idealgestalten (S. 36) der
Sänger und Held, nicht Bragi, der Sängerahn, ist hier
genannt, noch Starkapr, dem die Lieder durch Odinn selbst
die Dichterweihe und den Heldensinu haben verliehen
sein lassen. Der Herausgeber von Scherers Poetik hätte
auch mit Bezug auf S. 180 dieses Buchs den Sänger
am Hofe des Königs herzhatter als gleichberechtigt in
47
1891. Litcratnrblatt fDr germanische und romanisolie Philologie. Nr. 2.
-|s
(las Gefolge einreihen können (S. 55 f.). Wie fern
grerade diese Benifcklasse den Gedanken des Verf. 's ge-
legen hat, bezenfrt anch S. 33 f.
Geradezu betrübend war mir ein schwerwiegendes
Versäninniss. Es lassen sieh Gründe denken, weshalb
die älteren .Skaldengedichte ' so wenig ausgenützt worden
sind; nicht zu rechtfertigen ist dagegen, dass im vor-
liegenden Buch, das willig den Waltharius, Rnodlieb und
andere Zeugnisse in der Gelelirtensprache aufgenommen
hat, .Saxo Grammaticus so gut wie unbenutzt geblieben
ist-. Gerade von R. JI. Jleyer hatten wir uns licht-
volle -Aufschlüsse über die literarische Technik der in
die llistoria Danica aufgenommenen poetischen Stücke ver-
sprechen können. Die Untersucliung ist im höchsten Grade
dankenswerth, und da wir die Muster seiner Latinität
kennen, seiir erleichtert, kleine .Sache kann es an dieser
Stelle nni' sein, auf die Fülle des Reichtliunis echtgerma-
nischer Poesie in dürren Citaten aufmerksam zu machen.
Zunächst anknüpfend an den T3'pus des Sängers xuid des
Helden nenne ich den lloldaniis . . condendorinn patrio
more ponudtum perit'ni diserfus ttec afidefica minus
virtitfc <pi<im re<j}<i pofestate roiispictiiis (ed. Müller-
Velschow I, 325), oder Tofar und Hinlfo . . insfrucfis-
ad helhi rorpiiribiiit . . . poescx qitO(jur patrio scrmone
rontcrere promptissime cullucnoit (1, 378). Hiarnii.'!,
Danicue admodum poesits peritus, . . . more suo harha-
rtim condidit metrum . . . aiidorem Dani diademate
munerati sunt (I, 258). Von der Schilderung des Rotherus
bei Saxo T, 110 brauche ich wohl nicht ausführlicher zu
reden. "Wie einzig schön ist die Geschichte der Syritha
(I, 330 ff.), deren Typus eine werthvolle Ergänzung zu
Meyer S. 37 hätte liefern können. Die Frau erscheint
nicht bloss edel und verehrenswerth (S. 39), für alles
Andere mögen Saxos Stvavilda (I, 414) und Gunvara
(I, 183) als Typen körperlicher Schönheit genannt werden.
Es ist übrigens auch nicht ganz genau, wenn nach S, 40
im (iegensatz zur homerischen Dichtung die männliche
Schönheit verschwiegen wird. Nicht bloss Baldr, son-
dern auch Loki reizt durch seine Schönheit (SnE. I,
104. II, 271), erwägenswerth bleibt jedoch bei dem
Mangel älterer Zeugnisse das von Bugge (Studien S. 78)
aufgestellte Muster Lucifers. In dieser Frage fällt Saxo
belangreich ins Gewicht: Tunr Svauhuita speciosissimum
lincamentonim ejus liithitum ruriosiori coutemplatione
lustriitum impensius odmiratiif Regihus te, iuquit, non
servis editum praeriidiuns luminum vibratus elo-
quitur etc. (I, 70). Rolvo . . . vir corporis unimique
dofilms venustus, qui staturae mugnitudinem pari
virfutis hdhitu rommendaret (I, 83). Auch Cassiodor
hebt an der bekannten Stelle (Var. XI, 1) hervor: eni-
tuit Unimundus forma, was auch Jordaues aufge-
nommen hat. Wichtig wäre gewesen in demselben Zusam-
menhang hervorzuheben, wie absichtlich, offenbar schul-
gemäss, Obscönitätea vermieden, unanständiges Wesen
nur bei den Riesen zu Worte kommt (vgl. die Gjalp
der Pörsdräpa u. a.; Saxo I, 183. 210. 327). So be-
geistert man auch die „mute" des altgermanischen
Herrschers feiern mag, S. 54 war der Geiz zu erwähnen:
' S. 375 ist vom Auflachen in bcilcutungsvnllen Augen-
blicken gehandelt, hldir-rlliä! SnK I, 800 liefert einen nicht
zu unterschätzenden l'.inzrlbeleg — einer für vielr.
■ Von der ül)rigen lateinisclien Litcrntur sehe ich hier
ab. Bei den Orussformeln S. ;W4 hätte doch z. B. genannt
werden können : laete vir iloniinr, laetißcv rfx Jac. Grimm,
Mytliol.« III, 7.5. Monum. Germ. II, 733.
von Atishis, Ilothlirodi ßVnis lesen wir bei Saxo 1.
83 ff. hie u pucro lilrndifatis odio imhufiis <ideo
pernniae triiax r.rlitit, ut miniifirum hahvri in/amiae
loro durert't; vgl. namentlich I. !'7 f. urr prufuit hosti
ceiisiis iucrs, quem lom/o aridiis nnnnlaccrat <ieco
u. s. w., eine in ihrem Zusammenliang selir charakteristische
Stelle; zu der liochsinnigen Freigebigkeit Rtdvos liefern
ferner Saxo I, 133. 134 weitere imlividuelle Parallelen.
leipitionis praemlum I, 185. Schatzvertlnilung an
Kriegslente: raptivam rex (Frotho) priKilatii miltli
disparticit uti si\ fotiits acarifine c.rpcrtrm et a uimiii
rerum rupiditatc aoersum solius (/hiriac lurrum appetere
tesfuretur I, 254. Vgl. I, 3G7 (Hnraldns Hildetaud).
I, 86. 108 (Rolvo). Geschenke werden vom Gaste mit-
gebracht 1. 203. .Vnlässlidi der Wahrzeichen, die der
Helden Geburt begleiten (S. 55) war auf Saxo I, 272
zu verweisen, für die .lugendgeschichte hätte Saxo lebens-
vollere Bilder geliefert als die Stellen, auf welclie Meyer
den Leser verweist, vgl. I, 110. 180. 272. 2!)9. 321.
353. II, 145. Dass die Gewalttliaten nicht so vereinzelt
stehen (wie S. 59 zu lesen), darüber hätten schon die
»htiuf/scvrk eines Bessern zu belehren vermociit, aus
Saxo'citire ich I, 188. 189. 351. 353. 393. 412. Die
grosse Tragödie am Hofe des Ernianaricli bleibt auch
in der Grausamkeit unerreicht, die einzelnen R(dlen zu
verwerthen wäre dankbar gewesen und hätte zur Sache
gehört. Für die Einzelheiten des Krieges erinnert sich
der Leser an Tacitus Germ. c. 14, vgl. Saxo I, 108.
90 ff. von dem hcUum Bracirum nicht zu reden. Bei
dem Interesse am Neben werk (S. 61 f.) bitte ich Stellen
wie Saxo I, 193. 212 nachzulesen, der altgermanische
Sport hätte überhaupt in etwas breiterer Ausführung
gegeben werden dürfen; ich führe aus Saxo ferner an
I, 267 (carmeii cijnicum). I, 198 ff. Für die Schelte
w'ar das klassische Stück des Starkajn- gegen Ingellus
I, 303 doch kaum zu entbehren. Für die Scheltkunst
der Frauen ergänzen Gnfvara quac eximiae procaci-
tatis farundia qiiautiimlihet discrtos <tr loquares
encroarc solchat I, 181 oder Stpinc et l'lcilda . . .
crehra nohilitatis contentione rixautfs I, 320 die be-
kannten Belege. Das Urbild des Narren tunc qiiidam
petulantioris (julne, prosrriptam liihmdi rnnsuctudinem
dcßens, altuni (-(dliditatis gcnus rompicxus, uooam
voluptati liceutiam repcrit . . dcliriarum usum a ridi-
culi operis acumiue mutuafiis etc. (I, 417) hätte eine
neue Farbe in die Darstellung gebracht. Für die Witz-
kämpfe war SnE. I, 394 ff". Saxo I, 84. 205. 210. 430
zu beachten. — Wie prägnant wusste Saxo I, 185 f.
den Typus des altgermanisclien Liebhabers (zu S. 64)
I zu definiren: Summinn in proco citium dcsidia fuit.
j Nihil niagis in »iiptiaruiii petitore quam daritatis
1 innpia damnaliatitr. Sola t/loriac uhertas ccterarum
j rerum opideutium exhihehat. Piivllae quoque nou
tarn procantium se formas quam rdita speciose faei-
nora mirahantur\ vgl. dazu Mädchenfiguren wie die
Alvilda I, 335 oder Sygne I, 338, nicht zu vergessen
die Liebestreue der Gunvara 1, 218. — Was die All-
tagsbeschäftigungen anlangt (,S. 65 ff'.), so war das
Schwimmen nicht so vernaclilässigt, wenn ich nur Saxo
I, 110. 186. 215 aushebe; für die (selbstverständliche)
Kunst des Schiesseus hätte Saxo I, 269 wenigstens eine
Belegstelle abgegeben. — Ueber Musik bei der Mahlzeit
und andern Gelegenheiten hat Müller in den Notae
uberiores 11, 108 ft". Einiges gesammelt, vgl. ferner
Saxo I, 301. und für die Erzählung von Heldenthaten
49
1891. Literaturblatt fttr gerraanisclie und roraanUohe Philologie. Nr. 2.
50
ist die schöne Stelle im Scheltlied des Starka])!' auch
nicht auss^cnUtüt : Umle, mm irr/um fihiU ca)iun(nr
et (liirinti odfcs mcmorant triiDiqjlios, pallio vulhiiii
piiililti(ii(/Hs iibdo iicrfore frisfi (I, 312), so wenig als
für den heiteren Sclierz Saxo I, 185, dessen derbere
Formen (wie Saxo I, 85) doch wohl anregender gewirkt
liabcn mögen. — Merkwürdig düiftig ist ausgefallen,
was S. ')8 über das Intei'esse an Thieren zusammen-
getragen ist, wo im Gegensatz zur altgermanisi-hen Dich-
tung dem Dichter des Euodlieb wieder ein verbindliches
Ciimpliment gemacht wird. Hat liier Meyer an I^rynisUvifta
.") nicht gedacht? an den Hüllenhuud in VoIüsim; und
^■egtamskvi(ta■:' Saxo I, 260. .368. 397. 414 ist nicht
bliiss Einiges über Hmide, sondern auch zugleich über
i'fiide zu lesen, der achtfnssige Slcipiicr (nebst Scaäel-
Jdrr und den Enssen des Freyr und Heinulallr etc.) ist auch
dem Cn-diichtniss Mej'ers vorausgerannt; rolo im Jlerse-
burger Zauberspruch. — Für Kleidung und Schmuck sei
ergänzend auf Saxo I, 298. 102. 287. 3üO verwiesen,
um nicht an des alten Hildebrand uuntane houga zii
erinnern. So wäre noch fortfahrend viel Schönes ein-
zuschalten. Ich will bei dem Abschnitt über die Motive
nicht länger mich autlialteu und schliesse mit den Helden-
worteu Saxos (I, 214), die gelegentlich des Nachruhms
(S. 72) wären anzuführen gewesen: Quid vifa donas,
'jueni (/loria j^poliasfi 'i Sororem, regniim, (jazam,
sKppeUccfdem et (ptod iis majus est, daritudinem per-
ilidi . . . Xiliil cahimlfosis jucuvd'ms movte . . . si
f'ifo ferritm iiegafis, propr'm mihi manu cladem
iDiifirisrendam cuvaho. Von der negativen Seite kommt
die altgermanische Auffassung zum Ausdruck in dem
wenig beachteten Sprichwort, das in der Briefsammlung
des Honifatius (.Taffe, Monumenta Moguntina S. 311)
überliefert ist: oft dwdluta d6me foreldit sigisipu
■^((hw(em sinjltit pi dna. Vgl. ferner Zs. f. d. A. 31,
54 ff. S. 73. Auf die Bedeutung der Zeit- uud Zahlen-
angaben hat in neuerer Zeit am nachdrücklichsten Vogt,
Salman uud Morolf S. C'XLIII. CLV aufmerksam ge-
macht; Jac. Grimm EA. 207 ff. durfte nicht übersehen
werden. Aus Saxo bieten sich Nachträge auf jeder
Seite. Zur Neunzahl I, 291. 94. II, 268 (Dietz, Sibyl-
linische Blätter S. 41). Elf Saxo I, 35ii. 385. 389.
Siebzig Saxo I, 356. 373. Hundertzwanzig Saxo I, 393.
Huudertvierundvierzig Saxo I, 389. Höchste Zahlen
Saxo 1, 233. 237. 246. 252. 385. 390. 463 u. a. —
Die Eefrainstrophe Saxo I, 38 (vgl. II, 56) ist S. 347
von Meyer angeführt, dagegen I, 245 f. ist, man sieht
niciit ein warum, nicht der Ehre gewürdigt worden.
Mich interessiren in höherem Grade die Sprichwörter
(vgl. Scherer, Poetik S. 11. 88, üsener Altgriech.
Versbau S. 44 fl'.) uud ich freue mich über den
Abriss bei Meyer S. 452 ff., kann aber trotzdem
mein Erstaunen nicht verhehlen, dass in der bimt-
scheckigen Literatur nicht die MSDeukmäler- S. 43 ft'.
350 fi'. genannt sind. Auf das rerhum Saxonicinn der
Jlouumenta Moguntina ist bereits hingewiesen. Unser
Saxo ist S. 457 auch mit einem Sprichwort „aus echt
germanischer Anschauung heraus" genannt. Saxo I, 195
ist bereits in den Denkmälern S. 359 angezogen, die
Historia Danica ist jedoch eine hervorragend reiche
Fundgrube. Ich möchte Einzelnes ans Licht bringen.
Zunächst greift auch hier typisch die Kerngestalt des
Ericas ein, von dem es I, 194 heisst: Ericas . . ad
sammum liaiiianae sapientiac poiidus evasit. Es ist
interessant zu hören, was man durunter verstanden hat:
Qtiippe epnli vigor supra quam credi poterat mnniam
Uli ftcientiaram copitrm ingencravit, ita nt etiam fcri-
nuram pecadaliamqac vocam intcrpretufionc callerct.
Neqiie enim solam harminaram rernm ^^p/vV/.v.s- (;««.<
erat, verum etiam se)if:ualeft hrutorum sonos ad ccr-
tarum affectionum intelUgenfiam referehat. Prac-
ferea tarn comia atque ornafi eloquii erat, ut
quicquid disserere cuperet, confinuo pro-
cerhiorum lepore jioliret (vgl. I, 232 cxquisitis
dictoruDi seutentiis cuUcrr) und thatsächlicli hält Ericns
I, 190 f. eine Anrede, die sich vollständig aus sprich-
wörtlichen Sentenzen zusammensetzt: Saepjc; iniuicns,
alieni appetitores proprio prioari solere meminimuH.
Suepe ambornm raptator ufriaxque perdifor fuif.
Priievalidum enim oportet alilcm e.ixe, qui praedam
idius nngnibus extrahere cupjiat. Animat te fruntra
internus regionis licor, quem plerumquc Iiosfilis ex-
plodif adientas w. s. w. (Eydberg, ündersökningar J,
599). Sprichwörter finden sich ferner bei Saxo I, 27.
58. 71. 73 f. 95. 106. 109. 195. 198. 199 ff. 202.
204. 207. 285. 430. 440. 460, von andern Stellen ab-
gesehen, die in engster Beziehung zu Hövamöl-Sprüchen
stehend für die Erklärung dieser Spruchsammlung höchst
werthvoU sind. Ich will damit Saxo Grammaticus ver-
lassen; ich werde andern Orts von ganz anderer Seite
her mich eingehender mit ihm zu beschäftigen haben
und möchte diüngend bitten, nicht auch ihn unter der
Vernachlässigung der lateinischen Literatur leiden zu
lassen. Für die Geschichte der Spielmannsmotive sollte
er auch einmal systematisch untersucht werden.
Bei einem Buch, das nicht für Liebhaber geschrieben'
ist, gibt für die Kritik das verarbeitete Quellenmaterial
die Entscheidung. Wir stehen nicht mehr auf dem
Standpunkt des Leichtglaubens, der sich einredet, es
lasse sich auch mit unvollständigem oder unvollkommenem
Material eine Beschreibung liefern. Ich versage mir,
noch nachdrücklicher, als es bereits geschehen ist, auf
Lücken und Mängel hinzudeuten (F. .lönsson, Arkiv f.
nord. Filol. VI). Die ganze Anlage des Werkes kann
ich nur lühmend anerkennen, die Klarheit der sachge-
mässen Disposition ist denn auch dem Vortrag sehr zu
statten gekommen. Ohne alle Stileigenthümlichkeiten M.'s
zu empfehlen (vgl. Wilmanns IJLZ) — dem Leser ist wohl
bei der gleichmässigen Wärme der Empfindung, die den
Stoff belebt, schade, dass ein gar zu häutiger AVecbsel in
grellen Licht- und Farbeneftecten daran erinnert, dass der
Autor beabsichtigt, uns nicht ermüden zu lassen. Die wort-
reiche Breite möchte ich gerne vertheidigen, weil sie
niemals zu vermeiden sein wird. * wo ein Entwicklungs-
prozess geschildert wird. I)azu hat denn auch der Verf.
immer wieder sehr ernst Anlauf genommen, leider — ich
muss darauf zurückkommen — ohne sich einen festen
Ausgangspunkt gewählt zu haben. Denn was als solcher
bezeichnet werden könnte, das Axiom (S. 21), die in
der Poesie herrschenden Ideen seien uns in der Eeilie
der Eunennamen überliefei't, ist unter allen Umständen
einseitig und unfruchtbar. Es ist sogar unmöglich.
V. Liliencron, Zur Eunenlehre S. 21 hatte unter mälrünar
diejenigen Euneu verstanden, durch deren Cumbination
mittelstder Kemiiugar die Versmaterie ausgedrückt werden
konnte. Er hatte treffend erkannt, dass die altuordisihe
Poesie fast ausschliesslich auf dem Substantiv beruht,
Adjectiv und Verbura eine durchaus tuitergeorduete Rolle
spielen (vgl. für das letztere die richtige Auffassung bei
Meyer S. 148. 196 ff', u. ö.), dagegen hat er kein Ghick
51
18!U. Litcrnturblatt für ijeiiiniiii'^flu- umi ruiiiHiiische Philologie. Nr.
pehabt mit seiner Entdeckung, dass die Runennamen die
ganze Bigriffsjiliiire der ältesten Zeiten umfassen, wenn
man sie nur richtig zu combiniren wisse, v. Liliencron
war iKuli mit Jen 10 Substantivi'U ausg-ekonnnen, Meyer
setzt sein Kartenspiel (nach den Fnrseliung-en AVimuiers)
aus 24 Mildern zusammen und will darin den Sclilüssel zu
dem great Krj'ptog-ram altgermanischer (nicht bloss alt-
nurdischer) Poesie gefunden haben. Es ist eine ver-
breitete Ansiclit, der Bugge, Studien S. 374 ff. in
anderem Sinne Ausdruck verliehen hat mit den Worten:
an die Runen (^tlins sei seine manische Herrscliaft über
die ganze äussere Natur und über den Sinn der JK-nschen
gebunden und seine Runenkenntniss stehe in engster Ver-
bindung mit seiner Tüclitigkeit als Skalde; diese Vor-
stellung sei gemeingermanisch. Trotz aller Einwände
lUsst sich das letztere beweisen. Aber man sollte nicht
vergessen, dass wir über das Rnnenwesen noch voll-
ständig im Dunkeln tapiien. I>ie berühmte Stelle der
Sigrdrifnmöl v. 9 ft. stellt die Kategorien auf: l'j<iy(/-
nhiar, hrlmrünur, limrihiar, mälnniar, hi<gnhi(ir;
wir kennen ferner nigninar, valrünar und qlriinar.
Ausgedehnter sind wir nur über die hiigrünar (ags.
hi/jcninf) unterrichtet, v. Liliencron hatte sich aus den
niölnhiiir etwas zurechtgelegt, was sie niemals bedeuten
können, Meyer handelt überjiaupt nur von den (höchst
bedenklich überlieferten) Kunennamen und geheinmisst
in dieselben hinein, was Andere von den hugrunar
(Bugge, ühland) verstanden wissen wollten. Dhland
ausgehend von SnE. I, 214 i rünnm e<ta i skakhka2}
(in r. II, 294 fehlt i rihnitn) sah in den hui/nUiar
(Schriften III, 275) die dichterischen Bilder der Mj'tho-
logie. in der tTÖtterglaube und Weltanschauung sich ver-
künde. All das lässt sicji iiören, denn es ist in dem
Terminus hngrünar sprachlich begründet. Dass sie sach-
lich und ursprünglicli ganz anders aufzufassen sind, dass sie
mit dem germanischen Orakelwesen in engster Verbindung
stehen, werde ich in einer zusammenhängenden Darstellung
des letzteren erliärten. Nur so weit es sich um die Knnen
des Cult- und Zauberwesens handelt, beanspruchen sie
gemeingerraanisclie Geltung (vgl. Sievers, Pauls Grund-
risss I, 238), nicht streng genug können davon die
Schriftzeichen und ihre Namen geschieden werden, die,
wie ihre Geschichte lelirt, für die germanische Vor-
steljungswelt Fremdlinge gewesen sind. Dass die Namen
gerade Substantiva und zuweilen iniialts- und begritts-
schwer sind, ist gewiss ebenso zufällig, wie die Namen
der lateinischen Buchstaben, deren Muster die germa-
nischen vielleicht ihre Entstehung verdanken. Für die
Theorie Meyers, dass die Runen namen eine bestimmte
.\rt der Rnnenanwendui\g bezeichnen, bitte ich um
thatsächliche Belege; was S. 23 ff. zu lesen ist, beruht
auf irrthümlichen Vorstellungen. Ein Beispiel. Nuiip
(S. 25. 27) Soll als einzelnes Runenzeichen verwendet
worden sein, um Kriegsfessel zu sprengen, wie sül nichts
anderes bezweckt haben könne, als w'as das Eis löst.
Ich mache auf eine kaum bemerkte Stelle bei Biieda in
der Kirchengeschichte IV C. 22 aufmerksam: Imnia
sollte gefesselt werden, alle Bande springen, scliliesslich
fragt der romes: mt forte litcrax solnforios de
ijunUhiis ffihultie feruxf apiid sc linheret, propter
(j)i(is ligari non posnet. Auch .Skirnesm. 3() werden
ausser Jnirf! noch drei weitere Stäbe genannt. Was
bedarf es weiter Zeugniss? Ich Imbe aucJi einmal irgendwo
von griechischen ttfjttun '/(jäftfKtTu gelesen; was ist
damit gemeint?
Die Ausstattung des Bnclies macht der Verlagstirma
wieder alle Ehre, leider sind noch viele Druckfehl»'r
stehen geblieben.
Marburg. Friedrich Eanffmann.
Kelle, .lüliann. l'ntersuehungen znr reberlieferung,
lebersetzun^r, tirainmatik der Psalmen Nutkers.
(Si'liriftcn zur geriiianisrlifii PliilnloKie hrsg. von Max
Röiligor, 3. lieft.» licrlin, WuiJiiiaiin. ISSil. X, 153 S. 8.
M. 7.
Keiles werthvolle Untersuchungen über die Flexions-
formen in Notkei-s Spradie sollen in diesem Hefte ihren
Abschluss finden. Die Psalmen bestätigen die an Boethius,
: M. Caiiella, .\ristoteles gemaciite Beobachtung: die Ueber-
einstimmnng der Formen bis ins kleinste Detail ist eine
i derartige, dass an dem einen Uebersetzer nicht gezweifelt
werden kann. Zusammengehalten mit den Argumenten
Baechtolds (Gesch. der deutschen Lit. in der Schweiz
S. 73 ff.), ist der durch Keiles Fleiss und Sorgfalt ge-
führte inductive Beweis im Stande, die santgallische
,.Uebersetzerschule" aus dem Gebiet der Wirklichkeit
zu verweisen.
Der ei-ste Abschnitt, behandelt ausführlich die Ent-
stellung der Rostgaardschen .\bschrift des de la Loubere-
schen Psalmenexemplars und ihre textkritische Bedeutung
neben dem santgaller Codex 21.
Die Zusammenstellung der Formen folgt ortho-
graphischen, nicht sprachgeschichtlichen Rücksichten:
Kelle sagt z. B. beim Praet. der schwachen Verba
(S. 69): „Von ml, Id und ;•(/ fällt d vor dem Suffixe
aus", z. B. heiinnfa, fershulföii, iiuirirtöii. Man wird
an diesen das Wesen der Sache nicht treffenden Aus-
drücken keinen .\nstoss nehmen. Nicht zu billigen ist
es dagegen, wenn der Schein einer genetischen Erklärung
eingemengt wird: z. B. S. 5ti bei dem Praet. von skepfo:
,,pf' geht unter dem Einflüsse des langen Vokals aus-
und inlautend in / über: geskuof.'^ Oder S. t>6: „gremo
tcelo Zell) sind [im Praet.] als langsilbig behandelt:
fvcltci, giamda etc." — Wir zweifeln nicht, dass der-
artige irreführende Wendungen in der „Lautlehre der
Notker.schen Sprache", die der Verf. in Aussicht stellt,
vermieden sein werden.
Berlin. .\ndreas Heusler.
Kelle, Jobann, Die S. Gallcr Deutschen Schriften und
Notker Labco. (Abhanfllungen der bavr. Akademie der
Wiss.Miscliafteii 1888, S. 207-280.)
Kelle zeigt, dass der Schiltcrsche Abdruck der
Psalmen nicht auf Cod. Sg. 21 zurückgeht, sondern aus
derselben Quelle wie dieser stammt; über diese Quelle
ist nichts weiteres zu ermitteln, als dass sie nicht das
Original war. Das Basler, Seoner und Wallersteiuer
Bruchstück gehen auf die gleiche Vorlage zurück, wahr-
scheinlich auf die Abschrift, die 1027 in St. Gallen von
dem Originale geuonnnen Avurde, als das t)iiginal der
Kaiserin Gisela ausgefolgt wurde. Das Schicksal dieser
ersten Abschrift wird von Kelle weiter verfolgt. Wenig
ist über die Schicksale des Cod. Sg. 21, nichts über den
Verbleib des Originals zu ermitteln gewesen. Kelle
stellt dann weiter die Gründe zusammen, die die Einheit
des Uebersetzers der St. (Tallischen deutschen Schriften
erweisen und gibt damit zugleich Beiträge zur Charak-
teristik desselben. Er zeigt, dass Adjectiva und Artikel
vor lateinischen Wörtern stets das lateinische Genus,
nicht das des entsprechenden deutschen Wortes berück-
sichtigen; legt die Art der Erklärung, der Quellen-
benutzung dar. Die irrige Annahme einer St. Gallischen
53
1591. Litoriiturlilatt für };ermani8ohe und romaniBchc Philologie. Nr. 2.
54
rc'bersetzorscliulü wird in ihre letzten Schlupfwinkel ver-
Mgt und gezoigrt, dass die speeifische Art von Notkers
Tliiitijrkeit mit seinem Tode unterging. Eine Reihe von
.Scliriftprobeii begleitet die Abhandlung. — Möchten
Kellrs eindringende, nietliodiscli musterhafte Vorarbeiten
recht bald durch die lange verheissene Ausgabe gekrönt
werden.
Giessen. Otto Behaghel.
Rehrens, Dietrich, Die französischen Elemente im
Enjrlisolien. fAusscIinitt .-»us Pauls Griiiulriss der germa-
iiHclion Pliiloloo;io. Band I S. 799— S.'ili. Stras-sburg, Trübner.
I.Sill.l
Man wird sich gern damit einverstanden erklären,
ilass die Hidiandlung' der französischen Elemente im Eng-
lischen Von dem Herausgeber des Grundrisses der germa-
nischen Piiilolügie D. Behrens anvertraut ist, der dieses
(ii'biet bereits dnrch eine lehrreiche Untersuchung ge-
fördert hat (Ltbl. 1888, 175). Behrens erörtert zunächst
dir äussere Geschichte der französischen .'Sprache in Eng-
land, ihre Verwendung bei Hof, bei Geiiclit, im Parla-
ment, in königlichen und privaten Urkunden, im Unter-
richt und ganz kurz auch in der Literatur. la der
allgemeinen Beurtheilung des Anglonormannischen in
seinem Verhältniss zu dem festländischen Französisch
freue ich mich. Behrens im Wesentlichen auf meiner
.Sfite zu sehen. Ganz sicher bin ich freilich nicht wie
weit seine Zustimmung geht, da er nicht bestimmt for-
mulirt hat ob und wodurch seine Ansicht von der meinigen
abweicht. Er gebraucht den Ausdruck Normannisch,
ohne den Leser über die Bedeutung desselben aufzu-
klären. Soll damit ein in der Normandie gesprochener
Dialekt gemeint sein — und in der Tliat äussert sich
Behrens mehrfach so, dass man dies glauben rauss — , so
bedaure ich seiner Auffassung in diesem Punkte- entgegen-
treten zu müssen. Ueberall, wo in der Normandie füi' e -\- i
(in / gesprochen wh'd (lit Bett lat. lectits), ist noch heute
daneben die Aussprache tsaiirp {champ lat. caiirpnm)
und Isiel (ciel lat. laelum) imbekannt. Wer dennoch
die Sprache der normannischen Dichter und das Anglo-
noi-mannische, welclie diese Formen neben -einander ge-
brauchen, in der Normandie lokalisiren will, muss
wenigstens zeigen wie er sich mit dieser Thatsache
abtiudct. Sonst sind seine Darlegungen fast durchaus
klar und verständig. Als besonders werthvoll ist eine
Stelle aus .Johann von vSalisbury hervorzuheben, auf die
üehrens aufmerksam macht und in der sich Johann über
die Bemühungen der Engländer es den Normannen gleich
zu tlmn und französische Wörter in die englische Rede
zu mischen ausspricht. Etwas reichhaltiger hätte Behrens
liinsichtlich der Literaturangaben verfahren können; mau
vermisst ungern einen Hinweis auf Luders' Essay on
tlie use of the French language in our ancient law's
and acts of state, Bath 1810, auf Pogatschers Schrift
(Zur Lautlehre der griechischen, lateinischen und roma-
nischen Lehnworte im Altenglischen) und bei den Unter-
richtsschriften auf Stengels einschlägige Arbeiten.
Bei Beginn der Lautlehre wundert man sich eiuiger-
iiiassen, dass Verf. die Lelire vom Accent mit -w-enigen
Zeilen abthut und sein Verfahren mit den W^orteu be-
gründet: Dies im Einzelnen darzulegen ist Sache der
Metrik. Er hätte wenigstens die Beobachtungen Ten
Uiinks über die englische Betonung der romanischen
Wörter mittheilen sollen. Die Stellung des Accents
aber gehört nicht uiu' ohne Frage in die Lautlehre
hinein, sie ist sogar von einer so kapitalen Wichtigkeit,
dass alle andern Lautveränderungen im Vergleich mit
den Verlegungen des Accentes geringfügig erscheinen.
Ueber viele in Betracht konnnenden Fragen hatte
sich Behrens schon in seiner frühem Schrift geäussert.
I Er hat jetzt in einigen Punkten seine Ansiciit modificirt.
Es fällt auf, dass er sich mit Jleyer-Lübke in keiner
Weise auseinandersetzt, obgleich diesei' in seiner Roma-
nischen Lautlehre mehrfach auf das Anglonormannisclie
Bezug nimmt und man z. B. über die von Meyer-Lübke
angenommene Aussprache des ü eine Aeusserung Behrens'
erwarten würde.
Zu einzelnen Wörtern seien noch folgende Be-
niei-kungen hier angebracht.
cny wird S. 80fi und 835 zu den Wörtern ge-
rechnet, die für normannisches el französisches oi der
continentalen Schriftsprache entlehnen. Ich darf zur
Berichtigung dieser Ansicht auf meinen Aufsatz Quiefun
im Romanischen (in den Coramentationes Woelfflinianae
1891 S. 71) verweisen.
Dass pair später entlehnt worden ist als jjeer
(S. 817), wäre erst zu beweisen. Auf keinen Fall darf
in diesem Umstände der Grund für die Lautverscliieden-
heit der beiden Worte gesucht werden, wie der Verf.
zu wollen scheint: denn peer ist regelrecht das frz. per
lat. parem, und pair ebenso correct das frz. paire lat.
parid.
Wenn S. 824 sqnire mit eruyer, esqnierre mit
caliier gleichgestellt wird, so vermisst mau Wiederholung
von scjtiire in dem Sinne von Winkelmass und Anführung
von quire in dem von eahier.
Wenn die Vokale von poor und fool heute um eine
Stufe tiefer gesprochen werden, als in andern Wörtern,
in denen das Altfranzösische gleichfalls offenes o zeigte,
so ist diese Störung wohl sicher auf den Einfluss des
anlautenden Labials zurückzuführen.
Wenn vor / mouille sich das einfache o zeigt (foil
frz. fiteitle S. 825), so darf wolü an die in französischen
Handschriften beobachtete Vorliebe für den gleichen Laut
in dieser Combination erinnert werden (Reimpredigt
S. XVI).
Wenn ebd. gesagt wird, dass quaint auf Formen-
übertragung benüit, so wünscht man sehr zu wissen,
von welchem Worte diese Uebertragiuig ihren Ausgang
genommen haben könnte.
Dass in oiitrage mit ü ne. au volksetymologische
Zurechtlegung angenommen wird (S. 829), sdieint durch
nichts gerechtfertigt. Man vergleiche coitcli, stoid,
powder mit dem gleichen im Altfranzösiseh>»n diph-
thongisch lautenden oii.
ptirse S. 830 mit p statt b wird als noch unerklärt
hingestellt. Indessen hat schon Eduard Müller im Etymo-
logischen Wörterbnch dieses p aus dem altenglischen
piise gedeutet. (Vgl. auch Sturmfels, Auglia IX, 564.)
Bei venom S. 832 hätte Behrens vielleicht besser
gethan, an seiner frühern Ansicht festzuhalten. Er möchte
jetzt glauben, dass eine falsche Orthographie den Laut
beeinflusst hat. Dem stehen jedoch Formen wie frz.
envenimer, laUmier (engl, latimer) entgegen, für- welche
man mit Recht eine andere Erklärung bevorzugt.
Bei familiär ebd. ist zu beachten, dass dem Wort
kein l mouille ziikonnnt, wie Tobler, Versbau^ S. 71
gezeigt hat.
Eine leere Behauptung enthält der folgende Satz
(auf S. 835): In ne. vaiiquish ist die Aussprache be-
einflusst durch die Schreibung. »Die Aussprache mit
l'^Ol Tiitcraturblatt für ^ermanisohe und romanisohe Philologie. Kr. 2.
5'"
luateiii M lägst sich ancli für das AJtfranziisisclie iiaeli-
wfisoii, virl. lieremiii llaiKlsehiift A di-s Cüiiiputus V. 781.
Sie ist iiirlit auffallenJer als vt-sciii vixit in der ClirouifiUf
d'EriKiul et de BiTiiard le Tresorier ed. Mas Latrie
S. 11". Ich g-lanlie nicht, dass die Erklärung: dieser
Formen dadurch erleichtert wird, dass man das /( für
stnmni ansieht.
I)amit sind die Punkte, in denen ich erlaube Behrens
wideisprechen zu müssen, zwai- noch nicht erschöpft;
doch kann nicht Alles im Rahmen dieser Anzeige ziu-
S]pra(he kommen. Im Allpremcineu freue ich mich, seiner
knajiiien, aber einsiriitsvoUeu I)arlej:rung' meinen Heifall
spenden zu können.
Halle. Hermann Snchier.
Jean de Mairet, Silvanire, mit Einleitung und Än-
iiicikuni;fn lirss;. von K 1 c li n rd 0 1 1 o. Bamberg, Büchner.
1890. l'.WII, 159 S. S. .M. 3.
^■(lrli(■•^•ende Arbeit ist im Auftrage K. Volbnöllers
als der zehnte Band seiner Sammlung französischer Neu-
<lrucke erschienen und ist dem Neudrucke von Slairets
Soj)h<inisbe verhiiltiiissmiissig rasch gefolgt. Der Neu-
druck der Silv. ist insofern ein äusserst glücklichei- (iriff
zu nennen, als das AVerk besonders an deutschen Biblio-
theken nicht immer leicht zu erreichen ist und für den
Literarhistoriker nach Jeder Seite bin das lebhafteste
Interesse für sich in Anspruch nehmen darf. Die lauge
Einleitung, die Otto dem Neudruck selbst vorausschickt,
ist interessant und lehrreich sowohl diu'ch ihre Vorzüge
als auch durch ihre Schwächen. 0. hat die Klippe ver-
mieden, bei der Betrachtung des neu herausgegebenen
Werkes lediglich diesem seine Aufmerksamkeit zuzu-
wenden, er hat die Epoche studiert, an deren Weg die
Silv. als Jleileustein steht. Seine Arbeit hat daher
nichts t'iimpilatorisches an sich. Er begnügt sich nicht
damit, die Epoche aus den Werken der modernen Literar-
historiker kennen zu lernen, sondern geht selbst an die
Quellen. Daher machen seine Ausführungen den Ein-
druck des Originellen. Wissenschaftlicher Ernst und
Gründlichkeit im Aufstöbern neuen Quellenmaterials,
Bescheidenheit der Darstellung und eine in unserer Zeit
der literarhistorischen Detailforschung immer mehr in
Abnahme kommende Weite und Schärfe des historischen
Blicks, das sind gewiss nicht gering anzuschlagende Vor-
züge, welche Ottos Einleitung auszeichnen und den Jlit-
forschern als einen beträchtlichen Fortschritt der Wissen-
schaft erscheinen lassen. Allerdings ist der Zweck der
Einleitung ein ganz anderer als der Leser vermuthen
würde — Otto will der Silvan. die Stellung nehmen,
welche sie in der Geschichte des franz. Theaters bis
jetzt behauptet hat; zu gleicher Zeit wo er den Neu-
druck eines Werkes mit vieler Mühe herausgibt, will er
nicht undeutlich zu verstehen geben, dass dieses Werk
einen Neudruck gar nicht verdiene, wie Knaben, welche
eine Festung bauen, um sie wieder zu zerstören. Im
eignen Interesse Ottos und seiner Arbeit können wir
constatiren, dass der von ihm erstrebte Nachweis ihm
weder gelnngen ist, noch gelingen konnte. Dass Alairets
dramatische Theorien als solche nichts Neues waren,
dass einzelne ^Männer als flacher der ))seudok]assischen
Bewegung im franz. Drama nicht anzusehen sind, war schon
damals nicht mehr unbekannt, als Arnaud sein Werk über
d'Aubignac schrieb. Aber die Bedeutung der Silvan.
liegt nicht nur da, was ich hier nicht ausführen kann.
Ich hätte lieber gesehen, wenn sich O. nicht bestrebt
hätte, eine möglichst erschöpfende Geschichte der Ein-
heiten zu liefern. Hier musste nothwendiger Weise die
Quelle seines Materials versiegen. Die Schriften von
Lisle, Breitinger, Langenscheidt, Leniaitre hätten ver-
vollständigend einwirken können. Guarini, Denores,
Ingegneri, die Briefe Balzacs und Cha|(elaius, ja selbst
Mairets Vorreden mussten mehr ausgebeutet werden,
wenn die langen Ausführungen über die italienischen und
franz. Theoretiker kein Missverhältniss in der Anlage
der Arbeit hervorbringen sollten. Auch die Forschungs-
methode O.'s ist nicht ganz einwandfrei. Er zählt
nur die Stinnnen da, wo er sie auch wägen sollte und
verfallt in den Fehler derjenigen, welche da meinen,
die Literaten aus der zweiten Hälfte des N\'II. .Th.'s
seien zuverlässige Führer durch die Silvanire-Eiioche.
Ausserdem scheinen gar manche Theaterstücke von lliui
statt in das .Tahr der Abfassung oder Aufführung, in
das ihrer Drucklegung verwiesen zu werden, was oft
— wir sehen es an Slairets Beispiel — einen grossen
Unterschied ausmacht. Im Einzelnen habe ich mir
Folgendes angemerkt :
p. V. Die Virginie ist kein unbekanntes Stück, wie
die p. IX von Otto angezogene Stelle aus Sorel beweist,
ebenso wenig wie p. IX 0. Recht hat, wenn er den
Marc Antoine M.'s ein ziemlich unbekanntes Stück nennt.
Sorels Angaben sind hier durchaus unzuverlässig, p. X.
Was von Rapius Ausführungen zu halten ist, geht schon
daraus hervor, da.ss er den Cid in das .lahr lii35 setzt!
Otto thut einen Schlag in die Luft, wenn er sieh ganz
ernsthaft dagegen verwahrt, die Silv. neben den Cid zu
stellen. Wem wäre das jemals eingefallen? Wozu die
ganze Stelle? p. XIII. Den aus dem Leben des Cardi-
nais de la Valette entnommenen Beweis hielt Otto wohl
selbst nicht für schlagend, p. XV. Hier und an zwei
weiteren Stellen versucht Otto zu beweisen, dass Mairet
die Vorrede Ogiers benützt. Ist eine gemeinsame Quelle
nicht nachweisbar? Und wenn auch nicht, so beweist
das doch nur, dass der Discours poetique, nicht aber
das Stück selbst unmöglich vor 1()28 geschrieben wurde,
was selbst nach der alten Datirung der Werke Jlairets
niemand bezweifelu konnte, der etwas schärfer sah als
Bizos. p. XXVII nennt Otto die Einheit des Orts
charakteristisch für das franz. klassische Drama, ohne
dass er sich veranlasst sieht, der Entwicklung der Orts-
eiuheit bei den Franzosen weiter nachzuspüren, p. XLI
nennt 0. JLairet einen Plagiator. Warum? Weil er
in der Vorrede zur Silv. keine originellen Gedanken
entwickelt? Möchte 0. auch den Dichter Mairet so
nennen? Der Ausdruck ist als übertrieben entschieden
zurückzuweisen, p. XLIII behauptet 0., die Pastoralen
Hardys seien alle nach den Regeln abgefasst, indem er
hier eine Aufstellung Lombards gibt, die ich niemals
ernst genommen und der auch Rigal in seinem Buche
über Hardy p. 537 widerspricht. Dieses Buch Rigals
konnte allerdings 0. nicht mehr benützen, p. XLVl
gibt 0. füi- D'Aigatiers' Poetik 1597, Rucktäschel, Einige
Arts Po6tiques p. 28 gibt 1598. p. XLVIII könnten
die Ausführungen O.'s den x\nschein erwecken, als ob
man bis jetzt den Discours Poetique als den ersten
Impuls zur Vertiefung in die Regeln betrachtet hätte.
Zur besseren Belehrung O.'s verweise ich auf Ebert
p. 211. p. XLIX tf. scheint niii- der Vorrede Ogiers
allzuviel Ehre auzuthuii. Diese ganze Vorrede Ogiers
trägt ja den Stcmi)el der Reclanie. Das p. LIV über
den Einrtuss der Astr6e auf die Pastorale Gesagte ist
vorzüglich. Ref. hat eine ähnliche Anschauung in der
57
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2.
58
Zs. t'. iitV. Spr. XI, Heft 3 p. 77 entwickelt, eine Arbeit,
die 0. entKaufreii zu sein selicint. Auf die Pastoral-
statistik p. LV werde icli nuiii zurüekkunimen. Hier
liiitte auch der Eiufluss von D'Urfes Silvan. erwähnt
Werden müssen. Pichous Fillis ist nicht 1(530, sondern
lt)31 fcecbnckt, wie 0. ja auch später berichtet.
p. LIX hätte erwäiint und untersucht werden
müssen, dass die Entstehuns' von Pichous Filii, von
D'Urfes Silv. und Mairets Silv. viel Aehnliehkeit hat.
]). LXIV meint 0., die Ortseiiiheit käme in der Silv.
wenig'er in Betraelit. Bei einigem Zusehen wird er
finden, dass ein .Scenenwechsel in der Silv. nicht statt-
findet, was übrigens llairet selbst angedeutet. Der
Sbhluss des ersten Abschnittes p. LXV ist dunkel. Sollte
O. wirklich meinen, die Silvan. unterscheide sich von
der Sylvie z. B. nur durch die Einheiten'? AVas 0.
über die äussere Ausstattung- der Silvanire sagt ist er-
müdend und unnötbig. p. LXXVII scheint 0. den Ein-
riuss Isnards und Gombauds höher als den Mairets zu
stellen. Da müsste 0. uns zuerst beweisen, dass diese
ilänner in dramatischen .Sachen eine ebenso gewichtige
Stimme hatten als der Dichter der Sylvie. p. LXXXI
gesteht 0., den Xamen desjenigen nicht zu wissen, an
den Chapel. seinen Brief über die Eegeln richtete. Aus
den Briefen Chapelains geht unwiderleglich hervor, dass
es Godeau ist, an den gewiss niemand gedacht hätte.
Die p. LXXXn' angezogene Stelle aus den Segraisiana
xerdient keine Erörterung, da sie von A bis Z falsch
und unzuverlässig ist. Die p. LXXXVI citirte Stelle
aus d'Olivet ist, wie 0. schon aus Ebert hätte sehen
können, w'eiter nichts als eine literarhistorische Ente.
Unbegreiflich ist mir, wie 0. zu einer Anschauung übei'
Desmarets Visionuaires kam, welche — ich muss hier
einen starken Ausdruck gebrauchen — diu'cb und durch
verkehrt ist. Dass die Vis. 1637 aufgeführt wurden,
ist nur für- 0. und Eapin etwas Neues. Ebenso wenig
bedarf es der weitem AusfüLrnng — man lese nur die
Vorrede der Vis. — , dass Desmarets zu den ..Regel-
mässigen" gehörte und Amidor — ich glaube bestimmt
es ist Corneille — eben ein ..Visionnaire" ist. Die
Rolle Corueilles und die Wirkung des Cidstreites hat
(). gewiss nicht nach eigenen Quellenstudien besprochen.
{1. XCII vergisst 0., dass die Virginie regelmässig ist.
p. XCIV ist die Jahreszahl 1636 für Scuderys Cesar
falsch, was Livet und Ref. nachgewiesen. Es muss
1 635 heissen. Zu p. XC'VI bemerke ich, dass Durval
sich nicht nur in Panthee, sondern auch in der Vorrede
zur Agarite über die Regeln anslässt. Ich habe Agarite
im Brit. Museiuu selbst gesehen. Die Schuld au diesem
Irrtlium trifft allerdings nicht 0.. sondern seinen Corre-
spondenten.
Zum Schlüsse noch Einiges von allgemeinerem In-
teresse, p. LXXXV A. 2 behauptet 0., er habe aus
meinem Aufsatze im IV. Bande der Romanischen For-
schungen nichts Neues lernen können. Diese Kritik ist
übereilt und unrichtig deshalb, weil die mir vorliegende
.Arbeit beweist, dass selbst 0. aus meinem Aufsatze
Folgendes hätte lernen können: 1. Die Silvan. bildet
den Schlussstein einer Epoche, 2. die Pastoralstatistik
O.'s ist wahrscheinlich nach dem Druckjahre der Stücke
gefertigt, sonst hätte er von mir lernen können, dass
gegen 1630 schon die Tragikomödie sowohl quantitativ
als qualitativ die Pastorale überholt hatte und Rotrou,
Scudery u. A. deshalb gai' keine Pastoralen mehr schrieben.
3. Hätte Otto Racans Bergeries ganz vergessen können
und gesagt (p. LVI), die Pastorale sei 1629 neu in
Aufnahme gekommen, wenn er meine .Ausführungen auf-
merksam gelesen hätte. 4. Der EiuHuss der Sopiumisbe
auf die Eegeln wäre von O. gewiss nicht vergessen
worden. Vielleicht iiätte er dann sogar eingeiiender als
ich es konnte, nadigewiesen, welchen Einftiiss die von
ihm zur Bedeutungslosigkeit verurtheilte Silv. auf die
Entwickhuig Mairets und damit des franz. Theaters gehabt.
Ich brauchte letztere Bemerkungen nicht zu unter-
drücken; denn auch so verliert Ottos .Arbeit nichts von
ihrem Werth. .Tedei', der auf seinem dornenvollen Ge-
biete selbst gearbeitet, wird O.'s Leistung freudig und
dankbar anerkennen, wenngleich auch sie wieder beweist,
dass wir Alle — und niclit nur was Methode anbelangt —
von Ebert noch recht viel lernen können.
So viel über O.'s Einleitung. Text und Aimiei-
kungen war ich nicht in der Lage, genau zu controlliren.
Was ich davon vergleichen konnte, war tadellos. Die
vorzügliche äussere Ausstattung des Werkes verdient
volles Lob.
Landau (Pfalz). Ernst Danuheisser.
Simon et, Francisco Javier, Glosariode voces Ibericas
y latinas nsadas entre los mozarabes, precedido de un
estudio sobre el dialecto hisp.ino-niozarabe. Madrid, For-
tanet. 1888. CCX.KXVI, 628 S. gr. 8. fr. 20.
Was die Romanen fremden \"ölkern an sprachlichem
Material abgegeben haben, wird neuerdings mit grossem
Eifer gesammelt zum Nutzen fiii' die Erforschung der
gebenden Sprache sowohl wie der empfangenden. Unter
den diesbezüglichen Arbeiten darf das vorliegende Buch,
eine Frucht langjähriger Studien, um so mehr einen
hervorragenden Platz beanspruchen, als es ein bisher
noch ganz unbekanntes und doch ungemein reiches und
in mehr als einer Hinsicht wichtiges Material zu Tage
fördert. Der Verfasser ist Orientalist, hat sich aber
mit den romanistischen Studien in einer für das Land,
in dem er lebt, recht anerkennenswerthen Weise ver-
traut gemacht: dass trotzdem der Romanist von Fach
gar manche Zusammenstellung spanischer mit lateinischen
Wörtern wird beanstanden müssen, thut dem Nutzen des
Buches, dessen Schwergewicht ja auf Seite des Moz-
arabischen liegt, keinen Abbruch. Uebrigens wUl ich
gleich hier bemerken, dass neben vielen unzutreffenden
Etymologien Deutungen wie aciar/o =^ a>(j(j[jti<icus 163,
mugron zu mergus 336, beide, wenn ich nicht irre,
ganz neu, um so mehr Anerkeimung verdienen.
Die Einleitung stellt zunächst die Zeugnisse flii- den
Dialekt der Mozaraber zusammen, die sich bei arabischen
Schriftstellern • finden und zeigt; dass die Mozaraber
keineswegs sogleich ihre spanische Muttersprache auf-
gaben und das Arabische lernten, nicht einmal in Cor-
duba. sondern dass sie es als Umgangssprache unter sich
beibehielten. Sodann sucht der Verf. nachzuweisen, dass
die hispano-arabische Kultur nicht von den Arabern
stammt, sondern von den Mozarabern, Muladies und den
an Araber und Mauren verheiratheten Spauieriunen. Dies
ergibt sich aus den zahkeichen lateinisch-spanischen
Wörtern, die ins spanische Arabisch gedi'ungen sind,
und die zum grössten Theile Kultnrbegrifte bezeichnen
(S. LXXX ff.). Weniger zutreffend ist es, wenn das
Mozarabische als die Quelle des Spanischen dargestellt
wird (CXI : la formacion del romance casteUano se debe
en gran mauera ä la influencia mozärabe), da vielmelir
die beiden Sprachen iu einem CoUateralverhältniss zu
einander stehen, doch ist es richtig, dass die Vorsetzimg
59
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2.
60
des arabischen Artikels vor lateinische Wörter {alber-
rhiijo u. s. \v. S. CXXV) allerdings bei den Mozarabern
l)es'onnen liaben mnss, dass Beja aus Piirc, ^ehillu aus
HisjHili, ramhet aus cumpellus (ieh türe hinzu mand'd
aus mnifele, Jiirrl aus .tuurelliis) arabische Lauteijri'n-
thüniliclikeiten wiederg'eben, wogegen der ebenfalls an-
jrefiilirte Wandel von (T zu ie, 6 zu ue, intervokalischera
/) zu h u. a. mit den Arabern nichts zu tliun hat. —
N'ach einer eindrehenden Besprechnn? der Quellen folift
eine l'ebersicht über die lautlichen Verhältnisse und hier
vcrinisst man nun allenlinfrs Jene Schärfe und Oenauig-keit,
der die indogermanische und rouianisehe Forschung sich
seit langer Zeit rühmen kann: freilich ist zu einer be-
friedigenden r)arstellung genaue Kenntniss des Spanisch-
Portugiesisch-Catalanischen wie des .\rabischen nöthig,
und eine Scheidung des Stoffes in verschiedene zeitlich
und örtlich getrennte Schichten, die zum mindesten ebenso
schwierig ist, wie etwa bei den germanischen Elementen
des Romanischen.
Betrachten wir das Glossar, so fällt sogleich die
ungeheure Mannigfaltigkeit des Stoffes auf. Da begegnen
uns Wolter, die lat. c vor e, i guttural zu bewahren
scheinen: ii/riijiiiti ^= t/nrria, rüjuinu = ricinus,
i/uerasia = ccrasia, duraquin = span. diiriisno, ital.
iluraciiie, ißlru = filice, cannnria = *ciiiariii, baquia
■= span. Lada, qtierrus = cernis, AVörter, die alle
der Berbersprache und dem nordafrikanisclien Arabisch
(die ebenfalls vom Verf. ins Bereich seiner Untersuchung
gezogen sind) angehören, deren eines und andere durch
griechische Vermittelung sich erklären Hesse, die man
aber wohl besser als die letzten Reste afrikanischen
Lateins auffasst. Es wäre also hier wie im Illyrisch-
.\lbanesisch-l)almatinisehen, im Baskischen, im ältesten
Germanischen, und im Sardischen r in seiner alt-
lateinischen (Geltung geblieben. Dabei will ich gleich
noch als weitei'c Uebereinstimmung mit dem Sar-
dischen und dem .\lteatalanisch-Gascognischen herber.
tsahiirt -- i/>sa porfa (sard., altgasc, altcatal. sa porta)
erwähnen. Zu dieser ältesten Schicht gehört ferner
(dcorque, corc = qiierciis, während sonst das Romanische
*cfrqHiis voraussetzt, barcoc = pi'uecofus, ijulaca =
ulex, (ihtiaiicica = nianica, rah, qidls = naiv, ca-
tiisfa = caidstra, f/iirhel -•- nihelliDH u. a. Ferner
das bei S. felilende 'piiiitar = ' ceidariiiin. — Dann
haben wir einzelne griechische Wörter wie crasi (Wein),
excaf, triichta, wohl direct aus Twäxrr]^, nicht aus span.
triicha oder cat. irujfa; italienische: rovscd, exnda,
die, wie orzfi, rtircia, miil, furo, /und, der Schiffer-
sprache des ganzen Mittelmeers angehören; catalanische,
wie estrain, (/inclzan von (jazunar, dontol, cat. val.
dcnlol, aber span. denton n. s. w.; ferner reine latei-
nisclie Schriftwörtcr, wie enthdda u. a. Bei den aus
dem Spanischen entnonnnenen Wörtern mag frido, ncuspan.
frio, als interessante alte Form hervorgehoben werden;
ferner iiiordacliiin, das ein ' morda:)io voraussetzt;
htiiKirh ^ *lainiuo, vgl. port. /iniifiral, ahiiili
-tilhiuo, (dheiiild =i *-he-tida (ital. hetida), mamnird
Knie = *ininiier(i, thosra =-^ '^toi^rd (prov. tiisko, vgl.
auch Du Gange lusiii) u. a. als Ergänzungen zum spa-
nischen Wörterbuch. Vielleicht darf man auch curliich
Leuchtkäfer liier nennen, das offenbar ähnlich gebildet
ist wie ital. iidili(cid(i kaum abei- als italienisches Lehn-
wort gifasst Werden kann. Von lautlichen Erscheinungen
ist, ausser -meii ~ nsp. -mhrc ((iruitwu, ßumeu, yniiiieii,
ciheit) namentlich ch (sprich c) = span. cv benierkens-
werth : chenisca, achetiella, chera, chervo u. s. w. : isi
das r irgendwie im .\rabisclien begründet oder ist es
die Vorstufe für heutiges c, und wie verhalten sich die
daneben vorkommenden c-Fornien? Die Frage verdiente
eine eingehende l'nti-rsuchung. — Für die Wortgeschichte
wird das Glossar erst reclit ausgebeutet werden können,
wenn wir über den mundartlichen Wortschatz Spaniens
besser unterrichtet sein werden als jetzt. A'on wich-
tigeren Wörtern will ich noch hervorheben tiahhin ^=
sappiiiiis, rliircii = perug. cerqua Eiche, almiar, al-
mmir, das ich auf mdiuriiim (nicht mit S. auf *iiicf(dis,
f fällt nicht) zurückführen und deutschem Meiler ver-
gleichen möchte, alcaudoii der Würgfalke ^= *capito
eher als *caiido, wie S. möchte, dijnr .\uszng =
*osfiariiim u. s. w. — Noch Vieles wäre zu erwähnen:
für Lautlehre, Wortgeographie, Etymologie und Kultur-
geschichte steckt ein so reiches Material in dem Bande,
dass es noch vieler Arbeit bedürfen wird, bis der Schatz
ganz gehoben sein wird ; dem Verfasser aber wird man
Dank zollen dafür, dass er ihn zugänglich gemacht hat,
nur hätte er durch ein Wortregister die Benutzung noch
bedeutend erleichtern können.
Wien. W. Meyer-Lübke.
Z 0 i tsc li r i ft e n.
Revue de lingnistique 2:i, 4: Gabriel Deville, Notes sur
li" ili'voloppenu'nt du liingage.
Phonetische Studien IV, 2: W. Swoboda, Zur Geschichte
der Phonetik. II. — R. J. Lloyd, Speech sounds: their
iiaturc aiiil causation. — Ke witsch. Die Reform ilcr
liöheren .Schulen. — W. Vietor, Boantwortuiif; des Frage-
bogens ,Ziir Methodik des Sprachunterrichts'". — R. .1.
Lloyd. Tänzer, Die Natur unserer Sprachlaute mit Be-
rücksichtigung des Kranzösisehen und Kiiglischen. — A.
Schröer, H. Sweet. A prinier of spuken English. — K.
Wilke, Degcnhanlt. Lelirgang der engl. Sprache. — L.
Sturnifels, Glauning, Lehrbuch iler engl. Sprache. —
R. IJ ö d d e k e r , Hunibert, Nochmals das c muri. — A. H a r -
nisch, Löwe, ünterriclitsbriefe zur schnellen Erlernung
fremder Sprachen. — \V. W n n d s c h n e i d e r , Kühn, Kranz.
Lesebuch. — J. Bierbnum, Berger, Zur Reform des frz.
Unterrichts. — Senff-Georgi, Oberländer, Uebungen
zur Eileinung einer dialektfreien Aussprache.
.Modern language iiotes VI, 1. Jan. 1891: J. \V. Pearcc,
Tlie reginien of iri/rde in the 'Ilistoria ecclcsiastica'. —
G. Cur m o , Pronuneiation of r and </ in Germany. — II.
A. Todd, Apropos of „La Naissance du elievalier au cygnc".
— J. W. B r i g h t , An emendatien in the anglo-saxon
gospcis. Luke 1, 5: ul Albiun tiiii<: — B. L. Bowon,
Correctious to the sixth edition of Super's Frcnch Reader.
— Muss-Arnolt, Semitic and other slosscs to Kluge's
„Etyniol. Wörterb. der deutschen Sprache". II. — G. L.
Kittredge, Simomls. Sir Thomas Wyatt and his poenis.
— A. B. Nichols, Buehheims Jungfrau von Orleans. —
V. M. Warren, Becker, Ueber den Ursprung der mman.
Versmasse. — D c r s. . Kawczynski, Essai comparatif sur
l'origine et TbistDirc des rythmes.
Publications of the modern Langnage Association of
America V, 2 : K. S. J i>y n es, Koiuling in iiioilern language
study. — Pli. li. .Mareou, InHuenue iif the weakness of
Aceent-stress on plumetic change in Kreuch. — J. E.
.Matzkc, Dialektische Eigeuthümliehkeiten in der Ent-
wickelung des niouillirten / im Altfranzösischen. — Suppl. :
■ Ch. W. Kent, Of the use of the negative by Chaueer,
with particular refercnce to tlie Particio ne. — Ch. II.
G r a n d g e n t , Vowel nieasuiements. - K. K r a n k e , Modern
ideas in the middle ages. — S. P r i ni c r , The pronunciation
of Ki-edeii(dfsburg. Va. — 3: U.M. S u h m i d t- W a r t e n -
berg, Kin Tiroler Passionsspiid im MitlelaltiM-.
Zs. f. vergl. LiteratnrKeschichte a. Renaissance-Litera-
tur N. K. IV, II. 1 u. •-': .\)bert Dessiiff, Ueber spanische,
italienische und französisidie Dramen in den Spielverzeiuh-
nisscn deutscher Wandertruppen. — Hubert Roetteken,
Zur Lehre von den Darstellungsmittoln in der Poesie. —
61
t89l. Literatorblatt fOr germanische und romaniBche Philologie. Nr. 2.
62
Ludwig Fränkel. Untersuchungen zur Entwickelungs-
geschiclite des Stoffes von Romeo und Juliii. II. — Anton
Herr mann. Lessings ,Xathau'" in Ungarn. — Josef K 1 1 -
linger, ßrii-fwechsel zwischen Hufnianswaldiiu und Hars-
dörB'er. — Johannes Holte, Weitere Parallelen zu dem
Dialoge von Lollius und Theodericus. — H. v. Wlislocki,
/u Bürgers: , Kaiser und Abt". — R. M. Werner, Zu
Lenz' Holineister. — H. v. Wlislocki, Miltons erste
ungarische Uebersetzung. — Ludwig 6 ei ge r. Literarisch-
politische Polemik Rückerts aus dem Jahre 181 4. — Max
Koch, Zur Geschichte der englischen Einwirkungen auf
die deut.sche Literatur im 18. Jh. — Wilhelm Storck, Os
Lusiadas de Luiz de (.'amoes. edigüo critica pur F. O. de
Amorim. — Martin Krummacher, Sauers Neudruck der
freundschaftliehen Lieder von Pyra und Lange. - Wolfg.
Golther, Das deutsehe Volksbuch von ilen Heyinons-
kindern, hrsg. von Fr. PfalF. — Ders. , W. Hertz, Aristo-
teles in den Ale.xanderdiehtungen des Mittelalters. — Rud.
Dvordk, R. v. Gottschall, Das Theater und Drama der
Chinesen. — L. Geiger, Zur Literatur der Renaissance
in Deutschland, Frankreich und Italien. IV. Italien. —
Dtrs. , Ein ungedruckter Brief Reuchlins.
Le Moyen Age III, U: E. Bacha, v. Schack, Geschichte
der Xormannen in Sizilien. — A. Doutrepont, Wiese,
Eine altlomb. Margarethenlegende. ^ H. Logeman, An
Eighth Century Latin Anglo-Saxon Glossary. ed. Hesseis. —
12: H. Logeman. MüUenhoff, Beowulf. — Les Mabinogion,
trad. Loth. — Loth, Chrestomathie bretonne. — W., Anders-
son, Etüde sur uue version de la legende de Theophile.
Zs. f. Volkskunde IIL 3: M. v. Estorff, Der wilde Jäger.
Ein Versuch zur Erklärung des Phänomens. — H. Verna-
leken, Der Dreisskerl. — 0. Knoop, Volkslieder aus
Hinterpommern.
-•Vrchivio per lo stadio delle tradizioni popolari IX, 4:
Angela Xa r d o-C i bei e , La filata, o la coltivazione del
eanape nel Oellunese. Continuazione. — Fr. S. Krauss,
F. Pirrone-Giancontieri, Le afflizioni di Trojano.
Canto dei Guslar della Hosnia. — G. Rua, Dal Xoveiliere
di Celio Malespini, a proposito di costumi e di trattenimenti
nntichi. — Paul Sebillot, Contes de Marins reeueillis en
Haute Bretagne. Suite. — Alb. Em. Lurabroso, Spigo-
lature di üsi. Credenze, Leggende : V. La festa dei vignaiuoli
di Vevey. VI. La ,diablerie'", festa pop. di Chaumont. —
G. B. Corsi, Sena vetus: Superstizioni, Canti, Indovinelli
e Giuochi : Streghe, La notte dei morti, Lupi manari, Spiriti,
Tradizioni sacre. — G. Crimi-LoGiudice, Fra Pruprie-
tari e coloni : Costumanze nasitane. — G. Pitre, Folklore
giuridico dei fanoiuUi in Sicilia. — Pio ilazzucchi, Pro-
verbi popolari del Polesine. — Francesco Musoni, Pepel-
hüar. Xovella popolare slovena. — Mario Menghini,
Canti popolari romani. — Irenen Sanesi, II Vespro sici-
liano secondo la storia e la tradizione. — V. Ost ermann,
Due Giuochi fanciulleschi in Friuli. — Miscellanea: La festa
di S. Giovanni Battista in Firenze. — G. Lumbroso, La
Biraba di Quaresima in Sardegna. — 11 tattuggio nella
,Mala Vita", nuova setta di Bari. — La festa e la legg^nda
di S.' Augusta in Vittorio. nel Venetn. — II , Pfaffe",
leggenda gressonarda. — G. P.. Aneddoti popidari in Francia.
— Rivista BibliograJica; A. D'Ancona, Bnsset, Loqmän
Berbere. avec quatre glossaires et etude sur la legende
ile Loqmänneue. — M. La Via-Bonelli, Stecher, La
legende de Virgile en Belgique. — Ders., Goblet D'Al-
viella, Les arbres paradisiaques des Semites et des Arias.
Kerne des traditions popnlaires V, 12: Ch. Hardouin,
Traditions et superstitidns siamoises (suite): IV. Contes et
Legendes. V. Histoires de revenants et de sorciers. — Cle-
ment Rubbens, Prejuges en Louisiane. — Julien Tier-
Äot, La Fille deguisee en dragon. chanson du Morvan. —
Daniel Bourchenin, Coutumes de mariage (suite): VII.
Une nnce en Bearn. — Paul Sebillot, Les Traditions
populaires et les ecrivains frangais (suite) : VII. Voiture. —
Rene Basset, La Legende de Didon I (suite). — G. M.
Olivier Beauregard, Proverbes et dictons malays. Quelques
devinettes. — Louis Morin, Contes troyens: I, Buule-de-
Xeige. II, Les trois poils du Diable. III, L'Oiseau qui dit
tout. — Leon Sichler, Ran et les Filles des Flots. —
Raphael Blanchard, Traditions et superstitions de la
Touraine (suite): IL Petit guiile medical. — Ä. Certeux,
Faceties suisses. — Paul Sebillot, Seconde vne : Inter-
signes (suite). Les Pronostics de mort prochaine. — S o n i o u ,
Bibliographie. (F. M. Luzel et A. Le Braz.) — Notes et
enquetes. — Table des matiferes.
Viertel.jahrsschrift f. Literaturgeschichte IV, i : Max
Jellinek, Hoffniannswaldaug Heldenbriefe. — Krieilricb
Wilhelm. Briefe an Karl Wilhelm Ramler. — Hans
Morsch, Aus der Vorgeschichte von Goethes Iphigenie. —
Bernhard Seuffert, -Merope und Elpenor. — Paul Hoff-
mann, Untersuchungen über Goethes Ewigen Juilen. —
Theodor 0 d i n g a . Ein Lieil von dem Tod und einem jungen
Mann. — R. M. Werner, Aus einem Stammbuch iles 17.
Jh.'s. — Karl Trautmann, Faustauffühnmgen in Basel
und Nürnberg. — Fritz Winter, Ein Gedicht der Xeuberin
auf die Vermählung Friedrichs des Grossen. — Feniinand
Holthausen, Zu Lessings Faust-Vorspiel. — Julius
Elias, Ein Schreiben Herders an Jean Paul Fr. Richter.
— Otto Harnack, Beiträge zur Chronologie der Kaust-
paralipomena. — Heinrich Düntzer, Zu Schillers ,l)e-
metrius". — Ernst Koss ma nn, Chamissng Xasengedichte.
— Carl Schüddekopf. Nachträge zu Vierteljahrschrift
1. 40. 2, 17. 2, 268. 3, 178. 3, 290. 3, 457. - Alexander
Tille. Berichtigung. — Anzeige.
Jahrbuch f. Geschichte, Sprache u. Litteratur Elsass-
Lothriogens VI. Jahrg.: J. Bolte u. E. Martin, Drei
Lieder auf Strassburgs Uebergabe 1681. — E. Martin,
Bilder zum Siegfriedslied von 1580 (?). — Ders., Der
Goethehügel bei Sesenheim. — Bargmann, Elsässer Sagen.
— Eber, Elsässische Kinder- und Wiegenlieder, Kinder-
reime. — J. Rathgeber, Elsässische Sprichwörter und
sprichwörtliche Redensarten. — J. Spieser, Münsterthäler
Sprachproben. Sprichwörter. — Zum Elsässischen Idiotikon.
— Bruno Stehle, Volksthümliche Feste, Sitten und Ge-
bräuche im Eläass.
Noord en Zuid XIII, 6: A. S. Kok, ,Trues" en versleten
plunje. — H. G. vanderWaals. Karakters en typen
uit romans van Mevrouw Bosboora-Toussaint. — C. H. d e n
Hertog, Cit de leer van den zin. Bepalingen van gesteld-
heid. De infinitief als zinsdeel. Mededeelende, vragende en
gebiedende zinnen. Onvolkomen zinnen. — Taco H. de
Beer, De Geschiedenis der Nederlandsche Taal. — Uit-
treksel uit de verslagen over de examens voor de acte van
Hoofdonderwijzer(es) in 1890. — C. H. denHertog, Bij-
dragen tot de Studie van Potgieter: VI. Ommekeer. Yll.
Onder de linde I. VIII. Onder de linde II.
Ensrlische Studien XV, 2: F. Jentsc h. Die nie. Romanze
Richard Coeur de Lion und ihre Quellen. — E. Kölbing,
CoUationen. — G. Sarrazin, Der Verfasser von 'Soliman
und Perseda'. — R. Thum. Anmerkungen zu Macaulay's
History VIII. — H. S c h uc h a r d t , Beiträge zur Kenntniss
des englischen Kreolisch III. Das Indo-Englische. — F.
Holthausen, Beiträge zur Erklärung und Textkritik alt-
und mittelengl. Denkmäler. — V. 1\ Janssen, Shake-
speare-Miscellen. — W. Vietor, Die Conference on tlie
teaching of modern languages in Cheltenham. — H. Kling-
hardt. Die genetische Erklärung sprachlicher Ausdrucks-
formen im Unterricht. — Ders., Die „neue Methode" im
Lateinunterricht sowie im Deutschunterricht def Volksschule.
— K. Fever abend. Zu K. H. Schaibles Geschichte der
Deutschen in England. Nachtrag.
Jahrbuch der Deutschen Shakespeare -Gesellschaft
XXIV: Leo, Rückblick auf das 25jähr. Bestehen der D.
Sh.-Ges. — Ders., Shakespeare und Goethe. — Zupitza,
Jahresbericht für 1888/9. — Mielck, John Sheffield Duke
of Buckingham's Zweitheilun.g und Bearbeitung des Shake-
speareschen Julius Caesar. — Bolte, Ben Jonson's Seianus
am Heidelberger Hofe. — Bulthaupt, Sh. und die
Virtuosen. — H ausknech t, Sh. in Japan. — Leo, Noch
einmal die Baco-Frage. — C o h u . Adrian Sevin's Bear-
beitung der Sage von Romeo und Julia. — Sh.'s Testament.
— Necrologe (Delius; AI. Schmidt: Elze; Halliwell-PhiUipps;
Hense : Vorbrodt: Uerrig). — Miscellen (Die Bankettscene
im Macbeth; Keine verderbte Stelle; Ein neuer Hamlet;
Sh.'s Heinrich IV. in Deutschland; Bühnenanordnung des
Kaufmanns von Venedig: Ein Beispiel für Text-Erklärer).
— Cohn, Sli.-ßibliographie 1887 u. 1888. — XXV: Su-
phan, Sh. im Anbruch der klass. Zeit unserer Literatur. —
Zupitza, Jahresbericht. — Kilian, Die Dalbergsche
Bühnenbearbeitung des Timon von Athen. — Grace La-
tham. Einiges von Sh.'s Kammerfrauen. — Jacoby, Der
Hamlet-Monolog III, 1 und Lessings Freunde Mendelssohn
63
1891. Literatarblatt fOr ^ermanisohe und romanigclie Philologie. Nr. 2.
«4
und Kleist. - F isolier. Die Sage von Romeo und Julia
in dputsclieii ProsHÜarstellungen des 17. Jli.'s. — Sachs,
Sil. 's Oeilii'hte (Vi-nus u. Ailonis; Luorccc; Die Sonette:
Kines Mibendcn Klage: Der verlieble Pilger; Der Phönix
uml die Turteltiiube: Kleinere Oediehte). — S topos, SIi.'m
Siiiinels, ed. by Tyler. — Mersehberger. Die Anfänge
Sil. 's nuf der Hninburger Bühne. — Leo, Rosenkrantz u.
Ciüldeiistern. — Xecrologe (Rümelin; Ciosche; Riisi'oni;
'riiiiinc: Möbius; .Marshall; König von Portugal).
Zs. f. roman. Philologie \'^', 1. 2: F. Nagel, Die altfiz.
Uebeiset/ung iler C'iiiisolatio pliilosupliiae des lloetliius von
Rennut de Loulians. — H. Such i er, lieber Inhalt und
Quelle des ältesten franz. Gedichts. — P. Rajna, Fram-
nienti ili ridaziuni italiane del Buovo d'Antona. — H.
Seh u c li a r d t , RdniMiin-Magyarisehes. — C. Voretzsch,
Der Reinharil Fuchs Ileiuriolis des Glichezäre und der
Koman ile Renart. — A. L. .Stiefel, Lope de Rueda und
das ital. Lustspiel. — Ders. , Notizen zur Geschichte und
lübliugraphic des span. Dramas. — Ake \V:sun Munthe,
Vermischte spnnische Beiträge. — O. Schultz, Ouiraut
Aniic bei G. ile Moiitaiihagol (Gr. 22.i, 1). — Ders., Na-
bieiris de roman. — R. Köhler, Zu K. Stengels Sammlung
kleinerer Schriften von Ferd. Wolf. — O. Schultz, Ein
Lied von Oautier d'Fspinau. — H. Sc li u c h a r d t, Prov.
altfr. aticein. — It. (idesso, runi. iarä. — Frz. mahil. — Sp.
ilejur. — VV. M e y e r - L ü b k e , It. allillare ; sp. coclio ; frz.
yosier; frz. tiu'leze; ostfrz. tiazier, rät. nosur; nordit. piitta;
it. seccia ; frz. roisoii. — Fr. S e 1 1 e g a s t , Frz. coche „Sau" ;
fiitd'iin; uiKlare. — M.F.Mann, Laudiert, Geschichte des
Pliysi(dogus. — W. Rudow, Gaster, Literatura |)iipular;i
romäna. — R. Th u r n e )se n, D'Arbois de Jubainville,
Recherclies sur l'origine de la propriete funciere et des
noms de lieux habites cn Frnnce.
Stud.i (li filologia romanza Fase. 14: L. Gauchat, H.
Kelirli, 11 Canzonicie provenzale H.
Archiviu glottülogico italiano XII, 1: C. De Lollis,
Dell' iiiflusso dcll'-/ (I del.; postonico sulla vocale acccntata
in qualche ilialetto abruzzese. — G. J. Ascoli, Appendice
ai „Saggiuoli diversi". — G. Moros;, L'odierno linguaggio
dei Valdesi del Piemontc. — Ders., II dialett" franco-pro-
venzale ili Faeto e Celle, nell' Italia moridiunale. — Ders.,
L'elemcnto greco nei dialctti deU'Itnlin nieriilionale. —
0. B. Andrews, II dialetto di Mentone, raHVontato al pro-
venzale e al ligure. — S. Pieri, Fonetica del dialetto
lucchese, con appendice lessicale. — 0. J. Ascoli, iitdarno,
cndur.
Giornale storico della letteratiira italiana XVI, 3 (Fase.
4S) : Ad. A 1 b e r t a z z i , l)ue romanzi morali <lel Cinquecento
(Le „Metnniorfosi'* di Loronzo Selva e il „Brancaleone" di
Latrobio filosofo). — O. Da Rc, Dantinus q. Alligcrii. —
Fl. Pellegrini, Di (lue poesie del sec. XIV su ,1a natura
delle frutta". — C. Errera, Ancora sull'autore del Peco-
rone. — G. Volpi, Le Stanze per la Giostra di Lorcnzo
de'Medici. — Fr. Foffano, II ilisegno del „Morgante". —
C. Salvioni, Oaudcnzi, I sunni, le lornie e le parole del-
l'odierno dialetto della cittä di Bologna. — V. Rossi,
Scartazzini, Prolegomeni della Div. Com. — L. A. Ferra i,
Epistolario di Cola di Rienzo, ed. Annibale Gabiielli. —
BoUettino bibliogr. : Goch in, üoccace. — Kirn er, SuUe
operc storiche di Franc. Petrarca. — Antiche cronnche
veronesi per cura di C. CipoUa. — Castellani, Scritti
p. da N. Angeletti. — üzielli, Leonardo da Vinci e lo
Alpi. — Corsini, Lorenzino dei Medici. — Barbi, Della
fortuna di Dante nol secolo XVI. — Parlagreco, Studii
sul Tasso. — Canti, La Frusta Letteraria. — Mal-
niignati, G. Oozzi ed i suoi tempi. — Parini, Le odi
ili. da Bertoldi. — Jachino, Varietä tradizionali o dia-
lettali Alessandrine. — G. R u a , Un'altra traduzione italiana
del „Tesoro" di Brunetto Latini, per opera di Cclio Malc-
spini. — V. Crescini, Su, Su, Su chi vuol la gatta. —
R. Wendriner, Un codice di Ruzante nella Coraunale
di Verona.
Rivista critica della letteratnra italiana VI, 5 : M.
Barbi, E. Moore, Contributions to the textual criticiam of
tlie Divina Commedia ; C. Täuber, I Capostipiti dei mano-
scritti della Divina Commedia; C. Negroni, Sul teste della
Div. Cum. — S. Morpurgo, Volpi, La vita e le riine di
Simone Sordini, detto il Saviozzo. — E. Teza, Estolrich,
Antülogia de poetas liricos italianos en verso castellano.
L° Alighieri II, 3. 1. 5: 0. Spe ra, II trusumanarsi di Dante
nol Paradiso. — P. Samarani, Silenzio di Dante e dis-
dogno di Guido. — O. P. Clcrici, Osservazioni sul modo
il'iiitendere alcuni punti dei Canti XXXI e XXXII del
Purgatorio. — Commento del Re Giovanni di Sassonia
(Filalete) nlla Div. Com. Inf. (^anto XXIII. — G. L. Passe-
rini, Del casato di Dante Alighieri. — L. F. Ouelfi,
Ancora della pietä di Dante a proposito di (icri Dell Bello.
— U. M i c o c c i , La fortuna di Dante nel secolo XIX. —
C. (ialanti, Gl'infliissi de' cieli Danteschi. — Fr. Fla-
mini, L'imitazione di Dante e dellu ,Stil Novo" nelle rime
di Cino Rinuccini. — A. (ihignoni, Di un senso auguralc
nella direzione del viaggio Daiilesco. — 0. Franciosi,
All'uomo illustre Coniin. tiiov. Daneo, Ocnova. — P., Rüg.
Della Torre, Poeta Veltro.
liiterar. Centralblatt 2: Galiens li Restores. Hrsg. von
Stengel. — Tliiers, Bonaparte en Egypte et en Syrie hrsg.
von ilartmann. — 3: Scdiultz. Alltagsleben einer deutschen
Frau zu .\nfang iles 18. Jh. 's. — Nöldeke, Beiträge zur
Geschichte iles Alexanderromnns. — 4: Nicole Bozon, contes
moralises p. p. Smith u. Meyer. — 5: 0. Bremer, Holz,
Urgerm. geschlossenes e und Verwandtes. — (i: Schipper,
Zur Kritik der Sliakspeare-Bacon-Frage. — WölfHin. Snlo-
nion Gessner. — 7 : Heines sämnitl. Werke, hrsg. v. Elster.
Deutsche Literatnrzeitaug .52 : S t r a u c h , Walthcr, Die
deutsche Bibelübersetzung des .Mittelalters. — 1: ISurdach,
Basch, Willi. Scherer et la phibdogie alleniaiide. — Wiese,
Bulle, Diintes Beatrice im Leben uml in der Dichtung. —
Schneider, v. Antoniewicz, Ikonographisches zu Chrestien
de Troyes. — 2: Werner, Henkel, Goethe und die Bibel.
— Mosen, Ransumc, Studies uf Shakcspeare's Plots. —
3: Rani seh, Heusler, Ljoj)ahättr. — Tobler, Greard,
Edmond Schercr.
Zs. f. dentsche Kultnrgeschichte, hrsg. von Christian
Meyer, N. F. I, 1: P. C a s s e 1 , Von Wiiffennamen. — G.
Steinhausen, Die deutsclion Frauen im 17. Jh. — Chr.
Meyer, Die Ehre im Licht vergangener Zeit. — P.Beck,
Ein Volksgericht in lien Alpen. — Edm. Braun, Auszüge
aus den Kathsbüchcrn der Stadt Freiburg i. B. — 2: P.
Cassel, Sclilcsien und sein Name; Der Name Erfiirl und
die ürtsuamcn auf -Juri.
Zs. f. raterländische Geschichte n. Alterthuinsknndo
B<1. 47: F. Jos t es, Volksaberglaube im l.'i. Jh.
Der Geschichtsfreund Bd. 41: B ra nd s t e tt er, Beiträge
zur schwüizcrisclieii Ortsnanienkunile. II.
Zs. f. die Geschichte des Oberrheins N. F. VI, I: 0.
Wolfram, Eine IIs. von Königshofens strassburgischcr
Chronik. — 0. W i n c k e 1 m a n n , Neue Beiträge zur Leben.s-
geschiehro Thomas .Murners.
Zs. der Gesellschaft f. schleswig-holstein-Iauenbnrg.
Geschichte IM. 20, S. 215: Friedr. Bangert, Od und Oda.
Blansfelder Blätter IV: H. Grössler, Die Mansfelder
Mundart, ihre Grenzen, innere Gliederung und Abkunft;
zweite Nachlese von Sagen und Gebräuchen der Grafschaft
Mansfeld und ihrer nächsten Umgebung.
Neues Lansitzisches Magazin 66, 2: Th. Paur, Dante
über den Adel.
Korrespondenzblatt des Vereins f. siebenbiirg. Landes-
kunde Xlll, 12: R o t h , Zur Erforschung des siebenbürgiseh-
säehsis-ihen Dialektes. — Ders., Grundriss der germ. Pliilo-
logie, hrsg. von Paul.
Der Bär 44: 0. Seh wobei, Fürstliche Minnesänger. F.
Börsenblatt f. den deutschen Buchhandel 3: K. Bor ne-
in an n, Grillparzer-Literatur (Bibliographie, in der jedoch
nur selbständige Schriften aufgenommen sind). — 10: J.
Eisenstein, Nachträge zur Grillparzer-Literatur (auch
hier fehlen die kleineren Aufsätze).
Centralblatt f. Bibliothekswesen VII, 10: Vermischte
Notizen: editio prineeps des „Vicar of Waketield". — Stölz-
Ics Bruno-Funde. — L. Fränkel. Burdaclis Scherer-Biblio-
graphie. — P., Ilarless' Crecelius-Bibliogrnpliie. — 12: 11.
llayn, Bibliographie der deutschen Räthsel-Literatur. —
VIII, 1 u. 2: K. Burda eil,. Zur Ivenntiiiss altdeuts(dier
Hss. und zur Geschichte altdeutscher Literatur und Kunst.
Archiv f. Literi»tnr- n. Kirchengeschichte des Mittel-
alters V, 4: Fr. Elirle, lliiträge zur Geschichte diT
mittelalterlichen Scholastik. II. .\ugu3tinisinus u. Aristotelis-
mus gegen Ende des 13. Jh. 's. v.
Archiv f. slav. Philologie 2: A. Brückner, Die Visio
Tundali in böhmischer und russischer Uebersetzung. 1'.
(35
1891. Literaturblatt für germanigche und romanische Philologie. Nr. 2.
6(i
Nene Jahrbücher f. Pliilologie n. Püdagogili l'M n. 14(i,
12: II. Jofp. Dir Tud (Irr l^iiiilia (jalolti. 1'.
Piida^Oj^ilini XIII, 1: Tli. V o rnnlekcn, Lessings Kloster-
bruiliT uihI ilic frcistig Annen. V.
Gymnasium 2;i: llcussner, GdOilus Walii licit u. Dirhtuno;
in ilir I'rinm iIcs G\ ninasiiiniH.
Zs. f. die österr. (Gymnasien 41, 8 u. 9: Detter, ISugge,
lJeb<'r IUI' ICntsteliung iltr noiilisolien Götter- iiml Helilen-
s:.Ke, II. ;i. — Häuften, Xlinur, Schiller, I. - 12: Löh-
ner, Sacli, Doutsehcs Leben in iler Vergangenlieit.
Rheinische Blätter f. Erziehung n. Unterricht 189i, 1:
I.aninicrs, Ketzereien über Jen neiispraclil. Unterrielit. F.
Deutsch-evangelische Blätter Hi: Erler, Zwei Volks-
iliihter und Volkssehriftsteller um die Wende unseres Jalir-
Imnderts. F.
Allt;emeine evangelisch-lutherische Kircbenzeitiing 42:
lOine alt.leutsehe r.issioiisilarstellung. F.
P.sychisehe Studien .XVII. 8: f. Wittig, Die Jungfrau
vun Orleans uml die Pseudo-JiingiVau .Inhanna du Ly.«. —
10: f. K i e se \ve 1 1 e r . Eine vergessene zeitgenössische
Urkunde über Juhauua d'Arc und ihre Xaelil'ülgerinnen. F.
Zs. f. bildende Kunst 1890, 10: E. W. Wich mann. Die
Baustile der alten Germanen. — ISlll, 1 f.: Schultheiss,
Pietru Aretinj. F.
Nene Zs. f. Musik 86,4.5: ApoUonius, Grillparzors Ver-
liiiltniss zur Musik und zu Beethoven. F.
Blätter f. literarische Unterhaltung 1890, 34: Ad. Brie-
ger, Th. Fontane. — Ad. Schröter, Deutsche Kunst u.
Literatur des Reformationszeitalters in .lanssenscher Be-
leuchtung. — Th. Paur, Zur Dante-Literatur (0. Bulle
über üeiitrice). — 3.5: Frz. Walther, Biographisches
(Litzmanns „Kr. L. Schröder" I. und Bodenstedts „Erinne-
rungen"). — M. Grüben, Zur deutschen Roman- u. Lessing-
literatur. — 36: L. Fränkel, Geistesströmungen im engl.
Selnifttliunie des 18. Jh.'s. — .SS: Ad. S c li rö t e r , Zur
deutschen Literaturgeschichte (Hurchs „Zur Kritik des
Kürenbergers", Schönbachs „Walther v. d. Vogelwcide",
A. V. Weilens Gerstenberg-Keudruck, Schwenkes „Heiträge
zur Schiller-Literatur"). — 39: L. F r ä nk e 1 , Die englische
Bühne in iler Glanzzeit. — 41: R. M a h r e n h o I tz und L.
Wespy, Deutsche Literatur in französ. Beleuchtung. —
42 : L. Fränkel, Allerlei von Shakespeare und den Er-
l'ülgen seiner Kunst. — 44: J. Deckel, Drama. u. Theater.
— 45: L. Fränkel, Zu den Meistersverken deutscher
Literatur. — Ad. B rieger. Eine Werther-Nachahmung
(O. Klein, Schmerzliche Wonnen. 1890). — Fr. Biene-
luann, -Aus deutschen Uibliotheken. — Im Feuilleton: Am
ür-Quell. Monatsschrift für Volkskunde. Hrsg. von Fr. X.
Krauss. — 46: X<]. Brieger, Räthsel der Sprache (R.
Kleinpaul). — 47: (i. Diercks, Zur Literaturgeschichte
Spaniens (Schäffers „Geschichte des span. Nationaldramas").
— 48: L. Fränkel, Aus Doctor Fausts Literaturleben. —
K. Sallniann, Plattdeutsches. — 49: H. Blum. .^^Ites u.
Neues von Willi. Rabe und W'ilh. Jensen. — W.Müller,
Bisniarck-Literatur (darin u. a. über M. Bewers „Bisinarck,
Moltke und Goethe"). — J. Mähly, Zur Uebersetzungs-
literatur (Weyhes Nachdichtung von Buileaus „Satiren"). —
50: Th. P a u r , Zur Dante-Literatur (Scartazziuis „Prolego-
mini"). — 51: M. Groben, Neuestes über Schiller (Minors
„Schiller" II: Küsters „Schiller als Dramaturg"). — G.
Diercks, Zur Literaturgeschichte Portugals (Storcks Ca-
moeus). — 52: L. Fränkel, Von Hamlet und seinen Ge-
nossen. — Th. V. Siisnosky, Ein neues Buch von Daudet
(Port-Tarascon). — 1S91, 1: W. Buchner. Neueste Goethe-
literatur. — M. G r ü b en, RousseausGeschichtsphilosophie. F.
Deutsches Dichterheim XI. 4: H. Rh einländ e r , Die
deutsehnationalen Bestrebungen auf dem Gebiete des litera-
risclien Lebens im 17. Jahrhundert. F.
Moderne Dichtung 1,9: L. v. Such er-M a soch , Eduard
von Bauernfcld. — J. Fasten rath. Die catalanischen
Blumenspicle. F.
Salon 1890, 12: H. Lübner, Das akileutsche Liebeslied. F.
Deutsche Rundschan Jan. : Fr. C u r t i u s , Ueber Shake-
speares „Mass für Mass".
Deutsche Revue D.c. : Ungedruckte Briefe von und an K.
Ludwig von Knebel, hrsg. von K. Th. Gaedertz.
Vom Fels zum Meer 1890/91, Heft 2: H. Bosch, Das ger-
manische Nationalmuseum in Nürnberg. — J. Prölss, Die
Frauen und das junge Deutschland (Scliluss: Rahel ; Char-
lotte Stieglitz). — 4: A. T i 1 1 e , Weihnachten bei unseren
Klassikern. — 0. Henne am Rhyn, Seelen und Geister
im deutschen Volksglauben. F. — 6: W. Jerusalem,
Franz Grillparzer. — Ludw. P r oescli o I il t , Aus der
geistigen Werkstatt Walter Scotts.
Die Gegenwart 49: Apostata, Lessing vor Gericht. —
2: Arthur G ol ds c h ni i il t , Zu (Irillparzers hundertjähr.
Geburtstag. — 3: A. Hey her, Oct.ive Feuillet.
Die Grenzboten 22: ISedingeu und andere .Modewörter. —
38: E. Grotli. Kulturgeschichte und Literaturgeschichte
(mit besomlerer Rücksicht auf Lotheissen). — 43: E. G ro t h ,
Streifzüge durch die franz. Literatur der Gegenwart. 6.
üctave Feuillet. — Ein Nachwort zur Herl'ner Lessingleicr.
— 3: II. Pröhle, Zur Ehrenrettung E. T. W. lloffmanns.
Die Nation 13: Georg Ellinger, Das Vulkslicil in Tirol.
— 15: J. J. David, Franz (iiillp.irzer.
Der Zeitgenosse 1, 2: L. Berg, Zur Psychologie Schillers. F.
Globus 59. 1: H. (jaidoz, Die franz. Thäler Pienioiits (mit
Knrte). — 2. 3: R. .\ n d r e e , Die (irenzen der nd Spra(die
(mit Karte). - 4 f.: (1. .Meyer, Zur Volkskunde der Alpen-
ländcr (Diis Schnadahüpfl in der Weltliteratur und Ver-
wandtes).
Zs. des deutschen u. Österreich. Alpenvereins 1890: S.
Prem, Die Unechtheit der Gemsjägersage vom Kaiser
Maximilian. F.
Uesterreich. Monatsschrift f. den Orient 9 f.: M. llaber-
landt. Zur (^escliiclite der Null. F.
Zeitung f. Literatur, Kunst u. Wissenschaft des Ham-
burg. KdM'espiinilei.tcn 1890, 29: II. W. Longfellow. F.
Nationalzeitung 439 u. 441: 0. Bremer, Helgolan I und
die Nordfriesen. — 445: M. Ring, Boccaccio und das De-
camerone. — 455: \V. D. Zur Literaturgeschichte (Jul.
Schmidts „Geschichte der deutschen Lit." IV). — 461: W.
Röseler, Math. Claudius. — 489: E. üobbert, „Gottfr.
Scl'adow" von J. Friedländer (zu Scliadows Verhältniss zu
Goethe\ — .505: R. M. Werner, Walther von der Vogel-
weide (von Schünbach). — 507 u. 509: P. Seliger, A.
V. Droste-Hülshoff. — 525,527,533,539: Alfr. G. Meyer,
Die deutsche Volkskunde und die volksthümlichen Hau.s-
formen. — 617 u. 619: P. Seliger, Schillers Jugend-
dramen. — 619: L. Fränkel, Ein Holländer über Shake-
speare. — Sonntagsbeilage 41 f : J. W. liraun, Wie Iff-
land nach Berlin kam. F.
Berliner Tageblatt 427: G. Karpelcs, August v. Goethe.
— 519: G. Engel, Lessing der Hunmnist. F.
Vossische Zeitung 1890, 4S0: E.Schmidt. Rede zur Ent-
hüllung des Berliner Lcssingdenkmals. — Sonntagsbeilage
1890. 31 : K. B I i n d . Der Leichenbraml bei den Germanen. —
TV. Pätow, Frau Rath. — 32 f.: M. Sydow, Aus dem
Hause des Wandsbeeker Boten. — 35 f.: P. Ernst, Balzac.
— 35: L. Treitel, Zur Physiologie der Sprache. — 41:
P. S., Lessing in Berlin. — 42: H. Riegel, Lessing, die
Wolfenbütteler Bibliothek und das Museum zu Braunschweig.
Eine Rechtfertigung. F.
Leipziger Tageblatt 245, 2. Beilage: O. Steine!, Friedr.
Rückert in Leipzig. — 291: K. Biedermann, Friedr.
Rückert. — K. W. Whistling, Die Leipziger Schlacht-
denkmäler und E. M. Arndts „Walhalla". — 294: Rud.
Genee, Ueber Theatersprache. — E. G., Histoj-ische Zeug-
nisse über die Leipziger Sprache. F.
Leipziger Zeitnng 180 f.: Deutsche Wörter mit undeutschen
Endungen. — . 189 : Rosencrantz uml Güldenstern. — Das
Schweizerhaus. — 191: R. B (e e) r , Zu Wanderers Nacht-
lied von Goethe (richtiger Text). — 199: -ran, Fausts Gang
zu den Müttern. — 207: R. B(ee)r, Schluchzen u. Seufzen.
— 294: V. Einenkel, Der Hase im Volksliede. — 298:
G.Oertel, Deutsche Volkslieder aus Böhmen. — G. Leh-
ner t, Weihnaehtsmistel. F.
Wissenschaftl. Beilage der Leipziger Zeitung 1890, 106:
R. Kade. Sperontes' „Singende Muse an der Pleisse"
(1736). — 111: G. Por t ig, Lessings „N.ithan der Weise"
als Verherrlichung des Christenthums. — 112 : R. X (e e d onj.
Der Kauzler. liiographie eines Wortes. — 136 : O. F r a n e ke ,
Was haben die Engländer für die Reinheit ihrer Sprache
gethan? — 1891, 3: Rob. Prölss, Zum hundertsten Ge-
burtstage Franz Grillparzers.
Beilage zur Allg. Zeitnng 1890, 296 : J. P r o e i s s , Episteln
und Vorträge von Wilhelm .lordan. - F. M e y e r v. W a 1 -
deck, Kuno Fischers Schillersebriften. — 1891, 9: L.
Geiger, Lenz und Goethe. - 14: K. Werner, Lebens-
erinnerungen an Klaus Groth.
Mnnchener Neueste Nachrichten 26: L. Geiger, Karl
67
1891. Literaturblntt für gernianUchc und romanisclio riiilolugie. Nr. 2.
68
Ludwig von Knebel. — 44: .1. Horzfelilor
pBrxer iils Lvriker.
Kranz Grill- 1
Nene freie Presse !ti47: \. Biese, Der lifiniss nni Xntur-
BcliüniMi. — 92.'(4: K. Glosgy, Ker.l. Riiiiiiund. — i>3-2:^:
K. U I i II •! . Oerninnische Feuerbestattung. - 9H29 : L. A.
K r a II k 1 . Oiiiunilener Kriuueruujjen im N. I.enau. — 935li :
A. Tille, Vi.lUslieder vom Doelor Kiiust in Oesterreieli
und Steiermark. — a:<8l : II. W (i 1 1 in a) ii ii , Alplionse Karr.
— !i:<s:i: O. Steinel, Stimmen liturariselier Urüssen /um
Rüekert-Denkninl. — 94HI: K. Seil., Die alte uml die neui'
Sli:ikes|ieiire-I!üline. F.
Dentsclies Wochenblatt III. :i!l: A.Sebrüer, Uelnr Will.
Sliiikisperes rilaulieii-ibekenntniss. F.
Dentsche Zeitung (Wien» i;ti82 : B. .Münz, Die Briefe iler
Mailiinie ile Si'vigni-. t<74(l: I) e r s. , Aus dem .Scliillerarchive
(.Minor). — fiTdO f.: Kug. Kitter v. M o r -.S ii n n e g g, Fried:'.
Küekert über .seine Berufung nM<di Frlangen. Aus unge-
druckten Papieren des Dieliters. - (i7ü."i: K. 0 x , l^itera-
risi'lie rSpste. - 67KI : Ad. llarpf, llainerlings pliilo-
sopliisi'lier XaclilaSR. F.
The Acadeniy stGü: Watson, Tlie slmrter poenis of Rob.
Bri.lges. — Taylor, The Order of l-etlers in tbe Runic
„Futliork". — Cook, Tlie Suurce of a Chaucer Siiuilc. —
97Ü: Do w d en. The .lournal of Sir WiiUer Scott. — Skeat
and Taylor, The Order of Kunes in the Futliork. —
Karle, English Prose. — Kllershaw, Tbe Souree of
Chaucer simile. — 971: Bradley. The Oriler of Runes
in the Futhorc.
Fortnishtly Keview Sept.: K. Dow<lcn, .\eeount of the
last dnvs of Goetlie, with an iinprinted letter of Dr. Weissen-
born (Weimar. 28. März IS;H2l. — Dec. : Darmesteter,
Rural Life in the XIV. Century.
Contemporary Keview Sept.: Welldon (Head Master of
lliirrow Sc'luiolV ücber den franzos., engl, und deutschen
Unterriclit an höheren Lehranstalten. — .\ddington Sy-
ni o n d s , The idea of luve in I'lato's dialognes and in the
.Vita XaDva"", the lyrics and the , Divina Coinmedia" of
Dante. F.
Nineteenth centnry Sept.: W. Morton Füller ton, Essay
on Bion tbe greek poet (u. a. Vergleich mit Keats und
Shelley). F.
The Andover Review Dec.: Clark, Anotbor Aspcct of
tbe .Faerie Queene".
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2: Litbgow, Xotes upon the Life «nd Genius of the Poet
Herrick. — Carmichael, Petrarcb and the XIV. Cen-
tury. F.
London News 2076: Elephants nt Stratford on Avon (zu
Shakespeares ,Tr()il. and Cressd." II. 3 und Trinkulos „W'är
ich jetzt in Englaml" in ,Tbe Tenipesfl. - 2G77 : J. D..
Sonic words about (english) prose. — 2fi7S: A. Wilson,
Shakespeare's „tbere is no art to find the niind's eonstruction
in the face". — 2679: J. C. H., Three (Scottisb) Border
poetesses in the 18"' Century (Miss EUiot of Minto, Miss
Alison Ratherford of Fainiielee, Lady Grisell Baillie). —
W. W. F., Tbe white cliifs of Albion (zu Shakespeare, King
Lear ,llow fearful and dizzy..." IV 6, 11 f.). _ 2680:
J. D., English poets in Italy. F.
American Jonrnal of Pliilology XI, 3: F. M. Warren,
Kawczynski's Essai coniparatif sur l'origine et l'histoire des
rythmes.
The North American Review Dec: Swinbume, Victor
Hugo. — D o n n c 1 1 y , More Testimony against „Shnkspere".
Nordisk tidskrift för vetenskap, konst och indnstri
1890, II. 7, S. .'ins— 604: J. Stefanssnn och O. Mon-
telius, Du Chiiillu, The Viking Age. S.
Ny svensk tidskrift 1890, IL 7. 8, S. ,S96— 422: E. Lidforss,
Sbakcspeare-Baeon frägans sennste skede. — S. 423 - 446 :
J. Vi sing, Den portugisiska litteraturens pänyttfödelse i
det nittonde arhundradet. S.
Tidskrift ftirteologi 1,1. 8. 41—71: J. Paulson, Legenden
oni den beliga Katarina af Alexandria. S.
Kevne critiqne .")2; Müllenhotf, Antiquite allemande. I p. p.
Roediger. ^ Biart, Cervantes. — Minor, Schiller I. II. —
Tüchert, Racine et Ilelindore. — Walzel, Lettres de Ft6-
deric Schlegel a «on frere Ouillnume. — 1 : Levy-Brühl,
L'Allemagne depuis Leibnitz. — A. Gazier, L'Ortbogrnphe
de nos pires. — Oltraniare, Simplification de rorthograpbe.
— Du Camp, Th. Gautier. — 2: Brugniann, Grammaire
eoniparee des langues indo-curop^cnncs. II, 2. 1. — 4:
Sorel, M"" de Stael. — 5: Meschinot, Los lunettes des
prinees, p. p. Gourcufi". — Briefe über Merkwürdigkeiten
in iler Literatur, ed. Weilen. — .Moritz, Ueber die bildende
Xacbahniung des Scliünen, ed. .\uerbach. — Leisewitz. Jul.
v. Tarent etc. ed. Werner. — Uz, sünimtl. poet. Werke,
e I. Sauer. — Firinery. Goethe.
ttev. pol. et litt. 24: E. Lavisse, La pedngogie de TEm-
pcrenr d'Alleniagne. - F. Sarcey, Comment je devins
confereni'ier. — Im Cnurr. litt.: Physiologie ile Taniour
moderne par Paul Bourget. — 2."> : Im t'ourr. litt.: Theo-
phile Gautier p. M. Maxime Du Camp (Les gramls eerivains
i'ranfais). — 26: Sully Prudbomme, A propos d'un livre
ilc fahles. .\ nionsieur Charles Kielict. (Vorrede des ersteren
zu einer Fabelsammlung, die der letztere, ein Professor iler
Physiologie, eben erscheinen lässt und woraus zwei Proben
folgen. Die Vorrede enthält feine Bemerkungen über La
Fontaine.) — V a 1 1 e r y - K a d o t , La litterature des oiifanis.
(Ueberblick über die Kntwickidung der Jugendschriften in
Frankreich.) - M u n i e r- J o 1 ai n , Le barreau cnntempo-
rain. M. Uousse Xachfidger von J. Favre in der .\kadcniie).
— 1: Jean Iloncey, Le reveil ile ridi'>e rcligieuse en
France. Le» chr^tiens ile lettres. (.Munifestations, causcs.
precurseurs, forinule dieser gegenwärtigen Bewegung.) —
In der Cbron. tbeätr. : L'Obstacle piece en 4 actes p. A.
Daudet. Forner eine Besprechung von .leanruya Origincs
de la poesie lyrique. - 2 : R. Douniie, Critiques contempo-
rains M. Emile Fagiiet. — Oermain Bapst. Les röles de
feinmes dans les Mysteres du nioven-äge. (Urkundliche Xacb-
weisc über die ersten Fälle von Darstellung weiblicher
Rollen durch weibliche Personen.) — Ursus, Octave Feuilet
(Xecrolog). — Im Courr. liit. : CEuvres d'Hegi'sippe Moreau.
T. I (mit Kinleitung von Vallery-Radot). — .'S: E. Faguet,
L'liunianisme fran^ais au XVI'^ siede. (KroH'nung der Vor-
lesungen, die der Verfasser als Stellvertreter von Lenient
an der Sorbonne über die französische Dichtung von 1549 —
IKOO hält.)
Kevne des denx niondes 1. Dec: Barine, Les contes
de Perault.
La Kevne du nionde latin Aug. u. Sept. : lloratius, La
littcrature espagnoUe coiiteinporaine. F.
La Noiivelle Kevu<- l.Oct.: Quesnel. La litteraturc con-
temporaine en Espagne. F.
Annales de la faenlte des lettres de Bordeanx 1890,
2/.1 : E. Bourciez, La cnnjugaison gasconne d'apres des
docuinents bordelais. — Mo n d r y - B e n u d o i n , Une inii-
tation provenijale des Syracusaines. — P. Hoc hart,
Boceace et Tacite.
Le Blns^on 5: X Duopol, Elements grecs ancicns dans la
langue rouinaine.
Arcliivio storico per Triesto, 1' Istria e il Trentino
Fase. 2. vol. IV: Zenatti, Una canzone cap^distrian i del
sec. XIV sulla pietra filosofale. — Joppi. Due earmi di
Gcrolaino Aninseo in lode deU'Alviano.
Neu erscliieneue IJüclier.
Brink, B. ten , Ueber die Aufgabe der Literaturgeschichte
Rectoratsrede Strassburg, Ileitz 28 S. gr. 8. M. 0,60.
Eckius d cd o latus, brsg. von Siegr. Szainatölski. Berlin,
Speyer & Peters. XV, 52 S. S. (Lateinische Literaturdenk-
mäler des XV. u. XVI. Jb.',s II. 2.)
Fick, A., Vergleichendes Wörterbuch der indogcrmaniscbch
Sprachen. 4. Aufl., bearb. von A. Bezzciibcrger, A. Fick u.
W. Stockes. 1. H. Wortschatz der Grundsprachen der arischen
u. der westeuropaischen Spracheinheit Güttingen, Vnndeii-
hoeck & Ruprecht. XXXVIII. 580 S. 8. M. 14.
Llovd, R J. , Some researohes into the naturc of Vowel-
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Strong, Herbert, .\., Sogoman, W. S. and Wbeeler,
Benjamin Ide, Iiitroduction to the Study of tbe History of
Language. Longnians. 4ii6 ii. 8. 10 6.
Svahn, Oscar, Det niuntliga föredragets konst i tnl och
sang I. Stockholm, .Vlbert Bonnier. XI, H68 S. 8. Kr. 4,50. S.
Abhandlungen, germanistische, hrsg. von K. Weinhold.
8. Heft Zur Geschichte der alldeutschen Verskunst von
A. Heusler. Breslau, Koebner. VIII, 161 S. gr. 8. M. 5,40.
Bibliothek, bayerische. Begründet u. brsg. von K. v. Koin-
bardstoettiier und K. Trautmann. 19: Ilans Sachs von
E. Goetze. Bamberg, Buchner. 76 S. 8. (mit lllustr.) M. 1,40.
Bi elschow sky , A., Gcscliiebte der deutschen Dorfpoesio
im 13. Jh. I. Leben und Dichten Neidbarts v. Keuenthal.
(ii(
1891. Literaturblatt für germanisolie und romanische Philologie. Nr. 2.
70
Untersuchungen. fSonderdr.) Berlin, Mayer & Müller. VII,
294 S. gr. S<. M. 0,50.
Herder, J. C, Vom Geiste der ebräischen Poesie. Mit einer
Einleitung v(>rselicii von F. UotTnianii Gotha, Perthes. 2
Theilc. VIII, 2i)5 u. 310 S. 8. ä M. 2,40 (lübliuth. theol.
Kl.issiker 15d. :iO u. :il).
K.iwerau, \V., Thomas Murner und die Kirche den Mittel-
alters. Halle, Xicmeyer i. Conini. 103 S. 8. (Schriften des
Vereins für Ret'ormationsgeschichte, Nr. 30. )
Kippen borg, J. , Abriss der deutschen Literatur. Nach
dem , Handbuch der deut.schen Literatur'" von A. Kippen-
berg zusammengestellt. Hannover, Goedel. VIII, 32S S. 8.
M. 2.
Külinel, P., Die slavischen Orts- und Flurnamen der Ober-
lau.sitz. Gesammelt und erklärt. H. 1 CSonderdruck). Leipzig,
Kuehler in Comm. 53 S. S. M. 1.
Morgenstern, G. , Oddr, Fagrskinna, Snorre. Leipziger
Dissertation. 57 S. 8.
Morsch, IL, Goethe und die griechischen Bühnendichter.
Leipzig, Fuck. 55 S. 8. M. 2,50.
Ordbok öfver Svenska medeltidsspräket af K. F. Süderwalt,
Heft 12: m -nyr.
K a 11 i s c h , W., Die Volsungasaga. Nach Bugge's Text mit
Einleitung und Glossar hrsg. Berlin, Mayer & Müller. XVHI,
216 S. gr. 8. M. 3,60.
Wörterbuch, deutsches. Bd. VII f, 5, bearb. von M. Heyne:
reiten— Bind.
Zeh nie, Arnold, Über Bedeutung und Gebrauch der Hiilfs-
verba. I. soln und niiiizeii bei Wolfram von Eschenbach.
Hallenser Dis.=ertation. 55 S. ~^.
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tlie carliest to the latest tinies. New-York, Welch, Fracker
\ Co. 227 S. 12.
Hüfer, Paul, Alliteration bei Gower. Leipziger Disser-
tation. 82 S. 8.
Jusserand, J. J., The Euglish Novel in the Time of Shilke-
speaie. New ed. T. Fisher Unwin. 430 p. 8. 21/.
Klapprott, Ludwig, Das Ead-c in W. Langlands Buch von
Peter dem Pfliiger Text B. Güttingen, Deuerlich. M. l.
M i 1 1 0 11 's Arcades and Coraus. With Introductioii, Notes and
Indexes by A. Wilson Veritv. (Pitt Press Series.). Cambridge
Warehouse. 2S6 p. 12. 3/"
Miirley, Henry, English Writers: An Atterapt Towards a
Hi.stoiy of English Literature. Vol. 6. Cassell. 3(i0 j). Cr. 8. 5/
R u 1 e i g li , Sir Walter, and W o 1 1 o n , Sir Henry, The Poems
uf. CoUeoted and Authentieateil with thosc of other Courtly
l'oets , from 1540 to 16.50. Edit. , with an Introdu.-tion and
Notes, bv J. Hanuah. Portrait. ( AMiue Edition of the British
Poets.J New ed. Bell and Sons. XXXIV, 261 p. Fcap. 8. 2/6
S liakespeare's Tragedy of Guriolanus. Edit. by H. C.
Beeching. Longmans. 166 p. 12. 1
— — , A Midsummer Night's Dream. With an Tntroduetiou
by K. Deighton. Maoniillan. Fcap 8. 1 '8
Shakespeare, William, The Works of. Edit. by William
Aldis Wright. (Tlie Cambridge Shakespeare! New and
eheaper ed. In 9 vols. Vol. I. Macmillan. XLIV, 520 p. 8. 10 6
S h a k s p c re , W., Works. Paul, Trübner & Co. 1090 p. 8. 7/6
Shelley, P. B., Poetical Works. Edit. by Edward Dowden.
Macmillan. 720 p. Cr. 8. 7,6
Sheridan, Richard Brinslev, Life of. By Lloyd C. Sanders.
iGreat Writers.» Walter Scott. XII, 177 p. Cr. 8. 2 6
Skeat, W. W., Coneise Etymological Dietionary of the Eng-
lish Language 4th ed., further Revised, with Enlarged
Supplement. Clarendon Press. 620 p. Cr. 8. 5 6
Strathmann, Francis Hemy. A Middle Euglish Dietionary.
New ed., by Henry Bradley. Clarendon Press. 726 p. 8. 31 6
Tovey, Duncan C, Gray and hisfriends: letters and relics,
in grent part hitherto unpublished. Cambridge, Univ. Press.
Xn, 312 p. 8.
Wigston, W. F. C, Francis Bncon , poet, prophet, philo-
sopher, versus Phantom Captain Shakespeare, the Rosicru-
eiaii niask. London, Paul, Treneh, Trubner & Co. XLVI,
436 p. 8.
Wiiloby's Avisa. ,Willoby His Avisa, or the true picture
of a maid and of a chaste and coiistaiit wife". Reprinted
from the edition of 1633. Manchester, Spenser Society.
A p p e I , Carl , Zur Entwiokelung italienischer Dichtungen
Petrarcas. Abdruck des cod. vat. lat. 3196 u. Mittheilungen
aus den Hss. Casanat. A III 31 und Laurenz. Plut. XLf
Nr. 14. Halle, Niemeyer. 196 S. 8.
Bengesco, Georges, Voltaire: bibliographie de ses oeuvres.
T. IV (Schluss). Paris, Perriii et C\ fr. 15.
Benetrix, P., et A. de Oourcuff, Salustc Du Bartis.
Choix de poesies fran^aises et gasconnes. Auch, J. Capin.
66 S. 8.
Bertrand, J., Blaisc Pascal. Paris, Calmann Levy. XIV,
405 p. 8. fr. 7,50.
Bibliothek spanischer Schriftsteller, hrsg. von K. Kressner.
XI. Band: Sammlung spanischer Gediclite. Mit erklärenden
.Vnmerkungeii von A. Kressner. Leipzig, Rcnger. VIII,
200 S. 8. M. 3
Chabanenu, C, La Prise de Jerusalem, uu la Vengeance
du Sauveur, texte prov. p. en entier d'apres le ms. de In
Bibl. Nat. Paris, Maisouneuve. 59 p. 8. •
— — , La langue et la litterature limousines. Limoges. 16 S.S.
Cledat, L. L'Orthographe fran^aise, diseours de receptioii
ä l'Academie des sciences , belles-lcttres et arts de Lyon,
lu dans la seanoe publique du l'' juilh't 1890 Lyon, imp.
Plan. 18 p. In-S Extrait des Memoires de l'Academie des
sciences, belles-lettres et arts de Lyon fvolume 27° de la
classc des lettresj.
Dclboulle, A. , Les fahles de Lafontaine. Additions ä
l'histoire des Fahles. Comparaisons, rappruchements , notes
litteraires et lexicographiques etc. Paris, Bouillon, fr. 2,50.
Etudes Romanes dediees ä Gaston Paris le 29 deeembre
1890 (25" anniversaire de son Doctorat es lettresl par ses
eleves Francais et ses eleves etrangers des pays de langue
francaise. 552 p. Paris. Bouillon, fr. 20. [Inhalt: J. Be-
dier. Le fabliau de Richeut. — A. Beljame, La pro-
nonciatioii du nom de Jean Law le financier. — F. Bon-
nard ot, Trois textes en patois de Metz: Charte des
Chaiviers, la grosse Enwaraye, une Fiauve recreative. —
L. Constans, Notes pour servir au classement des nia-
nuscrits du Roman de Troie. — J. Cornu, Etudes sur
le poeme du Cid. — J. Couraye du Parc, Chants popu-
laires de la Basse-Norraaudie, recueillis par l'auteur. —
J. Flach, Le compagnonnage dans les chansons de geste.
— J. Gillieron, Remarques sur la vitalite phonetique des
patois. — D. Grand, Proelamation dun heraut en dialeete
montpellieraiu (1336). — L. Havet, L'S latin caduc. —
O. Huet, Remarques sur les redactions diverses d'une
chanson du XIII" siäcle. — A. Jeanroy, Une piece ar-
tesienne du XIII' siecle. - C. Joret, La legende de la
rose au moyen äge chez les nations romanes et germaniques.
— E. Langlois, Quelques dissertations inedites de Claude
Fauchet. — G. Monod, Les Annales laurissenses minores
et le monastere de Lorsch. A. Morel-Fatio, Duelos
y quebrantos — E. Muret, Sur quelques formes analogi-
ques du verbe francais. — H. O m o n t , Les manuscrits
fraue.iis des rois d'Angleterre au ehäteau de Richemont. —
A. Pages, La Version catalane de l'Enfant sage. — A.
Piaget, Chronologie des Epistres sur le roraan de la Rose.
— J. Psichari, Le Roman de Florimont, contribution ä
l'histoire litteraire, etude des'mots grecs dans ce roman. —
G. Raynaud, La Mesnie Hellequin; le poeme perdu du
Comte Hernequin, quelques mots sur Arlequin. — P. Rous-
selot, L'S devant T. 1'. C dans les Alpes. — A. Salmon,
Remedes populaires du moyen äge, M. Sepet, Übser-
varions sur le '^Jeu de la feuillee'" d'Adam de la Halle. —
A. Taverney, Phonetique roumainc, Ic traitement de Tj
et du Suffixe ULVM, VLAM en roumain. — A. Thomas,
Vivien d'Aliseans et la legende de Saint Vidian. — M.
Wilmotte, Gloses wallonnes du manuscrit 2640 de Darm-
stadt.]
Gaste, A., Bossuet, deux lettres inedites et documents nou-
veaux pour servir ä l'histoire de son episcopat ä Meaux.
1682-1704.^Caen, Delesques. 60 p. 8.
Gröber, Gustav, Verstummen des li, iii und positionslange
Silbe im Lateinischen. S.-A. aus Commentationes Wölff-
linianae S. 171 — 182.
Hatzfeld, A, A. Darmestetcr. .\. Thomas, Dietion-
naire general de la langue francaise du commeneement du
XVII" siecle .jusqu'ä nos jours, precede d'un traite de la
formation de la langue et contcnant : 1. la prononciation
figuree des mots, 2. leur etymologie, leurs transformations
successives, avec renvoi aux chapitres du traite qui les
expliquent, et l'oxemple le plus ancieu de leur emploi, 3.
leur sens propre, leurs sens derives et figures, dans l'ordre
ä la fois historique et logique de leur developpemeat, 4.
71
1891. Literaturblatt für germanische unü romanioche Philologie. N'r. 2.
des exemples tirÄs des meilleurs ccrivaiiis, avec indication
de la sourcc des eitös. Fase. 3. In-8 Ä 2 col., p. 145—224.
aspöritc — bercer. Paris, Delagrave.
Hoefer, Jiih., Uuber den Gebrauch der .\ppusition im Alt-
fran/.üsi.sc'hon. Ilallensor Dissertntion. 49 S. 8.
Hol seh er. M.. Die mit ileiii Suffix -iri/m, -iaciim gebildeten
franz. Ortsnamen. Strassburger Dissortation. 101 S. 8.
LangloiH, Krnest, Uu artibus rlieturicfe rhythmica; sive de
artibus poctiuis in Francia ante litterarum renovationem
eililis, (juibus versificationis nustra> le^es explicantur. Pariser
These. Paris, Bouillun. 8. fr. 4.
Ledieu, Ale, Essai sur les pavsans d'apres leg fabliaux.
Paris, Picard. 28 p. 8.
Le mystfere de St. Lnurent. Public d'apres la seule edition
gothique et accumpagne d'une intruduetiun et d'un glossaire
par \V. Söderhjelm et A. Waüensköld. Helsingfors. 177 p. 4.
Naetebus, G., üie niohtlyrisclien Strophenfnrmen des Alt-
französischen. Kin Verzeiehniss. Uerliuer Dissertation. 45 S.
S. [Die vollständige .\rbeit erscheint im Verlage von S.
Hirzi'l in Leipzig.]
Otto, Kieh. Altluthi ingischo geistliche Lieder. Abdruck nach
einer Müncticuer lls, i Aus , Roman. Forschungen".] Erlangen,
Junge. :« S. gr. 8. M. 1,20.
Paris, U., Dictionnairc generat de la langue fnin^aise du
coniniencement du XVIl' sieole jusqu'ä nos jours i)ar MM.
.\dolphe llntzfeld et Arsene IJarDiesteter. In-4, 39 p. Paris, i
Imp. nationale. Extrait du Journal des savants (octobrc et 1
novenibre 1890). i
Pitre, Gius., Bibliografia delle Tradizioni popolari d' Italia. |
Turin, Lneschcr. gr. 8. fr. 20. i
Kisop, \., Studien zur Geschichte der französ. Conjugation
auf -i>. Leipzig, Fock. 31 S. gr. 8. M. 1. 1
Rössel, Virgile, Histoire litteraire de la Suisse ronmnile des ,
origines ü nos jours. Tome IL Basel, Georg. 637 S. gr. 8.
M. (>.
Suchier, Ilerni., Qiiielus im Romanischen. S.-A. aus Com- l
mentaliunes Woelfflinianae S. 71 — 75.
Tob 1er, Ad., Vom Gebrauche iles Impcrfecium Futuri im
Romanischen. Sitzungsberichte der Berliner Akademie 1891.
V, 12 S. S.
Tuurtoulon, Ch. de, Des dialectes, de leur Classification '
et de leur ilelimitation geographique. Paris, Maisonneuve.
60 p. 8.
Vollmöller, Karl, Sp:niische Funde. I— HL [Aus „Roman.
Forschungen".] Erlangen, Junge. 53 S. gr. 8. M. 1,50.
Wiechmiinn, Iv, Provenzalisches geschlossenes e nach den
Grammatiken, Reimen der Dichter und neuprovenzalischcn
.Mundarten. Leipzig. Fock. [Sehluss der 1881 als Hallenser
Dissertation erschienenen Arbeit: Ueber die Aussprache
des prov. c]
Literarische Mitthciluiigen, Personal-
na eil rieh teil etc.
Im Verlage von Ma.t Xiemeyer in Halle wird unter iler
Leitung von Gustaf Ce d e r seh iö Id in Lund, Hugo Gering j
in Kiel und Eugen Mogk in Lci[izig eine Sammlung alt-
isländischer, bez. altnorwegisclier Sagas unter dem gemein- '
Samen Titel „Altnordische Sugabibliothek" erscheinen. Zu- |
nächst iÄ die Herausgnbe f(dgcnder Sagas beabsichtigt: '
\. Historische Sagas: Droplaugarsona saga; ICgils saga Skalla-
grimssonar : Kyrbyggja saga; Gisla saga Sürs.?onar; Grettis
saga; Gunnlaugs s:iga; lläkonar saga lläkunai s^nar ; Heim-
skringla : llrafakels siiga; Islondingabök ; Jönisvikinga saga;
Knytiinga saga: Laxdoela; N jäla ; Sverris saga; Vi'ga-Gliims
saga. II. Mythiscli-lieroische Sagas: Fridpjöfs saga; llälfs
saga ok Hiilfsrckka; llervarar saga; ürvar-ÜMs saga ; Kag-
nars saga lodbrökar; Vylsuuga Siiga. IIL Romantische Sagas:
Bnriaams saga: Flöres saga nk lüankifliir ; Iveiits saga : Karla-
magnüs saga; Miigus saga; I'idreks saga. Xeben den com-
menlirten Te.ilausgiibeu wird der Sagabibliotliek auch ein
Glossar der altnordischen Prosasprache einverleibt werden.
Ferner wird beabsielitigt, in die Sagabibliotliek ein Handbuch
der Realien aufzunehmen.
E. Kölbings mit Itenutzung niler Handschriften her-
gestellte neue Ausgabe der Ancren Riwie soll demnächst in
Druck gehen.
Gastun Paris wurde zum .Mitglied der Petersburger
.\kademie ernannt.
Prof. Dr. Behrens in Jena folgt einem Rufe an die
Universität Giesseu.
Zum Professor der deutschen Sprache und Literatur am
Queen's College in London ist Dr. C. Merk ernnnnt worden.
Dr. Robert Rein seh, bekannt durch eine .\rbeit über
die Pseudo-Kvangelien von Jesu und .Maria Kindheit sowie
durch eine .\usgabe des Bestiaire von Guillaume le Clerc,
wurde Ende December in Kreta ermordet.
t zu Kopenhagen K. Gislason, 83 Jahre alt.
t 8. Januar in Charlottenburg der Oberlehrer und Privat-
docent zu Leipzig Dr. F. T e c h ni e r.
t der u. a. durch seine Arbeiten über die Dialekte von
Otranto und Bova rühmlichst bekannte Professor G. Morosi.
Antiquarische Cataloge: Joseph son, Upsala
(Indogerm. Linguistik); Neubner, Köln (Kultur-, Sitten- u.
Rechtsgeschichte); Otto, Erfurt (Franz., Engl., Ital., Span.,
Port.); Ri c k e r, Gicssen (Theater) ; Sattler, Hmunschweig
(Sprachwissensch., deutsche u. rom. Spr. u. Lit.); W ei gel,
Leipzig (Deutsche Sprache u. Lit.).
Abgeschlossen am 10. Foiinwir 18til.
•^ Literarische Auzeigeii. ><>•
Sammlnng von Compendien für das Studinm und die Praxis.
Soeben ist in obiger Sammlung neu erschienen — Ab-
teilung Philologie und Verwandtes —
Bd. III: Zoeller, I>r. Max, Gnindriss der Geschichte der
römischen Litteratur. 22' « Bog. t^". Eleg. broch.
Mk. i.i;0. eleg. gcd). in Compendien-Band Mk. 4,20.
Trülier erschienen :
Bd. I: Körting, Dr. (i., Grundriss der Geschichte der eng-
lischen Litteratur von ihren Anfängen bis zur Gegen-
wart. 27 Bog. 8°. Eleg. broch. Mk. 4,-, eleg. gebd.
in Comp-Hd. -M. 4.S0.
Bd. II ; .Junker. Dr. IL. Grundriss der Geschichte der
französischen Litteratur von ihren Anfängen bis zur
Gegenwart. 27 Bog. S". Eleg. brocli. .Mk. 4, — , eleg.
geb.l. in Comp.-Bd. M. 4,80.
Bez. Beluinrllung des Stoffes knapp aber durchaus auf
wissenschaftlicher Höhe gehalten, sind diese kurzen Lehr-
bücher für die Repctition der Studierenden von unschätzbarem
Nutzen und für die Praxis von dauerndem Wert.
Zu beziehen durch jede gute Buchhandlung oder auch
direkt vom unterzeichneten Verleger
Heinrich Schöningh, Münster i. \V.
Hiermit erlaube ich mir die Anzeige, dass ich nach sieben-
jähriger Arbeit die
Huiiiiiiiische Litei'iitur^cschichte
vollen let habe. Das Werk, das erste in deutsolier Sprache,
war für Wilhelm Friedrich, k. rum. llotbuchliändler bestimmt;
da es aber den festgesetzten Umfang von 8—10 Bogen erheb-
lich überschreitet, Herr Friedricdi Auch noch nicht einmal
einen bestimmten Zeitpunkt für die Veröffentlichung festsetzen
kann, moclite ich es selbst herausgeben.
Ich habe nicht nur die besten vorhandenen Hilfsmittel
gewissenlmft benutzt, sondern auch von den meisten Schrift- _
stellern etwas, die bedeutendsten ganz gelesen unil ilafür'
Hunderte ausgegeben. Die liter. Führer iIcs Landes haben
mich ausgezeichnet und, wo die Bücher versagten, bereit-
willigst ausgeholfen, so dass ich das Werk bis auf die Gegen-
wart habe foiifülireu können, was bisher nicht geschehen ist.
Zeugnisse zur Verfügung.
Finde ich bei di>n Herren Fachgenossen für einen nenuens-
werthen Bruelitlieil der nötliigen Kosten Deckung, so werde
ich den Druck beginnen und das Werk, wenigstens den Vorher-
bestelleru, im Herbst 1891 l'iir i .Mark posifrei zusenden.
Ich bitte also die Herren, welche dns Buch wünschen, mir
dies durch Postkarte baliligst mittheilen zu wollen.
Aclituugsvidl orgebenst
Dr. Rudow,
Mitglied gelehrter Gesellschaften u. s. w. Wernigerode a. Harz.
Titel mitl KcgisttM- /iiiii \I. .lahiAang werden gleichzeitig mit «lie.ser Xminiiei- geliefert.
Verantwortlicher Rcdacteur Prof. Dr. Fritz Neumann in Heidelberg. — 0. Otto's Hofbuchdruckeroi in Darmsladt.
LITERATURßLATT
FLU
liKHMANlSOHE UND ROMANISCHE PHILOLOGIE.
mCRAUSGEGEBEX VOX
D" OTTO BEHAGHEL
o. ü. Professor der g-ermaiiis(;hen Philologie
HO der Universität Gicssen.
UND
D^- FRITZ NEUMANN
Professor der romanischen Philologie
an der Universität Heidelberg.
F.i'sclieiiit monatlich.
VKRL.iG VOX
0. R. REISLAND, LEIPZIG.
Preis balbjälirlichyn. 5
XII. Jahrgang.
Nr. 3. 3Ij'irz.
.'s r u g ni n n n . Grundriss der vergl. Grammntik der
indogerni. Sjtrachen II. 1 (ßehaghel;.
<* e U 0 r s e h i öl d . Kaifdrapet och vänprüfningen
«G o 1 1 h e r .
U e u s ) e r , Der LJüthuhattr <K a h I e).
Buitcnrust llcttcnia, Het Nederduitsch Glos-
sarium VHti Hern (.S [) r c n gc rj.
Siebs. Zur Geschichte der englisch-fries. Sprache
> J el 1 i n ekl.
Diilschke, Die Rhythmik der Litanei meusler).
P o 11 e , Wie denkt das Volk über die Sprache (B e -
h a g h elj.
.\ b e I . Die deutschen Personennamen iBehaghel).
W i s (■ r . Da^i Yerhällniss der Minneliederhss. ß und
(' 7-n ilirer (Quelle (Behaghelj.
0 1 1 e n , The Language of the Rushworth Gloss to
the Gospel of .St. Matthew iBül bring).
51 e n n u n g , Der Bei Ineonnu des Renaut de Beaujeu
in seinem Verhültniss zum Lybeaus Disconus, Car-
duinu und Wigalois (K a 1 u z a).
Ungemach, Die Quellen der ni^ersten Oberer
Plays (Such i e r). \>^
De L o 1 1 i s , -Trattato provenzaN. ^ penitenza ■ ^
(Levy). >/ü/n Ox'
Scartazzini, Prolegomena della Diviii^hoMtietAa z^''
(Kraus). _
Studer, Walliser und Walser (Neumann).
Bibliographie.
Literarische MittheiJungen, Personal-
nachrichten etc.
Brngmaiin. Karl. Grundriss der vergleichenden
Grammatik der indogermanischen Spraclien. Zweiter
Band, erste Hälfte. .Strassburg, Trübner. 1889. 462 S. S. JI. 12.
Die stauiienswertlie Aibeit.skiatt und Gelelir.saiiikeit
üiutrmaniis liat uns nach Verlauf kurzer Frist wieder
mit einem stattliclien Bande besclienkt. Er behandelt
4ie Xoijiinalcumposita, die reduplicirten Xominalbildung^en,
Ndmina mit stamiiibildeuden .Suffixen, Wurzeluoniina.
Alles ist aufs SDi-gfältigste abgewoji'eii : wir begegnen
einer Fülle von neuen Gedanken, von Erörterungen,
dfiieii wir alle Belierzigung wünschen müssen. Ich ver-
weise auf die vortrefflichen Vorbemerkungen, auf die
Iiarlegungeii über die Bedeutung der C'onjjKfsita, über
.lif uriiidogermanische Form der Dvandvas. .Seiir förder-
liili ist, dass die .Snflixe eine doppelte Behandlung er-
fahren haben, die eine ausgehend von der Form, die
lindere von der Bedeutung. Gerne möchte man gelegent-
üih eine grössere Freigebigkeit in den Literaturangaben
wünschen. So dürfte z. B. Mancher di" Hidthausensche
iVutung von reqiinlivaliano nicht ohne llülie auffinden
(S. 70).
Giessen. 0. Behaghel.
("ederschiöld, Gustaf, Kalfdräpet och vänpröfningen,
Ott bidratj tili kritiken af de isländska .sagoruus tiovärdigliet.
r.und, Gloerups türlag. 1890. 41 S. kl. S.
Trotz seines geringen Umfangs ist das Schriftchen
>iii sehr wichtiger und werthvoller Beitrag zur Ge-
M-hichte der Islendingasrigur. Jlaii hat sieh längst daran
livwölint, zwei Hauptklassen auseinander zu halten, die
iiistorischen, welche wirkliche Ereignisse aus der Saga-
zeit (874 — 10.30) schildern, und die unhistorischeu, er-
dichteten, mythischen. Doch auch die ersteren enthalten
trotz des unanfechtbaren geschichtlichen Kernes mehr
"der Weniger rein erfundene Zuthaten, welche zur .\us-
>climückung der Erzählung dienen, und im Laufe der
iiiüiidlichen Ueberlieferung, oft auch erst bei der litera-
rischen Niederschrift im 1.3. Jahrhundert hinzugefügt
'■vurden, so dass bei ihnen der Stoif zerfällt in einen
wirklichen nnd in einen unwirklichen, erfundenen Theil.
lias Verhültniss der beiden zu einander ist bei den
einzelnen Stigur sehr verschieden, bald übei'wiegen histo-
rische, bald ertlichtete Züge. Bereits den Isländern im
!2. .Jahrlinndert waren diese Umstände wohl bekannt.
Die Sturliingastelle, welche die Kurzweil der Männer
beim Hochzeitfest zu Reykjahölar (1119) beschreibt, lässt
zwei Punkte erkennen: 1. es gab Sagen, deren erdich-
teter Inhalt ausser Zweifel stand, die sich aber an Per-
sonen knüpften, deren historische Existenz beglaubigt
war; 2. es gab bereits damals manche auch unter den
verständigen Leuten, welche solche erfundene Gescliichteii
für wahr hielten. In der zweiten Hälfte des 10. .Jahr-
Imnderts spielt die Vigaglümssaga, die sich vornehmlich
mit der Fehde des Glümr gegen seine Nachbarn die
Esphoelingar beschäftigt. Ein grösseres Stück, welches
in der Saga vorkoinnit, ist der aus dem Anfang des
12. .Jahrhunderts stammenden lateinischen Auecdoten-
sammluug 'disciplinu clvrirtdis entnommen: die Freuiid-
schaftsprobe. Ein alter Mann räth einem .Jüngling,
die Treue seiner Freunde zu versuchen. Ein Kalb wird
getödtet nnd in einen Sack gesteckt: mit diesem begibt
sich der juiige zu seinem Freunde nnd gibt an, er habe
einen Mord begangen. Zum Wahrzeichen weist er den
blutigen Sack vor; in diesem sei die Leiche verborgen,
der Freund solle ihm dazu behilflich sein, sie heimlicli
zu verscharren. Der aber mag nicht die Gefahr einer
gehelilten Schuld auf sich nehmen und weist den .Jüng-
ling ab. Dagegen gewährt der Freimd des alten Mannes
dem .Jüngling alsbald die nachgesuchte Hilfe. Diese
ganze Episode mit allen Einzelheiten, aber auch mit
selbständigen Neueriuigen und vortrefflich der isländischen
Umgebung angepasst, so dass man beim ersten Blick
ihre fremde Herkunft nicht ahnt, kehrt in der Gli'ims-
saga wieder. Glümr vertritt die Stelle des alten Mannes,
des .\i'abers nach der disc. der., Ingölfr ist sein Schütz-
ling, der Sohn des Arabers nach der diso. der. Nicht
um das Begraben der Leiche W'ird der Freund, Porkell
in der Saga, angegangen, sondern tun Schutz gegen die
Blutrache, welcher Ingölfr dui'ch den Todtschlag aus-
gesetzt ist. -Auch der Eingang der Geschichte ist
originell umgebildet, wie sieli Glümr mit seinen Leuten
über die besten Freunde eines jeden untei-hält. Die
wichtigste .Aenderung geschah aber in Bezug auf das
Kalb, wo im Isländisclien ein Wortspiel eintrat und
dadurch dem Ganzen der Charakter einer fein einge-
fädelten Intrigue verliehen ward. Auf das Geheiss des
Glümr tödtet Ingölfr im Stalle ein Kalb; dem I'orkell
6
lä'Jl. Literaturblatt für (jermanUcliu uii<l lunianische l'bilolugic. Nr. 3.
ib
tlifilt t-r mit. t-r iiabe das Stallkalb hlödu-kälfr er-
schlagen: da Ingölff mit einem Jlaniie Namens lüitfr
i SfoJdu-Hlödii iider Hlüdit-Kfil/'r verfeindet ist, be-
zieht natürlich Purkell die Aussafre auf einen an letz-
terem beüJUiL'enen Todtschlas'. In derselben Nacht tödtet
tili'imr selbst wirklich den Kalfr. In^idfr aber wird wefren
der Tliat vertolijrt. doch mit (ilüms Hilfe jyerettet und
endlich kunnnt der wahre Sachverhalt au den TaiLr. Im
zweiten Abschnitt S. 19 ff. weist Cederschiöld srenau
nach, wie der isländische Bearbeiter zu dieser Tnibil-
duufr kam. wie alle die neuen Jlotive völlijr ini Charakter
der liinmssafra und der Islendiuirasujrur überhau|it be-
{jründet und unschwer ilaraus zu erklären sind. Es be-
durfte sai" keiner besonderen Anstrenunn? von Seiten
des l^landers, um der ausländischen Fabel ein einhei-
misches tJepräj^e zu geben: fast von selber boten sich
ihm die Punkte dar. wo er auch wirklich angesetzt hat.
Aus dem Verhältniss dieser Episode zur übrigen Er-
zählung wird durchaus einleuchtend ihre rnurspriinglich-
keit. ihr s])äter Einschub in das Crefüge der ganzen
Saga nachgewiesen. Die Zeit der Einführung dieser
Episode in die (Tlüma lässt sich nicht sicher bestimmen;
doch meint t'ederschiöld S. 35, sie sei eher noch während
der mündlichen reberlieferung. als erst bei der Nieder-
schrift erlolgt. Es bemisst sich demnach dieser Abschnitt
wie der aus der Tristansage stammende Spcxdpdttr der
Grettissaga u. a. m. (vgl. S. IH). S. o.i t1'. stellt Ceder-
schiöld nucii kurz diejenigen Züge zusammen, welche in
der Gliinia gleich wie in den andern Islendingasogur oft
Verweiulnng linden und rein sagenhaft sind.
l>er \'erfasser hat mit seiner dankenswcrthen, schiinen
und klaren Abhamllting von Neuem dargethan. wie wichtig,
freilich auch oft wie schwierig es ist. im Inhalt der
historischen IslendLugasogur Wahrheit und I »ichtung vim
einander zu scheiden. Jlan möchte wirklich fast mit
Fr. .lessen von historischen Romanen oder Novellen
sprechen: jedenfalls wurde grossentheils die geschicht-
liche Grundlage in liewnsster dichterischer, für unter-
haltende I arstellinig berechneter romanhafter Form mit
vielerlei zu verschiedenen Zeiten angefügten Zuthaten
wiedergegeben. Endlich aber lehrt uns Cederschiölds
.\rbeit recht eindringlich, dass man bei der Beiirtheihiug
isländischer tieisteserzeugnisse zu allen Zeiten nimmer-
mehr einseitig niu' bei rein isländischen Verhältnissen
stehen bleiben darf, vielmehr den (iedankenkreis der
andern abendländischen Kulturvölker unbedingt bei'ück-
sichtigen muss. lUe steten und engen Üerührungeu, in
welchen die Isländer und zuvor schon die N'irwegor der
Wikingerzeit mit andern hochentwickelten Kulturen
standen, brachten es geradezu mit Nothwendigkeit mit
sich, dass in ihre eigenen Schöpfungen sehr viele, aber
meistens auch höchst originell behandelte fremde Be-
standtheile aufgingen.
München. Woifgaug Golther.
Heiisler, A., Der L.jöbahättr. Kine mctriselie Unter-
sucliuiig. (Acta gerniaiiica I, Heft '^.) Berlin, Mayer &
Müller. ISitO. M. 2.40.
Die .\ngritfe gegen die Sieverssche liehandlung iler
Allitteraliiinsmetrik mehren sich. Nachdem Hollory und
seine .Schüler Ilerrmann und Kanisch. ohne gegen das
Wesen derselben Einsju-ache zu erheben, sich gegen die
willkürliche .Anwendinig des Fünftypeiisystems gewendet
und an den F^inzclheiten desselben gefeilt hatten (vgl.
Ref. Ltbl. X, H.") fl.), erhoben von anderer Seite gewich-
tigeren Widerspruch .Alöller und Hirt, dieser vom Alt-
engl.. Jener vom Althochil. und Altsächs. ausg.hend.
Ihnen sehliesst sich in seiner Betrachtung des altnord.
Ljöjiahättr .jetzt Heusler an. AVie verschieden sie an '
besonders Hirt im Gegensatz zu 5Iöller und Heusi
den altgerm. alliterirenden X'ers betrachten (vgl. Heuslci
Ltbl. XI. 219 ti'.). so sind alle drei iloch im Gesrensatz
zu vSievers darin einig, dass er ein taktirender gewesen
ist, und dass man wohl durch Sievers erfährt _was zu
lesen ist", aber nicht .wie es zu lesen ist" (S. 97).
Darin aber gehen Heusler und Hirt wiederum zusammen,
dass sie die grossen Verdienste, welche Sievers sich durch
seine statistischen Aufstellungen erworben hat. uiibediiiL'!
anerkennen, während Midier ..sich mit einiger Leidrn-
schaft gegen die .Sieversschen Ty])en wendet und darin
ungerecht ist" (S. 100). Auf dem Boden nun der
Möllerschen l'ntersuchtuigen stehend, kommt H. unter
Anführung eines genauen Zahlenmaterials zu folgendi-n
Resultaten: ..Die unpaarige Kurzzeile des Ljöl>ahätlr
ist ein \'ers von zwei Takten" (S. IUI): _wer sich vcn
der Zweitaktigkeit der Kurzzeile überzeugt hat. kann
an der Zweitaktigkeit des zweiten Halbverses schwerlich
zweifeln "", „an der Zweitaktigkeit des ersten Halb-
verses endlich ist wohl nie gezweifelt worden. So er-
gibt sich denn eine Strophe von 12 Takten" (S. IH.ii.
Im weiteren Verlauf seiner Abhandlung kommt dann 11.
noch zu folgenden Aufstelhuigen für die Ljöliahätlrkurz-
zeile: ..Der Versausgang ist entweder stinniif oder voll,
nicht klingend" (S. 139). [Ein stumpfer Takt ist z. D.
iiiikel — - XX (rr); ein klingender rikc =^ .ix(r): ein I
voller fuf/rratipr = .ii; r = Viertelpause (S. lOH-
109).] ...\ni häutigsten verbindet sich mit vollem Schluss-
takt klingender erster Takt oder stumpfer innerer Auf-
takt" (S. 142). „llit stiniipfem Schln>stakt kann sich
einhebiger i^'ster Takt nur daun verliinden. wenn Auf-
takt vorausgellt: mangelt iler Auftakt, so muss mindestens
einer der beiden Takte voll sein". Auch die .,ge])aarten
Ktirzverse" unteisncht H. genau bezüglich der A'er-
theilung der Auftakte, der stumpfen etc. Eingangs- und
Schlusstakte, ohne Jedoch seinem Jlaterial gleich be-
stimmte Ergebnisse abzugewinnen wie bei Betrachtuni;
der Kurzzeile. Zum Schluss sucht H. (S. ItiS) ein Hihi
von dem rythmischen Aufbau der LJöl)ahättrstroplie zu
entwerfen und gibt eine .\iizalil Strophen, wie er sich
dieselben vorgetragen denkt.
Schritt für Schritt ist der X'erf. vorwärts geganaen
und hat versucht inis den Bau der Strophe durchsichti:;
und klai' zu niadien. tileichwohl müssen wir uns dei
in Zs. f. d. Phil. XXIll, 127 ausgesprochenen Ansicht
anschliessen, dass auch mit dieser Arbeit ,,das letzte
Wort über den LJöliahättr noch nicht gesprochen ist".
Zu Vieles scheint noch dem subjectiven Emptinden des
Einzelnen überlassen zu sein. Wie die Beschäftigung
mit der altgerm. Jletrik in den letzten .laliren stets an
Sievers anknüpfte, ob auf dem von ihm (iefmidenen
weiterbauend oder in Pidemik gegeu Ihn, so wird man
zunächst zu warten haben, wie Sievers sich' gegen dir
erhobenen Einwände stellt und in wie weit er sein
System vertheidigen wird. Hoffentlich geschieht dies
bald und fülnt zu einer Einigung der Jetzt noch sich
widersprechenden .Meinungen, die mir nicht unwahrschein-
lich zu sein scheint.
Berlin. B. K;ihle.
1891. Litcifttuiblatt für (»ormanische und romaniBche Philologie. Nr. 3.
78
Het Nederdnitsch Olossarinm van Bern. Bcworkt door
K. Buitonrust Hettema. Tc OioMiiiifcn bij J. li. Wol-
ters. (liil)liotlieek van Miildflnederlandaclie Letterkuude
43. afl.) XXXIV, 95 S. 8.
"Wir cibalten hier einen vollständigen Abdruck des
schon von Graff, Diutisca II, 195—230 und Hoffmann
von Fallersleben, Horae Belgicae VII iin Auszuf^-e ver-
öffiMitliibteii mnl.-lat. Glos.'iarinms der Stadtbibliothek
Hern. In der ansfiilirlicbcn Einleitung' bandelt der Hrsg.
haniitsachlieli über das Verbältniss des Hemer zu anderen
Glossaren. Dagegen behält er sich über die Sprache
der Sammlung noch eine genauere Untersuchung vor,
wenn er sie auch schon jetzt den östlichen Niederlanden
•zutheilt. An den Stellen, wo der Te.\t verstünnnelt oder
durch Schreibfehler entstellt ist, trifft des Herausgebers
Herstellung meist das Richtige. Nur S. 40 Anm. 1
rührt die angeführte Parallelstelle nicht zur Erkenntniss;
St. kot ist koc ^^ cocus (=^ coquus: s. Ürelli inscript.
lilß. 4165 seq.) zu schreiben. Unzweifelhaft ist das
(ilossar füi- die Erklärung mnl. Sprache von Wichtigkeit.
Ferner findet z. B. ka = monedula, w-elches bei Gerb.
v. Minden 12, V. 11, 12 vom Hrsg. in krä geändert
wurde, liier weitere Bestätigung. Ausserdem mochte ich
noch Folgendes hervorheben. Neptunus wird S. 50 durch
Xccker (ahd. iiihlius) wiedergegeben. Jetzt bedeutet
i/irker im Nl. 'böser Geist, Teufel'. Ferner strix (S. 29)
durch hdf/etisse (Hexe). Zur Erklärung dient, dass die
'( ilireule' nach den märchenhaften Vorstellungen der Alten
den Kindern in der Wiege das Blut aussog und giftige
Milch aus eigenen Brüsten einmelkte. Auch von den
genuanischen Völkern werden aber der Eule „'lein
Li'icliliun" übernatürliche Kräfte zugeschrieben.
Xortheiin. R. Sprenger.
Siebs, Theodor, Zar Geschichte der englisch-friesischen
Sprache. I. Halle, Max Xieineyer. 1S89.
Es ist mit Freuden zu begrüssen, dass das wissen-
schaftliche Interesse sich in der letzten Zeit mehr als
fiüliei' dem Studium des Friesischen zuwendet. Während
bisher aus dem Gebiete dieses Dialekts mehr oder weniger
mir Paradebeispiele für unzweifelhafte Thatsadien und
(iesetze des germanischen Sprachlebens entnommen wurden,
ist jetzt die Erviartung nicht unbegründet, dass das
Friesische dazu beitragen werde, manche Räthsel der
Sprachgeschichte aufzuhellen, vielleicht aber auch manche
scheinbar gesicherte Errungenschaft der germ. Linguistik
umzustossen.
Der Verfasser des vorliegenden Werkes, von dem
bisher der Vokalismus erschienen ist, betrachtet sein
Buch als Vorarbeit zu einer altfriesischen Grammatik.
Er will einen Ueberblick über das fries. Spracligebiet
sowie über die literarischen Hilfsmittel zum Studium des
Friesischen geben, das Verhältniss des Fries, zum Ags.
erörtern und die Bedeutung der neufriesischen Dialekte
für das Studium des Altfriesischen klarlegen.
Auf den letzten Punkt ist das Hauptgewicht zu
legen. Der grosse Werth des Buches besteht darin,
dass der Verfasser selbst aus dem Munde des Volkes
geschöpft hat, das gewonnene Material in klar verständ-
licher Transsciiption vorführt und in den Rahmen einer
historischen Darstellung einzureihen weiss. Dass dabei -
Vieles noch dunkel geblieben ist, wird bei den geringen
^'orarbeiten dem Verfasser niemand verübeln.
Nach der Meinung des Verf.'s gab es etwa im 2.
oder 3. Jh. n. Chr. eine engUsch-friesische Sprache. Die-
selbe theilte sich in einen englischen und einen friesischen
Zweig — wobei jedoch Berührungen des Ags. mit ein-
zelnen fries. Mundarten und umgekehrt nicht geleugnet
werden — , das F'riesisciie zerfiel in zwei Gruppen, das
Westfriesische und das Xordostfriesische, welch letzteres
wieder die höhere Einheit für das Ostfriesische und Nord-
friesische und ihre Unterdialekte ist. Nach einer kurzen
Uebersicht über das englisch-friesische Vokalsystem und
die Abweichungen des urags. werden die Schicksale der
einzelnen gerin. Vokale in den ags. und friesischen Jlund-
arten behandelt. Hierauf wird eine Darstellung der
Verwandtschaftsverhältnisse der friesischen Mundarten
auf Grund des Vokalismus gegeben, d. h. es wird ein
urfriesisches Vokalsystem aufgestellt und dann über die
Abweichungen des Ostnordfriesischen, des Ostfriesischen,
des Nordfriesischen, der einzelnen modernen ost- und
nordfiiesischen Mundarten, ebenso des Westfries, und
seiner Unterdialekte von jenem urfries. .System Bericht
erstattet. Den Schluss bildet eine ausführliche Biblio-
graphie und ein Wortregister.
An dieser Art der Darstellung möchte ich das aus-
setzen, dass man über jene umfassenden Lanterscheinungen,
die das ganze Sj'steni des Vokalismus beherrschen, keine
klare Uebersicht erhält. Ich hätte gewünscht, dass der
Verf. in dieser Beziehung etwa dem Beispiel von Sievers
in seiner ags. Grammatik (g 65 ff'.) gefolgt wäre. So
wäre es sehr nützlich, wenn zusammenhängend über den
Umlaut gehandelt wüi'de. Das hätte auch den Vortheil,
dass gewisse kleine Widersprüche und Inconcinnitäten
vermieden worden wären. Der Verf. schwankt, ob er
den ('-Umlaut dem Engl. -Fries, zuerkennen soll, aber der
Grad seiner Ungew'issheit ist ein verscliiedener, vgl.
einerseits S. 33 f., 240, 289, anderseits 97, 168, 182;
nach S. 79 und 117 ist der Unterschied von ags. w
und e ein Unterschied der Zeitdauer («? erhalte vor
Dauerlauten Vorzug), nach S. 33 und 100 ist ce in ge-
schlossener, e in offener Silbe berechtigt. Znsammen-
gehöriges ist anseiiiander gerissen. Neben umgelattteten
Formen bestehen unumgelautete bei ö S. 239, bei u
S. 253 f., gewisse Consonantenverbindungen hindern den
Umlattt S. 264, ebenso iv S. 279 Anm.'
Auch über den w-Einflnss wäre eine einheitliche
Darstellung nothwendig gewesen; ein Ansatz dazu S. 135.
Das IV übt verschiedene Wirkungen auf benachbarte
Vokale aus: es dunkelt folgenden Vokal S. 41, 135, 139,
140, 142, es erhält a S. 72, wandelt e zu « S. 121,
e zu d S. 257, a zu i S. 98, / zu // S. fl9, 213, /
zu ce S. 140. Aehnliches gilt vom Einfluss der Palatale.
Ueber die Mouillirungserscheinnngen wird hoffentlich der
Consonantismtis Klarheit bringen.
Dringend empfand ich den Mangel einer Erörterung
über geschliffenen und gestossenen Accent, über die Be-
dingungen, unter denen sie auftreten resp. über die Un-
kenntniss dieser Bedingungen; einige Andeutungen S. 196,
199, 227, 244.
Alle diese Ausstellungen beziehen sich auf die Form
des Buches; was die einzelnen AnfsteUuugen des Verf.'s
betrifft, so beschränke ich mich hier wesentlich auf die
Erörterung einiger Punkte, die für das Westgerm, im
Allgemeinen von Wichtigkeit sind. Nur eine Erscheinung
der speciell altfiies. Sprachgeschichte möchte ich ins
Auge fassen. Der Verf. erklärt S. 173 das e im PI.
Praet. brdon als Schwächung aus tr. von einer Ein-
' Warum das e der Participia wie skelev, heilni liciin
Umlaut des o und nicht bei dein des n behandelt wird, ist
mir unklar 'geblieben.
7
79
1891. LiterAturblntt fOr germanische und romanische Philologie. Nr. 3.
80
Wirkung dos Particips {beden) könne keine Rede sein,
da in dtii iHiriv'<n Vt-ibalklassen PI. I'ract. und Ptip.
niclit übiii-iiistiininten. Das ist nii-lit liclitig-. Ueber-
einstinnnuii!:C lag vor bei der ej-Klasse, ferner (bloss
qualitative) bei der Klasse e -\- Liqn. und e -f- Muta
(vgl. das vom Verf. .S. 20.3 angesetzte *stel<m und
s/f/fw S. 1()9). Sollte die .Analogie der letztgenannten
Klassen entijclieidend gewesen sein, so hätte man liidon
V.W seil reiben-.
Ich iiabe obi-n die Meinung ausgesprochen, dass die
genauere Kenntniss des Fries, vielleicht zur Umstossung
vieler für sicher geltenden Meinungen über germ. Laut-
verhältnisse führen werde. Ein Beispiel dafür ist
niöglirherweise die verschiedene Gestalt, die gerra. •itv-J-
und -iir^j- im Fries, aufweisen: vgl. S. 153 und S. 204,
2M7. Es heisst afrs. nie aber friiiire, troiiwe (fidelis),
in der modernen Wangerooger Mundart tn aber trau
und iriau. Daraus seheint zu folgen, dass der Zusammen-
fall von iw-j und iir\j nicht allgemein westgerm. war.
Nun haben sich zwar Kögel Beitr. IX, 5,34 Anni. ähn-
liche Bedenken bezüglich atf-j und (iir\j aufgedrängt;
vielleicht lässt sich aber doch die bisherige .\nsicht
retten. Jlan müsste dann von der Xominatiform *iiiire
(< *viici) ausgehen und Dehnung des * in offener Silbe
annehmen. Zwar ist eine solche Dehnung für das Nord-
fries, im .Allgemeinen nicht zuzugeben, aber es wäre
denkbar, dass die .'Stellung vor w hiei- entscheidend war.
l)arauf deutet vielleicht die Silder Form iit^)j, deren 3
doch auf irgend eine Art für ic eingetreten sein muss.
Anders fasst das Gesetz van Helten § 86«.
Bisher war man geneigt anzunehmen, dass die Formel
-ijo- westgerm. zu -iu- werde, also mit dem Diphthong
znsammenliel; allein die Entsprechungen der neufries.
Dialekte für 'Freund' zeigen einen andern Laut als für
germ. eu (iu). Allerdings finde ich unter Siebs' Bei-
spielen für in kein Wort, das sich mit voller Sicherheit
heranziehen Hesse.
Zum Schluss einige Bemerkungen über die Recon-
struction der englisch-friesischen Sprache. Der Aus-
druck 'Sprache' scheint mir nicht gerechtfertigt. Ich
will hier nicht wiederholen, was über Stammbaum- und
Ucbergangstheorie gesagt worden ist, niiichte aber darauf
hinweisen, dass niemand von einer oberdeutschen Sprache
redet, obwohl Alemannisch und Bairisch sich in ahd.
Zeit nahe genug stehen. Auch beim Englischen und
Friesischen handelt es sich niu- um partielle Ueberein-
stiuinnmgen, die gar nicht einmal so zahlreich sind.
Als Hauptargumente für eine engl.-fries. Gemein-
sprache bezeichnet der Verf. (S. 35) die Tonerhöhung
des a zu «', die Dunkelung des a und den Uebergang
von e zu o vor Nasalen. An anderen gemeinsamen
Neuerungen werden noch aufgeführt: Brechung des e zu
in vor h -r Cons., Brechung des i zu e durch folgendes
11, .Ausfall von ti vor Spirans und damit verbundene
Ersatzdehnung, Uebergang von 0 zu 11 vor Nasalen.
Den Uebergang von a zu cc, die Brecliung von e
zu in, sowie natürlich den Ausfall des w vor Spiians,
der dem Englischen, Fries, und Sächsischen gemeinsam
ist, gebe ich dem Verf. ohne weiteres zu. Schon weniger
sicher ist die Dunkelung des kurzen a vor Nasalen.
Denn der \'erf. gibt selbst zu, dass das Sehwanken des
Ags. zwischen a und 0 nicht bloss ein graphisches ge-
' Als Umlaut nnch Analogie des Opt. uml ilor 2. S}j.
fnsst (Ins e in beiloii van Holten, Altostfries. Gramm. § 2(1!).
[Gewiss ilas oinzi}j Richtiffc, O. B. ]
Wesen sei. Und auch das Westfries, zeigt n (S. 74. 75).
Es ist also ganz gut clcnkbar. dass das Ostnordfries, und die
ags. Mundarten selbständig die Neuerung vollzogen haben.
Für den Uebergang von r zu ö vor Nasalen nimmt der
Verf. eine Mittelstufe « an. Nun ist der Uebergang
Von ä vor Nasalen zu ö auch aus späten deutschen
Mundarten wohl bekannt (vgl. v. Bahder, Gninillagen
des nhd. Lautsystems S. 154 tt'.). Wir gewiniuii auch
hier nicht volle Siclierheit, ob der Lautwandel eine
gemeinsame Neuerung des Engl. -Fries, war. Von einer
Brechung des t durch folgendes 1/ kann ich mich nicht
überzeugen. Die e-Formen erklären sich vielleicht aus
den obliciuen Casus, wo heller Vokal vorlag.
Für die Diphthonge ni und mi, die im .Airs, als d'
bez. c'<i, im Fries, als r, ü bez. li erscheinen, ninnnt der
Verf. englisch-fries. Zwischenstufen li' bez. <1 an. .Allein
in seinen Erörterungen über diesen Punkt erwägt der
Verf. nur, ob die ags. oder fries. Lautgestaltung mehr
.Anrecht hat als Urform zu gelten, während doch gar
keine Veranlassung vorhanden ist, dem Englisch-Fries.
andere Laute als eben die urgerm. ai und nu zuzuweisen.
Erwähnenswerth sind noch einige .Ansiiliteii des
Verf.'s über die Erlialtuiig alten Erbguts im Engl.-Fi'ies.
So soll ir auf a erhallenden Eintiuss geübt haben. Bei-
spiele was trascdii. Aber wir werden nicht darüber
aufgeklärt, warum es irctl, wa'f/ii heisst. Das germ.
e = indog. e ist nach der Meinung des Verf.'s im Engl.-
Fries. erhalten, nur vor Nasalen sei ein Uebergang in
ä anzunehmen. Hierin stimme ich ihm bei. Wenn ich
auch nicht alle seine Gründe acceptiren kann.
Dem germ e, welches im -Ahd. der l>iphthonglruug
unterliegt, schreibt der A'^erf. einen zwischen e und i
liegenden Klang zu und folgert dies aus Schwankungen
der Oi-thographie zwischen / und e. Die Thatsach(>. die
erschlossen wird, dürfte richtig sein, der Schluss ist aber
falsch. Dass der AVechsel von e und /' lediglich ortho-
graphischer Natur ist, d.is wäre denkbar in Fällen.
wo derselbe Dialekt dasselbe Woi-t bald mit c bald mit
/ schreibt, z. B. north, her und /(//■ liilmlich wie alts.).
AA'enn aber dasselbe AA'oit in demselben Dialekte innner
/' zeigt, wie ags. tir, in dem andern innner c (ahd. zt'ri)
oder derselbe Dialekt verschiedene Wörter deutlich in
der Orthographie scheidet (wests. her aber tir). so muss
man annehmen, dass verschiedene Laute vorlagen. Der
Verf. übersieht auch, dass für das -Alter des / in tir
das Nord, zeugt. .Jenes germ. e war eben ein Ablaut
der («-Reihe, vgl. meine .Ausfülii'ungen Beitr. XA', 297 ff.
und Holz, Urgermanisches geschlossenes e und Verwandtes.
Das schliesst natürlich nicht aus, dass U in einzelnen
Dialekten, etwa im Rüstringer, zu ( geworden ist.
Gibt mau aber zu, dass E in Wörtern wie hrr,
metle ein .Ablaut der p/-Reihe war, so schwinden auch
die Bedenken, die der A'^erf. hegt, das (• der redniili-
cirenden Perfecta phonetisch mit jenem zu identiticiren.
Denn da das Perfect-c ganz anderer etymologischer Her-
kunft ist, können wir nicht erwarten, / als andere .Ab-
lantstufe zu treffen und wo die nord- und westfries.
Dialekte auf altfries. / statt e weisen (in den Wörtern
wie hir) ist eben anzunehmen, dass der Ablaut * vor-
lag. Im ostfries. hir können beide Ablautsstufen zu-
sammengefallen sein, worauf der Uebergang des r zu 7
in /(/"/(/, liit deutet. Dass im .Ags. in den Perfectfoinien
gelegentlich (C statt e geschrieben wird, ist beileutungs-
los; Cosijn, Altwests. Gramm. II § 102 S. 144 füiirt
niu' zwei Belege für diese Schreibung an: ondrwdati,
81
1891. Liternturblfitt für (»ermaniselie unrl rnmnnischc Philologie. Nr. 3.
89
foricete, zwei Belege sind aber auch bei ihm für die
Schreibung- ce statt e = ö + /-Umlaut m tinden I § 80,
8. 97 : oiilircernn, gedceiiide. Und Rushw. schreibt ja
auch für ags. utt'enes e ce und (", was vielleiclit darauf
deutet, dass w geschlossen wurde und so mit e zu-
!::ammi'nHel.
Zu S. 3ii3 noch die Bemerkung, dass die gleich-
zeilig mit Siebs' Buch oder später erscliienene Schrift
Heinzeis, Zur ostgutisehen Heldensage, auf S. 50 ff.
spracliliche Erörterungen über die Alaisiagen enthält.
Wien. M. H. Jellinek.
Dötschke, Gottfried. Die Rliytlimik der LitHii'i.
Hallenser Dissertation. 1889. .i3 S. 8.
Der Verf. geht im Gegensatz zu Rödiger von der
Ansicht aus: Verse mit mehr als vier Hebungen gibt es
nicht: zwei-, drei- und viersilbige Senkungen sind un-
bedenklich zu statiiiren: die Menge der vermutheten
Sync(4)en und Apocopen ist beträchtlich einzuschränken;
die Hs. hat sich viel mehr Auslassungen als Zusätze zu
Schulden kommen lassen.
Dieser Auffassung, welche die 'verwilderte' frühmhd.
Verskunst in ein ganz neues Licht rückt, wird man Zu-
stimmung nicht versagen können. Da das 'Gesetz' von
der einsilbigen Senkung, welches deductiv nicht bewiesen,
iuductiv nur widerlegt werden kann, von seiner Gesetzes-
ki-aft nacligerade viel veidoren hat, wird man sich zu
der Annahme der abenteuerlichen fünf- und sechshebigen
Verse nicht mehr bec^uemen.'
Der Verf. hat seinen glücklichen Einfall mit einigen
voreingenommenen Ideen verquickt, die den Werth seiner
Arbeit schmälern. Wie nämlich Wilraanns und Sievers
die Otfriedschen Vierhebungsverse mit den stabreimenden
Zweihebungsversen in eine nur auf dem Papiere mögliche
Parallele gebracht hatten, so unternimmt es jetzt Dütschke
l)ei der Litanei. Er sagt geradezu, das Typensystem
erkläre den Versbau der Litanei. Und wie ists mit
dieser 'Erklärung' beschaffen? Nun, der Vers do er
dich dem (iotUi<Hn ceiiier niKofer ihos ist ja klärlich
ein Tj'pus A: allerdings besitzt unser Vers viersilbigen
Auftakt, er schliesst wie der Typus D mit xxx, er hat
im ersten Takt neben der Ictnssilbe vier weitere Silben
— lauter Dinge, deren wir uns von einem rechtschaffenen
Typus A nicht versehn. .Allein da die ganze Paralleli-
sirung nicht mit thatsächlichen Uebereinstimmungen, son-
dern mit entfernten Aehnlichkeiten operirt, können wir
ja auch dies gläubig und geduldig hinnehmen und itns
an dem bunten Spiel der Typen-Exponenten (A2", A'",
.\'* etc.) erfreuen.
In der That könnte die Heranziehiuig des Typen-
systemes als harmlose Parodie auf die fünf alten Typen
i'hne schädliche Folgen passiren, wäre nicht dadurch der
l'.Hurtheilung der Verse ein hemmender Stein in den
Weg gelegt. Der Verf. fühlt, dass den mannigfachen
Ungleichhe ten der beiden verglichenen Dinge doch
wenigstens eine entschiedene Aelmlichkeit die Wage
halten muss. Er stellt also die Bedingung, dass jeder
A'ers zwei stark hervortretende Hebungen besitze (S. 7).
Er verkennt damit völlig den Charakter dieses mono-
pudischen Versmasses, das von den vier Hebungen bald
eine, bald zwei, bald drei hervortreten lässt und oft auch
' Ich bin in : ie-ici:i Puiikle mit DütscliUc in uiciiiiM'
S -lirift 'Zur Gi'sclii(;lif<: iI(m- altdpiiischen Vcrskunst' zusaninicn-
ictiollcn. Ich l)(>»cliiänke mich auf ilcn Hinweis an ilieser
Stelle, weil mir IJ.'s Arbeit erst nach .\bscliliiss dei' inoiniseii
bck.mnt wur.'.c.
unverkennliar allen vier Icten gleiches Gewicht znmisst,
wie z. B. 219, 28 wan durch d'tnen tröst wäriu iiiüil;
221, 35 si den ßtkh, du den sigen; 2'2'2i, 15 so Intle
den uäter mit fjiblide dem süne; 23 daz mir mit ulier
white nun dir erschein. — Ferner: wenn wir in Versen
wie 235, 11 durcJi des heilir/en f/eistis chiimft, 36 daz
lins din selhis t'd iidsloz zwei Hebungt-n als die vor-
herrschenden bezeichnen sollen, werden es fraglos die
dritte und die vierte sein. Allein das Schema i x i x -i x .:
findet bei aller Weitherzigkeit unter den fünf Tyi)en
kein Gegenbild (S. 8)': darum muss ihm auch der Ein-
tritt in die Litanei ein für allemal verschlossen bleiben.
Eine andere Sonderbarkeit, die nicht durch das
Typensystem verschuldet wird, ist das stiUschweigeude
Ausschiiessen der sog. 'vierhebig klingenden' Jlessungen.
Warum soll nicht 220, 35 schötie siim diu mcbiihme.,
231, 15 do si gitörsfe an ein hrüttebette u. s. f. ge-
lesen werden dürfen, da docli derartige Verse ein genaues
Vorbild in Stabreimversen besitzen wie Hei. 5941 thin
idis an that arinidi, 5502 (jneddan ina an cuninguiü-
su? Diese 'vierhebig klingenden Verse sind in der
Litanei selu- häufig: gegen Dütschkes Versstatistik ist
es ein schwerer Einwand, dass er diese rhythmische
Form einfach ignorirt. üeberhaupt ist der Werth dieser
Statistik ein zweifelhafter, weil fast jeder Vers auf melir-
fache Weise gelesen werden kann. Der Verf. geht
gewiss nicht ohne gutes rhythmisches Gefühl zu Werke;
aber von objectiver Sicherheit sind seine Zahlen weit
genug entfernt.
Dass der klingende Ausgang nicht mehr zweihebig
sei (S. 10), wird mir weder durch den Fettdruck noch
dm-ch den angeführten Grund wahrscheinlich gemacht.
Den Vers 217, 29 h'beiitigiz pröt, wären winrebe halte
ich für richtig überliefert: er ist ein seltenes Beispiel
für den gesteigert- vollen Ausgang. Das Gegeubild dazu
bieten Alliterationsverse wie cet fötam swt freän Scgl-
dinga (Beow. 1167), äholgen brego mancgnnes (Hymn.
4, 78), nieotud Mm Jmt mud gestaäelact (Seef. 108).
.Jener Vers ist rhythmisch aufzufassen als
Unerklärt bleiben die sog. 'verkürzten Typen (S. 37);
denn 'Vernachlässigung einer Xebenhebung' ist nur ein
Name, der dazu den falschen Schein erweckt, als seien
diese kurzen Verse secnndär aus den längern entstanden.
Sie sind im Gegentheil alterthümlicher, wie ihr massen-
haftes Vorkommen in der Wiener Genesis l^eweist.
Die Versschemata sind den Sieversschen analog ge-
bildet, d. h. die beiden verwendeten Zeichen _ und x
sagen nur über die sprachliche Natur der Silben aus,
nicht über ihren meti'ischcn Werth. Ob der Verf. meint,
die Litanei habe keine Taktmessung, wird nicht ganz
deutlich. Zwar nennt er das Gedicht S. 7 einen nahen
Verwandten von Otfried, dem altheiraischen ^liunesang,
dem Nibelimgenlied und dem heutigen echten Volksliede;
hier wären wir also in taktischer Umgebung. Aber Vers-
schemata wie z. B. ixzxxxzi sind natürlich für ein
taktirendes Metrum unbrauchbar. Hätte der Verf. an
den Aufsatz von Paul Beitr. 8 angeknüpft, statt an das
Typensystem, so wäre seine 'Rhythmik' wohl etwas rhyth-
mischer und metrischer ausgefallen.
Basel. Andreas Heusler.
P o 1 1 e , Friedr., Wie denkt das Volk über die Sprache ?
Leipzig, Teubner. 1889. 153 S. 8.
Zwar ist der Titel des Buches nicht glücklich ge-
wählt. Er passt nur für den kleinsten Theil des In-
8S
isni. LitPraturblaft für t^ermnnUohe und rntnaniBohe Philologie. Nr. S.
84
lialtes, der im Wesentlichen von Beiträgen zur Bedeutungs-
lehre gebildet wird. .Aber dieser Inhalt selber ist ganz
vortret'tlich. Der Verfasser versteht gut zu beobachten
und hat eine reiciie Fülle des Stuffes beigebracht : die
l>arstelliuig ist gewandt, mit anmuthigem Humor gewürzt.
Von den zahlreichen Erscheinungen, die der Verf. durch
Beispiele belegt, hebe ich hervor die mangelhafte l'nter-
sciieidung zwischen 1 •in;: und Namen, zwischen Gattungs-
und Eigennamen, den Uebergaiig von relativen Bezeich-
nungen in absolute, die Verwandtschaft zwischen Laut
und Begriff, das Auftreti-n von Widersprüchen und Tauto-
logien in Folge von BedeutungsUbertragung.
Wir wünschen dem Büchlein bei Laien und Facli-
niännern recht viele dankbare Leser.
«liessen. 0. Behaghel.
Abel, H. F. Otto. Die deutschen Personennamen. Zweite
Auflaifc besorgt von Walter Ko b u r t - T o r no w. Berlin,
Hertz. .\, 102 S. 8. .M. 1,60.
Abels frische, von vaterlandischer A\'ärnie erfüllte
Schrift mag nodi heute von weitern Kreisen gerne ge-
lesen wei'den und bei ihnen Gutes stiften, trotz des
vielen Verfehlten, das sie enthalt. Aber es hätte der
Eigenart des Verfassers gewiss keinen Eintrag gethan,
Wenn der Herausgeber wenigstens die gröbsten Unrichtig-
keiten beseitigt hätte, z. B. S. 29 die Erklärung von
Hexe aus Hugedise, S. 34 die Zusammenstellung von
(hr mit Gerte, den Satz „Gais— Ger wie Spiess — Speer",
S. 48 ahd. iciniscup, S. 54 die Herleitung von brniiu
aus brennen, die Deutung von Loheni/rin aus Lohe.
Giesseu. 0. Behaghel.
Wiser. Wilhelm, Das Verhältniss der Minnelieder-
handschriften B nnd C zu ihrer gemeinschaftlichen
Quelle. Prugramrn lies Gymnasiums zu Kutin. 18S9. 42 S. 4.
Wiser stellt fest, dass B und C nicht auf eine
.\nzalil Von Liederbüchern, sondern auf eine fertige
Sanniiluiig zurückgehen. Ferner macht er es wahrschein-
lich, dass die Plusstropheu in C hinzugesetzt, nicht in
B weggelassen und dass bei Abweichungen der Reihen-
folge in den meisten Fällen die ursprüngliche Ordnung
absichtlich geändert sei, und zwar von C.
(Hessen. 0. Behaghel.
Otten, Georg, The Langnage of the Rnshworth Gloss
to the Gospel of St. Matthew. Part I : Vowels. Leipzij^,
G. Kock. 1890. 24 S. 4.
Die Abhandlung ist auch im Programm des Gym-
nasiums zu Nordliausen erschienen. Das vorgedruckte
Inhaltsverzeichniss führt zwei Kapitel auf: First Chap-
ter, Accented ^'owels § 1 — 19, und Second Chapter,
l'naceented Vowels § 20— 2ß. Doch schliesst das mir
vorliegende Heft mit dem -^ 18.
Es ist in fehlerhaftem Englisch verfasst ; z. B.
kommen folgende Wendungen vor: bj/ utlhering the
A.S. inflectional endlugs; the vowel-changes, enferiny
in consequence of these contrndions; Boittcrwek pre-
tenclü its rharacter to be Northniiibriait.
Nach einer kurzen Vorbemerkung, in welclier der
Verfasser die seither ge'Ussertcn .Ansichten über den
Dialekt des Textes aufführt, beginnt die geordnete Fest-
stellung der Verwendung der verschiedenen Vokale in
betonten Silben. Doch sind die angeführten Formen
nicht immer richtig beurtheilt ; z. B. ist dituap (dünkt)
mit ge/iiii/)ej}, wijrhtn mit wyrcan, ivldra (älter) mit
(jetldlf (fddit) in einen Toiif zusammen geworfen, und
der \"okal in lygc (ne. He Lug), di/ppaii (dip), sfi/rgnn
(stir) wird als »-Umlaut von eo aufgefasst.
.Auch ist nicht zu hilligen, dass der Viif. häutii;
die Lesart der Handschrift ändert, z. B. xli/rinn aufführt,
wo die Hs. vielmehr Mijred 11, 8. sh/rg'iii 2.{, 1.
stijndun 27, 39 hat.
Der X'erf. hat die ältere Untersuchung über deiisell)en
Gegenstand von .Jacob Vilhelm Svensson (Om Sprakei
i den Förra [Merciska] Delen af Bushworth-
Handskriften. L Ljudlära. (iöteborg 1883) nichi
gckainit. Sie ist nach der zweiten Ausgabe des Ti'Xtr>
"(von Kemble und llardwick, 18.j8) gemacht. Nachdem
W. W. Skeat im .Tahre 1887 ihn zum dritten Male mit
noch grösserei' Treue veröfientlicht liat, war es eine
dankenswerthe Aufgabe, Svenssons tüchtige Arbeit zu
verbessern und zu vervollständigen. Das vorliegende
Programm bleibt aber hinter seinem X'orgänufer zurück.
Eine Betrachtung der Consouanten scheint der Verl.
für überflüssig zu halten: wenigstens ist sie in der voi-
gedruckten Disposition nicht vorgesehen.
Heidelberg. Karl D. Bülbrin-r.
Mennnng, Albert, Der Bei luconnu des Kenant de
Beaujeu in seinem Verhältniss znm Lybeans Disconus.
Cardnino und Wigalois. Kine liteiarhistorisobo StuHie.
Hallenser Dissertation. 1S90. (17 S. S.
Fast gleichzeitig mit meiner Ausgabe des Libeaus
Desconus erschien voi-stehende .Abhandlung über das
gegenseitige Verhältniss des Bei Inconnu (^= BI), Li-
beaus Desconus (= LD), Carduino (= C) und AVigaloi--
( -' W), Jlennung behandelt sein Thema in klarer,
gewandter Darstellung, und wenn er auch in der Haupt-
sache über die Resultate seiner Vorgänger (Kölbiii::.
Jlebes, (t. Paris) nicht hinausgekonnuen ist, so ist doc li
die nochmalige, zusammenfassende Erörterung aller in
Betraclit konunenden Fragen recht daukcnswerth. Von
den vier Gedichten ist eine genaue .Analyse gegeben
(Abschn. II. VI. IX. XJI). Eine tabellarische Ueber-
sicht über das \nik(immen und die Antjrdnung def eiii-
zolnen (irujipen, in welche der Stoff' sich zerlegen lässt,
erleichtert die Vergleicliung ungemein, lässt aber ander-
seits die oft recht erheblichen Differenzen in den Details
gar zu wenig hervortreten.
Die Resultate seiner Untersuchung hal M, in der
Filiationstafel (S. 51) niedergelegt. Einverstanden bin
ich mit dem \'erf. in Betreff' der Stellung, die er (' und
W anweist: U repräsentirt — abgeselieu von den Par-
zival-Elementen, die eine Zuthat Puccis sind — die
älteste Gestalt der Sage (.Abschn. X); für W kehrt JI.
mit Recht zu der .Ansicht von Mebes zurück, dass Wirnt
einen Theil des BI handschriftlich vor sich hatte, für
den Rest aber der mündlichen Erzählung eines Kiiapiien
folgte, und er stützt diese .Ansicht durch neue .Argu-
mente (.Abschn. XUI). Dagegen halte ich trotz XL 's
-Ausführungen an meiner Behauptung fest, dass BI die
dii'ecte A'orlage von LD gewesen ist (Einl. meiner .Aus-
gabe S. UXXXXI). Es sei mir gestattet, mit einigen
Worten hierauf einzugehen, indem ich für alle Kiiizel-
■ heiten auf meine .Ausgabe (Einl. S. CXXXI ff.) verweise.
Nach M. wären in dem kurzen Zeiträume von 1 ItiU —
IHK) (.S. 15) nicht Weniger als drei verschiedene franz.
Bearbeitungen desselben Sagenstuffes entstanden: z, n
und BI. Hiervon ist zunächst z ganz entbehrlich, denn
der Kampf mit den Riesen ist durdians nicht aus Erec
entlehnt. In lii. LD, C und W handelt es sich um
die Kntführung und versuchte \'ergewalti:rung eines
I IMädchens durch zwei Riesen; im Erec aber haben die
beiden Riesen mit dem Mädchen selbst gar nichts zu
S.j
1891. Litcraturblutt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3.
86
tlmn. Diese .iaininert um iliren Geliebten, den die Riesen
als (befangenen tuittiiliren und ilin befreit Eree. Das
(Tleicliartig:e ist also nur das Vorkummen zweier Riesen
und eines Jlädcliens; dadurch ist die Annahme einer
Entleliiiung' niicli nicht gereditfertig't.
Ebenso ist u als ganz übortlüssig zu streichen.
Wenn alle die Züge, in denen sieh LD von C uuter-
sehoidet, schon in u, der Vorlage von BI enthalten
waren, wie viel wäre dann für die Thiitigkeit des Renaut
de Beaujen. dessen poetische Veranlagung' nnd 'edle
Seele' Jl. (S. 14) so sehr rühmt, noch übrig geblieben?
Dazu konnnt, das LI) an zahlreichen Stellen (vgl. meine
Aninerkungen) wörtliche l'ebereinstinnnungen mit BI
zeigt. Renaut müsste also nach JI. nicht nur den in
u gebotenen Stotf benützt, sondern diese Bearbeitung
M-lbst mehr oder weniger wörtlich ausgeschrieben haben,
haniit hätte er bei seiner Dame nicht allzuviel Ehre
eingelegt, und doch will er ausdrücklich zeigen, was er
kann: Miiif! moafrer ceiil que faire sai (V. 10). Ich
habe ferner (Einl. S. CXXXVIII) gezeigt, dass der
englische I<ichter thatsächlich das Gedicht Reuauts vor
sich hatte, denn er spielt in V. 1504 — (i direct auf den
zweiten, längeren Aufenthalt des schönen Unbekannten
auf der Goldinsel an, der sicher erst von Renaut in die
ältere Erzählung eingefügt wurde. I'iesem klaren Sach-
verhalt gegenüber sind M.'s 'principielle Gesichtspunkte'
(S. 2ii) von geringer Bedeutung. Der englische Be-
arbeiter hat eben 'instinktiv' die in BI arg gestörte Ein-
heit der Handlung wieder hergestellt, weil er für das
weitere Ausspinnen des Liebesveihältnisses zu der Fee
von der Goldinsel nach Absolvirung des Hauptabente|iers
zu wenig Interesse hatte. Er glaubte ein Uebriges ge-
than zu haben, wenn er dafür den Helden gleich das
erste ;Mal zwölf Monate (statt einer Xaclit in C und
BI) in ihren Fesseln schmachten Hess. Die, wenn auch
verspätete, Erwähnung eines Knappen in LD — anfangs
vertritt dort der Zwerg seine Stelle (vgl. meine Anm.
zu V. 508) — weist gleichfalls deutlich auf Renaut hin.
Im übiigen zeigt der 'Bänkelsänger' — diese wenig
geschmackvolle Bezeichnung der englischen Romanzen-
dichter scheint immer mehr um sich zu greifen — eine
nicht geringe poetische oder wenigstens teelmische Be-
gabung (vgl. Einl. S. CXLV. CLVIII): wir dürfen ihm
daher auch die Umstellungen einzelner Episoden und
die Umänderung des Details von vornherein zutrauen,
zumal die von BI abweichenden Züge in der Regel aus
anderen englischen Romanzen entlehnt sind, also nicht
auf eine verloren gegangene französische Bearbeitung
zurückgehen können (Einl. S. CLVIU). So ist z. B.
die Darstellung der Maugis-Episode in LD nicht 'primi-
tiver' als in BI (S. 29), denn gerade dort ist eine starke
Entlehnung aus Guy of Warwick (Einl. S. CLI), welche
die Umwandlung des Ritters in einen Riesen bedingte.
Ebenso wenig ist es i-ichtig dass in der Sperberscene
'Erec nnd LD dieselbe Darstellung gemeinschaftlich bieten
und mit dem BI in denselben Punkten differiren' (S. 28),
denn zwischen Erec und LD besteht eine grundsätzliche
Verschiedenheit schon darin, dass im ersteren (und in
BI) die Dame, welche sich für die schönste hält, selbst
den Sperber von der Stange herabnehmen muss, während
in LD — ein echt englischer Zug — die Bewohner der
Stadt den Urtheilsspruch über die Schönheit der Con-
currentinnen zu fällen haben, und dieser Spruch lautet
in LD ungünstig für die Begleiterin des Libeaus, während
in Erec nnd BI die Dame, deren sich die Helden an-
nehmen, unzweifelhaft den Schönheitspreis verdient. Der
von M. aus dieser Scene hergeleitete 'objective Beweis'
dafür, dass LD nicht BI, sondern u zur Quelle hatte
(S. 28), ist also nicht stichhaltig. Aelnilich verhält es
sich mit dem vermeintlichen Zusammengehen von LD
und C gegenüber BI. Gerade unter diesem Gesichts-
punkte habe ich die drei Gedichte mit einander ver-
glichen, und das Resultat war (Einl. S. CXXXX), dass
eine Uebereinstimmung zwischen G nnd LD in irgend
einem wichtigen Punkte sich nicht nachw-eisen lässt.
Die Vorgeschichte des Helden ist in den Details in C
und LD ganz verschieden, in LD überdies unecht (Einl.
S. LX. CXXXX), in C eine Zuthat Puccis (s. o.). Die
von M. hervorgehobene Analogie zwischen LD V. 61(i ßiil
nnd C II, 33 beweist allein für sich auch nichts, denn
das Fehlen dieses nebensächlichen Zuges in BI kann
durch die mangelhafte Ueberliefernng verschuldet sein
oder aber es sind C und LD selbständig auf die nahe-
liegende Ausschmückung verfallen. Ich halte also nach
wie vor Renaut de Beaujen für denjenigen, der den
alten Sagenstofi' (y nach M.'s Tafel) durch Einfügung
von Episoden und sonstige Ausschmückungen erweitert
hat und sehe in Renauts Bei Inconnn — wenn auch
nicht in dem uns vorliegenden, sondern einem älteren
Texte — die directe Vorlage von LD.
Zu Abschn. VIII (Entstehungszeit nnd Verfasser-
frage des LD) bemerke ich noch, dass die Erwähnung
der ßoryns in V. 989 1046 für die Datii-img von LD
belanglos ist (vgl. meine Anm. zu V. 1046), dass die
üebereinstimmungen zwischen LD und Launfal durchaus
nicht rein stereotj'per Art sind (vgl. Einl. S. CLVIII ff.)
und dass der Launfal sicher noch im 14. Jahrhundert
entstanden ist.
Königsberg i. Fr. Max Kainza.
Dngemaeb, Heinrich. Die Quellen der fünf ersten
ehester Plays. Er!ans;eii. Deicherts Xaelif. 1S90. XT. 10? S.
8. M. 4,50. [Münehener Beiträge zur roni. und engl. Philo-
logie hrsg. von H. Breymann. I.]
Der Verf. untersucht die fünf ersten Chester Plays
hinsichtlich ihrer Quellen : diejenigen somit, die Scenen
aus dem Alten Testamente darstellen. Ist auch die
Frage schon öfter behandelt worden, so darf doch die
neue Untersuchung willkommen genannt werden, die mit
Ciründlichkeit zu Werke geht und — wenn auch mit
einiger Breite — den Stoff übersichtlich T-ordnet. Das
Ergebniss des Verf. 's ist, dass neben der Vnigata Co-
mestors Historia scholastica, .Tosej)lius, der Cni'sor mundi,
das ostanglische Drama Abraham, nnd französische
Mysterien benutzt worden sind. Ein so complicirtes
Quelleuverhältniss hat allerdings etwas unwahrschein-
liches; doch glaubt Verf. wohl selbst nicht, dass ein ein-
ziger Bearbeiter die alttestamentlichen Chester Plays mit
Hilfe dieser Texte hergestellt habe. Vielmehr haben die
Quellen zum Theil bereits den Vorstufen vorgelegen, welche
diese Dramen sicher diu'chlaufen haben, noch dazu zum
Theil als indirecte Quellen. Denn da von den Antiqui-
tates des Josephus eine mittelalterliche lateinische Ueber-
setznng nicht bekannt ist (wie Verf. hervorhebt), so
muss hier ein unbekanntes Zwischenglied statuirt werden ;
an die Benutzung des griechischen Textes ist nicht zu
denken. Das ostanglische Spiel ist nur für das vierte
Chester Play benutzt worden, nnd zwar ziemlich sklavisch.
Schon Ten Brink hatte dai-auf hingewiesen. Dass der
Cursor uimidi als Quelle benutzt wäre, scheint mii- aus
den von Ungemach angeführten Stellen nicht hervorzu-
87
1891. Litoraturblatt für germanische und romanisolip Philoloprie. Nr. 3.
88
geiit'ii. reberhanpt hätte Verf. in der Annalinu- dii
AbliUiigig:k<-it seines Textes von andern etwas beliutsainer
verlalireii können: z. B. die Ant'ziilihuifr der Tliiere in
der Arclie Xoah (vg]. S. 115) war durch die Darstellung;
der (Jenesis eben su nahe {relef^t als durch die des Jlyst.
du Viel Test. Eine Stelle aus dem Cursor uiundi, die
die Verfluchung: des Cain enthalt (S. 98), trifTt doch
mit dem Chester Play nur so weit zusammen, als der
Ausdruck der g'leicheii Situation dies von vornherein er-
warten Hess. Selbst die auf S. 50 und 170 angetnhrten
Stellen des Cursor niundi scheinen trotz der sachlichen
Uebereinstimniung:, die sie bieten, nicht als Quellen vor-
g:elegen zu haben; dazu ist die Uebereinstiuuuung zu
gering. Somit sind tortlautend als Quellen benutzt nur
drei Texte: Vulgata, Coniestor und ein französisches
Collectivmysteriani.
Von besonderem Interesse sind die Beziehungen zu
altfranzösischen iManien, worauf fieilidi schon früher,
zum Tlieil schon von Thomas Wright, aufmerksam ge-
macht worden war. Es handelt sich besonders um das
anglonormannische Drama Adam und um das Mystere
du Viel Testament. Wir sind mit dem Verf. der Ueber-
zeugung. dass nidit die erhaltenen Texte — für das
Myst. du Viel Test, wäre dies schon aus chronologischen
firiinden ausgeschlossen — , sondern ein französisches
Collectivmysterium die Quelle bildete, das den Adam als
Quelle verwerthet und selbst eine der Quellen des Mj'st.
du Viel Test, gebildet hat.
Dankenswerth sind einige Quellennachweise, die
Verf. in Bezug auf das letztgenannte Jlyster beibring-t
(S. 117. 129). Bei der Kreuzlegende (S. 80) hätte er
besser gethan, auf den an zwei Stellen gedruckten
lateinischen Text hinzuweisen als auf die Einleitung
Rothschilds.
Die Miinchener Beiträge zur i-omanischen und eng-
lischen Philologie werden durch die Abhandlung in «r-
freulicher Weise erött'net. Da diese von P>ezieliungen
der altern englischen Literatur zur französischen handelt,
war sie besonders geeignet, an die Spitze einer Samm-
lung zu treten, welche der Erforschung dieser Litera-
turen gewidmet sein soll.
Halle. Hermann Suchier.
he L Olli 8, Cesare, Trattato provensale di penitenza.
rStiid.i (li filf.Iosia vomnnza Faso. 13 S. 273—340.)
Der vorliegende Tractat ist in dem Cod. 1 28 der
Biblioteca comunale in Todi erhalten und stammt aus
dem Ende des 13. oder dem Anfang des 14. .Jahrhun-
derts. Der Verfasser ist unbekannt; er scheint dem
Herausgeber ein Fianciskaner gewesen zu sein. Aus
den S. 332 — 5 zusammengestellten sprachlichen Eigen-
thiimlichkeiten schliesst de Lollis, dass der Tractat im
Quercy geschi'ieben, wenn nicht verfasst ist, eine llei-
nung, die Paul Meyer Romania XVIII, 624 nicht für
unanfechtbar hält. Den Beschluss macht ein Glossai", in
dem die bei Raynouard überhaupt oder in der hier sich
findenden Bedeutung fehlenden Wörter verzeichnet sind.
S. 277 Z. 19. Lo segoii es raathtuieuf e mareiri-
ment de so» cors e sofiiieloilo a Ja ohvdietitia de
Viirmn. Nach der Anmerkung scheint die Einsetzung
von sofmeter für sotmefeii nicht nöthig. Ich glaube
nicht, dass sofnieten zulässig ist, aber es wird, wie auch
S. 278 1. Z. steht, e sotmefement a zu lesen sein. —
S. 280 Z. 17 corr. rcpremam statt repreiiiiniii. —
H. 281 Z. 24 ist tiou zu tilgen, dagegen ist Z. 25 kein
noii zu ergänzen und Z. 27 das unian dei- Handschrift
nicht anzutasten: „diejenigen die drinnen im Herzen aut
die irdischen Güter verziciiten, wenn sie dieselben auiii
äusserlich besitzen, lieben sie nicht in ungehöriger
Weise". — S. 282 Z. 14 schreibe (/<-%. — S. 28v|
Z. 17 schreibe: . . . que la min oratio aia endressadu
eniiijssi co esces ah lofoc." [Eiiai/ssi coj lo fuiii . . . —
S. 282 Z. 21. Nach hora ist wohl eine Lücke anzu-
nehmen. Drei Arten von (lebet gibt es, 1. de lioni,
2. de cor, 3. de hora e de cor. Die nähere Ausführung
der ersten Art fehlt. — S. 285 Z. 3 corr. )ii lfm]
passar. — S. 285 Z. 15. Doii dif a los discijiols:
HOS piiiam Jhenistilei». Die Handschrift hat uos iioii
imiani. Liesse sich das niclit halten, wenn man iion =
nos eu deutet? Ebenso sciieint es sich mir S. 323
Z. 17 zu verhalten, wo die Handschrift . . iii nons cii
iemni a (jran heiiejiri ijne taut i/rnii potcslut nos npclr
a soll scruiri ni que noii fassa diyiies liest, de Lollis
aber nos ändert. Im Glossar wird piiiar ..ascendere
(att.)" angefülirt und initer den Belegen auch unsere
Stelle. Aber p'ijar Jherusalem halte ich für ganz un-
möglich : es ist gewiss [a] zu ergänzen. Mit Recht
angeführt ist dagegen der zweite Beleg: aquest (/rares
nos fassa puiar Jhcsii Christ. — S. 285 1. Z. Komma
statt Semieolon. — S. 287 Z. 4 ff. AVie ist zu con-
struiren imd zu deuten? — S. 287 Z. 18 ff. Dieus . .
gier poder al diuhle de creysser e d'enantir lu dettant
dicha cotisolatio, & empriufa, fdtj abela en la aniiini
falsses e perilliores sciifiment. Der Herausgeber setzt
im Glossar ein sonst nicht belegtes uhelar an, das er
..abbellire"' deutet. Nicht mit Recht. Es ist zu schreiben:
& enprinia ab ela (sc. der ronsolatio). — S. 287
Z. 21. . . iüiirios, a las cals aniina . . cret e min csser
uerayas reiirlatios. Coit. l'animu . . . crei? Ist auch
das a nach illurios zu tilgen? — S. 288 Z. 5 v. u.
corr. e ton entetidetiiciit. — S. 291 Z. 3 ff. Kii apres
te diraij alrns reniedis, quot deues yuardar e reyir
tu metcys uays ahuuas perssouas que se toriiau las
dautnü dichas temptarios, o per lor uidu o per lor
doctrina. Die im Glossar vorangestellte, mit Frage-
zeichen versehene Deutung von se tornar ,,procurar8i''
scheint mir nicht annehmbar, dagegen die dann vorge-
schlagene Ergänzung von faj (oder vays?) mitli wendig.
Sollte nicht auch fe toruan statt se tornan zu ändern
sein? — S. 291 Z. 7 corr. aias statt uian. — S. 291
Z. 8 ff. ... si meuan ad alruna causa que sia contra
la fe . . . 0 contra las uidas e las paraulas dels sanf
sanamcnt preras, ahorris lors vc^ios. Sanameut
preras ist unverständlich. Corr. las menespreces? Vgl.
Z. 15 no las lucnes^ireres. Es wäre danach vielleicht
noch ein [r] zu ergänzen. — S. 291 Z. 19. Per tat
qu'el diahle pucsra esrampar son nere. Scln-eibe que'l
oder quel. — S. 291 Z. 26. Per illurias cf cuyuaus.
Die Hs. hat enguant. Konnte dies nicht beibehalten
werden? Engans und sentimens lauten gleich aus, und
unser Text hat ja für letzteres sentiment. Dass t in
dem ersten Worte etymologisch nicht berechtigt ist,
thut. meine icii, nichts zur Sache. — S. 299 Z. 22.
Aquesta primieyra mauiryra es temor naturalment
morir. Das Adverb verstehe ich nicht; corr. temor
naivral de morir. Vgl. Z. 18 /a primieyra manieyra
CS iiatiirals und temor hnmana S. 300 Z. 3, temor
muudnna S. 300 Z. 5 v. n. — S. 302 Z. 10. Per sso
ah la uitlontat, Hs. sso al la, ist üebersetzung des lat.
ipsa noluntnte. Corr. ^;e»' s.wla nolontat. — S. 303
89
IKni. Literatlirblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 9.
90
Z. 2 ff. Inicial uol dire comessameiif, rant hom co-
iiiiiixa Dien sentit- (£■ amar, ijui a com et, maijs qiie
Kiicara no es bem fermat en s'oiitor. Nach dire wird
/(/(•/ zu prgänzen sein. Acometre soll nach dem Glossar
..intraprondere, inconiinciare" bedeuten. Die Annalinie
eines solchen Verbnms ist nicht nothig. Es ist zu
schreiben tiiiiur (ptiacomet, vgl. Raj'n. Y, 2. — S. 305
Z. 21 ff. Mot de b'S Kurem, si teiiiein Dien e iios
/iiirhiii de percat e faxsum bonus obras; cor en aisso
perqnitom Dien. Der Conjunctiv fassam ist nicht zu-
lassig-; corr. fam, vgl. S. 314 Z. 9 v. u. Perqnitam
verstehe ich nicht. Das Glossar sagt: „perquiUir lo
stesso che quitar"'. aber dadurch wii'd mir der Sinn auch
nicht klar. Die Handschrift hat perquifem. — S. 314
Z. 9 V. u. ff. E si son iilciis, ya ssi'aijsso qne paire
ijiies f/uardon de far greus peccat empero no n'i a
ne']un qne ronosca .i:i pecva inortalment eii mont de
bcs qne potjria fnr e nolsfa. Was ist paire? Für moiii
hat die Handschrift möt. Warum ist hier geändert, da
doch S. 294 Z. 9 v. u. monteai bewahrt geblieben ist? —
S. 314 Z. 3 V. u. Eii'/nfd menesprerument es de son
seiihor o qve no faij so qn'el romaudo o qne faij so
qne son senhor deneda. Statt des zweiten qne hat die
Handschrift qui. Sollte nicht dieses zu bewahren und
auch füi' das erste que ein qui einzusetzen sein? ^-
S. 315 Z. 9 corr. non für ni. — S. 315 vorl. Z. ist
Komma nach defalhil zu setzen. — S. 319 Z. 14. Wes-
halb ist das einwaiidsfreie sente der Handschrift m senfi
geändert? — S. 319 Z. 21 setze Koimmi nach cors. —
S. 320 Z. 4 corr. d'nna statt niia. — S. 320 Z. 10.
La (/ran misericordia de Jliesu Christ que en acquest
sccfjle taut de temps nos soste en nostres greus peccat.
Die Handschrift hat Jhesn Christ qne nos a en a. s. etc.
und das war beizubehalten, denn Z. 15 heisst es eben-
falls la misericordia qne Jhesn Christ nos a en aqnest
serglc. Vor tant Z. 10 ist dann ein Komma zu
setzen. — S. 321 Z. 11 corr. ser statt sers. — S. 322
Z. 15. Tot so que Diens comanda & acosera. Das
Glossar setzt ein acoserar „desiderare" an. Es wird
avoselha zu ändern sein: vgl. S. 324, 5 — 6: de tot
ftgsso accusam Dien: qne el aia fugt u nos coman-
da mens e consels que non po'lem portar und S. 324
Z. 4 v. u. aJ>< inatidamens et als coiissels de Jhesn
Christ. — S. 322 Z. 4 v. u. Amannit Corr. amanuit.
— S. 323 Z. 13 corr. farian statt fariam. — S. 326
Z. 3 setze Komma nach iors. — S. 326 Z. 6 Komma
statt Semicolon nach temptacio. — S. 326 Z. 10. SoUte
nicht das vom Herausgeber in e[s] geänderte e beizu-
behalten und plus de error von pessi abhängig sein?
— S. 32S Z. 7 V. u. corr. solhcl. — S. 329 Z. 8 ff.
Kl nom de Jhesu Chrid que es ners amadors de
nera castetat e de tota uedereca e sobre tot el uol
esscr es}}0i: e corona de uergis. Das Glossar verzeich-
net: uederera „vedovanza, nel senso di celibato^, was
nach Form und Deutung micli nicht befriedigt ; es ist
niilei-era zu corrigiren. — S. 330 Z. 21. De jotz si
mags. Sinn?
Einige Irrthümer des Glossars sind schon im Vor-
hergeliendeu berührt worden. Ferner sind zu streichen
die Verben fenchur und purar, die de Lollis aus den
Stellen: qui doncas se humilia verament e no fencha
S. 283 und que uestis uuhlaiiieut e pura S. 277 fälsch-
lich erschloss, während er doch in sanianieut e caute-
Inra S. 315 den Sach verbalt richtig erkannte. — Ann
.,uuo"' nach der Stelle: l'aun Sera saluat e l'autre sera
datnpnat. De Lollis sieht in aun eine Form mit prosthe-
tischem a: eine nene Auffassung, aber auch die richtige?
De Lollis bemerkt zu den von ihm gefundenen Belegen :
„tutti perö in correlazione con autre". Xiinmt er an,
dass der Anlaut von autre analogisch bildend wirksam
gewesen ist? Bemerkenswerth ist es allerdings, dass
la US fast stets mit V autre zusammen vorkommt, und
ebenfalls dass die Lej's II, 74 le us de vos dos es
prozonis aber la us de vos autres es uwssongiers
• anführen nnd II, 116 le us de vos m'a enganat, aber
la US de vos untres a fag aysso Aber nicht im
Gegensatz zu l'autre findet sich die Form an der von
Diez Gr. II, 451 Anm. citirten Stelle Gnir. Riijuier 83,
185 und Bondnraud, Charte d'accusemeut du 13" siede
; en langue d'oc S. 17 1. Z. : per que nos o la us de
i nos pocsem venir encojitra. Ferner kommt meines
Wissens die Form nie ohne Artikel vor, es findet sich
■ stets la US, la im, nie aus, aun und endlich ist sie
i fast ausnalimslos zweisilbig (einsilbiges laus nach Diez
'■ a. a. 0. in Seneca Bartsch, Dkm. 209, 29). — En-
I b'iussar ,.trarre in inganno": E se gnardon de tota
causa que los puesca tant ni cunt enbanssar en
offensa de Dien. Hätte das Wort die gewollte Be-
deutung, so müsste es tönende Spirans haben, also en-
bausar oder enhaucar geschrieben sein, auch wüi'de mir
der Sinn nicht recht passend erscheinen. Das Wort
existirt noch in der neueren Sprache, und Jlistral ver-
zeichnet: cmhaussa „pousser dans un precipice, preci- •
piter dans un abime, jeter dans un crens, dans mi mau-
vais pas, dans une mauvaise affaire"*. Ein weiteres
Beispiel des im Lex. rom. fehlenden Wortes findet sich
Leys I, 214.
Ausser den von de Lollis angemerkten Wörtern
I sind noch folgende bei Raynouard nachzutragen: heati-
ficar S. 304 Z. 4 v. u., corteiament S. 280 Z. 3 v. u.,
desmerifori S. 299 Z. 19, enrahiament S. 287 Z. 26
i und S. 291 Z. 13, humiliamcnf S. 283 Z. 16, inicial
! S. 303 Z. 2, lunheca S. 294 Z. 1, Inminiegra S. 328
[ Z. 15, macerament S. 277 Z. 18, neglegeument S. 278
I Z. 5, onrar .schmücken"" S. 277 Z. 5 und 7, vgl.
Mistral onndra .,orner, parer, decorer", petiteca S. 293
Z. 11, perilhoranient S. 308 Z. 11, recacer S. 314
Z. 6, reverendal S. 303 Z. 16, ressncifament S. 317
Z. 5, sosmetement sotmetement S. 287 Z. 4 v. u., S. 278
1. Z. und, wie oben bemerkt, wohl auch S-, 277 Z. 19.
; Freiburg i. B. Emil Levy.
' Scartazzini, G. A., Proleffontena della Divina Com-
media. Introiluzinne allo studio di Danto Aligliieri e dellc
sue Opeie {= La Divina Cummedia di Dante Alighieri. \'ol.
IV). Leipzig, F. A. Blockhaus. 1S90. X, 590 S. 8. M. 10.
Mit diesem Bande hat Scartazzinis grosse Ausgabe
der D. C, welche 1874 mit dem ersten Bande des Com-
mentars begann, ihren Abschluss erreicht. Im Ganzen
und Grossen geben diese Prolegomena wieder, was der
; Verfasser bereits in seinem ,. Dante"' (Manuali Hoepli,
Milano 1883) als Resultat seiner Forschung dargelegt
hat : allerdings sehr viel eingehender und durch reichere
Quellen- und Literatnrnachweise gestützt. Da das Werk
1 in vielen Punkten eine Retractation der von Sc. selbst
früher aufgestellten Ansichten, zugleich aber die neueste
und vollständigste kritische Revision der betr. Dantes
Leben und Schriften gewonnenen Resultate darstellt,
gebe ich im Nachfolgenden eine kurze Uebersicht der
Beantwortung, welche die zahlreichen Probleme der
Danteforschnng hier gefunden haben, indem ich zugleich
91
189t. Literaturblatt fOr germanische und romanische Philologie. Nr. 8.
92
l)ciiierkt\ tlass, wo iiiclit das Gegentlieil gesagt ist, ich
im Allgeiiicinon Seartazziiiis Ausfiilirnngen für wohl be-
griiiich't erachte.
Von den zwei Theilen des Bandes bescliäftigt sich
der erste mit dem Leben des I>ichters. Schon in dem
Aufsätze über die neueste l>anteiiteratur in der 'Allg.
Ztituii-' IHSK, 14. .Tan., .5. und li. .luli. Beilage hat
Scartazziui die Dantebiugraiiiiien Missiriuls, Balbos,
Fraticellis, Wegeies, sannnt der von iliui selbst
(Beil. Ib69) herausgegebenen als 'mehr oder minder
;.'-i'lungene Romane' bezeichnet. So beginnt die Dar-
>iillimg auch mit dem Zugeständniss, dass wir über
haiites Persönlichkeit und Lebensgang sehr Wenig-
piica cosa — wissen und dass eine historiscli-kritisehe
Er('orscliu?ig dieses Lebens erst mit Todescliini, Isidor
del Lungo und namentlich Bartoli begonnen hat; des
letztem Arbeit (in der .Storia della Letteratura ital.,
l-'ir. 1878, vol. IV, V. VI) ist ihm das Bedeutendste,
was bis jetzt in dieser Hinsicht vorliegt. Unter den
(^Ui-iien werden Dantes eigne Schritten in ihrer Be-
deutung tiir die innere Entwiikluiigsgesdiichte des Dichters
anerkannt (S. 5 f.). Was die iiussere Cieschichte des-
selben anlangt, so besitzen wir die Grundlinien einer
solchen in Giovanni Villanis Cronaea IX, c. 35. Da-
liegen müssen (xiov. Boccaccios Vita di Dante und
ili'' aus ihr geflossene Biographie des Filippo Villani
als Dichtungen bezeichnet werden. Leonardo Bruuis
\ita ist von grossem Werth, aber nicht frei von schweren
Inthümern (S. 9). Filelfos Leben D.'s ist ein Betrug,
die Vite eines Manetti, Polentone, Bandini d'A-
rezzo, Landino, Vellutello, Daniello sind blosse
Compilatioiien ohne selbständigen Werth. Dantes Adel
ist mehr als zweifelhaft (S. 19 f.), desgleichen seine
(u'burt in Florenz selbst (S. 22). Sein Geburtsjahr ist
sjchi'r 1265 (S. 22). Nichts Gewisses erfahren wir über
seinen Vater, seine Mutter, seinen Bruder und seine
Scliwester. Die scliönen Kapitel, welclie Balbo über
D.'s Studien zu schreiben wnisste, sind Phantasien; wann,
wo, wie er studierte ist bei dem jetzigen Stand der
Dinge absolut nicht zu sagen (S. 2H). Brünette Latinis
Einfliiss auf ihn ist keinem Zweifel unterworfen. Ob
er das Griechische verstanden, ist eine niüssige Unter-
suchung (S. 3.^5). Sehr ungewiss ersclieint, ob er nach
Bologna gegangen, um dort zu studieren (S. 37); des-
iileichen ist Leon. Brunis Angabe betr. seiner Kriegs-
dienste und seiner Theilnalinie an der Schlacht von
Camiialdino durchaus zweifelhaft. Sicher ist seine Ehe
mit Geninia Dcpuati (1295 — 98 abgeschlossen), sicher,
dass diese ihn überlebte, naclidem sie ihm (mindestens)
vier Kinder geboren liatte. Dass die Ehe glücklich war,
erscheint fraglich, ist aber nicht unbedingt zu verneinen.
Dante war der Arte dei niedici e speziali (seit 1296)
beigeschrieben. Im öffentlichen Leben begegnet er uns
zuerst am 10. December 1296, dann wieder am 14. ]\Iärz
1297. Die Gesandtschaft nacli S. (iemignano 1299 ist
niciit erwiesen. I'nzweifelhaft aber ist Dantes Priorat
vom 15. Juni bis 15. August 1300. Nach demselben
hatte D. noch ein Staatsarat als Vorstand öffentlicher
Arbeitten, was für seine architektonischen Kenntnisse
beweist. Die vierzehn Gesandtschaften sind eine Erfin-
dung Filelfos. Am H. April, am 19. .luni und am 13.
Se)itember 1301 'consnluil nel Consiglio dei Ceiitumviri .
Nach dem Einzug Karls von Vahds (Allerheiligen 13UI)
wird der Dichter exilirt (zwei Sentenzen, 27. .Tanuar
1302) und dies Urtheil mit Androhung des Todes falls
' er zurückkehre, wird bestätigt am 2. September 1311
und wiedernm am 6. November 1315. Die Gründe der
Verbannung scheint Bartoli am besten getroffen zu haben
mit der Bemerkung? 'egii se oppose alla venuta dl Carlo,
e alle ingerenze del Papa: egli fn nemico dei Neri
tidelinm devotorum sancte Boniane Ecclesie . . .' Die
Opposition i).'s gegen den \'eisueh Bonifaz" \'III.. Florenz
zu einer Provinz des Kirchenstaates zu machen, war so
ausgesprochen, dass die angebliche Gesandtschaft D.'s
an den römischen Hof als Fabel aufzugeben ist (S. 65 — 73).
1). trennte sich von den Genossen seines Exils, wir
wissen nicht weshalb (S. 77, gegen Bartuli). Von da
ab deckt tiefes Dunkel seine Geschicke, (üng er 1302
oder l.'f03 oder 1304 nach Verona, so blieb er sicher
nicht lange dort. Ging er nach Bologna, so konnte das
nur zwischen 1304 — 1306 geschehen. Im August 1306
war er in Padua, im October d. .1. bei den Malaspina
in der Lunigiana; dass er ein zweites Mal dahin zurück-
gekehrt, ist unerweisbar (S. 92). Villanis Angabe, D.
sei zum Studium nacli Paris gegangen, mag zugegeben
werden (Vi senibra storicamente accertato); von 1308
bis zu Heinrichs VII. Zug erscheint der Dichter nirgend
in Italien. Die Eeise nach O.\ford ist eine Erfindung.
Wovon D. im E.\il gelebt, ist nicht bekannt. In Paris
wirkte er vermuthlich als Lehrer (der Poesie? warum
nicht auch als Arzt?). Boccaccios Angabe, dass D. bei
der Nachricht von Heinrichs Romfahrt aus Frankreich
nach Italien zui-ückkehrtc, ist nicht zu verwerfen. Der
berühmte Brief den der Dichter zwischen 1310 — 1311
universis et singulis Italiae regibus et senatoribns schrieli.
ist W(dil echt, nur Bartoli bezweifelt ihn (der Referent
auch). Sicher, dass D. Heinrich Vll. begrüssen gini;'
(S. 105), aber wo? vielleicht in Asti, vielleicht in Mai-
land. Unter dem Eindruck dieser Begegnung schrieb
er den furchtbaren Brief an die Florentiner (1311.
31. März), aus der Gegend des Arno, wo, ist unsichei-
(S. 111), und am 16. April 1311 denjenigen an K.
Heinrich VU. Von letzterem Datum ab verliert sich
jede Spur des Dichters bis 1313. Der Brief, den D.
als (iesandter Guido Novellos da Polenta aus Venedig
(1314) geschrieben haben soll, ist eine Fälschung, ver-
muthlich Franc. Donis (S. 120); Schett'er-Boichorst Aus
D.'s Verbannung S. 151 f. hält ihn noch für eclit (wie
mir scheint, ohne allen Grund); dagegen ist der an die
Cardinäle gerichtete nicht zu bezweifeln (S. 128; Villani
siirieht von ihm: der Ref. hält das uns in dem ("od.
Laurentian. erhaltene Exemplar auch für einen Betrug),
Das nach der Wiederholung der Verbannungsedicte
und der Zurückweisung der Begnadigung 'Amico P'loren-
tino' gesandte Schreiben ist nicht über jeden Zweifel an
seiner Anthenticität erhaben (S, 133), ja wahrseheinli<di
ein Fabrikat nach den Angaben des Boccaccio (S, 137),
wie auch die Zurückweisung der Oi'azia' selbst zweifel-
haft ist. Der in diese dunkeln .fahre gesetzte Aufent-
halt D.'s in S. Croce di Fönte Avellana (S. 119), in
Genua, Pisa, Lucca, Gubbio, C'olmollaro, Udine n. s. f.
gehört ins Reich der Möglichkeiten: die .Angaben darüber
— ')ion e altro che lavoro di fantasia e di congettura'
(S. 139). Dass D, nm 1316 oder 1317 sich in Ravenna
niederliess, ist (in Bezug auf das Datum, nicht auf das
feststelieiule Factum) eine einfache, wenn auch ziemlich
begründete Hypothese (S. 145); dass er zwischen 1316 —
1.317 wieder in Verona, bei Gau Grande della Scala,
verweilte, ist mit nichts zu beweisen; doch soll der
zweite Aufenthalt in Verona nicht bestritten werden
93
1891. Literaturblatt für gorraanisclie und romanische Philologie. Xr. .3.
94
(S. 14»>). Dunkel ist das Veiliältniss Genmias zu D.
niid der Kindi-i- zu deu Eltern, uameiitlicli in den .Jahren,
wo einige der Kinder mit dem Vater in Raveniia wohnten,
willirend die Mutter in Florenz zurückgeblieben war
(S. 140). Ebenso ist es sehr tra.!?licli, ob, wie Scheflfer-
IJdicliorst vermutliet, der Dichter sich in Eavenna als
Lehrer der Rhetorik ernährte. T>ie Sendung D.'s nach
Venedig ist mehr als zweifelhaft. Die Angaben über
seine körperliche Erscheinung sind wenig beglaubigt, ein
authentisches Bildniss D.'s besitzen wir nicht (S. 155).
Was deu iniiern Entwicklungsgang des Dichters
anlangt, so wissen wir über seine Erziehnng im väter-
lichen Hanse nichts (S. Uiö). Geschichtlich ist die Liebe
zu einem Mädchen, welches D. Beatrice nennt; ob das
ihr wirklicher Name gewesen, ist nicht mehr festzustellen
(S. l(i() f.). I)iese Liebe war durchaus rein; dass der
Dichter das Kind neun .lahre lang nicht gesehen, ist
eine unbegrüiulete Annahme. Als er sie, 18 Jahre alt,
wiedersieht, gibt sie ihm jenen Gruss wieder, in dem er
'parve vedere tutti i termini della beatitudine' (S. 167).
Die Folge dieser Begegnung war die 'visioue del cuore
maiigiato' (die erste Vision der Vita Xuova), die natür-
lich nur ein 'pretesto poetico' ist. Es folgt die Be-
gegnung in der Kirche, dann die 'donna dello schermo',
hinter welcher D. alquanti mesi ed anni seine wahre
Neigung verbirgt, was zur Folge hat, dass Beatrice den
(iruss verweig-ert, woiauf D. den donne dello schermo
entsagt. Weiter folgt die Scene mit Beatrice in dem
t'oiivito nuziale, worauf der L>ichter beginnt über die
forma da tenersi nachzudeuken und zu dem 'dolce stü
nuovo' seiner Sonette übergeht. In diese Zeit fällt die
Veröffentlichung der Canzonen, D.'s Erkrankung, der
Tod Beatricens, der am 9. Juni 1290 sich ereignete.
An der Realität all dieser L»iuge und Vorgänge ist nicht
zu zweifeln (S. 184), die Theorie der Idealisten' ist hier
entschieden abzulehnen (S. 188). Dass aber, wie fast
alle 'Realisten' annahmen, Beatrice identisch sei mit
Messer Folco Portinaris Tochter, der Gattin des Simone
dei Bardi, ist höchst unwahrscheinlich; D.'s Freundin
war sicher unverheirathet. Diese so sehr von ihm ge-
liebte, früh verstorbene Freundin verwandelt sich allmäUg
im Geiste des Dichters zu einem Ideal, einem himmlischen
Symbol, uud seine Liebe selbst vergeistigt sich immer
mehr (S. 198 f.); Beatrice wird der Schutzengel seiner
Jünglingsjahre (S. 200). In die nächsten Jahre nach
Beatricens Tod fällt D.'s Eintritt in den Franciscaner-
orden, der nach Butis Zeugniss im 14. Jh. allgemein
geglaubt wurde, den zu leugnen Scartazzini keinen hin-
länglichen Grund hiidet. Ich nehme mit vielen Andern
an, dass D. nicht in den Ordert selbst eintrat, sondern
als Mitglied des Tertiarierordens in der Welt verblieb.
Wir kommen jetzt zu der Episode der Donna gentile
der Vita Xuova, in welche sich D. so sehr verliebte und
welche geliebt zu haben er dann sich so bitter vorwarf.
D. hat sie selbst mehrfach als eine Allegorie der Philo-
sophie erklärt. Gleichwohl hält der Verf. an der auch
von Wegele und Böhmer getheilten Ansicht fest, dass
die Donna gentile eine historische Person war, bei welcher
der Dichter Trost suchte, und er bleibt auch bei der
bereits in seiner ersten Dantebiographie aufgestellten
m. E. damals schon von Ten Brink (in Reuschs Theol.
Ltbl. 1871. 131^ und neuestens von Bartoli wider-
legten Ansieht, dass die Donna gentile niemand anders
als Gemuia Donati, D.'s spätere Gattin sei. Ich halte
das für den schwächsten Punkt des Buches. Dass die
'Via non Vera', in welche der Diehter sieh nun verirrte,
ein Leben der Sinnlichkeit wai-, ist nicht zu erweisen,
vielmehr scheinen die Verirrungen desselben geistiger
Natur gewesen zu sein. Die 'Selva oscura', in wel<:lier
er sich zu Eingang der D. C. befindet, ist der Irrthum,
dass er in seinem Schmerze ausschliesslich Trost und
Stärke in der Philosophie gesucht (S. 2.^4): die Wen-
dung, welche sein Geist (unter dem Eindruck des .Fnbi-
läums von 1.300V) zum Studium der übernatürlichen Wahr-
heit nahm, bildet den Gegenstand des ersten Gesangs
der Commedia, welcher somit die Geschichte nicht eines
Tages, sondern einer Epoche darstellt (S. 236). Den
von ihm eingeschlagenen Weg der 'Lupa' verweist ihm
Virgil, der ihm deu 'altro \äaggio' beschreibt. Dass D.
in der 'Selva oscura' sich positiven Zweifeln und dem
Skepticismus überliess, ist nicht mit Sicherheit zu er-
weisen (S. 239); das 'traviamento' bestand aber jeden-
falls in dem 'abbandonarsi del tntto alla scienza nmana',
weun auch die V. 130—141 des Canto XXX im Pnrga-
torio mehr anzudeuten scheinen. In diesem zweiten
Stadium seiner Entwicklung hat D. noch das 'Convivio'
(um 1208) geschrieben; der Beginn des dritten, der
Umkehr, ist in die Zeit nach dem Tode Heinrichs VII.
zu setzen (S. 244). Der Prozess dieser Umkehr wird
in einer Weise beschi-ieben, wie sie dem \'erlaufe des
kirchlichen Bnsswerkes entspricht (S. 244), wie denn
überhaupt an der strengkirchlicheu Gesinnung des Dichters
trotz seiner Strafredeu gegen die Missbräuche der Curie
luid die Auswüchse der weltlichen Papstherrschaft kein
vernünftiger Zweifel walten kann (S. 246 f.). 'Dante
e cattolico, ma d'nn cattolicismo ideale e poetico'.
Ganz wohl; aber wenn daran die Bemerkung angeknüpft
wird; 'il suo poema, rispetto alla religione, significa il
sorgere della ragione contro 1' autoritä", so muss ich das
als ein Missverständniss der dem Zeitalter der grossen
Scholastiker eigenen Auffassung des Verhältnisses von
Glauben und Wissen bezeichnen. Unfasslich ist auch,
wie der Verf. S. 248 sagen kann; "Dante fu 1' ultimo
dei credenti, perche la religione aveva sostanza per lui,
che r aveva soUevata dal nebbioso sentimento alla serenitä
deH'intelligenza, e 1" aveva unita all' arte nelle forme
della sua fantasia'; während derseli)e sich S. 249 — 251
sehr entschieden dagegen verwahrt, dass deutsche Pastoren
D. zu einem Vorläufer der Reformation machen wollen.
Der religiösen Umkehr D.'s entspricht der Uebertritt
desselben vom Guelfenthtim zum gemässigten Ghibellinis-
mus, wie er zu Anfang des II. Buches De Monarchia
geschildert wiiVl (S. 259) und wie er wiederum nur das
Resultat geistiger Vertiefung war (S. 262). Indessen
fand diese 'Conversione politica' bereits gleich nach
Beatricens Tode (1291) statt. ('??)
j Der zweite Theil des Buches behandelt D.'s Werke.
Xachdem Sprache, Poesie und Prosa Italiens im 13. Jh.
besprochen sind (S. 269 — 302), werden zunächst die
lyrischen Poesien D.'s untersucht, mit denen seine litera-
rische Lautlahn beginnt (S. 302— 313). Der Verf. geht
dann zur "Vita nuova' über (S. 313 f.). deren Xoth-
! wendigkeit zum \'erständniss des Dichters er hervor-
I zuheben nicht unterlässt. Verfasst \VTirde das Buch
einige .Jahre vor 1300, wie daraus hervorgeht, dass es
dem am 27. oder 28. August 1300 verstorbenen Guido
Cavalcauti gewidmet ist. Diese Datü'nng. welche auf
Del Lungo (Dino Comp, ET, 1, XXI, 26) ziuiickgeht,
ist sicher, während Lubins Ansatz 'nach Osteni 1300'
ganz willkürlich ist (S. 324). Das 'Convito' oder 'Con-
95
1891. Litoraturblatt für gorrnaniBclio uml romanische Philologie. Xr. 3.
96
vivio ist eine Selbstapolofrie, welclie D. schrieb, zunächst
Hill sieh von ilem Vorwurf zu reiiiis'eii, als sei er sinnlichen
.\nss(lnvi'ilunf?en lang:e Zeit hinjregreben f^ewesen, dann in
der .Vbsidit. Andere zu bcliliren (S. .-$26 f.). Der Titel
ist riato entnommen. Das Hudi ist 1808 geschrieben,
Wo wissen wir nicht. Es blieb unvollendet, weil der
l>i(litii- seinen .Sinn änderte und, in das dritte Stadium
s.-iner Entwicklung einjretreten, das Couvivio nicht fort-
setzen konnte; statt dessen schrieb er die Retractation
in der Commedia III. 87 ff. (S. 337). Das Buch 'De
\uljrari Elocjuentia'. welches sich mit dem Couvivio' nielir-
iMcli bfiiihrt, wurde vor 1309 verfasst (S. 355): 'De
Mduarchia' ist ein unzweifelhaft echtes Werk des Dichters,
liei welchem ihm namentlich an dem Gegenstand des 8.
IJuclies, den Beziehungen von Staat und Kirche, gelegen
war (S. 3li3 f.) und wobei die unmittelbare Einsetzung
des Kaiserthnms durch Gott den Hauptvorwurf bildet
(S. o()7 f.). ^\■a^M das Werk entstand, ist nicht mit
(iewissheit festzustellen. Manche Ai'guniente sprechen
dafür, dass es vor der Exilirung verfasst, andere, dass
es nach derselben geschrieben wurde (S. 373 f.).
Dass D. zahlreiche Briefe geschrieben, kann nicht
bezweifelt werden. Die Frage ist nur, was von den
auf uns gekommenen als echt zu behalten ist. Als solche
liezeir-liuet Scartazzini nur diejenigen an die Fürsten
und Völki I- Italiens, an die Florentiner, an Heinrich VII.,
an die italleiiisclien Cardinäle ; zweitelhaft sind ihm die
Briefe au den Cardinal von Prato, an Moroello Malaspina
(ich halte diesen für unecht), an den Florentiner Freund
('veemente sosi)etto di falsiticazioiie'), an Can Grande
(dessen Echtlifii auch ich nicht annehmen kann). Uu-
zweitelliaft gefälsdit erscheinen Sc. ausser den von dem
Cod. ^'atic. gebotenen drei Schreiben an Marglierita di
Brabante der Brief an Uberto e Guido conti di Eomena,
an Cino da Pistoja, an Guido da Polenta (S. 381 &.).
.\pokryph sind ferner viele der 'Rime', indessen 'oggidi
la ciitica non e peranco in grado di sentenziare detiniti-
vamenfe ijuali siano autenticho e (juali non'. Zu diesen
:ipoki-yplien (iediehten sind wahrscheinlich zu zählen die
-iel)en l!uss])salnien und das Credo; sicher unecht sind
die 'Laude in onore di Xostra Donna', das 'Xuovo Credo
di Dante', das "Carme lirico' über das Exil und die Ab-
liandlung 'Quaestio floruleuta ac perutilis de duobus
ilemeutis .-\(|nae et Terrae tractans' etc., welche Man-
liedo da Miinteferrato 1508 zu Venedig herausgab
und Welche noch mein Freund Sto)ppani, dessen plötz-
lichen Hingang wir vor wenigen Wochen beklagt haben,
als ein höchst merkwürdiges Document, als eineu Beweis
für Dantes tiefe Einsicht in die Naturgesetze ansah, so
dass er als Voi'läufei' Leonardo da Vincis anzusehen
wäre. Leider kann nicht zweifelhaft sein, dass die
i^uaestio iiielit von I). herrührt, sondern eine Fälschung
aus der Zeit Leonardos selbst ist (S. 415).
Die erste Idee der D. C. hatte 1). in seinen jungen
Jahren und es handelte sich zunächst um eine Glorifl-
cation Beatricens (S. 418). Die Verwirklichung der
Idee wurde indessen hinausgescludjen (S. 418 f.). Dann
erweiterte siih der Plan, die urspiüngliclie .\bsi( lit trat
zurück, und als Haujitzweck schwebte dem Dichter nun-
nielir vor dem sündigen Menschen und der gesummten
Menschheit den Weg des Heiles aufzuweisen (.8. 420).
I»ie D. C. konnte dabei erst einige Zeit nach dem Cou-
vivio und der Vulgare Elo(|Uenza begonnen sein: die
berühmte Stelle vom Veltro kann, wenn in letzterm
Can Grande zu sehen ist, nicht vor Heinrichs VII. Tod
geschrieben worden sein (ebd.); der Canto XIX des
Inferno konnte erst nach Clemens V. Tod, also nach
dem 20. April 1814, entstellen. Die Entstehung der
Commedia ist mit Wahrscheinlichkeit zwischen 1.818 —
1821 zu setzen (S. 422). Sie ist das Document des
dritten Stadiums in D.'s Entwicklung, wie die 'Vita
nuova' das des ersten, 'Couvivio' und 'Volg. Eloq.' das
des zweiten. Der Dichter setzt aber seine 'Vision' ins
Jahr 1300, weil dies das Jahr seiner beginnenden Er-
hebung aus der 'Verirrung' war. Der Brief des Frate
llario. Welcher alle drei Cantiche der D. C. 1308 be-
endigt sein lässt, ist eine dreiste Fälschung (S. 429).
Der Plan der D. C. scheint von Anfang festgestellt und
auf 100 Gesänge berechnet worden zu sein; die Ent-
stehung der einzelnen Theile des Gedichtes und der
einzelnen topographischen Schilderungen wird au ver-
schiedenen Orten und zu sehr verschiedenen Zeiten vor
sich gegangen sein (^S. 427), nachdem die ^laterialieu
viele .fahre hindur<ii gesammelt worden (S. 4210. Füi'
sie wurden die hl. Schrift und die Väter, die Scholastiker
und Mystiker des Mittelaltei-s, die griechischen und latei-
nischen Philosoi)hen und Dichter, bes. Ovid, Statins,
Lncauus und Virgil, herangezogen. Auch die äussere
Form schliesst sich an Vorbilder an: D. musste, sich an
die geistlichen Spiele und an die dem mittelalterlichen
Bewusstsein geläutigen Visionen' ähnlicher Art anlehnen.
Er ist darum als Dichter nicht weniger originell denn
RaiK'ael als Maler.
Das grosse Gedicht D.'s wurde von ihm selbst
'Commedia' betitelt; der Zusatz 'divina' erscheint zum
ersten Mal auf dem Frontispiz der .Ausgabe Didces
(Venedig, (üolito, 155.")). Die Bezeichnung hat den
Sinn, welchen bei den Italienern 'Connnedia' d. i. Dar-
stellung mit fröhlichem Ausgang im Gegensatz zur 'alta
tragedia' hat (S. 43ti). Die Architektur der drei in
dem Gedicht geschilderten AVelteu entspricht der kii-ch-
licheu Lehre und den geographischen und astronomischen
Vorstellungen der Zeit. Zur Erklärung sind die .An-
schauungen über die Zahlensymbolik des Mittelalters
herbeizuziehen. Sie spielt auch in den bestimmt abge-
messenen und sich entsprechenden Verszalilen der D. C.
ihre Rolle (S. 441). Sc. schildert dann den Bau der
einzelnen Cerchi in Inferno und Purgatorio und des
Sündensysti'uis unter Hinweisung auf des Herzogs von
Caetani-Sermoneta .Arbeit als auf das beste Hilfsmittel
in dieser Richtung (S. 451). Er gibt dann eine l'eber-
sicht der ganzen Reise D.'s durch die drei Reiche
(S. 452— 4(il) und kehrt sofort zu den für die Gesammt-
auffassung massgi'benden zwei ersten (lesiingen des Inferno
zurück (S. 4<i2). Es wird hervorgehoben, dass die älteren
Erklärer in auftallemler Uebereinstimnunig alle den speeiell
religiösen Charaktei' der D. C. festlialteu, dass sie säniiut-
lich in Dante den 'uomo peccatore smarrito nella sidva
dei vizi' sehen, der sich aus diesem Zustand nur durch
das Zuhiltekommen der Gnade befreien kann; dass sie
alle dementsprechend in den drei Thiereii des Einganges
die Allegorien der drei llauptsünden (.Augenlust, Fleisdies-
lust, Iloftart des Lebens), bezw. Fleisch. Welt und Teufel,
ei'blicken. Die Annahme eines iiDliliscIien Zweckes be-
ginnt mit Dionisi, wird von Marcliefti (I8lil — 24)
hauiitsächlich ausgebildet und entwickelt sich unter den
Händen Rossettis und .Ai-onx' zur .Absurdität (S. 4li4).
Die 'Selvosa e deserta valle' wird liier zu des Dichters
Elend im Exil, der 'dilettoso monti^' ist der gewünschte
Friede mit der Heimath, 'lonza, leune und lup.i' sind
07
(Wt| tjiti'intuililatt für ^urimtiiiHi'lio iiirl roiiKiiiiaohe Philolo^'in. Nr. 3.
98
ilif ihm ent^eg'enstelienden politischen Sfächte Florenz,
Fianki-eitli, Rom. Die ü. C. wäre dann nicht die Epopöe
dir Erlösnng:, sondern dei' 'canto imperiale contro il
pa|)atu'. Jiit der weitaus grössten Zalil der modernen
Iiiteiiireten liält Scartazzini unentwegt an dem religiü.s-
moralisihen Cliaral^ter der C. fest, und sieht in Dante
"il singülo individuo che percorre per la propria sua
persona la via delhi salvazione, ed e nello stesso tempo
Tuomo, che dal peccato si pnrifico e dallo stato di
perdizione sale allo stato di grazia' (S. 470). Die Details
des Eingangsg:e«anges werden dann auf Grund der
bibliseliiii Symbolik untersucht. Der Wald ist Sc. das
sündhafte Leben, die Thiere können also, meint er, nicht
die Sünden selbst sein, da sie ausserhalb des Waldes
erscheinen, er sieht daher (mit Beizieliung entsprechender
bildlicher Sciiriftstellen) in der Lonza den Unglauben,
im Löwen den Stolz, in der Wöltin die falschen Doctrinen
(wozu zu vergl. Inferno X, 15). Hier scheint mir ein
Fehler in der Argumentation vorzuliegen. Die 'Selva'
ist sicher die 'vita peccaminosa', aber dessen ungeachtet
können die Thiere als Allegorien der drei Hauptleiden-
scliaften ausser des Waldes gesetzt werden, indem sich
der Dichter diesen drei objectivirten Mächten gegenüber
erblickt. Ich will damit nicht gesagt haben, dass die
Ausdeutung der Thiere als Unglaube — Stolz — falsche
Doctrin durchaus abzulehnen sei. Ganz einverstanden bin
ich mit Sc. in der erweiterten r»eutung des Dicliters als Re-
präsentanten der Jlenschheit; aber ich bin der sichern
Ueberzengung, dass der von D. selbst in seiner Berechtigung
anerkannte anagogische Sinn zu der Auslegung führt,
dass ausser dem Individuum die Gesellschaft, und zwar
die im Christenthum organisirte Gesellschaft gemeint ist.
Und hier ist der Uebergang zu der nur in diesem Sinne
zulässigen kirchen]iolitischeu Erklärung der D. C: die
christliche Gesellschaft oder die in der Kirche organisirte
Menschheit kann ihre Rettung nur finden gerade so wie
das Individuum, indem sie den Kampf aufnimmt mit den
drei Thieren. Die Ausdeutung des Yeltro hängt damit
aufs engste zusammen. Die politischen Phantasien der
Rossetti u. s. w. werden von Sc. gewiss mit vollem Recht
bei Seite geschoben, aber das Eintreten eines politischen
Elementes scheint ihm doch möglich: 'non ha nn senso
politico il famoso vaticimo del veltroV Non sappiamo
dare risposta piecisa, certa a tale domanda . . .' Und :
'da chi sperava I'ante che egli a\Tebbe sradicata e distrutta
ovunqne la falsa dottrina? E la risposta a tale domanda V
La D. C ha enimmi che aspettano ancor sempre il loro
Edipo' (S. 477). Im Commeutar hat sich Sc. (I, H) für
Can Grande als Veltro entschieden; aber die Auslassungen
II, 802 — 817 und hier zeigen, dass ihn diese Inter-
pretation doch nicht völlig befriedigt. Ich bedauere,
dass er auf den Gegenstand im Zusammenhang der
Prolegomena nicht näher eingegangen und u. a. Dol-
lingers Dante als Proi>het' nicht erörtert hat.
Im Verlauf der Darstellung gelaugt Sc. zur Unter-
suchung des Inferno der D. C, der Kategorien der
Sünden und Sündenstrafen (S. 479 ff.), wobei er Stellung
gegen diejenige Antfassnng nimmt, welche im Inferno
D.'s mir ein Symbol des Seelenzustandes des Sünders
sieht, während auch eine .Schilderung der Ewigkeit darin
zu suchen ist (S. 482). Im Purgatorio und Paradiso
mischen sich die beiden Elemente, das individuelle und
das nniverse'lle so, dass die Unterscheidung oft schwierig
wird, indem gezeigt wird, wie neben dem individuellen
Reinigungsprozess Gott die Heilung der Jlenschheit durch
Kaiserthnm und Kirche bewerkstelligt (S. 485). Es
werden dann die Bewohner der drei Reiche besprochen
und natüilicli auf die vielen Räthsel hingewiesen, denen
wii- hier gegenüberstehen und die sich keineswegs alle
durch die Annahme lösen, dass der Dichter, wie Im-
briaui meint, überall, wo er Zeitgenossen nennt, nur
Motiven des Hasses oder des \\'olilwollens folgte. Sc.
constatirt, dass D.'s System in Bezug auf die Auswahl
der genannten Personen noch zu untersuchen bleibt
(S. 494). Er behandelt dann (S. 494 f.) die Hüter der
Hölle und des Fegfeuers und die Gründe, weshalb das
Paradies keine Custodeu hat ; weiter die Führer (S. 50 1 ft".),
wo er das Programm der D. C. und den Sdilüssel zum
Verständniss des ganzen Gedichtes in den AVorten der
'Monarchia' (III, 15) findet: 'duos tines Providentia illa
inenarribilis homini posuit intendendos, beatitudinem scilicet
huius vitae, quae in operatione propriae virtutis con-
sistit, et per terrestrem Paradisum figuratui'; et beati-
tudinem vitae aeternae . . . quae per Paradisum coelesiem
intelligi datur Propter quod opus fuit homini
duplici directivo. secundum duplicem tinem: scilicet sunimo
Pontilice, qui secundum revelata humanuni genus per-
duceret ad vitam aeternam; et Iniperatore, qui secundum
philosophica docnmenta genus humanum ad temporalem
felicitatem dirigeret". Scartazzini erklärt demgemäss
Virgil als Symbol oder Personifikation der kaiserlichen,
Beatrice als solche der kirchlichen Autorität.
Man kann sehr wohl anerkennen, dass in dem be-
regten Passus der 'Monarchia die Grundlage der Dan-
teschen Anschauung gegeben ist, ohne darum von der
traditionellen Auffassnng abzugehen, dass Virgil das Licht
der Vernunftwissenschaft (mit Einschluss der natürlichen,
staatlichen Ordnung der Dinge dieser Welt), Beatrice
das übernatürliche Licht der göttlichen Wissenschaft und
Gnade, sagen wir, die Theologie repräsentirt. Sicher
ist, dass die Anschauungen der Monarchia in den langen
Jahren, ehe die Commedia abgeschlossen wnrde, eine
staike Umwandlung in des Dichters Geiste erfuhren.
Dann aber scheitelt die Sc. 'sehe Erklärung an mehr als
einer Klippe, ebenso wie die kürzlich wieder aufgenom-
mene Ansicht, welche in Beatrice die Kirche selbst er-
blickt. Die Kirche ist zweifellos in dem Wagen dar-
gestellt; sie kann daher nicht in Beatrice gemeint sein.
Beatrice wird schliesslich in ihrem Geschäfte abgelöst
durch die Beschauung (repräsentirt durch "'S. Bernhard);
das ist ganz richtig, wenn Beatrice = der theologischen
Wissenschaft ist, welche schliesslich der Anschauung-
Gottes Platz macht; und so entspricht es den Angaben
des Bonaventnraschen Itinerarium nientis ad Denm, das
D. sicher bekannt war und wohl weit mehr Einfluss auf
ihn geübt hat, als bisher meist angenommen wurde.
Weiter hei'rscht und führt die Kirche bloss in statu
viatoris, d. h. sie hört im Jenseits auf, wo die Apokalypse
keinen Tempel mehr sieht; sie kann darum nicht von
der Contemplation abgelöst werden, und es miiss die
Ausdeutung darauf verzichten, in Virgil und Beatrice die
Repräsentanten der staatlichen und kirchlichen Ordnung
zu sehen: es kann sich hier nur um Wege der Er-
kenntniss und die Seelenführung handeln. Ich er-
laube mir — zum ersten Male m. AV. — darauf hin-
zuweisen, dass auch hier D. sich — wie sich das in
einem populär sein wollenden Gedichte von selbst ver-
stand — gerade so wie Ralfael in seiner Camera della
Segnatura an längst in die Autfassung der Zeit einge-
bürgerte Vorstellungen anschloss: des Dichters Ideal weib.
99
1891. LitcriiturbUtt für j^eriunuisclie uinl rünianisclie i'hitulogiv. Nr. 3.
100
Beatrice, ist nur die Aufnalinie der Lelirerin hiiiimlischer
Weislii-it. wie sie uns in gewissen imtrisliselien Werken
— ieli nenne nur des lil. Gregorius Tiiauninturgns Expos.
Fidei und die ^liniatur des Cnd. Kossanus - entgegen-
tritt. Ich horte ein anderes >Ial und an einem andern
Orte aus/.ut'iijiren, wie alle anderen Deutungen üeatrieens
sich damit erledigen.
I>ie letzten beiden Abschnitte des Üuclies geben
eine kurze Tebersicht über die Haudschril'ten D.'s, die
bis jetzt gemachten Versuche, das Verhiiltniss deiselben
zu bestimmen {.Arbeiten Taubers, lioores etc.) und
dem Originaltext des Dichtei-s nahe zu kommen: dann
der .Ausgaben (es sind deren im (ianzen etwa .'550, wo-
von 1.5 ins 1.5.. .■)<) ins Ifi., :] ins 17.. 31 ins 18. und
250 ins 19. .111. fallen! Die erste .\nsgabe ist die von
1472, mit der .\ldiua von 1502 beginnt die sog. Vul-
gata), unter denen diejenige Wittes (1862) als erster
'Versuch' einer kiitisclien Edition aneikannt wird, wührend
für den Handgeljraudi die Passiglisclie (Prato 1847 — 52)
empfohlen wird (.">. 522). Es werden dann die Commeu-
tatoren iilteier und neuerer Zeit besiinuhen (S. 523 ft'.),
an der Authenticitiit der Jacopo D.'s Sohn zugeschriebenen
Chiüse (1323) ernstlich gezweifelt, nicht aber an der
Echtheit des dem andern Sohne D.'s, Pieti-o, zugeschrie-
benen ronnnentars (v. 1340). l'nter den deutschen Er-
klärern werden Pliilalethes und Witte als die besten
anerkannt. Scartazzini kommt dann zu den Ueber-
setzuiigen, deren wichtigere angeführt und kurz gewür-
digt werden (untei- den französischen ist liier auttallender
AVeise diejenige Lamennais' übersehen, von welcher
eine neue .Ausgabe. Paris 1883, vorliegt). Endlich wird
in einem Scliluss|)aragraplien über die Illustratoren, Nach-
ahmer und llewundeier D.'s gesjiroclien und der Einfluss
Dantes auf die Kultur Eur(]pas kurz angedeutet. Die
Ausführungen über die in den Handschriften der D. C.
enthaltenen Illustrationen, wie über die durch D. an-
geregten Knnstschöpfungen enthalten gewiss manche
sdiatzenswerthe Xotiz, sie sind aber vielfach unvollstän-
dig (so scheinen Sc. wie den meisten andern Daiite-
freuiulen Luca Signorellis Wandbilder in der Sacra-
mentskaiielle zu Orvieto unbekannt geblieben zu sein —
ich beabsichtige sie demnächst heiauszugeben ; weiter
spricht er zw'ar von Botticellis Illustrationen, wie sie
in Landinos Ausgabe von 1481 beigegeben sind, schweigt
aber ganz von der jetzt in Berlin bewahrten Handschrift
des Sandro Botticelli und deren prächtiger Ausgabe).
Ich schliesse damit die Analyse eines Werkes, welches.
Alles in Allem betiachtet, sicher als die beste, vollstän-
digste und zuverlässigste Einleitung in die D. C. zu be-
zeichnen ist. Man kann, im Interesse deutscher Leser,
bedauern, dass es nicht in deutscher Sprache vei'fasst
ist. Anderseits hat der Verf. der wissenschaftlichen
Forschung sicher einen Dienst erwiesen, indem er sich
des italienischen Idioms bediente «nd damit sein Werk
zu einem höchst nützlichen und bequemen Mittel des
internationalen Austausches gemacht hat.
In den früheren Schriften Scartazziuis ist die Herb-
heit seiner Polemik und die Kücksiclitslosigkeit .seiner
Sprache und seiner Beurtheiluuf fremder Leistungen oft
beklagt worden. In dem vorliegeiulen Bande hat sich
der Xi-rf, der I'olemik ferner gejialten und nur wenige
scharfe Ausfülle sind zu verzeichnen (so öfter gegen
Giuliani, S. 311. 405. 515. 51!». 520: gegen Lubin
S. 324). die man bedauern kann, denen icli aber die
sacliliclie Berechtigung im .Allgemeinen nidit absprechen
möchte.
Freiburg i. B. Fr. X. Kraus.
St II der, Jnlius, Walliser und Walser, eine ibuisclic
Sprnrbvorsoliicbuiig. Zürich. F. Scluiltliess in Cnmiii. I.SSli.
Der A'erfasser sucht in dem sehr hübsoli geschriebenen
und lesenswcrthen Büchelchen von 56 Seiten klein 0( tav.
das oft'enbar bis jetzt nur sehr wenig Beachtung gefunden
hat. ..eine der bedeutendsten Sprachverschiebungeu in
den Alpen, die AVanderungeu dei deutschen Walliser
und Walser zu schildern. Seine Arbeit ist freilich weniger
hei'vorgegangen aus den Erfahrungen, Beobachtungen
und Bekanntschaften auf selbst erlebten Touren, ans
eigenen Schlüssen und Vermuthungen, als vielmehr aus
einer allerdings bis jetzt nicht bestehenden Zus.immen-
stellung vo?i Studien, die er aus einer Fülle wissen-
schaftlicher Werke, aus tnxkenen historischen Quellen,
sowie aus frischen Reisebeschreibungen geschö])ft hat."
Er theilt uns ziemlich vollständig die wissenschaft-
liche Entdeckmigsgeschichte der deutschen Sprachinseln
und -Halbinseln im Süden der Walliser Alpen, also be-
sonders in den Südthälern des Monterosastockes unil im
Tosathal mit, gibt eine kurze Darstellung der Zustände
in diesen tiemeiuden, bespricht die Mundarten und ihre
A'^erschiedenheiten und bezeichnet dieselben nach mit-
getheilten Spracliproben als ländliche A'arianten des Alt-
hochdeutschen, das sich in jenen abgelegenen Thälern
fast unverändert erhalten hat. Da die .Mundarten un-
bedingt auf A'erwandtschaften mit Oberwallis hinweisen,
so entscheidet sich der Verfasser zur Erklärung jener
interessanten südlichsten Theile des deutschen Sprach-
gebietes für eine Kolonisation aus dem deutschen Wallis,
für Welche auch die historischen Belege beigebracht
werden, denen zu Folge jene Kolonisten auf (iruml
dynastischer und lehensrechtiicher Beziehungen im 11.,
12. und 13. .Tahrhundeit von Nord nach Süd ausge-
wandert sind.
IMe deutschen Oberwalliser — mit grösster Wahr-
scheinlichkeit nichtromanisirte Burgunder — , die wir
auch in den Thälern der Kauder. Lütschine und obern
.Aare des nördlich angrenzenden Berner (iebietes finden,
die ferner über die Fui'ka und Oberalp nach Osten, nach
Graubünden, Liechtenstein, A'orarlberg und AVesttirol
gewandert sind, wo wir sie als „freie, deutsche AValser-
leute'' antretfen, haben sich überall, wohin sie kamen,
als tüchtige, ansdauei'ude Kolonisten erwiesen, welche
trotz ihrer geringen Zahl nml ihrer Stammes- und oft
auch sprachfrenulen Umgebung Bauart, Tracht, Sitte un<l
Sprache lange bewahrten, vielfach bis auf unsere Tage
herab,
A'on diesen deutschen Burgunder-Resten sind weitaus
die interessantesten diejenigen im Süden der Al))en, in
Piemont. Referent, der im .August 1890 die deutschen
Sprachinseln im Tosa-, Anzasca-, Sesia- und Lysthal
besuchte, kann bestätigen, dass Studers Darstellmigen
durchweg das Richtige treffen, wenn auch einige kleine
Ungenauigkeiten mit unteiiaufen, die eben erklärlich
sind, weil der A'^erfasser nur ans fremden, zum Theil
nicht ganz neuen Quellen schöpfte. So ist z. B. die
Kirchensprache nirgends mehr deutsch ; in allen in Frage
steheuilen Gemeinden ist sie italiiMiisch. nur in (ire.ssoney
französisch. Letzteres nuiss daium geradezu als diei-
spiacliig bezeichnet werden. Gressoney ist auch das
einzige Thal, dessen Schule nicht rein italienisdi. sondern
101
1891. [iiternturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3.
102
itnlitiiiscli iiiid deutsch ist, was alk-idiiiKs i«"' der ganz
besdiulein Tiicliti^keit und Energie dtr heivoiiagend
gebildeten Bewolmei- verdankt weiden muss und Slülie
und Käinide genug verursaeht. Trotz soklier kleiner
I iirielitigkeiten verdient Studers Büchlein Beachtung
und ist Allen, welche sich um die südlichsten Verspreng-
linge unseres \'olksthums innerhalb des Alpengebietes
interessiren, zur Leetüre zu enipfehlen, da es iu abge-
ruiuleter und vollständiger Weise über alle wissens-
wertheu Verhältnisse derselben Aufschluss gibt.
Freiburg i. B. L. Neumann.
Zf i t sc Ii r ift c ii.
Ai-chiv f. das Studium der neuem Sprachen u. Litera-
turen LXX.N.V, J. u. 3 (Nachtrag zu Ltbl. Sp. 29): A.
IJöring, Alex. Lauen.stein u. Kurt Grottewltz. Sonnenauf-
gang! Die Zukunt'tsbahnen der neuen Dichtung. — K.
\V e i n h o 1 d , Paul Steinhäuser, Wernhers Marienleben in
seinem Verliäitniss zum Libcr de infantia sanctse Mariae et
Chri.sti salvatoris nebst einem metrischen Anhange. — D e r s. ,
Wenzel Horäk, Die Entwickelung der Sprache Hallers. —
.\.t\. Müller, English Svntax. Translated from the , Gram-
matik der englischen Sprache'" by Dr. F. W. Gesenius. —
Ders. , Echo of the Spoken English. First Part: Children's
Talk by R. Shindler. M. A., London; Derselbe Text mit
einer vollständigen ileutschen üebersetzung von Dr. phil.
F. IJoüch-Arkussy. — Emil Penn er, A Simplified System
of English Stenography, by G.Michaelis. -^ Ad. Müller,
M. Seamer. Sliakspere's Stories für Schulen bearbeitet und
mit .\nmerkungen Ter.«elien. Von Dr. Heinr. Saure. — J. Z.,
The Compleat English Gentleman. By Daniel Defoe. — H.
Br esslau, A History of the Four Georges. By Justin
McCarthy. — Julius Zupitza. ünder Salisbury Spire in
the Days of George Herbert, the Recollections of M«gda-
lenc Wydville. By Emma Marshall. — Ders., A Waif of
the Plains by Bret Harte. — Ders., Syriin by Ouida. —
Ders., The ßlack-Büx Murder. By the Man who discovered
the Murderer. — Ders., A Daughter's Sacrifice. A Xovel.
By F. C. Philips and Percy Fendall. — Ders.", The Bond-
nian. A New Saga. By Hall Caine. — J. Z., Piain Tales
from the Hills. By Rudyard Kipling. — J. Z., The Sin of
Joost Avelingh. A Dutch St/ry. By Maarten Maartens. —
J. Z., Donovan: a Modern Englishman. A Novel by Edna
Lyall. — J. Z., In Thoughtland and in Dreamland. By Elsa
D'Esterre-Keeling. — J. Z., The Rajah's Hcir. .K Xovel. —
J. Z., Beatrice. A Novel. By H. Rider Haggard. — J. Z.,
The Duke's Daughter. By Mrs. üliphant. — Uno Linde-
löf, Alfred Svensson, Echo der schwedischen Umgangs-
sprache. — J. Z., Die Gcsta Romanorum. Nach der Inns-
brucker Hs. vom Jahre 1342 und vier Müuchcner Hss. hrsg.
von Wilhelm Dick. — A. Tobler, Gerhard Franz, Ueber
den Bedeutungswandel lateinischer Wörter im Franzö-
sischen. — Ders., P. Kreutzberg, Die Grammatik Malherbes
nach dem ,Commentaire sur Desportes". - A. S., Gaston
Paris, La litterature frangaise au moyen äge (Xl" — XIV°
siecle). — Leopold Bahlsen, Fr. Kreyssig, Geschichte der
französischen Nationalliteratur von ihren Anfängen bis auf
die neueste Zeit. I. Band: Geschichte der franz. National-
literatur von den ältesten Zeiten bis zum 16. Jh. Bearb.
von Adolf Kressner. — A. T., Hugo Saltzmaun, Der histo-
risch-mythologische Hintergrund und das System der Sage
im Cyklus des Guillaume d'Orange und in den mit ihm ver-
wandten Sagenkreisen. — Fr. Speyer, Französische Gram-
matik für Mädchen. Von M. Weiss. Theil I: Mittelstufe;
Französisches Uebungsbuch für Mädchen. Von M. "Weiss. —
Ad. Müller, Echo du Francais Parle. I toine. Conver-
sations enfantines par Fr. Foulche-Üelbosc ; Dasselbe mit
einer vollständigen deutschen Üebersetzung von F. ßooch-
Arkossy ; Echo der franz. Umgangssprache. IL Theil. Von
Fr. Foulche-Delbosc. Mit einem vollständigen Wortregister
von F. liooch-Arkossy. — Adolf Tobler, Le lai de l'Ombre
publie par Joseph Bedier. — S. Waetzoldt, La Societe
Frangatse au dix-septieme Siecle. .\n .\ccount of French-
Society in the XVII"' Century from Contemporary Writers.
Edited für the üse of Sohools and Colh ges, with an Intro-
duction and Notes, by Thomas Frederick Crane. — Ders.,
Les Precieuses riilicules par J.-B. P. .Voliere. With Intm-
duction aud Notes by E. G. W. Braunholtz. — Fr. Speyer,
Segur, Histoirc de Napoleon I et de la Grande Armee
pendant Tann/e 1S12. Unter Miiwirkniig von B. Schmitz
erklärt vun_H. Lainbeck. — Ad. .Müller, Thicrs, Hoiii-
parte en Egvpte et en Suic. -Mit Einleitung u. .\nmerk.
hrsg. von K. A. M. Hartmänn. — Adolf Tobler, William
Ccojidge Ijane. The Diinte Coilections in the Harvard
College and Boston Public Libraries. — LXXXV, 4: Im-
manuel Schmidt, Der vierte deutsche Neuphil"lügentag.
H. Lübke, Ueber verwandtschaftl. Beziehungen einiger
ae. Glossare. — F. II o 1 1 h a u s e n . Beiträge zur Erklärung u.
Textkritik der York Plays. Julius Zupitza, Hand-
schriftliche Bruchstücke von John Skelton's ,Wliy come ye
nat to Court?" — Ders., Versus de Septem peccatis et
decem inandatis. — Ad. df Tobler, Kleinere Schriften von
Ferdinand Wulf zusammengestellt von E. Stengel. — Fr.
Bach mann, J. H. Deinhardt, Beiträge zur Disp^sitions-
lehre. Für den Gebrauch an höheren Ijchranstaiten. — G.
Schleich, English Vooabulary. Methodische Anleitung
zum Englisch Sprechen mit durchgehender Bezeichnung der
Aussprache V"n Gustav Ploetz. Dritte vermehrte u. verb.
Auflage. — Ders., Martin Jacoby, Vier niittelengl. geist-
liche Gedichte aus dem 13. .ih. — J. Z . The l'.urnt Million.
By James Payn. — J. Z., \ Reputed Changeling or Three
Seventh Years Two Centuries ago. liy Charlotte M. Yonge.
— J. Z., Blind lull. A Novel. liy Florence Mnry.a. — J. Z.,
The House of the W(df. \ Romance. By Stanley J. Wey-
nian. — J. Z., For Faith an 1 Freedom. I!y Walter liesant.
— J. Z.. The Scudamores. A Novel. > y F. C. Philips anl
C. J. Wills. — J. Z., In the Golden Davs. Hy Edna Lyall.
J. Z., Pearl-Powder. A Novel. l!y Mrs. .\nnie Ivlwardes
— J. Z., Acte. A Novel. By Hugh Westbur.. — K. Mah-
renholtz, Comte de l'uymaigre, Jeanne Darc au theätre
(1439— IS'JU). — Adolf Tobler, M.-A. Lesaint, Traite
coniplet de la prononciation francaise dans la seconde moitie
du .X.I>i.' siecle. Troisieme edition entiereraent revuc et
completee par le prof. Dr. Chr. Vogel. - Ders., Diction-
naire general de la langue frangaise du cummencement ilu
XVII" siecle jusqu'ä nos jours preeele d'un Traitü de la
furinaticm de la langue par M.M. A<lolplie Hatzfeld et .\rsene
Darmesteter avec le concours de M. Antidne Thomas. —
Fr. Bachmann. G. Strien, Elementarbuch der französ.
Sprache. — Ders., Fräulein von La Seigliere, Lustspiel in
4 .\kten von Jules Sandeau. Zum Zurückübersetzin aus dem
Deutscheu in das Französische bearbeitet von H. lireitinger.
2. durchgesehene Auflage. — CunoToegel, Racine, Iplii-
genie (Theätre francais XIV, ö, Ausg. I!)- Racine. Andro-
maque (Theätre frangaiä XV, 7. Doppelausgabe). Kacine,
Mithridate (.Theätre frangais XVII, 3 Doppel ausgäbe). Mit
Anmerk. zum Schulgebr. hrsg. von Georg Stern. — D.
Coste, Karl Quielil, Die Einführung in die französ Aus-
sprache. Lautliche Schulung, Lautscnritt und Sprechübungen
im Klassenunterricht. Auf Grund von üiiterrichtswerken
dargestellt. — Ders., Aug. Otto Kesseler, Zur Methode
des französ. Unterrichts. — P. Fr., Catalanisidie Troul>a-
doure der Gegenwart. Verdeutscht un 1 mit einer Uebersicht
der catalan. Literatur eingeleitet von .loh. l'.istenrath. —
Ders., Neues spanisches Lesebuch mit AumerTcun.;cn hrsg.
von Carl Marquard Sauer und Wilh. Ad. Rö'irich. 2. .\ufl.
— Ders., Biblioteea de autores celebres. Tom • I: Cartas
americanas por Don Juan Valera. l'rimera serie. — E.
Pariselle, F. Pirrone Giancontieri, Kaecolta di proverbi
e niodi di dire tedeschi e italiani. — Ders., G. Cattaneo,
Italienische Chrestomathie. — H. Buchlioltz, L' Alighieri,
Rivista di cose dantesche diretta da F. I'asqualigo. — L.
Hol sc her. Programmschau. — LXXXVI, I: Johannes
Hoops, Lessings Verliäitniss zu Spinoza. — Emil lioep-
pel, Chaucer und .\lbertanus Brixiensis. — A. L. Stiefe-I,
Tristan l'Uerniites Le Parasite und seine Quelle. — J.
Bo 1 1 e. Das Lie 1er buch der Konstanze Phili piiie de Barquer.
— E. Köl b i n g , Zur Intelligenza. — Kappes, Zu Archiv
LXXXV, 117. — J. Z., Die neun Eigenschaften des Weines.
— A. Döring, E. Wulif, Prolegomena der literar-evtr-
lutionistischen Poetik. — Jul. Zupitza, Ueutsch-gutisches
Wörterbuch nebst einem Anhange enthaltend eine sachlich
geordnete Uebersicht des gotischen Wortschatzes im I eine
Sammlung von Redensarten und Sprüchen von Oskar Priese.
— Max Roediger, Theodor von Sosnosky, Sprachsünden.
Eine ßlüthenlese aus der modernen deutschen Erzählungs-
Literatur. — A. Döring. W. Cosack, Lessings Laokoon.
Für den weiteren Kreis der Gebildeten und die oberste
Stufe höherer Leinanstalten bearbeitet und erläutert. Vierte,
103
1891. Literaturblatt fOr germanigche und rumänische Pliilulogle. Nr. 3.
104
berichtigte u. vermehrte Aufl. — L. H öl seh e r, K. Rcuss.
nie Stellung ileg .Mn>f Picculom'ni in 'lor Wallenstein-Dleh-
tung. I'nigr. des Civmn. zu ITurzlieim. — .\. üöring, W.
Wetz, Sliaksperc vom Standpunkte ilor vcrgl. Liteiatur-
i;osoliiolite. Krater Hd. : Die Menschen in Shaksperes Dramen.
— .1. Z., Lady IJaby. A N'vol. H_v Durothea Gerard. —
J. Z.. Tiic Kugitives. B_v .Mr.s. Oliphant. — J. Z., Mrs. Ken-
tun. .\ Sketch. Uv \V. K. Xurri». — J. Z., Huffino and uthei
Sturiis. I!y Oui.lä. — J. Z., The End Cruwns All. A Life-
Sturv. Hy Emma .Marshall. — J. Z.. A Cigarettc-Maker's
Kuniaui'e. Ity K. .Marion Crawfurd. — J. Z.. Tlie Word and
the Will. A. Suvtd. Hy James Payn. — J. Z., Margaret
Uyng. A Novel. IJv I. C. Philips an«l Percv Fendall. —
J. Z., One Life, On'e Luve. A Novel. Ity -M. E. Itrad Ion. -
J. Z., \ Bride from the liusli. Ity Ernest William Hurnung.
— J. Z., A Ward ot' the Cddeii Gate. Ity Bret Harte. —
J. Wychgram, Anth ■lugie des puetes fian^ais. Samm-
lung l'rnn/.. Gedichte. Hrsg. von Albert Uenecke. — R.
M a h re n h ol t z , W. Kiiürich, Moliferes Weike. II. Itaml.
Les Precieuses ridieules. Los Eemme.s savantcs. — Ders. ,
Kichard Fester, Kcusseau und die deutsche Geistesphilu-
sophie Ein Beitrag zur Geschichte ile.« ricutschen Mcalis-
mu.<. — E. Pariselle, Carl .Marquunl Sauer. Italienische
C<invers:itions-Grainniatik zum Schul- und Privatunterricht,
hurcligeselien von 0. Cattaneo. it. verb. .\ufl. — Ders..
Johann Lanlelli, Italienische Sprechschule. Ein Hiltsbuch
zur Kintührung in die ital. Conversation für den Schul u.
Privatgebrauch. — Ders., Sophie Heim, Aus Italien.
Material für den Unterricht in der ital. Sprache gesammelt
und mit .\nmerkungen versehen. 2. Heft: Deutsch-ltal. —
Ders., Paul Heyse, Italienische Dichter seit der .Mitte des
lf<. Jh. 's. Itil. 4. Lyriker und Volksgesang. — Immanuel
Schmiilt, Führer ilurch die franz. und engl. Schullectüre.
Zusammengestellt von einem Schulmann. — G. Tanger.
Jul. Gulersolin, Zur -Methodik des fremdspraclil. Unterrichts.
— Ders.. .\lbert v. Koden, Inwiefern muss der Sprach-
unterricht umkehren? Ein Versuch zur Verständigung über
die Reform des neusprachl. Unterrichts. — Ders., The
Teaching and Learning of Foreign Langunges (at home
and in the eountries where they are spoken, especially
Kreuch and English) by a German Advocate of Utilitarian
Education.
Neupbilulo^isclies Centralblatt .i, 2: Reimann, Ein
deuiscli-runiänisclies Uebersetzungswerk. — Schmidt.
Ucber den .\nfangsunterriclit im Französischen.
Modern lHnj;i><i£;e liotes IV, 2. Febr. 1S9I : F. M. War-
ren, „Don Sanclie d'.Vragon" and ,Don Garcie de Xavarre".
— J. E. Matzkc, The historical Hernani. — Ch. H.
Grandgent, Notes on .\merican pronunciation. — Th.
Logic, Some pcculiarities of gendre in the modern picard
dialect. — F. W. Itlackmar, Spanish American Words. —
J. H. B. Spiers, liabbinowicz, Gramnmirc ile la langue
tVan^aise. — S. P r i m e r , Wenckebach, Deutsche Literatur-
geschichte auf kulturhistiir. Grundlage. — D. K. Dodge,
Du C'haillu, The Vikiiig age. — J. 1). Bruce, Linow, Pe
desputisoun bitwen ]te Bodi and jie Soul. — Fr. Spencer,
The poetry of the Franks (Correction).
Tiialstudie XI, 5: J. S. P., De Tetude de la litteralure. —
Homographes. — Parallele entre Paris et Londres. — Lc
L'entenaire de Lanmrtine. — .\ug. G i 1 1 e e , Bulletin biblio-
graphique: Albert Sorel, Madame de Stael ; L. M. lt., Diction-
niiirc general de la langue fran^aise du XVIh siede Jusqu'ä
nos jours par .M. .M. Ilatzl'eld, A. Darmesteter et A. Thomas;
Oe.sproken i'U geschreven Fransch par A. G. van Hamel. —
li. .M. Baale, Questions et reponses, Exercices sur 1«
Grammaire fnincaise par <J.-M. Robert. II y n fagots et
l'agots. — K. ten Bruggencnte, Goethe's Faust and
Shakspeare's Tenipest. — F. A. Schwipper t, Victor
.S(dielfels Ekkehani nach der enomatischen Methotle er-
läutert. — Ders., Lexikographische Notizen für Studierende,
zum Gebrauche bei Uebersetzungen aus dem Niederlän-
dischen ins Deutsche. — XI. t> : d. S. I'., De l'ctude de la
litterature. — J. C. II. Mal ile, Explicntion de quelques
proverbes et loculions ile la langue fran^aisc. — Bulletin
bibliographicjui': .\iig. (Jittee, Dictionnaire general de la
Langue friuifaisi' ilu comniencenient du XVII' siede jusqu'ä
nos Juurs par .M.M. .\dolplic Ilatzl'eld et Arsene Darmesteter
uvec le cencours ile .M. Antoine Thomas: — Gnston Paris,
La Litterature frani;ai»e au .Moyen Age (XI — XIV'' siede).
— L. M. Baale, tiuestions et reponses. — K. ten
Uruggencute, Contributi' ns tu English Grummar. —
Ders., New Bouks. — Ders., Answers to (^orrespondents.
— P. A. Seh wipper t. Lexikographische Notizen für
Studierende, zum Gebrauche bei Uebersetzungen uns dem
Niederländischen ins Deutsche. — Ders., Ein neues Ge-
sprächbuch — Ders., Bücherschau.
MÖIusine V, 7: H. Gaidoz, La Fee .Melusine ä Luxeni-
bourg. — F. S. Krauss, L'Operation d'Esculnpe. — J.
Tuch mann, La Fascinati'n: .\. KfTets de la fascination.
— II. Gniduz, La lecturc de la pensee. — Ders., La
chan.sun de Petit-Jean. — E. Ernault, Les chansons
piipuliiires de la Basse- Bretagne. XXV. — 11. Gaidoz.
Les Rites de la construction : Les .\queducs: Les Digues:
Oblutions ä la mer et presnges. Le Passage de In Lignc.
— II. Gaidoz. Le Suicide.
Zs
f. ileiitsclies Aliertlium n. tleiitsebe Literatur X\XV.
I: Zimmer, Keltische Beiträge III. ■ Die Kinn- (Ossiaii-l
Sage nicht rein irischen Ursprungs; Kinn ist , seinem Ur-
sprung nach jener Führer der Vikingerhorden um die Mitt(
des 9. Jh. 's, der 8.')t5 von ileni thatsächlichen Überkönij;
Irlands, dem Dubliner Vikingerherrsdier Amiaib in .Münster
vernichtet wurde."! — Merinian, nach einer .Mittlieiluiig
von .Mommsen. - Roediger, Nochmals zum Hililebnmds-
liede. — Hoinzel, Acta germanica, hrsg. von Henning n.
Hoffory, Bd. 1. — E. Voigt, t'loetta, Beiträge zur Litera-
turgeschichte lies .Mittelalters und der Renaissance I. -
Heusler, Wilmanns. Beiträge zur Geschichte der älienii
deutschen Literatur, Heft 3. — R. M. .Meyer, Wilmanns.
Beiträge zur Geschichte der älteren deutscheu Literatur,
Heft 4. — K. Kraus, Waag, Kleinere deutsche Ge<licliio
des XI. u. XII. Jh. 's. — Singer, Holz, Zum Rosengarten.
— v. Weilen, Holstein, Joh. Keudilins Komödien. —
.Martin, Bessun, Etüde sur Jean Fischart. - Walzel,
liraitmaier, Geschichte ilcr poet. Theorie u. Kr;tik von den
Discursen der Maler bis auf Lessing. — Literaturnoliziii
(Steinmeyer, Schultz, Die Ueberlieferung der mhd. Dich-
tung ,,.Mai und l'e.iflör"; R. M. Werni^r, H. F. Wagner,
Dhs Schuldramu in Salzburg: Tümpel, W.>ssiolo, Impera-
tivische Wortbildungen iniNd.: II o e t h e . Wappen, llelni-
zierden und Stundarten der grossen Heidelberger Minne-
sängerhs.). — Kleine Mittheilungen (Kossinna, Germ.
Dativ aus der Uümerzeif; Schröder, Zu Wernher von
Elnienilorf; K ü er k , Zu Tannhüusers Käthselspruch ; Her-
mann, Zu ilcn deuisclicn Schriften .\lbrcclits von E»b). —
Notizen.
Zs. f. «leiitsche Piiilologie XXIII, 4: E. Matthias, Die
zehn Altersstufen des Menschen. Aus dem Nachlasse von
J. Za'dicr hrsg. — R. Röhricht, Sagenhaftes u. .Mytliisdio^
aus der Oescliichte der Kreuzzüge. — F. Vogt, Zu Herzog;
Friedrichs Jerusalemfahrt. — II. Beclvcr, Zur Alexandei-
snge. — H. Jellinghnus, Das Spiel vom jüngsten Ge-
richte. — H. Holstein, Zur Literatur des latein. Schau-
spiels des 16. Jh. 's. — R. Sprenger, Zu Goethes Faust.
— K. M a u r e r u. II. Gering, .\ugust Theodor .Möbius.
Necrolog. — E. Voigt, Ch. Schweitzer, De poematc l.itinu
Walthario. — O. E r d ni a n n , G. Locck, Die Honiilien-
sammlung dos Paulus Diakonus die unmittelbare Vorlage
des Otfridischen Evangelienbuches. — 8. v. Monster-
berg, M. Rannow, Der Sutzbau des ahd. Isidor. — K.
Tomanetz, H. Secilorf, Ueber syntactische Mittel des
Ausdruckes im ahd. Isidor. — F. Vogt, K. Donunig, Di i
„K'öseniere'" Wallhers von der Vogelweide, — G, Kctt-
ner, Schillerliteratur (E. Elster, H. Tischler, L. Iteller-
mann, \. Ruhe, J. Goldschmidt, A. t'li'ss). — 0. Wächter,
F. Schultz, Die Ueberlieferung von .Mai und BciiHor. — G.
Voss, F. Alilgrimm, Unlersuchungen über die Gothaer lls.
des Herzog Ernst. — L. Beer und F, Vogt, Zur Orendel-
frage. — E. Martin und II. Brandes, Zu Keinaert und
Wisselau. — - Berichtigung. — Neue Erscheinungen. — Nach-
richten. — E. Mathias, Register.
Wissenstbuftl. Beiheftts zur Zs. des allg. deiitsclien
Sprachvereins Nr. 1: .M. Trauimann, Dir S- Unfug. —
Der Unartig Tcutscher Sprachverderber, mit einer Vor-
bemerkung von H. Riegel. — Lohmeyer, Kaptf, Vor-
namen; Abb'e, Namcu; I'honetische Studien,
Cbr«nlk des Wiener Uoethe-Vereins VI, I: Grillparzer
bei (ioethe. — \T. -': U. Steiner, Gedanken zu dem
handsdirifllichen Nachlass Goethes.
Arkiv för nordisk flloloei VII, S: R C. Boer, Ueber die
Handschriften und Redactioiien der l'idreks snga. — O.
Rygh, Norske Stcdsnuvne paa lo (/«, slü og lignende).
105
1891 MterntHrblntt für germanisclic und romnnisclie Philologie. Nr. 3.
106
.Tarnte Efterslcrift : ,0m norslia ortnanin pä /o" av Fr. Läff-
k-r neli Exkurs: ,Oni l'oranilrin!; af Ociius i niirslcc Stoils-
navne" av Soplui.s l{u<;^o. - E. H. Linil, ßil)liografi für
är 1889. — Eiiinur .1 6 ii s.s o ii , Nokrold^ üvcr Kiinriiil Oi'.<-
lason. — Axi'l Kork, Aniiiälan av ,l):ilala^ens büjiiinjfs-
lära af E llratc".
.Sliakespeariana Oc^t. : Tli. R. Price, Tlic Cyn.striictinn iif
„A Wiiitii-'s Tale". — \j. L. Lawrpnoo, üacon, Coko
an.l tlif „Uapias Urcli^atiiin". — W. V. S. Wilson, Tliat
„Drani "f Eal<''*. — Is Urowninff drivinfj out Sliakospoaro?
— eil. Stopi'.s, The Weinl Sisters in ^Macbctli".
Z.s. f. roiiian. Philnlngie XIV, 3. 4: G. Scliiavo, Kude t;
Supi'rsti/.icini" nidl'antioa poesia francesc. — C'li. lionnier,
Etudf criliquc des Cliarte.s de Douai de 120:1 ä I27'>. —
li. Osterlia^o. Studien zur fränk. Heldensage. — D.
Uelirens, Etynioluglsclies. - C S n 1 v i u n i . Per la l'onte
ilella Sequenza vulgare di Santa Eulalia. — A. IIornin<f.
Zur Eautgeseliielito der ostfrz. .Mundarten. — L. Gaucliat,
Le patoi.s de Douipierre (Brovard). — O. Scliultz, Uer
prov. PsPudo-Turpin. — A. Schmidt, Aus altfranz. Hss.
iler Gr. H<d'bil)lioth<dc zu Darni.-itadt. — H. R. Lang, Joäo
Ribeiro, Graniniatiea portugueza. — v. R e i n h a r d s tö 1 1-
ner, Storck, Luis' de Cauuiens Leben. -- F. N e u ni a n n ,
Seliwan, Grauimatik des Altfranzösischen (S. 543 — .586).
Kiimania 77: Th. i; a t iou c h k o f, Le Debat du corps et de
Tauie. — P. E. Gnarnerio, Postille .sul lessico sardo. —
P. Meyer, Le langage de Die au XIII'' siecle. — G.
Doncieux, La chanson de la Pernette. — F.Lot, Clovis
en Terre Sainte. — G. P., Robert le Clerc d'Arras, auteur
des Vers de la Mort. — P. M., Les trois Maries, cantiqne
provengal du XV" .s. — Comptes rendus: A. Veruier,
Kawczynski, Essni sur l'origine et l'histoire des rythmes. —
G. P., Ercc et Enide hrsg. von Foerster. — P. JL, Prov.
Inedita, hrsg. von Appel. — P. M., Les livres de comptes
des freres Bonis. p. p. Ed. Forestie. — Picot, Le grand et
vrai art de pleine rhetorique de Pierre Fabri p. p. Heron.
— Die Chronique enthält Necrologe über Gius. Morosi,
Konr. Hüfnuinn. A. Seheier und Ch. Ruelens.
Kevue des langnes romanes April -Juni 1890: C. Clia-
b a n e a u et G. Raynaud, Legendes pieuses'en provengal
du XIII" siecle. — E. Rigal, Chrestomathie de l'anoien
francais, par L. C'on.stans.
Zt>. t. franz. Sprache n. Literatur XII, 8; G. Gunder-
mann. Mnuriec Prf'U, M:inuel de paleographie latine et
frangaise du VI" au XVII' siecle. — H. P. Juncker, A.
Birch-Hirschfeld, Geschichte der franz. Literatur seit An-
fang des XVI, Jh. 's. — E. Ritter, Joseph liedier, Le lai
de l'ombre par J. Uenart. — E. Weber, Ewnld Geerlich,
Die beiden Bücher der Makkabäer. — M. F. Mann, Jacob
Ulrich. Robert v. Blnis' säninitliche Werke. — W. Cloetta,
Georg Kötting. Studien über nitfranz. Bearbeitungen der
Alexiuslegende mit Berücksichtigung deutscher und engl.
Alexiuslieder. — R. Mahrenholtz, Eugene Rigal. Äle.x.
Hardy et le Thi'ätre frangai.s ä la fin du XV!' et au com-
mcncement du XVII' s. — F. Heuckenkamp, J. Barbey
d'Aurevilly, XIX' siecle. Les CEuvres et les Homraes. Les
Poetes. — Ph. K r e u t zb e r g , E.Stengel, Chronologisches
Verzeicliniss franz. Grammatiken vom Ende des 14. bis zum
Ausgange des is. Jh. 's. nebst Angabe der bisher ermittelten
Fundorte derselben. — F. T endering. Hermann Bredt-
mann. Der sprachliche .\usdruck einiger der geläufigsten
Gesten im altfranz. ^Karlsepos. — E. Koschwitz, Arsene
Darniesteter. La Question de la reforme orthographique.
Memoires et Documents scolaires. — P. ültramare,
Michel Br'''al, La Reforme de l'orthographe fran^aise. —
Ders. , J. Dussouchet, La Reforme orthographique. —
Ders., Louis Havel. Ln Simplification de l'orthographe. —
E. Koschwitz. L. Cledat, Precis d'orthographe et de
gramraaire phon'tiques pour l'enseignenient du frangais ä
l'etranger. — Ders. , L. Cledat, Questions d'Orthographe
et de Gramniaire.""— iD e r 8. , L. Cledat, Sur la double valeur
des temps du Passif fran^nis. — D e r s. , L. Cledat, Melanges
de phonetique fraugaise. — W. Ricken, C. Hurabert,
Nochmals das e miifl un 1 der Vortrag franz. Verse. Zur
Vervollständigung, zur Aufklärung und zur Abwehr. — J.
Sarrazin, Anhang zu Villattes Parisismen. — F. Ka-
leplcy, G Lücking, Franz. Grammatik für den Schulge-
brauch. — G. Willenborg, 0. ülbrich, Uebungsbuch
zum Uebersctzen'aus dem"Deutsehen in das Französische. —
Ders., Jacobs, Brincker, Fick, Kurzgefassfe Grammatik
für den franz. Anfangsunterricht. — .\. Rambeaii, Schul-
graaimatiken, Uebuugshü.'lier, pä la:;ogische Schriften etc. —
W. Knörich, E. Oropp u. E. H^iuskneidif. Ausw hl franz.
Gedichte. — Dera. , Ph. Plattner, Anthologie des 6eoles.
— Ch. T h u il i c h u m , Nutliwendige .Aufklärungen. — Ph.
P la 1 1 n p r. Zu den vorstehenden Aufklärungen. — AHiaiwe
Scientifique Universelle.
Franco-Gallia V III. 1.2: Anzeigen: llumbert, Noclinmls das
e iiiiicl und der Vortrag franz. Verse. — (i. Paris, La litlera-
ture fmu^. au niiyeii äge. 2. cd. — Magi'r, Gi'sidiiclite der
franz. Literatur. — Rigal, .\l. Hardy et le theätre franj.
ä la flu du X \ r et au c inmencement <iu XVII' siecle. —
Godart, Abriss der .\usspracdie. — Utto, Jean de .Mairets
Silvanire. — Zimmermann, Frz. Gespräcdie. — Breymann
u. Möller, Frz. Elementarbuch. 3. .Aufl. Darniesteter,
.Hatzfeld und Tliomns, Dicti nnaire general ile la langue
fran^aise.
11 PropuKnatiire Vol. III. Ui. 17: S. Morpurgo, Supple-
mento alle operc volgari a stanipa dei sei'. XIII e XIV
indieate e deseritte da Fr. Zambrini. — F. Pellegrini,
Rime inedite dei secoli XIII e XIV tratte dai libri del-
l'.Archivio Notarile di Bologna. — C. e L. Frati, Indice
delle carte di Pietro liilaneioni; contributo alla bildiografia
delle rime volgari dei primi tre secoli. — G. Monticolo,
Poesie latine dei priiicipio dei secolo XIV nel codiee 277
E.X Brera al R. Archivio ili Stato di Venezia. — G. G.
Gizzi, Nota Dantesca sulla terzina 31", Inf. Canto III
V, 91 — 93. — A. Forest!. Della esatta intcrpretazione dei
versi di Dante Inf. XXXII. 46-49. — M. Menghini,
Antichi proverbi in rima.
L' Alighieri II, B. 7. 8: Paolo S ü ui a r a n i , Silenzio di
Dante e disdegno di Guido. — P. Di un frammentariu tos-
ciino della Comniedia di Dante. — P., AI chiarissimo comm.
mons, Jacopo Bernanli La canzone di Guido Cavalcanti
„Donna mi prega" ridot'.a a m-gliore lezione e commentata
massimamente con Dante. — Commento ilel Re Giovanni
di Sassonia (Filalete) alla Divina Commedia, Inferno Canto
XXIV, — G. L. P a sse r i n i , Del casato di Dante .\lighieri
(vgl. vol. II, S. 129). — X. Agresti, Dante e i Patareni
(Studi pel Canto X clell' Inferno). — C. Negroni, Biblio-
grafica.
Literar. Ceiltralblatt 8: Berger, Les bibles pmvengales et
vaudoises. — Flaischlen, (iraphisclie Litcraturtafel, — Biel-
schowsky, Geschichte der deutschen Dorfpnesie. — Petersen,
Faust u. Brand, Hamlet. — 9: Needler, Richard Coeur de
Lion in literature. — Briefwechsel zwischen Enk von iler
Burg und von Münch-Bellinghausen. Hrsg. von Schachinger.
— 10: Pe dcsputisoun bitwen Jie bodi and ])e soule. Hrsg.
von Linow. — Buchholz, Die Fragmente der Reden der
Seele etc. — Laistner. Das Räthsel der Spliinx.
Deutsche Literaturzeitung 4: E. Martin, Buitenrust
Hettema, Cats' Spaens Heydinnetie; P. C. Hooft's Grouida.
üitg. door J. H. van den Bosch. — W. Mcyer-Lübke,
Etienne, La langue franc. depuis les origines jusqu'ä la fin
du XI' siecle. — .i: v. Waldberg, Muncker, Klopstock;
Klopstocks Oden hrsg. von Muncker u. Pawel. — 6: Varn-
hagen, Pogatsclier, Zur Lautlehre der griechischen, lat.
und roman. Lehnworte im .\Itenglisclien. — 7: 0. Erd-
mann, Kelle, Die St. Galler Schriften und Xotker Labeo.
— 8: Roediger, Brau Istetter, Luzerner Mundart. —
Meyer-Lübke, Camoens.
Göttiiigische Gelehrte Anzeigen 2G; Minor, Faligan,
Histoire de la Legende de Faust; Tille, Die deutschen Volks-
lieder vom Doctor Faust.
Berichte über die VcrliauiUiingen der sachs. Gesellsch.
der Wissenschaften 1S90, I: F. Zarncke, Beiträge zur
Eebasis cnptivi.
Börsenblatt t. den deutschen Buchhandel 14: H. Seh ra-
der. Die grossen .\nfangsbuchstriben.
Westdeutsche Zeitschrift f. Geschichte u. Kunst IX, 4:
A. Riese, Die Sueben. Eine Entgegnung. (Gegen die .Ab-
handlung Kossinnas.)
Schriften des Vereins f. Geschichte des Bodensees n.
seiner Umgebung 19: Eberh, Graf Zeppelin. Wer ist
der Monachus S.mgnlensis? — A. Lungeinayr, Ueber
Ortsnamen, mit bes. Berücksichtigung der Ortsnamen aus
der Umgebung von Lindau.
Zs. der Gesellschaft f. Beförderung der Geschichts-,
Alterthuuis- u. Volkskunde v. Freibnrg etc. B 1 TX :
107
1891. Litcruturblntt fQr gornianiaclie uml rumänische IMiilologlc. Nr. 3.
108
J. Neff. Ulrich Zasiu«, ein Freiburgcr Humanist. — F.
I'fnff. Zu Urunwart von Ou};lit'in. — K. Ruiilot'f. Die
Linde in Uescliiclitc uml Dioiitun^. F. Pia ff, Hurcli,
Zur Kritilt do9 Kürcnbcrgcrü ; Uirlinger, lU'clitsrlieiniselies
Alaniaiuiicn.
Deutsche Rundschau 17, 5: 1'. Scliweneke. Ans \V. v.
Ilunibdl'lts Stiiilienjaliren. .Mit un};eilruckten Briefen.
Freiissische .Inhrbiicher 2: (!. Ke 1 1 ne r ,'lioetbeä Elpenur.
Die (iogenwart J: KIn unbekanntes Geiliebt vi«n liuetbe.
Veiütfiiitlielit %(ii K. Tb. Oaeilertz.
Die Urenzboten 3: Aus der Grill|iiir7.er- Ausstellung.
Die Nation Ifi: F. Se r v aes, Hölderlin. — 17: L.Geiger,
Ooetlies Hezieliunsen zu Italien I7s8 — 1790. — F. Servaes,
Ilübkrlin (.Scliluss).
Altprenssische -Monatsschrift 27, 7 u. 8: .lob. S.enibr-
zycki. Die Reise des Vergerius nncli Polen 1.556 — l.i57,
sein Freundeskreis und seine Kfinigsberger Flugscbriften
aus dieser Zeit. Hin Ueitrag zur polniscben und ostpreuss.
Reforinations- u. I^iteraturgescbiclite. — K. Bucbbolz,
ErklSruiigeii und Kimn Intionen zu den drei Künigsberger
Zwiscbcnspielen aus dem .lalire U)44. — K. liuuk, Orts-
namen in .Mtpreusscn.
Schorers Faniilienblatt 8 u. 4; Hans Fritscli. Das Gym-
nasium nnil der dcMitsi-lie Unterriclit.
Beilage zur Allg. Zeitung 7: L.Geiger, F^enz u. Goethe.
— 12-14: Miix Z i 111 ni e r m a n n . Zu Grillparzers hundert-
jährigem Geburtstage. — 1.'): Die Jubiläumsausgabe der
Gedichte Grillparzers.
2o: R. Otto, Konrad Hofmann.
31 u. 32:
L. Geiger. Zu Schillers Don Carlos.
Professor .\ugust Stöber.
Wissenschaft!. Heilage der Leipziger Zeitung .'>: [lob.
Prölss, Zum liundertsten Geburtstnge Franz Grillpurzers.
— 13: R. Ncedon, Slavische Lehnwörter in unserer
Sprache.
The Academy 972.973: Toynbee, Dr. Moore's Dante and
bis early biographers. — Sommer, Julyan Notary's
Edition of ,Tlie Kalender of Shepardes*". — Skeat, „A
Midsummer Xight's Dream". — Edmundson, Milton and
Vondel. — 974: Moore, Scartazziiii's Intrcpduition to the
Study of Diinte. — li 1 o y (I , A Midsuniiiier Night's Dreani.
— 97.'): Defries, Browning and Dante. — B u c h li e i m ,
„A Midsummer Night's Drcam". — 97(i : Noble, Saints-
bury's Essays in English Literature. — 977: Toj-nbee,
„Arerage" in the new English Dietionary.
The Athenaeniu 329S: The Century Dietionary. — Chaucer's
Prioress's ,Oreatest Oath'". — 3300: English .Miraclc Plays.
The Andover Keview Jan.: Pancoast, Some Parnphrases
of Milton.
Blackwood's Edinburgh Magazine Jan.: Shakespeare's
Wolllell.
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in .^lodena Serie II. vol. VII: Oiulio Camus, Alcuiii
franinienti, in antico dialetto piccardo, dell" Etica di .\risto-
tele e^'mpendiata da lirunetto Latini.
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seiner Kultur zur Zeit der karolingisclu'ii und sächsischen
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(Vgl. Lit. Cbl. 7.)
Handbibliothek, germanistische, begründet v. J. Zacher.
VIII: Hartmann v. Aue. Iwein, der Ritter mit ileni Löwen.
Hrsg. von E. Henrici. 1. Tlieil. Text. Halle, Waisenhaus.
388 S. gr. 8. M. 8.
Handskriftprof. 1.500—1800. Till tjcnst vid öfningar i
handskriftläsning utgifna ur l.uii Is Univcrsitets hiiudskrift-
eamling. Med förord af M. Weibiill. Stockliolin, (ieiicriil-
stabcns litografiska anstatt. II. 2(1 S., 8 Hl. Schriftproben.
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duela Saga, ved Kr. Kälund. 2. Kr. 3. — Östnordiska och
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XXXII u. S. 1-80. gr. Lcx.-8. M. 1,.50.
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Illust. by Edwaril Corbould. Cr. 8vo, 816 p. Routledge. 2;6
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With Memoir by .Sir Harris Nicholas. New ed. 6 vols. Vol.
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reproductions de la Bibliotheque nationale et du Musee de
Versiiilles. ln-8, 240 p. Paris, Lecene, üudiu et C. Nouvelle
collection des classiques populaires.
Cauti e Racconti del Popolo italiano pubblicati per cura di
D. Coniparelti ed A. D'Ancona. Vol. IX: Canti jiojiülari in
dialetto logudorese raccolti )ier cura di Gius. Ferraro. Turin,
Loescher. 399 p. gr. 8. fr. 8.
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Rime di Cino Rinucciui. Verona. 20 p. 4. Aus Allighieri.
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Opera ridiculosa e ]iiacevole, coinposta per il Fuuioso de'
Rozzi da Siena [e pubbl. a cura di Curzio Mazzi]. Sieua.
78 p. 16. Biblioteca popolare seuese del secolo XVI. Xo. I.
Grazzini, Anton Francesco, detto II Lasca. Le cene, per
<'ura di Carlo Verzolle. Firenze, Sansoni. LXVII, 389 p. 8.
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ficatiou seiner Commedia». Göttingcn, üietericli. V, 105 S.
Lex.-8. M. 2,80.
Intra, G. B., Virgilio e 1' Ariosto. Mantova. 17 p. 8.
Kayserling, M., Biblioteca espanola-portugueza-judaica.
Dictiüunaire bibliographie des auteurs juifs, de leurs ouvrages
espagnols et portugais et des anivres sur et contre les juifs
et le judaisme. Avec un iippcr(;u sur la litterature des juifs
espagnols et une collection des proverbes espagnols. Strass-
burg, Trübner. XXL 155 p. Lex.-8. M. 6.
Körting, G., Lateinisch-romanisches Wörterbuch. 7. Lief.
Paderborn, Schöuingh. 56 S. Lex.-S. M. 2.
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1891. Literaturblatt für germanische um! romanische Philologie. Xr. 3.
112
Lean<lrei<lc: canto 1, secondo il codicc voneziano No. 3270
e n" il'ubicaziom- 2:<4.'> del iiiuson civico pil 11 coilice trovi-
sano n" H3C dclla biblioteoa ouniunale : saggio di pubbli-
cazione ili-l dott. C. De Stefani. Padova. !t p. 8.
Los plus aneiens Chansonniers francais (XIl"' siecle) publies
d'apres tous Ics nianuscriis par Jules B rakelmann t-
(Keuilles 1— H.) Paris, Houlllon. 228 p. S. fr. b.
IjCttres du seigneur de Zuyliclieni n Pierre Corneille, p.p.
J. A. Wort. Groningen, Wolters. 3.") S. gr. 8.
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di Venozin e Padova. Veuezia, Kontana.
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gentil". Saggio di un nuovo comniento. Siena.
>l a g n o Celio e Bern. Na vage ro, Sonetti due. Venezia.
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da Dnnienico Zasso per le nozze di IM. Vivanti con Lina
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demin di Padova.
M c n g h i n i , Canzoni antiche ilel populo italiano riprodotte
secnndo le vecchie stnnipe. Kunia.
Jlerkel. C, Sordello e la sua diniora presso Carlo I d'.\ngiö.
Torinu. Nozze Cipolla-Vittone.
.M ic ha i lenu, St.. Studlu nsupra dialectulü Roniänilor din
Maccdonia. Bueuresci. 93 S. 8.
Xinne-Xanne, filastrooehu e sorteggi, raccolti nolla valle
di Pinerolo ila Filippo Stves. l'inerolo. 107 p. IG.
N 0 1 h a 0, P. de, Le „De viris illustribus" de Petrarque. Notice
sur les manuscrits origiuaux, suivie de fVagmcnts inedits.
In-4, 92 p. Paris, Imp. nationale. Tire des Notices et Extraits
des manuscrits de la Bibliothique nationale et autres biblio-
tli'equos (t. 34, prcmiere partie).
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un comniento poco noto del see. XIV alla prima cantica
della I). C. : Marchcsini, Brunetto Latini notaio.]
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16. M. 4.
Porebowicz, Edward, Zbior Nieznanycli Miszpai'iskich
Ulotnych Druköw znajdujacycli si«; \v biblijoteoo Jagiellonskiej
w Krakowie. Krakow. Osobne odbicie z T. XV. Rozpr.
W'ydz. filolng. Akadomii Umiej»;tnosei w Krakowie. 72 S. S.
Racine, Athalie. Mit Einleitung und Anmerkungen hrsg.
von K. A. M. Hartniann. Leipzig, Seemann. XX, 8t; S. (il S.
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Ricette, LVII, d' an libro di cucina del buon secolo della
lingua. Bologna, Zaiiif lielli. 28 p. 8. Nozze Vittorio Enricpies-
Lui.sa Franchetti. Hrsg. Morpurgo.
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eomposti nei primi vent'anni depo la niortc di Dante: saggio.
Firenze, Sansoni. X. 429 p. IG. L. 5. [Inh.: 1. Cbiose
attribuite a Jacopo ili Dante. 2. Comniento ajionimo sopra
r Inferno. 3. Chiose anonime alla prima cantica. 4. II com-
niento di Jacopo Della Lana. .'>. L't)ttinio Comniento. i>. II
Comuii'iito di Pietro Alighieri. |
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(Aus Bibl. deile seuole italiane III, 4 .">.)
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deir Inferno. Parma, Battei.
Rua, (i., Intorno alle ,Piacevoli Notti" cldlo Straparola.
Torino, Loesclnr. lOS p. s.
(iratis nml fiiinkn versenden wiv unsere soeben
erschienenen a n t i i| u a r i s cli e ii V c rz e i c li ii i ss e
Xr. 225: Romanische Philologie (905 Werke),
Nr. 22ii: Germanische Philologie (2013 Werke).
(PiihJiotheUeii der lli-ircn l'rot'. Hr. .\cl. Ebert niid
.\. Th. Möbius in Leipzig:.)
üift & dTaiiriie, J^mlilmiullci, iißip.'iig.
Saggio di oanti popolari logudoresi, a cum di Vittorio Cian.
Iti p. 8. Nozze Bornardi Calbo.
äanna, Giov., Osservazioni, confronti e paralleli intorno a
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berichte der k. Akad. d. Wiss. | Wien, Teinpsky in Comm.
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Nozze Baceelli-Bracci.
L i t e r a r i s c 11 e M i 1 1 h e il u n g e n , Personal-
n a c li r i eil t e n etc.
Von Emil llenricis .\usgabe des llartniannsohen Iwein
ist der erste Band, Text mit Varianten aller Handschriften,
im Druck vollendet (Halle, Waisenhaus). Der zweite Band,
.\nmeikuiigen und Einleitung, wird wohl noch im laufenden
Jahre fertig.
Die , Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und
Literatur'" werden unter Mitwirkung der bisherigen Heraus-
geber Paul unl Braune in Zukunft von Prof. Sievers in
Halle redigirt.
Bei Maisonneuve wird demnächst ein altfranz. Hand-
wörterbuch von A. B 0 s erscheinen.
Bei Lemerre in Paris wird demnächst eine neue von
Longnon besorgte Ausgabe von Villons Werken erscheinen.
Der geringe Rest der kleinen Auflage (ÖO Ex.) von Alfred
Webers .\usgabe des altfrz. .\this untl Prophilias ist in den
Besitz der Buchhandlung Werner Hausknecht in St. Gallen
übergegangen, und das Exemplar wird zu 4 Fr. durch ihn
verkauft. Der nämliclic Buchhändler hat auch A. Webers
handschriftliche Studien in Coiiiniissionsverlag genommen.
t am 7. -März in Wien i'rof. Dr. Franz v. .Miklosich,
7."'> Jahre alt.
Antiquarische Cataloge: Ca rl e ba e h .Heidel-
berg (Deutsche Literatur u. Literaturgeschichte); ICerler,
Ulm (Deutsche Lit.) ; Koehler, Berlin (German. u. roman.
Sprache uml Literatur).
.\bs:esclilossen am 10. .März 1891.
Encyklopädie und Methodologie
romanischen Philologie
mit licsuiidcicr IJciücUsiclitigung des l'ran/üsisclien und
Italieuisclren
von
Gu.stiiv Körting.
3 Bände u. ein Zusatzheft, ll.j Bogen. 1884/88. Preis Ji 24,-
Leipzii/. O. R. lieisland.
Hierzu Beilagen von 15. (i. Teubiier in Li'ipzig, Karl .1. Trübner's Verlag in Strassburg und
Velhageii & Klasing in Bielefeld.
Verantwortlicher Redaotcur ProL Dr. Fritz Xeumann in Heidelberg. — O. Otto's Hofbuchdruekerei in Darmstadt.
LITERATURBLATT
FÜR
GERMANISCHE UND EOMANISOHE PHILOLOGIE.
HERAÜSGEÖEBEN VON
j)R. OTTO BEHAGHEL mo D"
FRITZ NEUMANN
o. ö. Professor der germanischen Philologie
an der Universität Giesgen.
o. ö. Professor der romanischen Philologie
an der Universität Heidelberg.
Erscheint monatlich.
VERLAG VON
O. R. REISLAND, LEIPZIG.
Preis balVjÄi]r1icU-J^5
XII. Jahrgang.
Nr. 4. April.
189y^,
Bielschowsky, Geschichte der deutschen Dorf-
poesie im 13. Jh. (Martin).
Muncker, Klopstock (We i s senf e 1 s).
H o f f m a n n , Der Vokalisraus von Basel-Stadt
(Beb a g-hel).
B 1 a 1 1 n e r , üeber die Mundarten des Kantons
Aarg:au (Behag^hel).
ZKY
Brandstetter. Proleg^omena zu einer Geschichte ■ Salver da de Gra v e,- Introductitji^ une editibg
der Luze: ner Mundart iBehag-h el).
Pabst, Sprache der me. Ri.-imchronik des Robert
von Gloucester (H o 1 1 h a u s eni.
Tübler. Von dem Gebrauche des Imperf. Futuri
im Romanischen (S e h u e h a rd t).
(Euvres de Gautier d'Arras, p.p. LÖseth.
I. Eracle. IL Ule et Galeroa (F o e r s t e n.
7i'-
critique du Roman d^EtSPas (Fopr*Jtej)
Voigt, II risorgimeutOi(ieH'antichifi[ ■cWssiea, tr^.
iL con pref. del prüf. YÄlbusa (C 1 o e 1 1 a). V vA
Bibliographie. V' ' / 'J */
Literarische M i 1 1 h eflion^en ^ Persolial-
nachriohten etc. ^ .^
Bielschowsky, AlbiMt. Geschichte der deutschen
Dorfpoesie im 13. Jahrhundert. I. (.\cta Germanica,
hrsg. von R. Henninsf und J. Hoffory Bd. II, H. 2.) Berlin,
Mayer & Müller. VII, 294 S. M. 9,50.
Diese Arbeit maelit der Sammlung', in welcher sie
erschieueu ist, alle Ehre. Sie stellt zunächst den Boden
dar, auf dem die Poesie Xeidharts erwachsen ist, die
Lieder besoudeis der Mädchen und Frauen zu den Früli-
lingsfesten. Ganz überzeug'end wird nach späteren Zeug-
nissen angenommen, dass diese Lieder der Ausdi'uck
einer ausgelassenen Fröhlichkeit waren, die neben der
sonstigen Ehrbarkeit der germanischen Frauen sich
gelegentlich geltend machte. Zu den angeführten Bei-
spielen dieser Ausgelassenheit lassen sich noch andere
fügen, wie die sogenannten Maikuren in Heidelberg, bei
welchen die Paare die Xacht im Walde zubringen. Ganz
besonders aber trägt gleichen Charakter die Fastnacht-
feier, bei welcher nach WQlframs Zeugniss (Parz. 409,
8 ff.) dii( koiifivip von Tolensfeiu . . . von gampelsifen
Kämpfe anstellten: zu vergleichen ist, was über den
Hirschmontag im Elsass berichtet wird, an dem die
Frauen das Regiment führen, und in den fünfziger
.Tahren sich einnml so benahmen (elles araient trriife
Je eure cmnme leurs maris), dass deswegen ein Monstre-
prozess in Belfort geführt wurde. Auch die Kinnesslnst
in Htdland verträgt sich mit dem sonst so dfftige»
Yolkscharakter der Xiederländer. Pass die alten Mai-
feste von Gesang und Tanz begleitet wai'en, ist un-
zweifelhaft; S. 13 nennt mich der Yerf. mit Unrecht
als einen Bestreiter dieser Ansicht. Für die Winter-
lieder nimmt er vielleicht (S. 26) nicht mit Eeclit an,
dass sie auf den Spottliedern der Männer beim Weine
beruhten ; auch für die Mädchenlieder ist Spott bezeugt,
wie z. B. in der Völsungasaga cap. V. wo Siggeir sagt:
clffi gJtiihi iiiei/Jar pri hrei/(fa sonttin intniim ! leikinn
fif peir lira'äi^ hanu sinn: und auf dem Tanzboden au
der bayrisch-österreichischen Grenze ist bald nach 1870
ein Lied gesungen worden, in welchem die Bayern die
Tiroler verspotteten : Wir haben jetzt ein Kaiserreich —
reich — reich — reich, und ihr habts nur ein Kaiserthum —
dumm — dumm — dnmm: die solenne Prügelei, die sich
daran schloss. erinnert sofort an die in den Winterliedern
XeiiUiarts erzählten. S. 25 ist die Rede von den Stuben,
in denen die Winterlieder zum Tanze gesungen wurden :
es hätte bemerkt werden sollen, dass dies die Badestuben
sind, s. meine Vorbemerkungen zu Mnrners Badenfahrt
S. XI; dazu stimmt das Mobiliar, von dem 40, 13. 14
die Eede ist: schämet, sfüele, schrägen, nicht aber
Tische oder Betten. Der Anfang eben dieses Liedes
ist S. 51 unrichtig gedeutet: 'Die Mädchen versprechen
ihm (Neidhart) Weizen, fette Hühner', i/iddhi ist doch
nicht == fett. Vielmehr ist ein gvldin Iiuoii Anrede,
wie sonst ein küniginne; golden ist noch bei uns Synonym
von lieb: du goldener Junge; auch Hnhn gebrauchen
wir von Menschen: du armes Huhn. Der Dichter wird
gelockt wie ein Huhn, dem man sine ziunift, s. Anz. f.
d. A. XVI, 113, wo ich auf Schmeller-Frommann Bayr.
Wb. 2 S. 311 verwiesen habe. In diesem Bilde bleibt
der Dichter, wenn er sich Weizen von den Jlädchen in
Aussicht stellen lässt: dass sie ihn diu'ch das Versprechen
einer wü-klichen Naturallieferuug hätten ködern wollen,
ist doch wohl an sich seltsam und schwerlich dni'ch eine
Parallele zu stützen.
Im Uebrigen könnte ich den Ausführimgen Biel-
schowskys nur beistimmen, die auf ebenso allseitiger
Erwägitng des Ueberlieferten als auf gesunder Anschauung
beruhn. Auf die Vorgänger hat er überall gebührende
Rücksicht genommen. Einzeln auseinander zu setzen,
was er Neues gebracht hat, würde zu weit führen: auf
den Nachweis einer Beeinflussung Neidharts durch Morungen
S. 194 ff. sei noch besonders hingewiesen. Die fran-
zösische Pasturelle als Quelle der deutschen Dorfpoesie
hat er wohl endgütig beseitigt. Bemerkenswerth ist,
dass in diesem Pimkte die lateinischen Lieder der
Vaganten sich theils der französischen, theUs der deutscheu
LjTik anschliessen, also eine vermittelnde SteUung ein-
nehmen.
Strassburg. Martin.
Friedrich Gottlieb Klopstock. Geschichte seines Lebens
und seiner Schriften von Franz Muncker. Stuttgart.
1888. IX, 566 S. 8.
Seinen früheren kleineren Veröffentlichungen über
Klopstock hat Muncker in dem vorliegenden Buch eine
Biographie des Dichters folgen lassen. Sie fasst nicht
nur seine eigenen früheren Studien, sondeiu auch die
Hamels, Erich Schmidts, .Taro Pawels u. a. neuerer Klop-
stockforscher zusammen. Ueber alles Wichtige ivnd Un-
wichtige in Klopstocks Leben und Werken gibt der
Verfasser vermöge umfassender Benutzung alles dessen,
9
115
1891. Literaturblatt für gerinsniiohe und romanische Philologie. Nr. 4.
116
was auf <il<'si'iirGebiete bisher geleistet ist, und vermöge
eisrnier s(ir;rt"!»ltigster Einzel furscliung .Xutscliluss. Nach
(lii'ser .^('ite ist seine Arbeit i-ine viirläuti? aliscliliessetide
iinil ilanki-nswertiie, sein Hueli ein nnentbelirliclies und
selir willkomnieiie.« Hilfsmittel für jeden, der sich mit
Klii|i>i(j(k bescluiftigt. Eine empfindliebe Lücke in der
(iesehielite unserer grossen Geister des vorigen Jahr-
hunderts ist damit ausgefüllt. Noch nach einer andern
Seite war Muneker der berufene Biograph Klopstoeks,
weil seine Studien sieh über die ganze Zeit, welcher
Khi|istock angehiirt. iistrecken. So tritt uns denn Klop-
st(Hk hier aus dem Rahmen seines Jahrhunderts entgegen,
jedi's seiner Werke ist in seinen gesehiehtlichen Znsamnien-
liang giTÜckt, erhiilt einen Vlatz zwischen seineu Vor-
gangern und seinen Nachfolgern. Ausgezeichnet ist in
dieser Hiziehun;;- besonders S. 29—42 die Darstellung
der ersten dichterischen Versuche und Pläne Klopstocks
bis zur Entscheidung für den ..Messias"' d. h. seines
Tebergariges von der X'crstandes- zur (Tcfühlspoesie im
Zusauinieuhang mit der Litei'atur der Zeit, speciell mit
dr-ni Gegensatz zwischen den Ansichten und Bestrebungen
Gottscheds und der Schweizer. Ausgezeichnet ferner
S. 120 — .SH der Nachweis, wie die Sprache des „Messias"
bis in alle Einzelheiten hinein, die Gleichnisse, die Macht-
wörter, die lyrischen Elemente, der Theorie Bodmers und
Breitingers entspricht und von ihi' beeinflusst ist.
Aber nicht immer versteht M. seine Detailstudien
so glücklich zu verwertheu. Die historische Stellung,
die epochemachende Bedeutung des „Messias" meint er
dadurch zu bestimmen und ins rechte Licht zu rücken,
dass er S. 72 — Hl die früheren epischen Versuche
deutscher Dichter umständlich cliarakterisirt. Grössere
Kürze in dieser Charakteristik wäre nicht nui' möglich
gewesen, sie hätte auch dem Zweck, den M. hier ver-
folgt, besser gedient: durch Zusammenfassung der wesent-
lichen Eigenthiimlichkeiten der früheren deutschen Epik
würde ilas Wesentliche, worin sich der ..Messias"' von
jener unterscheiilet, sciiärfcr hcrvoitreten. Nun ist aber
an dieser .Stelle neben dem Zuviel auch ein Zuwenig zu
bemerken. Um die historische Stellung des „Messias"'
zu bestimmen, den grossen Eindruck, den er auf seine
Zeit machte, zu erklären, genügt es nicht, das, worin
er sich von der früheren deutschen Ei)ik unterscheidet,
hervorzuheben. Es musste auch geschildert werden, was
der ...Messias"' mit dei- vorangehenden deutschen Poesie
gemein hat. Jlehr und mehr vertiacht war der Gehalt
der deutschen Poesie im Laufe des 17. Jahrhunderts.
Die bedeutenderen Dichter in der ersten Hälfte des
18. .lahihunderts. welche dies empfanden, suchten fast
alle dem Mangel dadurch abzuhelfen, dass sie ihre Stoffe
ans dem (jebict der Religion nahmen. Auf diese Weise
wollten sie den Gehalt unsei'er Poesie wieder vertiefen
und dieses ihr Verfahren erklärt sich aus dem ganzen
Zustand des deutschen Lebens in jener Zeit. Die Relig^ion
war damals das einzige Thema von höherem Gehalt,
welches allgemein interessirte, das einzige Gebiet, auf
welchem in weiten Kreisen des deutschen Volkes eine
tiefgehende und eijjreuartige Bewegung herrschte, wie
der I'ietismns und die ihm veiwandten Erscheinungen
beweisen. Aus dieser Zeitstimmuug wuchs nun auch der
„Jlessias" hervor, die Bestrebungen früherer Dichter,
welche in ihr wurzeln, wurden hier endlich von einem
genialen Dichter aufirefrrift'en. Darin liegt ilie historische
Grösse, darauf beruht der gewaltige Kindruck des Kloji-
stockschen Epos auf die Zeitgenossen. Dasselbe kam
einem Bedürfniss der Zeit entgegen und bedeutet die
Erfüllung einer Sehnsucht, welche längst in den deutschen
Dichtern vorhanden war, aber in Folge des Mangels au
wahrem (ienic nur in kleineren Werken der lyrisdien
und didaktischen Gattung einen schwachen .\usdruck
gefunden halte. Im „Messias"" ward in der That durch
die Wahl eines religiösen, des erhabensten religiösen
Stoffes endlich der dentschen Poesie ein grosser und
tiefer Gehalt wiedergegeben ; er ist die erste moderne
deutsche Dichtung im gi"ossen Stil. Auf den pietistischen
Geist im „Messias" hat Muneker freilich hingewiesen,
aber das eben kurz augedeutete Hervorgehen desselben
aus der Stimmung der Zeit und den Bestiebungen der
voraufgehcuden und gleichzeitigen deutschen Dicliter
kommt in seiner Darstellung dem Leser nicht deutlich
genug zum Bewusstsein.
.\ehnlich ist es bei Klopstocks Lyrik. .\uch hier
werden die Vorgänger desselben auf (Jrund eingehender
Detailstudien ausführlich cliarakterisirt. auch hier aus-
führlicher, als es nötliig und zweckentsprechend ist, und
auch hier wird es anderseits unterlassen, das Hervor-
wachsen der Klopstockschen aus der früheren T.,yrik dar-
zustellen. Das Gelegenheitsgedicht im schlechten Sinn
xiberwog zu Anfang des 18. Jahrhunderts in der deutschen
Lyrik und war ein Gegenstand des Anstosses und der
Befehdung für dieselben Dichter, welche die Oberfläch-
lichkeit unserer Poesie überhaupt empfanden und durch
die AVahl religiöser Stoffe zu beseitigen suchten. Ver-
tiefen wollten sie auch die Gelegenbeitsdichtung. Ein
Doppeltes war dazu nöthig: einmal den Stoff, welchen
eine specielle Gelegenheit zu poetischer Behandlung bot,
möglichst allgemein zu halten und zweitens möglichst
nur solche Stoffe zu wählen, an denen der Dichter mit
dem Herzen, mit tiefer Empfindung tlieilnahm, also eigene
Erlebnisse oder Erlebnisse und Eigenschaften von Personen,
welche dem Dichter persönlich nahe standen. Haller
betrat zuerst mit Glück diese Bahn, besonders in seinen
Gedichten anf seine beiden Frauen. Sein grösserer Nach-
folger aber in dieser Beziehung ist Klopstock. Vertiefte,
veredelte Gelegenheitsdichtung sind seine ersten Leipziger
Oden und aucli in der späteren Zeit behauptet das Ge-
legenheitsgedicht einen breiten Raum in seiner Lyrik.
Manche Schwächen der alten tJelegenheitsdichtung haften
ihr deshalb noch an; daneben treten die Schönheiten,
welche frühere Dichter durch Vertiefung der überlieferten
Gattung schon erstrebt, aber in Folge geringerer poetischer
Kraft noch nicht in so hohem Grade erreicht hatten,
wie Klopstock. .\ucli hier knüpft derselbe also an frühere
Bestrebungen, an ein Bedürfniss der Zeit an, seine Lyrik
bezeichnet den Uebcrgang von der alten Gelegenheits-
dichtung im schlechten Sinn zu der neuen Gelegenheits-
dichtung im guten, im Gocthesclien Sinn.
Nimmt man das, was ich eben über die historische
Stellung des „Messias" und der Oden gesagt habe, zu-
sammen, so gelangt man zu dem 'folgenden Ergebniss,
welches aus Jluuckcrs Darstellung nicht klar hervortritt:
die Grösse Klopstocks liegt darin, dass er in seiner
Poesie in Irestalt und Form ganz neue, viel tiefere Töne,
als seine Vorgäiiifer, anschlug, dass er an die Stelle der
Hauptmängel der früheren Poesie in der seinigen ebenso
viele Schönheiten setzte, dass aber diese neuen Töne und
Schönheiten solche waren, welche man schon seit Antaug
des 18. .lahihunderts von versihiedeuen Seiten verlangt
und alle bedenteiulereii Dichter schon erstrebt hatten.
D. li. in Khiiistiick verköriiert sich ilas Wesen des
117
1891. Literaturblntt für germanisclie und Tomanische Philoloffie. Nr. 4.
118
epochemachenden Genies, welches darin besteht, dass es
halb unbewusst empfindet, was seiner Zeit fehlt, was
sie wünscht niid fuidert, und Kraft nnd Jlutli hat, es
zum Ausdrmk xu bringen.
Ich wies schiin darauf liin, dass Muncker seine
l»etailstudien. die an sich vielfach sehr werthvoU sind,
nicht immer in einer Weise dem Ganzen einzufügen ver-
steht, welche dem Zweck desselben entspricht. Wie
Klopstocks Vorgiinger, so behandelt er auch seine Nach-
folger oft zu ausführlich. So ins Einzelne gehende
Charakteristiken wie die von Bodmers ..Xoali" (.'^. 163 —
ItiO) oder die von Wielands .Tugenddichtungen (S. 133 —
1310 gehören in eine Literaturgeschichte des 18. .Jahr-
hunderts, nicht in eine Biographie Klopstocks. Man
wende nicht ein, dass sie nur unnöthig seien, aber den
Werth des Ganzen nicht schädigen könnten. Die Klar-
heit des Bildes einer Entwicklung, wie sie iluncker
geben will, wii-i beeinträchtigt, wenn wir zu oft uiid
zu weit Von der Persönlichkeit, deren Entwicklung dar-
gestellt wird, abgeführt werden. Und dann sollte doch
eine Biographie wie die vorliegende ein Kunstwerk sein
und zu einem solchen gehört ein richtiges Verhältniss
der einzelnen Theile zu einander und zum Ganzen. Un-
wichtiges darf nicht in derselben Breite behandelt werden
wie Wichtiges, Unwchtig tür das Ganze sind in ihrer
Ausdehnung aber nicht nur solche literarhistorischen
Excurse wie die erwähnten, sondern auch manches in
dem Buch, was sich direct auf Klopstock oder seine
Umgebung bezieht. Wozu z. B. S. 19 — 24 die aus-
führliche Charakteristik aller Lehrer, die an der Pforta
zu der Zeit von Klopstocks Aufenthalt daselbst wirkten,
da uns doch nähere Beziehungen Klopstocks nur zu
zweien derselben (Am-Ende nnd Stübel) bekannt sind
und das, was von den übrigen gesagt wird; die Kennt-
niss der Entwicklung des Dichters nicht im geringsten
fordert? Was haben nun gar die ^^elen Daten, welche
aus dem Leben dieser Lehrer angeführt werden, für
eine Bedeutung fiu- Klopstocks Leben und Schriften?
Wozu S. 444 die peinlich genaue Statistik der Sub-
scriptiou auf die ,.CTelehrtenrepnblik" nach den einzelnen
Städten Europas, da doch nur die allgemeinen Schlüsse,
welche daraus auf die Verbreitung von Klopstocks Euhm
und das literarische Leben überhaupt zu ziehen sind,
interessiren ? Das nnd viele andere gleich ausführliche
Angaben sind Studien über und zu Klopstock ; in eine
Biographie des Dichters gehören sie nicht. Eine solche
soll die Ergebnisse von Einzelstudien bieten, nicht diese
selbst vor dem Leser ausbreiten. An einigen Stellen
^^•ird Jluuckers Biographie ein förmlicher Commentar der
Klopstuckschen Oden. Viele einzelne derselben werden
ausführlich charakterisirt : die Folge ist ermüdende Wieder-
holung von Zügen, welche ganzen Gruppen gemeinsam
sind, und dass der Charakter dieser Gruppen und damit
die Entwicklung der Odendichtung als eines Ganzen in
Aufsteigen, Höhepunkt, Niedergang nicht klar und an-
schaulich hervortritt. Und doch sollte dies in einer
Biographie der Fall sein, imd Muncker würde es erreicht
haben, wenn er schon bei der Besprechung der früheren
Odengruppen so, wie bei der Behandlung der späteren
(besonders S. 501 ff.), den Stoff, welchen ihm die Zer-
gliederung der einzelnen Oden gegeben, zusammengedrängt
hätte. Energische Zusammendrängung des Stoffes hat
Muncker überhaupt meistens versäumt. Vielfach gibt er
uns auch seine Ueberlegungen statt ihrer Kesultate und
dabei dann oft zu viel Negatives neben dem Positiven
(z. B. S. 65 — 67). Mangel an Energie in der Behand-
lung des Stoffes kommt auch in der Disposition mancher
Abschnitte störend zur Cjeltung, führt zu Vor- und
Zurückgreifen, Wiederholungen, rein äusserlichen Ueber-
gängen, so in der Charakteristik des ..Messias'' (S. 72 ff.),
der Meta-Oden (S. 278— S3). Die Tendenzen der „Ge-
lehrtenrepublik" werden dreimal dargestellt, bei der Be-
sprechung der Abhandlungen in derselben S. 441 ft'.,
der Epigramme S. 460 ff. und des Verhältnisses zum
Stui-m und Drang S. 465.
Ktu-z. ein Hauptfehler des Munckerschen Buches ist
das Studienhafte. Der Stoff ist dargestellt, wie er sich
im Forschen ergeben hat, nicht genügend gesichtet, nicht
in grössern Massen gruppirt und geordnet, nicht künst-
lerisch verarbeitet. Das seheint Muncker selbst empfunden
zu haben, denn in der Vorrede, welche diuch ihre Be-
scheidenheit sehr wolilthuend berührt, stellt er seine
Arbeit als eine streng wissenschaftliche Erich ."^chmidts
Lessing-Biographie als einem Kunstwerk gegenüber. Ich
bin nun allerdings der Ansicht, dass es die erste Pflicht
des Kritikers ist zu fragen, was der Verfasser eines
Buches gewollt und wie er das Gewollte erreicht hat.
Daneben muss er aber das Recht behalten zu sagen,
was der Verfasser hätte wollen sollen, zu untersuchen,
ob ein Buch den Forderiuigen entspricht, welche man
nach seinem Titel zu stellen befugt ist. .Jede schrift-
stellerische Leistung hat neben den Gesetzen, welche sie
sich selbst gibt, auch die der Gattung, welcher sie an-
gehört, zn beobachten. Und das wäre in dieser Bio-
graphie möglich gewesen, wiewohl sie der erste Versuch
ist, Klopstocks Leben und Schriften auf Grund wissen-
schaftlicher Forschung im Zusammenhange darzustellen.
Der Verfasser hätte sich zu dem Zweck nur- höher über
den Stoff', den er zum grossen Theil selbst zusammen-
getragen hat, erheben, ihn von einem höheren Stand-
punkt aus überblicken und gestalten müssen. Wenn ihm
das trotz mehi'facher Umarbeitung des Ganzen, die er
in der Vorrede erwähnt, nicht gelungen ist, so muss der
Grund in seiner schriftstellerischen Eigeuthümlichkeit
liegen. In Allem, was Jluncker bisher geschrieben hat.
verräth sich der unermüdliche, auch das Kleinste be-
achtende Fleiss des Forsehers. Vermöge desselben hat
er auf verschiedenen Gebieten der deutschen Literatiu--
wissenschaft Stoff zusammengetragen, welchen Jeder, der
auf den gleichen Gebieten arbeitet, dankbar benutzen
wii'd und muss und in vollem Vertrauen auf -die Gewissen-
haftigkeit des Forschers benutzen kann. Aber überall
stellt Muncker die gefundenen Zöge nur neben einander,
die Gabe, sie so mit einander zu verbinden, dass ein
lebendiges Bild des Ganzen einer Persönlichkeit, eines
Werkes, einer Zeit herauskommt, geht ihm ab. In
seinen früheren studieuhaften Schriften hat diese Methode
ihre Berechtigung, wenn sie auch für den Leser, dem
sie die Arbeit des Zusamraenfassens selbst überlässt, nicht
gerade angenehm ist. Dass Muncker sie aber auch in
der vorliegenden Biographie nicht aufgegeben hat, ist
für mich ein Zeichen, dass er sich hier auf ein Gebiet
schriftstellerischer Thätigkeit gewagt hat, für welches
sein Talent nicht geschaffen ist, oder dass er sich den
nun schon mehrfach angedeuteten Unterschied, der zwischen
einem derartigen Werk und den kleineren Vorarbeiten
zu einem soleheu besteht und festgehalten werden muss,
nicht klar gemacht hat. Auch in unserem Buch lässt
er, wo er eine Person oder ein schriftstellerisches Er-
zengniss charakterisii-t, nie einen wesentlichen Zug fort,
119
1891. Literaturblatt für germanifiohc und romanische Philologie. Nr. 4.
120
aber anch keinen unwesentlichen, und wenn er mit ihm
aucli iinr melirmals Gesagtes wiederholt, erspart er uns,
und in Foljj;e dessen und weil der Verfasser selbst die
Einzelheiten niclit zu überschauen und von einem, dem
i(iinsti£:sten Punkt aus zusammenzufassen weiss, tritt dem
Leser die Individualität des (lanzen der charakterisirten
Ei-seheinnng nielit anschanlieh und greifbar vor die Augen.
Aurli nielit das Bild Klopstoeks selber trotz der zahllosen
und zum Tlieil neuen Einzelheiten, die ans seinem Leben,
\Vesen und Wirken niitgetheilt werden.
Es ist keine warme, lebensvolle Gestalt, die uns
Muneker im Helden seines Buches vorführt. Objectivität,
die er in der Vorrede für sich in Anspruch nimmt, ist
die nothwendlge Grundlage einer wahrhaft geschichtlichen
Betrachtung, aber sie schliesst nicht liebevolle Umfassung
des Gegenstandes, nicht herzliche Begeisterung aus. Und
nur vermöge der letzteren kann man sich in die tiefste
Eigenart eines Dichters wie Klopstock hinein empfinden
und dann sie auch so darstellen, dass der Leser folgen
muss, zu der gleichen Anschauung, wie der Verfasser
sie gewonnen hat, fortgerissen wird. Wohl vei-steht es
Muneker. einzelne Züge in Klopstocks Poesie an Züge
in seinem Wesen anzuknüpfen, mit besonderem Glück
bei der Behandlung des lyrischen Charakters des „Messias",
Aber in das Tiefste des Klopstockschen W'esens ist er
nicht eingedrungen, er lebt nicht in der Seele seines
Dichters, wie es der Biograph soll, und vermag deshalb
nicht das Ganze seiner Poesie aus dieser Seele wie einen
nothwendig hervorbrechenden Strom abzuleiten. Und
doch hätte dies geschehen müssen, denn auf der völligen
Einheit des Menschen und des Dichters beruht, wie
.Muneker selbst öfter hervorhebt, die Grösse der Klop-
stockschen Poesie im Gegensatz zur Poesie der früheren
deutschen Dichter, welche nicht der unmittelbare Aus-
druck ihres Wesens, nicht das Erzeugniss der halb un-
bewusst, mit Xothwendigkeit wirkenden Empfindung und
l'hantasie, sondern des bewusst, mit .\bsicht schaffenden
X'erstandes war. Die Quelle nun aber, aus welcher Klop-
stocks Poesie als Ganzes hervorströmt, ist ein Zug in
seinem Wesen, den Muneker wohl oft erwähnt, aber
nicht als den Grundzug, welcher die Eigenthümlichkeit
seiner ganzen Dichtung bedingt, fasst: der leidenschaft-
liche Trieb, aus der sinnlichen in die übersinnliche Welt
zu schweifen, das Sinnliche und das Unsinnliche mit
einander zu vermischen. Ueberall in Klopstocks Leben
tritt dieser Trieb hervor, in seinem Schwanken zwischen
den Freuden dieser Welt und religiöser Schwärmerei,
in Zürich z. B. zwischen dem sinnenfrohen Verkehr mit
Freunden und Freundinnen und der als Gottesdienst auf-
gefassten .-Arbeit am ,,Messias"', in der Fähigkeit, Lebens-
genuss und emptindsam melancliolische Schwärmerei sogar
in demselben Augenblick mit einander zu verbinden (vgl.
■/.. B. das Trinkgelage auf einem Kirchhof, von welchem
Hamel erzählt Deutsche Nat.-Lit. 4(), 1 S. LXHO- Ans
diesem Triebe, Sinnliches und Unsinnliches zu vermischen,
ftiessen nun auch die Hanpteigenthümlichkeiten der Poesie
Klopstocks, die religiöse Färbung der Liebe, des Xatur-
gcfühls, der Begeisterung für sein Vaterland, iiberliaupt
aller Empfindungen, die er besingt, in den Dden wie im
..Messias"'. Ferner die mystische Versenkung in den
Gedanken des Todes, in welchem das siiniliche Leben
in das luisinnliche übergeht, ein Lieblingsmotiv seiner
Lyrik, dramatisirt in ,,Der Tod Adams"' und dem Bardiet
„Hermanns Tod"' und auch im „.Messias" unter allen
Motiven den breitesten -Kaum einnehmend. Das Sterben
des Heilands bildet durch drei ganze Gesänge den Mittel-
punkt des Epos, nnd die ganze zweite Hälfte füllt das
Wirken Christi nach seinem Tode d. h. sie sjüelt auf
der Grenze zwischen der sinnlichen und dei- unsinnlichen
Welt. .\uch schon die erste Hälfte zum grossen Theil,
denn alle .Augenblicke dehnt sich der Schauplatz der
Handlung von der Erde durch die Unermesslichkeit des
Weltalls. Und dieselben Flüge der Phantasie von dem
festen Boden der Eide und der Wirklichkeit durch die
Luftregiouen des Universums, über das Bereich der Sinne
hinaus in das nie Geschaute, das Gestaltlose, in reine
.Abstractionen in Klopstocks Lyrik, besonders den religiösen
Oden und Hymnen der Jahre 1759, 1764— 17l>li. Mit
ihnen ist er ein Vorläufer Schillers, welchem eine ähn-
liche Neigung zur Vermischung des Sinnlichen und des
Unsinnliihen eigen war. Auch dass Dännnerung die
Lieblingsstiuimung der Klopstockschen Poesie ist, erklärt
sich aus jener Neigung, deini hi der Dämmerung verliert
die sinnliche Welt ilu-e Bestimmtheit, ihre .Anschaulich-
keit, auch sie bezeichnet einen L^ ebergang der sinnlichen
Welt in die unsinnliche. Endlich begreift sich aus dem
besprochenen Grundzug in Klopstocks Wesen auch die
Wahl des Messiasstoffes für sein Lebenswerk. Es genügt
nicht, sie aus der Richtimg der Zeit und Klopstocks
religiöser Stimmung im Allgemeinen abzuleiten. Die
specielle Eigeimrt seines Wesens und seines Genies
kommt darin zum .Ausdruck. Der Dichter, der immer
auf der Grenze zwischen dem Sinnlichen und dem Un-
sinnlichen lebte, nahm sich für sein grösstes Werk einen
Helden, der seiner Natur nach sowohl der unsinnlichen
als der sinnlichen Welt angehörte, den Gott-Mensehen,
den Mittlei' zwischen dem Ueberirdischen nnd dem Irdischen,
Es war der sichere Griff des Genies nach dem, was
seiner Individualität gemäss war. Daher nun auch die
Einheitliclikeit des Epos trotz der langen und oft unter-
brochenen .Arbeit daran, eine Einheitlichkeit, die nicht
im Gehalt allein, sondern in der völligen Harmonie
zwischen diesem und der Form liegt. Denn auch in der
Sprache der Dichtung ist Sinnliches und Unsinnliches
vermischt. Neben vollendet plastische .Ausdrücke und
Schilderungen treten Worte und Bilder, welche weit aus
der Sinnenwelt liinausführen, ja eine eben gegebene
.Anschauung absichtlich zerstören, zerfliessen lassen in
Dännnerung, Traum, in die uufassbare Unendlichkeit.
Und dem Charakter des Inhalts wie der Sprache ent-
spricht auch der Vers, die Lockerung des festen Gefüges
des Homerischen Hexameters, die Freiheit, mit welcher
der Rhythmus behandelt ist, damit er der Eigenart der
Sprache und der jedesmal ausgedrückten Empfindung
völlig sich anschmiege, kurz, die Umwamllung des e]iischen
in ein freieres lyrisches Metrum, wie es als (iefäss für
den sinnlich-übersinnlichen, oft zerHiesseiiden, lyiisclien
Gehalt nothwendig war.
Wohl hat Muneker die Einheit des „Messias"' ein|ifun-
den und S, 107 ff', hervorgehoben, er erklärt sie aber
zu äusserlicli aus der .Art der Entstehung des Werkes,
Die Einheit der ganzen Poesie Klopstocks aber und
damit ihre Grösse, die man auch heute trotz der ver-
änderten Geschmacksrichtung noch fühlt, kommt dem
Leser des Munckerschen Buches schwerlich zum Hewusst-
sein. dazu bleibt der Verfasser überall zu sehr an der
Obertläche, dringt nicht tief genug in das Wesen des
Dichters ein, besitzt zu wenig die Fähigkeit und die
Kunst, welche seit Herder vom Kritikei" verlangt werden
1 ül
1891. Literaturblatt für gerniftnischc uml romanische Pliilolügie. Nr. 4.
122
müssen, die Poesie nachzuempfinden und naehzndiditru
aus der Seele ihres Schöiifers heraus.
Zu ausschliesslich mit dem Veistaiule hat .Muncker
■rearheitet, zu wenig mit dein Gefühl. Das venätli auch
der Stil seines Werkes. Es ist eine duichaus eorrecte
Prosa, aber einförmig, kalt, trocken auch da, wo der
Stotf, wenn er dem Leser anschaulich werden sollte,
eine Erhöhung und Erwärmung des Tones der Dar-
stellung verlangte. Einzig die zusannnenfassende Charak-
teristik Klopstcjcks S. 552 — 555 sticht in dieser Be-
ziehung wohlthuend gegen alle übrigen Partien des
Buches ab.
Zum Schluss noch einige Einzelheiten. Ich stimme
nicht überall mit Munekers ästhetischem Urtheil überein,
/.. B. nicht, wenn er S. 269 der Ode „Die Königin
Luise" die Einheit abspricht. Trotz der grossen Aus-
führlichkeit des Buches vermisse ich. wie im Ganzen,
Sil auch im Einzelnen manches: den Xachweis, dass der
..Messias"' in allen Beziehungen die erste grosse That
der Blüthezeit unserer neueren Literatur ist, nicht nur
durch die Verbindung antiker luid moderner Elemente,
welche Muncker S. 141 — 142 erwähnt, sondern auch
durch den Anschluss an die englische, also germanische
Poesie im Gegensatz zur früheren, fast ganz von der
französischen, also romanischen Poesie abhängigen Dich-
tung der I)eutschen und durch den echt germanischeu
Euiptindungsgehalt; ferner eine genügende Beleuchtung
der Sprache und Metrik des „Messias" wie der Oden
als des Beginnes des Stils und der Yerskunst der klas-
sischen Periode unserer Poesie und zwar besonders unter
dem Gesichtspunkt, wie der Gebrauch der neuen Vers-
arten die Ausbildung und Entwicklung der deutschen
Sprache beeinflusst hat. l'eberllaupt war eine tiefere
Versenkung in das Wesen der Form der Klopstocksehen
Poesie nothwendig, eine eingehendere Untersuchung, wie
dieselbe aus dem Wesen und dem Geuie des Dichters
hervorgeht, wie seine Sprache sich zu der der frühern
deutschen Dichter, seine Sprachlehre zur früheren und
späteren deutschen Grammatik veihält, wie seine Vers-
kunst sich durch die verschiedenen Perioden seiner Dich-
tung entwickelt, in welchem Verhältniss besonders seine
Hexameter und Nachbildungen antiker Strophen einerseits
und seine selbstgeschaffenen Strophen und fi'eien Rhyth-
men anderseits zu einander stehen. In letzterer Be-
ziehung bietet Hamel in seinen ,.Klopstockstudien" mehr,
als Muncker. Bei der Behandking der Fauu}--Oden fehlt
der Hinweis darauf, dass in ihnen im Unterschied von
der tändelnden Anakreontik zuerst wieder neben dem
Glück das Leid der Liebe wahrhaft tief erfasst und er-
greifend besungen wird, wie es für das deutsche Volks-
lied, die mittelalterliche und die mit jenen Oden anhebende
moderne deutsche Liebeslyrik charakteristisch ist. Bei
der Besprechung der vaterländischen l)ichtung Klopstocks
hätten die einzelnen Momente, aus welchen .sein Patrio-
tismus erwuchs und die Eigenart desselben sich erklärt,
schärfer hervorgehoben und strenger geschieden werden
können. Eine interessante Erscheinung in der Ent-
wicklung des Ganzen von Klopstocks Odendichtung ist
nicht genügend beachtet : als in der Zeit der Meta-Oden
der Gedanken- und Empflndungsgehalt seiner LjTik ein-
facher wird, beginnt die Verkünstelung der Sprache und
Metrik. Das erklärt sich aus dem von der Jugend bis
ins Alter unveränderten Streben des Dichters, die poetische
und die Prosarede im Gegensatz zur völligen Gleichheit
beider, die in der Gottsehedschen Schule zum grössten
Sihaden der Poesie Grundsatz war, scharf von einander
zu scheiden. Einfache Gefülih' einfach und doch poetisch
auszudrücken, diese höchste, diese echt volksthüinliche
Kiuist war Klopstock nicht gegeben, erst sein grösster
Nachfolger in der Lyrik, der junge Goethe, brachte sie
zur Erscheinung. In Klopstocks Odendichtung luuss man
nun drei Perioden unterscheiden: in der ersten erscheint
künstlicher (Tehalt in verhältnissmässig einfacher Form,
in der zweiten wird der Gehalt einfacher, dagegen die
Form künstlicher, in der dritten verbindet sich \'er-
künstelung des Gehaltes mit Verkünstelung der Form.
Den Optimismus hätte Muncker S. 586 nicht als
eine charakteristische Eigenthümlichkeit der Oden des
Alters bezeichnen dürfen. Trotz aller Melancholie war
Klopstocks Weltanschauung immer eine optimistische.
Muncker selbst hat S. 199 hervorgehoben, dass der
Dichter auch den Tod nie mit düsteren Farben schildert,
sondern nach der heiteren Auffassung des Christentluiras
als den Durchgang zu einem höheren Leben. S. .389 —
90 nennt Muncker die Geschichte der Teutobui'ger Schlacht
einen undramatischen Stoff. Der Hinblick auf Heinrich
V. Kleists ..Hermannsschlacht" hätte ihn doch eines
Besseren belehren können. Nur untragisch ist der Stoff.
Doch genug der Einzelheiten. Ich wiederhole noch
einmal: ich erkenne den Werth des Muuckerschen Buches
voll an; es ist eine bedeutende und dankenswerthe wissen-
schaftliche Leistung, aber eine künstlerische und eine,
in der Klopstocks Wesen und Poesie bis in aUe Tiefen
durchsichtig vor uns läge, ist es nicht.
Freiburg i. B. Eichard Weissenfeis.
Hoffmann, Eduard, Der mundartliche Vukalismus
von ßasel-Stadt in seinen Grundziigen dargestellt.
Basel, Gering. 'J4 S. 8. (Basier Dissertatiun.j
Blattner. H.. Ueber die Mundarten des Kantons
Aargan (Grenzen; Eintlieilung: Phonetik). Vokali.smus
der Schinznacherma. Leipzig. Foek. sü S. S. Mit einer
Karte, il. 2,.50. (Leipziger Dissertation.)
Brandstetter, Renward. Prolegomena za einer
urkundlichen (beschichte der Lnzerner Mundart. Ein-
siedeln, Druck von Benzisfer. 88 S. S.
Hoffmann gibt eine sorgfältige, erschöpfende und,
so weit ich es beurtheilen kann, zuverlässige Darstellung
des Baselstädtischen Vokalismns. Seine Erörterungen
zeugen von tüchtiger grammatischer Schulung und fördern
mancherlei Beachtenswerthes zu Tage. Ich verweise
auf seine Behandlung der Quantitätsgesetze, sowie der
Endsilbenvokale, wo ich jedoch die Endung -(' in f'Anfi,
seclisi vermisse, die sieher auf altes iu znrückgeljt.
Sonderbar ist, ■ dass H. in dem ft von hara, har (liuc)
eine Senkung von e > a sehen will, während es doch
Angleichung zu dam, dar ist.
Blattner fördert die Frage nach den verschiedenen
Stärke- und Dauergraden der Consonanten. indem er
u. a. zwischen fortis und longa unterscheidet. Er zeichnet
die Grenzen der Aargauischen Mundarten, die theilweise
mit Grenzen zwischen Katholiken und Eeformirten zu-
sammenfallen. Eine der Scheidelinien nimmt er zugleich
als Grenze zwischen Alemannisch und Burgundisch in
Anspruch, ohne entscheidende Beweise zu bringen und
ohne Bekanntschaft mit dem von Tobler über dieses
Problem Gesagten zu verrathen. Endlich gibt Bl. eine
Darstellung vom Vokalismus der Schinznacher Mundart.
Die sprachlichen Kenntnisse und Anschauungen, die hier
zu Tage treten, stehen nicht immer auf der "Höhe der
Zeit. So ist recht mangelhaft, was über die Schicksale
der verschiedenen alten e gesagt wird. Von verschie-
10
123
1891. Literaturblatt (ür germanische und romanische Philologie. Nr. 4.
124
denen Schichten des Umlauts hat Bl. noch keine Ahnung;
er hat niclit einmal wahrgenommen, dass Xasalverbin-
dungen von Einfluss auf die Gestalt des vorhergeht nden
Vokals sind. Nach S. 66 haben einsilbige Nomina ihren
kurzen N'okal unter gewissen Umständen gedeiint, während
dii' gleichartigen Verbalformen die Kürze bewahrt haben.
Wenn mhd. ift'tbe zu ;iof> wird mit .Abfall des e, so soll
das .Ungleichung an die t-StUmme sein! (S. 72).
Brandstetter bietet durchaus verständige, theihveise
allerdings auch ziemlich selbstverständliche Erörterungen
über die Quellen der Lnzerner Mundart, über die Schichten
und Perioden derselben, über die Uerührungeu mit Kanzlei-
sprache und Nhd., über die Methode und Ziele ilirer
Erforschung. Schon jetzt lässt sich erkennen, dass die
Darstellung der Mundart selber eine Fülle feiner und
interessanter Beobachtungen bieten wird. Von allge-
meinerem hebe ich hervor, was aus Hoffnianns wie Brand-
stetters Ausführiuigen sich ergibt, dass die Schweizer
Mundarten im Wesentlichen mit meiner, nicht mit Kauflf-
manns Ansicht über die Behandlung der alten vollen
Endsilbenvokale im Einklang stehen.
Zusammenstellungen wie hedachilich vnd besamnet,
zerworfen und zerbrochen, gesodkt viid (/eworffen als
Assonanzen zu betrachten, geht doch nicht an (S. 17).
Nach S. 21 scheint Brandst. zn glauben, dass mhd. ze
aus zuo geschwächt sei. Der fast völlig'e AEangel an
abstracten Substantiven in der Slundart ist nicht eine
Folge ,.der Stagnation und Verrottung aller Verhält-
nisse" im 17. und 18. .lahrhundert (S. 27), sondern
bedingt durch das immer stärkere Umsichgreifen der
Schriftsprache. Der Wechsel zwischen einfachem und
zusaunnengesetztem Praeteritum (S. 79) erweist nicht
nothwendig den Untergang des erstem, sondern kann
auf einem Schwanken in der Zeit des Uebergangs beruhen.
(jiessen. 0. Behaghel.
Pabst, Felix, Die Sprache der niittelenglischen Reim-
chronik des Robert von Gloncester. I. Fjautlehre.
Berliner Inauguraldissertation. Berlin, Mayer & Müller.
1889. 146 S. 8.
Eine vortreffliche, gründliche Arbeit, die der Schule,
aus der sie hervorgegangen, alle Ehre macht! Pabst
gibt nach einer kurzen Einleitung über das Werk und
den Verfasser eine ausführliche Darstellung der Laut-
verhältnisse, indem er die germanischen und romanischen
Vokale und Consonanten getrennt behandelt und von
den Lauten des Denkmals ausgeht, die schon gleich in
den Ueberschriften nach Quantität und Qualität ilnrch
diakritische Zeichen unterschieden werden. Den phone-
tischen Werth der von Robert gebrauchten Sdiriftzeichen
sucht P. durch etymologisch-historische Kriterien sowie
durch den Reim möglichst scharf zn bestimmen. In der
Beurtheilnng und Erklärung der sprachlichen Thatsachen
zeigt sich eine erfreuliche Kenntniss und Verwerthung
der Resultate sowohl wie der Principieii moderner For-
schung. Da ein näheres f^ingehen auf die Ergebnisse
der Arbeit (die auch manche interessante Einzelheiten
enthält) nicht thunlich ist, so begnüge ich mich damit,
hier einige Punkte zu besprechen, die mir beim Lesen
aufgestossen sind.
S. 17, Z. 2 und 3 werden amfy 'empty' luid amete
'emmet, ant' auf ae. «' zurückgeführt, während sie nach
Kluge langes ce hatten (Et. Wb.' unter emsuj und
Ameise; Ags. Leseb. im Glossar S. 144b). — S. 18, m)
wii-d ballede 'kahl' als keltiscii aufgeführt. Kluge a. a. 0.
unter baar hält es für germanisch (got. *bazlöps). —
S. 24. r) schliesst sich P.. im Gegensatz zn "Morsbach.
der Erklärung Sarrazins an, wonach das e von iredncs-
day eine „Dissimilation" von o durch den EinHuss di>
vorhergehenden w sein soll ! Ich muss gestehen, dass
ich selten so viel Falsches und Unwahrscheinliches auf
So kleinem Räume zusammengefunden habe, wie in dem
angezogenen Artikel (Engl. Stud. VIII, li.-J- 65). —
S. 26, .Ann». 2 meint P., Kluge führe ..wohl mit Un-
recht" das fl von ae. gdn auf germ. <ii zurück. Ist
denn für ae. ä ^= as. ahd. e {ijen) eine andere Erklärung
möglich? — S. 41, Z. 12 v. u. ist zu lesen: (h)ondv
929. — Zu porsday etc., S. 47 a) vgl. jetzt Sievers,
Angl. XIII, 328 f. — S. 59, § 47 c) 1. „ae. 6f
(ae. Hrüfceastery. — S. 79, § 81 a) 1. ,.ae. velares
(resp. gutturales) c". — S. 87, Anm. 2. Das nach P.
erst seit Orm nachzuweisende kiiely 'to kneel' erscheint
bereits in den 'Vices and Virtues' als cnclid .51/3, cnyle
145/9, cnewlinge 127/1.
Die Thesen erklären die Verse: The broken rati-
cour etc. ff. King Rieh. III. IL 2. verwerfen Sievers'
Theorie über die ae. Vokaldehnung vor /•, / beim Schwund
eines folgeiiden /(, und leiten endlich span. pelear, pg.
pelejar, pr. peleiar ^egeu Diez von lat. *p'iUcare (zu
pjlus) ab. — Die in der Vorbemerkung versprochene
Fortsetzung (Flexionslehre) ist inzwischen bereits in der
Anglia erschienen.
Göttingen. F. Holthausen.
Tobler, A., Vom Gebranche des Imperfectum Fntnri
im Romanischen. Berlin 1891. 12 S. (Sitzungsber. d. k.
pr. .\k. d. W. 1S91, V.)
Toblers syntaktische Arbeiten gleichen feinen Gra-
virungen; ein so scharfer Blick und eine so feste Hand
wirken dabei zusammen dass kaum ein Strich zu ver-
bessern, einer hinzuzufügen bleibt. Nur in verschiedenem
Lichte wird sich dem Betrachter das Eine und .Vndere
zeigen, wenn er den näheren mit dem ferneren Stand-
punkt vertauscht, und in solch allgemeinem Sinne gedenke
ich mich hier mit der jüngsten dieser .arbeiten zu be-
schäftigen, und zugleich mit dem fünften der neuen ,. Ver-
mischten Beiträge"' (Zs. f. r. Ph. XI, 452 ff.), auf welchen
der Schluss jener hinweist.
Unsere Sprachen leisten bald zu wenig, bald zu
viel; das Letztere, indem sich ihre grannuatischen Systeme
über das Bedürfuiss hinaus, ja gegen das Bedürfniss, in
symmetrischer Verästelung ausgewachsen haben. Wir
sagen gestern begegnete ich einrm Freunde, begleitete
ihn, speiste mit ihm u. s. w., wo das alliremeine Tempus-
zeichen {-le oder was ihm gleichwertliig) neben dem be-
stimmten (gestern) überflüssig ist und seine beständige
Wiederholung den Inhabern einfacherer Sprachen ebenso
unerträglich erscheinen muss wie uns die des Adverbs
gestern erscheinen würde. Indem nun aber unser Verbum
flnitum immer mit einem Teiiipuszeiclien behaftet ist,
fehlt es uns wiederum an einer Bezeichnung für das
Geschehen welches wir uns an keine bestinnnte Zeit ge-
bunden denken; wenn wir hier das Präsens setzen, so
ist das ein Nothbehelf der die Gefahr der Zweideutig-
keit in sich schliesst. Zuweilen ist uns sogar überhaupt
die Möglichkeit benommen uns so unbestimmt oder all-
gemein auszudrücken wie es die Sachlage verlangt; so
können wir zwar von dem Unterschied zwischen zwei
luid mehreren Dingen absehen, aber nicht von dem
zwischen einem und mehreren. .Mit alledem hängt unser
Reichthum au syntaktischen Synonymen zusammen. Ich
kann für gestern begegnete ich ihm sagen gestern
125
1891. Tiiteratnrblatt fflr germaniflohe und romanische Philologie. Nr. 4.
126
hegefine ich ihm. Es wird dm-chans der gleiche Begriflfs-
iiilialt übermittelt; wenn der Hörer einen etwas anders
sofärbteii Eindruck empfängt, so beruht dies einzig- und
allein darauf dass die Associationen dei' Form hi'(je(ine
in ihm aufsteigen. Solche oberfläclilidien, rein gram-
matischen Unterschiede pflegen nun den wirklich be-
deutungsvollen gleichgeordnet oder mit ihnen vermengt
zu werden ; ja sie erfreuen sich im Sprachunterriclit, be-
sonders in der Erklärung der Klassiker geradezu einer
Bevorzugung, auf welclie der Name „Haarspalterei" vor-
trefflich passt. Regt sich hiergegen Gleichgiltigkeit und
Unbotmässigkeit, so sollte man nicht sagen dass das
Sprachgefühl getrübt ist, sondern dass man vom Ver-
kiinstelten zum Xatürliclien zurückkehrt. Damit habe
ich, und nicht nur für diese Gelegenheit, wohl zur Ge-
nüge jenen ferneren Standpunkt gekennzeichnet auf den
ich oben augespielt habe.
Tobler zeigt in schlagender Weise wie bei den
Franzosen das historische Futiu' in doppelter Bedeutung
vorkommt, und wirft die Frage auf ob das Imperfect
des Futurs, d. h. der Conditional nicht die entsprechenden
Gebrauchsweisen zeige. Er antwortet mit Ja; doch
sondern sich ihm hier die beiden Gruppen von Beispielen
die er aufstellt, weniger scharf von einander, bei den
meisten der zweiten gibt er selbst die Möglichkeit ver-
schiedener Deutung zn. Werden sich aber solche, um
es kurz zn sagen, ..mittleren" Beispiele nicht auch für
das historische Futnr tinden lassen? Hat sich denn nicht
dessen eine Geltung aus seiner andern entwickelt? Hat
sich der Sprechende mit seiner Erfahrung einem in der
Vergangenheit von der er spricht, Lebenden mit einem
Rucke untergeschoben, hat nicht vielmehr eine Ver-
raischnng Beider oder ein nebelbildhafter Uebergang von
dem Einen zum Andern stattgefunden? Dass in der
Sphäre der Vergangenheit der Conditional mehr als das
Futur zur Unbestimmtheit neigt, erklärt sich leicht aus
seiner sonstigen Anwendung. Indem dann Tobler den
vermuthenden Conditional des Spanischen und Portu-
giesischen und zwar seine beiden Werthe bespricht, sagt
er: ,.In manchen Fällen muss man dahingestellt sein
lassen, welche der beiden Bedeutungen dem Condicionalis
beizulegen sei, so namentlich in indirecten Fragesätzen".
Aber besteht überhaupt ein Entweder-oder noch das
nicht auf subjectivem noch auf objectivem Wege zur
Entscheiditng gebracht werden kann? Das sentiria an
jener Stelle des Cervantes fasse ich in einem unbestimmten,
einem weiteren Sinne und würde in keinem andern das
liebe de haher senlido oder das debia de sentir fassen
zwischen denen als Stellvertretern des Conditionals Tobler
schwankt. Im Deutschen gilt dasselbe: von den beiden
Ausdrucksvveisen (Ihr mögt beurtheilen was ich) ge-
fühlt haheti mag oder fiihlni mochte diese oder jene
zu wählen, dazu wird Niemand durch die Verschiedenheit
wirklicher Vorstellungen bestimmt werden; eine andere
Verschiedenheit gibt es liier nicht als eine nachträgliche
und scheinbare. Im Uebrigen erkenne ich natürlich an
dass eine iu der Vergangenheit auf ein Gleichzeitiges
bezogene Vermuthung nicht dasselbe ist wie eine in der
Gegenwart auf ein Vergangenes bezogene. Tobler meint
nun dass das span.-port. diria, „er mochte sagen" miss-
bräuclilich zu der Bedeutung von ,.er mag gesagt haben"
gehiugt ist. und erinnert an das franz. (7 a dii reiiir
für il doit etre venu. Eine solche Umkelirung hat
durchaus nichts Befremdendes, und Hesse sicli durch
manche Parallelen aus andern Sprachen stützen (G.
Meyer macht mich auf das hier oft gehörte er hat
sagen sollen für er soll gesagt haben aufmerksam).
Allein ich sehe in il a du venir das Primäre (ich sage
nicht das als das Frühere wirklich Belegbare) find in
// doit etre oemt das Secundure. Nach Toblers Auf-
fassimg w^ürde hier das Präsens für das Verbum finitum
deshalb zu fordern sein weil es auch in den sinnver-
wandten Wendungen steht: il est pennis de croire {on
peilt supposer u. s. w.) qu'il est venu. Diese Forderung
erscheint mir insofern nicht berechtigt als dabei ausser
Rechnung bleibt dass in dem einen Falle das Subject
dasselbe ist wie das des Infinitivs, in dem andern aber
ein von dem des abhängigen Satzes verschiedenes, näm-
lich, wenn auch durch die unpersönliche Wendung ver-
deckt (man könnte ja ebenso gut ansetzen Je dois
sKpposer n. s. w.), der Redende selbst. Für passender
als von einem verschiedenen Ausdruck gleicher Bedeutung
halte ich es von dem gleichen Ausdruck in seiner ur-
sprünglichen Bedeutung auszugehen. Das ist müssen =
genöthigt sein, und dies können wir in der Vorstellung
nicht auf ein Abgeschlossenes bezielien: du bist genöthigt
gearbeitet zu haben. Wenn wir doch sagen man muss
das gesehen haben um es zu glauben oder du musst
das gethan haben wenn die Sonne untergeht, so sind
das eben grammatische Ueberwucherungen, die leicht
beseitigt werden können. Zu dem Sinne von dem hier
die Rede ist, gelangt müssen duixh eine ziemlich ein-
fache Uebertragung: die Gründe welche Einen zwingen
Etwas zu thim, zwingen auch den Redenden, dem sie
bekannt sind, zur- Annahme dass Jener es thut: er muss
gleich kommen; denn der Zug geht in zehn Minuten
ab. Und so hat meines Erachteus Halevy richtig gesagt
— wenn man hier überhaupt von „richtig" und „falsch"
reden darf — il a du te laisser de l'argent, was im
Grunde so viel heisst wie mich den mir bekannten
Umständen konnte er (dein Vater) nicht anders als
dir Geld hinterlassen, tind das gewöhnlichere il doit
t'avoir laiss^ de l'argent ist erst aus einer Vermengnng
dieser mit den sinnverwandten Ausdrueksweisen (wie
je dois supposer qu'il t'a laisse de l'argent) hervor-
gegangen, die Tobler als die massgebenden Vorbilder
betrachtet. Die veränderte Bedeutung begünstigt die
äussere Umgestaltung, sodass sich nun Doppelsinnigkeit
vermeiden lässt. Ganz ebenso wie mit müssen verhält
es sich mit können, das in seiner eigentlichen Bedeutung
auch keinen perfectischen Infinitiv neben -«ich verträgt
(er besitzt die Fähigkeit es gethan zu haben): wer
kaim das gethan haben? {= 3)on wem kann ich an-
nehmen dass er das gethan hat?) steht für icer hat
das thun können? Tobler will auch Boccaccios u me
non e ancora paruta vedere alciina cosl bella (cosaj
nicht übersetzen : „ich habe nie geglaubt eine so schöne
zu sehen", sondern: „es scheint mir nicht als habe ich
je ... . gesehen"; allein es handelt sich hier nicht um
ein abstractes scheinen (wie in es scheint mir dass
noch nie so viele Sterbefälle gewesen sind wie in diesem
Winter), sondern um ein den unmittelbaren sinnlichen
Eindruck bezeichnendes (er)scheinen, also: mir ist noch
nie ettvas so Schönes von Ansehen erschienen, und das
ebenfalls dem Decameron entnommene tie era ancor
lor i^arnto alcuna volta tanto gajamente cantare gli
usignuoli ist mit noch grösserer Sicherheit zu übersetzen:
„noch nie war ihnen der Gesang der Nachtigallen so lustig
erschienen". Die enge Verbindung von müssen, können
und andern Modiiszeitwörtern mit einem Infinitiv, welche
137
1891. Literaturblatt für f^ermanlBohe und romanische Phi1olof;ie. Nr. 4.
128
mir zufolg-p die Vni-stellnng: des letzteren in einer ver- |
scliii'iK'iiiii Zeit ciirfiiilicli uussdiliesst, liat im Eomanisclien '
ciiii- IüIIr- von Krsclii'inuiijri'n im U('t"<>lf,'e \v»'l<iie Tobler
kurz, aufzählt. .Soli-lien Fallen wie it<il. ella c jintiita \
rciiirr stellen baskisclie zuniielist wie wilii ^are i/oan? j
(.wollen Sie gehen?") neben nulii iliizu ikhuni (.wollen
Sie .»seilen V"); doeli darf dabei aiieli an die Herabdriickung
lies niau'y. Iittliii, .können" zu einem Ableitungssuftix
eiinnert werden: irliat fiir iriii hiil, iehelsz für teiiiied
IkiIsz.
Graz. H. Schuchardt.
ÜCuvres de (iautier d'Arras publikes par E. Löseth.
Tonie I. Kriicle. Tome II. Ille & Gnleron. (Bibliotheque
Frnnijnlse du Moven Age VI. VII.) Paris, Bouillon. 1S90.
342 u. 241 S. fr! 18.
leb liabe bereits im vorijren .fahre an dieser Stelle
(Sp. 270 f.) auf diese Ausfiabe des lleraklius hinge-
wiesen und erzählt, dass Herr Dr. Wendelborn seiner-
seits gleiebzeitig, ohne etwas von Herrn Löseth wissen
zu können, das ganze Material desselben, ausserdem
auch den Ille und (ialeron, für welchen Herr Kollege
Kissiier mir sein Prioritätsrecht gütigst abgetreten
hatte, zusammengebracht hat. Nun sind die beiden,
literaihistorisch und inhaltlieh ebenso wie sprachlich
wichtigen Texte erschienen, auch der Ille uud Galeion,
trotzdem Herr Löseth letzteren nie angekündigt hatte
uiul ich also bei letzterem wenigstens eine Konkurrenz
nicht befürchtete. Ich wurde eines andern belehrt, als
mir mein vortrefHidiei- Freund Wahl und. welcher sich
in der zuvorkommendsten Weise zur Vergleichuug der
mir zweifelhaft gebliebenen Stellen meines druekfertig
gemachten Hle-Manuscripts bereit erklärt hatte, in der
zweiten .lulihälfte 1889 schrieb, dass ihm während des
Collationiiens die Illehandschrift von einem Norweger
aliverlaiigt worden sei. r>ie drei ersten Bogen meiner
Ausgabe waren damals fertig gesetzt und ich hoffte
Mitte Oetober 1889 das Bändchen im Buchhandel zu
sehen, als mich eine tückische Krankheit auf ein Viertel-
jahr hin lahmlegte und ich später durch Berufs- und
andere durchaus unaufschiebbare Arbeiten und äussere
.Arbeitsstöruugen vom Ille fei'ngehalten wurde. .Jetzt,
Wo die beiden luxuriös und elegant gedruckten Bände
der Konkurrenzausgabe vorliegen, wäre ich bei dem
l'mstande, dass so viele wichtige Texte noch immer
• eines Herausgebers harren und wir daher einen und
denselben Text nicht jetzt schon in zwei Xebenausgaben
brauchen, ohne weiteres bereit gewesen, meinein Herrn
Verleger anheinizustellen, die bereits fertigen drei Bogen
zu opfern, wenn die vorliegende .Ausgabe eine solche
wäre, dass sie den an sie unter allen Umständen heut-
zutage zu stellenden wichtigsten Anforderungen im
Grossen und Ganzen wenigstens entspräche. Dies ist
leider, trotz der vielen guten Seiten dei-selben, in keiner
Weise der Fall, wie hier bereits in aller Deutlichkeit
gesagt werden niuss, und eine neue Ausgabe, nach andern
(irundsätzen unternommen, ist jetzt noch ebenso uoth-
weiidig wie sie vordem gewesen und wild deren erster
Theil (Ille) in kürzester Frist erscheinen.
Die zwei vorliegenden Bände enthalten ausser dem
Texte und dem nackten kaum eine halbe Seite füllenden
Handschriftenstaunnbaunie des in drei Handschriften auf
uns iibeikomnieneii lleraklius keine einzige Zeile, weder
Einleitung, noch .-Viiinerkung oder (Glossar — keine Zeile
verräth, dass diese nothwendigen Beigaben kommen
werden: doch erfahren wir zum Glüek durch die eben'
erschieiune Nummer der Komaiiia (XN, IHK), dass ein
diitter Band, qui contieiidra les comnientaires et le
glossaire, bald erscheinen soll. — Der lleraklius ist.
wie bemerkt, in drei Handschriften erhalten, die ziemlich
auseinander gelin und deren gegenseitiges Verhältniss
nicht iinnier klar ist : wir nehmen den gegebenen Stanini-
bauin an und betrachten den auf solche Weise entstan-
denen Text, (dine die vielen Stellen, wo man gern unten
stehende Varianten im Text sähe, zu berühren. S(dche8
widerfiihrt auch dem sorgfältigsten und abwägendsten
Textautl)auer, wie denn das auf den ersten Blick etwas
mechanisch aussehende Textinachen eine der schwierigsten
und zartesten -arbeiten ist, die man sich in der Philo-
logie denken kann. Gliiie weiteres kann hierin ebenso
wie in den zahlreichen, niitnnter ausgezeichneten Text-
emendationen, die besonders in dem zweiten, nur in einer
einzigen stark verdorbenen Hs. erhaltenen Ille, rühmend
zu erwähnen sind, dem Herausgeber das vollste unein-
geschränkteste Lob gespendet werden. Nicht etwa dass
er auch daneben nicht Stellen gebessert hätte, die tadellos
sind oder mehrmals nahe liegende Emendationeu nicht
gefunden — auch „Besserungen", die schlimmer als das
Ueberlieferte und aus mehrfachen Gründen unmöglich sind,
gibts genug (s. n.) — : aber die Menge des von ihm hierin
vorgebrachten Preiswüi'digeu ist so bedeutend, dass sie
diese Mängel überwiegt. Aber, und dies ist für die
ganze Ausgabe und deren äusseres Gewand verhängniss-
voll: der ganze Text ist einheitlich uniformirt
und zwar in einer mit der vom Verfasser ange-
wandten Mundart im schreienden Widerspruch
stehenden Weise, und, was noch schlimmer,
selbst das ideale, vom Hrsg. dem Texte ange-
legte Kleid ist ein Zwitterding, eine aus zwei
disparaten, nie zusammen Irgendwo in der Sprache
neben einander befindlichen Elementen zusam-
mengebraute Mischung. Wenn dies bei dem lleraklius,
der in drei Hss. überliefert ist. und wo man die vielen
Varianten der Hss. unter dem Texte angegeben findet,
schon niisslich ist, so wird dies für den Ille geradezu
unglücklich, da derselbe in einer einzigen Handschrift
überliefert ist, deren Text der Hrsg. ebenso energisch
uniformirt hat, ohne jemals die ausgemerzte Grajihie der
Hs. zu verzeichnen: die orthogra]diischen Varianten werden
nie angegeben, sondern der Hrsg. beschränkt sich darauf,
bloss die gegen die Ueberlieferung vorgenommenen Aen-
dernngen, die er ohne weiteres in den Text aufgenommen
hat, zu verzeichnen. Wenn man auch nicht so conser-
vativ zu sein braucht, wie ich es in meinen .Ausgaben
bin und mit der Zeit immer noch vorsichtiger und be-
hutsamer werde, so ist doch bei dieser Methode sehr
oft manches sicher Falsche in den Text gekommen, was
die Handschrift nicht bot. Einige Fälle sollen dies
klarstellen: 92. Rome est et ert tous jors noiiper,
Si est et ert l'empereris De domi's par nies (L. liest
mes) litis offiK, was L. so abdruckt De (laiiics priiiie,
roi(<; nfiz. Wenn auch die reberlieferung in ihren
drei letzten Worten nicht ganz klar ist. so ist die ohne
Weiteres als Text gedruckte Emendation ganz sicher
falsch und unmöglich: prim als" Adj. ist unserm Dichter
ebenso unbekannt, wie im .Mtfrz. damals überhauiit, wo
es nur in erstarrten \'erbiiidungeii sich noch erhalten hat;
DOiis a/i\s ohne Je oder le ist sehr hnit und emllicli rz/Zo:
' l'cn li>. I''rliiii.ir IS'.ll in Umin Miiijchiii;;!.
129
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4,
130
ein nnmöfrliclier Reim, der geradezu sprach widrig ist;
(ifivr kann nur afi, spätei- ape geben und wenn sogar
(in falsches -••; dran käme, was aber ausgeschlossen ist,
SU würde es noclr immer nicht das vom Reim verlangte
-c sein. Ein anderes ^'erb (auf -z o. ä. z. B. afichier)
ist ausgeschlossen. — .3514. AI pnrvenir haifscnt les
lifiii-c.t, Kl Sil HC tieneiit lur coiniiaftdiiref! ändert der
Hrsg. unglücklich in Eii soiii: denn da die romiissaiue,
'das Fähnchen', auf der Spitze der Lanze befestigt ist,
so kann sie nicht in die Hohe gehalten werden, wenn
man die Lanze senkt. Dagegen weiss man, dass die
Lanze aus der Vertikalen in die Horizontale gesenkt
wird beim Stoss und so sieht .Jedermann, dass es be-
deutet: ..Tm T51ut färben sie ihre Fähnlein" d. h. tienent
ist hier veischrieben aus tei'/nent, das in der Vorlage
gestanden hatte und das der Schreiber für eine Form
von feiiir nahm und in seine Sprache umschrieb — wie
ja der Hrsg. ebenso entgegen den Reimen überall falsch
riegne, tlegiie schreibt, während veigne oder vaigiiv u. s. f.
stehen musste. — 4.5.5. ((jrniit geiit malvese taugt nichts),
Oll fdit phis pur i/r<int gcnt soreiit Qtie ort ne face
pur graut gent ändert L. an erster Stelle pur poi
gellt, was eine sonderbare Erfahrung ausspricht. Es
dürfte wohl par i/niiit euer zu bessern sein. — 985 ff.
sind so gedruckt: Hoiuiis roiis vient a taute s'osf, A
riiic cem Chevaliers, armez Eiisi com vous roz <ors
arinez. Garnissiez rons, qii'il vieiient ci: eine merk-
würdige Verbindung. Man muss abtheilen : Hoiax ros
rieiit a tute s'osf A .v. ceiis eh. armes. Eusi con vos
DOS cors afrjmes, Garnissies vos! — 1009 steht
zum Reim estrier 'Steigbügel' in der Hs. espie 'Spiess',
was L., um den Reim zu bessern, so ändert: estrier:
espier. AVenn sich auch das eine oder andere Mal in
späten überreimten Tiraden ein espier findet, -so ist dies
doch ein Reimopfer, diese Form sonst nie gebraucht und
für einen so alten Te.\t wie der Heraklius unmöglich;
dagegen weiss jeder, dass im (regentheil estrier die
junge analogische Form von älterem estrieu oder estrie =
^stri'iiiim ist, was also einzuführen und das mit espiin
oder «'S/j/e- richtig reimt. — 1152. llle im Kampf Höel
eil tel (Hs. iol) endroit afaiiit Qiie Vaiiherc desront et
<lesniiiille muss gelesen werden, wo L. Hoel el col en
droit liest, was unmöglich ist, weil dann endroit sinnlos
ist; es könnte höchstens emdroit le col heissen. — 1247.
Wer so handelt, der vergebt sich gegen die Liebe, Com
Vi popelirans n'a loi = ..wüe ein Ketzer hat er keinen
erlauben", während L. das Gegentheil in den Text setzt:
a loi. — 1361. Qiiidquid delirant reges, plectioitiir
Aehivi. So muss auch Amor von .Jemand beleidigt worden
sein, weil er seine AVuth au mü' Unschuldigem auslässt;
denn mich treffen die Missethaten eines Anderen
(ich muss für sie büssen) tot otisi com li derces fait
der nicht denjenigen, der ihn geschlagen, sondern einen
dritten unschuldigen triftt. Die Hs. ist sicher vei'dorben :
Or si muenent autriii mesfait und es muss in m' . . .ent
ein vokalisch anlautendes Verb stecken: denn der Sinn
ist sicher = Or me grievevt uiitrui mesfait oder
[IJ'estriiierent, wo la = Amor ist: 'die üebelthaten
Anderer stacheln Amor auf'. Statt dessen setzt L.
schlankweg in den Text: Or si me muet autrui
mesfait, was keinen rechten Sinn gibt und, was schlim-
mer, sprachwidrig ist; denn iinsfait müsste dann,
da die Declination sorgfältig gewahrt ist, mesfaiz,
• Diese Form durch Reim gesichert 460. 2574. 45r)9.
Sing. Nom. lauten, was durch den Reim fait ansge-
schlossen ist. — 1.588 — 91 ist von L. zweimal eine
Lücke angesetzt, weil die vorausgehenden ein klein
wenig verderbten Zeilen nicht verstanden worden sind,
üaleron, die früher so geärgert worden war, ist jetzt
hocherfreut, llles ist glücklich und hochangesehen. Por
roii les tieut il en vierte Et malus lor mostre de /ierle
Qu'il ne pst ains qn'il l'eiist pris. Dies letzte durch
den Reim gesicherte Wort führt auf den richtigen Weg.
J>a pris Masc. ist und der Dichter die Congruenz des
Partie, meist befolgt, so muss le in l'eiist 'ihn', also
llle bedeuten; daher ist rju'il in qii'el 'sie' d. h. Galeron
zu lesen und ebenso im Vorhergehenden. Die ganze
.•^telle lautet: Por ro le (llle) tient et' (Gal.) en eierte
Et niains lor (entweder Iqr oder or zeitlich, oder li
zu ändern) mostre de fierte Qii'el (Galeron) ne /ist ains
qii'el l'eust pris. — 2408. Angois qu'il les mesissent
enz Hs. tadellos: bevor sie {li Griu) dieselben {les
Romains) hineingeworfen hatten', während L. in den
Text setzt: A. que il les mesist eiiz, was widersinnig
ist. Ich köiuite so den ganzen Text vornehmen (2012
wird tadelloses coure der Hs. in roiite geändert, statt
es in franz. coiiche 'Lager' umzuschreiben, 356 ist le
tendront oder qn'il li reiidront, 581 dure zu bessern.
648 wird aus ä un eine unbekannte Persönlichkeit ä Xn,
659 muss deist stehn, 665 fait', 907 ele in li ändern,
952 Doit ist Pf. gemeint, 961 en .<ta cort tadellos 'sie an
ihrem Hofe'. 1055 en ist e«^ und 1056 Qiii nes (cf. 1053)
zu ändern, 1086 vnet aus roiit und 1087 laissestehn lassen,
1288 en ist sinnlos, 1736 lor in son zu bessern, 1868 vaut
ist Pf., 2015 Cni, 2172 entweder s/rro/e oder tant com
vos serviroie, 2188 loing, 2220 tont arme, 2347 Greu
(st. pren), 2399 mort! (1. mor) zu bessern, 2458 es
tahles! (1. estahh-s), 4076 maigrece! (1. m'aigrete),
4150 grace (st. face), 6005 giierre (b. Grece), 6159
se (= ce) — alles Emendationen, die ohne Commentar
einleuchten — und viele, sehr viele andere), allein
mein demnächst erscheinender Text wird dies klarer
zeigen und meine Anmerkungen alle die Fälle besprechen.
Ganz missverstanden sind 4762 f. 5195. 5168 o. 3378,
wo noch ein unmöglichei' C'onjunctiv eingeführt worden,
das sinnstörende ne aber beibehalten ist. 5856 wird
das Gegentheil von dem, was der Dichter erzählt, durch
ont eingeführt {a ist verlesenes est), 2157 wird tadel-
loses/rff</o^ in ein räthselhaftes /'ot/s geändert, 3193
4357 ein grammatisch unmögliches le roi "ili rois Hs.
richtig), ebenso 4842 falsches oire, 5883 ein nicht
existh'endes desfrois emendirt. Falsche Umstellung i960,
da H. L. die vier sichern Fälle der Xichtcongruenz über-
sehen hat. Lücken werden ferner^ angenommen, wo
keine existiren 3939. 3977 (hier obendrein schlechte
Conjeetur in 3978 qu'om st. nothwendigem quant), und
übersehen, wo sie angesetzt werden müssen, vgl. be-
sonders 3927, wo nach Herrn L. die vUaine geiit die
honte et rilonie aus der Welt geschafft hat. Falsche
Allgaben der handschriftlichen Lesung 1100 q (nicht
q'), 1692 cai (nicht cou), 3519 q'l i (nicht q' li), 4437
Sil len (nicht sil en), 4949 bons (nicht bans), 6147
troene (nicht troiie).
Es bleibt mir nur noch übrig, mein oben über die
ganz verfehlte Uniforniirung gefälltes Urtheil zu be-
gründen. A priori leuchtet ein, dass ein Herausgeber
bei einem liichter, dessen Lebenszeit ziemlich genau be-
kannt ist, und bei dem man die Abfassungszeit seiner
Gedichte bestimmen kann und dessen Geburtsort endlich
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1891. LiteraiurblRtt fflr ^ermanisohe nnd romanisohe Philologe. Nr. 4.
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bekannt ist, sich offenbar in einer sehr angenehmen Lage
befindi't. indem er seine Sprailie leiclit zu bestimmen im
Stande ist. da man einerseits an i-.iiOO Reime lesitzt,
anderseits sowohl Reimtexte als Urkunden tür Arras in
reiclier Meiij^e zu liaben sind, — vorausgesetzt natürlich,
dass der Dichter, wie so viele andere seiner Landsleute,
in seiner eijrenen Mundart ffeschriebcn hat. Davon kann
man siili leicht überzeug'en. wenn man die Reime unter-
sncht. Mit grosser Verwundeninü: erkennt man aber
sofort, dass der Pikarde von Arras sich die grösste Mühe
gibt, reines Französisch zu schreiben und derselbe
alle Eigenheiten seiner Mundart peinlich meidet (dass
ihm hie und da kleine Inconseijuenzen unterlaufen, ist leicht
begi-eiflich). Sei es also auf Refelil seiner Uönner, die
die iJmen roh vorkommende Mundart scheuten, sei es
dass er einer Kritik, wie sie sein jüngerer Landsmann Kuno
von Kethune zu seinem Leidwesen später erfahren musste,
entgehen wollte: das Ansehn des Französischen war
bereits so hoch, dass ein Pikarde sich veranlasst sehn
konnte, in demselben statt in seiner Mundart zu dichten.
Wenn aber Walter von Arras französisch schrieb, so
war eine französische Unifurniirung vorgeschrieben, nnd
da wir einerseits sichere französische Texte, anderseits
die grosse Menge der W'altei-sclien Reime besitzen, so
Hess sie sich ziemlich leicht ausfuhren, wenn auch, wie
bei jeder idealen üniformirung. einzelne Kleinigkeiten
sich nicht immer sicher entscheiden lassen. Auf den
ersten Blick scheint es nxui, dass L. seine Texte in
dieses ideale Französisisch umgeschrieben, da er c, c,
-2, iee u. s. f. nach französischer Art schreibt und sonst
auch französische Formen, die die Reime sichern, regel-
mässig einführt. Aber bei näherem Zusehen "bleibt man
starr vor Verwunderung. (Jerade die gewöhnlichsten
Pikardismen, wie .\rtikel, Personal- und Possessivpro-
nomen, sind nii-lit nnr mit den ihrerseits auch pikar-
dischen Handschriften beibehalten, sondern consequent
auch gegen dieselben, wo diese die französische Form
bieten, eingeführt, d. h. während der Dichter pein-
lich bemüht ist, jede Spur des Pikardischen so-
gar in den Reimen, wo sie ja bei den oft in den ein-
zelnen Provinzen befindlichen Nebenformen übersehen
Werden konnte (nur der die Reime untersuchende kundige
Romanist findet dieselben stets heraus; die damaligen
Leser oder Zuhörer beim Französisch- Vorlesen wohl über-
haupt nicht, ausser in ganz vei-einzelten Fällen, die dann
als ungenaue, assonirende Reime erscheinen mochten) zu
vermeiden, der also in der Mitte der Zeile, wo es
ihm keine besondere Muhe kostete, erst recht alles
Pikardische venneiden musste: hat der Hrsg. diesen
sprachlichen pikardischen Rost gewaltsam über
den französisch gereimten Text ausgegossen,
mithin die klare Absicht des Dichters plump
vereitelt. Man liest jetzt staunend Ille 4 meii ser-
oisft, VI eil xeHS, 10 leletre, le f/losi', 17 /c fin, 26 .<!<;
i'ie u. s. f., Wo sogar die lls. überall die fianzösischen
Formen iiion, tu, sa u. s. f. hat. Freilicii inconseijuent
ist L. auch, z. B. 47 steht wieder ruhig franz. sa
coin/Htif/iie. Eine genaue Untersuchung der Üniformirung
zeigt, dass L. in der Lautlehre alle Pikardismen ängst-
lich vermeidet, eine ganze Reihe andeier in der Decli-
iiation coiisei|Uent einführt. Dass ihm auch in der
Lautlehre viele mit unterlaufen sind, zeigt ein fiüilitigei-
Blick, z. 1!. für Ille 2 inHleur (so inniier), 12 toni/e-
went (wäre frz. </e, was L. sicher nicht meint), 10 coii-
sillite (ebenso lis, 116 vrillkr u. s. f.), 1888 pieur,
170 rjiiinae, 245 aparttefjtip, liegiie u. s. f. (so immer»,
cf. 80ti! 282 steht lautlich unmögliches lievc, im An-
hang in //eire gebes-sert: auch dies ist nicht französisch;
lieinent 2425, fiissietis 2.S14, vgl. 5726. 4401, dann
-omes^ 5990. 5987. 6080; 304 charchicz (wolil
wegen 1489.90, wo ein pik., vom Standpunkt dc^
Französischen aber ungenauer Reim). 853 esdeiiqiiier
(.\nhang gebessert), 628 E>-tout:, 845 qiiinsainv, 132'!
rillier, .'i854 finreiit, 1442 sarerez (konnte leicli'
entfernt werden, vgl. noch 3574 dereroie, 4520), ebenda
enqui, 1494 Anjan, 1662 apercut, 2188. 3332 lonr
(st. hing vgl. 235 u. s. f.), 2410 dorriers, 2699
fies (Leber), 3013. 3692 lieiis = nlisl, 32n3 awaii, 3208
si</na (wo sogar Hs. saiiia). 4955 s'eiit, 5102 1 (st.
//, echt pik.), 5661 (lai</iiissiez 6218 urerles (st.
(irriie;). 6435 Tout (st. Titif). Ich habe diese Bei-
spiele absichtlich aus dem zweiten Theil herausgesucht,
weil anzunehmen, dass der Hrsg. hier bereits eine
gi-össere üebung sich erworben, als sie im ersten Band
gewesen, wo er seine Arbeit eben anfing. In diesem
ersten Band nun findet sich sogar der pikardische Nom.
Fem. des .Artikels, nämlich // — während ich diese Form
im Ille nicht mehr vorgefunden habe, hier ist vielmehr
nach französischer Art der Nom. und Acc. gleich,
aber freilich in der pikardischen Form (/e)! Vgl. im
Heraklius: li faüz 18, li cliose 116, li croiz 120, /»
phiü rortohe et li plus fine 128 n. s. f., dann riide 33,
tiide 34, sesist 386 u. ä. (immer), rhou 396, (/roiichan-
ment 886, La am (st. ou) 1038, f<iignier\ (fr. fangier)
1171, wie doigiwii 4017 (fr. doiijon), oins 1680 u. s. f.;
doch beachte noch besonders das in jeder Mundart unmög-
liche fiiis, Kom. von fiel 'Galle' 3701, etwa das pik. estroit
4801, das lautlich unmögliche /rcHfrt«? 928, fscorcojY 5297.
Auch sonst ist viel Einzelnes, was einen sehr verwundert;
warum nur oire, erer, aber rescoiirre, aber poura, und
immer serrer? Warum in einem so alteu Texte so junge
Schreibungen wie nous, rous, cowone, proHver, lour,
jour, sogar voulente, voulentiers'} Sogar jwiioir,
pouezl Dies hatte ein schweres Missverständniss zur
Folge, indem for.s' 5073 mit fours wiedergegeben wird,
wälii-end der Sinn lehrt, dass es sich um lorz 'Unrecht'
handelt. Was soll 148 inoiint (3. Pf.), pani 3079.
früher irgendwo coitru, ralii 6214 (auch Her. 516(i.
6187, mouni 288)? Dass es Absicht, zeigt der Anhang
zu 4428.9, wo das richtige -ut in das falsche -u ge-
bessert wird. Warum dont, adont st. donc, adonc'f
Warum 308 morlieus (öfter), aber felis, warum gieiis
2372. 3374?, 3747 prent (st. prning), 3234 fri'llieel,
738 fitisoii, 739 paisoii, immer pranictre, warum
clietis gegen plaissi<r'? Wenn er ne le der Hs. ohne
jedes Recht gewaltsam in nel ändert (z. B. Ille 274.
1404. 2155. 3195 fsinnlo.*!. 5106), so folgt er offenbar
hierin G. Paris, vgl. Rom. XX. 161 Anm. .Aber schlimmer
ist. dass er das Prononi re 'dieser' der Hs., das identisch
ist mit dem nenfrz. re und aus ce(s)l — Cons. ^^ ce —
('(ins. entstanden ist. consequent mit <cl 'jener' wieder-
gibt; z. B. Ille 617. 1133. 1521 und 2252. 2816 (bei
/(»//!). 1686, 3509. 4123 (!). 4273. 5833. Was soll
das unmögliche ri^ ('dies') 5592. 6197. 6257? Welch
merkwürdige Declinationsregel ist für geid „Volk"* er-
fanden! .Jedes l'en "man' wird in ow, jedes coiniiual-
nient in romioiement gv\\\\A\;vi: warum?
' Walter hat im Ilrrakliiis nooli -omes im Keime, aber
nicht mehr in ilem späteren (wie ich beweisen wenle) und
französischeren Ille.
1 3:5
1891. Litcraturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4.
\U
Wenn also die Ausgabe eine solche ist, dass sie in
keiner Weise den heute an eine solche Aufg-abe gestellten
.Xnfoi'derunyen eutsimiiit und eine anders angelegte Aus-
gabe duitii dieselbe in keiner Weise übertlüssig, sondern
erst reell t erwünscht gewcn'den ist. so muss anderseits
wieder entgegen der schwachen philologischen Vorbe-
reitung des Hrsg.'s seine bedeutende Emeudationsgabe,
die er durch eine Reihe vortrefflicher Conjecturen (ich
nehme an. dass sie alle von ihm allein herstammen) glän-
zend dargethan hat, rühmend erwähnt w'erden, und ich
schliesse mit dem Wunsch, dass er sich nach Ausfüllung
der hier berührten Lücken (vor allem Mundarten!) bald
an einen neuen Text mache, um auch in dieser Seite
der Textkritik seine Tüchtigkeit zu bewähren.
Bonn am Eheiu. W. Foerster.
Salverda de Grave, Jean Jacques, Introduction ä
une edition critique du Roman d'Eneas. (Groninger
Doctor-Dissertation.) 's-Gravenhage l^J^S. 12S u. ö (unge-
zählte) S. , Stellingen''. 8. (Xicht im Buehhamlel.)
Ich muss mich beeilen, um das tüchtige Büchlein,
das die Vorarbeit zu einer jetzt bereits im Druck be-
tindlichen kritischen Ausgabe des altfranzüsischen Aeneas,
die wir Alle mit grosser Ungeduld erwarten, bildet, nicht
y.fui' fopr/;r anzukündigen. Der Aeneas hält eine ganz
besondere Stellung ein unter der altfr. Hofepik und da
man über ihn nichts als den „Essay" von A. Pej' (P.
185Ö) und die gelegentlichen Mittheilungen Behaghels
in seiner Heinrich v. Veldeke-Ausgabe hatte, so koimten
alle wichtigen Fragen, die sich um diesen Text herum
sammeln, nicht erledigt werden: einerseits sein Alter
nebst der Frage nach der Verfasserschaft desselben,
insbesondere ob er mit dem Trojanerkrieg dem Beueit
zugehöre; anderseits die Stellung des klassisch-antiken
Hofromans zum bretonischen und deren Beeinflussung
des einen durch den anderen.
Xach einer kiu-zen Einleitung folgen die drei TheQe
der Arbeit: 1. Handschriften und deren Abhängigkeit,
2. Sprache (Reimuntersuchung nebst Zeitbestimmung),
3. Quellen, insonderheit Vergleichung mit der Vergilschen
Aeneis. 'Das Wichtigste ist für uns das zweite Haupt-
stück, dessen Schlussfolgerung dahin lautet, dass der
Aeneas älter als die Xormannenchronik und der Trojaner-
krieg Beneits ist und zwar von einem anderen Verfasser
herrührt. Wir werden Gelegenheit haben, die wichtige
Frage nach dem Erscheinen des Textes nachzuprüfen.
Bonn. W. Foerster.
Voigt, Giorgio, 11 Risorgimento dell' anticbita classica
OTveroil primo secolodeirnmanismo, trailuziune italiaua
con prefazione e note Uel professore D. V a 1 b u s a , arricchita
di aggiunte e eorrezioni inedite dell'autore. Vol. I und II.
Firenze, G. C. Sansoni. 1888 und 1890. I. Bd. XII, 595 S.
II. Bd. 502 S. 8. Lire 18.
Xach Burckhardts Kultur der Renaissance hat nun
Valbnsa auch das epochemachende Werk des berühmten
Leipziger Historikers seinen des Deutschen unkundigen
Landsleuten zugänglich gemacht. Die Uebersetzung ist
genau und angenehm gesclu'ieben, so dass man in dieser
Beziehung Valbusa alles Lob spenden kann; wer aber,
wie ich, durch den Titel verleitet die Uebersetzung an-
schafteu wollte in der Meinung, darin eine Art neuer,
auf den Standpunkt der Gegenwart gebrachter Auflage
zu finden, wie das z. B. bei den italienischen Ueber-
setzungen von Gasparvs Literaturgeschichte der Fall ist,
der würde sich in seinen Erwartungen getäuscht sehen.
Die Zusätze des Autors und des Uebersetzers sind doch
gar zu gering, als dass sie demjenigen, der das Original
besitzt, den Ankauf der Uebersetzung lohnten, und auch
wer das Original nicht besitzt wird besser thun, sich
dieses, und nicht die Uebersetzung. anzusdiafl'en, da das
Buch in seiner italienischen (Gestalt doch gar zu sehr
in Bezug auf Bequemlichkeit des (Jebrauclies eingebüsst
hat. Auch hier ist wieder, wie bei andein Uebersetzungen
ins Italienische, das ganze, 36 Spalten zählende Personal-
uud Sachregister weggeblieben, als wiLsste man in Italien
den Werth eines solchen nicht zu schätzen, während
doch die Mühe, bloss die Seitenzahlen umzuschreiben,
eine verhältnissmässig recht geringe ist und ganz erspart
werden könnte, falls im Buche selbst stets auch die so
sehr wünschenswerthe Paginirung des Originals ange-
geben wäre. Dieser grosse Mangel wird dadurch noch
viel fühlbarer, als auch das Inhaltsverzeichniss sehr zu
seinem Xachtheile gekürzt ist. Während Voigt darin
sehr genau, fast Seite für Seite, den Inhalt charakterisirt
und immer gleich die Seitenzahl folgen lässt, so sind
diese Seitenzahlen in der italienischen Uebersetzung weg-
geblieben, indem dieselbe die einzelnen grösseren Absätze
jedes Buches, die im deutschen Inhaltsverzeichnisse durch
neue «Zeilen kenntlich gemacht sind, zu Kapiteln ver-
einigt und dann bloss die Anfangsseite jedes Kapitels
angibt. Endlich ist auch das Fehlen des so nützlichen,
13 Seiten starken Literaturverzeichnisses sehr zu be-
klagen; die Uebersicht über die benutzte Literatur geht
dadurch verloren und das Auffinden der Citate wird er-
schwert. Hier ein Beispiel: Bd. I, S. 8, Anm. 2 (= S. I5,
Anm. 3 des Originals) finden wir das Citat: Bunkhanlt,
vol. I, p. 221, 245, und nichts sagt uns, welches Werk
Biu'ckhardts, noch welche Auflage desselben gemeint sei;
im Original finden wir dieselben Zahlen, das Literatur-
verzeichniss belehrt uns aber, dass die 3. Auflage der
Kultui- der Renaissance gemeint sei. Warum ist in der
Uebersetzung nicht eine neue Auflage oder, was natur-
gemäss wäre, die italienische Uebersetzung citirt? Xoch
ein Beispiel für viele dafür, dass die Uebersetzung nicht
auf den Standpunkt der Gegenwart gebracht ist. S. 375
des I. Bandes, Anm. 1, ist Benveuuto Rambaldis Dante-
commentar nach Tamburinis Uebersetzung citirt, wälu'end
doch seit 1887 das lateinische Original vollständig ge-
druckt ist. S. 384, Anm. 4 desselben Bandes ist die
Angabe stehen geblieben, dass der betr. Commentar
leider nur- in der italienischen Uebersetzung Tamburinis
vollständig veröffentlicht sei, und erst dazu macht nun
Valbusa die Bemerkung, dass auch das Original seitdem
vcllständig erschien: die Citate siud aber nicht etwa den
veränderten Uniständeu gemäss -angegeben. Dies sind
Aeusserlichkeiten, aber auch im Texte selbst hätte Voigt
manches geändert, wäre es seine Absicht gewesen, das
Buch so umzuarbeiten, dass es vollständig dem heutigen
Stande der Forschungen auf diesem Gebiete entspreche.
Das war aber Voigts Absicht nicht und wü' haben auch
keinen Anspruch darauf: auch so wird ja Valbusas aus-
gezeichnete Uebersetzung den des Deutscheu Unkundigen
und besonders einem weiteren italienischen Lesepublikum,
das der Uebersetzer ebenfalls im Auge gehabt zu haben
erklärt und für welches sich ja auch das in seiner
staunenswerthen Gelehrsamkeit so geistreich und an-
ziehend geschriebene Werk trefflich eignet, vorzügliche
Dienste leisten. Es sollte hier nur dem Bedauern Aus-
druck verliehen werden, dass nicht auch den des Deutschen
kundigen Fachleuten durch diese Uebersetzung eine
wesentlichere Bereicherung zu Theil wurde.
Göttingen. W. Cloetta.
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1891. Literaturblatt fQr gerinaniBohe and romanisolie Philologie. Nr. 4.
l.H'
Z o i t s cJi r i f"t o ii.
Modern Lansaase Notes VI, 3. März: J. D. Bruce,
Kiglitli aiiiiual cüHivomioii of tlic inuileni languii<fo asouciiition.
— .V. S. Cook, Uli enfjlisli liturature anJ jewisli Icurniiig.
— J. P. Fruit, Tlu' Wortli uf tlie Eii^lisli seiiUnce for
ri'flt'eiivc nml acsilietio iliseipliiio. — A. Lotio man, A
List uf muilern froiicli tcxt bouks coiiipilcd for tliv use ot
iraelicra in public scIiooIk. — A. Kortier, Tlie tn-ncli
liturature nf Louisiana in 1S89 an.l 1890. — H. A. T u il d ,
Tlie plionetics uf freneli iiocl aml iiuvel, prov. nudul aml
>ii<<7. — Kr. Spencer, Vnrinus. — .\. C. Smith, ,Song
tu Winifreila" nnil its authur. — W. E. Siniomls, Tlie
tluee runilvaux of Sir Thomas Wvatt. — Ch. S. Smith,
Mailame .Ackermann. — K. S. Joyncs, Tlie peilao;»gical
section of tlie nioilorn lansfua'je association. — Fr. T.
Lawrence, ISucliheinis „Jungfrau von Orleans".
PublicatiuDS of the modern lanKuage association of
Aiuei'ica V, 4: .\. II. Tnlnian, Shakespcare's l'art in
tili- „TuiiiiiiK of tlic Slircw'". — l). K. Uoclge, A biblin-
grapliY uf Danisli aiitl Sweilish üictionarios, together with
a brief aceouiit <if Daiiisli Lexiro(;rapliy.
Zs. f. verel. Spraehfursclinns X XXI, 3 : P. K r e t s c h m e r ,
Iniloficrm. Aix'eiit- uiul Laut«tuilion. — K. Solm.sen, Das
l'ruiionien mos onus in ileii in Itis^crm. Sprachen. — O.
W i (• (1 e ni a n n , Der Dativus Singularis in ;len germanischen
Sprachen.
Beiträge zur Kunde der indo$;eriu. Sprachen KITII, 1
u. 2: H. Colli tz. Die Behamllung iles urspr. auslautenden
«I im Gotischen, Althochdeutschen und Altsächsischen. —
Chr. B a r t h 0 lo m ae. Arm. a > griech. o und die indog.
Vukalrcihen. — L. Sütterlin, Etymologisches (u. a. zu
Schuppen, Klucke, an. ptiiyill). — \V. Prellwitz, Kratze.
M^moires de la societe de lins;nistique de Paris VII,
2: M. Breal, Preinieres iiifluences de Konie sur 1c nionde
germanique (u. a. : das got. Suffix -iliips stamme aus lat.
-diitlo); de la prunonciation du c latin: allemand Xelter
(~ \at. tolularius); le mecanisnie grammatical peut-il s'eni-
prunter.
Revue de Lineuistiqne XXIV, 1: Gabriel D e v il le, Notes
sur le devekipiH-nicnt du langage cliez le.s enfants. — Paul
Kegnaud, l'elargissement des furmes in lo-curopeennes
sur des finales rhutacisecs.
Zs. des Vereins f. Volkskunde I, 1: Karl Weinhold,
Zur Einleitung. — Steint luil. An den Leser. — W.
Schwartz. Volksthümliclie Schhiglicliter. — K. Maurer,
Zur Volkskunde Islands. — R. Kuehler, Ein anseheinend
deutsches Märchen von der Nachtigall und lilindsclileiclie
und sein französisches (original. — K. Loewe, Die Aus-
nalimslosigkcit sämnitlicher Sprathneuerungen. — M. Re-
sener, Wind, Wetter. Regen, Selinoe un^l Sonnenschein
in Vorstellung und Hede des Tiroler Vulkes. — U. Jahn
u. A. M e y e r- C oh n , Jamund bei Cöslin. — Ein isländischer
Blutsegen. — Bücheranzeigen : L. v. Hörmann, Haussprüche
aus den Alpen. — P. II. Oreinz u. D. A. Kapferer, Tiroler
Schnadahüpfeln. — Kristoffer Nyrop, Navnets Mngt: en
folkepsykologisk Studie. — Huld, Safii al^ydlegra i'slenzkra
froetta. — Dania, Tidskrift for folkemäl og folkeminder. —
Bibliographie.
Zs. f. Volkskunde hrsg. von Veckensteilt, III, 4 u. 5: VÄcIar
Tille, Der Traum von dem Schatz auf der Brücke. — F.
Branky, Volksüberlieferungen aus Oesterreich. — Th.
Vernaleken, .Mythische Volksdichtungen. — J. P i s t o r ,
Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten aus Wigand
Lanzes hessischer Chronik. — 0. Knoop, Polnischer und
deutscher Aberglaube und Brauch aus der Provinz Posen;
die neuentdeckten Göttergestalten und Götternamen der
norddeutschen Tiefebene: III. Die Äsen. — E. Veckcn-
Btedt, Die mythischen Könige der arischen Yolkshelden-
sage unil Dichtung. — A. Gadde, Volkslieder aus llinter-
pominern. — A. Kau ff mann, Kindlinge zur Volkskunde.
— Knoop, Buscliau, Germanen uml Slaven.
Melusine V, 8: La Fraternisation. IX. Th. Volkov, en
Ukraine; X. II. Gaidoz, Boire Schiiiollis. — M. Ristel-
liuber, Les Aqueducs. — ü. Crusius, L'Operation d'Es-
culape, — II. Gaidoz, Les Dcvinettes de la Meteorologie.
— licrs. , Jean de l'Ours. — Lc8 Cheveux rouges. — J.
Tuch mann, La Fascination : A) Effets de la faacination.
— II. Gaidoz, Chansons po|)ulaire8 de la Basse-Bretagne:
XXVI. Les soiiioii de MM. Luzel et Le Braz. — H. Gui-
iloz, Les Chemiiis de fer.
Germania XXXV, 4: Arnstädter Bruchstücke. I. P. Wal-
thcr, Bruchstück einer Handschrift des Rolamlsliedes.
II. O. Behagliel, Bruclistü;k <les Par/ival. — K. E u -
ling. Mild, geistliche Gedichte. — P. Bahlmann, Die
Sprichwörter ausdcs Johaniii's Murinellius „Pappa puirorum'*.
— G. Ehrismunn, Zum Sidilcgel des Kü leger von Hunt-
liofcn. — K. Sprenger. Zu Albers Tnugdalus. — Fr.
Griinine, Zum Leben Ulrichs von Lichtenstein. — M.
Faber, Hans Rosenplüt ein Rothschmied. — Ed. Daiii-
köhler. Zum Satzbau bei Luther. — Dcrs. , Zu Gerhaid
von .Mimlen. — U. Brenner. Zu Germ. 34, 3f)l). — O.
Behaghel, Zum Lanzclet Ulrichs von /azikliuven. —
G. Ehrisniaiin, Bibliographische Uebersicht iler Erschei-
nungen auf dem Gebiete der gerinan, Philologie im Jahre
18Sti (Schluss).
Beiträge zur Geschichte der deutsehen Sprache n. Lit.
XV, :i : S. Bugge, K. Sievers. Vokalverkürzung im Alt-
nordis(dien. — Jellinek, Die Moiiseer Glossen; Zum
Finnsburgfragment ; Zu Heinrichs v. Freiberg Tristan; Zu
Ulrichs von Escheiibacli Alexandreis; Die dial. Verhältnisse
des Monaeensis; Zur Skeirins. — K. Luick, Zur ae. uii I
as. Metrik (Scliwcllvers und Normalvers, Allitteration Uli I
Versrhythmus). — v n n II e 1 1 e n , Grainuiatischcs. — Streit-
bcrg. Weiteres zur Geschichte der /o-Stämmc; Zur Ge-
schichte der e»-Stäninic. — E. Liden, Etymologien. —
K. B rüg mann, Zur Frage der Entstehung des gramiii.
Geschlechts. — Jaekcl, Zur Lexicologie des Altfries.:
Zur altfries. Psalmenglosse; Mundingasi. — Feist, (int.
Etyni. — Kauffmann, Mythologische Zeugnisse aus röm.
Inschriften. I. Hercules Magusanus. — Böhme, Zu Iweiii
3223. — Sievers, Zu Neidhart.
Zs. f. den deutschen Unterricht V, 1 : Ruil. II i I d e b ran d.
Das Deutsihe in der Schule der Zukunft. — K. v. Bahiler,
Die nlid. Spracliforsehung, ihre Ergebnisse und Ziele. —
Rud. Hilllebrand, Wie die Sprache altes Leben fort-
führt. — K. Landmann, Die Kaiserreden in Grillparzers
„Bruderzwist in llabsburg'". — F. Kuntze, Sprachliche
Neubildungen im Südwesten. — X. D e n e c k e . Ueber
Wallensteins Lager. — G. Burgliauser, Das Uebcr-
wuclicrn lier umsclireibenilen Conjunctivform mit in'inli>. —
K. Krüger, Verhüllen des Hauptes beim Tode. — Ferd.
Bender, Zu Uhlands Döffinger Schlacht. — O. G 1 ö d e .
Goethes Iphigenie II, 1, 72. — Ders. , (joethes Iphigeiiie
II, 2, 331. — lleuwes. Nahe Verwandtschaft einer Stelle
aus Schillers Teil und Shakespeares König Johann. — R.
Sprenger, Zu Götz von lierlichingen. — Der«., Zu
Pfetfels Tabackspfeife. — ü. G 1 ö d e , Auf eignem Zaum. —
R. Sprenger, Zu Grimms Deutschen Sagen. — Ders.,
Qualm bei Uhland. — J. Resch, Der Wolf als' günstiges
Vorzeichen. — ü. Gl öde. Vom heiligen Nikolaus. — W.
Cremer, Wiegenlied vom schwarzen und weissen Schaf. —
Ders., Lied aus den Freiheitskriegen. — Zu Kleists Kätli-
chen. — E. D ü h 1 e r , Ueber .llinte*". — C. Noble, Zu
Goethes Faust II, 4, 29. — G. Klee, Döbelner Lesebuch
für höhere Lehranstalten. — George Carel, R. Mahreii-
holtz, Franz Grillparzcr. Sein Leben und Schaffen. — K.
Sprenger, R. Wossidln, Imperativische W'ortbildungiu
im Niederdeutschen. — li. Schneider, L. I'reytag, Kapitän
Marryats Werke. — E. Ha rieh. Fr. Polle, Wie denkt ilas
Volk über die Sprache? — R. Kadc, 0. Liiisenbartli, Die
Oertliclikeit in Goethes Hermann und Dorothea. — Ders.,
O.Brenner, Mlid. Grammatik. — 0. Lyon, R. Hildebrand,
Gesammelte Aufsätze und Vorträge zur deutschen Philo-
logie und zum deutschen Unterricht. — Ders., G. W.,
Ahimneuiiiscrinnerungen. — Ders., II. Zschalig. Henrik
Ibsen (von Henrik Jäger). — Ders., F. Kern, Fr. Kreyssigs
Vorlesungen über Goethes Faust. Ders., Bücher für
den Weihnachtstisch uml für die Schülerbibliothek. — Zeit-
schriften. — Neu erschienene Bücher. — V, 2: 0. Lyon,
Der Kaiser über den deutschen Unterricht. — C. Müller,
Die Verwcrthung der Redensarten im Unterricht. I. — R.
Hildebrand, Wie die Sprache altes Leben fortführt. —
L. Frank el, Neue Klopstoi'klitoratur für die Schule. —
G. E 8 c h m a n n , Zu Kleists Robert Guiskard 384 ; Zu Kleists
Hermaiinssclilacht I, 3, 201 fl". : Zu Zs. IV, 473. - Menk,
Zwei Kinderlieder. — R. Sprenger, Zu Uhlands Graf
Eberhard. — Ders., Zu H. v. Kleists Prinz von Homburg.
— Ders., Zur Sprache II. v. Kleists. Brosani, Brosame. —
Ders., Zu A. Grüns Letztem Ritter. — Ders., Aus dem
Unterricht. — Ders., .\nfrage. — Ferd. Bender, Zu
Goethes Götz von Berlichingen. — E. Ihne, Berichtigung
137
1891. Literaturblatt für germanische uml romanische Philologie. Xr. 4.
138
— R. Sprenger, Spottlied auf Napoleon. — R. Kade,
J. Kehrein, Entwürfe zu ileutsclien Aufsätzen und Reden. —
D e r s. , W . Sommer, GrundzUge der Poetik. — Der 3., E<I.
Schwarz, üebungsmaterial für den orthographischen Unter-
richt. — Neu erschienene IJüeher. — \n die Herren Ein-
sender von Briefen und Aufsätzen zur Schulreform.
Anelia N. F. I, 4: W. S. Loge man, De consuetudine
monachorum. — E. Flügel, Kleine Mittlieilungen zur
Literaturgeschichte des Ui. Jh.'s. 1) Kine Grahschrift in
englischen gereimten Hexametern. 2) Klassische Versmasse
aus einem Cambridger Studentenkreise. 3) An ABC for
children. — E. Koeppel, Zu ,Astrophel and Stella".
Franco-Gallia YIII, 3: C. Humbert, Molieres Amt als
Valet de chambre und die damit verbundene Thätigkeit. —
Anzeigen: Memoires et Souvenirs du Comte de Lavallette,
hrsg. von Sarrazin; Stichler, Zur Methodik des neusprachl.
Unterrichts ; Ders., Streifzüge auf dem Gebiete der neuspr.
Reformbewegung; Morf, Das Studium der Roman. Philologie.
Literar. Centralblatt 12: Kayserling, Biblioteca espanola-
portugueza-judaica. — Franke, Phrases de tous les jours. —
Litzmann, Friedr. Hölderlins Leben. — 13: Seelmann, Biblio-
graphie des altfrz. Rolandsliedes. — v. Eyb, Deutsche
Scliriften. — Schaff, Litevnture and poetry. — Schlosser,
Zur Geschichte und Kritik von Friedrich Wilh. Gotters
Merope. — 14: Humbert, Nochmals das e muet und der
Vortrag frz. Verse. — Köster, Schiller als Dramaturg. —
V. Balider, Grundlagen des nhd. Lautsystems.
Deutsche Llteratnrzeit. 9: Huemer, Meyer, Petri Abaelardi
planctus 1. II. III. IV. V. VI. — Heusler, Kauffmann,
Geschichte der schwäbischen Mundart. — Varnhagen,
Othmer, Das Verhältniss von Christians von Troyes ,Erec
et Enide'' zu dem Mabinogion des rothen Buches von Hergest
„Geraint ab Erbin". — 10: v. Weilen, Engel, D>e beiden
alten deutschen Vulksschauspiele ; Tille, Dr. Johann Faust.
— 11: Roetlie, Briefe der Brüder Jacob und W^ilhelm
Grimm an Georg Friedrich Benecke hrsg. von W. Müller.
— Kühne, Du Camp, Theophile Gautier. — 12: Meyer-
L ü b k e , Bonnet, Le Latin de Gregoire de Tours. — Frank,
John Meyer, Bruder Hermanns Leben der Gräfin Jolande
von Vianden. — V^arnhagen, Needler, Richard Coeur de
Lion in Literature. — Wrede, Braun, Letzte Schicksale
der Krimgoten.
Sitzungsberichte der k. böhm. UeseUschaft der Wissen-
schaften 1S90: V. E. Mourek, Prager ahd. Glossen;
Prager Perganienthandschrift der Oswaldlegende ; Krumauer
Papiercodex altdeutscher geistlicher Texte.
Blätter f. das bayr. Gymnasialwesen 27, 1 : Z e h e t -
mayr. Zwölf und zwelf.
Correspondenzblatt f. die Gelehrten- n. Realschulen
Württembergs 1S90, Sept.-Oct. : E. Müller, Schillers
„Kabale und Liebe". F.
Zs. f. die Österreich. Gymnasien 1: Hauffen, Wolkau,
Böhmens Äntheil an der deutschen Literatur. — Schmidt,
Böttcher, Ausgewählte Dichtungen. — Meyer-Lübke,
Schneller, Tirolisehe Namenforschungen. — Pribram,
Wöber, Die Skiren und die deutsche Heldensage.
Historisches Jahrbuch XII, 1: F. Jostes, Zum Heliand.
Korrespondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen
Geschichts- u. Alterthnmsvereine 1890, 12: Bemerkungen
von W. Schwarz und E. Friedel über die Fortdauer germa-
nischer Bevölkerung unter wendischer Herrschaft.
Forschungen zur brandenburg. u. preuss. Geschichte
Bd. in, 2. Hälfte: G. Sello, Die deutschen Rolande.
Verhandlungen der Berliner Gesellschaft f. Anthropo-
logie, Ethnolosie n. Urgeschichte Sitzung vom 17. Mai
1890: J. Hunziker, Das rhätoromanische Haus. (Will
langobardische Einflüsse erkennen.)
Zs. des histor. Vereins f. Niedersachsen 1890: E. B Ode-
rn ann. Höhere Töchtererziehung im 17. Jh. ,Ein Testament
oder Verordnung der Frau v. Quitzau, ihren beiden Töchtern
hinterlassen". (Niederdeutsch, aus dem Anfang des 17. Jh.'s,
interessant.)
Korrespondenzblatt des Vereins f. siebenb. Landes-
kunde XIV, 3: A. Schullcrus, Zur Sagenkunde.
Das Ausland 64, 1—3: Fr. S. Krauss, Böhmische Korallen
aus der Götterwelt. — 5 f . : Ä. H. Post, Ueber Gottes-
urtheil und Eid. — 5: S. Riuk, Musik und Tanz in Grön-
land (mit Rücksicht aufs Volkslied). — Th. Achelis, Die
Entwicklungsgeschichte des Teufelsglaubens. — 7 f.: K.
Penka, Die Entstehung der arischen Rasse. — S f . : G. H.
in Äuckland, Neuseelümlische Sagen. F.
Globus 59, 10: Nachträge zur Karte der niedenleutschen
Sprache. 1. J. Wink! er. Die niederdeutsche Sprache in
Französisch-Flandern und die Sprachgrenze in Belgien. 2. A.
Kirchhof r, Die unterste Saale als Grenze zwischen Hoch-
unil Niederdeutsch. F.
Stimmen ans Maria-Laach 40,2: A. Ba uniga r tne r , Die
Atlantis des catalan. Dichters Jaeinto Verdaguer.
Das Magazin f. Literatur 59,40: Gcnee, Goethes erster
Götz-Entwurf auf der Bühne des kgl. Schauspielhauses. —
42: Servaes, Zur Enthüllung des Lessingdenknials. —
Rückerts „Firdosi" besprochen von L. Chr. Stern. — 45:
Ba y e r , Aus Rückerts Nachlass. — 46: Reich, Die Grill-
parzer-Gesellscliaft. — 48: Mahrenholtz, Unberufene
Verbesserer der Jungfrau von Orleans. — 60, 1: Wid-
mann, Ein neues Werk über Hölderlin. — 3: Müller-
Gut te n br un n , Erinnerungen an Grillparzer. — Mauth-
ner, Festrede auf Grillparzer. — 4: .M ül I e r- Gu t te n -
brunn, Grillparzer und das Theater. — b: Das Grillparzer-
Jahrbuch, besorgt von F. Mauthner. -^ 9: A. Seh äffer,
Geschichte des span. Nationaldramas.
Die Nation 21: Mor. Kronenberg, Herders philosophische
Gedichte.
Westermanns Monatshefte März: K. Heinemann, Frau
Christiaue v. Goethe, geb. Vulpius.
Die Gegenwart 8: J. Duboc, Rückert und sein Jonathan.
— 9: P. Seliger, Zur neueren Schillerliteratur.
Beilage zur Allg. Zeitung 41: F. Meyer v. Waldeck,
Kuuo Fischers Schiller-Schriften. II. — 46—49: M. Ber-
n a y s , Zur Kenntniss Jacob Grimms. — 47 : W . G o 1 1 h e r ,
Neucatalanische Dichtung.
Wissenschaftl. Beilage der Leipziger Zeitung 1891, 1 :
H. Schurtz, Der Götze Krodo. — 3: J. R(iffert), Eine
Uebersetzungsbibliothek des Grafen Schuck (u. a. Alnieida-
Garrets „Camoens"). — 7: La Mara, Grillparzer und die
Tonkunst. — 8: E. R. Frey tag. Sachsens Heer im histor.
Yolksliede. — 9: H. Knothe, Zur Orthographie deutscher
wie wendischer Ortsnamen. — R. B(eer), Germanistisch-
neuphilol. Repetitorien. — 12: R. Prölss. Die Frauen des
altfranz. Adels. — 17: H. Schurtz, Altgriech. Springer-
sagen. — 22: F. Näher, Eine Fahrt durch den romanischen
Osten. — 30 : (W. Freih. v.) B (i e) d (e) r m (a n) n , Im.'jginärer
Hass gegen Goethe (über Froitzheim, „Lenz und Goethe"). F.
Leipziger Zeitung 21. März: R. B(ee)r, Bericht über G.
W'itkowskis Vortrag „Das Ende der Renaissance". F.
Illustrirte Zeitung 2480: Zu Grillparzers hundertjährigem
Geburtstag. — Necrolog auf Dr. Robert Reinsch. F.
Deutsche Zeitung (Wien) 6868: L. Fränkel, Deutsches
Geistesleben in politischen Unglückstagen (Harsdörtfer). —
6879: L. Singer, Zur Geschichte der Don Juin-Sage. F.
Nordisk tidskrift för yetenskap, konst och inünstri
1891, H. 1, S. 68—73: A. Baath, V. Rydberg, Undersök-
ningar i germanisk mythologi. S.
The Academy 980: Nutt, A new theorv of the Ossianic
Saga. — Skeat, Chaucer's References to Ahuansor, Her-
mes, and Ptolemv.
The Athenaenm 3302. 3303 : Mr. Morley's Studies in Litera-
ture. — The Scottish metrical Psa'lter of 1556.
Revue critiqne 6: G. Meyer, Diotionnaire albanais. — Finzi.
Une traduction ital. de Marbode. — La Clef d'Amors p. p.
Doutrepont. — Legende de sainte Marguerite p. p. Wiese.
Rentsch, Elie Schlegel. — Lettres de Herder ä Hamann
p. p. 0. Hoffmann. — 7: Jacques de Vitry p. p. Crane. —
DelbouUe, Les fables de Lafontaine. — Reimpressions ber-
linoises: L'almanach de Nicolai et les poesies de Peucker
p. p. Ellinger ; Schmidt. Les rauses de la Marche p. p. L.
Geiger; La gazette de Vuss p. p. Wagner. — 8: Lanson,
Bossuet. — Le Goffic et Thieulin. Trnite de versification
franfaise. — 9: Marchot, Les patois de Saint-Hubert. —
10: W. Meyer, Planctus Abaelardi. — Grisebach, Edition
de Bürger; Le Siecle de Goethe.
Le moyen Age 4, 1: J. Bedier, Schiavo, Fede e super-
stizione. — Wilmotte, Etudes romanes otfertes ä Gaston
Paris. — 2 : Haeckel, Das Sprichwort bei Chaucer. —
Riegel, Die Quellen von Will. Morris' Dichtung The Earthly
Paradise. — Wilmotte, Un fragment du Roman de Troie.
Rev. pol. et litt. 9: Gaston Boissier, Le christianisme
et l'education romaine au IV siecle. lAus einem im Druck
befindlichen Buche: la fin du paganisme.) — Im Courr
13fl
1891. Literaturblatt fQr germanigohe und romanische l'hilologle. Nr. 4.
140
litt. : Bernardin de Saint-Pierre par Arvede Barine (Leg
graiiils i'orivnina frnnjaia). - Lcbliat'l eniplelilende Anzeige
des PriM'i« liistorique et critique de 1« litic-raturc l'rangaise
depuis li'H oiif»liies jusqu'ä nus jimis . . |.nr E. Lintilline,
T. I, Pnris, Andre-! iu^ilmi 1X91 (v..n 1'. Stapfer). — 10:
(iiiätdii Ueso li anip«, Ivlniund About ii l'Ecule dWtlii-nes,
d'apres des Ifttres ini'dites. — Cliiirlis B i g« t, Les (Euvres
inedites cle Montesquieu. (Vi.rläiifigfr Uericlit über Umfang
und Inhalt des sehr bedeutenden Niiclilasses, der unter der
Leitung des Conservaturs der Bibliothek von Bor(b>aux,
Raymond (Jöleste, durch die Societe des Hibliopliiles de la
(iuvenne herausgegeben werden soll; dazu Bemerkungen
über zwei von der nändielien Oesellscbaft bereits verotfent-
lichte Schriften .Montesquieu.s, Kefle.\ions sur la nionarcbie
universelle en Kurope uml Ue la consi.leration et de la
reputation.) — 11: K.-A. Aularil, Les ,Memoires de
Talleyrand'" sont-il.s uuthentiques ? (Der Verfasser nimmt
an, diis vcn dem Herzog v. liroglie edirte Werk gebe den
Urte.\t verstümmelt und inlerpolirt.) — L. Oanderax,
A propos de Tliermidor. iJeu.x precurseurs ile M. Constans:
Robespierre et Louis XIV (in liezug auf die Schicksale von
Neufchäteaus Paiijßla und Molieres Tartufe). — Im Courriei
litt.: Zohi, l'Argent.
Acad^iuie des iuscriptlons et belles-lettres. Coraptes
rendus. isno, Mai-Juni: D'Arbois de ,1 u b a i n v i 1 1 e ,
Notiee sur les t'eltes d'Kspagnc.
Ministere de rinstruttion publiciuo. Bulletin liistorique
et philologique. 18!tO, 2. 3: Leroux, Petite chronique du
consulat de Limogcs. [,C'c8t la plu.s ancienne chronique
la'ique redigee en Limousin, ecritc en langue vulgalrc".]
Annales du Midi 9: L. G. P e 1 issie r , Quelques lettres de
Bayle et de Baluze. — A. T., ün dieton gascon dnns la
Revue des Ueux-Mi'ndes. — Ch. Lecrivain et A. Tho-
mas, D'Arbois de Jubainville, Recherches sur l'origine de-
la propriete fonciere et des noms de lieux habites en Krance.
— A. Jeanroy, .\ppcl, Prov. Iiiedita aus Pariser Hss.
Bulletin periodique de la Societe arieseoise des sciences,
lettres et arts III, :! : J. De La hon des, Lettres de
comtesses de Koix et des eveques de Pamiers I44S — 1591,
textes romans et franjnis etc. — 4: Abb6 Doumenjou,
Le p^re Amilia, poete patois de Pamiers, au XVII. siecle.
— .">: Prise US, Eloge du patois par un poete Toulousain
du XVII. s.
Congres des Soci6tes savantes de la Savoie. tenn a
Humilly 1889, S. 58.5 ff. : Desaix, Essni sur les contes
populaires.
Menioires de l'Academie de Nimes isss: A. De Caze-
nove, Une muse ignorte (.M""" ile Bourdic).
Revue des Pyrenees et de la France lueridionale 1890.
1. 2: R OS diu eil, La Canso de la Bertat, pasticlie roman
du XVII. s.
Revue de Gascogne 1890, Sept. Oct. : Dufresne, Du
Bartas, notes et remarques sur son oeuvre. — L. 0., Un
poete gascon oublie (J. P. Cassagne 1604).
Memoires de l'Academie de Vancluse VIII, 4 : G. B a y 1 e ,
Monuments et histoirc de Vaueluse dans les teinps antiques
et au moyen agc. (Zu Petrarca.)
Bulletin de la Societe d'etudes des Hantes-Alpes 18S7/8,
S. :iTl: Pinct et Menseyer, Acte en langue vulgaire
du XII. s.
Annales de la Bretagne IV, 4b2 ff.: Puech, Le Mabi-
nogion et la legende gnlloise.
Bulletin arcli^ol. de l'association bretonne 3. ser. VI!,
207 ff. : V i 1 1 e m a r q u e , La poesie populaire dans la Haute-
Bretagne.
Bulletin de la Soci6t6 depart. d'archeol. et statistique
de Drönie I^^S'.I, 480 ff. ni.'iff.: Montier, Petit glossaire
piitoi» des vfgetaiix <lu Dauphinc.
Memoires de l'Academie des sciences, inscriptions et
belles-lettres de Toulouse 0. ser. I, 270 ff.: Cabio, De
reprfsentations de mystiros ä Toulouse au XV' siecle.
Bulletin de la Soci6t6 des sciences, lettres et arts de
Pau 2" si'rie, t. XVIII, 217—353: Dubarat, Roncevaux.
Etiide histori(|ue et litti'-raire.
Memoires de l'Academie des sciences, lettres et arts
d'Arras 2. s6r. XVIII, 13:!: Ricouart, Etudcs sur les
noms de lieux du Pas-ile-Calais.
Memoires de la Societö des sciences, lettres et arts
d'Amiens XXXVI, 31 — 132: Loleu, Les podsies de
l'roissart.
Piices analvtiqnes des travanx de l'Academie des
sciences. belles-lettres et arts de Kouen 1S89, 27 ff. :
.\ 1 1 ii r d . Les ri'pri'si'atalions des mysleres.
Bulletin areheol. et histor. de lu Societe arcb^ologique
de Tarn-et-Garonne XXVII. 1 ff.: Solcvillc, Chams
populaires ilii Bas-Quercy.
Bulletin de la Societe philomatique rosgienne 1888 ü,
71 ff.: Dl' Bouriulle, Jian di' Joinville.
Annales de l'Academie d'arcbeologie de Belgique livr.
4: Siret, Les c.iiitumes funeiaires clcs populatioiis pre-
historiques ilu midi de rEspagne. K.
Nuova Antologia Anno XXVL 3. ser. vol. 31. Fase. 3: E.
Masi, Due diplomatici italiani e gli ultimi giorni del
Voltaire.
Atti della r. accademia di scienze morali e pollticbe
(di Napolii XXIII: l'r. D'Ovidio, Ancorn di Sennuceio
del liiiic c anccira dei lauri del Petrarca ; postilla alle
<|uislioiu <li geograüa pi'tr:iridicsca.
Giornale della societä asiatiea italiana IV: K. L. Pull^,
Originali indiani della iiovidla ariostea nel XXVIII canto
del Eurioso.
Neu erschienene Bücher.
Holder, Alfred, Altceltischer Sprachschatz. 1. Lief. A —
Atep-atu-s. Leipzig, Teubner. 2.'>() Sp. M. 8.
L o i , la, Gnmbette. Reproduction integrale de tous les manu-
scrits connus, recueillis, publies et annotes par J. E. Valentin-
Smith. (Traductiun de Gaupp et de Bliilinie.) ,"> vol. In-8.
10« fascicule, 4.") p. (manuscrit 4418 II de Bluhnie); 11*
fascicule, 44 p. (manuscrit 4033 G de Bliihmc); 12' fasci-
cule. 37 p. (manuscrit de Saint-Paul-en-Cnrinthie, F de
Blulimc); 13° fascicule, V, 64 p. (manuscrit 4758 I de
Bluhme); 14' fascicule, 37 p. (appondice). Lyon, Brun.
Soames, L. A.. Intro'luctinn to phonetics (English, French
and Gcrman). London, Sonnenschein & Co. XV, 164, 85 S.
8. 6 sh.
Vercouillie, J., Algemeene inleiding tot de taalkunde.
Gand, Hoste. 112 S. 8.
Vodskoy. H. S., Rig-Veda og Edda eller den komparative
Mythologi. 1. 2. Heft. Copenhagen. 234 S. S.
Denkmäler der älteren deutschen Literatur, für den litera-
turgeschichtlichen Unterricht an liöliercii Lehranstalten hrsg.
von G. lü'itticher und 11. Kinzel. II. Die hülischi^ Dichtung
des Mittelalters. 2. Der arme Heinrich und Meier llelm-
breelit. Halle, Buchandl. des Waisenhauses. VI, 124 S. 8.
M. 0,90.
Dirk sc 11, C, Ostfriesiscbe Sprichwörter und sprichwörtliche
Redensarten mit historischen u. sprachlichen Anmerkungen.
Ruhrort, Andreae & Co. 2. Heft. 9.-> S. 8. M. 1,80.
Drescher, Carl, Studien zu Hans Sachs. I. Hans Sachs u.
die Heldensage. Berlin, Mayer & Müller. 10.5 S. 8. M. 3.
Fo r seh un ge n. Hrsg. vom Verein für niederdeutsche Sprach-
forschung. II. Bd.: Volksmärchen aus Pommern und Rügen.
Gesammelt und hrsg. von U. Jahn. 1. Th. Norden, Soltau.
XXII, 382 S. gr. S. M. 7,.50.
Friedrich, .1., Der Glaube Goethes und Schillers. Halle,
Ivaeinmcrer. 87 S. 8. M. 2.
Ooe<lekc, K., Grundriss zur Geschichte der deutschen Dich-
tung. 2. Auiiagc, fortgeführt von E. Goetze. H. 9. Dresden,
Ehlermann. Bd. 4 S. 145-41G.
Grudzinski, S., .jLenore" in Polen, eine literarhistorische
Abhandlung. Bochnia, Pisz. 37 S. 8. M. 1.
Herzfclder, J., Goethe in iler Schweiz. Eine Studie zu
Goethes Leben. Leipzig, Hirz.l. 221 S. 8. M. 3,fi0.
Heusler, Andreas, Zur Geschichte der altdeutschen Vers-
kunst. Breslau. Koebncr. 161 S. 8. M. .5,40. (Germanist.
Abhandlungen hrsg. von K. Weinhold, H. 8.)
Hübner, Emil, Römische Hcrrscliaft in Westeuropa. Berlin,
Hertz. 18110. 291) S. 8. [Darin u. a. S. 153 eine Abhandlung
über den Namen Arininius, der aus deutschem Stamm latini-
sirt sein müsse.]
J a k 3 c li , A. V., üeber Ortsnamen und Ortsnamenforschung
mit besonderer Rücksicht auf Kärnten. Vortrag. Klagenfurt,
V. Kleinmayr. 44 S. M. 1.
Je 1 1 in gli tt US , IL, Armiiiius und Siegfried. Kiel u. Leipzig,
Lipsius & Tisidier. 38 S. 8.
Kawcrau, Woldeniar, Hans Sachs und die Reformation.
Halle, Niemeyer. 100 S. 8. (Schriften des Vereins für Refor-
mationsgeschichte VII, 1.)
141
1891 Literaturblait für <;orinani8clie und romanische Philologie. Nr. 4.
142
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Mcnsing, Otto, Untersuchungen über die Syntax der Con-
ccssivsätzc im Alt- und Mittelhochdeutschen mit bes. Rück-
siclit ftuf Wolfinnis Paizival. Kieler Dissertation. 80 S. 8.
X — n, En svenslc bondgänl för 1500 ar scdun. Med 2 plan-
ritniiigiir och HU tisjurer. Stockholm, Kr. Skoglund in Conim.
51 S. 8. Kr. 0,50. S.
Sehlyter, C. J.. Juridiska .\fhandlingar. I. Andra uppl.
Meii författarens porträtt. Lund. Gleerup. II, 284 S. 8.
Kr. .S,50. S.
Segers, G., Joost van den Vondel, Studien over het leyen
en de Werken van Nederlands grootsten dichter. Anvers,
H. et L. Kennes. 399 S. i*.
S t e i nli a u se n , G., Geschichte des deutsclien Briefes. Zur
Kulturgeschichte des deutschen Volkes. 2. (Schhiss-) Theil.
Berlin. Gaertncr. 420 S. 8. M. 9.
Ti et f enba c li , R., üeber die Oertlichkeit der Varusschlacht.
Berlin Gaertner. 31 S. 8. .M. 0,80.
Weinberger. Ignaz, Die Frage nach Entstehung und Ten-
denz der Taciteischen Germania. Programm des Obergynin.
zu Ülniütz S. 10—30.
Weisskunig, der, zusammengestellt von Mar.v Treitzsauer-
wein von Ehrentreiti. Hrsg. von .\lwin Schultz. Prag und
Leipzig, Tenipsky & Freytag. M. 60.
Wolkaii. R., Böhmens .\ntheil an der deutschen Literatur
des XVI. Jahrhunderts. II. Theil. Ausgewählte Te.xte. Prag,
Haase. IX, 205 S. 8.
Aelfric's Lives ot' Saints. Ed. from Ms. Julius E. VII in
the Cottoniau Collection, with various readings from other
Mss. by W. W. Skeat. IIL E. E. T. S. 94. 12 sh.
Caxton's Enevdos. 1490. Englisht from the French liure
des Eneydes 1483. Ed. by CuUey and Furnivall. E. E. T. S.
I-^xtra series LVII.
Defensor's Liber scintillarum, ed. from the Mss. by Ernest
Rliodes. E. E. T. S. 93. 12 sh.
Deighton, K., Shakespeare. Hamlet. With an introduction
and notes. London and Xew York, Macniillan. 323 S. 8.
Deimling, H., Text-Gestalt und Textkritik der Chester-
Plays. Berliner Dissertation. 32 S. 8.
Flügel, F.. Allgemeines englisch-deutsches und deutsch-
englisches Wörterbuch. 4. Aufl. von J. G. Flügels vollständ.
Wörterbuch. Braunschweig, Westermann. 4. Heft (I. Band
S. 417—640). Lex.-8. M. 3.
John, E., Plutarch und Shakespeare. Ein Beitrag zur Be-
handlung von Sh.'s Julius Caesar in der Schule. Programm
Wertheim. 33 S. 8.
Lydgate's Temple of Glass, reedited from the Mss. by
J. Schick. E. E. T. S. Extra series LX. 15 sh.
Schick, J., Prolegomena zu Lydgate's Temple of Glas.
Berliner Dissertation. 33 S. S.
S c h w a I b a c h , Fr., Commentur zum ersten Buch von Miltons
Paradise Lost. Programm Harburg. 36 S. 8.
Taine, H., Histoire de la litterature anglaise. T. 1". 7"
edition. In-18 Jesus, XLIX, 417 p. Paris, Hachette et C
fr. 3,50.
The earliest complete englisli Pruse Psalter together with
eleven canticles and a translation of the Athanasian Creed.
Edit from the only two Ms. in the libraries of the british
Museum and of Trinitv Coli. Dublin by K. D. Bülbriug. P. I.
E. E. T. S. 97.
The 0 1 d e n g 1 i s h V e r s i 0 n of Bede's Ecolesiastical history
of the English People. Ed. with a translation and Intro-
duction by Tb. Miller. Part I, 1. LIX, 208 S. 18 sh. Part
II. 15 sh. E. E. T. S. 95. 96.
The R ü m a n c e of Guy of Warwick. Ed. from the Auchinleck
Ms. in the Advocates' Library, Edinburgh, and from Ms. 107
in Caius College, Cambridge, bv J. Zupitza. III, 465—674.
E. E. T. S. Extr. Ser. LIX.^
A 1 b r e c h t , Reinb., Tito Vespasiano Strozza. Ein Beitrag zur
Geschichte des Humanismus in Ferrara. Programm des k.
Gymnasiums zu Dresden. 48 S. 8.
Alfieri, V., Oreste. Notes and Vocabulary by Rev. A. C.
Clapin. Boston. C. Schoenhof. 88 S. 8.
Alfonso elSabio. Cantigas de Santa Maria de Don Alfonso
el Sabio. 2 tomos. Madrid, 1889. VI, 226, CXXVIII, XXXIV,
799, VII p. Fol. y, 10 reproducciones. M. 320.
Andersson, H., Öfversigt af ordens gä icus fonetiska ut-
veckling i franskan. Upsala. 13 S. 8. S.-A. aus Spräkvcten-
skapliga sällskapets förhandlingar 1888/91.
Antologia della nostra critica letteraria,^conipiI. da L. Mo-
randi. 5.' ed. assai migliorata o accresciuta di 22 scritti.
Cittä di Castello, S. Lapi. 767 p. 16. L. 4.
Badke, O., Beiträge zur Lehre von den franz. Fürwörtern.
Progr. des Realgymnasiums zu Stralsund..;25 S. 4.
BaVf. Euvres en rime de Jan-Antoine de Baif. Avec une
notice biographique et des notes par Ch.JMarty-Lavcaux.
T. 5. In-8, 427 p. Paris, Lemerre. Pleiade franjoise.
Barine, Ärv., Bernardin de St. Pierre. Paris, Hachette.
187 p. 8. Grands ecrivains.
B e r g e r , F., Dantes Lehre vom Gemeinwesen. Berlin, Gärtner.
15 S. gr. 4. M. 1.
Bibliotheque Elzevirienne. Paris, Plön, Xourrit & C"-".
Branthome, Recueil des Dames. Tome X des ffiuvres com-
pletes de Pierre de Bourdeilles abbe et seigneur de Brant-
home. Publiees pour la premiere fois selon le plan de l'au-
teur, augmentees de nombreuses variantes et de fragments
inedits, suivies des oeuvres d'Andre de Bourdeilles, et d'une
table generale, avec une introduction et des notes par
Pro.sper Merimee et Louis Lacour.
— — Diderot, Le neveu de Rameau; satyre. Publiee pour
la premiere fois sur le manuscrit original autographe, avec
une introduction et des notes par Georges Monval, accom-
pagnee d'une notice sur les premieres editions de l'ouvrage
et de la Vie de Jean-Frangois Rameau par E. Thoinan.
— — Montchretien, les tragedies. Nouvelle edition d'apres
l'edition de 1604, avec notice et commentaire par L. Petit
de Julleville.
Colagrosso, F., II Saul deir.\lfieri e quello del Lamartine.
Verona, Tedeschi. 42 S. 16.
Collection illustree^ des classiques populaires, publiee
sous la direction de 51. Emile Faguet. Paris, Lecene, Oudin &
C^ Saint-Simon, par J. de Crozals. [Chap. L Les Origines;
le Pere de Saint-Simon: les Debüts du jeune duc. Chap. II.
La Vie de cour. Chap. 111. Saint-Simon ä la cour de 1702
a 1715. La Manie du titre. Les Intrigues et les partis.
Chap. IV. Les Theories politiques de Saint-Simon; son
passage aux affaires. Chap. V. Un Cas de couscienci. ; la
Verite bistorique et la cbarite. Chap. VI. Les Jlemoires.]
In-8, 240 p. fr. 1,50.
— — Dante, par Edouard Rod. [Chap. I. La Vie de Dante.
Chap. II. Les Opere minori. Chap. III. La üivine Comeclie.
Observations generales. Chap. IV. La Divine Comedie.
L'Enfer. Chap. V. La Divine Comedie. Le Purgatoire. Chap.
VI. La Divine Comedie. Le Paradis. Conclusion.J In-8, 240 p.
fr. 1,50.
Dütschke, H., Goldonis Tasso. Programm Burg. 44 S. 4.
Fahrenberg, K., Entwicklungsgänge in der Sprache Cor-
neilles. I. Göttinger Dissertation. 85 S.
Ferrai, L. A., Lorenzino de' Medici e la sooietä eortigiana
del Cinquecento, con le rime e le lettere di Lorenzino e un
appendice di documenti. Milano, Hoepli. 501 p. 16. L. 5.
Biblioteca scieutifico-lettcraria.
Finzi, V., Di un' inedita traduzione in prosa italiana del
poema „De Lapidibus praetiosis'' attributa a ilarbodo ves-
covo di Rennes contenuta in un Codice della R. Biblioteca
Estense, scritto verso la fine del secolo XIV, seguita da tre
capitoli di un Bestiario in volgare, Bologna. 40 p. 8.
Foffano, Franc, Studi sui poemi romanzeschi italiani. I.
II Morgante di Luigi Pulci. Turin, Löscher. 122 p. 8. L. 2,50.
I Friedwagner, M., Ueber die Sprache des altfranz. Heldeu-
I gedichts Huon de Bordeaux. Neuphilol. Studien hrsg. von
j Körting. 6. Paderborn, Scböningh. 113 S. 8.
Geyer, Paul, Sextiae Silviae .\quitanae peregrinatio ad loca
saneta. Augsburg, Studienanstalt bei St. Anna. 60 S. 8.
Giuzel, Fr., Artikel und Pronomina bei Robert Garnier.
Programm Reichenberg. 17 S. 8.
Goldoni, Carlo, Burbero Benefico. Notes and Vocabulary by
A. C. Clapin. Boston, Schönhof.
Grands, les, Historiens du moyen äge. Xotices et Extraits
d'apres les meilleurs textes, avec des notes grammaticales
historiques et explicatives et un glossaire detaille, par L.
Constans. In-18 Jesus, XXXVI, 208 p. Paris, Delagrave.
Heulhard, A., Rabelais, ses voyages en Italie, son exil ä
Metz. Avec une eau-forte, 2 comp, en coul., 9 pl. et 75
grav. Paris, Librairie de l'art. 8. fr. 40.
Jouancoux, M. J. B. et M. Devauchelie, Etudes pour
servir ä un glossaire etymologique du patois picard. G — M.
Amiens, Jeunet. 223 p. 8.
143
1891. Literaturblntt für germanigohe ond romnnisoho Philologie. Nr. 4.
1-1!
Kalepkv. Th., Von der Negation im Provenzalisclien. Berlin,
Gärtner. 26 S. jjr. 4. M. 1.
Langlois, E., Origines et sources du Roninn de 1« Rose.
Paris Tliorin. In-8. fr. 5. (Fascicule .iS" de la llibliotlieque
dc8 i'cnlos rrantalscs d'Atlienes et de Rnme 1" si'rie.)
Le Goffic, Charles, et Ed. Th ieul in , Nouveau Traitö de
versification franoaige. Paris, O. Masson. 152 p. fr. 2.
L'Hystoyre et plaisante cronicque dii Petit Jehan de
Siii'ntri'' et de la jeune danie dos helles cousines par Aiitoine
de La Salle. P. avec preface, noteä et glossaire par Gustave
Helliny. Paris, L. Savaitre. XX, 480 p. fr. 8.
Lintilhac, E., Prc'-cis liistoriquc et critique de la litKTature
franfaise depuis Ics origines jusqu'i nos jours. T. 1. Pari»,
Andre-Ouedon. (Von 1'. Stapfer, in Rev. pol. et litt. 9 warm
empfohlen).
.Maffei, Merope. Notes and Vocabulary by A. C. Clapin.
Boston, Schoenhiif. 92 S.
Martinetti, G. A., La Laura di Niccolö Ugo Foscolo.
Torino, L. Roux. 63 p. L. 2.
.Martini, Ferr.. Dogmallsrao, a proposito d'una questione
fosciiliana. Pavin. 27 p. U>.
M a r t y - L n v e a u .x , C, Notice biographique sur Jan-Äntoine
de Half. In-8, LXllI p. et purtniit. I'aris, Lemerre.
Mettlich, Jos., Itcniorkungen /u ilem anglonormannischen
Lied vom wackcrn Kittor llurn. Programm des Gymnasiums
zu Münster. 24 S. 4.
Mussafia. Ad., Studien zu <len mittelalterlichen Mnrien-
legenden. IV. Sitziinff.sberichte der Wiener Akademie phil.-
hisl. Klasse CXXIIL VIII, 85 S. 8.
Naetcbus, (iotthold, Die nicht-lyrischen Strophformen des
Altfranzösischen. Ein Vcrzeichniss zusammengestellt und
erläutert. Leipzig, llirzel. M. 5.
Nordfeit, A., Etüde sur la chanson dos Enfances Vivien.
These pour Ic di'ctorat. Stockholm. XXXIX p. 4.
Parini, G., I^e üdi nuov. oomm. per le seuole classiche da
G. Finzi. 2* ediz. Turino, Paravia. 218 p. ID. L. 1,20.
Petrocchi, P., Novo Dizionario universale della Lingua
italiana. Turin, Loescher. 2 vol. 1286 u. 1285 p. gr. 8. fr. 42.
Rahstede, H. G., Wanderungen durch die französische
Literatur. 1. Bd. Vincent Voiture 1597—1648. Oppeln, Maske.
VII, 396 S. 8. M. 4.50.
Redlich, A., Sprachliche Eigcnthümlichkeiten in den Fabeln
Lafontaines. Programm Prussnitz. 28 S. 8.
Rolandslicd, Das. Ein altfranz. Epos. Uebersetzt von E.
Müller. Hamburg, Vorlagsanstalt. 8. M. 3.
Rönsch, Herrn., Cullectanea philologica. Nach dem Tode
des Verf. 's hrsg. v. Carl Wagener. Bremen, Heinsius Nachf.
VI, 325 S. gr. 8. M. 7.
Salvioni, C, Notizia intorno ad un eodice Visconteo-Sfor-
zesco della Biblioteca di S. M. il Re. Nozze Cipolla-Vittonc
29 p. 8.
Such i er, H., Le Fran^ais et le Provenfal. Traduit par P.
Monet. .\vec des Additions et des corrections de Tauteur.
Paris, Bouillon. In-8, IX, 224 p. fr. 6.
Weiter, Ueber die Sprache Froissarts. 1. Verschwundene
Substantiva. Programm Essen. 30 S. 4.
Literarische Mittheiluiigen, l'eisonal-
nach richten etc.
Der Privatdocent Dr. Felix Lindner in Rostock ist
zum no. I'rofossor an <l'>rtiger Universität ernannt worden.
I'rivntdocent Dr. E. Schwan an der Universität Greifs-
wald wurde zum a». Professor der romanischen Philologie an
der Universität .lena ernannt. Ebenda habilitirtc sich Dr.
A. Loitzmann für das Fach der germanischen Philologie.
Von iler Berliner Akademie wurde an Stelle dos ver-
storbenen Professnr Ebert Professor Gröber in den Vor-
stand der Diez-Stiftung gewählt.
Die 41. Versammlung Deutscher Philologen und Sohul-
mäiiner wird von .Mittwoch dorn 20. Mai bis einscliliesslich
Si'iinabend den 23. Mai in M ü n c h o n abgolmiten worden.
Aninoliliingen zur Thoilnahme wollen unter Einsendung des
statutmässigen Beitrags von 10 .Mark an das .Mitglied des
Finanzausschusses llerrn llof-Buchhändler Th. Ackermann,
Promenadoplatz 10 goriclitet werden.
A n t i q u a r i s c h e C a t a 1 0 g e : A c k e r m a n n , M ünchen
(305: Franz. Belletristik); Bertling, Dnnzig (Folklore);
D i e t c r i c h , fiöttingen (11: Deutsche u. ausl. Sprache u. Lit ) ;
Heinrich & Komke, Berlin (Germanische Sprachen);
Hoepli , .Mailand (Ii8: Itnl. Geschichte; 70: Linguistik, z. Th.
Murosis Bibl.): Koch, Königsberg (Deutsche Lit.): Koehler,
Berlin (Europ. Spr. u. Lit.); List & Franke, Leipzig (225:
Rom. Philol. Eberts Bibl.; 22G: German. Piniol.); Mayer &
Müller, Berlin (110: Eur. Linguistik); Merkel, Erlangen
(120: Neuere Spr. u. Lit.); Otto, Erfurt (427: Deutsche Spr.
u. Lit. üebers.); Sattler, Braun.scliweig (48: Deutsch, Engl.
Franz. Ital. etc.); Spirgatis, Leipzig (1: Rom. und gerni.
Phil, etc.); Völcker, Frankfurt a. .M. (177: Ausserdeutscho
Lit.); Zahn & Jacnsch, Dresden (33: Sprache u. Lit.,
Volksl., Sagen, Märchen, Mundarten).
Berichtigung: Nr. 2 Sp. 47 Z. 15 v. o. I. , ihrer".
Sp. 49 Z. 2 v. 0. I. litiili; Z. 25 v. u. 1. ,01018". Zu »r/ij.nn
ygdfiiiaTa Sp. 51 Z. 2 V. u. hat soeben Crusius im Philologus
49, 547 sich geäussert.
Abgeschlossen am 7. April 1891.
(H
^Ä=
Preis für dreigespaltene
Petitzeile »s Pfennige.
Literarische Anzeigen.
^''. —
Beilagegcbühren nach
Umfang M. la, 15 u. z8.
^»
Soeben ist erschii'nen :
Verlag von O. R. Reislaiiil, Leipzig.
Selbstverlag, Heidelberg, Sandgasse.
Gegen Einsendung von f.d Pf. in Brief- ! Heber (ÜB Sprache des altfiaiizösischen I PädaffOffische Seminarien
marken erfolgt Frankozuson.lung von '. HeldeflgediclltS für
Der Handscklislieiiner gyn gg BorflßaiX ''"' "'""' ^''''''"*"
Dialekt
Dr. Math. Fiicihvaynor.
113 S. gl-. 8. broch. 2 M. 40 Pf.
1. Teil, \\'c)i'terv'ei'iceit:hnis
Philipp Lenz.
4". 55 S.
Ifil'Qg uüu tfeiiliiiQUif .Sdiöuiiigfi
in Pnöeröoni.
N O T I Z.
Den germanistiBi-hcn Theil redigirt Otto Beha^hel (Gie&ßen, Bahnliofetrasec 71), deu ronianislischeo und engliscbcn Theil FrltE N^nuiAlin
...«■idelbere. Robrbacherstr. 5l). »»"d man bittet die Beitrage (Kcc«nÄionen. kurze Kotizen. roreonalnacbnchtei. etc.) dem entsprechend gofftllifrat zu adressireu.
Ui« Krdaction neblet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafür Sorge trafen zu wollen, daes alle neuen Werke Rermanistiöcben und
romaniatipclien Inhalts ihr gleich nach Erscheinen entweder diroet oder durch Vernnltelung von O. K. Keialand in Leipzig 7.u;:e»aiidt
werden- Nur in diesem Kiille wirJ die Uo daction ateti* imstande sein, uher neue rublicationen eineBesprechuut; oder
Uti r 7. !• r *■ B p ni f r k u ri n (in ■! i> r B i b i i o i; r.) /. u b r i n t,' e n. An O. K- Keisland sind auch die Anfrni^en u bor Honorar und Sonderahzüße ku richten.
G L' s c lii 0 h ( c H H il Fi r i a h r u n g
von
Dr. Herman Schiller,
Gro8(*her/o(-I. Hess. Geh. Olierschulriil. Direktor des
OyoinaNiumi» u. des pädn^Ofrischen Seminars u. Prof.
der Pädagog^lk an tler Uiilversitni Üicssen.
Ci Bll. u. 171 S. in gr. 8)
Preis «tt 4, - .
Vurantworiliclier Iledactour Frei. Di. Fiilz Nounianu in Heidelberg. — G. Otto's Hofbuchdruckerei in Darmsludt.
LITERATURBLATT
FÜR
GERMANISCHE UND UOMANISCHE PHILOLOGIE.
HERAUSGEGEBEN VON
j)R. OTTO BEHAGHEL i-nl» D^ FRITZ NEUMANN
o. o. Professor der romaniscbeD Philologie
an der Universität Heidelberg.
vkklalt von
O. H. RKISLAND, LEIPZIG.
ü. ö. Professor der germaniseben Pbiloloffie
Hn der Universität Giessen.
Erscheint monatlich.
Preis halbjährlich M. 5.
XIL Jahrgang.
Nr. 5. 3Iai,
1891.
Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, hrsg.
von Weinhuld iKauffmano).
W ü b e r . Die Skiren und die deutsche Heldensage
(Fischen.
Hench. The Monsee Fragments ^Behaghel).
Seltz, Der Versbau im Reinke Vos (Glödej.
Salzmann. Die Hersfelder Mundart i B e b a g h e 1).
Fol Iniann. Die iluadart der Deutsch-Lothringer
und Luxemburger (Hoffmann».
Keich. Grillparzers Kunstpiulosophie (Minori.
Kunow. Beobachtuntren ühw^'Qfi'^' .\ erhältniss des
Reims zum Inhalt bei <tj0PS^ ^tji g g l)~eji.
M e h r i n g ,^ Der Reim^^Vf^iPeT^Enrwi'eliiQpfei^ und
Fortbildung (Beh
H e r z f e 1 d , Die Räthsel des Exeterbuchs und ihr
Verfasser iBülbring).
K r a h 1 , üeber vier Versionen der me. Margarethen-
legende <H o 1 1 h a u s e ni.
Wackerzapp, Geschichte der Ablaute der starken
Zeitwörter innerhalb des Xordengl. i B ü 1 b r i n g>.
Fisch, Die Walker oder Leben und Treiben in all-
röm. Wäschereien t S u c h i e r i.
Kreyssig, Geschichte der franz. Xationalliteratur.
Bearb. von Kressner u. Sarrazin (Foersten.
Junker, Grundriss der Geschichte der französ.
Literatur (Foerster^
La elef d-Amors. Texte critique par A.
Doutrepont tFu ersten.
A r a u j o , Gramätica razonada historico-critica de
la lenguu francesa «X y r o pj.
Crescini, Per la questione delle corti d' amore
iTrojel).
A p p e 1 , Zur Entwicklung ital. Dicbtupgen Petrarcas
(Wies ej
Bilancini, Giamb. Giraldi e la tragedia italiana
nel sec. XVI (C 1 o e 1 1 at.
Bibliographie.
Literarische Mittbeilungen, Personal-
nachrichten etc.
De L o 1 1 i s und L e v y , Erwiderung und Antwort.
Zeitschrift d^
iler Zeitsehr
Schaft begrü
Auftrage des
hold. Erster
,.So bin idi
Volkskunde g-eratheTr
nnde. Neue Folge
und Sprachwissen-
d H. Steinthal. Im
1 von Karl Wein-
1. Berlin, Asher & Co.
unvermerkt auf die
as ist ein bezeichnender
Zug für die deutsche Philologie, die ich bekenne. Denn
sie steht in untrennbarer Verbindung' mit dem Leben,
sie forscht nicht bloss in den Pergamenten, sondern auch
in dem Herzen und den Augen des eigenen Volkes.
Und da strömt ilu' er(juickeude Frische zu, itiid sie kann
zu keinem Ende der Forschung kommen. Denn uner-
gründlich und unversiegbar ist die deutsche Art, welche
ungebrochen imd im Herzen gesund durch alle Stürme
ging, die über sie brausten, alle Schwüle ertrug, die
über ihr lagerte, und die mit Gottes Hilfe in alle Ewig-
keit aufrecht stehen wii-d" — mii- haben diese schönen
Worte schou lange im Sinn gelegen. Karl Weinhold
hat damit vor mehr als 30 Jahren den Vortrag über
den Antheil Steiermarks an der deutschen Dichtkunst
des dreizehnten .Jahrhunderts (Wien 1860) geschlossen.
Es ist der schönste Ruhm eines arbeitsamen Lebens,
imumehr Ernte zu halten, die Aussaat in die Scheitnen
zu sammeln, eine rührige Schaar rüstiger Arbeiter auf
abgestecktem Bezirke schaffen zu sehen. Die leitende
Hand hat die Grenzen weit genug gezogen, dass Gene-
rationen werden zu sinnen, zu ordnen und zu lernen
haben. Der Mann, der auf so gut wie neugewonnenem
Boden die Flagge der Wissenschaft gehisst hat, wii-d
den Jüngeren stets ein Vorbild bleiben.
Ich betrachte die Gründung des Vereins tür Volks-
kunde als ein Ereigniss von ausserordentlicher Bedeutung
füi- die deutsche Philologie. Mit dem ersten Heft ist
ein Mitgliederverzeichniss ausgegeben worden, welches
143 Namen aufweist tmd die verschiedensten Berufs-
kreise umfasst. Erst die Pflege der Volkskunde wird
unsere Fachwissenschaft in der Heimath populär machen,
und wir werden dies sehr nothwendig brauchen, wenn
in Zukunft deutsche Art unserem Volke zu lebhafterem
Bewusstsein gebracht werden soU. Volksthümliche deutsche
Studien werden in Zukunft einen Fermentstoff unserer
nationalen Erziehung abzugeben haben. Doch davon
abgesehen bedeutet der Verein tnr Volkskunde unter
germanistischer Leitung eine höchst wesentliche Er-
weiterung nicht so sehr des Forschungsgebietes als der
wissenschaftlichen Methode. Dem Vorstande gehören
Männer wie Virehow und Meitzen an. Es ist sehr
zu wünschen, dass von Seiten dieser Gelehrten eine
möglichst intensive Wirkung auf unsere Arbeitsweise
ausgehen möge. Das Experiment und die Statistik
w^erden berufen sein, in der Entwicklung der Philologie
eine ungealinte Eolle zu spielen. Ueber kurz oder lang
wii-d sich der Germanist sehi- viel mehr- um die Fort-
schritte der Technik zu kümmern haben, als unsere
Väter ahnen konnten: man denke z. B. an die neuesten
Versuche dei- graphischen oder gar photographischen
Aufnahme der Sprachlaute. Ich gebe dem Wunsche
Ausdruck, dass die Zeitschrift des Vereins auch über die
einschlagenden technischen Fortschritte uns auf dem Lau-
fenden halten möge: ein Einblick in die Zeitschrift füi'
Biologie und das Pflügersche Archiv füi- Physiologie
wird nicht sonderlich viel Mühe imd Zeit in Anspruch
nehmen und der musterhaft angelegten bibliogi'aphischen
Uebersicht zum Vortheil werden.
Prof. Weinhold hat S. 3 fi'. ein Schema des ge-
samniten Foi-schimgsgebietes entworfen. Dasselbe führt
eine sehr- deutliche Sprache. Einleitend ist die phy-
sische Erscheinung des Volkes (im Anschluss an Vir-
chows ausgedehnte Untersuchungen) aufgenommen, und
wenn auch die Behandlung der Innern Zustände (Sitte,
Eecht, Religion, Sprache, Poesie) den Schwerpunkt trägt,
so ist denselben doch auch ein erster Abschnitt (Aeussere
Zustände) über Xahrimg, Ti-acht, Wohnung vorausgeschickt.
Dadurch ist die Begi-ündung gegeben, dass der Verein
über die Völkerpsychologie in Lazarus-Steinthalschem
Sinne ziu- Tagesordnung übergegangen ist. Prof. Stein-
thal hat in dem neuen Organe den 20 Bänden der Zeit-
schiift fiii- Völkerpsychologie einen Xachi-uf gewidmet,
dessen Leitmotiv, die Volkskunde werde immer eine
psychologische Discipün sein, jedenfalls nui* bei einem
geringen Bruchtheil der Mitglieder Anklang finden wird.
Wü- ft-euen uns, dass der Verein auf das ordinär ge-
ll
147
IM'.'l. Litiriitiiiti|»tt für germanisclit' uml iipnimiisi'ln- l'liili'logie. Xr. 5.
US
würdeiu- Fiilkloiv viMziditet liat. gebe» uns aber auch
der Hiirt'iiun;,' hin. dass das uiij,'liickliclie Wort Völker-
psycholdffii' iiiii«:lichst klauglus begraben werden möge.
Die Fsycliulogie hat es nur mit seelischen Vorgängen
zu tliun: alles das, wodurdi das Volksleben erst ermög-
licht wird, dif Wirkuiiir di-r Imlividui-n auf einander,
ist nicht |)syciiisch, der \'crkeiir di-r Si'flfu unter einander
vollzii'lit sich ausschliesslich auf pliysischem AN'ege —
wie ja das Alles Paul aufs klarste und geistvollste in
seiniMi Principien der Sprachgeschichte (S. ti S.) dar-
gelegt hat. In der .\bsicht Steinthals lag und liegt
heute noili, die Kulturgeschichte auf psychologische
Grundlage zu stelli-n. So lange man darunter die Ent-
wickluiiir der couiiilicirten. allen Individuen gemeinsamen
Vorstelluug.smassen im \'iilkcrli-lien verstanden wissen
will. So ist dagegen nichts einzuwenden, aber man dient
damit nicht einer empirischen Wissenschaft wie der
Psydiologie. sondern der Geschichte. Und das soll
das Angebinde sein, was ich dem Jungen Verein in die
Wiege legen mi'x'lite. 1 )ie Feststelluug einzelner Daten
bildet nur das Hilfsmittel für die Lösung der höheren
Aufgaben, die darin gipfeln, eine Eutwicklunusreihe klar
und ileutlich zu erfassen. Ich darf mich hierbei wieder
auf Worte Pauls berufen, dessen umfassender Einsicht
in die innersten Zusammenhänge der Wissenschaften die
Schüler ihr liestes verdanken (vgl. Jetzt die Einleitung
zu seinem (4rundriss der germanischen Philologie). Der
si)ecitische rnterschied der wissenschaftlichen von der
populiiieu Betrachtungsweise liegt in der grösseren
Exactheit, mit der die Wirksamkeit aller einzelnen
Factoren isolirt wird. Aber die Constatirung der Einzel-
heiten kann und ilarf nicht von historischer Combinatiou
getrennt werden. Es ist den Anforderungen der Wissen-
schaft keineswegs damit gedient, sich in Ideenkreise und
Zustände einzuleben. Ein Kausalzusannnenhang nicht bloss
zwischen gegebenen, sondern auch zwischen überlieferten
oder erschlosseuen (rrössen muss hergestellt werden, um
die Ideenkreise und Zustände hi geschichtlicher Entwick-
lung erst begreifen zu lernen. Man hatte es bisher mehr
der besonderen Neigung des Einzelnen anheimgestellt, wie
■weit er iiielit bloss Sprache und Literatur, sondern auch
die ubiigen Kultuizweige in den Kreis seiner Studien ein-
beziehen wollte. Die Philologie nimmt gerade an diesen ein
besonderes Interesse, sofern die Bearbeitung der Kultur des
deutschen .Alterthums in allen ihren einzelnen Zweigen ihren
eigentlichen Beruf bildet. I>ass der Verein für Volkskunde
die Kulturverliältuisse verwandter und fremder Völker be-
rücksichtigen will, erweitert den Gesichtsk reis und steht
im Einklang mit einer der Hauptaufgaben der deutschen
Philologie: das Verhältniss der nationalen zu den fremden
Elementen in der Entwickliuigsgcschichte unsers Volks-
thunis richtig zu bestimmen. So knüpfen sich grosse
Hoffnungen an den neugegründeten Verein. Die deutsche
Philologie hat in erster Linie die Verpflichtung, nach
Kräften in seinem Sinne zu wirken. Mochte die (iegenwart
die Aufgaben der Zukunft mit Einsicht erfassen luid
gestützt auf die Erfahrungen der Vergangenheit dem
Forsrherfleiss neue Bahnen weisen!
Marburg i. H. Friedrich Kauffniann.
Wöber, F. X., Die Skiren und die deutsche Helden-
sage. Eine genealogische Studie über den Ursprung des
Hauses Traun. Mit einer Tnfel und vier Abbildungen im
Texte. Wien, Carl Konegcn. 1890. 2S1 S. 8.
Das mächtige, rühm-, sang- und liedreiche bayerisch-
österreichische Volk hat sich, der Hauptsache nach, ge-
bildet durch die allmälige Verschmelzung von Kngiern.
Herulern, Turcilingern und Skiren. Obwtdil auch nament-
lich die Heruler manche Spur in Xamen (z. B. Heri-
gisinga, Herigolteshusa etc.) zurückgelassen haben, sind
doch am wichtigsten die Skiren geworden, zu denen
n. a. auch Odoaker gehört hat. Zu den Skiren gehört
das älteste bayerische Herzogsgeschlecht, die Agiloltinger.
Diese ..sind die Träger der ältesten Kultur dei' deutschen
Nation, um sie entwickelt sich die ältere deutsche Helden-
sage wie das ältere Heldenlied" (S. 35). ..Denn das
halte mau ganz entschieden fest, dass bis zum .lahre 788
Deutsch so viel war wie Bayerisch und nur Bayerisch . . .
Wie der Agiloltingische Hof der Ausgangspunkt der
Jlachtentwicklung des deutscheu \'olkes, so wurde Salz-
burg die Quelle und der Ursprung der gesammten
geistigen Kultur deutscher Nation" (S. 31). Auch die
Husier sind Skiren und treten nach dem Sturze der
Agiloltinger in den Vordergrund; bei ihnen sind die
Namen Sigfrit, Nibelunc, Alberich, Guntheri, Sigimunt,
Dietrich etc. üblich. Zu den Husiern gehört u. a. auch
der bekannte (Traf Babo von Abensberg; seine 38 oder
39 Kinder können recht wtdil historisch sein, denn ,.all
die Gebrechen und Verbrechen, welche unsere Tage dem
hinsiechenden Rom mit Fleiss abgelernt, kannte die
germanische Vollkraft der Babonischen Zeiten nicht"
(S. 190). Derselben Familie gehört auch das Haus
Traun an, welches zugleich in Stein, (Ifthering und
Kürnberg begütert gewesen ist; „von Etzels Zug aut
die Catalaunischen Gefilde, von Gdoakers Zug nach
Italien und von dem Todesmahle zu Ravenna bis zui-
sclu-ecklichen Hiuineuschlacht im Marchfelde vom Jahre
907 — und von dieser Hnnnenschlacht wieder bis zum
Zusammenbruch des kaiserlichen .\nsehens bei Legnano
ist die gesammte Geschichte der deutschen Nation in
gewissem Sinne des Husierstammes und des Hauses Traun
selbsteigene Geschichte .... Der <leutschen Nation
Heldensang war auch der Sang des Hauses Traun; auch
seiue Söhne, auch seine Helden werden in diesem Sauge
gefeiert; — heute noch können wir die Spuren davon
in den Resten der heroischen Gesänge linden und zeigen"
(S. 143 f.). So nämlich: es gab zwei nationale Sagen-
kreise, den skirisch-langobardischen und den steierisch-
fränkischen; aus der Verschmelzung iler beiden entstand
der Stolf der Nibelungensage. Die Krystallisation dieses
Stoffes war niü- möglich auf dem Boden des Erzbistlnuns
Salzburg. Dass in dem skirischen Hause Namen der
Siegfried- und Dietrichsage vorkommen, s. o.; alles mög-
liche weist auf die skiriscli-husischen Lande hin: der
treue Eckhart, llsung. Else, hing: Drachentödter kommen
dort vor; Waskensteiu = Waxenstein au der Zugspitze,
in dessen Nähe ,.ego Waltheri et conjux mea Hiltuni",
deutlich = Walther und Hildegund, urkundlich erscheinen;
Isenstein = ad Isana; Sauten = Heiligenberg; um von
der Nibelungeuburg = Nibiloh bei Montfort nach Heiligen-
berg zu konnuen, nuiss man rheiuabwärts und dann über
das Meer = niare Brigantinum nach Norwiege = Norica
provincia ; Nibelungenhort im Rhein = Huunenschatz und
Harlungengold in der Donau, u. s. w. u. s. w. — Unser
Nibelungenlied speciell ist verfasst zwischen 1176 und
1180, d. h. ,.zwischen dem Sturze des Hauses Traun
und der Wiedergewinnung Bayerns durch Otto von
Wittelsbach" (S. 182); alle seine handelnden Personen
„sind entweder t'haraktere aus der persönlichen Lebens-
erfahrung Heinrichs von Kürnberg-Ofthering (s. u.), oder
hervorragende historische Individualitäten, an deren
149
1891. Literaturblatt fQr germanische und romanische Philologie. Nr. 5.
150
Tliaten nnd Schicksalen die Ueberliefernngen der linsisclien
'l'liatcn und Schicksale haften" (S. 181). Der Verfasser
(li's Nibelungenliedes ist iiUnilieh Heinrich von Traun-
Stcin, der, in Kürnberg und Ofthering' begütert, mit dem
Kiirnberger und Heinrich von Ofterdingeu identiscli sein
niuss. Er hat in seinem Gedichte die Tragödie des
husischen Hauses nach 1170 geschildert, Hagene von
Truneje ist deutlich = Heinrich von Traun und auch
andere Figuren der Umgebung lassen sich nachweisen,
7.. B. Sigfrid = Sighart I., Graf von Biu-ghausen-
Schala; auch Volker ist liistorisch, = Reinmar dem
Fidler, der in der 3Iinnesinger-Hs. C eine Geige im
Wappen hat.
Dies in den Hauptsachen der Inhalt des Buches.
Die Historiker mögen sehen, was sie mit den Skiren
und andern Dingen anfangen. Was der Literarhistoriker
zu soklien Ausführungen zu sagen hat, braucht den i
Lesern des Ltbl.'s nicht gesagt zu werden. Der Verf.
hat seine Xibelungenmeinung anstührlicher schon vor
fünf .Jahren vorgetragen in dem Buche „Die Reichers-
berger Fehde und das Xibelungenlied". Die Kritik hat
darauf gesagt, was nöthig war, und namentlich das
Literarische Centralblatt brachte einen sehr anständig
gehaltenen Artikel, der sich nun freüich (S. 278) die
Bezeichnung eines „Schmachartikels" gefallen lassen
muss. Der Verfasser hatte darauf hin die Absicht, „nie
wieder auch nur Eine Zeile germanistischen Inhalts zu
veriJlFentliehen" : nachdem er nunmehr noch einmal zu
germanistischen Dingen zurückgekehrt ist, soU das nach
seiner eigenen Angabe (S. 158) das letzte ^lal sein.
Ich möchte nicht gern hart sein, aber ich kann im
eigenen Interesse des Verfassers den Wunsch mcht unter-
drücken, es möge dabei auch wirklich sein Verbleiben haben.
Tübingen. Hermann Fischer.
The Monsee Fragments. Newly collated text with intro-
iluction, notes, giammatical treatise anJ exhaustive glossary
and a photolithograpliic t'ac-siniile eJited by George
Allison Hench. Strassburg, Trübner. XXV, 312 S. 8.
Es ist äusserst erfrenlich, dass wii' eine zusammen-
fassende Nenausgabe der Monseer Fragmente erhalten.
Tiul auch die Art, wie der Hei'ausgeber sich seiner Auf-
gabe entledigt hat. verdient alles Lob. In der Einleitung
wird die treschichte der Handschrift und ihrer Ausgaben
dargelegt, die Handschrift beschrieben, ihr Alter und
Ursprung nntersncht, der lateinische Text einer Prüfung
unterzogen, wobei sich zeigt, dass derselbe aus dem
Original der üebersetzung stammt; betreffs der Predigt
..de voeatione gentium" glaubt der Herausgeber aus
inhaltlichen Gründen, dass ihre Bestandtheile zwei ver-
schiedenen Stücken angehören.
Der Abdruck des Textes sucht die Handschrift so
genau als möglich wiederzugeben. Ein Vergleich mit
dem beigegebenen Facsimile von S. 7 zeigt, dass in
Bezug auf die Interpunktion der Abdi-uck nicht völlig
getreu ist: Z. .3 muss nach naht ein Strichpiuikt stehen;
ein Punkt ist hinzuzufügen Z. 9 nach laittis, Z. 20 nach
folchum und nach sUn, Z. 26 nach Jinujinin, Z. 30
nacli ilts. Recht bedenklich ist die Art, wie H. die
Zwischeiuämue zwischen den verschiedenen Wörtern und
Silben im Druck wiederzugeben bestrebt ist. Wie snb-
jectiv sein Verfaluen, zeigt sich z. B. bei tci(/a in Z. 1
und Z. 3: das erste Mal trennt er die beiden Silben,
das zweite Mal nicht, obwohl in der Handschrift der
Zwischenraum beide Male genau derselbe; das gleiche
gilt von findit Z. 13 und Z. 14,
behandelt werden; muoter wird
trennt, Z. 29 zusanmiengefasst,
zwischen o und t zweifellos ein
beiden erst genannten Fällen.
Statistik der Laute und Formen
Glossar schliessen das Werk ab.
Giessen.
die vdeder verschieden
Z. 25 und Z. 27 ge-
wo der Zwischenraum
gi'össerer als in den
— Eine ausführliche
und ein erschöpfendes
0. Behaghel.
Seltz, H., Der Versbau im Reinke Vos. Ein Beitrag
zur Metrik des Mittelniederdeutschen. Ro.stocker Disser-
tation. 1890. 60 S.
Für die mnd. Metrik ist bis jetzt wenig gethan
worden ; die Herausgeber des Reinke Vos liaben gelegent-
lich TheUe derselben behandelt. Der Verf. wül die für
den Reinke Vos geltenden metrischen Regeln im Hin-
blick auf Martins ..Grundzüge" (Martin, Reinaert. Pader-
born 1874. S. 421) entwickeln, um durdi eine Ver-
gleichung der entsprechenden Abschnitte die innere Gleich-
artigkeit der Metrik des Mnl. und des JInd. hervortreten
zu lassen. Für- das Mnl. sind Männer wie Bormans,
Willems, Jonckbloet imd zuletzt van Helten (Over middel-
nederlandschen Versbouw. Groningen 1884) thätig ge-
wesen. Die Technik der mnl. wie der mnd. Dichter
reicht natürlich nicht an die der mhd. heran. Im ersten
Abschnitt (S. 11 IF.) spricht der Verf. vom Rhythmus.
Derselbe ist vorherrschend jambisch, über 80 Procent
aller Verse sind Jamben. Trochäische Verse kommen
häufig vor, viele werden durch Annahme des doppelten
Auftaktes jambisch. Ich glaube, man muss sich bei der
Darstellung der Metrik des Reinke Vos stets daran
erinnern, dass der Verfasser zwar kein ungeschickter
Reimer war, aber doch immer nur ein Uebersetzer, kein
Dichter (vgl. Lübbens Ausgabe, Einl. S. 6 ff.). Ein
Dichtwerk, welches eine diu'chgreifende Autorität über
das Gebiet des nd. Dialektes hatte, gab es nicht ; woher
sollte er also ein Muster nehmen? Manches, was auf
hd. Gebiet längst geregelt war, wurde seiner AVillkür
anheimgestellt. Das Hd. drängte um die Zeit, wo der
Reinke Vos entstand, mit aller Gewalt der Silbenzählnng
zu, und daher spielt die sog. rbj'thmische Betonung in
unserem Gedicht eine noch gi'össere Rolle, als der Ver-
fasser annimmt. Hinzu kommen dann Auftakt, Synalöphe,
Hiatus, Sj'ncope und Apocope nnd Indination, um den
Rhythmus hervorzubringen (S. 49 ff.).
Der mnd. Vers hat vier Hebungen bei stumpfem
und klingendem Ausgang. Alle zweisilbigen Wörter,
auch die mit ursprünglich kurzer Stammsilbe, sind im
Reim als klingend anzusehen, nicht wie im Mhd. als
stumpf. A^erf. führt nun einige Verse an, die anschei-
nend drei Hebungen haben. Ich würde lieber eine von
den vom Verfasser in den Xoten vorgeschlagenen Arten
der Betonung wählen, z. B. 2276: dar vänt ik (/röteti
geivin statt: dar rdiit ik ff röten (jewin und auch besser
als: dar ränf ik (/röten r/ewin. V. 3878 würde ich
lesen: ja he mach rüste luijägen, in diesem Falle nicht
nach mechanischer Silbenzählung {ja he indch niste
na jagen, auch nicht: ja he mäch Diiste nu jagen).
Vers 4599 lese ich: de sldnge iväs des bereit; v. 4734:
gelik so he hddde DÖre\ v. 5187: den he in dnxte let
stän; V. 5529: He brächte uns hir sin höeef, nicht:
he brdchte this hir sin hövH. Die S. 15 angegebenen,
scheinbar mehr als vierhebigen Verse brauchen nicht
Verdorben zu sein, da mehrsilbige Senkungen (zwei-,
di-ei- und viersilbige) in der mnd. Poesie dui-chaus zu-
12
151
1891. Literatarblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5.
152
lässig sind. .Tonckbloet, im Ansclilnss an Laclimiinn,
leugnet allerdiiifrs noch die mclii-silbifi^e Senkung' als
Princip für das JIiil., aber Jlartin nnd van Hellen haben
sie anerkannt. Van Helten sagt, es stossen im Mnl.
oft Verse auf. .welke niet linn twelettergi-epige daling
zelfs den stontsten apo- of syneopeeringslnst tarten".
Die verschiedenen Arten der mehrsilbigen Senkungen
bespricht der Verfasser S. 20 — 48.
S. .52 kommt er auf die Reimbrechnng zu siirechen: sie
war den null. Dichtern als Kunstprincip wohl bekannt, auch
der Dichter des Eeinke \'os wendet sie an. Interessant ist
es zu sehen, wie auch hier Rede und Gegenrede durch
die Reimbrechnng innerlich verbunden sind, genau wie
ich es für den lid, Gottfried von Strassburg und Hein-
rich von Freiberg nachgewiesen habe (Germ. XXXUI
[XXI] S. 357 ff.). Das Enjambement findet sich selten.
Verf. geht nicht darauf ein und verweist auf Wiggers,
Heinrich von Freiberg als Verfasser des Schwankes Vom
Schrätel und vom Wasserbären. Rostock 1887. S. 21 tf.'
Im niichsten Abschnitt wird die Wortbetonung behandelt.
Die Eigennamen deutscher Herkunft tragen den Accent
auf der ersten Silbe, die fremder Abstammung schwanken:
Grhnhart 1254, BMin 2828, Purin 4989, Venus 5005,
aber auch Grimbart, Bellin, Venus etc. Malepertiis
schwankt zwischen deutsche)' und romanischer Betonungs-
weise. Am Schlüsse hotft der Verf., dass manche strei-
tige Punkte auch in Bezng auf das Mnl. anfgeklärt
werden, wenn die mnl. L\'rik erst einmal einer näheren
Untersuchung unterzogen worden ist. Zu weiteren Ar-
beiten über die Metrik des Reinke Vos bieten die vielen
fleissig gesannnelten und übersichtlich geordneten Bei-
spiele ein gutes Material.
Wismar. 0. GliJde.
Salz mann, Johannes, Die Hersfelder Mundart. Mar-
burger Dissertation. 1888. G9 S. 8.
Salzniaiin hat, angeregt durch Kauffmann, den Ver-
such gemacht, die heutige Mundart von Hersfeld dar-
zustellen in ihrem Zusammenhang mit dem älteren
Hessischen, als dessen Vertreter er Herbort von Fritzlar
betrachtet. Der Verfasser hat, wie es scheint, gut
beobachtet und ein auch ziemlicli vollständiges Slaterial
zusammen gebracht (sollte das Wort Ofoi, das bei S.
fehlt, wirklich der Mundart fremd sein?). Im Uebrigen
aber dürfte Kauffmann über diese Nachfolge wenig erbant
sein. Von einer wirklichen Verarbeitung des Materials
ist nur in sehr beschränktem Masse die Rede ; S. ist
nicht einmal darauf verfallen, die interessanten Dehnungs-
erscheinungen der Jlundart im Zusammenhange darzu-
stellen. Ich erwäline, dass vor Nasalverbindung Längung
der kui'zen Vokale eingetreten ist, und zwar sehr früh:
diese neuen Längen haben die Diphthongirungsvorgänge
mitgemacht, z. B. wwiufer == Winter, siroump =
Stiumipf. Einen Versuch, bei Herbort die Sprache des
Schreibers von der des Originals zu scheiden, hat S.
niciit gemacht. Die Sprachkeniitnisse des \'erfasserS
bleiben audi hinter sehr bescheidenen .Anforderungen
zurück: die Adverbia spiite, drute, harte werden als
Belege für unterbliebenen Umlaut angeführt, ebenso die
' Ich benutze diese Gelegenheit, um mich nach wieder-
holter Vergleichung für die Hypothese von IJccbstoin und
Wiggers zu erklären, dass der Schwank llcinricli von Froi-
borg zum Verfasser hat. (Vgl. meine liesprcchung von Wiggers'
Schrift im Ltbl. 18fii), Sp. 7 und R. Hechstoin, Zu Heinrichs
von Freiberg Schwank vom Schrätel und vom Wasserbären,
Romanische Forschungen V, 171 — 182.)
Participia gehört, zustört, das Praet. löste: in den
Praeterita flö(ch), z6(rh) soll ö für oti stehen: in ad.
Jliite, iiiini, fiiir, tiure findet er Umlaut von ii ! !
Giessen. U. Behaghel.
Follniann, M. F., Die Mundart der Deutsch-Lothringer
und Luxemburger. II. Tlo-il: Vi.kalismus. WissiMisdi.
Heiinge zum Programm der Uealschulo zu Metz für das
Schuljahr 1889/MO. Metz, Burhdruckerei Paul Kven. ismi.
23 S.' 4.
Vorliegende Arbeit muss als eine völlig verfehlte
bezeichnet werden : sie steht nicht einmal auf der primi-
tivsten Stufe der Dialektforschung, geschweige denn auf
der Höhe moderner Wissenschaft. Wer das Buch ge-
lesen hat, kann sich des Eindrucks grenzenloser Ober-
flächlichkeit, wie sie uns beinahe aus jeder Zeile ent-
gegentritt, unmöglich erwehren. Schon die Methode,
wenn überhaupt von einer solchen hier gesprochen werden
kann, ist durch und durch verkelirt. Lautgesetze scheint
es in der Mundart nicht zu geben, wenigstens findet
man ein solches nirgends bestimmt ausgesprochen oder
consequent behandelt; Ausnahme häuft sich auf Aus-
nahme, ohne dass deren eine irgendwo Erklärung
fände. Das Ganze ist ein Wust von Beispielen, die bei
ihrer Mangelhaftigkeit nirgends einen klaren Einblick
in das Wesen der Lautwandlungen gestatten. Der Verf.
hat fünf Dialekte für seine Darstellung herausgegriffen;
dabei aber nicht einen systematisch und klar behandelt.
Schon die Transscrlptiou ist eine äusserst fehler-
hafte, indem sie in den meisten Punkten von den jetzt
herrschenden Systemen abweicht. So wird das allgemein
gebrächliche !> einfach durch e, s durch srh, sp durch
sp, .st durch .•>•/, s oder .w (?) durch .vc', .r oder / (?)
durch (7/, fs durch z, hv durcli qu wiedergegeben. Ob
t, k, p aspirirt sind, erfahren wir im ganzen Verlauf
der .\bhandlting nicht. Für j.offen" und ..geschlossen"
sind die alten .Vusdrücke ..hell" nnd ..dum))!"" gebraucht.
(/ /' 0 u haben nach Follmanns .\ussage (S. 5) ,,dieselbe
Bedeutung, wie im Nhd.": dabei bliebe nur noch zu
definiren, welclie „Bedeutung" denn diese Vokale im
,,Nlid," haben. Was ist ferner der „gedehnte Ton" (")
nnd was bedeutet das Zeichen ^ über omV Der Verf.
I lässt uns darüber überall im Unklaren.
Ein (irundfehler der .Arbeit ist von vornherein, dass
allgemeinere Erscheinungen wie Umlaut. Dehnung. Kür-
znng u. s, w. nicht in gesonderten Ka|iiteln behandelt
nnd in präzise Formeln gefasst sind: des fernem sind
die Beispiele, welche nur ganz vereinzelt durch ältere
Formen belegt werden, so gleichgiltig gewählt, dass sie
nicht einmal als nacktes Material einigen Werth fiir
sich beanspruchen köinien, das dem Leser gestattete,
sich auf eigene Faust die Lautgesetze der Mundarten
zn constrniren: allerdings würde auch da die ungmiigende
Transscriptiiin wiederum hindernd im Wege stehen.
Offenbar sind dem Verf. moderne Darstellungen von
Mundarten nicht bekannt, sonst hätte er gewiss Bedenken
getragen, die seinige dem Drucke zn übergeben. Es
möge nur z. B. auf das schwierige Kapitel des «-Um-
lauts hingewiesen werden, das in ein paar Zeilen, ge-
spickt mit unzutreffenden und oft falschen Beispielen,
abgethan wird, währenddetii doch Kauftmann und Heusler
in ihren neuesten .-Vbhandlungen so Vorzügliches in diesem
Punkt geleistet haben.
Znm Schluss ein klassisches Citat (4, 3): „Am
häutigsten finden wir den kurzen «-Laut als Vertreter
des i, nnd zwar ging das i durch e zu a über. Die
153
1891. Literahirblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. .').
154
Vcilksifliome, meint WolfF in der oben ang-ezogenen Ab-
luiMiliuiitr. weichen g'ern in den betonten Silben den dünn-
kliniienden Lanten aus. Das tonstarke. ortene ii und
das zwisclien ii und (' liegende § verleihen der Sprache
jene krattvolle Derbheit, die eine überwiegende Dorf-
bevölkerung' unseres Gebietes verlangt."'
Basel. Eduard Huffniauu.
Reich, Emil, Grillparzers Knnstpbilosophie. Wien,
Manz. ISSIO. IV. 14i; S M. '_',4(l.
Der Verfasser bat die ästhetischen .\nsichten des
1 »ichters, welcher sich ausdrücklich gegen jede Systematik
verwahrt, aus der zufälligen Anordnung- in den Schriften
hei"iusgehoben und unter gewissen Gesichtspunkten zn-
sannuengestellt. Dass diese Arbeit irgend einem Be-
dürfniss dei' Wissenschaft, sei es der ästhetischen oder
der literarhistorischen, entgegenkommt, wird kaum Jemand
behaupten. .Teder aufmerksame und denkende Leser wird
die wenigen allgemeinen Sätze, auf welche (xrillparzer
mit zäher Cousequenz alle Erscheinungen in der Kunst
und in der Literatiu- zurückzuführen pflegt, und welche
er gern wiederholt, aus den Werken selbst herausge-
funden haben. Grillparzer als einen Knnstphilosophen
zu bezeichnen, wird billig Bedenken tragen, w'er sich
des Dichters Abneigung gegen jede Speculation und sein
(itfenes Gesständniss vor Augen hält, dass sein Denken
immer nur ein Suchen nach Gründen für ein Resultat
gewesen sei, welches lange vor der Untersuchung vor-
handen war. Grillparzer selbst wäre wohl der Letzte
gewesen, welchei' dem Verfasser für seinen Liebesdienst
gedankt hätte. Eine Untersuchung, inwieweit Grill-
parzers theoretische Gedanken neu und inwiefern sie von
Werth sind, w'äre schon eher ein Bedürfniss. Der Ver-
fasser, welcher gewohnt ist, seine Leser auf die Zukunft
zu vertrösten, hält dafür einen dicken Band für'nöthig: ich
glaube, dass sich diese weder schwierigen noch mühsamen
rntersuchungen auf der Hälfte der Bogen hätten führen
lassen, welche der Verfasser einer ziemlich überflüssigen
Vorarbeit gewidmet hat. Jtanchesmal hat er dennoch
einen Anlauf zur Untersuchung genommen und wenigstens
die ParallelsteUen aus Schrej'vogels Schriften unter dem
Text angemerkt. Der Zusammenhang der Grillparzer-
schen ..Kunstphilosophie"' mit den Anschauimgeu der
Weimarischen l>ichter und der Eomantiker, welche füi'
diesen Aesthetiker nur als Ziel unverständiger Angritfe
existiren. wird nirgends berührt. Wenn Grillparzer
z. B. gegen das Princip der Xaturnachahmung einwendet :
..warum sollten wir etwas nachahmen, das wir schon in
der Wirklichkeit besitzen" (XII, 13.3), so hat er in der
Wiener Zeitschrift Prometheus dasselbe Argument in
Schlegels Worten gelesen: ..Man sieht nicht ein, da die
Xatnr schon vorhanden ist, warum man sich quälen
sollte, ein zweytes jenem ganz ähnliches Exemplar von
ihr in der Kunst zu Stande zu bringen." Aber leider
begnügt er sich, zwischen den Citaten aus Grillparzers
^Verken sich wie auf eigenem Grmid und Boden eil-
fertig und zungengewandt herumzutummeln, mit einer
t;ewissen Zuversicht über einzelne Gelehrte und ganze
wissenschaftliche Eichtungen, welche über seiner Be-
uitlieilung stehen, abzusprechen und Grillparzer als
l'rescbflegel zu benutzen, um seine Gegner niederzu-
schlagen. Aber Grülparzerische Meinungen sind eine
sehr tretahrliche Waffe, und leicht könnte der Flegel
beim Aufschwung auch dem Aesthetiker unsanft au den
Kopf rüliren, W'elcher die Literarhistoriker todtzuschlagen
meint, Herr Eeich hat von seiner eigenen Wissenschaft
eine viel zu geringe Meinung, wenn er glaubt, dass ästhe-
tische Fragen mittels Citaten entschieden werden. Gegen
ein Grillparzerisches Wort lässt sich ein Goethisches,
gegen ein Scliillerisches Ibsen ins Zeug führen. Wer
die Wissenschaft föi'dern will, der darf nicht bloss eine
Zunge, er umss auch Gründe aufzubieten haben. Damit,
dass man für jeden besonderen Fall einen der alten
ästhetischen Gemeinplätze oder ein Citat in Bereitschaft
hat, ist keiner Sache gedient. Mau würde dem streit-
fertigen Apostel Grillparzers gern auch etwas von dem
..stillen" Sinne wünschen, welchen luiser Grillparzer
besessen hat. .Jedenfalls fürchten \\ir nicht, dass Herren
von seinem Schlage den bedaueidichen Zwiespalt zwischen
der ästhetischen und der literarhistorischen Wissenschaft
durch gegenseitige Verhetzung vergrösseru werden. So
wenig ein Literarhistoriker die Arbeiten von Fechner,
Lotze, Zimmermann oder das Buch von Volkelt über
Grillparzer (an dem ich weit weniger auszusetzen finde
als der hoft'nungsvolle Verfasser) wird entbehren können,
ebenso wenig wird eine wissenschaftliche Aesthetik die
literaturgeschichtliche Forschung entbehren können. Jede
Wissenschaft hat ihren eigenen Weg, ihre eigene Methode
und ihie eigenen Werkzeuge. Nur in dem Ziele treffen
alle zusammen: in der AVahrlieit. Wirklich Strebenden,
freilich aber auch nur diesen, ist sie auf jedem Wege
erreichbar.
Wien. Minor.
Knnow, Ewald, Beobachtungen über das Verhältniss
des Reims zum Inhalt bei Goethe. Piogiamm des
Gymnasiums zu Stargai-d in Punimern. 1S8S. 73 S. 8.
Eine beachtenswerthe Studie, insofern sie — was
verhältnissmässig viel zu selten geschieht — ihr Augen-
merk auf das Verhältniss zwischen Form und Lihalt
richtet. Kunow vertritt die Ansicht, dass der Eeim der
Ausdruck innerer Zusammengehörigkeit sein müsse und
verdammt somit die Sitte der Eeimbrechimg in der alt-
deutschen Dichtung. Er verlangt, dass der Gedanke
herrsche, der Eeim diene, und verwirft die Forderung
nach unbedingt reinem Eeime. Er leugnet, dass im
Reime lauter bedeutungsschwere AVörter stehen müssen.
Von diesen Gesichtspunkten aus legt er nun dar, in
welchem Verhältnisse bei Goethe Inhalt imd Form stehen.
Mit diesen besondern Darlegungen wird man im All-
gemeinen einverstanden sein. Aber ich meine, sie ent-
halten etwas Selbstverständliches. Jede Dichtung, welche
die Eeimbrechung meidet, und die sich in einfachen ryth-
mischen Formen bewegt, wird sich so gestalten, dass
das diu'ch den Eeim Gebundene •auch in sachlicher Be-
ziehung steht, falls wir es nicht mit Priameln zu thun
haben, oder mit Versen wie : ,,Die Lerche in die Lüfte
steigt; der Löwe brüllt, wenn er nicht schweigt". Auch
in der Alliterationsdichtung, so weit sie nicht reim-
brechend ist, würden die verschiedenen Arten von Eeim,
die Knnow annimmt, sich nachweisen lassen. Sowie aber
die rythmischen Gebilde uiul die Eeimstellung verwickelter
werden, geht Kunows (Trundsatz leicht in die Brüche,
wie z. B. die von K. S, 44 Mitte besprochene, in ihrer
Gliederung verkehrt gedeutete Strophe beweist.
Die Eeimbrechung möchte ich nicht so unbedingt
verurtheileu, falls sie in so massvoller Weise angewandt
wii'd, wie das z. B, Gottfried meist thut, Dass in der
modernen Dichtung die Eeimbrechung nur spärlich zur
Anwendung kommt, hat zu einem guten Theile seinen
Grund darin, dass sie lange Eeihen kurzer Reimpaare
kaiuu anwendet. Im ersten Gesang von Wolfl's Till
155
1891. Literatnrblatt fflr germanisohe nnd romanische Philologie. Nr. 5.
156
Enlenspiegel werden die Reime etwa in einem Fünftel
der niüirliclun Fälle g-ebroelien.
Kuniiw glaubt, dass der Reim rein deutschen Ur-
sprung:« sei, ohne neue Gründe vtm Hejang beizubringen.
Wer im .Aluspilli und Hililebrandslied Reime (iiulet, wer
die Mersebui'^rei' Zaubcrsiniiilie sn beurtlieilt, wie von der
Reeke, wer mit dem Spielmannsvers oiierirt, ohne Miillen-
hofts gi-animatiselien Selinitzer zu bemerken, mit dem ist
freilieh eine Verstiindifrung seliwer möglicii. Was die
Vertheidiger der germanisehen Herkunft des Keims meist
vergessen, ist dieses: einzelne Endreime in der AUiterations-
dichtung — und wären sie zwanzigmal häutiger — können
nieiits beweisen : es müsste erklärt werden, aus welchen
Gründen das eine Prineij) an die Stelle des andern trat.
Giessen. 0. Behaghel.
Mehring, Hisrmar, Der Reim in seiner Entwickinng
und Fortbildnns;. Herlin, Mcluing. 188'J. 143 S. 8.
Der Titel des Buches ist nicht zutreffend. Von der
Geschichte des Reims ist kaum die Rede, sondern die
Schrift bietet eine ziemlich flüchtige Uebersicht über den
Reimgebrauch in der modernen Dichtung, d. h. im
Italienischen, Spanischen und Französischen, Englischen
und Deutschen. Von der skandinavischen Literatur ist
keine Rede. Im Gegensatz zu Kunow fordert er Rein-
heit des Reims und Bedeutsamkeit der Reimwörter. Gut
ist, was gegen die Spitztindigkeiten von Sanders gesagt
wird. In der — zutreffenden — Polemik gegen Scherers
Aeusserungen über triviale Reime wie Herzen : Schmerzen
stimmt er mit Kunow überraschend überein.
Die sprachlichen Kenntnisse Mehrings sind zweifel-
hafter Natur. Zu meiner Beschämung muss ich gestehen,
dass ich die Werke des ,.Phonetikers Hugo Hoffmann-
Ratibor", auf die sich Mehring beruft, nicht kenne; was
aber S. 125 und 12ti aus denselben mitgetheilt wird
(z. B. hing müsse auf Bank reimen), lässt mich diesen
Mangel verschmerzen.
Giessen. 0. Behaghel.
Herzfeld, Georg. Die Räthsel des Exeterbnches nnd
ihr Verfasser. (In den Acta Germanica II, 1.) Berlin,
Mayer & .Müller. 189Ü. 72 S. 8.
Nachdem Trautmann im 6. und 7. Bande der Anglia
die lange .Jahre geglaubte Leosche Lösung des ersten
Räthsels auf den Namen Cj'newulf als unmöglich dar-
gethan hatte, war die Frage nach dem Verfasser der
Räthsel wieder eine offene. Herzfeld sucht nun durch
eine sehr sorgfältige 'Untersuchung des Wortschatzes
und der Phraseologie, der stilistischen Kunst und der
Behandlung der Quelle, der Spi'ache und Metrik' zu einer
-Aiitwoit zu kommen, und findet, es sei 'zwar nicht un-
bedingt sicher, aber doch in hohem (trade wahrschein-
lich, da.ss die Räthsel in vollem Umfange den Dichter
Cynewulf zum A'erfasser haben': nur das erste Räthsel,
das er mit Bradli-y (s. Academy Nr. 289 |24. März
1888] S. 197) nicht für ein Räthsel hält, nimmt er
hierbei aus und bespricht es besonders in einem Anhange.
Um es vorab zu sagen: H.'s Schrift ist ein sehr
werthvoUer Beitrag zum Verständniss der Räthsel, wenn
seine Beweisführung auch auf vielfachen Widerspruch
stossen mag.
Die Räthsel sind bekanntliih in der Handschrift
durch zwischenstehende andere Gediciite in drei tiruppen
zertheilt. H. behandelt alle Räthsel als Eines Ver-
fassers Werk und sucht zunächst dies Verfahren dadurch
zu rechtfertigen, dass er besonders die Zahl der bereits
von Dietrich aufgeführten sprachlichen Berührungen
zwischen den beiden Hauptgruppen noch vermehrt:
Dietrich konnte sich nicht überzeugen, aber auch H.
zerstört luisere Zweifel nicht. Vier- oder fünfmal haben
zwei Räthsel dieselbe .Vuflösung, nnd anft'allender Weise
steht .jedesmal das eine von beiden in der ersten Räthsel-
sammlung und das zweite in der andern umfangieiclien.
.\ucli die dojjpelte .Aufzeichnung von Nr. 31 und das
vereinzelte Vorkommen von Nr. .36 in einem ainlern
Codex weist, wie schon überhaupt die .Anordnung im
Codex Exoniensis, zu deutlich auf frühere getrennte
Ueberlieferung hin', als dass H.'s Beweis für Einen
Verfasser als hinreicheiul gelten könnte. Ghne voll-
konnnenen Gegenbeweis sollte man lieber annehmen, dass
die .Angelsachsen wie mehr als einen lateinischen Räthsel-
dichter, so auch melnere altenglische gehabt haben;
sonst stecken wir in einem ähnlichen Irrthum wie Kemble.
der sich bekanntlieh für berechtigt hielt 'u-ith sume
Ijrohdbilify to ast<i(/n to Cynewulf tlie authorsliip of
the VercelU and Ereter Codices.
Noch ein schweres Bedenken drängt sich auf bei
der dann folgenden Vergleichung der gesammten Räthsel
mit den Cynewul tischen Dichtungen. H. hält die Echt-
heit des Phoenix, des Andreas und des GiuHäc für
'wahrscheinlich' und zieht die drei Werke dai-um mit
zum Beweise heran. .Aber Sievers (Anglia XIII, 25)
ist z. B. der Ueberzeugung, 'dass gerade der .Andreas
nicht von Cynewulf verfasst ist', imd hält 'diese Nega-
tive' für eines der wenigen zweifellosen Resultate' der
Cynewulf-Forschung. Den Phoenix spricht Ebert (.Allg.
Gesch. der Literatur des M.A.'s III, 75) dem Cynewulf
ab, und Matthias Cremer hat in seiner Dissertation
,.Metrisclie und sprachliche Untersuchung der altengl.
Gedichte Andreas, Giulläc und Phoenix'' (Bonn ISSS)
dieses Urtheil mit einer Reihe feststehender Thatsacheu
begründet und gesichert. Cremer hat auch neue Gründe
vorgebracht, die die Charitiussche Folgerung stützen,
dass der erste Theil des Güdläc nicht von {\newulf her-
rühre. Nun sondert H. zwar die Belegstellen aus diesen
drei Gedichten nn'iglichst von den übrigen ab: aber bei
seinen Schlussfolgerungen gedenkt er des Unterschiedes
nirgends, und es kann nicht ausbleiben, dass, wer wie
Sievers, Ebert oder Cremer denkt, zu einer amlern
Ansicht kommt als H. Dennoch bleibt H.'s Arbeit auch
für sie verdienstlich; denn er hat ilinen auf diese Weise
— was in andern, ähnlichen Untersuchungen meist ver-
säumt ist — eint> Gegenprobe für die Beweiskraft der
aus den zweifellos echten Werken aufgezählten Ueber-
einstimmungen geliefert.
Dass die 'Fata .Apostolorum' zu den sicher echten
Gedichten gehören, wird man, selbst wenn die von Napier
oitdeckten 'Schlussvei'se' nicht ans Ende der 'Fata" passen
(Sicvers, Anglia XllI, 23 ff.), zugeben müssen wegen
eben derselben wörtlichen Uebereinstimmungen. die Sievers
veranlasst haben die beiden .Stücke wieder zu trennen.
Die Echtheit der genannten Werke und die Einheit
der Räthselsammlung vorausgesetzt, ist H.'s Prüfung
eine seiir verständige. Wohlweislich lässt er die trüge-
rische Syntax aus dem Spiel. Die anni Xfyo/^nvn, welche
er aufzählt, ergelien nichts. Seltene Wörter findet er
acht, die nur in den Rä. und den vier zweifellos Cy. ischen
Gedichten vorkommen, aber zehn, die bloss in den Rä.
' Auch das Vorkomnicn eines einzigen lateinischen
Riitliscls (Nr. 7(>) inmitten der iilfcnglisclien deutet in dicBclbo
Kichtung.
157
1891. Litenitiiibliitt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5.
158
und im .\ndi'eas stehen. Aehnliche aufFalloiule ITeber-
cinstimninngen mit dem Andreas deckt H. auch weiter
noch auf (s. S. 23. 25. 30. 31. 56); sie werden Pritsche
und Slevers gegen seine Auslegung einnehmen. Ferner
stützt sich H. auf einige wörtliclie Entsprechungen und
den übereinstimmenden Gebrauch von zelin Synon3'men
für 'Gott' oder 'Meer'. Beim näheren Zusehen aber stellt
sich heraus, dass von diesen zeini Synonymen wieder
sechs ausser in den Rä. nur im Andreas vorkommen,
eins im Andr. und Plioenix, eins im Andr. und Crist,
eins im ersten Theil des Güctiäc, und nur ein einziges
(fceder) in Apost. Jnl. Cri. El.!! Die Untersuchung
über die Quelleiibehandlung hält H. selber 'nicht für
sehr aussiclitsvoir. Es folgt dann eine Zusammenstellung
'gewisser charakteristischer Einzelzüge', die wohl für die
grosse Sorgfalt des Forschers zeugen, aber für den Be-
weis kein Gewicht haben. Auch die Betrachtung 'der
stilistischen Mittel' spricht eigentlich nur nicht gegen
Cynewulf. Die metrische Untersuchung ergibt dreierlei
Abweichungen, die H. mit dem Hinweis auf die Jugend
Cy.'s entschuldigt, aus der die Rä. ja stammen sollen.
Die mit Hilfe der Metrik erschlossenen ursprünglichen
Sprachformen in den Rä. lassen dagegen wohl ohne
weiteres die Annahme von Cj'.'s Verfasserschaft zu.
H. hält 'die Aehnlichkeit in Verskunst und Sprache'
(gemeint sind nur die grammatischen Sprachformen) für
das Ueberzeugendste in seiner Beweisführung; aber die
zeigt docli höchstens, dass Cy. der Verfasser sein kann,
nicht sein muss, und mehr ist mit diesen Mitteln über-
haupt nicht zu erreichen. Auch einzelne Uebereinstim-
mnngen in 'Ausdrücken und Anschauungen', die zur An-
nahme Eines Verfassers zwängen, erkenne ich nicht,
und sie würden auch nichts für die ganze Riitliselsamm-
lung beweisen.
Im 'Excurs I' spricht sich H. füi' Bradlej^s Erklärung
des 'ersten Räthsels' aus als eines Seitenstücks zur 'Klage
der Frau'. Wie Trautmanns geistreicher Lösungsversuch,
so liellt allerdings auch Bradleys Deutung nicht Alles
auf: aber sie empfiehlt sich doch, weil sie erklärt, warum
"S'ieles unklar ist. Es ist befremdlich, dass H. zur Ver-
tlieidigung Bradleys es für nöthig hält, sich zwar mit
Leo abzufinden und Hicketier zu widersprechen, dagegen
die JEüglichkeit von Trautmanns Lösung nicht weiter
erwägt. Trautmaim aber hat es nicht einmal für der
Mühe werth gehalten, auf Nucks Einwürfe (Anglia X)
zu antworten, die H. mit Unrecht für ausreichend hält,
und bis jetzt steht Trautmanns Vorsclilag noch un-
widerlegt da. — Ich mache folgende Anmerkungen
ohne Rücksicht auf H."s Buch. 1) Die drei kurzen
Zeilen, v. 3 (= 8), 17 und 19, sind sich sehr ähnlich,
weil sie zwei Reimwörter enthalten, und schon darum
ist es sehr bedenklich, ihre LTeberlieferung anzufechten,
wenn sich auch in andern Gedichten niclits Entsprechendes
findet. Es sind richtige erste Halbzeilen der Form nach.
— 2) Euriie (in Vers 16) kann nicht, wie Bradley
es erklärt, rowardhj bedeuten; denn das Adj. earg,
eurli ~ hoclid. arg kann im Acc. das g nicht verlieren.
Das h im Xom. ist ja jüngere Vertretung eines altern
// nacli r, und nur Wörter mit ursprünglichem //, wie
(fireorh, verlieren es vor der Endung. — 3) Vers 13 a
könnte man leicht in [Mut] inilf iiihi wvlf ändern, wo-
durch zwar der Ausdruck schwächer würde. — 4) Vers 9b
druckt Kluge, Angelsächs. Leseb., mit Recht dogode
olme Längezeichen auf dem ersten o, wodurch der Vers
metrisch besser wird als bei Grein. Hieketiers Vor-
schlag, in hognde zu ändern (Anglia X, 579) ist schon
darum sehr bedenklich, weil es fraglich ist, ob dabei
der Genit. Wulfes stehen könnte. Dogiun stellt sich,
schlage ich vor, zum Prät. Präs. deah dugon. wie
cminkm zu raim cuiinon, verbindet sich wie dieses mit
dem Genitiv und bedeutet etwa 'theilhaftig werden',
W'Obei man das griech. rvv/dvnv vergleichen möge.
Im 'Excurs 11' sind 'Bemerkungen zu einzelnen
Stellen' gegeben, darunter sehr glückliche Lösungen des
46. und 51. Räthsels. — Hcefst in Rä. 4, 5 schlägt
H. vor auf ein got. *haitizdn 'erhitzen' zurückzuführen,
mit Uebertritt aus der 2. in die 1. Klasse {hdjtsect statt
hd'tsaä). Aber der Bedeutungswandel von 'erhitzen' in
bedrängen', den er annimmt, gibt Bedenken. Die Stelle
lautet: Mec [i. e., den Sturm] nun freu hcetst on enge.
Ich empfehle das Wort mit got. hathön gleichzusetzen ;
die anzunehmende Grundbedeutung 'verfolgen' (vgl. Kluge,
Etym. Wörterbuch, unter ..Hass^), die dem verwandten
hd. hetzen noch heute geblieben ist, passt ganz vor-
trefflich. Streng genommen müsste die Form allerdings
Iiefesad lauten. Xeben egesian und egesa steht aber
auch egsian und egsa, nnd so erhalten wir ohne Schwie-
rigkeit hetsad. Auch der weiter für die Erklärung-
erforderliche Uebertritt in die erste schwache Klasse
ist nicht selten bei ähnlichen Verben, und die Schreibung
luetst statt lietsf, aus hets(e)ä, hindert nicht, zumal nicht
bei einem so seltenen Worte; vgl. Sievers § 89, z. B.
auch cegsd neben eg(e)sa. — Die Zeile 81, 1 «« rviht
is icundruin ücenned, die in der ersten Hälfte zu kurz
ist, ist vielleicht am besten nach 51, 1 so zu vervoll-
ständigen: an wiJit is [on eoräan] wimdrum äcenned.
Kurz vor dem Erscheinen von H.'s Schrift war
Sievers' scharfsinniger Aufsatz 'Zu Cynewulf' in Anglia
Xin, 1 if. veröffentlicht, durch den der Annahme, Cyne-
wulf sei der Verfasser der Räthsel, neue Schwierigkeiten
entgegen gestellt werden. Hiermit sucht sich H. in
einem kurzen 'Xachtrage' abzufinden : Cy. habe die Räthsel
zur Zeit der von Sievers datirten Lautübergänge ver-
fasst; was man ihm allerdings zur Xoth zugeben könnte,
wenn alles Andere für Cj'. spräche. H. weist übrigens
auf S. 69 zu Rä. 41, 94 selber nach, dass eine ältere
Rä. -Handschrift 09) statt des jungem on gehabt haben
mnss. Das stimmt zu Sievers' Ausführungen über Rä. 43
und schiebt die Abfassung wenigstens auch noch der
Rä. 4 nnd 41 (und 43), wo an vorkommt, in eiiie Zeit
zurück, in der die Xamensform noch Cyniwidf war. —
Störende Druckfehler: S. 6, 19 statt Bäthsdzeiclicn lies
Bätli seireihen'. — S. 18, vorletzte Zeile st. Ch. lies Cy.
— S. 62, 3 St. 645 lies 64, 5. — S. 68, 6 st. 5, "4
lies 4, 5.
Heidelberg. Karl D. Bülbring.
Krahl, Ernst, UntersucIiDn^en fiber vier Versionen
der inittelen^liscben Margaretenlegende. Berliner
Dissertation. Berlin, Mayer & Müller. 18S9. 87 S. 8.
Von acht ihm bekannt gewordenen Bearbeitungen
der lat. Legende behandelt Krahl nur vier ausführlicher
— während die übrigen in der Einleitung kurz be-
sprochen wei'den — in Bezug auf Quellen, Handschriften-
verhältniss und Dialekt. Man wird im Allgemeinen der
fleissigen und verständigen Arbeit die Anerkennung nicht
versagen, dass sie die aufgeworfenen Fragen wohl meistens
richtig beantwortet und unsere Kenntnisse auf diesem
interessanten Gebiete der religiösen Literatur wesentlich
gefördert hat. Leider geht er jedoch, wenigstens für
die germanischen Sprachen, über das von Vogt in PBr.
13
153
1891.' Literaturblatt fQr ^ruianische und romnnische Philologie. Nr. 5.
160
Beitr. I, 281 ff. gesammelte Material nicht hinaus', ob-
wohl seitdem meliieres erschienen ist, das für die Be-
uitheilung der einzelnen Versionen scliätzbares Jlaterial
bietet: ich verweise bloss auf Zs. f. d. Ph. 12, 468,
wo Zacher in einer Anmerkung die Literatur seit Vogt
zusammenstellt. Dazu kommen nocli .Strauchs Eecension
von Stejskal im A. f. d. A. Vll. 255 sowie aus dem
skandinavisdien Hebiete die beiden bereits 1851 ver-
öffentlicliten altschwedischen Prosaiibersetzungen des
Forn-sretiskt Lei/endarium 1. 540 ff. und 545 ff. (Sam-
lingar utgifua af svenska foniskrift-sällskapet, tjerde
deleu, Stockiiohu 1847) und die altnord. Version der
Hcilayia mannu sogur ed. Unger I, 474 ff. (Christiania
1877). Vielleicht konnte Krahl auch die 1889 von
Assmann im 3. Bande der l?ibl. der ags. Prosa S. 170
und 208 herausgegebenen ags. und lat. Fassungen der
Legende noch nicht benutzen (vgl. dazu Assmann S. 264 f.
und 268); erst 1890 dagegen erschien B. Wiese: „Eine
altlonibardisdie Jlargaretenlegende" mit zalilreichen An-
gaben über weitere Literatui'.
Ich halte die Zuziehung des gesammten l\Iaterials
deshalb für unerlässlich, weil nur eine Vergleichung der
verschiedenen Versionen in den Volkssprachen uns eine
Voi-stelluug von der Beschaffenheit der jeweiligen lat.
Quelle geben kann. Während Zarncke, Kölbing (vgl.
Engl. Stnd. IL 281 f.) und Willcuberg (vgl. ib. XII,
3 fi".) lat. Mischredactiuneu annehmen, aus denen sich
die Abweichungen und Eigenthümliclikeiten der einzelnen
Bearbeiter dieser Legenden erklären, glaubt K. (S. 53 f.
und 75 f.) die Behauptung aufstellen zu diu-fen, dass
wir es theils mit dichterischen Freiheiten bei der Ueber-
setzung, theils mit Zusammentragmigen aus verschiedenen
Vorlagen zu thun halten. Das Letztere scheint ja aller-
dings auch aus dem Sdilusse des von "Wegener publi-
cirten mnd. Gedichtes (Magdeburger Progr. 1878) her-
vorzugehen, wo es vS. 23, V. 871 ff. heisst:
Desse jmssie is dt velm tosamende genomen,
Sunte Margareten to lave, unde uns to vromen;
Unde darff ok nenutnde gröt wunder haen
Dat se nicht edle Ucke gesvhreven sttien:
Wcnte de worde werden vuken vorsath,
Dar allyke wol de rechte sin ynne steyt.
Dies erklärt W. S. 31 gewiss richtig dahin, dass der
Verf. viele andere Bearbeitimgen benutzt habe, deren
Richtigkeit er vertheidige. Wir können aber unmöglich
annehmen, dass jedem Dichter oder Uebersetzer mehrere
lat. Fassungen vorlagen oder dass er sieh bemühte,
wenn sie ihm vorlagen, aus ihnen mosaikartig sein Werk
zusammenzustellen. Man darf nicht einfach die englischen,
französischen u. s. w. Fassungen mit den zufällig in den
AS.S., bei Mombritius, Surius oder sonstwo gedruckten
Texten vergleichen und daraus Schlüsse auf die Ver-
anlagung und Thütigkeit des Dichters ziehn, ehe wir
nicht kritisclie lat. .Ausgaben besitzen! Vieles von dem
was K. als Eigenthum der englischen Bearbeiter ausgibt
oder wofür er nur einige wenige Parallelen aus andern
Literatuien anfuhren kann (seine Vergleichungen mit
andern Versionen sind sehr dankenswerth!), findet sich
aucli in den ilim nicht bekannten Versionen, woraus doch
deutlich hervorgeht, dass es bereits in der Quelle ge-
standen haben muss. Diese Möglichkeit räniiit K. auch
S. 75 unten f. ein, wenn er bei der Entscheidung der
Frage: ob Mischredaction in der Quelle, oder selbstän-
dige Compilation des Verfassers aus mehreren Versionen,
die Person des Dichtei's in die Wagschale wirft. Zum
Beweise meiner Behauptungen könnte ich eine gute
Anzahl übereinstimmender Züge ans nichtenglischen Be-
arbeitungen der Margaretenlegende anführen: jedoch
würde dies meine .\nzeige allzusehr anschwellen, und
ich darf mir eine solche Ausführung hier um so eher
schenken, als ich an anderer Stelle auf diese Fragen
näher einzugelien gedenke. Es sei nur noch auf die
Worte Useners, Legenden der Pelagia (Bonn 1879).
S. 29 verwiesen, W'O er zu den gi'iech. Hss. von ,..Iakobs
Reue der Pelagia" bemerkt: ..Die Feststellung des Textes
wird erscliweit diircli ein Schwanken der Ueberlieferuiig.
wie es in klassischer Literatur unerhört, auf diesem
Gebiet kirchlicher Tiadition nicht ungewöhnlich ist. Die
Existenz fast so vieler Redactionen als es Handschriften
gibt, von denen keine Anspruch auf unberülirte Treue
erheben kann, stellt dem Herausgeber eine manchmal
hoffnungslose, im Ganzen lohnende Aufgabe."
Die Correctur des Drackes könnte sorgfältiger sein.
Göttingen. F. Hulthausen.
Wackerzapp. Adolf, Geschichte der Ablaute der
starken Zeitwörter innerhalb des Nordenglischen.
Tlieil I. Die Ablaute in den einzelnen Deiikniälern. Münste-
raner Dissertation. 1S90. 77 S. 8.
Ich freue mich in dieser Schrift eine Fortsetzung
meiner eignen Abhandlung über den gleichen Gegenstand
in den südeiiglischen Dialekten begrüssen zu kömieu'.
Leider wird uns vorläufig niu- der ei-ste Theil der ganzen
Untersuchung geboten, der die Belegstellen aus den be-
nutzten Texten enthält, und auch noch U'cht für alle
starken ^'erbalklassen, da 'äussere Rücksichten' den Ver-
fasser nöthigten, den Druck vorzeitig abzubrechen. Der
Rest des Werkes, der namentlich eine erläuternde nnd
zusammenliängende Darstellung der ^'eränderungen des
Ablauts enthalten wird, soll 'an geeigneter Stelle später
erscheinen'. Ich hoffe, dass der Verf dieses Versprechen
bald einlösen wird.
Man kann an der Arbeit schon jetzt getrost den
gi'ossen Fleiss loben, mit dem das Material gesammelt
ist. Es sind 29, zum Theil sehr umfangreiche Texte
ausgezogen und die Belegstellen möglichst vollständig
aufgeführt; nicht bloss alle verschiedenen Formen sind
verzeichnet, sondern sogar auch so gut wie alle Stellen.
Ich gestehe bereitwillig zu, dass der Verf. mich im letzten
Punkte übertroft'en liat, wenngleich ich zwar auch weit
mehr Stellen gesammelt als abgedruckt habe. Seine
Sorgfalt ist gewiss sehr anerkennenswerth, aber seine
Geduld und Aufopferung geht doch manchmal weiter als
nöthig war. Was kann uns z. B. daran liegen, die
ewig und unwandelbar wiederkehrenden Präsensformen
rise, ride, synge, begynne u. s. f. aus allen 29 Denk-
mälern belegt zu sehen?
Dagegen hätte ich gewünscht, dass der Verf. gewisse
Präsensformeu nicht in den Infinitiv umgeschrieben, son-
dern z. B. den mit S flectirten Formen stets ilire Endung
belassen hätte. Noch weniger emi)fiehlt es sich, für das
Verbalsubstantiv einfach den Infinitiv anzusetzen; denn
es gibt ja Texte, welche wohl h(dßhyng, irithsiggyng
u. s. w. haben, aber nur die jungem liiHiütivformen
han und sayn. Dass W. übrigens irgendwo zu einem
' Im NaehtroK wird nur nocIi ouf Strauclis Publikationen
in der Zu. f. d. A. 32 und 33 hingewiesen.
' , Geschichte des Ablauts der starken Zeitwörter inner-
halb des Südenglischen". Quellen und Forschungen, Heft 63.
Strassburg 1889.
161
1891. Literaturblatt fflr tfermanigohe und rotnanisohe Philologie. Nr. 5.
162
wirklichen Fehler verleitet worden wäre, freiif icli mich,
iiiclit bemerkt zn haben.
Die uuifangreidien Listen sind seiir wohl geortüiet.
Has Vorsetzen des Ablautvokals ist jedoch nur bei der
ersten Klasse geübt. Vielleicht wäre es besser ganz
unterblieben; denn jetzt sieht es ans, als ob der vielfach
aniritiilirte Inf. gräpe nielit das ae. swv. grüpkin wäre,
sondern das ae. stv. (/rl/xin mit einem nur bei diesem
Verb vorkommenden Vokal ä statt des gewühnliclien ?.
Teberhaupt wäre es rathsara gewesen, alle von scliwaehen
Wrben lierstammenden Formen änsserlich zu kennzeichnen,
um den Schein zu vermeiden, dass z. B. die Präseus-
tormen ilro/iixnul (Wackerzapp druckt droppv), suiake,
ri/fc, slij), ffi/f, s/iitfes nnil i^pUfijng (Verbalsbst. ; W.
druckt in beiden Fällen *7(/70 auf S. 34, .H.5 u. 36, und
quell auf S. 68 von den ae. starken Verben drcupiin,
siiuocan, riofan, sli'ipan, ßeotan, sp'iwun und cicduii
herstammten.
Die nächste umfassende Dehandlung des Ablauts,
die auch das nocli fehlende mittelländische Gebiet ein-
schliessen wird, wird wahrscheinlich mit der 'Jlitteleng-
lischen tTrammatik' von Dr. Lorenz Jlorsbach koranien.
Er hat W. bei der Abfassung seiner Arbeit unterstützt,
wie auch ich vordem fiu- die schwierigen Punkte in
meiner Abhandlung seinen stets bereiten Eath reichlich
zur Seite hatte. Sein dankbarer Schüler, sehe ich jetzt
mit grossem Vertrauen und mit Spannung dem Erscheinen
der t^rammatik entgegen. Dann kann als Schlussstein
die tieschichte des Ablauts in der neuenglischen Schi-ift-
sprache folgen.
Heidelberg. Karl D. Dülbriug.
Fisch, Richard, Die Walker oder Leben und Treiben
in altrömischen Wäschereien. Mit einem Exeurs über
l.iutliclie Vorgänge auf ileni Gebiete dos 'Vulgärlatein.
Berlin, Gärtner. 1891. IV, .S9 S. 8. M. 1,20.
\'erfasser hat sich durch eine interessante Unter-
suchung über die lateinischen Nomina personalia auf o,
Ollis (zuletzt Berlin 1890) auch den romanischen Sprach-
forschern vortheilhaft bekannt gemacht. In der vor-
liegenden Schrift greift er aus der ihm zu Gebote
stehenden Fülle einen Begiiff heraus, den des fiillo, um
in anziehender Weise Kundschaft, Werkstatt, Arbeit,
Betrieb, Gewerk, Leumund und Xamen des Walkers zu
schildern. Auf die merkwürdigen Einzelheiten, die dabei
zur Sprache konnnen, sei hier nur kurz hingewiesen.
Der romanische Leser ist besonders auf den Exeurs ge-
spannt, der auf dem Titel versprochen wird, sieht sich
jedoch etwas enttäuscht, wenn er gewahrt, dass das als
Exeurs angekündigte siebente Kapitel, in welchem die
Etymologien von fiil/o, mastiirho, luascarpio erijrtert
werden, über den %'ulgärlateiuisehen Lautwandel nichts
Neues lehrt. Verf. geht davon aus, dass die vulgären
Nomina personalia nicht alle in gleicher Weise vulgär
sind: Sendern sie sind es — „wenn ich so sagen darf,
fügt er hinzu — in primärer, seeuudärer, tertiärer u. s. w.
Weise, riiheo wäre ein primäiei' Vnlgarisnuts, ropio
hingegen ein um drei Stufen (riihio rohio ropio) weiter-
getnhrter. Eine so mechanische Auffassung findet auf
das sprachliche Leben keine Anwendung, und mau con-
statirt mit Bedauern, dass Pauls Principien der Sprach-
geschichte keineswegs jedem Philologen in Fleisch und
Blut übergegangen sind.
Fisch hält fiflh t\\x eine Art Spott- oder Scliimpf-
nanieu; die unbefangene lateinische Bezeichnung des
Handwerks sei iiacca gewesen. Sollte die Stelle bei
Festus, auf die er sich beruft (naccne appellanhir vulgo
fullones) nicht gerade umgekehrt zu verstehen sein, so
nämlich, dass narcd ein vulgärer Ausdruck für Walker
war? Damit würde sich der Zusammenhang mit dem
griechischen rajcOi^, den Georges annimmt, wohl ver-
tragen. Die Erklärung des Wortes fidlo aus fulmino
wird dadurch nicht angetastet. Das Wort wird ur-
sprünglich den (Tlanzgeber bedeutet haben. Der
Uebergang von fiiliiiiuo in fullo hätte durch oriiare
aus ordinure gestützt werden kiJnnen.
Schliesslich sei noch ein Irrthum des Verf.'s be-
richtigt, der schon in seiner Eingangs erwähnten Schrift
auftaucht und hier wiederholt wird. Er leitet nämlich
das bei Isidor vorkommende iiiachio ans machinio, hin-
gegen das von ihm ans einem Glossar belegte miicio,
das mit maceriarum instructor erklärt wird, von nimerio
ab. Natürlich sind die beiden Wörter nur eins, nämlich
das franz. maron, das Mackel vielleicht mit Recht aus
dem Deutschen {^tmxmdz) herleitet. Die Herleitung
aus nutrerio wird dadurch nicht wahrscheinlicher, dass
sie bereits von dem Verfasser jenes Glossars im 12. .Tahr-
liundert angesetzt wird (was übrigens Fisch nicht er-
wähnt hat).
Halle. Hermann Suchier.
K r e y s s i g , Fr., Geschichte der französischen National-
literatnr. (3. Auflage, I. Band: Geschichte der französ.
Nationalliteratur von den ältesten Zeiten bis zum sechzehnten
Jahrhundert. Bearbeitet von A d o 1 f K r e s s r> e r. II. Band :
Geschichte der französ. Nationalliteratur vom siebzehnten
Jalirhundert bis auf die neueste Zeit. Bearbeitet von .Jo-
seph Sarrazin. Berlin, Nioolaische Verlagsbuchhandlung.
1889. VI, 224 u. VI, 4(12 S. 8.
Jnnker, Heinrich P., Grnndrisa der Geschichte der
französischen Literatur von ihren Anfängen bis znr
Gegenwart. (Sammlung von Kompendien für das Studium
und die Praxis. I. Serie 2.) Münster, H. Schöningh. 1889.
VIII, 436 S. 8.
Das erste der beiden hier zn besprechenden Werke
hat bereits verschiedene treffliche Besprechungen er-
fahren, von denen mir die kurze Besprechung in der
Rom. XVIII, 350 über I, 1, dann in Behrens' Zeitschrift
von Freymond und Mahrenholtz 89—93, im Archiv
LXXXV, 342 von Bahlsen, vor Allem die mustergUtige
Anzeige von Stimming in Zs. f. d. Philol. XXIII,
122 — 126 vorliegen, denen ich mich ohne Weiteres an-
schliesse. Weniger beachtet scheint Junkers Buch zu
sein, von dem mir nur Koschwitz' Anzeige in D. Litz.
1889, N. 49 bekannt ist.
Kressners Bearbeitung des alten Kreyssig musste
selbstverständlich Alles einreissen und neu aufbauen.
Dass letzteres im Grossen und Ganzen dem Verf. ge-
liuigen, wird nicht allseitig zugegeben werden; schon
die ganze Anlage, die Hineinschachtelung der proven-
zalischen Literatur, die luibedingt aus Ende, als beson-
derer Anhang gehörte, oder noch besser als Vorkapitel
an den Anfang — die verschiedenartigen Beziehungen
der beiden Literaturen mussten mit Hinweisen abgethan
werden — , die ungleiche Berücksichtigimg und wieder-
holtes Uebergehen von einzelnen besonders wichtigen
Texten, und manch Anderes sind oft genug hervorgehoben
worden. Aber ich glaube, dass den Verf. ein Punkt
entschuldigt, und das ist das Vermächtniss von Kreyssig,
von dem sich der Bearbeiter des 2. Bandes viel geschickter
befreit hat, dass das Buch nämlich ausserdem dass es
ein Fachbuch sein soll, auch noch zugleich als eine Art
Chrestomathie fungirendes Buch für das grosse Publikum
dienen soll. Diesen zweiten Theil seiner Aufgabe hat
163
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5.
164
der Verf. dorli ziemlich gut erreicht: beide zusammen '
zu errciclifi). hätte ein Drittel mehr Raum und eine ganz
andere Vorbereitunisr verlangt, nanüjch eigenes Quellen-
studium, wahrend jetzt sowohl Text als Anmerkungen
zeigen, dass der Verf., abgesehen von der Behandlung i
von Hauptwerken, nur ans zweiter Hand ai-beitet. Daher
denn so manche Notiz, wu der Verf. beim Benutzen
seiner Vorgänger etwa meiir hineinlegt als gemeint war,
und man so Sachen, freilicii meist kleinere Einzelheiten,
findet, die den Fachmann in Staunen versetzen.
Dem Sarrazinschen Band kann ich niu- meine volle
Anerkennung aussprechen.
Was .lunkei-s Buch anlangt, so füllt es seiner An-
lage nach eine der empfindlichsten Lücken tar die
practischen Zwecke unserer Studenten aus und kann den-
selben, für die ältere Zeit wenigstens, auch so lange |
empfohlen werden, bis endlich die Gröbersche Literatur-
geschichte erschienen sein wird. Zwar was den Text
anlangt, so kann der Student keinen besseren Leitfaden
finden, als das Gastun-Parissche Jlanuel; allein dessen
Anmerkungen sind für .Temand, der nicht eine vollstän-
dige Fachbibliüthek in seinem Zimmer um sich herum
stehen hat, vollständig unbrauchbar.
Dass aber Junker in seiner Anlage und in seinem
Text über Kressner steht, hängt ausser von dem ver-
schiedenen Standpunkt, den .Junker von vorhinein hatte,
da er nui- ein Kompendium, ohne die doppelten Fesseln
Kressners, zu schreiben iiatte, in erster Linie davon ab,
dass gerade im richtigen Augenblick Paris' Manuel er-
schien, so dass er diesem nur zu folgen, die Literatur-
angaben aber nur demselben Slanuel auf Grund der eigen-
artigen Mechanik der Anlage dieser Anmerkungen (s.
darüber meine Bemerkungen im Ltbl. 1890, Sp. 264 f)
auf einer grossen Bibliothek zu sammeln und kritisch
zu sichten hatte. Dabei musste er sieh entscheiden, ob
er nur die literarhistorischen Arbeiten anführen und die
rein pliilologischen ausschliessen sollte, oder ob er Beides
seinen Lesern bieten sollte. Dieser für unsere Studenten,
die doch alle das Parissehe Manuel haben müssen, wich-
tigste Theil ist recht mittelraässig erledigt und zeigt an
vielen Stellen, dass der Verf. oft nur die Titel, nicht
aber den Inhalt der einzelnen Publikationen kennt. Einige
Beispiele hiefür mit wenigen anderen Bemerkungen sollen
hier noch zum Sclüuss stehen.
§ 8. ,,Das Reichenaner Glossar . . . enthält 224
Wörter, von denen die ersten 113 eine Präparation zur
Vulgata bilden". Meine Ausgabe derselben, die der
Verf in der .\nmerkung citirt, gibt 11 HS Glossen, davon
819 als „Präparation zur Vulgata "* und S. IV und S. 1
bemerke ich noch, dass meine Sammlung nur einen Theil
der ganzen Handschrift gibt (etwa vier Fünftel). Bei
§ 10 und § 11 fehlt, was besonders fiii- § 11 schwer
ist, unter den Quellen das „Altfr. Uebungsbuch"'. S. 28.
„Die Zeit der Abfassung des Gedichts aber ist uns be-
kannt" — hätte gesagt werden müssen, welche Eedaction
er meint. S. 29 ist der Inhalt von X* schlecht ange-
geben; denn in V* ist eine grosse, den jüngeren Reim-
rcdactionen und dem Roland überhaupt ganz fremde
Interpolation eines fremden StoflFes. S. 30 fehlt die
wichtige Dissertation Fassbenders über den Stannnbaum
der Rolandhandschiiften (1887). S. 54 (Alberich der
Burgiinde). ,. Ausgabe von P. Tarbe". Also 155 kleine
Octavseiten sollen ein Gedicht von ca. 27 000 Zehn-
silbnern enthalten! S. 58. „Ausgaben (vom afr. Amlkus
und Amelius) von K. Hofmann ... — E. Kölbiug 1884)".
Dem ist nicht so: Ktdhings Text ist eine Fassung in
gereimten Achtsilbnern, die dunh die .Sprache der ältesten
Handschrift sehr wichtig sind (sie ist S. 56, 2 unten, wo
sie stehen sollte, nicht erwähnt), die von dem Zehn-
silbnertexte ganz verschieden ist. S. 59. (Gormont) ist
sehr schwach behandelt, seine Wichtigkeit imd Wesen
nicht erkannt. S. 67. Dass die Pariser Hs. der Bern-
hardpredigten „aus der zweiten Hälfte des 13. .Ih.'s"
überliefert sei, ist falsch — allerhöchstens Anfang desselben
.Jahrhunderts. § 53 (Brandan) ist sehr mangelhaft be-
handelt. § 58 (Wace) enthält viel Problematisches im
Text. Die Erklärung von clerc lisant ist sehr merk-
wüi-dig: s. j. Beaudous 1508. Die Anm. 1 und 2 S. 72
sind nicht nur sehr schwach, sondern enthalten ganz
falsche Angaben. Der Name Roman de Ron (warum
stets die neu französischen Titel in einem deutschen
Buchy!) ist falsch. § 59, 1 fehlt die Angabe der uns
wohlbekannten Quellen Beneits. § 60. 61 (Allgemeines
über das höfische Knnstepos) ist recht schwach und ent-
hält auch sicher Falsches. § 62. Die Literatur zum
Tristan ist ganz mangelhaft. § 63. Ich kann mir
Kristian von Troyes als „fahrenden Sänger" nicht vor-
stellen. „Der Dialekt desselben ist der centralfran-
zösische." Ich habe nachgewiesen (und Niemand hat
widersprochen), dass es die Mundart der westlichen
Champagne ist. — Die „sechs" lyrischen Gedichte des-
selben existiren nicht. § 65 (Perceval) ist recht schwach:
nicht einmal Kyot ist erwähnt. Wenn man alle Para-
graphen .Junkers über den Graal zusammennimmt, so
hat man nicht nur ein falsches, sondern ganz lücken-
haftes Bild des wichtigen Sagenstoffes. § 66 (.Alexander)
kein Wort über die Arsenal- und Venedig-Fassung I
§ 73 (Partenopier) enthält einige irrige Angaben in
der Inhaltsangabe, nennt den Herausgeber des altfr.
Textes Crapelet (nämlich den Verleger) statt Robert,
ferner, wie alle antiquarischen Büchercataloge, Massmann
als Herausgeber des „altfr. Gedichts" und hat die Saga
vergessen. S. 96. „Unter Lais versteht man kurze
versificirte Erzählungen der Sagenwelt (bes. der Artns-
sage)" — ich kenne kein einziges davon. — Der schwächste
Paragraph ist wohl der § 83 über den altfr. Reinecke,
sowohl was Text als was Bibliographie anlangt. Ich
muss aufliören, bemerke auch, dass mein Urtheil über
die neuere und neue Zeit ein ganz anderes ist, da hier
der Verf. durchschnittlich Gutes liefert und zeigt, dass
er hier wenigstens zu Hause ist. was man für die ältere
Zeit nicht bestimmt behauiiten kann. B^roilich gab es
da eine grosse Reihe vortrefflicher Vorarbeiten, wie denn
mir wenigstens die Bornhaksche Literaturgeschichte
(Berlin 1886) sehr wohl gefallt.
Vielleicht findet sich Jemand, der meinen Sp. 264 ff.
des vorigen Jahrgangs dieses Blattes ausführlich dar-
gelegten Plan einer gänzlichen Umarbeitung der biblio-
graphischen Angaben des Parissehen Jlanuel, da eine
solche von ihm selbst kaum zu erwarten ist, in der
Weise übernimmt, dass er sie einer deutschen Ueber-
setzung des G. Parisscheu Textes beifügt.
Bonn. W. Foerster.
La clef d'AmorS. Texte critii]uo, avec introiluction, appcn-
(lice et glossaire par Auguste Doutrepont. (Biblio-
theca Normannica hrsg. von Herrn. Suchicr V. Band.)
Halle, Max Niemejer. 1890. XLVIII, 199 S., 1 S. Nach-
träge. 8.
Diese saubere, in allen ihren Theilen sorgfältig
ausgeführte Neuausgabe eines sprachlich und kultiu--
165
1891. Literaturblatt für germanische und romnnisctie Philologie. Nr. f).
166
liistiirisch interessanten Denkmals, das Inslicr nur in dem
li|ilnni;Uisclieii .Abdruck einer oft verderbten Handsehrift
(durcli E. Tross I'. 1866) vorgelegen, wird den Faeli-
Icutrn Wdlil \villk(ininien sein, vvelelic dadurch einen
tüelitigen Schüler Paris' und Suchiers zum ersten Male
kennen leinen. Inhaltlich war das Gedicht ausserdem
bekannt durch die kurze Inhaltsangabe von G. Paris in
Hist. Litt. XXIX, iS. 461 f. In der voidiegenden Aus-
gabe tidgt auf das erste Hauptstiick. die Vergleichung
mit der lat. Quelle, der Ars aniatoria Ovids S. XI —
XXX die Angabe der Handschriften (Paris, Laurentianus
und Truss und eine vierte durch alte Drucke wieder
herzustellende Hs.) sowie deren Abhängigkeit, hierauf
die Untersuchung der Sprache des Dichters (norm. Mund-
art mit einer Reihe stark ausgeprägter Züge, die eine
niiliere Bestinnnung zulassen — S. XLIII, .A.nni. 3 lautet
..Rom. P\irscliung., Rum. X", was wohl kaum .leniand
sofort naclischlagen kann), worauf die Einleitung mit
den drei Buchstabenräthselu schliesst, die der Verfasser
für seinen und seiner Geliebten Naraeu und Zunamen
und die .Tahreszahl ' der Abfassung den Lesern auferlegt.
Eine Lösung ist nicht gelungen; die von G. Paris für
die .Tahreszahl vorgeschlagene (1280) setzt den Text,
der schon dem XIV. .Jahrhundert angehören muss, zu
früh an. Beim Lesen des Textes habe ich keinen An-
stoss gefunden, ebenso wenig in dem ausführlichen AVörter-
bucli etwas auszusetzen gefunden.
Bonn. W. Foerster.
Araujo, Fernando, Gramätica razonada historico-
critica de la lensiia francesa. Obra ileolarada de te.xto
cn varics Estableciniientos de ensenanza. Segunda edioiön
coniplftamente refumiida. Tomo I — 11. Toleilo, Madrid.
1891. XII, 238 u. :^20 S. S.
Es ist mir ein ^'el■gnügen, die Aufmerksamkeit der
Fachgenosseu auf diese neue Ausgabe der französisch eu
(Grammatik von Araujo zu lenken. Romanische Philo-
logie wird bekanntlich sehr wenig im schönen Lande
der Toreros getrieben ; um so erfreulicher ist es zu
sehen, wie eifrig und gründlich der liebenswürdige Tole-
dauer Professor sieh bemüht, seine Landsleute mit den
Methoden und Resultaten der neueren Forschungen be-
kannt zu machen. In seiner französischen Grammatik
wird sowohl das Latein als das Altfranzös. und die
übrigen romanischen .Sprachen berücksichtigt, und das
Buch niuss selbstverständlich den spanischen Lehrei'n
sehr willkommen sein. Was man übrigens bei Araujo
besonders loben muss, ist seine Vollständigkeit; ich habe
öfters seine Angaben vollständiger als die von Kosch-
witz (Granmi. der franz. Schriftsprache) gefunden; weniger
befriedigend sind hie und da die historischen Erörterungen:
p in loU2^ und t. in aiiiie-t-il werden z. B. als etymo-
logische, vom Lateinischen ererbte Laute betrachtet (I,
78, 100); «/«/e ist direct von amein abgeleitet (I, 224);
in pcifles-eii ist s „im resto del antiguo frances" (I, 100,
224); favorife von farori „recobra la t perdida" (I,
135) etc. etc. ; es wäre aber kleinlich, solche Ungenauig-
keiten zu tadeln, anstatt sich über den erstaunlich reich-
haltigen und sehr sorgfältig geordneten Stoff zu erfreuen.
Dem Verfasser gebührt der Dank aller Romanisten
nicht allein für seine franz. Grammatik, die ohne Zweifel
das Interesse für die romanische Philologie in Spanien
verbreiten wird, sondern auch für seine Becherdies siir
la phonetique espaj/iiole (in „Phonetische Studien"), die
so viele inteiessanti' und lehrreiche Bemerkungen enthalten.
Kopenhagen. Kr. Nyrop.
Crescini, Vincenzo, Per la qaestione delle corti
d'amore. Padova 1891. 33 S. (Atti o Memorie, VI, disp. IV")
In einem kuizen, zusammengedrängten, aber selir
reichhaltigen Artikel hat Crescini die Frage von den
Minuehöfen zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht.
Cr. bestimmt erst den jetzigen Stand des Streites: La
coiifesa e futfa ititorno alcHiä litoglii del tratfato di
Andren cappelluiio. Sind diese Stellen ein Beweis,
dass in Frankreich zur Zeit des Kulminirens der rittei-
lichen Galanterie die Sitte bestand, Streitigkeiten zwischen
Liebenden nöthigenfalls dem Urtheil eines Dritten zu
unterwerfen, oder ist Alles, was Andreas von den
Jiidiciis amoris aufgezeichnet hat, nui' erdichtete Probleme
zur Uebung des Scharfsinnes der Damen? (S. 6). Wenn
man sich auch der ersten Ansicht anschliesst, ist man
doch deshalb nicht alsbald ein .Anhänger der Theorien
Raynouards von den permanenten weiblichen (ierichten.
Cr. ist der ersten Ansicht. Er zeigt erstens, wie im
Buche des Andreas die Entscheidung von Liebesfragen
liameu anheim gestellt wird, am öftesten einer einzelnen
als Schiedsrichteriu, zuweilen, und wie es scheint ohne
sonstigen Unterschied, auch mehreren. Ausser den Ur-
theilen müssen aber besonders die Stellen in Betracht
kommen, wo Andreas Vorschriften gibt für das Auftreten
vor die richtende Dame, wie die Namen der streitenden
Parteien heimlich gehalten weiden müssen, wie sie, statt
selbst sich einzntinden, einen .Andern an ihrer Stelle
schicken sollen. W^enn auch die einzelnen Fälle, die
Andreas in den jnd. am. bespriidit, nicht unbedingt für
Schilderungen aus der Wirklichkeit gelten können, zeigt
doch deutlich der ganze Ton, dass er nicht Alles aus
sich selbst genommen hat. Diese Damen liabeu denn
wirklich geurtheilt (S. 22 — 23). Was war aber der
Gegenstand dieser Urtheile? Sopra coHtnisti imuf/i-
nart e teorici .... ovcero su contrasti reali? Anche
SU contrasti reali (S. 23). Diese Ueberzeugung gewinnt
der Verf. diu-cli die Betrachtung der Stellen, welche die
Vorschriften enthalten für das Auftreten vor richtende
Damen. Wenn es hier sich nur um Gesellschaftsspiele
handelte, warum dann diese Vorschriften? (S. 24; man
vergleiche hiermit auch S. 168 meines Buches: Middel-
alderens Elskovshoft'er, und einen Artikel von mir in der
Revue des Langues Rom., jan. — mars 1890 S'. 183). Dass
der Capellan seinen Damen etwas angedichtet habe, ist
um so weniger .glaublich, da er, iiacii den sehr umfang-
reichen und scharfsinnigen Untersuchungen Pio Eajnas
(Studi di Fil. Rom. V, 225 ff.), wirklich ihr Zeitgenosse
gewesen zu sein scheint'.
Um zu wissen, was wir berechtigt sind in diesen
Urtheilen zu sehen, sucht der Verf. Parallelen in der
Literatur jener Zeiten: Mo al di fuuri dalle testi-
' S. XLVII 1. ^(inlcs (l'idie clef.
' Auch ein anderer Umstand ist von denen nicht hin-
länglich berücksichtigt worden, die den Andreas gänzlich als
Zeuge verwerfen. Der erste Theil seines Buches ist in zwei
Büchlein getheilt, von denen das erste die erdichteten Ge-
spräche von der Erwerbung der Liebe enthält, welclie Andreas
selbst als Dichtung bezeichnet ; das andere dagegen, welches
Regeln für die Erhrdtung der gewonnenen Liebe gibt, enthält
gar keine Gespräche, sondern nur die einfache Entwickelung
der Theorien oder Erfahrungen des Capellans, und hier sind die
Jml. amoris eingeschaltet, um den Aussprüchen des Verfassers
grössere Wucht zu verleihen. Das abenteuerliche Gepräge des
ersten Buches erstreckt sich demnach nicht auf das zweite.
167
1891. LiterahirblHtt fOr ^ermanigohe und romanisohe Philologie. Nr. 5
168
Hioiiiaiue di Amhea, <•/ soccorrono nitri eseinpi tli
cnldli (irhitrati xh rcri cdidrustl fni ammifi? II
Trojel s'i' rerciilo d'dtturno /ler Iroeur di che appnn-
tt'Hare le rouclnaioui trotte dtil liliro dcl cajipelhitto;
III' piiö fjinrniii rlie oi/iii siio s/unu sin toriinto niiitilc,
roiiw fliiiiii il Paris (S. 24).
("ri'scini zeigt jetzt, was ;iuc-li idi in meinem oben-
fffiiannten lUiclie eiwiilnit habe, dass Alles, was den
ritiioilen bei dem ("apellan ein i-itrenes Gepräge ver-
leilit. sieli in den voll mir ang:etuhiten Beweisstellen
wiedciHndet : das Gelieimniss. der Vertraute als .Stell-
vertreter der Liebenden, die fregenseitige l'ebereinkunft
einen Scliiedsrieliter oder -ricbferin zu erwählen. In
dieselbe Rielitnns'* gelien aneh einige Erzählungen ans
den Hiiigrapliien der Ti-oubadnurs (S. 23: mein Artikel
in dtr Revue des L. Itom.'). l>iese Uebereinstimnnuig ist
es eben, die zu der l'cberzeugung leitet, dass es in allen
diesen Fallen sieh nm eine Sitte handelt, die wirklieli
best^uiden hat. Es ist melirmals gesagt worden, dass
diese Stellen nichts beweisen, w'eil sie Gedichte sind.
Sie beweisen nicht, dass die vom Dichter geschilderten
Hegebeiiheiten wirklich stattgefunden haben, allein die
(iebräuclie und Sitten, welche dnrch sie beschrieben
werden, können mit ziemlicher Sicherheit als Gebräuche
und Sitten des Zeitalters des Hichters gelten, wenn die
Gedichte einer naiven Zeit zugehören, zumal wenn die-
selben Gebräuche in verschiedenen Gedichten und Schil-
derungen wiederkehren (Diez, Beiträge zur Kenntniss
der rnm. l'oesie, S. 38: G. l'aris, La litt. fr. an moyen
äge, S. 52).
Was die Ausführung der Urtheile betrifi't, meint
Cr. wie ich. dass sie nur dnrch die Loyalität der Parteien
ermöglicht ward: liastiiod hi icalfa (S. 32). Und wenn
der Verurtheille nicht gehorchen wollte, gab es auch
kein Mittel, das rrtheil zu V(illstrecken ; den Ideen der
galanten Welt aber war Gi'iingthnung geschehen durch
ilas rrtheil: Qiicstti Ui sciitcnza, voiifoime Ic idee i
siiitiiiieiili i custuiiii dcl tciii/io; lilivro poi, ueU'ofdin
miitvriale, il caruliire di ohbedire, o di teuer feriito
II fare il piocer siio (S. 33).
Es sind im Ganzen dieselben Resultate, die auch
ich festzustellen gesucht habe, .\llein während es mir
daran gelegen war zu zeigen, dass mehrere Damen zu-
sammen W(dil öfters Sülclie Fälle benrlheilt liaben (S. 1 7ö),
eine solche Versammlung aber nur als eine Erweiterung
der Schiedsgerichte zu betrachten sei (S. 197), hat Cr.
den entgegengesetzten Weg eingeschlagen, was der
Deutlichkeit und Logik seiner Darstellung nur frommen
konnte. Kr gelit von dem durcii einen urliifcr gefällten
l'rtheil ans und zeigt, dass, wo bei dem Andreas mehrere
Damen ricliten, doch eine die eigentliche Richterin ist,
dass <ienigeniäss die jiid. (niioris als Aussprüche einer
Schiedsriciiterin zu betrachten sind.
Doch keine Resprechung gibt Je mehr als einen
Schattenriss des besprochenen Werkes. Man folge des
Verfassers Deduction in ilirer eigentliümliihen Schärfe
nnd Klarheit und fühle sich überzeugt.
Kopenhagen. E. Trojel.
Appel, Cai'l, Zur Kntwickeinng italienischer Dich-
tungen Petrarcas. AbcliiR-k ilcs coil. Vio. lat. lilüt! und
Mittlii'iliinficM aus eleu lliiinlsehrit'ten Casnimt. .\ 111 31 und
I^iiurenz. pliit. Xlil n. 14. Halle, Miix Nit-mcver. 1891.
VIII. Iflö S. ur. S. M. B.
Der Haiul ist fiir die I'etrarcastudien von hervor-
ragender Wichtigkeit. Er enthält zunäclist eine mit
peinlichster Genauigkeit geführte, mit vielen Erläutr-
rungen versehene Wiedergabe der vatikanischen Frag-
mente, zu denen ji'<lesmal die entsprechenden Stücke aus
der Reinschrift (cod. vat. 3 DI.")) abgedruckt sind. Dann
folgt der Abdruck eines Stückes des cod. casanat. lat.
.\ III 31, welcher eine sorglaltige aus dem 16. .lahr-
hundert stammende Collation mit den vatikanischen .^nto-
graphen enthält, die zu einer Zeit ausgeführt ist, wn
noch mehr Blätter bei einander waren als Tbaldini
kannte oder heute erhalten sind. Der abgedruckte Theil
umfasst die Lesarten Petrarcas, welche handschriftlicb
nur hier erhalten sind (Sonett Aspro cor e selco'pji»,
Triumphkapitel Stniiclio ijiä, Nel tiiiipo — 111, Da
poi che morle so weit es vorhanden und Em si pieiio
von V. 4li an, w'elches Ubaldini noch kannte, ji'tzt aber
verloren ist). Endlich fidgen gleichfalls von Appel in
einem cod. laur. (Plut. XLI n. 14) entdeckte Varianten
zu den 'rriuinphkapiteln, die er mit guten (Gründen als
aus Autograplien Petrarcas geflossen betrachtet. Sie
finden sich zu den Kapiteln Nel tempo, Eni si pieiiu,
Püscid che niid fortiina und Qududo ad uv f/ioi/o.
Appel gibt das Kapitel Era si pieiio mit Varianten
vollständig, von den anderen drei Kapiteln nur die
\'ariauten. — .Ausser diesm Mittlieilnugen aus Hand-
schriften entliält der Band aber nocli manches .\ndere.
Beccadellis Mittheiluiig über die vatikanischen Fragment«-
ist S. 2—7 neu abgedruckt, S. 8 — 17 werden Daniellos
Bemerkungen zu Nel dalce tcinpo, zu Qiiel i^dijo iin-
pallldir und zu den Trium]dien aus der .\usgabe 1.54!)
wiedergegeben. Es wird die Fnabhängigkeit der casanat.
Collation von Beccadelli und Daniello dargethan. Es
folgen Bemerkungen über die Sdiicksale der vatika-
nischen Fragmente, ihr Jetziges Aussehen, die äussere
Anordnung der Blätter, die Art der Niederschriften, das
Verhältniss der Fragmente zu der Reinschrift, besonders
in Bi'zug auf chronologische l'cihenfolge (hier selir in-
teressante Bemerkungen zu den Sonetten L'aiird screiKi,
L'auru geutil, L'diira Celeste, Non fiir iiidi Oioce,
r vidi in terra, Aspro cor e selvai/i/io) uiul ihre
historische Reihenfolge. S. 174 ff. sucht Appel festzu-
stellen, \velche (Gründe Petrarca zu seinen Aenderungen
veranlasst haben, und tühit die Ergebnisse seiner Unter-
suchung an einigen Strophen der Canzone Stinidonii nn
gionio sehr lehireich durch. S. IS.")-- 187 linden sich
wichtige Aeussernngen zur Entwickhingsgeschichte der
Triumphe. Am Schiuss sind die in den drei Hand-
schriften überlieferten Daten chronologisch zusannnen-
gestellt und die abgedruckten Stücke alpliabetisch ver-
zeichnet.
.\p]]el hat durch diese vorzügliche Leistung die
Petrarcastudien ein gut Theil gefördert und alle Fi-eunde
derselben sehen mit Spannung der von ihm verheissenen
Arbeit über die liandsdiriftliche Ueberlieferung der
Triumphe entgegen, w(d)ei er über 200 Mainiscripte zu
Rathe gezogen hat. Der Druck ist sehr correct (S. IV
tilge Z. II u. das erste statt, S. 17.5 Z. 11 u. L
Wieilerholnwg, S. 17() Z. 17 o. 1. aufmerk.vam, S. 195
Z. 4 u. 1. Celeste). Für seine scliwierige nnd kost-
spielige Dnrchfülirnng gebührt auch dem X'crleger unser
bester Dank.
Halle. Berthold Wiese.
169
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. ü.
170
ß 11 a n c i n i , Pietro, Giambattista Giraldi e la tragedia
italiana nel secolo XVI. Ai|uil;i isiio. ISO S. 8. •
I)er Wrfassci' bekeiinl sicli in (liT ^Villmllllf? seines
Buches als Stliüler Alessandro D'Anconas und als solcher
widmet er diesem auch seine Schrift. Um so auffälliger
Miuss es erscheinen, dass er die AVerke seines verelirten
Lehrers nicht kennt, diiiii hätte er sie gelesen, su würde
er in der Literatur Italiens etwas bewanderter sein und
manclie üng-eheuerlichkeit wäre ans seinem Buche weg-
greblieben. Gleich Kapitel I: La tragedia prima del
Giraldi ei'öffnet das Buch in viel versprechender Weise.
Sil tinden wir S. 9, als die ,,wie Jedermann weiss"
ersten TrasT'idiin des Mittelalters, aufgeführt die „Achil-
leis und Ecerinis Albertino Mussat os". die beide
den ersten 30 Jahren des 14. Jahrhunderts angehört
haben sollen, während seit etwa 60 Jahren Jeder, der
über italienische Literaturgeschichte mitreden will, wissen
müsste, dass der Achilles (so heisst die Tragödie) von
Antonio Loschi vertasst ist (damit hätten den Verf.
u. a. auch seines Lehrers Origini del teatro initalia,
Firenze 1877, Bd. I, S. 18 Anm. 2, bekannt machen
können) und dem Eude des 14. Jahrhunderts angehört,
dass er etwa 80 Jahre jünger ist als die Ecerinis,
dass er auch jünger ist als Manzinis Vorarbeiten
zu einer später nicht weitergeführten Tragödie über
den Sturz des Antonio della Scala, so dass es denn in
^^'ahrheit geradezu unglaublich ist, wenn man ihn heut-
zutage von .Teniandem. der sich anmasst über die Tra-
gödie vor Giraldi zu schreiben, kühn an die Spitze aller
Tragödien gestellt sieht! Gestützt auf den nachgerade
etwas veralteten Napoli-Signorelli werden dann die
..fälschlich Petrarca zugeschriebenen Tragödien" Medea
und De Casu Caesenae erwähnt, über die der Verfasser
zwar selber gar nichts weiss, aber doch die Meinung
hegt, dass sie opere del tiilto infonni gewesen sein
müssen, während in "Wirklichkeit die Medea ein Prosa-
roman ist, der sich nirgends Tragödie nennt (s. Emiliani-
Giudici, Storia del teatro in Italia, Ausgabe Florenz
1869 S. 200 Anm.), und die Dialoge De Casu Cae-
senae längst abgedruckt sind, wie auch D'Ancona
a. a. 0. II, 154 Anm. 2 angibt. B. hätte auch bei D'An-
cona a. a. ü. gesehen, was Gori in der. Einleitung zu
seiner Ausgabe im Aichivio storico italiano, Nuova
Serie t. VIII, par. 2', Firenze 1858, S. 4 ff. aus-
führlich auseinander gesetzt hat, dass diese „Tragödie"
nicht die Zerstörung Cesenas durch den Cardinal Al-
bornoz. sondrrn erst 20 Jahre später erfolgte Ereignisse
behandelt. Hätte er sich ferner die geringe llühe ge-
geben, auch nur die Eegister des Giornale storico della
letteratura italiana durchzusehen, so hätte ihm nicht
entgehen können, dass Novati in einer allerdings wenig
verbreiteten Zeitschrift über den Autor der betreffenden
Dialoge De Casu Caesenae, für welche er zwei weitere
Handschiiften beibringt, gehandelt hat (s. jetzt des
Referenten Beiträge zur Literaturgeschichte des Mittel-
alters und der Renaissance I, 54 ff.). Es ist ferner
unrichtig, wenn S. 10 die Tragödie De Captivitate
Dueis Jacobi uls sohnnente ricordata angegeben wird,
da sie vielmehr vollständig erhalten und ebenfalls, freilich
schlecht genug, veröffentlicht ist (s. D'Ancona a. a. 0.
' Vgl. auch ilie Recension im Giornale storico della
letteraturn italiana XV, 440 ff. — P. Bilancini hat in seinen
Primi s t u d 1 di critica le 1 1 e r a r i a , Aquila ISSil, einen
Aufsatz über Giraldi.s Kcatommiti und einen über rlessen
Streit mit Pigna veröffentlicht. Das Buch ist mir unbekannt
geblieben.
TI, 155 und Giornale ligustiio <ii archeologia, storia e
belle arti II, 137 ff.; XI, 50 ff., 111 ff.). Ferner heisst
der Dichter nicht „Lodovico di Vezzano", sondern
Laudivio De Xobili aus N'ezzano, wie ebenfalls u. a.
bei D'Ancona zu lesen war. Warum Corraros Progne,
die dem Jahre 1428 oder 1429 angehört und somit be-
deutend älter ist als De Captivitate Ducis Jacobi
(1465) und die beiden Dramen des Carlo (und Mar-
cellino) Verardi, welch letztere aus den Jahren 1492
und 1493 sind, erst hinter diesen Hgnrirt. ist ebenso
unbegreiflich wie vieles Andere.
Bei Jemandem, der ein Kapitel über die Anfönge
des italienischen Theaters schreibt, ohne die bekanntesten
darüber erschienenen Werke, worunter solche seines an-
geblichen Lehrers, gelesen und sich auch nur eine dei-
in den letzten .Jahren so zahlreichen Abhandlungen über
Mnssato angesehen zu haben, wird man sich vielleicht
weniger wundern, dass ihm Gasparj's italienische Litera-
turgeschichte völlig unbekannt ist — obwohl der I. Band
ihm in italienischer Uebersetzung hätte vorliegen können
und auch der IL Band ihm ebenso gut im Original ver-
ständlich sein konnte, wie Kleins von ihm so häufig
citirte Geschichte des Dramas — , jedenfalls wird man
aber von ihm keine auch nur den geringsten Anfor-
derungen entsprechende Arbeit erwarten können. Auch
Ginguene vermisst man unter den überaus spärlichen
Literaturangaben, und wenn wir zweimal (auf S. 104
und 108 Anm.) Jos. Cooper Walkers Abhandlung über
die italienische Tragödie citirt finden, so lässt schon das
Fehlen der sonst überall gesetzten Seitenzahl vermuthen,
dass die betreffenden Citate einfach dem Vorworte Anti-
macos zu seiner Ausgabe von Giraklis ästhetischen
Schriften (Biblioteca rara vol. 52, S. XVI und XX)
entnommen sind. Aber schon die dort (S. XV und XIX f.)
mitgetheilten Stellen aus Walker und Ginguene mnssten
B. zeigen, dass seine Scheidung zwischen Tragödien
griechischer und senecaischer Xachahmung nicht so neu
ist als er uns S. 118 ff', seines Buches glauben machen
möchte. In der That ist sie auch schon bei Ginguene,
und natürlich bei Gaspary, zu finden. — B.'s Gewährs-
mann fiü- Jodelle und die französische Tragödie ist
A. W. v. Schlegel (XVII. Vorlesung über dramatische
Kunst und Literatur), wie man aus S. 64 Anm. 3 ersielit!
Von einem so schlecht ausgerüsteten Forscher wird
man nicht viel erwaiten können. Kap. II: II con-
cetto tragico del Giraldi (S. 23 — 45) enthält gar
zu spärliche und ungeordnete Xotizen über Giraldis Leben
und Werke. Xur im Vorbeigeh&n und ausserhalb der
chronologischen Reihenfolge werden die Komödie Eu-
demoni, über die etwas Näheres (s. Quadrio, Storia e
ragione d'ogni poesia vol. III, par. 2', S. 68 f.) zu er-
fahren so sehr wünsehenswerth gewesen wäre, und das
„Satj'rdi-aüia" Egle erwähnt, worauf einige Jahreszahlen
tm- die Tragödien und eine oberflächliche Charakterisirung
von Giraldis ästhetischen Anschauungen in Bezug auf
die Tragödie folgen. Vor AUem vermisst man auch
einen Vergleich mit Aristoteles, Hoiaz und den alten
Tragikern imd eine Ueber.sicht über die historische Ent-
wickelung der daran sich knüpfenden Fragen, wie z. B.
in Bezug auf das Gesetz von „einer Sonnenwende oder
etwas mehr" (s. S. 44 und 63), das der Verf. nicht
richtig verstellt. Das Gleiche gilt auch von Kap. V
(S. 117 — 177), welches die Zeit von Giraldi bis zum
Ende des XVI. .Tahrhnnderts behandelt, aber über eine
äusserliche, nach nicht immer genau abzugrenzenden
171
1891. Literaturblatt für gerraanUcho und romanische Philologie. Nr. 5.
172
Klassen aresonderte Anfzählnng der Tragödien nicht
hinauskiiiiinit. wjilirend die FlntwirkelHii^ der flieoretisclien
Ansfliamuiyffn und die !rlei(lizi'iliy;eii Ersdieiuuntren in
Frankreieli viillifr »nberüiksielitiirt bleiben. Kap. 111
(S. 49 — 97) ffibt den Inlialt der nenn Tragiiiiien liiraldis
an, aber meist nicht so, dass man auch eine klare Ein-
sicht in den Hau des betreffenden Dramas erlangt. Kap. IV
(S. 101- li:i): I/opera tragica del (iiraldi be-
spriciit tlieilweise das (.Tleiclie wie Kap. II.
.\n AViederbolnnaren und Widersprüchen ist das
Buch reicii. Es gelingt dem Verf. niciit, die Nach-
ahmung der Griechen einei-seits und Seneeas ander-
seits, welch letztere gleichbedeutend sein soll mit der
Naehainnung der Orbecche, genau zn scheiden und zu
defiuiren : was er anfuhrt passt grossentheils. wie auch
natürlich, auf die (irieclien sownli! als auf .Seneca. In
der Tliat tiiidi-n wir thcilweise dieselben „unterschei-
denden" Meikniale füi- Beide angegeben, denn S. 137
gelten tür die nach Art der Sophonisbe den Griechen
nachgeahmten Tragödien als im .allgemeinen charak-
teristisch: siretia ossernama ddle Ire iiiiita
linii/lie imrJate dei iiiimi e d^lle nulrici, . . . coro in-
feruo, und S. l.öl stellen als carnftfri (/euerali der
Tragödien nach dem Vorbilde Seneeas und der Orbecche:
osserraiua diilc tre imitii, coro iutcrno, liuighe par-
late di numi e di niitrici, trotzdem B. dabei ausdrück-
lich bemerkt, er übergehe diejenigen charakteristischen
Merkmale, die beiden .Arten der Nacliahnnnig gemeinsam
seien. Ueberlianpt fehlt es dem Verfasser am richtigen
Verständniss tnr das alte Theater und Seneeas Verhält-
niss zu seinen Piastern. Hier noch ein Ciiarakteristiknm
für die liederliche .-Vi't des Verf.'s: S. 35 und 04 f.
heisst es, von neun Tragödien Giraldis hätten drei ein
glückliches Ende: S. 43 wird das (ileiche als von Giraldi
selber gesagt hingestellt, während Giraldi doch an der
betreffenden Stelle seines Discorso ausdrücklich als
Tragödien mit glücklichem Ausgang nennt: l'Altile, lu
Sehne, gü Antiva/o>iie»i c le ultre; S. 107 endlich
sind aus den drei Tragödien molte tragedle mit glück-
lichem Ausgang geworden. In der Tliat waren es
sechs, d. h. alle ausser Orbecche und den beiden
historischen, beziehnngsweise niytliologisclien, Traner-
si)ielen Oidone und Cleopatra. Zum Schlüsse sei
noch hervorgehoben, dass auch der Druck des Buches
ein luiglaublich nacliLtssiger ist.
Göttingen. W. C'loetta.
Ze i tsch rift en.
Modern Langnage Notes VI, 4: K.N.Scott, Boccnccio's
,De Gciicnlogia Ucoruni'" nnii Sidncy's „Apologia". — A. F.
(.' Ii a ni b er 1 a 1 11 , Folk-Ktyniology in C'anadian Krench. —
Ch. Fl. McCIumpha, Chaucor's ,Trutli'' in ^Tottel's Mis-
cellany". — F. C. De S u ni ich ras t , The Charpentier
Sorics of Frcncli Fiction. — 0. H c in p I , Janssen's Index
to Kluffc's Uictionary. — A. Gudoman, A classical rcmi-
nisccnco in Sliakospearc. — B. J. W li o e I c r , Lloyd, Rc-
»i'archi's into the Naturc of Vowel-Sound. — T. VV. Hunt,
Jolin F.arle, Enrly Proso : it.i Clements, history and usage.
— F. E. S c h i 11 in g, Jusserand, Tlio Engli-sb Novid in tlie
Timo of Shakespeare. — H. A. Kennert, Cervantes, Tlio
littlc Oipsy. — H. 0. 0. Brandt, Victor, Uic Aussprache
des Sehriftdeutschcn. — 0. A. Hencli, Fischer, Goethes
Tasso. - K. S. Lewis, Sclnvnn-Prinfjshoini, Der franz.
Accent. — J. S<^liipper, Hnglinli Mitrcs. — A. II. Tol-
man. The Dactylio Hexameter in Kn^lish Prose. — J. B.
H 0 n n e ni a n , „Simple, Sensuous, and l'assionate".
Nenpbilol. Centralblatt V, 8: BierhHum, Der Anfangs-
unterricht im Franzüs. nach der anulyt.-dir. Methode. —
Pfleiderer, Aug. Schelor f-
Zs. f. vergl. Literaturgeschichte a. Renaissancelitera-
tnr X. K. IV, :i: Karl Lnndmann, Das s;oldone Vliess
und der Iliii;; der Nibelungen. (Zur Grillparzert'eier am
l.'>. Januar ISiM.) Georg Iluth, Die Kelsen der drei
Söhne iles Königs von Seremlippo. Ein Beitrag zur vcrgl.
.Märclienkunde. — Karl Hart fei der, Friedricli der Weise
von Sacdisen und Desiderius Erasruus von Rotter<lam. III
(Schluss). — Ludw. Geiger, Zur Biographie des Pom-
ponius Laetus. — Ders. , Ungeilruektes von und über
Keuchlin. — Johannes Bolte, Nochmals Lollius und Tlieo-
dericus. — Hugo Holstein, Zur Biographie Jakob Wiinpfe-
lings. — Marcus Landau, Th. Thiomann, Deutsche Kultur
und Literatur <les IS. Jh. 's im Lichte der zeitgenössischen
ital. Kritik. — Veit Valentin, Alfred Biese, Das Asso-
ciationsprinzip und der .\.nthiopomorpliisnius in iler Aesthe-
lik. — Georg Herin. Moeller, Heinrich Junker, Grund-
riss der Geschichte ilcr franz. Literatur von ihren Anfängen
bis zur Gegenwart. — Arnold Schröer, Erlanger Beiträge
zur engl. Philologie : Willy Haeckel, Das Sprichwort bei
Chnueer; Julius Riegel, Die Quellen von William .Morris"
Dichtung The Paradise. — Otto Francke, Marlowes
Werke, historisch-kritische Ausgabe von H. Brcymann und
Albert Wagner; Doctor Faustus, hrsg. von H. Breyinann.
Bayerns Mundarten. Beiträge zur deutschen Sprach- und
Volkskunde, liisg. von Ol Brenner u. A. Hartmann. Bd. I,
1: O Brenner, Zur Einführung. — C. Frauke, Ueber
den wissenschaftlichen Wcrtli der Dialektforschung; Ost-
fränkisch und Obersäohsisch. — A. Jacob, Aus .Mittel-
sidiwaben. — .M. Ili m m c I s t oss, Aus dem bairischen
Wald. — N. Gradl, Die Mundarten Westböhmens. —
jVug. II II Id er, Ueber Johann August Fischer. — Aug.
Hart mann. Ein sprachlich interessantes Lied; Aelterc
Nachrichten über Dialekte. — O. Steine 1, Die Bejahung
im Sechsämter-Dialekt. — O. Brenner, AltbairischeSpracb-
proben. I. Der Prinz von Arkadien (1701). — Bücherschau.
— Kleinere Mittheilungen.
Zs. f. den deutschen rnterricht V, 3: Carl Müller, Die
Verwertluing der Hedensarten im Unterricht. II. — Alfred
Biese, Das Nuturschöne im Spiegel der Poesie als Gegen-
stand des deutschen Unterrichts. — l'erd. Schultz, Was
verstehen wir unter .Nation". Eine .\ufsatzbesprechung in
der Prima. — Rudolf II i 1 d e b ra n d , Wie die Sprache altes
Leben fortführt. V. — R. Sprenger, Zum l'rinzen von
Homburg IIL 1 (<»02). — A. Edel, Zu Pfeffels Tabaks-
pfeife. — August Teuber, «Napoleon, ilu Schustorgeselle".
— A. Puls, Noch einmal zu Pfeffels , Tabakspfeife" V. 2.
— Moritz Knehler, Zu .Napoleon, <lu Schustergeselle".
— Karl Reissen berger, Adolf Lichtenheld, König
Ottokars Glück und Ende, von Grillparzer. — E. Ilnrich,
Müller-Krauenstein, Handbuch für den deutschen Unterricht
in den oberen Klassen liöliorer Lehranstalten. II. Theil. —
Otto Lyon. Eilward Sclirödcr, Jacob Schöpper von Dort-
mund und seine deutsche Synonymik. — Ders., Gotthold
Bütticlicr u. Karl Kinzel, Denkmäler der älteren deutsehen
Literatur. II, I. Wnlther von der Vogelwcide und des
Minnesangs Frühling. — Ders., Herman Riegel, Zeitschrift
lies allgemeinen ileutsclien Sprachvereins: Wissenschaftliche
Beihefte zur Zs. des allg. deutschen Spraclivcreins. Nr. L
Tijdscbrift vonr nederlandscbe taal- en letterkunde
X, 1: J. Verdam, Dietsehe Vei scheidenhedon. Rein. II,
hVA'S vig. e. c. : Scootinken: Capitulacr; Sinakcn ; *Opdccken.
— J. W. M u 1 1 e r , Glimp — Glimpen. — Paul Fr ed ericq,
De Inquisiteur Sonnius over de Rederijkers (1551). — Willem
de Vreese, Nederlandscbe drukken vnn den Sidrac. —
.1. A. W orp, Joan van Bruekhuizcn. — X, 2: J. .\. W orp,
Joan vnn Broekluiizen (Kcrts.). — H. Kern, Wak, Loenie.
— Ders., M<dver. — J. W. Mulle r. BlndvuUing. — F. A.
Stoctt, Men moet geen slapende hondeii wakkcr inakcn.
— Der«., Naschrift. — A. Beets, Eene pbiats der Skei-
reins. — Jobannes Bolte, Ein antwerpener Cluchtboeck
von l.iTt). — A. Kluyver, Juchtleer. — A. Beets, Ge-
zwicht. - C. C. üblen heck, Mode, ale. — J. W. Mul-
ler, .\niper. — K. Fruin. Verklaring van eeii plaats in
de riiiiikroniek van Jan van Iloelu: vs. "iSr)."». — W. de
Vreese, Leven van Sinte Amand. — J. II. Gnllee, Der
wereld loop.
Englische Studien \V, 3: F. F. Oliphanf, Tlie works
of Beaumont and Fletcher. (Continuation.) - A. Rambeau,
Die Phonetik im Spraeluinterriclit und die deutsche Aus-
173
1891. Literaturblatt für gormanischo und romanische Philologie. Nr. 5.
174
spräche. — H. K li n gh ard t. Schwedische Examenverliält-
iiisse. — L. Kellner u. E. Külbinfj, Lo Murte Darthur
by Sir Thonuis Malory. Tili' Original oilition of William
Caxton now reprinted and editcd hy 11. 0.*kar Sommer.
I. Te.\t. II. Introduotion. London. David Xutt. ISSit. 1890. —
M. Kaluza. Karl 1). Hiilbiini;, (.icscliiidite der Ablaute der
starken Zeitwörter innerhalb des Süilenglischen. (QF. fi.3.)
Strassburj,', Trübner. 1889. — Ders.. Adolf Wackerzapp,
Geschichte der Ablaute der starken Zeitwörter innerhalb
des Norilenglischen. Theil I. Die Ablaute in den einzelnen
Denkmälern. Münst. Diss. 1890. — D e rs. , Gustav Schleich,
Ueber das Verhältniss der mittelengl. Romanze Ywain und
Gawain zu ihrer altfrz. Quelle. ( Wissenschaftl. Beilage zum
Programm des Andreas-Realgymn. zu Berlin, Ostern 1889.)
Berlin, R. Gärtner. 1889. — " M. Koch, J. Spanier, Der
, Papist" Shakespeare im Hnmiet. Trier, Paulinusdruckerei.
1890. — Ders., Thomas Tyler, Shakespeare's sonnets edited
with notes and introduction. With portraits of William
Herbert, earl of Pembroke ; of bis niother Mary, countess
of Pembroke ; and of JIrs. Marv Fitton. London, David
NutI, Strand W. C. 1890. — L. Fränkel, K. Th. Gaedertz,
Zur Kenntniss der altengl. Bühne nebst andern Beiträgen
zur Shakespcareliteratur. Jlit der ersten authentischen Innern
Ansicht des Schwantheaters in London und Nachbildung von
Lucas Cranachs Pyramus und Thisbe. Bremen, Müller. 1888.
— F. Bobertag, The Compleat English Gentleman. By
Daniel Defoe. Edited for the First Time from the Author's
Autograph Manuscript in the British Museum, with Intro-
duction, Notes and Index. By Karl D. Bülbring. London,
Published by Dnniel Nutt. MDCCCXC. — A. L. Wayhew,
The Century Dictionary. An Encyclupedic Lexicon of the
English Language. Prepared unter the superintendance of
W. D. Whitney. Vol. I. New-York: The Century Co. Lon-
don: P. Fisher-Unwin. — H. Klinghardt, W. H. Wid-
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Nutt. 1888. — M. Krummachcr, Degenhardt, Lehrgang
der engl. Sprache. 50. verb. Aufl. In zeitgemässer Neube-
arbeitung. I. Grundlegender Thcil. Dresden, Ehlcnnann.
1890. — W.Mangold, Nader u. Würzner, Elementarbuch
der engl. Sprache. Ausgabe für Deutschland. Wien und
Leipzig. 1889. — W. Swoboda, Georg Dubislav u. Paul
Boeck, Schulgrammatik der engl. Sprache für Uöhere Lehr-
anstalten. Berlin, Gaertner. 1891. — G. Wen dt, Fölsing-
Koch, Lehrbuch der engl. Sprache. Theil III. Oberstufe :
Wissenschaftl. Grammatik der engl. Sprache besonders für
diu Oberklassen höherer Lehranstalten und zur Einführung
in das Universitätsstudium. Nach der 17. Aufl. von Prof.
Fölsings , Lehrbuch für den wissenschaftl. Unterricht in der
engl. Spr." neu bearb. von John Koch. Berlin, Goldschmidt.
Mittheilungen aus dem s:e$ammten Gebiete der engL
Sprache n. Literatur 8; J. Spanier, Der ,P!i])ist"
Shakespeare im Hamlet. — W. Victor, Shakespeare Re-
prints. — A.S.Cook, Sir Philip Sidney. — A. J. C h u r c h ,
Early Britain. — H. Hupe, Die genetische Erklärung der
sprachl. Ausdrucksformen im Englischen. — C. E. A u e ,
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von England. — G. Gregory Smith, Scottish History by
contemporary writers. — Dean Colet und die Gründung
der St. Paulsschule. — The Teaching and Learning of
foreign Languages. — 10: A. L. Mayhew, A select Glos-
sary of Bible Words. — Albr. Wagner, Shakespeare's
Macbeth. — Dean Colet und die Gründung der St. Pauls-
schule. — A. V. Roden, Inwiefern muss der Sprachunter-
richt umkehren. — Ein Schulmann, Führer durch die
franz. und engl. Schullectüre. — Broder C ar s t e n s, Poets'
Corner. — 11: F. Gard Fleay, A chronicie History of
the London Stage 1559 — 1642. — Dean Colet und die Grün-
dung der St. Paulsschule (Schluss).
mittellat. Nachlass. — 6. Bai st, sp. cnllnr; ncechar. —
G. Manheimer, Etwas über die Aerzte im alten Frank-
reich. — K. Vollmöllcr, Lalx-rinto amoroso (Schluss).
Zs. f. franz. Sprache n. Literatur Xlll, 1. 3: H. Zim-
7ner, Beiträge zur Namenforscliung in den altfrz. Arthur-
epen. — E. Koschwitz, Zum tonlosen e im Neufranz. —
NV. Ulrich, Vauvenargues.
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de Bourberain (Cöte-d'Or). — Paul Marchot, Etymologies
wallones. — L'Abbe Fourgeaud, Patois de Puybarraud
(Charente). Le Nora (Forts.). — Cli. Roussey, Le Conte
du Renard (Patois de Bournois, Doubs). — E. Edmont,
Lexique Saint-Polois (Forts.). — A. Devaux, Les con-
tinuateurs de Vi ti>nique dans l'Isere. — 13: P. Passy,
Patois de Sainte-Jamme (Seine-et-Oise). — P. Marchot.
Les patois du Luxembourg central. — A. Dion, Patois ile
Lachaussee (Meuse). — Rabiet, Lettre de Jean Tiercelet
sur le chemin <lc fer de Chätillon ä Besannen. — E. E d -
mont, Lexique Saint-I'olois (Forts.).
Revue de pbilulogie fran?aise et proven?ale IV, 4:
Ch. Lebaigue, L. Cledat, M. Breal, Delboulle,
Rousselot, A. Thoraas, Chabaneau, F. Brunot,
Marty-Laveaux, L. Havet, Crousle, Les consonnes
doubles. — L. Cledat, Conclusion de la consultation sur
les consonnes doubles, et plan general de refornie ortho-
graphique. — M. Ri viere, Patois de St.-Maurice-de-l'Exil,
Lou cayion de Plitoncourt. — F. Fertiault, Dietionnaire
du langage populaire venluno-chalonnais, lettre C. —
Differentes valeurs de tout. — Chant de quete en patois de
Perigueux.
Giornale storico della letteratura italiana XVII, 1 :
Coudere, Les poesies d'un florentin ä la cour de France
au XVI" siecle (Bartolomeo Delbene). — F r a t i, Tradizioni
storiche del Purgatorio di S. Patrizio. — Pizzi, L'Ameto
persiano.
L'Alighieri II, 9. 10: A. Agresti, Dante e i Paterani
(Studi pcl Cantü X dell' Inferno). — P., La canzoue di
Guido Ciivalcanti , Donna mi prega" ridotta a migliore
lezione e comniontata massimamcnte con Dante. — G.
Rosalba, Gli ordini angelici nel ,convivio'' e nel ,Para-
diso". — G. Franc iosi, II Messo Celeste. — A. Bus-
caino Campo, L' uscita di Dante dalla Selva. — C. Ga-
lanti. II libero arbitrio secondo la niente del Divino Poeta.
— G. S p e r a , Poche osservazioni logiche e filologiche su'
primi cinque canti dell' Inferno Dantesco. — F. Beck, Un
imitazioue dantesca nell' antica letteratura francese. — G.
L. P a s s e r i n i , Di tre recenti pubblicazioni dantesche. — M.
Gitter mann, Sordello „diMantova" e Cunizza da Romano.
Romanische Forschungen VI, 3: F. W. E. Roth, Mit-
theilungen aus lat. Hss. zu Darmstadt, Mainz, Coblenz und
Frankfurt a. M. — Ders., Der Buchdrucker und Verleger
Job. Schoeffer zu Mainz 1503 — 1531 als Verleger lat.
Klassiker und Scliulbücher. — Ders., Beiträge zur Ge-
schichte und Literatur des Mittelalters, bes. der Rheinlande.
M. Manitius, Der Messias des sog. Eupolemius. — Ernst
Voigt, Das Florilcg von St. Omer. — Ders., Karl Bartschs
Literar. Centralblatt 15: Die Discurse der Mahler. Hrsg.
von Vetter. — Gehmlich, Chr. Reuter. — Klincksieck, Zur
Entwicklungsgeschichte des Realismus im Roman des 19.
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— Baragiola, II canto popolare a Bosco o Gurin. — 16:
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Leben. — M. Du Camp, Theoph. Gautier. — » Jellinghaus,
Arminius und Siegfried. — 17: Rönsch, Colleetanea philol.
— W^itthocft, Sirventes joglaresc. — Haeckel, Das Sprich-
wort bei Chaucer. — Deutscher Liederhort. Hrsg. von Erk.
— Molines, Etudes sur AI. Vinet. — Pfeifier, Klingers
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berg, Ariadnefaden für das Labyrinth der Edda. — La clef
d'amors. Texte critique par Doutrepont. — Flügel, Engl.-
' deutsches und deutsch-engl. Wörterbuch. — Werder, Vor-
lesungen über Schillers W'allenstein. — Kühnemann, Die
Kant-Studien Schillers und die C'omposition des Wallenstein.
— 19: Eckius dedolatus. Hrsg. von Szamatolski. — Frey,
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Schlegels Briefe an seinen Bruder Aug. Wilh. — J. .M i n o r ,
Blennerhassett, Frau von Stael. — Dehio, Wölfflin, Sal.
Gessner; Heusler, Goethe u. die ital. Kunst. — 14: Stein-
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holz, Byrons histor. Dramen. — 15. IH: G. Michaelis,
Jespersen, Articulations of speech sounds represented by
means of analphabetic symbols. — E. Schmidt, Fischer,
Goethes Tasso. — E. Weber, Foerster, Christian von
Troyes, Erec und Enide.
Centralblatt f. Bibliothekswesen VIII, 4 u. 5: K. Bur-
dach, Beiträge zur Kenntniss altdeutscher Handschriften
und zur Geschichte altdeutscher Literatur und Kunst. 3.
175
1891. Literaturblntt fQr germnnisohe und romanische Philologie. Nr. 9.
17fi
Göttin^ische gelehrte Anzeigen 5: Zimmer, Acta Sanc-
turuin niliorniat'. e.l. Smcdt et ISaker. (Darin weitere Nach-
weise über die Kinwirkung der Vikin^cr auf Irisches.)
Sitzungsberichte der kg;\. preass. Akademie der Wis-
sensehaften zu Berlin Itl — 18: Zininioi-, Ueber die
Irüliotiii iieiiibiuiiffen der Iren mit ilen Xordgermanen.
Philosophische Monatsherte L'7, 1 u. 2: Zie«ler, Sig-
wart. Die Impersonalien. — 5 u. 6: Zieffler, Kronenberg,
Herders I'liilusüphie; Herders Briefe an Hamann, hrsg. von
HuiriniiMii
Correspondenzblatt f. Anthropologie, Kthnolosie n.
rrsescliichte X.\.I, 11 ii. r.': Kackwitz, Ustej feuor.
(üsleifeuer werden gebrannt nördlich einer Linie Zerbst,
Uernburg, .Mansfcld, Sangershauseu, Kiffliäuser, Hanileite,
Kiehsfeld, Ililfensberg bei Esuliwege, .Meissner; südlich da-
von werden Johannisfeuer gebninnt.)
Verhandlungen der Berliner Gesellschaft f. Anthropo-
lORie, Ktlinolo<;ie n. l'rseschichte Sitzunf; vom i'.i. Üot.
1^!MI; U. Zaliii, Ostenfi'lder ii. frlesisehes Haus (Holstein).
Zs. f. Geschichte des Überrheins N. V. VI, 2: K. Obsor,
Klüpstiiiks Uezioliungen zum Kailsrulicr H'd'e.
.\nnalen des Vereins f. Nnssanische Alterthumskunde
n. Geschichtsforschnna: is'.io (Bil. l'7): K. Schwartz,
K. 11. ü. V. Meusebacli, Lebensnacliricliten.
Neues Lansitzisches .Magazin iwj, 2: I'. Kühne 1, Die
slavisclicn Uits- und Flurnamen der Obcilausilz. Tli. 1.
Jahrbuch f. Gesetzgebung, Verwaltung u. Volkswirth-
schaft XV, 2: Schmo 1 ler.Lampreelit, Deutsche Gescliichte.
Neue Carintia Bd. I: K. Franziszi, Sag n aus dem Gail-
thale. — B. Sc h ü 1 1 el ko p f , Kinderreime und Kinder-
spiele. Gesammelt im oberen Görtsehitzthale, am Kiapfelde
und um Osterwitz. — Fr. Franziszi, Das Valisl'ühren,
ein dramatischer Schwank, nach einer alten Handschrift
mitgetheilt.
Jahresbericht der Felliner literarischen Gesellschaft
für das Jahr 18S9: Th. v. Kickliuff, Timan Brakeis
Christlich Gespreeh von der grawsamcn Zerstörung in Litf-
land durch den .Muscowiter (Neudruck nach dem in der
Kigaer Stadtbibliothek befin<llicliea Kxemplar); David und
seine Helden (Bruchstück einer geistlichen Dichtung in
Reimpaaren).
Korrespondenzblatt des Vereins f. siebenb. Landes-
kunde XIV, (i: -th, Altcrtliümliche Zeitbestimmung bei
dem Rossen des Hanfes und Flachses; Schulden, ein Stück
Ri'clitsaltcrtlium. — S s. , Weilinachts- u. Neujahrsbriiuclie.
.■Mittheilungcn der Österreich. Central-Commission für
kunsthi.storische Denkmäler N. F. Bd. XVI, S. 4«: K.
Hause r, Die Karnburg (in Kärnthen) eine ostgotische
Festung.
Chronik des Wiener Goethevereins 3: Zu Goethes Leben
und Wirken.
Berichte des Freien Deutschen Hochstifts 1891, 2: K.
Itehorn, Das Ideal und das Leben. — M. Koch, Neuere
Goethe- und Schillerliteratur. II. — V. Valentin, Eigen-
händiger Brief Goethes. - Blümlein, Zur Alliteration
und zum Wortspiel im Lateinischen. — Caro, Die Be-
ziehungen Richelieus zur franz. Literatur.
Blätter f. literar. Unterhaltung in'.il, 1: JI. Groben,
Riiusseaus Kinfluss auf ilas deutsche Donken. — 2: R.
.M a h r e n h o 1 1 z , Die drei Kinhciten der franz. Tragödie. —
.\d. Ii rieger, Acusserungen zur Literatur. — 3: W.
Uli c li n e r , Aus Goethes Freundeskreise. — K. Sali m a n n ,
Zur di'utsidien Sprache. — A. S o li 1 o ssa r , .\n Urillparzors
llKIjälir. Geburtstage. — 4: Ad. Schröter, Zur deutschen
Liieraturgeschichte (G. Brandes' „Die Literatur iles li).
.Ili.'s"" VI ; R. Ilildebrands „Aufsätze u. Vorträge" ; H. Kluges
,(iescliichte der deutschen NationalliterrVur" 21. Aufl.). —
.1. .Mähly, Zur Urgeschichte unsers Stammes. — '■>: W.
B 11 r li 11 e r , Schriften über Goethe (II. Keils „Uoetlie-Strauss";
K. Griesebaclis „Das Goetliesche Zeitalter"). — 0: Fr. Bie-
nemann u. A. Schlossar, Verölletitlicliuiigeii zur Grill-
parzer-Feier. — (.M. Thümmig), Ausläiidiselie Urtheilc
über Erscheinungen der deutselion Literatur. — 7: Ad.
Schröter, Zur (deutschen) Liternturgeseliiclite. — 9: M.
(iröhen. Zu Scliillers Leben (K. Fischer, Scliillcrs Jugend-
uiiil Wandcrjalire). - 10: (.\1. T li ü m in i g) , Ausländische
Urtheile über Erscheinungen der deutschen Literatur.
1 1 : 0. I' 0 r t i g. Eine neue l'oetik der Lyrik ( R, .M. Werner,
Lyrik und Lyriker). — K. S a 1 1 ni a n n , Aus deutscher Vor-
zeit (W. Grotlie, Sagen und Märchen; E. Handtmann, Was
auf märkischer IlaiJe spriesst. Märkische l'Hanzenlegendcu
und Pflanzensymbolik; P. Schwarz, Reste dos Wodancultus
in der Gegenwart), K.
Westermanns Monatshefte April: Lily v. K r c tschman n .
Üttilie Vüu Goethe und ihre Söhne.
Die Gegenwart lü: Rud. Kleinpaul, Lautliche Fingerzeige.
Die Grenzboten 12. 13: .Vllerliand Sprachdumniheitcn.
Stimmen aus Maria-Laach 40. 3: O. M. Dreves, Die
Symbolik des Kreuzes in der liturg. Poesie der Lateiner.
Beilage zur Allg. Zeitung 5ti : G. 1),, Privatbriefe und
publizistische Correspondenzen von V. Ilehn. — 68: Sepp,
Die nordische Edila und ihre christlidic Wurzel? — 77:
L. Hirzel, Die Discurse der Maler. — 83: Huttenfunde. —
85 : Das Repertoire des Weiniarischen Theaters unter Goethes ''
Leitung. — 86: H. F., Zu Wielands Lehen und Schriften.
The Academy 982: Mayliew, Prof. Earle's „Infle.^ional
Infinitive" — 983: Earlc, The Flc.xional Infinitive. —
X u 1 1 and 0 ' 0 r a d y , The Ossianic Saga. — 984 : G u 1 1 o n ,
Prof. Garnett's Selections in English Prose. — Bül bring,
Defoe and Mary Astell, (Vgl. auch Bülbring, Mary Astell,
an advoeatc of Woman's rights two hundred years ago in
The Journal of Eilucation vom 1, April und 1. Mai.) —
Mayliew, Prof. Eiirle's „Fle.tional Infinitive".
The Äthenaeum 3306: The ,Life of Thackeray".
The Westminster Review März: Hannigan, Sir Walter
Scott's Journal.
Samlaren. Elfte argängen 1890, S. 27—42: H. Wiesel-
g r e n , Keconditi Labores. Otryckta böcker af svenska för-
fattare frän 15- och 16-hundratalen II. — S. 43 — 75: L.
Bygden, Cm ursprunget tili den historiska mythen om
Fale Bure. — S. 76 — 83: J. Paludan, Ilar mag. Johann
Yeltens skädespelartrupp uppträdt i Stockholm? — S. 84 —
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12 S. S.
Antiqvarisk Tidskrift für Sverige Del XI, H. 3: R.
L u n d b e r g , Det stora sillfisket i Skiine ander medeltidcn.
76 S. - Del XIL H. 1—2; Theodor II j e 1 niq vis t, Natur-
skildringarna i den norröna itiktningen. 217 S. S.
Historisk Tidskrift utg. af Svenska Historiska Föreningen.
ISyi, II. 1 : K. H. Kar Issü n, Registrum ecclesia; Aboensis,
ed. K. Hansen. S.
Nordisk Tidskrift für vetenskap, konst och indnstri
1891, H. 2, S. 154 — 170: Kr. Nyrop, ilysteriet om St.
Laurentius. — S. 178 — 180: G. Djurtelon, Danmarks
gamle folkcviser, 5 dcls 4 hefte, öfter forarheider af Svcnd
Grundtvig udgivet af Axel Ohik. S.
Revne critique 14: Constans, Los grands historicns du moyen
äge. — 1."): Morf, L'Etudi^ de la pliilologie romane. — Ciau,
Aleiat et Bembo. — Rigal, Hardy et lo theätre frangais. —
16: Meyer-Lübke, Grammaire italienne, — 17: Meycr-Lübke,
Gramniairc des langues romanes (P. M,). — Qiuvrcs de
Lafontaine .VIL — Dejob, Madame de Stael et ritalic. —
18: Lintilhac, Pröcis de litteraturc franjaise. — Arvöde
Biirine, Bernardin de St. Pierre.
Revue celtitiue 1891, .\pril; A. Nutt, Les dcrniers travaux
allcniands sur la legende du Saint-Graal. — H, Jones,
Les romans d'Arthur. — Dans quelle niesure la litteraturc
ossianique a subi rinducnce scandinave, Systeme nouveau
de M. Zimmer, sa critique par M.M. Nutt, Whitlcy Stokes,
Kuno Meyer. — Etüde de M. Kuno Meyer sur I'argot des
cliaudronniers d'Ir lande.
Rev. pol. et litt. 12: Necrolog für Theodore de Banville. —
13: Le duc il e liroglie u. K,-.V, Aulard, Les Menioircs
de Talleyrand. (Unzulängliche Vertheidigung des erstercn
und neue Angriflo des zweiten.) — 14: G. Rodenbach,
La poi'sio nouvelle. A propos des decadents et symbolistes.
- Im Courr. litt.: Ilcures de lecture d'un critique par E.
Montegut und Essais de critiipic par R, Frary. — 15: A.
Hatzfeld, La science educiitrice, rejionse ii M. Berthelot
(der in der Rev. d. d. mondes die Naturwissenschaften nebst
.Mathematik als bestes Erzieluingsniitte! für den Jugendlichen
Geist empfidilen hat). — Im Courr. litt.: Histoire litter. de
la Suisse roniande par V. Rössel, 2 vol.
Journal des Savants Febr.: Jtinct, (Euvrcs du Cardinal
d(^ Retz.
La Nouvelle Revue 1. .März: Rössel, Trois lettres in-
edites de Voltaire.
Anuales de la Facultc des Lettres de Bordeaux 4:
Bcnoist, Le .Systeme dramatique de Racine.
177
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178
Neu erschiene ii (> I> ii c li e r.
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Allmogelif i Vestergötland. Kolklifsskildringar, sagor,
sägner, visor, skrock.och ordsprak. Sanilade af Vcstgöta
landsmälsfürening i Upsala oeh utgitna af K. O. Tellander.
Stockholm, A. Bonnier. 127 S. 12. Ivr. 1,2.').
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Braumüller. 28G S. 8. M. 4.
L e w a 1 1 e r , J., Deutsche Volkslieder. In Niederhossen aus
dem Munde des Volkes gesammelt, mit einfacher Klavier-
begleitung, geschichtlichen u. vergleichenden Anmerkungen
hrsg. Hamburg, Fritzsche. VIII, 72 S. 8. M. 1.
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schichte der deutschen Sprache. Stuttgart, Göschen. III,
122 S. 8. M. 0,80.
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geber bei .'^chillers lyrischen Gedichten.'^ Leipzig, Fock.
23 8. 4. M. 1.
Neudrucke deutscher Literaturwerke des XVI. u. XVII.
Jh.'s. 8°. Nr. 68— 71: J. Fischarts Geschichtklitterung (Gar-
gantua), hrsg. von A. Aisleben. Synoptischer Abdruck der
Bearbeitungen von 1575, 1582 u. 1590. 2. Hälfte. XVIII,
2 S. u. S. 243—460. — 92: Zwei älteste Katechismen der
lutherischen Reformation (von P. Schultz'u. Ch. Hegendorf).
Neu hrsg. von C. Kawerau. 60 S. — 93. 94: M] Luther,
Von den guten Werken. (1520.) Aus der Originalhs. hrsg.
von N. Müller. XII, 111 S. ,ä M. 0,60.
Neuss, J., Der deutsche Aufsatz am Realgymnasium. Leipzig,
Fock. 35 S. 4. M. 1.
Patzig, Herrn., Zur Geschichte 'der'Herzmäre. Berlin, Gärt-
ner. 22'ß. gr. 4. M. 1.
Quellen u. Forschungen zur Sprach- u. Kulturgeschichte
der german. Völker. Hrsg. von B. tcn Brink, E. Martin,
E. Schmidt. Strassburg, Trübner. 67. Heft: Ulricdis von
Hütten deutsche Soliriften. Untersu(diungen nebst einer Nach-
lese von Siegfried Szamatölski. I.\, 179 S. 8. .M. 4.
Registrum ecelesia- Abocnsis eller Abo domkyrkas Svart-
bok med tillägg ur Skuklosters C'oilex Aboensi.s I tryck ut-
gifven af Finlands stiitsarkiv genoni Keinli. Hansen. Helsing-
fors, .1. Simelii arfvingars boktrvckeriaktiidiolag. 8, XXIII,
668 S. 4. S.
Reimann, P., Die altml. Präpositionen. Danzig. 26 S. 4.
M. 1.
R e i n k e. Die jüngere Glosse zum Reinke de Vos hrsg. von
Herrn. Bramles. Halle. Niemeyer. LXI, 314 S. 8. .M. 10.
Sander, Fredrik, Harbardssängen jämte grundtexten tili
Völuspä. Mythologiska undersokningar. .Med nägra edda-
illustrationer. Sti'ckliolm, Norstedt & Söner. 72 S. 8. Kr. 2. S.
Sauer, Aug., Akademische Festrede zu Grillparzers hun-
dertstem Geburtstnge. Prag, Ciilve. 32 S. 8.
Seelig, Max. Die dichterische Sprache in Heines ,Bueli der
Lieder''. Hallenser Diss. Leipzig, Fock. XVI. 1 10 S. 8. .\I. 2.
Stevrer, J., Der Ursprung der Sprache iler .\rier. Wien,
Holder. V, 175 S. 8. M. .5,20.
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43 S. gr. 4. M. 1.
Stoewer, W., Das Kulturhistorische im , Meier Helmbrecht"
von Wernlier dem Gärtner. Leipzig, Fock. 25 S. gr. 4. M. 1.
Traktat er, Sveriges, med fränimande magter jemte andra
dit liörande handlingar utgifne af O. S. Rydberg. Tredje
delen. 1. 1409- 1436.' Stockholm, Norstedt & Söner. 160 S.
8. Kr. 5. S.
Tugendh af f te r Jungfrauen uml Jungengesellen Zeit- Ver-
treiber. Ein weltliches Liederbüchlein des XVII. Jh.'s aus
V. Meusebachs Sammlung. Naclnveisungen der Quellen . .
von K. H. G. V. Meusebach, hrsg. von Hugo Hayn. Köln,
Teubner. 24 S. 8. M. 1,50.
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Trien, Jonas Carnaby, and Silas Gough, Clerk, before the
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from original Papers, to wliich ii? added a Conference of
Master Edward Spenser with the Earl of Essex, touching
the State of Ireland, a. D. 1595. By Walter Savage Landor.
12mo, 244 p. Chatte and Windus. " 2/6
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180
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üf St. .Miittliow. I'art II, S. 25-4f<. gr. 4. Leipzig, Kock. M. 1.
Pparl, an Kiigli.sli l'ociii of Ihe Fuurteunlli Century. Edit.,
witli « .Moilern Kenderiiig, bv Israel (.iulliuu-z. Front, by
\V. Ili.lm.ni Hunt. Demy Svo, p. xl— 144. I». Xutt. 10/6
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neuesten Sbakspereforschung. Murburg, KIwert. VI, 140 S.
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und Notes by W. .Mintu. With a Map of Scott'« Lake
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Pres». 2/: 2/ti
— — , Lnily of the Lake. With Introductiun and Notes by
G. II. Stuart. (.Maeniillan'.s Kiiglisli Classics.) 12mo. Mac-
niillan. 2/; 2/t>
_, Journal of, 182.')— 32. Krom the Original Mnnuscript
at Abbotsfi'rd. New eil. With Portrait. Cr. Svo, p. 943. D.
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by A. C. Liddell. Loiiginans. 1/
S h a ke s pe a r e's Meicliant of Venice. WHth Introduction
and Notes, Classiti. d and Arranged. (Mutt'iitt's Handbooks
for Students.) Cr. Svo, p. 121!. Mott'att. 1 U
— — DoubtfuI Plays, with Olussarial and other Notes, by
Wm. Hazlitt. Cr. 'svo, p. 372. Routledge. 2/K
Shakspere: The Works of. Edit. by Charles Knight. With
370 lllusts. by Sir John Gilbert. Vol. 2. (Mignon Edition.)
Long 24nio, p. .")20. Routledge. 2/6
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sics.) Svo. Coniinin (E.xeter). Gibbings. 7/6: 9/
Spies, Jos., Otway's Titus and Heinice and Racine's Bere-
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Sprenger, Hemerkuiigen zu den Dramen Shakespeares.
Programm iles Real-Progymii. zu Northeini. 20 S. 4.
Stroh mey er, Hans, Der Stil iler niittelengl. Reimclironik
Roberts von GloucestiT, eine Untersuchung zur Ermittelung
der Verfasser dieses Werkes. Dissertation. Uerlin, Heinrich &
Kemke. 106 S. gr. 8. M. 2.
The Englisli lioswortirs Anglo-Saxoii Dictionary. Part 4,
Languagi' and Literature. Section 1. Edited by Prof. T. A.
Toller. t)xforil, ChnemUin Press.
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Alfieri, Lottere edite ed ineditc, a cura di G. Mazzatinti.
Torino, L. Roux e C. XIIII, 431 p. L. 4.
Canti popolari siciüani rac<>olti eil illustrafi da Gius. Pitre
preceduti da iiiiii studio critico e seguiti da melodie popo-
lari. 2. gänzlich umgearbeitete AiiHage. Slit einem Anhang:
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Locschcr. 2 vol. 8. fr. 10. H.l. I u. II der liiblioteca delle
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Bauernspraciie im romiiii {•liainpetre. Berliner Dissertation.
41 S. 8. [Ein Seitenstück zu Siedes Synt. Eigcnth. der Uni-
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der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft zu
Frankfurt a. M.
C h .1 n s (j II s de Conon de Bithune, trouvcur artesicn de la
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du poete par Axel Wnllensküld. These. Helsinfors. IX, 292 p. 8.
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(lue appendici sulhi rappresentaziono dramiiiatica del con-
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edizionc rivista ed aecrcsciuta. Turin, Locscher. 2 vol.
gr. 8. fr. 20.
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C. Clausen. 8. L. 1. |s. u. Pirandello.]
F i 1 oni u 8 i -G u e 1 f i , Lor., II contesto e la granimatica nel
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et de tüus ses dialecte« du IX'' au XV" siecle. Livr. G.">:
Sartor— Serve. Paria, Bouillun. In- 1. fr. ö.
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Hrsg. von M. Hartmann. XX, 86, 61 S. M. 1,20. — Nr. Ui:
Augier et Sandeuu, le gendre de Monsieur, Pidricr. Hrsg.
von J. Maehly. !)4, 47 S. M. 1. — Nr. 11: E. Souvestre, au
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Die phonetische Schulung im franz. Anfangsunterricht.
Inguagiato, Viiicenzina, Usservazioni su alcuni comincnti
del prologo della Divina Coramedia. Girgenti. 219 p. 16.
Johannes von Truvers. Joseph. Engadinisches Drama
des 16. Jh. 's hrsg. und mit Glossar versehn von Jakob
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Jouancoux, J. B., et Devauchelle, Etudes pour servir
ä un glosaaire ctymologique du patois picard. Deuxi^me
partie: G— M. In-4 ä 2 col., 228 p. Auiiens, imp. Jeunet. fr. 7.
La Fontaine, Fahles de. Nouvelle edition revisee et aug-
nient<;e, coUationnöc sur les nieilleurs textes et rcnfermant
un commentaire grammatical et litteraire, une histoire
resumee de la fable depuis les origines jusquau dix-septieme
siecle; une etudc sur la composition et le style dans les
fahles <le La Fontaine et une vie <le l'auteur, d'apres les
plus recents biographes. Par M. Ch. Aubertin. 1 vol. de
600 p. in-12. Paris, Belin freres. fr. 2,50.
Mariotti, A., Sul cnnto XXV del Parndiso di Dante. Sa-
vignano. 79 p. 16.
Maurici, A., II secentismo nel Petrarca. Terranova-Sicilia.
18 p. 8.
Mazzoni, 0., Del Rinuldo di T. Tusso. Bologna, Zaniehelli.
37 p. 16.
M u g i c a , P. de, Gramätica del Castellano antiguo. I : Fonetica.
Berlin, Heinrich & Kemke. 86 S. 8. M. 2.
Ozanam, .\. F., La civiltä nel V secolo': introduzione alla
storia della civiltä nel medio evo, con un saggio intorno
alle scuole ital. dal V al .KIII secolo. Versione ital. del
dott. .\. Fahre. Torino, tip. Snlesiana. 644 p. 8. L. 4.
Pellegrini, Fl., Di un eoinmento poco noto del sec. XIV
alla prima cantica della Div. Commedia. Verona, Frauchini.
44 p. 8.
Peri, Severo. Deirnmore di Dante per Beatricc. II* cd.
Varcse. 29 p. 8.
Pirandello, Luigi, Laute und Lautentwicklung der Mund-
art von Girgenti. Bonner Diss. 52 S. 8. [s. o. De Gregorio.l
Ponta, M. G., Dell'etä che in sua persona Dante raftigura
Hella I)iv. Commedia: studio p. p. cura di C. Gioia. Torino,
L. Roux. 33 p. 8.
Procaccini, M., Interpretazione di un verso oseuro di
Dante Alighieri. Ariano. 15 p. 8.
Rajna, Pio, L' etimologia c la storia arcaiea del nonie
„Napoleone'". Firenze. 28 p. 8. S.-A. aus dem Arcliivio
storico italiano Serie Y, Tomo VII, Anno 1891.
Rostori, A., Letteratura provenzale. Milane^ Hoepli. IX,
220 S. 8. Manuali Hoepli.
Ricci, Car., Le considcrazioni al pocma del Tasso di Galileo
Galilei: studio critico. Ariano. 49 p. 16.
Saintsbury, O., Essays on French Novelists. Cr. Svo, 452 p.
Percival. 7/6
Studien zu dem Roman de Ronart und dem Reinhart Fuchs.
.Strassburg, Trühiier. S. 1. Heft: Die Ueberliererung des
Roman <le Ueiiiut nml die llainlselirirt Ü von llerin. Büttner.
VI, 229 S. M. 5. — II. Heft: Der Reinhart Fuchs und seine
franz. Quelle von Herrn. Büttner. 123 S. M. 2,.50.
S v e d e 1 i u s , Carl, Etudc sur la S6mantique. Upsala, Joseph-
aons Antikvariiit. 50 p. 8.
Uhlemann, E., tJraiiimatische Eigenthümlichkeiten in P.
Corneilles Prosnschriften. Progr. dos Gymn. zu llfeld.
Vassallo, Cur., Un iiuovo documento intorno al poeta
astigiano Gian Giorgio Alionc: nofa. Torino, ('lausen. 27 p.
8. Aus: Atti della r. accailemia delle scienze di Torino XXVI.
Ziinmcrli, J., Die deutscli-frauzösisclie Spnudigrenze in der
Schweiz. I. Die Sprachgrenze im Jura. Basel, Georg. IX,
80 S. 8. 16 Tabellen und 1 Karte.
Literarische Mittheilungen, Personal-
n a c h r i c h t e n etc.
Ili'rr Dr. Victor Zeidler in Graz ist mit einer Ausgabe
des Wilhelm von Orleiis des Rudolf von Ems beschäftigt.
R. Schwartz (Heidelberg) wird demnächst eine Unter-
suchung über die Estlier-Dramen des 16. Jli.'s veröffentlichen.
181
löSH. Lilt'i'iitui'blatt für geiinKnische und iiimiini.''(;lie l'hiloluffie. Nr. 5.
löä
Die Publikationen der E. E. T. S. in den Jahren 1892/3
werden sein: C'apgriive's Life of St. Katlrarinc, from two Mss.
ed. Hurstmann; Minur Poeni.s of tlii- Vernon JIs. ed. Horst-
niiinn : Thomas a Kempis's De imitatione Christi englisht, ab.
1430 and 1,502 ed. Ingram ; Lanfranc's Seienec of C'yrurgie,
englislit ab. HOU eJ. FIei.9chhucker ; Cursor mundi VI Introd.
JSütes, üliiss. by Morris, , VII Essay on the Mss., their Dia-
lects etc. by Hupe: The Exeter-Book (Anglo-Saxcn Poems)
re-ed. by tiollancz; Sir David Lymlesay's Works VI. ed.
Utley; The Lay Folk's Catechism, by Thoresby, ed. Canon
Sinnnons and Matthew: The ehester l'lays, re-ed. by Deini-
ling : Caxtun's Godfrey of liologne, or Last Siege of Jerusalem
1481 ed. by Colvin; Melusine, the prose Romance 1500, ed.
Donald; Deguilleville's Hilgrimage of the Life of Man. ed.
Currie.
An der Universität Hern ist Dr. Ü. .S u t e r ni eis t e r
zum ao. Professor befördert worden.
An die Stelle des verstorbenen Prof. Dr. Kour. Hofniann
ist Prof. Dr. .M. Lex er in Würzburg berufen worden.
Mit iler Vertretung der beurlaubten Professoren E. Kosch-
•witz in Ureifswald und A. Gaspary in Breslau sind die Privat-
docenten W. Cloetta (Göttingen) und C. Appel (Königs-
berg) betraut worden.
Privatdocent Dr. K. Luick in Wien siedelt in gleicher
Stellung nach Graz über.
Antiquarische Cataloge: Anheisser, Stuttgart
•(Deutsche Sprache u. Lit.) ; B a e r & C o. . Frankfurt a. M.
■<275: Roman. Philologie; 276: Span. u. Port.); Joseph so n,
Cpsala (16: Indoeurop. Linguistik).
AbgesclilosseD am 10. Mai 1891.
Sig' Direttore del LiterniiirUtilt!
Kel numero 3 (1891) del suo gioruale leggo un resoconto
■del sig. Emilio Levy sul Tratfolo prorenzale di penitiiiza, da
me pubblicato nel fasc. 13 degli Stiidj del Monaci. Dei
parecchj apjiunti ch'esli nii fa alcuni mi senibran giusti,
altri no : voglia dunque ella permettere che dei primi lo
ringrazii, e ehe ai secoudi obbjetti le niie ragioni.
Pag. 277, L. lii. II sig. Levy correggerebbe ■•■otmeienlo
in solmitemctif: nia dato che questa seeonda forma fosse nel-
1' originale esemplato io non so come il copista abbia poiuto
4Vi8arla a quel modo. Per nie la forma gerundiva e una
«apestreria sintattica spiegabilissima in un teste ascetico: ma
ae avessi ereduto dover proporre una eorrezione, o avrei
soppresso semplicemente Ve, o avrei stampato e sotmiUfio.
P, 280, L. 17. AI rejjremam proposto dal Levy avevo
pensato anch'io: ma nel codice non c'e che da scegliere tra
■repremiiim, inammissibile, e r( preiniiim, da njuimlre, che
alia fin fine e tollerato dal senso.
P. 281, L. 24. Sopprimendo il tio)i, come vorrebbe il
Levy, non si raccapezza piü alcun senso. Che differcnza in-
fatti ci puö essere tra quelii che reiiiincidn « las teiiiporcls
<;««.«(« e quelii che del tot los desQUmparlwn't Conseguente-
mente e a suo posto il iioii che io ho interpolato nclla riga
segnente, poiche nelle linee 25 — 31 continua la disiinzione
enunciata sopra tra quei che uon renitiicinH e quei che des-
■Qdnipailion. Inoltre, riallacciando, come fa il Levy, la fräse
dedins en lo cor della riga 27 a ctncstis leniporiils di riga 26,
ne vien fuori una costruzione stentata e inconciliabile colla
semplicitä abituale del teste. Finalmente, che aiiKiii di 1. 27
vada corretto in amoi lo dimostra il fatto che questo passo
non e che la parafrasi della seguente citazione davidica e al
cong. uollitit deve corrispondere amen.
P. 282, L. 17. II Levy sente la necessitä di aggiungere
tntta una fräse [Enayssi co] pur di non accettare il lieve
cambiamento da me proposto di esces in esce». Ma il fatto
« che io ora riconosco nell' esces V incensum del passo davidico
(esces = csses come utresci sta passim per utressi). Cfr. Rayn.
LB. m 125, dove si legge l'identico passo del salmista nella
traduzione che ne da il Libro dei rhj e delle virlü: „Senker
Dieus, ma orozo sia eiidressadu daran vos ai/ssi coma enses".
P. 282, L. 21. Nessuna laeuna e necessario e nemmen
lecito supporre depo hoca: perche l'autore dopo aver detto
che vi son tre maniere di orazione enuncia le due prime che
sono in antitesi evidente: quelUi dl hoccu e qnella dl euere,
e dimostrando il valore di questa seeonda, dimostra implicita-
mente la vanitä della prima: anzi le parole di San Gregorio
paruulaa ornadas dir e le altre del Vangelo no vuelhat gayre
parlar alludono appunto alla preghiera de boca. Alla terza
maniera, 1' orazione de hoca e de cor, si viene nella lin. 27.
P. 285, L. In. Lasciandü esislere il non che io ho
espunto, il Levy »i vede obbligato a dare a puiar il sigDi-
ficalo neutro e per oonscguenza supplire un « (nos no'n
piilanilnj). Ma pure egii riconosce che nel ms. di Todi il
verbo pnior e quakle volta usato attivamente. 0 perchfe
allora non accordarmi il diritto, tanto piü semplice, di dare
anche qui a puiar il significato attivo ed espungere il non
che pote benissimo sfuggire al copista dopo un nos^
P. 287, L. 4 sgg. La costruzione non potrebbe esser
piü naturale ne il senso piü chiaro. L'autore ha spiegato
dianzi come non si possa desiderare vi^ioni ne rivelazioni
soprannaturali senza peccare di ruriositä vana verso i segreti
di Dio. Nel pa.sso quindi che riesce oscuro al Levj Tautore
aggiunge: „ma sappj che intendere ad umiltä. a timore o
a riverenza di Dio a fine di conseguir le rivelazioni e le
visioni e i sentimenti suddetti (cfr. p 286, I 23) ha la mede-
sima radice, il medesinio fondaniento e la medesima intenzione
finale che il suddetro desiderio (cio e il desiderio di rivelazioni
e visioni); ond'e naturale che (quelii che intendono ad
umiltä ecc. a fine di conseguire rivelazioni ecc.) pervengano
a quello stesso abbandono di Dio, al qiiale si perviene per
il suddetto desiderio.
P. 287, L. 22. Chi sa che quel -t di rret non sia scivo-
lato dalla penna del copista quasi ad evitare l'orribile caco-
fonia di un crei e ciiia o anche cre e cnia? Non gli attri-
buirei mai ad ogni modo il valore della dentale tenue. —
Quel che e poi cerio e che non si puö sopprimere l'a dopo
ilhiQios: perche altro e „credere a o in una cosa", altro
„credere una cosa".
P. 288, L. 33. Alla eorrezione di en in e, proposta dal
Levy, mi ero lascia'o trascinare anch'io sulle prime. Ma
desisietti poi sos])ettando che l'autore non avesse preteso far
qui una finezza filosofioa o scolastica, eonsiderando che sta
aW intendtmen dell'iiomo discernere ciö che gli viene dalla
grazia di Dio e non dai suoi meriti, e che il sentimento della
giatitudine a Dio vien dopo ed e quasi compreso neW inten-
dimento.
P. 291, L. 3 sgg. Le correzioni proposte non mi appajono
evidenti : riconosco perö che valgono a rischiarare alquanto
il passo oscuro.
P. 291, L. 7. Sta benissimo aian. Difatti l'autore non
puö voler qui proibire di stimare le altrui visioni in genere,
una volta che subito dopo viene a disiinguere quali tra le
visioni altrui bisogna aborrire e quali no. Invece nel passo
che qui si discute egli vuol dire che per prima cosa bisogna
osservare se le persone che si avvicinano facciano Iroppo
grande stima (ciö che e peccaminoso) delle loro visioni in
genere.
P. 291, L. U. pregas e il caso obliquo del ptcp. pl.
di prezar. Sant sanumen 2"'efflS trad. „santi meritamente,
giustamente apprezzati".
P. 291, L. 26. enytiant e un bell'esemplare pel -t con
valore di sibilante (cfr. p. 332), ed ho quindi avuto torto di
toccarlo.
P. 299, L. 22. Anche qui mi pare che il Levy vorrebbe
introdurre troppi cambiamenti, mentre il teste, cosi com'e,
da un senso giusto: „questa prima maniera (di timore) e
timore di naturalniente morire", timore, cioe, della morte che
natura rende a tutti inevitabile. Ed e spiegabile la niancanza
del de per quest.o che il rapporto ideologico tra nataralmen
morir e teinor e quasi di comjjlemento oggetto a verbo attivo,
come se dicesse tennr. E ad ogni modo dato che ad una
eorrezione si dovesse venire, io preferirei semplicemente
cambiare lemor in tenier.
P. 302, L. 10. Ne la mia eorrezione ne quella proposta
dal Levy mi sembrano ora giuste. Per ssola noiontat es h.
p. d. D. significherebbe „(// so?a volontä pecca l'uomo dinanzi
a Dio'", mentre il passo di S. Agostino „ipsa voluntate etc."
va interpretato .,;//« loUa volontä di per se sola, con sola la
rolontä pecca l'uomo ecc." Lascerei quindi intatta la lezione
del testo : per ssola la uolontut ....
P. 305, L. 21 sgg. Per me perquHar e lo stesso che
qiiitar, riportato al significato fondamentale del basso lat.
„quietare'" „pagare il proprio debito a qualcuno" ,placarlo".
Cosi mi par chiaro i! senso di tutto il periodo: „figliuoli,
molto bene avremo se temiamo Iddio e ci teniamo lontani
da pcccato e facciamo opere buone; perche in tal modo
paghiamo il nostro debito al Signore, plachiamo il Signore".
P. 314, L. 26 sgg. Faire non e che „pareat" „appaja,
sembri", e il senso di tutto il periodo e fluido e chiaro. —
183
1891. Literaturblatt für germanische unil ronmniüclu- PliiloloKi«'. Nr.
Motil va certamente accettato accanto a moiilei;.ii, noii esseodo
poolo strano il fonomeno dl n da / avanii ad altra coiisonante.
P. 314, Vi. 3 d. 8. lo hü cambiato uii qiti in «yii«, il
Levy Tuole invece cambiare im ^iie in qai. Quindi, niaterial-
menre, i due cainbiamoDti si equivalgono: logicamente, sarebbe
preferibile qurllo del Levy «olo quamto il periodo fosse rego-
larmenie coairnito cosl: Euyiinlmin meiiespre^'i soii ariihor o
qui . . . . u '/iii Uato l'anacoliiio, la mia restituzione e
«enza dubbio preferibile.
P. 315, L. 9. Di iin iii per laut in luogo di tioii per
luiil nun ho esenipj: ma non mi ripugna, come non mi
ripugiioreb'ie un it. uepperlmilo In luo:;o di tionpirlanto.
P. 31t), li. U. Ho lidotto unile in aeiili, perche l'-i Ä
preferito icenerulriiente ncl nis. (cfr. p. 315, 1. 9; e p. 334).
P. 320, L. 10. II Levy ha creduto diniostrare guperflua ed
orronea ia min correiione, dccapitando 11 periodo, che io per-
oi6 riporto qui tuito intHro: Mol uns den punhur ii temer Dieu
lu pn^iiiicia e la i/run iiiisericuriliu de Jliesn Chrinl qiie (nos u)
eil tii/inst necyle Imil <U lemps iio» soste e noalres greus peccal
fe/ liiiit de timps nos es/«»-« eco. Ora, la pasienciit c /. y.
m. sono i soggetd eh.- regsono il verbo den, e il soggetfo di
MO« sosle (leve essere neri's^'ariHriieme il relative (pie. il quäle
iliventeif bbe invece caao oliliquo lasciando esisiere, come
vorrebbe il L., le parole nos a. E che queate si rilrovino
subito dopo alla riga 15, come rilevn il Levy, non prova nulla
(lontro di nie; anzi i"i »^ lecito supporre che il nos ii della
riga 10 »ia stato inlcrpolaio dal copista per aver egli pre-
corso coH'occhio 1« pcnna e prcsa a sproposito quella fräse
dal passo sejuPii'e.
P. a'2'2, L. 4 d. s. Non credo che si possa a priori esciudere
una foriiM pr. nmniinll a liiio al cat. ommiit (V. Labernia y
Estcller, Diccionari de la lleiigua catalana, L 87) e l'it. umnitni-
iiilo (rion noiato queat' ultimo ilal Dicz, Er. W. II, p. 3(iS).
P. 330, L. "21. L'autoro ai riferiace a un passo di
S. Paolo ehe subito dopo riporta (II. 23—4). E naturale quindi
che dica: ,Sao Paolo non trova pel matrimonio altra com-
parazione qui apprcsso che il peccato e il diavolo*".
P. 3.37 (gloasiirio'. L'intcrpretazione data dal L. al verbo
inbanss'n- mi pare la glusta: ma nessun valore ha il criterio
fonetico che egli invoca contro la mia; poiehe l'-ss- di en-
haiissar potrebbe star henissimo per -s- o per -f-, allo stesso
modo clie l'-s- di cimr sta per -z-, e il -f- di forii (che sarä
lia ,foä9a'' e non da „fodja" !) sta per -Si- (v. paij. 326, II. 6 e 7).
Koma 18 Aprile 1891. Cesare de Lollis.
Pag. "277, 19. K sdliiuliiHo scheint mir auch jetzt noch
nicht zulässig. Will man die .\enderung in solmelement nicht
gelten laasen, so wird das von de Lollia an letzter Stelle
vorgeschla'.:ciie <■ sntmiUrhi zu aceeptiren sein.
P. "280, 17. Uipreiniiini halte ich an ilieser Stelle für
unmöglich. Reprvmitim dagegen ist durchaus nicht unzulässig,
vgl. die von Chabaneau, Revue d. I. r. 26, 115 citirten crizia,
i-fyiiiii und in unsirm Text 280. 18 fuyiain, neben fugiscam
280, 20.
P. 281, 24. Es wird allerdings drdins eil lo cor nicht
mit dem Vorhergehenden, sondern mit dem Folgenden zu
verbinden sein; im üebrigcn aber kann ich de Lollis niclit
beistimmen. Es handelt airli um die Gegenüberstellung von
zwei Klassen von Menschen, die bei<le die irdischen Güter
geringsi'hiitzen, aber in verschiedenem Grade. Diejenigen
qui- niiKiici'in <i las cnnsas teinporiih „lieben sie drinnen im
Kerzen nicht in ungehöriger Weise, wenn sie sie auch äiisser-
lich besitzen, gcniäs« dem dnvidiaclicn Worte . ." Die Andern
besitzen sie auch iiusserlich nicht, sie geben die irdischen
Güter ganz und gar (del tut) auf und erwählen die Armuih.
P. 282, 17. Esces ist natürlich „Weihrauch"; was sollte
es sonst sein? Und wie soll man eonetruiren, wenn man
nicht [Enayasi co] ergänzt? Aber vielleicht ist es besser vOr
ah lo Joe als vor lo l'iini einzuschalten.
P. 285, 15. Dass transitives pnjar, und nicht nur im
vorliegenden Denkmal, vorkommt, bestreite ich durchaus nicht,
wohl aber, dass es „hinaufziehen nach, hinaufgehen gen" be-
deuten kann.
P. 287, 22. Die Hypothese, dass cnt vom Copisten des
Wohlklangs halber eingeführt »ei, scheint mir unannehmbar.
Dass das n nicht unterdrüikt wenlen kann, ist doch wohl
nicht so ganz sicher. Warum sollte man dasselbe nicht tilgen
und deuten dürfen: „Illusionen von denen die Seele glaubt
und wähnt, dass sie wahrhafte Enthüllungen seien"':'
P. 288, 33. Die Acnderung von en in i scheint mir auch
jetzt noch nothwcndig. .-iehe auch S 2^0 Z. 24.
P. 2Stl, 3. Siehe S. 236, 7 ff.
P. 291, 7. Die Aenderung in aliis halte ich für unerlSss-
lich. Der Mensch soll um den Versuchungen, die durch das
Leben und die Lehre Anderer entstehen, zu entgehen, die
Visionen der .anderen nicht hochschätzen, vielmehr (enant}
soll er sie verabscheuen, wenn sie zu etwas führen, was dem
Glauben, der heil. Schrift, den guten .■bitten entgegen ist;
wenn sie zu etwas führen was dem Glauben etc. entspricht
HO las niniespre^-es . . eiiipero iiti ti ßces del tot ; und selbst
bei Visionen von Leuten, deren Heiligkeit u. s. w. beweist,
daas sie nicht durch Täuschungen des Tiul'els betrogen werden,
ist es, obgleich es eine fromme Sache ist ihren Visionen z\x
glauben, segnrn causa no de tot eii tot creyre eii tias per
ra(o de si, mays per nso, «<■« piis, car soii ueordiint ab la Je
fatholicii etc. — Was sollte <ntint (Z. 8) wohl besagen, wenn
man uiaii bestehen lässt?
P. 291, 11 Kann sanamcn „meritamente, giustamente"
bedeuten?
P. 299, 22. De Lollis' Erklärung scheint mir weder
sprachlich noch dem Sinne n ich zu genügen. Ist vielleicht
natiiralnieiit zu streichen und zu lesen : Aqiiesta priiiieyra
manleyrti es teinor /dej iiiorlr ; e ai/aestu temor (Text natura}
Jon natundmvnt iieys eii Jhesii Clirjst?
P. 305, 21. Das Glossar sagt nur: „perquilur lo stesso
che (piitur". Qiiilar ist aber in der Bedeutung, die de Lollis
annimmt, meines Wissens nicht belegt.
P. 314, 26. Wie sollte wohl paire = pareat sein können?
Mistral hat: se puira „se garder, se passer, se priver de,
en Oascogne", Lespy, Dict. bearnais: pnyra-s „se priver, se
passer, s'abstenir". Ist also vielleicht qnes paireti es
yiiardon de J'iir grens pecrat zu ändern ?
P. 314, Z. 3 v. u. Dass ilie Aenderung in que-que der-
jenigen in qni-ijiii isi qnis) ohne Zweifel vorzuziehen sei,
leuchtet mir durchaus nicht ein.
P. 320, 10. Es liegt kein Grund vor, die handschriftliche
üeberlieferung anzutasten. Es ist zu deuten: Sehr muss uns
antreiben Gott zu fürchten die Geduld unil grosso Barm-
herzigkeit Jesu Christi, ilie er in dieser Welt für uns hat,
so lange Zeit ertrügt er (Christus) uns in unsern schweren
Sünden etc.
P. 330, 21: Die Stelle lautet: Sunt Paul no fa « matri-
moiii antra coinparatiu deiot: si »mys peccid e lo diable. Dass
dejotz si „qui appresso" bedeuten könne, ist mir sehr fraglich.
Dürfte man vielleicht ilenten: „macht der Ehe keine andere
Gegenüberstellung unter ihr d. h. stellt ihr, als nach ihr
kommend, nichts anderes gegenüber"? Nach der Ehe kommt
gleich die Sünde, dazwischen liegt nichts und daher ist viel-
leicht Z. 25 das unverständliche uiilremen i<i in aulre tiiiia
zu ändern.
P. 337. Um meinen Einwand zu entkräften, hätte die
Verwendung von .ss zur Bezeichnung iler tönenden Spirans
nachgewiesen werden müssen.
Freiburg i. B. Emil Levy.
Selbstverlag, Heidslherg, Sandgasse.
Gcgfii lOiuxcn.iung v.ii r,o Pt'. in Brief-
marken iTtMigt Krankn/.nscnilnng von
1 y-r iliiiKlscIiiilislKMincr Dialekt
I. 'r<-ll. \\'öl'tc;l-vel'/'.eii;liliis
von
Philipp Lenz.
4'. 55 S.
Neue philolocjische Kataloge
von Joseph 13aer & Co., Antitiuariat. Fraiiklurt a. M.
Nr. 2 7ö: Jinttmuiftchr Philofot/h'. lö.')2 Numiiieni.
.\i. 2 7ti: SptinU'n II mJ I*ortii(f(i( : Heschichte, Kunst, fiprache
und Literatur, etc. 1166 Xiniimeni.
1 n V(irb iMi'i t ii ii g:
Xi. 2 77: (ievininiisrlie PhUoloijie.
V...r.iiitw«rilitsl.Mr UudHotHur Prot. Dr. Krirz Naumann in Heiilelhersr. — O. Otto's Hofbuehilruckerei in Darnisradt.
LITERATURBLATT
Fü'R
GERMANISCHE UND ROMANISCHE PHILOLOGIE.
•/'/^, HERAUSGEGEBEN VON
j^K. o^tTO BEtiXGHEL und D*^ FRITZ NEUMANN
1 . ■
Ki-Rcheiiit nion^tlieh
; >- ^ nn der Uui^ibitüt Üi&i>ääD.
mV
o. ü. rruft'bsor der romanischen riiilrdoyie
an der Universität Heidelberg.
VERLAG VON
REISLAND, LEIPZIG.
Preis ballijährlich JI. 5.
Xll. Jahrgang.;^,
Nr. 6. Juni.
1891.
Streitberg, Die german. Comparative auf -(';:-
iKatiffmannK
G ö li I , Modi ia den Werken W.'s von Eschenbach
(liehagh cl).
Schacbinger, Die Congmenz in der mhd. Sprache
(B e h a g h e 1).
Crccclitts, Oberhessisches Wörterbuch (David).
Zimmermann, Versuch einer Schillerschen
Aesthetik (Berger).
Westenholz, üeber Byrons historische Dramen
(P r o sc h o Itl t).
Le Roman de Markes deRome, hrsg. von
Alton (F o e r s t er).
Rahstede, Wanderungen durch die französische
Literatur (Mahrenholtz).
Montesquieu, Deux opuscules p. p. le baron
de Montesquieu (M a h r e o h o 1 1 z,'.
Schuchardt, üeber das Malaloportugicsische von
Batavia und Tugu (Schuchardt).
Bibliographie.
Literarische Mittheilungen, Pcrsonal-
nachrichten etc.
Streithers, W.. Die germanischen Comparative anf
-ÖZ-. Eine sprachwissenscliaftliclie üiiteräuchung. Sondur-
abdruck aus dem Inde.x lectionum quae in universitate
Fiiburgensi per nienscs aestivos anni MDCCCXC habebuntur.
Fribourg (Suisse). 1890.
Die musterhaft klar uml umsichtig' disponirte Uiiter-
suchunj' hat folgenden Weg eingeschlagen: Unter der
\'()iiiHssetzung, dass die zweiten Coniponenten langer /- und
»-Diphthonge (idg. öi, öu; ei, cu) sowohl in- als auslautend
in geschlossener Silbe geschwunden, dass in diesem Falle
bereits idg. Satzdoppelfonnen entstanden sind, geht der
Verf. an die Erörterung der Entwicklungsgeschichte
dieser Langdiphthonge im Germanischen (S. 17 ff.). Ich
halte es nicht für rathsam, die Entdeckimg Meringers
(Kr. Zs. 28, 217), wonach in vedischer Zeit hastd vor
t'onsonanz, hastäu vor Vokal die Nominative dualis ge-
wesen sind, näher einzuschränken. Wenn Streitberg
auch in offener Silbe vor iii Reductiou der Langdiphthonge
behauptet, so ist nicht einzusehen, worin die Ausiiahine-
stellung für den labialen Nasal begründet sein könnte.
Wir müssen uns vielfach gewaltsamere Zumuthungen ge-
fallen lassen, als die Annahme, dass bei einem tkoiiu :
pöi, ißiomo : gäu u. a. die reducirte ^^'urzelform auf
der Productivität derselben beruhe {pö. gä). Wir wissen
jetzt, dass aind. aslitäu = got nhtuii, griech. oxri»,
lat. octo (odöni, lit. afiztimi) sich zu einander verhalten
wie aind. ushtä panih gegen ushtCic aridltai/dso (Me-
ringer a. a. 0. S. 232). Die idg. Satzdoublette -öit : -0
darf als lautgeschichtliche Thatsache registrirt werden.
Es wird sich niemand sträuben füi' die correspondirenden
Diphthonge -ex, -öi, -ei, wenn auch massgebende Belege
vorerst fehlen, analoge Schicksale zu vermuthen.
Die bekannte auf Jlahlow - Joh. Schmidt zurück-
gehende Erkläiung der germanischen Comparative auf
-ö2 aus *öiz (gut. >u'/f : nefi'is — sniumundo : sniumiindüs
Kr. Zs. 26, 390; Kluge in Pauls Grundr. I. 401) ist
demnach im höchsten Grade wahrscheinlich, wenn das
(?omparativsuflix bereits idg. gewesen ist. Das trifft
allerdings nicht zu. Streitberg hat den Beweis geführt,
lass aus einer germanischen Sufttxform -öiz nichts
anderes als got. -aiz hätte werden können (S. 3ti) wie
öu > au. Positiv behauptet Streitberg im Anschluss
an .loh. Schmidt jös : -Jos : -jes sei das ursprüngliche
Comparativsuftix gewesen. In der Vorstellung des
Sprechenden habe sich das sämmtlichen Formen gemein-
same Element -_/- zum Stamme gefügt; im Gegensatz
zum unveränderlichen Wortkörper sei als Endung das
im Paradigma veränderliche unbewirsst abstrahirt worden:
*)iinjöz, *niHJiz > *nivj-öz, *ninj-iz. Schon die An-
nahme eines *iiiiijiz kann Bedenken erregen, wie auch
die Behauptung: -j- habe sieh in allen Comparativen,
die von vokalisch auslautenden Wurzeln gebildet waren,
nothwendiger Weise als Uebergangslaut einstellen müssen
(S. 41). Bei den consonantischen Stämmen lasse sich
die Thatsache nicht bestreiten, dass im Germanischen die
Tiefstufe des Steigerungssuffixes {-is-) -J- von der Hoch-
stufe nicht bezogen habe; als typischer Vertreter gilt
got. batis, dessen Hochstufenfoini als %atjöz constniirt
wird. Auf S. 42 wii-d schliesslich „mit gutem Recht"
die Annahme aufgestellt, dass das Nebeneinander von
hat-iz und niuj-iz (man achte auf die Trennungs-
striche) die Neubildmig von *hat-öz (aus *bafjöz) neben
"ninj-öz veranlasste. „Die vorgeschlagene Erklärung
lässt auch begreitiich erscheinen, warum die Comparative
auf -iz- auch von andern als /-haltigen Stämmen ge-
bildet werden können, während die Comparative auf -öz
auf die o-Stäinme beschränkt sind; denn jene repräsen-
tiren im wesentlichen altes Erbgiit, diese aber sind eine
Neubildung, deren ganze Lebensfähigkeit auf der engen
Association mit einer bestimmten Stammilasse beruht"
(S. 43). Ich wundere mich nur, dass jene elementare
Regel den verehrten Herrn Vej-fasser nicht abgehalten
hat, ihr zum Trotz ein germ. *hatöz aufzustellen.
Was es bei der Association der ö^-Comparative mit
der Klasse der o-Stämme für eine Bewandtniss hat,
hätte ich gerne näher erörtei't gesehen. Es ist
nicht zu verkennen, dass die Strömung bei der ausser-
ordentlich schwierigen Frage entschiedener gegen die
auch von Streitberg beliebten germ. o-Stämme zu gehen
scheint, und sobald wh- von a- statt o-Stämmen reden,
ist nicht mehr einzusehen, warum ein «-Stamm wie
germ. "fröpaz engere Beziehungen za dem Comparativ-
suftix j-öz gehabt haben soll als etwa hardus oder gar
consouantische Stäuniie. Seine Schlussfrage richtet sich
gegen den Verfasser selbst: Warum begegnen wir nie-
mals einem Comparativ auf -jöz'i
Die geschichtliche Auffassung des Comparativsufflxes,
wie Streitbeig sie vertritt, ist unannehmbar. Seine
Untersuchung hat das Problem nicht gelöst. Mii- will es
14
187
1891. Literaturblatt fOr germanisohe nnd romanische Philologie. Nr. 6.
188
noch immer als das Näclistgegebene ereclieineii, dass wir
für die öc-t'ouiparative uns an die Adverbia auf -0 zu
halten liaben. Es bestehen nocli im Gut. cliarakteristisdie
1 »irtVrenzeii zwischen der ("onipavatidii der .Vdjectiva und
iler der Adverbia. So lautet bel<anntlich der Coniparativ
zu Itifils: iiiitinua, dajregen das adverbiale i)amiv ist
:;ot. miiia (mim), alid. ;/////, t'ries. min etc., ebenso
^'ot. icairs Adv. gegen wairsiza Adj. (ahd. icirs, anord.
lerr), got. panii-seipn ahd. shl (gegen sidor) wie anord.
>/(?)• (gegen siäiir) u. s. w. Die von Paul Beitr. IV,
IM .VniM. aufgestellte Erklärung, dass die Coniparativ-
advcrbia lautgesetzlieh ursprüngliches -/- der Endung
eiiigeliüsst liaben (z. B. Grundform *s7piz), hat gewiss
das Kichtige getroften, vgl. Sievers Beitr. V, 111; Bugge
liezzenb. Beitr. III, 107. Unter dieser Annahme kann
eine Adverbialform wie got. sniiimiindös keinen Anspruch
auf -■Mterthünilichkeit macheu. Die lantgesetzliche Form
des Cdinparativs kann nur "'sniiiiiiunds gewesen sein.
^Vie nun bereits Paul-Sievers got. hafis unter Beein-
flussung von Seiten des Comparativs adjcetivi entstanden
denken, so liegt möglicherweise, wenn ich die Yermuthung
äussern darf, in siiiuminidos eine Compromissform vor
(Positiv siiiiniiunilö: (U>mi)Siriiti\*siiiinnitii(ls> sniumun-
döny). Es musste von vornherein als besonders bedeutsam
festgehalten werden, dass westgerm. (und anord.) die
('(imparativa<lverbia mit Suffix -or (anord. -ar) er-
scheinen, auch wo die .Adjectiva den komparativ nur mit
-//• bilden. Ahd. zeigen die Comparativadverbia stets
Suftix-O)-, während Adverbialcomparative auf -ir gar nicht
vorkonnnen, vgl. Braune Ahd. Gramm. § 268: ferner
and. tn'ilior, elkor, fiirdor, ellior (wie got. aljaleil'os) u. a. ;
Sievers, Ags. (iramm. § .322; v. Helten, Altostfries.
(irauunatik i; 2.'J2. Leider hat Streitberg die gram-
matische Thatsache der Unterscheidung zwischen Adjectiv-
und Adverbialcomparativ nicht berücksichtigt. Wie einer-
seits das Coniparativsuffix der Adjectiva die Steigerung
der Adverbia lautlich becinflusst hat, so auch umgekehrt.
So lange wir überzeugendere .Aufklärung nicht erhalten,
wird die Schlussfolgerung nicht zu umgehen sein, dass
auf Grund des überlieferten Sachbestandes ein Com-
parativsuffix -ö^ zunächst nur bei den Adver-
bien entwickelt worden ist.
Auf einige Einzelheiten der Streitbergschen Dar-
legung habe ich noch zurückzukommen. Got. miiöns
beruhe (trotz got. llhainx etc.) nicht auf ^niitüiniz,
sondern auf einem athematischen "mitöniz, was ich nicht
bestreiten will. Die Abstracta auf *-ai)ii- sollen dagegen
eine Lautübertragung aus dem Präteritmu imd Participium
präteriti der zugehörigen Verba voraussetzen, die mit
Nothwendigkeit habe eintreten müssen. Was ist auch
bei den jetzt sehr mechanisirten Proportionen leichter
als die (tleichung anzusetzen salhudct : sulhöns (Salbe) =
lilidida : lihuina (Leben);' Wenn wir uns einmal auf
solch schlüpfrigem Boden befinden, werden wir uns auch
die Uebertragung von ai bei got. annaio aus dem Prät.
nrmuidu gefallen lassen müssen (S. 7). Bei einem so
gründlichen Forscher wie Streitberg können wir solche Be-
haui)tungen nicht hinnehmen, so lange uns niclit die innere
Beziehung zwisclien Verbal- und Xomiiialfuucticm dar-
gelegt ist. Dasselbe gilt anlässlich der Eiklärung der
got. Adverbia auf -o, wobei, meiner Meiming nach nicht vor-
sichtig genug, mittelst einer Uebertragung der nasalirten
Instrumeutalendung auf alte Ablative die Schwierig-
keiten sollen beseitigt werden können (S. 38). — Dass
es nicht zulässig ist, für Infinitive wie and. titolian,
ags. sealßan etc. auf Analogie nach got. hailjan etc.
zu recurriren, um -i- des Infinitivs zu deuten (S. 9), ist
durch die Erkenutniss des silbischen Charakters im
(Friesischen und) .Ags. zweifellos geworden. — Wenn
S. 31 versucht wird dem nordmfränk. 2. 3. Sg. prät.
deis, deit (wie steis, stcit: (/eis, (/vii) auf dem Umweg
über urgermanisches *döis etc. beizukounnen, so werden
diese Formen dadurch in unverdient hohes .Alter hinauf-
gerüekt. Der Grund, weshalb wir von geis, shis etc.
ausgehen, liegt darin, dass wir nur für diese alte Be-
lege besitzen und an Neubildungen für ti(on nur Formen
wie föis, diiis etc. (von den ags.-northumbr. abgesehen)
kenneu; deif : steit Laniprechts Alexanderl. 147 scheint
der älteste Beleg zu sein (.T. Meier, .lolande S. LXI). —
Sehr glücklich ist der Verf. in der Deutung von got.
tsuvait: nord- nnd westgerm. suniii, sowie in dem Nach-
weis ursprünglich athematisrher Flexion der OH-Verba;
dagegen bin ich von ursprünglich -öi- in got. mais,
anord. fieire nicht überzeugt.
Marburg. Friedrich Kauf f manu.
G ö h 1 , Hermann, Modi in den Werken W. von Eschen-
bacb. Leipziger Dissertation. IS89. 53 S. S und 2U Tafeln.
Göhl gibt zunächst eine mit einzelnen Beisi)ielen
belegte Darstellung des Modusgebranchs bei Wolfram
und führt sodann so ziemlich das ganze Material in
geschickt gegliederten, übersichtlich angelegten Tafeln
uns vor Augen. Freilich ist es leider nicht möglich,
dieselben unmittelbar zu statistischen Schlüssen zu ver-
werthen. Denn wenn (nihl auch manche zweckmässige
Unterscheidiuigen gemacht hat, so die zwischen Praesens-
und Praeteritalformen, so hat er doch eine der wich-
tigsten unterlassen, nämlich die zwischen Formen, die
im Reime stehen, und solchen, bei denen dies nicht der
Fall. Ferner hat er nicht genug beaditet, dass häufig
die A'arianten einen andern Modus bieten als den von
Laclniiaini aufgentnumenen. Verfährt man nach diesen
nothwendigen \'ürsichtsmassregeln, so erhält man z. B.
von dem Modnsgebrauch nach e ein ganz anderes Bild,
als es die nackten Zusammenstellungen Gfdils gewähren.
Endlich habe ich zur A'ollstäudigkeit der Sauuuhuigeu
kein rechtes Vertrauen. In den beiden ersten Rubriken
für die Sätze nach e verzeichnet G. 65 Belege (P. 311,
17 ist zu streichen). Dazu kann ich nachtragen: P.
177, 3; 186, 20; 254, 7; 289, 19; 497, 12; 539, 20;
552, 24; 648, 20; 704, 23. W. 215, 30; 279, 15:
also 1 1 Beispiele. Gegen das Fehlen einzelner Belege
wäre ja bei einer so umfangreichen Sanniilung nichts zu
sagen ; aber wenn ein Siebtel der Beispiele fehlt, so ist
das doch ein etwas starker Prozentsatz.
Giessen. 0. Behaghel.
Schachinger, Rndolf, Die Congruenz in der mittel-
hochdeutschen Sprache. Wien, llölder in Coiiim. 114 S.
gr. 8. M. 8,60.
Eine reiche Sammlung von Belegstelleu für die
Sätze, die Grimm und Paul zur Lehre von der Congruenz
gefunden haben. Schachinger hat sich auf eine bestimmte
Zalil Von Schriftstellern beschränkt und scheint hier auf
Erscliöpfung des Jlaterials .Ans|)ruch zu macheu. Aller-
dings Verlassen darf man sich auf die A'ollstäudigkeit
nicht: beispielsweise fehlt auf S. 87 Parz. 394, 23, auf
S. 90 P. 377, 12; 380, 28; 387, 16; Iwein 7492.
Leider ist auch die handschriftliche Beglaubigung der
Belege nicht gejirüft ; so sind von den Beisi)ieleu S. 89
vorletzter .Absatz drei nicht beweiskiäftig: Ilartm. 2. B.
189
1891. Literatnrblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. ß.
190
171 ist lebent eine willkürliche Aendenmg: Haupts für
ilas überlieferte lehet; Iw. 7494 und Wli. 141,1 sdiwanken
die Hss. Aus den Sannnlungen Stliachingers ergibt sicli
einiges Neue über den Umfang und die Verbreitiuigsart
mancher Construction ; ich hebe hervor, dass auf singn-
larisches wlp regelmässig das Feminin des Pronomens
bezogen wird, dass der Gebrauch des neutralen Adjectivs
mit Bezug auf Menschen auf die Prosa beschränkt ist,
dass der Singular des Verbs vor Plural des Subjects der
Prosa, wie Gotfried und Konrad von AVürzburg fremd
ist. Bei etwas weniger mechanischer Behandlung wäre
aber dem Material noch etwas mehr abzugewinnen ge-
wesen. Ich habe besonders die gedankenlosen Zusammen-
stellungen über den Numerus des Prädicats bei mehr-
fachem Subject vor Augen, aus denen mau schlechterdings
kein Bild der Sache erhält. Hätte Seh. die Beispiele
nach Kategorien geordnet, so hätte er gesehen, dass in
gewissen Kategorien nxu- der Singular, in gewissen andern
nur der Plural steht. Erst nachdem diese Kategorien
ausgeschieden, kann man die gleichartigen Fälle ver-
gleichen in Bezug auf die Meuge der auftretenden Plu-
rale oder Singulare. — Nur der Plural steht natürlich,
wenn es sich um Prädicate handelt, die von einem
Subject nicht ausgesagt werden können, also z. B. beim
Yerbum samenen (Xib.-L. 580, 3) oder wenn einander
beim Verb steht (Nib.-L. 292, 3; 551, 1; 628, 2). Der
Plural steht fast ausschliesslich nur dann, wenn es sich
um mehrere persönliche Subjecte handelt; -Ausnahme
Trist. 296, 14: in miioteii harte sere sin triuwe und
üin ere. In derartigen Fällen steht sonst der Singular.
Ebenso tritt dieser ein, wenn das zweite Subject mit
und auch angefügt ist (z. B. P. 162, 14; 163, 28;
179, 18), überhaupt wenn dasselbe erst nach völligem
Abschluss des Satzes nachgetragen wird (z. B. P. 19,
14; 38, 21; 44, 27). In einer ganzen Anzahl der
S. 87 verzeichneten Fälle liegt gar nicht ein Prädicat
neben mehreren Subjecteu vor, sondern es steheu that-
sächHch zwei Prädicate neben zwei Subjecten; so P. 6C,
25: 73, 7; 100, 11; 33, 4; 150, 16; 219, 22. Hier
kann nur der Singular stehen; auch Engelh. 2713 ist
gewiss glänzte statt glamteti zu lesen.
Giessen. 0. Behaghel.
Oberhessiscbes Wörterbuch. Auf Grund der Vorarbeiten
■Weig-inds, Diefenbachs und Hainebachs, sowie eigener
Materialien, bearbeitet im Auftrag des Historischen Vereins
für das Grossherzogthum Hessen von W i 1 h e 1 m C r e c e 1 i u s.
Erste Lieferung : Vorwort, A, B. Darmstadt, Selbstverlag
des A''ereins. lö'/» B. M. 5.
In dem vorliegenden Weike gelangen die umfassen-
den Vorarbeiten Weigands auf dem Gebiete der „Wetter-
auischen Mundart" zum ersten Male zum Druck. Das
Gebiet, welches Weigand im Auge hatte, war die eigent-
liche Wetterau; für dieses wollte er ein in sich abge-
schlossenes Idiotikon schreiben. Die gleiche Absicht lag
den Vorarbeiten von Lorenz Diefenbach zu Grunde, der
„theils in dem südlichen Gebiet der Wetterau, theils in
dem nördlichen an den Grenzen anderer Mundarten"
sammelte. Beide gingen von der Annahme aus, dass
der geographische Begritf der Wetterau auch in sprach-
licher Beziehung ein bis zu gewissem Grade innerlicli
einheitliches imd äusserlich selbständiges Gebiet sei. Ob
diese Annahme gerechtfertigt ist, scheint sehr zweifel-
haft. In der Wetterau zeigen sich, wie überall, von
Dorf zu Dorf Verschiedenheiten in Ausspraclie und Wort-
gebrauch, imd die Uebergäuge in das Xachbargebiet
liinüber sind nicht weniger continuirlich, als diejenigen
innerhalb der Wetterau selbst. Es fehlt bis jetzt jede
Untersuchung darüber, ob dem Ausdruck „Wetterauer
Mundart" irgendwelche wissenschaftliche Bestimmtheit
zukommt.
Immerhin aber hatten doch Weigand und L. Diefeu-
bacli ein geographisch einigermassen begrenztes Gebiet
im Auge: das Flussgebiet der Wetter. Crecelius ist
weit über dieses Gebiet liinausgegangen, einerseits durch
Verwerthung des von dem verstorbenen Giessener Gj'ra-
nasiallehrer Professor Hainebadi gesammelten Materials
und anderseits durch reichliche Hinzufügung selbständig
gesammelten Sprachstoft'es aus den verschiedensten Theilen
der Provinz Oberliessen. So glaubte er sein Werk über
ein „auf einzelne Ausdrücke beschränktes Idiotikon hinaus-
gehoben" und nannte es demzufolge ..Oberhessiscbes
Wörterbuch". Der AVerth dieser Erweiterung muss
sehr in Frage gestellt werden. Die Sprache Oberhessens
kann noch viel weniger als diejenige der Wetterau als
eine in sich beschlossene, selbständige Untermuudart des
Mittelfränkischen gelten. Zudem nimmt Crecelius den
Kreis Wetzlar und das ehemalige hessische Hinterland
liinzu und sclireitet so auch über die politischen Grenzen
Oberhessens liinaus. So fehlt dem Werke die räumliche
Conzeutration uud damit auch die innere Einheit des
darzustellenden Sprachobjects.
Um eine solche innere, organische Einheit zu ge-
winnen, ist es unbedingt nöthig, die natürliche Sprech-
und Hörgemeinschaft eines eüazelnen Dorfes zum Mittel-
punkt des Ganzen zu machen. Niu- die Sprache einer
einzelnen U orfgemeinde ist ein wirklicli in der Natur
vorkommendes Sprachganze; Begriffe wie: Gau-, Stamm-
oder Volkssprachen sind Erweiterungen, denen wohl
abstracte Bedeutung, aber kein coucretes Dasein zu-
kommt. Zur Darstellung des Wortschatzes einer solchen
naturgegebenen Spracheinheit gehört auch die Aufweisung
des Verhältnisses zu dem umliegenden Spracligebiet.
Damit ist eine Erweiterung über den Umfang der Dorf-
sprache hinaus von selbst gegeben, und diese Erweiterung
ist eine solche, welche die EinlieitUchkeit des darzu-
stellenden Sprachganzen nicht verwischt, sondern viel-
mehr klarer aus Licht treten lässt.
Am empfindlichsten macht sich dieser Mangel eines
einheitlichen Mittelpunktes tür die Lautbezeichnimg gel-
tend. Diese ist olinehin nicht streng phonetisch; auch
fehlt eine orientü'ende Uebersicht über dieselbe. Ganz
und gar unzuverlässig ist sie aber, weU man nicht weiss
fiu" welclies Dorf sie in jedem einzelnen Falle gelten
soll. Welche Anschauung von dem naturgegebenen
Sprachzustand lässt sich z. B. gewinnen, wenn unter
,/ihig" steht: nivicli, äirich, (lirichd, äwichd, in der
Gegend (!) von Friedberg, Butzbach, Giessen, Lieh, Grün-
berg...; oder imter „Ahm": Arn, Em, Arn, Em,
Im — dieses z. B. in Leihgestern, Odenhausen a. d. L. —
selten Ertn wie in Climbach . , .'?
Macht man ein einziges, bestimmtes Dorf zum Aus-
gangs- und Bezielmngspunkt, so ist damit aucli ein rich-
tiges Leitmotiv für die Heranziehung historischer Belege
gegeben. Abgesehen von allen übrigen Vorsichtsmass-
regeln, welche sprachlichen Petrefacten gegenüber an-
zuwenden sind, bevor man sie in das BUd des lebenden
Organismus einfügt, ist es vor allen Dingeu nöthig, von
allen Urkimden abzusehen, die sich nicht streng lokali-
siren lassen. Aus den einheimischen Kirchen- und Ver-
waltimgsakteu und eventuellen literarischen Erzeugnissen
191
1891. Literaturblatt für germanisohe und romanische Philologie. Nr. 6.
10-
viTiliciit aber auch nnr das Anfnahme, was seine Heimaths-
berotlitifruiiK' n;uli«eisi'ii kann. Diese wird sich zumeist
auf dit' notli lebende, spracliliclie Xatlikoniinenschaft
g^iiiiuliii. Fehlen aber jeglielie Spuren seiner Existenz
in dem luutijjen Spraehbestand, dann kann nnr ein un-
verkennbar lokales Geprilge dazu berechtigen, solelies
nur bistorisch belegte Material in die Darstellung einer
lokalen Mundart aufzunehmen. .\uch in dieser Beziehung
Zeigt das _()berhessisclie Wiirterbueli" ein recht störendes,
verdunkclmics Zuviel. .Sn hat Crecelius z. 15. aufge-
nommen: „die AI KU füre" (5 Zeilen) weil es aus 1462,
„(Ins Alinoseii" (7 Zeilen) weil es aus 1277, 1311, 1347,
1351 urkundlich belegt ist. Sogar „anhei" findet sieh
mit 10 Zeilen Text, welche sein Vorkommen in den
.Akten betr. Klagen gegen den Pfarrer Römheld in
Kirciiberg aus der Mitte des 18. .Tabrliunderts nach-
weisen. So finden sich ferner: abgünstig, abklingeln,
abkündigen, ablegen, Ableib, ableimen, ablohnen, abnehni-
lich, Abschabet, absciiatzen, abscheiden, Abwachs, an-
erregt, anersterben, anfechten, Achtel, Altar, Ausbund,
banfallig, IJaumeister, Baner, Baumöl, Besthaupt, Bete
u. s. w., weil sie in irgend einer der auf hessischem
Boden entstandenen Urkunden vorkommen. Solche Wörter
könnten ebenso gut in einem ostpreussischen Wörterbuch
stehen und gehören ganz und gar nicht in „den Umfang
der im Volke geläufigen Sprache".
Abgesehen von dieser durch den Mangel eines räum-
lichen und zeitlichen Concentrationscentrums bedingten,
verschwonunenen .Anlage des (janzen, ist das Werk im
Einzelnen eine überaus reiche und zuverlässige Fund-
grube mundartlichen Sprachstoffes. Die mundartlichen
Dichtungen von Weigand, Geibel, v. Trais sind ein-
gehend benutzt und von Weigands Dichtungen einige
hübsche Proben aufgenommen worden. Ausserdem haben
Schmidt „ Westerwäldisehes Idiotikon", Kehrein „Volks-
sprache nnd Volkssitte im Herzogthum Nassau" und
Vilniar-Pfisters Idiotikon sorgfältige Berücksichtigung
gefunden. Vor Allem aber ist es der Reichthum der
aus der Natur selbst geschöpften Beobachtungen, welcher
das Werk zu einem interessanten und sehr scliätzens-
werthen Hilfsmittel für die weitere Untersuchung des
heutigen Mittelfränkischen macht. Wilhelm Crecelius
ist seinen Vorarbeitern im December 1889 im Tode
nadigefolgt; so war es keinem der Bearbeiter vergönnt,
eine ötfentliihe Anerkennung seiner verdienstvollen Thätig-
keit zu erleben. Dem Historischen Verein für das Gross-
herzogthum Hessen aber gebührt Dank dafür, dass er
das werthvolle Vermächtniss der "^'erstorbenen zum All-
gemeingut gemacht hat. Möchte er uns auf die drei
noch ausstehenden Lieferungen nicht allzulange warten
lassen.
Oiessen. E. David.
Zimmermann, Gustav, Versuch einer Schillerschen
Aesthetik. Stmlie. Leipzig, Tcubner. i:t(i S. 8. M. 2.
„Versuch einer Schillerschen Aesthetik" nennt der
\'erf. seine mit zwiefacher Vorsicht betitelte ..Studie".
Und doch nicht vorsichtig genug! Denn, um es gleich
zu sagen, das Werkclieu ist Alles, ein ,, Versuch", eine
„Studie", nur nicht „einer Schillerschen Aesthetik"!
Wenn wir von einer Schillerschen Aesthetik hören, so
erwarten wir, dass entweder in systematischer Weise
ein Zusammenhang in die zerstreuten ästhetischen
Ideen und Bestinnnungi'ii Seh. 's über Schönheit und Kunst
(im Anschhiss an seine Theorie) gebracht worden sei,
oder auch, dass die Aesthetik Seh. 's. wie sie sich ans
seinem ganzen Leben heraus entwickelte und in .\\\-
lüindlungen und Werken gestaltete, historisch darge-
stellt Werde. Das letztere Verfahren, dessen Schwierig-
keit der Verf. erkannt und gescheut hat (vgl. S. 48),
muss bei einer .Aesthetik Schillers immer als (irnndlage
dienen, da Entwicklung und ..Entwicklnngslust", die sich
an kein System binden Messen, den Grundzug von Seh. 's
geistigem Leben bilden. Aber „nicht in der Ordnung
ihres Entstehens" will Zimmermann die .Aesthetik .Seh. 's
vortragen, ,,sondern in einem gewissen gedanklichen
Zusammenhang" (S, 48), Und weiter als zu einem
„gewissen" Zusanunenhang hat es diese „Studie" denn
auch nicht gebracht. Es fehlt dem Ganzen, wie schon
die Vagheit des Titels vermuthen lässt, an einem testen
Plane, einem leitenden (tedanken. Da lässt nns eine
.Art Präludium „Schillers Ethik und ihr Zusammenhang
mit si'iner .Aesthetik" eine Welt von Eröffnungen und
.Aussichten — ahnen. Er intonirt : „Wir lassen den
Strom dieses ganzen, gewaltigen Geisteslebens an uns
vorüberfliessen, hemmen aber, einzelne Strömungen über-
gehend, zweimal seinen Lauf und führen uns den Dichter
.als Ethiker vor in der Zeit der Ruhe (bis zum
.Tahre 1791), die schon die folgende des Kampfes ahnen
lässt (im Princip geendet mit dem .Aufsatz „.Anmuth und
Wüi'de" 1793), und folgen dann dem in wechsellosen
Frieden (Casus?) Wandelnden mit staunenden Augen,
bis er, je näher er uns zu kommen scheint, plötzlich
entschwindet." (Vgl. Ähnliche Stilproben S. 13 unten,
S, 39 1. Alinea, S. 132 letztes Alinea.) Wirklich, da
droht .Alles, was wir über Schiller wissen, zu entschwinden !
Thränen auf der Akademie vergossen, die „Räuber", die
eine Welt erschütterten, die „Laura-Oden", „Sturm und
Drang" und Flucht und unendliche Seelenqualen — all
das soll in „die Zeit der Rulie" fallen*. — Unter obiger
Ueberschrift wird uns nun (in den genannten drei Ab-
theilunge.n) in einer Reihe „zusammenhängender" Citate
die Ethik Seh. 's im Extract gegeben, und zwar so, dass
wir weder ein einheitliches Gesamnitbild derselben er-
halten noch auch die einzelnen für die Aesthetik wich-
tigen Entwicklungsmomente klar und deutlich oder irgend-
wie aus der Citatenmasse sich herausheben sehen. Ohne
dass, wie versprochen, ein richtiger Zusammenhang der
Ethik mit der .Aesthetik auch nur angedeutet ist, schliesst
der .Abschnitt. Wozu fünf Seiten auf Citate aus der
„Zeit der Ruhe" verwenden, wenn nicht mit einem Wort
die aus der .Tugendphilosophie Seh. 's sich ergebende Lehre
von der Identität des Aesthetischen und Ethischen (nach
Shattebury's Satz „all beauty is truth") erwähnt resp.
erläutert werden soll? Aber auch von der späteren
Gestaltung Jenes Verhältnisses in Schillers Theorie, wobei
sich das Schöne als ein Analogen des Guten (Sittlichen)
herausstellte (Identität der Form derselben), erfahren
wir nirgends etwas. Und das ist doch der Kernimnkt
von Seh, 's Lehre, (S. 20 Anm, wird Falsches und Miss-
verstandenes gesagt; S. 52 letzter Absatz drückt er
sich in ganz vager, zu Missverständnissen leitender Weise
über die Arten der Schönheit aus.)
In einer Einleitung (S. 27— 4.S!) gibt uns der Verf.
Gelegenheit, in der „Uebersicht der Urtheile Seh, 's über
Bildnerknnst, Alalerei und Musik" die ersten .Anfänge
eines inductiveu Verfahrens zu bewundern; aber auch
' Uebrigens verstellen wir, wodiircli vorleilet der Verf.
eine ebenso verkelirte als gesuchte Kiiitlicilung uidclien Uuniite.
1 '»3
18f)l. Literiiturliliilt für permaiiiKclie und rumaiiisilie Philologie. Nr. 6.
1114
liier bleibt es beim Anfzälilen — zu einem Sihliiss driing'te
den Verf. sein wisseiiseliaftliclier Sinn nicht hin. Und
wenn auch, so wäre er ja wertlilos : di'nn alle diese
., l'rtheile"', aus ganz verseliiedenen Anschauungsweisen
gefiiissen, sind incommeusurable Grössen, — oder wenigstens
für den einheitlichen Bau einer .\estlietik unbrauchbar,
falls nicht ein ,. Gemeinsames" sich aufdecken lässt. I)(jch
dies .Alles lair dem Verf. ja fern ; — wenn sie nur da-
stehen, die rrtheile, schwarz auf weiss! — Was sollen
ferner Anecdoten, „Züge aus dem Leben'' und dergleichen
Allotria (vgl. S. .38 39. 81 und sonst); was soll das
Hereinziehen von Lebensumständen unter ganz willkür-
lichen und verkehrten, den Thatsachen widersprechenden
Auslegungen (vg:L z. B. .S. 70 ff.) in einer Schillerschen
.\esthetiky Und so geht es unerriuicklich weiter —
wir hören von allem Jlögiichen. nebensächlichen und nicht
hierher gehörigen Uingen, die als äusserer Aufputz dienen
müssen (vgl. S. 37, 8. 44 ff., S. 70 ff., S. 81 ff. u. s. w.);
in dem Nebeneinander von Notizen entgehen uns überall
allgemeine Gesichtspunkte, von denen aus das Einzelne
erst das richtige Licht erhalten könnte : es fehlt der
Krvstallisationspunkt für das ermüdende Detail. Das ist
der Charakter des Ganzeu. — An Jlissverständnissen,
Verkehrtheiten und L'ngenauigkeiten im Einzelnen ist
auch kein Mangel : so S. 42 g-anz Falsches betr. Seh. 's
Ansicht von Inhalt nnd Form; S. 73 „Krnstschönheit
vom Geiste geschaffen" und S. 74 „eine dritte Schön-
heit", beides falsch, denn Seh. unterscheidet: Schönheit
des Baus und Schönheit des Spiels! S. 79 80: ..für
Seh. kamen die object. Formunterschiede gar wenig in
iSetiacht"; da möchte man dem A'erf. anratlien, den
Kallias und die ästhetischen .-Vbliandlungen eingehender
zu Studiren, anstatt, wie er dies öfters thut, blindlings
in den Spuren Tumascheks einher zu stolz'iren ; S. ßb
mengt er ..Schönes"' und ..Erhabenes" vollständig durch-
einandei-, walirscheinlich Toniaschek missverstehend, dessen
Benutzung er nicht immer eingesteht; so z. B. .S. 73
und S. 79 letzter Absatz.
Zu rühmen vermag ich bloss die scheinbar grosse
Belesenheit des Yerf.'s: im Uebrigeu bleibt das Buch
eine ^'ersündigung an Schillers Aesthetik.
(üessen. Karl Berger.
Westenholz, Friedrich v., üeber Byrons historische
Dramen. Ein Beitiajf zu ihrer ästlietisclien Würdigung.
Stuttgart, Krieilricli Fronimanns Verlag (E. Hautf). 1890.
(i-l S. f<.
l'ie Dramen Byrons haben seit dem Vorgange
Goethes in Deutschland mehr Anerkennung gefunden als
in des Dichters Heimathlande. Denn abgesehen von
Bnlwei', der ihnen in seinem Buche 'England and the
Engli.sh' übertriebenes Lob gezollt hat, sind die englischen
Literarhistoriker entweder ganz an ihnen vorüber ge-
gangen, oder haben sie als ziemlich gering wert big ab-
gescliätzt. Erst in jüngster Zeit hat sich in W. Gerard
(Byron restudied in his dramas, London 1886) ein eng-
lischer Gelehrter gefunden, der den Byronschen Dramen
ein tiefergehendes Studium gewidmet und sie ohne \'or-
eingenommenheit gewürdigt hat. A'on diesem Buche
angeregt, ist Westeuholz von neuem an die Arbeit ge-
gangen, um auch in Deutschland wieder einmal eine
Lanze für den Dramatiker Byron einzulegen. Wie weit
übrigens die W.'sche Schrift von Gerard unmittelbar
beeinflusst sein mag, hat Ref. nicht nachzuprüfen ver-
mocht.
Ehe W. auf seinen eigentlichen Gegenstand eingeht,
forscht er den Lebensverliältnissen nach, unter denen
Byron zum Dramatiker wurde. Dabei sucht er den
Nachweis zu erbringen, dass dem Dichter die lyi-isch-
epischen Formen füi- die Wiedergabe seiner Erlebnisse
nnd Geniüthsstinnnungen zu eng' geworden seien und dass
er sich aus innerer Nöthigiing zur dramatischen Gestaltung
getrieben gefühlt habe. Die Beweise, die der Verfasser
dafür vorbringt, erscheinen uns indessen für zu schwach,
und wir halten demnach bis auf Weiteres an der Auf-
fassung Elzes fest, nach der Byron mehr aus Laune und
eigenwilliger Selbstgefälligkeit als aus wahrhaft innerem
Drang das Feld der dramatischen Poesie angebaut habe.
Wäre Byron ein wirklicher Dramatiker gewesen, wie
hätte er sich dann gegen jede Aufführung seiner Stücke
von vornherein so verwahren können'/ Damit, dass er
nicht Von der Bühne herab hat wirken wollen, dass er
nur Lesedramen verfasst hat, hat er sich selbst das
Urtheil in Betreff seiner dramatischen Veranlag'ung ge-
sprochen.
Von seiner Untersuchung hat Westenholz diejenigen
Dramen ausgeschlossen, die in Deutschland bereits ein-
gehende Würdigung gefunden haben; er begnügt sich
also mit einem Hinweis auf die ziemlich umfangreiche
Manfred-Literatur sowie auf die Abhandlimg von Schaffner
über 'Cain' (vgl. Ltbl. 1881, Sp. 57, 58) und auf die-
jenige von Georg Mayn über 'Heaven and Earth'. Das
Schauspiel 'Werner' lässt er als eine zu äusserliche Dra-
matisirung der Harriet Lee'schen Novelle mit gutem
Rechte ganz beiseite, so dass ihm — von dem Fragment
'The Defornied transformed' abgesehen — nur 'Marino
Faliero', "The two Foscari' und 'Sardanapalus' zu be-
trachten erübrigt.
Was W. über diese sog. historischen Dramen zu
sagen weiss, ist im Allgemeinen wenig zu beanstanden ;
doch ist es auch nicht dazu angethan, das bisherige
Urtlieil über die Byronschen Dramen wesentlich nmzu-
gestalten. W. selbst verschliesst sich keineswegs gegen
ihre Schwächen, sondern erkennt laut ihren Mangel an
Exposition, an Handlung luid ('harakterentwicklung an.
Immerhin schlägt er aber Byrons dramatische Begabung
noch zu hocli an und wird damit zwar den Beifall der
Literarhistoriker vom Schlage Karl Bleibtreus finden,
im Allgemeinen aber mit seiner Ansicht ziemlich ver-
einzelt stehen.
Von Interesse ist, wie W. den tragi,schen Conflict
in Marino Faliero' entwickelt. Danach beriüit er in
Folgendem: Der sterbende Loredano hatte seinem Freunde
Faliero die Serge um seine Tocliter Angiolina ans Herz
gelegt. Dieser glaubt des Freundes Auftrag am Besten
erfüllen zu können, wenn er .Angiolina zu seiner Gattin
macht. Allein gerade als solche erfährt sie den Schimpf
von Seiten Stenos, und darin, dass Faliero trotz seiner
fürstlichen Stellung die Gattin nicht vor Unbill zu be-
wahren vermocht hat, liegt seine Schuld, die er bei dem
Versuch, die in seiner Person beleidigte Majestät des
Staates wieder herzustellen, mit dem Leben büsst. —
In der Person Angiolinas sieht W. eine dichterische Ver-
herrlichung von Byrons Schwester Augusta (Mrs. Leigh).
Einen werthvollen Theil der W. 'sehen Schrift machen
die Untersuchungen aus, die dem Quellennachweis für
'Marino Faliero' nnd 'The two Foscari' gewidmet sind.
War auch auf wesentlich neue Ergebnisse von vorn-
herein um so weniger zu rechnen, als Byron zum Ver-
ständniss seiner Dramen die Kenntniss seiner Quellen
geradezu voraussetzt, so ist es doch dem Verf. sehr wohl
lö
195
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6.
l'.Ml
gelung:t'ii, nicht nnr die iiberpinstimmenden Ziig:e zwischen
den lieidtMi l»ra)iicii und ihren yiudleii darzustellen, son-
dern auch die (iründe naelizuweisen, warnni der IMehter
d:i und dciit .Aenderungen an der f^eseliielitlielien l'eber-
liet'erunii- vorprenonnuen hat. Auch die Verfrleiehuiiff von
Kyrons 'Jlarinu Faliero' mit dem gleichnamig^en Stücke
Delaviffnes ist wühl am Platze, insofern sie zeigt, dass
(ioetlie Reclit hatte, wenn er sagte, man könne Uj'rons
'Jlarinu Falieru' sehr wohl bühnentahig- machen, ohne
ilim 'durch .\endei'ungen zu schaden'. Die von -A. Fitger
für ilie Jleininger hergestellte l'ebersetzung und Bühnen-
beaibeitung des Stückes scheint W. unbekannt geblieben
zu sein. Sonst hatte er sie jedenfalls neben den übrigen
Bearbeitungen, die auf S. 31 erwähnt werden, mit-
genannt.
Hir 'Sardanapalus' war ein eingehender Quellen-
nachweis nicht ei'forderlich, da das Stück weit weniger
als beschichte als vielniehi' als Selbstei-lebtes aufzufassen
ist. W. nennt es nicht mit Unrecht 'eine dichterische
Beichte*. Es ist eine Verklärung des Verhältnisses
Byrons zur (rrätin Guiccioli; denn niemand anders als
sie ist in dem Bilde Slyrrhas wiederzuerkennen. Indem
der \>rf. dies nachweist, nimmt er \'eranlassnng das
herabwürdigende Urtlieil .leatfresons über das ^'erhältniss
Byions zur (irätin zurückzuweisen. I)aran tliut er gewiss
recht. Byron hat in der (luiccioli entschieden mehr als
'an extremely eligible mistress' gefunden und ohne sie
wäre er wahrscheinlich noch tiefer in den italienisdien
Sumpf gesunken, als er es ohnehin schon getlian hat.
Der Versuch, dem Jlenschen in Bj'ron grössere Aner-
keinumg zu verschaften, niuss anderseits als verunglückt
gelten; die schönen, zum Theil grossen Züge, die sein
Charakter aufweist, sind, auf deutscher Seite wenigstens,
nie verkannt worden. Allein man wolle doch nicht
— wie das ein Bleibtreu thut — von uns verlangen,
in Lord Byron neben dem unsterblichen Dichter den
exemplarischen Jlenschen zu bewundern!
Was die äussere Seite des W. 'scheu Buches betrittt,
so wäre eine strenger abgegrenzte Eintheilung zu wünschen
gewesen. Anf S. 36 läuft die Betrachtung des 'Marino
Faliero' in die der 'Beiden Foscari' ohne irgend welchen
erkennbaren Abschnitt über. Dnrcli Eintliiilung in
Kai)itel, die sich ja leicht bot, Iiätte die Sciirift an
Cebersichtliclikeit sehr gewonnen, .^ncli düifte sicli der
Verf. noch einzelne ganz entbeiirliche Fremdwörter ab-
und eine einfachere .\usdrucksweise angewöhnen. -Vn
verschiedenen Stellen begegnet man Sätzen, die nichts
weniger als mustergiltig sind.
Friedrichsdorf (Taunus). Ludw. Proesclioldt.
Le Roman de Markes de Roma herausgegeben von Johann
Alton. (Uibliutlick <lc8 litorarisclicn Vereins in Stuttgart,
CLXXXV.) Tübingen IHHi). (J, 182 S. H. (Nicht im liuch-
liandcl.)
Diese vortreffliche Ausgabe eines literar-historisch
sehr wichtigen Textes scheint bis jetzt übersehen worden
zu sein. Es mag dies seinen (irund dai'in haben, dass
es ein l'rosatext ist, welclie sich bis jetzt ausnahmslos,
auch wenn sie literarhistorisch noch viel wiciitigei- waren,
keiner besondeitn Heaclitung zu erfreuen hatten. Dazu
koiiwnt, dass ilir sprachlich-philologisches Interesse gering
ist, wälirend anderseits der kritische Aufbau eines nach
vielen Handschriften (hier zehn!) herauszugebi>nden Prosa-
textes die schwersten Anforderungen au den Scharfsinn,
die Tüchtigkeit und (ieduld des lleiausgebers stellt.
Wobei obendrein, da das fast allein ausschlaggebende
! Kriterium der Reime und der Silbenzahl fehlt, eine an-
! nähernd befriedigende Sicherheit, wie sie die Reimtexte
bieten, nicht erreicht werden kann. Die Einleitung gibt
zuerst Aufschluss über die Stellung des Ronuins von
Harke, dem Sohne Catos, zu den Sieben weisen Meistern
von Rom, dessen unmittelbare Fortsetzung er bildet, und
bespricht dann die lange Reihe der weiteren Fortsetzungen
des einst wtdtberühmten Stoffes: Fiseus, der Sohn Dio-
detians (auch nach dem Solnie Markes Eaurin genannt);
C'assidorius; Peliarmenus und Kanor. Die Zeit lässt sich
nicht genau bestinnnen; sicher ist nur, dass der Marke
die 'Sieben weisen Jfeister' zur A'oraussetznng hat und
anderseits nicht nach 1277 verfasst sein kann. Eine
Quelle, in der sich die zwölf Erzählungen des Rahmen-
romans beisammen fänden, ist nicht nachzuweisen; den
einzelnen Stoffen gehen die am Scliluss des Bandes
stehenilen .\nmerkungen eifrig nacli, vgl. dazu den Ueber-
blick S. XI f. Es folgt S. X11~XLV die Beschreibung
der zehn Handschriften und die Begründung des S. XLV
aufgestellten Stammbaumes. Die ganz besondere Schwierig-
keit einer kritischen .\usgabe springt bei der schlichten
riarstellung des Thatbestandes in die ,\ugen: die zehn
Handschiiften vertlieilen sich auf zwei Gruppen, wobei
merkwürdigerweise eine (M) beide zu vereinigen scheint,
die der Hrsg. dann an die Spitze stellt — freilich könnte
sie auch contaminirt sein und wäre dann werthlos. Nun
sind aber die ältesten und besten unvollständig, er konnte
sich also nicht an M halten, sondt'rn nuisste P, die am
besten erhaltene, zu tirunde legen. Und nun die Haupt-
frage: In welche Jlundart ist der kritische Text umzu-
setzen'? Wenn man nicht aus äusseren (Gründen die
Heiraath des \'erfassers (und auch dann kann er, wenn
kein geborener Ile-de-France'er, sich doch noch dieser
Mundart bedient haben), so fehlt jede Handhabe. Wenn
der Hrsg. deshalb, weil JI ihm dem Original am nächsten
zu sein scheint, den Text für ursjir. pik ardisch hält,
weil M pikardisch ist, so ist dies methodisch, wie der
Hrsg. selbst weiss, iinli;iltbar: denn da M kaum die
Uischrift ist, so kann, wenn es nur einmal abgeschrieben
worden, der Schreiber bereits seine Mundart, da ihm
ja beim Prosatext keine Fesseln angelegt waren, einge-
führt haben. Und doch hätte wohl manch Anderer bei
dem Umstand, dass die Mehrzahl der llaMilschriften dem
N. oder NO. gehören, sich elienso entsciiieden, wie der
Hrsg. : welchen \N'eg man eben überhaupt wählen mag,
er ist auf keinen Fall wissenschaftlich zu rechtfertigen;
und irgend eine Mundart inuss der Text doch, da ei- ja
nicht körperlos ist, nach aussen hin aufweisen! Der
Hrsg. wählt schliesslich den besten .Ausweg: er druckt
die Mundart der Handschrift ab, der er als der voll-
ständigsten folgen muss (P) und so erscheint der Text
in francischer Färbung. Es folgt nach der Inhaltsangabe
des Romaus eine sprachliche Darstellung des Wissens-
werthesten der Schreibungen von sieben Handschriften,
w-orin sich manch wichtige Foi'm findet (S. LI II hätte
ich lieber eiie, laue, eaiic mit n statt mit v geschrieben)
S. XL\'l — I.XI; die Einleitung bescliliessen die wich-
tigeren Lesarten der einzelneu Handschriften (S. LXll —
C). S. 1 — 143 steht der kritische Text, der sich ganz
glatt liest; den Rest des Buches füllen .\nmerkuugen,
die alles sprachlich und sachlich Wichtigere erläutern;
das (janze beschliesst ein Wöi'terverzeichniss. S. 1(17
ist f;(/.s7(7' Druckfehler statt (v/.v/cr, ebenso wie Matriquet '
auf der folgenden Seite; 17t)a schiiebe ich lieber U(er-
tener, wie es denn auch kein toiser (sondern ti^nvr) gibt,
\97
1891. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 6.
198
unter '■ fehlt die morkwürdig-e Form renic C 33 b 4.
Maiulimal kounti'u Etymnlog-ipii besser fehlen; ich
wenigstens hätte dansiir nicht mit *(huisicure erklärt,
(las ja ihiD.^'ier, ildtifioicr hätte <;feben müssen, eiitexer
"empiirlieben ist ungenau, niiitie ist wahrscheinlich
tiiiitie, Wenn mau sieh der Schreibung französ. Hand-
schriften nidiiee erinnert.
r>er Herausgeber hat mit stets wachsender Tüchtig-
keit und Besonnenlieit sicli seiner schwierigen Aufgabe
wiilil entledigt, naclidem schon seine erste Publikation
ein festes philologisches Wissen nachgewiesen hatte.
Nunmehr hat er seine Kräfte an eine wiederum ver-
schiedene und wahrlich nicht leichte Aufgabe gewagt,
und so können wir auch der .jetzt von ihm zu erhoffenden
kritischen Ausgabe des Anseis von Karthau'o mit vollem
Bonn.
W. Foerster.
Rahstede, G.. Wandernngen dnrch die französische
Literatur. Bd. I. Üpiichi, U. Maske. !8:il. :;i46 S.
Der erste Band dieses Werkes, dem wohl noch
etliche Fortsetzungen folgen werden, behandelt das Leben
und die dichterische Thätigkeit von Vincent Voittire,
dem seiner Zeit viel gefeierten Jlode- und Hofdichter
der preziösen Gesellschaftsepoche. Herr R., dem für
seine unermüdete Thätigkeit auf dem Gebiete der Literar-
historik um so mehr Dank gebührt, als ein schweres
Korperli'iilen ihm seine Aufgabe sehr erschwert, hat die
vorhandenen Quellen unil Hilfsmittel tleissig und sorgsam
ausgenutzt, und somit ist es nicht seine Schuld, wenn
er kaum etwas erheblich Neues, etwas, das z. B. wesent-
lich über Lotheissens Darstellung hinausginge, gibt. Auch
der sehr wandelbare, der sittlichen Festigkeit entbehrende
Charakter des Dichters und seine zum Theil flache und
gezierte Gelegenheitspoesie, die nur auf den Beifall der
Salonwelt, nicht auf das Urtheil der nachkommenden
Geschlechter berechnet war, werden in der Hauptsache
ebenso gescliihiert, wie das vordem schon öfter geschehen
war. Aber R. schreibt offenbar nicht in erster Linie
fiii' Fachgelehrte : er will Leser von tieferer literarischer
Bildung in das Verständniss einer entlegeneren Ivultur-
und Literatnrperiiule einfüliren. Zu diesem Zwecke ist
seine leicht übersichtliche, anziehende Darstellung sehr
geeignet, und die vielen Proben aus Voitures witzig
unterhaltenden und flott geschriebenen „Episteln" werden
für diejenigen, welche weder Zeit noch Neigung zum
Studium derjenigi-n Zeiten der französischen Literatur
lialien. die ausserhalb des sog. Klassizismus liegen, höchst
willkommi'n sein. Auch der, welcher sppciellere Studien
über dii' Zeiten des Preziösenthums und über Voiture
selbst gemacht hat, kann aus der geschickten Zusammen-
fassung Rahstedes noch einigen Nutzen ziehen.
Dresden. R. Mahrenholtz.
Denx Opnsciiles de Montesqnien, p. p. le baron de
Montesquieu. Bordeaux, (i. OenouiUiou. 1S91. 91 S.
Die noch lebenden (ilieder der Familie Montesquieu
beabsichtigen, die noch ungedruckten Werke ihres grossen
Vorfahren herauszugeben und haben den Anfang mit den
Ri'-rfc.rion.'< sur lu Munanhie uiürirscjlc und der Ab-
liaudlung De la Coiisiilcration et R('jiitt((fiuii gemacht.
Die erstere wurde wahrscheinlich vor 1724 von M. ge-
schrieben und in wenigen Exemplaren für Freunde ge-
druckt. Der .\utor bealisichtigte einen Neudruck, in dem
manche ihn gefährdende Stellen wegfallen sollten und
versah zu diesem Zwecke ein Exemplar des ersten Druckes
mit Correcturen. Dieses Exemplar ist 188ß wieder in
die Hände der Familie Jl. gekonnnen und hier abgedruckt
worden. Da Jl. die Hauptgedanken seiner kleinen .\b-
handlung mit dem Esiirit def: Luis später verschmolzen
hat, so lernen wir hier seine politischen Grundgedanken
kaum von einer neuen Seite kennen. Er zeigt sich als
entschiedenen Gegner des Despotismus und der Universal-
monarchie, die nur auf der Grundlage eines despotischen
Regierungssystems möglich sei und weist deren Aussichts-
losigkeit oder geringe Beständigkeit für die mittelalter-
lichen und neueren Zeiten an geschichtlichen Beispielen
treffend nach. I>er Orient, in dem ein Sieg über das
Schicksal von Millionen entscheide, sei der geeignete
Boden für die Weltherrschaft. Einen scharfen Tadel
eifährt auch Ludwig XIV. wegen seiner Eroberungssucht,
welche die Selbständigkeit der andern Völker Europas
bedrohte; M. betrachtet daher die Niedeidagen Frank-
reichs im spanischen Erbtolgekriege als einen Dienst,
den der Himmel geleistet habe. Allerdings bezeichnet
er das Streben Ludwigs XIV. nach Universalmonarchie,
welches ja thatsächlich nur in eingeschränktem Masse
bestand, als eine Anklage der Feinde, die sich mehr auf
Befürchtungen, als auf Vernunftgründe stütze, doch ist
darum der eingehende Nachweis des Herausgebers, dass
der französische Monarch nach Weltherrschaft Begehr
getragen habe (Eiul. S. 6 ff'.), im Grunde unnöthig, weil
ja Montesquieu diese Beschuldigung gar nicht ernstlich
zu widerlegen sucht.
Die zweite Abhandlung wurde 172.5 für die Academie
von Bordeaux von M. angefertigt und später von der
Marquise von Lambert umgearbeitet. So wurde sie in
die Werke dieser Schriftstellerin (.\msterdam 1758) auf-
genommen. Hier wird M.'s ursprüngliche Arbeit zugleich
mit den Umändenuigen der Marquise abgedruckt. Doch
geht die kleine, eines Montesquieu kaum ganz würdige
Abhandlung nicht über moralische .Allgemeinheiten und
weltmännische Lebensregeln hinaus, wie sie der Auf-
klärung des XVIII. .Jahrhunderts eigen waren.
Nicht ohne Werth für den Specialforscher ist ein
von dem Hrsg. hinzugefügter Anhang. Hier wird zu-
nächst eine Verfügung des Maire von Bordeaux vom
29. November 1890 mitgetheilt, nach der die beiden
Häuser, welche M. zuletzt in Bordeaux bewohnte (Allees
Danioui- .31 u. 33 und rue Porte-Dijeaux 87) durch
Marmortafeln geziert werden sollen, dann tindet sich
eine sehr gelehrte Abhandlung von Raj'mond Celeste
reproducirt. in welcher M.'s Wohnungen in Bordeaus,
seine Verdienste um die Academie, seine Förderung des
Weinhandels der Garonuestadt, seine Familienverhältnisse
und die seiner noch lebenden Nachkommen eingehender
erörtert werden. Es leben noch sechs Urenkel mit ihren
Familien. Von weiteren ungedruckten Werken des be-
rühmten Schriftstellers sollen 21 Nunnneru verschieden-
artigen Inhaltes publicirt werden, darunter auch Briefe
M.'s. Den Schluss sollen die an M. gerichteten Briefe,
ein Katalog seiner Bibliothek imd autographische Notizen
bilden.
Für den Specialforscher haben solche nachträgliche
Bereicherungen des literarischen Bestandes ein unleug-
bares Interesse, zumal, wenn das Andenken an einen
hochbedeutendeu Mann schon verblasst ist. Die be-
sprochene Publikation, der übrigens historisch-kritische
Noten, sowie gute Einleitungen beigegeben sind, ist
ausserdem durch eine Aquarelle, welche M.'s Geburts-
haus, das Schloss La Brede, darstellt und durch einen
109
1891. Literaturblatt fQr germanisohe und romanisohe Philologie. Xr. 6.
200
l'laii der Detliaiiei von Saint-Serrin, in der M. 29 Jahre
(172.5 — 1751) wohnte, geziert worden.
Dresden. R. Mahreulioltz.
Schncliardt, Hugo, Kreolische Studien IX. Veber
ilits Malaioportiigiesiüclip von Ratavia nml TnK».
Wien IS'.n. 2.jl> S. S. (Sil/.uii;jslK'iiclilf iler kiii». Aknd. d.
Wl»s. Phil.-hist. Cl. CXXII N. XII.)
Man möfre es mir lÜL-iit als Unbescheidenheit an-
1 .'(•linen dass ich meine eififene Schrift anzeige, noch wie
und in Weichem l'mfangc ich dies thue. Die Befürch-
tiniir lie;,'! nahe dass sie die Humanisten wegen des all-
/.nvieli'U Malaiiscii das sie zur Schau trägt, ebenso rasch
aus der Hand legen wie ille Malaiisten wegen des a11-
/.nvielen Portugiesisch, und dass sie Sprachforscher anderer
Kreise nicht einmal in die Hand nehmen. Idi beschränke
iiiicli nicht auf eine Inhaltsan^-abe. sondern ich werde
darlegen wie diese .Arbeit an andere ansetzt, andere
Vorbereitet, welches Verfahren ich im Allgemeinen und
im Kiiizeluen eingeschlagen habe, welche Mängel ich
ni<lit habe vermeiden können, welche Nachhilfe, welche
Fh-gänzungen ich erwarte.
Icii behandle das Malaiopnrtugiesische der Insel .Tava,
für Welches mir aus drei .lalirhuiiderten Quellen zur Ver-
Inguntr stehen, und zwar für das zu Batavia gesprochene:
1. ans dem Kude des 17. .Ih.'s, von ganz Vereinzeltem
abgesehen, ein mit höchster Nachlässigkeit aufgezeich-
netes nnd gedrucktes liespräch, sodann handschriftliciie
Dichtungen, welche, mit malaiischen zu einer Sammlung
veieinigt. den tiegenstand einer besonderen Veröft'eiit-
liciiunir bilden srdlen, wobei ich mich über die ..Pantuns",
<lie malaiisdien Sclniaderliüpfejn und ilne Berührung
mit den portugiesisclieii N'ierzeilen ausführlich zu äussern
gedenke; 2. aus dem Jlnde des 18. .Th.'s ein umfang-
reicher gedruckter Wortscliatz, welcher auch Gespräche
und sonstiges Zusannnenliängende enthält. In unserer
Zeit scheint das Malaioportugiesische zu Batavia ans-
^M'stoiben zu sein und auf .lava nur in dem kleinen Ort
'Pujju Von gegen 110 Personen gesprochen zu werden.
Von dem heutigen Tugusch nun verscliatfte ich mir nach
und nach zahlreiche Aufzeiclinungen. Unter ihnen be-
Huden sich einige ursprünglich portugiesische Lieder,
welche den Leuten selbst ziemlich unverständlich ge-
worden sind (diese halbkre(dische Art von Ueberliefe-
nnitren wird anderswo weitere Beleuchtnng erfahren),
Mud Kindericime, deren Dunkelheiten theihveis ähnlicher
Natur sind, theihveis durch Bekainitseliaft mit den Spielen
uelichtet werden können. Wenn mir auch in den Prosa-
stücken Manclics nidit ganz klar geworden ist, so beruht
dies vor Allem darauf dass die Aufzeichnungen, über
deren nähere Umstände ich unterriclitet zu werden
wünschte (besoudcis inwieweit sie Dictat oder Abschrift
sind), an \'erselien und Ungleichmässigkeiten kranken.
Immerhin ist der vorliegende Stott' ein im Wesentlichen
zuverlässiger und gestattet auch durch seine Eeichhaltig-
keit rlie Einzelheiten an einander zn prüfen. Es ist
nicht leicht bei kreolischen Mundarten ein so günstiges
Ki-gebniss zu erlangen, und das möchte ich durch einige
alliremeine Bemerkungen ins Licht setzen. Vor mekreren
• lahren äusserte mir ein Kreuiul sein Befieniden darüber
dass ich den Muth hätte über Mundarten zu arbeiten
die mir nicht zu (lehör gekommen wären; er empfahl
mir allen Ernstes überseeische Reisen zum Behnfe meiner
kre(dischen Studien. Die Sache ist aber nicht so ver-
zweifelt um zu so veizweifelteu Mittidn greifen zu lassen.
Ueber das Lautliche sind wii- hier allerdings am .Schlech-
testen nnterrichtet, doch hat das gerade hier nicht einen
so hohen wissenschaftlichen Werth wie in andei-n Mund-
arten. Uebrigens Hesse sich innerhalb eines irewissen
Umfang« diesem Maufrel leicht abhelfen: denn in London.
Lissabon, Paris linden sich einerseits genug kreolisch
Hedende aus den Kolonien, anderseits die Leute dazu
ihnen das Feinste und Kleinste abzulauschen. Unter
jenen gibt es manche von höherer Bildung, die thätigen
Antheil an der Förderung unserer Interessen nehmen
würden: ja. Einer und der .\ndere vermöchte uns über
Alles was wir zu wissen wünschen, von sich aus zu be-
lehren, und so lioft'e ich insbesondere dass .losejdi Bedier
über dem Französischen der Lais und Fabliaux nicht das
vergessen wird w'elches ihm in seiner tropischen Heimath
erklang. Manche kreolische Mundart hat freilich wenig
Aussicht unter die wissenschaftliche Lupe zu kommen;
wenn sie nämlich dem Weltverkehr entrückt und bei
einer kleinen .\nzalil von Menschen im (iebrauch ist,
vielleicht gar nur als Familiensprache, sodass die tie-
fahr rascher Vermischung oder \'ertauschuug mit einer
andern Sprache hinzutritt. Da werden wir mit dem
fürlieb nehmen was überhaupt zn erreichen ist, dem
aber auch die Haumferne im Werthe der Zi'itferne
anrechnen: das heisst, wir werden solche Te.xte ebenso
sorgfältig betrachten und behandeln als wenn es etwa
mittelalterliche wären, und auf autoritative Berichtigung
und Besserung nicht allzu fest zählen, wenngleich sie
nach Kräften anstreben. Wie in den früheren Studien,
so habe ich aucli in dieser die kreolischen Texte (sowie,
mit gutem Vorbedacht, ihre malaiische Uebersetzung)
genau so veröflentliclit wie sie mir zugeschickt worden
sind, und dies X'eifaliren auf das aus dem „Neuen Wort-
schatz" Wiederabgedruckte ausgedehnt; da mir aber bei
der Correctur das Budi nicht mehr zur Hand war, so
ist es nicht ganz unmöglich dass einer oder der andere
Druckfehler unwillkürlich verbessert woiden ist. Die
Interpunktion rührt bei denjenigen tugusdien Texten
(e und 1') die ich selbst habe ordnen müssen, von mir
her; dabei war ich öfters unsicher. Einen Irrthum
(B 140) habe ich in den Nachträgen verbessert: einen
andern verbessere ich hier: morta, tempo für morfii.
Tempo B 6li0. In den Anmerkungen ist Sprachliches
und Sachliches in viel weiterem Umfange als für die
Textkritik erforderlich war, erörtert worden, aber ohne
dass dabei l)estiuunte (iiiindsätze obgewalti't hätten. Da
in der folgenden Unteisudiuug die Texte nur nach einer
Richtung hin ausgebeutet worden sind, so glaubte ich
durch gelegentliche Hinweise nnd Andeutungen etwas
nach anderen Riditungen vorarbeiten zu können; es
mag sich, um unseni Lesestü('ken ein Bild zu entlehnen,
damit verhalten wie mit den Heiskörneru die erst im
Sdilannne ausgestieut und daini wenn sie aufgegangen
sind, auf die Sawalis gebracht und da in bestimmten
Zwischenräumen eingesetzt werden. Gerade was die
Romanisten am Ersten interessiren würde, habe ich am
Wenigsten in Betracht gezogen. Manche altertliünilidie
und volkstluimliche Laute, Formen. Bedeutungen, Wörter
begegnen uns hier (ilisiid A (Kil nnisste ohne jedes Be-
denken > ilesiio, <I('SIU' gesetzt werden, welches nach
Moraes Silva der alten und genn-inen Sprache angehört);
die Neigung zur Labialisirung von e neben L.abialen
(bormelii, mman, sonioili) lässt sich ebenso aus dem
Mal. wie aus dem Port, herleiten, aber nur auf Rech-
nung jenes kounnt Wohl die regelmässige ^'ertretung des
,f (J) durch ilj, wiewohl auch z. B. dem Kaiiverdischen
201
1891. Litersturblatt für ^ermanisohe und romanische Philologie. Nr. 6.
202
lue Piifflisclio Aussprache des port. / iiielit tVeiiid ist.
Maiiulu's scheint iRHig:ebildet wie hhKjuKanii, friududi
(hcMudadi A 94b dürfte docli zuiiäclist auf hestidade
zuriickireheu), sirliidera, fjnpakv, lässt sich aber viel-
leiclit tlieilweise in den europäiselien Muudaiten nach-
weisen. Zuweilen wiiil ein Wort durch ein älmliclies
in seiner Jiedeutuns' liecinHusst, so mvrxcincutu (-^ iiiersi).
„Dank", „Liebe"; /Ji-eiita {-{- pn-sfa A ijoO > port.
presto), „sich eilen" A 374. .\ut1<l;iiuug- über gewisse
Wertformen, wie prenilesii, ..Eeligiou", hakija, „hüteu",
bei denen das Malaiisclie offenbar niclit im .Spiel ist,
ei'lioffe ich von Andern. Bei der vhm mir ausserhalb
der Texte bcobacliteten Ortliosraphie bedauere ich iiinter-
lier, micli durch die lüicksicht auf die arabische .Sdirift
allznselir haben binden zu lassen und nicht vielmehr auf
den Baiiiien Klinkei'ts u. A. gewandelt zu sein, also
z. B. öran<i, fcetjU und nicht oramj, kefjil g-eschrieben zu
haben. Erst während des Druckes ist es mir klar ge-
wordiMi auf wie unsiclierem Grunde die arabisirende
I.änsenbezeiclinunfr ruht und dass auch das il den Wort-
tou tragen kann. Ich bin iii Bezug' hierauf bei den
bat. -mal. Wortfonuen in einige luconsequenz gerathen,
indem ich auf sie tlieils mein mal. Princip, theils nach
.Massgabe ihrer Verwandtschaft und wie ich sie in den
besonderen Quellen verzeichnet fand, das javasche (sund.
bal.) angewendet habe. Die sehr bunte Schreibung dei'
krecdischen Texte habe ich in den Anführungen vor der
Hand nur einfacli und glei<hmässig, olme besondere Pein-
liclikeit, zu gestalten gesucht'; die Untersuchung über
die Aussprache bleibt einer späteren Gelegenheit vor-
behalten, die ältere Quelle scheint in dieser Hinsicht
nicht völlig mit der jüngeren übereinzustimmen (vgl.
z. B. eo, peo dort, ijo, pijo liier).
lier wissenschaftliche Schwerpunkt fällt bei einer
kreolischen Mundart in die Einwirkung der einen auf
die andere Sprache, die sich freilich niclit immer oline
Weiteres feststellen lässt (s. Zs. f. roni. Phil. XIII, 507).
X\\ die in den Kr. Stud. I und IV enthaltenen Unter-
suchungen schliesst sich, als weitere und tiefere, die
gegenwärtige an. Bevor die Einflüsse geprüft werden
welche das Malaiische auf das Portugiesische ausgeübt
hat, wird ein Blick auf die Einflüsse geworfen welche
es von daher und von anderer Seite erfaliren hat. Die
Betraditung solcher „correlateu"' Spradimischungen, wie
icli sie anderswo genannt habe, ist niclit nur im All-
gemeinen erspriesslich, sondern zuweilen auch im Be-
sondei-en erforderlich, so z. B. liier für die Erörterung
ob das accnsativ-dativische kong, ku (> port. com) des
Kreolischen dem ganz gleichwerthigen sama (eig. „mit"')
des Niedermalaiischen gefolgt ist oder umgekelu-t. Die
' Bei minha S. 72, Z. 1 v. u. für minja bin icli in die
port. Schreibung verfallen. Bei dieser Gelegenheit bemerke
ich noch einige Versohen die mir gerade aufstosseu. S. 69,
.157'' ist taoe in Klammern zu setzen (offenbar ist bllun;! mit
herl tähu vermischt worden); S. 195, Z. 8 v. u. das erste
,zu" zu streichen. Dass auch in einer so ausgezeichneten
Druckerei wie die Holzliausensche ist, beim Drucke Zeichen
abspringen können, beweisen perdi(-ao S. 4:i, Z. 5 v. u. für
penliQäo und yiin S. 216, Z. 4 v. u. für ^y(in. Bei der Cor- j
rectur entstand der Fehler belälSity 8. 13S, Z. 6 v. u. für j
helälanij. Ich fürchte, Andere werden auch in solchen Aeusser-
lichkeiten noch Manches zu bessern finden ; wo tlie Aufmerk- .
samkeit nach so verschiedenen Seiten hin in Anspruch ge-
nommen ist, mag sie trotz aller Anstrengung dann und wann 1
versagen. |
liolländisehen d'elelirten mögen es mir verzeihen wenn
ich in Bezug auf die Kennz(dchnung des Niedermalaiisclien
und des bataviaschen Malaüsdi midi vorläulig in Wider-
spruch zu ihnen gesetzt habe. Iili habe allerdings meine
Auffassung nur ans gedruckten (Quellen geschöpft, während
sie grossentlieils die ilirige an (_)rt und Stelle gewonnen
liaben; aber manclie Anskunft zu der sie eben dadurcii
befähigt sind und die für die Entsdieidung der Frage
von Wichtigkeit sein würde, sind sie uns bisher schuldig
geblieben. Auch ist mir eine übersichtliche Vergleichung
des Malaiischen mit den nächstverwandten Spraclien, dem
.lavaschen, Snndaschen u. s. w. hier sehr abgegangen
(das t(i[kltj S. D)2 Anm. 1 war unmittelbar zu jav. fiik
zu stellen). Im Weiteren habe icli dann einen ähnlidien
Gang eingehalten wie in meinem „Slawo-deutsdies und
Slawo-italienisches", nur die Erörterung des Lautliclien
auf eine andere Gelegenheit verspart, nämlidi auf eine
.Abhandlung welclie idi den portugiesischen Lelmwörtern
im Malaiisclien widmen will. Was die malaiischen Lehn-
wörter im Portugiesischen anlangt, so habe ich sie hier
nur von gewissen allgemeineren Standpunkten aus be-
leuchtet (insbesondere die lautliche und begriffliche
Miscliung portugiesischer und malaiischer Wörter be-
sprochen), von einer Zusammenstellung aller aber um
so mehr abgesehen als der Grad ihrer Einbürgerung ein
sehr verschiedener und wiederum im Einzelnen nicht
leicht zu bestimmender ist. Zudem habe ich sie, und
zugleich die aus andern asiatischen Sprachen sowie aus
dem Holländischen herübergenomineneu Wörter in dmi
Texten durch gesperrten Druck kenntlich gemacht (in
einem und dem andern Fall ist dies aus Versehen unter-
blieben, so bei dini B 418, isprhig C 8.5, maar A 50;
umgekehrt hätte es bei hnlsKincnto A 1541 unterbleiben
sollen). Wie die speciell malaioportugiesisclien Wörter
von den allgemein asioportugiesischen niclit durch eine
feste Grenze zu trennen sind, so auch nicht die letzteren
von den allen Portugiesen ganz geläufigen Wörtern
asiatischen Ursprungs. Man mag mich daher der Will-
kürlichkeit zeihen wenn ich zwar hainhii, fiila, kari
(engl, rurrij), katel, iicli hervorgehoben liabe, aber nicht
kahaju, kari(i)d)ola, kas (cuixa), ntpija. Wo ein Wort
nur theilweis unportugiesisch war, Hess sich das sdiwie-
riger darstellen; ich habe zwar in permissie, porsi,
passen si auf die, wie ich denke, holländischen Endungen
aufmerksam zu machen versucht, aber nicM umgekehrt
auf die portugiesischen Endungen der holländischen
Wörter wie kokkie A 10.35, Celle A 1209. rokkie
A 1406, hrillö A 23, s/ooi/soe A 1140. spierjeloe
A 1171, flessoe A 1220, isirikaB liSl (vgl. S. 177).
Wie das Malaiische viele tamulische Elemente enthält,
von denen sich dann auch dieses oder jenes im Malaio-
portugiesisclien liiidet (wie knnde), so hat das Letztere
auch unmittelbar aus dem Tamulischen geschöpft, indem
die Sklavenbevölkerung Batavias zum grossen Tlieil aus
Südvorderindien stammte, so kote, „Kern", kioia, ..Buckel",
tnndia, „Libelle"'; ja einzelne dieser Wörter scheinen
auch im Niedermalaiischen gebraucht worden zu sein,
so udiimhit, „Leguan"', mati, „Muschel". Das Gegen-
stück dazu bilden die malaiischen Wörter in dem Kreo-
lischen des dravidisdieii Gebiets (s. S. 181). Auch im
Kapholländischen kommen solche vor, von derselben Fluth
wie die portugiesischen dahin getragen. Als meine Haupt-
aufgabe habe ich es betrachtet die Einwirkung des
Malaiischen in der Innern Form des Kreolischen nach-
zuweisen, zunächst in der Bedeutung der einzelnen Wörter
303
1891. Literaturblatt ffir f^ermanische und romanische Philologie. Kr. 6.
204
(«alt" = -reif"*, .ein Schlag" — „sehr", «anziehen" =
«gebranclicn"), sodann in cjer der satzlicli verbundenen.
Wollen wir sie niii^'üclist vcranscliaulichon. so müssen
wir das Malaiisclii- nnil das Kreolisclir ans ihrer laut-
liehen Form hcraussi'hiili-n: fallen sie dann zusammen,
so ist die Einwirkniif»' eine vollkommene. Freilieh wird
eine solehe reine I)arste]]nng der innern Form durch
die reberbestimnitheit, den „embarras de richesse" unserer
."Sprachen sehr ersehwert: wir werden uns am Besten
helfen wenn wir ilie Wnittninieii iln-er llexiviselien. zum
Theil auch ihrer abh'itenden Kndunj»^en entkleiden und
sie mit einem S^trich al)breelieu. also z. 1>. mal. mdin
durch „spiel-" („Spiel", „.'^|)iele", „spielt", „spielen"),
//!/)'/*• durcli „liunger-" („Hunffer", „liunf,'ern", „iinngrig")
wieder^'-ebeu. .Manciimal ist es aber y:eradczu unniöjjlich
einen umfassenilen .\usdruek herzustellen, z. B. für mal.
(idd, welches sowohl „da sein", „es fribt" als „haben"
bedentet (wofür ich S. lil.5 noch weitere Parallelen liiitte
beibringen sollen, z. H. aus der Mbuiiduspraehe: sai
jhntiji, „es gibt Hühner", eme sai sniiji, „ich habe ein
Huhn" Hell ("hatelain, Ciranmi. eletn. do Kiuibundu S. 12;
aus dem Tsinukjargon : mithtit, „sitzen", „bleiben", „(da)
sein": iiiiiiikii milliit hulo dol/a, „wir haben kein Geld"
H. Haie, OreKcm Tr. L. S. ;{.5): hier freilich nehmen
wir, nmgekehrt wie beim port. hü und dem-kreol. teiif/,
die erstcre als die (Grundbedeutung an. Beim Kreolischen
stellen sich, im Hinblick auf die Werthe entsprechender
romanischer Formen, gewisse Bedenken ein. So ist ja
liringkn otl'enbar der port. Infinitiv hriinar, und dem-
nach scheint cli hriiKjki't übersetzt werden zu müssen:
„er spielen". Aljer mal. illja iiiniii ist zweifellos „er
spiel-", indem ni'hu nidit mehr dem Infinitiv als irgend
einer Form des Verbum finituni entspricht; wiederum
ist hier an eine Verschiedenheit der innern Form zwischen
XIalaiisch und Kreolisch nicht zu denken, und so hat
auch dieses „er spiel-". Oder, geschielitlic h ausgedrückt,
die Inrtnitivform ist von vornherein als \"i ibum schlecht-
weg gesetzt worden, es hat innerhalb des Kreolischen
gar keine Verdrängung der andern Formen stattgefunden.
Ich lasse nun nach dieser in meiner Schrift selbst nicht
angewandten Darstellungsweise eine Reihe von zugleich
malaiischen und kreidischi'n Heisi)ielen folgen, aus welchen
man den I'mfang der Sprachmischung ermessen wird:
ja das =^ nämlich,
gut- mit nicht sei- [ist] gut- Oufes und Schlechtes,
er sein- lang- seine Lange.
Sache- spiel- Spielzeug,
.sein- Spitze- ."^anien- die Spitze des Samens.
Lent- gut- welcli- reich- sowcihl ri'iclie als arme
gut- welch- arm- Leute.
Ding- welch- ander- andi're Dinge.
was mehr angenehm-';' was ist es angenehmer oder
nicht? nicht?
verdorben- Herz- für ich liiise auf mich.
ruf- mit Kutscher- lufe den Kutscher.
\V(dl- such- was? was suchen Sie?
sei- Lenl- sag- es gilit Leute ilie sagen.
Kind- Kind- Kimler.
Wenn zn den Beisiiieleu für die Erscheinungen sich noch
ein und das andei-e hinzufügen lässt (so zu S. 20b:
lielwr, kower, „tietriiuk", „Speise" A 1308 f.; zn S. 24():
l/ini-hini, „schlenkern" A I7H), so erklärt sieh das
- Miiiliir, web'lies nucli 1! "„'HS f. iinil iiIh »iiiiidiir C 81
vorkoinint, eiitspiiclil cleiii jav.-mul. müldiij (sonst mCistilf),
„leil" VOM weichen l''iüchtcn (auch „(jokuclit").
daraus dass ich nicht allznängstlich auf Vollständigkeit
bedacht gewesen bin: absichtlich habe ich aber manches
Vei'einzelte bei .Seite gelassen weil es mir nicht charak-
teristisch genug erschien oder nicht klar genug war
(z. B. '// ktiiisd = mal. <l(iri luil B 3ti. 10, von welchem
ich nicht weiss ob es im Sinne von akan hat, „was
anlangt" «gebraucht sein kann). Wer insbesondere dii'
tuguschen Texte mit der malaiischen Uebersetzung fort-
laufend vergleicht, wird überrascht sein zu sehen bis zu
Weichem (irade sie sich decken: und sollten sie hie und
da zu sehr au einander angepasst sein (s. S. 23), so
würde das dadurch aufH:ewo;;en werden dass nicht selten
eine .Abweielinng (von denen stofrticher .\rt ist natürlich
nicht die Rede) stattfindet wo vollständige Ueberein-
stiunnunir möglich war.
Dadurch wird nun eine Frage angeregt welche ihrer-
seits den Kern dieser ganzen schw'ierigen .\rt von l'nter-
suchungeii bezeiclinet. Haben wir in unserem Fall wirk-
lich ein Portugiesisch mit malaiischer innerer Form oder
nicht vielmehr ein Malaiisch mit portugiesischen Wörtern?
Warum die zwischen zwei entgegengesetzten (-rrenz-
niundarteii eines geschlossenen Sprachgebietes mitten
inne liegenden Mundarten sich, je nach ihrer grösseren
Aehnliclikeit mit der einen oder der andern, durch eine
feste (irenze kaum tiennen lassen, das begreift man
leicht; aber es befremdet dass selbst zwei unverwandte
und in ihrem Wesen so verschiedene Sprachen wie das
Jlalaiische und Portugiesische sich auf dem Wege der
Mischung in einer mittleren, zweifelhaften Zone be-
gegnen. Wo sich die beiden Factoren wie Leib und
Seele mit einander verbinden, darf man eine Kntseheidung
darüber ei'warten welcher als der massgebende zu gelten
habe, und diese Entscheidung wird von dem gewöhn-
lichen Mann wirklich ohne Weiteres sefällt, und zwar
zn ti misten des Leibes, wie er auch den Europäer, den
Neger, den Malaien dem Leibe nach von einander unter-
scheidet, ol)Wohl das ^■erllältniss bei dem Menschen selbst
eigentlich das umgekehrte ist wie bei seiner Function,
der Sprache. Der Sprachforscher pflegt sich dieser all-
tiiglichen .Vnftassung nicht zu entziehen. Nun hat man, als
man das Vorhandensein wirklicher Mischsprachen bestritt,
stark betont dass die (irannnatik, im (tcgensatz zum
Wortschatz, das Wesen einer Sprache bilde. Die (Gram-
matik deckt sich aber nur znm Theil mit der innern
Form, insofern sie nämlich SatzfüiTung ist: sie schliesst
einerseits die Bedeutung der einzelnen Wörter aus. er-
streckt sich anderseits auf die Flexionsmittel und auch,
ohne bestinnnte Begrenzung, auf die Beziehnngswörtei-.
und gerade in diesem Theil der (Gramnwitik. welcher
also iranz der äussei-n Form angehört, wird das eigent-
liche Kriterium für dii' Zugehörigki'it i'iner Sprache
gesucht. Dieser Unterschied zwischen (irannnatik und
innerer Form schrumpft jedoch beim .Malaiischen, das
keine Flexion kennt, sehr zusannaen, und die Sprache
der tuiruschen Texte, welche überdies oft malaiische
Beziehungswörter, und sogar das Passivpräfix (//- auf-
W'eist, würile sich g;inz wohl als Seitenstiiik z. B. zum
Zigeunei'sp;inischen, in welchem zigeunerische Woit-
stäunne in s)iai\isclie (irannnatik eingefügt sind, ansehen
lassen. Man könnte höchstens fragen ob ein iAIalaiisch
das ganz aus ])ortugiesischen Lehnwörtern bestünde, alle
malaiischen Wortbildunijselemente missen wüide: ich
denke, es könnte sie missen, wie ja das Niedermalaiische
von ihnen einen recht spärlichen tTcbrauch macht, und
es würde z. B. das tug. tomä iiiular für *l/cr-mulcr
205
1891. Literaturblatt für germanische und romanische l'hilulogie. Nr. 6.
20fi
(l/cr-hinf), ,,sich beweiben" zwar der Innern Form nach
(-- (iii.hll bJhi), aber nicht der CTrammatik nach nn-
malaiisch sein. Wenn die Analyse des Tugnschen in
Bezug- anf die Frafje „Malaioportng-iesiscli oder Portn-
giesonialaiischV" zn keinem sichern Ergebniss führt, so
wird ein solclies nocli weniger von der genetischen Be-
traclituiig' zn erwarten sein. Ich eriiniere nur an das
Eine dass eine Sprache ganz allmälig, durch fortgesetzte
Misdiung-, in die andere übergehen kann (vgl. Ansl.
1882 S. 868 f., Sl.-d. u. Sl.-it. S. 10); werden wir
dann etwa diese mit dem Namen jener belegen? Lassen
wir nun diese theoi-etische Erwiignng fallen, so scheint
eine practische übrig zu bleiben. Habe ich nicht etwas
sehr Ueberflüssiges getiian indem ich die Einwirkungen
des llalaiischen in der Innern Form des Kreolischen
eine um die andere ausführlich nachgewiesen habe'? ge-
nügte es nicht zu sagen: die innere Form stammt ans
dem Malaiischen, die äussere ans dem Portugiesischen,
und nur die beiderseitigen Ausnahmen, die malaiischen j
Wörter hier, die Reste portugiesisclier Syntax dort
(dahin gehört auch die Wortstellung in huiiitii sapatu,
httnUu Ijbiela \ 147ii. 1478) zu verzeichnen? Hat
man mir doch aus Saigon, als ich um Proben des von
Annamern gesprochenen Französisch bat, kurzer Hand
annamische Gespriichsamnilungen geschickt, in denen
Alles Wort für Wort französisch verdolmetscht ist, und
mir dazu bemerkt, dieses sich eng an das Annamische
anschmiegende Französisch entspreche durchaus dem von
mir gewünschten. Wiire es an dem, dann könnte man
die Sprachmischung nicht nur zum Gegenstand des Ver-
suches, wie ich am Schluss meiner ,.Beitr. z. K. d. engl.
Kreol. III" empfohlen habe, sondern sogar zum Gegen-
stand der Berechnung machen. Solche Berechnung würde
keine blosse Spielerei sein, aber allerdings nur wegen
der mit ihr verbundenen lehrreichen Schwierigkeiten
nicht. Es würde die Lösung einer solchen die Sprache
in ganz abstracter Weise behandelnden Aufgabe sich in
einer Reihe von Varianten darstellen, die selbst wiederum
nur Grenzwerthe für alle Ergebnisse wären die ans der
so mannigfachen thatsächlichen Berührung der Sprachen
erHössen. Bei einer kurzen Formel konnte ich es nicht
bewenden lassen, und ich niusste meinen Standpunkt
umsuuiehr auf der Seite des Purtugiesischen nehmen als
innerhalb der malaioportugiesisclien Mundarten eine starke
Abstufung des malaiischen Gehaltes wahrnehmbar ist,
diese wiederum mit andern asioportugiesischen aufs
Innigste zusammenhangen, von allen aber Coelho be-
hauptet hatte dass sie ihren Ursprung der Wirkung überall
gleicher psychologischer oder physiologischer Gesetze
verdanken und nicht dem EinÜuss der früheren Sprachen
der Bevölkerungen bei welchen sich diese Mundarten j
finden. Ich habe hiermit einen festen Mittelpunkt für I
die weiteren Untersuchungen gewonnen, welche sich auf
das Malaioportngiesische der Halbinsel, das von Timor, das
Chinoportugiesische von Macao und das Ceylonpurtu-
giesische beziehen sollen.
Das Studium der Sprachmischung steht erst in seinen
Anfangen, und wir sind noch weit davon entfernt jene
J'rage welche uns durch so manche Augenfälligkeiten
z. B. des Englischen w'ie durch so manche Dunkelheiten
z. B. des Lateins nahegelegt wird, beantworten zu
können: unter welchen Bedingungen sind in einer Sprache
Mischproducte an sich nachzuweisen, d. h. ohne Bezug-
nahme auf eine andere bekannte Sprache? Vor Allem
mit den ethnographischen Problemen verknüpft sich die
Prüfung der Sprachen auf fremde Bestandtheile oder
Einwirkungen hin; ich erinnere nur an Lepsius' weit-
blickende Einleitung zu seiner Kubischen Grammatik.
Aber die grammatische ^Mischung wie sie liier erörtert
wird — die der Bantu- und der hamitischen in den mittel-
afrikanischen Sprachen — lässt sidi schwer mit einiger
Sicherheit dartliuu, zum Unterschied von der lexikalischen,
von welcher kürzlich in der mon-annamisclien und ma-
laiischen Zusammensetzung der Tschamsprache ein schönes
Beispiel ans Licht gebracht worden ist. Wo wir den
festen Boden bezeugter Geschichte unter uns haben,
können wir unter allen Umständen mit grösserer Zuver-
sicht auftreten; solchen und dabei einen sehr merkwür-
digen bieten aber die kreolischen Mundarten in iiirer
EntWickelung als Handels- und Sklavensprachen dar.
Graz. H. Schuchardt.
Z o i t soll r i f t e n.
Archiv f. das Stadium der neueren Siirachen u. Lit.
LXXXVI, 2. 3: Alb. Lcitzniann, Beiträge zur Kenntniss
Georg Forsters aus ungedruckten Quellen. II (Forts.). —
P. Maehule, Bemerkungen zu Marlowes Kaustus. — Gust.
Krueger, Fremde Gedanken in J. J. Reusseaus erstem
Discours. — J. Zupitza, Zu§ 386 von Imm. Schmidts
Grammatik. — J. Z, Zu Wanderer 31. — F. Holt hausen,
Nachtrag zu den Quellen der York Plays. — A. Krause,
Zum Text des Ricliart le Biau ed. Foerster. — Sitzungen
der Berliner Gesellschaft für das Studium der neueren
Sprachen. — Mitglieder-Verzeicbniss der Berliner Gesell-
schaft für das Studium der neueren Sprachen. Januar 1891.
— Fr. B a c li ra a n n , Cli. F. A. Schuster, Lehrbuch der
Poetik für höhere Lehranstalten. 3. Aufl. — K. W e i n -
hold, R. Brandstetter, Prulegoniena zu einer urkundlichen
Geschichte der Luzerner Mundart. — R. Sprenger, Alb.
Kicbter, Deutsche Redensarten. Sprachlich unil kulturge-
schichtlich erläutert. — S. Waetzoldt, Deutsche Schriften
des Albrecbt von Eyb. fLsg. u. eingeleitet von Jla.x Herr-
mann. 1. Bd.: Das Ehebüclilein. — Fr. S p c y e r , Sämmt-
liche poetische Werke von J. P. Uz. Hrsg. ven A. Sauer. —
D e r s. , Briefe über Merkwürdigkeiten der Literatur. Hrsg.
von Alex. v. Weilen. — Ders. , Julius vun Tarent und die
dramatischen Fr.ngmente von Jobann Antun Leisewitz. Hrsg.
von R. M. Werner. — Ders., Ueber die bildende Nach-
ahmung des Schönen von Karl Philipp iloritz. Hrsg. von
Sigmund Auerbach. — Fr. Bach mann, Franz Ullsperger,
Der schwarze Ritter in Schillers Jungfrau von Orleans. —
Fr. Speyer, Kleists Käthchen von Hcilbroiin. Auf Grund
des ursprüngl. Plans für Bühne und Haus bearbeitet von
Karl Siegen. — George Carel, R. Mabrenhultz, Franz
Grillparzer. Sein Leben und Schaffen. Mit Purtr. u. Facsini.
\m Hinblick auf den lUU. Geburtstag des Dichters. — Fr.
Bach mann, K. L. Leimbach, Die deutseben Dichter der
Neuzeit und Gegenwart. 4. Bd., 3. u. letzte Lief. — J. Z.,
George Stephens, Is English a Oerman Languago? — W.
Mangold, Gottfried Ebeners Englisches Lesebueh für
Schulen und Erzieliungsanstalten. In drei Stufen. Neu bcarb.
von Karl Morgenstern. Erste Stufe. Mit einem Wörterver-
zeichniss. 6. neu bearb. Aufl. — Ders., J. Bube, Erstes
englisches Lesebuch. Eine Auswahl von Prosastücken und
Gedichten nebst Würterverzeichniss für den Schul- und
Privatgebraucb. — Ders., Otto Wendt, Englische Brief-
schule. Systematische Anleitung zur selbstämllgen Abfassung
engl. Briefe. Für den Untcrrichtsgebraucb hrsg. — J. Z.,
Erwin Heuse, Ueber die Erscheinung des , Geistes" im
Hamlet. — J. Z., Albrecht Wagner, Shaksperes Macbeth
nach der Folio vnn 1(523 mit den Varianten der anderen
Folios hrsg. — J. Z., Alas ! A Novel. By Rhoda Hroughton.
— J. Z., Looking Backward, 2U00— 1887. By Edw. Bellamy.
— J. Z., Imperial Germany. A Critical Study of Fact and
Character. By Sidney AVIiitman. Copyright Editinn, revised
and extended. — J. Z., Wormwood. A Drama of I'nris. By
Marie Corelli. — R. Sprenger, Gu. Gnapheus, Aculastus
hrsg. von Johannes Holte. — Adolf T o b I e r , E. .Stengel,
Chronülogisches Ver/eichniss franz. Grammatiken vom Ende
des 14. bis zum Ausgange des 18. Jh. 's nebst Angabe der
bisher ermittelten Fundurte derselben. — Fr. BacUmann,
207
1891. Literaturblalt für germanlsrhe und romanische Philologie. Nr. 6.
Karl Kühn, Kleine franz. Seliul^rammatil; für die unteren
und mittleren Klassen der höheren Schulen. — Ders. ,
Curt tScliüfer, Kleinere franz. Scliulgranimatik für die Ober-
stufen. — Der«.. Willi. Kicken. Kleinentarbuch der franz.
Sprache. Krstcs Jahr. 2., ilurchgänfiifj verb. .\ufl. — Ders.,
F. J. Wershoven, llilfsbucli für den franz. Unterricht an
höheren Lehranstalten. 2. verni. u. verb. Aufl. — Ad. Mül-
ler, liiiltIVied Kbeners Kranz. Le.-iebuch für Schulen und
Krziehunf;sansialten. Neu bearb. von Adolf Mever. III. Stufe,
H., der neuen Beurbeituni; 2. Aufl. — S. \V a e t z u 1 d t , J.
Hauer u. Th. Link, Franz. Cnnversatiiiusübungen für den
.Schul- u. rrivat^'cbrau<-h. II. Thcil. — Ad. Müller, Rieh.
Mollweiile, Auleurs l''rani;ai<. Samndung cler besten Werke
der franz. Unlerhallunjjsliteratur mit deutschen Anmerk.
I. Händchen. — Adolf Tobler, La Clef d'amnrs, texte
critique avec introductiun, «ppendice et glossnire par Aug.
Doutrepcnt. — K. H r a u n h u 1 1 z, Karl Stichel, Beiträge
zur Lexikographie des altproveuz. Verbunis. — H. Buch-
holtz, Adolf Kressner. IX Bündchen: Vida del gran capi-
tan por Don .Manuel Jose (Juintaim (aus den Vidas de
Espafioles celebres). X. Bäinlchen : La Vida de Lazarillo de
Torines y de sus fortunas y adversiilades. XI. Händchen:
Sammlung span Geiliclite. — \V. Neil ring, W. Kürner,
Ausführliches Lehrbuch der russischen Sprache (Texte,
Orauiinatik, Uebungsstücke, Wörterverzeichnisse). Heft I.
— 0. V. d. Gabeleiitz, C. N. K. Eliot, A Kinnish Gram-
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Neiiphilol. Centralblatt V, 4: Sclierffig, Ucber Schüler-
fehler im l'riuizösischen.
Modern Language Note.'« VI, :->: Smith, The Battle of
Roncesvalles in the Karlamagnus-Saga. — Kittredge,
Mr. Kleay on Nichohis Udall. — Browne, The Morris-
Skeat Chäueer. — W o o d w o r t h , Wendels.-c. — M a t z k e ,
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Siveet, A l'riiner of Phonetics. — Kaidel, Stiefel, Tristan
l'lliiiiiitis Lc I'iirasite unil seine Quelh?.
Langlies et dialectes. Revue triniestrielle, publice sous la
direction cle M. Tito Zanardelli. Paris, Bouillon. (Abonne-
nientspreis: fr. 12.) P annee, Nr. 1, Mni IMM: Le prefixe
rii et (in dans la langue osque. — Les Clements arabes de
la langue italienne. — Les Insultes du ))atois flamand de
Bruxellcs. — Ueux Chansonniers namurois in^dits. — Chan-
sons namuroiscs ile rabbc Grisard. — Paradigmes de la
conjugaison iles vcrbes namurois. — Glussaire phonologique,
6tyinologi<jue et grainmatical. — Reinar(|ues sur les prcfixes
du vieux francais du Nord. — Chronique et mouvement
bibliograplii(|ue.
Z.s. des Vereins f. Volkskunde I, 2: A. Meitzcn, Land
und Leute der Saalegegenden. — 0. Bolle, Die Eichen-
frucht als menschliches Nahrungsmittel. — Jon Porkels-
son, Die Annalen des Bischofs Gisli Oddson in Skälliolt
von 1637. — O. v. Zingerle, Segen und Heilmittel aus
einer Wolfsthurner Hs. des XV. Jh. 's. — H. Pralin,
Glaube unii Brauch in der Mark Brandenburg. — P. Am-
mann, Volkssagen aus dem Bühmerwalil. — Kleine Mit-
tlieilungcn. — Büclieranzcigcn.
Zu. f. Volkskunde III, fi: R. Dümwirtli, Deutsches
Element in slovenischcn Sagen des käriitisclien (Jberrosen-
tliales. — K. Branky, VolUsübcrliercrungen aus Oester-
reich. — A. Guddc, Volkslieder aus Ilinteiiionimern. —
A. Kaufmann, Sagen vom Donni'rsberg. — O. Knoop,
Polnischer und deutscher Aberglaube und Bnuich aus der
Provinz Posen. — 7: Poestion, Die alten nordischen
Krülilingsfeste, noch ileiii Dänischen des Trocls Lund.
M^lnsine V, ;i. Mai-Juni ls:il: II. Oaiiloz, Le Chevalier
au lion. — E. Rolland, Le courroux de reiifant Jesus. —
H. Gaidoz, Une incantation emimeralive. — J. Tuch-
mann, Elfets ile la fascinution (Eorts.). — H. G., La
fraternisation. — E. Rolland, La Bergöre resignee. —
H. Gaidoz, La Coupe de la vie.
Zh. f. deutsches Altertlmni u. deutsche I^iteratur 35,2:
.Singer, .Salomosageii in Deutschland. Kochen-
dörffer, Erinnerung und Priesterbben I. — M u c h , Un-
faclilas. — Ders., Mercurius Hanno (vgl. Anz. S. 184). —
Schönbach, Altileutsche Eunde aus Innsbruck. VIII. Aus
Predigten Bertholds von Regensburg. IX. Meister Eckhart.
X. (Meister Eckharti') XI. I'salinenüberselzung. XII. .\u<
einer Uebersetzung Petrarcas. — Schrö<lcr, Belisars
Ross. — Larssou, Nochmals Scliitf um) Regenbogen. ■ —
Ammann, Segen und Zauberformeln aus Hohenfurt. —
Zimmer, Ossin und Oscar. — Schenk zu Schweins-
berg. Die Herkunft F'ischarts. — Bolle, Dvnlogus de
Divite et Lazaro. — Schröder, Frisch. — Kos sinn«.
Die Herkunft der „heriman'". — G. M e i e r, Gotllieb, Ueber
mittelalterliche Bibliotheken. — H. E. Meyer, .Müller, Zur
-Mythologie lier griechischen und deutschen Heldensage. —
Heinzel, .Mourek, Syntax der gotischen Präpositionen. —
Ders., Mourek. Tandarius unil Floribella. — Koek, Lin-
der, Oni -er, -»', -ar och -Of silsoni pUiralämlelser lor neu-
trala substantiver. — Franck, Kautfnianii, Gescliiclite der
Schwab. Muinlart im Ma. und in der Neuzeit. — J. Wer-
ner, Dreves, .\nalecta hymnica meilii aevi I V. - Lübke,
Hesseis, An eiglitli-century lyatin-.\nglosaxon glussary. —
Maruld, Loeck, Die Iloiiiiliensammluiig des Paulus Dia-
conus. — Singer, Scliultze, Die Entwickelung der <leutschen
Oswaldlegende. — L e i t z in a n n , SiiiionstVId. Eine deutsche
(Kolonie zu Treviso im spätiMcn Ma. mit einem Excurs : Erci-
danks (irnbmal. — L u t li e r, Rcitferscheid, Marcusevangidion
Mart. Luthers nach der Seplemberbibel. — Erich Schmidt,
Lessings säinmtliclie Schritten, hrsg. von Laclimann. dritte
Auflage besorgt durch .Muncker, Bit. 1— 1>. — .Minor,
Flaischlen, Otto Heinrich v. Geininingen. — Köster,
KUlineinann, Die kantischen Studien Scliilleis und die Coin-
position des Wallenstein. — R. M. Werner, Wollf, Pro-
iegumeua der literar-evolutionistischen Poetik. — Ders.,
T. Berger, Dramaturgische Vorträge. — Ders., Jacobowski,
Die .\nfänge der Poesie.
Viertel.jahrsschrift f. Liteiatuigeschichfe IV, 2: Albert
B i e 1 s c li ows k y , Das .\lter der Kaustspiele. — Friedrich
W i I h e 1 ni , Briete an Karl Willielm Uamler, nebst einem
Briete an Lessing (Schi.). ^ Erich Schmidt, Lessingiami.
— Hans S i 1 1 e n b e r g e r , üntersucluingen über Wieliinds
komische Erzählungen. — Otto Pniower, Die Scliüler-
scene im Urfaust. - Anhang; Edward Schröder, Goethes
Faust und das Spiel von Frnu Jutten. — Beruh. Seuffert,
Die älteste Scene im Faust. — Bernhard S u p hau. Zu
Schillers Demetrius. — Paul Markgraf, Sprachliche lieo-
bachlungcii zur Marina. — Hugo lilümner, Zu Lessings
Laokoon.
Zs. f. den deutschen Unterrieht V, 4: J. Keller, Job.
Peter Hebel und Heinrich Zsch<dd<e. — L. Frey tag.
Einige Worte über die Nachbildung antiker Metra im
Deutschen. Nebst einer lT(diertraguiig der Batrachoniyo-
machie. — Riididt' II i 1 d i' b r a n d , Wie die Sprache altes
Leben fortführt. VI. - Hans v. Dadelsen, Die um-
achreibi'iiden ('onjuiutivfurnien mit iiiiydc. — Otto Seh roe-
der, Zum .S-Unfug. — R. Sprenger, Zur ,Verwerthung
deutscher Redensarten im Uiiterrichf. — Ders., Zu Bürgers
„Der Kaiser unrl der Abt": Zu Bürgers Gedicht „Die Kuli";
Ins Bockshorn jagen: Labidang — Langer Laban; Sünden-
bock. — Dr. .Metger, Zur Redensart ,Auf dem Holzwege
sein". — Karl Krüger, , Einem etwas am Zeuge flicken"
und , Der Topf will klüger sein als der Töpfer" — Ders.,
Wechseln 6' und Z in den deutschen Mundarten':'; Saum =
Saumross. — A. Puls, Zu der Eiklärung des Namens
„Nüssler". — Paul Bartels, Zu dem „WIcgenliede vom
schwarzen und weissen Schale". — Ders., Zur Feier des
„Zwölften" im nördlichen Deutscdiland. — Wächter, Zu
dem Worte „Feuerwerk". — J. H.Schmalz, Zu dem
Liede „Napoleon, du Schnstergeselle". — Schlag, Der
Wolf als günstiges Vorzeiidien ; Zu „Napoleon, du Schnster-
geselle"; Der GebrniKdi des Wortes „hinte". — C. Rosen-
kranz, Ueber die Namen „Schutl't" unil .Schalft". — A.
Eilel, Zur Erläuterung des Liciles von der Glocke. — K.
Menge, Zu F. Kunize, Sprachliche Neubildungen im Süd-
westen. — F. Kuntze, Zu den sprnclilicluii Niubililiingen
im Südwesten. — Otto Lyon, Bornliak, Tcubners Samm-
lung deutscher Dicht- und Schriftwerke für höhere Töchter-
schulen.
Noord en Zuid XIV, 1: W. O. van Nouhnys, Vosmaer's
romans, I. .\iii.izone. — F. A. Stoett, Sprcekwijzen ver-
klaard. I. lemiind eeiie blauwc liuik oniliaiigeu. IL leniand
de kap vullen. III. Zieh uit de voeteii niaken. - Taco IL
de Beer, „De eischen van liet drama". — C. J. Vior-
hout, Merkwaardige overgaug van beteekenis. — C. H.
209
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. G.
210
(lenHertog, De leer van den samengestelden zin. De
nevenscliikkenclo zinsverbindung.
Arkiv für nordisk fllologi VII, 4: Finnur Jons so n,
Uligo linjer i ilrulkviedede skjaldekvad. — Axel Kock,
Korniioniiska kvantitcts- och akcentfrägor. — Kr. Kälund ,
Professor K. Gislasons autobiografiske optegnelser. — D e r s. ,
Anmälan av ,A. M. Keeves : The Finding of Wineland the
good, the History of the Icelanilic discovery of America". —
Hugo Gering, Anmälan av „Odilr Fagr.'ikinna Snorre.
Von Gustav Morgenstern".
Nyare bidrag tili kiiniiedom oin de svenska landsmäleii
ock svenskt folklif II. 41: G. Ceder seh iOl d, Medel-
tidsberättelspr. — S. 97—155. — E. Bore, Uärgsnianslif i
borjan af ISOÜ-talet. Anteekningar frän Nora ock Lindes
bärgslager. 49 S. — H. 42: Eva \V i gström, .\llmogeseder
i Könnebärgs liärad i Skäne pä 184ü-talet. 92 S. — H. 43 :
J. V. Lindgren, Burträskmulets grammatik, h. 1 (l.jud-
fysiologisk översikt, aksentlagar, vokallagar). 166 S. — K.
J. Hagfors, Gamlnkarlebynialet. Ljud- ock fornilSra samt
spräkprov (med karta). 124 S. — Axel Kock, Till fri\gon
oni M-omljudet i fornsvenskan. 28 S.
Anglia XIV, 1: M. Thümmig, Febcr die altengl. Ueber-
setzung der Reimchronik Peter Langtoft's durch Robert
Manning von Brunne. — E. Lücke, Das Leben der Con-
stanze bei Trivct, Gower und Chaucer. — E. Einenkel,
Die Quellen der engl. Relativellipse. II.
Revue des langnes romanes XXXV. Jan. — März: Blanc,
Vocabulaire provengal-latin. — Chabaneau, Fragment
d'un Chansonnier proven^al. — Söderh.jelm, La dama
sanza niercede; version italienne du poeme d'Alain Chartier:
La belle dame sans mercy. — Menage, Lettres ä Maglia-
becchi et ä Carlo Dati, publiees par L. G. Pelissier. —
Peli ssier, Notes pour les lettres de Dom de Vic. —
R i g a 1 , Les grands historiens du moyen äge. par L. Constans.
Bnlletin des anciens textes fian^'ais XVI (1890), 2: P.
Meyer, Notice du Ms. fr. 1852 de la Bibliothequo natio-
nale, contenant divers opuscules religieux en rouergat.
Zs. f. franz. Sprache n. Literatur Suppl. V: Stiefel,
Unbekannte italienische Quellen Jean Rotrous.'
Franco-Gallia VIII, 4: Humbert, Der in seinem Wahn-
sinn Bühne und Publikum mit einander verwechselnde Geiz-
hals Molieres, das komische Gegenbild ge'stersehender
tragischer Helden. — Anzeigen : Levertin, Studien zur Ge-
schichte der Farce und Farceurs in Frankreich seit der
Renaissance bis auf Meliere. — Stengel, Chron. Verzeich-
niss franz. Grammatiken. — Meliere, Les Precieuses ridi-
cules und Les Femmes savantes, hrsg. von Knörich. — Guter-
sohn, Zur Methodik des fremdspracbl. Unterrichts. — 5:
Anzeigen: Sorel, Madame de Stael. — Rahstede, Vinc.
Voiture.
Revue de philologie fran^aise et provenijale. Publice
par L. Cledat. 1891, 1" fascicule: L. Havet, C. Le-
baigue, L. Crousle, Le Plan general de reforme ortho-
graphique. — P. Marchot et A. Vierset, Texte wallen
avec commentaire philologique. — L. Cledat, Phonetisme,
archalsme et etymologisme. — Sur un emploi du .,futur
dans le passe". — Un Mnnuscrit de la traduction frangaise
de Barthelemy l'Anglais. — La (,'onfession de Rutebeuf,
traduction archai'que et rythmee. — A. Ferrand, Noms
de personnes et surnoms en patois de Jons (Isere). —
Comptes rendus. — Chronique. — Livres et articles signales.
Literar. Centralblatt 20: Gelbhaus, Ueber den Parcival
Wolframs von Eschenbach. — 21 : Muss-Arnolt, Semitic and
other glosses to Kluge's Etymologisches Wörterbuch der
deutschen Sprache. — Emil Brauns Briefwechsel mit den
Brüdern Grimm und Joseph v. Lassberg. Hrsg. von Ehwald.
— 22: Flaischlen, Otto Heinrich v. Gemmingen. — Friedr.
Hebbels Briefwechsel mit Freunden und berühmten Zeit-
genossen. Hrsg. von Bamberg. — 23 : Morf, Das Studium
der rom. Philologie. — Libeaus desconus. Hrsg. v. Kaluza.
Deatsche Literaturzeit. 17: Jaeoby, Berger, Friedrich
der Grosse und die deutsche Literatur. — Sauer, Bürgers
Gedichte. Hrsg. von Grisebach. — Holthausen, Unge-
mach, Die Quellen der fünf ersten ehester Plays. — 18:
N i e d n e r , Meyer, Völuspa. — Werner, Greinz, Die trag.
Motive in der deutschen Dichtung seit Goethes Tode. —
19: Huemer, Cloetta, Beiträge zur Literaturgeschichte
des Mittelalters und der Renaissance. — Singer, Rosen-
liagcn, Untersuchungen über Daniel vom blühenden Tal
vom Stricker. — W. M e y e r- L ü b ke, D'Arbuis de Jubain-
ville, Rechcrches sur l'origine de la propriete fonciere et
des noms de lieux liubitei en France. — 20: Franck,
Buitenrust-Hcitema, Bloemlezing uit Oud-. Middel- en Niew-
friesche Geschritten. — Holthausen, Flügel, Englisches
Wörterbuch.
Gütt. Gelehrte Anzeigen 6: Gocrlich, Doutropont, La
clef d'amors, texte crit. avec introductiun etc.
Anzeiger der Akademie der Wissenschaften in Krakau
März: Z dz i e cli o ws ki , La poesie de Shelley consicierc'-e
dans ses rapports avec cette de Byron.
Correspondenzblatt f. die Gelehrten- u. Realschulen
Württembergs 1 u. 2: E. Müller, Schillers Kabale und
Liebe. II.
Zs. f. die Österreich. Gymnasien Bd. 42, 2 u. 3: O. T.
Walzel, Neue Quellen zui- Geschichte der älteren roman-
tischen Schule. — J. Schmidt, v. Ballier, Grundlagen
des nhd. Lautsystems. — Meringer. J. Schmidt, Die
Pluralbildungen der igm. Neutra. — J. .Minor, Erläute-
rungsschriften zu den deutschen Klassikern. — 4:H. Burg-
hauscr. Zur nhd. Lautgeschichte.
Pädagogium 7: Goerth, Zum Studium von Schillers lyr.
Gedichten.
Pädagogisches Archiv 3: H. Klingh ard t , Die Reform
des neusprachl. Unterrichts (Schi.). — Hermann, Zum
deutschen Unterricht. F.
Berliner philologische Wochenschrift X, 35: Ziemer,
A. V. Edlingers , Ueber die Bildung der Begriffe, ein ver-
gleichend-etymologisches Wörterbuch aus allen Sprachge-
bieten". — 37: knaack, A. Marx, Griechische Märchen
von dankbaren Thieren und Verwandtes. F.
Deutsche Zeitschrift f. Geschichtswissenschaft V, 1:
L. Huberti, Friede und Recht, eine rechts- und sprach-
vergleichende Untersuchung. — K. Maurer, Zur Ge-
schichte Islands.
Zs. f. deutsche Kulturgeschichte I, 4: C. Thümmel,
Der Landsknechte Recht und Gebräuche. — A. John,
Dorf und Bauernhof in Deutschland scinst und jetzt.
Westdeutsche Zeitschrift f. Geschichte u. Kunst X, 1 :
G. Kossinna, Nochmals die Sweben.
Historisches Jahrbuch der Görres-Gesellschaft XII, 1:
E r n s i n g , Zu dem Leben und den Werken Dietrich Koeldes.
— Rattin g er, Zu Dietrich von Nieheim. — F. Jostes,
Zum Heliand. F.
Jahresbericht des Musenmsvereins f. das Fürstenthnm
Lüneburg 1SS7 — 1890: Sprenger, Ein uralter Pfingst-
brauch zu Bardovik.
Mittheilungen des Vereins f. Geschichte n. Alterthums-
kunde zu Homburg v. d. H. 4: C. Bach, Beiträge zu
der Deutung von Ortsnamen in der Umgegend von Homburg.
Zs. f. Vaterland. Geschichte u. Alterthnmsknnde, hrsg.
von dem Verein f. Gesch.- u. Älterthumskunde Westfalens,
Bd. 48: Hoügeweg, Eine westfälische Pilgerfalirt nach
dem h. Lande vom Jahre 1519.
Annalen des Historischen Vereins f. den Xiederrhein
47 : Wunderbare und denkwürdige Geschichten aus den
Werken des Cäsarius von Heisterbach ausgewählt, übersetzt
und erläutert von AI. Kaufmann.
Jahresbericht des Düsseldorfer Geschichtsvereins Bd. V :
J. Schneider, Die alten Grenzwehren (Landwehren) im
Kreise Düsseldorf. — Heinrich Heine nicht 1799, sondern
1798 geboren.
Zs. des Münchener Alterthumsvereins N. F. 1 u. 2:
He fner- AI t eneck, Ueber das Erscheinen der Frau
Minne in den Kunstwerken des Mittelalters.
Mittbeilungen des österr. Museums f. Kunst u. Industrie
N. F. VI. März: J. v. Falke, Die .Ausstellung historischer
und nationaler Kostüme im österr. Museum.
Altprenssische Monatsschrift 28, 1 u. 2 : J. B o 1 1 e , Jugend-
schriften, Liebesgeschichten und Gesinnungsbildner. Ein
Zwischenspiel Job. Raues, Danzig 1648. — Frischbier,
Volkswitz. — F. Zander, Kinderreime. — J. Sembr-
zycki u. R. Sprenger, Zu den Königsberger Zwischen-
spielen.
Baltische Monatsschrift 3: Westermann, Bemerkungen
ühi-r das Wesen und die Entwiekelung der Sprache.
Deutsche Rundschau April: Blennerhassett, Urtheil
eines Arztes über J. J. Rousseau. — Familiennotiz über
J. M. R. Lenz.
211
1891. Literatnrblatt fOr ^ermanisohe und romanische Philologie. Nr. A.
212
Nord und Süd Mai: Jos. Schumann, O. G. Belli, ein
römischer Dialektdichtcr. — G. Irmer, Die dramntische
Hcliumllun;; des Wallcnsteinstoffes vor Sehiller.
Die (ireuzboten 16: RuilolC Hihlobrands Aufsätze und Vor-
träge. — Unser üeutseh in Kraiikrcich. — 17: 11. Düntzer,
Zur Jubelfeier des Weimarischen Theaters. — 18: Zur
neuen Faustphilologie.
Die Natiuii '^'2; L. Geiger, Napoleon und Goethe.
Die (iej;enwart iö: Herrn. Co nrad , C'arlyle u. Jean Paul.
DeDtsche Warte 11. 4: M. Wilckcns, Die Sprache der
Deutschen in Xunlanierika.
Ileutitche Dichtung IX, 1: Jean Paul (ungidruckter Nach-
Inss), Aphorismen. — K. K. Franzos, Aus Goethes Brief-
wechsel mit Friederike Unzelniann. I. F.
Blätter f. litei-ar. UnterhaltunK l'i: L. Fränkcl, Shake-
speare als Uomanheld. — lil: K. .M a li r e n h o 1 1 z. Zur
franz. Literaturffescliichte (14alistc<le, Voiture; Klincksicck,
Der Kcaligmus im franz. Komnn des Ifl. Jh. 's). — 17: A.
Hermann, Zur Literaturgeschichte (Cloetta, Komödie und
Tragödie im .Mittelalter; Albreclit, Lessings Plagiate). —
W. 1! u c li n e r , Neues über Goethe (in der Schweiz). F.
Schorers Kamilieublatt 18!H), 4V: Fr. Hirsch, Das deut.sche
Volkslied. — isni, 14 f.: K. Th. Gädertz, Aus ücibels
jungen Tagen. Bisher ungedruckte Lieder des Dichters. F.
Beilage zur Allg. Zeitung 88 u. 89: A. Hammer an, Die
Bergfeuer in Deutsehland. — 101 u. \02: K. Th. G a e d e r tz,
Nachlese zu Geibels Leben unil Dichten.
Natiunalzeitung 44, 17: R. M. Werner, Eine neue Gabe
der Goethe-Gesellschaft (Ilarnacks „Zur Xnchgeschichte der
ital. Reise""). — "26: E. Wechsler, Zu Franz Grillparzers
hunilertstem Geburtstage. — .S5 u. 53: IC. Fr(enzel), Tasso
und Leopardi. — 50: K. Zabel, Octave Feuillet. — 67:
K. Fr(enzel), Marco Prngas „Khrbure Mädchen"". F.
Sonntagsbeilage zur Vossischen Zeitnng IStil, 2 f.: F.
S(cli Ion t h e r), Grilliiarzer. — 4 f . : Oarus Sterne, Das
Alter und die angebliche Fälschung der Baidursage. —
5 f.: Dr. med. L. Treitel, Die Sprache und Stimme des
Kindes. 1. Der Sprachinhalt. II. Die Sprachform. — 6. 8. 9:
P. S(ch len t h er), Grillparzers Dramen. — 7 f . : II.
Brugsch, Die Thierfabel und ihre Heimath. — 10. 12. 14:
K. K. Franzos, Aus Briefen Ernst Schulzes und Fritz
V. BUlows. — 10 f.: J. Löwenberg, Dichtermüttcr. —
12: F. Pop))onberg, Novalis. F.
Frankfurter Zeitung 106 u. 107: Gust. Karpeles, Hebbel
und Heine. — l.'ilJ: Allerlei von der 41. A'^ersammlung
deutscher Philologen und Schulmänner. Harmlose Betrach-
tungen eines ))ract. Schulmannes. — 102: E. Petzet,
Goethe in der Schweiz.
De vrlje Fries XVII, 4: J. E. Heeres, Een Manuscript
van ocn Oud Friesch kroni.jkje, berustende op het Rijks-
archief te Groningen.
Tbe Academy 98.'): Furnivall, Mary Fitton again. —
Earle, The flexional Infinitive in English. — K. Meyer,
The Ossianic Saga. — L o g e m a n , The Name of the Auglo-
Snxon Rune p. — 986: Tyler, Mary Fitton again. —
Cnrruthcrs, Dcfoo and Mary Astoll. — 987: Skeat,
Chaucer at work. — Furnivall, Mary Fitton again. —
988: Hildebrand, The Name of the Anglo-Saxon Rune
p. — Toynbee, Some Notes on Oodefroy's Old-French
Dictionary. — 989: Furnivall, Mary Fitton again.
The Atheuaeuin 3309: Montaigne's Italian Tour. — 3311:
Chaucer's Ballad „To Rosemound''. — Reniiniscences of
Thackcray.
The Arcliaeulogical Review IV, 6: Nutt, Pauls Grund-
riss der german. Philologie. — Ders. , Oulther, Lohcngrin.
Svenska Fornininnesföreningens tidsUrifl, ättonde bandet,
1. haftet, S. I — 23: F. Nordin, Fornlomningar vid BJcrs
i Ilejnums socken pa Ootland. — S. 24—52: B. Salin,
Altarprydnadcn fran Broddetorps kyrka. — S. 53-70: G.
Upmark, Vadstena slott 1545 -1(1"20. L — S. 71 — 86: H.
Hildebrand, De inhemska förutsättningarna för vär
medi Itids konst. S.
Revue criti(|iie 19: Amiaud, La legende syriaque cl'Alexis.
— Di Cesnola, Les niss. Italiens du British Museum — 20:
Zanarilelli, L'etrusque, l'ombrien et rosijue. — Otto, La
Sllvanire de Mairet. — Gross, Essais litteraires. — De
Oubcrnatis, Dictionnaire Internat, des ecrivains du jour. —
21: Dictionnaire m'erlnndaise.
Le Aloyen Age 4, 3: E. H. Meyer, Völuspa. — J. Hoffory,
Edilastuilien. — W. Golther, Lohcngrin. — H. Logcman,
English Miracle Plays, Muralitics and Interludes ed. A. W.
Pollard. — J.Simon, Constnns, Chrestomathie de l'ancien
fran^ais. — 4: Graf, II Diavolo. — La naissance du Chevalier
au cygnc, ed. Todd. — Kassewitz, Die frz. Wörter im Mlid.
Kev. pitl. et litt. 16: J. Passy, Edniond de Pressensö
(Nocrolog). - 17: Ed. Rod, Les idces moralcs du temps
present. M. Ferdinand Brunetiere. — 18: Alfr. Rebell iau,
iiossuet, ä propos d'un livre recont (G. Lans^n, Bossuei,
1891). — Germain Bapst, Le tlieätre et le patrintisnic
au moycn-äge. La feto de Jeanne d'Arc et la delivrancc
de la France ä la fin de la guerre ile Cent ans. (That-
sachen, welche zeigen, wie schon im 15. Jh. zeitgenössiselu'
erfreuliche Ereignisse von Bedeutung für Frankreich als
Ganzes den Stotf für ölfcntliclur Bülinendarstellung gaben.)
Acadetuie des Inscriptions 1890, S. 207: G. Paris, Rob.
Courte-Heuse ä la premiere croisade. (liczieht sich z. Th.
auf die Chanson iPAntioche.) — S. 262: D'Arbois de
Jubainville, ün gentilice romain tire d'un nom gaulois:
etyniülügic du nom de Ligugc (Vienne).
Kevne bistor. et archeologique dn Maine 1891, 1: Dom
Piolin, Le Thcätre chretien <Ians le Maine au cours ilu
moyen Age.
Revue de l'evolntion sociale, scientitlqne et litteraire
1891, 3 (15. April), S. 137—145: L. Mellcrio, Ktude siii-
Ronsard, (lieber seine Spradie bes.)
Revue de l'histoire des religions XXIH, 1: E. .Mon-
seur, F,. H. Meyer, Völuspa; Hotfory, Eddnstudien. |
Kevne internationale de l'enseignement XI, 4: E.Ritter, ]
Isaac Rousseau, le pere de Jean-Jacques.
Nuova Antulogia Anno X.WI. 3. serie. Vol. 33. Fase. 9:
G. Carducci, l'accademia doi trasformati e Giuseppe
Parini. II. — T. Salvini, Di una interpretazion«" doli' Jugo
ili Ouglidmo Shakspeare.
Rassegna Emiliana II, 8. 9 u. 11. 12: B. Colfi, Di un
antichissimo commento all' Ecerinide di Albertino Mussato.
(Auch sep. 34 S. 8.)
Atti e niemorie della r. accadeinia virgiliana di Man-
tova 1889/90: G. B. Intra, Un cpisodio dell'Eneide con-
frontato con un episodio dell' Orlando Furiose.
Atti e memorie ilell' accademia di scienze, lettere ed
arti in Padova VII: E. Teza, ün poeta travestito (Pro-
vorbi del Cornazzano). — Che cosa si scriva dalPItalia
nello „Staple of News" di li. Jonson : osservazioni.
Neu erschienene Bücher.
A n d r e e , R., Die Flutsagen. Ethnographisch betrachtet
Braunscbweig, Vieweg. XI, 152 S. 8. M. 2,25.
Gabe len tz, G. v. d., Die Spracliwissonscliaft, ihre Auf-
gaben, Methoden u. bisherigen Ergebnisse. Leipzig, Weigel
Nachf. XX, 502 S. 8. M. 14.
Ljungstedt, Karl, Sprfiket, den lif och Ursprung. Stock-
'holm, A. Bonnier. 38 S. 12. Kr. 0,20. S.
Schulbibliothek, französische und englische. Hrsg. von
O. E. A. Dickmann. Leipzig, Renger. Serie A: Prosa. Bd. 16:
Lnrd Clive. An essav bv Th. B. .Macauliiy. Erklärt von A.
Kressner. 2. Aufl. VIII, 95 S. m. 1 Karte. .M. l,"2n. — Bd. "27:
Ausgewählte Erzählungen von A. Daudet. Erklärt von E.
Gropp. 3. Aufl. XVI, 96 S. M. 1,10. — Bd. 41: Napoleon
ä Moscou u. Passage de la Bcrezina par le Conitc de Segur.
Erkl. von A. Hemme. 2. Aufl. XVI, 124 S. m. 4 Plänen.
M. 1,50. — Bd. 45: Biographies historiques v. G. Dhombres
u. G. Monod. Erkl. von H. Bretschneider. 2. Aufl. VIII,
81 S. M. 1. — Bd. 56: Tartarin de Taraseon v. A. Daudet.
Bearb. u. erkl. von J. Aymeric. VIII, 92 S. M. 1. — Bd. 57:
Les origines de la France contemporaine par H. Taine.
Ausgew. u. erkl. v. O. IIott"niann. VIII, 108 S. M. 1,10. —
Bd. 58; Ilistoire du proteetorat de Croinwell v. A.-F. Ville-
main. Erkl. von A. Gundlach. XII, 104 S. M. 1,10.
— dasselbe. Serie B: Poesie. Bd. 1: .\uswalil franz. Geilichte.
Zusammengestellt von E. Orcipp u. E. Hausknecht. 4. Aufl.
XII, 228 S. M. 1,80. — Bd. 18: Lo joueur. Comödie par
J. F. Kegnard. Erkl. v. Boerner. XX, 100 S. M. 1,30.
Varnhagcn, Hermann, Zur Geschichte der Legende der
Kathariim v. .\iexandrien. Nebst latein. Texten nach Hand-
schriften der Hof- und Staatsbibliothek in München uml
der Universitätsbibliothek in Erlangen. Erlangen, Junge.
M. 1,40.
15er in guier, Rieh., Die Rolamle Deutschlands. Festschrift
des Vereins für die Gcsohiehte Berlins. IJerlin 1890. "206 S. 8.
213
1891. Literaturblatt für germanische und roraanisohe Philologie. Nr. 6.
214
licschlügsc der Linies-Confcrcnz in Heidelberg am 28. Deo.
181)0. Nebst 11 Ufilaffen. 2S S. 4.
liiltz, K., Neue liciträgc zur G(?sidiichtc der deutschen
Spriiidio und Literatur, licrlin, Starj^ardt. 231 S. 8. M. 4.
iiraun. Emil Hrauns liricl'weolisul mit den lirüdern Grimm
unil Joseph v. Lassburg, hrsg. von R. Kliwald. Ootlui, Perthes.
Uiy S. 8.
Ilertzberg, Rafaid, Bidrag tili Kinlanda kulturhistoiia pä
lOdü-talet. Prosten liüetii Murenii visitationsprotokidlur für
1637 — 16tiH. 1. Helsingfors, Hafvudstadsbhidets nva tryckeri.
4,i S. 8. S.
J ah r es b c r i eil t über die l-^rscheinungen auf dem Gebiete
der gcrmauischen Philologie, Jahrg. 12. 18UU. Erste .\.bth.
Leipzig. Rcissner. 128 S. 8.
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land. ün probleme de psycliologie religieuse. Paris, Fisch-
bacher. 152 S. 8. (Vgl. K. Allier: Revue de l'lnstoire des
religions XXIII, 1 ; der Gottesfreund nicht eine betrügerische
Erfindung, sondern eine Hallucination des Ilulman Merswin.)
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niss nn Th. Körners 100. Geburtstag. Dresden, Köhler. 39 S.
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Im Auftrage des Deutschen Sehulvereins und unter Mit-
wirkung von R. Ilöck dargestellt. 1. Sect. Glogau, Flem-
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Neu mann, L., Die deutschen Gemeinden in Piemont. Frei-
burg, Mohr. 40 S. 8. M. 0,80.
Oehlke, Alfr., Zu Tannhäusers Leben und Dichten. Königs-
berger Dissertation. 71 S. 8.
Sanders, Daniel. Sein Leben und seine Werke. Nebst Fest-
grüssen zu seinem 70. Geburtstage. Der Festschrift zweite
Auflage. Ncu-Strelitz, Jacoby i. Comm. M. 1,60.
Schuck, Henrik, Öfversättaren af Tliet Nyia Testanientit af
är 1526. En literarhistorisk Studie, üpsala, Edv. Berlings
boktryckeri. 15 S. 4. S.
Schulze, l'hilander von Sittenwald (Job. Mich. Moscherosch)
über die christliche Erziehung der Jugend. 26 Ö. 4. M. 1,25.
Sunden, D. A., Ordbok öfver svenska spräket. Fenite haftet.
(Bükstäfverna S-U, Skuff-Viuhr.) Stockholm, J. Beck-
man. S. 353-544. 8. Kr. 2. S.
Svenska konstniinnen frän medeltiden och renässansen af-
tecknade och beskrifna pä foranstaltande af Svenska Forn-
minnesföreningen. Sjette haftet. Vadstena slott. PI. 1— V,
samt text. Stockholm, Svenska Fornminnesföreningens förlag.
2 S., 5 Tafeln Fol. Kr. 4. S.
Tamm, Fredr., Etymologisk svensk ordbok. 1. Heft (A —
Bärga). Leipzig, M. Spirgatis. 80 S. gr. 8. M. 1,40.
Vondel, J. van den, Werken, uitgeg. door J. van Lennep.
Deel XVL 1052-1653. Leiden, Sijthoff. XIV, 224 S. 8.
Wörterbuch, Deutsches. Genug— Geriesel, bearbeitet von
R. Hildebrand und K. Kant.
Zeuner, R., Wortschatz des sogen. Kentischen Psalters.
1. Stück. Gera, Nugel. IV, 19 S. 12. M. 1.
Adams, W. H. D., A Coneordance to the Plays of Shake-
speare. New ed. (Routledge's Populär Library.) 8vo, p. 490.
Routledge. 3/6
Addison, J., Works. Edit., with Critical and Explanatory
Notes, by G. W. Greene. 6 vols. Cr. 8vo. Gibbings. 30/
Bier freund, Tlr., Palemon og Arcite. En literaturhistorisk
Undersfigelse som Bidrag til Shakespeare kritiken. Kopen-
hagen, Lehmann & Stage. 79 S. kl. 8.
Dunbar, W., The poems, edited with introductions, various
readings, and notes by J. Schipper. 1. part. (Sonderdr.)
Leipzig, Freytag i. Comm. 90 S. Imp.-4. M. 4,80.
Jespersen, 0., Studier over engelske Kasus. 1. Rsekke.
Kopenhagen, Klein. 222 S. 8.
Lang, Andrew, Francesco C'olona: The Strifo of Love in a
Drcam: Being the Elizabethan Version of the first Book
of the Hypnotomacliia. A new edit. The Tudor Library.
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and New York, Eyre and Spottisiwoode. 4.
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English Literature from Chaucer to Living Authors. Atlanta,
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Camille Desmoulins. M'""" Roland. Andre (;henier. Chati^au-
briand. M""" de Stael. Classiques et romanticiue« : Lamartine.
Victor Hugo. A. de Vigny. Augustin Tlii('rry. Thiers. Casi-
mir Dclavigne. A. Dumas. A. de Müsset.] Paris, Lecenc,
Oudin & C". In-18 jeus. fi. 3,50.
Avanzi dell'anlico dinletto triestino, eioe i sette dialoghi
piacevoli pubbl. dal Mainati, un sonctto ed altri einndi
linguistici, con prefazione, traduzione moilerna e annotazioni
critiche-esegetiehe di E. Sehatzmayr. Tricst. 143 p. S. L. 2, .50.
Brandi, A., Canzonetta del sec. XVI. Arezzo. 9 S. 8. Per
Ic nozze di A. lionei con T. Ficai.
Chamborant de Perissat, Lamartine inconnu. Paris,
E. Plön, Nourrit & C«. 8. fr. 7,50.
Clement-Simon, L'Exil de Voltaire ä Tülle. Paris, Cham-
pion. 11 p. 8.
Contrasto, El, de Carnasciale et deQuaresema: jcomponi-
mento poetico pubbl. da Gaetano Amalfi]. Napoli. VIII, 20 p. 8.
Crane, Thomas Freder., Chansons po])uIaires de la France.
Edited with introduction and Notes. New- York, G. P. Put-
nam's Sons. 321 S. 12.
Dannhe isser, Ernst, u. Karl \V i m m e r , Laut- uml Aus-
sprache-Tafeln, für den franz. Anfangsunterriclit bearbeitet.
Kempten, Kösel. 8 S. u. 8 lithogr. Tafeln. 8. .M. 2.
Dante's Treatise „De Vulgari eloquentia", transl. into Eng-
lish with explanatory notes by A. G. Ferrers Howell.
London, Kegan Paul, Trench. Trübner & Co. XXI, 131 S. 12.
D'Haussonville, Madame de La Fayette. 1 vol. iu-16,
avec Portrait en photogravure. Paris, Hachette et C. fr. 2.
Les grands ecrivains frangais.
De Janze, Etüde et recits sur Alfreil de Musset. Paris.
Avec facsimile. 18°. M. 3,50.
Foffano, Fr., Rinaldo da Montalbano nella letteratura ro-
manzesca italiana. Vcnezia. 51 p. 16.
Gaspary, Ad., Storia della letteratura italiana, tradotta da
V. R'ossi, con iii/(/iiiiite dcll' aiitoi'c. II, 2. Torino, Löscher.
311 p. 8. L. 6.' ■
Gaster, M., Chrestomathie roumaine. Textes imprimes et
nianuscrits du XVI"" au XIX"'" siecle, specimens dial. et
de litterature populaire. Accompagnes d'unc introduction,
d'une grammaire et d'un glossaire roumain-francais. I. In-
trod., Gram., textes (1550-1710). 11. Textes (1710 — 1830),
üialectologie, litterature populaire, glossaire. Leipzig, Brock-
haus. CXLIX, 368 S.; VII, 562 S. 8. M. 18.
Hoefft, Karl Tli., France, Franceis und Franc im Rolands-
liede. Strassburg, Trübner. 74 S. Lex.-8. M. 2. (Strassb. Diss.)
Imbert, Gae., II Bacco in Toscana di Francesco Redi e la
poesia ditirambiea, eon un' appendice di rime inedite del
medesirao. Cittä di Castello, S. Lapi. XX, 213 p. 16. L. 2,50.
Koschwitz, Ed., Die Aussprache des Französischen. Pho-
netische Anthologie nach Vorlesungen von Fr.X'oppee, Des-
.jardins, E. Got, Leoonte de Lisle, d'Hulst, G Paris, Ern.
Renan, Ed. Rod, Sully-Prudhomme, E. Zola etc. zusammen-
gestellt. Paris^ Welter. fr. 2,50. •
La Fontaine. CEuvres de J. de La Fontaine, d'apres les
textes originaux, suivies d'une notiee sur sa vie et ses
ouvrages, d'un essai bibliographique, de notes, de variantes
et d'un le-xique par Alphonse Pauly. T. 7 et dernier: Notice,
bibliügraphie, notes et variantes, lexique. In-S, C, 361 p.
Paris, Lemerre, fr. 10. Collection Lemerre (classiques
frangais).
Laudi, Le, del Piemonte, raccolte e pubblieate dai dott. F.
Gabotto e D. Orsi. I. Bologna, Romagnoli-Dall' Acqua. XX,
124 p. 16. L. 4,50. Scelta di curiositä letterarie inedite
o rare CCXXXVIII.
L i na ti -D el gad o , F., Nuovo Dizionario Spagnuolo-ltaliano
e Italiano-Spagnuolo, cnmpilato sopra i dizionarii della
Crusoa e dell' Accademia Spagnuola, colla scorta dei migliori
testi contemporanei italiani e spagnuoli. Mailand, Hoepll.
2 Bände. 612, 678 S. gr. 8. M. 14,40.
Mangiuca, Sim., Daco-romanisohe Sprach- und Geschichts-
forschung. Oravicza 1891. Leipzig, Koehler. 1. (einz.) Heft.
235 S. M. 3. (Inhalt: Die daco-roman. Sprache im Ver-
hältniss zu den oecidental-roui. Spr. Die daco-roman. Etymo-
logie, Orthogr., Phonologie, Morphologie; der lexikal. Wort-
vorrath. Die Chronik des Huru. Die Colinda, ihr Ursprung,
213
1891. Literaturblatt für geruanisohe und romanisolie Philologie. Nr. 6.
2b
ihre aetronom. unJ cnlemlnr. Bedeutung. Der Name Vlach
und seine higtor. Hedeutun<j etc. |
Mn/. zuni, G.. Le rime profane d' un ninnoseritto dcl sec. XV.
Pnduva. M S. 8. Aus .\ttl o ineniorif dellii r. nt'ciidomia di
scienze. Icttere ed arti in Piidova V'II, !.
Murari, R , Kllmicn e metricn raziunale italiana. XVI, 2li> p.
M. 1.20. .Manuali Hocpli.
Ninni, A. 1'., Materiuli p<>r un vocnbolario della llngua rusti-
cana del cuntado di Trcviso, con l'a^^giunta supi'u Ic super-
stiziuni, lo credenzo cd i prorerbi ruBticani. I. Vcnezia.
124 p. 16.
N i » a r d , D., Essais sur lY'Cole roniantiquc. Pari«. VI, 359 p.
18. M. 3..iO.
Nizior du P u i t 9 p e I u. Los Vicillcrics lyonnaises de Nizier
du Puitspolu. 2' i'ditinn, rovuo, oiirri};ee et oon.'jiilcrablement
nusmentee. Grand in-8, III 403 p. Lyon, lU-rnou-x et Cumin.
Nubili, Ern., Dante e l'nvvenir. . Firenze. 4.) p. 8.
Pauli, Ges., Le nbbrevinture nella paleografia latina del
inediu evo : Sagifio nietodlco-pratico. Firenze, Le Monnier.
41 p. 8.
Peregrinaggio di tre giovani, tiglluoli del re di Scrcn-
dippo. Per opra di M. Christoforo Armeno dalla perslaua
ncll' italiiina lingua trappnrtato. Nach dem ältesten Drucke
viim .lahre I5.')7 hrsg. von Heinr. Gassner. Mit einem anti-
kriiischen Vorworte von Herrn. Varnhagon. Erlangen, Jung.
XIX, 112 S. 8. Erlnnger Beiträge X. Heft.
Knsalba, G., Oli ordini angeliei nel ,Conviviu'' e nel ,Pnra-
diso" : nota diintesca. Vonezia, Olschki. II, Vi p. Aus Alighieri.
Saint -Marc, Traditions, Proverbes et Dictons poitevins.
In-8, 23 p. Saint-Mai.\ent, iinp. Reverse. Extralt des Bulletins
de la Sncii'te ile statistique, seienees, lettres et arts du
departemont des I)eux-Sevre3 (oetobre-decenihre 1890).
Seh ee r e r, Edni., Etudes sur la litterature au XVIII""-' siccle.
Paris, fr. 3,.i0.
Seele, Willi.. Voltaires Roman Zadig ou la destince. Eine
Quellenforschung. Leipzig, Fock. 65 S. gr. 8. M. 1,20.
Smilari, .\l., Gli Albanesi d' Italia, loro oostumi e pocsie
popolarl : ricerehe e pensieri. Napoli, Bcllisario e C. 79 p. 16.
Tasso, Tcrqu., Poenii minori. Eilizione critica a cura di
Angelo .SuliMti cnn studi di G. Mazzoni e C. Cipolla. I.
Poenii. Bologna, Zanichelli. LXXII, 423 p. 16. L. 5. Biblio-
teca di Scrittori italiani XV. |I. Del Rinaldo : studio di
O. Mazzoni. 2. Le fonti storiclie della goiicalogia di casa
Gnnzaga: studio di C. Cipolla. 3. Illustrazioni bibliograticlie.
4. II Rinaldo. .'>. II Monte Oliveto. 0. La genealogia di casa
Gonzaga.]
Vasconcellüs, J. Leite de, Poesia aniorosa do povo por-
tugez. Lisboa, Carvalho. 144 p. 12.
Westphal, Joh., Englische Ortsnamen im .Mtfranzösischen.
Strassbuiger Dissertation. 39 S. 8.
Wölfflln, Ed., Minucius Felix. Ein Beitrag zur Kcnntniss
des afrik. Lateins. S.-A. aus Archiv f. lat. Lexikugr. VII, 4.
Literarische Mittheilungen, Personal-
nachrichten etc.
Im Verlage von Karl J. Trübner in Strassburg beginnt
im Juli d. J. eine neue Zeitschrift zu erscheinen unter dem
Titel: Indogeriimnische Forschungen. Zeitschiift für indo-
germanische Sprach- und .Mterthumskundo hrsg. von Karl
B rüg mann und Wilhelm S t r e i t h c r g. Mit dem Beiblatt:
Anzeiger für indogermanische Sprach- und Allerthuniskunde
redigirt von Wilhelm Streitberg. Preis des Bandes M. 18.
Herr T o c w s wiril eine Arbeit über die Sprache des
Hermann von Sachsenheim veröffentlichen.
Die Greifswalder germanistische Prei.saufgabc : , Kritische
Geschichte iler Züricher liibelühersetzung" für ilas Jahr 1890/1
wurde von Herrn .Mbert Vieth, stud. phil., gelöst, dem die
Facultät den eiliöhten Preis von 300 Mark zuerkannte. Neue
gernnmistische Preisaufgabe für 1S91/2 entwc^der: ,Da8 häus-
liche Lehen der Deutschen des S. unil 9. Jh. 's (vorzugsweise
nach den ahd. (llossi'n)" oder: ,Klopstocks Di(rhtersprachc in
ihrer IjUlwicklung, (i( Ituug und Wirkung".
Für das Jahr IM94 stellt die philosophische Facultät der
Universität Oöttiugen folgemle neue Benekeschi' philosophische
Preisaufgabe: Oeschichte der deutschen kaiserlichen Kanzlei-
sprache von ilni'n .Xnlängen bis auf Maximilian, die in ange-
messenen, zeillii'h begrenzten Abschuitten das Constantc und
das SchwankiMide in den Laut- und Flexlousverliältnissen,
sowie möglichst auch in Wortbildung und Wortwahl zur An-
schauung bringt und mundartlich erläutert; eine Beschränkung
auf das Lautliche würde nicht genügen ; Benutzung unge-
druckten Materials wird nicht verlangt. Aeussero Verhält-
nisse, wie der wechselnde Sitz der Kanzlei, Heimath und
literarische Beziehungen der Kaiser und Kanzleivorstände, die
Herkunff der Schreiber, der EinHuss wichtiger Reichstage,
die etwaige Rücksicht auf ilie .Mundart der .Vdressateu und
ähnliches sind eingehend zu berücksichtigen und darzulegen.
Auch das Verhältniss der kaiserlichen Kanzleisprache zu den
Anfängen einer oberdeutschen Ko,yi im 14. und 1.5. Jh. darf
nicht ausser Acht bleiben : namentlich wird zu untersuohcn
sein, ob die Sprache der Nürnberger Kanzlei auf die der
kaiserlichen eingewirkt habe, oder umgekehrt. Erwünscht,
wenn auch nicht unerlässlich, ist es endlich, dass an der
Sprache der Urkunden und der ältesten Drucke einiger ausscr-
bairischen liierarischcn Centren Süddeutschlands die Bedeutung
der kaiserlichen Kanzlei für die Miblerung der mundartlichen
Gegensätze im l,j. Jh. geprüft wenle: neben Nürnberg käme
etwa Augsburg, für das Vorarbeiten vorliegen, und Strassburg
in Betracht. — Bewerbungsschriftcu sind bis zum 31. .\ugust
1893 einzusenden. Der erste Preis beträgt 1700 Mark, der
zweite 680 Mark.
Dr. S. Singer habilitirtc sich an der Universität Bern
tür deutsche Philolügie; für das gleiche Fach Dr. M. Her-
rn a n n an der Universität Berlin.
Prof. Dr. Karl V o 1 1 m ö 1 1 e r in Göttingen wird Michaelis
d. J. sein Lehramt niederlegen, um sich künftig ausschliess-
lich seinen wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen; er wird
seinen Wohnort vom 1. Üctober ab in Dresden (A. Werder-
strasse 36 I) nehmen.
Dr. J. C. Horst mann, Privatdocent der engl. Philo-
logie in Berlin, ist aus dieser Stellung geschieden, um dauernden
Aufenthalt in England zu nehmen.
t in Bonn Prof. Dr. Audresen.
t am 3. April der bekannte belgische Historiker J. M.
B. C. K e r V y n d e L c 1 1 e n h o v e , den Romanisten besonders
bekannt durch seine Arbeiten über Froissart.
Antiquarische Kataloge: C lausen, Turin (Let-
terature neolatine); Dieterich, Göttingen (Deutsche Sprache
u. Lit.); Geering, Basel (218: Deutsche Literaturgesch.,
Folklore u. Sprachwisscnsch.) ; Lehmann, Berlin (Neuere
deutsche Literatur).
Abgeschlossen am 8. Juni 1891.
Literarische Anzeigen, j^
Weiiliuannsche Buclihaiidliinji:
tu Berlin.
Soeben
erschien :
Deutsche
Alt
ertumsk
und
e
Karl Mülleiihott.
Fünfter Jiaiul. Zweite Abteifuiif/.
gr. 8'. (VII u. 357—417.) Preis 2 Mark.
üfrlnQ bei 3or. TlöfcITdicn BudilinnbluiiQ in lumptni.
Zu be/tclioii <Iuri-h alle rurhhaiutluti^'cn.
Caut= imb 2lu5)Vrad7ß = CafcIn
für &C11 flUllJönrrijfU nilfd:i!lüUlltl-rriflit, bearbeitet von
Dr. Ernst Dannheisser und Karl Wimmer. 8°.
Mit 8 lithographirten Tafeln. Preis broch. dt 2.—.
In vorlictfciMli'in Werkfhcn orläulcrn die Vrrfitsser ihr oiffonarlijrO!.,
den FordtTuiit,-cii der niodcrrien Neuphilolojjiu aiijr<?i)fts8los prrtlctiKrhcs
Svstoni zur Krlcraiin^ der französischen .Xustspractii'. Die aus der I'raxis
Iii-rviir^eL'ioijJciie bcwiihrtf Mctliode dürfie Imld in ilon weitesten Kreisen
Kiiii;nn^^ tindcii.
Hierzu Beilagen von H. Loescher's Hoflincliliaiul-
liiiig (Carl Clausen) in Turin und Karl J. Triibner,
erlag in Strassburg i. E.
Verantwortlicher Redacteur Prof. Dr. Fritz Neumann in Heidelberg. — O. Otto'e Hofbuehdruckerei in Darmstadt.
LITERATURBLATT
FÜR
GER3IAN18CHE UND ROMANISCHE PHILOLOGIE.
HERAUSGEGEBEN VON
j)R. OTTO BEHAGHEL und D"- FRITZ NEUMANN
o. 5. Professor der y^ermanischen Philolog^ie o. Ö. Professor der romanischen Philologie
in der Universität Gietjsen.
VERLAG VON
Erscheint monatlich. O. R. REISLAND, LEIPZIG.
an der Univeraität Heidelberg.
Preis halbjährlich H. 5.
XII. .lahrgaiig.
Nr. 7. Juli.
1891.
Löwe, Die Ausnahmslosigkeit sämmllicher Sprach- 1 V o ff e I s , Handschrift). Untersuchung-en über die BrakelmaDn, I.es plus anciens Chansonniers
neuerungen iSchuchardl).
1 Nibelunghi. Trad. in versi ital. di I. PizzI
(Fischen.
Hotz, Zum Rosengarten (L ei t z m a n d).
Cordes, Der zusammenges. Satz bei Xicolaus von
Basel iBehaghell.
Dobbertin, Der (Jute (Jerhard von Rudolf von
Ems in s. Bedeut. für die Sittengesch. (Glöile.
Huld, Safn aljjfulegra frjeäa i'slenzkra (Kahle).
engl. Version Mandeville's iBchrens;.
Regel u. Schuler. Einführ, in das heutige Eng-
lisch (P h i 1 i p p s t h a )l
fran^ais ( F o e r s t e r).
Klincksiek, d. Realismus im Roman des 19. Jhs.
«Mahrenhollz).
, Witthöft. Sirventes joglaresc .Schultz).
Flügel. Allgemeines Englisches Wörterbuch iBul- Mever. G. , Etvm. Wörterb. der alban. Sprache
•"•ing. j )Me\er-Lübkel.
Muret, Encyklopadischcs Englisches Wörterbuch jj „ j jg^, Altcelt. Sprachschatz iTh u r n e v s e n).
(Bülbring,. {Bibliographie.
Hoefft, France. Franceis A Franc im Rolandsl. L i t e r a r i s c h e M i 1 1 h e i I u n g e n , Personal-
(Fo ersten. | nachrichten etc.
Löwe, Richard, Die Ansnahmslosigkeit sämtliclier
Sprachneuernngen. (Separat.ibilruck <ius der ,Zeitsclirit't
Jes Vereins für Volkskunde", Berlin 1891, S. .56—66.)
Was g'egen die Lehre von der Aiisnalimslosig-keit
der Lautgesetze eingewendet worden ist, darüber sind
die meisten ilirer .\nliänger ..vornelim" zur Tagesordnung
übergegangen : den Versucli Punkt für Punkt zu wider-
legen liat kaum Einer und der Andere unternommen,
und selbst ganz bestimmte in dieser Richtung gemachte
Versprechungen sind unerfüllt geblieben. Häufiger hat
man sich mit dem Angriff auf einen einzigen Punkt
begnügt, wobei aber fast immer Jlissverständnisse unter-
gelaufen sind. Brngmann sagt in der zweiten Auflage
seiner griechischen Grammatik (1890) S. 11 : „dass man
den Ausdruck '(rleicliheit der lautlichen Bedingungen'
nicht allzu wörtlich nehmen darf", und fügt hinzu:
.absolute Gleichheit hat man nur bei Homonymen, sonst
mir partielle". Das eben hatte ich gesagt und darauf
einen meiner Einwände gegründet, der durchaus nicht
gewürdigt wird, wenn Brugmann mit G. Jleyer meint,
wir könnten ..auch ganz minimale Verschiedenheiten in
den Bedingungen, unter welchen Laute auftreten, ohne
jeden Schaden für die Forschung ignorieren und auch
dann von 'gleichen Bedingungen' re(ien, wenn wirklich
bei mikroskopischer Betrachtung sich doch eine Differenz
wahrnehmen lässt". Denn um gar nicht davon zu reden
ob bei lautgeschichtlichen Untersuchungen nicht wii-klich
die -mikroskopische Betrachtung" anzuwenden ist und
thatsächlich allerseits angewendet wird, so bedarf es
doch einer solchen gewiss nicht um k(e), g(e), m(e),
n(e) oder (a)l, (a)r, (a)s, (a)n u. s. w. auseinander-
zuhalten; ich hatte so deutlich wie es mir niu" möglich
war, gezeigt dass dasselbe was in dem einen Fall als
Gleichheit der Bedingungen gilt, in dem andern als Ver-
schiedenheit der Bedingungen gilt, und ich wäre sehr
begierig irgend eine solche ..minimale" Verschiedenheit
kennen zu lernen welche nie und nirgends bei einem
Lautwandel ins Spiel käme (vgl. auch Ltbl. 1888
.Sp. 486 f.). Victor Henry sagt in den „Mem. de la
Soc. de ling.-' VI (1886) S. 99: „La proclise, ce semble,
suffit amplement ä Texpliquer [(xic > avri!^'], et il n'est
pas necessaire pour cela de recourir Ä l'affection parti-
culiere signal(äe par M. .Schuchardt, affection qui atteindrait
de pr(^terence les mots tril'S usuels et leur iiiiposerait des
d(^viations bizarres, violentes, (''trangeres ä toutes les for-
mules de la plion(!-ti(jue soit physiologi(iue, soit historique."
{ Aber an der Thatsache dieser ..deviations"', die an der
I angezogenen Stelle meiner Schrift besprochen werden,
wie g'Moiii > (/läcn Morgen, zweifelt ja Niemand, und
sie in einen so absoluten Widerspruch zu allen Laut-
gesetzen bringen wie Henry thut, lieisst doch nichts
Anderes als den Glauben an die Ausnalimslosigkeit dieser
den er ja selbst theilt, heftig eischüttern. -\uch über-
sieht er dass es sich nicht bloss um Fälle handelt wo
Proklise annehmbar ist, und dass selbst in solchen die
j Proklise zur Erklärung des lautlichen Vorgangs nicht
! ausreicht. Meyer-Lttbke hat im ersten Band seiner
romanischen Grammatik mit Eecht den „Abkürzungen
vielgebrauchter Wörter"' einen eigenen Abschnitt gewid-
met; er gibt zu dass z.B. der Ausfall von ni in senior,
seniore sonst auch in tonloser Stellung nicht vorkomme
'■ (S. 520). Nur ist es mir dann nicht begreiflich wie er
' Zs. f. rom. Phil. XV, 282 Seelmann vorwerfen kann,
j er „wiederhole die abgedroschenen Phrasen, die von
denen vorgebracht werden, die den Satz von der Aus-
nalimslosigkeit der Lautgesetze nicht rielvtig verstehen
wollen, mit denen zu streiten daher verlorene Mühe ist".
i Denn man darf in der That nicht in einem Atliem von
der Ausnalimslosigkeit der Lautgesetze und von dem
' Hang oder der Neigmig zu dem und dem Lautwandel
reden, und ebenso wenig stimmen zu jener die besonderen
Veränderungen der gewöhnlichsten Wörter, der springende
Lautwechsel, die nicht allzu wörtlich zu nehmende Gleich-
heit der lautlichen Bedingungen und so vieles Andere.
Wenn der Satz von der ehernen Ausnalimslosigkeit der
Lautgesetze in den Händen seiner Vertreter die Elastizität
des Gummis bekommt, so ist wohl bei denen die ihn
nicht verstehen, daran nicht der Mangel an gutem
Willen schuld.
Dass das berührte Dogma in Leitfäden und Grund-
rissen ohne Hinweis auf diese Ketzereien vorgetragen zu
werden pflegt, das erklärt sich wie bei allen Dogmen.
Ich würde nicht schon jetzt meinen Einspruch dagegen
erneut haben wenn ich nicht durch den kiu'zen aber
wichtigen Aufsatz von Löwe angeregt worden wäre.
16
219
1S91. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 7.
220
In dem Einen und dem Wesentlichsten stimme ich mit
dem Verf. iiberein: es kann in Bezng: auf Gesetzmä.s.sig--
keit von allem sonstigen Sprach wandel nichts Anderes
gelten als von dem Lautwandel, und zunächst von dem
„springenden" Lautwandel niciits .anderes als von allem
Sonstigen. Er sagt S. 60: ,.I»ie Ausnahmslosigkeit hat
auch tlir den sogenannten springenden Lautwandel, für
den sie inkonsequenter Weise von derselben Seite aus,
von der die des sogenannten allmählichen Lautwandels
besonders betont wurde , teilweis in Abrede gestellt
worden ist, in vollem Umfange zu gelten." Wenn er
aber ilen Wortwandel vom Lautwandel scheidet, und zu
jenem neben der Analogiebildung die Wortentstellung,
insbesondere die Wortkürzung rechnet, so muss ich, wie
ich seiner Zeit den Zusammenhang der Analogiebildung
mit dem Lautwandel gezeigt habe, hier um so mehr
betonen dass bei der Wortkürzung nicht die Bedeutung
an sich ins Spiel kommt, sondern die Häutigkeit des
Gebrauchs, deren sich eine Lautgruppe mit bestimmter
Bedeutung erfreut, und dass in dieser Hinsicht alle
Wöi'ter durch eine ganz allmälige Abstufung unter
einander verbunden sind. Zwischen einer bewussten
plötzlichen Kürzung wie Kilo > Kilo(/ramm und einer
unbewnssten allmäligen wie g'Moiu > (juten Morien
(mit allen fuitlebenden Zwischenstufen wie ijtn M., i/ii.
M. u. s. w.) ist der Unterschied grösser als zwischen
der letzteren und irgend einem ,.lautgesetzliclien" Wort-
wandel. In dem einen Fall von Wortwandel, in dem
andern von Lautwandel zu reden, dazu liegt gar kein
Grund vor; dort haben wir ja eine Reihe von neben
einander und nach einander sich vollziehenden Lautver-
änderungen welche anderswo als ,. gesetzliche" vorkommen,
hier wieileruni ist die einzelne Lautveränderung durchaus
an das Wort gebunden.
Zum Scliluss möchte ich nun aber den Verf. fragen:
gilt das was er „Ausnahmslosigkeit" nennt, bloss tür
das Werden der Spraclie, nicht für alles Werden? Und
wozu bedienen wir uns gerade hier dieses Ausdrucks,
da wir .Ausnahmen, mögen wir sie wirkliche, mögen wir
sie sdieinbare nennen, hier ebenso gut haben wie anderswo
oder anderswo ebenso wenig wie hier?
Graz. H. Schuchardt.
I Nibelunghi. Pocma cpico germanico. Traduzione in vcrsi
italiani di Italo Pizzi. Milano, Ulrico Hoopli. 1889.
Zwei Hände. LXXII, 740 S. Lire 6.
Von den Nibelungen gab es bis jetzt zwei italienische
Uebersetzungen, die eine in versi M-iolti von Carlo t'er-
nezzi, welche 1847 er.schien, während die 40 .Jahre später
erschienene von Annibale Gabrielli in Prosa ist. Ich
kenne die erstere nur aus -den von Zarncke und Pizzi
gegebenen wenigen Proben, die letztere gar nicht. Pizzi
Wollte eine dem Original sich ti'euer anschliessende Arbeit
als die Cernezzis geben und zugleich durch Hcibelialtung
metrischer Form dem gehobenen Tone <ler Poesie nälier
bleiben als Gabrielli, dessen Arbeit er sonst rühmt. Diese
metrische Form ist freilich, mit der strophischen Ge-
bundenheit des Originals verglichen, nur gewissermassen
ein letzter Rest von Form und kommt der Prosa sehr
nahe. Wie ('ernezzi hat auch Pizzi, ausgeliend davon,
dass das Epos keine Strophe vertrage und dass ohnehin
keine italienische Strophe sich zur Wiedergabe der
deutschen geeignet haben würde, den rertfo sciolto, den
Strophen- und reimlosen jambischen Fünffüssler gewählt,
der hier mit allen Freiheiten, welche die italienische
.Metrik gewährt, gebraucht ist; sogar Worttrennung durch
j den Versschluss, superba- \ wente, habe ich (S. 32) ge-
funden. Auf diese Weise ist allerdings der stilistisclu-
Eindruck der l'ebersetzung ein völlig anderer als der
des Originals: besondei-s fallen die zaliireichen durch die
Strophe bedingten Flickwörter und -Sätzchen, namentlich
die zahlreichen Epiphonemata der vierten Langzeile, in
der unstrophischen Form selts;un auf. Im übrigen kann
man sagen, dass der l'ebersetzer, so weit \'ers und
poetischer Ausdi-nck es zuliess. sich streng an das zu
. Grund gelegte Original des Bartschischen Textes gehalten
hat und dass es ihm, wie mir eine .Anzahl von Stich-
proben gezeigt, gelungen ist, denselben richtig aufzu-
fassen und wiederzugehen. Ganz ohne Fehler ists nicht
abgegangen; ich habe Str. 284 B. die L'ebersetzung notirt:
venirne a lei vedeansi innanzi le sue ancelle wlorne =^
! dk nrlien hamercpre sarh man vor in gm: Str. 101
I B.: o(/nu)i l' ha raro ceracuinente = man sol in
holden lii'ur. S. 251 tin. sind zwei Verse ausgefallen.
Merkwürdig niunnt sicli audi die deutsche Form ver-
schiedener Eigennamen im italienischen Vers aus: Kri<-m-
hilde, Briuihildf, llugen(e), Sidirland, Et2i'l etc., wofür
italienische Formen so leicht und zwanglos zu finden
gewesen wären: auch /(/ sini tonikaji/n' (S. 31) ,.ist
ein sonderbarer Klang". Uebrigens mögen es die italie-
nischen Leser ausmachen, wie weit sie sich mit der
Diction befreunden können: uns kann es genügen, dass
das Original im Allgemeinen, auch wie ich mich über-
zeugt habe an minder einfachen Stellen, richtig aufge-
fasst ist.
Pizzi hat eine Einleitung vorausgeschickt, und iu
dieser müsste man dringend rathen. manches zu ändern,
falls das höchst einladend ausgestattete, in zierlichstem
Format gedruckte Buch eine neue AuHage erlebt. Ab-
gesehen von einigen ästhetischen .Ausführungen wie
8. LI ff. LVIII ff., die sich meines Erachtens nicht eben
durch grosse Bedeutung auszeichnen, ist die Einleitung
nicht selbständig, was man auch gewiss nicht verlangen
wird. In Beziehung auf die Gescliidite der Sage werden
die frülier allgemein herrschenden und noch jetzt wohl
von den Meisten getheilten Ansichten ausgesprochen:
Siegfried als I)rachentödter ein Sonnengott, die eddische
Darstellung echter als die deutsche. In letzter Beziehung
ist es jedenfalls falsch, wenn es S. XX f. heisst: Tiitto
cid che di viifico sl trovu nella Jif/iira del futato
Si/'rido, nei Niheliiii(/hi, o in!<cie?iteinenlc o di /irojMsito
dcliherafo, e detio e rait/ireAcntato in modo fnfjgevide
e oscuro, come elemevto nun [liii atlo ad acconciarsi
alle niiove idee alle quali vienv informandosi il jioela:
nach dem Folgenden scheint Pizzi darin eher Absicht
des Dichters finden zu wollen, aber von einer solchen
kann auch nach der .Ansicht derer nicht die Rede sein,
welche die echtere nordische Sagengestalt im Deutschen
entstellt sein lassen. Die Bezeichnung der Lieder-Edda
als /locina cpico (S. XI) ist schief: und konii.sch ist das
sichtlidi aus einer deutschen Darstellung geflossene Miss-
verständniss der nordischen Eizählung von der Herkunft
des Schatzes S. XXIIl: Odin, Hönir und Loki ijiiin<jessero
viagi/iando ad nna cascata d' acijua, laddove trovaronu
una oipcra\ Abgesehen davon, dass es doch komisch
wäre, eine Vipernhaut mit Gold zu füllen, hätte l'izzi
auf die riciitige Bedeutung von deutsch „Otter"' = Fisch-
otter, ital. lontra, schon dadurch kommen sollen, dass
ein Haar des Fells noch heraussieht, was er denn durch
tma squuma sola hat ersetzen müssen. Schief ist die
■2i{
189(. Literatui'blatt für germanisclic und romanische Philologie. Nr.
222
Angabe S. XLVIII über Pilgriins Rolle in der Geschiflite
der Sage, und was ebendaselbst die Benierkuno- über
Rüdii'er will: e uii vcro modeUo di caiuliive e di
(foililiioiiio, dl quäle fiittavia tu perfella intef/ritä del
costiiine iiiioce noii poco, das weiss ich wirklich nicht.
Was den Inhalt der deutscheu Nibelungen betrifft, so
ist er .S. XVI — XYIII etwas gar kurz wiedergegeben,
wodurch ein Ziisannnenwerfen von Dingen erfolgt ist,
die im (.Tedieht durch verschiedene Jahre getrennt sind:
Rifonialo Günther (aus Island) a Worms coii lu spo.-'a,
Ira costei e la cognatit Kriemhilde, cite frcittanto si
ertt sposiita a Sifrido, nasce iiiia grave contesa; der
ganz uuhistorische re dei Sagsoui ist nur durch die
Lesart von B 170 B. der kiiiiec Liudeger statt der
l-ih'iie L. verschuldet; L. lieisst sonst nur fiirste oder
Iierre; auch .S. XLII ist die Angabe ungenau. Hageu
sei im Gedicht nicht Bruder Günthers, sondern soltanto
il piH ßdo aiiiicn; er ist der ntfic der Könige, Str. 898 B.,
wo Pizzi selbst coHgiiinto übersetzt. — Die äussere
Geschichte des deutschen Gedichtes ist ziemlich kurz und
unbestimmt gegeben; Kürenberg ist der Dichter; S. XXXIII
zeigt sich völlige Confusion hinsichtlich der Eecensionen.
Auch die Bemerkungen über die Geschichte der Xibe-
Inngen in der deutscheu Forschnng sind ganz luigenügend;
nach S. LXIII hätte Lessing zuerst das Gedächtuiss
derselben aufgefrischt ; S. LXIV sind Lachmann, Wilhelm
Grimm und Bartsch als Hauptvertreter der Xibelungen-
kritik genannt; bei der Kritik der Sage S. XII il
Grimm [= ?] e il Lachmann genannt. Müllenhoff fehlt
ganz. Das Schönste aber steht auf S. LXIV: Giuseppe
Lassherg, clie rolle far dipingere sidle pareii delle
sale del siio palazso i fatti dei Xihelunglii, togliendoli
com' erano miniati dal uianoscritto da hü posseduio.
Das nämliche Missverständniss des Titels ■,,Liedersaar'
steht schon (s. Zarncke ^" XXXVII) in Eiaux' Vorrede
zu der französischen Xibelnngeuühersetzung von Morean.
Hat es Pizzi von dort oder ist es eigenes Gewächs?
Eher das letztere; denn er weicht etwas ab. Auch die
Einleitung der Uebersetzung von Lavelej'e hat Pizzi
benutzt und ihr, S. XXX f., ein paar Dinge entnommen,
die er sonst überall finden konnte. Ueberhaupt hat er
offenbar viel zu ^iel nach secundären Quellen gearbeitet.
— Möge er hinterdrein die Originalforschungen gründ-
lich studieren und dann eine wesentlich veränderte
Einleitung geben, wenn er Gelegenheit dazu bekommt I
Es wäre das sehr zu wünschen; denn es würden damit
ein paar garstige Flecken von einer bravgemeinten
Arbeit entfernt.
Tübingen. Hermann Fischer.
Holz, Dr. Georg , Zum Rosengarten. Untersuchung des
Gediclite.s 11. Leipzig, Fock. 1889. 151 S.
Eine genauere, ins einzelne gehende Besprechnng
dieser sorgfältigen und scharfsinnigen Arbeit, welche sich
eins der scliwierigsten Probleme der mittelalterlichen
Text- und Literaturgeschichte zur Lösung gestellt hat.
würde den dieser Anzeige zugemessenen Raum bedeutend
überschreiten müssen. Ich beschränke mich daher darauf
den Gedankengang und die Resultate des Verfassers kurz
zu skizzieren. Das erste Capitel (§ 1 — 6) gruppiert die
gesammte Überlieferung, die seit Philipps Buch (Halle
1879) einige werthvolle Bereicherungen erfahren hat:
das Thema, das der Verfasser sich vorgenommen, ist
die Untersuchung der Rosengartenredaktionen II b (haupt-
sächlich veitreten durch die von Bartsch Germ. 4,1
herausgegebene Ponnnersfelder Handschrift und die Frag-
mente einer czechischen Übersetzung, von der Holz in
§ 4 eine neue Rückübersetzung giebt) , F (in der von
W. Grimm 1836 herausgegebenen Frankfurter Handschrift)
und II a (aus einer Heidelberger und Strassburger Hand-
schrift gedruckt in v. d. Hagens Heldenbuch 1820),
sowie ihres gegenseitigen Verhältnisses. Mit diesem
Verhältniss beschäftigt sich das zweite Capitel (§ 7 — 19),
an dessen Schluss wir die Überzeugung gewinnen, dass
der von Philipp näher untersuchte Text I dem voraus-
zusetzenden Urgedichte am nächsten kommt, während II
und III jüngere, von einander unabhängige Bearbeitungen
sind, und dass die Redaktion f, die nälier zu II a als
zu II b stimmt, aus I und II contaminiert ist. Drei
weitere Capitel bringen zur Bestätigimg dieser Auf-
stellungen die Einzeluntersuchung, die fast Vers tür Vers
durchgeführt wird. Das dritte (§ 20 — 38) untersucht
den Text II b : er ist im Wesentlichen eine kürzende
Beai-beitung des Originals im Hildebrandston, dessen
Überlieferiuig jedoch leider sehr lückenhaft ist. Capitel 4
(§ 39 — 59) bespricht die Redaktion f, eine wenig ver-
breitete Contamination aus I und II auf Gnuid älterer
und besserer Vorlagen, Capitel 5 (§ 60 — 65) endlich
die Fassung IIa. Im Schlussparagraphen (S. 150) wird
dann der so gewonnene Stammbaum aller Überlieferungen
aufgestellt. Es ist selbstverständlich , dass bei einer
so ins kleine gehenden Untersuchung textkritisclier Art
im einzelnen mancherlei verschieden aufgefasst werden
kann : die Methode des Verfassers ist besomien und gründ-
lich, sicher hat er das Verdienst in das Dunkel dieser
Probleme, soweit möglich , Licht gebracht zu haben.
Möchte er uns als Fortsetzung dieser Arbeit die lange
erhoffte kritische Ausgabe der Rosengärten schenken !
Jena. Albert Leitzmann.
Cordes, Werner. Der zusammengesetzte Satz bei
Nicolaus von Basel. Leipzig, Fock. 236 S. 8. M. 5.
Cordes behandelt im ersten Abschnitt die Zusammen-
setzung von gleichwerthigen Sätzen, ira zweiten die
Zusamraensetzimg von ungleichwerthigen Sätzen, deren
einer einem Satztheile des anderen entspricht (A. Ad-
verbialsätze, B. Attributivsätze, C. Substantivsätze); ein
dritter Abschnitt ist der ,, Satzvertretung durch die
Verbalnomen" gewidmet. Bei der Auswahl imd Anord-
nung des Stoffes ist Cordes nicht von formalen, sondern
von materiellen Gesichtspunkten ausgegangen. Er hat
nicht gefragt: welche Function kommt dem tmd jenem
formalen Elemente zu? sondern umgekehrt: welchen
formalen Ausdruck haben diese und jene psychologischen
Beziehungen gefunden? Es lässt sich nicht leugnen,
dass bei dieser Betrachtungsweise manches in besseres
Licht gerückt wird, manches erst in unsern Gesichtskreis
eintritt, was bei der vom Formalen ausgehenden Methode,
deren Hauptvertreter Miklosich ist, nicht zur Gelttuig
kam. Anderseits aber hat auch die von Cordes befolgte
Methode wieder ihr Bedenkliches. Er kommt dazu,
Unterscheidungen zu machen, wo es an der uöthigen
Grundlage für dieselbe fehlt: bei asvndetischer Parataxe
ist es vielfach Willkür, ob man die beiden Sätze als
gleichwerthig oder als imgleichwerthig bezeichnen wUl.
Umgekehrt werden die allerverschiedenartlgsten Dinge
zusammengestellt, Sätze von ganz abweichendem Bau
werden als gleichwertliig zusammengefasst, weil unsere
formale Logik in ihnen den gleichen Inhalt finden kann ;
ebenso werden ganze Sätze und einfache Satzglieder als
17
223
1891. Literaturblntt für germanische und romnnische Philologie. Nr. 7.
324
einaiult-r «vertretend" aiifgefiilirt. So küinint es, dass
Cordes in seiner Abhandlini!? auch Erscheinungen dar-
stellt, die Niemand in einer Lehie vt.ni ziisannneny:e-
setEten Satze suchen wird, wie den Infinitiv und das
Particip. und die verschiedensten Speries jener Gattunir
Vtin Satzgliedern, die er mit der alteu Schulweisheit als
verkürzte Sätze bezeichnet. Indessen ein Zuviel pflegt
keinen grossen Sehaden zu stiften. Störender sind Miss-
grilfe in der .Anordnung, die keineswegs aus der von
(". gewählten Methode mit Ncithwendigkeit hervorgehen
und die Zusannnengehöriges in der unangeiuhmsten Weise
auseinanderreissen. So hat er alle Krscheinungeii der
Tempus- nnd .Moduslehre für jede Satzart besonders be-
handelt: wer daher ein Kild gewinnen will, wie indirecte,
conditionale, heischende P'orm des Hauptsatzes auf den
Modus des Nebensatzes einwirkt, muss sich die Tliatsachen
an den verschiedensten Stellen mühselig zusannnensuchen.
I>as Gleiche gilt für die Erscheinung, dass ein in hypo-
taktischer Form begonnener Satz spiiter selbständige
Form annimmt.
Im Einzelnen verdient die Darstellung von Cordes
alles Lob. Er hat die Thatsachen mit grossem P'leiss
gesammelt und unter vorsichtiger .Abwägung der ver-
schiedenen Möglichkeiten geordnet. Von dem mancherlei
Interessanten, das seine Sammlungen zu Tage gefördert
haben, erwiiline ich eine .Anzahl Belege von echtem
Praesens historicum und von \'ei]etzung der alten Con-
secntio tempoium, ferner die Thatsache, dass die Zeit-
sätze mit v und die Vergleichungssätze mit danne auch
nach positivem Hauptsatz durchaus den Indicativ auf-
weisen: sowie dass Imperativische Form des Hauptsatzes
nur geringen Einfluss anf den Jlodus des Nebensatzes
ausübt.
.An manchen Punkten hätte man gewünscht, dass über
das .Auftreten verschiedener Constructionen statistische
Angaben gemacht wären. Ferner haben zwei wichtige
Arten der Satzverbindung fast gar keine Herüc'ksiditigung
gefunden, die dunli anaiihorische AVörter oder .Ausdiiicke
und die durch tiemeinsamkeit eines Satzgliedes heibei-
geführte.
In § 2ft handelt es sich um die Cunjunctiim du,
nicht um dü\ umgekehrt liegt in der Verbindung mit
ze stiiiif die Partikel da dem do von Xicolaus zu CTrunde
(§ 5.3). Sonderbar ist § 3.5 und .37 die .Anschauung,
dass der erste Satz den zweiten berichtige. Die Be-
weisfühiung im .Anfang von § 42 verstehe ich nicht. —
Dass die Sätze, die den alid. mit ni, niih, siiiitar ent-
sprechen, zu den Slodalsätzen gezogen werden, ist nicht
zu billigen (§ 113). — Dass die Ursache für den In-
dicativ in Finalsätzen (§ 170) in dem starken Verfall
der Xloditsuntersciieidnng liege, kann ich nicht zugeben:
schon bei Isidor findet sich dergleichen. — ^ 240 will
('. nicht den übergeordneten lmi)erativ als Cirund für
den Conj. Praes. ansehen, da häufig bei imiieiativischem
Hauptsatz im Nebensatz der Ind. Praes. stehe, als ob
nicht beide Constructionen neben einander möglich wären
und thatsächlich in <ler altern S|)rache vorkämen (vgl.
übrigens Cordes S. 141 !).
Die Darstellung ist klar: die Coriectui- ist eine
>orgfiiltige gewesen.
(iiessen. Otto Behaghel.
Dobbertin, A., Der Gute Gerhard von Kiidolf von
Ems in seiner Bedeutung für die Sittengescliiclite.
Rustooker Dissertation. ISS'.l. :>'-> S.
Die kleine Schrift fasst in zehn Ka|iiteln das Wich-
tigste auf dem (iebiete der Sittengeschichte zusammen,
was uns in dem ansprechenden und genuithv<dlen Gedichte
des Rudolf von Ems entgegentritt. Eine Monographie
wie die von W. Bergeniann für Gottfried von Strass-
burg ist dem Guten (ierhard noch nicht gewidmet.
Manches findet sich natürlich schon bei Weinhold
(Deutsche Franen), .A. Schultz (die 2. .Auflage des höf.
Lebens ist noch nicht benutzt), Kichter (Bilder aus der
deutsdien Kulturgeschichte), G. Freytag (Bilder aus der
deutschen Vergangenheit) n. a. Von besonderer Wichtig-
keit sind die .Angaben, welche die Dichtung über das
Verhältniss der Ritter zu den Bürgern enthält, weil
hierüber in der mlid. Dichtung wenig niitgetheilt wird.
Die meisten Epen spielen in den höfischen Kreisen;
selten erfahren wir -Ausführliches über den Verkehr
zwischen den Bürgern d. h. Patriziern und Kitterii, wie
er sich in der Wohnung des wohlhabenden Patriziers
abwickelt. Kap. I behandelt Schitlfahrt und Handel.
Das AVort ..Barke" wird in allen Bedeutungen ange-
führt und erklärt; Gerhard fährt stets an der Küste,
also ohne Kompass, hart ist das Loos der (iestrandeten.
Den Handelsbeziehungen der rheinischen Kanflente mit
England und den Ostseeländern wandte schon Kaiser
Otto I. seine Aufmerksamkeit zu. Es wurden grosse
SIessen gehalten, Zolle wurden an Fürsten, Städte und
Prälaten vergeben. Aus den ()stseeHindern wurden die
kostbaren Pelzarten geholt, aus dem Orient die Seiden-
stoffe. Hundert Prozent Gewinn und darüber strichen
die Kaufleute ein. Durch ihren Reichthum standen die
Kölner Kaurteute in so hohem .Ansehen, dass der Gute
Gerhard sagen konnte, auch für eine Königstochter wäre
es nicht übel eine Kaufmannsfrau in Köln zu werden.
Die reichen Patrizier Kölns, die den übrigen Bürgern
sclii'off entgegen standen, treten gleichberechtigt den
Kittern gegenüber. Mit Ir herreii redet der Kaiser
die Bürger von Köln au, mit Jinirlicrre begrusst die
Königstochter Gerhards Sohn. Zur Hochzeit seines
Sohnes lud Gerhard den Erzbiscliof, 300 Ritter uiul
andere Bürger aus Köln ein. Der junge Gerhard nml
zwölf Genossen erhalten die Ritterweihe, sein Vater
bezahlt für .Alle die Ausrüstung, genau wie au den
Höfen. Die häusliche Eiiuiditung (Kap. 111) der Patrizier
war ebenso grossartig wie die der Ritter auf den Burgen.
Ich möchte den A'erf. hier verweisen auf Franz Pfalz,
Bürgerliches Leben im Mittelalter (Bauart der Städte,
Lebensweise der Bürger im Mittelalter). Die ganze
Hochzeit wird im Hause gefeiert.
Der Gute (Jerhard (Kap. lA') kennt Französisch und
Englisch. Handarbeit geholt ebenfalls zur hötischen
Erziehung. Die Königstochter Irene versteht kostbare
Borten anzufertigen, auch hildek'in und plialt, die Ixer-
liart theuer verkauft. Wenn man in ein Zimmer trat,
so klopfte man an, der Niederstellende erwartete den
(iruss des Höherstehenden, der auch zuerst das AVort
ergri'itt und den Niederen duzt. Fremde Personen reden
sich mit /;• an. Geküsst wird auf den Mund, aber auch
auf das Kinn; diese Sitte war also auch in Deutsch-
land bekannt. Des AVeinens wird sehr oft bei allen
Gelegenheiten gedacht. Die Ritterweihe (Kap. \) des
jungen Gerhard geht gerade so vor sich wie sonst in
Deutschland. Viel Sorgfalt verwandte man auf die
i
225
1891. Literaturblatt für germanische und romaiiisclic Pliilologie. Nr. 7.
226
Toilette (Kap. VI). Abends und Morgens wird gebadet,
die Männer trugen Barte, die wolil gepflegt werden
mussten. Mittelgrosse, nicht zu starke, dodi kräftige
Gestalten, lockiges Haupthaar, weisse Haut machen einen
Jlann schön; wollte eine Frau auf Schönheit Anspruch
machen, so luusste sie massig gross und schlank sein,
goldschimmerndes blondes und gelocktes Haar haben,
rotlie Lippen und eine weisse Kehle ; ein paar klare
schimmernde Augen waren unerlässlicli. S. 30 ff. spricht
der Verfasser von der Kleidung. Schuhe von "Wollen-
stoff dienten dem König Wilhelm als Fussbekleidung.
Die Frauen schmückten sich mit Edelsteinen und Kingen.
Nicht nur l'fenledecken und Zäume wurden mit kleinen
Schellen ausgestattet, sondern auch die eigenen Kleider.
Eine hervorragende Beachtung ist den Angaben zu
schenken, die der Gute Gerhard über Verlobung und
Ehe enthält (Kap. VII). Weinhold und Schultz stehen
hier im Gegensatz mit ihren Ansichten. König Wilhelm
von England lässt durch Gesandte um Irene von Nor-
wegen werben, dann begibt er sich selbst dahin. Der
Abend vor dem Vermählungstage ist schon als Festzeit
zu rechnen. Gerhard führt die Braut vor den Erzbischof,
der sie in feierlicher Weise seinem Sohne vermählt :
hier spielt also die kirchliche Trauung die Hauptrolle.
An dieser Stelle gibt das Gedicht einen interessanten
Beitrag zur Sittengeschichte. Da der junge Gerhard
die Ritterweihe noch nicht empfangen hatte, so war es
ihm nicht gestattet, mit seiner jungen Gemahlin das
Bett zu theilen. Dieselbe Thatsache tritt uns noch
einmal an der Stelle entgegen, wo Wilhelm von England
die Irene heimführt. Darauf wird der Vollzug des
Beilagers beschrieben. Kap. VIII handelt von der Be-
wirthung. Frühmahl und Abendessen waren die beiden
Hauptmahlzeiten. Herreu uud Damen speisen nach
unserm Gedieht getrennt, die Hausfrau an der Mäuner-
tafel, um die Gäste zu ehren. Wenn man sich gesetzt
hatte, brachten Knappen Wasser zum Häudewascheu,
was um so nothwendiger war, als man keine Gabeln
hatte uud sich Jedermann mit den Fingern aus den
gemeinschaftliclien Schüsseln bediente. S. 4.5 ff. wird
das Fest ausführlieh beschrieben, welches König Wilhelm
von England bald nach seiner Heimkehr in sein Reich
veranstaltete. Kap. IX (Kurzweil) und Kap. X (An-
kunft und Abreise) enthalten Belege ans dem Guten
Gerhard für Dinge, die uns aus den höfischen Epen be-
kannt sind.
Die interessante, fliessend geschriebene Studie ist
ein erfreulicher Beweis dafür, dass man anfängt, mhd.
Dichtungen nach kulturgeschichtlichen Momenten zu durch-
forschen, nachdem lauge Zeit hindurch grammatische,
metrische und Quellen-Untersuchungen fast ausschliesslich
an der Tagesordnung waren.
Wismar i. M. 0. Glöde.
Hnld. Sftfn alfydlegra frjeda islenzkra. ü'tgefendur: Hannes
Porsteinsson , Jon Porkelsson, O'lafur Davi'dsson , Pälmi
Pälsson, Valtiiinar 'Asmundsson. I. Reykjavik. Kostnaita;-
madur: Sigurttur Kristjänsson. 1890. SO S. 8.
Im April und .Mai 1889 erliessen die angeführten
Herausgeber in wissenschaftlichen Zeitschriften einen
Aufruf, in welchem zur Subscription auf eine für isländische
folklore zu gründende Zeitschrift aufgefordert wurde.
Es wurde ausgeführt , dass , obw<jhl Magnus Grimsson
und Jon 'Arnason durch Herausgabe der islenzk petintyri
und islenzkar pjöitsögur og «fintyri (K. Maurers Island.
Volkssagen hätten nicht vergessen werden sollen!) viel
Stoflf gesammelt hätten, doch noch so manches im Volke
lebte, oder handschriftlich vorhanden sei, was noch der
Veröffentlichung harre.
Seit der Tliätigkeit jener Männer sei nichts in dieser
Hinsicht geschehen, und diese l.üi'ke wolle die „Huld"'
(Elfe) ausfüllen. Es wurde beabsichtigt in Heften in
Gross-Octav, deren jedes 12 Bogen stark sein und 2 Kronen
kosten sollte, die Zeitschrift herauszugeben : drei solcher
Hefte, die in einem Zeitraum von 2 — 3 .lahren erscheinen
sollten, würden einen Band ausmachen. Das erste Heft
sollte, falls das Unternehmen zu Stande käme, im Früh-
jahr 1890 erscheinen. Inzwischen haben die Herausgeber
ihren Plan geändert. Die Zeitschrift erscheint nunmehr
in zwanglosen kleinen Heften deren jedes 50 ore kostet
und ein in sich abgeschlo.ssenes Ganzes bildet, sodass
ein Abonnement nicht nöthig ist, da jedes Heft einzeln
erhältlich ist.
Das erste derselben, vom 27. Sept. 90, liegt nun
vor. Es enthält eine Fülle einzelner Stücke aus fast
jeder Gattung Island. Volksüberlieferung, wie sie uns
die erwähnten grösseren Sanunelwerke bieten. Den An-
fang macht der pättur Tindala-.J'raa, nacli einer Hand-
schrift der Island. Landesbibliothek No. 303, 4 to, ent-
haltend die Erlebnisse eines kunstvollen Schmiedes aus
dem Anfang des vorigen Jahrhunderts, der seinen Namen
davon erhielt, dass er Ziuuthaler verfertigte. Es folgen
aus der Arnamagnseanischeu Sammlung 569 a, 4 to die
porgeirs rimur stjakarhöfila, welche im Anfang des vorigen
.Jahrhunderts noch im Munde des Volkes lebten und
deren Enstehung wahrscheinlich ins 14. oder 15. Jahr-
hundert zurückgeht. Im weiteren Verlauf werden uns
nun eine Fülle verschiedenartiger Sagen vorgeführt. Da
fehlt nicht die so beliebte Art der ütilegumanna sögur,
da sind Elfensagen , Sagen von Zauberern und ihren
Sendingar. Auch Sagen, die sich an historische Personen,
wie Ssemundur fröili oder, aus jüngerer Zeit au Hallgrimur
Petursson, den berühmten Verfasser der Passionspsalmen,
knüpfen, begegnen uns. Auch einige Schwanke werden
angeführt. Den Schluss bilden eine Anzahl gelegenheits-
visur, über deren Verfasser biographische Bemerkungen
hinzugefügt werden; sie erstrecken sich über die Zeit
vom 16. bis ins 19. .Jahrhundert. Die letzte ist von
Porsteinn Gizurarson töl der 17(i8 geboren ist und noch
1843 lebte.
Wie man sieht, ist der Inhalt des Heftes ein sehr
mannichfaltiger und es ist zu wünschen, dass die folgenden
dem ersten entsprechen. Wir dürfen alsdann hoffen,
dass, zumal wenn auch das G«biet des Märchens, des
Volksaberglaubens, der Sitten und Gebräuche melu- zur
Geltung kommt, auch für das allgemeine Gebiet der
Volkskunde so manches abfällt. Wii- wünschen dem
Unternehmen einen glücklichen Fortgang.
Berlin. B. Kahle.
Vogels, J., Handschriftliche üntersnehnngen über
die englische Version Mandeville's. Wissenschaftliche
Beilage zum Prugranim des Realgymnagiuras zu Crefeld.
Crefeld 1891. .52 S. 4.
Vogels hat in zwei früheren Arbeiten sich mit der
italienischen und den lateinischen Versionen (s. Ltbl.
VIII, Sp. 480) der Mandevilleschen Reisebeschreibung
beschäftigt. In der vorliegenden Abhandlung macht er
deren englische Form zum Gegenstand einer eingehenden
und allem Anscheine nach sehr gewissenhaft geführten
Untersuchung, auf Grund deren er zu wesentlich anderen
Resultaten kommt als Nicholson und AVarner in ihren
227
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philalogic. Xr.
228
auf die Entstehung und Ueberlieferung der englischen
Vei-sion bczügliehon Ausfiiliniugen. Es sind nach V.'s
Darlegung: zwei von einander unahliiingige. von unbe-
kannten Veilasseru herrülireude englisihe Fassungen an-
zuuehnieu: eine altere (EL) zwiselien 13'J0 und 1400
entstandene und nur in verstümmelter Form überlieferte
beruht auf lateinischer, eine jüngere (EF) um 1400 an-
zusetzende, auf französischer Vorlage. Per Verfasser
des französischen Originals ist nicht John Mandeville
und kann nicht mit dem Verfasser von EL oder dem
V(in EF identisch sein. .Mit Rücksicht auf andere Er-
gebnisse sei hier auf die gehaltieiclie Studie selbst ver-
wiesen, die von niemandem, der sich für den Gegenstand
interessirt, unberücksichtigt gelassen werden darf. Der
von V. in nächste Aussicht gestellten Veröffentlichung
weiterer Untersnchiuigen (über die französischen Hand-
schriften, die Interpolationen, den Verfasser, die Werke,
welche sonst Jlandeville zugeschrieben werden), sowie
der von iiun beabsichtigten Herausgabe des französischen
und englischen Textes sehen wir mit Interesse entgegen.
Giessen. D. Behrens.
Kegel, Ernst, und J. G. C. Schüler, Einfnhruns in
das heutige Knglisch, nach Stämmen geordnet mit Be-
rücksichtigung der Synonymik. Leipzig, Teubner. 1889.
VI, 4-13 S. 8. M. 4,80".
Man wird schwerlidi beliaujiten können, dass der
Titel dieses Buches den Inhalt desselben genügend charak-
terisire. Nur aus dem Zusatz „nach Stämmen geordnet
und mit Berücksichtigung der Synonjnnik"' kann man
schliessen. dass es sich um etwas wie ein Vokabularium
handelt. In der Tliat bieten die Verfasser eine umfang-
i'eiciie phraseologische Sammlung, die zugleich ein Voka-
bularium bildet. Dieselbe ist nach den Wortstämmen
geordnet, d. h. die Vokabeln sind nach ihrem etj'mo-
logischen Zusammenhang in alphabetischer Reihenfolge
zusammengestellt, und Jedem Worte sind die gebräucli-
liclisten oder die vom Deutschen abweichenden Wendungen
sammt Febersetzung hinzugefügt worden. Regel, der
der eigentliche Verfasser des vorliegenden Buches ist,
hat bei dieser nur praktischen Zwecken gewidmeten
Arbeit die etj'mologische .Anordnung jeder andern des-
halb vorgezogen, weil „sie dem Gedächtniss ungemein
entgegenkommt", was man von der sachlichen Gruppirung
mit gleichem Rechte behaupten darf. Aber die et\'mo-
logische Anordnung scheint ausserdem den Nutzen zu
haben, dass die Schüler die Stammsilbe der Wörter
kennen und beachten lernen, was nicht nur iu ortho-
graphischer Hinsicht ein schätzbares Hilfsmittel, sondern
auch ein Gewinn füi- das tiefere Eindringen in den
Sprachgeist ist. Der germanische Wortschatz ist selbst-
verständlicli nicht von dem lateinisch-romanischen ge-
trennt, wohl aber sind die Stämme letzteren rrs]ii-ungs
durch ein Sternchen genügend kenntlich gemacht worden.
Wo sich wie iii crime (vom lat. cernere) die moderne
Form zu weit von dem Stamraworte entfernt, ist das
letztere der Wortgru])pe vorangesetzt worden. L)as
phrasecdogische Material ist so reichhaltig, dass das Werk
auch von weiter Fortgesclirittenen als Nachsihlagebuch
zur schnellen Orientirung zweckmässig und erfolgreich
benutzt Werden kann. Unbequem ist nur die Art, wie
das Buch als Synonymik zu handhaben ist. Es wird
zwar bei den wichtigsten, hier in Frage kommenden
Wörtern auf die betreffenden Syn(mynie hingewiesen,
aber man muss dieselben erst, wie das nun einmal in
der .Anordnung begründet ist, aufsuchen, tun den begriff-
lichen Unterschied durch Vergleichen zu erkennen. Wir
haben dagegen ein ausreichendes synonymisches Xacli-
schlagebuch erhalten, das seinen Ausgang im Gegensatz
zu den Büchern von Dreser und Klöjiper allein vom
Englischen nimmt und dessen Benutzung denjenigen,
Welche nicht über einen sicheren oder genügenden Wort-
schatz verfugen, durch einen umfangreichen luid genauen
deutschen Index erleichtert wird. Ganz fehlerlos ist
dieser freilich nicht. So hätte z. B. bei „entlassen"
auch auf S. 198 verwiesen, bei „Stunde" auf Unterrichts-
stunde {lessoll) aufmerksam gemacht und bei „Butter-
brod" S. 34 statt 33 gesetzt werden müssen. Mit ein-
zelnen Uebersetzungen wird man sich kaum einverstanden
erklären können: so z. B. seiisatioiial iiovel -- „Auf-
sehen erregender Roman" : man muss nicht von dem
Erfolg, sondern von dem Inhalt des Romans ausgehen
etwa: „ein spannender, die Nerven aufregender Roman" ;
ebenso trifft io iiiiinirt = ..vermitteln, jemand etwas
vertraulich mittheilen" nicht das Richtige: eher vielleicht
„jemand etwas beibringen". Hei clark wird öfter dark,
bei bruad die Bedeutung „aufgeklärt, freisinnig" (vgl.
broad-cluirch, hroad relifjioits vieirs), bei Ixirriater und
.''iillicitor der Hinweis auf hiwijer vermisst. Bei letzterem
Worte wäre ausserdem eine Erklärung wie die bei Miss
gegebene am Platze. Die Anordnung ist sehr übersicht-
lich : nui' selten kommt es vor, dass Worte \vie htinjer
und oiittiiir auf einer Linie stehen. Liessen sich diese
Ausstellungen auch wohl noch vermehren, so soll doch
anerkannt werden, dass auf das Buch so viel Fleiss und
Sorgfalt verwendet worden ist. dass es unter Anleitung
eines Lehrers, der zu manchem Worte eine sachliche
Erklärung geben müsste, vorgeschritteneren Schülern
gute Dienste leisten wird.
Hannover. Robert Philippsthal.
Flügel, Felix, Allgemeines Englisch-Deutsches nnd
Dentsch-Rnslisches Wörterbuch. Vierte sün^bch um-
gearbeitete Auflage von Dr. J. (i. Flügels VollstänJigcm
Wörterbuch der englischen und iloutscheii Sprache. Ilraun-
scbweig, George Westermann. ISOl. 4". I.Thoil: Englisch-
Deutsch, 1. Heft: A bis Bok: .XXIX, 192 S. — IL Theil:
Deutsch-Englisch, 1. Heft: .4 bis Cojillnl VIII, -iH S.
Vollständig in 12 monatlicli eiseheinondeii Hefton zu je 3 M.'
M u r e t , Ed., Encyklopadisches Englisch-Dentscbes und
Deutsch-Englisches Wörterbuch. Ein ParallclwcrU zu
Saolis-Villattcs Franz. -Doutsclicm u. Deutsch-Franz. Wörter-
buclie. Grosse Ausgabe. lierlin, Langenscheidt. 18!ll. 4°.
Theil I: Engliscli-Deutseli. Lieferung I: .4 bis alodij. SOS.
[Theil II: Deutsch-Englisch bearbeitet von Daniel Sanders.]
Vollständig in etwa 33 Lieferungen zu je M. 1,50 nach un-
gefähr 6 Jahren.
Wer sich heutzutage das beste englische Wörter-
buch anschaffen will, dem wird die Wahl schwer fallen.
So gross war schon in den letzten zehn Jahren das
Angebot guter Werke geworden, die allein in England
und .Amerika erschienen sind, und nun treten auf einmal
noch daneben die zwei am Kopfe dieser Anzeige ge-
nannten, Jahrzehnte hindurch vorbereiteten deutschen
Werke. Da diese sich aber durch ihre Zweisprachigkeit
von den übrigen unterscheiden und namentlich mit ihren
deutsch-englischen Theilen auch anderen Bedürfnissen
dienen wollen, so stehen sie dennoch so gut wie ausser-
halb des Wettbewerbes mit den reinenglischen, und es
kann von einer Bedrückung des Marktes durch sie nicht
die Rede sein. Im Gegentheil, sie begegnen einem all-
seitigen dringenden Wunsche nach einem zwiselien den
beiden Sprachen vermittelnden Nachschlagebuche, das
[Bis jetzt 7 Hefte crschieucn.J
S29
1891. Literaturblatt für gcrmanisoho und romanischo Philologie. Ifr. 7.
230
iiiclit wie Lucas oder Tliieme den in der treniden Spradie
bereits gut Bewanderten beim iTebrauclie allzuliäufig im
Sticlie lasse, noch auch, wie jene so leicht thun, den
Unerfahrenen irre führe. Es freut mich sagen zu können,
dass die beiden neuen Werke alles bisher in ,, vollstän-
digen" zweisprachigen Wörterbüchern Geleistete weit
hinter sich zu lassen versprechen. .letzt aber schon ab-
schätzen zu Wollen. Alles zusammen genommen, welches
von ihnen das andere übertrifft, wäre sehr voreilig, schon
deshalb ancb, weil die zu erwartenden neuen imd eignen
Leistungen der beiden Verfasser oder Bearbeiter zum
bedeutendsten Theil erst erkannt und verglichen werden
können, wo das langsam fortschreitende Murraj'sche
Dirtioniirtj nicht mehr seine Hilfe leihen wird, — und
im deutsch-englischen Theile. Freilich, auch nachdem
beide Werke vollständig vorliegen werden, wird man
wenigstens den Antheil der Verfasser mit verschiedenen
Massen messen müssen: denn Flügel benutzt das noch
unvollständige amerikanische Ceiitiiri/ Dictionary nicht
und darf es nicht benutzen, da sein AVerk in einem
Jahre fertig sein soll und es sonst ungleichmässig werden
würde. Mnret aber nimmt sich noch vier Jahre für die
«englisch-deutsche Hälfte und weitere zwei für die deutsch-
englische, und wird das Ceni. Dict. mit verwerthen.
Um so mehr muss ich mich vorläufig eines abwägenden
Urtheils möglichst zwischen den Beiden enthalten; aber
es ist am Platze die wichtigsten Eigenthümlichkeiten
jedes Einzelnen, wie sie bereits erkennbar sind, anzu-
geben.
In der ,. Ankündigung" des Flügeischen Werkes wird
hervorgehoben, dass es eine vollständige Umarbeitung
der früheren Auflagen ist und ..darauf ausgeht, nicht
nur den ganzen Wörterschatz der neueren englischen
Literatur der Hauptsache nacli wiederzugeben, sondern
auch die neu entstehenden wichtigsten Ausdrücke aller
Wissenschaften und Künste, des Handels, der Iiulustrie,
des Kriegs- und Seewesens, der Handwerke und des all-
täglichen Lebens bis zur Gaunei'sprache hinab, ferner
die in Bezug auf Aussprache oft schwierigen Eigennamen
mit besonderer Berücksichtigung der Gegenwart, endlich
überhaupt .A.ussprache und grammatische Schwierigkeiten
und tausend andere Dinge zu verzeichnen". Was den
Gebrauch der Wörter betrifft, so hat der Verfasser be-
sonders auch sich zur Regel gemacht, „neben den äusser-
lichen Bezeichnungen der Veraltnng, des bloss dichte-
rischen, landschaftlichen oder sonstigen Gebrauchs eines
Wortes die Belegstellen selbst zu geben"'. Dies allein
schon macht sein Werk sehr werthvoll, zumal er zahl-
reiche Schriftsteller namentlich der letzten 1.50 .Tahre
selber ausgezogen hat und nicht bloss die Sammlungen
von .Tolinson, Xares, Todd und anderen ausnutzt. Er
thut übrigens auch diesen die Ehre an, sie bei jeder
,, wichtigeren" Entlehnung zu nennen. Einige Probe-
seiten, die mit der ..Ankündigimg" abgedruckt sind und
Artikel aus den späteren Theilen des Werkes enthalten,
bringen den Nachweis, dass die neuen Sammlungen wirk-
lich mit einem Riesenfleiss veranstaltet sind; denn hier
hätte Murraj' nicht mehr aushelfen können. Unter
feather, find imd suggestive allein finden sich Belege
für besondere Verwendungen aus Tom Browu's School
Days, Dickens, W. Scott. H. Kingsley, Mrs. Craik, Tenny-
son, Mrs. Marsh, Blackwoods Magazine, Mrs. Wood,
Jliss Yonge, Mrs. Xewby, A. Trollope, Mrs. Jenkin, JIrs.
Gaskell, Macaulay, Eliot, Gentleman's Magazine, JIrs.
Marsh, Captain Marryat, Irving, New Monthlj' Magazine,
Colon. Magazine, Lady Morgan, Bulwer, Disraeli, Lever,
Westminster Review, Ainsworth's Magazine, Bentley's
Miscellany, Kavanagh, Melville, Athenaenm, Quarterly
Review, Edinburgh Review, Literary Gazette, Miss A.
B. Edwards, Mrs. Gaskell und Hawthorne — Belege,
die alle neu gesammelt sind !
„Reine Fremdwörter" wie portemonnaie sind aus-
geschlossen, mit bewusster .Abweichung z. B. von „den
für weiteste amerikanische Kreise bestimmten Werken
von Webster und Worcester". Auch ist „einer Angabe
der Wortabstammnng nur in nothwendigsten Fällen R^um
gewährt worden", da uns Deutschen Wörter wie fatlier,
fiiiger, ring, royal, enterprise etc. ..keine Schwierig-
keiten machen".
.\n den Angaben über die englische Aussprache ist
zu tadeln, dass für den Vokal in far, father, art, aunt
ein anderer Laut angesetzt wird als in fast, batit,
sample, brauch, clasp-, dass kein Unterschied gemacht
wird zwischen iio, iiote und tori/, torn ; dass der Vokal
in für, chiirrh anders lauten soll als in fir, bird, her,
herd; dass ou wie deutsches au gesprochen werden soll
(vgl. dagegen Trautmann, Sprachlaute § 426).
Murets Werk ist nach dem Vorbilde des bekannten
vorzüglichen französisch - deutschen Wörterbnches von
Sachs- Villatte gearbeitet: „jedoch hat der reichere Um-
fang des englischen Wortschatzes es nöthig gemacht, in
manchen Punkten auf eine noch gedrängtere Darstellung,
als sie 'Sachs- A'illatte' wählte, Bedacht zu nehmen, um
das Werk nicht über Gebühr anwachsen zu lassen".
An „Reichhaltigkeit des gebotenen Wortschatzes" rühmt
Mnret sich ,.jedes einzelne früher erschienene Werk
— innerhalb der Schranken eines internationalen Wörter-
buches — im Allgemeinen zu überbieten". Zum A'er-
gleiche wird angegeben, dass innerhalb A — Achman
Muret 1671, Murray 1468. The Century Dictionary 1312,
Flügel (4. Auflage 1890) 809 selbständige Titelköpfe
bringe; gleichwohl seien die namentlich im Cent. Dict.
stehenden „rein wissenschaftlichen Bezeichnungen der
seltensten Thiergattungen, organischen Gebüde etc., für
welche weder die englische noch die deutsche Sprache
eine Uebersetzung hat", ausgeschlossen. Um zu sehen,
welcher Art der Ueberschuss von Artikeln im Mnret
über Flügel ist, vergleiche ich die Wörter von abrancliian
bis abrnpfion. Folgende bei Flügel ausgelassenen Wörter
stehen bei Muret: ahranckiafa, ahranchmns, Ahrantes
(aucli Eigennamen sind in beide Wörterbücher aufge-
nommen), ahrasa.r, abrasc (Verbum), ahrasire, abraiini-
salfs, abreast-line, abrede (Verbum), abregogiis, ab-
rcnnnciate, abreuDoir, abrid, aJiridgeable, abrin, ah-
roaded, cbrogans, abrogatioe, abrogator, Abrolhos,
nbronia ; ausserdem sind folgende Schreibungen besonders
aufgeführt: abread (Flügel gibt nur abreed), ahregge
(^ abrid ge), ((brig (^ abric), abrocoma, ahrornis.
Dagegen bei Muret fehlen, aber bei Flügel stehen
abroach (Subst.), abroachment, abroad (Verb), abroah,
alirohaiii, ahrocamentinn. — Muret hat auf die Angabe
der Belegstellen fast ganz verzichtet ; darum überblickt
man den Umfang der eignen neuen Sammlungen nicht.
Er hebt jedoch besonders hervor, dass nicht nur aus
Büchern, sondern auch aus dem „lebendigen Verkehr"
ergänzt und gebessert ist, und zwar von Mitarbeitern
in England, Amerika und Deutschland. — Auch „reine
Fremdwörter" sind aufgenommen, wie das oben ange-
fülirte ahreiwoir zeigt. Bei diesem Worte entdecke ich
übrigens eine Nachlässigkeit im Flügel: auch er wollte
18
231
1891. Literaturblntt für germanische und ronmnisclio Philologie. Nr. 7.
n^
es anfnehiueu; denn unter Abbreuioir lesen wir den
Verweis ^sieli Abreuron-^, aber nachher ist dieses aus-
g:elassen. — Die HerknnCt der Wörter ist im Jinret
durchweg ansrej^eben; nur „bei grösseren, ilirer alplia-
betischeii Folfje nach unnfetrennt stellenden Würter-
g-rujipi-n einer .Abstanuiiunfr" hat der Verf. sicli auf
einmalige .Angabe beschränkt. — Die Bezeiclmungcn für
die .Aussprache sind mit grosser Sorgfalt gewählt. Die
Erklärung dei-selben ist unbestimmt gehalten (er sagt
7.. li., hoiiM- wird ,.fast wie" deutsches Haus gesprochen),
so dass genauere Angaben besuudiMn Lehrbüchern über
die Aussprache überlassen bleiben.
.\m deutlichsten kann ich den rnterschied zwischen
beiden Werken vielleicht durch eine kurze Besprechung
einiger .Artikel hervorheben. Abroad ist von Flügel
auf fast zwei vollen Seiten behandelt (= 6 Spalten);
Sfuret gibt ihm eine halbe S])alte. d. h. nur ein Zwölftel
des Raumes. Was die .\bstamnuiiig angeht, so begnügt
sich Jluret mit der übi'igens falschen Angabe, dass es
von alteugl. on -: bnPde herkomme. Flügel führt die
mittelengl. Formen on brede, abrede, abroad mit Beleg-
stellen an, verbindet es mit nordengl. -schottischem abrade,
ahrcud, abrede, abre.id, scheidet aber niidit zwischen
den .Ableitungen von altengl. oii bnhie, das allerdings
anfangs nur in anderer Bedeutung vorkoninit. und der
anzunehmenden me. Xeubildung mit dem .Adj. bräd, auf
das er abroad richtig zurückführt; auch in dem ersten
Theil erkennt er richtig das ae. oti, setzt aber fälsch-
licher Weise die gekürzte Form a mit Längezeicheu au,
wie auch bei aboiif und above. Die erste Bedeutung
,,weit auseinander, weit umher'' ist bei Jluret mit diesen
beiden Febersetzungen abgetlian ; Flügel beleuchtet sie
mit acht Stellen aus Halliwells r)ict.. der Bibel, Shake-
speare, Procter, Eicliardson, Jlelville und Kingsley.
AVer von einem Wörterbuch weiter nichts verlangt, als
dass es ihn in Stand setze solche Stellen zu übersetzen,
für den genügt Mnret uiul bietet Flügel Ueberflüssiges.
Wer abi-r das Wort in seiner leibhaftigen A'erwendung
selK'U will, eine wirkliche A'oi'stellung von seinem tie-
braucjie haben will, namentlich in der Litei'atnr, der
wende sich an Flügel. .Aus Murets .Angabe in diesem
Falle erkennt man nicht, dass die angegebene Bedeutung
eigentlich der Umgangssprache nicht geläufig ist; aus
Flügels Beispielen ergibt sich, dass dies früher (zu Be-
ginn des \e.) der Fall gewesen und dass der spätere
(Gebrauch alteitliünnlnd ist, oder dichtei-iscli, zum min-
desten gewählt. Sehr bezeichnend z. B. ist Kingsley's
Wendung: i/oitiif/ Drake and 1 had brohe fhe door
abroad alreadi/; oder Eichardson"s: to see Clarissa's
apphiinlers (nach ihrem Tode) lliroic abroad titeir
hcl/ilr.i.i ha)ai!t and exclaim etc. — Zu der zweiten
(iiundbedeulung ..dranssen" gibt Flügel sechs Dutzend
Ueisjiielc mit Belegiii. Muret den vierten Tlieil, aber
sehr gut und kurz gewählte, der heutigen Umgangs-
sprache eigene Wendungen, und nur eine Belegstelle
aus Lore's Laboiir's Lost (fhere's Villan// abroad =
,.im Werke"). Die Folge ist, dass Flügels .Abschnitt
von v<dlen vier Spalten, der ohne jede in die Augen
fallende Tlieilung gegeben wird, ganz unübersiclitlicli
ist: Muri't hat d.igi'gtn durch fetten Druck diM- Zitlerii,
der römischen wie der arabischen, durch sehr geschicktes
Treiini-n der erläuternden Beispiele von den verschie-
denen Bedeutungen und Uebersetzungen des Titehvortes
sfini'U obnebin duich weises Beschneiden schon fasslicher
gemaclit.n Sloft' gleich dem ersten Blick in seiner ganzen
Ciliederung erkennbar gemacht. Diese kna|ipe, wohlge-
ordnete, in ihrer Ucbersichtlichkeit wahrhaft niusterhatte
Darstellung gewährt bei der innner lästigen .Arbeit des
Xachschlagens sicherlich geradezu eine Freude, während
der grosse Zeitverlust beim .Suihi'U in den ebenmässigen
-Artikeln Flügels, der ilie Kunst der Verwendung ver-
schiedener Typen in ganz unverzeihlicher Weise ausser
Acht gelassen hat. nothwendig den armen eilige Be-
lehrung Suchenden in Verzweiflung bringen wird. Jluret
hebt hervor, er habe ein Xachsclilagebuch schaffen wollen,
das die Zeit schone, und kein Lesebuch; die letzte Be-
zeichnung passt vielfach auf Flügel. Für die Redensart
2V/(' Srhoolinasti'r is abroad gibt Muret einfach die
Uebersetzung ,.Bildung verbreitet sich überall"; Flügel
bietet uns die interessante Geschichte ihrer Entstehung
mit Hilfe zweier Stellen, die er ans Zeitschriften aus-
hebt, und wir erfahren, dass sie von ..dem fum die Volks-
erziehung hochverdienten Lord| Brougham" herrührt.
Nämlich die Lit. (iaz. vom März 1853, S. 278 schreibt:
Yfurg af/0, tlie miserable State of ediicafion was flie
topic of the day, und tlie ayitation yren- tlU tlie epocli
arrired, whicli iras inaiu/nrated by Brouyhani's fanious
saying, „The Schoohnasfer is abroad". Auch die Edinb.
Her. .Tan. 1848. t>,5 weist in einer ebenso hübschen Stelle
auf den Ursprung hin : Tliackeray teils iis tliat lic artnally
saU' a Tnrkislt lady drive iip to Sultan Aclinivt's
niosrjiie in a Brougham, and feit on seeiiiy her, that
the Sckoohnasfer was really abroad. Wegen solcher
Beispiele kann man Flügel nicht gut böse sein, auch
wenn sie einen mal zu unpassender Zeit aufhalten. —
Zwei .«/««(/-.Ausdrücke, die Muret anführt, fehlen bei
Flügel: The oarsnien nvre all (diroud (ganz aus dem
Takte) und he is abroad (..von der Krankenliste ge-
strichen"; in der Schülersprache). Der letzte .Ausdruck
ist, glaube ich, sehr wenig bekannt, selbst englischen
Lehrern, und wahrscheinlich eins der Beispiele, die nicht
aus Büchern genommen, sondern der Sprache abgehoicht
sind: auch hierbei wird mancher die Nennung des Ge-
wälirsniaiines ungern vermissen.
Flügel bemüht sich vielfach um die Deutung schwie-
riger Stellen, die Jluret absichtlich übergeht. So erörtert
er Cymbelyne 3, 4: yoiir means abroad, you have me,
rieh, und zwei Stellen im Shakespeare, wo nach einigen
Erklärern abridyment die Bedeutung ..Schauspiel" haben
soll, ['nter diesem Wort führt .Muret die lieiden Schrei-
bungen mit und ohne e nach dem y schlechtweg an;
Flügel gibt an, welihe verschiedenen Schriftsteller die
eine oder andere empfehlen. Gerade so verfahren beide
bei der Angabe mehrfacher Aussprachen (vgl. z. B. unter
ayain, wo Flügel auch auf Reime bei Dichtern hinweist
und eine dritte bei Muret nicht berücksichtigte Aus-
sprache ayl» als ,, gemein" kennzeichnet).
Um gerecht zu verfahren, muss ich nachdrücklich
hervorheben, dass das Verliältniss der Längen der ein-
zelnen .Artikel in den beiden Werken durchaus nicht
gewöhnlich ein ähnliches wie bei abroad ist. Das Subst.
art ist z. B, umgekehrt bei Muret in einem drei- bis
viermal so langen .Artikel behandelt als bei Flügel.
Muret gibt liii-r namentlich einen Ucberschuss V(in sehr
wertlividhn .juristischen inid iKilitischen Erklärungen.
Ausser<leni werden die Unterschiede von den Synonymen
aclion und bill angegeben. Dies ist eine sehr nützliche
Beigabe. Um noch ein Beispiel zu geben, werden dem
AVorte aceount die Syn. e.rpositinn. narratine, slate-
ment gegenüber gestellt. In diesem .Artikel zeigt sich
233
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 7.
234
so recht die Ueberlesreiiheit der typoirrapliisdieii Leistung
im Miiret und der Vortheil einer iranz kurzen Voran-
stellung- dei- 17 angesetzten Bedeutungen von uccoKuf,
auf die dann in gleicher Ordnung die Besonderlieiten
erst folgen. Hier sucht man getrost und findet leicht;
bei Flügel geht man mit Zagen und Zaudern an die
Arbeit, und hat man eiu, zwei Spalten mühsam und doch
vergeblich durchforscht, so beschleicht einen die Sorge,
man habe in seiner Ermüdung die passende Bedeutung
bereits übersehen und weiss nicht, ob man wieder von
vorn anfangen oder auf die noch übrige Spalte rechneu
soll. Nein, Flügel ist vermöge seiner äusseren Ein-
richtung ein höchst unangenehmes Xachschlagebuch für
den, der es beim Lesen eines Schriftstellers oder beim
Uebersetzen gebrauchen will, während Jluret ganz vor-
zügliche Dienste leisten wird. AVer sich aber über die
ganze Geschichte und Verwendung eines Wortes inner-
halb der ne. Literatur initerrichten will, der findet in
Flügels reichen Sammlungen vielfache Belehrung, die
selbst neben dem von Murraj- luid der Philological Society
Geboteneu grossen und bleibenden AVerth hat (das Wort
Lord Brougham's steht z. B. nicht im New E. D.), und
besondere Wichtigkeit wird haben der zweite, grösste
Theil seines Werkes, mit dem er niui bald diesem natür-
lich langsam fortschreitenden Unternehmen voraugeeilt
sein wü-d, und die dentsch-engliche Hälfte; denn Miiret
wird uns darauf noch miudestens vier, fünf .Jahre warten
lassen, und so lange allerweuigstens hat Flügel bei
Weitem nicht seines gleichen.
Heidelberg. Karl D. Bülbring.
France, Franceis & Franc im Rolandsliede. Inaugural-
Dissertation von J. Th. Hoefft. Strassburg i. E. , 1891.
74 S. gr. 8.
Von L. Gautiers Behauptung (Eevne des questions
historiques VII, 84), dass France im Eolandslied zwei
verschiedene Bedeutungen vereinige, eine engere (das
eigentliche Frankenreich: Xeustrien und .\ustrasien) und
eine weitere (das Reich Karl des Grossen), ausgehend, unter-
sucht der Vf. den Gebrauch des AVortes France in den
älteren Heldengedichten, dann im Münchener Brut, Eollo,
Klausner von Aloliens nnd kommt zu dem Schluss. France
bedeute jedesmal , wenn damit ein bestimmter Begritf
verbunden wird, das Herzogthum Francien uordlich der
Loire, daneben, im älteren und weiteren Sinne, das
Frankenreich ohne näher zu ziehende Grenzen. Dieses
Ergebniss berührt sich sehr nahe mit Eajua's Entscheidung
derselben Frage (Origini S. 368 f.), der eine Stelle des
ü. .Jahrs, aus dem Mönch von St. Gallen fiii- die letztere
Bedeutung beibringt. Der A^'erfasser sieht sich dadurch
veranlasst, den Sprachgebrauch des AA'ortes in den alten
lat. (Quellen, die bereits von A'alois , Lebeuf, Digot,
Guerard. Bouiquelot. Longnon, deren Ergebnisse gesichtet
werden, untersucht worden sind, festzustellen, woraus
sich ergibt, dass im 6. 7. 8. Jahi-h. France nm- im
Sinne von Austrasien vorkommt , erst am Ende des
9. Jahrh. als Bezeichnung auch für einen Theil des
gallischen Gebiets (nördlich der Seine bis an den Ehein)
auftritt. Hierauf werden weitere, lateinische, bisher
nicht benutzte Quellen herangezogen und auch hier er-
giebt sich am Ende, dass die von Gautier aufgestellten
zwei Bedeutungen (Xordfrankreich bis an den Ehein und
Reich Karls des Grossen bei französischen Schriftstellern
nicht gefunden werden. (A'gl. noch Francia in Ducange).
Auf Grund dieses Ergebnisses geht der A'erfasser zum
zweiten Theil seiner Untersuchung über: der genauen
Festsetzung des Gebrauchs von France in den einzelnen
Theilen des Eolandsliedes. Die Bestinnnung en France
ad Ais (Aachen als Sitz Karls), die nur bis vor 843 einen
Sinn hat, findet sich nur ausserhalb der Baligantepisode,
die also auch durch diesen Gesichtspunkt als späterer
Zusatz ausgeschieden wird, und findet sich auch sonst
in keinem Heldengedicht, ausser im Sachsenlied und der
Zerstörung Roms, die es unmittelbar aus dem Roland sich
geholt haben (Wilhelm v. Uranien II. 784, S. 93 unbe-
stimmt). Daneben kommt Laon 2909 vor, in einer
AA'iederholungsstrophe. so Ais der wiederholten Strophe
wiedergebend : Paris findet sich gar nicht. Es wird noch
der burc de saint Denis 973, Rencesvals. femer 1428.9
(von St. Michael bis Seinz, von Besancon bis AA'issant),
endlich Terre maiur besprochen. Damit gelangt der
A'erfasser auf das Gebiet der höheren Eolandskritik, indem
er die gewonnenen Ergebnisse mit vollem Recht dazu ver-
wendet, im Roland ganz alte Theile, die vor 843, andere
die später sind, aber noch vor 987 (Regierungsantritt
Kapets) liegen müssen, denen sich dann noch andere
angefügt haben, anzunehmen. Iiieser Nachweis niuss
als erbracht angesehen werden, wenn auch nicht alle vou
den zahlreichen vom A'erfasser angefochtenen Strophen,
da hier noch andere Gesichtspunkte herangezogen werden
müssen , in gleichem Masse preiszugeben sind. Den
Schluss bildet die Untersuchung des Gebrauchs von Franc
und Franceis im Roland, die aber ergebnislos verläuft,
da dieselben unterschiedslos gebraucht werden.
Indem ich ztun Schlüsse dieser sorgfältigen und
scharfsinnigen Arbeit, die unter Gröbers Leitung ent-
standen ist, meine volle Anerkennung ausspreche, will
ich nm- noch auf einen Punkt aufmerksam machen,
wo ich dem \i. nicht zustimmen kann. S. 71 wird nämlich
franceis, das heutige francais vom fr. France = Francia
-7- ense abgeleitet, weil francu -\- ensem ebenso ein
franqueis (I) hätte geben müssen, wie clericu — ense ein
clerquois (!). Alle drei Punkte sind falsch und frauceis
ist = 'frauciscus , das Körting Lat.-rom. AVtb. nach
Behi-ens-Mackel' mit Recht aufgenommen hat. Da aber die
beiden letzteren diese Ableitung bloss aufgestellt, aber nicht
bewiesen haben, so werde ich diesen Beweis selbst an
einem andern Orte liefern.
Bonn. AV. Foerster.
Les plns anciens Chansonniers francais fXII« siecle) p.
il'apres tous les manuscrits p. Jules -Brakelmann
(fueilles 1—14). Paris, Bouillon 1STÜ-1S9I, kl. S. III u.
224 S. Text und 4 S. Inhaltsaiisrahe.
Mit stiller AA'ehmuth seh Ich die vierzehn Druck-
bogen der Brakelmannschen kritischen Ausgabe eines
Corpus der altfranzösischen Lieder, diesmal mit einer
kurzen A'orrede versehen, wiederum vor mir liegen, nnd
so hat sich denn der Nachfolger des seligen A'ieweg am Ende
doch noch bewogen, das einzige was überhaupt zu thun
war, auszuführen, nämlich, wie ich bereits vor mehr als
achtzehn Jahren gerathen, die fertigen Druckbogen, ohne
Abschluss und ohne Anmerktmgen und Einleitung, heraus-
zugeben. A'ieweg hatte mich nämlich damals aufgefordert,
die Ausgabe weiterzuführen und ich hatte mich auch
gern bereit erklärt', die hochwichtige Arbeit als ein
A'ermächtnis des verewigten, hochbegabten mid mit
eiserner Arbeitskraft versehenen Fachgenossen zu über-
nehmen. Jedermann weiss, dass B. jahrelang für diese
Ausgabe gesammelt, auch einzelne A'orarbeiten bereits
veröffentlicht hatte und endlich, als er mit der Hand-
' S. jetzt Suchier in Gröbers Grundr. I, 624 Anm.
235
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 7.
23li
gchriftenbestimmnng- im Reinen zu sein (!:laubt-e , den
Text selbst kritisch ausarbeitete und den Druck bereits
begonnen hatte, als ihn das bedrohte Vaterland unter
die Fahnen rief und er bald darauf in der blutigen
Feldschlacht von Mars-la-Tour am lt>. August ' 1870 den
Heldentod für's ^'atcrland fand. Xachdeui ich im Herbst
1872 die gedruckten einschlägigen Arbeiten desselben
vorgenonnnen, wartete ich vergebens auf das Brackel-
niannsche handschriftliche Material,- das mir der Verleger
zu liefern versprochen hatte. Umsonst : von demselben
war keine 8pur vorhanden. Auch alle Schritte, die ich
später unternommen, um vom Schicksal desselben etwas zu
erfahren, waren vergebens — die ganze Kiesenmasse von
Abschriften , Collationen und liaiulschriftliclien Notizen
des Herausgebers blieb ohne jede Spur verschollen.
Die sehr anziehende imd recht schwierige Arbeit ver-
langt jetzt einen neuen und ganzen ilann, der mit Lust
und Liebe, im Besitz der nöthigeu Jlittel und Vorkennt-
nisse sich daran machen muss, das weitzerstreute Material
zu sammeln, und zu venu'beiten. Wird er sich bald
finden? Bis daliin wird man das Brackelmann'sche
Torso mit Dankbarkeit benutzen. Es enthält den kritischen
Text (ohne Varia Icctio) von Walter vou Epinal (23
Lieder), Kristian von Troyes (3), Moritz von Creon (1),
Hugo von Oisy (2) Kuno von Bethune' (11), dem Burg-
herrn von Couci (H)-(-2; er liegt, wie bekannt, jetzt in
einer kritischen Ausgabe von F. Fath, Heidelberg 1883
vor), Blondel von Neele (24 + 1), Richard von England
(I. n. der .\nfang eines zweiten). Jedem einzelnen
Dichter ist eine Notiz vorausgeschickt, in der sich genaue
Angaben über die einzelnen dem betr. Dichter zuge-
schriebenen Lieder und deren bisherige Ausgaben finden.
Bonn. ■ W. Foerster.
Rlincksiek, Fr., Zur Entwicklungsgeschichte des
Realismus im französischen Ronian des 19. Jahr-
hunderts. Marburg, Elwcrt. 1891. 5G, IV S.
Vdii den ziemlich zahlreichen Vertretern des „Realis-
mus" in der heutigen Romanliteratur Frankreichs be-
liicksichtigt der Verf. vorgenannter Schrift nur vier,
iiän\lich Honore de Balzac, Gustave Flaubert,
.\lphonse Daudet und Emile Zola. Bei seinem vor-
wiegend historischen Standimnkt hat er sein Augenmerk
besonders auf die Losliisung des realistischen Principes
einerseits von der Romantik, anderseits von der Ecole
du bon sens gerichtet. In Balzac findet er mit Recht
einen halben Romantiker uiul sieht erst in Flaubert den
eigentlichen Begründer des Realismus, obwohl auch dieser
letztere Autor noch hie und da die echt romantische
Vorliebe fiir „entlegene Zeiten und Gegenden und sogar
für christliche Legenden" zeige. Daudet ist nach des
Verf.'s Jleiniuig in der Wahl und Behandlung seiner
Stufte nocli weit mehr Realist als Flaubert, zeige aber
durch die fortwährenden Abschweifungen von dem eigeut-
' Im Arertissement steht merkwürdiger Weise le 16
juillet 1870.
■ Vgl. Herrig's Arcliiir XLVI, 474: „Das Werk war auf
drei Bünde bercclinet . . .; der erste Theil ist bereits bis
S. 208 gedruckt (es hat sich noch ein Bogen mehr vorge-
funden]. Band 1 und 2 sind im Manuskripte fortig und wie
es scheint, liatte der Vt'rowigte auch für den dritten Band be-
reits Alle« vollstiindig'gcsammclt. Uer Verleger, ein Deutselier,
ist aus Paris vertrieben worden, ohne die Sorge für die Manu-
skripte weiter tragen nu künnen, welche Brackelmanu vor
Hcincm'Abgange /.umJRegimcnte wühl verpackt hatte [in Paris]
zurücklassen müssen'".
3 Kino neue kritische Ausgabe von R. Wallenskocld wird
eben vom Buchhändler Welter in Paria angekündigt.
Uchen Thema, wie wenig seine echt dichterische Phan-
tasie sich in das enge Schema der treuen, naturwahreu
Wiedergabe der alltäglichen Wirklichkeit zu finden weiss.
Zola stünde in dem Banne vou Balzac und Flaubert,
von dem ersteren sei er „in der Fülle und Vielseitigkeit
des Details seiner Schilderungen, wie in der Art und
Weise der Beobachtung von Hiarakteren und Vorgängen'*,
vou letzterem _iu der Auftassung der Eigenthümlich-
keiteu der Natur** bceinflusst. Getadelt wird an seinen
Romanen die Nichtbeobachtung ästhetischer Rücksichten
und der sittlichen Decenz, der Mangel an psychologischer
Vertiefung der Charaktere, das Haften an äusseren
Einzelheiteu, demzufolge die Entseeluug der menschlichen
Natur und die künstliche Belebung der leblosen Um-
gebung, endlich das Ausgehen von bestimmten, aber nicht
innner wissenschaftlich begründeten Ideen, z. B. der Ver-
erbung der Laster und Gebrechen auf die konnnenden
Generationen, und ein Uebergewicht der Phantasie, welche
aus dem Zwange des realistischen .Schemas heraussirebe.
l>ie Darstellung Zolas ist aber an sich viel zu kurz,
um nur in der Hauptsache etwas Neues oder Eigenartiges
geben zu können, zudem leidet sie in ihrer Anordnung
an manchen Gebrechen. Kl. musste uns einen Ueberblick
der neueren Naturforschung, etwa von Lamarck an,
geben und insbesondere bei Zolas Lehrer, Cl. Bernart,
verweilen, ausserdem Zolas kritische Schriften genauer
würdigen. Nur so wäre uns die ganze Entwicklung der
epochemachenden Scliriftstellerei dieses Realisten par
excellence verständlich geworden. Auch Alph. Daudet
verlangte eine umfassendere Darstellung: für Balzac und
Flaubert, die in der Hauptsache sdion zu den literarisch
Todten gehören, mag das (iesagte ungefähr ausreichen,
wenngleich es über allgemein Bekanntes nicht iiinaus-
geht. Zola aber musste nach den viel eii\gelienderen
Darstellungen von Brandes, ten Brink u. A. nicht so
sunnnarisch abgefertigt werden. I>ie Schrift ist übrigens
klar, anziehend und leicht verständlich und kann dem
.Anfänger als zweckentsprechende Einführung in das
Studium des heutigen französischen Roiiiancs dienen, was
Wohl des Verfassers Absicht war.
Dresden.- R. Mahrenholtz.
Witthöft, Friedrich, „Sirventes .joglaresc", ein Blick
auf das altfranzösische Spiolmannslebcn. (Ausgaben und
Abhiindlungcn aus dem Gebiete der rem. Philo!, cd. Stengel
I-XXXVIII.) Marburg, Elwcrt. 1891. 73 S. 8. M. 2.40.
Es sei vorweg bemerkt, dass Herr Prof. Toblcr zu
vorliegender .Arbeit in irgend einer näheren Beziehung
gestanden haben muss, welche natürlich den Wertli der-
selben nicht luibedeutend erhöht hat; freilich wird die
.Art dieser Beziehung vom Verfasser nicht näher ge-
kennzeichnet. Der Fleiss des letzteren ist unverkennbar,
doch entspricht das Ergebniss nicht recht der aufge-
wendeten Mühe. Der (irund hiervon liegt in dem l'roble-
matischeu des Themas an sich und in der Schwierigkeit
der dargebotenen Texte, die auch einem geübten Proven-
zalisteu zu schaflfen machen dürften.
In Abschnitt I — II gelangt W. zu der Meinung,
das Sineiitcs Jor/Iarcsc wäre ein im Interesse eines
1 .loglars verfasstes (Tcdidit. Die Jogiars gingen berühmte
Tiol)adors um Lieder an; diese willfalirteu auch und
enipfalilen sie reichen Gönnern, wenn sich aber die
Gesuche wiederholten, so begegnete es nicht selten, dass
sie die Schwächen des .Toglars selbst zum Gegenstande
des begehrten Gedichtes machten. Diese beiden Arten
von Liedern fasst W. unter Sircentes joylaresc zusammen
2:} 7
1891. Literaturblatt für erermanische und romanische Pliiloloffie. Nr. 7.
238
und schliesst ihnen anhangsweise diejenigen an, welche I
sich gegen den ganzen Spielmannsstand ricliten. In
Abschu. III werden ßefratlitungeu angestellt über das
Siiielniannsleben, die an sieli ganz richtig sind, deren
Bereditiguug aber au dieser Stelle, ebenso wie die der
Texte selbst, nur davon abhängt, ob die vorher gegebene
Detinitiou von Sirventes jo<jlaresc zutreffend ist. In
Abschn. IV gibt W. Analj'sen bez. Uebersetzungen der
Gedichte. Absclui. Y bringt biographische und historische
Anmerkungen und endlich die Lieder selbst, zusammen
27 an der Zahl.
Was nun die Erklärung von Sirvenfes jotjlaresc
betrifft, welcher Ausdjuck, begleitet von einer Erläute-
rung, sich nur dreimal findet, und zwar in den Bio-
graphien von F. de Eomans, Ogier und P. Guillem de
Tolosa, so steht nach der Meinung des Eef. der Deutung
von W. hindernd im Wege einmal der Umstand, dass,
wie er selbst (S. 7) erkennt, von keinem der erwähnten
Trobadors derartige Sirventesen erhalten sind, imd ferner,
dass man sich nicht vorstellen kann, wie Ogier und
F. de Romans, welche beide joglars genauut werden
(Ogier war es sicherlich und blieb es auch wahrschein-
lich), solche Gedichte hätten verfassen können. Pass
übrigens diese s.j. von dem Joglar selbst, welcher darin
verspottet war, dankbar angenommen und zu fremdem
Ergötzen von ihm selbst vorgetragen wurden (S. ö), ist
kaum glaublich, viel näher liegt doch die Annahme, dass
die Trobadors sie zur Unterhaltung der Gesellschaft ver-
wertheten, und. wenn das der Fall, dann waren sie
eigentlich nicht mehr für den .Joglar bestimmt. — Sollte
man nicht vielleicht von den Worten der Biographie des
P. Guillem de Tolosa ausgehen: e fez sirventes joffla-
reSc[s] e de hlasmar los haros (S. 1)? Das e ist sinn-
los, was W. hätte erwähnen sollen, es ist aber nicht
wahrscheinlich, dass vorher etwas ausgefallen ist, luid
das e wird daher zu streichen sein. Im s. j. wurden
also die Barone getadelt d. h. geschmäht. Von den
zwei erhaltenen Liedern des P. Guillem de Tolosa ist
345, 2, nach W., ein Sirventes; dasselbe ist unedirt,
der Inhalt scheint aber W. bekannt zu sein: warum
hat er es nicht abgedi-uckf? Aus dem Bruchstücke bei
Eaynouard ist nicht zu erkennen, welcher Art das
Sirventes ist. Es stimmt aber zu der obigen Erklärung
ein Sirventes von Augier 37, 3 (MG. 577), wo die /?«('
ric luid im Besonderen auch die Barone (Str. 2) ge-
schmäht werden; ebenso richtet sich 205, 6 (Guillem
Augier wahrscheinlich identisch mit Augier [Novella])
gegen die geizigen Reichen und in Str. 2 gegen die
mahiitz baros recrezem (Stengel, Chigiana Nr. 176).
Dieses Schmähen der Barone, welche nicht freigebig
genug schienen, war vermuthlich charakteristisch für
die Spielleute, daher solche Sirventesen joglaresc =
nach Spielmanns Art (Diez) genannt wurden. Die Er-
klärungen in den Biographien von Ogier und Folquet
de Romans: s. j. [en] que laiisava' Is uns e blasmavn
los untres und s.j. de lauzar los pros e hlasmar los
malratz passen freilich nicht recht dazu, obgleich in
37, 3 der Markgraf von Monferrat und Eainion Bereugar
dem Kaiser Friederich gegenüber gestellt und in 205, 6
auch die pros erwähnt weideu. Doch ist es nicht un-
wahrscheinlich, dass die beiden letzten formelhaften
Definitionen eine abgelenkte, sich mit dem Namen nicht
melir ganz deckende Auffassung darstellen. Die ur-
sprüngliche Bedeutung von sirventes joglaresc wäre also
Schmähgedicht gewesen, wie es eben ein Joglar ver-
fasste, der sich von den Baronen niclit genügend belohnt
glaubte und darin seinem Aerger Luft machte (vgl. Biogr.
des P. G. de Tolosa).
Bei den Texten sind fast alle in Frage kommenden
Handschriften zu Rathe gezogen worden, und das Ver-
fahren ist als ein im Allgemeinen richtiges und sorg-
fältiges zu bezeichnen. Im Einzelnen sei Folgendes
bemerkt: 1, 57 übersetzt W. paniers mit Possen; es
gehört doch offenbar zu panar und bedeutet „Stehlerei"';
Z. 65 fehlt ein Semicolon nach sohriers. — Zu Nr. 2
musste angegeben werden, dass das Gedicht auch bei
de Lollis, II canzoniere provenzale 0 p. 104 abgedi-uckt
ist; mit Elias Perbost in 2, 7 (vgl. Anra. 1) ist ver-
nuithlich der prebost von Limoges geraeint, welcher,
ebenso wie Elias Rudel de Bergerac in der Biographie
des Savaric de Mauleon (MB- 44) genannt wird und
mit dem der letztere eine Tenzone (384, 1) wechselt,
vgl, Chabaneau, vies d. troub, unter „Limoges", —
3, 14 neu friar ja pel ni os war correcter zu über-
setzen mit „sondere nimmer aus Haut noch Knochen
(um sie liegen zu lassen)". — 4, 4 setze Komma nach
casti anstatt des Semicolons und gleichfalls Komma nach
dan in Z. 6; 28 fehlt en hinter s'ieu, s. B. de Born
ed. Stinnning S. 158. — 5, 12 as'lata heisst „Woh-
nung"', nfrz. assiette, s. Andresen in Zs. f. rom. Pliil.
XIV, 214; 14 lata bedeutet nicht Grenze, sondern
„Latte", s. Zs. XIV, 214; 18 el bezieht sich gewiss
auf Archimbaud (S. 17); 22 i&t zw %c\\reS}ot\i n'Atempra,
s. Zs. XV, 234 — 5; bei saJins in Z. 25 war auf die
Erklärung von Werth in Zs. XII, 265 zu verweisen. —
6, 7 weiss W. niclit eoralha zu übersetzen (S. 17); es
bedeutet „Abfall, Kehricht"', s. Andresen in Zs. XIV,
214; 12 die Deutung von Thomas war als die beste
anzunehmen (S. 17) mid also zu schreiben: porc, com
regarda, milhargos: 16 1. vers (Zs. XIV, 215): 18
eoralha ist doch unbedenklich mit „Beherztheit" wieder-
zugeben ; 42 begegnet Eaimou de Planel. Einen solchen
vermag W. erst z. J. 1243 nachzuweisen. Es sei be-
merkt, dass in der Tenzone zwischen Rufian und Izarn
(Ms. 954) im Geleite ein trefflicher R(aiinon) del Plan
als Schiedsrichter angerufen wird. — 8, 9 aras, cant
res no vo'n par (S. 19) bedeutet doch wohl: „jetzt, da
nichts davon an Euch erscheint d. h. da ihr nichts mehr
davon (übrig) habt". — Zu Nr. IC gibt W. eine bio-
graphische Skizze von Gausbert de Pueicibot, in welcher
es heisst, dass Savaric de Mauleon sich in Urkunden nur
bis zum Jahre 1226 verfolgen kisse; es ist dies aber
bis zum Jahre 1230 möglieh, ä. Zs. f. rom. Phil, VII,
210 Anm. 7. — 10, 2 dechatz wird von W. mit „ihr
redet" übersetzt, es bedeutet aber wahrscheinlich „mit
Fehlern behaftet", s. decs = Vitium bei Uc Faidit, und
daher wird auch fatz ein Participium sein; 10 Komma
nach lauzars; 11 Komma statt des Semicolons nach
fulJieiars; 12 Komma nach notz und Semicolon statt
des Kommas nach guazanha: dementsprechend ist die
ganze Stelle zu übersetzen (S. 20); 31 — 2 ist missver-
standen (S. 20—1), denn es heisst: dir wird er unfehl-
bar geben, weil du von geringem Handel (Aufwand)
bist, d, h. nicht viel beanspruchst; 41 — 3 sind gleich-
falls nicht klar; in 42 ist hinter ops ein Semicolon zu
setzen und für den Rest der Zeile die Lesart von Hs,
A aufzunehmen; Z, 41 ist S. 21 unrichtig wiedergegeben,
es nuiss heissen : und wenn Jemand von ihnen dir Kummer
verursacht, 11, 17 Komma nach dicx-, 34 enicx ist
wohl mit „wild"' zu übersetzen und qiie traisses ais
239
1891. Literaturblatt fQr germanische und rumänische Philologie. Nr. 7.
24 n
enemics in Z. 35 gewiss mit „der auf die Feinde seliösse^
(S. 21). — Bei Xr. 13 hat W. auf eine kritische Her-
stellunir lies Textes verziditet, und, wie es scheint, prar
nicht g-ewusst, dass dieselbe schon von .\ppel. Inedita
S. 3üö vnrsenonimen war: Z. 39 steht }ierdi(tz und
S. 25 wird „Ueiienkte" übersetzt; es ist mit R peiuhUz
zu lesen. — Xr. 12 und 14 — 21 sind alle kürzlich von
Appel in der Revue des langues XXXIV, 13 f(. heraus-
gegeben worden; mancherlei ist darnach zu verbessern.
Warum jmstor in 14, 18 .jLaft'en"* heissen soll (S. 25),
ist unerfindlich. — 17, 10 hat eine Silbe zu viel, lies
mit .\ppcl (Vesperos; hinter enoiox der voi-hergehenden
Zeile muss ein Komma stehen und daher muss die Ueber-
setzung auf S. 27 anders lauten. In allen diesen Dich-
tungen von Oarin d'Apchier und Torcafol bleibt noch
Vieles dunkel. — ,.Reims'' für „Reime"' auf S. 66 ist
doch wohl nur ein Druckfehler. — I. 26. Dass es einen
Markgrafen von Encantarello oder Caiitarello gegeben
habe, ist mir iiunnielir uuwahrsclieiiilicli, vielmelir glaube
ich, dass unter dem iiianjttcs wieder der in der vorauf-
geheuden Strophe genannte Jlarkgraf von Saluzzo zu
verstehen ist; es wäre möglich, nach marr/iies ein Komma
oder ein Colon zu setzen und de Ccinfarel zu Nichoht
zu ziehen, denn dass Cantarelln oder Encantarello ein
Ort gewesen sei, ist immerhin anzunehmen. Zwar wird
uns anderweitig Turin als die Ileimatli Xicolets ange-
geben, aber der letztere könnte auch nach dieser ge-
naueren Angabe aus einem Flecken in der Xälie Turins
stammen: frellicli vermag ich denselben vorläufig niclit
zu recognosciren. El trufurcl kann dem Zusammen-
hange nach kein X. Plur. sondern nur Acc. Sing, sein,
also ist ein nicht näher bezeidnieter Taugenichts ge-
meint, oder der eben erwähnte tirudor de Lusenia.
Z. 32- 37 sind falsch aufgefasst worden: e'l tropel ist
Hyperbaton und steht parallel zu l'estol; donan ist zu
trennen in don rin, das Ganze dementsprechend zu iiiter-
pungiren und zu übersetzen: Xun werdet ihr den Zug
und die Schar nacli Jlalespina konnnen sehen, von dem
sie Haut und Fleisch uelimen d. li. das sie ganz und
gar aussaugen, tind je schlimmer sie ihnen (den Be-
wohnern) mitspielen, um so weniger Mitleid haben sie
mit ihnen d. h. je toller, desto besser nacli ihrer Mei-
nung: vergl. Zs. f. rem. Phil. VII, 194 und streiche
Anm. 28 auf S. 38. — III, 5. Die Erklärung dieses
Verses in Zs. VII, 195 Anm. 1 scheint AV. übersehen
zu haben; darnach war zu sclireiben. — S. 73 Anm. 73
ist für q'autr'a en si, das keinen Sinn gibt, vermuthlich
zu lesen rje frai (tra) en si.
Aitenburg. 0. Schultz.
Meyer, G., Etymologisches Wörterbuch der alba-
nesischen Sprache. Stiasaburg, Trübner. ISIll. XlIF,
b-M S. 8. M. 12.
Ein albanesisches etymologisches Wörterbuch darf
das Interesse des Germanisten wie des Romanisten be-
anspruchen: jener findet zu manchem bisher vereinzelt
stellenden Worte eine .Anknüpfung, dieser wird an einer
Spraclie, die melir als ein Drittel ilncs Wortscliatzes
dem Latciniscli-Konianisclien entnommen hat, nidit vorbei-
gehen wollen, ganz abgeseiien von den engiMi lieziehungen,
die das Albanesische mit dem Runiänisdien verbinden.
Die Aufgabe zu einem solchen Werke war aber, auch
nach Miklosich und Sdiuihardt, überaus sdiwierig: mit
alti'm Krligut iiat sicli aussei- dem Lateinisdi-I\(imaiiischen
noch Türkisches, Slavisdies, (rriechisdies gemisdit, so
zwar, dass (s. 8. IX) auf jenes nur etwa 4U0 von über
5000 Schlagwörtern fallen. So sind also sehr vielseitige
sprachliche Kenntnisse nöthig, auf Gebieten, wo es mit
den lexikalischen Hilfsmitteln mehr als sdilinnu steht,
und manche der Cduibinationen bleiben unsicher, weil
uns jede älteren Sprachdenkmäler felilen. Vergleicht
man das vorliegende Werk mit den wenigen Vorarbeiten,
so weist es einen ganz eminenten Fortschritt auf; Vieles,
was bisher nicht oder falsch gedeutet war, empfängt
eine befriedigende Erklärung, die Lautgesetze sind schärfer
erkannt und dem entsprechend die Etymologien gesicherter;
für weitere Arbeit ist eine feste Grundlage gegeben, so
dass man für albanesische Etymologie jetzt besser be-
ratlien ist als für lateinische oder italienische.
Da es sehr oft von Zufälligkeiten, von der augen-
blicklichen Beschäftigung abhängt, ob man für ein nicht
oder nicht sicher erklärtes Wort etwas zu bringen weiss,
so können so kurze Zeit nach Erscheinen des wichtigen
Werkes die Xaditräge. die mir, der ich ohnehin nnr im
Romanischen etwas zu Hause bin, eingefallen sind, nicht
wesentlicher .\rt sein und sollen mehr dazu dienen, ein-
zelne Fragen und Probleme im Fluss zu halten.
haigi Kuh- imd Pferdemist aus hngd't, bul'tijf.
Auch romanische Wörter klingen an "hof/ida, *ha(jola
an: pav. hafiol PI. „imbratto di sterco nel pelo degli
animali", bei dem man allenfalls an larula denken
könnte, dagegen ist für regg. hegra schlammige Erde
diese Herleitung ausgeschlossen, und auch mirandolesisch
bagula, das mit zarchera erklärt wird, entfernt sich
in der Bedeutung zu sehr von lat. *l)aciila. — Berom
unfruchtbar von Menschen und Thiereu. Die Bedeutung
stinnut auftällig zu afr. haraiyne, doch stellt dieses auch
ganz vereinzelt und ist etymologisch dunkel. — Bibf
Trutheiiue, .junger Wasservogel. Die von Stier ver-
glichenen Kiebitz bedeutenden Wörter sind wohl fern
zu halten, dagegen wäre an ein in deutschen Mundarten
gebräuchliches ..Bibi" Lockruf und Kosewort für Hühner
zu erinnern. — Bist Schwanz, Krauenzopf. Ist die erste
Bedeutung die ursprüngliche, so weiss ich auch keine
Anknüpfung; darf man von der zweiten ausgehen, so
vergleicht sich prov. tirol. hlesta touffe de cheveux, vgl.
hlcsta bei Du Cange, Grundform hl[Ma oder hlesta, also
alb. hl über hl zu bj wie fl zu fj, dann je zu i. —
fasM fast, in der Bedeutung völlig zu kalabr. faccii,
span. hazca = fac[e]ijii(i stimniend. und da das alb.
Wort auf Kalabrien beschränkt und auf alle Fälle Lehn-
wort ist, möchte iiiaii es gerne damit vereinigen, aber
wie? — gardump gefüllte Därme ngr. yra/dov/iia Kalbs-
gekröse. Ist sicher romanisch caldiiiiieii, Ableitung von
caldiis, die zunächst die noch dampfenden Eiiigewoide
fiiscli geschlachteter Thiere bezeichnet; romanische For-
men, die sich leicht vermehren Hessen, bei Mussafia, Bei-
trag zur Kunde iiordital. Mundarten S. 40. — Gurmds
Kehle weist mit rum. »iigntiiid auf ein gniniiis, griinia
Kehle, mit denen mau frz. gourmer, goiiniiaiid, die bis
jetzt ebenfalls ohne Anknüpfung sind, vergleichen möchte.
— iSici Waldufergebüscli, ital. ischio. Xicht eher
iscliia = iinttda'^ — karaif Weg. Xälier als kalabr.
carriare liegt für Form und Bedeutung vulglat. ijundraria
(frz. C(irri^re), mit dem sich z. Th. ctin-iis vermischt
hat, daher ital. carraju, das in Süditalien Jcarrara
lauten muss. — ktrköit aus cireare „mit befretndlicheni
k' statt Ä;". Xicht befremdlicher als siz. kirkari, frz.
chrrrhcr u. s. w., d. h. aus Assimilation an das zweite
k zu erklären. kikire kann kaum direct auf rirer
beruhen, da das zweite k doch ebenfalls zu k' hätte
Ml
1891. Liternturblatt für germanische uncl romanisclie l'liilologle. Nr. 1.
242
werden sollen und die Erbaltun;;- des / iiidit durdi das
mit ricfr nicht zusamnieiigehüri-nde chiche (vgl. über
dieses lat. Ntr. (i2) gestützt werden kann. — Idinh
lianniaterial. .Sollte uiclit statt des auch vereinzelt
stehenden serb. la)ida eher litauisch leufü Brett in
üetracht kommen? — l'itrar Vielfrass, kalabr. litraru:
faiinulloiie, jngro, ozioso. Das kalabr. Wort wird lette-
riiriiin sein, die Bedeutungrsentwicklung ist unter einer
hauptsächlich küriierliclie Arbeit betreibenden Bevölkerung"
durcliaus natürlich. — Mhiaiii sog-leicli aus mbi und
ital. affo. Das Wort ist ant kal.-alb. beschränkt, kann
also sehr wohl ganz italienisch sein, vgl. t'iatx bei Mau-
dalari, Canti del popolo reggino 337, und sonst weit
verbreitet im Süden. — Zu spagöi'i in der Bedeutung
rächen kann noch auf südital. pavare rächen verwiesen
werden. — pidk'ir Daumen; näher als die westroma-
nischen Formen liegt pol/icaru in der aus Süditalien
stammenden Uebersetzung der Mascalzia von Rusio. —
Zu j)«/).'?'? Flaumfeder ist wohl pav. pupla mo<:zocclüo
zu halten. — Soc/ar Schurke hat mit venez. sogiave
nichts zu thun. da dieses = frz. souiller g-ewissermassen
*siilliare = suiUare darstellt. — Ster : atriuin = siz.
steri : allergo. Das siz. Wort ist hosp/t-ariidii. —
setia „Haare". Ist die Uebersetzung ganz sicher? Auch
dann darf man wohl an ital. seccin Stoppel denken. —
sikoü nach etwas sehen ^= sedicare, beruhigen, pflegen,
sehen. Einfacher für die Bedeutung scheint mir sequi,
zu dem ja auch deutsches sehen gehört. — trokoi'i ver-
nichten wird mit nordital. Wörtern zusammengestellt,
die aber alle n haben: besser passt wohl torlvre, wie
ital. torcliiare in sttditalien. Mundarten lauten rauss. —
tr}q)i Sturm, neap. trohheya. Das neap. Wort stammt
erst wieder ans gr. toonnia. — trüp steige liei'ab. Wenn
die Formen mit 5: strüp, zdrilp die ursprünglichen sind,
so möchte ich an ein zunächst herabstürzen bedeutendes
disnipare denken, vgl. span. derruhiar, afr. deniUc,
sr zu sdr ist süditalienisch. — vert: popuJus albus,
ohne Deutung. Doch wohl, trotz der Verschiedenheit
der Bedeutung, zu kelt. revna frz. verne in Beziehung
stehend. — tal F. Strunk des Maiskolbens, aus lat. talla
Zwiebelhülse. Die Bedeutung stimmt wenig, und talla
müsste wohl tah lauten. Trotz des weiblichen Geschlechts
möchte ich ital. tallo Pfropfreis, Ableger vorziehen.
Von besonderer Wichtigkeit ist nun aber vor Allem
Meyers Wörterbuch, wenn einmal die Geschichte des
lateinischen Wortschatzes a-uf Grund des durch mündliche
Tradition bis heute erhaltenen Materials geschrieben und
Hand in Hand damit dem lateinischen Lexikon das in
der Literatursprache nicht überlieferte Gut zurückgegeben
werden soll. Bekanntlich stellt das lateinische Element
des Albanesischen ein sehr hohes Alter des Vulgärlatein
dar, und so wird es nicht übeiraschen, wenn wir hier
manches, uns sonst im Eomanischen nicht erhaltene Wort
finden. Trotzdem oder gerade deshalb aber bezweifle
ich sehr, dass wir nur aus dem Albanesischen lateinische
Formen, die uns nicht auch durch die andern romanischen
Sprachen best tigt werden, erschliessen dürfen, und ich
bezweifle das schon darum, weil doch die Erforschung
des Albanesischen auch jetzt noch keineswegs so weit
abgeschlossen ist, dass man nicht auch grosse Fehl-
schlüsse begehen könnte. In diesem Punkte wird voraus-
sichtlich, das Alb. Wb. noch am meisten Umgestaltungen
erleiden. Dass z. B. lak Schlinge von laqueus stamme,
wird .Jeder gerne glauben, aber mit der Bemerkung:
,.das Alb. setzt ein lat. laquus voraus" ist nicht ge-
holfen. Alle rom. Sprachen besitzen laqueus und zwar
meines Wissens nur in Formen, die direct aus laqueus
entstanden sind; ferner, nach welcher Analogie hätte im
Lateinischen laquus aus laqueus entstehen können?
Alb. Iah PI. lek' wii-d an Stelle von lak', lek' stehen
nach dem Muster iiiik : mik' u. s. w. Ebenso wird es
sich mit selk verhalten, wofür Mej'er salicum voraus-
setzt. — Die verlockende Verknüpfung von alb. 9ihse
Schwiegertochter mit indog. snusd muss des s wegen
(man erwartet s) aufgegeben werden, Mej'er denkt jetzt
an nuptia im Sinne von nupta und fügt hinzu: die Ver-
wechslung: von nupta Neuvermählte und nuptiae Hoch-
zeit liegt in entgegengesetzter Bichtung im Sard. und
Rum. vor. Keineswegs: sard. iiuntas ist der lantgesetz-
liche Vertreter von nufujptias, vgl. Rom. Gramm. I § 509
und rum. uuntä erst eine secundäre Form von ähnlichem
Ursprung wie alb. lak. Auch mit einem „totus statt
fötus", wo doch die rom. Sprachen nur totus oder tgttus
kennen, ist keine Erklärung gegeben. Alb. tirt unver-
sehrt wird aus *totanus hergeleitet und certain ver-
glichen. Aber certain schliesst sich, wie alle diese
Bildungen, nicht direct an certus, sondern an ein Adv.
certa an, wie span. cercaiia an cerca, wie prochain
an prope u. s. w.: aus früher Zeit wüsste ich keine
Erweiterung eines pronominalen Adjectivs durch -onus
zu nennen. Und so wären der Zweifel noch viele zu
erheben, Zweifel, die aber zugleich zeigen würden, wie
anregend das Buch ist namentlich auch fiü- die spätere
lateinische Wortgeschichte.
Wien. W. Meyer-Lttbke.
Holder, Alfred, Alt-Celtlscher Sprachschatz. Erste
Lieferung. Leipzig, Teubner. 1S91. 2.16 Sp.
Die Lieferung bildet den Anfang eines überaus er-
wünschten Werkes, einer vollständigen, alphabetisch ge-
ordneten Sannnlung alles dessen, was von den keltischen
Sprachen aus der Zeit vor der irisch-brittischen Literatur
erhalten ist. In langjähriger Arbeit hat der Verf. In-
schriften und Münzen, antike Autoren und Heiligen-
leben etc. mit der an ihm gewohnten Genauigkeit durch-
gangen und alle altkeltischen Ueberreste daraus zu-
sammengetragen. Die einzelnen Wörter werden mit
sämmtlichen Belegstellen aufgeführt. Solche Stoffsamm-
sammlungen erfordern von dem Bearbeiter viel Entsagung
und Ausdauer — schon wegen der Mengendes oft ohne
Ertrag durchzuarbeitenden Materials — . sind aber stets
für die Wissenschaft von eminentem Nutzen. So wird
auch dieses Werk für alle das' ältere Keltenthum be-
rülirendeu Untersuchungen eines der unentbehrlichsten
Hilfsmittel werden. Der Umfang ist nach dem Prospecte
auf ungefähr 144 Bogen berechnet; die Lieferungen ei'-
scheinen alle vier Monate.
Als Endtermin für- die zu benutzenden Quellen hat
der Verf., wie er mir mittheilt, das Jahr 751 n. Chr.
festgesetzt. An diese Grenze hiit er sich freilich nicht
stricte gehalten; er gibt auch Namen, welche spätere
Quellen in einigermassen alterthüralicher Gestalt ent-
halten. Das sind die Wörter, welche ohne '', aber auch
ohne Citat aufgeführt sind, wie z. B. Aloniarus Alonua
Aloiuon Sp. 106 f. Dass er ihnen die Aufnahme nicht
versagt hat, wird man gewiss billigen; mu- hätte man
auch hier wenigstens einen Beleg, etwa den ältesten,
gewünscht. Auch spätere Heiligenleben sind beigezogen,
wenn nur der Heilige selber innerhalb der erwähnten
Periode gelebt hat: in welchem Umfange, wü'd wohl die
243
1891. Literatarblatt für permanisclie und romanischo Philologie. Nr.
•2U
Vori'rde bcriclitfii. I»icse briiigt'ii iiatiirlicli dii' Xaiiien
in di-r Rfirel in der spiiteren Hestait. nnr otwa in den
Endiins't'n latinisirt; vg:l. z. B. Aihini(is) Ailimensis
Sp. 18, Alilliis it3. Aidiic (54. Ancli Adamnans Vita
Culniiibae. deren .Abfassung vor den Endtermin Rillt,
entliUlt wesentlich altirisclie Namensformen. In diesen
Fällen hat der Verf. meist versucht, eine altere Wort-
gestiilt herzustellen, und hat dann diese als Stichwort
gegeben. Damit kommen wir auf eine schwächere Seite
des Werkes zu si>rechen. I>er Verf. besitzt selber keine
eingehendere Kenntniss der neukeltischen Spraclien, ist
also bei solchen Reconstructionen ganz auf die Autorität
seiner tJewährsmänner angewiesen — am häufigsten
werden Stokes, d'Arbois de .Tnbainville. Ernault ge-
nannt — , die sich dui'chans nicht immer streng an die
heute aneikannten (Tcsetze der S])rachw issenschaft halten.
In Folge davon sind viele dieser l'rforMien sehr fragliche,
durchaus unreale Gebilde; man vergleiche etwa *Altaios
109, *Aninionx 154 und ohne Stern Andaios 138,
die in dieser Gestalt wohl nie existirt haben. Bedenklicher
ist noch, dass mehrfach beliebige irische oder brittisclie
Wörter in angeblich 'urkeltischer' Form aufgenommen
sind. So treften wir 8p. 247 den merkwürdigen Stamm
*ado, weil Stokes ir. (// 'offspring' — gegen die Laut-
gesetze — auf jene Form zurückführt; Sp. 117 amhi-
in der Bedeutung 'Hag' (^= ir. inibe nach d'Arbois de .!.).
während das altir. Imperf. Pass. imma-feithe 'saepiri'
Ml. 1 10a, 7 zeigt, dass dem irischen Worte etwa gallisch
awlti-vio- oder ähnl. entsprechen würde. Ir. ailithir
'Pilger' ersclieint Sp. 04 gar in der 'vorkeltischen' Ge-
stalt ^aliotcrosl n. s. w. Freilich sind solche Formen
in der Regel durch vorgesetztes " deutlich als Conjectnral-
wesen gekennzeichnet; aber sie könnten doch manchen
des Keltischen Unkundigen in die Irre fuhren. .Jeden-
falls bilden sie einen werthlosen Ballast. Das Buch
soll ja eben dazu beitragen, dass all die auf Grund un-
vollständiger Kenntniss des Erhaltenen aufgestellten
H}-])othesen, die auf keltischem Boden bekanntlich be-
sonders üppig gedeihen, entweder beseitigt oder bestätigt
werden. W'enn aber die alten Hypothesen und dazu
noch viele neue in das thatsächlicli Ueberlieferte hinein-
verwoben werden, so wird dieses Ziel schwerlieh erreicht.
So halte ich es auch für unpractisch. in alten Quellen
belegte Wörter unter unbelegtcn Wort formen aufzu-
führen, z. B. andahata unter *oiidobaffa auf Grund
einer Stokes'schen Deutung; oder Alhiga Alhii/ctisis, was
die älteren Quellen bieten, unter AUna Alhiriisis, weil
das (j 'parasitisdi' sei; vgl. aucli *A)iihirafo^ statt .4»!-
bi(/iitux (bei Livius). Freilich ist durch Verweisung
s. vv. andabata Alhija Ambic/atos dafür gesorgt, dass
man die Wörter leicht auffinden kann; überhaupt lässt
der 'Spraclischatz' in den Verweisungen nicht viel zn
wünschen übrig. Weit über das Sichere hinaus scheint
mir der Verf. auch mit der Ansetzung von Aecenten
und Quantitäten und mit der Trennung der Wörter in
wnrzelliafte und suffixale Bestandtheile zu geiien. Warum
erhält z. B. die Grundform 'abüllos 'Apfel' Sp. 5 einen
Accent auf der zweiten Silbe, den weder die neukeltischen
Sprachen noch das Germanisch-Litauische zeigen? Warum
wird Sp. 77 Alaunos als Flussname in A-lauiio-s, als
Göttername in Al-autio-s zerlegt? Unter *aiiaco- und
AiKlvos Sp. 136 scheint für die Grundform von kymr.
auair t^UschlicIi <l statt " im Suffixe angesetzt. Hesyclis
ulioitfuc 'Affen', in üiiiii'uc corrigirt, ist Sj). .5 <dine
Gewähr als Masc. bezeiclinet u. s. f. Das sind alles
Schhicken in der werthvollen Sammlung, die noch aus-
gewurfen werden müssen. Auch unter den .Artikeln,
welche Suffixe behandeln, findet sich seiir viel Irriges,
sobald die neukeltischen Sprachen berülirt werden; und
durch die Kühnheit der Xamendeutung wird man oft an
vergangene Perioden der Celtologie erinnert.
Die gerügten Mängel bestehn, wie man sieht, haupt-
sächlicli in dem 'zu viel', das der Verf. gegeben hat,
sind also leicht zu ertragen. Auch hat Ref. dem Verf.
manche dieser seiner Bedenken bereits niitgetheilt und
die Versicherung erhalten, dass in den späteren Liefe-
rungen versdiiedene Unebenheiten vermieden sein werden.'
Von Unachtsamkeiten, wie sie bei einer umfassenden
Zettelarbeit leicht passiren, sind mir folgende aufge-
fallen. Sp. 200 wird Ari/entarea als '.Vrzenheim' er-
klärt und durch eine Stelle des Hieronynins belegt, wo
aber Argeutaria gelesen wird. Dieselbe Stelle findet
sich wieder Sp. 213 s. v. Argeutoraria, das als "Ort
der Raurici, 1500 Jleter östlich von Grussenheim' be-
zeichnet wird. Der keltische Stamm arganto-, latinisirt
argeiito- erscheint dreimal, Sp. 207 als argatit und
(irgniifo-, 210 als argento-, olinc dass von einer Stelle
auf die andere verwiesen wäre.
Wir wünschen dem Werke besten Fortgang und
mochten ihm als Grundsatz anempfehlen: Hinaus mit
Allem, was nicht direct überliefert, was nur durch
moderne Combination erschlossen ist, und sollten noch
so viele Gewährsmänner dafür eintreten! Und herein
soll .Alles, was thatsächlicli überliefert vorliegt, wenn
aucli nur die Möglichkeit besteht, dass es altkeltisch
oder doch in Gallien vor der Romanisirung heimisch
gewesen! Auf letzterem Gebiete gibt es kein 'zu viel'.
Mit Recht hat der Verf. manches aufgenommen, was
ligurischen, iberischen, germanischen, selbst lateinischen
Ursprungs verdächtig ist. Eine sichere Entscheidung ist
oft heute noch nicht möglich; und der -Ausschluss auch
nur eines altkeltischen Wortes wäre viel mis.slicher als
die Aufnahme einer ganzen Reihe unkeltischer Bestand-
theile.
Dürfen wii' noch einen Wunsch für die Folge des
Werkes äussern, so wäre es der, dass demselben als
Schluss die altgallischen Inschriften in völlig zuver-
lässigen Facsimiles beigegeben würden. Eine be(|ueme.
Vollständige Zusannnenstellung fehlt; und manche dieser
werthvollsten Ueberreste des Altkeltischen konnnen im
'Sprachschatze' weniger zur Geltung, schon weil die
zweifelhafte Worttrennung das Einreihen erschwert. So
finden wir Sp. 247 aus der Insi'hrift von Briona asoioi
(s. V. asoios) citirt, obwuhl durchaus nicht feststeht, dass
gerade diese Buchstaben als selbständiges AVort loszu-
lösen sind. Der hohe Preis dürfte dem A'erleger eine
soldie Zugabe wohl gestatten, zumal sie den AA'erth des
Buches noch wesentlich erhöhen würde.
Freiburg i. B. R. Thurneysen.
Zeitschriften.
Archiv f. das Studium der neueren Sprachen u. LH.
TAXXVI, 4: Kielmicl M a li r e n li o 1 1 z , Kranz Oiillparzer
uiui ilas spnuiache Urania. — Karl I). Hü I bring, lieber
die H8. Nr. 491 der Lnmbetli-Bibliutliok. — Adolf Tob 1er,
Chauvin. — H. Lübke, Zu den Kubensscben Glossen. —
.1. Z., Rettungen. — J. Z., Konjekturen. — J. Z., Zum Ge-
brauch von ne. 'all'. — W. Mangold, E. A. Sonnenschein,
Ideals of Culture. Two Adresses to Students. — Siegfr.
' In der Tliat zeigen die späteren Bogen, die ich ein-
schen konnte, wesentlich geläutertes Material.
245
1891. Literaturbliitt für germanische iiml romaiiiäche Philologie. Nr. 7.
246
Szaraatölski, FaligRii, Ernust, Histoire de la U'geiiile de
Faust. — Max Roediger, Cäsar Fliiischlen, Graphische
Litteratur-Tafel. Die deutsolie Littenitur und der Kinfluss
fronidcr Literaturen auf ihren Vorbiuf vom Beginn einer
schriftl. Ueberlieferung an bi^ heute in graphischer Dar-
stellung. — J. Imc Iniann, Firmcry, Ooethc (Nouv. Collec-
tion des Classiques populaires). — M. C. P. Schmidt,
Jahrbuch der Ürillparzer-Gcscllschaft. 1. Jahrgang ISilO.
— J. Z., Webster's International Dietionary nf the Knglish
Language, being the Authentic Edition of Webster's Una-
bridged Dietionary, comprising the Issues of 1864, 187i), and
1884, now thoroughly revised and enlarged undcr the super-
vision of Noah Porter. With a Voluminous ,\ppendix. —
G. Tanger, Dr. R. Sonnenburg, An Abstract of English
Grammar with Examination Questions. Partly cunipiled
from Adams, Angus, Allen and Cornwell, Latham, Morris,
Murray, Smart, Webster, John Eoarje, and others. Fourtli
Edition revised. — G. Tanger, Dr. Ew. Görlich, Me-
thodisches Lehr- und Uebungsbuch der englischen Sprache.
— J. Z., Miniature Faesiniile of Myeel Englisc Boc ,con-
cerning niiscellaneous subjects, composcd in verse". Minia-
ture Facsimile of Myeel Englisc Boc. Book IV. Legend
of Saint Outhlac. — H. Lübke, Georg Hcrzfeld , Die
Räthsel des Exetcrbuchs und ihr Verfasser. — J. Z., Chaucer.
The Prologue to the Canterbury Tales. Edited by the Rev.
Walter W. Skeat. — Hermann Deimling, Die Quellen
der fünf ersten ehester Plays. Von Dr. Heinrich Ungemach.
— J. Z. , Shakspere Reprints. II. Hamlet. Parallel Texts
of the first and second Quartes and the first Folio. Edited
by Wilhelm Victor. — J. Z., The Viear of Wakefield. A
Tale by Oliver Golilsmith. Erklärt von Prof. Dr. Theodor
Woltr. 2. Auflage. — J. Z. , The World's Desire. By H.
Rider Haggard and Andrew Lang. — J. Z. , Bliml Fate.
A Novcl. ' By Mrs. Alexander. — J. Z., The Sign of Four.
By A. Conau Doyle. — J. Z., A Born Coquette. By Mrs.
^ Hungerford. — J. Z., Social Vicissitudes. By F. C. Philips.
— J. Z., Armorel of Lyonesse. A Xovel. By Walter Besnnt.
— J. Z., Two Pcnniless Princesses. By Charlotte M. Yonge.
— R. Sprenger. Eckius Dedolatus herausgegeben von
Siegfried Szamatolski. — Adolf Tobler, Etudes romanes
dediees ,\ Gaston Paris le "29 decembre 1890 (2ö' anni-
versaire de son doctorat es lettres) par scs eleves frangais
et ses eleves etrangers des pays de langue francaise. —
Joseph Sarrazin, E. Lugrin, Resume de Phistoire de la
litterature francaise au 19° siede. — D. Coste, Schul-
grammatik der französischen Sprache von Dr. Karl Ploetz,
für Mädchenschulen umgearbeitet von Dr. Otto Kares und
Dr. Gustav Ploetz. Dritte verbesserte Auflage. — D. C,
Französische Grammatik für den Schulgebrauch von Her-
mann Breymann. Erster Theil: Laut-, Buchstaben- und
Wortlehre. 2. Auflage. — D. C. , Abriss der Aussprache
der französischen ."Sprache zum Gebrauch für Deutsche von
Albert Godart. — D. C, Das französische Verb. Ein System
zum verstanilesmässigen Erfassen und selbständigen Ent-
wickeln der Formen. Für den Schul- und Privatunterricht.
Von Carl Moser (Mosen). Dritte, durchaus neu bearbeitete
Auflage. Mit Uebungsbeilage. — D. C, Leitfaden der fran-
zösischen Sprache. Nach der analytischen Methode bear-
beitet von Th. von Schmitz-Aurbaeh. II. und III. Theil.
2. .\.uflage. — D. Coste, Premieres Lectures. Erstes fran-
zösisches Lesebuch von Paul Voelkel. — Fr. Bisch off,
Karl Ernst, Syntaktische Studien zu Kabelais. — Fr. S p e y er,
Jean de Mairet: Silvanire. Mit Einleitung und Anmerkungen
herausgegeben von Richard Otto. — D. C, Histoire d'Ale-
xandre le Grand par Ch. Rollin. Erklärt von Oswald Coil-
niann. II. — C. Appel, Stu<lj di filologia romanza pubbli-
cati da Ernesto Monaci. Fase. 12. P. Rajna, Un franimento
di un codice perduto di poesie provenzali. E. Monaci, Lo
ronians dels auzels cassadors. — Adolf Tobler, Studj di
filologia romanza pubblicati da Ernesto Monaci. Fase. 14
(L. Gauchat, II. Kehrli, II Canzoniere provenzale H). —
G. Tanger, ür. Ernst 0. Stiehler: I. Zur Methodik des
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das Studium unserer Reformschriften. Nebst einem aus-
führlichen Quellenverzeiehnisse. II. Streifzüge auf dem Ge-
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vor Napoleon in Erfurt unil Weimar. Nach Talleyrands
Memoiren. — Woldemar Freiherr von Biedermann,
Heidenröslein. — Gustav Burghauser, Zur Lehre vom
, zusammengezogenen" Satze. — Robert Sprenger, Zum
^Urfaust". — 0. Glöde, Weiteres vom heiligen Nikolaus.
— O. H a u s c h i 1 d , Zu Schenkendorfs Lied auf Scharnhorsts
Tod. — Reinhuld Hof mann, Anfrage, den Gassennamen
,(am) Brotkorb" betreft'end. — E. G. K a a k e b ee n , An-
frage betreffs einer Mustersammlung von Briefen. — Paul
Bartels, Zur Zeitungs-Ente. — S. Feist, Einiges über
das Wort ,Ritt". — E. Jeep, Schildbürger. — Moritz
Koehler, Eine mundartliehe Benennung des Schmetter-
lings. — Dr. May, Verstümmelte Wörter. — A. En giert.
Zu dem Wiegenliede „Schlaf, Kindchen, schlaf". — F.
Kuntze, Zu den Ausdrücken: Holla und Hallo. — R.
Sprenger, Bonbase. — R. Kade, Johannes Rcntsch,
Johann Elias Schlegel als Trauerspieldichter mit besonderer
Berücksichtigung seines Verhältnisses zu Gottseheil. —
E. Ha rieh, Karl Franke, Reinheit und Reichthum der
deutschen Schriftsprache gefördert durch dje Mundarten.
— Otto Lyon, Hermann ünbescheid, Beitrag zur Behand-
lung der dramatischen Lektüre. — Der s., Oskar Brenner
und August Hartmann, Bayerns Mundarten. Beiträge zur
deutschen Sprache u. Volkskunde. — R. Kade, E. Bardey,
Praktisches Lehrbuch der deutschen Sprache für die Hand
der Schüler. — V, 6 : Rudolf Hildebrand, Zu Fausts
Glaubensbekenntniss, dabei von einer bedeutsamen Eigen-
heit in Goethes Denk- und Sprachweise. — J. H. S c h m a Iz ,
Der deutsche Unterrieht auf der V. badischen Direktoren-
konferenz. — Ernst Göpfert, Unser Haus und Heim im
Lichte der Sprache und Kulturgeschichte. — Th. Schäffer,
Stil und Stilübungen. — G. Klee, Drei Weidmannsbriefe
aus dem vorigen Jahrhundert. — O. G 1 ö d e , Zu „Jochen
Nüssler". — H. K o h r s , Das Wort Nüssler. — R. S p r e n g e r,
Zur Namensänderung Sehuflft in Schafft. Zu Schillers Fiesko
11,5. — G. Klee, Urtheile über den Prinzen von Homburg
und Grillparzers Sappho. — Carl Franke, Hermann
Dunger, Rundäs und Reimsprüohe aus dem Vogtlande. —
R. Kade, Theodor Werther, Zur Entstehung von Goethes
Hermann uml Dorothea. — Ders., Gottlieb Leuchtenberger,
Dispositionen zu deutschen Aufsätzen und Vorträgen für
die oberen Klassen höherer Lehranstalten. — Kleine Mit-
theilungen. — Neu erschienene Bücher.
Clironik des Wiener Goethe- Vereins VI, 5: Zu Goethes
Leben und Wirken.
247
1891. Litcraturblatt für (germanische und romanische Philolof^ic. Nr. 7.
2-18
Tijdschrift voor nedprlanflsche taal- en lefterknndn X,
3: J. Tu Winkel, Du I'orclioviicl en lipt Ilnnssclio Lan-
cclothamlsolirift. — \. K., Ulailvullins. — Johannes Holte,
Ein unbekanntes Amsterdamer Lie<lerbuch von 1589. —
A. B.. Koek en ei. — \V. L. van Ilclten, lüjdragen tot
de Dietsche Grammaticn. XIII. Ovcr de uitlatin^ van hct
pron. pers. als subjcct. XI\'. LntI wi , hiten wi ter om-
sehrijvins van den adhortntief. XV. Ickcm bin. XVI. ."^i,
.<(', wijzende op een niaseulinuni uf neutrum. .KVII. Uit-
latins van het demonstr. in den niet een voorwanrdelijken
bijzin in betrekking stannden hoofdzin. XVIII. Ken pro-
nomon als subject van den voorwcrpszin in den ncousatief
gcbezigil. XIX. llet relafivuni - „dat hi'^. XX. Wei;lating
van liet voegw. eiitle tnssehen twee pnrataktiseli verbonden
betrekkeli.jke zinnen. XXI. Omschri.jvinjj van den 2"'';" nv.
door een possessief. XXII. Over de woordvoei;ing in zinnen,
wanr een zelfde substantief in versoliillende naanivnlsbetrek-
king Staat tot twec seeoürdincerde werkwoorden. XXIII.
Een zoogcnaamd onpersonnlijk srebruik van tinkcii. XXIV.
Over den onoorspronkclijken datief dos pcrsoons bij onper-
soonlijke verba. XXV. Ovcr den nfliankelijken infinitief
zonder te.
Noord en Znid XIV, 2: W. G. van Nouhuys, Vosmaer's
Romans. Hl. II. Inwijdinff. — F. Z. Mchler, Pieter
Langendijk. — K. A. Stoett, Spreekwijzen verklaard. Den
dnns ontsprinsen. — C. H. den Ilcrtog, Xauwkeurig^
lezen. Uit Potffieters Pro/.n. , Marie." (fragment) en „Ilanna."
(iil.) Da Costn's Inipo|)iilariteit. {K. Pierson.) BiJ het borst-
beeld van Bilderdijk. (.\lb. Tliyni.) Starinnj, De veenrook.
De diepoffge. Verschillende uitle<j. — Verschoidenheden:
Oudc volksuitdrukkinijen. Pleonasmen. Adjcctieven. op
-lijk. Rooi Baai. Dubbelzinnighcid. Waterpassen en enkele
.Tndere werkwoorden. lemand naar St. Veiten wenschen.
Vrouw Snaversnel. Daar gaat een doniine voorbij.
Dania, Tidsskrift for folkemäl og folkemindcr I, 2: Vilh.
Andersen, Gcntagelsen, en sproglii^ Studie. — P. K.
Thorsen, ^I^ldre bidrag til kundskab om dnnske alniues-
mäl. I. Lacknianns optepfnelscr pä ansclboniiil fra forste
halvdcl af det 18de ärh. — Axel Olrik, Tre danske folke-
sagn. 1. Et Starkadsagn fra Sdnderjylland. 2. Tislund-
stcnen. 3. Danncvirke os Dronning Tyrc. — Smäting og
Forespörgsler: H. F. Feilborg, En ensfelsk skik. —
Jsp. , Om 1-lyd., — Anmeldelser: Kr. N., Job. Steen-^trup,
Voro Folkeviser. — Jsp., A.koI Sorcnsen, Danske biord.
Rninania 78 (April 1891): P. Meyer, Nouvclles catalanes
ini'dites (Forts.). — A. Dietrich, Les parlers cröoles des
Mascareignes. — F. Lot, La croix des royaux de France.
— P. Meyer, Chanson ä la viergo en vers franfais et
latins altcrnes. — • E. L an gl eis, Arlsenini, itinociem,
demone — A. S a 1 m o n , lateron et leteron. — Ch. J o r e t ,
hiheuT. — A. Dclboulle, avoir des rrii/iiniis, des f/resil/ons
ou des i/rilloiis dnns la tete. — L. S u <1 r e , Jacobs , The
Kahles of Aesop. — O. Paris, Libeaus Deseonus lirsg. v.
M. Kaluza; Mennung, der Bei Inennnu u. s. w. — A. Piaget,
Rondoaux et nutres poesios du XV« siecle, p. p. 0. Ray-
nauil. — E. Philipen et P. Meyer, N. du Puitspelu, Dic-
tionnairo etymologique du pntois lyonnais.
Franco-fiallia VIII, 6: Besprechungen. Ulrich. Robert
von Blois' sämmtliche Werke I. Beaudous. — Klinck-
sieck, Zur Entwicklungsgeschichte des Realismus im frz.
Roman des 19. Jhs. — Deter, Frz. Syntax für Secunda.
— Discours choisis de Mirabeau, ed. Grube. — Thiers,
Bonnparte en Egypte et en Syrie, ed. Ilartnmnn. — Löwe,
La France et les Francjais. Neues frz. Lesebuch.
L'Aliehieri 11: Zoppi, Oli animali nella Divina Conimcdin.
— ('onimento dol Re Giovanni di Snssonia (Kilalete) alla
Divina Commedia. — Cumcntino al »onetto di Dante ,/■/
iion !'■ h'finii^. — G. L. Passe rini, Sei nuovi doeumonti
alighierinni della Cancelleria Ducale di Modena. — La can-
zono di Guido Cnvaleanti 'Donna ini pregn' ridotta a mig-
tiore lezione e comentnta mnssimnmente con Dante (Korts.)
— Agnelli, Ancora del momento in cui Dante spicco il
volo per le sfere celesti. — Buscaino Canipo, II enm-
mino sinibolieo di Dante. — Negroni, Imbriani, Studi
Dantesehi ; Rocia, Di aicuni Commenti della Divina C'oni-
Mit'dia eoniposti nei primi vent' aniii depo la niorte ili Dante;
Di Mentii, Una grecn interprt^tazione ai versi 121 — 12:! del
Cantü V dell' Inferno. — Passerini, Se l'opusculo ^Qiicslio
de aqua et terra" Ria da nttribuirsi a Dante Alighieri.
Litepar. Centralblatt 25: Bonnot, le latin de Oregoire de
Tours. — Ilartuianns Vwein, hrsg. v. Ilenrici. — Ncogeor-
gus, Pamnmchius, hrsg. v. Bolte u. Schmidt. — 2<i : Voll-
möller, Span. Funde. — Nynre Bidrag tili Kännedoni om
de svenskn Inndsm.ilen ock svenskt folklif. Tidskrift utg.
af Lundell. — Kahle, Die altnord. Sprache etc. — Wio-
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Muncker, I/aehniann'sLossing-.\usgabe.IV — VI. — G e r I and,
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Sprachschatz, von Zimmer. — Urkundenbuch der Stadt u.
LanJscliaft Zürich, von Wackernagel.
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Tombrien et rosque dans ijuelqucs-uns de leurs rapports
intimes avec ritalien. (Wertlilns.)
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Grazer Handschrift lat. -deutscher Predigten, von Jostes.
Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins.
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merkungen hrsg. von L. H. Fischer.
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der Krankt'urter Bühne. I. Die Räuber.
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Archiv des Vereins für siebenbiirsisehe Landeskunde,
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Geleitsbrief für Oswald v. Wülkenstein. Mitgeth. von
Pnndler.
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deutsche und schweizerische Haus.
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Ticrsot, histoire de la clinnson populaire en France.
Die Grenzboten 20: A. Borger, Der Gedanke einer deutschen
Sprnchakademie in der Geschichte und in der Gegenwart.
— 23: Zu Zesen und Campe (von Gfombert]). — 25: W.
Ribbeek, Hamlet und sein» Ausleger.
Die Nation 34: K. G. Lessing's Lustspiel , die Mätresse". —
37: L. Bobe, Ernst u. Chnrlotte Sehimmelmnnn in ihren
Beziehungen zu Schiller.
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Würdigung der Klutlisagen. — 117: M. Manitius, Ueber
Heinze u. Ooettc, Gosehiehte der deutschen Literatur von
Goethes Tode bis zur Gegenwart. - IIS: R. M. Jleyer,
Literarische Prügelknaben. — 119: Erich Schmidt, Auf-
gaben u. Woge der „Faust-Philologio''. — 123: K. Muncker,
Die Dichtung dos ,Lohengrin'' von Richard Wagner und
ihre Quellen. — 12(): Hugo Arnold, Zur Limes-Forschung. —
128: Aus dem Briefwechsel dos r<oibmoili('us J. G. Ziminer-
nmnn. — 139: II. Wunderlich, Die deutsche Syntax-
forschuug und die Schule.
Jlünchener Neueste Nnehricbfen 257: W. Oolther,
Xordiselio Knhrteu nach Winland.
Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung 65:
Vom Genitiv der persönlichen Kürwörter.
249
1891. Litcraturblatt für germanisclic und romanische Philologie. Nr. 7.
250
BpilaKe zur Rostockcr ZeitiinR 247, 2)4, 2(55: R. B.[ocli-
stcin|. (las Rcdi'ntiiior Osterspic! und seine literarf;escliii'lit-
liclie Stellung,' und Würdifjunj,'.
Nurdisk Tidskrift för vetenskap , koiist och indnstri
ISitl, H. 4, S. 3«— 3GS: R. Steffen, Norsk folkediktning
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The Quarterly Review 344 : Mamlevillc's Travels.
The American Journal of Philology XII, 1: Cook, The
Evolution of tlie Lonl's Pravcr in Englisli. — Wood, two
Spriicke ofWaltlier von der Vogelweide. — liesprechungen :
Earle'b Englisli Prose: Stratniann"s Middle-Englisli üictio-
nary ; Pollard's Englisli Miracle Plays, Moralities and Inter-
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spondanee de Flaubert (Troisieme Serie, 1854 — 1869). —
21: Bericht über Griselidis, Drama von A. Silvestre und
Morand. — 22 : A. Heurteau, Mme. de La Fayette, d'apres
un livre recent (das des Grafen von Haussonville in den
Grands ecrivains franjais^. — E. Rod, Les Idees morales
du temps present. Conelusion. — E. Lintilhae, La reforme
de Tenseignenient secondaire (sehr beherzigenswerthe Aus-
einandersetzungen über das, was ein enseignement classique
franjaiä leisten soll und kann, ein Unterricht, der die
lebenden Kultursprachen zum Hauptgegenstand hat, die
Kenntniss des Alterthunis nur durch Uebersetzungen ver-
mittelt). — Ch. Bigot, J.-J. Weiss (f Mai 1S91>. — 23: J.
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tenswerthe Xacliweise von Neuerungen in Versbau u. Reim,
denen man bei der jüngsten Dieliterseliule begegnet). —
M. Albert, L'ancien lendit (namentlich über Theilnahme der
Schülerschaft an den Lustbarkeiten des Jahrmarkts). —
L. üarron, L'argent et la litterature (bemerkenswerthe An-
gaben über den vsechselnden Geldwerth der schriftsteller-
ischen Arbeit in den letzten vier Jahrhunderten).
Revue du monde latin Mai: Formont, Bernardin Ribeiro,
poete Portugals.
Rendiconti della R. Accademia dei Lincei. Classe di
Scienze niorali , storiche e filologiche. vol. Yll, l" sem.
Fase. 10 (17. Mai). Monaci, Eru., Di un aneddoto Dantesco.
Lettera del Cav. F. Carla. Con Nota di E. M.
Nuova Autuloo;ia Anno XXVI. 3. serie. vol. 33. Fase. 11:
G. Setti, il Leopardi filologo (a proposito di una recente
pubblicazione).
.Archiva societatii stiintifice
S. 637—665: A.D. Xenopol,
vültarea popurului romin. —
Cärtii sali Cärtei. — S. 727 -
tului.
Neu erscliieneue Bücher.
Mushacke, W., Beiträge zur Geschichte des Elfenreiches
in Sage und Dichtung. Progr. Crefeld. 20 S. 4.
Seh a edel, 0., Ein Beitrag zur Don Juan-Litteratur. Progr.
Bensheim. 20 S. 4.
Simon, Otto, The Study of vocal physiology and the use of
the laryngoscope as valuable adjuncts to voice training.
27 S. 8. Baltimore, O. T. Simon.
si literare din Jasi I,
Ideile conducätoare in dez-
S. 666—681: H. Tiktin,
746: Ders. , Viata cuvin-
Boha gh el, O., und J. H. G al I ee, AUsächsische Grammatik.
Erste Hälfte. Laut- und Flexionslehre , bearb. von J. H.
Gallee. Halle, Niemeyer u. Leiden, Brill I. 114 S. 8.
(Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte VI.)
Böhme, L. , Schillerstudien I. Freiberg i. S. , Engelhardt.
32 S. 8. M. 1,25.
Brate, E. och Bugge, S. , Runverser. Undersökning af
Sveriges metriska runinskrifter. Stockholm, Jvar Hwgg-
ström. 442 S. 8. (Sonderabdruek aus Antiqvarisk Tid-
skrift för Sverige. X.) S.
Brunner, J., Zwei Buschmänner (Börne und Heine). Akten-
raässig geschildert. Paderborn , Schöningh. XII , 407 S.
8. M. 4.
Cosack, W. , Materialien zu Gotthold Ephraim Lessings
Hamburgiseher Dramaturgie. Ausführlicher Conunentar
nebst Einleitung, Anhang u. Register. Zweite vermehrte
und verbesserte Aufl. Paderborn, Schöningh. 45S S. 8.
M. 4.80.
Deike, W. , Schillers Ansichten über die tragische Kunst,
verglichen mit denen des Aristoteles. Rudolstadt , Dabis.
34 S. 8. M. 1,60.
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cuni e libro ms. edidit Johannes Paulson. Lund, Hjalmar
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Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht. 44 S. 8. M. 5.
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Mit einem Beitrage G. von Loepers und .Mittbeilungen von
Fachgenossen. Erweit. Sonderdruck. Frankfurt, Rütten u.
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und Schiller -Archiv : aus der Zeit der Spinoza -Studien
Goethes 1781 — 85; Anzeige des Trauerspiels , Bertram" nebst
Proben einer Uebersetzung (1817), hrsg. von B. Suphan. —
Briefwechsel zwischen Goethe und Therese v. Jakob, hrsg.
von R. Steig. — Musikerbriefe (von Mendelssohn, Schubert,
Berlioz, Mozart). — Goethes Tod u. Bestattung. — Brief
von F. J. Frommann; aus Henriettens von Eglotfstein Me-
moiren, hrsg. von J. Wahl. — Aus dem Goethc-National-
Museuni: zu Goetlie's naturwissenschaftlichen Forschungen ;
das Stammbuch von Frau Rath , von C. Ruland. — L. v.
Kretschmann, Erinnerungen von und an Jenny von Pappen-
heim. — R. Steiner, über den Gewinn unserer Anschau-
ungen von Goethes naturwissenschaftlichen Arbeiten durch
die Publikationen des Goethe-Archivs. — X. Bilschowsky,
über Echtheit und Chronologie der Sesenlieimer Lieder. —
H. Gilow, die Kunst und Technik der Charakterschilderung
in Goethes Dichtung u. Wahrheit. — D. Jaco"by, zu Goethes
Egmont. — L. Fränkel, zu Doctor Fausts Fortleben in Eng-
land. — J. Schneider, zum Gedicht: „Wer nie sein Brod
mit Thränen «ss". — C. Siegfried, zum Divan. — F. Jonas,
zu Goethes Sprüchen in Prosa. — Fr. Arnheim, Goethe
u. Björnsthäl. — B. Seuffert, Wieland an Goethe; Lud-
wig von Urlichs.
Goldbeck-Loewe, Adolf, Zur Geschichte der freien Verse
in der deutschen Dichtung. Von Klopstock bis Goethe.
Kieler Diss. 82 S.
G 0 1 d s e h m i d t , J., Die deutsche Ballade. Hamburg. Progr.
44 S. 4.
Handwerk, Hugo , Studien über Geliert's Fabeln. Mar-
burger Diss. 43 S. 4.
Hörraann, L. von, Grabscliriften u. Marterln. Gesammelt
u. hrsg. 2. Folge. Leipzig, Liebeskind. XU, 192 S. M. 1,50.
Keinz, Frdr., Altdeutsches. 1. Cod. germ. Monac. 5249. II.
Ueber ein Gesammtverzeichniss der altdeutschen Gedichte.
Zur 41. Versammig. der deutschen Philologen den Freunden
der altdeutschen Dichtg. gewidmet. München, J. A. Finster-
lin. 16 S. gr. 8. Pf. 50.
Kollraann, Aithur, deutsche Puppenspiele. Gesammelt u.
mit erläuternden Abhandlungen und Anmerkungen hrsg.
H. 1 : Vorwort, Judith u. Holofernes, zum Puppenspiel von
Dr. Faust. Leipzig, Grunow. 109 S. 8.
251
1891. Litcraturblatt für gcrmanisclie und romanische Ptiilolo^ie. Nr. 7.
Ö52
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19 S. 4. ^
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Untersucliung. Diss. Rudolstadt, 11. l)abi.<. 53 S. gr. 8.
M. 1.40.
L e i t h a e u 8 e r , J., Gallicismen in niederdeutschen Mundarten.
Leipzig, Fock. 32 S. 8. M. 1.
L i 1 1 e r n t u r d c n km ä 1 0 r , lateinische, d. XV. u. XVI. Jh.
Hrsg. V. M. Horrmann u. S. Szamatülski. ;!. lll't. Thomas
Kaogeorgus, I'ammacliius, hrsg. v. J. Bolto u. E. Schmidt.
Herlin, Speyer & Peters Verlags-Conto. XXVI, 151 S. 8.
M. 2.80.
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Verlag, H. lleylVlder. 39 S. gr. 4. M. 1.50.
Martiny, Bennn , Wörtcrbucli der Milchwirtlischaft. Eine
Sammlung für praktische Milclnvirthc .... Schriftsteller u.
Sprachlehrer. Bremen, Ilcinsius. 38 S. 8.
Meyer, John, Studien zur Sprach- u. Literaturgeschichte der
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Müllen ho ff, Karl, Deutsche Altorthuniskunde. Bd. V, zweite
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stehen einer nihd. Schriftsprache. Hallenser Diss. 66 S. 8.
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arbeiten u. Fragmente, geordnet u. erläutert v. Fr. Strehlke.
Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt. 151 S. 8. M. 3.
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spräkets ordförräd. H. I. Stockholm, Fr. Skoglund. S. 1 — 192.
8. Kr. 0.50. S.
Wörterbuch, deutsches, VIII, G: Rind-Roman, bearbeitet
unter Leitung von Dr. M. Heyne.
Wörterbuch zu Goethes Faust, von Fr. Strehlke. Stutt-
gart, Deutsche Verlngsanstalt. 157 S. 8. M. 3.
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Mirniannsage nach Inhalt, Deutung und Ursprung. Progr.
Pyritz. 20 S. 4.
B 1 u m e n t li a 1 , Fr. , Lord Byron's Mystery 'Cain' and its
relation to Miltons Paradise lost' and Gussners Death of
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librairie Bouillon.
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B e r t a u t , (Euvres poetiques de M., eveque de Seez, publiees
d'apres lYdition de 1620 par Ad. Chenevi6re. Paris, Plön
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254
üiüv.-ßuclihunillg. Drei starke Bände, klein Folio, mit über
2000 in den Text gedruckten Illustrationen , zahlreichen
Tafeln und Facsimile-Beilagen. Subskriptionspreis M. 100.
Erste Lieferung.
Chansons populaires de la France. A Selection from French
populär Ballads. Editcd with Introduotion and Notes by
Th. Fr. Crane New- York and London, O. P. Putnara's Sons.
Knickerbocker Nuggets vol. XXXIL XXXIX. 282 S. 8.
Doli. 1..50.
Cledat, M., Rutebeuf. Paris, Hachette et Oi. Un volunie
in-l(i, avec une photogravure, broche. fr. 2.
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Ferrand, ü., La Muse normande , de David Ferrand.
Publice tl'apres les livrets originaux (1625 — 1653) et l'inven-
taire general de 1655, avec introduction, notes et glossaire,
par A. Heron. T. 1". Petit in-4, CXXXVII 270 p. Rouen,
imprini. Cagniard.
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Sketches of Jlarivaux, Voltaire, Rousseau, Diderot, Beau-
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Diss.
Gaudeau, Bern., Les Precheurs burlesques en Espagne au
XVIIP siede. Etüde sur le P. Isla. Paris, Retaux-Bray.
XVIII, 558 S. 8. fr. 7.50.
Godefroy, F., Dictionnaire de l'ancienne langue frangaise
et de tous ses dialectes du IX« au XV° siecle , compose
d'apres le depouillement de tous les plus importants docu-
ments manuscrits ou iniprimes qui se trouvent dans les
grandes bibliotheques de la France et de l'Europe et dans
les principales arohives departementales, municipales, hospi-
talieres ou privees ; par Frederic Godefroy. Fascicule 65.
In-4. ä 3 col., p. 321 ä 400. Paris, Hb. Bouillon.
Götzinger, W. , Die roman. Ortsnamen des Kantons St.
Gallen. St. Gallen. IV, 91 S. 8. n. einer Karte. Frci-
burger Diss.
Graf, J., Die germanischen Bestandtheile des Patois Mesain.
Strassburger Diss. 43 S. 8.
Gross mann, S. J., Dictiouar german-romiu. Vol. L Faso.
2—7. 4. S. 17—112. 'Jasi 1890/91. Czernowitz , Pardini
: in Comni. 50 Pf.
Heitmann, J., Die Pronomina in dem afr. Epos 'Karls Reise
nach Jerusalem u. Constantinopel'. Progr. Krefeld. 22 S. 4.
Henninge r, Eugen, Sitten und Gebräuche bei der Taufe
und Namengebung in der altfranzösischen Dichtung. 87 S.
8. Hall. üiss.
Krueger, Gustav, Fremde Gedanken in J. J. Rousseaua
erstem Discours. 29 S. 8. Hallenser Diss.
La Br eise, R. de, Bossuet et la bible. Etudes d'apres les
documents originaux. Paris, Retaux-Bray. LH, 453. 8.
Montesquieu, QEuvres completes de Montesquieu. Avec
les variantes des premieres editions, un choix des meilleurs
commentaires et des notes nouvelles par Edouard Laboulaye,
de rinstitut. T. 4 : De l'esprit des lois (livres XI -XXI).
In-8, 490 pages. Paris, libr. Garnier freres.
Oreans, K. , Die o-Laute im Provenzalischen. Erlangen,
Fr. Junge. [Aus rom. Forschungen IV, 3. Pendant zu dess.
Verfs. Freiburger Dissertation (1888): Die E-Reime im Alt-
provenzalischen.J
Pascal, Provinciales, Lettres I, IV et XIII annotees
par F. Brunetiere. Petit in-16, cartonne. Paris, Hachette.
fr. 1.50.
Bonsard, P. de. (Euvres de P. de Ronsard, gentithomme
vandomois. Avec une notice biographique et des notes par
Ch. Marty-Laveaux. T. 4. In-8, 429 pages. Paris, impri-
merie et librairie Lemerre. — Pleiade frangoise.
Rousse, M. Edmond, Mirabeau. Un volume in-16, avec un
Portrait en photogravure, brecht. Paris, Hachette & Cie.
fr. 2.
Scherer, Edm., Etudes sur la litterature au XVIII"" siecle.
Paris. Fr. 3.50.
Schmüking, ü. , Considörations sur l'emploi de l'indicatif
et du subjonctif cn franjais. Progr. Schleusingen. 12 S. 4.
Spitzer, R. , Beiträge zur Geschichte des Spiels in Alt-
frnnkreich. Heidelberg, Winter. Heid. Diss. 54 S. 8.
Teatro italiano. Scelta di commedie italiane all' uso delle
scuole e degli Studiosi, pubblicate per cura di Federigo
Werder. Fase. 1. 12. Inhalt: La Locandiera. Commedia
di Goldoni. 2. ed. Leipzig, Rossberg. 112 S. 60 Pf.
Trattati religiosi c libro de li exempli in antico dialetto
veneziano editi a cura di G. Ulrich. Bologna, Romagnoli.
XV, 181 S. L. 6. Scelta di curiositä inedite o rare dal
secolo XIII al XVII in appendice alla coUezione di opere
inedite o rare 239.
Weiss, J. J., Essais sur l'histoiro de la litterature frangaise.
Paris, Calman-Levy. XIX, 384 S. 18. fr. 3.50. [Im ersten
Theil handelt Vfs. unter andern über 'Le Caractere general
de l'esprit fran^ais", 'Les XVIP et XVIII' siecles', 'La
Comedie en France', 'La Litterature brutale'; der 2. Theil,
der den Gesammttitel 'Portraits litteraires et historiques'
führt, enthält Studien über Flechier, St.-Simon, Regnard,
Gresset, M"" du Deffand etc.]
Yvain, neue verbesserte Textausgabe mit Einleitung und
Glossar hrsg. v. W. F o e r s t e r. XXIV, 127 S. M. 4.
Halle, Niemeyer. Rom. Bibl.
L i t c )• a r i s c h e M i 1 1 h e i 1 u u g e n , P e r s o q a 1-
nachrichten etc.
Dr. C. Kraus in Wien bereitet eine Ausgabe des hlg.
Georg von Reinbot von Durne vor.
Ernannt wurden : L. W i m m e r (Kopenhagen) zum korre-
spondirenden Mitgliede der Berliner Academie, H. Schuc hard t
(Graz) zum wirklichen, G. Meyer (Graz) zum korrespondiren-
ilen Mitgliede der Wiener Academie.
Die kgl. Akademie der Wissenschaften in Turin hat
Prof. Adolf Tob I er in Berlin zum auswärtigen Mitgliede
gewählt.
Dem Prof. G. Meyer (Graz) ist vom Institut de France
der Volney-Preis für sein etym. Wörterbuch des Albanesischen
verliehen worden (s. o.).
Der ao. Professor an der Universität Prag Dr. Sauer
wurde zum Ordinarius ernannt.
An der Universität Hallo habilitiite sich Dr. John Meier
für das Fach der germanischen Philologie.
t zu Paris am 20. Mai Jean-Jacques Weiss, bekannt
durch verschiedene Arbeiten über frz. Literatur is. o.).
t im Juli zu Bonn der ao. Professor Dr. Anton Bir-
linger (geb. 1834).
Antiquarische Kataloge: Baer, Fj-ankfurt a. M.
(Germ. Phil.); Graeger, Halle ^neuere Spr.).
Zusatz zu Sp. 197, Z. 7 : S. 17, 33* 3 loralna; S. 19,
34° 3 et fctes iliiec [melrej; S. 31, 35'' 3 streiche? nach
coment u. Punkt ; S. 29, 39'' 1. costeirent (ebenso im Glossar) ;
S. 34, 42'' 3 Chevaliers; et taut qu'il v. a la cort; S. 36, 43'' I
eu/jeHse; S. 42, Z. 4 et [Va] dcsherite; S. 63, Z. 1 pere, vgL
46" 4 Qjuria); S. 75, 62° 3 11 l'ont; S. 80, Z. 2 v. u. bon' aiiior;
S. 102, 75" 3 chambi-es [ow st. et] ot; S. 122, Z. 7 Baptiste;
S. 133, Z. 6 v. u. lesj 1. le; S. 138, 93'= 3 jxo-ole [ne st. en].
Anm. 50'' 3 aliichier u. eslocliier sind einander fremd. S. 167
Anm. 61° 4 c. 1. chaatee = castitatem, während cästita(s) =
chäste. — Zu Wistasce Anm. 2086 merde als Adj. steht Jub.
N. R. IL 15. W. F.
Abgeschlossen am 13. Juli 1891.
N O T I Z.
Deu gerniaiustiachen Theil redigirt Otto Behai^hel (Giessen, Bahnhofatraaac 71), deu romaiiisliacheu uud englischen Theil FritZ Neumann
(Heidelhcrjj. Uohrbacherstr. 51), und man bittet die Beiträge (Kecpusionen, kurze Notizen, PersoaalnachnchteL etc.) dem entsprechend gefälligst zu adressirec.
Die KedacTion richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafür Sorge tragren zu wollen, dasa alle neuen AVerke germanistischen und
romaniBtischen Inhalts ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vernuttelung von O. K. Keisland in Leipzifj zugesandt
werden. Kur in dieaemFalle wird dieRedaction ateta imStande sein, über neue Publicationen eineBesprecbung oder
kürzere Bemerkung (in der Bibliogr.) zu bringen. An O R. Reislaod sind auch die Anfragen über Honorar und Sonderabzüge zu richten.
255
1ÖS*1. Literaturblatt für germanisobe und roiDauische Philologie. Sr. 7.
256
>a=
=5!)
II Preis für dreigespaltene
II PetiUeile 25 Pfennige.
Literarische Anzeiöeii.
Beilagegebühren nach
Umfang M. 13, 15 u. iS.
Verlag Ton F. A. Brockhaus in Leipzig.
Soeben erschien:
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siede; specimens dialectales et de litterature populaire
acconipagn('.s d'une introduction, d'unc grammaire et
d'un glossaire roumain-fran^ais
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M. Gaster.
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Gaster's Rumänische Chrestomathie ist ein Werk von
aussergewöhnlicher Bedeutung für die romanische Philologie
und Literaturwissenschaft. Ein ausführliches rumänisch-fran-
zösisches Glossar und der erste Versuch einer kritischen
rumänischen Literaturgeschichte erhöhen den Werth des
Werks , dessen Widmung der König von Rumänien ange-
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2. ofrniflirtt u. ofrbflT. Juli. 4C0 *. gr. 8. 4,80 M
i'ie lorgtVjItiq rev>l^lertl' lln^ unter Seiiutjung ^er
auf &fm (Pcbifte tior jifiTiiig-Jliti'ratur cncbiononiMi \vertlv
vollen '5cbnftcii bearbeitete iieiie ^lufliage genjuhrt letiem
.'iiiijelneu ^a6, wav er jiim vicbtigeti Vel•|t.!^^nl|^e
ÜeOnigr gebraucbt.
'Perlag üon 2Fer6inan6 iSdiönintifj in |5a6crßorn.
Verlag von O. R. REISLAND in Leipzig.
Soeben wurde ausgegeben:
Die .\u.sspraclie des
Schriftdeutscheil.
Mit dem
„Wörterverzeichnis für die deutsche Recht-
schreibung zum Gebrauch in den preussi-
schen Schulen" in phonetischer Umschrift
sowie phonetischen Texten.
Von
Wilhelm Vietor.
Zweite, umgearbeitete Auflage der Schrift ]
,Die Aussprache des Wörterverzeichnisses !
für die deutsche Rechtschreibung zum
Gebrauch in den preussischen Schulen".
(IV, 101 S.) 8. Preis M. 1,60.
Vorwort zur '2. Auflage: In der vor-
liegenden neuen Auflage hat die „Einlei-
tung" („Phonetisches — Ortoepisches") eine
gründliche Umarbeitung und nicht unbe-
trächtliche Erweiterung erfahren, wodurch
dieser Theil des Schriftchens hoffentlich
an Brauchbarkeit gewonnen hat. Die Um-
schrift des Wörterverzeichnisses sowie der
aus meinem Buche Germun proiiiDiciation
herübergenonimenen Texte ist einer ge-
nauen Durchsicht unterzogen worden.
Verlag von O. R. Reisland, Leipzig.
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Orosbherzo^l. Hess. Geh. Ohersehulrot, Direktor des
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Bogen A. B u. 1-68. (A bis Recre-.)
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I pold Gebhardt) in Leipzig erschienen
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Lesebücher , die an vielen Gymnasien,
Real- und Handelsschulen, Instituten und
, Konservatorien eingeführt sind , und die
|Sich, wie die Zahl der Auflagen beweist,
[ als vortreffliche Hilfsmittel zur Erlernung
I der italienischen Sprache bewährt haben.
I Dieselben sind durcli alle Ruchlinndlnngen
zu beziehen;
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II progettista.
Verlag von O. R. REISLAND in Leipzig.
Fr. Aug. Eckstein,
lateinischer nnd griechischer
Unterricht,
Mit einem Vorwort von
Dr. W. Scbrader,
Geh. Rog.-Roth und Curator der Universität Halle.
Herausgegeben von
Dr. Heinrich Hey den.
1887. 32'/» Bogen. Gr. 8. Preis M 9, — .
Zwei Lustspiele von Alberto Nota.
Mit deutscher Erklärung aller schwierigen
Wörter, Sprachcigenlieiten und Redens-
arten. Ein liBSebuch zur Erlernung der
reinsten italienischonKonversationssprache
für den Privat- nn>l Selbstunterricht sowie
für die liülier>ii IClassen der Gymnasien.
Fünfte durclic/esehene Auflage.
Broschiert 1 Mark oder 54 Kr. ö. W.
Armuth und Edelsinn.
Die Pagenstreiche.
Due coramedie di A, dl Kotzebue.
Colla traduzione dellc parolo men note c
di tutte le frasi appie di pagina. Un libro
di lettura ad uso degli studiosi della
lingua todesca. (Auch zum Gebrauche
für Deutsche als Uebersetzungs-Uebiing
ins Italienische geeignet.)
Quinta ediziiine.
Broschiert 1 M. 20 Pf. oder 70 Kr. ö. W.
Bei Einführung stelle ich dem be-
treffenden Lehrer ein Freiexemplar cur
Verfügung.
Verlag von Q. R. Reisland in Leipzig.
Die Aussprache des Latein
nach physiol. -historischen Grundsätzen
von
Emil Seelmann.
1885. Geh. M. 8.—.
Verantwortlicher Redacteur Prof. Dr. Fritz Neumann in Heidelberg. — G. Otto's Hofbuchdruckere: in Darmstadt.
'
LITERATURBLATT
FÜR
GERMANISCHE UND ROMANISCHE PHILOLOGIE.
liERAUSGKGEBEN VON
j)R. OTTO BEHAGHEL und D'^ FRITZ NEUMANN
o. ü. Professor der ^germanischen Philologpie
in der Universität Giessen.
o. ij. Professor der roraanisclien Pliilologie
an der Universität HeidelberL'.
Krscheiiit innnntlich.
VKKL.VG VON
O. R. RKISLAND, LEIPZIG.
Prein halbjährlich M. .5.
XII. Jahrgang.
Nr. 8. August.
1891.
Schönbach, Eine Grazer Hs. lutein.-deutscher R b n i s c h , Die Volsunffasaga {G o 1 1 h e r).
Predigten (Schniidti. lArthourand Merlin hrsg. von Kölbing (K a -
Besson, De tiebastiani Itrant sermone tBinz). j , luza).
Liesenber^. Die Stieger Mundart (B eh a gh e i>. ' E t u d e s r o ni a n e s dediees ä Gaston Paris
F r a u li e , Reinheit und Reichthum der deutschen ! fS u c h i e r).
Schriftsprache gefordert durch die Mundarten , X ä t e b u s , Die nie l.tlyrischen Strophenformen des
(Bchagbcll. Altfranzösischen iSuchier).
S 1 o e t , De Planten in het germaansche volksgeloof B o u r g o i n , Les maitres de la critique au XVIF s. Literarische Mittheilungen, Personal-
en volksgebruik (Kossmann^. | (Morf;. i nachrichten etc.
[ Bierbaum, Lehrbuch der ftanzösischen Sprache;
Methodische Anleitung (Breymann).
.S a I V i o n i , Xotizia iniorno ad un codice visconteo-
sforzesco (Wiesej.
II e n n i g s , Studien Zü Lope de Vega Carpio
(Stiefel;.
Bibliographie.
Schönbach, Anton E., Ueber eine Grazer Handschrift
lateinisch-deiitscher Predigten. Kestsclirift der k. k.
Kai-1-Frnnzens-Univer,*ität zur Jahresfeier am 1.5. November
1S90. Graz, Leuscliner & Lubensky. 189U. 142 S. 8.
Doppelt anregend ist die Gabe, die der Verfasser
liier bietet. Zunächst dm-cli die Mittlieilung-en aus der
dem Beginn des 14. .Jahrhunderts augehörigeu Hand-
schrift. Sie enthält lateinische Predigten mit iinter-
gemischtem deutschem Text. Z. B. Si autem non vis
cognoscere dominum in prima domo, hoc est in ecclesia,
von der lere, die du da hörest; si non vis in secunda
cognoscere dominum, hoc est in corde tuo, von den
tugentlichen genaden des heiligen gaistes, daz dich gut
manet ; si non in tercia domo, qua est beata uirgo, mit
den eru und mit dem dienst, des du ir schuldig bist; si
non in quarta domo, hoc est in mundo, daz du die tage,
di dir got in der werlde gegeben hat, nilit also eren
wil als got lobleich ist; ist daz du got nilit erchennest
in dem schulhaus, daz ist in dem vegfiuvver, ob iz lüht
bezzer molite werden, tune nunquam cognosces eum in
dein swebeuden hus, daz ist in dem liimelrich, sed
oportet, ut eum cognoscas in domo tenebrarum, hoc est
in Inferno. Manches sprachlich, stilistisch, literarisch
und antiquarisch Anziehende findet sich in den Stücken:
merkwürdige Wörter, hübsche Vergleiche und Anreden
an die Gläubigen, hie und da ein Gespräch, z. B. 1.32 c,
es werden verschiedene Verse und Sprichwörter ange-
führt, Geschichten erzählt, deren mehrere der Heraus-
geber aus französischen Quellen nachweist, Paris wird
auch öfter erwähnt. Citirt werden u. a. Vinceiitius
Bellovacensis, Magister Ludolfus in floribus grammati-
calibus qui dixit: otia dant vitia, Passionale, Seneca
(auch in Bertliolds Sermones ad Eeligiosos), Vergilius
(der mittelalterliche), philosophus (Aristoteles). Auf das
Griechische finden sich niaiiclierlei Beziehungen : das
Wort Karakteres kommt öfter vor, von einem rex
Graeciae wird eine Geschichte erzählt, eine Et3'raologie
von Juppiter versucht, wie bei anderer Gelegenheit von
Gott : Got , (juod consomim est ei, cjuod est 'guet' —
Aegisthos wird erwähnt und die Sirenen — 'canon'
graeee heisst es einmal, 'regula' latine — pyr und j'dor
(tivo, id(on) erklärt und mancia (jiKfTrin) — geomancia
a geos, quae est terra. Viel beschäftigen den Prediger
die beliebten carmina, cantilenae, incantationes. Beson-
ders ärgerlich sind ihm die histriones, die Spielleute:
expeUe, sagt er einmal, ribaldos, histriones et tibicines.
Die Predigten sind zum Theil gewiss von Berthold
von Eegeusbm-g, dessen Sammlungen oft angeführt
werden. Wahrscheinlich rührt der Hanptstock des
Werkes von ihm her. Im Anschluss an die aus dieser
Handschrift und dem in Frankreich damals üljliclien
Gebrauch sich ergebenden Beobachtungen stellt der
Herausgeber hinsichtlich der Ueberlieferung der Ber-
tholdischen Predigten Folgendes auf. Berthold hat stets
deutsch gepredigt. Seine Predigten wurden lateinisch
nachgeschrieben. Deutschschreibeii wäre den Zuhörern
zu schwer gefallen, während Latein, die Nachschreibenden
waren doch Geistliche, keine Schwierigkeiten bereitete
und das Gedächtniss damals wohl geübt war. So sei
es auch in Frankreich gewesen, das auf diesem Gebiet
für Deutschland ebenso anregend war als auf andern.
Berthold selbst hat bekanntlich auch lateinische Xieder-
schriften seiner Predigten veranstaltet. Alle diese Samm-
Inngen wurden im Lauf der Zeit umgearbeitet, erweitert,
verkürzt. Daher die grossen Abweichungen der Hand-
schriften und die Unmöglichkeit einen einheitlichen Text
und die ursprüngliche Ordnung der Predigten herzu-
stellen. Die deutsch-lateinischen Predigten nun seien
Vorarbeiten zu deutschen Bearbeitungen der lateinischen
Stücke, wobei manches auf den ursprünglichen Wortlaut
zurückgehn mag. Und alle uus in deutscher .Sprache
überlieferten Predigten Bertliolds seien aus den ihnen
entsprechenden lateinis heu Fassungen übersetzt oder
vielmehr bearbeitet. Diese deutschen Bearbeitungen
dienten zunächst dem Gebrauch von Predigern, dann
aber besonders der erbaulichen Leetüre wie die Samm-
lungen Eckliarts, Taulers, Hermanns von Fritzlar u. a.
Eeferent erlaubt sich auf eine Stelle in der Vor-
rede zu den Predigten des Priesters Kourad hinzuweisen.
Dort heisst es: Quapropter nee latinis verbis editum,
quod etiaiu magistrorum quaerit Ingenium, in idiomate
maternae linguae prorupi, quo facilius pateat legenti et
audienti eins intuitio. Wenn das Bedürfniss vorhai:deu
war die Predigten deutsch zu besitzen, kann das Xach-
schi'eiben nicht mehr gekostet haben als das Uebersetzen.
Gewandtheit in der deutschen Schrift, die um 1250 doch
nicht gar so wenig kann entwickelt gewesen sein, ist
in beiden Fällen erforderlich. Die Gedächtnissarbeit ist
19
259
1891. Litcraturblatt fQr germanisohe und romanische Philologie. Nr. 8.
2till
dieselbe, ob lateinisch oder dentscli iiaclig:esclii'ieben wird,
und die geistig'e Arbeit ist doch wolil g:eringer, wenn
man in der Jlutterspraclie nachsihreibt, besonders bei
Geistliehen, die sich darauf einübten deutsch zu predigen.
Der Verlasser sagt selbst im Anzeiger für deutsches
Altertimm 1884, 40: 'Ich halte es für sicher, dass alle
nns deutsch erhaltenen Predigten IJertholds auf diese
\Veise überliefert (d. li. nachgeschrieben) worden.' Und
8. 18 f. der vnriiegenden .Schrift spricht ei- auch noch
von deutsclien Xiederschriften, später freilicli nicht mehr.
Nach S. 25 wären die in Frankreich gehaltenen fran-
zösischen Predigten französisch niedergeschrieben worden,
wovon später nicht mehr die Rede ist. Uebrigens findet
sich in Koni'ads Predigten, die doch nicht nachgeschrieben
sind, gelegentlich auch Latein und l)enisch in einem
Satz. Doch über alle diese Fragen dürfen wir im letzten
Band des grossen Predigtwerkes unsers Verfassers er-
schöpfende IBelehrung erwarten. Und auch der latei-
nischen Predigten Bertholds sollte er sich annehmen.
Denn von denen, die sich bisher damit beschäftigt haben,
ist nicht viel zu erwarten. Mit Bertholds Stellung in
der (Tescliichte der deutschen Sprache ist es allerdings
endgiltig vorbei.
Wiederholt wird in den vorliegenden Stücken aut
Predigten eines Chnnradus verwiesen, der sich vorläufig
nicht bestimmen lässt. Auf der Wiener Hofbibliothek
findet sich unter Nr. 2350 (14. .lalirluindert) Conradus
frater ordinis praedicatoruiu Tra<tatus le intentionibus,
nnter Nr. 1575 (14. .Jh.) Clmnradus Speculum beatae
Mariae virginis. Nr. 573 (12. Jh.) Vitae alleniannisclier
Bischöfe, darunter auch ein Konrad, ob dies ein Prediger
war, weiss Referent nicht, endlich Nr. 3468 Caleudarium
in usum Minoritaruni.
Zum Text erlaubt Referent sich folgende Bemer-
kungen. S. 67, 4 eniendacionis vita nostre 1. vite.
70, 1 u. ego sciscito vos hodie ad iudicium oninipotentis
dei 1. suscito. 73 m. sine onniio iudici(( 1. omni. 74, 7 u.
in latino tantummodo volo iudicare: nach miuem ernst
und nilit nach niiner seufte. Damit vergl. 69, 3 Hec
postijuam dixeris in latino, iternm dicas in tlieutonico
77, 5 Hoc die in latino 107, 8 u. hoc die tanien (tan-
tum) in latino — die in latino tamcn. Danach ist oben
zu interpungiren: in latino tantmuniodo: volo iudicare
nach niinem ei-nst. .Sehnliche Stellen linden sich in den
vom Verfasser Anzeiger 1881, 393 aus einer andern
Grazer Handschrift mitgetheilten Stücken. Dort heisst
es: hoc die in vulgari et non in latino. et postea in
latino. tunc die ea similiter . . in vulgari sie: .Also spriclie
ich, beata virgo dei. Es scheint also nicht durchaus in
deutscher Sprache gepi'edigt worden zu sein. Vielleicht
geben die deutsch-lateinischen Stücke ein Bild der ge-
mischten Predigtwuise, die selbst in Abraham a St. Claras
Predigten noch sichtbar ist. 76 med. Vos debetis in ignem
infernalem, quod . . nuiuiuam extinguer(^ ])fltest 1. extingui
wie unten. Daneben wird der Wechsel von subter und
subtus nicht uisiniinglicli sein. 79 Nr. 10, 4 nota de
rnstico, (jui invo<al)it lovem 1. invocavit. 82, 4 multe
sunt rationes, que brevi sermone explicare non possunt
1. explicari. 83, 43 c illa vestit puerum, den blozzen
haubet, blozze seilten pauperum bedenchet 1. bedechet.
85, 51c (|Mia jiacieiis fuit nee recessit, deus enim quarta
ei nocte aiiparuit - enim zu streichen. 51 d rogavit
istuiii, nt projiter cum, qui ut liodie i)ertulit mortem in
cruce, sibi parceret — uf vor hodie zu streichen. 91, 85d
usque ad eamdaiii i|iiarlaiii liiieani l.eandem. Ib. 4 u. sie
fiiciunt ipse habendo fidem 1. ipsi. 93, 84 Seminat
pater semen bonitatis nie — 1. niee. 94, 90, 109 c De
imc reqnire in sermone 1. de hac materia wie 99. 95,
94, 6 rerum mundnnarum 1. nnuidanaruni. Ib. 8 u. Da
si troestet dein gemuet 1. Daz wie in den andern Sätzen.
98 m. chum zu staten paupere filie mee 1. pauperi. Die
Form iiauperus war damals wohl nicht üblich. Ib. 3 u.
nach tundit Komma statt Punkt. 104 m. cum quibus
solent curari das Konnna nach curari zu streichen.
10(i, 178b nota de animali oriolo 1. ariolo wie 109,
198b. 111, 235d stinnnt nicht vollständig mit dem
Citat S. 42. 113 ni. lenge deine, meer tuas virtutes,
churtze dein nntugeiule — nach deine fehlt vernuithlich
fugende. 115 m. dem ist da mit wol 1. den. 118 m.
1. seciindani turmani dueebat sanctus Petrus, 120,271c
st, iocundas 1, ioenndat. 129, 3 u. quod sunt gutte 1. ^
quot. 131, 4 secundum opus est — est zu streichen. '
133, 8 u. den got an sich gelet hat 1. an si und wohl
auch geleit. 136, 2 u. que sacerdotes facit 1. sacerdos. i
137 m. der nit ward verraten 1. rat wie 136, 12 u. I
Ib. 8 H. St. den menschen 1, dem, 140, 405b wird •
St. sonentes zu lesen sein sonantes, obwohl ähnliche
Formen vorkonnnen. 141 m. venimus und pflichten uus :
1. veniamus.
Wien. Johann Schmidt.
Besson, P., De Sebastian! Brant Sermone. Thcsini
propoiiebat raeultiiti litteiariirii l'aiisioiisi. Arsontorati, ex
typia sücietatis typogiiiiiliioiic Alsaticae. 1S90, 143 S, 8.
Jlit der Wahl seines Themas hat der Verfasser
einen guten tirifl' getliaii. Brants Stellung in der
deutschen Literaturgeschichte lässt ihn auch für die
(Tescliichte der Entwickelung der deutschen Sprache
wichtig erscheinen; so muss eine genauere Betrachtung
seiner Schriften iiianches interessante Ergebniss für die
deutsche Grammatik und Siiradigeschichte zu Tage fordern.
Dazu lagen scliuu verschiedene, zum Theil bedeutende,
Vorarbeiten vor in der trefflichen Ausgabe von Brants
Narrenschiff durch Zarucke, in den Arbeiten von Bahder,
Kluge, Socin, Gessler und andern. Diese scheinen «aber
merkwürdiger W^eise dem Verfasser der vorliegenden
Tliese ganz unbekannt geblieben zu sein — er gibt
wenigstens nirgends in seinem Buche einen solchen
Literaturnachweis -- ausser Zarnckes Ausgabe, die er
Wohl einige Male erwähnt, von deren Verwertliung man
aber im Verlauf seiner Arbeit nicht viel zu merken be-
kommt.
Man kann leider nicht sagen, dass Bessons Schrift
einen grossen Fortschritt auf dein behandelten (lebiete
bezeichne; nur vielleicht insot'ern, als er das bei .Viulern
etwas zerstreute ;\lateiinl näher zusammenrückt und
seine Untersuchungen auf dem Gebiete der Syntax etwas
weiter ausdehnt. l)och hätte sich gerade auch in Bezug
auf letztere aus Zarnckes Commentar noch iiianche
treffende Bemerkung ausziehen lassen.
Besson behandelt in vier Hauptabschnitten Laut-
uiid Formenlehre, Wurtbildung und Syntax der Sprache
Brants; ein Anliaiig bi'ingt einige kurze Beobachtungen
über des Dichters Stil und Verskunst. Die Metliode des
Verfassers ist keine lobenswerthe. Er durfte sich nicht,
wie er es meistens gethan hat, darauf beschränken, die
ortlicigraphischeii, lautlichen etc. Verschii'denhciten cdine
irginid eineil Eikläriingsversucli neben einander zu stellen;
dies fiilii't oft zu ganz niiriclitigeii Fassungen der Ivegt'ln,
deren .\usdruck vielleicht unter dem lästigen Zwange
der vorgeschriebenen lateinischen Sprache noch ungelenker
i
2ß1
1891. Litcraturblntt für gcrmnnische und romanische Philologie. Nr. 8.
262
geworden ist. Es handelte sich viclmelir darum, aus
den verschiedenen neben einander bestellenden Formen
die Bi-ant wirklicli zukommenden auszuscheiden. Ab-
weifliungen auf den jeweileu wiikenden Einfluss zurück-
zuführen. Dazu liiitte allcrdiniis die Heranziehung- der
lieutig-en elsassisdien Volkssprache eine viel intensivere
und tieferdringende sein müssen, als sie es in Wirklich-
keit ist. Das ist freilich ein Versäumniss, wegen dessen
man einem Franzosen keinen gi-ossen Vorwurf machen
darf. Aber auch eine weniger oberflächliche Betrach-
tung der Sprache des Xarrenschiffs selbst hätte bei
liistorischer Behandlung viel bedeutsamere Eesultate ge-
liefert. Es scheint eben, wie dies auch die zusammen-
fassenden Bemerkungen am Schlüsse jedes Abschnitts
erkennen lassen, dass Besson sich die Grundsätze der
heutigen philologischen Forschung noch nicht völlig zu
eigen gemacht habe.
Zur Illustration des Gesagten möge es uns gestattet
sein, einige Einzelheiten herauszugreifen. S. 16. ketjrjehi
{^= kegeln) darf nicht mit anrcyi/cii, heireijgen zu-
sammengestellt werden; im ersten Falle liegt wolil wirk-
licher I>iphthong vor, vgl. baseld. kaigl.i, während in
den andern Fällen die Schreibung eijg die spirantische
Xatur des <i andeuten wird. — S. 35: Aus all schisz
ist nicht auf eine unumgelautete Plm-alform scluisz zu
schliesseu, man vergleiche zur Erklärung Schweiz, all
ihti/ gegenüber dem regelmässigen Plural (/<>'//. — S. 95.
Der Satz: ..Deinde participiuni verborum Diiisse», sollen,
dürfen et aliorum cum infiuitivo verbi cujnscmnque con-
junctum, exitum oi, sublato praeverbio ge, exhibet:
Jeder rtjm hat sich muessen schniucleii" ist ein drastisches
Beispiel für die äusserliche Auflassung sprachlicher Er-
scheinungen. — S. 96 sagt Besson: ..dialectus ipsa quod
ad syntaxim attinebat, multo minus a sermone medü
aevi distabat quam quod ad alias grammaticae partes
spectabat"; ich hofl'e aber bald an anderer Stelle nach-
weisen zu können, dass auch in der Sj'ntax der Unter-
schied zwischen der mündlichen Rede und der geschrie-
benen Si)rache im 15 16. .Talu'hundert grösser war als
man gemeiniglich anuinnut. — S. 99 ist in den Sätzen:
^4ls diionf oiich die den Jr hoshej/t Gott lang uff
bessernng rertreit und Herodias jr dochter hiez das . . .
die Construction ganz falsch aufgefasst und darum für
die Annahme eines eigentlichen Dativ possessiv gar nichts
bewiesen. — S. 100 meint der Verfasser, in dem Satze
irann man eyn spöttrr uiirfft für thner sei der Artikel
vor fhuer ausgelassen, thuer ist vielmehr als Assimi-
latiiiu aus (/' thuer anzunehmen und darum nicht mit
Paul, lllid. Gramui.2 g 223, 1 zusammenzustellen. —
S. 101: Do man jn hoesz und guutes tueg. Wenn
man von wis und hübschen seit verdanken die Weg-
lassung der Endsilbe gewiss eher der Versnoth als einem
wirklichen Gebrauch der lebendigen Volkssprache. —
S. 116. In Und mach mir selbst ein tesfament Was
mir leijdt trürt noch mgnem dot ist was nicht auf das
Substantiv testament, sondern auf den ganzen vorher-
gehenden Satz zu beziehen.
Eine erneute genaue Untersuchung über die Sprache
Brants wird sich also immer noch lohnen.
Basel. Gustav Binz.
Liesenber?, Friedrich, Die Stieger Mnndart, ein
Idiom des Unteiliarzes, besonders hinsiolitlicli der Lautlehre
(larffesteUt, nebst einem etvniolofjischen Idiotikon. Göttnigen,
Vanilenhoeek & Rupreclit. VII, 225 S. 8. M. 4,.50.
Eine schätzenswerthe Stoft'sannnlung ans einem
interessanten Gebiete. Als besondere Merkwürdigkeit
erwähne ich, dass germ. th in Stiege überall anlautend
als Tennis erscheint — ausser in den Pronomiualstämmen,
welche die Media festhalten. Löblich ist, dass der Verf.
auch der Wortbildung seine Aufmerksamkeit zugewandt
hat ; von der Syntax w-eiss er so wenig zu melden, wie
irgend ein anderer Dialektforscher.
Als Musterbeispiele von Darstellungen einer Mund-
art nennt Liesenberg die .arbeiten von Regel und AVin-
teler. I^eider hat er sich dem Vorbilde des ersteren
angeschlossen. So sind wir z. B. ausser Stande zu er-
kennen, ob ein von ihm erwähntes e, o off'en oder ge-
schlossen ist. Und auch um die Gliederung und Beur-
theilung der Thatsachen ist es schwach bestellt. So
hat er füi' den Uebergang von i > e keine Regel zu
finden gewusst (S. 5) ; scheinbare Doppelentwickelungen
des gleichen Lautes haben ihn nicht beunruhigt ; er hat
nicht wahrgenommen, dass mehrfach die scheinbaren
Ausnahmen lediglich Lehnwörter sind.
Dass Text und Beispiele im Druck nicht unter-
schieden sind, ist sehr verdriessUch.
Giessen. 0. Behaghel.
Franke, Carl, Keinheit und Heichtbum der deutschen
Schriftsprache gefördert dnrch die Mundarten. Leip-
zig, Toubner. 142 S. S.
Franke hat eine beträchtliche Anzahl von deutschen
Mundarten, ziuual mitteldeutschen, in Bezug auf Wort-
schatz und ..Redebilder" durchgemustert und legt uns
nun seine reichen Sammlungen vor. die uns zeigen sollen,
welche Fülle von A\'örtern und Wendungen in den Mund-
arten lebt, deren Aufnahme geeignet wäre, die Ausdrucks-
fähigkeit und Anschaulichkeit unserer Schriftsprache zu
fördern. Der Stotf ist. was durchaus zu billigen, nach,
sachlichen Gruppen geordnet. Oefters sucht der Ver-
fasser auch sprachliche Erklärungen zu geben, wobei
freilich zu erkennen, dass seine sprachliche Schulung
„nicht weit her ist". Es kann keinem Zweifel unter-
liegen, dass die Bestrebungen Frankes eine gesunde
Grundlage haben, dass die in Folge der fortschreitenden
Einigung immer melu' verarmende Schriftsprache gilt
thut, aus dem reichen Borne der Mundarten- zu schöpfen.
In wie weit die Vorschläge Frankes im Einzelnen be-
rechtigt sind? Der Ausgang .gibt den Thaten ihre
Titel, sagt Goethe. Im Ganzen glaube ich, dass der
Schriftsteller schwerlich seinen mundartlichen AVortschatz
aus einer derartigen Sammlung schöpfen wird, sondern
er wird selber zu den Quellen hinabsteigen, wenn ihm
die Bedeutung der Sache klar geworden, wenn er er-
kennt, dass Andere vor ihm das Gleiche gethan. Es
wäre deshalb wohl nützlich gewesen, wenn Franke noch
ausführlicher dargelegt hätte, wie schon bisher die
Literatursprache bei den Mundarten in die Lehre ge-
gangen. Z. B. Wieland hätte hier nicht fehlen sollen.
Am meisten Glück dürfte Franke mit dem Hinweis auf
die zahlreichen guten Verdeutschungen haben, welche
das Holländische besitzt.
F. ist wohl nicht Soldat gewesen; sonst könnte er
unmöglich den Ersatz von Lieutenant durch Rotteuführer
empfehlen. Ahmarachen stammt doch wohl aus dem
Hebräischen ?
Giessen. 0. Behaghel.
263
1891. Literaturblatt für srcrmnniBolie und romanische Philolofrie. Xr. S.
2r, (
Sloi'l. L. A. .1. W. ßaron, De Planten in liet ger-
iiiaansclie volksgeloof en volksgebriiik. 'sOravonlmsc,
M. Nijlioff. ISiiO. !IS S. fl. 1.2.-).
In der Sfai- nnd .Tiininuminer des Gids IHHI er-
scliien ein grösserer Snniniclnufsatz 'Het volksgeloot' aan
liet bovi'nnatnurlijke in liet rijk der planten' von Uaron
Sloct (früliereni tieiieralgipnvcrneur von Niederl.-Iiidien
und Präsidciit-Cnrator der Leidener l'niversitlit 7 Ksi'U),
in \Vfl(lii-m eine reiche Auswalil aus den bekannten Sagen-
s;unnilnn;ren und pflanzenniytholnjriselien Forschungen für
das ffcbildete Publikum znsaniinenfretragen war. Die
Benutzung' ferner liegender Werke, wie des Dodonaeus
Herbarius. Kruijt en Bloendiof 1 W.i. und besonders die
ertalirnngreiclie botaniselie Vertrautheit des Verf.'s mit
den behandelten Pflanzen gaben dem Aufsatze einen be-
sondern Reiz. Die parallele Behandlung d'-r Tliierwelt
schwoll dem Verf. so über das Mass eines Zeitschrift-
artikels, dass er 'De dieren in het gerinaansclie volks-
geloof en volksgebruik' als 480seitiges Werk ('sGraven-
hage 1888) erscheinen Hess — leider, möchte ich sagen;
denn, ist die Behandlungsweise des Verf.'s dieselbe ge-
blieben wie im (üdsartikel, der Leser wird an ein solches
Werk andere Ansprüche stellen und wird zu viel oder
zu wenig darin finden (vgl. z. B. die Xaclitigall. die
auf zwei Seiten mit acht Marchenauszügen abgemacht
wird). Das hohe Alter hinderte den unverdrossen weiter
sannnelnden Verfasser an einer entsprechenden Umarbei-
tung seines l'tlanzenartikcls, und so gab er in dem vor-
liegenden Büchlein nur vierzehn (im Inlialtsverzeidiniss
ist der Weichselbaum S. 40 — 5(1 vergessen) 'Skizzen
merkwürdiger Pflanzen Hollands und der angrenzenden
Länder', die er ahnungsvoll seinen Schwanengesang nennt.
Sie umfassen Flachs, Hanf. Hanfwürger, Weiclisel,
Hopfen, Porst, Jlaiblümchen, (iänseblümchen, Bilsen-
kraut, Spindelbaum (Evonymus europ.), Johanniskraut
(Hypericum perfor.). Vergissmeinnicht. Hasel, Linde.
Gleichmassigkeit ist nicht angestrebt: während die Ab-
handlung übel- den Flachs (S. 1—42) äusserst breit an-
gelegt ist und die Geschichte der Leinwand, die Parasiten
des Flachses, die Baumwolle, die ganze Spinnerei practiseh,
literarisch und mythologisch in ihr Bereich zieht. werdeTi
beim Weichselbaum weder Sagen nocli (Gebräuche noch
literarische Belege, sondern nur (iescliichte der Kultur,
chemische nnd pharniazeutiscIieEigenthünilichkeiten (Haus-
recept für Maraschino!) aufgeführt, die Skizze über das
Vergissmeinnicht bestellt zu einem Drittel aus Citaten
aus Goethes Blümchen Wunderhold. Erfreulich in ihrer
Beschiiinknng ist die Behandlung der Linde: botanische,
litianzengeiigriiphische Notizen, zwölf ausführliche Belege
der Gerichtsliiide, meist aus (iiiinms Weistliiinieru (nach
dem Kegister, wo gegen liO Belegstellen angeführt sind),
sechs historische Linden, fünf Marienlegenden, fünf
Belege der Heilkraft aus der Volksmedizin. Für die
Gerichtslinde hätte der Verf. in der Vorarbeit eines
Landsnmnnes einen älteren Beleg finden können, als
seine ans deutsclien ((•uellen geschöiiften, die nicht über
das XIV. Jh. zuriickgelien: 'Acta sunt anno Domini
1270 in loco et sub tilia Timeren, coram viris idoneis'
(v. d. Bergh, Proeve van een kritisch woordenboek der
nederlandsche niythologie. Utrecht 1846. Artikel "heilige
wouden ). Hervorgehoben sei noch, dass S. 81 die
virga frngiferae arbnri decisa des Tacitus gegen Gi'inim
unil lliiltzmann auf den Haselstrauch gedeutet wird.
Dass diese harmiosen, ansprechenden Skizzen und
Notizen unter einem so umfassenden, iireführendeii Titel
berausgegeben werden sind, muss als ein bedauerlicher
Fehler bezeichnet werden, der den zahlreichen Bebauern
des Feldes Enttäuschungen zu bereiten geeignet ist.
Tiel. E. F. Kossmann.
I Uanisch, Wiltielu, Die Volsnnsasasa Nncli Bnggp?
Text mit Eiiilpitun? uml Glussar. Berlin, Mnyer & .Müller,
l^iltl. XVIII, 210 S. S. M. 3,G0.
In der Einleitung entwirft Ranisch eine Skizze des
Entwicklungsganges der nordischen Nibelungendichtung
bis auf die Vijlsungasaga, wobei er sich in der Haupt-
: Sache auf Jlüilenhoft" Zs. f. d. A. 10 u. 2:5 nnd auf
den Comnientar zu den Sigurjdiedern, der demnächst als
I Anhang zu DA. V erscheinen soll, stützt. Die alt-
1 fränkische Welsungensage umfasste die Geschichte von
Sigmund und Sintarfizzilo, von Sigfrid und den (iibicungen-
Nibelungen: aber was die Volsungasaga von OJjin be-
richtet, gehört sicherlich zu den nordischen Zutliateu
und darf nicht mit Müllenhotf in die altfränkische Sage
zurück verlegt werden (gegen diese Annahme vgl. auch
Synions, in Pauls (irundriss 11. 1. 24). Sigfrids Er-
mordung draussen im Wald kann allein in der alten
fränkischen Ueberlieferung erzählt worden sein; die
deutschen Quellen wahren hier entschieden den echten
Sagenstand. Der nordische Bericht von Sigurl)s Ermoi-
dung an Gul)rüns Seite im Bette ist Jünger und kam in
Island auf, weil es eben dort keinen Wald und keine
Waldjagd gibt. Ranisch glaubt, die Ursage habe von
Sigfiids Verlobung mit Brünhilde berichtet, welche dann
wegen eines Zaubertrankes gebrochen ward. Eine andere
Auffassung, die den Motiven auf psychologischem Wege
beizukonnnen sucht, aus denen der erste Schöpfer der
Sigfridsage sein Meisti-rwerk aufliaute. suchte ich zuletzt
in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung vom 1. März
18'jO S. 2 zu begründen. Ich kann mich nicht davon
übeizengen, dass ursprünglich eine auseinander gegangene
Verlobung und Zauber- und Liebestränke zur tragischen
Schürzung der so einfach und erhaben angelegten epischen
IlaMiUuiig Verwendet wurden'.
Der Text ist ein Abdruck von Bugges Ausgabe
der \'(dsungasaga, doch mit einigen Aendernngen in der
()rtliogra])hie, so i^' für ce, 0 für ü, 0 für w, z für sf
sk {Itafaz statt hafast, ha/ask), für ds und (T.-< Ferner
, ist überall p, nie f? verwendet, freilich etwas bedenklich
bei einer Quelle wie Vs. aus der Zeit um 12t^0. Es
ist aber jedenfalls gut, in Büchern, die Lehrzwecken
dienen, den deutsclien Studireiiden an die altisländische
Aussprache und Schreibart zu gewöhnen, um den Ver-
I wirningeii, welche die neuisländische Schreibweise in
sprachlicher und etymologischer Auflassung zumal bei
Allfängern anrichten kann, dadurch thunlichst vorzu-
I beugen.
] Das beigefügte Glossar (S. 80—212) ist fleissig
I ausgearbeitet, registrirt keineswegs bloss den Wortschatz,
i sondern legt das Hauptgewicht auf Darstellung des Satz-
baus. Besonders dein Anfänger leistet es überaus nütz-
liche Dienste und bietet ihm für alle schwierigeren
Stellen ausreichende Erklärung, weit besser, als dies
durch erläuternde Anmerkungen hätte geschehen können.
Bei den einzelnen Worten ist keine Belegstelle ans der
Vi Isungasaga angegeben, wohl aber für ausgehobene
und erläuterte Phrasen. Hie und da wird die Etymo-
logie durch Verweisung aufs Gotische berücksichtigt.
' I Vgl. nun nucli Synions in der Zs. f. il. I'li. 24, S. 30
lind S. :i2'.J
265
1891. Literatuiblatt für gornianische und romanische Philologie. Nr. 8.
266
Die alphiibftisclie Anordnung' trägt der Gewolinlieit
deutscher Leser Eeclinung: die Einreiliung von Casus-
formen mit Vokalumhiut neben der Nominativforni nnd
eventuell von Praeteritis neben dem Praesens erleichtert
dem Anfanger den Gebraucli. Durch das Glossar erfüllt
der Textabdruck wirklich seine Bestinmiung. für Lehr-
zwecke, für die erste Leetüre des Xordisclien zu dienen.
"Wimmers Glossar zum Lpesbog war dem Verf. bei Aus-
arbeitung- des seinigen Cluster. Wilkens Wörterbucli
z« seiner Ausgabe der Volsungasaga erleichterte diese
Aufgabe aber auch sehr wesentlich. Verwunderlich und
geradewegs als ein fühlbarer Mangel erscheint es dem
Eeferenten, dass Eanisch der bei Veranstaltimg solcher
Ausgaben üblichen Gepflogenheit nicht nacligekommen
ist. eine knappe, aber vollständige bibliographische Ueber-
sicht aller der Erklärung des betreffenden Denkmals
dienlichen Hilfsmittel und vorhergehenden Ausgaben dem
Leser zn bieten. Ueberhaupt erklärt die Einleitung
nicht einmal recht deutlich die Stellung der Volsunga-
saga als Literaturdenkmal, sondern will niu' auf den
Inhalt der nordisdien Xibelungendichtung eingehen. Eine
Einleitung wie die Edzardis zu seiner Uebersetzung der
Vijlsungasaga (Stuttgart 1880). wenn auch kürzer ge-
fasst. hätte meines Erachtens nur dazu beigetragen, dem
Buche einen grösseren Leserkreis zu verschaffen und den
Werth, den die becjueme Verbreitung des Buggeschen
Textes in Deutschland hat. um ein beträchtliches zu er-
höhen. Die Aufgabe, dem deutschen Leser einen deut-
lichen Begriff' von der Vs. beizubringen, wenn ihm einmal
doch der Text in die Hand gegeben wird, war umsimiehr
geboten, als "Wilken mit seinen Voibemerkungen ziu' Vs.
(1877) diese nicht in der richtigen Weise erfasst und
erfüllt hatte. So hat Eanisch die unserer Meinung nach
nützliche nnd nöthige Saclierklärung mit Absicht über-
gangen und sein Verdienst auf die Wiederholung von
Bugges Text und auf dessen sprachliche Auslegung ver-
mittelst eines guten Glossares beschränkt.
München. W. Golther.
Arthonr and Merlin nacli der Auchinleek-Hamisclirift nebst
zwei Beilagen lierausgegeben von Euo^en Kölbing.
(Alteniflisolie Bibliothek hrsg. von Eugen Kölbing. Vierter
Band.) Leipzig, 0. R. Reisland. 1890. CLXXXIX^ 504 S. S.
Als 'Abschluss seiner Ausgaben umfangreicherer
Stücke aus der Auchinleck-Hs., die mit Sir Tristrem
eröffnet, mit Amis and Amiloun und Sir Beves of Ham-
•toun fortgesetzt wurden', bietet uns Kölbiug in vor-
liegendem Buche eine Ausgabe der ältesten englischen
Version des romantischen Epos Arthour and Merlin, der
als Beilagen die beiden Gruppen der .jüngeren Version
und eine Probe aus Lonelichs Merlin folgen, welch letz-
teren KöJbing später vollständig für die E. E. T. S.
herauszugeben gedenkt. Wenn auch von der älteren
Version ein früherer Abdruck (von Tnrabull für den
Abbotsfurd Club, Edinbuigh 18.38) vorlag, so war der-
selbe doch nur wenigen Bevorzugten erreichbar; füi- die
Mehrzahl derer, die sich für me. Literatur interessiren.
ist wie für den Eeferenten der durch Kölbing nunmehr
allgemein zugänglich gemachte Text gleichwerthig mit
einem Ineditum. Was die Einrichtung der Ausgabe
anlangt, so ist des Herausgebers peinliche Gewissen-
haftigkeit in der Wiedergabe der handschriftlichen Lesung
und die unermüdliche Sorgfalt, mit der er in Einleitung,
Anmerkungen und Crlossar alle das Gedicht als Ganzes
oder einzelne Stellen betreffenden Fragen zn lösen und
das Verständniss desselben nach allen Ei<htungen hin
zu fördern bestrebt ist, so allgemein bekannt, dass ich
dies nicht tür das vorliegende Buch nochmals nachzu-
weisen brauche. Es genüge zu sagen, dass es sich den
oben genannten Ausgaben von Texten der Anchinleck-
Hs. nnd dem vor kurzer Frist erschienenen Ipomedon
würdig an die Seite steUt. Ein kurzer Ueberblick über
den Inhalt des Buches mag die Eeiclihaltigkeit des
darin tTebotenen erkeimen lassen.
Kapitel I der Einleitiuig (S. IX — XXI) gibt uns
Auskunft über die vorhandenen Handschriften und Aus-
gaben und enthält zugleich ein recht langes 'Sünden-
register' des Turnbullschen Abdrucks, wie auch die Zu-
verlässigkeit der von Wheatlej* besorgten Ausgabe der
englischen Prosaversion dnrch die von Kölbing mitge-
theilte Collation eines Abschnittes derselben sehr in
Frage gestellt wird.
''in Kap. II (S. XXI— LX) behandelt K. die Sprache
und Metrik von Version A. Gar manches Interessante
und Xeue finden wir hier hervorgehoben, so vor allem
die sonderbare Willkür in der Pluralbildung der Snb-
stantiva, das Durchreimen von vier, sechs oder mehr
Versen, das relativ häutige Vorkommen von Assonanzen
und vokaUsch unreinen Eeimen, die eigenthümUche Xach-
stellung der Bindepartikel and etc. Die vorkommenden
Alliterationsformeln sind nach dem altbewährten Schema
zusammengestellt. Der Dialekt des Credichtes ist, wie
aus K.'s Darlegung mizweifelhaft hervorgeht, der ken-
tisclie. Auch die erwähnte Xaclistellung von and scheint
mir eine specifische Eigentliümlichkeit von Kent zu sein,
denn sie begegnet ziemlich häutig in Gowers Confessio
Amantis, z. B. II, 229: To Lichoniede and forth they
wente; II, 233: To Lichoniede and than he preid4;;
II, 295: Of faierie and sore htm dradde; 11, 298:
Unto his wife and thiis he saide etc. etc. Bei Chaucer
scheint übrigens zweimal dieselbe Stellung vorzuliegen:
B. D. 770: Ä>: to nuj lorde and dkl homage nnd
C. T. D 1550: FhI pncihj and ronned in his ere.
Was die Pluralbilduug der Substautiva anlangt, so ist
es ja klar, dass hier im Vergleich zu anderen Denk-
mälern eine grössere Freiheit herrseht; nur ist mir ein
leises Bedenken aufgestiegen, ob diese Freiheit nicht
vielmehr auf metrischem, als auf grauuuatischem Grebiete
liegt, d. h. ob nicht neben manchen anderen Incorrect-
heiten des Eeims (vgl. S. XXXVI f.) auch die besteht,
dass ein überschüssiges s für den Eeim nicUt in Betracht
kommt, dass also z. B. wallen : alle 1473 u. ä. ebenso
für einen zulässigen Eeim gilt, als lange : Coruanges
6779; singel: fling(i 7931; bridel : ride 4937. 5701;
luiked. : take 7097: gspousei. : preriotise 4473, nnd dass
in alle cur wen : cnn 4315 und ähnlichen Fällen ebenso
vokalisch uni'einer Eeim vorliegt, wie sicher in euerich
man : ten 4857 und hors and man : ten 4955. In der
Verbindung to pe top {: sop) hätten wii- dann noch den
unumgelauteten Dat. Plur. (ae. topum) zu erblicken.
Etwas Sicheres hierüber wird sich allerdings erst sagen
lassen, wenn jemand einmal sich der nicht undankbaren
Aufgabe unterziehen wollte, der Plnralbildimg der Snb-
stantiva im ganzen Verlauf der englischen Sprachge-
schichte eine Specialuntersuchung zu widmen.
Von grosser Wichtigkeit für die englische Literatui'-
geschichte ist Kap. III 'Der Verfasser von Version A'.
Zwar ist es K. nicht gelungen, über die Person des
Dichters etwas Genaueres zn ermitteln; aber — und
schon dies ist ein gi-osser Grewinu — er hat in unan-
fechtbarer Weise dargethan. dass der Verfasser von
20
2tj
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philolof^ie. Nr. 6.
or.s
'Avihiir aiiil Sli-rliii' auch 'King Alisaiiiider* nnd 'Richard
Coeiir-de-Lion' gesiliriebcii hat. In spraclilichen und
metrisclien Eig-enthiimlichkeiten, in Phraseolog-ie und
.Stilistik stimmen diese drei Gedichte in der Tliat so
auffallend üherein. dass ein Zweifel an gleicher Ver-
fasserschaft kaum aufküHunen kaun, und es liesse sich,
Wenn es niithig- wäre, zu dem von K. angeführten reichen
Jlaterial noch mancher charakteristische Zug, den die
drei Gedichte mit einander tlieilen. hinzutügen. Wir
erhalten hei dieser Gelegenheit auch über Dialekt,
Metrik und Stilistik von King .-Misaunder und Richard
durch K. die erste sichere Auskunft. Fraglich bleibt
es nur noch, ob wir auch, was K. nahelegt, die von
Weber herausgegebene Fassiuig der Seven Sages dem-
selben Verfasser zuzuweisen haben. Da ich beabsichtige.
Von dieser Version eine neue kritische Ausgabe zu ver-
anstalten, werde ich noch Gelegenheit haben, auf diesen
Punkt zurückzukommen.
Höchst interessant und für die so verwickelten
Fragen nach dem gegenseitigen Verliältniss der ver-
schiedeneu Hearbeitungeii der .Merlin-Sage von Bedeutung
ist Kap. IV 'Literaturgeschichtliches' (S. CV— CLXXXIX).
Die unmittelbare Quelle von Version A sieht K. in einem
französischen Prosaromane; über die Thätigkeit des eng-
lischen Bearbeiters spricht er auf S. C'LI f. Besonders
erörtert der Herausgeber sodann das 'Verliältniss der
Jüngeren Version zur älteren', eine Frage, die aucli für
andere Romanzen von Wichtigkeit ist. Als Eesultat
ergibt sich (S. CLXXl), dass der Verfasser der jüngeren
Redaction eine, mit der Auchinleck-Hs. allerdings nicht
identische, Handschrift der älteren Fassung vor sich
gehabt, diese aber selbständig umgearbeitet hat. In
einem .\nhange gibt K. recht dankenswerthe text-
kritische Bemerkungen zu einem Tlieile der französischen
und der englischen Prosaversion, von deneu namentlich
die letztere gar sehr der Besserung bedürftig ist, und
handelt endlich von der Quelle von Lonelichs Merlin-
epos und der englischen Prosa. Beide gehen, wie K,
nachweist, unabhängig von einander auf denselben fran-
zösischen Text, die Prosaauflösung von Robert de Boron's
Epos zurück.
Es folgen sodann die drei Texte: I. Arthour and
Merlin nach der Auchinleck-Hs., 9938 Verse (S. 1--272):
II. Die jüngere Version, und zwar die beiden Gruppen
L (PH) und D, so weit letzteres reicht, parallel ge-
druckt, 2492 resp. 1278 ^■erse (S. 273—370) und
III. die ei-sten 1(538 Verse des Merlin von Lonelich tlie
Skinner (S. 371—408).
Die .Anmerkungen (S, 409 — 429) sind etwas knapper
als sonst, aber völlig ausreichend, um irgendwie dunkle
Punkte des Textes nach Möglichkeit aufzuhellen, zumal
als weiteres, vortreffliches Hilfsmittel hierfür das bei-
gefügte Glossar (S. 448— öd 1) dient. Wenn auch der
grosse rmfang der Texte nidit. wie bei dem trefflichen
Glossar zum Sir Tristrem, die .Anführung säuniitiichei'
vorkonnuenden Wörter gestattete, so zeichneu es doch
dieselben \'ürzüge aus, wie jenes: absolute Zuverlässig-
keit der Citate und strenge Sonderuug der verschiedenen
Bedeutungsnüancen eines Wortes, ein Punkt, dem sonst
nur Von Mätzuer Rechnung getragen worden ist. Mit
der -Auswahl, die der Herausgeber getroft'en, wird man
sich im .Allgemeinen einverstanden erklären müssen. Hin
und wieder könnten wir ein Wort entbehren, so z. B.
's»ii[i, Schmied'; seltener habe ich trotz vielen Nach-
schlagens etwas vermisst, so z. B. fiiu/hf ,Adj. tapfer.
tüchtig 3480; hellte Stiel (einer .Axt): mnivl Nabel
5981; (juen in der Bedeutung 'altes Weib, Hure' 753.
757. 1002. Bei doke 4138 ist wohl als Bedeutung
'Ente' (durl) statt 'Taube' einzusetzen.
Zum Schluss sei es mir gestattet, eine Reihe von
Einzelbemerkuugen zum Text und zu den .Anmerkungen
namentlich von Version .A beizutügen. die vielleicht hie
und da zur .Aufklärung mancher noch dunkel gebliebenen
Stelle beitragen werden: 335 f. Dieselbe ironische Aus-
drucksweise ttnden wir K. Alis. 1764 f. 1804. 1839 f.
2927 f. 3351 f. etc. — 5G5. Zu He hat Itis ßst and
his elhoire als Zeichen des Zornes verweise ich auf
W. Scott, The Lay of tlie Last .Minstrel VI, 7: Stern
Riither/ord rujlit Utile ,<«/(/, Buf bil his (jlove aiid
shook his head mit der Anmerkung: To bite the thnmh
or the (jloce seeins not to have been considered lipon
the Border as u yesture of roiitempt, thoiigh so tised
by Shdl-etipeare [Rom. Jul. I, 1|, but as a pledije of
inortal revenf/e etc. — 645 f. In Betreft' der damaligen
Anschauungen über den Fall der Engel ist Cursor Mundi
491 ft'. zu vergleichen. Die .Anhänger Lucifers fielen
danach verschieden schnell, bis, wie es in unserem Ge-
dichte heisst, 'unser Herr sagte: Halt! So (d. h, an
dem Orte, an dem sie sich in jenem .Augenblicke be-
' fanden) blieben sie für immer (behielten sie ihren stän-
digen AVohnsitz); vgl. auch D 693 — 7u6. — 682 — 684.
hem ist richtig, denn es ist die ganze Familie gemeint.
j — 994. hviniriif 'Hebamme' möchte ich von hone
I 'Sorge, Angst' 566 u. ö. ableiten, also entsprechend
] dem deutschen Ausdruck 'Wehmutter'. — 1381 ßne
' Druckfehler fiir ß'ne. — 1531 arered mip wird ge-
stützt durch reconereil mi^t 1650. — 1641. Toheii ist
absolut gebraucht 'dies ist ein Zeichen, dass'. wie 4315:
I Pe best cunseil Jml ij am und t'liaucer Troil. I, 995 u. ö.:
Ensample irluj. — 1855. Die Wiederholung And per
faujt Vterpendragon, Faii^t per as n wjile li/onn
: will mir recht gut gefallen und war vielleicht vom
Dichter beabsichtigt; vgl. Einl. S. XXXIX ff. — 2198.
Of kni'^les scheint mir abhängig zu sein von best; 'die-
jenigen, die man als die Besten unter den Rittern
kannte, sollten au jener Tafel sitzen'. — 2558. present
ist wohl ironisch zu fassen. Die Todesbotscliaft wird
als böses Geschenk bezeichnet, — 2619. 'die anderswo
zur Erziehung waren', wie auch das Glossar angibt. —
2772. //( spoHSK 'in der Ehe' ist richtig; vgl. C. M.
3403: Jiof Y.-onoel he iioght o spus {:eriis); 3907 f.:
(^nat of his wiiies liiin in spus And irnt uf band-
ivimmen in hns. — 2820. anil kann stehen bleiben.
lind ul piny -^ and all, worüber zu vergleichen Engl.
Stud. XIII, 487. - .3059 — 64. Wie K. Einl, S. LXVIII
hervorhebt, ist diese Stelle von dem Dichter des Lib.
Desc. 1303 ft'. nachgeahmt worden. Ich hätte also auch
den -Arthur and Mei'lin unter den ihm bekannten Ge-
dichten aufführen müssen, zumal auch sonstige Ueber-
einstimmuugcn sich finden und insbesondere der Name
des Ritters Claudas Lib. Desc. 1031, den ich damals
nur aus Malory belegen konnte, gewiss aus Arth. a. M.
21(;9. 3492 etc. entnommen ist. — 3187. tprul ist
wohl die richtige Form der Interjection, da auch bei
Böddeker P. L. VI, 230 /y^ro/ steht. — 3399. (/roHj
/'/ half 'nahm bei Seite' = Lo. 317 'iook . . on side' ■
kann ich zwar aus anderen Texten nicht belegen, aber
in unserem Gedichte wird /)(/// sehr häufig = 'Seite'
gebraucht in den Verbindungen ut his ri'^t half G513;
n left hall und a rijl 4897; n sonpe half 8745:
269
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Xr. 8.
270
anoper half 4331; at pe oper half 6514; on aiper
half 9126; in ich half 8965; a bope half 4882; ja
sogar on alle half about he smot 4825, wo doch mehr
als zwei Riclituiigeu gemeint sein müssen. — 4454. Wie
ans der Vergleiclmng von oxercarked 5941 hervorgellt,
liegt in der Schreibung soure carked 'bitter bekümmert'
volksetymologische Deutung des Kopisten vor statt des
ursprünglichen surcarked ^= afz. surchargie 'überbürdet'.
Demgeniäss ist auch surcarhituj 3945 mit Recht als
ein AVort gedruckt worden = 'Ueberbürdung, übergrosse
Bedrängniss". Bei dem Bedeutungswechsel von cark;
carkeii (afz. charf/e-, cliargier, cavgier) 'Last, Bürde';
'beladen, belasten' zu 'Kunnner'; 'bekümmern' ist wohl
ebenfalls Volksetj'mologie mit im Spiele in .Anlehnung
an care, mit dem beide Wörter gern alliterirend ver-
bunden wurden; vgl. carke and care Sq. 1. deg. 924;
carked icith (in) care C. M. 5653. 13747. 23994.
24233. Das früher angesetzt"^ ae. Etymon cearc, cear-
cian ist unbelegt und die Herleitung aus dem .\ltfran-
zösisehen wohl sicher; vgl. Stratmann-Bradley und Cent.
Dict. s. v. — 4851. Der Artikel vor ten ist hier er-
forderlich, wie z. B. 6672. 6674. — 5084 tf. pre
pOKsand ist gemeinsames Object sowohl zu met als zu
lei/d to grounde. Die Stellung ist freilich sonderbar. —
5093 f. Für Ahjate ist wohl Alägafe zu schreiben, wie
noch heut der betreft'ende Stadttheil von London heisst.
— 5237. HalFs Deutung von pern hei -- kern-hel =
afz. crenelle 'Schiessscharte, hier übertragen auf den
Schlitz in der Eüstnng, der dm-cli das Emporheben des
Armes verursacht wird' ist unhaltbar. Die Einschiebung
eines /; mitten in einem einfachen Worte wie afz. cre-
nelle = me. kernel wäre unerhört, nocli unerhörter der
Bedeutungsübergang von 'Schiessscharte' zu. 'Schlitz in
der Rüstung'. Ausserdem ist schon im vorhergeliendeu
Verse gesagt, dass Gvinbating die Lanze purch pe
hauberk felefold gestossen hat; er kann sie also nicht
noch durch den 'Schlitz in der Rüstung' treiben. Endlich,
und dies führt uns zugleich auf die richtige Spur, ist
der bestimmte .\rtikel hier ebenso wie im vorhergehenden
Verse nicht zu entbehren. Wir haben also p als Artikel
abzutrennen und dann bleibt noch übrig ern-hel = erm-
hel = ne. aniihole 'Achselhöhle', was ausgezeichnet
passt. — 5459 f. norp für ursprüngliches bise mag
schon vom Dichter herrühren, denn derselbe Reim norp :
sop steht auch 4571 f. — 5555. j«/ scheint als Verbum
zu beiden Subjecten zu gehören: His treupe per-to [sc.
jrt/] pe kini/ Ban And per-to ^af Leodegan. — 6135.
Sollte nicht conire-o^an eine hj-bride Bildung sein, wie
cite-toun 1643, wonder-mervaile 9186 und ähnliche, von
Kölbing zu Ip. A 127 angeführte Verbindungen. Es
wäre dann zu übersetzen: 'Sie hielten tapfer aus {helden
gode) gegen Saphiran'. — 6499. Durch Einsetzung von
casfel wird der Vers zu lang. Kann nicht trist auch
Subst. sein, 'fester Platz, Veste'? — 6509. K.'s Auf-
fassung der Stelle ist jedenfalls richtig; wir bleiben aber
der Ueberlieferung am nächsten, wenn wir wich für wij)
lesen {ir für iih steht oft in unserem Gedicht), also:
'Leodegan beobachtete, welche Ehre alle Andern dem
König .\rtus erwiesen'. — 6547. pouand halte ich hier
nicht mit dem Glossar für 'Sklavin', sondern ebenso wie
4505. 3914. 7025. 4493 für falsche Schreibung von
pousand. Tausend solche, wie ich es bin, könnten dir
deine Hilfe etc. nicht vergelten, sagt Gveneour zu Artus.
— 6817. Eine Aenderung ist hier nicht nöthig. Als
icho seyt = 'quasi dicat'. 'wie wenn jemand sagen wollte';
vgl. Engl. Stud. XIII, 492. — 6824. Ist vielleicht toj)
füi- top zu lesen? — 6879. hontege in Verbindung mit
crge sielit mir mehi- wie ein Verlium aus, das ich aller-
dings nicht belegen kann. — 6926. Wir können auch
grene als Snbst., roume als .A.dj. auft'assen (vgl. Lib.
Desc. 122), 'auf einer sehr geräumigen Au'; dann ist
eine Umstellung nicht erforderlich. — 7094. j//" [wej
wel gioine, do we now bet; 9309 pat [he] nist whut
he mi^t do. Vielleicht liegt hier eine Attraction des
Subjects aus dem einen in den andern Satz vor, wie
814 f. pat sehe hir laid dann to slape Ar [sc. sehe]
hir dore and hir fenester Hudde gblisced etc. —
7115. pat he to grounde [fei] plat pere-, 9072 Jiat he
[fei] plat. Die Einschiebung von fei in diesen zwei
Versen wird zwar gestützt durch 9835: pat he aplat
fei of his stede. Aber es wird platten sicher intransitiv
gebraucht 9913: wip his sextene put on hein plat. —
7286. Könnte nicht fresche 'frisches Fleisch' dem 'ein-
gesalzenen Fleische' (seit) gegenüber gestellt sein? —
7554. faunfail Druckfehler für saunfail. — 7648.
conquerre wird afz. auch intransitiv gebraucht, 'tapfer
kämpfen'; vgl. Bei Inc. 5136: Cor moidt entent apres
conquerre. — 7929. Ueber do bi rede (eoiuiseil) vgl.
meine Bemerkung zu Lib. Desc. 880. — 8098. Statt
des unverständlichen drein ist aus 7867 der Xame der
Brücke Brian einzusetzen. Der Reim ist so auch in
Ordnung, vgl. o-^an : man 133 etc. — 8438. lest ist =
list 'Ohrläppchen, Ohr', eine Bedeutung, die an unserer
Stelle sehr gut passt; vgl. Chaucer C. T. D 634: Bg
god, he sinot me ones on the list, That of the strook
mgn ere wax al deef. — 8459. Die Wortstellung der
Hs. ist beizubehalten, aber nach 8462 und vor 8463
Anführungszeichen zu setzen. Es fragt zuerst Gawein
den Ritter: ..Kennst du vielleicht die Dame, die all
diesen Schimpf erduldet?" — „Gawain", antwortet dieser,
„wahrhaftig, sie heisst Belisent etc." — 8479. .4?»
Iiepen sirain kann stehen bleiben, wenn wir darunter
nicht den König, sondern einen andern Heiden verstehen.
— 8495. Die Hinzufngung von of ist entbrhrlich; 'sie
Hessen die 500 Heiden nicht entkommen, keinen von
ihnen'. — 8618. Für bitoire ist wohl bistotced einzu-
setzen. — 8673. after pat her armes bar 'je nachdem
ilu' Wappen es anzeigte, je nach ihrem Wappeu' stellt
sich zu after pai wäre 6520 'je nach ihrem Range'. —
8914. Für gostes statt godi^s spricht auch d^r bestimmte
.Artikel. — 9103. K.'s Einschiebung So pai gnn f-^t
[more] and lasse ist auf den . ersten Blick sehr be-
stechend, aber ich glaube doch, dass lasse liier Infinitiv
ist = 'losschlagen, zuhauen', wie z. B. 7584. 8255.
9263. 9783. — 9729 f. Es scheinen hier die Versaus-
gänge in der Vorlage defect gewesen zu sein \md der
Schreiber hat sie falsch ergänzt. K.'s Herstellung der
Reimworte ist gewiss richtig; wir bleiben aber der
Ueberlieferung näher, wenn wir her in den ersten Vers
setzen: We moten he[r lendej etc.
L. 422. for love of sir Vortiger kann einfach
heissen: 'um des Vortiger willen'. Es ist hier love
ebenso vox media wie sonst grace oder hope, die auch
von unangenehmen Dingen gebraucht werden können.
Lo. 273. our entspricht dem folgeudeu owthir,
'entweder . . . oder'. — Lo. 343. on almesse of bred
'ein geschenktes Stück Brot'. — Lo. 603. conceyued
ist vielleicht verschrieben für deceyved, 622. 669. —
Lo. 1108. iwgs scheint verschrieben zu sein im juise
'Gericht'. Dann ist die Einsetzung von juggement nicht
271
1891. Literaturblatt für germanifiche und romanische Philologie. Nr. 8.
272
uötliig. — Lo. 1387. Btif a prestis sone of ^owre he
is, 'er ist der Sohn eines von euren Priestern'. Die
Constnu-tiiin ist also dieselbe wie in a frieml of i/ours,
die ^V^lrtstl■lIung, wie in: pv /iiii(/cs iloiijter of Al-
inaytie.
Dem Heransgeber ist der Dank aller Facligenossen
tür die vortret'fliclie Ausgabe eines so wichtigen Denk-
mals gewiss.
Königsberg i. Pr. Max Kaliiza.
Ktudes romanea dedifes ^Gasten Paris Ic 29 decenibre
IHOO (25' nnniversnire de son doctorat hs lettres) par ses
i'düvcs fran^ais et ses elevcs ötraiiffcrs des pays de languc
frangaise. Paris, Bouillon. 1891. III, 552 S. S.
(iaston Paris hat nicht nur durch bahnbrechende
Werke auf den Gang der franziisischen Philologie in
den letzten .Jahrzehnten bestimmend eingewirkt, er hat
auch als akademischer Lehrer einen Samen ausgestreut,
der, auf günstigen Boden fallend, der Wissenschaft schon
eine reiche lernte gegeben hat und eine noch reichere
zu geben verspricht. Dem Beispiel der Schweden, die
ihm vor zwei .Jahren einen Band widmeten, folgt nun-
mehr die stattlichere Zahl der franziisischen Gelelirten,
die ihm ihre Ausbildung verdanken, um ihm zu seinem
2.5 jährigen Docturjubiläum einen reichhaltigen Band ge-
diegener Forschungen ehrerbietig zu überreichen. Onumt
S. 1 gibt ein Verzeichuiss der franz. Handschriften des
Königs von England lieraus, die sich im Anfang des 1(5.
.lahrhunderts auf Schloss Eichmond befanden. Huet 51
publicirt ein französisches Minnelied, das uns auch in
einer zweiten Bearbeitung erhalten ist, die, wie das
original, noch dem 13. Jahrliundert angeliört. Bedier
23 charaktcrisirt geistvoll das älteste erhaltene Fablel
von der ineitcstrel likheiit, das er auf Grund einer
historischen Anspielung ins Jahr 1159 setzt, und knüpft
daran Betrachtungen über die Anfänge der Fableldich-
tung. Monod 33 macht wahrscheinlich, dass die Annales
Laurissenses minores von einem angelsachsischen Mönch
in Lorsch geschrieben sind und von da aus weiter ver-
breitet wurden, besonders nach Fulda, wo man sie in
die vielbenutzten Annales Fuldenses aufnahm. Courayc
du Parc 43 gibt fünf dem Volksmunde entnommene
Lieder aus der Basse Xormandie heraus, die zum Tlieil
schon in andern Fassungen bekannt waren. Kaynaud
51 zeigt, dass der Arlecchino, bei Dante Alichino, auf
dii' altfranzösische inaisiiice llerlctjuiii und dass letzterer
Name auf einen Grafen Hernequin (i. e. lohannes parvus)
von Boulogne zurückgeht, der im 9. .Jahrhundert lebte
und im französischen Volksepos besungen war. Sepet
ii9 möchte Adams .Jeu de la feuillee als folie dramatique
bezeichnen, nicht nur mit dem Maifest, sondern auch mit
dem Narrenfest in N'crbindung bringen, das zuweilen am
Tage des Maifestes gehalten wurde, und für eine Vor-
stufe der Sotie ansehen, der das Stück durch die Be-
tonung der Satire und das Zurücktreten der Handlung
sich nähert. Das von Jeanroy 83 herausgegebene Ge-
dicht versetzt uns in die Verhältnisse von Arras kurz
vor 1270 hinein und gibt nach manchen Seiten will-
kommene Aufschlüsse, nach andern freiliih neue Räthsel
auf. Langlois 97 theilt Bemerkungen Fauchets mit
über marmouset, feminie, (.'aoursins u. A. Vielleicht
wäre ein Auszug genug gewesen. Piaget 113 berich-
tigt die Datirung der zwischen Jean de Montreuil,
Christine von Pisan, Gontier Col und Gerson über den
Kosenrcpiiian gewechselten Streitschriften. Thomas 121
weist auf den heiligen N'idianus hin, der zu Jlartres-
Tolosanes (H. Garonne) verehrt wird und spätestens
1764 mit dem sagenberiihmten Neffen des Uuillaume
d'Orauge identificirt wurde. Grand 137 gibt den histo-
rischen Connneiitar zu einer auf die .luristenfacultät von
Montpellier bezüglichen provenzalischen Urkunde von
133(i. Flach 141 hat taktvoll das Geleitswesen in den
Chansons de geste zum Gegenstande gewählt, dessen
wesentliche Züge nach seiner Ansicht sich im Lehens-
wesen fortsetzen, und bespricht, anknüpfend an die alt-
germanische Blutsbruderschaft, die Begriffe der Sippe,
viaisHice und WatVeiibrüderschaft auf Grund der Chan-
sons de geste. Pages 181 diuckt einen catalanischen
Text der auch in drei provenzalischen Handschriften
erhaltenen Version des Enfant sage. Constaus 195
theilt zwei Stellen des Roman de Troje nach 21 Hand-
schriften mit, und versucht auf Grund der Varianten
eine Klassitication. Wilmotte 239 edirt eine unvoll-
ständige Prosaübersetzung der Disticha Catonis in der
Mundart von Xamur aus dem Ende des 13. Jahrhunderts
und fügt werthvoUe Bemerkungen hinzu; doch sollte er
nicht hier das älteste Beispiel von visL-cir vermutheu,
da sich das Particip viskeit schon im Hiob (Dial. Greg.
355, 40) findet. Salmon 253 gibt französische Rezepte
aus Cauibrai ans der zweiten Hälfte des 13. Jahrhuinlerts
heraus. Das /7s des ersten Satzes ist doch wulil ein Ver-
sehen des Herausgebers. Dieser hat auch nicht gemerkt,
dass sich im Text oft Verse ungesucht einstellen , also
die Prosa aus Versen aufgelöst ist. So Nr. 4: S'en
le teste aves nunglsoii, Blechie rar ou yratison,
Semcnvhe iVortic prendea, Trililes le et cn ein iiietcfi;
Le cief eit faites hien froter. Sablon de riviere
Oll de mer Preiidi's civoec jus de cresson Et
craisse d'aue u de chapoii, Et en faites un onge-
iiioif, Si en oiignih le cief sourent. Hier habe ich
einige Aendcrungen angebracht, doch nur ein Reimwort
(mer) ergänzt. Andere Rezepte, z. B. Nr. 40, sind in
tadellosen Achtsilbneru überliefert. Taverney 2()7 zeigt
dass lat. fj im Rumänischen zu /s, nur vor ö (und ii)
zu tsli geworden ist. Eine physiohigischc Erklärung hat
er nicht versucht; sollte nicht der labiale Vokal das ts
labialisirt d. h. in tsli verwandelt haben? Ausserdem
wird das Schicksal von TiIhih im Rumänischen besprochen.
Jorct 279 behandelt die Legende von der Rose bei
Romanen und Germanen. Hinzufügen lassen sich einige
Legenden in Brewer's Dictionary of miracles (London
1!S84) 8. 572; ausserdem die von Patricius, der, über
das Meer schreitend, an jeder Stelle, die sein Fuss be-
rührte, eine Rose schwinnuen sah. Havet 303 theilt
werthvolle Beobachtungen mit über den Abfall des s in
der lateinischen Poesie bis Catull. Bonnardot 331
gibt drei Texte in Metzer Mundart heraus mit literarischer
und iiliiinetischer Einleitung, französischer Uebersetzung
und reichhaltigen Anmerkungen. Murel-Fatio 407
handelt im .Anschluss an den Ausdruck dnelos y (jitehrantos
(bei Cervantes) von der Castilischen Sitte am Sonnabend
Gekröse, Kopf und Füsse zu essen. Cornu 419, von
der Ansicht ausgehend, dass das Poenm del Cid in regel-
mässigen Vicrzehnsilbnern geschrieben ist, emeinlirt alle
Halbverse, die Eigennamen enthalten. G il I i erou 459
weist nach , dass die ]3erührnng mit dem Französischen
auf die lautliche Eutwickeluiig der Patois hemmend ein-
wirkt, dass hingegen Abgeschlossenheit vom Verkehr die-
selbe beschleiuiigt. 31 u r e t 465 gibt eine neue Ei-
kliiruug des 1. PI. auf onx (;his possunuis, vcdumus), der
man schwerlich beiptlichteu wird, und macht an vois truis,
273
1891. Literaturblatt für germanische und romanischo Philologie. Nr. 8.
274
ruvei- covvee aiikiiüiiteiid schavfsinnig-e Bemerkungen zur
französischen Lautg'eschichte. Rousselot 475 hat in-
teressante Aufzoielinungen über das im Verstummen be-
g'riffene s romanischer Mundarten südlieh vom Grossen
Bernhard gemacht. Die von ihm angesetzten Lautreihen
sind jedoeli nicht zu billigen , insofern sie den Verlust
von nidditizirenden Elementen ansetzen , die für die
Weiterentwickelung des Lautes nneutbehrlich sind. Xach
Beljame 487 wird der Name des bekannten John Law
in Frankreich deshalb Las gesprochen , weil er sich
selbst eine Zeit laug Laivs nannte (mit der Form des
sächsischen Genetivs). Ein ähnliches Schwanken wird an
zahlreichen englischen Namen nachgewiesen. Psichari
507 theilt die griechischen Stellen des altfranz. Florimont
mit den Varianten von zehn Handschriften mit und legt
sie aus. Er liefert damit den Beweis, dass Aimon des
Griechischen unkundig war imd einer lateinischen Vor-
lage folgte. Was er weiter über den Verfasser dieses
lateinischen Textes vermuthet, leuchtet weniger ein.
Halle. H. Snchier.
Nätebns, Gotthold, Die nicbtlyrischen Strophen-
forraen des Altfranzösischen. Luipzig, Hirzel. 1891.
X, -228 S., 1 Tafel. 8.
Wie schwer es ist, sich in dem Reichthum der alt-
französischen Literatur zurcchtzutinden, weiss Jedermann.
Das Werk des Heri'ii Xätebus ist hoehwillkoiinnen zu
nennen, da es auf einem schwer übersehbaren Felde
dieses Gebietes als Kompass dienen kann. Es ist mit
grosser Correctheit gearbeitet, übersichtlich angelegt und
von annähernder Vollständigkeit. Mehr war nicht zu
erwarten : denn absolute Vollständigkeit dürfte hier
niemand leisten können. Das Feld ist in verständiger
Weise abgegrenzt : Verf. rechnet die Periode des Alt-
französischen bis 1400, und sieht für nichtlyrisch die
Strophenformen an, welche in entsprechenden Versen
verschiedenes Geschlecht der Eeime gestatten. In der
Eiuleitnng werden statistische Forschungen und zusammen-
fassende Betrachtungen über Reime, Verszahl, Versarten,
Strophenenjambement, Mittel zur Strophenbilduug, Stro-
phenmischung angestellt. Dankeuswerth sind auch die
reichhaltigen Indices am Schluss; wichtig besonders die-
jenigen, welche das zeitliche Auftreten der einzelnen
Formen veranschaulichen.
Von Büchern, die übersehen worden sind, wüsste
ich nicht viele zu nenneu. Die altlothriugischen geist-
lichen Lieder, die Otto im VL Bande von Vollmöllers
Romanischen Forschungen herausgegeben hat, sind wohl
zu spät eischienen, um noch verwerthet werden zu
können. Dagegen vermisse ich die Oraj'sons tres deuotes.
plaisantes et bien composees en Ihonneur de la royne
de paradis, XIII" et XV" siecles. Evi-eux [1838, hrsg.
von Chassant] ; wenn Einiges aus diesem Buch ins 15.
Jahrhundert gehören mag, so hätte doch das auf S. XXII —
XXVII abgedruckte Gedicht von Xätebus zu VIII, 49
angeführt werden sollen. Anderes ist gedruckt in [Sa-
muel Bentleys] Excerpta historica er Illustrations of
Euglish history, London 183.3, S. 405 — 413; das Buch
ist mir jetzt nicht zugänglich, doch glaube ich einen
Text von XVII, 1 darin gelesen zu haben. Ferner ver-
misse ich das Dit des pommes, legende en vers du XIV°
siecle publice . . . par Tri'butien. Paris 1837, Silvestre.
Form: aaaa 12 S. Endlich weiss ich nicht, warum die
mehrfach gedruckte Epitre farcie auf Stephauus nicht
aufgeführt wird; dass sie vom Verf. übersehen sei, scheint
mir undenkbar: ich sehe die Gründe nicht ein, die ihn
zur Hinweglassung bestimmten.
Zu einzelnen Xummern sei Folgendes bemerkt.
IV, 1. Die französischen Alexiusleben sind vollstän-
diger als hier verzeichnet in meinen Denkmälern der
prov. Lit. I S. 524.
VIII, 37 ist auch gedruckt in den Ancient Songs
and Ballads from the reign of King Henry the second
to the revolutiou collected by Joseph Eitson. Third
edition, by Carew Hazlitt. London 1877 S. 19—24.
VIII, 91. Hier wäre anzuführen gewesen, dass auf
die Quelle des Chant du rossignol zuerst hingewiesen
worden ist von De Beaurepaire im XX. Bande der 51em.
de la Soc. des Antiquaires de Xormandie, 1854.
Vin, 95. Ein alter Druck dieses Gedichts ist 1882
in der Bibliothek des Herrn E. M. B. als Xr. 238 von
Labitte in Paris versteigert worden.
XXVII, 2. Die fünfte Handschrift des Thomas von
Beneeit (London, Cotton Vespas. B XIV) findet sich er-
wähnt bei Dutfus Hardy, Descriptive Catalogue of Bri-
tish History II, 355.
XXXVI, 3. Dieses Gedicht war schon 1834 im
Druck erschienen unter dem Titel La cumplainte d'outremer
et Celle de Constantiuople par Rutebeuf ; publiees . . . par
Jubinal. Paris, chez Techener.
XXXVI, 21. Die Stelle, wo von Robert le clerc
die Rede ist, steht Romania XX, 137.
S. 189. I, 15. I>er Jliroir de mariage des Enstache
Deschamps ist herausgegeben von Tarbe, Reims 18t)5.
Halle. Hermann Suchier.
Bonrgoin, A.. Les Maitres de la Critiqne an XVIP
siecle. Paris, Garnier. 1SS9. 349 S. S.
Das Buch behandelt Chapelain. Saint-Evremond,
Boileau, La Bruyere und Feiielon und widmet dem Ersten
50, dem Letzten 90. den drei Uebrigen je 60 — 70 Seiten.
Es nennt, in der Vorrede, den Gegenstand un coin in-
explore de notre grand siecle litteraii'e, was denn doch,
wie zu Ehren der französischen literarliistorischen For-
schung hervorgehoben werden darf, zu viel gesagt ist.
Der Verfasser hätte ausdrücklich auf den Aufsatz des
trefflichen V. Fournel hinweisen dürfen, der in dem
Buche La litferatiire imlepetuhnite et les eiriroiiix
Ollblies au XVII' siede p. 330 — 379 unter dem Titel:
La critiqne litteraire an XVII' siecle veiöftentlicht ist
und den er nirgends ausdrücklich nennt (p. 12 n. nnd
69 n.). Das ist ungerecht. Bonrgoin bietet selbstver-
ständlich mehr als Fournel, aber lange nicht so viel
mehr, als die Differenz des Volumens ihrer Arbeiten er-
warten lassen muss. Er ist viel ausführlicher, aber nicht
um so viel lehrreicher. Er hat eingehende Studien ge-
macht und wird Jedem Xeues bieten, aber er wird mit
seinen Wiederholungen, seiner breiten Rhetorik, die in
verschiedenen Abstufungen und Xüancirungen leider eine
Reihe neuerer literarhistorischer Studien der Franzosen
verdirbt, die Ungeduld des Lesers erregen. Das Buch
hat aber auch deswegen etwas Unbefriedigendes, weil
es oft nicht gelingt, aus den Wendungen und A\'indungen
der Dietion die Meinung des Autors klar luid unniiss-
verständlich zn erkennen. Man lese das Speciraen dieser
unerfreulichen Darstellungsweise, den Abschnitt über
Fenelons Charakter (253 — 260).
Gelegentlich vermisst man auch eine vollständige
Ausbeutung des Quellenmaterials: so waren für Fenelon.
die Briete, die dieser mit Houdart 1713 und 1714 über
1891. Literaturblatt fQr gcrmanigclie und romanische Philoloe^ie. Nr. 8.
271-,
die damals im Centriim der literarischen Discussion
stehende Hoiiierfrage gewechselt hat, um so weniger
iinbenntzt zu lassen, als Ft'-nelon in seiner Antwort vom
22. November 1714 sich charakteristischer als anderswo
ausspricht.
Schwerer mnss der Vorwurf wiegen, dass Bourgoin
die fünf Kritiker, die er sich auserwählt hat, in der
üihandlnng zu sehr isolirt, sie zu wenig in den grossen
Zusammenhang der literarischen Ideen der Zeit hinein-
stellt. Er verfahrt zu sehr bloss lieschreibend und zu
wenig entwickeluugsgeschiehtlich und begibt sich dadurch
eines Mittels, das ihm nicht nur trefflich dazn gedient
hätte, seine B^igureu klarer und schärfer zu zeichnen,
sondern auch dazu, sie plastisch liervortreteu zu lassen.
IHeses ent wickelungsgeschichtliche Relief fehlt fast völlig.
Da hätte er viel von V. Fournel lernen können, dessen
Aufsatz er deshalb gar nicht überflüssig gemacht hat.
Wenn er z. B. (p. 278) auf die Stelle der Dia-
loyites stir l'eloquence Fenelons hinweist, wo die Poesie
des Alten Testamentes mit derjenigen Homers und Pindars
verglichen und derselben vorgezogen wird ((Eueres
choisies de Fenelon, Ed. Hachette, II, 277), so war,
um das Verdienst dieses Vergleiches zu ermessen, nicht
sowohl auf Chateaubriand, als auf die Schriftsteller des
XVII. .Jahrhunderts zu verweisen, die ähnliche Aeusse-
rungen vor oder gleichzeitig mit Fenelon gethan haben,
wie Desniarcts, Saint-Evrenumd, .Santeul — darüber be-
lehrt Fournel.
Oder: wenn (p. 119) die Aensserung Saint-Evre-
monds citirt wird, dass die neue Zeit eine neue
Kunst verlange, so ist völlig übersehen, von welch
inincipieller Bedeutung in jener Zeit die in diesem
Satze liegende Erkenntniss ist. Saint-Evremond hat
damit das entscheidende Wort im Streite der Anciens
und Modernes gesprochen; er zeigt sich hier scharfsich-
tiger als alle seine Zeitgenossen, und das durfte ihm
ausdrücklich gutgeschrieben werden — was bei Fournel
deüu auch geschieht.
So entgeht Bourgoin die relative Bedeutung der
einzelnen geschichtlichen Erscheinungen. Die ganze
Oekunoiiiie seines Buches verräth dieses Gebrechen durch
ihre bald deplacirte Weitschweifigkeit bald übel ange-
brachte Kargheit.
Damit hängt auch das strenge Urtheil zusammen,
das er über Fenelons Meinnug von der Vorzüglichkeit
der ungebundenen Rede fällt. Es ist geschichtlich
ungerecht. Zugleich ist es aber auch charakteristisch
für den ästhetischen Standpunkt des Verfassers, der in
Fenelons Vorgehen das e.xemple d'une confusion deplo-
rable des genres sieht. Voltaire hat nicht anders ge-
sprochen! Was indessen den Telemaque nicht verhindert
hat, das Buch der ganzen Welt zu werden, weil es,
nnbekümniert um den Widerspruch der Theoretiker, der
Kegel folgt, die Jloliere la grande regle de toutes les
ri'gles nennt, nämlich derjenigen, zu gefallen.
Zürich. 11. Morf.
B i e r b a u m , Jnl., Lehrbnch der französischen Sprache
niK'li ilcr iiiinlyti.sch-dirci-tcn Mctlioilo für Iiöliorc Kiiaben-
unil Miidclienncliuleii. I. Tlieil (mit einem liiLHlcrniiliniigo
und K('(dis Ausspraclietafoln). Leipzig 18H!t. 1H2 S. S.
— --, Methodische Anleitung zum Lehrbuch der fran-
zösischen Sprache etc. Leipzig 1880. I" S. k.
Das „Lehrbuch" des allen Facligenossen wohlbe-
kannten Verfassers besteht aus Vorschule (S. 1 — 16),
Leseübungen (S. 17 — 19), Lese- und Sprech-
übungen (S. 20 — 30). Lese-, Sprech- und Gram-
matikübungen (S. 31 — 71) und Formenlehre (S. 72 —
93); an letztere schliessen sich noch ein Vokabular
(S. 94 — 116) und ein zehn französische Lieder ent-
haltender Anhang. Das Ganze erscheint dem Ref. als
ein beachtenswerther Versuch einer ersten Einführung
in die französische Sprache nach der analytisch-directen
Methode. Der Verf. legt, wie billig, grosses iTcwicht
auf eine sichere und correcte lautliche Grundlage,
glaubt aber auf die ..verhängnissvolle Lockspeise des
zusammenhängenden Lesestückes bei der Einübiuig der
Aussprache" verzichten zu sollen. Und ganz mit Recht.
Denn auch wir halten es tür richtiger, die Elemeiite
der fremden Sprache, die Laute, an einer Anzahl von
Musterwörtern zu lehren und zu üben. Und Herrn
Von Sallwürk ' können wir die auf Schulerfahrungen sich
stützende Versicherung geben, dass, bei einem richtig
ertheilten Anfangsunterrichte, gerade in den unteren
Klassen das Interesse der Schüler durch phonetische
Uebungen in hohem Grade gefesselt werden kann.
Weniger einverstanden bin ich mit der von Bier-
baum in der Formenlehre (S. 72 ft'.) gewälten Fassung
und Darstellung der Regeln, die noch zu sehr an Ploetz
erinnern, und ausschliesslich das geschriebene, aber
nie das gesprochene Wort berücksichtigen.
Die Anleitung ist klar und fasslich geschrieben.
München. Hermann Breyniann.
Salvioni, C, Notizia intorno ad nn codice visconteo-
sforzesco della biblioteca di S. M. il Re. Xozzo
Cipolla-Yittone, Scttcmbie MDCCCXC, odiziono di 100
esemplari. Bellinzona, Tipografia C. Salvioni. 20 p. gr. 8.
Die Handschrift wurde schon von d'Adda wegen
ihrer prächtigen Miniaturen in einem Aufsatze im Archivio
storicü lonibardo XII erwähnt. Salvioni gibt hier eine
eingehende Beschreibung und Inhaltsangabe derselben.
Sie enthält in oberitalienischem Dialekt 1. das Leben
des Joachim und der Anna, 2. die Kindheit Marias,
3. eine kurzgefasste Lebensgeschichte Jesu, namentlich
auf Grund der vier Evangelien, 4. (lateinisch) Kapitel
I — XIV des .Tohannesevangeliums, das Salve Regina und
das Symbol der Apostel, und endlich, wieder in ober-
italienischem Dialekt, zwei Dichtungen in Novenarj,
nämlich 5. eine Lauda auf .Johannes den Täufer (168
Verse), und 6. ein Gedicht ..delo fininiento del mondo"
(729 Verse, mit einigen Lücken). Von 1, 3, 5 und 6
druckt Salvioni einige Proben ab. Die Handschrift ist
die loinbardische Kopie eines venetianischen Originals,
wie am besten eine kurze Darlegmig der Sprache der-
selben S. 22 ft'. zeigt. Interessant ist darin die An-
Setzung eines Infinitivs fu, der neben /i entstand und
von dem aus alle möglichen Formen von Ji gebildet
wurden (S. 25 Anm. 3 u. 4). Ich kann aber nicht mit
S. nbereinstinnnen, wenn er in jideua (so auch Marga-
rethenlegende und ebenda fideino) das (/ für epenthetisch
hält (S. 23, 19). Diese Formen sind ihrerseits auch
wieder Analogiebildungen. Vgl. Margarethenlegende
§ 55 S. CIV. Ein kleines Wörterverzeichniss schliesst
sich der spi'achlichen Abhandlung an. Darin begegnen
wir wieder dem Worte ilif/iiiidclf in der Bedeutung
Leckerbissen =^ afz. duintii; so auch UgU(;on (vgl.
Jlussafia, Ltbl. V Sp. 442); ein tosk. Beispiel steht bei
Migliorucci, AI priorc della chiesa di Settignano in der
Ausgabe Fanfani, Rime burlesche etc, Firenze 1856,
« Zb. f. neufrz. Spr. u. Lit. 1889 XI, 189 (Ref.).
a77
1891. Literatui'blatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 8.
278
8. .'531: A ri(jiiKrJ(trlu (il /lialfo) era mm (li(j)titailr.
Zu finur vg-1. auch Uaspaiy, Zs. f. lom. Phil. I\', (il2
und Eef. ibid. Yll, 329 § 132. Willküiiimen ist der
Beleg (jntmudesie (im Sg. jetzt auch iu dem von Ulrich
herausgegebenen Fiore), wofür Salvioui die Bedeutung
sapieiizii, ehquemci, discorso ansetzt. Es findet sich
schon im Tesoretto XXI, 55 in der Form (jramnuitesid
und der Bedeutung ..Eitellieit. Aufgeblasenlieit", die dem
Worte auch bei Salvioni eignen könnte (vgl. Zs. VII,
S. 275 Anm., wo auch die Bemerkung C'avedonis zu
der Stelle des Tesoretto abgedruckt ist). Die Reductiou
von lultaii zu lidan auch Crescentia 1241 {liitanu) und
in der nächstens erscheinenden Veroneser Marienklage.
Die sorgfältige Arbeit gibt sich als eine Art Vor-
studie zu einer grösseren Abhandlung des Verf.'s über
den Grisostomo und die alten lombardischen Texte zu
erkennen.
Halle. Berthold Wiese.
Henniffs, Wilhelm, Stodien zn Lope de Vega Carpio.
Eine Klassifikation seiner Comedias. Göttingen, Vanden-
hoeck & Ruprecht. 1891. VI, lOJ S. 8. M. 2,80.
Eine Klassifikation der Lopeschen Comedias wm-de
schon melirfach unternommen, jedocli nie als selbstän-
dige Arbeit; auch ist immer nur ein kleiner Bruch-
theil der erhaltenen Stücke dabei berücksichtigt worden.
Hennigs gibt uns ein ziemlich vollständiges Ver-
zeichuiss der bisherigen Versuche und bildet aus allen
ihm dm-cli Leetüre oder dem Titel nach bekannten
Comedias, indem er die Eintheilungen Anderer (Schack,
Lemcke und Lista) zu Grunde legte, 19 Gruppen; ent-
schieden eine zu grosse Zahl. Mir scheinen die Gruppen
8 (Dramatisii-te Novellen), 11 (Schicksalsdramen), 13
(Romantische Schauspiele), 14 (Charakterdramen), 16
(Biographische Schauspiele) und 18 (Legendenstoffe) ent-
behrlich; sei es, weil die Zahl der dazu gehörigen Stücke
zu klein ist, sei es, weil sie sich leicht in die anderen
Gruppen einreihen lassen. Dramatisirte Novellen, roman-
tische Schauspiele kann man fast alle Stücke Lopes
nennen; die biographischen fallen mit den historischen,
die Legendenstoffe mit den Comedias de Santos, und die
Charakterdramen mit den Lustspielen zusammen. Des
Weiteren kann ich auch die Vertheilung der einzelnen
Stücke in vielen Fällen nicht gutheissen, doch ist der
Verfasser hier zu entschuldigen; es ist oft wirklich
schwer, ein Stück, das die Merkmale verschiedener
Klassen an sich trägt, richtig unterzubringen. Bedenk-
licher ist es, dass H. von den vortrefflichen ihm zu
Gebote stehenden Hilfsmitteln — die einschlägige Litera-
tur ist ihm so ziemlich bekannt — nicht immer den
richtigen Gebraucli gemacht, dass er den Inhalt mancher
Dramen unklar oder ganz falsch angegeben, fremde
Dramen auf Lopes Namen geschrieben und endlich nicht
mehr Sorgfalt auf den Stil verwendet hat. Als Belege
für die gerügten Mängel lasse ich Nachstehendes folgen:
S. 28 führt H. ein Stück el posfrero gozo de
Espana an, nachdem er zuvor (S. 11) el postrer Godo
de Esp. besprochen hatte. H. benutzt hier, wie noch
öfters, Schacks sehr fehlerhafte Liste, die er leicht nach
Barrera, Hartzenbusch oder Salvä hätte berichtigen
können. Natürlich ist der posirero gozo ein Hirn-
gespinnst. — Ebendaselbst erwähnt er als besondere
Stücke Arfjolaii, Beij de Alcahi und la Pena de Francia,
das erstere ist aber identisch mit el Pudrino desposado
(S. 36), das letztere mit el Casamienfo e. l. m. (8. 14).
Desgleichen ist el priiiiero Medicis (S. 32) identisch
mit ht (Jiüidd de Fhiniicid (S. 44), In Punrella de
Francin (S. 33) wahrscheinlich mit la Punrella de
Orleans, el dichoso Parricida (S. 33) mit el Animal
Profeta (S. 100), la Pastoral de Albania (S. 81) mit
la Fast, de Jacinto (S. 80), el Santo Negro Bozuin-
liiico (S. 101) mit Vida y mnerte del Santo Negro
llamado San Benedieto de Palermo (ibid.), und Santa
Brigida endlich (S. 102) mit la Liiiipieza no man-
chada. — S. 101 und im Inhaltsverzeichniss ist zu
corrigiren: vida de San Julian (statt Juan), S. 102
und im Inhaltsverzeichniss Xatalia (statt Xatala). —
Wenig Geschick und unsicheres Sprachwissen verräth
der Verfasser in der Uebersetzung der Titel: man höre:
La Amistad pagada (Die bezahlte Freundschaft), las
Cnenfas del gran Capitan (Die Erzählungen des grossen
Kapitains), la Vitoria del Marques de Santa Cruz
(Sieg des M. vom heiligen Kreuz), el was galan Porlii-
giies (Der feinste Portugiese), lo Fingido Verdadero
"(Die erdichtete Wahrheit), los Emhustes de Fahia (Die
Lügereien der F.), el hombre por sii palahra (Ein Mann
durch sein Wort), los Porceles [Familiennamen] de
Marcia (Die Schweinchen von M.), la Boha para los
otros ij Discreta para si (Die Dunnue für die andern
und die Schlaue für- sich), el Preinio del hien hahlar
(Der Lolm des guten Leumimds), Nadie se conoce
(Niemand kennt sich einander). — Für die Inhaltsangabe
mancher bisher unbekannten Stücke würden wir ihm sehr
dankbar sein, wenn dieselben nicht oft so unklar und
verworren ausgefallen wären. Es genügt hiefür eine
Stelle anzuführen (S. 88): „Die eifersüchtige Königin
lässt die betreffende Dame, der der König den Hof
macht, obwohl sie selber unscliuldig ist, hinrichten und
zwar durch ihren Geliebten, der todtgeglaubt, in Ver-
kleidung zufällig zugegen ist, als das Urtheil vollzogen
werden soll und auf das Geheiss der Königin dieses
traurige Amt übernimmt. Im unbewachten Augenblick
erkennen sich Beide etc." — Falsch oder ungenau an-
gegeben ist beispielsweise der Inhalt von /« Estrella
de Sevilla (S. 27), el Palacio confuso (S. 54), la Noche
Toledana (S. 55), el Ferro del Hortelano (S. 56), la
Vengama venturosa (S. 86), el Ingrato arrepentido
(S. 94) u. s. w. — Mit Unrecht Lope zugeschrieben
hat H. folgende Stücke: El Infanzon de Yllescas [S. 9;
gehört Tellez und ist von Claramonte überarbeitet;
Schaeffer, auf den sich H. fälschlich beruft, 'hat die rich-
tige Angabe (II, 176)], el Paje de D. Akaro [S. 18;
blosse Vermuthung Schaeffers], Jas Hazanas dil Cid
(S. 29; von G.' de Castro), el Dichoso Parricida (S. 33;
von Amescua), el Principe Escanderheg (S. 33; wahr-
scheinlich von L. Velez de Guevara), la Profetisa Ca-
sandra (S. 41; von Polope y Valdes), Di Modira,
sacaräs Verdad (S. 88; von Mat de los Eeyes), Fer-
nan Mendoz (muss heissen Mendez) Pinto (S. 96) und
die beiden ci Gran Cardinal de Esp. Don Gil de Al-
homez (muss heissen Alhornoz) (S. 102; alle drei von En-
riquez Gomez). Das Stärkste ist wohl, dass H. (S. 79/80)
Alarcons bekannte Komödie la Verdad sospcrliosa, die
Quelle von CorneUles Meidenr, als eine Dichtung Lopes
aufführt. — Unbegreiflicher Weise gibt H. die Autoren
von Amor, pleito y desajio (S. 58) und la Despreciada
rjuerida (S. 69) richtig an und zählt sie gleichwohl mit.
— Es verbliebe mir jetzt noch eine Arbeit: die un-
richtig vertheilten Stücke anzugeben; doch das würde
mich zu weit führen.
Der Verfasser beabsichtigt, wie er uns (S. 2) mit-
279
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 8.
28r)
thfilt. i'iiie wi'itcri- Arbeit über Lopp de Vegfa zu ver-
öflViitlii-hi-ii. In «liesem Falle iiiiiss ihm driiig-einl geiatheu
wenlt'ii, sein siianisches Siiracliwissen zu erg-iinzen, nicht
nur Lope, sondern überliauj)! das ganze spanische Drama
des 17. Jahrhunderts gründlich zu studiren und mit
weniger Hast zu arbeiten. Seine warme IJegeisterung
für den Dichter wird ihm die Arbeit erleichtern.
Nürnberg. A. L. Stiefel.
Zu i tsc h ri ft e II.
Archivio per lo studio delle tradizioni popolari X, 1 ;
S. S a 1 o 1110 110 -Ma ri no. Buon oapo d' anno I Uso con-
tadinosco siciliano. — Filippo Seves, Capo d'anno ed
Epit'ania in Piemonte. — KeinhoM Kühler, Goethe e il
poeta itniiuno Donicnico Bataoclii. — G. B. Corsi, Sena
vctus: Superstizioni, Canti, IndovinoUi c Giiiodii: Medicina
popolare. Superstizioni dellc ragazze. Vaiie superstizioni. —
Angela Xa r d o - C i b e 1 e , La tilata, o la eoltivazione del
canape nel Hcllunese. III. Del tosserc. — K. Mango, La
leggenda dello sciocco nelle novelline oalabre. — G. Pitrc,
Novelline popolari toscane : La novellii di Oliime. Le Fate.
— Alb. Eni. Lumbroso, Spigolature di Usi, Credenze,
Loggende: VII. La giostra dei turi e un mago di Fano.
VIII. La tana del re Tiberio. Leggenda roniagnola, IX. Usi
novnresi del secolo XVI. — Kodoll'o Renier, L'erba
proiligiosa di San Giovanni. — Riooardo Forster, Fiabe
popolari dalinate: Avvertenza. I. El re Porco. II. El Becher.
III. I cazzadori. IV. La rana. — Kolk-Lore dell'Agri-
coltura : Notizie dei coniuni di Olfida e Rotella e dintorni
(Ascoli-Piceno); Slicbelo Angelini, Notizie dell'Alta
Maurienne (Savoic); Maria Kerrante .Mazzucchi, Notizie
del Polesine. — Paul S e b i 1 1 o t , »,'ontes de Marins recueillis
cn Hnute-Bretagne: VII. Le Mousse jete ä la nicr. VIII. Le
niatelot qui ^pousa la fille du roi d'Anglcterre. IX. Tribord
Amures. X. Galettc de Biseuit et Quart de Vin. XL Le
Guitan et lo Maqueroau. XII. Pourquoi on eniploie le ciinent
pour lester los bateau.\. — Enianucle Ariiint'orto, Due
racconti siciliani : I. Li tri duonni, cbi niali cci abbinni.
II. Cliiddu di lu greeu niincliiuni. — A. Tliomaz Pires,
Tradiföes portuguezas: Conceito populär da Sereia. —
Miscellanea: Luigi De Pasquale, 'U eiuociu e 'u porcu,
Favola calabrese. — II modo popolare di dire : „Un nuovo
nato'". — La Processione del Venerdi Santo in Metcovicli
nella Dalinazia. -^ Canzonetta tanciullespa nel Trentino. —
Pregiudizi savojardi nell'XI secolo. — II nonie popolare di
un earnetiee nella Riviera francese. — Griilata dei veudi-
tori di ponii in Normandia. — I „Gocland" in Brettngna.
— Alb. E. Lumbroso, Appunti sulla idrot'obia nel Belgio.
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lari in ilialetto logiidorose. — fil. La V i a - B o n el 1 i , Ble-
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ronianes dedii'es ä M. Gaston Paris. — G. Pitre, Pineau,
Los contoa i>opulaire3 du Poitou. — M. L a V ia - B o n el 1 i ,
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III. Predigtbruehstück? IV. Eine nid. Evangolienharmonie ?
V. Predigtbruolistückc. — Iloltliauson, Holz. Urgerin.
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engliseli-friesisclion Sprache I. — Seemüller, Wöber,
Die Skiron und die deutsolie llelilensage. — Singer,
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Lamprechts Alexan<lerlied. — R. M. Meyer, Bielscliowsky,
Geschichte der deutÄchen Dorfpoesic im 13. Jli. I. — Kück,
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Altorthum. — Wrede, Webster, Zur Gutturalfrage im
Gotischen. — Schwarz, Verdani, De gcschiedoiiis der
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träge zur Textkritik von Ilartmanns Grogorius. — Sehon-
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Uebcr die bildende Naolialimung <les Scliönen. hrsg. von
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Zs. f. deutsche Philologie XXIV, 1: B. Si.jmous, Sieg-
friJ und BrunlüKl. 1. Ein Beitrag zur Geschichte der Nibe-
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Schwäbischen in der Mundart von Reutlingen. — O. Erd-
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Ein lirief Schillers. — Neue Erscheinungen. - Nachriehten.
Vierteljahrschrift f. Literaturgeschichte IV, 3: Ludwig
Fränkel u. AcUdf Bauer, Entlehnungen im ältesten
Faustbuch. 1. Das Sprichwörter-Kapitel. 2. Brant und noch
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— Hans S i 1 1 e n b e r ge r , Untersuchungen über Wielands
Kölnische Erzählungen (Forts.). — Krnst Müller, Vollmors
Nachlese zu Schillers Kalender. — Louis B ob c, Neue Bei-
träge zu H. P. Sturz' Lebensgeschiclite. — Ernst E I s t e r ,
Zu Heines Biographic. — Hugo Holstein, Zu Tassos
Amynt. — Edmund Goctze, Zu Goethes Briefen. — M. II.
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brand, Olymp und llimmil, iliibei etwas von hohlen Borgen
und vom Echo. — Fr. Graober, Deutsche Aufsätze in
Tertia. — Karl L a n d ni a n n , Richard Wagner als Xibe-
lungen<licliter. — Paul Hoff mann. Metrische Studien zu
Schillers Jugenddramen. — Karl Kinzel, Einführung in
die Oeschichte der deutschen Sprache. — Sigmuml Feist,
Eine Art draniatischer Leetüre im deutschen Unterricht der
unteren Klassen. Ein Vorsuch. — O. Beliftghol, Das Für-
wort „es" in Verbindung mit einer Präposition. — Ü. G 1 ö d e.
Der Gassonnanie ,(ani) Brotkorb'". - R. Sprenger, Be-
merkungen auf einige .Vnfragen im ."i. Bande der Zs. S. 353.
— Ders., „Die sind nun oingescliitft !" .iSchafscliinken".
Zu Windeis Ausgabe von Kleists lle/niannsschlacht. — Aug.
281
1891. Literaturblntt für germanische und romanische Philologie. Nr. 8.
282
M Uli 1 h nii se n , Zu Otto Scliröilers ,Zurn S-Unfu^" (Zs. 5,
269). Zu K. Sprcnsfis .Süiulenbock'* (Zs. ö, 'J77). — Herin.
ün bc s c li e i (1, Aiucigoii nus iler Scliillerliteratur 1890 —
91: Willicliii Henzen, Schiller uml Lotte; Albert Kosten,
Schiller als Dramaturg; J. Minor, Schiller. Sein Loben uml
seine Werke. II. BanJ ; Ders., Aus ileni Schiller- .\rchiv:
Seiler, Die lJelianJlun<f des sittlichen Problems in Schillers
Kanipl' mit dem Drachen, der Erzähluiiij von Livius VIII. 7,
Kleist.s Prinz von Homburg und Süplmkles' Antifjone ; .M.
H. Jellinek, Die Sage von Hero und Leander in der Dich-
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vorzügl. Werke; W. Ackermann, Schiller und Lotte; Alfred
Kühe, Schillers Einfluss auf die Entwickelung des deutschen
Xationalgefülils. II. Theil ; H. Beckhaus, Zu Schillers Jung-
frau von Orleans; Franz Ullsberger, Der schwarze Ritter
in Schillers , Jungfrau von Orleans'": Andreas Florin, Die
unterrichtliche Behandlung von Schillers Wilhelm Teil;
Teil-Lesebuch für höhere Lehranstalten; Eugen Kühnemann,
Die Kantischen Studien Schillers und die Composition des
„ Wallenstein"; RobertPliilippson, Die ästhetische Erziehung:
E. Kuenen u. M. Evers. Die deutschen Klassiker, (i. u. 7.
Bändchen; Adolf Wechsler. Lichtstrahlen aus Schillers
Werken : Ausgaben ; Grössere Aufsätze in Zeitschriften. —
Franz liranky- Ludwig v. Hörmann, Grabschriften und
Marterlen. — K. Kade, Heinrich Gloel, Der deutsche Stil
und seine Pflege auf den höheren Schulen. — P. G o I d -
scheider, Deinhardt, Beträge zur Dispositionslehre. —
Kleine Jlittlieilungen.
Romanische Forschungen IV, 3: Karl Vol Imöl 1er, Jorge
de Montemayor, Segundo Cancionero spiritual, .\nuers 155S.
— R. J. .\lb recht, Zu Tito Vespasiano Strozzas und
Basinio Basinis lateinischen Lobgedichten auf Vittore Pisano.
— G. Ha ist. Die arabischen Laute im Spanischen. — M.
Manitius, Zu lateinischen Gedichten des Mittelalters. —
Karl Oreans, Die 0-Laute im Provenzalischen. — J.
Werner, Hymnologische Beiträge. — Otto Fischer,
Zum provenzalischen Fienibras. — Ludw. Fränkol, Zu
Rabelais' Synta.x. — H. Patzig, Zu Guiraut de Cabreira.
Archiv f. lat. Lexicograpbie n. Grammatik VII, l. 3:
Gröber. Yulgärlat. Substrate roman. Wörter- (Schluss). —
Ihm, Vulgärforuien lat. Zahlwörter auf Inschriften. —
Sc li u c h ar dt , Laiisa. — Thielmann, Ersatz des Reei-
procums Im Lateinischen. — Meyer-Lübke, Malacia.
Franco-Gallia VIII, 7. .Juli: Besprechungen: Lugrin, Resume
de Thistoire de la litterature franc. au 19. s. — Rose, Das
Verhältniss der Schrift von Helv.-tius ,De rEsprit" zu La
Rochefoucaulds ,Ma.\inies'". — Barine, Bernardin de Saint-
Pierro.
(iiurnale storico della letteratnra italiana XVII, I
[Nachtrag zu LtbL Sp. 174]: Xovati, L. Rossi-Case, Di
maestro IJenvenuto da Imola commentatore dantesco. —
Luzio. Bertolotto. Musici alla corte dei Gonzaga in Man-
tova dal see. .KV al sec. XVIII. — Cian, Buzzati, Biblio-
grafia bellunese. — Xovati, Zippel, Xiccolö Siccoli. —
Cian, Martinato, Xotizie storico-biografiche intorno al
conte Baldassare Castiglione con documenti inediti. —
Bollettino bibliografico (Oloetta, Komödie und Tragödie im
Mittelalter; Merkel, Sordello e la sua dimora presse Carlo I
d'.\ngiö; Campanini, Un atrovare del secolo XIII: Bulle.
Dantes ISeatrice im Leben und in der Dichtung ; Anton
Francesco Grazzini, detto II Lasca, Le Gene, per cura di
C. Verzone; P. De Xolhac e A. Solerti, II viaggio in Italia
di Enrico III re di Francia e le feste a Venezia, Ferrara,
Mantova e Torino ; Fr. Mango, Xovelline popolari sarde ;
l'rato. Quelques contes populaires dans la tradition populaire).
— Comunicazioui ed appunti: Renier, Osservazioni suUa
cronologia di un' opera del Cornazano. — P. DeXolhac,
Un homonyme ou parent de Petrarque.
Rivista critica della letteratura italiana VII, 1 (Juli
1891): T. Casini, Rigutini, Lettere di G. Giusti, G. Leo-
pardi, U. Foscolo e P. Giordani. — A. Medin, Voigt, II
risorgimento dell' anticliitä classica (ital. üebers.). — U.
Cosmo, Barbi, Della fortuna di Dante nel secolo XVI. —
A. Z e n a 1 1 i , Giannini, L" uomo selvaggio. — Coraunicazione :
S. Morpurgo, Un nuovo documento suir£i»'fo En-ante.
II Prupugnature 18: Gaudenzi, Guidonis Fabe Summa
Dictaminis (Schi.). — Frati, Indice delle carte di Pietro
Bilancioni; contributo alla bibliografia delle rime volgari
dei primi tre secoli della lingua (Forts.). — Sabbadini,
Cronologia documentata della vita di Giovanni Lamola. —
(iahotto, La Kcdc di Jacobo Sannazaro. — Volpi, Per
il Bellincioni. — Cesari, Da clii »bbia imparato la Do-
rinda di B. Guarini a travestirsi nel quarto atto del Pastor
Fido.
Literat'. Centralblatt 28: Meyer, Notice sur quelques manu-
scrits franjais etc. — 30: Christian von Troyes, Erec und
Enide, hrsg. von W. Foerster. — Isländische Volkssagen.
Ucbers. v. Lolimann-Filln's. — Schroeder, Vom papiernen Stil.
Deutsche Literaturzeitung 24: W^re<le, Liesenberg. Die
Stieger Mundart. — 25: Deecke, Fisch, Die Walker et-,
(s. Ltbl. Sp. 161). — Varnhagen, Jellinek. Die Sage von
Hero und Leander. — 26: Burg, Noreen, Utkast tili före-
läsningar i urgermansk judlära. — 27: Gessler, Bolte,
(inapheus, Aeolastus; Szamatölski, Eckius Dedolatus. —
Morf, Meyer-Lübke, Grammatik der roman. Sprachen. —
28: Schönbach, Heusler, Zur Geschichte der altdeutschen
Verskunst.
Sitzungsberichte der preuss. Akademie der Wissen-
schaften 11. Juni: K. TVe inhold. Zu den deutschen
Kriegsalterthümern. — 16. Juli: Herm. F i 1 1 i n g. Vorläufige
.Mittheilungen über eine Summa Codicis in provenz. Sprache.
[Der Text wird durch Fitting und Suchier herausgegeben
werden.]
Zs. f. die Österreich. Gymnasien 5: Hugo Herzog, Zur
Erzählung Kosinskys iu Schillers Räubern. — Seemüller,
Kelle. L^ntersuchungen zur Ueberlieferung Notkers.
Centralblatt f. Bibliothekswesen 7 u. 8: K. Burda cli,
Zur Kenntniss altdeutscher Handschriften und zur Geschichte
altdeutscher Literatur und Kunst.
Korrespundenzblatt des Vereins f. nd. Sprachforschung
2: R. Wossidlo, Gott und Teufel im Munde des Mecklen-
burgischen Volkes. — 3: C. Schröder, Das Redentiner
Osterspiel.
Chronik des Wiener Goethe- Vereins 6 u. 7 : L. Blume,
Zu Goethes Gedicht , 'Willkomm und Abschied'".
Zs. der histor. Gesellschaft f. Posen VI, 1 : Das fünfte
Armeecorps im histor. Volkslied des Krieges 1S70/71.
Auualeu des Historisclieu Vereins f. den Niederrhein
pi\: F. Schröder, Ein clevischer Dichter vor 200 Jahren.
Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft
Mark IV: Die grosse Dortmunder Fehle von 13SS — 1389.
(Darin: Fehdebuch mit umfangreicher Namenliste.)
Neujahrsblatt hrsg. von der Stadtbibliothek in Zürich auf
das Jahr 1891: G. Tobler, J. J. Bodmer als Geschicht-
sclireiber.
Küirespondeuzblatt des Vereins f. siebeubürg. Volks-
kunde XIV, 7 : Zwei Hochzeitslieder aus Schönberg.
Zs. des Harz Vereins 24, 1: P. Zimmermann, Graf
Bülow und der .Abschied von Cassel*".
Preussische Jahrbücher 1: Gotth. Kreyenherg, Hoft'-
mann von Fallersleben.
Unsere Zeit 7: 0. Otfrieil, Mythologie und Urgeschichte.
Deutsche Rundschau 10: Walther Vulpius, Diis Stamm-
buch TOD .iugust V. Goethe. 1.
K(>lnische Zeitung 571. Erste Beilage 12. Jnli: .\. Bock,
Heines Verhältniss zur Musik.
Beilage zur Allg. Zeitung 143, 144, 146 u. 147: H. Dün-
tzer, Johann Heinrich Merck.' — M. Carriere, Lyrik
und Lyriker. (Ueber Werners so betiteltes Buch.) — ■ 156:
K. Th. Gaedertz, Goethe und Maler Kolbe.
The Atheuaeum 3320: The strife of love in a dreani, bcing
the Elizabethan version of the first book of the Hypneroto-
machia of Francesco Colonna ed. .\. Lang. — Sabin,
Diekensiana. — A letter of Charles Lamb. — 3321 : Scar-
tazzini, Prolegomena della Divina Comiuedia; Dante's trea-
tise ,De divina eloquentia'" transl. into English by Howell.
— Lang, Apologia pro Hypnerotomachia sua. — Ward,
X letter of Charles Lamb. — 3322: Saintsbury, Essays in
English literaturo 1780—1860; Essays on French novelists.
(Gut.) — Tilley, Mellin de Saint Gellais and introduction
of the sonnet into France. — Scott, Voltaire and England.
Oversigt over det Kougelige Dauske Videnskaberues
Selskabs Forhandlinger 1S91. 1: Steenstrup, Etuile
sur les Chansons populaires danoises au Moyen-äge.
Revue critique 27: Hoops, Les nonis des plantes de
l'ancien anglais. - Cheneviere, Les ceuvres poetiques
de Bertaut. — Delboulle, Pierre de Changy, livre de
l'institution de la femme chretienne. — James D arme-
steter, Le dictionnaire general de la langue frangaise de
MM. Hatzfeld, Darraesteter et Thomas. — 28: Nolhac,
283
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 8.
2s.l
lif .Uf viriH illustribus" de Petriirque. — Vo Ihn öl 1er,
TriiuvnilU's espnf;nolea. — Hourciez, L'enseignenieiit
I'riiiic;iii8. — R. II iltl e b r a n (I , Uiotloniiaire nllcininul. —
Urbain, ünc oilc de Tlit-uiihilc et nn .sonnet ile Corneille.
— 29: Gotlofroy, Dicfionnaire de Tancienne lunguc
frnni;aise. R.
Le Sloyen Age IV, 4. Juni: W., Erec ed. I'oerster; Othmcr,
Das Vcrhältniss von Erec et KniJc zu dein Mabinogion
von Geraint.
Kev. pol. et litt. 24: Ursus, Vn nouveau livre par La-
martine (Lnmartine inconnu, notes, lettres et docnnients in-
edit.s, Souvenirs ile faniille, par le baron de Cluiniborant de
I'erissat, Paris 1S91). —27: R. V a 1 1 e r y - R a d o t , Senti-
nients de faniille, l.iTO — IS91. (Hiibselie Zusaninienstellung
von einzelnen Zü>;en, die clen Weelisel zeigen, der sieh in
der Emplindungsweise hinsichtlich der nächsten vcrwandt-
scliafiliehen Heziehungen vollzogen hat.) — Rene Douniic,
Victor Hugo apres 1830. (Aus Anlass der zwei neuen Bände
vin Kdniond Hire, die des Dichters Ijcben bis 1S51 weiter
führen mit gleicher Sorgfalt der Forscliung aber auch
gleicher Abneigung für seine Person.) — Ph. H e r t h e 1 o t ,
Les fetes du niois de juin ä Lisbonne.
Revue des deux moiiUes 1. Juni: lircnl, La tradition du
latin en Franoe.
La Nouvelle Ktsvue 1.'). Mai. 1. Juni: Renard, Le dix-
huitiemc siede de M. Faguet.
Heviie du luuiide latiu Juni: Baguenault de Puchesse,
Alfred de Musset, d'apres unc etude nouvelle.
Aiinulus de renseigneuieut siipeiieur de Grenuble IH,
2: P. Morillot, La doctrinc poetique de Boileau.
Bulletin de l'Inatitut national genevois F. XXX: L.
Morel, Ferdinand Frciligrath.
Nuovo Aichivio V^ueto 1, 1: Maluniani. Gasparo Gozzi.
— Cipolla, Postille nl I volume delle Antiche Cronache
Veronesi. - F c r rai c M e d i n, Rime storiehc del sec. XVI.
Biblioteca delle souule italiane III, 11 ff.: S. Cipolla,
II passo dello stigc: chiosa dpntesca. (40 S. auch sep. bei
Tedeschi e f., Verona.)
2seu ersc li iciieii c JJücliei-.
La_croix, Octave, Quelques ninitrcs etrangers et fran^ais.
Etudes litteraires. Jean Hoceacc, Rabehiis, Tliomas Moore,
Lope de Vega, Le )ioete Miehel-Ange, Etu<le sur la pocsie
latine, Les faux Don Sebnstien, Jehan Foucquet, Luiz de
Camoens, Giacomo Leopardi, Michel Cervantes, Double anni-
versaire de la niort de Sliakespearc et de .Michel Cervantes,
Mailame de Scvigiie, Marceau, Mailame limile de Girardin,
Sainte-Heuve, Prosper -Merimee. Paris, Ilachette et C. In-16.
fr. 3,50. liibliotheque variee, 1' Serie.
Langer, Otto, Sklaverei in Europa während der 1 -tztcn
Jahrliunderte des Mittelalters. Programm des Gymnasiums
zu Bautzen. 4(1 S. 4.
L ü 1 1 i c h , Selmar, lieber bedeutungsvolle Zahlen ; eine kultur-
geschichtliche Betrachtung. Programm des Donigymnasiums
zu Naumburg a. S. 47 S. 4.
Passy, l'aul, Ktude sur les changements phonetiques et
leurs caraeteres generaux. Pariser Dissertation. Paris, Fir-
min-Didot. 2(J4 S. 8.
Paulson, J., Fragmcntum vitne sanctac Catharinae Alexan-
drinensismctrieum e libro ms. eilidit. liUnd,Gleerup. 18". Kr. 3.
Rosikat, August, lieber das Wesen <lcr Sehicksalstragiidie.
I. Programm des Realgymn. zu Königsberg i. Pr. 2ti S. 4.
Upi)cnkamp, Aug., Der liegritf der Scheidung nach seiner
Entwickclung in seniitisehen und idgni. Spraelien. Programm
des Gymnasiums zu Düsseldorf. 39 S. 4.
W agier. Die Eiche in alter und neuer Zeit. Eine mytho-
logisch-kulturhistorische Studie. I. Programm des Gynin.
zu Würzen. 41 S. 4.
Y a r n li a g e n , Hermann, Zu Dr. Dicks Ausgabe der Innsbruck-
Münchener Redaction der Gosta Romanorum. Eine Ver-
theidigungsschrift. Erlangen, Junge. 19 S. 8.
Wartenborg, Willi., Bemerkungen zur Rythniik u. Metrik
mit bes. Rücksicht auf den Schulunterricht. I'rogranim des
Progymnasiums zu Küpen. 18 S. 4.
de Gupthe. 3' editioii, revue et corrigee. In-lS Jesus, 336 p.
Paris, llaclielte et C". fr. 3,50.
Cascorbi, Paul, Die Rufnamen der Müudener Schuljugend
im Jahre 1S90. Progr. des Realgymn. zu Münden. 11 S. 8.
Denecke, .\rtliur, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des
gesellsehaftliehen Anstandsgefühls in Deutschland. Progr.
des Gymnasiums zum heil. Kreuz in Dresden. 33 S. 4.
Ettlinger, J., Christian llofniann v. Hofmannswaldau. Ein
Beitrag zur Literaturgeschichte des 17. Jh. 's Halle, Nie-
meyer. 130 S. gr. 8. M. 2,80.
Festschrift zur SöOjährigen Jubelfeier des Gymnasiums
zu Herford. Darin: Otto Edler, Darstellung und Kritik
der Ansicht Lessings über das Wesen der Fabel. 23 S. 8.
Fo rn al d a r s 0 g ur , zwei, (Hrölfssaga Gautrckssonar und
Asinundarsaga Kappnbana), nach Cod. Holm. 7, 4'" hrsg.
von F. Dettcr. Halle, Niemeyer. LVl, lOÜ S. gr. 8. M. 4.
llagfors, K. J., Gamlakarlebymälet. Ljud- ock formliira
samt sprakprov. Dissertation von Helsingfors. 120 S. 8.
llandskriftet Nr. 2365 4'» gl. kgl. Sämling pä det störe
kgl. biblioiliek i Kobenhaven (Codex regius af der n?ldrc
Edda): fototypisk og diplomatisk gengivelse. Udg. ved L.
F. A. Wiininer og Finnur Jönsson. Kopenhagen, Möller.
LXXV, 197 S. 4.
Hedrich, A. R., Die Laute der Mundart von Schöneok i.
Vogtl. Programm der Realschule zu Leisnig. 30 S. 4.
Herders sämmtliche Werke, hrsg. von B. Suphan, Bd. 5.
Berlin. Weidmann. XXXI, 732 S. 8. M. 9.
Horäk, Wenzel, Die Eiitwickelung der Sprache Hallers.
Scliluss. Programm der Obcrrealschule zu Bielitz. 45 S. 8.
Knoop, Otto, Plattdeutsches aus Hinterpommern. 2. Samm-
lung. Fremdsprachliches im hinterpomnicrschen l'latt, nebst
einer Anzahl von Fischerausdrücken und Ekelnamen. Forts.
Programm des Gymnasiums zu Rogaseii. 18 S. 4.
Kraus, E., Das böhmische Puppenspiel vom Doctor Faust.
Abhandlung u. Uebersetzung. Breslau, Koebner. VI, IG9 S.
8. M. 3.
Kuhlniann, H., Die Concessivsätze im Nibelungenliede und
in der Gudrun mit Verglcichuiig der übrigen mhd. Volks-
epcn. Leipzig, Fock. 60 S. M. 1,50.
Lichtenberger, H., Do verbis quje in vctustissima ger-
manorum lingua reduplicatum pr.a'teritum cxliibebant (these).
In-S, VIII, 106 p. Nancy, impr. Borger-Levrault et C.
Löwner, G., Karl Ferdinand Kummer, ein Lebensbild aus
Oesterreich. Leitmeritz, Pickert. 8 8. 8.
Maas, Karl, Ueber Metapher und Allegorie im deutschen
Sprichwort. Progr. dos Wettiucr Gyinn. zu Dresden. 23 S. 4.
Müller, .-^ntoii. Die Theaterdichter Zacharias Liebludilt aus
Silberberg und Hieronyuuis Lingk aus Olatz. Ein Beitrag
zur Kulturgeschichte Schlesiens im 16. Jh. I. Programm
des Gymnasiums zu Strehlen. 36 S. 8.
Passy, P., Do Nordica lingua quantura in Islandia ab anti-
quissimis temporibus niutata sit. These. In-8, 64 p. Paris,
Firmin-Didot.
Saupc, Albin, Der Indiculus superstitionum et paganiarum,
aus zumeist gleichzeitigen Schriften erläutert. Prograiniii
des Realgymnasiums zu Leipzig. 34 S. 4.
Willomitzer, F., Die Sprache und Technik der Darstellung
in J. P. Hebels rhciMländiscliein Hausfreund. Programm der
Obcrrealschule im 11. Bezirk von Wien. 3.') S. 8.
Wörterbuch, deutsches, XI, 3: Thiermilch — Todestag.
XII, 4: verhöhnen— verleihen.
Wörterbuch, etymologisches, der deutsehen Sprache, von
F. Kluge, l'üiil'te verb. Auflage. 1. Lief. Strassburg, Trübner.
60 S. 4. M. 1.
Beckmann, E., Bemerkungen zur Förderung des guten
Gebrauches der deutschen Sprache in Altona. Programm
des Realgymnasiums zu Altona. 28 S. 4.
Bosser t, A., Giethe. Ses precurscurs et ses contemporains:
Klopstock, Lessing, Herder, Wieland, Lavater; la Jeunesse
Bach mann. F., Die beiden Versionen des mittelenglischen
Canticum de creatinnc. Eine Untersuchung über Sprache,
Dialekt, .Mi'trik und Verliültniss <ler beiden Versionen zu
einander und zu ihrer Quelle. Hamburg, Kleesscn. M. 2,60.
Caxton's, W., infantia salvatoris. Hrsg. von F. Ilolthau.sen.
Halle, Niemeyer. XI, 24 S. S. M. 0,60.
Child, Fr. J., The Eiiglish and Scottish Populär Ballads.
Part VIL Boston, Iloughton, MilHin a. C. 254 S. 4.
Fischer, A., Aberglaube unter den Angelsachsen. Progr.
lies Rcalgyninasiuins zu Moiningen 42 S. 8.
Flügel, F., Allgemeines englisch-deutsches und deutsch-
englisches Wörterbuch. 4. .\ufl. von J. O. Flügels vollst.
Wörterbuch. 7. Heft. Lex.-S. 1. Bd. S. 865—1088. Braun-
schweig, Westermann. M. 3.
Jeaffreson, C. H., u. O. Boonsel, English diologues
285
1891. Literatlirblatt für gerninnisclie iiml rumänische l'liilulogiu. Nr. 8.
286
witli phonetio transoriptions. Hamburg, Fritzsohe. XXVII,
212 S. 8. M. 2,Ö0.
Lo Morto Dar t hur by Syr Tliomas Jialory. Kaithfully
rcprinteil froni the original edition (14S.")) of William Caxtoii.
Kilitcd by U. Oskar Sommer, Pli. D. III. Stailios oii tlio
Süurccs. Witli an introduetory Essay by Andrew Lang.
London, Nutt. XXV, 338 S. 8.
Materialien für das neiienglisclie Seminar. Hrsg. von E.
Regel. Nr. 4: Tbackeray's lectures on tlic Knglisli Immou-
rists of tbe 18. Century. Mit bibliogr. Material, literar. Ein-
leitung und saclil. Anmerkungen für Studirendo lirsg. von
E. Regel. IV. Prior, Gay und Pope. Halle, Niemeyer. 104 S.
gr. 8. M. 1,20.
Murray, James A. H., A New English Dictionary on Histo-
rical I'rineiples founded mainly <in tbe Materials eollected
by the Pbilological Society. Vol. III. Part I. E— Every.
Lonilon, Sampson Low & Co. 12 sli. ti d.
üliphant, T. L. K., The Old and Middle English. 2nd ed.
Cr. Svo, p. 638. Macmillan. 9/
Shakespeare, Wni., Works of. Edit. by William Aldis
Wriglit. Vol. 3. Deniy Svo, p. ,')lö. Macmillan. lö/lj
— — , King Lear. With an Introduction and Notes by K.
Deighton. 12mo. Macmillan. sil., 1,6; 10
Sliakspere's Works. Edited by Charles Knight. With 370
Illustrations by Sir John Gilbert. Vol. 4. (Mignon edition.)
Long 12mo. p. 544. Routledge. 2/6
Agnelli, Giovanni, Topo-cronografia del Viaggio Dantesco.
Mailand, Hoepli. 168 S. 4 mit 15 Doppel-CIiromotafeln M. 12,80.
Amati, Amato, I proemi nella Divina Commedia. Padova.
21 p. 8. Memoria letta nella r. aecademia di seienze, lettere
ed arti in Padova. Vol. III disp. 2 der Atti e memorie.
Basile e Croce. Lo Cunto de li C'unti (II Pentameronc)
di Gianibattista Basile, testo confornie alla prima stanipa
del MDCXXXIV — VI com introduziono e note di Bened.
Croce. Vol. L Napoli. CCIII, 296 p. i. L. 5. Bibliotcea
Napoletana di storia e letteratura edita da Bened. Croce
vol. II.
Baynes, H., Dante anj his Ideal. With a Frontispiece after
Giotto's Fresco. 12mo, p. 108. Swan Sonnenschein. 2/6 '
Bemont, C, et G. M o n o d , Histoire de l'Europe et en
particulicr de la France de 395 a 1270. Paris", Alean. XI,
588 S. 8.
Benedettucci, Cl., Monaldo e Giaconio Leopardi. Recanati.
175 S. 8.
Berger, Fr., Dantes Lehre vom Gemeinwesen. Programm
der 1. höh. Bürgerschule zu Berlin. 15 S. 4.
Bibliothek, romanische, hrsg. von W. Foerster. Halle,
Niemeyer. 8. IV: Wistasse le Moine. .\ltfranz. Abenteuer-
roman des XIII. Jh. 's, nach der einzigen Pariser Hs. von
Neuem hrsg. von W. Foerster u. J. Trost. XXXI, 88 S.
M. 3. — V: Kristian von Troyes, Yvain (der Löwenritter).
Neue verb. Textausgabe mit Einleitung u. Glossar hrsg. v.
W. Foerster. XXI V', 187 S. M. 4. — VI: Das Adamsspiel.
Anglonormannisches Gedicht des XII. Jb. 's, mit einem An-
hang : Die fünfzehn Zeichen des jüngsten Gerichts, hrsg.
von K. Grass. VIU, 174 S. M. 4. '
Bire, Edniond, Victor Hugo apres 1830. Paris, Didier. Deux
volunies in-16. fr. 7.
Blade, J. F., Les Vascons espagnols depuis les dernieres
annees du VI' sieele jusqu'ä I'origine du royaunie de Navarre.
In-8, 100 p. Agen, imp. V« Lamy.
Boccaccio, II Decamerone riveduto e annotato da Mario
Foresi. Firenze. 624 S. 16.
B 0 n a n n i , T., II cantieo del sole di S. Francesco conimen-
tato nella Divina Commedia. Aquila. Per nozze Silvestri-
Cipollini.
ßo», A., Glossaire de la langue d'o'il (XF — XIV sieoles),
eontenant les mots vieu.x frangais hors d'usage, leur expli-
cation, leur etymologie et leur concordance avcc le provenjal
et l'italien. Ouvrage ä l'usage des classes d'hunianites et
des etudiants. In-8, XV, 465 p. Paris, Mnisonncuve. fr. 16.
Büurciez, L'enseignement frangais et l'enseignemcnt superieur
des langues romanes. Bordeaux, V"' Cadoret. 8 p.
C e s a r i , Aug., Conie pervenne e riniase in Italia la Matrona
d'Efesü. Bologna, Zaniclielli.
Cr es c im a n n 0 , G., II figliuolo dell'orsa [Inf. XIX]. Catania.
D'Arbois de Jubainville, H., Les noras gaulois chez
Cesar et Hirtius de hello gallieo. Premiere Serie. Les eom-
yoses dont rix est le dernier terme. In-lS Jesus. Paris,
Bouillon, fr. 4.
D'Avino, Gen., [Giovanne D'Arnol. L'Annella: commedia
in tre atti. Profazionc e note di S. Di Oiacomo. Napoli,
S. Di Giacomo. V, 82 p. 4. (Niicli der 'eilizione di Xnapole,
pe Gianfracisco Paci 1767'.)
Del Lungo, Isidoro, Bcatricc nella vita o nella pocsia del
secolo Xill. Mailand, Hoepli. 200 p. 8. M. 3,20.
Develay, Les Eglogues de Petrarcpie. Trad. pour la premiere
fois par V. Develay. Paris, libr. des bibliophiles. 2 vols.
XXIII, 99; 170 p. 32. fr. 5.
Dictionnuire gem'ral de la langue frannaise par Ilatzfeld,
Darmesteter et Thomas. Faso. 5. S. 305—384. hrouettee—
t'('j.>eniht)U.
Doeumenti, Sei nuovi, alighieriani della cancelleria ducale
di Modcna, |)er G. L. Passerini. Verona. 8 p. 8. (Aus dem
'Alighieri'.)
Doneieux, G., La I'ernctte, origine, histoire et restitution
eritique d'une chanson populaire romane. Paris. 52 p. 8.
Ebeling, G., Auberee, alti'ranz. Fablel nach den bekannten
Hss. zum ersten Male kritisch mit Einleitung und Anmer-
kungen hrsg. I. Einleitung. Berliner Dissertation. 57 S. 8.
Ehering, Emil, Gedeon Huet und R. Giov. Zannoni,
liibliographisrli-kritiscbcr Anzeiger für roman. Sprachen u.
Literaturen. III. 1891. Heft 1. Berlin, Bibliogr. Bureau.
Preis pio Jahrgang von 12 Heften M. 12.
Fort in i, Pietro, Novelle. I: Le gioruate delle novelle de'
novizi. Vol. II. Lief. 1 — 4. Firenze. 348 p. Bibliotechina
grassoccia: capricci e curiositä letterarie inedite o rare,
raccolte da F. Orlando e G. Baeeini. N' 15 — 18.
Foures, A., Les Cants del soulelh (les Cliants du soleil)
(poesies languedociennes). Avec traduction frauQaise en
regard. Grand in-8, 356 p. Paris, Savine. fr 8,50.
Frosina-Cannella, G., Un mazzetto di canti popolari
siciliani. Roma. 4.
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K a b i s c h , 0., Marie de Rabutin-Chantal, Marquise de Sevigne.
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Meyer, P., Notice sur quelques nianuserits francais de la
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Rouquet, A., Les Chenier. Portraits, Lettres et Fragment
inedits. Ouvrage illustre de 4 photogravures artistiques hors
texte et d'une eau-forte d'Adrien Nargeot. Grand in-8, 31 p.
Paris, aux bureaux de l'Artiste, 44, quai des Orfevres. fr. 10.
R 0 US s eau, J. J., Lectures choisies de Jean-Jacques Rousseau.
Ordonnees et annotcps par S. Rocheblave. In-18 iesus, XIX,
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287
1891. LiterAturblatt fSr (jcrnianisclip und romaiiUclie Philolo$rie. Nr. 8.
2^-
Sü nile rill a IUI , A., Aus Molieres Dichtung. Programm des
Joachimsthal. Ojmn. zu lierliii. 24 S. 4.
Trattati religioäi e libro do II cxompli in ontioo dialetto
voncziniiu oilito a cura di Oiaooiiio Ülricli. Bologna, Ro-
inagnoli. XV, 181 p. L. 6. Soelta di curiositii ineditc o
rare dal seculo Xllf al XVII in appendiec allii collcziono
di opero ineditc o rare 23'J.
Urbain et Janiey, Etudcs liistoriques et oritiqiies sur les
clagsiques fran^'ais du baccalaurent. (Origine et Formation
de la langue tVnn^niso; la (.'lianson ile Roland: les Historicns
du moyen äge ; Montaigne, l'asenl, La ßruyer. , Bossuct,
Kenelon, Ituileau, La Fontaine, Montesquieu, Voltnire, J. J.
Koussenu. Uuffon; les Ecrivains epistolaires du XVII' et
du XVIII" siede.) 7° edition, rel'ondue et conforme aux
prograinmes de 1890. Grand in-IÜ, VIII, ".'lü p. Paris, Cro-
ville-Moraiit.
Vinols, de, Voeabulnires patois vollavicn-IVantais et fran-
gais-patois vellavien, publirs pnr la Socielö d'iigrioulture,
»ciences, arts et coinnieroe lUi Puy. rödiges par le baron
de Vinols. In-8, "Jll p. Le Puy, iinpr. Prades-Fruydier.
Volpi, G., Del tcmpo in cui fu seritto il „Morgante". Mo-
dcna. (Aus Rasscgna Emiliana.)
W n il 1 e , Vieto
Id-8. IV. ö.
Z a c 0 h e 1 1 i , C, Due lirichc sacre in dialetto umbro.
Per nozze Signoretti.
Lc romantismc do Mnnzoui. Paris, Haohctte.
Rieti.
lii t erarisclic M i 1 1 lieiluii geu ,
n il c lir i c h t e 11 etc.
l'eisoua 1-
llerr Dr. C. Kraus verzichtet auf seine Ausgabe dos
Reinbotsohen Georg zu Gunsten einer von F. Vetter seit
längerer Zeit vorbereiteten .\u6gabe dieses Werkes.
.Vn der Universität Leipzig hat sich Dr. 11. Hirt für
igni. Sprnohwissenscliaft und deutsche Philologie habilitirt.
Prof. Ur. A. Gaspary wurde zum Nachfolger von Prof.
Dr. K. Vüllniöller in Güttingen ernannt.
A n t i q u a r i s e II c Kataloge: Dietrich, Göttingen
(Deutsche uiiil ausländische Sprache u. Literatur); Rick er,
Gicsscn (Spracliwisseusehaft, German., Roman.): Simmel,
Leipzig (Indogermanisch).
Abgesclilosscn am 4. August 1891.
N Ü T I Z.
DcD f;erniaiiifiti8Cbcn Tbeil rcdigirl Otto Beha^bel (GiC89Pn, BahnhofätraBSC 71), den romainstischeu und engliBchen Tbeil FritZ NenniHUn
(llt^idolbcr:;, Kobrbnchcrstr. 5l)t und man hittct die Beitrage (Kecp.nsioneti, kur/.e Notizen, Fersonalnacbrichtnti etc.1 dem entsprechend gofällitr^t ?u adressircn.
Die Krdaction richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die BiUe, dafür Sorge tra;;en /u wollen, das« alle neuen Werke germain&tiacheii uitd
ronianistiftchen Inhalts ihr gleich nach K r s c h e i n e n entweder direct oder durch VerniUtelung von O. K. Krisland in Lcipzi;; su;;esaiidt
werden. Nur in dicscmFallc wird die Heda otion alets im Stande sein, Über neue Publicationen eiuoBesprocbung oder
kürzere Bemerkung (In der Bibliogr.) 2u briu>;ou. An O. H. Koislaud sind auch die Anfragen über Honorar und Sonderabzüge zu richten.
u -
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Literarische Anzeigen.
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I Umfang M. 12, 15 u. 18. j|
Verlag des Art. Institut Oreli Fiissli in Zürich.
Eleim'iilaibiii'li der französischen Sprache
für Oborrealschulon, Kealschiilon und ver-
wandte .\n3tnlten. Von Dr. Gnstav
Luppe, Oberlehrer au der Oborrealsiliule
zu Kiel und Julius Ottens, ord. Lehrer
an der Oberrealschule zu Kiel.
Kl'!! I. TKIL. Das erste Stdiuljalir. In Rück-
SEXTA „n,l KrUleder geb. M. 1.50.
fC'I! IL THIL. Das zweite .Schuljahr. In Rück-
QUINTA und Erklcdur geb. M. l.SO!
KÜIt III. TEIL. Das dritte Schuljahr. In
«»IIA UTA Rück- und Eekleder geb. M. 2.—
Franzosische Schulgranimatilf im Anschlnss
iin das Elomentarbuch von Liipiie-Oltciis.
Fl I!
INTKliTKiniA
BIS
Uearbeitet von J. OttenS. In Rück- und
rXTF,i;.sEKlXl)A Kckleder geb. M. '2A0.
* t* Der in dieser Grammatik gebotene
Lernstoff i.st auch für Obersekuuda und
Prima ausreichend.
Übungsbuch z. Übersetzen ins Französische.
rvTiM-TPüTn ^"^ Anschlüsse an des Verfassers Soiiul-
l'tls fframmatik von J. üttens. lu Rück- und
UNTEKSEKINDA Eckleder geb. M. 1.40.
Encyklopädie und Methodologie
,l.r
romanischen Philologie
mit besunderer ßerücksiehtigung des Französischen und
italienischen
von
Gustav Körting.
3 Bände u. ein Zusatzheft. 11.5 Bogen. 18.S4/S8. Preis J6 24,—.
I.iiiizii/. f>. /i. Jtris/iintl.
JVcrlagj[oiiJ)jJl^^
Grammatik
(1er romanisch eil Sprachen.
Von
Dr. Wilhelm Meyer-Lübke,
il. o. Professor der Uiiiversitäc Jcnn.
Erster Band. Ca. 35 Bogen Lex.-8. Preis >,I6 16, — .
Das ganze Werk wird in 3 Bänden, jeder otw^a 35 Bogen
umfassend, erscheinen, von denen der zweite 1S91, der Schluss-
band 1S03, zur Ausgabe gelangen soll.
Provenzalisclie Inedita
aus
Pariser Handschriften.
Herausgegeben
von
Carl A p p e 1.
1890. 24*1, Bügen. 8°. I'rcis JC 8, -.
Le Bestiaire.
Das Thierbuch des normannischen Dichters Guillaume le Clerc
zum ersten .Male vollsläiidi!.;- ii;i<li den ilaiulsclirifteu
von London, l'aiis u.id IJoilin
mit ■
Einleitung: und (ilossar liei-auspegcben von
Dr. Robert Reinsch.
1889. 28 Bogen. 8. Preis M U), — .
Verantwortlicher Redactcur Prof. Dr. Fritz Neumonn iu Heidelberg. — O. Otto's Ilofbuchdruckeio: in Darrostadt.
I
LITERATÜRBLATT
FÜR
GERMANISCHE und ROMANISCHE PHILO®mE.
HERAUSGEGEBEN VON ^:^/;
■QR. OTTO BEHAGHEL und D"- FRITZ NEUMANN
/
o. ö. Professor der germanischen Pliilolu
an der Universilät Giessen.
o. ö. Professor der romanischen Philologie
an der Universität Ueidelberg.
Erscheint monatlich.
VERLAG VON
O. R. REISLAND, LEIPZIG.
Preis halbjährlich Jf. 5.
XII. Jahrgang.
Nr. 9. September.
1891.
Wacke rnage] - Mart i n. Geschichte der deutschen Ren t seh. J. £. Schlegel als Trauerspieldichtcr
Literatur II,
iBehaghell.
<L e i t z lu a n n;.
K e 1 1 e r - S i e V e r s , Verzeichniss altdeutscher Uss. ; S c h vi e i z e r i s c h e S c h a u s p i e 1 e dos 16. Jh.'s
(L e i t z ni a n ni.
V. B a h d e r , Grundlagen des nhd. Lautsystems
(Ka u f f ni a n n).
Boiunga, Entwicklung der nhd. SubstantivSexion
(B e h a g h e I).
I (Franke
Bolte, Gnapheus^ Acolastus (Frankol).
Feronne. Engl. Zustände im IS. Jh. nach den
Romanen von Fielding und Smollet (G 1 5 d el.
Xordfelt, Etudes sur la chauson des Enfances
Vivien (V i s i n g».
Qotzinger, Die roman. Ortsnamen des Cantons
St. Gallen (U n t e r f o r c h e r).
Z i m m e r I i , Die deutsch-franz. Sprachgrenze in der
Schweiz (X e u m a n n).
Bibliographie.
C o h n , Die Suftixwaudlungen im Vulgärlatein und Literarische Mittheilungen, Personal-
im vorliterar. Französisch (M e y e r - L ü b k of. \ nachrichten etc.
Wackernagrel, Wilhelru, Geschichte der deutschen
Literatur. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage be-
sorgt von Ernst Martin. II. Band, erste und zweite
Lieferung. Basel, Schwabe. 1885 u. 1889. 286 S. M. 5.40.
Bei dem lansrsameii Tempo, in welchem die Hefte
des vorliegenden Werkes erscheinen, liegt die Gefahr
nalie, dass die Theilnahme des Publikums erkalte und
vielleicht gar der Verleger die Geduld verliere. Das
wäre aber in hohem Grade ungerechtfertigt. "Wir sind
Jlartin für seine Hingebung, tür seine mühevolle Arbeit
zu lebhaftem Danke verpflichtet. Die erste Lieferung
ist noch Xeugestaltimg von Wackernagels Werk ; die
zweite schliesst sich nur noch zum kleinen Theile an
Wackernagel an und ist im wesentliclien ilartins eigene
Arbeit, il. hat hier nicht niu' die reiche Einzelforschung'
der letzten Jahrzehnte gewissenhaft verwerthet, sondern
selber die Literatur der Zeit — des siebzehnten Jalii'-
hunderts — in umfassender Weise durchgearbeitet und
unsere Kenntiüss durch eine Fülle von Einzelunter-
suchiuigen bereichert.
Wie beim ersten Bande, so möchte man auch hier
wünschen, dass die sprachlichen Abschnitte eine gründ-
liche Lmgestaltung erfahren hätten. Gewiss nimmt
Martin selber nicht an, dass das Obersächsische mit
Xiederdeutschem „versetzt" sei (S. 9), dass sl, sm, sn
zu sclil, sein», Silin geworden „auf Anlass der schon
älteren Verbindung sehr" (S. 20), dass in harken k für
eh stehe (S. 21; vgl. Beitr. IX. 583). Xicht recht
verständlich ist mir, inwiefern die norddeutschen Mund-
arten der Schriftsprache ähnlicher sind als die ober-
deutschen (S. 17): ebenso sind mir die „zwei oder drei
Vokale" (S. 18) unklar: wie konnte Wackernagel fiii-
das Xhd. im Vergleich zur älteren Sprache eine viel
beschränktere Anwendung des Accusativs mit dem In-
finitiv behaupten'? (S. 24).
Ist Martin mit den Ansichten Pilgers über die
Metrik des 16. Jahrhunderts nicht einverstanden, weil
dieselben keinen Einfluss auf die Darstellung' von S. 6
unten gewonnen haben ?
Ein Widerspruch zwischen Altem und X'euem ist
.S. 9 stehen geblieben : nachdem in Z. 2 Übersachsen in
Böhmen geändert, ist der „obersächsische Grund" unver-
ständlich; ebenso passt auf S. 4 die „neue"' Vaterlands-
begeisterung (statt der „letzten") nicht mehr recht in
den Zusammenhang.
Möchte es Martin vergönnt sein, in frischem Zuge
seine schöne Arbeit zu Ende zu führen.
Giessen. Otto Behaghel.
Keller, Heinr. Adelbert v., Verzeichniss altdeutscher
Handschriften, hrsg. von Eduard Sievers. Tübingen,
Laupp. 1890. V, 178 S.
I Kellers Handschriftenverzeichniss, das bisher nur
I theihveise in Privatdrucken bekannt war, sollte nach
seinem Tode Bartsch herausgeben ; da jedoch auch dieser
die Vollendung nicht erlebte, so hat Sievers auf AVnnscIi
der Kellerschen Familie die Herausgabe besorgt: anderswo
bereits Gedrucktes, Antiquirtes. Unvollendetes ist fort-
gelassen; das Verzeichniss der in der Xürnberger Hand-
I sclu'ift Valentin Holls enthaltenen Stücke ist von Sievers
j selbst redigirt. Neuere Literaturnachweise sind sorg-
fältig verzeichnet, was die Brauchbarkeit des Buches
wesentlich erhöht: den Schluss bildet ein Eegister der
1 Verfasseruamen und \'ersanfänge.
i .Tena. Albert Leitzinann.
i ,
V. Bahder, Karl, Grundlagen des nenhochdentsehen
Laiitsysteius. Beiträge zur Gescliichte der Jeutschen
Schriftsprache im 15. und 16. Jahrhundert. Strassburg,
; K. J. Trübner. 1890.
I Es hat auch im Mittelalter eine sprachliche Aus-
' gleichnng bestanden. Es hat eine Sprachübertragung
von Mitndart zu Mundart gegeben, sei es dass Denk-
mäler durch .Abschritten verbreitet wurden, sei es dass
mündlich Poesie und Prosa von Landschaft zu Landschaft
wanderten. DiU'ch diese thatsächlichen Vorgänge ist eine
Verbindung hergestellt worden zwischen Gebieten, die
mundartlich von einander geschieden waren. Der sprach-
liche Austausch hatte aber keineswegs zur Folge, dass
eine Gemeinsprache sich gebildet hätte. Im Gegentheil.
Der literarische Connex der Sprachgebiete war derart,
! dass ähnlich dem Xebeueinander der partikularistischen
territorialen Gewalten die verschiedenen Mundarten sich
das Gleichgewicht gehalten haben, dass eine Centrali-
sation nicht entstehen konnte, weil die Sprache des
Mittelalters stets nur durch Individuen vermittelt
worden ist. Das Individuelle ist zu allen Zeiten der
Feind des Gesetzmässigen, der Xorni gewesen. Eine
sprachliche Norm, die Grundbedingung der Gemein-
sprache, hat sich erst als Bedüi'fnlss aufgedrängt, als die
I Mittlieilung von Individuum zu Individuum aufliörte und
21
291
1891. Literaturblatt für gormaniscbe und romanische Philologie. Nr. 9.
292
durch universale Anschauung ersetzt wurde. J)urili die
Erfindung des Buchdrucks ist die Sprache vom Itulividuum
isolirt, ybjectivirt und dadurch Gegenstand des Nach-
denkens, wissenschaftlicher Betraclitung oder was das-
selbe heissen will, vernunftgemässer Regelung geworden.
Siilche Gedanken, von Paul in seinen I'rincipien
angeregt, hätten langst reinigend und entlastend auf die
Studien wirken sollen, die auf die Entstehungsgeschichte
unserer nhd. Schriftsprache gerichtet sind. K. v. Bahders
nützliches Buch hätte auch an Klarheit der Demonstration
gewonnen, wenn der Verf. am geeigneten Ort im Kuck-
blick anf die Zeitgeschichte von priucipiellen Erwägungen
sich hätte leiten und weniger von der Einzelform sich
hätte beherrschen lassen. In den einleitenden Abschnitt
wäre dadurch mehr Zusammenliang und mehr Leben ge-
kommen und aucli die Einzeluntersuchungcn wären weniger
tabellarisch ausgefallen. Pauls Priucipien sind eine Licht-
quelle, in deren Bereich jede sprachgeschichtliche Unter-
suchung zu treten hat, will sie nicht in der Finsterniss
der Buchstabengelehrsamkeit sich verirren. „Die künst-
liche Sprache eines grossen Gebietes pHegt in einem
gewissen Entwicklungsstadium ungefähr in demselben
Grade dialektisch differenzirt zu sein, wie die natürliche
innerhalb einer Landschaft." Diese goldenen Worte
Pauls haben das Motto für jedwede nhd. Sprachforschung
zu bilden, so weit sie Ernst damit macht, in die Lebens-
kräfte unserer heutigen deutschen Sprache einzudringen.
Es bestellt auch hier die Aufgabe, die ^'erändern^gen
des Sprachusus zu klassiticireu und die Wirksamkeit der
Proportionsgiuppeu in der Sprachvorstellung im Auge
zu behalten.
Die Sammlungen Prof. v. Bahders werden jeden
auch noch so oberflächlichen Leser darüber belehren, bis
zu welchem Grade der Verworrenheit und Zusammen-
hangslosigkeit unsere Schriftsprache, vom historischen
Gesichtspunkte aus, gediehen ist. Es sind unnüthige und
unzweckmässige Difterenzirungen entstanden, die sich
nicht mehr ausmerzen lassen, deren E.xistenz der For-
schung theilweise sehr schwierige Probleme auferlegen.
Z. Ii. die nhd. Vokaldehnung (v. Bahder S. !S5 ü'.). Es
■wird beliau])tet, dass die (Quantitäten des Nhd. nicht auf
einer einzigen Mundart beruhen. Eine Dehnung des
^'okals ist bekanntlich vor Doiipelconsonanz nicht nach-
weisbar, ausser wo Gruppenbildung im Sjjiele ist: lebe,
lebst dagegen trete, trltsf-, nehme, nimnii^t. Paul hat
hier sehr richtig die Ursache des Divergirens erkannt
(Priucipien S. ItUi). Es erhebt sich die iirincipielle \'or-
frage, ob wir mit v. Bahder im Rechte sind, uns von
einzelnen Buchstabenconstellationen leiten zu lassen.
Unser Autor führt ins Feld, dass vor t sich ganz über-
wiegend Kürze zeige, ebenso vor m in zweisilbigen
AVörtern. Dass vor t sich überwiegend die Kürze er-
halten zeige, hänge damit zusammen, dass die aleman-
nischen Mundarten hier durchgehends den mhd. kurzen
\'okal bewahren. Xun hat lleusler festgestellt, dass die
alem. Jlundarten nur vor Lenis Vokaldehnung erfahren
haben, nicht vor Fortis (bekanntlich hat im Alem. t
Fortisqualität bewahrt): folglich ist nicht zu verwundern,
dass z. B. mhd. trit in Basel zu drit, dagegen mhd. rail
zu rftd geworden ist, vgl. E. Hoft'mann, Der mundartl.
Vokalismus von Baselstadt S. 30. Ich wüsste nicht wie
man sich z. B. in diesem Punkt eine Beeinflussung der
Schriftsprache von Seiten des alem. Dialekts vorzustellen
habe. Wenn irgend eine Dialektgruppe in den Jahr-
hunderten des schriftsprachlichen Ansbaus die aufnehmende
gewesen ist, so war es die alemannische. Wie sollten
die weiten deutschen Laude von dem alem. Muster er-
fahren, wie sollten sie sich daran gewöhnt haben? Länge
des Vokals in Futlie, Bote gegen Kürze in Sitte, Gatte
u. a. beruhen einzig und allein auf Ausgleichung eines
älteren Wechsels, wie Paul denselben dargelegt hat.
Ich muss die von v. B. versuchte t'orreetur der Panischen
Auflassung nach Methode wie Resultat so lange für ver-
fehlt betrachten, als wir nicht in ganz anderer Aus-
dehnung über die Sprechformen der früheren Jahr-
hunderte unterrichtet werden. Verf. hat uns in seinem
Buche selbst gezeigt, zu wie schönen Resultaten um-
sichtige Beobachtung gelangt, wenn sie es mit rein
orthographischen Problemen zu tluin hat. Ich
meine den Abschnitt über „Die Entwicklung des nhd. (V
S. 104 fF. In den md. Landschaften war der Buchstabe
ä resp. « unbekannt, in Oberdeutschland ist seit frühen
Zeiten ä für den u nahestehenden e-Laut üblich ge-
wesen. Erst in der Periode der schriftsprachlichen Be-
wegung ist ä auch in Jlitteldeutschland nach obd. Muster
zur Verwendung gekonnnen. Da nun aber in Mittel-
deutschland (laut sprachgeschichtlichem Ausweis) für ä
in schwär und e in neren eine lautliche Verschiedenheit
(wie in Oberdeutschland) nicht bestanden hat, lag es nahe
genug auch z. B. nären zu schreiben, lladurch ist die
ursprüngliche, phonetische Geltung des obd. «-Zeichens
preisgegeben woiden. Das bekannte etymologische Princip
ä innuer da zu schreiben, wo ein Wort mit « erkennbar
zu Grunde liegt, hat sich von Mitteldeutschland
aus entwickelt und den älteren in Oberdeutschland
geltenden Usus allmälig verdrängt (S. 114). d ist den
md. Drucken ursprünglich ganz fremd. Noch die letzte
Bibelausgabe Luthers enthält kein ä. Jedoch der Ein-
fluss der Luthersprache reichte nicht aus, das durch den
süddeutschen Gebrauch empfohlene d von der Druck-
sprachc fern zu halten. Die Grammatiker erkennen den
orthographischen Werth des Zeichens. Die Folge ist,
dass d unter dem steigenden üebergewicht des md. Ein-
flusses in Oberieutscliland an der ursprünglichen Aus-
dehnung einbüsst, bis schliesslich durch die theoretische
Forderung der Grammatiker (liueintz, Schottel) im
wesentlichen der heutige Usus zur Anerkennung gebracht
wird. Diese ganze Untersuchung ist nach allen Seiten
hin vortreffllich gelungen. Sie gibt ein Miniaturbild
der gesammten schriftsprachliehcn Bewegung im 15. —
17. .Jahrhundert. Oberdeutsihland ist zunächst die mass-
gebende Provinz', Mitteldeutschland die empfangende und
Weiterbildende. Die literarische und theoretische Macht-
stellung Mitteldeutschlands im 1(5. und 17. Jahrhundert
bringt sodann die speciflsch md. Moditicationen auch in
(JVcrdcutschland zur Anerkennung — Luther ist nur die
indirect wirkende Potenz, ist nicht direct an der gram-
matischen Regelung betheiligt. Noch mehr ist der Ein-
fluss der kaiserlichen Kanzlei überschätzt worden. Maxi-
milians Kanzlei hat keineswegs eine irgendwie einschnei-
dende Umwandlung der Sprachformen eingeleitet (S. 7),
die Drucksprache hat sich frühzeitig und vollständig von
' Ule Bedeutung der süddeutschen Drucksprnclien ist
bisher vielfach zu gering aiigesphliigen worden; ich freue
mich in diesem wiclitigen Punkt mit v. Bahder zusnninieri-
gctrolTen zu sein (vgl. meine Ooschichte der Seliriftspracho
in Schwaben). In der Besprechung der kaiserlichen Kanzlei
felilt dagegen ein Hinweis auf die liedoutung des Johann von
ülniütz (vgl. in meinem Buche S. "iSS und jetzt die umfassende
Darstellung von Hur dach im Ceutralblatt für Bibliotheks-
wesen VIII, 145 tr.).
II
^93
1891. Literatuiblatt für germanische und romanische Philologie. Ifr. 9.
S94
dem Kanzleidentsch piiianfipiit (S. 15). In den ortlin-
graphisclien JJestrt'bung'cn Luthers gewinnt die spracli-
liche Ecform eine feste Position (S. 53), der obd. Ein-
flnss wird gestaut, die md. Tradition überninunt autoritativ
die Führung' und erobert Xiedordeutschland. Doch wäre
es total verkehrt die äussere Form der Luthersprachc
als Schriftsprache schlechtliin anzusehen. Haben doch
die md. Pressen keineswegs die Lutliersehe Norm ein-
gehalten. Vielmehr herrscht freie Bewegung — die in
ihren einzelnen Wellenlinien noch nicht aufgehellt ist — ,
erst die grannnatische und literarische Theorie der md.
Meister (Schottel, Zesen, Opitz) lenkt dieselbe auf ein
bestimmtes Ziel. Die Speeialforschung hat hier noch
ein weites Feld. Prof. v. Bader hat selbst fleissig ge-
sammelt und ausser den bereits genannten .Studien eine
Reihe weiterer vorgelegt. Er spricht noch über: nhd.
0 aus mild, ä, nhd. ö aus mhd. e, nhd. /( aus mlid. /,
nhd. 0 {>)) aus n {ii), über den Umlaut des u im Xlid.,
über nhd. ok und (in im Wechsel, ulid. /) aus mhd. b,
nhd. (/ für mhd. t, nhd. f aus mhd. d und schliesst mit
einigen Bemerkungen über das mhd. Auslautsgesetz im
Xhd. Die Uebersicht über den Inhalt des Buches er-
leichtern „Vergleichende Tabellen" (S. 267 — 2S3), die
ich gerne noch reichhaltiger gewünscht hätte. Ich kann
hier die einzelnen Abschnitte nicht besprechen. Ihr
AVerth beruht in der Materialsammlung. In der spracli-
geschichtlichen Beurtheilung kann ich dem Verf. nur in
seltenen Fällen mich anschliessen. Ich wiederhole, dass
wir nicht vorwärts kommen, so lange die Ürthograpliie
nicht von den einzelnen Mundarten aus entwicklungs-
geschichtlich beleuchtet wird. Es muss erst die Be-
deutung der orthographischen Zeichen in den verschie-
denen Centren festgestellt werden, ehe wir mit der
nhd. Sprachforschung in das (iebiet der Lautgeschichte
gelangen.
Marburg i. H. Friedrich Kauffraann.
Boiunga, Klaudiii:«, L*ie Entwicklung der nbd. Sub-
stantivflexion ihrem innorn Zusammenhange nach in Um-
rissen ilargestellt. Leipziger üissert.ntion. 163 !S. S.
Eine durch die Wahl des Themas wie d'e Art der
Ausführung gleich erfreuliche Arbeit. Es kommt dem
Verfasser darauf an. nicht um festzustellen, welche laut-
lichen Vorgänge, welche Associationswirkungen über-
haupt die nhd. Paradigmata gestaltet haben, sondern
vor Allem zu zeigen, weshalb in jedem einzelnen Falle
gerade diese Gruppenbildungen , gerade diese Aus-
gleichungen und keine andern stattget'unden haben. Er
geht dabei im Ganzen mit Geschick und Glück zu
Werke und liefert so einen beachtenswerthen Beitrag
zu dem noch so wenig erörterten Problem von der Ein-
wirkung des Inhalts auf die Form.
Dass der mundartliche Abfall des auslautenden n
eine Rolle spiele in der Entwicklung der Flexion, glaube
ich nicht, da wohl alle die hierher gehörigen Mundarten
das ursprünglich auslautende e verloren haben, also ein
Zusammenfall der Formen auf -e und auf -cn nicht ein-
treten kann. Braunes Erklärung der Accusativform
luannan ist künstlich (S. 42); es haben einfach die
Eigennamen eingewirkt, deren zweites Glied eben durch
das Wort man gebildet wurde. Interessant — ob aber
stichhaltig? — ist der Versuch, den Abfall des -e in
Jud, I'foff, Lump aus einer besonderen Betonung der
•Schimpfwörter zu erklären (S. 55).
Giessen. 0. Behaghel.
R e n t s c 1) , .Johannes, .Toliann Elias Schlegel als Traner-
spieldichler mit hc^innilercr liiTiicksicIitigiing seines Ver-
hältnisses zu Cidttsclicil. Leipzig. Ifeycr. IS!)(). 118 8.
Die Studie des Verfassers über Elias Schlegels Ver-
hältniss zu Gottsched und seine Tragödien (aus einer
grösseren in Erlangen als Doctorschrift eingereichten
,\rbeit) will die Kenntniss dieses seit Danzels Gottsched-
buch mehr in den Vordergrund der Betrachtung ge-
rückten Dichters in seiner poetischen Praxis als Trauer-
spieldichter fördern, nachdem seine Lustspiele jüngst
durch Söderhjelm, seine theoretischen Schriften durch
V. Antoniewicz eingehende Behandlung und Würdigung
erfahren haben. Das erste Kapitel schildert die Ent-
wicklung der Beziehungen Schlegels zu Gottsched bis
zu ihrem inneren Bruche: mit Recht wird hier Schlegels
Edelmuth, der einen öffentlichen Bruch mit Fleiss ver-
mied und sich nicht in gehässige Feindschaft gegen
seinen früheren Lehrer setzen wollte, dem er docli
vieles verdankte, gegen Söderhjelms Angriff in Schutz
genommen. Im zweiten Kapitel analysirt Rentsch ein-
gehend Schlegels Trauerspiele, vollendete, unvollendete
und Entwürfe, in Rücksicht auf ihre Quellen und die
fortschreitende Gewandtheit in Beherrschung und Formung
des Stoffes nach dichterischen Regeln: schon als Anfänger
Gottsched und seinen Anhängern weit voraus, weil durch
die Schule der antiken Dramatik gegangen, wurde er in
seinen prosaischen Schriften über Theorie des Dramas
ein Vorläufer Lessings; als auch seine poetische Praxis
freiere Bahnen zu gehen anfing, starb er, für unsere
Literatur zu früh. Eentschs Analyse der Dramen ist
eindringend und sorgfältig. Besondere Beachtung ver-
dient das dritte Kapitel, das von Sprache und Vers der
Dramen Schlegels im Verhältniss zu denen Gottscheds
handelt. Von sprachlichen Erscheinungen werden hier
Alterthümlichkeiten, volksmässige Kernreden, antike Rede-
figuren, Periodisiruug, Wortstellung, Gleichnisse u. s. w.
besprochen mid man wird dieses Kapitel gerade nicht
ohne Anregung lesen. Der metrische Abschnitt belehrt
uns vor allem über die Einflüsse, die die Form des
Alexandriners, den Schlegel in der Mehrzahl seiner
Dramen anwendet wie Gottsched, auf den sprachlichen
Ausdruck ausübt. Den Schluss machen Beobachtungen
über Hiatus, Reim, Caesur und Enjambement.
.lena. Albert Leitzmann.
Schweizerische Schauspiele des sechzebflten Jahrhun-
derts. Bearbeitet durch das deutsche Seminar der Züricher
Hochschule unter Leitung von Jakob BäohtoUi. Hrsg. von
iler Stiftung von Sclinviier von' Wartcnsee. Erster Band.
Frauenfeld, Huber i. CJmm. ISltO. X, 'JViO S. '
Lateinische Literaturdenkmäler des XV. und XVI.
Jabrhnnderts. Hrsg. von Max Herrraann und Sieg-
fried Szamatölski. 1. Gulielmus Gnapheus' .\colastu3.
Hrsg. von Johannes Bolte. Mit zwei phototvpischen
Nachbildungen. Berlin, Speyer & Peters. 1891. XXIV, S-1 S.
Die durch Scherer erweckte Lust zur genauen
Kenntnissnahme des Ki. Jahrhunderts hat bei seinen
.Jüngern tiefe Wurzel geschlagen. Man ist diesem deuk-
würdigen Abschnitte deutschen Geisteslebens, der mit
der Gegenwart so viel Verwandtes besitzt, mannigfach
nachgegangen, am erfolgreichsten auf dem Felde des
Dramas. Und hier liegen jetzt wieder zwei willkom-
mene Veröffentlichungen vor, ans Schererscher Schule,
beide auch Unternehmungen eröffnend, die seiner Ansicht
vom Betriebe literarhistorischer Wissenschaft entsprechen.
' Vgl. Deutsche Literaturzeitung 1890 Nr. 46 (15. Nov.),
1688 (F. Spengler).
22
292
18dl. Litcraturblatt für germoDische und romanische Philologie. Nr. 9.
29r.
Znniu'hst der 1. Band einer Sammlunj? schweizerisdier
Schauspiele des Iti. .lahrhunderts, bearbeitet durch Jlit-
irlieder des deutscheu Seminars an der Züricher l'ui-
versitiit unter Betheiligung von dessen Directur Prof.
Bächtold, .S. Band der ^Schriften herausgegeben von der
Stiftung vtin Schnyder von Wartensee. verwaltet von
der Stadtbibliuthek Zürich". Er enthalt: I. Der reiche
Manu und der arme Lazarus. Bearbeitet von Theodor
Odinga (der 1889 ein brauchbares l?uch über _das
deutsche Kirchenlied der Schweiz im Reformationszeit-
alter" schrieb). II. Johannes Kolross' Fünferlei Be-
trachtnisse, die den Menschen zur Busse reizen. Be-
arbeitet von demselben. III. Heinrich Bullingcrs Lucretia
und Brutus. Bearbeitet von .Takob BiichtoU. IV. Georg
Binders Acolastus. Bearbeitet von .Jakob Bosshart. .An-
hang: Das Ostersiiiel vou Huri. Bearbeitet von Jakob
Bächtold. Ein kurzes Vorwort setzt den Plan der Samm-
lung auf drei Bände von nach Gehalt und Stoff charak-
teristischen, zudem schwer zugänglichen Dramen in zu-
verlässigen Neudrucken fest; auch Handschriftliches wird
verlieissen. Die Oi'iginaldrucke sollen treu, d. h. mit
Kritik und nur in der Interpunktion niodernisirt (bez.
erst mit dieser ausgestattet) vorgelegt werden. Diese
liruudsätze haben sich die zusammenwirkenden Heraus-
geber gründlich zu eigen gemacht, und so gestaltet sich
iiire gemeinsame Arbeit zu einer recht gleichmässigeu,
abgesehen von der abweichenden Ausdehnung der literar-
historischen Beigaben. Der eigentliclie Apparat beschränkt
sich nämlich im Ganzen auf Fussnoten. die das äussere
Verhältuiss des Abdrucks zur Te.xtgruudlage betreffen,
mit Variantenangaben, sowie spärliche Wort- nnd Sach-
erklärungen: dazu treten Vorbemerkungen über das ein-
zelne Drama. Dieser 1. Band bezeugt lebliaft, dass
Bächtold voll berechtigt war, eine Sonderdarstellung der
deutschen Literatur in der Schweiz zu unternehmen.
Die 5. Lieferung dieses ausgezeidineten Werkes, das
Schauspiel des Di. Jahrhunderts behandelnd, erschien
kiuz vor diesem Bande.
Odinga druckt von dem 1520 in Zürich aufge-
führten Spiel vom reichen Jlann und armen Lazarus,
dem ältesten Bibelstücke der schweizer Refoi'mation. das
bis ins 17. Jahrhundeit sehr beliebt blieb, die älteste
Ausgabe ab, die bei Gödeke, Grundri.ss- II S. 343 Xr. 50
noch fehlt. Es ist dasselbe Spiel eines unbekannten
Verfassers, dessen 'Premiere' Stumpft's Schweizer Chronik
(IÖ48) IIS. Iß4a mit 'Ein schön zierlich spil auß dem
Euangelio vom Reychen man vnd armen Lazaro ward
Zürych (1529) gespilt vü der Burgersciiafft am Soiitag
.Tudica' verzeiclinet. Odinga vei-glich die drei bekannten
Drucke nnd eine saubere ältere Abschrift der Züricher
Stadtbibliothek mit seiner Unterlage und berichtet genau
über die einsclmeidenden Abweichungen des Baseler
Drucks von li>()3 (vgl. Germ. 2ö, 3t)3), der ein wesent-
lich aufgefrischtes Kh'id anthat. Möge die Cxescliichte
des interessanten Stoffes recht bald einen rüstigen Be-
arbeiter finden. Von bezügliciien lateinischen Stücken
der Zeit nenne ich nur das 1545 von J. Greff deutsch
bearbeitete „'Avii,imf, sive Lazarus redivivus" (Köln
1539) von Hans Witz (Sapidus), den „Lazarus nieiidi-
cus" des Macropedius (Utrecht 1541), den „Lazarus"
des Willielm Gazet (Nürnberg 1589: 1. .AusgabeV), des
Job. .Avianins langtitelige Lazarustragödie (Gera l(i07);
von deutschen käme ausser Funkelin (1551), H. Sachs
(1551) und J.Frey besonders das des elsässer Pfarrers
Samuel Israel (Strassb. Kill) in Betracht.
Sehr lehrreich ist der Neudi-nck der ..Fünferlei Be-
trachtnisse, die den Menschen zur Busse reizen"* von
Johannes Kolross. An Odingas literargeschichtlicher
Einführung ist mehr zn bemängeln. Nach dem was
Gödeke („Every Man" S. 77—86), Scherer (Allg. d.
Biogr. lt>, 496 f.) und Bolte (Einleitung zu seiner Aus-
gabe von J. Strickers ..Der düdesche Schloemer'". dit-
freilich nur wenige Monate vor dem Drucke von ^)dinga^
Arbeit erschien) ausgeführt haben, hätte das zu ent-
werfende Bild farbiger aussehen müssen. Namentlich
war sein eigenartiges orthographisches 'Encheridion' zu
nennen, wo es sich hier um Textkritik handelt. Die
drei eng verwandten Stoffe, die unser Band vorführt,
das Lazarusdrama, das Jederniann-Problem (.bei Kolross)
und die Geschichte vom verlorenen Sohn konnten, wenn
auch nur in aller Eile, neben einander gestellt werden.
Schon damals spürte man die gegenseitigen .Anklänge.
Funkelin, der den 'verlorenen Sohn 15t>l auf die Bühne
brachte (Blösch, Gesch. der Stadt Biel. Biel 1855. IL
170: Rochliolz in der Germ. 14, 415), nalim in seinem
'reichen Mann und armen Lazarus' die ganze Rede des
Teufels an den Tod von Kolross V, 899 ff", wörtlich
herüber, (.idinga hat sich entgehen lassen, den von
Gödeke, P. Gengenbaeh S. 594 f. Anm. 19 aufgedeckten
merkwürdigen Zusammenhang von Gengenbaeh (bei Odinga
S. 55 f. Druckfehler (Teugenbach) -Wickgram mit
dem anonymen Lazarusdrama zu verfolgen, obwohl die
S. 55 beigebrachte Ergänzung von Gödekes (von diesem
selbst als solchen anerkannten) mangelhaften Hilfsmitteln
ihn dazu veranlassen musste. Beachtung hätten wohl
auch verdient Gödekes (Gengenbaeh S. 599 Anm.) Hin-
weis auf die realistische Teufelsanschauung in Kolross'
"Betrachtnissen' und Tittmanns (Schauspiele aus dem 16.
Jh. I S. XL) Angabe über die Augsburger .Aufführung
des Kolrossschen Dramas durch Jleistersänger 1540.
Mögen doch endlich die vielen schwankenden Schrei-
bungen der Schriftstellernamen jener Zeit durch authen-
tische Norraalformen abgelöst werden (Kolros und Kol-
ross; Funkelin. Funckelin, Fünckelin bei Gödeke, (üund-
riss neben einander). Odingas Notiz über die interessanten
Choreinlagen (im gereimten saiipliischen Masse) behufs
Schärferer Einschnitte ist in der Behauptung, dass K(d-
ross diese fast rein äusserliclie Belebung des antiken
„idealen Zuschauers" aufgebracht habe und „dieser Ver-
such später oft nachgeahmt worden" sei, unrichtig.
Wannn ist in der Anmerkung zu V. 378 (Splitter im
Auge) kein Beleg gegeben und weshalb nicht die Auf-
findung der Stelle bei .Abraham a Sta. Clara zu \'. 1061
durch Ziffercitat ermöglicht?
Der inhaltlichen Verwandtschaft halber scliliessen
wir hieran die Besprechung von J. Bossharts Neu-
druck von Georg Binders „.Acolastus". Die hier mit
manchen äusseren Vorzügen behandelte Parabel vom ver-
lorenen Sohn steht, wie schon hervorgehoben, mit dem
internationalen Everyman-Problem, der Grundlage des
Kolrossschen Stoffes, in innigstem Zusammenhange. Lopc
de Vega z. B. hat auch eine, theilweise wie die deutschen
mit allegorischen Figuren durchsetzte Dramatisirung der
vicigewendeten neutestamentlichen Fabel geliefert (.Tick-
nor-.Tnlius, Gesch. der schönen Lit. in Si)an. I, 572), an
deren .Aufführung (bewiesen durch Lope, Obras V, 347)
der Verfasser als Hanswurst mitwirkte (Ticknor-.hilius
Supplementbd. S. 93 f.), daneben aber das Everyman-
Thema in verschiedener Variation in Arbeit genommen,
wie in ..La fianza satisfeclia" (s. Schäffer, Gesch. des
297
ISyi. Litcniturbhilt für gcimauisclio und romanische Philologie. Nr. 9.
298
»\K\n. Xatioiialdramas I S. 203 ft'.) und ,.E1 niayor pro-
dig-io" (s. ebd. S. 201 tf.). Die verallg-eineinerte Be-
tratditung- der dramatischen Ausgestaltung des Stoffes,
besonders durch E. Schmidt, Holstein und Spengler ge-
fördert, wird durch immer weitere Belege für die ua-
goueine Volkstliümlichkeit ergänzt. Schon Tieck (Deut-
sches Theater I S. XXV) würdigte die \'erwendung im
Volksschauspiel und Schützes Hamburg. Theatergeschichte
(S. 95, 85) meldete vom Uebertritt ins Gebiet des
Marionetten- und Puppenstücks. Auf letzterem Felde,
auf dem es schon zur Zeit Shakespeares (der Merch. of
Ven. II 6, 14 ff.; Com. of err. II 3, 18 f.; As you 1.
it I 1, 41 f., vielleicht auch K. .John III 1, 4(5 auf die
Parabel anspielt) geläufig war (wiut. tale IV 3, 102:
flifx he CODI passei I a iiiotion of the Fror/ic/al .So«),
nimmt der Stoff noch heute einen entschiedenen Vorrang
ein, wie ein genauer Kenner, Dr. med. Arthur Kollmann,
mittheilt, der (Grenzboten 1887 Xr. 29 S. 143) 1874
eine Aufführung in Leipzig sah und in der heutigen
Fassung, die mehr und mehr zum X^'achmittags- und
Kinderstück gekürzt wurde, ein Zeugniss alter Ueber-
lieferung erblickt (ebd. Xr. 30 S. 188 f.), auch den
Stoff in einer Reihe abweichender Redactionen kennt (ebd.
1890 Xr. 50, „Puppenspiele"), die er u. d. T. 'Deutsche
Puppenspiele' herausgegeben hat (Leipzig, Gruuow).
Angefügt sei hier gleich die Anzeige von J. Bol-
tes — wie zu erwarten — vortrefflich eingeleitetem
Xeudrucke des Gnapheusschen 'Acolastus', der unmittel-
baren Vorlage zu Binders Drama. Dieser Xeudruck er-
öffnet eine von Herrmann und Szamatölski begründete
Sammlung „Lateinischer Literaturdenkmäler des XV. und
XVI. .Tahrhunderts", die eine grosse Anzahl von literar-,
kultur- und kirchengesclüchtlich bedeutsamen.Erzeugnissen
der Renaissance und des Humanismus bequem darbieten
will (vgl. Ltbl. X S. 128 u. 360). AVir bewillkommnen
dieses Unternehmen, das unterstützt von 42 Germanisten
und Theologen vor die gelehrte Welt tritt, mit Freuden.
Dem Bedauern Scherers (Literaturgesch. S. 747), dass
von den deutschen Literarhistorikern fast nur der kritik-
lose AV. Menzel das lateinische Schriftthum des 15. —
1 7. .lalirhunderts berücksichtige, soll hier mit practischer
Abhilfe begegnet werden. Ueber den Beginn des neuen
Sammelwerkes kann man nur des Lobes voll sein. Die
von Bolte dem 'Acolastus' vorgesetzte Einleitung erschöpft
mit der gewohnten Gründlichkeit alle wissenswerthen
Vorfragen (leider die Metrik ausgenommen): über die
literarische Situation, in die das Drama des begabten
holländischen Schulmeisters "Willem de Volder hineintrat,
über diesen selbst in seiner Stellungnahme zur biblischen
Erzählung und zur antiken Dramaturgie (hier wird auch
die Wiederaufnahme des Chorliedes am Aktschlüsse ge-
schichtlich richtiger als bei Odinga untersucht) u. s. w.
Vorzüglich insbesondere — hier befindet sich Bolte in
seinem eigensten Fahrwasser — ist die Skizze der X^ach-
wirkung dieser ersten lateinischen biblischen Scliul-
komödie. Bei der schier sprichwörtlichen Gediegenheit
Boltescher Angaben aus der CTCSchichte des Dramas im
15. — 17. Jahrhundert ist eine Kontrole völlig überflüssig,
zudem auch meist unmöglich. Mit Fleiss stellt ein
eigener E.xcurs die benutzten Stellen antiker Autoren
zusammen, unter denen die wenigen griecliischen beson-
dere Theilnahme erwecken. Einigemal ist wohl die
Annahme von Borg etwas zu weit gegangen, obwohl
die bezüglichen Citate in der Ausgabe Dupreaus (s.
S. XXVI) leicht dazu verleiteten. Aus der folgenden
genauen Bibliographie der 48 nachweisbaren Drucke ist
hauptsächlich die Streichung der bisher (nach Gödeke,
Grundriss II- 133) als princeps angesehenen Ausgabe
'Hag. Com. G. Fulloiüus (dies Latinisiruug von holländ.
volder d. i. Walker) M.DXXIX' hervorzuheben. Beim
Abdruck wäre ich in Conjecturen weniger schüchtern ge-
wesen, hätte z. B. 283 getrost das vermuthete mi foras
statt nie feras eingesetzt.
Es trifft sich gut, dass die erste lateinische Be-
arbeitung des Prodigusstoffes und die in weniger als
Jahresfrist gefolgte für die öffentliche Bühne be-
stimmte freie Verdeutschung Binders nun in authentischer
Wiedergabe neben einander betrachtet werden können.
Die vergleichende Literatm-geschichte, der auch Boltes
Uebersicht der Nachbildungen des Gnapheus dienen kann,
erhält reiches Material. Man sollte nun einmal alle
Behandlimgen des fruchtbaren Themas von dem Urbilde
im Evang. Lucae 15, V. 11 — 32 an unter die Lupe
nehmen und die verschiedenartige Ausgestaltung zu ver-
anschaulichen suchen. Stehen doch in deutscher Zunge
ein Waldis, ein Wickram, ein Sachs in der Reihe, bei
ihnen, wie bemerkt, Lope, und, sicher nach spanischer
Quelle gearbeitet, ein unlängst ans Licht gezogenes
peruanisches „religiöses Schauspiel in 3 Abtheilungen"
von dem Theologieprofessor Juan de Espiuoza-Medrano,
Kusko 1662 (Text mit Commentar: Middendorf, Dramat.
u. lyr. Dichtungen der Keschua-Sprache, 1891, S. 1 —
77), u. s. w. AjTer verwendete den Stoff nicht (vgl.
Tittmaun a. a. 0. III S. 128), wie man noch liest; mit
Vorliebe aber die englischen Komödianten, unter Zugabe
des possenhaften Tons. Eigenthümlich modernisirt hat
ihn ein Schweizer, Theod. Meyer-Merian: 'Der verlorene
Sohn. Eine Handwerkergeschichte fiii' .Tedermaun' (Berl.
1853). Es lohnte sich, dabei das von Pfeiffer, Klingers
Faust (1890) S. 9 gestreifte Motiv der ..ungleichen
Brüder" mit Landau (Zs. f. vergl. Literaturgesch. 1889
u. 1890), Minor (Schiller I) und Drescher (5. These
hinter „Studien zu H. Sachs'', Berl. Diss. 1890) von
Schiller (Räuber) und Voltaire (L'enfant prodigue) zu-
rück zu verfolgen (s. Eef. in den Bl. f. lit. Unterh.
1890, S. 756b).
Ueber die von Bächtold herausgegebene tüchtige
Tragödie Heinr. Bullingers von Lucretia und Brutus
sind nach der ausführlichen Behandlung des trefflichen
Mannes in Bächtolds Literaturgesch. S. 303 ft'. und An-
merkungen S. 77 ff. nur wenige Worte zu verlieren.
Bullinger, als Reformator und Politiker wie als Schrift-
steller bedeutsam, ist trotz wiederholter monographischer
Behandlung nicht genug bekannt. Wenn man ihn ganz
verstehen will, sind auch die „Reiseinstruction und Briefe
an seinen Sohn Heinrich, hrsg. von Franz" (Bern 1828),
ein hübsches Seitenstück zu den Briefen Thomas Platters
an Felix, heranzuziehen. Hoffentlich wii'd bald auch
sein handschriftliches ..Diarium" (Ms. J 290 der Züricher
Stadtbibliothek), vielleicht in Auswahl, gedruckt. Ob
„Lucretia'' neuerdings durch Bächtold auch im „Zürcher
Taschenbuch für 1890"' gedruckt wurde, wie ich an
drittem Orte las, weiss ich nicht. Der Stoff ist beliebt
im Bereiche der Schulkomödie, wie denn Bullingers Stück
auch von den „jungen Bürgern" (d. i. Schülern) Basels
öff'entlich aufgeführt wurde (s. Th. Burckhardt, Gesch.
des Gymnasiums zu Basel. Basel 1889). Er lag durcli-
aits im humanistischen Gesichtskreise (vgl. ausser H. Sachs'
Tragedia z. B. des Schulmeisters Samuel Junius latei-
nische Tragödie, Strassb. 1599), so dass Warton-Hazlitt,
299
1891. LitcrnturWfilt für irornianisclio um! romanische Philologie. Nr. 9.
300
Hist. of tlie i'iigl. iioetiy 1\', 297, mit Kcdit saften:
l.iuri'ce was the graud exeinple of coiijuifal tidelity
throiifrlKiut flu- Gotliic agres. Alk'idiiifrs brilliert öfters
die Verwechslung^ mit der Liicretia von Sieiia, der be-
liebten des Euryalus, Verwii-rung: (vgrl. Fränkel in Zs.
f. verjfl. Literatnr^escl». N. F. IV, 77), der G. Vuigt
in dem werthvollen kleineren Anfsat/.e ..Die Lncretia-
Fabel und ihre literarisehen Verwandten", Herichte der
k. säelis. Ges. der Wiss., phil.-hist. Kl., liS83, Sonder-
abdruck (besonders S. 26), den historischen Untergrund
gegeben hat. An anderem Orte gedenke ich mancherlei
Weiteres zur Geschichte des Lucretiastoft'es seit der
Keforniationszeit zusammen zu stellen. In Bnllingers
l)rama er(iuickt man sich gern an dem frischen Laufe
iler Handlung, der Gewandtheit des Gespräclis, der inneien
Fülle der Cliaraktere. Bächtold notirt gewissenhaft die
dialektologisch interessanten orthographischen Abweich-
ungen des jüngeren Drucks (Strassburg 1550) von der
Originalausgabe (Basel 1533).
Als Anhang bietet Bächtold, mit einem Anachro-
nismus dem Buchtitel gegenüber, die dem Anfange des
1.'!. .lahrliunderts entstammenden geringen Bruchstücke
des mehrfach gedruckten Osterspiels von Muri, des ältesten
deutsehen Belegs der Gattung. "Wilken (1872) und
Wirth (1889) haben es bereits in den richtigen litera-
rischen Zusammenhang gereiht. Die Eeagentien, die
von den ältei'en Herausgebern, Ochler (1846) und Bartsch
(Germ. 8, 273 ff.) angewendet wurden, haben die Schrift
der beiden erhalteneu Pergamentblätter ganz zerstört,
so dass heute nur noch die Kritik jener beiden Abdrücke
thätig sein kann. Dies ist auch geschehen; und so er-
halten wir denn einen nach Möglichkeit gesicherten Text
des mehr literarhistorisch als literarisch anziehenden
relicrbleibsels, gesicherter als von manchem durcli die
paläographischen Hilfsmittel zerfressenen Palimpsest odir
dem allein durch Opitz' Ausgabe überlieferten Annolied.
Es sei zum Schlüsse den beiden Herausgebern,
Bächtold und Bolte, für ihr aufrichtiges Bemühen, ent-
legene Geisteserzeugnisse von literarischer Bedeutung in
nahbarer Gestalt darzubieten, der wäimste Dank ausge-
sprochen. Möge die schöne Absicht, die lieiden Unter-
nehmungen zu Gi-unde liegt, Erfolg haben, zum Segen
der germanistischen Wissenschaft und der Erkeinitniss
eigenartigen vaterländischen Schriftthums vergangener
Zeit!
Leipzig. Ludwig Fränkel.
Pi rönne, Job., Ueber englische Zustände im XVIII.
Jahrhundert nach den Romanen von Fielding nnd
Smollet. Lcip/,igcr Dissertation. 1S'.)Ü. öl S.
Der Verfasser will im Anschluss an die Romane
von Fielding und an Smollets Roderick Random ein Bild
englischer Zustände im XVIII. Jahrhundert geben. Ich
bin mit dem Verf. der Ansicht, dass man recht wohl
aus Romanen wie die Ficldings und Smollets Material
zur läeurtlieilung einer Epoche schöpfen kann. Macaulay
hat es offen ausgesprcjchen, dass er die Schilderungen,
welche Fielding in seinen Romanen von den englischen
Zuständen der damaligen Zeit gibt, für durchaus der
Wahrheit entsprechend hält. Seine Schilderung des
conntry gentleman des 17. Jahrhunderts (History of
England I, 31.3 ff.) ist besonders aus Tom Jones ge-
niinniicn. Lecky (History of England I, 504) führt
Roderick Random als (Quelle für seine Kenntniss der
Armee und Flotte im XVIII. Jahrhundert an, Fielding
nnd Smollet selbst haben vieilach betont, dass das, was sie
geschrieben, aus eigener Beobaditung, aus der reichen
Erfahrung eines wechselvollen Lebens hervorgegangen
ist; vgl. Vorrede zu Joseph Andrews: ,.for though every
thing is copied froni the book of nature, and scarce a
character er action produced wliieli I have not taken
from niy own observations and experience etc."' und
ebenso Vorrede zu Roderick Random: „Every intelligent
reader will, at ftrst sight, perceive I have not deviated
from nature in the facts, which are all true in the
main."^ Beide Schriftsteller waren aber auch wie wenige
fähig, ein treues Bild der Sitten aller Stände, hoch nnd
niedrig, zu geben. Besonders auf Fieldung lässt sich das
Horazische ..mores hominum multorum vidit" passend an-
wenden. Er war „roughly handlcd liy ilie World" sagt sein
Biograph Lawrence. Aristokrat von Geburt, plötzlich ohne
alle Existenzmittel muss das verwöhnte Kind des Reich-
thums den harten Kampf um das Dasein aufnehmen. 1748
wird er zum justice of tlie peace für Jliddlessex und AVest-
minster ernannt und macht als solcher genaue Bekannt-
schaft mit den Verbrechen und A'erbrechern seiner Zeit,
mit dem allen Gesetzen der Humanität hohnsprechenden
Zustand der Cfefängnisse. Der Schotte Smollet war
Arzt und machte 1739 als siu'geon's mate die Expedition
gegen Cartagena mit; so lernte er die unmenschliche
Behandlung der Verwundeten nnd Kranken an Bord der
Kriegsschiffe keimen.
Peronne bespricht in zwei Abschnitten die politischen
(S. 8— 31) und socialen (8.31 — 51) Zustände Englands.
Besonders wichtig ist die politische Stellung beider.
Fielding ist ein überzeugungstreuer Whig, der fest zum
Hause Hannover hält', der Schotte Smollet ist emiiört
über die Art und Weise, wie die Engländer ihren Sieg
über die Schotten ausnutzten, obgleich er kein ausge-
sprochener Jakobit und Anhänger der Stuarts ist. Ich
glanbe, Smollet war V(jrurtheilsfrei genug, um einzu-
sehen, wie wenig die Sache der Freiheit und Unabhängig-
keit auch seines engeren Vaterlandes gewonnen hätte,
wenn ein Stuart auf dem englischen Thron gesessen
hätte. Es geht aus seinen Romanen hervor, dass nicht
die Liebe zum Hause Hannover (Georg I. u. II. waren
wenig beliebt), sondern nur die Furcht vor dem Katholicis-
nius die conntry gentry verhinderte, sich offen für die
Stuarts zu erklären. Ein echter Vertreter dieser country
gentry ist Squire Western, der ,,a parcel of roundheads"
und „Hanover rats" identiticirt. Die hohe Aristokratie
hielt zu Hannover. Wichtig war die Stellung der Land-
geistlichkeit, jener armseligen vicars und parsons, die
für die Stuarts agitirton (vgl, Adams, Parson Truliiber,
Vicar Supple). Jlit unlauteren Alitteln, besonders durdi
Bestechung, wurde auf beiden Seiten gearbeitet, bei
Whigs und Tories, „do ut des" ist der leitende Grund-
satz, Auch die Armee und die Flotte blieben trotz des
eifrigen Bemühens des Königs von den Folgen dieses
Partheiwesens nicht verschont. So wird Tom Jones
einfach „pressed into the Service", weil er dem Lord
Fellamar lästig i.st. Ebenso fällt Roderick Random in
die Hände eines press-gang; daher waren auch Soldaten
und Offiziere gleich verachtet (vgl, Kapitän Whiffie
u, a.). Die Behandlung der ' Soldaten, gesunder so-
wohl wie kranker, war eine unmenschliche. Wie auf
politischem tiebiete, so herrschten auch auf socialem in
vieler Beziehung Zustände, wie sie scliliimiuT kaum sein
' Tom Jones I, 380: The cnusc of King George is the
cause of liborty und truc religion.
;{()!
1891. Litcrnturblatt für germanische und romaniaclie Philologie. Nr. 9.
302
konnten. Pöronne liebt die unheilvollen JFäniiel in der
.Tustiz, die Entsetzen enegenden Zustände in den Getani;-
nissen, die trostlose Lage der Selmldner hervor. Ge-
fängiiiss und Arbeitshaus. Tretmühle und Armeug:esetz
hielten die Staatsmänner von damals für die geeig'netsten
Slittel zur Lösung- der socialen Frage. Hinrichtungen
waren häufig und grausam; vgl. Gentleman's llagazine.
July 1750: ,.Executed at Tyburn, Jnly li, Elizabeth
Banks, for Stripping a child; Catherine Conway, for
forging a seaman's ticket; and Margaret Harvey, for
robbing her master. They were all druuk etc. " Strassen-
raub war an der Tagesordnung; der ritterliche High-
waynian der vei'gangenen .Jahrhunderte war zu einem
gemeinen Strassenräuber geworden, selbst gentlemen, die
im Spiel verloren hatten, lauerten in der Nähe von
Higligate oder auf der Heide von Hounslow den Reisenden
auf (vgl. Anielia). Die justice« of peace waren im
höchsten Grade ungebildet und bestechlich (Mr. Thrasher),
sie begünstigten sogar die Prostitution. Die höhere
Gesellschaft, ja der königliche Hof selbst, trugen mit
Schuld daran, dass das sittliche Niveau ein so niedriges
war. ,.J'aurai des maitresses" ist der Trost des Königs
Georg, als seine Gemahlin ihm räth, sich nach ihrem
Tode wieder zu verheirathen. „Ah, mon Dien! cela
n'empeche pas'" ist ihre Antwort. Lady Bellaston's
schamloses Benehmen thut ihrer gesellschaftlichen Stellung
keinen Abbrach; alles dies erinnert an die Frivolität der
Sitten unter der Königin Anna. Die Frauen waren oft
..married without liaving liusbands", Westerns Frau ist
ihm stets eine treue upper-servant. Solche Zustände
herrschten in England zu einer Zeit, wo ein grosser
materieller Aufschwung auf allen Gebieten zu bemerken
war. Zur Besserung haben Fielding und Smollet durch
ihre Romane sehr viel beigetragen, weil sie eben bessern
wollten und nicht mit Behagen die Schattenseiten ihres
Volkes aufdeckten.
Alle Fachgenossen, die sich für die Kulturgeschichte
Englands im 18. Jahrhundert interessiren, werden die
Studie Peronnes mit grossem Vergnügen lesen. Sie
zeugt von verständnissvoller Leetüre der Romane der
beiden grossen englischen Schriftsteller. Interessant ist
es, mit diesen Zuständen die von Dickens in seinen
Romanen geschilderten zu vergleichen: die Zeiten ändern
sich und mit ihnen die Laster, neue entstehen, alte ver-
schwinden, ein steter Fortschritt zum Besseren ist aber
unverkennbar.
Wismar i. M. 0. Glöde.
Colin, Cr., Die Safflxwandlangen im Vulgärlatein und
im vorliterarischen Französisch nach ihren Spuren
im Nenfranzösischen. Halle, Niemeyer. 1891. VIT, :322 S. 8.
Dass Rothenbergs bekannte Arbeit über Suftixver-
tauschung im Französischen nach jeder Seite hin eine
Vertiefung und Erweiterung verlangte, war schon gleich
nach ihrem Erscheinen durch den mancherlei Beachtens-
werthes enthaltenden Artikel AVillenbergs Zs. f. Nfr.
III, 558 hervorgehoben worden. Immerhin sollte ein
ganzes Decennium vergehen, bis die Untersuchung wieder
aufgenommen und weiter geführt wurde. Dafür ist sie
aber in dem vorliegenden Buche, einer Berliner Doctor-
aibeit. in trefflicher Weise angegrift'en und in vielen
Punkten zu dem Abschluss gebracht worden, der in
solchen Dingen überhaupt erreichbar ist. Der Verf. ver-
fügt über eine genaue Kenntniss des Wortvorraths, ver-
mag, z. Th. von Tiibler unterstützt, über das Alter der
Wörter und Formen erwünschte Auskunft zu geben,
zeigt grosse Vertrautheit mit der einschlägigen Literatur,
die er stets gewissenhaft und möglichst lückenlos, mit-
unter vielleicht etwas zu weitläufig, citirt, sucht vor
allem die verschieden gearteten Fälle noch schärfer aus-
einander zu halten, als das Willenberg gethan hatte.
Die Einleitung beschäftigt sich hauptsächlich mit den
Begriftsbestimmungen und stellt schliesslich folgendes
Schema auf:
Suftixwechsel
Echter Suffixwechsel
Suffixvertauschung {-iiln : -ellii)
Suffixverwechslung {-tce und -Tee)
Scheinbarer Suffixweclisel {-itid : -icul)
Suffixveränderung {-iohi zu -iölu)
Suffixzerstörung {chamlelef zu chiiH(Jehiit).
Danach gliedert sich dann das ganze Buch, nur die
..Sufrtxzerstörung" ist übergangen. Bei den Beispielen
ist zwischen afr. und ufr. geschieden, für letzteres werden
an Hand von Sachs und Littre möglichst vollständige
Verzeichnisse mitgetheilt. Weniger glücklich ist die
Scheidung zwischen „VulgUrlateinisch" und ..vorUtera-
rischem Französisch", da ja, man mag nun vulgärlatei-
nisch so oder anders definiren, die zwei Begritt'e nicht
gegensätzlich oder Irgendwie wesentlich verschiedene sind.
Der erste Abschnitt bespricht -ellu für -ulu, -cellii
für -ciilu, -iciu füi- -tciu, -ice für -ece, -ellu, -cellti für
-Ulli, -cillu, -ime für -ina. Ein Exeiu's behandelt die
Vertreter von -itia, ohne jedocli zu einem klaren Ab-
schluss zu kommen. An dem einen und andern Beispiel
wäre wohl etwas auszusetzen, bei -Ulus : -elUis fehlt
verveux und war an seiiapiUiim oder -ellutn für seneve
nicht zu rütteln, wie obwald. sineoel zeigt, wirklich be-
denklich aber ist mir sagimen : sagiiui. Die Annahme
einer Suffixvertauschung stützt sich auf ital. saline und
die franz. Ableitungen eiisimer, ensemer, afr. ensa-imer.
Afr. sain, woraus spau. suin entlehnt ist {sagimen hätte
saiiiibre ergeben), kann ebenso gut ein *sriginHin dar-
stellen und prov. sai[n] mit beweglichem n kann nur
auf diesem Typus beruhen'; frz. e«sa/»?ier spricht eben-
falls für -n als ursprünglichen Auslaut, wouebeu die
»/-Formen nicht mehr etj^mologischen Werth haben als
etwa das m in afr. latimier, enlafiiner, peJerimage.
Mit ital. saiine aber hat es seine eigene Bewandtniss.
Es zeigt gar keine Ableitungen, wird auch weder von
Fanfani-Rigutini noch von Petrocchi angeführt, ist also
trotz des einen alten Beispiels der Crusca nicht tos-
kanisch, und auch, so viel ich sehe, nicht nord- und
niittelitalienisch. Dagegen bieten es die sizilianischen.
calabresischen und apulischen Wörterbücher, aber wiederum
ohne Ableitungen. Da nun dieselben Gegenden für
Fleischer das Wort huccere, hucceri, iicceri haben, das
sich ohne weiteres als Lehnwort aus franz. bouclier zu
erkennen gibt, so darf man wohl ohne Zögern sagen,
dass mit dem boucher auch sa'in aufgenommen und in
saime umgedeutet worden sei nach den zahlreichen ital.
Wörtern auf -ime. — Als jünger und geographisch enger
begrenzt werden dann beliandelt -nie statt -ele, -ante,
■ antia, -abile, -amentii, -atore statt -ente, -entia u. s. w. ;
-erin und -erin, -annn statt -anii. Das Richtige wohl
ahnend aber, wie mir scheint, nicht völlig zutreffend
zum Ausdruck bringend nimmt der Verf. an, cruel sei
später in die Sprache aufgenommen worden als feel, und
' Mistral kennt freilich auch delpli. sagimen, mit welchem
ich nichts nuzut'aiijfen weiss, da lat. *sagi»ieii doch unmöglich
liätte sein -en behalten können.
23
303
I89I. Litcratarblntt für germanische und romanische Philologie. Kr. li.
3<i|
er hätte sich iliifiir auf ital. nudele neben fedele be-
rufen küunen. Dainit fällt aber ohne weiteres die Noth-
\venclijj:keit der .^nnaiime von Suffixvertauschung, es liegt
vielmehr .Suftixverkennung vor. Denn wie lateinisch
secretiis als Lehiiwurt im Afr. mit dem c aus a reimt:
secr^ :(iiii(', so konnte das Sufti.v des Buchwortes cru-
(lelis mit keinem andern als mit -el = -alis reimen. —
Der Abweisung von traliimen als Grundlage für fraiii
und der Deutung von >r(ßdimen stimme ich ohne Rück-
halt bei und will nur hinzufügen, dass afr. f/n-iii, über
dessen Suflix der Verf. im l'nklaren ist, sich zu einem
germanischen schwachen Masculinum. das got. waipa
lauten würde und in anord. vchTi vorliegt, genau so ver-
hält wie jurilin zu got. f/arda. Die folgenden .Ab-
schnitte sind namentlich wichtig für die Geschichte der
gelehrten Wörter, geben aber unter anderm auch den
Fingerzeig tür die Erklärung von iioiirrisso». Jlit
vollem Recht wird nämlich hervorgehoben, dass die afr.
Form iiurrecoii lautet und dass sie nicht zu trennen ist
von iiorretiiic, poneture. Nehmen wir noch larrecin
hinzu, so sehen wir, dass vortonig tri fro vor der Er-
weichung der Tenues zu ter wurde, also initreturo zu
iiKt^rtiire, woraus später iiorftiire u. s. w. — Nicht
richtig ist dagegen, wenn hoisso», veiiron auf vulirlat.
bij)tio Vtntio zurückgeführt werden, weil das Abstractum
zu hattre batleison laute. Kann denn nicht hihltione,
vciiditioiie auf lautlichem Wege zu bessoii, venco» ge-
worden sein zu einer Zeit, wo battre noch gar kein
Abstractum bildete? Die Annahme eines Participiums
bipfii.i entbehrt jeder anderweitigen Stütze, da ital.
betlola aus becdtola entstanden ist, s. Storni, Arch.
glott. IV, .388. --- Unter Suflixverwechslnng worden
zuerst ein paar Fälle besprochen, die man vielleicht
besser als tiexivische Abweichungen bezeichnen könnte:
sourU und breliz, sodann -u-ul und -icid, mit längerer
Auseinandersetzung über V'daiile, als dessen Grundlage,
wenn ich recht verstehe, eine Diniiniitivbildung von
volaliciis oder von volatus angenonnnen wird. Allein
volaillc TolatTlia ist ganz in der Bedeutung des fran-
zösischen Wortes gut lateinisch, und so werden wir eben
bei der Annahme bleiben müssen, dass -Jlid an Stelle
von -iliu getreten sei: die unleugbare Thatsache wiegt
schwerer als Erwägungen über die Möglichkeit einer
derartigen Vertauschung, um so mehr, als wir ein zweites
ebenfalls sicheres Beispiel haben: iisitHia, seit dem 8-. .71i.
in Italien belegt, bergam. osailei, osdei, piem. osdei,
niail. iisadei, im Grisost. 25, 17 useer/li, Wörter die in
Bedeutung und Form so sehr zu frz. uutH stimmen, dass
man sich schwer entschliessen kann, sie besondens zu
betrachten: dann aber haben wir wieder -7Jia oder
-Tliiiiii ersetzt durch -//-. In dem iisifiliti selbst wird
nichts anderes zu sehen sein als ?ite[ii/siliii mit l'm-
stellung des ungewohnteu l(ej.-; zu s{c)t. Der .\nlaut-
vokal macht keine Schwierigkeiten, denn die Annahme,
dass ü in dem lateinischen Worte lang sei, beruht auf
keiner Dichterstelle, sondern nur auf der, in morpho-
logisclier Hinsiclit ohnehin mehr als bedenklichen Her-
leitung von iitor. Wenn dadiircii der Eisatz von -llia
duich -dia gesichert scheint, so könnte auch loitdlv
Sonimei'sprosse, ital. leiiliyUa doch am Ende Suflix diu
enthalten. — Es folgen -anu : -aiieii, mit richtigen Be-
merkungen über die verschiedenen Gestaltungen von
capilntiits, capituinus und unrichtiuen über fusaiti, das
a\\('fiiS(i(/o beruht, eine zutretlende Deutung von it-ro>/)ie
(urs]niinglich \'erl(alabstractum) und iiiciisdiii/c; weiter
•eculii : -icidu, -ore : -ura, endlich sehr eingehend -atu :
■itti : -ut;i imd -eide .-entii. — Unter „scheinbarem
Suffix Wechsel" wird -«7« aus -tlu besprochen, wobei der
rein lautliche Vorgang wohl schärfer hätte betont werden
sollen und die Vertreter von manuphi einer sorgfäl-
tigeren Besprechung bedurft hätten, da sich einmal mit
wirklicher Suffixverwechslung gemeinromaniscU mamicUi
findet, anderseits aber auch eiuzelsprachliche Vertreter
Von maniiplu. Zu eher die will ich obwald. elavifflia
Nagel, Pflock (bei Carisch Nachtrag) anführen, das viel-
i leicht für eltincla spricht. Ueber -ein und -ellu ira
Lateinischen wage ich nicht, mich zu äussern; wo wir
im Franz. -eile statt -ede treffen, handelt es sich, Wiis
wohl auch die Ansicht des Verf.'s ist, um Schriftwörter,
nur chamean hat Suffixumprägnng erfahren, aber, wie '
ich meinen möchte, erst in französischer Zeit. Zwar
stimmt es zu ital. ramrilo, aber nicht zu siz. eainiddii,
dessen / lat. r verlangt und dessen dd auf lat. // oder
anf gr. /. beruht, also wohl direet Ktiir/'/.nc wiedergibt,
auch nicht zu span. eaiiiello, das e oder j als Suffix-
vokal voraussetzt. — Für -iuus statt -eiiiis wird, da
die Wörter alle griechischen Ursprungs sind, Darstellung
des griech. t; durch / angenommen, reiiiii, das mit span.
rcuiiii) (nicht rum. vetii», das nichts beweist, da e vor
n zu / wird) auf reiiiiiKm weise, sei aus vet>[en]i)ium
enstanden. Ein Anhang verzeichnet die Wörter auf
-Heins statt -ielus. In eitroiiillc wird wie in ital. ei-
fridlo die neapolitanische Form von cUreolus zu sehen
sein. Als scheinbar, d. h. auch wieder auf lautlichen
Gründen beruhend wird noch Suffixwechsel bezeichnet in
aufel, liidcl, endlich der in eutradles, das als selbstän-
dige Bildung mit -alio von iutro erklärt wird. —
Der zweite Abschnitt, Suffixveränderung, wird eröft'net
mit einer Besprechung von ioliis: dabei sind mir die
Gründe, die Verf. gegen die Neumannsche Auffassung
der Tonverscliiebung vorbringt, ebenso wenig klar ge-
worden wie seine eigene Erklärung; auch an essieii aus
it.reoliis vermag ich nicht zu glauben, da mir die zahl-
reichen, *f/xi7e sichernden Formen lebender ihuidarten
mehr gelten, als die in der ganzen grossen altfranzös.
Literatur nur zweimal belegte Schreibung esxd bezw.
esiies. — Um so lieber pflichte ich der Regel bei, die
über die Vertheihuig von ieid und eitil gegeben wird.
An sie schliesst sich eine Sammlung der Wörter auf
ole an und eine Bemerkung über verteuil. Sodann folgt
-i)tnie aus Ixdiiie, wofür eine der .Ascolischen (nicht,
wie es S. 265 fälschlich heisst, Canellosclien) ähnliche
Erklärung gegeben wird. Den Schluss bildet -ier aus
-ari'is, für welches schwierige Suffix der Verf. eine
neue Deutung bringt: durch T)issimilation wäre überall
da, wo der Stamm des Wortes auf eine Palatale aus-
ging, ri zu /■ geworden, also coiisdiariu zu eonsdiaru,
woraus dann eoiiseil/ier ganz correct. Ein Anhang be-
handelt die Wörter auf -ax, -aeus, -aciits, -ix, -ieius
u. dgl., bezeichnet mordache mit Recht als italienisches
Lehnwort, wendet sich gegen Schwans Annahme eines
Wechsels von -uea und -iitd in eliarrue u. dgl., sieht
in parrain eine Neubildung aus patir -\- aiiiis, umge-
kehrt in afr. haiilin *(dtiniis und erklärt zutreffend
afr. fai)i-eillos als Anbildung an sc-eillos.
Dies der Inhalt des an Gelehrsamkeit wie auch an
eignem Denken weit über dein Durchschnitt der Erstlings-
arbeiten stehenden Buclies. Bei weitern Arbeiten wäre
eine etwas einfachere .\usdrucksweise zu wünschen: der
Kunst, mit der die Perioden aufg<'baut sind, ist oft die
305
1891. Literaturblutt für germanische uml roraanisclio Philologie. Nr. 9.
306
Verstäiiillichkeit uiitl selbst die gTammatikalisclie CoiTect-
lieit geiipfei't.
Wien. W. Meyer-Lübke.
Nord feit, Alfred, Etndes snr la clianson des Enfances
Vivien. These pour le doetorat. Stockliolin, l'Iniprimeiie
centrale. 1891. XXXIX S. 4.
Diese völlig ausgereifte mul vielfach fördernde
Dissertation enthält: I. Classement des nianuscrits —
Comraent il faiit etablir le texte; II. Versiticatiuu ; III.
Place de la chanson dans la geste de Guillaume; IV. Age
et dialccte du poeme; V. Yalenr litteraire, stj'le et
auteur de la chanson. — Eemarques diverses sur les
Enfances Vicien.
Von diesen Abschnitten ist der erste eine revidirte
Ausgabe von einem Artikel des Verfassers im ersten
(schwedischen) Becueil Gaston Paris. Die Resultate
dieses Artikels werden in allen Punkten aufrecht er-
halten. In der That war es nicht schwer zu zeigen,
dass die Hs. A eine erste, die vier C eine zweite, die
zwei D eine di-itte Gruppe einer Familie a repräsen-
tiren und zwar so, dass die vier C und die zwei D
eine höhere Gruppe oder Unterfamilie x bilden. Schwie-
riger war es den Platz der Hs. B (Boulogne-sur-mer)
zu linden. Ob der ihr vom Verf. angewiesene der rich-
tige ist, ob wii'klich der Schreiber von h eine Haud-
schrift aus der Gruppe d nebst seiner eigentlichen Vor-
lage vor Augen gehabt, ist nicht ausser allen Zweifel
gestellt ; ein sichereres Resultat Hesse sich jedoch schwer-
lieh gewinnen. Um einen kritischen Text herzustellen,
bezw. um sich eine möglichst treue Auffassung des
Originals zu verschaffen, ist von A (Paris B. N. f. fr.
144y) auszugehen, obwohl auch diese Handschrift auf
eine theilweise remauiirte Vorlage zurückgeht. Im
Vorbeigehen erklärt Verf. ansprechend die eigenthüm-
liche Thatsache, dass in die Mitte von D- (Paris, B. N.
f. fr. 24369) der Siege de Barhastre eingeschaltet
worden ist.
In der Behandlung der Versification macht Verf.
eine kecke Opposition gegen bisherige Ansichten Gautiers,
Paris' und vieler Anderen über die sogenannten i)etit
cers, die in einer Handschrift (b) die Laissen des Ge-
dichts schliessen. Verf. sieht hierin eine Remanieur-
neueruug, und in den Fällen wo ein Gedicht diesen
Vers in allen Handschriften, demnach als etwas Ur-
sprüngliches hat, betrachtet Verf. denselben als Zeichen
späten Datums. Alles in scharfem Gegensatz zu der
bisherigen Theorie. Ich muss gestehen, dass des Verf.'s
Ausführungen in diesem Punkt mich völlig überzeugt
haben. Ich benutze diese Gelegenheit, um seine Beweis-
gründe mit folgenden, der Chanson d'Aliscaus entnom-
menen Thatsachen zu erhärten. Von diesem Gedicht
gibt es dreizehn Handschriften, von denen nur eine, a
(Arsenalhs. 6.562), diesen Vers kennt. Ich kenne zwar
nicht das Veiiiältniss aller dreizehn Handschriften, aber ich
kenne das der sieben Pariser Handschriften. Es ist, roh
ausgedrückt, der Art, dass a eine von den übrigen sechs
freistellende Gruppe repräseutirt, also in zweifelhaften
Fällen etwa die gleiche Ge\\ähr für den ursprünglichen
Text als die übrigen zusammen liefert. Wie verhält es
sich nun mit dem kleinen Verse einerseits in a, ander-
seits in sagen wir b {= den sechs übrigen Pariser Hand-
schriften)? Erstens ist zu bemerken, dass der Schreiber
von a, ganz wie der Schreiber von b in Enfances
Vivien, als Remanieur zu betrachten ist; er hat nämlich
die Episode vom Kloster St. Vincent, V. 3540 — 3722
der Edition Guessards und llontaiglons weit ausführlicher
und komischer als die andern Handschriften behandelt.
Obwohl er im Allgemeinen eimMi guten Text gibt, ist
er also des eigenen Schaffens überführt. Zweitens fehlen
sogar in dieser Handschrift die kleinen Verse am Ende
der zwei ersten Laissen, was vielleicht so zu verstehen
ist, dass der Schreiber im allerersten Anfang noch nicht
darauf bedacht war, seine Laissen mit einem refrain-
artigen Putz auszuschmücken; vgl. Xordfelts ähnliches
Räsonucinent betreffs zweier anderer Gedichte S. XXI.
Sehen wir drittens zu, wie sich der kleine Vers von a
gegenüber den Lesarten der Hs. b (^ den sechs übrigen
Pariser Hs.) ausnimmt. Er ist manchmal ein offenbarer
Flickvei's, z. B. der ei'ste (S. 3 der obengenannten
Edition) :
Parini ses plaies voit ses boiaus issir
Ell III lieits OH en IUI:
besser b, wo er fehlt;
S. 10: Cd Sunt fort a nierrelle;
besser b, wo er fehlt oder anders gestaltet ist;
S. 57 : Non fas jou, sire, Jliesus nos sott aidans!
Dist la damc honoree;
felüt b. — Oder er ist sogar unpassend, wie S. 33 :
Ainc ne fu honi de la soie bonte
Com fu li qiiens d'Orenge-,
fehlt b. — Bisweilen ist er zwar nothwendig, aber dann
immer mit entsprechenden Zehnsilblern in b ersetzt; z. B.
S. 44: Ha'i! Guillumes, fei tra'itres inastin,
Com vos sares de honte!
b: Tant vos sarez de barat et d'ensin.
S. 46: Li quens Gttillame.s n'a garde en nide giiise,
Se ne chict Folatise . .
b: Se desoz lui ne chiet Folatise."^
S. 50: Anchois sera rostres cies desarmes
Ke vos ovre la parte.
b: Qii'il vos soit parte ne gidchet deffinez.
In anderen Fällen sind die Lesart von a und die
von b (d. h. meist Fehleu des betreffenden Verses von «)
gleichwerthig. Ich kenne keinen Fall, es sei denn S. 46,
wo der von a gegebene kleine Vers den Lesarten der
anderen Handschriften vorzuziehen wäre. Ein bestechen-
der Einwaud ist der, dass. wo der Sechssübler in a
steht, die übrigen Handschriften oft sehr auseinander
gehende Versionen haben. Man könnte daraus schliessen,
dass die verschiedenen Schreiber sich auf verschiedene,
selbständige Weisen bemüht, den Sechssilbler umzusetzen.
Betrachtet man aber genauer die Verfahriingsweise der
hier in Frage stehenden Schreiber, so wü'd man bald
inne, dass sie sehr frei ihre Vorlage gestaltet haben und
dass diese Freiheit, wie gewöhnlich, besonders am Ende
der laisses, als einem passenden Platze, ausgeübt wird.
Sie besteht auch oft in Ausschliessung oder Zusatz
mehrerer Verse, wobei es sich nicht um die Umdichtung
nur eines einzigen kleinen Verses handeln kann. Im
Gegensatz also zu den Literarhistorikern, zu den Editoren
des Äliscans, Jonckbloet und Guessard und Moutaiglon,
und zu Dr. Gade, der noch 1890 über das Metrum und
die Sprache des Gedichts eine Inaugural-Dissertation
schrieb, glaube ich jetzt, dass der kleine Vers etwas
dem Original von Aliscans Fremdes, von einem Sclu-eiber-
Remauieur Zugefügtes ist. Ich habe mich bei dieser
Frage ziemlich lange aufgehalten, weil sie wirklich
äusserst wichtig und vielbesprochen ist.
Neunsilbler; vielleicht zu lesen: n'ochieiit Folatise.
307
1891. Litcraturblntt für ffornmnisolio und romanische Pliiloloffii*. Nr. 9.
308
Die Stellung der Enfances Vivieii ist, wie dies
vim vorne herein zu vernmthen war, die, dass das Ge-
diclit als Einleitung? zu den Vivien besonders verherr-
lichenden, sehon vorhandenen Gediihten Corvnnul Vivien
und Aliscani< verl'asst wurde. Indess sind nieht alle
vom Verf. in diesem Abschnitte gemachten Behauptungen
buchstäblich stichhaltig. Wenn ein Jongleur auf Ereig-
nisse, die in einer andern Chanson erziihlt werden, an-
spielt, so bedeutet das nicht notliwendig, dass er diese
Chanson gekainit habe, wie man sich oft vorstellt, son-
dern nur dass er von dem. was sich das Volk davon
berichtete oder durch alte Gesänge kannte, Kcnntniss
hatte. Wir haben davon im Aliscatis einen deutlichen
Beweis. Es heisst in diesem Gedicht S. 91:
Huimais canchons commence a esforcier;
Aiiis tel iie fii des le (ans Macabier,
Com cos orres, se iie Juilleut dciiicr,
De L'tiiiioiiart ki ocisf Loqiiifer,
Le plus (jrani liome Ici iiioidasi sor destrier.
La conqiiist il iiiie loke de fer,
K'il ne douuast por 'M' livres d'ormier.
Mdiid Sarrasiu tu /ist 2)iiis boaillier,
De Loijitifenie (dxtfi le clocier, etc.
Mau s(dlte daraus nicht schliessen. dass der Verfasser
Voll Alisaais die Ciianson de la JJataille de Loqitifer
kannte, wenn luan damit die auf uns gekommene Ba-
taille meint, sondern nur dass er von den Thaten, die
später, und zwar sehr spät, dieses Gedicht veranlassten,
hatte sprechen oder singen hören. Hierauf scheint Verf.
nicht genügend Kücksidit genommen zu haben, wenn
mau nach seüiicni Vergleich sowolil im dritten wie im
vierten Kapitel von den Eiifanccs einerseits und Aiiiieri
de Xarboiine oder Covenant anderseits urtheilen darf.
Die Behauptung ferner (S. XXIX), die Enfances ständen
dem Covenant viel näher als dem Aliscans, weil jene
dieselbe Versitication wie Covenant haben und sich in
denselben Handschriften tinden, kann irreleitend sein.
Auch Aliscans, der in der jetzigen Fassung fast durdi-
gängig gereimt ist, war wohl ursprünglich nur assonirend;
und er findet sich wie Covenant in allen acht Hand-
schriften der Enfances.
Die Sprache des Gedichtes ist das Literarfranzösisch,
wenn auch einzelne Handschriften nördliche oder östliche
Dialektzügc zeigen. Weniger sicher ist das vom Verf.
bestimmte Datum der Enfances, der Anfang des XIII.
Jahrhunderts.
Der Stil des Gedichts ist uneben; im ersten Drittel
frisch und coulant de sonrce, im zweiten Drittel matt,
im letzten Drittel zunftmässig und ermüdend. Er er-
innert übrigens, wie auch manche Episode, an GIrard
de Viiinc von Bertrand de Bar-SHr-.\ube, und man dürfte
sogar an eine Nachbildung nach dieseBi (iedicht, kaum
an Betrands Autorschaft denken. Schliesslich wird eine
partielle Uebereinstinimung mit Ilervis de Metz berührt;
das letztere Gedicht wäre hier jedoch von den Enfances
abhängig.
Es dürfte wohl aus diesem Allem hervorgehen,
welch eine bedeutende und fruchtbringende .Arbeit Nord-
felts Dissertation ist. Sie soll der Ausgabe der Enfances
Vivien von W'ahlund und Feilitzen als Einleitung vor-
gesetzt werden; gewiss ist sie ein der schönen Publi-
kation würdiger Prolog.
Lund. Jühan Vising.
Oötsinger, Wilhelm, Die romanischen Ortsnamen
des Kantons St. Gallen. Mit einer Karte. St. Oallcn. 1891.
In der Einleitung behandelt der H. Verfasser ver-
schiedene Punkte, welche mit der Erklärung der Namen
in näherer Beziehung stehen. Nach einer kurzen Be-
merkung über die vorroinanische Einwohnerschaft be-
spricht er eingeliender die Art der Ansiedelung nach
der Eroberung des Landes durch die römischen Legionen
und die verschiedene Dichtigkeit der romanischen Namen
im betreffenden Kantone. Daran reiht er kurze Be-
merkungen über frühere Forschungen, welche er vorge-
funden, über die Quellen, welche er benutzt, und über
lautliche Veränderungen, welche er bei den Ctrtsnamen
beobachtet. Zweimal besuchte er den Kanton, um durch
persönlichen Augenschein die Eichtigkeit oder Möglich-
keit der Deutung zu erproben und aus dem Munde der
Eingebornen die .Ausspräche der Namen kennen zu lernen.
Auch urkundliche Formen führt der Verf. an; nur haften
sie nicht immer an dem Namen, welcher zu deuten ist,
sondern an einem andern. Der Verf. hat auf die Arbeit
grosse Sorgfalt verwendet und den weitaus grössteu Tlieil
der behandelten Namen in richtiger Weise gedeutet.
Nur in wenigen Fällen linde ich etwas auszustellen;
doch ist das auch nur meine persönliche Ansicht, welche
auf Unfehlbarkeit gar keinen Anspruch macht. Zuerst
nehme ich einige Wörter vor, welche anf as, os, aits
enden: Eontnds, Plattsnds, Muntenös und Pradenaiis.
Es gibt zwar noch vier andere auf os, nämlich Bliinös
1300, Pätrös Alp, Vidpalüs, Davös; auch 1319 davos
Gasas, was Gärtner Rätor. Gr. § li am Ende mit de
abvorsuni erklärt. Ueber Blnnös und Valpalös wage
ich keine Vermuthung: l'älrosalp Kt alpis pctrosa. Bei
Fontnas führt der Verf. eine stattliche Reihe von Formen
an: Fiintnas 1351, Fitntenatces 1299, Fnntanans 1344,
Tuntanaus 1270; die erste und zweite Form kommen
je zweimal, die dritte achtmal, die letzte dreimal vor.
Ich glaube aber dennoch, dass die zweite und letzte
Form die allein richtigen sind, und ans statt aus seinen
Grund in der undeutlichen Form des u hat, welches der
Abschreiber für n gelesen. Ein Wechsel der Anhängsel
aus und ans ist unmöglich. Solche doppelte Lesungen
sind mir sehon ein paar Jlal vorgekommen. Dass die
Dcntnngen fontanaf US imd fontanalis richtig sind, glaube
ich nicht, weil nach Gärtner Rätorom. Gr. § 59, 82
Ende 'das Schluss-s, wo es keinen flexivischen Werth
hat, meist abfällt' und 'secundäres au aus lat. al nur
vor Dentalen erscheint'. Pradenaus ist nach dem Verf.
pratenatos. Dieses s musste stehen bleiben; aber dennoch
bezweifle ich, dass aus pratenatos Pradenaus werden
konnte. Schon der Ausfall des t, eigentlich (/ ist nicht
sicher, wie (Partner § 78 behauptet, doch kann ich ans
Tirol dafür anführen locum nuncupatuni India, quod
vulgus Campogelau vocantur 770, ad Inticha quod
dicitur Campo'jelau 828 (Innichen im Pusterthale) =
campus (jelatus Eisfeld. Dass sich der Ausgang os
schon früh in es nach dem Muster der dritten Decli-
nation umgewandelt, bezeugen Ahazanes 1000 heute
Ahsam bei Halb im Innthal = abaliauos, Vundenates
1144 im Navisthal bei Steinach am Brenner — = fonta-
natos, Ganipedelles 1353, Gampes 13. Jh. Os steht
in Campellos 7()6, Montnniolos 831; Cucullos 788 in
Salzburg 'Kuclil'. Ich meine, dass Bück AI. 245 richtig
gesehen, wenn er diese Namen auf utius zurückführt.
Muntenös bildet die Zwischenstufe zwischen Pradenaus
imd Fontnas. Vgl. Grafanas 1400, Gravinus 12157,
300
1891. Litoratuiblatt für gerninniKclie und rnmnnisclie Pliilulogie. Nr. 9.
310
Graßnuzza 1278; Sultans, 13. Jh. Saltnzce in Passeir;
Seif Ulis, 1322 Zcrfuus, 1251 Ser/ti: = serriitiKS,
selvutius. Danacli dürften so auch die vorliegenden
Namen foiituiiiititis, iHoiitaiiiitiiis {moiifaiwsits ist hier
der Bedeutung wegen unmöglich), prutiinitiiix sein;
Pluffsiids gehört zu plu^zu niclit pluttu: Ruck a. a. ü.
bringt ui/er P/usciians 1200 Mohr I, 2.34 bei. Üb er
zu unserem AVorte gehört, weiss ich nicht; aber wahr-
scheinlich ist Piutfsiiuf! auch plu-zziinitius.
Unter mons bringt der Verf. ohne urkundliche Be-
lege Matels, Matlinis, Mut'niis, 3Iatriiif/, Mutnisoii,
Matschüs, Mntsc}ni(/f/a unter; die beiden letzten Xamen
scheinen Ableitungen vou it. iiiuc/(jio, oberwäld. iiiuijf
zu sein, wie in Tirol MutsrJiutsrh und Matschat davou
gebildet sind. Die übrigen Namen können vom römisclien i
PN. Mutiiiö-, Matfiiis, oder vielleicht auch von it. mottu
scoscendimento di terreno e la parte della parte sco- j
scesa: ven. iiiofa di sassi = sassi rocinati; chw. viutt
hergeleitet werden. Aus Tirol habe ich mehr als 20
Namen, in denen der Stamm iiuit, mad steckt, weshalb
ich der Ansicht bin, dass in Eiitien ein jetzt uiclit mehr
verständliches Wort vorhanden war, welches zieralicli
häufig zur Ürtsbezeichnung verwendet ward. Zu Mont-
liver und Uli Lifer führe ich zur Vergleichung aus
Tirol an 'curia vinaria super MyoJ, der geheissen ist
zu dem Olivieren 1385; Bück, AI. 224.
Bei den Namen die von prüf um liergeleitet werden,
linden sich Pardiel, Pardcllu, Bardellen, Bürdet seh,
Pardäfsch, Budöiii. Ich gestehe zu, dass Umstellung
des r urkundlich bezeugt ist; aber ich meine, dass man
Namen, bei welchen das nicht der Fall ist, auch von |
jnirs herleiten kann. Bei Partei war Bück AI. 264 zu
vergleichen. Prudöin nicht = pra domiiii?_ Badunnieii
und La Badogniu sind betulucus chw. hadoiju. PN.
Baduuier ist unser Pirl'er.
Auch bei runcus finden sich Namen, für welche
andere Ableitungen, wie erüca, chw. riica Eauke oder
it. rocca Fels, Felsenschloss oder andere herangezogen 1
werden müssen. Rugell, Beggella, Ragol, Raguaisch,
Eagaf^ kann man nicht von runcus herleiten, wenn
nicht durch urkundliche Belege diese Deutung begrün-
det wird. Buccnnasch 1269, Biizinnascli 1274 gehören
nicht zu runcus, sondern sind vou arrogium Bewässerungs-
bach, Bach überhaupt herzuleiten. Darüber Bück AI.
232; Schnell. Volksra. 172; Unterforcher Eätoromanisches
aus Tirol, Eger 1890 S. 12 und 1891 S. 28 f., wo
eine grosse Zahl hieher gehöriger Namen verzeichnet ist.
Ebenso dürfte der eine oder andere von den Namen,
welche unter vallis eingereiht sind, anderswo unterzu-
bringen sein. Schneller Tir. Nam. 22.5 führt mitlt.
arellanarius bei DC. avellanarium, aveUauaria Has-
lach, aus lat. Abcllana nux Haselnuss, Abellana Hasel
weiter gebildet, an und erklärt damit einige tirolische
Ortsnamen, welche Steub früher auf rallis zurückgeführt.
Ich habe darauf weiter bauend Vulnetsch bei Kastelrutt
in Tirol mit avellanicius gedeutet; danach dürfte wohl
auch Vulndtsch aveUanacius sein; ferner zog ich, ge-
stützt auf Flechia nomi loc. deriv. dal nome delle plante
S. 13 auch filix zur Erklärung solcher Namen heran
(Eätorom. aiis Tirol, Eger 1891 S. 29 und 40). Das
Gut Vulschnära könnte also auch filiciuarius, Valgez
filicatius sein.
In Amagnezz, Amefschils, Amplasur, Ancapan
sehe ich mit Euek .\1. 253 die lat. Praep. in. Bei
Pofel kommt auch pöpulus in Betracht nach Bück AI.
263 f. In der L«'.s«-Alp, d. h. im urkundlicheri 'Alpe
de Lazzans' 1220 steckt ein Stamm, der auch in Tirol
eine Eeihe von Namen gezeugt hat. Pirona vocabulario
Friulano 232 'Lavine = valanga, franu, lavina, luzza:
materie sassose che ruinano dai monti'. Lazza kommt
in melireren Ableitungen vor; aber bisher hat noch kein
Xamenforsdier in Tirol es dazu verwendet.
Das sind meine Ansichten und Bemerkungen zu den
Erklärungen tiötzingers, welcher mehr als 400 Namen
in seinem Aufsatze zusammengetragen und grossentheils
auch gedeutet hat.
Eger. Unterforcher.
Z i m m e r 11 , J., Die dentsch-französische Sprachgrenze
in der Schweiz. I. Tlieil: Die Sprncbgienzo im .Iura.
Basel und Genf 1891. VII, 80 S. 8. 16 Lauttabellon nebst
einer Karte.
An die verdienstvollen Studien über die deutsch-
französische Sprachgrenze in Elsass-Lothriugen von C.
This, über welche der Unterzeichnete im Ltbl. früher
(IX, 1888, S. 214 ff.) referirt hat. schliesst sich die
vorliegende Arbeit höchst erwünscht an. Südwestlich
von Pfirt, an der elsässisch-schweizerischen tTrenze. wo
This seine Untersuchungen abgebrochen hat. beginnt
Zimmerli die seinigeu und führt sie quer über die zahl-
reichen Kämme und durch die sie trennenden Thäler
des Kettenjura fort bis zum Neuenburger See. Hoft'eut-
lich lässt die Fortsetzung von hier bis zu der Stelle,
wo das deutsche, französische und italienische Sprach-
gebiet im Süden der Walliser Alpen an einander stosseu,
nicht allzulange auf sich warten.
Wie Tills, so hat auch Zimmerli nicht nur die
Ergebnisse der amtlichen Statistik, insbesondere der
Volkszählungen von 1870, 1880 und 1888 benutzt; viel-
mehr hat er sich der daukenswerthen Mühe unterzogen,
im Herbst 1889 und im darauf folgenden Winter das
betretiende Gebiet zu durchwandern und an Ort und
Stelle Alles zu sammeln und aufzuzeichnen, was für die
jetzt gesprocheneu Sprachen und ihre Grenzen von Belang
ist. Es ist das Ergebniss dieser Untersuchungen für den
Sprachforscher und Geographen um so werthvoller, als
seit Nähert (1856) nichts wirklich Neues über den be-
handelten Gegenstand veröffentlicht worden ist, und da
sich gerade in den letzten Jahrzehnten die betreffenden
Verhältnisse in vielen Beziehungen ganz wesentlich ver-
schoben haben, einmal unter dem Eiufluse mächtig auf-
blühender Industrien, besonders der Uhreufabrikation,
und dann in Folge neuer AVegeverbiudungen, vor allem
der Eisenbahnen und des durch sie angebahnten leichten
Verkehrs.
Der Verfasser gibt zunächst (S. 1 — 6) einen kurzen
geschichtlichen Ueberblick über die Besiedelung der
Westschweiz, in welcher nach der keltischen und römischen
Zeit Alemannen und Burgunder sich niederliessen. Die
ersteren bewahrten ihr Volksthum unentwegt, während
die letzteren zum Theil in den Alemannen, zum Theil
in der vorhandenen romanischen Bevölkerung aufgingen
und hier Sprache, Volksart und Bauweise aufgaben, so
dass schon etwa seit dem 8. Jahrhundert die Sprach-
grenze annähernd ebenso verlief wie heute; alte Orts-
und Flurnamen, Häuserbau und Urkunden beweisen dies.
Sodann hat der Verfasser für jeden Wolmort, selbst für
das abgelegenste Gehöfte des in Betracht kommenden
Gebietes ermittelt, welcher Bruchtheil der Bevölkerung
sich des deutschen, welcher sich des alten französischen
Patois oder des Schriftfranzösischen als Umgangssprache
311
1891. Literaturblatt für s<""nianisclio und romanische Philologie. Nr. 9.
312
bfdieiit. .\\\i liiT bi'iirt'ürobenen, leider ziemlich unschönen
Karte, die untretalir im Massstab 1:240 000 gezeichnet
ist, wird nun die Sprachsrrenze derart gezogren. dass sie
unmittelbar westlich von den rein deutschen
Ortschaften verläuft, d. h. westlich von Edersehwiler,
Rosrgenburgr, Kleiulützel, Liesberjr, Bärschwil, Grindel,
Ei-schwil. Schelten. Envclier, Seehof, AVelschenrohr, Gäns-
brunnen. Grenchen. Lengnau, Pieterlen. Bötziiiiren, Mett,
lüel. Magsliniren. Vingelz, Tüscherz. Twann. Ligerz.
In den vier letztgenannten Gemeinden mit ihren Neben-
orten hat die deutsche .Sprache romanischen Boden er-
obert, in Vingelz, Tüscherz und Twann schon früher,
in Ligerz erst seit l.'iO .Tahreii. Heute ist der west-
liche l'ferstreifen des Bieler Sees bis vor die Thore von
Xeuenstadt (Xeuvevillc') rein deutsch. Zininierlis Sprach-
grenze steigt im Süden von Ligerz an das Seegestade
herab und folgt diesem bezw. der Zihl (Thiele) bis zum
Xordende des Neueuburger Sees.
S^m ist aber uach den ortsweise zur Darstellung
kommenden statistischen Einzelangaben des Verfassers
(S. 6 — 57) diese Linie durchaus nicht die wirkliche
Sprachgi'enze, und Ref.. der die betrett'euden Gegenden
aus eigener Anschauung kennt, muss seine Verwunderung
darüber aussprechen, dass die fragliche Grenzlinie
die gegebene Darstellung gefunden hat. Es ist nämlich
zumeist gar keine Grenzlinie vorhanden, vieiraehr haben
wir es in scharfem Gegensatz zu Elsass-Lothringen meist
mit einer Grenzzone zu thun, einer Region gemischter
Bevölkerung, welche sich nach Zimmeriis eigenen An-
gaben grösstentheils kartograpliisch festlegen lässt. Das
unverniischte Deutschthum hat im Allgemeinen längs der
oben genannten Linie die Westgreuze seiner Verbreitung,
jedoch mit der Einschränkung, dass Welschenrohr,
Grenchen, Mett, Bötzingen und besonders Biel mit
Madretsch nicht mehr als rein deutsch autgefasst werden
dürfen. Ueberall in diesen Orten sind es die seit den
letzten .lahrzehnten zugewanderten welschen Uhren-
arbeiter, welche früher ungemischte Gemeinden jetzt,
wenn auch vielfach erst schwach, gemischt erscheinen
lassen. In Biel, wo diese Verliältuisse sich am stärksten
geltend machen, sind von 1.5 .")00 Einwohnei'n volle 30
l'rocent welsch: und während die 1845 gegründete erste
französische Schule wieder einging und erst seit 186G
endgiltig festen Fuss fassen konnte, gab es 1890 in der
l'iimarschule neben 32 Klassen mit 1409 deutschen
Schülern 18 Klassen mit 1094 französischen Schülern:
von 1870 bis 1888 wuchs die deutsche Einwohnerschaft
um 89, die französische aber um l.'{7 Procent! Wir
haben demnach hier im Osten der Zinnnerlischen Grenze
ein (iebiet nicht unwesentlichen relativen Rückgangs
für das Deutschthum zu verzeichnen.
Im Westen liegen die Dinge folgendermassen: Mie-
court an der Elsässer (irenze hat seit Mitte der sech-
ziger .Jahre wahrscheinlich in Folge wirthschaftliclien
Niederganges der einheimischen Welschen deutsche Ein-
wanderung gehabt, so dass hier die vorher ungemischte
Patoisbevölkerung auf 75 Procent zurückgegangen ist.
Dagegen wird in Charmoille, Pleujouse, Pleigne, Mo-
velier, Mettenberg fast ausschliesslich patois gesprochen,
ebenso rechts von der Birs in den Orten Courroux,
Conrcelon, Vicques, Recollaine, Courchapois, Montsevelier,
Corban, Mervelier, wo nur vereinzelt ganz verschwin-
dende deutsche Minoritäten zu finden sind. Aber längs
der Birs und der Scheuss (Suze), d. h. im Jlünster- und
im St. Imerthal, sowie an den Seitengehängen dieser
Thäler. haben wir es durchaus mit gemischter, vielfach
mit überwiegend deutscher Bevölkerung zu thun. i>ie
Eigeiithümer, Pächter und Dienstboten der zahlreichen
hochgelegenen Einzelhöfe mit ihren vorherrschend deutschen
Namen, welche leider auf Zimmeriis Karte nicht ange-
geben sind, welche Ref. aber auf der Dufourkarte und
— soweit ihm diese gerade zu Händen war — auf der
Siegfriedkarte nachgesehen imd zur eigenen Orieutiriing
farbig hervorgehoben hat, sind seit längerer Zeit zum
weitaus grössern Theil deutsch, und ebenso linden wir
in den Industrieorten der Thäler starke Mischungen, wo
noch vor wenig Jahrzehnten beinahe ausschliesslich
patois gesprochen wurde.
So hat an der Birs und in ihrem (Jebiet Soyhiere
(Saugern) 40" o deutsch sprechender Bewohner, Delsberg
(Delemont) 40, Courrendlln 21, Choindez (Schwende) und
Roche sind ausschliesslich deutsch, Rebenvilier hat 30** >,
Münster (Montier) 45, Belprahou 20, Granval (Grau-
feWen) 15, Eschert 48, Cremines 50, Court 13, Sor-
vilier (Surbein) 30, Tavannes (Dachsfelden) 30" o deutscher
Bewohner. Ueber die zwischen Court und Dachsfelden
gelegenen Orte konnte Ref. bei Ziuuuerli keine Angaben
linden. Im St. Imerthal wohnen an deutsch sprechender
Bevölkerung in Renan 30, Sonvilier 23, St. Imer 30,
Villeret 21, Cormoret 20, Courtelary 31, Cortebert 33,
Corgemont 37, Sombeval-Souceboz 39, la Hütte 50, Pery
49°'o der gesaramteu Volkszahl. In dem Pery benach-
barten Reuchenette sind sogar 57, in Ronchätel und
Frinviller (Friedlinsschwanden) 70",'o Deutsche, während
das unferne Plague (Pleen) rein Patois spricht, Vauft'elin
(Wöltlingen) nur 9 und Romont (Rothmnud) 2ö*'/o Deutsche
hat. In dem nordwestlich über Biel gelegenen Evilard
linden sich 40, in Orvin 20 "/o Deutsche, Magglingen ist
rein deutsch.
So haben wir also in der Zone zu beiden Seiten
der Birs und der Scheuss von Saugern bis Renan, d. h.
in der Region, die neuerdings der Weltindustrie und
dem grossen Verkehr erschlossen worden ist, eine Jlisch-
bevölkerung. Neben den eingewanderten Deutschen
sprechen die einheimischen Welschen fast überall das
alte Patois, so dass die französische Schriftsprache fast
nur in der Schule und im oftiziellen Leben Eingang ge-
tunden hat, worüber nach Zimmerli von Seite der Be-
hörden und der Lehrer viel geklagt wird.
Ganz eigenthümlich und für unsere Stammes- und
Spraohgenossen ebenso wenig schmeichelhaft als günstig
sind an den meisten Orten des gemiscliten Gebietes die
Schulverliältnisse, welche, da ja in der Schweiz überall
Vollständige Wahlfreiheit lierrscht, nach der .Meinung
des Ref, Zeugniss ablegen von dem geringen Werth,
den leider für so viele Deutsche ihr Volksthum hat, und
von ihrer geringen Widerstandskraft gegen Anders-
sprechende, Nur wenige Orte des zweisprachigen Ge-
bietes haben deutsche Schulen ; auch wo unsere Stammes-
genossen die Mehrzahl bilden, ist meist die Unterrichts-
sprache französisch; in manchen Orten sprechen weitaus
die meisten Kinder deutsch, während der Lehrer diese
Sprache überhaupt gar nicht versteht! Vielfach mag
der Grund dieser unerfreulichen Ei-scheinung darin liegen,
diiss die Deutschen sich ihres rauhen alemannischen Dia-
lektes schämen und der Jleinung sind, dass ihre Kinder
es im Leben mit dem Französischen weiter bringen.
Dem entsprechend zeigt es sich auch fast überall, dass
die Deutschen sich bemühen, zweisprachig zu werden,
während die Romanen dazu im Allgemeinen gar keine
313
1891. Litcratuiblatt für gcrmanisclie umi romanisclio Philologie. Nr. 9.
314
Anstalten treffen. Bei alledem selieint aber ein Kain]if
im .'^iniie bölnniselier und ahnlielier Zustande nirgends
geführt zu werden.
Aelinlich wie au der Bii-s und Stlieuss liegen die
Verhältnisse im Westen der Zimmerlischen Grenzlinie
von Biel bis Neuenbürg-. Am Gebirgsabhang gegen die
zwei Seen und die sie verbindende Zihl liegen hier nur
gemischte Orte: Freies (Prögelz) mit 10 •'/o, Lignieres
mit 17, Xeuenstadt (Xeuveville) mit 29. Landeron mit
17, Cressier (Grissarh) mit 19, Coruaux mit 27, Thielle-
Vavre mit 45, St. Blaise mit 25 '^ o Deutschen, während
in Marin-Epagnier ausschliesslich schriftfranzösich ge-
sprochen wird. Sehr bedauerlich ist es, dass der Ver-
fasser seine Untersuchungen mit den letztgenannten
Orten, den niirdliehsten im Bezirk Neuenbürg, abge-
schlossen und nicht über den ganzen Kanton Neuenburg
ausgedehnt hat. Die folgende, aus seineu Angaben um-
gerechnete Tabelle zeigt, dass dieser Kanton wohl fast
ganz als sprachlich gemischt bezeichnet werden muss.
Aus den bezirksweise zusammengefassten Zahlen lässt
sich aber die gemischte Zone von den geschlosseneu
Verbreitungsgebieten der Deutschen und Franzosen nicht
ausscheiden, wie dies weiter im Norden möglich war.
Procents.-it?
der
Bozirk
deutschen ßevc
Ikerung
1880
ISSS
Nenenburg
17
18
Boudrv
31
27
^'al de Travers
18
14
Val de Euz
32 '
28
Locle
90
23
La C'haux de
Fonds
13 ,
•12
24 1
21
Und das erscheint überhaupt im Gegensatz zu der
mehrfach erwähnten Arbeit von This über die Sprach-
grenzen in Elsass-Lothringen an der vorliegenden Unter-
suchung als ein nicht zu bestreitender Mangel, dass man
sich aus ihr kein klares geographisches Bild davon
machen kann, längs welcher Linien geschlossen deutsches,
gemischtes und geschlossen französisches Gebiet an
einander stossen. Es fehlt den sprachstatistischen Unter-
suchungen leider die geographische Methode. Nirgends
ist auf den Verlauf der Wassei'scheiden und auf die Art
ihrer Beschaffenheit, nirgends auf die Züge der Thäler
und auf ihre Geh 'Uge und Verzweigungen, nirgends auf
die Bedeutung älterer oder neuerer Verkehrswege u. s. w.
hingewiesen: die so eifrig gesammelten Zahlen weiden
nicht zu natürlichen Gruppen vereinigt, danach inter-
prttirt und anschaulich gemacht.
Im Vorsteheudeu ist versucht worden, diesen Uebel-
ständen wenigstens eiuigermassen abzuhelfen, und das
mag auch die etwas weitläufige Besprechung entschul-
digen. Aus den bisherigen Ausführungen scheint sich
das Folgende zu ergeben: Während in dem bis vor
Kurzem rein deutschen Gebiet uuter dem Einfluss der
angedeuteten modernen Verhältnisse nur wenig welsche
Elemente eingedrungen sind, so dass sie nur in Biel und
Madretsch wirklich von Belang wurden, ist im welschen
Gebiet, das schon seit längerer Zeit von Deutschen bis
zu einem gewissen Grade durchsetzt war — man denke
mu- an Delsberg. Münster, St. Imer — die Zahl der
Deutscheu ziemlich stark in die Höhe gegangen, und
zwar in den Thälern mit ihren mächtigen AVasserkräften
in Folge der industriellen Ent Wickelung; im innern Ge-
birge haben Pächter und landwirthschaftliche Dienst-
boten aus dem deutschen Tiieile des Kanton Bern die
Lücken ausgefüllt, welche durch den Zug der Welschen
I in die Fabriken entstanden waren. Aus den oben für
i Neuenburg mitgetheilteu Zahlen kann vielleicht ge-
1 schlössen werden, dass dieser Zuzug von Osten seinen
Höhepunkt bereits überschritten hat. Ob und wie sich
' diese deutscheu Einwanderer erhalten werden, ist schwer
zu sagen. Zimnierli weissagt ihnen die Romanisirung in
kürzester Frist überall da, wo kein ständiger Zuzug
erhaltend wirkt, und so wie die Verhältnisse liegen, ist
allerdings die Gefakr keine geringe. Die Schule allein
könnte hier helfen: deutsche Schulen zu errichten und
zu erhalten, dazu gehört aber lebhaftes Gefühl für den
^Verth dei' Stammeszugehörigkeit, Ausdauer und etliches
Geld, und es fragt sieh eben, ob die deutscheu Minori-
täten im Jura über diese moralischen wie materiellen
Kräfte genügend verfügen.
Den im Wesentlichen statistischen Angaben des
Verfassers schliessen sich (S. 57 — 63) solche über den
Häuserbau im Jura au, und es wird betont, dass die
Verbreituugsbezirke der I)eutschen und Welschen zu-
sammenfallen mit denen des „dreisässigen" Hauses,
welches für die ganze deutsche Nordschweiz typisch ist,
und des keltoromanischen Hauses. Gute Gruudrisszeich-
nungen charakteristischer Bauten veranschaulichen die Aus-
führungen. Sprachliche Bemerkungen über die deutschen
Mundarten und über das Patois des Jura (S. 64 — 80),
endlich 16 Lauttabellen beschliessen die Arbeit, die hier
wesentlich niu' vom geographischen Gesichtspunkt aus
besprochen werden sollte.
Freiburg i. B. Ludwig Neumanu.
Ze i tsclirif t en.
.\rchiv f. das Studinm der neneru Sprachen ii. Litera-
turen LXXXVII. 1: Adolf Wohlwill, Schiibartiana. —
Emil K 0 ep p el, Ueber das Vcrhältniss von Chaucers Prosa-
werkeii zu seinen Dichtungen und die Echtheit der „Parson's
Tale". — Max Roediger, Goethes Theaterleitung. —
F. Holt hausen, Zur mittelengl. Antonius-Legende. —
J. Z., Bemerkungen über ne. like. — J. Z., Xe. hoic als
Relativnm. — J. Z., Zur Lehre vom Fragesatz. — J. Z.,
Only for = but for. — Sitzungen der Berliner Gesellschaft
für das Studium der neueren Sprachen. — Rudolf Leh-
mann, E. Scbnippel, Ausgeführter Lehrplaji im Deutschen
für die mittleren und oberen Klassen höherer Lehranstalten.
Ein Entwurf. — Ders. , Ferdinand Schultz, ilerktafel zu
der Geschichte der deutschen Literatur. — Wilh. Seel-
raann, Ernst Jeep, Hans Friedrich v. Schönberg, der Ver-
fasser des Schildbürgerbuches und des Grillenvtrtreibers.
Eine literarische Untersuchung über das Schildbürgerbuch
und seine Fortsetzungen. — G. Völckerling, E. Nader
u. A. ^Yürzner, Elementarbuch der engl. Sprache. — Ders.,
E. Nader u. A. Würzner, Grammatik der engl. Sprache
nebst Aufsatzübungen und deutschen Uebungsstücken. —
W. Mangold, Otto Ritter, Anleitung zur Abfassung von
engl. Briefen mit zahlreichen engl. Mustern und deutschen
Uebungen. Für den Schul- und Privatgebrauch. Dritte verb.
Auflage. — Julius Zupitza, Arthour and Merlin nach der
Auchinleck-Hs. nebst zwei Beilagen hrsg. von Eugen Köl-
bing. — J. Z., W. Shaksperes dramatische Werke. Ueber-
setzt von Aug. Wilh. v. Schlegel und Ludw. Tieck. Im Auf-
trag der Deutschen Shakspere-Gesellschaft hrsg. und mit
Einleitungen versehen von Wilh. Oechelhäuser. — Adolf
Müller, Tales of a Grandfather by Walter Scott. Hrsg.
von Joh. Bauer und Th. Link. — Ders., Jackanapes by
Juliana Horatia Ewing. Mit deutsehen Erklärungen von E.
Roos. — J. Z., Consequences. A Xovel. Bv Egerton Castle.
— J. Z., Knight-Errant. By Edna Lyall." — J. Z., Stand
P'ast, Craig-Royston. A Novel. By William Black. — J. Z.,
au
1891. tiitcrnturblntt für germanische und romanische Philologie. Nr. 9.
316
A Diploroat's Üiary. By Julien Gordon. — J. 7,., A Sappho
of üreeii Spiinsa, nml otlu-r Tnlra. Hy Bret Iliiiti'. — J. Z.,
A Dmufflit <>r Li'tho. Tho UDiiiancc of an Artist. By Roy
Tollet. — Kd. Schwan, Gustav Körting, Ijateiiiisch-roinnn.
Wörtcrbucli. — Fr. B a c li ni a ii n , H. Brcynianii u. H. Moellor,
Französisches Elementurbuch. 3. Auflage, Ausgabe B. —
Der»., W. Ulrich, Uebungsstückc zum Uebcrsctzen aus
dem Ueutaclicn ins Französische behufs Kinübung der un-
regelmässigen Verben. Eine Beigabe zu franz. Scliulgram-
matiken. — 1) e r s. , O. Ulbrich, üebungsbueh zum Uebcr-
sctzen aus dem Dcutsclien ins Französisclie für die mittleren
und oberen Klassen höherer Lehranstalten. Zweite Aufl. —
Ders. , JacDbs, Brinckner, Fick, Lesebuch für den französ.
Unterricht. II. — Adolf Müller, Eclio du Fran^ais Parle.
Sccond Tome. Causeries parisieunes par K. Foulclie-Delbusc.
Mit einem Specialwörterbucli von Christ. Willi. Uamour. 2.
Auflage. — Fr. Bach mann, Chrestomathie fiangaise ou
Livre de Lecture, de Traduction et de Recitation, ä l'usage
des ecoles alleinandes pnr Joseph Schwob, cinqiiieme eJition,
revue etc. par Th. Droz. — Ders., L'Afrique pittoresque
et nierveilleuse, peinte par les e.xplorateurs: Baker, Barth etc.,
ouvrage accompagne d'une Carte, par J. Baum<rarten. —
Alfred Schulze, Gustav üreyling, Die .\usilrucksweise der
übertriebenen Verkleinerung im altfranz. Karlscpos. —
Ders., Gütihold Xaetebus, Die nicht-lyrischen Strophen-
formen des Altfranzösischen. — Fr. Bac hin« nn , La jeune
Sibcrienne par Kavier de Maistrc. Zum Schul- u. Privatge-
brauch hrsg. von J. Bauer u. Tli. Link. — Fr. Speyer,
Ilistoire d'Attila par Thierry. Hrsg. von Fritz Bischoff. —
Ders., K.xpi'dition d'Egyi)te par Thiers. Hrsg. v. E.Grube.
Neuphilologisches Centralblatt V, 7: Scherffig, Uober
Schülerfehier im Franz. (Forts.). — Job. Weiss, Gilbert
(Forts.). — ICrammer, Verhandlungen der neusprachl.
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Zs. f. vergl. Sprachforschung 3-', 1: F. Solmsen, Ahd.
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Die Wiederholung als Urform der Dichtung bei Goethe. —
A. L. Stiefel, Ein weiterer Beitrag zur Romeo- und
Julia-Fabel. — Alfred Biese, Hiob, llerakles und Faust.
— Marcus Landau, Ein hebräischer Kriscnmian. — Carl
Heine, Die auslämliscluMi Dramen im Spielplane des
Weiinarischen Theaters unter Goethes Leitung. — Edinuml
Bayer, , Rostom und Sulirab" im Nibelungonniass über-
setzt von Friedrich Rückcrt. Ein Fragment ans dem Nach-
lasse des Dichters. — Carl Sc li ü d d e k o p f , Eine unbe-
kannte Erzählung Wimpfelings. — Theodor Distel, In-
halt zweier, 1.^4!) in Brüssel aufgeführter Theaterstücke. —
Hugo Holstein, Ungedruckte Gedichte oberrheinischer
Humanisten. — Anton Engler t, Entlehnungen. — Anton
E. Schönbach, Karl Knortz, Geschichte der nunlameri-
kanischen Literatur. — üskar F. Walze 1, Albert Küster,
Schiller als Dramaturg. — Max Koch, Gustav Mix, Zur
Geschichte der Caesnrtragödien. — Carl Wcynian, Elard
Hugo Meyer, Homer und die Ilias. — Carl Heine, Karl
Theodor Gaodcrtz, Zur Konntniss der altengl. Bühne nobst
amlorn Beiträgen zur Sliakcspeare-Litcratur ; Arcliivalische
Nachrichten über die Theatcrzuständo von liildeslieim, Lü-
beck, Lüneburg im 16. u. 17. Jh. — Eugen Wolff, Kricm-
hild. Volksgesang der Deutschen aus iloin 12. Jh. Kritisch
wieder hergestellt von Werner Hahn.
Le Moyen Age IV, 7: Oolther, A. Middleton Reevea, The
finding of Wineland the good. — A. Doutrepont, Er-
langer Beiträge zur engl. Philologie. X. — B i n c t , Langlois,
Origines et sources du Roman de la Rose. — H. Lo ge-
rn a n , Knust, Geschichte der Legenden der Ii. Katharina
von Alexandrien; Varnhagen, Zur Geschichte der Legende
der Katharina von Alexandrien.
Zs. des Vereins f. Volkskunde 3: M. Rocdiger, Die
Sage von Ermenrich und Schwanhild. — W. Schwartz,
Von der volksthümlichen Xaturkcnntniss mit einem Exkurs
über die deutscheu Pflanzennainen. — M. Hocfler, Die
Kalenderhciligen als Krankheitspatrone beim bayerischen
Volk. — J. J. Am mann, Volkssagen aus dem Böhmer-
wald. — 0. Zingerle, Segen und Heilmittel aus einer
Wollsthurncr Hs. des XV. Jh.'s.
Am Urquell II. 2: Fr. Krauss, Eine deutsche Gesellschaft
für Volkskunde. — L. Frahra, Volksglauben. — F.
Sembizycki, Ostpreussischc Sprichwörter, Volksreime u.
Provinzialismen. — 3: H. Hände Imann, Zur norweg.
Sagenforschung. — H. F. Feilberg, Wettermachen. —
K. Knautlic, Sagen un 1 Märchen. — 4: Ders., Das
Alpdrücken in Schlesien. — Fr. Krauss, Geheime Spraeh-
weisen. (Eine durchlaufende Enquete; bis jetzt 8S Xummcrn.)
— ö f . : Sunder mann. Ostfriesisches Volksthuni. — Ü:
M. Hofier, Das Sterben in Oberbayern. — K.. E. Haase,
Sagen und .Märchen aus der Grafschaft Ruppin und Um-
gegend. — F. Krauss, Schimpfwörter. Eine Enquete. —
7: R. Andre e, Abderiten von heute. — II. Volks mann
u. J. Spinner, Diebglauben. — 8: H. v. Wl i s lo c k i,
Urmen, Schicksalsfrauen der Zigeuner. — Sembrzyeki,
M a r t e n s u. Krauss, Schimpfwörter. — J. Sembrzyeki,
Ostpreussischc Sprichwörter, Volksreime u. Provinzialismen.
— 9 : H. F r i s c h b i e r , Räthsel-Geschichten. — U. S c h e 1 1
u. H. Volksmann, Die Fisoherin, ein Märchen aus dem
Bereischen. — F. Höft, Abderiten von heute, f.
Germania N. F. XXIV, 2: V. Michels, Zur Beurtheilung
von Jakob Grimms Ansicht über das gramm. Geschlecht. —
G. Ehrismaiin, Ahd. tiicil — hit:il. — Jellinek, Zur
Declination der ahd. Abstracta. — Hirt, Zur Metrik des
as. und ahd. AlUtcrationsverscs. — Roth, Deutsch-latcin.
Gedichte aus der Zeit des 80,jähr. Krieges. 1—3. — Fran-
ke 1, Bemerkungen zur Entwickelung des Grobianismus. —
Sprenger, Zu Reineke Vos; zu Reinhart Fuchs. — .\.
Bartsch, Drei Akrosticha. — R. K o h 1 c r , Eine koptische
Variante der Legende von Grcgorius auf dem Stein. — E.
Loh ine y er. Zu Germania XXXI, 325.
Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache n. Lit.
XVI, 1 u. 2: A. Lei tz mann, Untersuchungen über Ber-
thold von Holle. — K. v. Bahdor, Bemerkungen zu Rcin-
hart Fuchs. — J. Meier, Studien zur Sprach- u. Literatur-
geschichte der Ilhoinlandc. — Ü. L. K. Jiriczck, Die
innere Geschichte des .\.lphartliedes. — Fr. Kauffyiann,
Mythologische Zeugnisse aus römischen Inschriften. (2. Mars
Thingsus et duae Alaesiagae ; 3. Dea Xchalcnnia.) — E.
Sievers, Grammatische Misccllen. (1. Germ, u als Ver-
treter von indog. 3. 2. Zum germ. geschlossenen <•. 3. Ahd.
era — irin und Verwandtes. 4. Zur westgerm. Gemination.)
— W. Streitberg, Slav. -eßs- und gcrm. -ös- im Com-
parativ. — W. van Holten, Grammatisches. (Xlll. Zur
Geschichte der -jo- und -/o-Stäinme im Germ. .\IV. Zur
Gescliiclitc der Flexionsformen der Pronn. -/in- und //vi- im
Westgeiin. XV. Zur Geseliichte der Vcdcalc vor ir'. XVI.
Zur Chronologie der .\pokope des J>, <?. XVll. Der ngs. afr'.
Nom. PI. in. f. der /(-Decl.) — Ders., Frisica. — Ders.,
Notiz. — M. IL Jellinek, Das Suffix -/o-. — K. Luick,
Unechte und steigende Diphthonge. — F. Holt hausen,
Rcqualivahanus. — .\. Lei tz mann, Bertliold von Holle
ein Nachahmer Wolframs von Eschenbach. — E. Sievers,
Sceaf in den nord. Genealogien. — Ders., Sintarfizilo. —
Ders., Die angebliche Göttin Ricen. — J. Meier, Be-
richtigung.
Bayerns Mundarten I, 2: Holder, J. R. Fischers „letzte
Weltsucht" und „dos Peulfels Tochter". — Jakob, Aus
Mittels<diwaben (Forts.). . — Jacobi, Schwab. Taufnamen.
— Brenner, Altbaicr. Sprachprolien. I. Der Prinz von
Arkadien (1701). — Riegel, Aus .\ltregensburg. — II a r t-
mann, Ein altes niederbayrischcs Dialektgedicht. — II im-
melstoss. Aus dem bayr. Wald (Forts.). — C. Franke,
Ostfränkisch und Obersächsisch. — Hart mann, Aeltero
Nachrichten über Dialekte (Forts.). — Brenner, Der an-
31 :
1891. Literatmblntt für ^erinaiii8c)ie und romanisclio Pliiloloijie. Nr. 9.
318
liiiclitiffe Bauer. — Dem ml er, Einiges aus doni Donau-
Lccliwiukcl. — Brenner, Zu unserer Ln»tbo/.eiclinun<;f.
Arkiv för nordisk liloloo;! VIH, i: Soplius liusso, Uunc-
stenen IVa ÜpeJal i llanlanp^er. — Ji'in T li o r ke Iss on ,
Personalsuftixet -in i forste Person Kntal lios norske og
islandskc OUItidsdigtcre. — Konr. Gi'slason, U- og re-
gressiv !--omIyd af (f i islandsk. — Elis Wndstein, An-
zeige von ,J6n forkelsson, Beyging sterkra sagiiorda i
islensku'". — Gustaf C e d e rs c hiü 1 d , Anzeige von „Wil-
helm Ranisch. Die Ynisungasaga. Nach Biigges Te.xt mit
Einleitung und Glossar'".
Noord en Znid XIV, 3: F. Z. Jlehler, Pieter Laugendijk
(Forts.)- De Zwetser. Het wederzijdsch huwelijksbedrog.
Krclis Louwen. — F. A. Stoett, Spreekwijzen verklaard.
(lets onder de roos rertellen; Slapen als eene roos en slapen
als op rozen ; Fiolen laten zorgen.) — C. F. A. Zernike,
lets over werktuiglijk lezen. — Taco H. de Beer, De
Gcschiedenis der Xede;landsche Letteren 1880—1890. —
T. H. d. B., Verandering van beteekenis door valsche ana-
logie. — Schriftelijke Taalopgaven van de E.\amens voor
de akte van hoofdonderwijzer(cs) in 1891.
Anglia N. F. II, 2: E. Sievers, Zur Texterklärung des
Beowulf. — E. Lücke, Das Leben der Constanze bei Trivet,
Gower und Ciiaucer (Sclil.). — G. Sarrazin. Parallel-
stellen in ae. Dichtung. — W. Sattler, Engl. Collectaneen.
2. üeber das Geschlecht im NE. — E. Koeppel, Chauce-
riana. 4. Die Entstehungszeit des ,Lyf of seynt Cecyle".
ö. Boccaccios Amorosa Visione. 6. Jean de Meung 1) Le
roman de la rose, 2) Le testanient. — K. Luick, Beiträge
zur engl. Grammatik. 1. Me. ä ä im Ne. ; 2. J, eye, cii/e\
3. Me. oi, ci im Ne. ; 4. Zur Diphthongirung von nie. ü, l.
Romania 79 (Juli 1891): P. Rajna, I piü antichi periodi
risolutaniente volgari nel dominio italiano. — A. Longnon,
Un fragment retrouve du Jleliador de Froissart. — A.
Piaget, La Court amourcuse de Charles VI. — P. Meyer,
Poesie frangaise ä la Vierge, copiee en Limousin. — P. A.
Geijer, Cabaret. — Ad. Hatzfeld, A. Thomas,
Coquilles lexieographiques I. — .\. Yernier, A. B o n n e t ,
Le latin de Gregoire de Tours. — L. Sudro, Egberts von
Lüttich Feeunda Ratis, hrsg. von Voigt. — M. Wilmotte,
Friedwagner, Ueber die Sprache des Huon de l)Ordeau.\ ;
Esclarmonde, Clarisse et Florent, Yde et Olive hrsg. von
Schweigel. — A. Morel- Fatio, De Mugica, Graniätica
del castellano antiguo. — E. Picot, Burada, CercetSri
despre scoalelc romänesei diu Turcia.
Revue des langues romanes Juli— Sept. 1890: Chaba-
neau et Reynaud, Legendes pieuses cn provengal (Forts.).
— Marchot, Etymolugies liegeoises. — Pelissier,
Variantes du te.xte des Reniontrances de Monier de Cliateau-
deuil. — Blanc, Canape. — Brenous, Le latin de Gre-
goire de Tours, par M. Bonnet. — April — Juni 1891: Ca-
mus, Notiees et extraits des manuscrits frane. de Modene.
— F 0 u r e 3 , Les jeux des enfants en Lauraguais. — D e r s. ,
Youcaboulari anatoumie e de las malautios del Lauragues.
— J ou r d a n n e, Jamnieto. — Brissaud, Chant de noces
de l'Agenais. — Blanc, A prupos de l'expedition en Sar-
daigne de Guillaume II, vicomte de Narbonne. — Castets,
// Flore et ses critiques.
Zs. f. franz. Sprache ii. Literatur XIII, 2. 4: W. Gol-
ther, W. Foerster, Christian von Troyes sämmtl. Werke.
— E. Stengel, E. Kölbing u. E. Koschwitz, Hue de
Rotelandes Iponiedon. — E. Weber, W. Mushacke, Alt-
provenziilische Marienklage des XIII. Jh. 's. — B. Schnei-
der, Armana prouveucau per lou bei an de Dieu 1891. —
Ders. , Bibliotheque Felibreenne. — E. Koschwitz, IC.
Wahlund, La Philologie frangaise au tenips jadis. — F.
Ten de ring, L'Amienne France. — R. Mahrenholtz,
Comte de Puymaigre, Jeannc D'Arc au thi-ätrc (1439 — 1890).
— J. Sarrazin, R. Mahrenholtz, Jeaune dWrc in Ge-
schichte, Legende und Dichtung. — R. M ah r e nh ol t z ,
R. Otto, Jean de Mairet: Silvanire. — G. Carel, M. Fried-
wagner, Goethe als Corneilleübersetzer. — R. Mahren-
holtz, J. A. Worp, Lettres du Sgr. de Zuylichem ä Pierre
Corneille. — Ders., W. Knörich, Molieres Werke. Bd. II.
— M. F. Mann, F. Stein, Lafontaines Einfluss auf die
deutsche Fabeldichtung des 18. Jh. 's. — R. Mahrenholtz,
J. Becker, Die Entwickelung der Dienerrolle bei Moliere. —
O. Knauer, Lady Charlotte Blennerhassett, Frau v. Stael,
ihre Freunde und ihre Bedeutung in Politik und Literatur.
— R. Mahrenholtz, R. Fester, Rousseau u. die deutsche
Geschii'litsphilosophie. — U e r s. , Chatelain, La Folie de
J.-J. Rousseau. -- Ders., Andre le Breton, Le Roman du
XVII" Siecle. — J. Sarrazin, M. Hartmann, Die mili-
tärischen Proklamationen und .Ansprachen Napoleons I. —
Ders., G. PcUissior, Lo mouvcment litteraire au XIX' s. —
F. II e u c k e n ka m p, Eugene Rarabert, Etudes litteraires.
— J. Franck, Aiiolf .Mager, Geschichte der franz. Litera-
tur von ihren .Anfängen bis zur Gegenwart. — F. T e n -
de ring, Dühr, Zur Theorie der Stellung des franz. Ad-
jectivs. — Ders., G. Franz, Ueber den Bedeutungswandel
lat. Wörter im Französischen. — W. Ricken, A. Mende,
Die Aussprache des franz. unbetonten e im Wortauslnut. —
A. Lange, W. Victor, Phonetische Studien. — A.Schröer,
F. Franke, Die practische Spraeherlernung auf Grün 1 der
Psychologie der Sprache dargestellt. — E. v. Sallwürk,
A. V. Roden, Inwiefern nuiss der Sprachunterricht um-
kehren. — Ders., Conr. Rethwisch, Jahresberichte über
das hübere Schulwesen. — W. Mangold, Gutersohn, Zur
Methodik des fremdspraohl. Unterrichts. — J. Sarrazin,
The Teaching and Learning of foreign languages at honie
and in tlie countries wliere they are spokcn. especially
French anl English. — F. Hornemann, H. Matzat, Die
Uebcrfüllung der gelehrten Fächer und die Schulreform-
frage. — F. Tendering, J. Rauschenfels, Methodik des
franz. Sprachunterrichts in Mittel- und Bürgerschulen. —
Ders., .\. Dillniann, Die Anschauung im Bilde in ihrer An-
wendung auf den frenulsprachl. L'^nterricht, insbes. auf die
practische Uebung im mündlichen Ausdruck. — Ders., G.
Strien, Elementarbuch der franz. Sprache. — Ders., A.
Kemnitz, Franz. Lesebuch für den Anfangsunterricht. —
Ders., H. Enkel, Tli. Klähr u. H. Steinert, Lehrbuch der
franz. Sprache für Bürgerschulen. — Ders., F. Lindner,
Erläuterungen zu Ploetz' franz. Schulgrammatik. — Ders.,
G. Ploetz, Uebungsbueh, Heft III (Syntax des Artikels, des
Adjectivs und des Adverbs. Die Fürwörter). — Ders.,
Ebener-Moyer, Gottfried Ebeners Frnnzös. Lesebuch. —
Ders., W. Bertram, Exercices de Style Francais. — E.
Weber, D. Wolfermann, Leitfaden für den ersten Unter-
richt in der franz. Sprache für Mittelschulen, höhere Töchter-
schulen u. s. w. — Aymeric, Un nouveau barbarisme. —
Verein für das Studium der neueren Sprachen zu Hamburg-
Altona. Jalircsbericht. — Jahresbericht der Dresdener Ge-
sellschaft für neuere Philologie. 1890. - Dr. Rahn, Gegen-
erklärung.— Jacobs, Brincker,rick. Erwiderung. —
K. Kühn, Erwiderung. — Supplementheft VI: Andrae,
Sophonisbe in der franz. Tragödie mit Rerücksichtigung der
Sophonisbe-Bearbeitungcn in anderen Literaturen. 114 S.
Franco-GaHia VIII, 8: Besprechungen: Friedwagner, Ueber
die Sprache des altfranz. Heldengedichts Huon de Bordeaux.
— Tliiers, Expedition d"Egypte, hrsg. von Bischoft". — Thierry,
Guillaume le Conquerant, hrsg. von Leitritz. — Taine, Les
origines de la France contemporaine, hrsg. von Iloffmann.
— Beaumarchais, Le Barbier de Seville, hrsg. v. Knörich.
Giornale storico della letteratnra italiana XVII, 2. 3:
Jlalagoli, Studi. aniori e lottere inedite di Guidubaldo
Bonarelli. — Sabbadini, Briciole umanistiehe I. II. —
Volpi, Un cortigiano di Lorenzo il Magnifico (Matteo
Franco) cd alcune sue lettere. -=- Cian. Gioviana. Di Paolo
Giovio poeta, fra poeti, e di alcune rime sconosciute del
See. XVI. — Gloria, Dante Alighieri in Padova. — 1" r a t i ,
Notizie biografiche di riniatori italiani del sec. XIII— XIV.
Graziolo Bambaglioli. — Merkel, Sordello di Goito e
Sordello di Marauo. — F 1 a m i n i , Jacopo Corsi e il Tebaldeo.
Rivista critica della letteratnra italiana VII, 2: Tor-
raca, Mango, Le fonti dell'Adone di Giambattista Marino.
— Flamini, Bilancini, Giambatt. Giraldi e la tragedia
nel secolo XVI. — Giannini, Villanis. Saggio di canti
popolari dalniati, raccolfi a Zara e in Arbe. — Calvari,
Olivieri, I sonctti di W. .Shakespeare trad. per la prima
volta in italiano. — Zenatti, Bongi, Annali di Gabriel
Giulito de' Ferrari. — Giannini, Bacci, Ninne-Nanne,
Cantilene, Canzoni di giuochi e Filastrocche che si dicono
in Valdelsa. — F., Boni, La lingua viva. — Comunicazione :
Torraca, Guido del Duca.
11 Proimgnatore N. S. IV, 19.20: G. Bruschi. Ser Piero
Bonaccorsi e il suo Camniino di Dante. — Pelaez, La
vita e le opere di Giovanni .\ndrea dell' Anguillara. —
BeUoni, Curzio Gonzaga rimatore del secolo XVI. Cenni
Sulla sua vita e sulle sue opere. — C. e L. Frati, Imliee
delle carte di Pietro ßilancioni. Contributo alla bibliografia
319
1891. Tiiternturhlntt für geriiinnisclie iiml romnnisclic Pliilolosie. Nr. S>.
320
delle rimc voljfnri dei primi trc seeoli. — Lftzzarini, Ln
socomln iinibascoriii ili Kraiicosoo Petrarca n Venezia. —
Snncsi, L'aiino della iiascita Ji Loon liattistn Alberti. —
Fase. 21: Mazzi, Leone Allaeci e la Palatina di Heidel-
berg. — 0. Iiru8clii, Ser Piero Bonnccorsi e il siio Cam-
niino di Uaiite (Sclil.). — Belloni, Curzio Goiizaga riiiia-
tore del secolo XVI. — Zenntti, Xuove rime d'Alchiinisti.
— Dcrs. , II bisnonno ilel Petrarca.
L'Alighieri II, 12: A. Luiiiini, II dialetto calabrese nella
Uivina Cominodia. — P., La eanzone di Guido Cavalcanti
, Donna nii prega" ridutta a niii;liore lozione e conientata
massimamente con Dante. — III, 1. 2: Passe rini, Di
nna supposta copia dell' originale della ^t'oniodia" e del-
rnrnie antica di Casa Aligliieri. — Zoppi, Gli animali
nella Diviiia C'ommedia (Forts.). — P., Ragione, Cagione,
Causa, Cosa nel Convito <li Dante. — Sac. Oius. Spera,
Contradizioni apparenti nella Divina Coniniedia. — P.,
Che nella Divina Coniniedia non s'lia a Icggere ne „ed
in pctrato" nc ,ed in peccato". — Coiumento del Re
Giovanni di Sassonia (Filalete) alla Div. Com. (Forts.). —
Discorso del Prof. Can. Carlo Vassallo per l'inaugu-
razione del monumento u G. ß. Giuliani in Canelli.
Tenth Annnal Report of tlie Dante Society (Cambridge)
l>'.)\ : NV. C. Lane, Additions to tlie Daiitc-CoUection in
the Harvard College Library, .May 1. 18ltü — May 1, ISOI.
— Documeiits conccrning Dante's Debts. — G. R. Car-
pcnter, Documents coneerniug Dante's public lifo. Parti.
Literar. Centralblatt Sl : Etiemie, La langue frane. depuis
Ics oiiginos Jusqu'a la fin du XP' siecle. — Hirzcl, Wiciand
un<l Martin um! Regula Künzli. — 32: Holder, Altcelt.
Sprachschatz. — Das Drama <lcr klass. Periode. Hrsg. von
Ilauflfcn. — Tille, Die deutschen Volkslieder vom Doctor
Faust. — Kraus, Das bölim. Puppenspiel vom Doctor Faust.
— 33: Techmer, Beiträge zur Geschichte der franz. und
engl. Phonetik und Phonographie. — 34: Shakespeare re-
prints. Ed. by Victor. — Colin, Die Suffixwandl. im Vulgär-
latein etc. — 35: Häuften, Leben und Fühlen im deutschen
Volksliede. — Bremer Beiträge, hrsg. von -Muiicker. —
Schmidt, liesi'liichte der clcutschen Literatur. — Hildobrand,
.\ufsütze und Vorträge zur deutschen Pliilologie. — Greard,
Kdni. Scherer. — 3H : Sammlung span. Gedichte. Mit .\nm.
von Kressner. — 37: Deutsche Puppenspiele. Hrsg. von
Kollinann. — Theodor Körner. — 38: Uz, säinmtl. poetische
Werke. — Balladen und Romanzen, seleeted etc. by Buch-
Iieim. — Paralipomeua zu Goethes Faust. Kil. v. Strehlke.
Dentsche Li tei-aturzeit. 2!) : R o e d i g e r , Kauti'maiin, Deutsche
Mythologie. — Hartmann, Müller, Zur KntwickeUings-
geschichte des indogerm. Verbalbaus. — llauffen, Flaisch-
len, 0. H. von Gemmingen. — K. Weber, Goorlich, Der
bürg. Dialekt. — 30: Werner, T. Knebel-Doebritz, K. L.
V.Knebel. — Holt hausen, Herzfeld, Räthsel des Exeter-
buehes. — 31: A. Sauer, .Vntoniewicz, J. E. Schlegels
ästhet. Schriften; Woltt', .1. E. Schlegel; Rentsch, 3. E.
Schlegel als Trauerspieldichter. — Meyer-Lübke, Höl-
Bcher, Die mit -ociim -hicitm gebildeten franz. Ortsnamen.
— 32: Kauffmann, Crecelius, Oberhess. Wörterbuch. —
Kühne, Sorel, Jladame de Stael. — 33 : W e r n e r , Reliorn,
Der deutsche Roman. — Brand 1, Gelber, Shakespearesche
Probleme. — 34: Kalilc, Wisen. Carmina Norroena. —
Schönbach, Knust, Legenden der Katharina v. Alexan-
dricn und Maria .\egyptiaca. — 35: Seeinüller, llenrici,
Hartmanns Iweiii. - Cloctta, Appel, Zur KiUwickelung
italienischer Dichtungen Petrarcas.
Gott, gelehrte Anzeiaren 18: Suchier, Grass, Das Adams-
s|)i('l. — 1! r a n c| 1 , Schröer, Ueber Titus .\ndronicus.
PhiloloKUS N. F. IV, 1: R. Opitz, Ueber den „Weiber-
spiegel" des Semonides von Amorgos (mit Beiträgen zur
Geschichte der Thiersage). i'.
Berliner jihilol. Worhensclirift Xt, 29 f. : K. llartfelder,
S. Szaniatölski, Ulrich von llultens deutsche Schriften. V.
Archiv f. siav, Philologie XIV, 1: \V. Rugiel, Eine
kleinrussisclie Version der Lenorensage (mit reichen biblio-
graphischen Nachträgen zur Geschichte dieses Stoffes). —
V. jagic u. R. Köhler, Eine Midas-Sage in bosnischer
Fassung. F.
Zs. f. die ö.sterr. Gymnasien 22, 6: 0. Walzel, Neue
Quellen zur Geschiclite der älteren romantischen Schule. —
Kummer, Stejskal, Regeln und Wörterverzeichniss für die
deutsche Rechtsclireibung.
Blätter f. das barer. Gymnasialschnlwesen 27, 3 u. 4 :
X ick las, R. Lehmann, Der deutsche Unterricht.
Mittheilungen der Ge.'>ellsc'haft f. ilent.sche Erziehnnsrs-
n. Schiilffeschichte I. 1: E. Voigt, Das erste Lesebucli
des Triviunis in den Kloster- und Stiftsschulen des .Mittel-
alters (11. — 15. Jh.). — K. Trautmann, Arcliivalischo
Beiträge zur Geschichte der Schulkomödie in München
(1549-104S). - Fechner, Zwei alte ABC-Bücher (1534
und 1587). F.
Historische Zeitschrift N. F. 31, 2: Th. Wiedemann.
Zur (Textkritik der) Ilistoire de mon temps König FriedriehsII.
von Preussen. — Im Literaturbericht : H. Haupt, S. Ber-
ger, Les bibles proven^ales et vaudoiscs. — E. Seh r(öder),
iiäclitold, Deutsche Literatur in der Schweiz. — Dors. ,
Dissel, l'hilipp von Zesen. — Ders., Kalff, Nederlandscho
letterkunde. F.
Korrespondenzhlatt des Vereins f. sielienh. Landes-
kunde XIV, iS: J. F. Graf, Mühle u. Müller im Xösnergau.
Mittheilungen des Vereins f. Geschichte n. Alterthunis-
kunde zn Honiburs v. d. H. 3 : E. Kelehner. Eriedr.
Hölderlin in seinen Beziehungen zu Homburg v. d. II. Nach
den liinterlnssenen Vorarbeiten des Bibliothekars J. 0.
Hamel bearbeitet. V.
Mittheilungen der niederlansitz. Gesellschaft f. Anthro-
pologie n. .\ltprthnnisknnde II, l: C. G ander. Der
wilde Jäger und sein Ross. — C. Freund u. F. W ein-
eck, Diebes- uui Feuersegen. F.
Zs. f. Kirchengeschichte XIL3u. 4: E. Förster, Wiklif
als Uebersetzer. F.
Allg. Zeitung des .Tudenthnnis 55, 33 f.: D. Mendl,
Ueber den Ursprung der Sage vom Ewigen Juden. F.
Vierteljahrsschrift f. wissenschaffL'Piiilosophie XV 3:
A. Marty, Ueber Sprachretiex, Xativismus und absichtliche
Sprachbildung. VIII. K.
Zs. f. Philosophie n. philos. Kritik 29, 1: Ziegler,
Melzer, Goethes ethische Ansichten.
Philosophische Monatshefte 27, 9 u. 10: G. Sehne ege,
Goethes Verhältniss zu Spinoza unii seine philosophische
Weltanschauung. II.
Das Ausland li4, 23: Fr. Müller, Joh. Schmidt, Ueber die
Urheimat der Indngerinancn. — 27: Th. .V e h e I i 3 , Max
Müller uiiil die Völkerkunde. — Joh. Schmidt, Noch
einmal die Urheimat lier Indogermanen. — 28: Ludw.
Fränkel, Lehnianii-Filhes, Isländische Volkssagen. —
31: Fr. Müller, Noch einmal die LTrhciniat der Indo-
germanen. — G. Bancalari, Forschungen über das
deutsche Wohnhaus (vgl. Ausland (i3, 24 — 25 u. 27). F.
Glohus 2 — 4: Wink 1er, Friesland, Friesen und friesische
Sprache in den Niederlanden. — 4: A. S. Gatsehet,
Oregonische Märehen. F.
Der Knnstwart IV, 20: „Volkskunst". — F. .\ (ve n a r i us),
Oskar von Redwitz. — Der allgemeinere Wertli der National-
lireratur für ein Volk. — Die französischen Dekadenten. —
Die Versform für den Text einer Oper. F.
Preussisehe ■Juhrbileher .Vug. : .\. Kost er, Das lyriaoho
Drama im 18. Jahrhundert.
Altpreussische Monatsschrift 28, 3 u. 4 : Vict. Diede-
richs. Zu Herders Uriefwechsel. — J. Scmbrzycki,
Zu den Königsberger Zwischenspielen von 1044. — A.
T r eiche 1, Das .\lphabet in preussischen Redensarten.
Dentsche Revue Aug.: K. Th. Gaeilertz, Ungedruckte
Briefe von unil an Ludwig v. Knebel (Schi.). — Unsitten
im Sprachgebrauch.
Dentsche Knndschan Aug.: W. Vulpius, Stammbuch von
.\ugiist V. Goethe. IL — F. L e in m er may e r, Friedrich
Hebbels Briefwechsel.
Die Gegenwart 29: W. Bolin, Die Vorgeschichte der
Mythen. (Ueber Laistners , Räthsel der Sphin.x".)
Blätter f. literar. Unterhaltung 19 : L. Lier, Zur deutschen
Literaturgeschichte (Ulrich, Die drainat. Poesie in der 2.
Hälfte des 17. Jh. 's: Geluiilieh, Christian Reuter; Hartmann,
Freiher v. Creuz und seine Dichtungen). — 20: Ad. Schrö-
ter, Literargeschichtliches (Bielschowsky, Geschichte der
deutschen Dorfpoesie; Drescher, H. Sachs). — 22: M. Gro-
ben, Kuno Fischers Schiller-Schriften. — L. Fränkel,
Zur Geschiclite der neuern deutschen und engl. Literatur
(zu Shakespeare, J. B. Schupp, Gottsched, Riehardson, F. W.
Gotter, Goethes Faust). — 23: Fr. K u in in e r , Dramatisches
und Dramaturgisches. (Enthält u. n. Kritiken von; .\. Tlioina,
Das Drama; Miiikhanlt, Das Repertoire des weimarischen
Theaters unter Goethes Leitung ; Th. Lipp.s, Der Streit über
.'!21
1891. Literaturblatt für gerfflanische und romanische Philulogie. Iüt. 0.
322
die Tiasüdiü.) — 2-1: F. Ij e m m er m a y e r , Literatur aus
Oestcrrcich (Jahrb. der Grillpurzcr-Gesellsch. I; Ilosegfrt'r,
Krinnoniiist'ii an R. Hainerliiig). — II. Löbner, Zur
deutsclion Literatur (Biltz, Beiträge zur Oescliichte deutsclicr
Sprache und Literatur; W. Kühn, Goethes Leben und sein
Faust; J. Friedrieli, Der Glaube Goethes und Schillers). —
2.5: A. Kirch hotr, Liptays Plan einer Weltsprache. —
26: 11. Löhne r, Knortz, Geschichte der iiordumerikanischeT
Literatur. — L. Franke 1, Sehlossar, Deutsche Volksschau-
spiele. — 28: W. ßuchner, Des Goethe-Jahrbuchs 12.
Band. — 29: .AI. Grüben, Schiller-Schriften. — 30: II.
Löbner u. K. Sali mann, Das deutsche Lied. — 31:
H. S., Rodenber<;9 Din<;elstedt-Biographie. — (Lu Iw. Frän-
kel,) Die , Times" über ,Xeue deutsche Literatur". — 32:
A. II e r m a n n , Literarhistorisches (zu AVieland, Grillparzer,
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Harte). F.
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46: L. Geiger, Lenaus Sophie. — G. Ellinger, Hoff-
niann von Fallcrsleben. — 42: K. J. Schröer, Goethes
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von Ferdinand Wolf. — 33: II. Conrad, Gesammelte Ab-
handlungen von .\lexander Schmidt. F.
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der Literaturgeschichte. — Theodor Körners Braut. — 34:
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Halbband. F.
Beilage zur Allg. Zeitung 183: M. Carriere, Lyrik und
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Goethe und Ilaler Kolbe. — 192: Jugendbriefe von Clemens
Brentano und Bettina v. Arnim. — 193: L. Li er, Peter
Probst, ein Zeitgenosse und Mitbürger des Hans Sachs. —
196: Goethe in der Schweiz. — 197: A. Bock, Jean Pauls
Verliältniss zur Musik. — 201: Fr. Meyer v. Waldeck,
In Klingers Bibliothek. — 205: O. Brennner, Ein öster-
reichischer Reineke Fuchs. — 209: K. Werner, Der Streit
über die Tragödie. — • 210 u. 211: W. Bormann, Nikol.
Lenau und Sophie Löwenthal. — 214 u. 215: 0. Walzel,
Chamissüs Prosa-Erzählungen. — 218: E. Kilian, Zur
Bühnengeschichte des Don Juan. — 221 : H. F., Wielands
Geschichte der Gelehrtheit. — 222: W. Kawerau, Ch.
Hofmann von Hofmannswahlau.
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Nordisk Tidskrift for Filologi. Xy R.-ekke 10. Binde. 3.
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Diotion. etymologique. I. — Brantöme X p. p. Lacour. —
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Rev. pul. et iitt. 2: Germain Bapst, Les spectacles et les
rejouissances des fetes publiques au moyen äge. (Sehr be-
achtenswerthe Sammlung von Berichten namentlich über
dramatische und pantomimische Vorstellungen zur Feier
fürstlicher Einzüge.) — 4: Im Courr. litt.: E. Rousse,
Mirabeau (Les Grands Ecrivains frangais); Maurice Albert
(Sohn von Paul Albert), La litterature frangaise sous la
Revolution 1789 — 1830; Victor du ßled, Orateurs et Tri-
buns 1789—1794. — 5: P. Stapfer, Histoire des repu-
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(.\riege) en dialecte local. — Danos, Prohibition du vin
etranger ä Foix au quinzieme siecle; ordonnance du comte
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Bulletin d'histoire ecclesiaatique 1890, S. 236-251: Ul.
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[„Ms. important, actuellement en la possession des Dames
Trinitaires de Valenoe, copie vers 1265."]
Le Museon X, 3: R. de la Grasserie, Essai de la ryth-
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Nuova Antolugia Anno XXVI. 3. Serie, vol. 34. Fase. 13:
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Alighieri apre il risorgimento (Dante di fronte alla filosofia
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Leite de Vasconcellos, L'etymologie du nom Chelhis,
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1S91. Litcratarblatt für ^ermanisctie und romanisclie Philologie. Kr. 9.
.'!2l
— nor^cg iJ e Figueiredo, Lcr inscriptions en ver»
löonins on Portugal.
Neu e r s c lii e II c n e Bücher.
liottinson. f"r-i Wesen und Entwickelung des komisclien
DraniHs. Ueilin, Weiilninnn. H)0 S.
Iluc'iuer, J., Zur Geschichte der mittollateiMischen Diclitung.
Ileinriei Augustensis phinctus Kviie. Progiinnni des Staiits-
gyniniisiums im 2. Bezirk zu Wien. 35 S. 8.
Koch, .M., Nationnlitüt und Xntioiinllitcratur. Ueilin, Wal-
thcr &, .Vpolnnt. 2> S.
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Prodnigg, Ileinr., Goethes Wilhelm Meistor und die ästhe-
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Samfundet l'ör utgifvande af handskrifter rörande Skandi-
naviens historia med umlerslö'l af Stockholms stad genom
Hans Hildebrand. Stockholm, Ivar Ila'ggströms boktrvckcri.
1889. S. 1—25«. 8. Kr. 3,75. (De Svenska Stadsböckerna
fran äldre tid. 2, I.) S.
Stockholms Stads Skottebok 1502—1510. Utgifven af Kongl.
Samlumlet für utgifvande af handlingar rörande Skandi-
naviens historia med understöd af Stockholms stail genom
Hans Hildobrand. Stockholm, Ivar ILoggstrüms boktryckeri.
1889. S. 1—25(5. 8. Kr. 3,75. (De Svenska Stadsböckerna
frän äldre tid. 3, 1.) S.
Ur nagra nntocknares samlingar. Gärd af tacksamhet och
vänsknp tili mästnrcn i svensk bokkunskap G. E. Klomming.
Stockholm, liukowski. 150 S. 4. (Inh.: S. 1-40: Aksol
Anderason, Bildiographia Klemmingiana 1844-1889. —
S. 73—87: Henrik Schuck, Ofversätlaren af Thct Nyra
Testamcntit af iir 152B. — S. 89 — 115: C. S i 1 f v e r s t ol pc,
En blick i Vadstona Klosters arkiv och bibliotek. — S. 117 —
150 : Claos A n n e r s t e d t , Schetferus och Vorelius, en literär
fäjd i sjuttonde soklet.] Kr. IG. S.
Volkmann, L., Die tragische Hamartia bei Lessing. Jauer,
Guercko. 17 S. 8. M. 0,80. (Sonderdruck.)
Vondels Lucifer. Uitg. door N. .\. Cramer. ZwoUe, Willinto.
kl. 8. M. 1,20.
Wielnnd. Geschichte der Gelehrsamkeit von C. M. Wieland
seinen Schülern dictirt. Hrsg. von L. Hirzel. Frauenfeld,
Hubor. XII, 81 S. 8. (Bibliothek älterer Schriftwerke der
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Translat. from ,Gesehiehte des .\blauts der starken Zeit-
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Drucke besorgt von Rieh. Wülkor. Kassel, Wiganil. XXIV,
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to David Gray. Seiccted and Editcd, witli an Introduction
and Xutes, by Sir George Doiifjlas, liart. (Canterbury Poets.j
Sq. lümo, 3:i7 p. Walter t^eott. 1/
Kaeder, lieber die behauptete Identität der Metaphern und
Gleichnisse in Uaeons und Shakespeares Werken. Ein Bei-
trag zur Shakespeare-Bacon-Frage. 'Jil S. 4. Progr. Grünberg.
Uichardson, C. F., American Literature, ItiüT — 188Ö. Popu-
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iutroductory noticcs by W. Wagner and L. Proesclioldt.
Parts 35-39. XI. Bd. S. 137—415 u. XII Bd. 340 S. 8.
Hamburg, Verlagsanstalt, ä M. 0,.5U.
— — dasselbe. Sejiarate editiuns. Hamburg, Verlagsanstalt.
8». Nr. XXXV. Antony and Cleopatra. Edited by L. Proe-
sclioldt. 143 S. — Xr. XXXVI. Cynibeline. Edited by H.
Fcrnow. 135 S. — Xr. XXXVII. I'ericies. Edited by L. Proe-
scholdt. los S. — Xr. XXXVIII. Venus and Adonis. The
rape of Lucrece. Edited by H. Fernow. 117 S. — Xr. XXXI.K.
Sonnets aml puems. Editcd by L. Procscholdt. 114S. ä M. 0,50.
Shakspeare, William, Coriolanus. Edit., with Introduction,
Notes aml Glossary, by Benjamin Dawson. (University Shak-
speare.) Cr. 8vo, 196 p. Sutton, Drowley and Co. 1/
Sp ra c li p ro b en . altenglische, nebst einem Wörterbuche,
hrsg. von Ed. Mätzner. 2. Bd.: Wörterbuch. II. Lief. (3.
Abth. S. 121—304.) Lex.-8. M. 8.
Steffier, G., „The sege of Jerusalem". Xach dem Bodl. Ms.
Laud. F. 22 (656). 16 S. 4. Programm, Emden.
Two of tlie Saxon Chronicles Parallel. A Kevised Text. Ed.
by C. Plummer. On the Basis of an Edition by John Earle.
Oxford, Clarendon Press.
Albertazzi, Ad., Romanzieri e romanzi del Cinquecento e
del seicento. Bologna, Zaniehelli. V, 394 p. L. 4.
Antona-Traversi, Cain., I genitori di Giacomo Leopardi:
scaramuccie e battaglie. Vol. II. (Scritti vari di diversi
autori.) Recanati. 4i2 p. 8. L. 4. [Inhalt: Piergili,
Tre vecchi scritti leopardiani (II conte Monaldo; La
libr. Leopardi in Recanati ; 11 prinio saggio di bibliografia
leopardiana). — Ü'Ovidio, Un giudizio del De Sanctis
SU Monaldo Leopardi. — Chiarini, Le contraddizioni di
Giac. Leopardi. — Antona-Traversi, L' epistolario di
Giacomo giudicato da Pietro Regnoli e da Pier Francesco
Leopardi. — Benedettucci, Prima idea di una biblio-
tcca leopardiana in Monaldo Leopardi : Gara di contraffazioni
trecentistiche tra padre e figlio ; Un'opera manoscritta di
Monaldo Leopardi, offerta in sussidio a Giacomo. — Me-
stica, Una lettera inedita di Giac. Leopardi. — Gnoli,
II nuovo libro del Ranieri. — Antona-Traversi, Leo-
pardi e Colletta.]
Bondur and, Les peages de Tarascun (texte prov.). Ximes,
Chastanier. 28 p.
Borgoguoni, Ad., Stu<li di letteratura storica. Bologna,
Zaniehelli. IV, 376 p. 16. L. 4. [1. Lor. di Pier Francesco
De' Medici. 2. Tornandovi sopra. 3. Rimatrici italiane ne'
prinii tre secoli. 4. Gentile da Ravenna. 5. II sccondo amore
di Pietro Bembo. 6. Una inonaca del Cinquecento. 7. Due
righe di giunta. S. ün nuovo poema asinario. 9. L' ultimo
epigrammlsta italiano. 10. La quarta pagina del giornale.]
Bovrciez, E., De prajpositione ad casvali in latinitate levi
mcrovingici. These. In-8, 116 p. Paris, Klincksieck.
Brunot, Ferdinand, La doctrine de -Mallierbe d'apres son
coranientaire sur Desportes. Un fort vol. gr. in-S de XXII,
605 p., avec 5 planches en fac-simile photograpbique par
la Maison Luniiere, de Lyon. Paris, Massen, fr. 10. (Cet
ouvrage forme le tonie I des Annales de l'üniversite de Lyon.)
Cal deren de la Barca, P., Ausgewählte Schauspiele.
Zum ersten Mal aus dem Span, übers, und mit Erläuterungen
versehen von K. Pasch. 1. Bändchen: Spaniens letzter Zwei-
kampf. Der Galizier Luis Perez. Freiburg, Herder. XIX,
276 S. 8. M. 1,80.
Capeller, Die wichtigsten aus dem Griechisclion gebildeten
Wörter (mots savants) der franz. Sprache. 3. Th. S. 45—64.
4. Programm Gumbiuncn.
Cavalcanti, Guido, La canzone „Donna mi prega" ridotta
a niigliur lezionc e commentata massimamente con Uantc,
nggiunta una tavola comparativa de' comcnti in ristretto di
E. Colonna, Dino Del Garbo, Paolo Del Rosso, Girolamo
Frachetta, a cura di Francesco Pasquallgo. Venezia, Olschki.
132 p. 8. L. 5. (Aus Alighieri II.)
Cellini, Benvenuto, Le rime, pubbl. ed annotatc per cura
di Adolfe Mabellini. Torino, Paravia. 282 p. 8. L. 4.
Chanson, la, de Roland. Traductiun nouvcUe, revue et
annotee par H. Feuilleret. In-8, lUO p. et gravures. Limoges,
E. Ärdant et C.
Ciämpoli, Dom., Studi lettorari. Catania, Xicc. Giannotta.
441 p. 16. L. 4. [Enthält u. a. La natuia nelle opcre di
! G. Leopardi ; Alfieri, Scott e Manzonl.]
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Vi sing, Joh., Frnnsk Spräklilra. II. Formläia. Lund, Glcerup.
S. 41 — 119.
Literarische Mittlieiluiigen, Persona 1-
nacliricliten etc.
Dr. 11. .Vlthof in Weimar bereitet eine neue Ausgabe
und eine neue IJi'bersetzung des Walthnriliedes vor.
Im Verlage von Gösohen in Stuttgart und unter der
Leitung von Dr. .Julius Elias in Berlin soll ein kritischer
Jahresboriclit über neuere deutsche 1/itteraturgeschichte er-
scheinen, und zwar in monatlichen Heften.
Eine kritische Ausgabe der Heimskringla wird von
Dr. Gustav Morgenstern in Leipzig- Lindeniiu vorbereitet.
Der allgemoine deutsche Sprachverein setzt einen Preis
von 3000 Mark aus für eine Schrift üb(.'r: Unsere Mutter-
sprache, ihr WerdiMi und ilir AVoson. Die Arbeit soll womög-
lich den Umfang von 10 bis 15 mittleren Druckbogen nicht
übersteigen. Sie soll eine auf wissenschaftlichem Boden ruhende
I gemeinverständliche und übersichtliche Schilderung der räum-
lichen und zeitlichen Entwickelung unserer Sprache sein, die
das Hauptgewicht auf das Neuhochdeutsche legt. An diese
kurzgefusste Geschichte der Muttorspracho soll sich eine an-
regende Darstellung der gemeinen liochdeutschon Schrift-
sprache unserer Zeit schliessen , die nicht in der Form einer
lehrmässigen Uebersicht oder eines Xaclisohlagebuches , son-
dern als eine lebendige und anschauliche Erörterung gedacht
ist, und zwar in einer Weise, die geeignet erscheint, die äusser-
liclie Auffassung vom Wesen der Sprache zu bekämpfen und
die weiten Kreise der Gebildeten zu fesseln und zu unter-
richten.
Die Verlagshandluiig L. Ehlermann in Dresden schreibt
für drei zur Veröffentlichung in der von Dr. Anton Bettel-
heim herausgegebenen Sammlung , Führende Geister" geeignete
Biographien drei Preise (1. Preis 30(t0 Mark. 2. Preis 1500\
Mark, 3. Preis 1000 MarkJ aus. Der erste Preis soll einer^
Goethe-Biographie zuerkannt werden.
Privatdooent Dr. F. llolthausen in Göttingen ist auf
Einladung clor philosO|)hischen Facultät zu Oicssen an diese
Universität übergesiedelt.
t zu Tübingen am 23. August Dr. W. L. Holland, im
69. Lebensjahre
Abgeschlossen am 16. Soptember 1891.
«Cx: Literarische Anzeigen. ^O*
Verlag des Art. Institut Prell Fiissli in Zürich.
Eleiiientarbiicli der Iraiizösisclieii Sprache
für Olicrrcalschulon, Realschulen und ver-
wii[idte Anstillten. Von Dr. Gnstav
Luppe, Oberlehrer an der Oberrealschulo
zu Kiel und Jnlins Ottens, ord. Lehrer
an der Oberrealschulo zu Kiel.
FÜR I. TKIfj. Das erste Schuljahr. In Rück-
SEXT.\ und Eckleder geb. M. 1.50.
Fi'R II. TEIL. Das zweite .Schuljahr. In Rück-
QÜIXTA und Eokleder geb. M. 1.80.
FÜR IIL TEIL. Das dritte Schuljahr. In
QUARTA Rück- und Kckloder geh. M. 2.—
Französische Schul^rammatik im Aiischliiss
rr '^'".n I "" '^"'' Elomentarbucli von Li(i>j>e-Oltens.
UNTEim-RFIA Bearbeitet von J. Ottens. In Rück- und
UNTERSKKIND.\ Eckleder geb. M. 2.-I0.
*** Der in dieser Grammatik gebotene
Lernstoff ist auch für Obersekunda und
Prima ausreichend.
Übungsbuch z. Übersetzen ins Französische.
Fl'K Im .Vnsclijusse an des Verfassers Schul-
B[S grammatik von J. Ottens. In Rück- und
UNTERSEKUNDA Eekleder geb. M. 1.40.
Soeben ist volL-itändig erschionoii:
Latßiniscli-roniäniscliesWörterkGli.
Mit ans(.'liliesst'in]i'in roiuaiiisclicii vi. deutsclicii
Wörterverzeichnisse
von Gustav Körting.
828 Spalten u. 182 S. 4". 22 Mark, in Halbfrzb.l. 25 Mark.
Verlag von Ferdinand Schöningh in Paderborn.
F. A. ItrorL-ltffus' Aiifi(/norhnn in Lcipnlg.
Anfang Oktober ds. J. erscheint und stellt auf Verlangen
uubereclinet und postfrei zu Diensten:
Kalnlorj Xu. 108.
Romanische Sprachen.
Sprachwissenschaft. Literatur u. Literaturgesch. 1577 Nrn.
Bibliollu'k dos
t Prof. Dr. Heinr. Körting in Leipzig.
Leipzig. F. A. Brockhaus' Antiquarium.
Hierzu eine Beilage von .loh. Ambr, Barth in Leipzig.
Verantwortlicher Redacteur Prof. Dr. Fritz Nenmann in Heidelberg. — O. Otto's Hofbuchdruckciei in Darmsladt.
LITERATURBLATT
FUH
GKRMÄN18CHE und ROMANISCHE PHILOLOGIE.
IIICHAÜSGEGEBEN VON
D«- OTTO BEHAGHEL u.nü D''- FRITZ NEUMANN
o. 0. Profossor ilt-r ^'criiiiiitisL-liuii IMiiluIu^'if
HD der UiiivL-rsiliit tiicssi'ii.
0. ü. Professor lier runiimiM;Iien l'liiluluyii.'
an der Uiiiverbitiil Heidelberg'.
Er8clieiiit monatlicb.
VEKLAG VOM
O. R. REISLAND, LEIPZIG.
Preis halbjährlich M. 5.
XII. Jahrgang.
Nr. 10. October.
1891.
O r c n <i e 1 , ein deutsches Spielniannsgedicht hrsg. | Schultz, Die Sprache der „English Gildtj'" aus [ W i s t si s s e I e m o i n e. Afr. Abenteuerroman hrsg-
voll Berger (R o e t h i').
W r c d 0 . Die Sprache der Ostgoten in Italien
(V. G r i c n b c r g e r).
Kahle, Die altnord. Sprache im I>ionste des
Chrisic-iitliuins (U e u s 1 e n.
dem Jahre 1389 (H o 1 1 h a u s e nj. von Koerster u. Trost .Tobleri.
Rönistedl, Die englische Schriftsprache bei i! f^'J ";';;;;",;■"""■" P''°™"'"'*^^ '«""'"■'" ff'"
Caxtou (Hülthausen). ; L i t e r a r 1 » c h e M i 1 1 h e 1 I u n s e n , IVrsonal-
Das A d a in s s p i e 1. Airn. Gedicht hrsg:. von ■ nachrichten etc.
Grass (Tobleri. Zingerle.Zu meiner Ausgabe v. „Floris et I.iriopc".
Orende). Ein ileutsclies Spiolniaimsijediclit mit Einleitung
uml Anmerkungen lierausfjegeben von Arnold E. Berger.
Bonn, Eduard Weber.s Verlag (Julius Flittner). 1S88. CXV,
1<I2 S. gr. 8. M. 9.
Eine neue Ausgabe der mlid. Orendeldichtung' war
Jüngst ein entsehiedenes ßedürfniss. v. d. Hagen (1844)
legt mit Consequeiiz die schlechtere unserer beiden Haupt-
(luellen, die Strassburger Hs., seinem Abdrucli zu Grunde,
und Ettiiiiiller, der diesen Fehler vermied, macht seinen
durch manche geistvolle Emendation ausgezeichneten
Te.Nt (1858) dadurch phihilogiscli unbrauchbar, dass er
in ihm eine ungenügend begründete .Stroiilientheorie mit
Gewalt und Willkür, dabei ohne eimlringeiide philo-
logische Sorgfalt durchsetzte. Bergers neuer Ausgabe,
der diese, leider recht verspätete, Anzeige gilt, lässt
sich Geschick und ein gesunder Sinn für das Erreichbare
niclit absprechen: wenn sie aber einen sehr erheblichen
B'ortschritt über ihre Vorgänger hinaus bedeutet, so ver-
dankt sie das weit mehr, als aus der anspruchsvollen
Vorrede klar wird, Harkensees vortrefflicher Disser-
tation über den Orendel (1879). B. fehlt es nicht an
hübschen und fördernden Gedanken ; aber eine energisch
sich vertiefende Untersuchung ist weniger seine starke
Seite: das Skizzenhafte. Flüchtige, das der Einleitung
anhaftet, wo er da auf eigenen Füssen steht — seine
etwas sorglose Art im Citiren der Vorarbeiten macht
es nicht immer leicht, sein und Anderer Eigenthum
zu Scheiden — , wird auch in der Ausgabe nicht
selten fühlbar. So gern ich anerkenne, dass B. einen
brauchbaren Text besorgt hat, es hätte durch ein
sicliereres und energischeres Einsetzen philologischer
Methode doch ein reinlichei'es und befriedigenderes Er-
gebniss erreicht werden können.
Am störendsten drängt sich B.'s Unsicherheit in
sprachlicher Beziehung auf. Gleich was er über die
Sprache des Augsburger Druckes (D), der Strassburger
Hs. (H) und über den vorauszusetzenden Dialekt ihrer
(Jnelle (U) vorbringt, ist ganz unzulänglich: da niuss
der Reim <( ; <> einmal fiir elsässisclien. das andere Mal
füi' bairisch-östreicliischen Ursprung das Hauptzeugniss
abgeben: in liiinte soll ai für mhd. e stelin u. a. Schlim-
mer noch und erheblicher ist, was B. aus den Reimen
der r)ichtung für die Mundart des Originals ei'schliesst.
Der Reim hotibet : (fepcmicet verlangt die Labialaspirata';
aus dem Reim grliuohe : nngefuoye folgt ihm palataler
('harakter des y; ein Kennzeichen des Mitteldeutschen
ist ihm das Fehlen des Umlauts; der Dativ Plur. ]iiin(h)i
wird als Hauptbeleg dieses Fehlens angeführt: der Reim
her : schar gilt ebenfalls als charakteristisch md. : in
gwerte {: heijurte) liegt Verdunipfung des e durch ir vor;
'brüste : feste (d. i. brüste : faste)' soll mundartlich rein
sein, wälirend vier Seiten weiter lüften : kreflen unter
den unreinen Reimen steht u. s. w. Es ist natürlidi
keine Entschuldigung, dass schon Harkensee einen Theil
dieser Merkwürdigkeiten vorbringt: was 1879 durchgeiin
; mochte, macht 1888 doch schon ein andev Gesicht. Das
Gefährlichste freilich bei dieser ganzen Untersuchung
über die Sprache des Originals liegt dai'in, dass B. un-
bedenklich und ohne die nöthigste Vorsicht die klingenden
Reime ebenso als sprachliche Zeugen betragt wie die
stumpfen, so ziemlich der ärgste und unter Umständen
verhängnissvollste methodische Fehler, der bei der sprach-
lichen Prüfung eines (iedichts aus der Mitte des 12.
\ Jh. 's — und etwa um 1 DiO setzt B. ilen Orendel an,
! allerdings mit ganz ungenügenden Gründen — irgend
j begangen werden kann.
Unter diesen Umständen will ich es niclit bedauern,
dass B. völlig darauf verzichtet hat, das Gedicht in
seiner ursprünglichen, iniftelfränkischen Mundart zu geben
oder ihr auch nur aiizuiKilieni. Dieser Verzicht lässt
sich durch die überaus späte und unzuverlässige Ueber-
lieferung nur zu leicht vertlieidigen; mindestens aber hätte
die Resignation nicht so gründlich sein brauchen, dass uns
B. z. B. das Prou. du im Reime : friio mit dem Druck von
1512 in ein dno umwandelt, obgleich er erkennt, dass
da der Reim di'i : fru vorliegt. Die sprachliche Gestalt,
in der der Orendel bei B. auftritt, bleibt jedesfalls nur
ein höchst unbehaglicher und unbefriciligeiuler Xnthbehelf.
H, die Handschrift von 1477, und D, der Augsburger
(Froschauersche) Druck von 1512, gehn zurück auf eine
starke Umaibeitung des Originals, U, die B. ohne jeden
zwingenden Grund nach Oberdeutschland und aus Ende
des 13. Jh. 's setzt; die zahlreichen Reime langer und
tonlanger Vokale, die dem alten Orendel gewiss nicht
angehören — schimmert doch z. B. bei dem typischen
Reime here : iiiere das ältere seire in den Lesarten noch
ein paar Mal durch — , würden eher nach Mitteldeutsch-
land (oder in eine erheblich spätere Zeit) weisen. Dieses
U des 13. Jh. 's will B. herstellen. Da er nun aber
über die sprachliche Beschaffenheit von U nichts Rechtes
weiss, begnügt er sich, die Schreibweise von HD, die
24
331
1891. Litcraturblntt für germanische und romanische Philologie. Nr. 10.
^■^2
für die .''pr.'nlic des Oieudel doch nicht den geringsten
ui'knndlichen Werth liat, in einigen nicht sehr ein-
schneidenden Punkten zn mildern: das Deutsch, das dabei
herauskommt, mit dem ewigen ciiom (mlid. ^ein), tcö (mhd.
sici'i), dem flectirten ir, den abscheulichen Plur. Praet.
auf -ent, gar mit dem Dativ jtdiiii u. s. w., ist dann
eben doch nur ein l>eutscli des 15. .Ih.'s und keineswegs
um 130Ü glaublich, wohin B. U doch setzt. Schon der
fatal stillose Eindruck, den solch ein Deutsch bei einem
archaischen Gedicht des 12. Jh. 's macht, lässt mir diese
Lösung der siirachlichcn Frage nicht glücklich erscheinen.
Folgerichtig hätte II Grendels Vater auch nicht Ougel
nennen dürfen, eine Form, die er nur aus einem in U
zerstörten Reim erschliesst, die aber U gewiss nicht
hatte. Nun aber begnügt sich B. sonst keineswegs
damit, U herzustellen: er geht, und mit Recht, einen
nicht unerheblichen Schritt weiter zurück; seine 'con-
scrvative' Behandlung dei Sprache ist also doppelt un-
gerechtfertigt.
Schon Harkensee hatte betont, dass in einem Oth-
marschen Drucke von 1.512 (P) die Piosaanflösung eines
Textes vorliege, der von HD, also auch von U, luiab-
häugig gewesen ist, und er hatte eine Anzahl Text-
besserungen aus P entnommen. B. hat das Verdienst,
P in consequentcr Benutzung für seinen Text fruchtbar
gemacht zu haben. Einmal indem es für D oder H,
wo sie auseinander gehn, entscheidet: dabei war aller-
dings mehr mit der Möglichkeit zu rechnen, dass der
Bearbeiter von P auch D gelegentlich herangezogen
hat, wofür die bereits von Harkensee bemerkte Ver-
wandtschaft der Titel von P und D spricht. Dann aber
indem Fehler und Entstellungen, Lücken und Verwir-
rungen in U ans P aufg, .leckt una corrigirt werden :
der Ertrag ist nicht gering. Ob B. P ausgeschöpft hat,
kann ich leider nicht controliren, da er, was ich sehr
bedaure, P nicht abdruckt, wozu unter den Lesarten der
rechte Platz gewesen wäre; die Angaben in der Ein-
leitung sind doch eben nur eine subjective Auswahl, die
zum Xacharbeiten nicht genügt und manche Frage un-
beantwortet lässt, die sich autdiiingt; es ist ausserdem
unerlaubt unpractisch und uiibei|uem, dass der Leser sich
über die oft ausschlaggebende Lesung von P das Nöthige
in der Einleitung zusammensuchen muss und im Apparat
kein Wort auch nur des Hinweises findet. Ob es richtig
war, ganze Prosapartien aus P, die B. altes Gut zu
enthalten schienen, mitten in den Text des Gedichts
hereinznscliieben, oder ob auch sie nicht besser unter
dem Text stünden, darüber lässt sich streiten. Ein jiaar
Mal geht mir B. in der Vorliebe für I' jedesfalls zu
weit. Bloss weil da angeblich irgend ein banaler Reim
durchschimmert, durfte nie etwas aus P aufgenommen
werden. 1704 ff. zerstört B. P zu Liebe gradezu die
deutlich gew(dlte Symmetrie der Dreiheit: Orendel durch-
bricht dreimal das Heer: die erste Schaar jagt er am
ei'Sten Tage ins Klebermeer, die zweite am zweiten ins
Wettcrische Meer, die dritte am dritten in den flüstern
Tann; schon dass ein vierter Ort des Verjagens nicht
vorkommt, beweist doch wohl, dass für eine vierte Schaar
liier kein Platz ist. Warum die echt mhd. ironische
Wendung 24St() mit P trivialisirt wird, verstehe ich
nicht, ist l!l(i2f. richtig aus P hergestellt, so niusste
der gleiche Text auch ].5H()f. aus H eingesetzt werden:
an solchen kleinen Unsauberkeiten fehlt es auch sonst
nicht: vgl. z. B. 514 f. mit 542 f., 2257 f. mit 2H58 f.;
das Aergste der Art ist wohl, dass B. nach Vogts Vor-
gang die Verse 630 — (it)5 als interpolirt einklammeri.
dagegen die unlöslich damit zusannnenhängenden Vei^si
993—1010. 2229 30. 2247 8 unbeanstandet lässt.
B. schliesst sich der oft ausgesprochenen Jleinnng
an (Kap. III der Einleitung), dass der Orendel in Mortdt-
strophen verfasst war; diese seien erst in U zerstört
worden. Man sollte nun meinen, er werde zur Stütze
seiner Ansicht P ins Feuer führen, dessen (Quelle ja
doch über U zurückliegt. Aber nein, der Beweis wird
lediglich mit einigen in U stehen gebliebenen oder durch-
schimmernden Moroltstrophen geführt: darunter erscheint
sogar eine ohne syntactisclie .Abgeschlossenheit (77() ff.);
derartige Strophenenjambements kommen ja auch im
Jlorolt Vor, werden aber, wo es sich um Nachweis der
Strophenform handelt, jedesfalls besser ausgeschlossen.
Ich halte es für sehr möglich, dass B. Recht hat; die
strophische Anlage ist meines Erachtens unverkennbar;
auch in der überarbeiteten Gestalt fühlt man die vielen
kleinen Einheiten in Satzbau und Sinn durch, man lese
nur einmal den Rother zum Vergleich: und die Mor<dt-
strophe mit iliren fünf Zeilen hat, da jene Einheiten
zwischen 2 und 3 Reimpaaren schwanken, auch abgesehn
davon, dass sie literarhistorisch naheliegt, von vornherein
eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich. Nur liess sich
die Untersuchung doch wohl eindringender führen. Es
bedurfte einer Prüfung, inwieweit das Gedicht in solche
Einheiten sich zerlege, es l)edurfte mindestens einer Angabe
darüber, inwieweit P B.'s Striii)lienthe(irie zu begünstigen
scheine, es bedui-fte namentlich einer zusammenhängenden
Musterung der zahlreichen wiederkehrenden Vcrsgrnppeu.
Mor. 317 verglichen mit 297/8 lehrt ja freilidi. dass
solche wiederkehrenden Versgruppen nicht nothwendig
an derselben Stroplienstelle stehn brauchen : aber das
ist doch eine Ausnahme und beeinträchtigt den metho-
dischen Werth, den diese Versgruppen für die Fest-
stellung der strophischen Form haben müssen, nur wenig.
— In B.'s sonstigen metrischen Bemerkungen, die recht
flüchtig sind, ist mir eine grosse Unsicherheit der Be-
tonung aufgefallen; von den acht Belegen z. B., die er
p. XL für '3 Hebungen (dnie dazwisclienli(;gende Senkung'
gibt, ist nnr einer richtig; es wild wohl ähnliche Ur-
sachen haben, wenn B. in der Mehrsilbigkeit der Sen-
kungen keinen Unterschied zwischen den Versfüssen
wahrnehmen konnte. Warum er zu Synkopen wie hei-
scJiriit, eilende (!) u. ä. griff, wenn er — und gewiss
mit Recht — mehrsilbige Senkungen einmal zugab, das
ist mir unklar geblieben.
Es ist nicht meine Absicht, hier auf alle die Fragen
einzugehn, die in B.'s Buch berührt werden: ich kann
namentlich auf eine Erörterung des dem Mythus gewid-
meten 5. Kapitels verzichten, da B. dort wesentlich den
mit nicht eben geschmackvollem Enthusiasmus gepriesenen
Orendelaufsatz seines Freundes Beer wiedergibt. Die
.Abschnitte über Sage und Ccmiposition stehn unter dem
stärksten Einfluss dei- Miillenliort'schen Bemerkungen über
Orendel (D. Alterth. 1, 32 IT.): nicht nur dass B. mit
Jlüllenhoft' die Orendelsage iils alte Heimkehrsage fasst,
sondern er folgt ihm auch in den meisten Einzelheiten,
schliesst ■/.. B. mit Müllenhoff' aus Ises Rossfang, dass
Orendel von diesem, nicht von Jlerzian sein Ross habe,
und sieht in der von ihm mit Jliillenliofl' überschätzten
Minoltepisode einen besonders deutlichen Rest der lieini-
kehrdiclitung. Ich bekenne in all diesen Dingen meine
Skepsis, Grade die von B. herangezogene, gewiss er-
wägenswerthe Stelle des Apolloniusromans, der er Ein-
333
1891. Literaturblntt für germanische und romanisolie Pliilologio. Nr. 10.
334
Huss auf Ises Gestalt zusclircibt, ist der von I?. Ise zu-
gescliubeiieu Rosssiheiikuiii^- nicht günstig', und die Minolt-
gesclii eilte stimmt so ganz zu den Fortsetzungen des
Morolt und des Eutlier, dass es mir wenig einleuchtend
sclieint, wenn U. in dieser typischen Spielmannsertindung
besonders alte Züge und Reste einer besondern Orendel-
dichtung wittert. Auch die unmittelbar folgende Eiu-
schliifernng Wolfliarts, für die B. Judith und Holofernes
niclit bemühen brauchte, stimmt ja doch ganz zu den
(hileii 'rränken Morolts. Von den beiden, sich aus-
schliessenden, Scenen Ises an Örendels Hofe scheint mir
die er.ste, in der Ise den lang ausgebliebenen Knecht
sncht, zweifellos alterthümlicher als die zweite, die sich B.
8. LXXIII nur allzu einfach und romanhaft befriedigend so
zurechtgelegt hat, dass Ise vou dem dankbaren Urendel
an den Hof berufen werde, um ihn dort zu belohnen;
einzelne alte Verszeilen sind da nicht ausschlaggebend.
So hätte ich gegen Kap. IV und \l, die Untersuchung
von Stoff und Quellen, noch Manches auf dem Herzen,
versage mir aber um so lieber hier weitere Erörterungen,
als uns von berufener Seite eine Beleuchtung des Orendel-
stotfes von ganz anderm Standpunkt in nahe Aussicht
gestellt ist. — Im Aufdecken der störenden Inter-
polationen und Unklarheiten, die durch spätere Spiel-
mannszuthaten hereingebracht sind, hätte vielleicht noch
mehr geschehn können: ist es z. B. richtig, dass auf
Grendels Gebet 453 If. unmittelbar grade sein grösstes
Missgeschick folgt, während seine Gebete sonst stets
vom schönsten Erfolge gekrönt sind? Sehen die Verse
475 — 78 nicht vielmehr aus, als befände sich Orendel
im "Walde als im Meere? Die Rüstung Örendels 9li6 ff.
ist, wie schon ein Vergleich mit den fast gleichlautenden
andern Rüstungsschilderungen lehrt, kaum in Onluuug
u. s. w.
Eine abschliessende Leistung ist B.'s Buch nach
keiner Seite hin: das wird schon durch die Xachlässig-
keit verhindert, mit der B. die wichtigste Frage der
Abfassungszeit, mit der er das Sprachliehe und Metrische
abthut. Aber das Buch ist flott geschrieben und nicht
arm an anregenden Bemerkungen ; dazu rechne ich auch
das Eine und Andere unter den metrisch-stilistischen
Andeutungen, die die Vorrede der Geschichte der Reim-
formeln widmet, so wenig Gewinn ich mir sonst von
derartigen anspruchsvoll flüchtigen Skizzen verspreche.
Göttingen. Roethe.
Wrede, Ferdinand, Ueber die Sprache der Ostgoten
in Italien. Strassbui-g, Trübuer. 1891. 160 S. 8. M. 4.
QF. 6S.
Das Buch gliedert sich gleich der 1886 erschienenen
Schrift Wredes über die Sprache der Wandalen in drei
Theile: Zusammenstellung des Materials in chronologischer
Ordnung, Erläuterung der einzelnen Wörter in etymo-
logischer und lautlicher Hinsicht, grammatische Zusammen-
fassung der Dialektmerkmale.
Der Verfasser beschränkt sich auf die Zeit des
Ostgotenreiches in Italien und schliesst für den Zweck
seiner Untersuchung sowohl die Urkunden von Arezzo
und Neapel und das Kalenderfragment als auch den sog.
got. Trinkspruch der Anthologia latina aus, da er von
den erstereu urtheilt, dass sie nicht im Dialekte des
ostgot. Volkes in Italien, sondern in der überkounneneu
Sprache der theologischen Literatur (.Geheimschrift der
Geistlichen! sie p. 139) verfasst seien, von dem letzteren
aber, dass er wegen eih statt ostgot. (liX'l der früheren
Zeit des Westgoten Alarik (410) angehören müsse.
Es stehen denniach nur Personennamen zu Gebote,
welche aus den (Quellen des li. und 7. .lahrhunderts ge-
sammelt und in 20») Artikeln abgehandelt siuil. Quellen
des 5. und 4. .Ih.'s sind der ausgesprochenen Absicht
gemäss nur gelegentlich und im Zusammenhange mit
späteren Namensforraeu benützt. In diesem eng um-
schriebenen und zeitlicii abgegrenzten Gebiete hortt der
Verfasser zu einer gesicherten dialektischen Ciiarakteri-
sirung gelaugt zu sein, mit Recht aber bezeichnet er
dieselbe nur als „Versuch einer ostgot. Grammatik",
denn nicht um die grammatischen Merkmale des Ost-
gotischen in ihrer Gesammtheit kann es sich in .\nsehung
des zu Grunde gelegten Materials handeln, sondern nur
um die Lautlehre des Dialektes, genauer gesagt um die
Buchstabenlehre der ostgot. Personennamen aus der
italienischen Zeit.
Es kann indessen nicht behauptet werden, dass die
Arbeit Wredes, auch wenn wir sie mit reducirtem Titel
als Versuch einer ostgot. Lautlehre bezeichnen, den be-
rechtigten Erwartungen durchaus entspreche, wir werden
vielmehr seine Anschauungen oft als einseitig, seine
Schlüsse als übereilt zu erkennen in der Lage sein.
Mau vermisst, um zunächst Formelles zu berühren,
im grammatischen Theile die Zusammenstellung der Be-
lege — als Noten augebrachte Verweisungen sind un-
bequem — , man vermi-;st sehr oft die genaue Abwägung
desjenigen, was dem Ostgot. wesentlich sein konnte,
gegenüber jenem, was dem vulgärrömischen oder, wie
maj auch schon sagen könnte, romanischen Vermittler
des einzelnen Wortes zuzurechnen ist, man vermisst
endlich exacte Zählungen und gew'issenhafte lautphysio-
logisclie Benrtheilung. Auf Grund von vier oder fünf
halbwegs sicheren Belegen: ostro-, roseminl, odwiii,
oderic, vielleicht auch osiriii ((/oda gehört nicht hierher,
morra und iotda sind etymologisch sehr anfechtbar) be-
hauptet Wrede eine durchgreifende Monophthongirung
des got. nn zu ostgot. ö und erklärt den Buuto bei
Ennodius (vgl. an. haiifa, ags. hi'utan, ahd. iiösun),
welcher ihm das Concept stört, nicht etwa bloss für
nicht ostgot., sondern sogar für ungermanisch. Aber
diese Belege beweisen an sich nur ostgot. ö vor s und
d, bemerkensvverther Weise Fälle, in denen auch das
Ahd. Oll zu ö raonophthongirt, und sie gestatten demnach
nicht den Schluss, dass got. an im Ostgot. etwa so w'ie
im As. durchaus zu ö geworden sei, da ja auch eine
dem Ahd. gemässe Spaltung des Diphtholigen in oh und
ö doch mindestens das gleiche Recht der Wahrschein-
lichkeit besitzt. Ja es ist gar nicht ausgemacht, dass
die römische Schi-eibung coio p. 111 ostgot. (jöja dar-
zustellen habe, es kann auch die Diphthongstufe (joiijit
bedeuten, welche mit den Mitteln latein. Orthographie
des G. Jh. 's kaum anders als durch o ausgedrückt werden
konnte.
Falsch ist auch die Ansicht Wredes, dass ostgot. ü
immer nur durch u, nicht durch o dargestellt werde;
denn freilich Umlaut werden wir das nicht nennen, wohl
aber graphische Repräsentation und die Fälle holdir/ern
und opfarif bedürfen weder der Emendation, noch nichts-
sagender Künsteleien, um eine Schwierigkeit zu be-
seitigen, welche thatsächlich gar nicht vorhanden ist.
fz z in tziillri tzftlicn tiitta zeia ist romanische Laut-
substitution für ostgot. aspirirtes alveolares t, tli in
tliei'i tliiiUjilu aber die genaue Darstellung desselben.
Wrede wirft dieses t2 2 mit jenem aus tj und dj in
Sfotzas Scciudza zusammen und redet von Assibilatiou,
■.v.\r,
1891. Literaturblatt fOr ^ermanlBohe und romnnische Philologie. Nr. 10.
33r,
ein .\iisdruck, der niclit einmal bei Tzilia jiasst, bei
T:aUii Tzdliro aber doch gewiss nicht angewendet
werden sollte.
Die etymologischen Ergebnisse in dem mit so weit-
iiiiiHirer lieredsamkeit geschriebenen IJuclie lassen gleich-
falls vieles 7M wiinscheu übrig. Wrede untersehiitzt die
Lebiiidiirkeit des got. Spraihmaterials in den Xameii
und iilii'fschätzt weitaus das r'rincii) des llypocorismus.
Falsch giMlentet ist Vnscila als Iluuxld, viel näher
liegt U'iiiiftcilu; Jioio gehört zu Ixouin und hat mit
kelt. liojo- nichts zu thun. Coslila ist trotz Stark und
Wrede giitisch und erläutert sich aus ags. cost erprobt.
()ri(i<i (Hiiniu^ fiiiirt auf Wnijd, vielleicht aus trraf/pi
Ablaut zu got. irrölis'. Zu IllKruunviOu im Sinne von
Miilitiisiriiit/iii vgl. got. 7i(ilitinii<ifi< mit a als €om-
positionsvokal und alid. MahtiinV . GiiltiUt ist natür-
lich (ji'iH-ihi, sicher nicht f/a-t'ild. Hei Tein ist mit
Unrecht eine gute Erklärung trwjii der Ordner ver-
lassen, um eine schlechte *taif/j(i Trinker (V) an ihie
Stelle zu setzen. Dass Tila ein zweiter Beiname des
des Teia sei, ist nicht ausgemacht, denn die einzige
authentische Slünze bei Friedländer Tafel 3 hat
1>N TlllL .\R1X, was viel eher einem Vollnamen Thila-
rir got. Tilitri'iks gleichsieht, als einem Beinamen Thila
plus dem allerdings für lat. vex vorkumnienden ostgot.
rix. Dagegen führt Eulharicus in der That drei Bei-
namen, wobei die Erklärung von Cillicn als Cilicier (!)
wieder bei den Haaren herbeigezogen erscheint. Die
einfachste historische Erwägung hätte Wrede vor einem
derartigen llirngespinuste bewahren können.
Der Raum eidaubt niclit auf Weiteres einzugehen.
Es soll niclit geläugnet werden, dass die vorliegende
.Arbeit Wredes viele hübsche I>eobaclitungen nnd F,v-
klärungen vermittelt, von denen ein gewiss beträchtlicher
Theil nicht bloss auf Rechnung der mit grossem Fleisse
benutzten Litei'atur gestellt werden mag, es kann aber
auch nicht verhohlen werden, dass die Gesammtsumme
der Ergebnisse mit der ausserordentlich breiten und
redseligen .Anlage des Buches in keinem gerechten Ver-
hältnisse steht und dass das Hauptverdienst der Arbeit
doch eigentlich weniger auf den Etymologien oder den
grannnatisciien .Abstractionen, als vielmehr auf der ver-
anstalteten Sammlung ostgotiselier Namen beruht, welcher
nach Berechnung der Paginirung 24 Seiten, das ist
gei'ade ein .Vchtel des Buches, eingeräumt sind.'
Wien. Theodor v. Grienberger.
Kahle, liernhard, Die altnordische Sprache Im Dienste
des Cliristenthnins. I. Tlioil: Die Prusn. (Actii Ocr-
nianicii I, 4.) IJoilin, Mayer & Müller. 1890. 137 S. 8.
Durch die chiistlichen Sendboten und Lehrer wurde
der heidnische (iermane in einen Kreis völlig neuer
])ild(;r und Ideen eingeführt. S(>ine Sprache so, wie sie
gesprochen wurde, reichte iiiiht aus das Neue zu ver-
mitteln. Sie mussle erst dazu herangebildet werden.
Fni' man<he Dinge, besonders Concreta, behalt man sich
mit ilem mehr oder weniger angegliidienen Fremdwort.
Die llauiitaufgabe aber war, für die fremdartigen Be-
gritfe die nächsten Analoga unter dem 15ekannten und
(leläutigeu zu linden und denigemäss mit einer Jlenge
von kleinen Beclentungsverscliiebungen den heidnischen
Sprachschatz in das christliiln- Bett zu leiten. Die
' I Wrciles Aiisclinuinigen über Hpnicliliclio Vorgiingo
hIiiiI bisweilen liiiclist niprkwünlij,' ; auf fS. IT.'i hält er es für
ib'iikbar, iliiBS got. irair" '.selilimriii'r' „ileii iiiitprsclicidendon
Scliwiiinl (le9 s" in iriiir 'Mann' lit'fünlert liabeü O. B.J
islUndisch-noi-wegische Sprache ist dieser .Aufgabe mit
einer erstaunlichen Schmiegsamkeit nachgekommen. Ohne
von den feinen Schattirungen der lateinischen Kirchen-
sprache viel zu verwischen, bewährt sie in ihrer Wieder-
gabe eine gewisse energische Selbständigkeit nnd gelangt
meist zu einfach-klaren, jdastiscben .Ausdiücken. Gewiss
war es kein Kleines, Dinge wie abstinentia carnis, cim-
templativa vita, corruptil)ile corpus, siniplex )iuritate,
aeternae beatitudinis meritum so wiederzugeben, wie wir
es auf S. 113 ft'. der vorliegenden Schrift linden.
Der Verf. hat die christliehen Termini des Nor-
dischen mit grossem Fleiss znsannuengetiagen und ein
werthvolles Nachschlagebuch geschatfen. llunh gewandte
Darstellung, duich Einreihen gut stilisii'ter kleiner .Ab-
schweifungen beniiilit er sich das Buch auch lesbar zn
machen. Er übertritlt darin sein Vorbild, das dritte
! Buch von Raumers "Einwirkung des Christenthums auf
die ahd. Sprache'. Zugezogen wurde nur die religiöse
und die Gesetzes-Literatur, also nicht die |irofanen
Sögur, die manches Interessante böten.
Die .Anordnung: die lateinischen Termini nach sach-
lichen Kategorien aufzählend, jeweils mit den nordischen
Entsprechungen, hält sich ziemlich genau an Raumer.
W'egen des A'ortheils, der hieraus für die vergleichemle
Benutzung entspringt, dürfen wir dem A'eif. wohl dank-
bar sein, dass ei' hierin auf Originalität verzichtete.
Ein Uebelstand bleibt bei dieser realencyklopädischen
Behandlung nicht aus. Der Ueberblick geht veidoren,
wie viel von den zuströmenden neuen Begritt'en der
Scandinavier mit den angestammten Sprachmitteln be-
wältigte, wie viel er mit dem fremden Wort ausdrückte ;
und im ersten Falle, inwieweit er alte Ausdrücke, event.
technische Termini von theilweise specitiscli heidnischer
Färbung, anwandte, inwieweit er neue AVörtei- oder
stehende Wortverbindungen schuf (z. B. (/ctara, lireiii-
life, grähröpr, Irremrr, hofnpliii, siplrteaitia/»-, lihiimi
.y'u)i). Vielleicht hätte der A'erf., ohne im Ganzen nach
diesen (Tcsichtspunkten zu gruiipiren, doch innerhalb dei
einzelnen Abschnittchen Zusannnenfassendes dai'über geben
können. Die .Angaben, ob ein nord. .Ausdruck aus-
schliesslich für den christlichen Begriff belegt ist, und
das Eingehn auf den Bedeutungswandel von der pro-
fanen zur christlichen A^erwendung hat K. entweder
ganz unterlassen oder so gehalten, dass nicht deutlich
wird, wo der neue EinHuss einsetzt. A'gl. z. B.: für
Ketzerei, Heidenglauben, Aberglauben geht das AVort
vilht „welches eigentlich 'das .Abweichen vom i'ichtigen
Wege' bezeichnet, dann in überti'agenem Sinn 'den Irr-
thum, den falschen Glauben'" (S. 70). Die letztere Be-
deutung, haeresis, superstitio, als die specilisch christ-
liche, knüpft unmittelbar an die ältere 'Irreführung, Ver-
drehung', vgl. lo(/rill(i 'a fraudulent procedure'. — Man
ist jetzt auf die fortwährende Zuziehung der Wörter-
bücher angewiesen, um sich das Bild zu vei'Vollständigen,
wie die altnord. Sprache den Dienst des Christenthums'
antrat. Den hübsciien .Amleutungeu auf S. 10 der Ein-
leitung hätte man von der kundigen Feder des Verf.'s
selber weitere Ausführung gewünscht.
Unklar ist mir die Bemerkung S. (58, dass die
Worte /ides (jalaiilid tri'ta einmal 'die Zuverlässigkeit
des Objectes, an welches man glaubt' bedeutet hätten.
In vielem Einzelnen wird man der *^chi'ift mannig-
fache Belehrung zu ilankiii habrii.
Basel. .\. Ilensler.
337
1891. Literaturblait für germnnische und romanische Philologie. Nr. 10.
33ft
Schnitz, Ernst, Die Sprache der „En^lish Gilds" ans
(lern J.abre 13S9. Ein ßeiti-ni; zur Diiili-ktkiimle von
Norfolk. Jt'nacr Dissert.ition. Hildi'sheini, Druck von Gebr.
tierstcnberg. 1S91. 4« S. 8.
Verf. untersucht die von Miss Tuulmiii .Sniitli in
Band XL der Early Engl. Text Soc. 0. S. veröffent-
lichten Urkunden und Satzungen der Gilden und Bruder-
sfhaften von Xortolk, welclie iliese in Folge eines Par-
lanientsbeschlusses im .Tahre 138H einsenden niussten.
Sie sind tlieils Abschriften englisclier oder l'ehersetzungen
französischer resp. lateinischer Originale. Mit berück-
sichtigt wurde jedoch eine längere Urkunde der St. Georgs-
gilde von Xorwich aus der Zeit Heinrichs V. (15. Jh.) sowie
das Proniptorinm Parvulorum von Galfridus Graunnaticus.
Die sorgfältig und niethodiscli angelegte Arbeit
zeugt von guter Scliule und erörtert klar und genau die
Laut- und Formenverliältnisse dieser Denkmäler, wobei
aucli öfter Darstellungen älterer oder verwandter Er-
zeugnisse Berücksichtigung finden, z. B. der nie. Genesis
and Exodus, von Bokenams Legenden, vor allem die
treffliche Urkundengrammatik Morsbachs. S. bildet über-
haupt zu diesem Buche eine werthvolle Ergänzung und
somit eine weitere wichtige Vorai'beit für die me. und
ne. Grammatik. Von hübschen Einzelbeobachtungen möchte
ich das S. 2S über die eigenthümliche Bezeichnung des
auslautenden -th diu'ch ti„ t und "^t, ht, sowie umgekehrt
des -t durch th, <J Gesagte hervorheben. Beispiele
dafür bietet u. a. auch das von . Miss Toulmin Smith
Anglia VII, 323 ff. herausgegebene 'Play of Abraham
and Isaac' aus Suffolk.
Am Schlnss gibt S. in einer üebersicht das Eesnltat
seiner Untersuchungen, besonders um die Stellung der
Denkmäler gegenüber den nördlichen und südlichen Ein-
flüssen zu charakterisiren. Einmal (S. 28 Anm.) führt
er auch Parallelen aus dem heutigen Dialekt an, ohne
aber, was zu bedauern ist, diesen für seine Arbeit auch
sonst zu verwerthen. Dieselbe hätte dadurch entschieden
gewonnen, besonders der Abschnitt über den Vokalisnuis.
Solche Darstelluugen älterer Sprachperioden gleichen
Urarisszeichnungen; Licht und Schatten, vor allem aber
Farbe, kommt erst dui'ch die Vergleichung mit der
lebenden Mundart hinein.
Xur einen Fehler habe ich beim Durchlesen ge-
funden: S. 9, 2 steht unter den Fällen, wo ae. kurzes
/ in offener betonter Silbe zu e. wird, auch Ieiieli/-heei/e
'vivacitas' aus der Prompt. In ne. livdihood hat aber
doch das erste i die phonetische Geltung von ai, geht
also auf ae. l zurück! Uebrigens finden sich auch zu
dieser Schreibung, e = T, Parallelen ; ich verweise nur
auf spretes ■=-- spr'njhts 'Geister', Bale, Com. conc. 3
laws v. 429 (Anglia V, 173), sowie lektjnfi = liki/nr/
York Pla3's p. 496, 153 und leke = llke einmal bei
Caxton, s. Römstedt, Die engl. Schriftsprache bei C. p. 20.
[Ich benutze die Gelegenheit, um zwei störende Druck-
feliler in einer frühereu Anzeige zu berichtigen: Ltbl.
XI 1890 Xr. 9, Sp. 337 ergänze „falsch isf Z. 22
hinter „sein brauche"'. Ebenda Z. 17 v. u. 1. „setzest
du" St. ,.setztest du".]
Göttingen. F. Holthausen.
Römstedt, Hermann, Die ensliscbe Schriftsprache
bei Caxton. Von der philos, Factiltiit der Universität
Göttinnen gekrönte Preisselirit't. Güttingen ISUl. V, .i4 S. 4.
Dem Thema zufolge waren wenigstens zwei Werke
Caxtons, eins aus seiner jüngeren und eins aus seiner
älteren Zeit, im Anschluss an die Arbeiten von ten Brink
und Morsbach der Untersuchung zu Grunde zu legen,
..S(i dass die Veränderung der Schriftsprache von Chaucer
l)is zu Caxton l'unkt füi' Punkt hervoitritt. Um zugleich
die Weiterentwicklung der Scluiftspradie bis Shakspere
zu beleuchten, ist bei jedem Punkte die Schreibung der
Shakspere-Folio ans der Abhandlung von Lunimert über
diesen Gegenstand mit anzugeben". Verf. hat das liool,-
of Cxrtesi/e und Tleijnard the Fox ganz, Blanchnrdijn
und E</!antine, Foure Soiines of Aymon, Le Mortc
Darthur und Eneydos dagegen nur theilweise für seine
Arbeit benutzt und ausser den verlangten grammatischen
Werken noch die Dissertationen von Salge, Schoeneberg,
Sopp, AVille und AVürzner berücksichtigt. Xatüidich
steigt der Werth des Buches dadurch beträchtlich, dass
man nun auch bequem die sprachlichen Eigenthümlich-
keiten der in diesen Schriften behandelten L)ichte)' und
Prosaiker überblicken kann.
Zwei Fragen wirft E. in der Einleitung auf, dei'cn
Beantwortung seine Arbeit gewidmet ist: 1. Was sagt
uns Caxton als passiver Zeuge über die Veränderungen
des Sprachgebrauchs, die in den 100 .Jahren nach Chaucer
und den ältesten Londoner Urkunden eingetreten waren?
2. Hat C. auch activ in die Entwicklung der Schrift-
sprache eingegriffen?
Das Urtheil der Facultät: „Der Verf. hat methodisch
und gewissenhaft die Sprache C.'s dargestellt und sie,
wie es die Aufgabe vorschrieb, detaillirt mit der nächst
vorhergehenden und folgenden Entwickelungsstufe der
englischen Schriftsprache verglichen. In löblicher Weise
hat er dabei durch synoptische Tabellen Uebersichtlichkeit
hergestellt, durch ein Verzeichniss von C.'s Abkürzungen
und Druckfehlern allerlei miverlässliches Material aus-
geschieden und auch die Hauptresultate richtig heraus-
gestellt. Im Einzelnen könnte noch manches klarer ge-
fasst, manches Resultat fruchtbarer verfolgt werden.
Aber der Fleiss, die sicheren grammatikalischen Kennt-
nisse und die besonnene Darstellungsgabe des Verfassers
verdienen entschiedene Anerkennung" kann ich mit voller
Ueberzeugung unterschreiben. E. behandelt in der Laut-
lelu'e zunächst die Quantität der Vokale, und zwar erstens
ihre Bezeichnung, zweitens die Kriterien tür ihre Be-
stimmung; darauf die Qualität, getrennt für betonte und
unbetonte Stellung. Ausgegangen wird dabei von dem
mittelenglischen Lautstande. Eine kurze Tabelle mit
einigen Beispielen versinnliclit die Entwicklung vom Ae.
bis Chancer, Urkunden, Caxton und Shakspere. Am
Schlüsse dieses Theiles sind die gei-man. und roman.
Vor- und Endsilben sehematisch übersichtlich behandelt.
Der Consonantismus konnte beträchtlich kürzer abgethan
werden, ausführlicher tritt in der Flexion das Yerbura
hervor, dessen Endungen wieder in Tabellenform gegeben
sind. In derselben practischen Weise repräsentiren sich
auch als Abschluss die Praeterito-Praesentia. Einzel-
heiten aus der Arbeit hervorzuheben geht nicht wohl
an. Ich verzeichne hier kurz die Resultate (bei R.
S. 51 ff".):
Caxton hat keine Kentismen in die Schriftsprache
hinein gebracht, seine Drucke haben ein noch weniger
kentisches Gepräge als die Schriften Chaucers. Audi
gemein-südliche Eigenthümlichkeiten. wie sie die ursprüng-
liche Schriftsprache charakterisirten, sind selten geworden,
indem z. B. « vor Nasal -\- Cons. seltener als bei Ch.
zu 0 geworden, ausl. <h viel consequenter abgeworfen
und für 3 vor palat. Vokal öfters g eingetreten ist.
25
339
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. lU.
3-10
Das End-c ist stumm. In der Flexion sind die alten
Gen. Sg. der femin. nnd conson. Declination. die Phir.
her, fu'in des Pronoiiiens der 3. Pers. nur ausnalnus-
weise erhalten. l>er Pliiralvokal der Ablautsreilien ist
dem des Sg. olt frleich geworden. Die scliwaelicn \'erben
2. Klasse haben das Suffix -i- verloren, ae. habban mid
lici/(in ei-scheinen stets mit nur einfacher Consonanz.
Die Endinigr -eth des Plur. ist selten, im zweisilbigen
st. Part. Praet. ohne nachaccentuelle Nasalis fehlt das
Endungs-« selten mehr. Xur ausnahmsweise erscheint
das Praetix //-.
Wenn sieh also auch die nördlichen Tendenzen bei
V. stärker zeigen als in den Urkunden, so hat er doch
Eigenthümlichkeiten wie das -s der 2. und 3. Person
im Verb, die Formen sho, sali n. a. m. ausgeschlossen,
wenn sie nur vei-einzelt angenommen waren.
Der Accent in romanischen Wörtern hat sich, wie
die schwankende Schreibung der Prae- und Suffixe lehrt,
nodi entschiedener auf die ei^ste Silbe zurückgezogen.
)• bewirkt Zerdehnung vorhergehender langer und offene
.\Hssprache vorhergehender kurzer Vokale: zwischen /,
>• -f- w erscheint ein Gleitelaut. // überwiegt hit, thoos
konnnt wieder auf, das bei Cli. und In den Urkunden
fehlt, während es im Norden (Ywain a. Gawain, Sege
off Melayne) erhalten war. Die Verbalflexion ist durch
rnitoniiirnng und .\ussterben mehrerer Formen bedeutend
Vereinfacht worden. Der Plur. des Verb, snbst. ist ar.
C. ist fortschrittlicher als Ch., er ist zugleich ein-
heitlicher als die Urkunden, weil er aus der Mannigfaltig-
keit der Zeichen und Formen eine Auswahl zu treffen
snclit. So sondert er zwischen ie = c und ea = t,
festigt das Schwanken im Gebranch von au + h, ai -\-
lit, Oll + ht, scheidet fhun und then, myn, my und
ihyn, thy, wählt zwischen den verschiedenen Formen
einer Anzahl von Wörtern, wo sein Vorgang für später
nuissgebeud geblieben ist. Für dz führt er die Schrei-
Imng (/(/, für gntt. // die Zeichen yh und 17» ein, für
3 gern y oder //. Er bleibt sich jedoch nicht durchaus
gleich, indem in veischiedenen Werken verschiedene
Orthographie erseheint. Dies lässt sich aber, wie E.
S. 54 schön nachweist, in jedem einzelnen Falle genügend
erklären.
C. hat das damalige gute Londoner Durchschnitts-
Englisch in seinen Diucken als gefestigtere Schriftsprache
übcrlirfi'i't. .Aus dem Mangfl an principiellen Ver-
änderungen wälirend seiner IJjährigcn Thätigkeit lässt
sich auf ziemliche Constanz der Sprache sehUessen ; auch
wollte er wohl aus practisclien Gründen das einmal
Eingeführte nicht mehr ändern. Denn manches wäre
doch gewiss noch besser zu machen gewesen!
R.'s Arbeit darf als ein höchst werthvoller Beitrag
zur Uli-, und ne. (Jrammatik bezoichnet werden, zngleicli
als <'in(' wiclitige Ergänzung von Morsbaclis Ruclie, dessen
Ergebnisse sie übrigens glänzend bestätigt. Dies hätte
m. E. ein wenig mehr hervorgehoben werden sollen! —
Hei einer nach dem Studium der Schrift vorgenommenen
Lectüri' von Caxtons Caecilienlegende in den Oriyi-
nah (Dill Aiiiiloyiief! p. 207 ff. der ("haucer-Society
sowie der Wenefreda-Legende in Anglia 3, Sit.") ff',,
wclclie beide von R. nicht heranzogen sind, bekam ich
di-n Eindruck, dass die systematische Darstellung wirk-
lich ein vidlkommenes und klares Bild von Caxtons
S])rache bietet. Einiges habe ich mir als neu notirt,
das ich zusammen mit kritisch"en Bemerkungen zu R.'s
Schiift den Fachgenossen vorlogen möchte. Der Verf.
wird daraus mein Interesse an seiner Arbeit erkennen,
deren Werthe sie übrigens in keiner Weise Abbruch thnn.
S. 4 oben. Für langes a bietet noch Caec. 211
einen Beleg in chaast (vgl. auch S. 7, 3 ß). — S. 7
oben. Neben ueet findet sich ireite Wen. 300, II, aber
uvtyiiy ib. 313, 26. Kürze zeigt auch sclion das Subst.
suelte W. 297, 48. — Ib. 4. loose geht nicht auf ae.
losian zurück, sondern, wie Zupitza längst nachgewiesen,
auf an. lou.'n^. — Ib. irair und liool erklären sich ge-
nügend aus den melirsilbigen Paradignuifornii-ii, weshalb
die betr. Verba nicht angezogen zu werden biauchten. —
S. 8, 1. Weitere Kürzmigen sind: claihle, vgl. S. 32
imter tli und Caec. 209; triiste (an. traust) W. 296,
23; duste W. 297, 48. Zu den zwischen altem a und
neuem e schwankenden Praett. und Partt. habe ich noch
notirt: dredde W. 302, 41; ledde W. 300. 39; ladde
W. 301, 42; spred W. 299, 35; lefle W. 302, 29.
Kürze liegt gewiss auch vor in hreste dxec. 209; ileii-
sytiye W. 297, 48; clen)ies(se) Caec. 207; heltlie W.
295, 12; 299, 20. Statt letjan ib. lies httan; lote ist
wohl die luibetonte Satzdonblette von Ute. — Ib. 3.
Ein weiterer verkürzter Comparativ ist liidder W. 309,
35. — S. 10, 1. Fro ist = an. frä. — Ib. 2. Bemh
ist = ae. beiidl — S. 1 1 oben, lieber lamb vergl.
Deutsche Literatmzeit. 1888, Nr. 47, Sp. 1714 luiten.
— Ib. Kann die Aussprache von miiversify als „schwan-
kend" bezeichnet werden? — Ib. unten. Ne. miire geht
natürlich nicht auf ae. miere zurück, sondern ist eine
Neubildung nach dem Masc. iiiearh. Das a von lorye,
ijiKirel, paryl kann icli nicht als in offener Silbe
stehendes ansehn; r gehört hier zu beiden Silben, wie
die ne. Aussprache lelirt! — S. 12. Zu ipike vgl. he-
sprijnct(e) W. 298, 23 und 299, 48. — S. 14, b.
chehßi ist = ae. deren, vgl. Kluge Et. "Wb."* unter
Küchlein nach Sarrazin P. Br. Beitr. IX, 585 f. —
Ib. unten. Ich kenne kein ae. bylr neben hyle. Nach-
zutragen wegen ne. biiild ist byhle W. 295, 12. —
S. 16, 2. wurm ist erst eine späte Schreibung (.\elfric)
für ae. tpyrm, vgl. Sievers Ags. Gr.^ § 72 Ainn. —
S. 17 i(, ß. Für sykenes, sike (ne. siik) ist vielleicht
an. sijki in Betracht zu ziehn? — S. 19 oben. Vgl.
noch frelnes W. 300, 27. — Ib. unten. Ueber loose
vgl. oben zu S. 7; niost kann auch anordh. imht ent-
sprechen! Bei smoofh citirt R. Skeats unmögliche
Deutung aus ae. *!<iiii'iil, ohne ihr glüikliclicrweist' bei-
zutreten. Es geht natürlich auf ein Adv. swöde zurück,
das sich zu dem Adj. siiiMe verhält wie söffe zu s^fte,
swöte zu swite, ch'nie zu ilmic, sinoltHce zu sinylfe,
hddor zu hd'dre. Wr.-Wül. 7, 26 gibt aspera : uus-
\ mopi = 350, 29 uiisniode. Siiiöp- ist aus *sminifi,
1 smmij) entstanden, wie nd. (Soester) snidc,) 'geschmeidig",
mnd. s^uiwde, beweist, dass gerade wie .röP<:,i 'Gänse',
mud. yivse, zu beurtheilen ist, vgl. meine Soester llund-
art § 77, b. Ich stelle germ. *smau]d- zu as. uien-
diau, ahd. menden, meuthan 'sich freuen' und erinnere
der Bedeutungsentwicklung wegen an e. glad = nhd.
ylatt. — S. 21 unten. Ne. rnom hat nicht wie yreaf,
hrenk, hroiid, wrath ,.den offeneren Laut wegen des
vorausgehenden r angenommen'', sondern ;7 ist hier offen-
bar an der Diphthougirung verhindert worden, so dass
00 hier ü bezeiclinet. In den andern Wörtern hat r
den offenen Laut erhalten. Unter den Kürzungen fehlt
das S. 30 unter b fälschlich auf „ae. /)«)//«" zurückge-
führte thoiiibe, das dieselbe Kürzung wie ne. diiiiib.
plinii und srinii zeigt. Ausser vor 111 wurde ä im Me.
:!ll
1801. Litoiatuibhitt für gcriiiiiniBclie und roniiinisclie Philologie. Nr. 10.
342
verkürzt vor <jh, k iiiul v, vgl. ne. rongh, slough;
huck, duck, hurk, pKck, siick, stuck, niul eiullicli ihre,
sJiooe. Xacli r bliel) n (uler wurde zu ii, doch niclit
zu (I verkürzt: ruom, hrouk. Ebenso steht ü vor p:
coop, (Ifoop, loop, p'Jup, stoop, swoop, triloop; aber
a in >>it[)\ — S. 24 oben. Ne. iltOH(/h braucht
nicht mit Brate auf uruord. *pdh zurückgeführt zu
werden, vgl. Feist, Grundr. der got. Etyra. S. J20.
— S. 28. Das lateinische Suffix -atem erscheint als
-ee in iiiugmnupmjtee Caec. 207; emomje tinde ich
noch Caec. 211 und 219. — S. 30. In dämme, Praet.
von ae. cUmhun, soll h „unter Einfluss des schw. clim-
miaii" abgefalleu sein. Das bei Bosworth-Toller ver-
zeichnete cUjmmkm (Sal. u. Sat. 414 liest die Hs.
übrigens clijmme(t, vgl. Angl. 1, 122) hat natürlich mit
jenem ^'erb nichts zu thuu; b nach m war eben schon
verstummt, wie titomhe =~ ae. pih)i(i (nidit puma'.) be-
weist, wenn ina ; hier nicht etwa Einfluss von tJtimhle
annehmen will. — Ib. Assimilirung von h vor t zeigt
ijplci/iieil Caec. 215. — Ib. /^' erscheint in pruuffijtuhle
Caec. 211. — S. 31 unten. Ein ae. rad 'Rad' gibt es
nicht, rntte ist das mnl. raV. Interessant ist die Form
hruder (vgl. S. 32 unter ih und W. 305, 40 und 306,
1, 20. 26), offenbar in Anlehnung an fader und moder
gebildet. Lehrreich für den Wechsel zwischen d und
th vor r ist Bales 'Comedy concernynge thre lawes",
Angl. V, 160 ff. — S. 32 oben. Ohne inneres d er-
scheint noch kijnrede Caec. 217. — Ib. cladde war
nicht mit den übrigeu Formen so zusammenzustellen. —
S. 33. Das / in growle steckt schon in mud. (jniweln,
und ist natürlich kein „eingeschobenes"' ; daselijd hat
nichts mit ae. dwa-sigean zu thuu, wie E. nach Skeat
meint, sondern gehört zu au. dasa. — Ib. unter n wäre
das häutige Westmcäre (z.B. Caec. 207)' zu erwähnen
gewesen, llouillirtes n gibt C. durch gn und ngii wieder :
li/giuii/e Caec. 209; digne W. 295, 37; bengngne W.
297, 38; -ly ib. 299, *3. — S. 34 zu r. Wegen der
Metathese füge ich hrenngng Caec. 207: reinietli W.
311. 33; reiuigiig W. 298, 17 hinzu; thgrd erwähnt
übrigens schon Jlorsb. Urk. S. 119 und .Sclmltz, English
Gilds S. 32 unten. Ich glaube nicht, dass smoldred
etwas mit smoriaii zu tliun hat. — Ib. Ich notire wegen
c für g: necUjgent W. 310, 2, das au ae. wckbcu,
wcleaw (Eleue) erinnert. — 8. 38, 2a. dasscn 'Dachse'
ist aus dem Nl. übernommen. — S. 42 unten. Von ae.
ceosaii notire ich Sg. Praet. chase W. 302, 1 und Part.
Praet. chosen ib. 299, 2. — S. 44, Klasse VI. Ich
notire Inf. she Caec. 209 und 217, Praet. wesshe W.
311, 34, Part. Praet. wcsshen ib. 31. — S. 45, 4.
Mit t statt (/ erscheint auch feite Caec. 213. — S. 51.
ie für geschl. e ist bereits fast Regel in den Vices a.
Virfites (um 1200).
Göttingen. F. Holt hausen.
[Nachtrag. Kluge Et. Wtb.-* stellt e. siiKjuth
zu dem uhd. Lehnwort Schmant.]
Das Adamsspiel. Aiiglonormannisclies Gedicht des XII.
Jahrliundüits mit einem Anhang, die t'ünl'zolin Zeichen des
jüngsten Gerichts, herausgegeben von Dr. Karl Grass.
(Romanische Bibliothek hrsg. von W. Foerster. VI.) Halle,
Nienieyer. 1891. VIII, 174 S. 8. M. 4.
Das Ergebniss einer durch Foerster ausgeführten
Vergleiclmug von Luzarches Druck mit der Handschrift
aus Tours kenueu zu lernen wird Vielen erwünscht sein.
Auch wenn die beiden Gedichte so alt nicht sein sollten,
wie die Meisten annehmen, so sind sie und ist nament-
lich das erste von nicht geringer geschichtlicher Be-
deutung und eingehenden Studiums — übrigens uiclit
lediglich von selten der Sprache — unzweifelhaft wertli,
und dafür boten die bislierigen Ausgaben eine aus-
reichende (iriindlage nicht. Sollte aber eine kritische
Bearbeitung gegeljeu werden, dann empfahl sich wohl
in diesem Falle Gegenüberstellung eines diplomatischen
Abdrucks und eines Textes, wie er als Zeit und Ort des
Ursprungs angemessen nach Prüfung aller Umstände den
Herausgebern erscheinen musste. So haben wir ein
Mittelding, stark abweichend, namentlich durch Correct-
heit des Versbaues, vom Ueberlieferten, und doch ganz
gewiss nicht entsprechend dein Sprachstande, wie er für
Werke so sorgfältiger Verstechnik anzunehmen ist; mit
einer Kühnheit, die ich nicht missbilligen will, ist ge-
tilgt und zugesetzt, wo immer das Versmass es erheischte
(z. B. Adam 63), und anderseits bei Dingen verblieben
\ne tei:moi; grant graces; tuit für tot u. dgl. iu
Menge. Auch der Umstand ist nicht geeignet das freu-
dige Geniessen des Lesers zu steigern, dass der als
Herausgeber genannte Herr Grass, von dem die über-
flüssig breite „sprachliche Untersuchung" herrührt, und
sein Lehrer, der Herausgeber der „Bibliothek", öfter
ungleicher Me'nung sind, der Text des ersteren in den
Anmerkungen des letzteren Zurückweisung erfährt, jener
von Cäsuren im achtsilbigeu Vers nach S. .S2 nichts
wissen will, während dieser nach der Anmerkung zu
Z. 1 an der Tonlosigkeit der vierten Silbe Anstoss zu
nehmen scheint (s. übrigens Z. 4, 16, 26, 32 oder, wenn
nur von den Fällen gesprochen sein soll, wo mit der
vierten Silbe die Rede einer Person endet, Z. 132).
Derartige Meinungsverschiedenheiten würden sich wohl ohne
Schwierigkeit vor Beginn des Druckes begleichen lassen.
Eine eingehende Besprechung, welche Suchier in
den Gott. Gel. Anz. 1891 S. 685—698 der Ausgabe
gewidmet hat, eine Besprechung, der ich übrigens nicht
in jeder Einzelheit zustimmen kann, aber an dieser Stelle
auch nicht entgegen treten will, überhebt mich der
Mühe alles vorzubringen, was ich über den Text oder
die Anmerkungen etwa zu bemerken hätte. Nur einige
Kleinigkeiten seien nachgetragen. Z. 14 der Bühnen-
anweisung ist sie für sint die nächstliegende Besserung.
— Z. 16 1. l'ai ja. — Z. 24 1. reparieren. — Z. 59
ist ele eingeschoben, wo es nach den Regeln der W'ort-
stellung nicht stehn darf. Sucliiers fol'oie ist mir
stilistisch bedenklich. — Z. 64 1. cois statt cors, „in
eure Wahl"; vgl. Z. 74. — Z. 115. Adams Antwort
verträgt sich nicht mit seinen zwei nächsten; er wird
hier sagen müssen jo ti'en ai nid talcid. — Z. 143
stelle ich mich zu Foerster gegen Suchier, der wenigstens
n'eident vorschlagen musste; vgl. sem lonc atent, .Toufr.
2082, 2087. — Z. 199 ist de beizubehalten möglieh,
wenn man joi einfuhrt. — Z. 218. pois ist allerdings
keine richtige zweite Person, aber es wird piie^ damit
gemeint sein. — Z. 256 1. qnanqne est u estre. —
Z. 55 der Bühnenanweisung ist mir völlig unverständ-
lich; 1. gaudens statt (jiio diu. — Z. 387 mag ia ver-
lesen sein für ici. — Z. 103 der Anweisung 1. rustrum.
— Z. 585 1. Hostre iert Ja forfaiture. — Z. 588 ist
sa mustrauce mir unverständlich: 1. s'iimistance. —
Z. 612 ist der Conjuuctiv voille durch nichts gerecht-
fertigt, wenn man mit Foerster liest; ich sehe das Rich-
tige in Vostre doctrine s'est qid voille escoter, wobei
das Object von escoter vor die Conjunction gestellt ist
wie Z. 106 und 108 die adverbiale Bestimmung ihr
ri4.">
1891. Literaturblatt fDr germanische und romanische Philologie. Nr. 10.
344
vuraiigeht. — Z. HSS 1. ile euer entler (; lider). —
Z. 679 1. nie vuldrai. — Z. 704 scheint iiifinand an
iliT unmöjrliehen nud in der Granimatik des L>eukmals
S. 140 übergangenen Indicativforni oriex .\nstoss zu
Mt-linien; wer das richtige ocis einführt, ist anderer
Aendcrung überlioben. — Z. 70ti I. Sc le inesfis, eleu.
- Z. "118 1. Aiiiz liis qtie fesiss€!<. — Z. 728 ist mir
der einirelührte Conjunctiv deie unklar : 1. devrai. —
Z. 742 wird nach Jlassgabe von 2Iii, 718 en tu creance
zu schreiben sein („während er sich auf dich verliess").
— Z. 178 der Anweisung ist ohne Erklärung oder
Hesserung geblieben; es wird iieissen müssen El vocen-
tiir per nomen . . . /)rocesseriut. — Z. 80ii sclieint mir
iiiciir ganz übel angebracht; nie wird meines Wissens
liamit eine schlimme Eigenschaft bezeichnet, die das
Alter mit sich brächte: viel daneben seheint aus Z. 894
wiederholt: vielleicht Tu me semhles devineor.
Die Deutung von consercaije, die Foerster zu 22
gibt, ist vielleicht nicht ganz zutreffend; vgl. it. coii-
serra und cuiiserV(i(/i/io. Worauf sich die .\nnahme
gründet (zu 563), rctraile heisse „Busse", ist mir nicht
bekannt, acoveitier in NDChartres (zu liU4) hat mit
• upiditas nichts zu thun. Dass espeir „Hoffnung" heisst
(zu !'2iM. ist nur darum nicht belegt, weil wir kein Wörter-
buch haben, das den alt französischen Gebrauch, auch wo er
mit dem heutigen zusannnentallt, kennen lehrte: selten
ist das Wort in dem angegebenen Sinne nicht, s. ausser
Z. 525 auch Ron I, 245^ II. 2407, Rom. u. Past. I,
38, 67, Ferg. 71, 18; C'leom. 3644.
Für das (iedicht von den fünfzehn Zeichen hätte, wenn
die Weiteren Handschriften nicht zur Verfügung standen,
wenigstens die durch Sucliier abgedruckte Umsetzung ins
Provenzalische verwertliet werden sollen. .\ber auch
ohne diese Hessen manche Jlissgriffe sich vermeiden:
Z. 110 ist die Hs. mit ne vos /et pas a taire „darf
euch nicht verschwiegen bleiben" im Rechte gegen des
Herausgebers atraire. — Z. 125 darf man den Artikel
vor nuirt tilgen um für eus^eid Raum zu gewinnen. —
Z. 160 1. zerrauf : denn // fiioiid sind hier „die Berge".
— Z. 214. luuah/eti' ist der Gegensatz zu /Hirdurableti'.
— Z. 281 verlangt der Zusammenhang bien en set. —
Z. 317 liegt es nahe f/resitz zu schreiben, bis greüiz
anderswo sich findet. — Was ist wohl merfs in Z. 14?
Wfder eine Anmerkung noch das Glossar gibt irgend
welchen .\nfschluss. S(dl man rers „Würmer" schreiben?
Was als Glossar am Schlüsse steht, ist sehr kurz
gcfasst. Freilich geben die beiden Texte auch nicht
viel .\usbeute für den Lexikographen ; aber gern hätte
doch wohl einer oder der andere Leser vernommen, was
die Heransgeber von poste 359, von dem (hier nun weg-
I inendirten) initstnnu-c 588 denken, wie sie devise 605
(idcr fräiu 486 zu übersetzen rathen.
Schliesslich sei noch bemerkt, dass das S. VI er-
wähnte „^lirakel" von Sardenay nicht „unedirt", sondern
in der Romania Bd. XI eben nach der Handschrift von
Tours gedruckt ist.
Berlin. Adolf Tobler.
Wistasse le moinc. Altfranzösiselier Abenteuerroman dos
XIII. .Jahiliuiulrrts iiiK.li iler chizigcn Pariser Handscliril't
vun nouriii hrrnusgegeben von Wendel in Foerster und
J 0 h a n n T r o 8 t. (Komnn. Bihliotli. hrsg. von Wend. Foerster,
Nr. 4.) Halle. Niemcycr. ISill. XXXI, »8 S. 8. M. 3.
Was zu dem vorliegenden Bändcheu Herr Trost
beigetragen hat, ist ausser dem Ertrage der, durch einen
Andern ausgeführten, Vergleiciiung von Jlichels Ausgabe
mit der Handschrift nur die Einleitung; und diese ist.
von ganz geringfügigen Zusätzen abgesehen, nichts als
die Wiederholung oder L'ebersetznng der sehr gelehrten j
„Notice", die Michel 1834 seinem Texte vorangestellt
hat. Es wäre schicklich gewesen das mit noch mehr
Offenheit auszusprechen, als S. XXI Z. 8 v. u. und
S. XXVI Z. 3 V. o. geschehn ist, und die Einleitung
gradez» als die Arbeit llichels zu bezeiehnen. zu der
man anmerkungsweise dies und das hi)izuzutügen l"ar gut
gefunden habe. Andernfalls hätte man unter Hinweis
auf die durch den französischen Gelehrten zusammen-
getragenen Quellenstellen eine kurze Uebersicht der den
Eustachius angehenden geschichtlichen Thatsachen geben
können, die bei Michel fehlt. .\n Eigenem des Herrn T.
bemerke ich S. XV eine wenig lehrreiche Bemerkung
über mittelenglisch lof, S. XX und S. XXI je einen
auf das Spittel in Sandwich bezüglichen Zusatz und vou
S. XXVI ab wenig sagende Hinweise auf Robin Hood
und Foucon Fitz Warin. die übrigens in andenu Zn-
sannnenhang auch von Jlicliel beigezogen sind, sowie auf
den Unibos, welcher letztere auch nach Foersters Urtheil
(S. 77) mit dem Gedichte über Eustace kaum etwas
gemein hat. Dagegen sind nicht einmal neuere Ausgaben
der durch Michel herangezogenen (Juellenschriften ver-
glichen, nicht einmal seine Bezeichnungen Bibliotheque
Harleienne, College d"Armes u. dgl. übersetzt, nicht die
heutige Nummer der Pariser Hs. (1553) angegeben.
S. VIII A. 1 ist Michels Angabe übersehn, dass im Ur-
text der Urkunde der Name richtig zu lesen ist; S. XI
vor Deliberacio obsiduiu sind die zwei Seiten LVIII und
LIX der „Notice" gewiss nur aus Versehn übergangen;
S. XIV würd der Bartholoniäustag als der 21. August
bezeichnet; S. XVI Z. 10 v. o. ist Michels klares Fran-
zösisch missverstanden; S. XVIII Z. 21 v. u. ist zwar
ci/ cnseynn, was man bei Michel liest, richtig mit lij
ensei/na vertauscht, und Z. 5 v. u. wird l'i/ in der That
besser sein als li/, dagegen ist Z. 19 durch eine Aen-
derung des Ueberlieferten ganz sinnlos geworden: die
nicht verstandenen Worte des Textes heissen „ein sehr
angesehener Hafen ist bisher diese Stadt gewesen" : auch
Z. 12 v. u. ist mir die Richtigkeit des für acfun still-
schweigend eingeführten a sun zweifelhaft und möchte
ich eher ai/ un schreiben; 8. XIX in Z. 6 des Ab-
schnittes De hospitali wird statt veez wohl nees zu
leseu sein.
\\'as nun die Ausgabe betrifft, der diese wenig ver-
dienstliche Einleitung vorangescliickt ist, so hat durch
sie der Text wesentlich gewonnen. Zwar die erneute
Heranziehung der Hs. hat wenig ergeben: dass Foerster
2305 Zeilen gibt, während Michel 2306 zählte, ist bloss
Folge eines Versehens des letztern beim Zählen (drei
falsche Zahlen hat auch ersterer S. 30 unverbe.ssert ge-
lassen), und die .\liweicliungen in den Angaben über
den Buchstaben der Hs. sind meist von wenig Belang
(65. 103. 106. 919. 1026. 1303. 1304. 1342. 1344.
1381. 1539. 1600, wo eine Aenderung so gut wie 207
unterbleiben konnte, 1757. 1767. 1817. 1824. 1985.
2125). Dagegen ist an ziemlich zahlreichen Stellen das
Ueberlieferte besser gedeutet oder durch ansprechende
.Aenderung annehmbarer gemacht (90. 254. 284 ff. 167.
506. 508. 541. 604. 650. 697. 719. 74(>. 759, wo Kti
a (juatre Uistace espictes vielleicht vorzuziehn ist, 844.
890. 1928. 1984. 2044. 2062. 2105. 2118. 2173, wo
ntracant aber eher „unter Segel gehend" heissen wird,
2256. 2282).
345
1891. LiteraturWlatt Tür germniiisclie unil romanische Philologie. Nr. 10.
.34r,
Freilicli Wölbt an tlem Gedichte iiiiiuer noch weiteres
zu tliun, naniiiitlieh aiuli nach lier Seite ilcr saeliiieiieii
Erläuterung- hin, wo die neue Au»f!;abe über das von
Michel Gebotene wenig hinausgellt, bezüglich der t)rts-
Hud der Personennamen sogar zurückbleibt. Ich erlaube
mir iu geziemender Bescheidenheit einige kleine Beiträge.
Z. 5 — 7 scheint mir Michels Interpunktion richtiger.
Zu Z. 10 niuss ich an meine Verm. Beitr. 8. 158 er-
innern. Z. 18 sehe ich in dem Reimwort experimentum,
vgl. Foerster und Koschwitz, Uebungsb. S. 161 Z. 8 v. u.
— Zu Z. U) vgl. wegen en l'ps/jee (/anler H. d'Andeli
IV, 135; und zu Z. 21 Weigand, Sprache der Ulj'mpo-
Walachen S. 16. — Z. 77 scheint l'oinme als N. PI.
dadurch nicht gerechtfertigt, dass anderwärts l'ahbe als
N. Sg. vorkommt. Darf man auf Grund von SThom.
3851 und 4264 eine Form brais neben hraies (ebd. 5708)
annehmenV — Z. SO hestil steht im Londoner Girart
von Eoussillou, nicht in dem von Mignard herausge-
gebenen. — Z. 97 verdiente eine Anmerkung; vgl. Enf.
Og. 4038, Rose 5375, 16772. — Z. lOU könnte leicht
bei Michel besser interpungirt sein; von den Fragesätzen,
die nicht mit dem Frageworte beginnen, ist Verm. Beitr.
55 gehandelt. — Z. 127 und 128 wird man passend
nach 122 einschalten; so sind wohl auch die auf 193
folgenden zwei Reimpaare umzustellen. — Z. 204. Das
von Foerster ohne Zweifel richtig erklärte vois ist das-
selbe, das iu dem wohlbekannten avois mit der Inter-
jection (/• verbunden ist; dies letztere mit ä roiz nicht
zu vermengen. — Z. 213 wird qn'U les acuife zu
schreiben sein. — Z. 245. Eine Auslassung von ait
neben (hluiit ist nicht anzunehmen, da es eben ein
ilehaif für sich nach Paris nicht gibt. — Z. 247. Beide
Herausgeber hätten die directe Rede nach riceiit schliessen
sollen. — Z. 321 conte de Boiiluigiie ohne Artikel
wüi-de nach Zs. f. rem. Pliil. 13, 197 nicht sprach-
widrig sein. — Z. 478. Das Sprichwort hat der in der
Anmerkung Genannte unter gebührendem Hinweis auf
Michel an zwei weiteren Stelleu gezeigt. — Z. 558.
Eine afrz. Dichterstelle, wo haroii in etwas abweichender
Weise, nämlich aus HustiiKjs und Bon abgeleitet wird,
hat P. Meyer in den Not. et Extr. XXXIII, 1 S. 13
kennen gelehrt. — Z. 589 ist mit passolejit jedenfalls
paissoient gemeint. — Z. 596 1. M'istasce siitf ohne
Et. — Z. 649. Die Interjection belu ist höchst seltsam
und für einen der Zunge Beraubten jedenfalls schwer
aussprechbar. Darf man daran erinnern, dass im BSeb.
XV, 825 bahu(s) Interjection zu sein scheint? — Die
zu 665 gegebene Erklärung von esfordris befriedigt
wenig; abgesehn davon, dass das angenommene Stamm-
wort nirgends eine Spur hinterlassen hat, müssten auch
die Art der Ableitung und die Bedeutung befremden.
Es liegt wohl näher ein schwaches Participium von
essonrdrv in transitivem Sinne anzunehmen: das "Wort
kommt viir. und vom Simplex wenigstens ist transitiver
Gebrauch und schwaches Perfectuni zu belegen. — Zu
739 ist bezüglich der Stelle im Rou auf Rom. IX, 608
zu verweisen, obschon Foerster ohne allen Zweifel die
richtige Lesart allein gefunden haben kann. ■ — Die
Interpunktion 783 scheint mir nicht richtig: es ist zu
bedenken, dass der Graf von Boulogne eben Reuaud de
Dammartin war: zudem sagt ja Eustaclie 806, er komme
aus Brügge. — Z. 789 merdis ist eine gewagte An-
nahme. — Z. 880. Dass zweisilbiges iiii oft begegnet,
ist sicher: aber ist denkbar, dass es jiü gesprochen, das
iti des einfachen hui zerlegt worden sei? Die Aus-
sprache wird widil i-ni gewesen sein. — Z. 931. Der
Vers verlangt j>i)iloif, vyl. 941. — Z. 964. Zu der
eigenthümliehen .Ausdrucks weise Irois r;t iiHiiVc, für trnix
dcniers cf iiiaillc (3'-.' d. sind ja in der Tliat der
Zehnte von 3 Sous, d. h. von dreimal 12 Deniers, so
gut sich derselbe eben baar zahlen lässt) trifft man ein
Seitenstück bei Montaiglon, Fabl. Bd. IV, S. 82, wo
ein Weib ihrem Manne eine et uiaille mitgibt, vorher
von deniers keine Rede gewesen ist. — (Z. 1096. Was
bedeutet S. 69 Z. 3 v. u. die Abkürzung Zschft.V) —
Z. 1132 ist nicht richtig verstanden: j'nrai fait hcisst
„ich werde fertig sein". — Zu 1146 kann man auch
auf Rom. XIX, 310 verweisen. — Z. 1155. deiis mos
darf man gradezu mit „zweimal" übersetzen, natürlich
nur wo von Worten, Tonsätzchen die Rede ist. So ist
denn der Accusativ neben dem reflexiven Verbum er-
klärlich. Vgl. Li ijnens Ybcrs c'est escr'ies frais mos:
Or del requerre; rar U drois en est nos, ECambr. 2374
und ähnlich 5934. — Z. 1175. Die in der Anmerkung
angeführte Stelle steht nicht bei Guiart, sondern bei
Guiot. — Z. 1323. Es wird zu schreiben sein n'etist
f/arde. — Z. 1393 schreibe iiicor. — Z. 1675. Für
das erforderliche komme gewinnt man Raum, wenn man
Que oder nid aufgibt. — Z. 1761 schreibe ja für ht.
— Z. 1817. Statt des schwer glaublichen esmeidliers
liegt es am nächsten semelUers zu schreiben. — Z. 1843.
coiiriete d. h. couch'iete würde eine ganz undenkbare
Bildung sein. Es liegt nahe soufiete „List"' dafür zu
schreiben, das neben soutioetv grade so gut bestanden
haben kann, wie joVide neben jolieete. — Z. 1849.
Schreibe Ke M'istaces ot pr. — Z. 1959. L. aterre,
welches Participium öfter verkannt worden ist; so
auch Wace SXic. 860. — Z. 2039 wird sich empfehlen
bei entasse zu bleiben. — Z. 2086. merde in der
Bedeutung „knauserig" trifft man auch in .Tubinals
XRec. II, 15: lonoisson Franceis a tex, A fitnf
merdes, a fant aoex (= avers?) Qii'en les devreil
fiier 0 pex. — Z. 2110. Die Bedeutung ..brandschatzen"
für tenser bleibt mir zweifelhaft. Sollte nicht auch an
den von Du Cange-Carpentier beigebrachten Stellen es
sich überall um Ableitungen von census „Zins" handeln?
Zu 2115 wäre eine Anmerkung zu erwarten gewesen. —
1 Z. 2113 ist um eine Silbe zu lang. — Z. 2150 scheint
I bei Michel richtiger interpungirt. — Z. 2201 wird
' Frunchois iu den Reim zu Englois zu bringen sein. —
Z. 2243. Erwähnung des Katzenfettes als eines Mittels,
das Schlauheit verleiht, tindet sich auch Renart Supplem.
j S. 149: N'i -a mestier süins de chat, Hai prendra
I iin vostre harat "(bei Martin Bd. III S. 34 zu 1286)
und Cour. Ren. 1112: motdt troriens poi s'ienteiis Le
siede; or est plains de Inirat, Xiis ne raitt rien sans
sai)i de rat. — Z. 2273. rar kann die Form des
Relativpronomens que sein, die auch Suchier zu Reim-
pred. I, 4 anerkennt. — Z. 2290 ist um eine Silbe
I zu kurz.
Auch zu dem kleinen (rlossar seien noch einige
Bemerkiuigeu und Zusätze gestattet; einiges Hergehörige
ist schon oben erledigt, d'üir 199 heisst „eifrig",
„stürmisch"'; vgl. Et li Borf/oins oenoit de grünt dir
(der geliebten Frau entgegen), Mitth. 246, 30; Les
sains sone de graut dir, Ren. 3340 u. dgl. — ane
„Ente"* 237 ist nicht zu bezweifeln; im Texte aber steht
atie, was als gleichbedeutend mit amie, awe, auwe =
j öe, oie auch aunehmbar wäre. — canole ist wohl eher
1 Halsröhre als Schlüsselbein. — soi deduire 1665 ..sich
347
1891. Tjitcraturbintt für germaiiisclK- iiml roiiianisclii- I'liilolusit.'. Nr. 10.
348
beiiPlmicii", (lesfaire le coiite „einen Strich dnrcli die
Ri'clinini;? mailieu" 37H, gugier „zu zalilon sicli ver-
l>Hiclit('M" l.")42, hariKis „Tross" G39, iiidiv „zum Ver-
ilrusse •rercirlicu"' 11)8(5, puis . . /iiiig . . ..bald . . bald . ."
251», Iciiir ..bcliandtdu'' 824, ti/nnit ..liiiscwiclif' 487
Iiätti'ii Herücksichtiijuiig' vi-rdieut. — Zu foiirxeiier 208
war der reflexive Ciobraucli zu bemerken. — Huef 204
ist suliworlich eine luterjection. — upvendre UKciin sa
IHtteniiistre „Jemand dazu brins^en sicli zu t'iigen'* be-
freHrnct aucli bi'i IJustebuef (1. .\us^.) I, 2l)i). — orlel
ii;57 ist mit dum Sutti.\ al i^ebildot, alsi) schwerlicli
deminutiv.
liirliu. .\il(plt Tübltr.
Res fori, Aiitoiiin. Lptteratnra jirovenzale. Milano,
II.M'pli. IMil. IX. -l-H) S. s. Manuali lli.fpli.
Hiiii' iinivi'nzalisciii' I.iteiatur;rcstliiiliti' auf tJrund
der niUiTen Foi-seliunffen tVlilte bisbiT: dran ilic .arbeiten
VDU üartsili und Chabaneau kiinnen nur als Jlaterial-
sammlunir für eine solche angeselien werden. Demnach
war es durchaus zu billigfen, dass in die bekannte unter
dem Titel Jianuali Hoepli erscheinende Samnilnng von
llandbiichern auch ein sidches über die provenzalisclie
Literatur .\ut'nalime jrefunden liat. l)em Charakter Jener
.Sammlung entsjjrechend ist das ]5ucli nicht für die Ro-
nianisteu von Fach bestimmt, macht daher keinen An-
spruch ilarauf, wissenschaftlich Neues zu bring'eu, sondern
bezweckt lediglich, den gebildeten Laien einen klaren
und anschanliclien IJegrift' von der i)rovenzalischen Litera-
tur und ihren hervorragenden Denknuilern zu gehen.
Der Verf. erklärt, dass ihm das lUichlein viel Miihc ver-
ursacht habe, und es ist anzuerkennen, dass er im All-
gemeinen seinen Zweck erreicht hat. Er hat sich ein-
gehend mit seinem Gegenstande beschäftigt, weiss ihn
anziehend vorzuti'agen und durch ab und zu eingestreute
Proben, die er im Interesse seiner Leser stets über-
setzt, anschauliche!' zu machen. Bei den einzelnen
WerkiMi unfeirichtet er uns kurz über den Inhalt, die
metrische Form, den \'erfasser und die Fntstehungszeit,
oft auch über die Handschriften, in denen sie enthalten
sind, und diese Angaben sind fast immer zutreffend, weil
der Verf. seine Kenntniss stets aus den zuverlässigsten
Quellen zu entnehmen bestrebt gewesen ist. Dass er
bei den IJeziehungen der provenzalischen Literatur zu
Italien mit besonderer \'(jrliebe verweilt, ist leicht er-
klärlich.
Seine Literaturaugaben beschränkt er auf einige
Hauptwerke und auf die neuesten Specialarbeiten, in
denen frühere den gleichen (iegenstand behandelnde
Bücher mitgetheilt werden. In der Einleitung erfahren
wir Einiges über alte und moderne Provcnzalisten sowie
über die Cieschichte und das (Jebiet der langue d'oc,
wälii-end in einem Schlusskapitel ein kurzer Ueberblick
über die literarischen Zustände Südfrankreichs seit dem
Ausgange des Jlittelalters gegeben wird.
Ich erlaube mir nun, auf einige Punkte hinzuweisen,
ilie meiner .\nsicht nach besserungsbedürftig sind. Zu-
nächst scheint mir schon die Uesamuiteintlicihing des
Stoffes eine nicht ganz glückliche zu sein. Wenn näm-
lich zuerst von der Lyiük, dann von der jirufanen, end-
lich von der religiösen Literatur gesprochen wird, in
letzterer wieder von religiöser Lyrik, so sucht man hier
vergebens nach einem einheitlichen I'rincip. .\bei' auch
innerhalb der einzelnen Kapitel sind olt g.uiz verschieden-
artige Dinge zusammen behandelt, z. B. die Fabel mit
' der Epik, wobei die bekannte Parabel des Peire Car-
dinal auch mit luiter die Fabeln gerechnet wird, das
Drama mit der geistlich.-n Didaktik und Lyrik u. s. w.
Die Prosa wird überhaupt nicht als besonderer Ab-
schnitt besprochen, sondei'n ihre Erzeugnisse werden nur
gelegentlich erwähnt.
Au Einzelnheiten nenne ich folgende: S. 30 f. In
dem Kapitel von den ältesten Denkmälern werden auch
solche aufgeführt, die dem 12. und selbst dem 13. .lahr-
hundert angehören. — S. 56. Nur die Alba ist sehr
alten Ursprungs, die Serena ist lediglich eine Jüngere
Xaehbjldung derselben: das einzige auf uns gekommene
Beispiel einer solchen hat den liuiraut liiquier zum Ver-
fasser. — S. 87. Die Estampida soll von den Proven-
zalen zu den Franzosen gekommen sein, in Wirklichkeit
ist das Verhältniss gerade umgekehrt. — S. 93. Die
Xamen der deutschen ilinnesiiiger sind zum Theil ent-
stellt: auch die Titel deutscher Bücher und Zeitschriften
i weisen zuweilen Fehler auf. — S. 11. 3. Das Epos von
, trirart.de Rossillon soll 1150 entstanden sein; die uns
1 vorliegende Gestalt stammt jedoch aus dem Ende des
12. .lahrhunderts. — S. 115. Die Widerlegung der An-
sicht von der Ursprüugliclikeit des provenzalischen Fiera-
j bras verdanken wir nicht iTautier sondern Gröber (Die
handschriftliche tfestaltung der Chanson de geste Fiera-
bras. Leipzig 1869). — S. 142. Matfre Ermengand be-
gann sein Breviari d'amor nicht 1282, sondern nach
seiner eigenen Angabe (v. 15 — 16) erst 1288; das Werk
zählt 34597 Verse (nicht circa 27000). — S. 167. Wir
besitzen vier verschiedene Cfedichte über die Freuden
der .Jungfrau Jlaria, nämlich ausser den drei auf S. 168,
Anm. 1 aufgezählten noch das in den Levs d'Amors I,
264 — 67 enthaltene.
S. 172. Man vermisst die allei
dings nur bruchstücksweise auf uns gekommenen Lebens-
beschreibungen der h. Fides und des h. Anmntius; von
der der h. Enimia gibt es auch eine Sonderansgabe von
C. Sachs. Berlin 18.")7. — Schliesslich erwähne ich noch,
dass der Name Rajnas, des bekannten Landsmannes des
Verfassers, S. 180 und mehrfach in der Form Rayna
erscheint.
Kiel. Albert Stimraing.
Zeitschriften.
Nenphilol. CentralbiRtt V, 9: Schcrffig, ücber S.liiiler-
f'chlor im Fraiizüsi.sclion (b'urt.'i.). — Job. Weiss, Gilbert
(t'orts.). — Verhaiidl. clor neuspraclil. Section in München
(Broymann, Der Kiiiiipr set;''" ''"^ eiiglisclio Theater der
Restaura tiuiiszcit).
Phonetische ^Studien V, 1: K. J. Lloyd, Speccli soiinds:
their iiatiire and caiisation (Korts.). — 0. U o 1 i ii , Ksüni
de grainniaire phoneticiue (Schi). — F. A r a u J o , Koclierches
sur la ])lioiu''tique espagnole (l'"ort8.). — K. Stengel,
Tobicr, Kiiinan. IMiilolegio an deutschen Univorsitiiton ;
Morf, Das Studium <ler romun. I'hiU)le2;ie. — R.J. Lloyd,
Sunmcs, An infroduetion to l'honetics (lOn^lish, l'renoh and
German) ; with reailiiiif Hook. — K. Stengel, Auszüge
aus GcotVoy Torys t'hanip Kleury. Paris \b'i'^. — Karl üor-
fcld. Zum franz. Sprachunterricht. — Victor, Ueant-
wortungon des Fragebogens „Zur Methodik dos Sprach-
untorriclit-i".
Alelnsinn V, 11: (i. Donciou.x, La Helle ilans la tour,
texte criliquo. — Ii. Gaidoz, Le tien et lo mien. —
Ders. , Chansons popnlairos ile la liasso-Iirctagno: XXIX.
Lo liarzaz-IJroiz de M. de Villemarque. — Ders., La
Fratcrnisation.
Zs. f. dentsehe Pbilologie XXIV, 2: Tb. Siebs, Beiträge
zur doutsülicn Mytholugio. I. Der Tndesgott ahd. Ilonno
Wötan -^ Mercurius. — Ma.x Pa]) po n h e i ni , Zum gnnga
undir jardarmen. — A. JcittcIcs und II. L e w y , Zum
349
18yi. Litenitiiiblatt für germanische untl romanische Philologie. Nr. 10.
.350
Sprucli von den zehn Altersstufen iles Menschen. — O.
Streiclier, Zur Kntwickeluni? der nihd. Lyrik. — G. Ka-
werau, Neue Bek'};c für den (iebraueh von Ihälr = mlid.
eiitele bei Luther. — 0. Krause, Kin lirief Ciuttsclieds
an den Küuigsberjjer l'rofesSDr Klottwoll. — K. Borinski,
Bericht über die Vcrliamllungen der deutseh-roni. Section
der 41. Versammlun;; deutscher Phihdegen um! Schulmänner
zu Münclien. — E. Martin, Paul, ürundriss der gernian.
Philologie II, 1, 2-4. H, 2, 1-2. — L. Tobler, R.' Brand-
stetter, Prolegoniena zu einer urkundlichen Geschichte der
Luzerner Mundart. — A. Socin, 11. Blnttner, Ueber die
Mundarten des Kantons Anrgau. — K. Bernhardt, G.
H. Balg, A coniparative glossary of tlie gotliic language. —
F. Vogt, F. Saran, Harfmann von .\ue als Lyriker. —
Ders. , F. Keinz, Die Lieder Xciilharts. — Ders. , W. Uhl,
Unechtes bei Xeifen. — K. Kiuzel, Th. llanipe, Die
Quellen des Strassburger .-ile.xander. — Uers. , E. Kettner,
Untersuchungen über Alpharts Tod. — K. Tonianetz,
W. Cordes, Der zusammengesetzlo Satz bei Nieulaus von
Basel. — II. W u n d e r 1 i c h , 0. Mensing, Untersuchungen
über die alid. und mlid. Coneessivsütze. — M. Rachel,
Neuere Schriften über Hans Sachs. — E. Ma 1 1 h i a s, M.
Herrmann, Das Ehebüchlein des Albrecht von Eyb. — \V.
S c h u ni , G. Kaufmann, Die Geschichte iler deutschen Uni-
versitäten 1. — G. Roethe. E. Wolff, Prolegoniena der
literar-evolutionistischen Poetik. — C. U eine, B. Litzmann,
Friedrich Ludwig Schrö 1er. — F. Prosch, O. Koller,
Klopstockstudien. — I Z i n g c r 1 e , rüse. — H.Holstein,
Ein Gedicht aus dem Ende des 15. Jh. 's. — E. Wolff,
Ein Brief Jacob Grimms. — M. Pappenheim, driholde
scheren. — J. Minor, Zu Wielands Werken; dramatische
Aufführungen im Ki. u. 17. Jh. — M. Spanier, F. B e c h ,
J. Peters, Nachträge zu Köstlins Lutherstudien Zs. XXIV,
o7 f. — Neue Erscheinungen. — Nachrichten.
Zs. f. d«n d«»ntschen Cnterricht V, 8: Rudolf Hilde-
brand, Deutschland grammatisch, zur Geschichte seiner
Form. — Karl Koch, Zum deutschen Aufsatz in den unteren
und mittleren Klassen. — Karl Strubel, Etwas vom Lesen
und Lesebuch in der Volksschule. — Karl Franke, Wo
und wie studirt man ausserhalb des CoUegs und der Studir-
stubc Germanistik? — Bernh. May dorn, Gegen den Miss-
brauch des Apostrophs. — Kenl. Scliultz, Ferdinand,
Albas, und Don Karlos, Philipps Sohn. Eine Aufsatzbe-
sprechung. — H. Dralle im, Zu Goethe und Schiller. —
O. Glöde, Noch einmal: .^uf eigenem Znum. — Rudolf
Reichel, Zu Schillers Kampf mit dem Drachen. — Otto
Lyon, Fr. Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen
Sprache. — Franz Kern, Hans Meyer, Festspiele für
Schulen. — Kleine Mittheilungen. — Zeitschriften. — Neu
erschienene Bücher. — V, 9 : Rud. Hildebrand, Zum
AVesen des Reims, auch des Stabreims, dabei eine Berich-
tigung W. Scherers. — 0. Glöile, Zur Erklärung des
Hasennameus Lampe. — Otto Lyon, Goethes Gespräche. —
R. Sprenger, Bemerkungen zu deutschen Volksliedern. —
Heinr. Gloel, Wider die Chrie. — L. Zürn, Die Leetüre
der Hamburgischen Dramaturgie Lessings in der Ober-
prima. — F. Kluge, Das Wort Buch in seinem Verhält-
niss zu Buche. — Karl Menge, Deutsch reden. — Moritz
Koehler, Zu dem Liede: Napoleon du Schustergeselle. —
R. Sprenger, Zu Matthisons „.\dclaide"; Zu Schmidt von
Lübecks „Paul Gerhardt"; Ein Gedicht aus dem Jahre 1S4S:
Kleine Bemerkungen zum ö. Bande der Zeitschrift; Zur Be-
urtheilung Grillparzers ; Zu Scheffels Eckeliard; Aus dem
Unterricht. — Schür mann, Gunsten und Gnailen. —
Koch, Ueber Wortverstümmelungen. — Meidel, Zudem
Aufsatz von Keller über Zscliokke und Hebel. — Rudolf
Becker, Zu dem Aufsatz: , Verw, rtliung der Redensarten
im Unterricht" von C. Müller. — Franz Sohns, Zu Müllers
,Verwerthung der Redensarten im Unterricht" und zu Hilde-
bramls Aufsatz: ,Wie die Sprache altes Leben fortführt". —
Heu w es. Eine Reihenfolge ähnlich lautender Versstellen.
Zu Goethes „Herbstgefühl". — Carl Franke, Rud. Brock-
liaus, Theodor Körner. Zum 2.^. Sept. 1S91. — R. Kade,
Johann Jungfer, Der Prinz von Homburg. — Kleine Mit-
theilungen. — Zeitschriften. — Neu erschienene Bücher.
Englische Stndien XVL 1: W. Wetz, Die inneren Be-
ziehungen zwischen Shakespeares „Macbeth" und seinen
Künigsdramen. — A. Ackermann, Studien über Shelleys
Prometheus Unbouml. — W. Sattler, Zur engl. Gram-
matik. Vü. (Schi.) — A. Würzner, Ein Erlass des öster-
reichischen Unterrichtsministeriums betr. die Kchriftlieheu
Arbeiten aus den modernen Sprachen an den Itealschulen.
— A. Schröer, .\n Eight-Century Latin-.inglo-Sa.ton
Glossarv preserv(^d in the Library of Corpus Christi College,
Cambridge (Ms. Nr. 144). Ed. by J. H. Ilessel.". - G. Sar-
razin, K. Müllenhoff, Beovulf. Untersuchungen über das
ags. Epos und die älteste Geschichte der germ. Seevölker.
— O. Brenner, K. Lentzner, Das Kreuz bei den .Angel-
sachsen. — Ders., G. Herzfeld, Die Räthsel des Exeter-
buches uu'l ihr Verfasser. — Ders., Uno Lindelöf, Die
Sprache des Rituals von Durham. Ein Beitrag zur altengl.
Grammatik. — Ders., G. Otteii, The Language of the
Rushworth Gloss to the Gospel of St. Matthew. Part I :
Vowels. — Ders., W. Hinze, Zum allenglischen Gedicht
„Andreas". L Theil. — E. Kölbing, Zwei mittelengl. Ge-
schichten aus der Hölle. Kritisch hrsg. von Anno L. Leo-
nanl. — Ders., Shakespeares Macbetli nach der Folio von
1625 mit den Varianten der anderen Folios hrsg. von Albr.
Wagner. — M. Koch, H. Beckhaus, Sliakespeares Macbeth
und die Schillersche Bearbeitung. Ostrowo 1SS9. — Ders.,
G. Schatzmann, Schillers Macbeth nach dem engl. Originale
verglichen. Trautenau 1889. Progr. der k. k. deutschen
Staatsüberrealschule. — Ders., Bernh. Sandmann, Schillers
Macbeth und das engl. Original. Tarnowitz 1S88. Beilage
zum Osterprogr. des Realgymnasiums. — Ders., Lübbo
Wilken, An historical and metrical LitroJuction into the
Study of Shakespeare's Works with particular Regard to
his Julius Cäsar. Part the second. Osterprogr. des k. Real-
progymn. zu Biedenkopf. 1889. — A. Schröer, J. Schip-
per, Zur Kritik der Shakspere-Bacon-Frage. — Ders., K.
Lentzner, Zur Shakespeare-Bacon-Tlieorie. — Ders., R.
Wülker, Die Shakspere-Bacon-Theorie. Sonderabdr. aus den
Berichten der k. sächs. Gesellseh. d. Wiss. 1889. — E.
Kölbing, Th. Bierfreund, Palemon og Arcite. En literatur-
historisk undersogelse som bidrag til Shakespearekritiken.
— Ders., S. Smiles, A Pubüsher and his friends. Memoir
and Correspondence of the late John Murrey, with au
Account of the Origin and Progress of the House, 1768 —
1843. — Laura So am es, H. Sweet, A Primer of Phonetics;
A Printer of Spoken English. — Aug. Western, 0. Jes-
persen, The Articulations of Speech Sounds represented by
means of Analphabetic Symbols. — E. Koeppel, A Uni-
versal English-German and German-English Dictionary by
Dr. Feli.x Flügel. Allgemeines englisch-deutsches u. deutsch-
engl. Wörterbuch von Dr. Felix Flügel. 4. gänzl. umgearb.
Aufl. von Dr. J. G. Flügels vollständ. Wörterbuch der engl,
und deutschen Sprache. — Ders., E. Muret, Encyclop.
Wörterbuch der engl, und deutschen Sprache. — X., Noth-
würterbuch der engl, und deutschen Sprache für Reise,
Leetüre und Conversation. 1. u. 2. Theil von E. Muret. —
M. Krummac her, O. Kares, Methodical Hints for Speaking
English. First Series. — F. Laudiert, Ueber das engl.
Marienlied im 13. Jh. — F. Jentsch, Zur Frage nach
den Quellen der mittelengl. Romanze Richard Coeur de
Lion. — F. Holt hausen, Beiträge zur Erklärung und
Textkritik alt- und mittelengl. Denkmäler. — G. Herz-
feld, Bruchstücke von Aelfrics Lives of-Saints. — E. Köl-
bing, Zu der Winteney- Version der Regula S. Benedicti.
— H. Varnhagen, Zur Etvmologie von preosi. — F.
Kluge, Zu. Engl. Stud. XIII,'p. 529. — M. Kaluza, Zu
den „Boten des Todes" (Engl. Stud. XIV, 182 ff.). — R.
Sprenger, Zu John Lilly's Campaspe. — Ders., Zu
Marlowas Edward the secoml. — Ders., Zu Philip Mas-
singers „The Virgin-Martyr". — Ders., Zur Hattosage in
England. — E. Kölbing, Zu Drydens Annus Mirabilis. —
Ders., Zu Byrons Prisoner of Chillon v. 55. — M. Krum-
maclier, Berichtigung. — zu r Ja c obs m üb len, Verein
für das Studium der neueren Sprachen zu Haraburg-Altona.
— E. Nader u. A. Würzner, Aus einem Briefe an den
Herausgeber. — Alexander John Ellis j.
MittheHnngen ans dem gesammten Gebiete der engl.
Sprache d. Literatur IL 1: E. F., William Painter, The
Palacc of Pkasure. Ed. Jos. Jacobs. — Koeppel, Un-
gemach, Die Quellen der fünf ersten Chester Plays: .Acker-
mann, Quellen, Vorbilder, Stoffe zu Shelleys poct. Werken.
— Brandl, Brentano, Die Stellung der Gebildeten zur
socialen Frage. — Kurze Anzeigen: F. Pabst, Marsh.
Livingston Perrin, Ueber Tlionias Castelfords Chrnnik
von England (Gott. Bibl. Ms. Nr. 664). — A. Wächter, Ueber
Rob. Southey's Orient. Epen. — Krämer, Die Verwendung
des Reims in dem Blankverse des engl. Dramas zur Zeit
351
1891. Literaturblatt für germaiiische und romanisclie Philologie. Nr. 10.
352
Shakflpcres. — Rcckliaus, Shakespeares Mnoheth und die
Scliillersehe Bearbeitung. - Soliat/.niann, Schillers Macbeth
mit dem en-jl. Originale verglielicn. — lleycrs.lmff, Uiord.
liruiiu unil Shakespeare. — Müller, Grundlegung und Knt-
wiiklung des Clinrnklers Richards III. bei Sluikespeare. —
2: Kincnkel, Vogels, lland.sehrirtl. Untersuchungen über
die engl. Version Mnndevilles. — E. F., Sir Phil. Sidney,
An apologie for Poetrie ed. by Kvclyn S. Shuekburg. —
;i: lioyle u. K. F., New Shakspcrc Society. — Kurze An/,.:
Siieliler, Streifzüge auf dem Gebiete der neusprachlichen
Kefornibewegung. — Tänzer, Die Natur unserer Sprachlaute
mit üerücks. des Franz. und Kngl. — 4 : K o e ]i p e I , Köl-
bing, .\rrhuur and Merlin. — Scliirmer, Hagniiinn, Der
Traum vun Hyron. Ueliers. — Kurze .\nzeigen: Klinghardt,
Uealien zur Macaulay-Lectüre. — Kuntze, Beiträge zu einem
engl. Wörterbuch bes. aus Dichtungen von Kents (I'rogr.
Stettin). — Blasehke, A few Steps to a completc Dictionary
of Kngl. Dinlects. — Müller, Reniarks on tlio first regulär
Coniedy of Kngl. Literature. — Merschberger, Die Anfänge
Shakespeares auf der Hamburger Bühne. — 5: Scliirmer,
Douglas Hyde and All'r. Nutt, Beside the Fire. A Collcction
of Irish Gaelie Kolk Stories; Nutt, Les derniera travaux
»lleniands sur la legende ilu Saint Graal. — (J/T : Koeppcl,
lliieckid, Das Sprichwort bei Chauccr. — K. F., Cliaracter
Wrilings of the XVIl"' Century ed. by Henry Morley. —
Kurze Anzeigen: Schwalbnch, Comnientar zum ersten Buche
von -Miltons I'aradise lost. — Lenk. Addison uml der Spec-
tntor. — Thiel, A critieal annlysis of Kdward Youngs Night
Thoughts. — Tunk, Die Behandlung des Wortschatzes im
fremdsprachlichen Unterricht.
Zs. f. rom. Philologie XV, 3. 4: G. Schiavo, Fede e
Supcistizione nell'nntica pocsia francese (Forts.). — A. L.
Stiefel, Lope de Rueda und das ital. Lustspiel. — C.
Voretzsch, Der Reinhard Fuchs Heinrichs des Gliche-
züre und der Roman de Rennrt. — Ch. B o n n i e r , Lettres
de Soldat. — C. Salvioni, 11 , Sermone'" di Pietro de
Barsegape riveduto sul cod. e nuovamcnte edito. — A. Hor-
ning, Zur Behnndlung der tonlosen Paenultima im Fran-
zösischen. — A. Schulze, Zur Lehre vom franz. Infinitiv.
— II. Suc. hier, Provenzal. Verse aus Nürnberg. — A.
T übler, Zu Dantos Convivio IV, 12. — H. R. Lang,
Zu C'nideron. — W. Focrster, Sebre im Roland. — R.
Lenz, Zur spanisch-amcrikanisclien Formenlehre. — W.
Foerster, Etymologien (fr. train, prone, pouliiiii, to-raiii,
it. jiiiijiiali; pro und prutle nebst prvdnni). — J. Cornu,
Paisible. — V. Crescini, Nomi dati nel medio evo a'
franeesi meridionali. — E. L e v y , K. Stichel, Beiträge zur
Lexikographie des provenz. Verbums. — G. Meyer, Prince
L.-L. Bonapurtc, Lingwistic Islands of the Neapolitan and
Sicilian j)rovinces of Italy, still existing in 1889. — E. Dias,
\. Pimentel, Obras do j)oeta Cliindo. — A. Horning, P.
Marihot, Le Pntois de Saint-Hubcrt. — H. 11. Lang, F".
Araujo, GramiUica rnzonada histörico-critica de la lingua
frnncesa. — W. Riiilow, Ar. Densusianu, Istoria limbci
.si literaturei romäne. — Ders., G. Popa, Tablcle cerato
descopcrite in Transilvanin. — W. Foerster, Le Bestiaire
hrsg. von Reinsch. — H. S ebne e g n n s , L. Pirandollo,
Laute und Lautentwickelung der Mumlart von Girgenti. —
A. Gaspary, II Propugnntore N. S. Vol. III, fasc. 3—4,
Gennaio — Aprile IS'JÜ. — 1) e r s. u. R. W c n d r i n e r , Gior-
nnle Storico della Letteratura Italiana. Anno VIII, Vol.
XVI, fase. 1—2. 3; Anno IX, Vol. XVII, fasc. 1. — E.
Levy. Revue des langues romancs. Tome XXXIl. Oct. —
ileceiiibre, 18S8. Tome .XXXIIl. Jnnvior — dccenibro, 18,89.
Arcliivio storico dnlla letteratnra XVIII, 1. 2: J. Sa-
nesi, Bindo Boniclii da Siena e le suc rinie. — G. Run,
Intorno al „Libro della originc delll volgari proverbi" di
Aloisc Cinzio ilei Fabrizii. — F. Novati, Le scrie alfa-
bctiche proverbiali e gli alfabcti disposti nella letteratura
italiana de' prinii tre seeoli. Testi. Serie prima e scconda. —
So lert i- Lan z a , II teatro Fcrrarese nella seeonda nietä
del See. XVI. — E. Pöreopo, Lnudi e devozioni della
cittä di A(piila (Schi.). — R. S n b b a d i n i , Briciole unia-
nisliche. 111. Bartol. Gunsco. IV. Tommaso Pontano e Tom-
nuiso Seneea. V. Giorgio da Trebisondn. — E. Bettazzi,
Liiudi della cittä di Borge S. SepoliTo.
Rivlala criticn della letteratura italinna A'II, 3: S.
Morpurgo, Flamini, Ln Urica toscana did Rinascimento
anteriore ai tcmpi del Miignilico. — Conuinicazione : G. Da
14 e, I tre primi slntuti sulle corae rlei palii di Verona. —
Bell. bibl. : I migliori libri italinni eonsigliati da cento illusiri
contempornnei : S. Cipolla, II passo dello Stige: M. Snvi
Lopez, U -Medioevo in relazione coi niaggiori poemi italiani;
G. Zannoni, „De leggitinio amore""; R. I'ittcri, Rcniiniscenza
di scuoIr; A. Giannini, Canti popolari pisani raccolti e
annotati.
Literar. Centralblatt 39: Soames, An introduetion to pho-
nelics. • — Funk, Lavator uml der Markgraf KnrI Friedrich
von Baden. - Strohlke, Wörterbuch zu Goethes Fiinst. —
40: Steyror, Ursprung der Sprache der Arier. — Barlne,
Bern, de Sainl-Pierre. — Haas, Rügensche Sagen u. .Mär-
chen. — 41: Sütterlin, Zur Geschichte der Verba denonii-
nntiva im Altgriechischon. — 42: Bartliidonme, Imlogerm.
.-I: un.l .v/,7/.
Deutsche Literatiirzeitiing :ii;: Nchring, Murko, Ge-
schichte von den sieben Weisen bei den Slaven. — Voigt,
Ehrcnthal, Zu den Liedern der Vaganten. — Sauer,
Prölile, Abhandlungen über Goethe, Schiller, Bürger. —
Hausknecht, .Murot, Engl. Wörterbuch. — Zscheeh,
Lopez, La donna italiana dol Treconto. — 37: Rannow,
Kelle, Zur Uoberlieferung, Uebersetzung, Grammatik iler
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Cantons Aargau. — Schönbach, Knortz, Nordamerik.
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des 17. Jh. 's. — Weber, Friedwagner, Sprache des altfr.
Huon de Bordeaux. — 4t): Schönbacli, lüolschowsky,
Neidliart von Rcuenthal. — Kon rat h, BUlbring, The
EarliestjComplete Englisli Prose Psalter I. — 41 : P n i o w c r,
Froitzheim, Lenz u. Goethe. — M e y e r - L ü b k e , Schneller,
Tirol. Namenforschungen; Göt^inger, Roman. Ortsnamen
im Canton St. Gallen.
Gott. Gelehrte Anzeigen 17: v. Below, Boos, Urkunden-
buch der Stadt Worms. II. — Minor, Burckhardt, D.ns
Repertoire des Weinnirisclion Theaters unter Goethes Leitung.
Bcirsenblatt f. den deutschen Bnchhandel 218 u. 2I.'>:
E. Peso hei, Bibliographie Theoilor Körners.
Gymnasium ir, : Scli n eiil e w i n, Zur Kritik von R. Loh-
manns Organisationsvorschlägen für den deutschon Unterricht.
Chronik des Wiener Goethe- Vereins 8 u. 9: Schröer,
Altgraf Hugo Franz zu Salm und Goethe. — Ein ungo-
dvucktcr Brief Karl Augusts.
Neue Heidelberger Jahrbücher 1, 2: A. Hausrath, Fest-
rede gehalten bei der Enthüllung des Sohelfeldenkmals zu
Heidelberg am 11. Juli 1S91.
Deutsche Kuudscbau Sept. : Anton S e h ö n b n c h , Wolfram
von Eschenbach. — W. Lang, Lenaus Verhängniss.
Nord u. Süd Oct.: L. Fulda, Der .Misanthrop von Moliero
in deutschen Versen. — Ilcrm. Hirt, Franz Bopp.
Westermanns Monatshefte Aug. u. Sept.: A. v. Heydcn,
Das Turnier.
Die Nation 51: R. Fellner, Der Dichter von ,Leyer und
Schwerts
Die Grenzboten 37: Zu Franz Bopps hundertstem Geburts-
tage. — 38: Gottli. Kreyenberg, Körners Vater.
Beilage zur Allg. Zeitung 214—219: Jul. Winkel, Die
Nationalbibliotliek zu Paris. — M. Landau, Aus der vor-
nehmen ital. Gesellschaft des 17. Jh.'s. — M. Neck er,
NestroT-Studien. — E. Koppel, Altschottische Dichter:
Thomas von Erceldoune. — 220 — 225: Scartazzini, Ans
der neuesten Dante-Literatur 1. 2. — E. Koppel, .\lt-
schott. Dichter: Hucliowne of the Awle Ryale; Unbekannte
Dicliter des 1.'). Jh.'s. — K. Weinhold, Zur Erinnerung
an Theodor Körner. — 23fi: J. N. Sepp, Das vorbiblische
Alter der Edda. — 237: W. Golther, Zur Oesclii(dito der
nordischen Mythologie. — 242 u. 243: K. Droscher, Zur
Schiller-Literatur (über Kühnemann, Die Kiintischen Stu<lien
Schillers und Küster, Schiller als Dramaturg). — 251 : E.
K i 1 i a n , Eine Karlsruher Handschrift der ersten Goetheschen
Bühncnhcarbcitung dos Götz. — 2(j4 : K. Wo in hohl, Zur
Erinnerung an Theodor Körner.
Wissenscbaftl. Beilage der Ijeipziger Zeitung lOl : E.
H 0 y d 0 n r e i c h , Die geistigen Bostr<'lunigcn der Residonz-
sta<lt Dresden und ihrer Umgehung zur Zeit Winckelmanns.
— 102: Ein Besuch des Gnetheliauses in Fraidtfurt. — 103:
Goethes Mutter in ihren Briefen.
Münchner Neueste Nachrichten 430: K. v. Reinhanl-
stöttner, lli'inrich Heine in Portugal.
Skandinavisches Archiv. Zs. für Arbeiten skandinavischer
Gelehrten auf dem Gebiete der Philologie, Philnsnpliio und
353
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Nr. 10.
354
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iSaiul 1.1 Mark.] I, 1/2: A. Ktiek, Untersucliungcn zur ost-
unJ wt'stnonlisclien Orauiiiiatik : 1. Zur Krage iilier den
Noni. Sgl. auf -it in mascul. //-Stämmen. 2. Zur lirocluing
des tj im .Mtselnvedisclien. 3. Ostnord. Kudungsvdkale. 4.
Vokalverlust bei Hiatus im Altsoliwed. .'). Zum Wcrtli von
c im .\lt8Cli\ved. — Kr. W ulf f, Von der Rolle des ,\kzentes
in der Versbildung. 1. Von Akzent und Quantität. 2. Von
lilijtbmus und Satzakzent. 3. Scliwed. Verse. \. IJie gewöhnl.
nioilerne Senndirung lat. Verse.
The Afaileniy 1UU4: Skoat, Tbe nrrangement of Cliaucer's
Canterbury Tales. — Toynbcc a. Murray, Tlie etymo-
logy of batelimcnt. — lüü.j: Graues, Wordswortli and
Sbakespeare. — GoUanez, Pearl. — 1006: The |)iietical
works of Tliomas Lovell lieddocs ed. Gosse. — Hay, Swift,
tbe mystery of bis life and love. — Tbe new English Dictio-
nary, special quotations wanted. I. — Percival, sonie notes
on tbe Kacry yuceno. I. — Skeat, Tbe tbree fragm. of
the Komaunt of Rose. — O'Noill, Tbe ctymul. of liateli-
ment. — 1007: Wetz, Sbakespeare vom Standpunkt der
vergl. Literaturgescbiohte. I. — Tbe new engl. Dictionary,
special quotations wanteil. II. — Old frencb /(/, feloii. —
Brandl, Ivyd's span. Tragedy. — 1008: Brailley, A new
Engl, dictionary 111, 1. — 1009: Daniel, Kyd's span.
Tragtedy. — 1010: Blaneo Wbite's sonnet ,nigbt and deatli".
— Schröer, Tbe dato of Kyd's ,Spnnisli Tragedy". —
1011: Balladen und Romanzen ed. Bucbbeim. — 1012:
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111 es, Introd. to Phonetics.
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stories from tbe Sermones Vulgares of Jacques de Vitry. —
Skeat, Larboard. — Haies, Milton's Lycidas. — 3328:
Gollancz, Pearl, an english poem of the XIV"' Century.
— A. Heulhard, Rabelais, voyages cn Italie, son exil
ä Metz. — Aitken, .'<wift and Stella. — G. B., Larboard.
— Dyer, Tbe authorship of tales from Boccaccio and
Florentine Tales. — 3329: Walter of Henley's Husbandry,
togetber witli an anonymous husbandry, sencsebaucie and
Robert Grosseteste's rules, tbe transcripts, translations and
glossary by Elizabeth Lamond, witb an introd. by W. Cun-
ningbam. — Larboanl, lair-cart. — The ^utborship of
tales from Boccaccio and Florentine tales. — 3330: Rhys,
Studies in tbe Artburian legend. — Keats. — 3331: Skeat,
Demure. — 3332 : Letters of John Keats to bis family and
friends ed. Colvin. — 3333: Sir Philip Sidney, an apölogie
for poetrie ed. Schuckburgb ; Sir Pb. Sidney, The defense
of poesy ed. Cook. — Colvin, Keats's letters. — 3334:
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de Montchrestien. — OEuvres oratoires de Bossuet p. p.
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primerie ä Niort et dans les Deux-Sevres. — 37/38 : Rod,
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ture nationale alleniande. Vol. 125 — 160. — 39: Bonnet, Le
Latin de Gregoire de Tours. — De Puyuiaigre, Les vieux
auteurs castiUans. — Bizos, Ronsard. — D'Haussonville,
M' de Lafayettc. — De Crozals, Saint-Simon. — Rousse,
Mirabeau. — 40: Flamini, La poesie lyrique en Toscane. —
Lotheissen, Etudes sur l'bistoire de France au XVII" et au
XVIII" siecle. — Dejob, Bernardin ile Saint-Pierre. —
Albert, La litterature frangaise sous la Revolution, l'Enipire
et la Restauration. — 41 : Vollmöller, Le laberinto anioroso.
Rev. poL et litt. 7: T. de Wyzewa, Uue soeur de Char-
lotte Bronte: Emily Bronte. — Im Courr. litter.: P. Loti,
Le Livre de la Pitie et de la Mort. — 8: Ch.-V. Laug-
lois, La societH du moyen äge d'apres les fableaux. —
P. Gau tili ez, La Renaissance italienne et son dernier
bistorien franQais (Eugene Müntz). — F. Vanderem,
Parnii les lelibres, notes de voyage. — 9: Beriebt über
L'Enquetc sur l'evolution litteraire par Jules Huret (Unter-
redungen mit G4 Literaten über die heutige franz. Literatur).
— 10: J. Guillemot, La comedie et l'esprit parisien. —
Im Courr. litt.: Jules Simon, Nouveaux niemoires des
autres. — II: G. Lanson, Le theätre classique au tenips
d'Alexnndre Hardy. - Üeorgos Üramles, M. Guy ile
Maupassant. »
Lectnres et Jlemoires de rAcaileniie de Sainte-Croix
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poetes au WV siecle. Jean et Jac(|ui>» de la Taille.
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Le Comte de Tressan.
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T h i 1- I. o r r a in , \5n liabcdais ineonnu.
Nuova Aiitologia Anno XXVI, 3. Serie, vol. 3.5. läse. 17:
R. Reni/'r, butl'uni, nani c sehiavi dei Gonzaga ai tempi
d'Isabella d'Lsto.
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M. 2,60. II. Naturwissenseliaftl. Schriften. 6. Bd. Zur Morpho-
i logie 1. Tbeil. VIII, 452 S. M. 4,60; grosse Ausg. .M. 5,75.
'■ m. Tagebücher. 4. Bd. 1809-1812. IV, 431 S. M. 4,40;
grosse Ausg. M. 5,50. IV. Briefe. 7. Bd. Weimar. 1. Jan.
1785 — 24. Juli 178G. XIV, 478 S. M. 5; grosse Ausg. M. G,25.
Grimm. Deutsche Sagen. Hrsg. von den Brüdern Grimm.
' 3. Aufl. In zwei Bänden. Besorgt von Herman Grimm.
Berlin, Nicolai, gr. 8. M. 6.
Halatschka, R., Versuch eines sprachlichen Coniraentares
zu Goethes Ipbigenie auf historischer __Grundlage. Progr.
' Wien. Leipzig, Fock. 47 S. 8.
Hebbels, Fr., sämmtl. Werke. (Neue billige Ausgabe in 12
Bänden.) 1. Halbbd. Hamburg, Hoffmann & Campe. 128 S.
8. M. 0,50. •
Hegewald, Die Vorzüge der deutschen Sprache. Ein Wort
an Lehrer und Laien. München, Liter. Institut. 34 S. 8. M. 1.
Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung.
Band XVI (Jahrg. 1890). Norden, Soltau. 10' . Bogen gr. 8.
M. 4. [Inhalt: Herrn. Brandes, Hernien Botes Bock van
veleme rade. — Edw. Schröder, Jacobs von Ratingen
Lied auf das Breslauer Hostienmirakel von 1453. — C.
Walt her, Zum Redentiner Spiel. — K. E. H. Krause,
Die Bohne und die Vietzebobne. — Alfr. Puls, Tannbäuser-
lied und Maria tzart. — Ludw. Hansel mann. Brauu-
schweigische Fündlinge. VIII. Sanct Annen Preis. IX. Marien-
ieich. X. Ave maris Stella verdeutscht. XI. Ritmen de assen-
sione doinini. XII. Weiss und grün. XIII. Weltsprueh. XIV.
Judeneid. XV. Heilzauber. XVI. ,Wo soll ich mich bin
kereii" etc. niederdeutsch. XVII. Schampernollcken. --
D e r s. , Eine merkwürdige alte Fälschung. — C. W a 1 1 h e r ,
Ueber die Sprache der Wedenier Urkunde. — Ders. , In
Drunten varen, na Drunten gliden. — L. H. Fischer,
Job. Leonb. Frisch als Sammler märkischer Idiotismen. —
Edw. Schröder, Ei/lenspiegels Grabstein. — H. J e 1 li ng-
haus , Lübecker Sehulvokabular v.J. 1511. — R. Sprenger,
355
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356
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Zur Kritik uml Krkläruujj <ks Tliio|)hilus. — lid. Dnin-
kühK-r, Zu HiThiird vuii MindiMi. — Kdw. Sihrüiler,
Kin liit.-nii'dordeulselies Trin'tnt aus Hursl'ildo. — Juli.
Luther, .'^alzwedel und die übriseii Urtsuaincn auf -wedel.
— O. lirenier, van Ueltoii, Altosifrios. tiraniinntik. |
Khull, l'".. Die Geschichte i'alnntekis und iler Jonisburger,
nach der jünjjsten altnordiäclicn Bearbeitung erzählt. Ornz,
Leuschnei- Ä: Luben.sky. ;i2 S. Lex.-S. M. 1,30.
Kl ui bc IIS c h e d I , IL, Krzhcrzog Ferdinand IL von Tirol
als Scliauspiohlichter. Progr. Görz. Leipzig, Fuek. -CJ S. S.
K r e )• e n b e r g , G.. Theodor Kürner. Kin Lebens- u. Charakter-
bild. Dresden, Khlermiinn. VIL 71 S. !<. M. 2,40.
Läng in, Th., Die Sprache des jungen Herder in ihrem Ver-
hältnlssznr Schriltsprache. Leipzig, Fock. 109 S. gr. S. M. 1,.")0.
Lateinische Literaturdenkmal e r. lieft 4 : Philippus
Melanclitlion, ausgewählt und hrsg. von Karl llartfelder.
lierlin, Speyer & Peters. M. 1,75.
M ü 1 1 e r- F r a u ens t 0 i n, Georg, Von Ileinricli v. Kleist bis
zur Grätin Maria Ebner-Ksehenbnch. Zehn gemeinverständ-
liche Vorträge über die neueste deutsche Literatur. Han-
nover, Ost. a92 S. 8. M 4,.50. (Inhalt: I. Die deutschen
Befreiungskriegs- Dichter. 2. Dcutsclic Romantiker. 3. Die
schwäbische Diclitnng. 4. Üesterreicli. Diclitcr. f^. Rückert,
Platen, Heine. 6. Das junge Deutschland. 7. Die deutsche
Lyrik in der Mitte des 19. .Ih.'s. 8. Deutsche Erzähler aus
iler Mitte iles 19. Jh. 's. 9. Deutsche Dramatiker aus der
Mitte des 19. Jh. 's. 10. Romanschriftsteller und Novellisten
der neuesten Zeit.]
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Clodius vom Jahre 16ü9. Ein Beitrag zur Geschiclite des
deutschen Liedes im 17. Jh. Berliner Üiss. Leipzig, Fock.
fi6 S. 8.
Oswalds v. W o I k e n s t o i n Dichtungen, übersetzt von L.
Paasarge. Reelams Universalbibliothek Nr. 2839—40.
Pasch ke, P., Ueber das anonyme nilid. Gedicht von den
sieben weisen Meistern. Breslauer Diss. Leipzig, Fock. 54 S. 8.
Predigten, nltdentsclie. Hrsg. von Ant. E. Schünbach. 3.
Bd.: Texte. Graz, Styria. l.\, 450 S. Lex.-8. M. 9.
Salz er, A., Die Sinnbilder und Beiworte Maricns in der
deutschen Literatur und lateinischen Ilymnenpoesie des
Mittelalters. Mit Berücksichtigung der patristisclion Litera-
tur. Eine litcrarliistor. Stuilie. (Fortsetzung.) Progr. Seiten-
stettcn. Leipzig, Fock. 52 S. 8.
Soll eich, R., Der Humor in den Predigten Bertliolds von
Regensburg. Progr. Mähr. Weisskirchen. Leipzig, Fock.
24 S. 8.
Sokolüwsky, Rud., Das Aufleben des altdeutschen Minne-
sangs in der neueren deutschen Literatur. Jenenser Diss.
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ileutsche Umgangssprache in Oesterr. -Schlesien, besonders
von Troppau und Umgebung. Progr. Troppau. Leipzig, Fock.
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der Wissensch. hrsg. von Ignaz v. Zingerle u. Josef Egger.
IV. Theil: Burggrafcnamt, Etschland, Elsackthal u. Pustor-
thal. Zweite Hälfte (Oesterr. Weisthümer V. Bd. IL Hälfte).
41 Bogen gr. 8. M. 40. — Als Separatnbdruck hieraus:
Glossarium zu dem I. bis IV. Theil iler Tirolischen Weis-
thümer. Zusammengestellt von Josef Egger. lO'/j Bogen
gr. 8. M. 10. Wien, Braumüller.
Welsmnnn, IL, Tlieoilor Körners Leier u. Sehwert, vom
biiigraphisclien, ästlietischen und kulturgescliichtl. Stand-
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IV, 312 i>. Paris, ilaclii.ttc et C'. fr. 2.
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relatloii tu Miltiiirs „Parndise lost" and Gessner's „Death of
Abel". Progr. der Oberrcalscli. zu Oldenburg. 12 S. 4.
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par l'iibbe A. Rosne. Paris, Didot. XLIII, 297 p. 18. fr. 2,50.
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Varnhagen. XL Heft: Lnrd Byrons Trauerspiel , Werner''
uml seine Quelle. Erlangen, Deichert. .M. 1,80.
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Programm Reichenbach i. Schi. 24 S. 4.
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burgh and London, W. Blackwood aml Sons. 192 S. 8.
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leitung und Anmerkungen von Fritsche. Leipzig, Neumann.
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engl. Literaturili'nkuirtler des 1(5. Jh. 's. I. Giovanni Pico
della .Miraiidühi. llis lifo transliitod from the Latin by 8ir
Thomas More. Nach der Ausgabe von 15I(t. Mit Einleitung
von d. H. Rigg. M. 10,50. — II. Daphnis and Chloe. Die
Uebersetzung der Angel D.iy (1587). Abdruck des einzig
bekannten Exemplars. Mit literaturgcschiclitl. Einleitung von
1). Jacobs. M. 10,50. — III. I'oliphili Hypnerotomachia.
The Strife of lovc in a dreame (1592). Abdruck des einzig
beka nten Exemplars. Mit Einleitung von A. Lang. M. 21.
London, D. Nutt.
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mit Anmerkungen in deutscher, frnnz. n. engl. Sprache hrsg.
von A. Scartnzzini. 6. Bämlchcn: Fiorilcgio di ))oesie italiane.
Scelte in ogni secolo della Ictterntura italiana per A. Scar-
tazzini. Daves, Richter. 248 8. gr. 8. M. 3.
Bibliothek, italienische. Hrsg. von J. Ulrich. II. Bd. : Aus-
gewählte Novellen Sncchettis, Ser Giovannis und Sercambis.
Mit einer Einleitung versehen v. J. Ulrich. Leipzig, Rcnger.
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XII et XIII sieoles. Paris, Bouillon. 106 p. 8. fr. 3,50.
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n^tique et morphologique de ce ilialecle, tel {|u'il est parle
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90 p. in-8, accompagne d'une carte, fr. 2,50.
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Puhliee nvec intrmliK'tiun et nutis par Werner SaMlerlijelm.
In-8, X, 27 p. .Montpellier, imp. Hamelin fröres. Extrait de
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Bibl. di-l Soniiiiario di Padova.J Per le nozzc d'argcnto
Indri-liersclli.
Cülecciüu de Escritores castellanos. Tomo LXXXIX. Obras
completiis de D. Andres liello, Opüsculos grumatica'.es. Tomo
II. Änälisis ideolögica ; compendio de fjraniätica castclluna.
Madrid, Murillo. En 8, 4UU p. 4 y 4,n0.
Colonna, Vittoria, Tre sonetti Inediti. Ronin. 12 p. 16.
Pubbl. da Donicnico Tordi per il jfioruo natalizio della
figlia Giulietta.
Correggiari, Mat., Le rime, a cura di Ernesto Lamnia.
Bologna, Roniagnoli. LXIII. öl p. IB. L. 3,50. Scelta di
curiosita Ictterarie etc. CCXLI.
Cosmo, Unib., Primi saggi. Padova. 58 p. 8. [Inb.: Le primc
ricercbc intorno alh» originalitä dantesca : Le stampe della
comracdia e dello opere rainori di Dante nel secento; Gli
aniori di papa Henedetto XII con Selvaggia sorella del
l'etrarca, storia di una leggcnda.]
Dante A 1 i g b i e r i , II Paradiso, col conimento del prof.
T. Casini. Firenze, Sansoni.
D'Aragona, Le rime di Tullia, cortigiana del secolo XVI
edite a cura e studio di Enrico Celani. Bologna, Romagnoli.
LXIII, 176 p. lö. L. 8. Scelta di curiosita Ictterarie etc.
CCXL.
Dönne, F., Syntactiscbe Bemerkungen zu Don Juan Manuels
Scliriften. Progr. Jena. Leipzig, Fock. 24 S. 4.
Erec und Enide von Christian von Troyes, hrsg. von Wen-
delin Foerster (Christian von Troyes sämratl. Werke, t. 3).
Halle, Xicmeyer. In-8, LV, 340 p., plus une i)age de , Zu-
sätze". Das Verhältniss von Christians von Troyes Erec
et Enide zu dem Mabinogion des rothcn Buches von Bergest
Geraint ab Erbin (Inaug.-Diss. von Karl Otbmer. Köln, Du
Mont, impr., TU p. in-8): par M. W. In-8, 7 p. Chalon-sur-
Saöne, inipr. Marcau. E.xtr. du Moyen Age de juin 1891.
Extraits de la Chanson de Roland. Publies avec une intro-
duction litteraire, des observations granimaticales, des notes
et un glossaire complet par Gaston Paris. 3' edition, revue
et corrigee. Petit in-lti, XXXIV, 166 p. Paris, Hachette
et C fr. 1,50. Classiques francais.
Fiammazzo, A., I Celti in Friuli: nota. Udin«. 9 p. 8. ?.-A.
aus ,In alto", anno II, Xo. 4.
Flamini, Franc, La Lirica toscana del Rinascimento an-
teriore ai tempi del Magnifico. Turin, Loescher. 811 p.
gr. 8. fr. 20.
Fleury, Jean, La Presqu'ile de la Manche, ou Supplement
au Patois normand de la Hague. Paris, Maisonneuve. 56 p.
8. fr. 1,50.
Fumoso. Discordia d' amore : commedia nuova rusticale com-
posta per il pellegrino ingegno del Fumoso de la congrega
de' Rozzi, novamente starapata [a cura di Curzio Mazzi].
Siena. 31 8. 16. Biblioteca popolare senese del secolo XVL
Nr. 2.
Gidel, Charles, Histoire de la Litterature frangaise de 1815
ä nos jours (2" partie). ün vol. in-12. Paris, Lemerre, fr. 3,50.
Goldoni, Car., Teatro scelto, illustr. da Giacomo Manl:e-
gazza. Milano, Sonzogno. 709 p. 4. L. 10.
Keiper, P., Französische Familiennamen in der Pfalz und
Französisches im Pfälzer Volksniund. I'rogr. Zweibrücken.
Leipzig, Fock. 76 S. 8.
— — , Franz. Familiennamen in der Pfalz und Französisches
im Pfälzer Volksmund. 2. Aufl. Kaiserslautern, Gotthold.
84 S. 8.
Labanca, Bald., Carlomagno nell'arte cristiana. Roma,
Löscher. 292 p. 16.
Leclaire, C, Etüde sur La Fontaine. Progr. Prag. 14 S. 8.
Le Xeveu de Rameau, par Diderot, satyre publiee pour la
premiere fois sur le ms. originale autographe, avec une
introduction et des notes, par G. Monval, accompagnee d'une
notice sur les premieres editions de l'ouvrage et de la Vie
de Jean Rameau, par Er. Thoinan. Paris, Plön et Xourrit.
XXXIII, 232 p. fr. 6.
Lettres de Menage ä Magliabecchi et k Carlo Dati, publ.
avec une introduction et des notes par Leon-G. Pelissier.
(Documents annotes, XII.) In-S. VI, 37 p. Montpellier, inip.
Haraelin freres. E.xtrait de la Revue des langues roraanes.
Medin, A., Del capitanato in Padova di Obizzo degli Übizzi
e del nome ,Ecerinis", risposta al prof. A. Gloria. Padova.
— , II probabile autore del poemetto falsamente attribuito
a Francesco il Vecchio da Carrara. Venezia.
:d p.
Menendcz y Pelayo, M., Ant<ilogi'a de poetas li'ricos
castellanos desde la forniaciön del iilioma haata nuestroR
dias, ordenada por D. Mareelino Menendez y Pelayo. Tomo
IL Madrid, Impr. de la Viuda de Hernando. Eu 8, LXXXIII,
304 p. 3 y 3,.50. Biblioteca cläsica. Vol. 149.
Menghini, M., Versione in ottava rima del ,Miraeolo de'
tre pellegrini" (cod. 363 della Bibliot. V. Kmanuele di Koma,
prima metä del sec. XV). Per le nozze Marohesini-Crotta.
lliserocchi, Gactano, Due Sonetti di Lorenzo Mosclii, tre-
centista. Pesaro, Federice. Per le nozze Vaecai-I'iociola.
M y s t er e , le, ile Saint-Eustache. joue cn 1504 sous la dircction
de B. Chancel, et public par l'abbe Paul Guillaume. 2'' ed.,
suivi^ d'une traduction frangaise. In-8, 163 p. Montpellier,
inip. llamelin freres.
Xinni. A. P., Ribruscolando. Saggio di una raccoltina di
indovinelli, proverbl, canzoncine, componimenti rimati ed
altri, usafi anche oggidi dal popolino veneziano. Venezia,
Longhi e Montanari.' 2 Hefte. 8. S. 1-107: 111—222.
— — , Voci banibinesche della lingua vernacola vencziana.
Venezia, ib. 11 S. 8.
— — , Xozioni del popolino veneziano sulla somatomanzia.
Venezia, ib. 16 S. 8. 2' edizione con aggiunte. 27 S. 8.
— — , Superstizioni e credenze, proverbi, indovinelli, ecc. del
contado di Treviso. Venezia, ib. 38 S. 8.
— — , Aralilica pescatoria. Venezia, ib. 8 S. 8.
, Giunte e correzioni al Dizionario del Dialetto Vene-
ziano. 3 Serien. Ven-zia, ib. 121 — 148—263 S. 8
Orsi, Delfino, II teatro in dialetto piemontese: studio critico.
Milano. 93 p. L. 2.
Petrei, Piero, In lode del vino di Lucolena: capitolo [con
note di I. Dol Lnngo]. Firenze. Pubbl. da Carlo Del Lungo
per le nozze di Alfonso Marchesani con Leontina Hombert.
Roman, le, en prose de Tristan, le Roman de Palamede et
la conipilation de Rusticien de Pise. Analyse critique d'apres
les manuscrits de Paris par E. Loeseth. Paris. Bouillon.
XXVI, 542 p. gr. 8,. fr. 18. Forme le_ 82« fascicule de la
Bibliotheque de l'Ecole des Hautes Etudes (Section des
Sciences historiques et philologiques).
Romizi, Ang., Paralleli letterari fra poeti greci, latini e
italiani. II. ed. ampiata. Livorno. 281 p. 16.
Samarini, Pa., Silenzio di Dante e disdcgno di Guido: con-
tributo alla critica dantesca. Oneglia, Ghilini. 21 p. 4.
S a m o u i 1 1 a n , Alex., Etüde sur la chaire et la societe fran-
caise au XV" siede. Olivier Maillard. Sa predication et son
temps. I'aris, Thorin. 353 p. 8.
Satires et Portraits au XVII" siecle : Boileau, Racine, La
Bruyere, avec notices; par Emile Fagnet. Un volunie orne
de portraits (reproduction de la Bibliotheque nationale).
In-8, 144 p. Paris, Lecene, Oudin et C. I'etite Bibliotheque
des auteurs francais, publiee sous la direction de H. Lecene.
Schäfer, H., üeber die Paiiser Hss. 1451 und 22555 der
Huon de Bordeaux-Sage. Beziehung der Hs. 1451 zur ,chan-
son de Croissant": die „ehanson de Huun et Callisse"; die
,chanson de Huon, roi de foerie". Marb. Diss. 48 S. 8.
Schmid, P., Erklärung schwieriger Stellen in Corneilles
Horace. Leipzig, Renger i. Comm. 8 S. 4. M. 0,40.
Schnellbächer, K., Ueber den syntactischen Gebrauch
des Conjunctivs in den Chansons de geste: Huon de Bor-
deaux, Amis et Amiles, Jourdains de Blaivies, Aliscans,
Aiol et Mirabel und Garin le Loherain. Giess. Diss. 59 S. 8.
Söderhjelm, Werner, Das Martinleben des Pcan Gatineau.
Bemerkungen über Quellen und Sprache. Helsingfors. 48 S.
8. S.-A.<ius den Coninientationes variae in menioriani actorum
(;CL annorum edidit Universitas Hulsingforsienses.
Solerti, Angelo, Versi del padre Dionigi Solerti (f 9 giugno
1633). Per le nozze Ferrari-Solerti.
Steffens, Georg, Rotrou-Studien. I. Jean de Rotrou als
Xachahmer Lope de Vegas. Oppeln, Maske. M. 3.
Tancredi, Giov., La figura di Carlomagno nel „Morgante
maggiore". Sapoli. 20 p. 8.
— — , La materia e le fonti del poema maecheronico di
Teofilo Folengo, corredate di riscontri con le pruduzioni
straniere di F. Rabelais e M. Cervantes: tesi di laurea
presentata nella r. univ. di X^apoli. Xapoli. 111 S. 16.
Tasso, Torquato. Poemi minori. Ed. erit. a cura di Ang.
Solerti, con studi di G Mazzoni Vol. II. Rologna, Zanichelli.
LXXVII, 555 S. 16. iliih. : 1. Del Montoliveto e del Mondo
I creato: studio di G. Mazzoni. 2. Illusrratioui bibliografiehe.
3. II iiioiidu ifCiit-i. 4. Appendiei (I primi tre canti e i
canti V, IX, XII della Gerusalemme secondo un primitive
1 abbozzo ; correzioni autografe al canto XII della Gerusalemme
;5<t
18'Jl. Litoi'UturbliiU für gomiiiniticlR' und ruiiiuiiiüclie l'liiloluf^iv. Nr. 10.
360
(lii Uli iiiunusci'ittu ili Moiilpellier ; lu Vita üi S. itciiudctto,
8taiizo ujj;;''""'' "' Kluridiiiitc du Beniaido TassoJ.
Ti'/. a. Km., I'i uii cuiii|ioii<liu dt-l C'oiaiiii in ispagiiido con
Iflleie arabirlii! (mss. fioii'iil.): iiüta. Rmna. !< p. H. Aus
lU'iidicoiiti di'lla r. iiccadL'nÜH dei Liiioei vol. VII, 2" hc-
iiU'8ti-(', fasc. ;t.
rßrracii. F., Mnnunle dclln Icttcraturu italiaiia, vol. III.
Si'C. edizione rivixta e iiccresciutn. Kireiize, Saiisi>iii.
V (Kta I) ola r i o dt'gli accndcniioi ilclla Crusea. (Juinta impr.
Vol. VIJ, l'aso. 2. Giurniilista — Uraiia. Kirciize, Le Monnicr.
S. 241—480. 4.
V 11 re t z s 1- li , C, Ueber die Sage von Ojjici- dem nSiien und
die Kntstcliuiif; der Clicvalerio Ofjicr. Kiii licilra;; zur Knt-
wicklunR des altlVaiiz. Ileldeiirpus. Halle, Nieiiioyer. 127 S.
8. M. 3.
Literarische Mitt heilungeu, 1' er so na 1-
nachriclitcn etc.
Viini Sprachatlas des Deutschen Reichs, mit
Unterstutzuiif; des Reichs und des k. preuss. Ministeriums der
geistl. etc. .\n!;eleseulieilen bearbeitet von Dr. (!. Wenker
in Marburg und den derzeitigen beiden HiH'siirbeitern Dr. F.
Wreile und Dr. E. Maurmaiin, wcrilen Jetzt reselmässiK
im Jniin;ir und Juli <lie in Ilanilzeiehiuiiiic fertigen Karten an
die k. liililiothck zu iierlin abgeliefert, de drei Karten, ".") : 80
cm gross, im Massstabe 1 : 1 OOU 000, l)ililen iils lilatt nordwest,
nordost, Südwest das Deutsche Reich und bringen Kin Wort
zur Darstellung, indem dessen heutige Formen aus den ca.
40000 deutschen. .'i02 französischen, >''- littauischen, 7!» wen-
dischen, 12.J7 |)olnisehen, HO bühniischen Orten, aus welchen
Dr. \V. Material besitzt, in ilie stets gleiche geegraphische
ITfiterlago farbig eingezeiclinet sind, .ledern Worte ist ein
handschriftlicher Text zur Erläuterung beigegeben. Es sind
bis jetzt folgende 23 Wörter (= HO Karten) abgeliefert worden:
balil, lictt, Urot, drei. Eis, Feld, Gänse, gross, Hunil, Kind,
fjuft. Mann, müde, nichts, Pfund, Salz, sechs, sitzen, toilt,
was, Wasser, Wein, Winter. — lieber die weiteren Abliefe-
rungen soll an dieser Stelle jedesmal im Januar und Juli be-
richtet werden.
l'rivatdocent Dr. Theodor Vetter wunle zum ao. Pro-
fessor für engl. Spraclie und Literatur an der Universität
Zürich ernannt.
An der Universität Halle habilitirte sich Dr. C. Vo-
retzsch für das Fach der romanischen Philologie.
K. Muret wurde zum I'rofessor der rom. Philologie an
der Universität Genf ernannt.
t zu Paris im August Aug.-Cli.-Jos. Vitu (geb. 7. Oct.
1823).
t am 8. August zu La Bourbole der Professor der roman.
Phih)logie an der Universität Freiburg i. Schw. Hubert-Eugene
Rabiet (geb. Ili. Juli Is.iS zu Bourberain | Cöte-irOr]).
t zu Leipzig am l.i. Octobcr Professor Dr. p'riedrich
Zar ticke (geb. 7. Juli 1825 zu Zahrenstorf bei Brücl in
Mecklenburg).
Her ic ht ig u ng. Sp. 324, Z. G v. u. I. .,South .\fri-
can" statt , South American".
Abgeschlossen am 15. October 1891.
Die Herren Fachgonosscn werden gebeten vor Benutzung
meiner Ausgabe von ,Flori8 et Liriope" folgcmlc Besserungen
vornehmen zu wollen: S. XVII Z. 15 v. o. 1. foineruis st.
iiiiifiroin. — Z. 25 V. o. 1. ileseiiraiice. — S. XVIIl Z. 3 v. o.
1. Xoniin. 8t. Plural. — S. XX Z. 3 v. u.: suii (^ snlui) und
von ( roliii) erklären »ich durch Analogie zu tsii/mi oder
eher aus rail"""- und .soll""". — S. XXI Z. 7 v. o. I. 14(>, 237
st. 145,236. — Z. 12 \. u.: Jiiiicr findet sich allerilings schon
in ältiMcn Texten ( - Jiiiiaic). — S. XXIII Z. 2 v. o. : cc (lat.
.11 und lat. .v/c als coordinirende Partikel). — Z. 1 1 v. u. von
,1422" an, sowie Z. 10 sind zu streichen, da \i'S'2 qm-lr . , .qiir
das verallgemeinernde Pronomen ist, lö2'.l besser eil steht
(Parataxe st. Ilypota.xe) unil 12113 S'iiroc der IIs. beibehalten
werden kann, wenn man nach euliiiii' Punkt und nach eoh'S
Komma setzt. — S. XXIV Z. 22 f. v. o. sind .53t> liitiiite::,
'.lO'.t (/oi((0)-f, (>'J, 1210 colors ebenso Z. 7 v. u. ö3() (/iiiiiz, als
Nominative, zu streichen. — Z. 13 v. u. 281 rciius ist ein
SchrcibfchliT. — Bei der Fle.xion des Adj. und Partie, wäre
noch zu erwähnen 331 Kciiilihinic und 784 scmbliint; auch 331
könnte -iil stelon, wenn iumh rjiie in schreibt. — Beim Zalil-
wortc ist au(di 1024 ninhii N. V. zu nennen, da Floris als
Mädchen zum .Mädchen spricht. — Zu S. XXV Z. 1 ist zu
erwähnen das einmalige Vorkommen der uiiorg. Form im
CoiiJ. der I. Conjg. — Z. 12 v. o. 1. siii st. hii, Z. 13 la Im
st. Sil I., welch letzteres wie 3t;4 // sims nttrib. Poss. ist. —
Z. 1!»: 1107 hv „wer" ist subst. Pron. für ki. — Z. 1 v. u. :
(loiinl Conj. tlil/euii/. — v. 20 viell. besser lies st. ml. —
28 Scinicolun nach jireii. — 3S Punkt nach avroil. — 3!t
Komma nach dcsciwem. — 40 pnre (Ptp.) st. purer und Seini-
eolon nach dlnrs. — 83 Komma nach flur, — 237 st. ii'eii
viell. besser ii'i. — 27t> aiiciine st. uiieuiie.<. — 281 eerlu st.
eerliia. — 2S7 Qii'ele st. (^iie le. — 344 I. Knir'eiis. — 430 I.
ptirocit. — 445 Komma nach jiurra. — 475 Komma nach iiil.
— 483 I. hieiii'ii/iiaiit. — 513 c'enliisse. — 523 Oeti. — ,52^
Viell. iie St. je, oder veolr im Gegensatz zu esijiirder. — 53i',
1. yriins biaiilez. — 539 or nie. — 541 tuiile cliose. — 554
c'cle. — 573 non. Doiil. — 590 Fragezeichen nach umie. —
641 Punkt nach eiilvr. — 642 Komma nach ilolour. — 643
h-e — ki. — 658 poiiiy. — 676 Komma nach deulresce. —
Nach 728 scheinen dem Sinne nach zwei Verse zu fehlen. —
Nach 746 .Anführungszeichen, nicht nach 752. — Nach 764
Scinieolon. — Nach 765 tilge Komma. — 769 I. ^os. — 801
.s^-sleiif. — 858 (/(/h/»7 in/iiit. — 863 tilge Komma nach (»7.
— 879 Fragezeichen nach eliaiit. — 893 Dm. — 947 I. s\li
se. — 1016 r/r<iHs. — 1023 Qiiaiif. — 1071 Vidi, besser mV».
- 1103 SemiColon nach moi. — 1116 -Anführungszeichen am
Emle. — 1165 I. Com. — 1175>i-. — Nach 1210 Punkt. —
1222 Anführungszeichen nach deroie. — 1266 Komma vor
veiiez und 1274 vor jjoii. — 1281 1. eil. — 1282 zu /.<■ vgl.
1018. — 12S6 1. redrcciee. — Zu 1293 s. oben die Bemerkung
zu XXIII. — 1307 Komma nach Dame. -- 1331 I. mere, luni
Ar. — 1369 nach jitiis Semicolon. — 1370 1. seiis; Komma
nach reqiih. — Semicolon nach 1390 und nach 1431. — 1456
viell. besser fiii iip. — 1532 Komma nach ei. — 1552 besser
(tint st. tiil. — 1573 Komma nach ./;»■/, F'unkt nach jirisl. —
1698 Anführungszeichen nach veiiiit! st. 1097. — 1706 besser
liiil st. toiil. — 1708 I. ((// St. 11/ ci a. — 1731 I. eher oiil
pechie.i und die Wortstellung von A. — Anmerk. 69, 536,
1210 und 1708 sind wegzulassen. — 689 cumaiis gehört dein
Schreiber. — Im Wortverzeichniss 1. eseliupeiiieiit st. ecli. unii
et-ehiiiifer st. eeli. .Aufzunehmen wären noch 1592 denlntili
und 383 mirrois. W. v. Zingcrle.
«tl« Literarische Anzeigeu. H^
Verlag des Art. Institut Prell Füssli in Zürich.
Eleiueiitarbucli (lor Irauzösischeii Spraclie
füi Oberrealschulen, Roalschiilen und ver-
wandte Anstalten. \'on Dr. Gustav
Luppe, Oberlehrer an der Oberrealschulo
zu Kiel und Julius Üttens, ord. Lehrer
an der Oberrealsehule zu luel.
I. TICIL. Das erste Schuljahr. In Rück-
und Kckledcr geb. M. 1.50.
II. TEIL. Das zweite ."^chiiljshr. In Rück-
und Eckleder geb. M. 1.80.
III. TEIL. Das dritte Schuljahr. In
Rück- und Eckleder geb. M. 2. —
IHllt
S E X r A
QUINTA
FÜK
Q ü A U T A
Fiaiizosisclie Schiil^raminatilv im Anschliiss
l'l'l" an das Elomeutarbuch von Luppe-Olteiis.
^'^"'"''''iVIs''''''''^ Bearbeitet von .1. Ottens. In Rück- und
UNTEIiSKKlNl).\. Eckleder geb. M. 2.-4i>.
* n* Der in dieser Gramnuilik gebotene
Lernstoff ist auch für Oborsekunda unil
Prima ausreichend.
sbncli z. Übersetzen ins Französische.
fi'I! Im .\nscldua30 an des Verfassers Schul-
'^'''''''lUS ''''^ grammatik von J. Ottens. In Rück- und
UNTERSEKUNDA Eekleder geb.- M- 1.40.
fjt^ Hierzu eine Boilag:e von F. A. BrockllilllS
in J.iipzig-, sowie ein Piospect der Firma T. (). Weigel
Xachf. in Leipzig, bctietfeml im Preise ermässigte
Werke aus dem Gebiete der Sprailikunde.
Übnng
Vorantworilicher Redactcur Prof. Dr. Fritz Neuninnn in Heidelberg. — 0. Otto's Hofbuehdruckeici in Darmsladt.
LITERÄTURBLATT
FÜR
GERMANISCHE UND ROMANISCHE PHILOLOGIE.
HERAUSGEGEBEN VON
J3R. OTTO BEHAGHEL und D"- FRITZ NEUMANN
o. ö. Professor der germanischen Pliiloloffie
!in der Universität Uicä^en.
0. ö. Professor der romanischen I'hiJolofjie
an der Universität Heidelber;;.
Erscheint monntlicli.
VERLAG VON
O. R. REISLAND, LEIPZIG.
Preis halbjährlich M. 5.
XII. Jahrgang.
Nr. 1 1 . November.
1891.
Wolfs Linj^uist. Vademecura (Dehajfhel).
Müller, Zur P-ntwieklunijsgesehiehte des indo-
pcrmaii. Verhalbaus (Bebaijhelf.
Schmidt, Die Pluralbildungen der indogcrniaQ,
Xcutra (S ü tt er 1 inf.
J c 1 1 i n c k , Beiträge zur Erklärung der gCTiaaa.
Flexion tU i r t).
Hart mann von Aue, Iwein, hrsg:. von Hcnrici
(Heh a gh e lt.
Kckius dedolatus, hrsjj. von Szamati'ilski
(Franke 1).
P i n 1 o ch e . De Shakespearii Haraleto et germanica
tragoedia quac inscribitur »Der bestrafte Bruder-
mord- (G 1 ij de).
Flaischlen, Otto lleinrich von Gemmingen
(M u ue k er).
B ii 1 b r i n g , The earliest eomplete english Prose
Psalter (K o e p p e 1).
Kristian von Tpoyes, Yvain hrs^. v, FoersteP
(O o 1 1 h e rl.
Meier, Ueber die Didotragödien des Jodelle, Hardy
und Scudery (Ma h r e n h o 1 1 z).
Pirandello, Laute und Lautentwicklung der
Mundart von Girgenti (M e y e r - L ü bk e).
Rossi, Guarini ed 11 Pastor Fido (Stiefel).
Munthc, Anteckningar om folkmalet i cn trakt af
vestra Asluricn (Bai st).
, Folkpoesi fran Asturien (B a i s t).
, Romance de la tierra (Bai st),
» Observations sur les composcs cspa^ols du
type „atial'ierto* (B a i s t).
Wolff, Prolegomena der literar-evolmionistischcn
Poetik (Siebeck).
Bibliographie.
Literarische Mittheilungen, Pcreonal-
naehrichten etc.
Fränkel. Anfrage und Bitte.
Wolfs Linguistisches Vademecnni. Eine alphabetisch und
systcniatiscli geordnete Handbibliothek ausgewählter Werke,
AbbandUinsjen, Dissertationen und Programme auf dem Ge-
biete der Linguistik. III. Deutsclie Philologie. Allgemeine
Linguistik. Hilfswissenscliaften. Die Literatur bis 1886 1
enthaltend. Mit Register der Schlagwörter. Leipzig, Levien.
214 S. 8.
Gerne nimmt mau jedes Werk eutgegeii, das ivus
ein neues bibliograiihisclies Hilfsmittel darbietet. Das
Vorliegende Yademecnm freilich wUl wesentlicli bucb-
liändleiischcu Zwecken dienen mid macht Jteiue höhern
wissenscliaftlichen Ansprüche; aber auch so könnte es
dem Forscher nützlicli sein, wenn es nur etwas besser
g-earbeitet wäre. Xach welchen Gesichtspunkten die Aus-
wahl stattfand, ist schwer zu erkennen. Beispielsweise
sind ans den Beiträg'en die Abhandlungen von Braune
und Paul, freilich unvollständig-, verzeichnet, dageg'en
nicht die von Kluge; ebenso fehlen die wichtigen Arbeiten
von Tümpel und Xörrenberg. Das Verzeichniss der
Schlagwörter könnte vollständiger sein: es fehlt z. B.
Kinderlieder. Kinderspiele, Sjaitax. Wer wird Opitz
luiter Jlartin, Manzeunamen unter Botanik, Waidmanns-
sprache unter Forstsprache suchen? Die Zusammen-
fassungen unter den einzelnen Schlagwörtern sind theil-
wcise äusserst mangelhaft. Die Namen von Verfassern
metrischer Arbeiten stehen theilweise unter Metrik, theil-
weise unter Verskunst, und l)ei weitem nicht Alles ist
aufgezählt, was unter den Einzelrulniken verzeichnet
steht. Das Gleiche gilt von dem Artikel Mundarten;
hier fehlt z. B. Wiuteler! Dafür erscheint unter Luzeru
Zingerle mit seinem Lusernischen Wörterbuch, unter
Fränkisch Lachmann, offenbar wegen seiner Specimina
linguac francicae. Weinhold wegen seiner Bemerkungen
ülier die Bruchstücke des frk. Gespräehsbüchleiiis, Wendler
ich weiss nicht weshalb. i
Wir möchten dem Herausgeber dringend rathen,
bei einer Neubearbeitung gründlicher zu Werke zu gehen
und einen Fachmann zu Eathe zu ziehn. In der vor-
liegenden Gestalt erfüllt seine Arbeit nicht einmal die
Anforderungen des Buchhändlers in genügender Weise.
Basel. 0. Behaghel.
Müller, Heinr. Dietrich, Zur Entwicklnngsgeschichte
des indogermanischen Verbalbans. Göttingen, Vnnden-
hoeck & Ruprecht. 177 S. 8. M. 4.
Die Schrift enthält Untersuchungen über die Her-
kunft und die Grundbedeutung indogermanischer Formen,
insbesondere der Personalendungen, der Tempora und
Modi. Beispielsweise wird die historische Gestalt der
3. Pers. Sgl. Ind. Praes. mit dem schwachen Participial-
stamm gleichgesetzt und der Nachweis versucht, dass
ursprünglich nur der zweiten Person eiue Endung zu-
gekommen sei. Trotz unleugbaren Scharfsinns bringt
es der Verfasser nicht weiter als zu luftigen Hypothesen,
Dank vor Allem den Mängeln seiner Methode. Das,
was gewesen sei, will er erschliessen ans dem, was ge-
wesen sein müsse. Ich kann aber z. B. nicht einsehen,
weshalb bei der zweiten Person die Bezeichnung der
Person nöthiger war, als bei der ersten, warum nicht
in beiden Fällen die blosse Deixis gleichmässig genügte.
Ferner schreibt er der Ursprache eine merkwürdige
Neigung zu, den Abfall von Vokalen zu verhüten durch
Dehnung oder Zusatz beliebiger Consonanten. Ebenso
merkwürdig sind seine Kenntnisse auf dem Gebiete des
Germanischen; vgl. z. B. S. 21, wo er meint, dass
gr. ctxriQ „lautlich genau" as. oäar entspreche, und dies
wieder mit odey identiticirt wird, oder S. 25: „mau er-
klärt gewöhnlich swer, swaz aus so wer, so was, was
zu verwerfen ist, da ein langer Vokal nicht abfallen
kolinte-'.
Giessen. 0. Behaghel.
Schmidt, Jobannes, Die Plnralbildungen der indo-
germanischen Neutra. Weimar, Hermann Böhlau. 1889.
Vin, 457 S. M. 12.
In der sprachwissenschaftlichen Literatur der letzten
Jahre nimmt J. Schmidts Buch über die Pluralbildungeu
der idg. Neutra einen hervoiTagenden Platz ein. Zwei
Erscheinungen, führt der Verf. in den einleitenden Ab-
schnitten aus, machen es zunächst wahrscheinlich, dass
der Nom. Acc. Plur. des Neutriyns von Hause aus ein
Nom. Sing, eines femininen Colleeti\'nms war. Einmal
ist es im Griechischen Brauch, den neutralen Nom. Plur.
mit dem Singular des praedieativen Verburas zu ver-
26
363
1891. Litcraturblatt fQr germanische und romnnischc Philologie. Nr. 11.
364
binden; zweitens aber gehören häufig-, besonders wieder
im Grieehischen, aber auch iu andern Sprachen, neutrale
Plui-ale zu münnlicheu oder weiblichen Siugularen auf
-US, wie gr. ö <iTtoc neben r« öTnt, ö /('/(joV neben t«
fiijofi, lat. locus neben loca. Das Ug. hat also darin
etwas Aehnliches wie das Arabische in seinen Plurales
fracti, die im Gegensatz zu den gcwölinliclKii Plurales
sani eine Mehrzahl von Individuen nicht als einzelne,
sondern als (iesamratheit bezeichnen (alidroia mehrere
Sklaven, 'abldiui Sklavenscliaft). Der spätere neutrale
Nom. Acc. Plur. '^fuf/ä z. B. war demnach urs]trünglich
ein Xom. Sing, eines femininen rt-Stammes, der nach
Untergang der zugehörigen Cas. tM. *juf/as ^juijai
u. s. w. zu *ju(jöm *pigoisii, den pluralischen Casus
obliqui des neutralen o-Stamms *jii(/<h)i, in Beziehung
trat, selbst neutral wurde und nach dem Mnster des
Singulars *juf/öi)i auch als Accus, verwendet wurde, j
War dieses *J}irj6in, wie manche annehmen, ein alter
Accusativ, so fand eben, was an sich gar nicht auffällig
ist, im Plural zwischen Nom. und Acc. gerade die um-
gekehrte Ausgleirliung in der Verwendung statt als ehedem
im Singular. Eine Ersetzung des Nom. Plur. durch ein
singulares Collecti\iim aber konnnt ja auch sonst in allen
Sprachen vor (vgl. nur Otfrieds ißthigini, f/ihiilifi für I
t/iegana, knchfa). Sodann ist für die hier behaupteten
Bezieliungen im Allgemeinen zu beachten, dass überliaupt ;
Neutralformen öfter neben einem femininen Singular
ohne Unterschied der Bedeutung in derselben oder in
zwei verwandten Sprachen hergehen (hom. rd oiy.irt und
jj nhln, got. hairi und gr. a} jimit), sowie dass neutrale
Plurale schlechtliin wie Singulare gebraucht werden,
gerade wie wenn sie feminine Singulare wären (gr. r«
ro'J« im Sinne von rn rritov). Eine solche Vertauschung
ist aber nur bei einer alten Collectivbiklung niöglieli,
wie es das in der Bedeutung 'Mitkneclit' gebrauchte
got. f/askalJii und das im Sinne von 'Genosse' verwendete
got. f/omaii 'Genossenschaft' sind. Schon aus dieser
Darlegung folgt übrigens, dass die Neutralbildung des
Plurals bei den appellativen Substantiven aufgekommen und
von da auf die Adjectiva übertragen woiden sein muss.
Diese aus einer allgemeinen Betrachtung der Ver-
hältnisse sich als wahrscheinlich ergebende Erklärung
des Plurals der Neutra gewinnt bei eingehenderer Unter-
suchung bedeutend an Sicherheit. Es liegt nämlich, w'ie j
der Verfasser im Haupttheil seines Werkes bis ins Ein-
zelnste auszufüllreu sucht, neben jeder der drei im Idg.
nadiweisbareu Bildungen des Nom. Acc. Plur. der Neutra
die ganz gleiche Form eines Nom. Sing, von Feminin- ,
Stämmen. Die erste Bildung, die nur im Griech. unter-
gegangen ist, geschieht durch das Suffix (/ und findet
sich bei den o-, i- und (/-Stämmen: vgl. a) got. pika
]at.jiifj(i ved. i/ii(/ä abg. iy<i aus idg. *ju(/(l, b) gr. rain
lat. frifjhifci, ved. tri, altir. fn, altb. tri, ahd. ilIirT
(Isid. Villa 18 p. 15, -i Weinh.), nach dem Verl. aus
idg. *lriä, c) gr. vnXhi ved. ^;»r» (ahd. vielleicht vor-
liegend in Notkers N. Acc. PI. feho) aus idg. *polv-a j
'*pjva neben dem Femininum vot-öfid aus "notöflfn. \
Die zweite Bildungsweise umfasst die consonantischen
Stämme besonders di(^ auf -vien, -s, -tit und -r; sie be-
steht in der 'Dehnung und der ijualitativen ^'eränderung
des letzten Vokals', diese Plurale gehen also auf -mOn,
■öS, -öut, ör aus: vgl. a) ved. nani('i(n) abg. hni^ (aus
*hiien für älteres *imün) gr. ;(fi/((f'iv, mit verändertem
Geschlecht lit. stomfi got. Idiinmt ahd. namo, b) Abk.
hazäo ags. sigor gi-. <fm«i^ abg. (izu lat. nngös uiigür,
c) Abk. nnzhdavän lit. vezd, d) gr. riliD« alid. trazzur
abg. voda lit. vandü', dazu e) einsilbige Stämme wie
gr. vvQ, idg. *sal (lat. sdl altir. säl), *niär (ahd. tniior),
*ös in lat. ös (aus älterem *öus wegen der schwächeren
Form aus in lat. ausndari, aurlga, altisl. eijrr), '''dö(m)
in gr. di~>. Die dritte Bildung fügt i an die Form einer
der beiden ersten Bildungen: vgl. lat. ijuac, preuss. häi-
gi, lit. kai n'irtai abg. cc bo/JJsi abk. rn>:trili neben
altind. catcuri got. ßdwor ags. feöwer lit. ketun (au-
geblich aus idg. ^(/etirör-i). altind. nämOni, vdcnihsi,
sätiti. Es ist das nach Schmidt dasselbe /, das sich
auch bei singularisclien Neutren findet wie in altind.
ydd-i, thess. nni-jniöi, ved. hrdi, got. fon (aus *föni),
also nicht gleich mit dem a in gi'. rifidann, das von
Hause aus nur bei den i- und /(-Stännnen berechtigt war.
Im Anschlüsse an diese Hauptdarstellung bespricht der
Verfasser die Fälle aus dem Altind. und Altbaktr., wo
der Nom. Acc. Sing, eines Neutrums statt der ent-
sprechenden Casus des Plurals gebrauclit wird, ferner
die Bildung der «s-Stänune im Griecli. und Arischen,
die idg. Benennungen des Auges, die Declination der
Participia auf -nt, die nach ihm auch bei den thema-
tischen Verben abstufend flectlrten, und endlich in einem
Excurs die Natur der aspirirten Dauerlaute des Grie-
chischen.
Es verstellt sich von selbst, dass bei einer so um-
fangreichen Untersuchung auch eine Menge einzelner
Fragen aus allen Spracligebieten zur Besprechung kommen
musste. Für das Germauische, das uns hier allein näher
angeht, ist dabei ausser dem bereits oben Berührten
noch Folgendes wichtig. Das germanische Wort für
Lende (ahd. lenti, ags. lend, altisl. lend) war ein alter
femininer Dual in der Gestalt '^landwT, der wegen seines
Zu!>annnenfalis mit den fem. /«-Stämmen seine Cas. obl.
nach deren Muster bildete und später selbst als Nom.
Sg. eines solchen m-Stammes empfunden wurde (S. t3 f. A.).
Das gotische Nomen fadrein ist ein altes neutrales
Collectivum, das selbst in der Bedeutung yov&Tc oder
TKmyot'oi, abgesehen von der eigenartigen Stelle II. Cor.
12, 14, im Niim. und Acc. seine liergebrachte singularische
neutrale Form behält und nur mit masculinem pluralischem
.\rtikel und masculinem pluralischem Prädicat verbunden
wird, während es im Dat. überall pluralische Flexion
aufweist (S. 14 f.). In got. hrojtrahaiis, altisl. fedgar
madgiir, ascliw. inschr. fajirh(r,-muprki(,fedgiti ma-dgiii
xyslkiii liegen alte Colleetivformen vor, die nachträglich
pluralische Flexion angenommen haben ganz ebenso wie
die in ober- und mitteldeutschen Dialekten gewöhnlich
als Singulare gebrauchten Collectiva auf -ach -ech -ich
auch manchmal in den Plural gesetzt werden (vgl. mit
lüMaheu, tmrlieleheii Bertli. 173, 4). Ferner geht
got. marei as. weri neben got. niari- in Jiiarisaiu^s,
ags. nierc ahd. meri an. »larr auf ein Collectivum urg.
*marT (idg. *mari-a) zurück, ebenso altisl. ki/r auf germ.
*köi(üz idg. *göwls, altisl. d-r auf *(iirlz, mwr auf
"^niatcXz, während bei altisl. ylgr nicht alti. vrkls, sou-
dern germ. "irulgwis zu Grunde liegt. In den got.
Nom. Acc. Sg. hairto aiiso augo haben wir Bildungen,
die durch das Suffix ä (>rweitert und dann mit den andern
«-Stämmen in die /(-Declination übergetreten sind. An
Stelle eines überlieferten *oiigi /.. Ji. bürgerte sich neben
dem Gen. *o>ige)ios und dem Dativ *oiigcni der dem
gr. n-nrj entsprechende Nom. *OHgä ein; dieses *ougä ward
zu *ongä)i, zu gleicher Zeit als idg. ^widheun (alti.
ri<llidvii) zu *uiduvO/i wurde (S. 118 f.). Aus diesen
365
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 11.
366
Bezieliuiig'en folgt sclioii, dass die orwiilmte H-Erwcitcruug-
des Neiitruins erst nach dem Aufkomnieii der feininineu
scliwaclien Adjectivflexion ins Leben getreten ist, weil
diese ja selbst erst zu der Erweiterung der femininen
'7-Substautiva den Anstoss gegeben, dass sie dagegen
älter ist als die erst von ihr beeinflusste neutrale schwache
Adjectivflexion. "Während, wie erwähnt, die ags. Neutra
auf -or wie lombor rulfiir ursprünglich Collectiva auf
•öS waren, gehen ahd. chiHiurru, siijur- in Sigurmar
u. s. w., ags, cilfor- in cilfurlanih, niror ahd, nichus
an. nykr auf alte »«-Stämme (S. 150 a), got. silm auf
einen alten ??-Stamm zurück (S. 153). Ahd. fethdhahliti
(Gen. feddhacho fettacJio) weisen auf idg. *petn-, das
auch in air. eii, kyuir. et», lat. peiuia erhalten ist
(S. 174), währeud die Endung von anfr. fetherac an
abk. pterej- erinnert (S, 176 a), Neu ist auch das
S, 197 f, für das Germ, aufgestellte Lautgesetz, dass
vor dem Wirken der Auslautsgesetze das e suffixaler
Silben vor r mit unmittelbar folgenden dunkeln Vokalen
gleichfalls zu einem dunkeln Laute geworden, der im
Got, als a erscheine, in den westgerm, Sprachen zwischen
(I imd e schwanke, nicht wie sonstige suffixale e zu /
gesunken sei und nirgendwo wie diese Umlaut oder
AVandel des wurzelhaften e in (' bewirke (vgl. z, B.
got. hvapar ags. Iiivwäer as. hwedar hweder ahd.
liivedar ^= vöregoS).
Alle diese Aufstellungen sind von dem Verfasser
ausführlich begründet und die Spuren jeder Erscheinung
bis ins Einzelnste verfolgt. Dass hie und da kleine
Unebenheiten vorkommen, ist bei einem so weitschich-
tigen umfa.5send angelegten Werk, wie es das vorliegende
ist, erklärlich. So wird, um ein Beispiel anzuführen,
S. 164 von lit. vezd vehentes bemerkt, es .sei 'nicht zu
entscheiden, ob es aus iirspr. -önt oder -oiit entstanden
sei, 'der lange Vokal in beiden arischen Sprachen empfehle
indess auch für das Litauische vorhistorische Länge an-
zusetzen', S. 167 aber wird auf Grund dieser eben nur
vermutheten Uebereinstimmung des Litauischen und der
arischen Sprachen schon erklärt, die neutralen Plurale
auf -önt seien als indog, 'erwiesen'. Gerade eine so
peinliche Gewissenhaftigkeit, die Alles zu verzeichnen
strebt, was irgendwie auf die gerade behandelte Frage
Licht werfen kann, hat zur Folge, dass manchmal unter
den Beweisstückeu wegen der Möglichkeit oder Noth-
wendigkeit einer andei'u Erklärung nur wenig oder gar
nicht überzeugende mit unterlaufen. So kaun z.B. doch
in ahd. hersisitht herzisnhtiger augiwis (S. 110. 250),
nuhiigaht (S. 254) nicht mehr unmittelbar das / von
alti. lirdl, äksi, ndkti- vorliegen, da nach lauger AVurzel-
silbe in den westg. Dialekten das Endsilben-« verschwin-
det (Kluge, Grundr, I S, 366), Bei den hier in Eede
stehenden Wörtern spricht auch die Ueberlieferung nicht
gerade für die Ansicht des Verfassers. Denn unter den
Compositen mit ottg- als erstem Theil hat die Mehrzahl
schon in der ältesten Zeit die Form oiig- {auczoraht
Pa. Stein.-Siev. I 134, 9; ongmale St.-S'. 1450, 6—7;
oucringin St.-S. II 423, 14; nucsiuno R St.-S. I 135,
9; nucfunim St.-S. II 402, 12); sonst findet sich ouga-
{aukazuraht Gl.K, St,-S, I 224, 36; augatora (Graft'
5, 447) neben ougi- in dem erwähnten augiwis sowie
in OKckimala (St,-S. I 456, 29), ougionnun (St.-S. II
475, 55). Neben hersisu(hjtiger verzeichnet Graft'
ebenso das mindestens gleichaltrige herzsulttiger. Des-
gleichen ist neben nahfigaJa und nahfecula in E (St.-
S. I 93, 27. 217, 29) auch müdagala iu Ea (St.-S. I
217, 28) und iiahkcln in Gl. K (St.-S, ebenda) be-
zeugt, Dass ahd, ävo i\\\i*uiicöz zurückgehe (S, 142 f,),
sego auf *fiegö2 (S, 153), stimmt nicht zu der allgemeinen
Annahme (Kluge Gr. I S. 366), dass der Gen. Sing.
geba altes *geböz, der Nom. PI. tuga altes *dagüz
fortsetze. Zweifelhaft erscheint auch die Zurückführung
des altn, vdr auf *vesroiti, da dieses doch wahrschein-
lich zunächst *iveslroiii ergeben hätte (Kluge Gr. I 329).
Eher Hesse sich, will man einmal diese Zusammenstellung
nicht aufgeben, als Grundform *vcsroin ansetzen, wie
sich mit Eücksicht auf die Entwicklung *consosrlnns >
ionsobrinus \\. ähnl. (Brugmann Grundriss I S. 430)
auch eher für das Lat. empfehlen würde. Untei' den
etymologischen Zusammenstellungen germanischer Wörter
endlich erscheinen auch lautlich nicht alle über-
zeugend, so germ. hraiiva- = ai. kravyam (S. 325a),
ags. sealma as. seimo = gr. as7.ua. Ebenso Hesse
sich aus dem Gebiete der andern Sprachen manches
anführen, was zu Zweifeln Anlass gibt. Aber wenn
auch des Verfassers Buch nicht alle behandelten Fragen
endgiltig gelöst hat, so bietet es doch, das wird Jeder
anerkennen, eine ganze Eeihe werthvoOer sicherer Er-
gebnisse und gewährt auch in den noch strittigen Punkten
für die weitere Forschung unendlich viel Anregung.
Heidelberg. L. Sütterlin.
J e 1 1 i n e k , Max Hermann, Beiträge znr Erklärnng der
germaniBchen Flexion. Berlin, Speyer & Peters. 1891.
107 S. 8. iL 3.
Die vorliegende kleine Schrift behandelt in der
Hauptsache wieder einmal die germanischen Auslauts-
gesetze, was man nach dem Titel zu nrtheilen nicht ver-
muthen könnte. Indessen sind allerdings die Auslauts-
gesetze so eng mit der Erklärung der germanischeu
Flexion verknüpft, dass man mit dem Verfasser über
den Titel nicht zu rechten braucht. Die Schrift ist in
vier Kapitel eingetheilt: I, Das vokaHsche Auslauts-
gesetz, 1, Die Schicksale auslautender langer Vokale
S, 14, 2. Die Schicksale auslautender kiu-zer Vokale
S. 59. IL Die Schicksale langer ursprünglich durch
Dental gedeckter Vokale S. 74. III. Der Nominativ
Singularis der «-Stämme S. 94. IV. Germanische C'on-
junctive S. 105, Ich uiuss gestehen, dass mich Jellineks
Ausführungen über die Scliicksale langer Endvokale, die
den wesentlichsten Theil des Buches ausmachen, nirgends
überzeugt haben. In der Kritik seiny Vorgänger, der
Jellinek sehr viel — nach meiner Meinung viel zu viel —
Eaum widmet, ist er ja meistens im Eecht, aber ich
sehe nicht ein. für wen eigentlich diese Partien ge-
schrieben sind. Welchen Nutzen kann es haben, dass
viele längst veraltete und als unrichtig erkannte An-
sicliten nochmals kritisch besprochen werden. Vor allem
ist mir diese Art und Weise bei der Behandlung von
-ai im Gotischen aufgefallen S, 66 — 72, wo nicht nur
Braunes Hypothese Btr, II, 163 besprochen, sondern
auch Alles, was von Paul, Mahlow, Joh, Schmidt je
dagegen vorgebracht ist, angeführt und widerlegt wird,
um schliesslich zu dem Eesultat zu kommen, dass Braunes
Theorie nicht leichter Hand abzuweisen ist. Schliesslich
gibt aber doch Verf, seiner eigenen Ansicht, dass die
Doppelheit ai — a im Gotischen auf Satzsandhi beruht,
den Vorzug. Der wichtigste Punkt von J.'s Ansichten
ist nun der Satz, dass auslautender Dental im Germa-
nischen noch erhalten war und die Länge bewahrte,
„das geht zunächst mit Noth wendigkeit aus den alid.
Entsprechungen von '^iirpOt, *mciiof hervor". Diese
367
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 11.
368
Formen sind allerdings ansserordentlicU wichtig, aber
gerade fiir das Oegentlieil beweiskräftig. Wenn wir
die (rleichung ahd. nefo, anord. neß, got. mena vor-
nrtheilsfrei betrachten, so ergibt sich, dass diese Dental-
stiunine schon urgermanisch in die Flexion der »»-Stämme
übergegangen sein müssen, dass also 1. schon damals
das / abgefallen sein musste nud 2. dass nasallose Nomi-
native der «-Stämme (Doppelformen aus indogermanischer
Zeit) bestanden liabeu müssen. Es folgt weiter daraus,
was .1. auf anderem Wege zu erweisen sucht, dass die
Scheidung der Flexion der «-Stämme nach dem Geschlecht
z. Th. erst jung ist. Es müssen auch für das Gotische
und Altnordische Nominative auf -w vorausgesetzt werden,
die aber dann durch die auf -Hn, got. hana, anord. lunü
verdrängt wurden. Ebenso wenig befriedigend wie dieser
Punkt ist .T."s Versuch, die Vertretung der nasalirten
langen Vokale zu ermitteln. Er stimmt in I, 1 im All-
gemeinen Brugmanus Ansicht Grr. II-, § 213 und passim
zu, wonach ahd. -a auf -c«! zurückgeht, nur in ahd. -a
Acc. giha sielit er mit Mahlow die Vertretung von -am.
S. 13. Die Bedenken, die gegen Brugmanns Ansicht
sprechen, habe ich Indogermanische Forsch. Heft 3 ge-
äussert. Eine Sclieidung von idg. ö und H im Germa-
nischen, wie sie J. hier annimmt, scliwebt völlig in der
Luft. Aus allen diesen Schwierigkeiten kommt man
heraus, wie ich glaube, wenn man die Nachwirkung des
gestossenen und schleifenden indogermanischen Accentes
auch für das Germauisclie aunimmt. .1. liat verschiedent-
lich Hansseus Meinung citirt, aber, wie es scheint, sie
nicht durchzuführen vermocht. Die Schwierigkeiten lagen
in den w-Stämmen, und diese konnten erst gelöst werden,
als das Gesetz gefunden w-ar, dass Schwund des Nasals
im Indogermanischen mit üebergang zu schleifender Be-
tonung verbunden war, dass wir also Nominative auf
■ün und -ti anzusetzen haben. Da ich diese Punkte aus-
fülirlicli in den Idg. Forsch. 3 erörtert habe, will ich
hier nicht weiter darauf eingehen. In I, 2 sucht J.
vor allem die Chronologie der Apokope und Synkope im
Nordischen festzustellen S. 17 — 27, bekämpft ausführlich
Pauls Formulirung des wgerm. Synkopirungsgesetzes
S. 29 ff., worin ihm zum Tlieil zuzustinnnen ist, und for-
mulirt das Wesen des wgerm. und nordischen Vokal-
ausfalls dahin, ,.dass man bei Wörtern der Gestalt _„
und „„„ die Endsilbe in dieselbe Entfernung vom Gipfel
des Hauptaccentes setzte, in der sie bei kurzsilbigen sich
schon befand". S. 55. Auch hier kann ich seinen Beweis
nicht für gelungen halten, glaube vielmehr immer noch
an der Ansicht festhalten zu müssen, dass wir in den
Synkopirungsersdieinungen des Germanischen Nachwir-
kungen des indogerm. Accentes haben.
Wenn wii- im Allgemeinen .J.'s Ansichten gegen-
über mehr zum Widerspruch als zur Beistimmung geneigt
waren, so liegt die Schuld vor allem in der Materie,
die er behandelt, die eine recht schwierige ist, und die
verschiedenen Ansichten Raum bietet.
Leipzig. Herinan Hirt.
der seinen Lachmann besitzt, möge glauben, dass er
deshalb die vorliegende Neugestaltung des Textes ent-
behren könne. Henricis Bearlieitung steht in scliarfem
Gegensatze zu der Lachmanns. Wälireiid tür Lachmann
die letzte Entscheidung bei den von ihm aufgestellten
Gesetzen des ^'ersbaus lag, denen zu Liebe er im
Uebrigen unanstössige Verse tilgte oder Wortformen
bildete, die sonst nicht zu erweisen sind (wie frmre,
iwer), gestaltet Henrici seinen Text lediglich auf Grund
dessen, was handschriftlicli beglaubigt ist; metrischen
Erwägmigen scheint er nirgends Einfluss gestattet zu
haben. Es versteht sich, dass dadurch die Schreibung
und das Aussehen der Verse ein sehr wesentlich anderes
geworden. .letzt finden sich zahlreiche Zeilen mit zwei-
silbiger Senkung, zalilreiche Verse mit anscheinend bloss
3 Hebungen, an denen .Andreas Heusler seine Freude
haben wird; nicht einmal die .Aenderung von iitul in
uitde liat sich H. erlaubt, um dadurch A'ierhebungsverse
herzustellen. Aber auch an wirklichen Varianten des
neuen Testes gegenüber dem Lachmanns ist kein Mangel;
in den Versen 1 — 1000 habe ich deren etwa 65 gezählt,
also durchschnittlich eine auf je 15 Verse. Jetzt tritt
manche Eigenthümlichkeit Hartmanns scliärfer hervor,
die durch Lachmann verwischt worden.
Henrici hat seine Arbeit sehr zweckmässig einge-
richtet. Unter dem Texte stehen zunächst die Ab-
weichungen von Lachmanns erster und zweiter Ausgabe,
dann die Lesungen der Handschriften, die in grosser
Vollständigkeit vorgefülirt werden. An der Seite der
Spalten sind die Zahlen der entsprechenden Verse von
Chrestiens Chevalier au lion angegeben.
Hoffentlich sind wir recht bald in der Lage, über
den zweiten Band berichten zu können, der die zuge-
hörigen Abhandlungen bringen soll.
Giessen. 0. Behaghel.
Hart mann von Ane, Iwein, der Ritter mit dem
Löwen. Herausgegeben von Kniil Henrici. Th. L
Text. Hnllc, IJuclihandlung des Wnisoiilmiises. 388 S. 8.
lOcrnianistisclic Hnnilbibliotliek VIII. |
Eine eigentliclie Würdigung der neuen Ausgabe ist
noch nicht möglich, da bis jetzt mir der Text ersdiienen
ist, sogar idine jedes Vorwort. Lnmeiliin sei sclion jetzt
auf die Arbeit Henricis hingewiesen, denn sie nimmt
unser lebhaftestes Interesse in Anspruch, und Niemand.
Eckins dedolatns. Herausgegeben von SiegfriedSzama-
tölski. 5lit einer phototypisclion N.iebbildung. Berlin,
Speyer & Peters. 1891. XV, 52 S. 8. (Lateinische" Literntur-
denkniäler lies XV. unil XVI. Jalirbundcits. Hrsg. von Max
Herrmann und Siegfried Szamntölski. Heft 2.).
Mit diesem zweiten Bändchen (das leider nicht wie
das erste auf der Eückseite des Innertitels als Glied der
ganzen Eeihe bezeichnet ist) wird die durch Boltes
Gnapheus-Neudruck trefflich eröffnete Sannnlung gleich
i-ülnulich fortgesetzt. Es bietet zunäclist deu bei der
Verschärfung von Luthers Gegensatz zu Rom hervor-
getretenen Dialog ..Eckius dedolatus", der auf dem
Titelblatte das Verfasserpseudonym '.Johannes Franciscus
Cotta Lembergius' trägt, aber bis heute noch nicht einem
bestinnuteu der humanistischen Satiriker jener streit-
erfüllten Tage zuertheilt werden konnte. In der Hocli-
scliätzung dieses äusserst anzieheiiden Gesprächs, das wir
als unmittelbaren Niederschlag der frisch aufkeimenden
Reformationsneigungen gewisser Humanistenkreise zu be-
trachten haben, sind die kü'clien- und literarhistorischen
Beurtheiler einmüthig. Wie schon Luther in einem
Briefe an Spalatin 4. März 1520 hervorhebt, liegt hier
ein Kind der zuerst durch die, 'Epistolae obscurorum
virorum' ausgesprochenen Stinnnung vor, eine scharfe
Absage an den verknüclierten Scliolasticismus, der im
praesultor Dominicastrorum', Dr. .Tohann Eck von Ingol-
stadt, durch persönliche Satire eniptindlicli getroffen wird.
Der Ton ist nicht gereizt oder gar bissig. s<indern folgt
trotz stellenweiscr Derbheit einem Motive von weltmän-
nischer Laune, obwohl der Ausdiuck mehrfach stark
.109
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 11.
370
sarkastiscli gefärbt erscheint. Die einzige literarische
Nacliwirkuug des Dialogs stellt die vom Herausgeber
angefügte kurze ,,Eckü dedulati ad caesaream maiestatem
niagistralis oratio" dar, eine Folge der Verhandlungen
des 1530er Augsburger Eeichstags — wie der Dialog
eine der Leipziger Disputation von 1519 — eine satirische
Festnagelung und Beantwortung der 404 Artikel Ecks.
Dem Abdrucke beider ist, wie der Plan der Sammlung
es bestimmt, eine knappe Einleitung beigegeben, die
doch, wie bei Szaniatölski zu erwarten, über alles
Wissensnötliige nnd -würdige gediegen und streng sach-
gemäss unterrichtet. Man ersieht hier, welchen Dienst
dieser Abdruck leistet, wo derjenige Böckiugs in seiner
Hutten-CTesammtausgabe sowohl versteckt wie kritiklos
ist. Die sonst von Szamatölski beigebrachten erläuternden
Dinge lassen von seinen zum Theil im Druck befindlichen
Hutten-Forschnngeu das Beste erwarten. Möge die
ganze Sammlung weiter ebenso ausgezeichnet versorgt
werden wie bis jetzt! Der Dank gegen die beidea
Gelehrten, die das Unternehmen ins Leben riefen, ist
gewiss allerseits aufrichtig und herzlich, bei Germanisten,
Historikern, Kirchenhistorikeru und Theologen.
Leipzig. Ludwig Fränkel.
Pinlocbe, Ä., De Shakespearii Hamleto et Germanica
tragoedia quae inscribitur ,Der bestrafte Brudermord oder
Prinz Hamlet aus Daennemark" quantopere inter se distent
aut congruaut, utra aetate major et alteri exeniplo fuerit,
disputatur. Thesim Faoultati Litterarum Parisiensi pro-
ponebat Ä. Pinloche. Paris, Colin et Cie. 1890. 84 S. 8.
Wh- haben in der vorliegenden Abhandlung eine
vorurtheilsfreie, sachliche Untersuchung über Shakespeares
und den deutschen Hamlet von einem Franzosen in der
lateinischen Gelehrtensprache. Der Schluss, zu dem der
Verf. kommt, wird durch gute Gründe gestützt, die ein-
schlägige Literatur ist gründlich benutzt. Nach Pinloche
hat der Verfasser des deutschen Stückes den Shake-
spearescheu Hamlet nicht gekannt „neque ex illius per-
fecte opere imaginem detortam et pejorem exemplari
expressisse [consentiunt etc.]". Da nun aber Inhalt und
Oertliehkeiten der beiden Stücke sich sehr ähnlich sind,
so bleibt nichts anderes übrig als anzunehmen, dass die
deutsche Fabel oder vielmehr das englische Original,
woraus das deutsche Stück übersetzt ist, viel vor Shake-
speares Tragödie esistirt hat und dem grossen Dichter
durchaus nicht von Nutzen gewesen ist (vgl. p. 82).
■\Vie weit der Verf. davon entfernt ist, Shakespeares
Euhm zu schmälern, zeigen die Worte p. 82: Quae
quidem si vera aguoveris, nihil damni illustrissimi poetae
gloriae alferes, cum ex illis omnibus, quae hie disserui-
nms, nihil aliud apparet, uisi quanta sit ingeniosi poetae
vis et virtns ad materiam vulgarem informemque arte
commendandam et quasi renovandam.
In dem Prooemium (S. 1 — 11) weist der Verf. auf
H. 0. A. Eeichard hin, der im Theater-Kalender an{
das Jahr 1779 einige Stellen aus dem deutschen Stück
veröffentlichte, vor allen Dingen aber setzt er sich mit
Albert Cohn auseinander (Shakespeare in Germanj* in
the sixteenth and seventeeuth centuries, London 1865).
Obgleich kein Codex vor 1710 gefunden ist, so steht
doch fest, dass die Fabel bei weitem älter ist. Pinloche
weist hier zum ersten Male auf Akt II, 2 des deutschen
Stückes hin, wo es heisst: „In Teutschland zu Strass-
burg'', wovon doch 1710 nicht die Rede sein konnte.
In Kap. 1 gibt der Verf. ein Sunnnarium des deutschen
Dramas nach den fünf Akten. Kap. II handelt de
scriptura, Kap. III: De actione, Kap. IV: De Hamleti
et Opheliae mutuo amore, V. De Hamleti niorte. Im
VI. Kapitel werden die einzelnen Personen besprochen:
De Hamleto, de Unibra, de Rege, de Regina, de Laerte
(in der deutschen Fabel Leonhard), de Ophelia, de Po-
lonio (den das deutsche Stück Corambo nennt). Der
Verf. geht bei der ^'ergleichuug des englischen und
deutschen Dramas so gründlich vor, dass ich nicht an-
stehe, seine Meinung über das Verhältniss von Shake-
speares Stück zum deutschen als die richtige anzuer-
kennen. Das VII. Kapitel (Quae fuerit apud utrumqne
scriptorem componendi ars et scribendi) dient nur dazu,
um nachzuweisen, wie sehr Shakespeare dem deutschen
Schriftsteller überlegen ist.
"Wismar i. M. 0. Glöde.
Flai schien, Cäsar, Otto Heinrich von Gemmingen.
Mit einer Vorstudie über Diderot als Dramatiker. („Le
pere de famille" — »Der deutsche Hausvater".) Beitrag
zu einer Geschichte des bürgerlichen Schauspiels. Stuttgart,
G. J. Göschensche Verlagsiiandlung. 1890. VI, 163 S. 8.
Mit zwei tüchtigen, ziemlich gleichzeitig erschienenen
Arbeiten hat sich Cäsar Flaischlen seinen Platz imter
den deutschen Literarhistorikern errungen, mit einer
graphischen Literaturtafel, welche die wechselnden Ein-
flüsse fremdei- Literaturen auf das deutsche Schriftthura
von dessen Anfängen an bis auf die Gegenwart in an-
schaulichster, practisch lehrreicher Weise darstellt, und
mit einer Untersuchung über Gemmiugen und das bürger-
liche Schauspiel in Deutschland um das Jahr 1780.
Diese letztere Schrift setzt dankenswerth ergänzend in
eine sehr bemerkbare Lücke ein, die in der geschicht-
lichen Erkenntniss des deutschen Dramas des 18. Jahr-
hunderts klafft. Das letzte Jahrzehnt hat uns unter
anderm vortreffliche Aibeiten über die bürgerliche Ko-
mödie, die Gottsched mit seiner Gattin nnd seinen
Schülern begi'ündete, über das bürgerliche Trauerspiel,
das an Lessings „Miss Sara Sampson" anknüpfte, über
das Ritterdrama der Stiu'm- und Drangzeit gebracht;
andere, ältere und neuere Abschnitte in der Geschichte
des deutschen Dramas sind gut untersucht oder wenigstens
zum Theil klar beleuchtet worden: eine zusammenfassende,
wissenschaftlich eindringende Geschichte des büi-gerlicheu
Schauspiels fehlt uns noch. Und doch wirkten für diese
Gatti^ng des Dramas die auf lange hinaus beliebtesten,
noch heute zum Theil unvergessenen Theaterdichter
Deutschlands, ein Iffland, ein Kotzebne, mit üiren zahl-
losen Genossen und Nachfahren. Wie viel Neues auf
diesem Zweiggebiete der deutschen Literaturgeschichte
noch aufzufinden, wie viel Fehlerhaftes noch zu berich-
tigen wäre, davon gibt Flaischlens Monograpliie ein
schönes Beispiel. So stellt sie zunächst schon die äussern
Umi'isse von Gemmingens Lebensgeschichte und schrift-
stellerischem Wirken zum ersten Mal endgiltig fest.
Indem der Dichter Otto Heinrich v. Gemmingen von
seinem gleichnamigen Vater (1727 — 1790) und andern
Verwandten, mit denen er in früheren Arbeiten mehr-
fach verwechselt wurde, bestimmt unterschieden wird,
werden wir belehrt, dass dieser Dichter am 5. November
1755 zu Heilbronn geboren wui'de, die Rechte studirte,
mindestens seit 1777 in Mannheim als Mitglied der kur-
pfälzischen deutschen Gesellschaft schriftstellerisch thätig
war, im Sommer 1782 nach Wien übersiedelte, hier
zuerst als Herausgeber moralischer Wochenschriften,
dann als politischer Schriftsteller wirkte, eine Zeit lang
daselbst auch der diplomatische Vertreter des badischeu
371
1891. Literaturblatt für germanisclic und romanische Philologie. Nr. 11.
372
Hofes war, später aber in tiefster Zm-ückgezogenlieit
auf seinen Gütern lebte und als badischer geheimer Rath
am 15. März 1836 starb. Seine schriftstellerischen
Arbeiten, neben einigen Vorlesungen in der kuri)fälzischen
Gesellschaft und seinen journalistischen und publicistischen
Versuchen in Wien, besonders die Uebersetzungen von
Rousseaus „Pygmalion", von Shakespeares „Ridiard IL",
von Miltons ,.Allegro und Penseroso", die Bühnenbear-
beitung von .Shakespeares „Richard III.", das Duodrama
„Seniiramis" (von 5Iozart componirt), die ..Mannheimer
Draniatiugie" und die Schausj)iele „Die Erbschaft" und
„Der deutsclie Hausvater", werden der Reihe nach er-
örtert, dabei das von Andern ihm zugeschriebene Drama
„Sidnej' und Silly" mit allem Recht ihm abgesprochen.
Am ausfuhrlichsten verweilt der Verfasser bei dem
„Deutschen Hausvater", der nach allen Seiten, auf seine
Quelle, seinen Inhalt, scenischen Aufbau, ästhetischen
Werth, theatralischen Erfolg, auf seine bibliographischen
Schicksale, seine Aufnahme bei der zeitgenössisclien
Kritik, namentlich auf sein Verhältniss zu frühern und
spätem Autoren des biu-gerlichen Dramas hin gi-ündlich
untersucht wird. Nach einer km-z und scharf charak-
terisirenden Einleitung über das bürgerliche Schauspiel
in England, Frankreich, Italien und Deutschland wird
zu diesem Behufe eine besondere Vorstudie über Diderot,
sein dramaturgisches System, seinen ,.Pere de famille"
und dessen Nachahmungen der eigentlichen Hauptunter-
suchung vorausgeschickt, eine Vorstudie, die vornehmlich
durch klare Darstellung und scharfe Hervorhebung der
füi" Gemmingens Stück wichtigen Punkte ausgezeichnet
ist. Neben Diderots Drama ergeben sich besonders
Lessings Trauerspiele, stellenweise auch Heinrich Leopold
Wagners „Kinderraörderin" und Goethes ..Götz" als
Quellen, aus denen Gemmingen einzelne Motive, mitunter
auch gewisse stilistische Wendiuigen schöpfte, unter
den Dichtern, die er wiederum durch seinen „Deutschen
Hausvater" anregte, hebt Flaischlen zum ersten Mal
nachdrücklich Schiller liervor und stellt gut die einzelnen
Punkte zusannuen, in denen der Verfasser von ,. Kabale
und Liebe" sich mit dem älteren Dichter füi- die Mann-
heimer Bühne berührte. Sorgfältig vergleicht Flaischlen
ferner die verschiedenen Drucke und Bearbeitungen des
„Deutschen Hausvaters", theilt aber nur die sachlich
bedeutendsten Aenderungen der spätem Ausgaben mit.
Ohne dass einem unverständigen Uebermass in der Auf-
zählung solcher Varianten hier das Wort geredet werden
soll, darf doch das Bedauern ausgesprochen werden, dass
Flaischlen nicht auch auf die rein sprachlichen und
stilistischen Veränderungen seines Dichtei'S etwas näher
eingegangen ist. Lob verdient seine Gewohnheit, kurze
Inhaltsübersichten aller Stücke, die er bespricht, zu
geben. Dadurcli wird der Leser rascli und einfacli
orientirt und kann zu den meisten Beliauptungen des
Verfassers über das Verliältniss der einzelnen Stücke zu
einander u. dgl. selbst ohne viele Mühe Stellung nehmen.
Aber gelegentlich liefern diese Inhaltsangaben auch noch
andere Ausbeute, die man zunächst gar nicht hier suchen
würde. So ersehe icli z. 15., um nur einen Fall anzu-
führen, auf den midi eigne Specialstudien hinweisen, aus
der sechsten Beilage (S. 158), dass Klopstocks Ode
„Der Nachruhm", die der Dichter in das Jahr 1782
verlegt, von der aber bis jetzt kein früherer Druck als
der in der Göschenschen Gesammtausgabe der Werke
von 1798 bekannt war, schon 1784 in dem von Gem-
mingen zu ^Vien herausgegebenen „Magazin für Wissen-
schaften und Literatur", Theil I, erschienen ist. Und
so bietet Flaischlens fleissige Arbeit dem literargeschicht-
i liehen Betrachter überall reichen Aufschluss. Gut ge-
1 schi'ieben, vermag sie auch durdi ihre Form die Auf-
merksamkeit des Lesers zu fesseln. Es wäre fiii' die
deutsche Literaturgeschichte nur ein Gewinn, wenn der
Verfasser seine Forscliungen auf diesem Sondergebiete,
das indessen allerwärts an die bedeutendsten Jlittelpunkte
der vergleichenden literarhistorischen Untersuchung streift,
weiterhin fortsetzen wollte, um uns endlich die Gesammt-
geschichte des büi'gerlichen Schauspiels in Deutschland
zu schenken.
München. Franz Muncker.
The Earliest Complete English Prose Psalter togothcr
with Eleven Cantides nnd a Translation of tlie Athanasian
Creeil edited fconi the only two Mss. in tbc librarics of thc
British Museum and of Trinity College, Dublin, with Prefacc,
Introduction, Notes and Glossary by Karl D. Bül bring.
Part I: Preface and Text. (E.E.T.S.) London 1891.
XVI, 196 S. 8. 15 sh.
Jede dem Buch der Bücher entstammende Ueber-
setzung verdient und fesselt die Aufmerksamkeit weiter
Ki-eise. Mit Freude und Dank begrüssen wir daher
diese neueste Veröffentlichung der Early English Text
Society, welche uns zum ersten Mal die älteste mittel-
englische Prosaübersetzung des ganzen Psalters bietet.
Ueberliefert ist uns diese Version in zwei Handscliriften,
Bülbring druckt den Londoner Text, welchem unten die
selir wichtigen Varianten der Dnbliner Handschrift bei-
gegeben sind. Der Text ist mit grosser Vursidit und
Schonung behandelt, wie wir denn überhaupt beim Durch-
lesen dieses ersten Bandes den Eindruck erhalten, dass
der Herausgeber seine Aufgabe mit löblichster Gewissen-
haftigkeit erledigt hat.
In seiner Vorrede tritt Bülbring der Ansicht ent-
gegen, dass William von Shoreham der Verfasser der
Prosa-Uebersetzmig sei. Er stützt sich dabei mit Recht
vor allem auf die dialektischen Verschiedenlieiten, welche
den Psalter von Williams Gedichten trennen. Diese
zuverlässigste exiermd evidence wird sich durch tiefer
liegende Argumente verstärken lassen. William war
zwar auch kein bedeutender Dichter, aber er besass doch
poetisches Empfinden, und die kraftvolle und bilderreiche
Sprache der Heiligen Schrift wüi-de in ihm einen ver-
ständnissvollen Interpreten gefunden haben. Unser Ueber-
setzer hingegen war in dieser Hinsicht seiner Aufgabe
keineswegs gewachsen. Dass er uns keine schwungvolle
Paraphrase bietet, wie der angelsächsische Bearbeiter
des 50. (51.) Psalmes, wird ihm niemand verargen, denn
er ist Uebersetzer; mit um so grösserem Missvergnügen
bemerken wir aber, dass er sich häufig Abschwächungen
und Verdünnungen des Wortlauts der Vulgata gestattet
hat. Sein Verfahren wird luis besonders auffällig, wenn
wir seine Arbeit mit der altenglischen Interlinearversion
des Psalters vergleichen, deren 68. Psalm uns in Zupitzas
Uebungsbuch* p. 16 ff. vorliegt. Auch der Angelsachse
klebt am Wort, aber während er consequent auch alle
Tropen und Bilder nach bestem Können überträgt, setzt
unser, im Allgemeinen ängstlich getreuer, Interpret die-
selben nur allzu uft in die nüchternste Prosa um. Schreit
der Psalniist aus tiefen Wassern, aus den stürmisciien
Fluthen des Meeres zu Gott, so spricht er von Ver-
suchungen, von den Reichthüniern der Welt und der ihn
verblendenden Habsudit (p. 80, 1/3); zeigt uns jener,
wie die am Tlior sitzenden Leute und die Zecher beim
373
1891. Literatuvblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 11.
374
AVoiiip ihn, den Bekümmerten, verspotten, so verwischt
der Uebersetzer die kräl'tiffen Striche dieses Bildes
gänzlich (p. 81, 15); nach dem Text der Vulgata klagt
der Psalmist, dass seine Widersacher ihm Galle und
Essig bJiten — wie matt klingt die erklärende Ueber-
setzung des Engländers (p. 82, 26)! Beaclitenswerth
ist eine kleine Abweichung vom Urtexte, weklie wir
sowohl bei dem Angelsachsen, als auch bei unserem, von
ihm gewiss ganz unabhängigen, Uebersetzer finden. Die
Vulgata hat 68, 36 Dens salvaiii faciet Sion, et aedi-
ficabuntnr civitates Jiida ; der Verfasser der Interlinear-
Versiou hat, obwohl ihm sein lateinischer Text die
Worte aedifjcahioüur ckitates Judae vorschrieb, doch
das Wort Judae nnübersetzt gelassen: hioä tlmhrede
ceslre (1. c. p. 18, 36), und auch in der nie. Prosa ist
das Wort unterdrückt oder vielmehr durch ein anderes
ersetzt: For God slial make sauf pe folk of Syon,
and tlie seges of heuen shnl ben fulfild (p. 83, 40).
Oder wird in all diesen Fällen der mittelenglische
Uebersetzer entschuldigt durch den Wortlaut des von
ilnu übertragenen lateinischen Textes, welcher, wie
Biilbring p. X bemerkt, in beiden Handschriften die
Uebersetzung begleitet? Ueber diesen Punkt und manche
andere Frage, die sich an dieses wichtige Denkmal
knüpft, werden wir wohl Aufscliluss erhalten in Bülbrings
zweitem Theil, der Einleitung, Anmerkungen und Glossar
bringen soll. Wir sehen ihm mit lebhaftem Interesse
entgegen.
München. E. Koeppel.
Foerster, W., Kristian von Troyes Yvain. Neue ver-
besserte Textausgabe mit Einleitung und Glossar. (Rom.
Bibl. V.) Halle, Niemeyer. 1891. X'XIV, 187 S. M. 4.
Der Text erscheint in der kleinen Ausgabe in etwas
veränderter Gestalt, indem einige Stellen, 'wo die grosse
Ausgabe der Hs. V folgte, nunmehr nach der zweiten
besseren Haudschriftengi-uppe gegeben werden und meh-
rere Besserungsvorschläge Mussafias (Ltbl. 1889, Sp.
220 — 224) und Coruus Aufnahme fanden, im Ganzen aber
ist der bewährte Text der grossen Ausgabe beibehalten.
S. XXI If. steht eine Collation des Hollandschen Textes.
Das Glossar ist wesentlich von dem zur kleinen Cliges-
ausgabe verschieden, da nur ungewöhnlichere und schwie-
rigere Ausdrücke mit der Zahl der Verszeile verzeichnet
wui'den.
In der literarhistorischen Einleitimg ist der kj'ui-
rischen und irischen Prosabearbeitung des Crestienschen
Yvain natiü'licli die allein mögliche und richtige Stelle
angewiesen. Jlit neuen und guten Grümlen stützt Foerster
seine Ansiclit von der Herkunft des Yvainstotfes, den
er bekanntlich aus der Novelle von der leicht getrösteten
Wittwe herleitet, besonders diu-ch Hinweis auf die Verse
1809 f.
. . . c'est cele qiii prist
celui qiii son seignor ocist !
womit Crestien sein Thema angegeben habe. Wer
Foersters Nachweisuugen zum Cliges anerkennt, wo dcch
auch ein Motiv aus dem SalonKJU und Markolfroman ^'er-
wertung fand und wenigstens die Vorgeschichte, die vom
Tristangeiste durchweht ist (vgl. z. B. 545 tf.). au Artus
anknüpft, hat keine Ursache, denselben Vorgang im Yvain
so verwunderlich zu finden uud wegen der bretonisclien
Lokalsage von der Wuuderquelle gleich den Gesammt-
inlialt aus bretonischeu Feenmärchen u. dgl. zu deuten.
Die kleine Crestienausgabe ist mit lebhafter Freude
zu begrüsseu, nicht alleiu deshalb, weil sie den Zu-
gang zu den schönen Werken des Dichters weiteren
Kreisen ermögliclit. sondern aucji weil der unermiiilliclie
Forscher dadurch sich veranlasst sieht, seine Arbeit noch
einmal zu prüfen und in noch vollkommenerer, besserer
Form darzubieten.
München. Wolfgang Golther.
Meier, Konr., Ueber die Didotragödien des Jodelle,
Hardy tind Scnderv. Inaugural - Dissertation. Leipzig
1891. 58 S.
Von den zehn Bearbeitungen, welche die Didosage
auf Grund von Vergils verschönernder Darstellung bei
den französischen Dramatikern des XVI. — XVIII. .Jahr-
hunderts erfuhr, bespricht Verf. die drei bedeutendsten.
Jodelle verfasste sein Stück im Jahre 1560, Hardj'
1595, Scuderj' 1636. So liegen beinahe acht Jalirzehnte
voll der entscheidendsten \'orgänge uud Umwandlungen
zwischen Jodelle und Scudery. Natürlich sind drei so
weit von einander getrennte Dramen ihrem Wesen nach
grundverschieden. Jodelle hielt sich iu dem damals für
antik-klassisch geltenden Schema, prunkte mit Vergil-
stellen uud mj'thologischen Reminiscenzen, liess die
Personen endlos lange Reden deklamireu, vernachlässigte
aber die Handlung und C'harakterzeichnung. Hardj',
dessen Hauptquelle auch Vergils Aeneis war mid der
nebenbei Jodelle ausnutzte, erfand den ersten Akt ganz
selbständig, erweiterte den di'amatischen Stoff, indem er
sich nicht bloss auf die eigentliche Katastrophe be-
schränkte, fügte vier neue nicht allzu bedeutende Rollen
hinzu, gestaltete die Handlung, welche bei ihm nicht
durch das Drei-Einlieitsscheiiia eingeschränkt war, reich-
haltiger und vertiefte die Charakterzeichuung. Das geht
auch aus M.'s Darlegung hervor, wenngleich dieselbe
das Bestreben zeigt, Hardy möglichst gegen den ge-
lehrteren, aber gänzlich uudramatischen Jodelle herab-
zusetzen. Der Verf. kennt zu seinem Schaden die bahn-
brechende Schrift E. Rigals: Alex. Hardij et le Theätre
francais ä la fin du XVI' ei au commencement du
XV ir S. noch nicht und wiederholt daher manches
Irrige oder Einseitige. So macht er nach alter Tradition
Hai'dy zum Theaterdichter der Maraistruppe, sieht iu
der gerechteren Würdigung, die jener eigenartige Dichter
in uuserm Jahrhundert erfuhr, willkürliche Ueberschätzung
u. s. w. Auch R. Ottos Ausgabe von Mairets „Silva-
uire'' (iu Vollmöllers Sammlung) ist ihm unbekannt. Aus
der eingehenden imd schlagenden Darlegung der Ge-
schichte der „drei Einheiten", wie sie Otto als Ein-
leitung gibti, hätte M. für seine eigene Darstellung
(S. 29 ff.) manches lernen können. Auch der „geschicht-
liche Ueberblick" der französischen Tragödie von der
Renaissance bis zu Corneille (S. 5 — 14) hätte vertieft
werden können.
Scudery, der seineu Vorgäup' r Hardy nur in sehr
eingeschränkter und nebensäqy eher Weise benutzte,
spiegelt in seinem Didodrama' die Geistesrichtnng des
Preziösenthunis wieder, ist in Sprache und Versbau
correcter, von der antiken Ueberlieferung unabhängiger,
als seine Vorgänger. — M.'s Arbeit hat, wie die meisten
Erstlingsschriften, uuxnche Mängel und angreifbare Stellen,
aber als Baustein zu der noch immer nicht hinreichend
erforschten Literaturgeschichte des XVI. Jahrhunderts
in Frankreich hat die fleissige, gut geordnete Unter-
suchung Anspruch auf die Beachtung aller Fachgenossen.
Dresden. R. Mahrenholtz.
1891. Literatarblatt für germanisohe und romanische Philologie. Nr. 11.
.376
Pirandello, L., Laute nnd Laotentwicklnns der
Mnndart von Girgenti. Halle, Buchdruckerei des Waisen-
Imuscs. ISIU. 52 S. 8. (Bonner Dissertation.)
Moiiugrapliieii über einzelne lebende Mundarten thnu
der roinaulscheu Sprachwissenschaft jetzt am meisten
Xütli. Die Grundziig'e der Entwicklung sind fast überall
klar gelegt, die Begrenzung der Lauterscheinuugen aber
ist an den meisten Orten noch uuraüglieh und ist das
notliwendige Bedingniss für die Lösung weiterer Fragen.
Oass die Eingeboruen dabei vor uns Ausländern einen
bedeutenden Vorsprung haben, ist selbstverständlich und
wir selber werden uns über UuterstUtzung von ihnen am
allermeisten freuen, namentlich wenn sie in so beschei-
dener und zugleich so befriedigender Form geschieht
wie in der vorliegenden Arbeit. Der Verf. berichtigt
und ergänzt im Ganzen Schneegans' treffliche Arbeit
(Ltbl. IX, 223), nicht ohne deren Verdienste anzuer-
kennen nnd sehr Viele.s, so die Ausführimgen über eijn =
hahen, von ihm anzunehmen. Die Hauptabweicliuug be-
steht darin, dass er die Annahme der ,.Aftectdiphtlion-
girung'' leugnet. Wer recht habe, kann ich natürlich
nicht entscheiden, doch ist zu bemerken, einmal, dass
die von P. für Casteltermiui und Canicatti angegebene
Diphthongirung bei -u schon von Sclineegans vom Affect-
diphthongen geschieden und richtig beurtheilt worden
ist, und ferner, dass sein Hauptbeobachtungsgebiet
Messina, nicht Girgenti ist. — Von bisher nicht oder
in der von P. untersuchten Gegend nicht nachgewiesenen
Erscheinungen finden sich nun: a zu ua nach Labialen
und Gutturalen, was ganz neu ist, da sonst in Sicilien
na durch vorhergehendes u bedingt oder bedingungslos
ist, und / zu e in Eecalmuto, die Betonung tapänii =
trepano, al zu an' auch in der Stadt Girgenti', tonlos
au zu a: acedtht, hkitari (yiautare), der Wandel von
gr, kr zu giir, kur: (juranu, kuradu, gedehntes c, n,
tu, d im Anlaut von Schriftwörtern, wenn ich recht
sehe, c aus cl, pl auch in Licata, sf zu sp, hl zu U,
was ich Ital. Gramm. 234 Anm. noch nicht mit Sicher-
heit auszusprechen wagte, s/ zu s. Einzelne Punkte
wären wohl etwas anders zu formulireu, so durfte nicht
gesagt werden, dass in inknnia aus incudine das d ge-
fallen sei, da ja sonst d in Proparo}'tonis zu f wird, es
ist hier vielmehr wie fast in ganz Italien und in Süd-
frankreich von *i)icugine auszugehen; 3. Sg. Perf. umd
ist nicht lautgesetzlich; bei ^'erdoppelung des m hätte
bemerkt werden dürfen, dass sie nur in Proparoxytonis,
da aber stets auftritt ; guttea ist für goccia eine ebenso
uinnögliche Grundlage wiejecere (S. 6) für gisir. Wenn
cicer hier likiri lautet, so ist damit, dass es als „Eest
der alten gutturalen Aussprache" bezeichnet wird, nichts
uiesagt; weshalb soll dies eine Wort ein Vorrecht haben?
Ob auch der Vokal unregelmässig ist, wie im alban.
kikerg, dann also die sicilianische Form sich ganz zu
span. cliicharo gesellt, ist leider nicht zu ersehen. Ich
vermnthe griechisch-afrikanische Vermittelung, habe aber
' Wenn der Verf. mir vorwirft, ich hätte Ital. Gr. § 281
unnütliiger Weise das h in aiitru aus it)i altrit orkl.irt, so
übersieht er, dass ich an der betrcll'enden Stelle nicht von
Girgenti spreche, sondern von einem „in vielen Mundarten"
vorkomnienilen aiilru, wobei der Zusnninicnlianjj lehrt, dass
ich .Mundarten im Auge habe (z. U. die eniilianische), wo nur
in diesem einen Worte /' zu ii' wird, der Vorgang also eine
besondere Erklärung fordert. Den gesetzmässigen Wandel
von l' zu »'■ in Sicilien höbe ich Ital. Gr. § '234 berührt.
Dagegen ist der Verf. durchaus im Recht, wenn er meine
Herlcitung von impiiliddire aus Impiillidire ablehnt und als
Grundwort imimlrlhirv ansetzt.
nicht die Mittel, die mehr noch in die Pflauzengeographie
einschlagende Frage zu lösen. — Den Schluss der trotz
dieser und einiger anderer Schwächen anerkennenswerthen
Arbeit bilden ein paar Verbesserungen zu dem Buche von
De Gregorio, Appunti di fonetica siciliana.
Wien. W. Meyer-Lübke.
Rossi, Vittorio, Battista Gnarini ed il Pastor Fido.
Studio biografico-critico con documcnti. Torino, E. Loescher.
18S6. XVI, 323 S. gr. 8. '
Das italienische Pastoraldrama, welches Jahrhunderte
hindurch einen so gewaltigen Einfluss auf die Literatur
fast aller Kulturvölker ausgeübt, hat noch immer nicht
seinen Historiker gefunden, und doch hängt gerade von
der gründlichen, klaren Kenntniss desselben die richtige
Würdigung der Hirtenspiele in anderen Ländern ab,
die sich alle mehr oder minder als Xachahmungen des-
selben erweisen. Den Höhepunkt iu der Entwicklung
des eigenartigen dramatiselien Erzeugnisses bildet der
Pastor lido, d. li. dasjenige Pastoraldrama, welches sofort
nach seiner Veröffentlichung zum Gemeingut aller Xationen,
und bekannter und verbreiteter wurde, als irgend ein
Drama der alten oder modernen Zeit. Wir sind daher
Eossi zum aufrichtigen Danke vei pflichtet, dass er es,
sowie seinen Verfasser zum Gegenstand einer ebenso
gründlichen, als geistvollen Studie machte.
Das Werk zerfällt in zwei Theile; der erste (S. 1 —
160) ist der Biographie des Dichters, der zweite
(S. 161 — 265) dem Studium seiner Pastorale ge-
widmet. Ein Anhang (S. 269—323) enthält „Docu-
nieiiti".
lieber das Leben Guarinis stand seinem Biograplien
ein reichliches Aktenmaterial zur Verfügung, Dank der
bedeutenden politischen Eolle, die Gnarini gespielt, und
der ewigen Händel, in die er sich durch sein streitbares
Xaturell verwickelt sah. Merkwürdiger Weise hatte
man bisher, so bekannt der Dichter und seine Dichtung,
so reich und leicht zugänglich die (Quellen zu seiner
Biographie auch waren, keine selbständige Darstellung
seines Lebens versucht. Was mau in den literarhisto-
rischen Compendien, oder iu den Ausgaben der Werke
des Dichters über ihn liest, ist mit wenigen Ausnahmen
oberflächlich und unkritisch und selbst jene Ausnahmen
Ap. Zeno, Tiraboschi, Petrucci, Casella, wiewohl im
Einzelnen treffend, wissen sich nicht immer von Irr-
thümern fern zu halten und lassen die Vollständigkeit
vermissen. E. bietet uns zum ersten Male eine akten-
mässige tuid erschöpfende Biographie. In 18 Kapiteln
beschäftigt er sich mit den Vorfahren des Dichters, mit
seiner Erziehung, seinen Studien, seinen Lebensstellungen,
seinen Familienverhältnissen, seinen diplomatischen Sen-
dungen, seiner Eolle am Hofe zu Ferrara, seinem Ver-
hältniss zu Gelehrten, Diclitcru (besonders zu Tasso) und
Staatsmännern, seiner Theilnahme an gelehrten Akade-
mien (Eterei, Innominati, Acad. Fiorentina, Crusca), seinen
Eechtshändeln u. s. w. Daneben werden wir mit der
Entstehungsgeschichte des Pastor fido bekannt. Mit
riihnu'iiswerther (iründliclikeit und grossem Scharfsinn
Werden eingewurzelte Irrthümer beseitigt, Daten richtig
gestellt und legendarisclie Ausschmückungen zurück ge-
' Zu meinem lebhaften Bedauern bat sich die Besprechung
des vorstehenden Buches dadurch verspätet, dass dasselbe
mir bei einem Umzug abbanden gekommen war und erst
kürzlich wieder aufgefunden wurde. — Ich benutze die Ge-
legenheit, um niitzuthellen, dass ich eine umfassende Geschichte
des Pastoraldianias vorbereite.
1891. Literaturblatt für germanisclie und romanische Philologie. Nr. 11.
.T7K
wii'siii. Es siml interessante Bilder, die sich vor unseren
Aug'en entrollen: Italien und seine Fürsten, sein poli-
tisches, literarisches und Hufleben in der zweiten Hälfte
des U). .Jahrhunderts und darauf im Vordergrunde die
charakteristische Figur des Dichter-Staatsmannes, rastlos
wandernd, besonders im letzten Theile seines Lebens,
gerade als er ernsthaft au die Vollendnug des Pastor
fldo ging-. Da sehen wir ihn jetzt in Padna, hierauf in
Turin bei Carl Emanuel I., dann wieder in Ferrara,
woselbst er vorher (von 1567 — 83) das Hofleben ja
schon gründlich gekostet, sodann der Reihe nach in
Venedig, in Florenz, abermals in Venedig, wieder in
Turin, zum dritten Mal in Venedig, in Mautua, in Rom,
zum vierten Mal in Venedig, abermals in Rom, aufs
neue in Ferrara, dessen Hof er jetzt (1601) eudgiltig
verlässt, um am Hofe zu Urbino sein Heil zu suchen.
Vergeblich! Rom und Venedig sehen ihn wieder in
ihren Mauern, bis in letzter Stadt endlich der Tod den
Ruhelosen zur ewigen Ruhe bettete (7. October 1612).
Den unerquicklichsten Theil dieser Wanderjahre bilden
die Streitigkeiten mit seiner Familie, den pikantesten
seine politische Thätigkeit, den wichtigsten aber seine
literarischen Beziehungen.
Im n. Theil gibt uns Rossi im ersten Kapitel
eine kurze, aber leider, offenbar in Folge Raummangels,
nur unvollständige Skizze der ersten Anfänge des Pastoral-
dramas. Im zweiten prüft er die Xachrichten über an-
gebliche Aufführungen des Dramas vor seinem Druck
und kommt zu dem Resultat, dass es, trotz der bestimmten
Versicherung verscliiedeuer Literarhistoriker, damit durch-
weg bei dem blossen Versuch sein Bewenden hatte.
Das 3. Kapitel hat die innere Geschichte des Pastor
lido, d. h. das Verhältniss der verschiedenen erhaltenen
Jlanuscripte und Drucke zu einander, den Inhalt des
Stückes und die Hauptquelle der Fabel (Pausanias) zum
(regenstand. Das 4. behandelt die Schicksale des P. f.,
besonders seine Aufführungen nach dem ersten Druck
(1.590). Das 5. beschäftigt sich mit dem über das
Drama sich entspinnenden grossen literarischen Streit
und endlich das 6. mit den Nachahmungen des P. f. in
Italien und andern Ländern.
Die „DocKinenti" des Anhangs enthalten Briefe von,
an oder über Guarini, eine Beschreibung der Inter-
mezzi fiii' zwei verschiedenene Vorstellungen des P. f.
u. a. m., und endlich ein umfangreiches Verzeichniss der
Ausgaben des Textes und der Uebersetzungen in den
verschiedenen Ländern Europas.
Ich möchte zunächst einige Bemerkungen au das
1. Kapitel des IL Theiles anknüpfen. R. geht von der
Ansicht aus, dass sich das Pastoraldrama aus den ein-
fachen, nach Vergils Muster geschriebenen, aber wirklich
aufgeführten Eklogeu (ecloga dramm. aulica) stufenweise
zu vollstäudigen mehraktigen Stücken fortentwickelt habe.
Er sucht dies an Eklogen von Taccoue, Serafino
Aqnilano, Caretto, G. di S. Vitale, Bellincioni,
B. Castiglione, Tansillo etc.- und an der Commedia
\m%to\A\e V AiiKtranta von G. B. Casalio (gedr. 1538)
zu zeigen nud geht hierauf zur ersten wahrhaften Pasto-
rale modernen Stils dem Sucrifizio (gedr. 1555) des
- R. stellt diese Ansicht übrigens nicht als neu hin, ver-
weist vielmehr auf Menage, Fontanini, Ginguene,
Klein etc. Der gleichen Meinung war auch der ausgezeich-
nete Kenner des ital. Theaters D'Ancona in On'yliü äel
Teatro in It. (1877) II p. 204 A. ; in der 2. Auflage dieses
vortrefflichen Werkes (II p. 70 A.) hat er einige weitere Stücke
denen Rossis hinzugefügt.
Agostino Beccari über. An diese Pastoralen reiht er
mit wenigen Worten die Aretiim des A. Lollio (gedr.
1564), den Sfurtiinnto des A. Argenti (gedr. 1568)
und den Aminta des Tasso, um auf diese Weise den
Uebergang zum Pastor fido zu gewinnen.
Fragt man, wo bleibt bei dieser Desceudenztheorie
der Orfeo des Poliziano und der Cefalo des Cor-
regio, welche die Historiker des italienischen Dramas
sonst als die ersten Hirtendramen anführen, so antwortet
R. (p. 174 N. 8), dass diese zwar immerhin als die
ersten Hirtendramen gelten mögen, aber dass das später
von Beccari, Tasso und Guarini gepflegte bukolische
Drama mit ihnen in keiner Weise zusammenhängt. R.
schreibt: Uazione infafti di quellt, tratta dalle fuvulv
della mitologia tjreca, e di vuruttere nssoltttamoite
dicerao da quellu dellc pastorcdi posteriori che, t/io-
catidosi della mitologia, tie prendono, dirö quasi, l'oiii-
hiente, senza preiiderne i fafti. Oltre di die sarebbe
molto strano, per iion dire iiiesplicabile, che %t»a formtt
dranimatica f/iunta ad nn t/rado di scolgiiwuto iiiidfo
aoamuto, rimanesse iiifruttuosa per niia sdtuntina
d'anni per risorgere poi sotto nn aspetto del tufto
direrso. Ich möchte Rossis Ansichten mit einigen
Modificationeu beipflichten. Es leuchtet ein, dass die
fast immer zu festlichen Gelegenheiten gedichteten und
gespielten Eklogen sich mehr und mehr zu wirklichen
Drameu erweiteru und dadurch zu der eigenthümlichen
Form des Pastoraldramas führen raussten, die im Amitita
uud Pastor fido ihre grössten Triumphe feierte. Aber
welches waren die Einflüsse, die Vorbilder, die diese
Fortschritte bewirkten, diese Entwicklung beförderten?
R. deutet nm- leicht auf einen Einfluss hin, auf den,
welchen die ecloga dramm. popolare''' d. h. jene kleinen
volksthümlichen Stücke ausübten, wie sie z. B. die Rozzi
schrieben, üeber den wichtigsten Einfluss äussert er
sich nicht, und der ging, meines Erachtens, von dem
gleichzeitigen Lust- und Trauerspiel ans. Waren einmal
die Eklogen zu Aufführungen verfasst, so lag für die
di'amatischen Dichter der Gedanke, ihnen einen grösseren
Umfang, eine reichere Handlung zu verleihen, nahe
genug. Es ist aber in der Natur der Sache begründet,
dass mau nicht mit einem Male, sondern schrittweise
das Experiment wagte. Schade, dass R. seuie Nach-
forschungen nicht weiter ausgedehnt und uns nicht mit
den zwischen Casalio uud Beccari liegenden Mittel- und
üebergangsstufen bekannt gemacht hat. Beccari kann,
nach seiner ganzen Art, nicht ein Erfinder in solch
eminentem Sinne sein, wie er es wäre, wenn er den
gewaltigen Schritt der zwischen der Amaranta und seinem
Stück liegt, allein gethan hätte. Eine solche Mittel-
stufe* bildeten vielleicht u. a. Bastiauo di Francescos
' „Qualche influsso reciproco poträ forse essere posto in
luce da uno studio intelligente e minuto" (R. p. 166); den Ein-
fluss der Rozzi bezweifelt er (p. 17i A.) jedoch; gewiss mit
Unrecht.
* Unbegreiflich ist es mir, dass R. nicht das 9. Kapitel
im IV. Buche von Crescimbenis Comentarj beachtet hat, wo
u. a. hierher Gehörigem von zwei Commeiiie des A. Capcrano
(nach Allacci, 521 bezw. 667 sind die Titel Melandro und
Rifo gedr. 1508) beide bukolischen Inhalts die Rede ist.
Caperano war — was nicht zu übersehen ist — ein Lands-
mann Casalios und es fragt sich, welches Verhältuiss ihre
Hirtenspiele zu einander bieten. Ich füge den bei Crescira-
beni genannten Stücken, von denen einige übrigens der comni.
alla villanesca anzugehören scheinen, noch hinzu die Egloga
Flavia (gedr. 1528) und die com. past. Lylia (gedr. 1538 und
noch viermal bis 1612).
379
1891. Litoraturblatt für germanische und romanische Philolof^ie. Nr. 11.
380
Ainicuiu, Ecl. past. (1543), Filenio Addiacciatos Silvia,
Cum. p.ist. (1545). und Gins. Gibertis Ecloga amorosa
(1547). Ich spreche damit eine blosse Vernmthnng^ ans,
da mir die Stücke bisher nocli nicht erreichbar waren.
Aber eine höchst interessante Uebergangsstnfe sind die
beiden Eklogen des Xovaresen Giovan A^ostino Cazza
l'Krbiisto nnd Fihnu, beide 154(j gedruckt'' nnd viel-
leicht schon einige Jahre früher verfasst. Die ei-stere,
dreiaktig, ist, gleich den älteren Eklogen, in Terzinen
geschrieben, der Prolog dazu indess ist in Prosa. Sie
hat folgenden Inhalt: Der alte >lirte Erbustn ist in die
junge schöne Hirtin Flora verliebt, die ihn aber ver-
schmälit und einen jungen Hirten Xaniens Anieto liebt.
Erbnsto klagt vei-zweifelt den AVäldern, Thälern und
Bergen sein Leid. Sein Freund Laerito, dem er seine
Leidenschaft gesteht, weiss den begiuistigten, etwas
flatterhaften Liebhaber zu besfinmien, zu Gunsten Er-
bustos auf Flora zu verzichten, und ebenso entreisst er
der Hirtin die Zusage, dass sie Erbusto die Hand reichen
wolle, falls ihre Mutter es zufrieden sei. Wiilirend der
glückliche Erbnsto zu dieser Jlutter, Creonta genannt,
eilt, bereuen Flora sowohl, als Auieto ihr gegebenes
Wort und erstere begibt sich schleunigst nach Hause,
um ihrer Jlutter zu erklären, dass sie unter keinen Um-
ständen dem alten Erbnsto angehören wolle. Heftiger
Wortwechsel hieriiVter. Erbnsto kommt dazu, und das
(iespräch mit Creonta fülirt zu der wichtigen Entdeckung,
dass Flora gar nicht ihre, sondern Erbustos eigene, beim
Krieg in Piemont verlorene Tochter Nivetta sei. Natür-
licli werden jetzt die jungen Leute ein Paar.
Die Sprache der „Egloga"' ist, wie in den Volks-
stücken, oft derb oder gar obscön. Was die Fabel be-
trifft, so ist der Einfluss des damaligen Lustspiels'',
speciell der Intronateukoinödie unverkennbar. Was das
Stück nun von Beccaris Pastorale unterscheidet ist, ausser
dem Versmass, der geringeren Länge und Aktenzahl,
dass es keine sich kreuzenden Liebesverwicklungen, keinen
SatjT, keine Priester und keinen Chor hat. Das gleiche
Verhältniss besteht auch zwischen der FilciKi und dem
S<tcrifi<io, nur dass jene vier Akte, eine etwas reichere
Handlung als der Erbnsto und ausserdem, gleich il
Sacrißzio, Canzonen enthält.
Einen Sdiritt weiter füliren uns A. Calmos Euhtjhe
past. (gedr. 1553). Die alten Metren (Terzinen und
Octaven) sind liier fast ganz verschwunden und an ihre
Stelle die endcrasillahi sdniccioli sciolti getreten, statt
eines Liebespaares liaben wir schon zwei, ferner einen
Satyr (in der 3. Ekloge), mytliologische Figuren und
der Scliauplatz ist .\rcadien. Ja, Calmo gellt noch über
Beccari und dessen unmittelbare Nachfolger hinaus, er
entliält bereits alle f^lcnieiite des späteren Hirtendiaiiias:
Orakel, Zauberer und Zauberei, Verwandlungen, Echo
n. s. w. Das Wiclitigste aber ist, dass Calmos Pasto-
ralen äiinliche früliere Dichtungen zur Voraussetzung
liaben, denn der Venetianer zeigt sich in seinen anderen
Dramen so gründlicli in Form nnd Inlialt als blosser
Nachahmer, dass wir berechtigt und sogar gezwungen
sind, audi in seinen Hirtenspicieii iliii als solchen zu
betrachten. Demnach existirten schon vor 1553 Muster
* Rimo di M. Oio Affostino Cazzn etc. Venezia O. Giolito
de Kerrnri 154G »" (f. (i.j*— T.')" und 76"— Oi"").
' Üazzn scheint sich übrifjens selbst mit Komödien-
schreiben bcfasst zu haben, denn im l'rolo^ des Erbuslo sagt
er von sich : egli . . . ui promelle di fariii xenlire in breue
unu Comediu in prosa etc.
von Pastoralen, die ebensowohl Calmo, wie Beccari vor-
gelegen haben können.
Wirkte, wie wir oben sahen, das Lustspiel auf den
Inhalt des Pastoraldramas, so gab das Trauerspiel mehr
für die Form, dnrch seine gehobene Sprache (Verse),
seine Chöre, seine einfache Handlung das Vorbild ab.
Für den Inhalt des neuen Dramas war noch eine andere
Dichtung, ein Kind des Alterthums, der griechische
Roman'', von hoher, bisher wenig erforschter Wichtig-
keit. Grade in jener Zeit fand er in Üebcrsetzungen
grosse Verbreitung in Italien. Das Nähere Iiierüber an
anderer Stelle. Dies Alles zusammengefasst, erscheint
Beccaris Leistung, auch ohne dass mau die, übrigens
sehr wünschenswerthen, Nachforschungen nach seinen
unmittelbaren Vorgängern fortsetzt, schon erklärlicher.
Was nun Rossis Meinung betreffs des Orfeo anbe-
langt, so kann ich sie, so bestechlicli sie audi klingt,
iiiclit theilen. Es ist wahr, der Orfco und /7 Sacri-
fizio ähneln sich nicht viel: dennoch ist es walirschein-
lich, dass jener, wenn aucli nur indirect, auf das letztere
Stück Einfluss ausgeübt hat. Ganz unrichtig ist es, dass
der Orfeo „rimanesse iiifrnttuosa per uiia settantina
d'anui". R. citirt selbst einen von D'Aucona zuerst
bekannt gemachten Brief eines Floriano Dulfo**, worin
die Aufführung eines fünfaktigen Pastoraldramas in
Bologna beschrieben wird, das offenbar unter der Ein-
wirkung des Orfeo und Cefalo entstanden ist. Es ist
auch gewiss kein Zufall, dass dem Veranstalter dieser
Aufführung, dem protonotario A. Galeazzo Benti-
voglio der erste bekannte Druck des Orfeo dedicirt
ist. Jenes ungedruckt gebliebene Stück war sicher nicht
das einzige seiner Art. Es wäre auftallend, wenn der
Orfeo, von dem wir drei Auflagen bis 1524 kennen, so
spui'los vorüber gegangen wäre. Ich will dahingestellt
sein lassen, ob B. Castigliones Tirsi, welcher Canzonen
und einen Clior hat, vom Orfeo beeiuflusst war, aber
nadi Andeutungen bei Cressimbeni* möchte ich es von
dem kleinen Drama Filolauro (gedr. 1520) verniuthen.
Sicher scheint es mir aber, dass Giraldi Cinthio der Ver-
fasser der E(ih^^ (1545) und Calmo, oder vielleicht
seine unmittelbaren Vorbilder den Orfeo gekannt haben.
Anderseits gehört Egle zu Beccaris Vorbildern, eine
Ansicht, die schon Crescimbeni " ausgesprochen hat, und
Calmo und seine Vorgänger mussten dem Verfasser des
Sacriftzio auch bekannt sein, somit wäre der indirecte
Einfluss des Orfeo auf Beccari erwiesen. Die von
Poliziano eingefülirte Gattung mythologischer Pastoral-
dramen sollte überhaupt auch noch später Pflege linden.
L. Groto mit seiner Calisto steht ganz auf dem gleichen
Boden'- und ähnelt Poliziano auch in der Benützung
der (Quelle (Ovid). Ebenso H. Zoppio mit seinem 1573
gedruckten Midu. Ferner gehört noch hierlier A. Pau-
' lieber dessen Einfluss auf das Drama uberlmupt habe
ich eine Arbeit begonnen.
s Wieder obffedruckt in D'Anconas Oriijini eto. 2. Aufl.
(1891) II p. a70 ff.
9 Conientar) etc. IV. 1. D. cp. (Londra 1803 II p. 217).
'" Die Beweise bierfür nn anderer Stelle.
•' Coniontiirj (I.e.): . . egli e pero bcn vcro, che secondo
il nostro parcrc, nH'invcnziono del Beccari niolto dovettc
coopernrc la faticn del Giraldi, a ciii eomc diccnimo, sc
non si puö dnro il pregio d' inventor doUa buunn pastoral
poesla accomodata alla seena pur gli si debbe quelle d' esserc
State ad cssa, diciam oosi, condottiere.
" Es ist beaclitenswertli, dass der Verfasser des Cefalo
auch eine (nicht gedruckte) Fabiila di Calisto schrieb (s. D'An-
cona Oriijini II p. 380)7
381
1891. Literaturblatt für germanische und romanigche Philologie. Nr. U.
382
lillos löCt) gedrucktes Giudhio di Paride u. a. m.
Ich f;laube daliei-, dass man den Orfto mit Reflit an
der Spitze der Pastoraldianien nennt.
Als einen Mangel emptinde Ich es, dass E. uns nicht
etwas mehr mit den unmittelbaren Vorläufern Guarinis
bekannt gemacht hat. Ich würde lieber seine, ja doch
einmal unvollständige, Skizze zur Geschichte des Pastoral-
dramas vermissen, als eine Klarlegung dessen, was Gua-
i'inis Vorgänger, von Beccari au, für das Schäferspiel
gethan und wie er sicli ihnen gegenüber verhält. R.
gibt uns niclit einmal eine vollständige Liste von ihnen.
Ich finde noch erwähnt, ausser den vorhin genannten,
Sc. Diouisios Amor Corfese (1570?) degli Angelis
Licjuriiio (1574), Grotos Peiifimenfo Amoroso (1576)
und C. della Valles Fillide (1579), die noch vor dem
Aminta gedruckt worden, und vor der Abfassung, bezw.
vor dem Druck des Pastor fido erschien eine ganze
Reihe von Dramen, bei denen immerhin zu untersuchen
bliebe, iu welchem Verhältniss sie zu jenem stehen. Ich
nenne nur: G. Frattas Nir/ella (1580), Ch. Castellettis
Amarilli (1580), Cuchettis Pazzia (1581), A. Pasqua-
ligüs GVlnfricati (1581). G. Zinanos // Crt/-»/e (1582),
Crescis Tirrena (1584), Miaris Manr'uinno (1584),
P>art. Rossis Fiamella (1584), Rondinellis Galizia (1583),
sowie Pastoralen von Girol. Vida, Ingegneri, G. Sorboli,
R. Borghini, G. Avanzi, Ch. Lauro u. a. m.
Von dem gewaltigen Einflnss des Pastor fido auf
das Drama anderer Völker konnte E. natüilich keine
auch nur flüchtige Darstellung geben. Er beschränkte
sich auf einige kurze Bemerkungen über d'Urfe, Mont-
chrestieu, Eacan, Hardj', Mairet und Gottsched, und
liätte meines Erachtens besser gethan, den italienischen
Xachahmungen des Pastor fido mehr Aufmerksamkeit
zuzuwenden, als diese, doch nicht auf eigenen Studieu
beruhenden, Dinge vorzubringen. Die Zahl der directen
Xachbildnugeu des Pastor fido in Italien allein ist schon
eine sehr grosse. Den fünf von E. erwähnten möchte
ich, auf Grund meiner spärlichen Hilfsmittel, noch folgende
wenig bekannte hinzufügen: A. Niccolinis Kitoro Pastor
fido (s. a.), 6. M. Guicciardis Sogno (1601), Gir. Mal-
mignatis Clorindo (1604), R. Campeggis Filarniiiido
(1605), A. Cataldos II Pastor Costunte (1606), P. A.
Torrianis Floriano U Fido (1612), Pandimos Amorosa
Fede (1620), L. Moros II Pastor Infido (1621), A.
Fellecchias II ßdo Alessio {l'oAl), L. Coriglias l'iVi/i'/o
// Fido (1650), und endlich II Pastor Vedovo des Dio-
nisio Rondinelli; jedoch ist bezüglich des letzten
Stückes zu bemerken, dass, falls die Ausgabe von 1579,
von welcher uns die Bearbeitung der Drammatnrgiu
Allaccis von 1755 bei-ichtet (col. 608), kein Traum ist,
Guarini als Xach ahmer erscheinen würde. Mir scheint
letzteres indess nicht recht glaublich.
Lehrreich ist die Bibliographie der Ausgaben und
Uebersetzungen am Ende des Buches. Man ersieht
daraus die iin geheuere Verbreitung des Stückes, das sich
vom Augenblick seines Erscheinens an, bis in unsere
Tage, in der Heimath, wie im Ausland, trotz des der
Schäferdichtung abholden Zeitgeschmacks, dauernd in der
Gunst des Publikums erlialteu hat. Und doch ist die
Liste Rossis weit entfernt davon, erschöpfend zu sein.
Bei einigen Jahren führt er keine Ausgaben an, und es
ist nicht wahrscheinlicli, dass in denselben, besonders in
der ersten Zeit, Stillstand eingetreten sei. So fehlen
Drucke für die .Jahre 1593, 1597, 1601, 1604, 1606/7,
1609 — 12, 1614, 1617, 1619 20 u. s. w. Ohne sou-
derliclie Anstrengung vermochte ich den etwa 115 Text-
au.s gaben Rossis (für die Zeit von 1590—1830) noch
folgende 51 mir theils aus Katalogen, theils aus Biblio-
theken bekannte hinzuzufügen: Ven. Franceschi 1597,
Ven. Ciotti 1600, Ven. Ciotti 1602 16", Treviso 1603,
Ven. 1604, Ven. 1606, Ven. 1611, Ven. 1613, Ferrara
1613, Ven. 1618, Ven. 1619, Ven. 1621 Ciotti 4", Ven.
JHserini 1627, s. 1. 1639 12', Ven. 1650, Ven. 1654,
Par. 1656, Ven. 1663, Roma 1700, Ven. 1701, Päd.
1711, Frankfurt 1717, Par. 1734, Verona 1735, Lps.
1750, Par. 1759, Lps. 1768, Ven. 1768, Ven. 1783,
Orleans 1785, Par. 1785, Par. 1786, Ven. 1788 (col-
l'Euridice del Rinuecini), Roma 1797, Strassb. 1797, Ven.
1798, Erfiu-t 1799, Erlangen 1806, 1807, Londra 1809,
Gie.ssen 1810, Erlangen 1813 und 1814, Gfiessen 1817,
Roma 1819, Zwickau 1819, Avignon 1816, Lpz. 1829,
Amst. s. d. 32, s. 1. e. a. (circa 1650), Roma s. a. 16".
Ausgaben französisclier Uebersetzungen habe
ich zu den 25 bei Rossi noch weitere 25 gefunden,
ferner noch 2 englische, 7 deutsche und 8 holländische.
Die ei'ste Ausgabe der französischen Uebersetzung von
De Torche erschien nicht, wie E. meint, zuerst 1665,
sondern 1664 und zwar zugleicli bei Barbin und Quinet.
Als Verfasser der holländischen Uebersetzungen tiguriren
neben dem einen von Rossi genannten de Pott er noch
G. van der Eembd, ein Anonj-mus (J. V. D. M. D. H.),
H. Bloemaert und A. Pej's.
Da nun den Uebersetzungen oft auch der italienische
Text beigegeben ist, und zahlreiche Ausgaben sich meinen
und Eossis Nachforschungen entzogen liabeu dürften, so
übertreibt man nicht, wenn man behauptet, dass der
Pastor fido von seinem ersten Drucke an (1590) bis
1830 fast jedes Jahr mindestens einmal, aber oft wieder-
holt aufgelegt worden ist. Darnach sind Es. Angaben
S. 235 — 36 über die Zahl der Ausgaben zu berichtigen.
Ich glaube Ap. Zeno hat sich mit Unrecht über den
armen Fontanini lustig gemacht '3, welcher die Zahl der
bis 1602 erschienenen auf 27 und die bei Lebzeiten
Guarinis gediuckten auf 48 schätzte.
Eossi zeigte in dieser seiner ersten Studie bereits
alle die glänzenden Eigenschaften, die er später in an-
deren Arbeiten, in der Ausgabe von Calmos Briefen
(s. Ltbl. 1888, Sp. 540) und in der trefflichen Ueber-
setzung von A. Gasparj-s meisterhafter Geschichte der
italienischen Literatiu' weiter enfaltete. Möchte er uns
noch mit vielen Früchten seiner gi'ündlichen, scharf-
sinnigen Forschung, seines geistvollen UrtheUs erfreuen.
Nürnberg. A. L. Stiefel.
13 Biblioteca delV Eloqueuza ital. etc. Ven. 1753. I. p. 421 A.
D&r Widerspruch Zenos erklärt sich daher, dass dieser nicht
wusste, dass es zwei Ausgaben des I'. f. A'en. 1602 4" gab,
wovon sich eine auf dem Titelblatt als XX. impressione, die
andere als XXVII. impressione bezeichnet. Zeno kannte nur
die erstere, Fontanini die letztere. Nachdem ich selbst schon
23—24 Ausgaben bis 1602 gezählt habe, sclicint die Zahl 27
eher zu nieder als zu hoch gegriÖcn. — Von den 48 Aus-
gaben sollen übrigens nur 40 in Italien erschienen.
383
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 11.
384
Mnnthe, Ake W:son, Anteckningar om folkmälet i
en trakt af vestra Asturien. Akaücmisk nfliandling.
üpsnin, Aliiiquii^t. ISST. 'JS S. 8.
, Folkpoesi frän Astnrien, I. II. III. Upsala, Akad.
Boktryck. 18SS— Sil. r>(; S. 8. (S.-A. aus Upsala Univcrs.
ärsskrift lSS8-8ii.)
— — , Komance de la tierra. Clianson popiilairc asturienne.
6 S. (S.-A. aus Ri'cueil de meiu. pliilol., Stuckliolm 188!t.)
, Obscrvations sur les composes espagnols du
type „aliabierto". 2,5 S. (S.-A. aus Ree. clc niöm. i)Iiilol.)
Der Junge nordische Gelehrte hat einen Aufenthalt
von wenig Wochen im westlichen Asturien vortrefflich
ausgenützt. Die reichhaltigen sprachlichen Beobach-
tungen, welche er auf dem Lande, einige Stunden von
Cangas de Tineo gesammelt hat, sind unter Heranziehung
der ganzen Hable-Literatur und mit umsichtiger Be-
nützung des einschlägigen pliilologisclien Materials in
den Antäckningar sehr gut bearbeitet: die erste wissen-
schaftliche Klarstellung eines nordspanischen Dialekts.
Zu bedauern ist hier nur die Anwendung der schwe-
dischen Sprache: in Deutschland kann man wolil von
dem Philologen verlangen, dass er sich mit ihr abfindet,
aber nicht in den romanischen Ländern. Eine hübsche
Sammlung von Romanzen (darunter mehrere recht interes-
sante), Liedchen und Kinderversen schliesst sich an,
deren Werth diu'cli die Anmerkungen noch wesentlich
erhöht wird. Nicht ganz so glücklich wie bei fast allen
seinen Beobachtungen über den astur. Dialekt, ist Munthe
in den letzten der verzeichneten Arbeiten, so gerne ich
anerkenne, dass Fleiss und Methode ein gesichertes Er-
gebniss verdient hätten. Die Existenz jener Composita
im Altspan, ist, gegen seine Annahme, vollkommen ge-
sichert, ihre Häufung in späterer Zeit beruht auf neuen
stilistischen Bedürfnissen, nicht auf latinisirender Tendenz,
und die Quelle liegt an einer bestimmten Stelle des mittel-
alterlichen Sprachgebrauchs, Der eingehende Nachweis
würde indessen hier zu weit führen,
Freiburg i, B. G. Baist,
Wolff , E,, Prolegomena der literar-evolutionistischen
Poetik. Kiel u. Leipzig, Lipsius & Ti.schor. 1890. 32 S. 8.
Die Tendenz des Verfassers geht dahin, den Be-
gi-iff der Entwickelnng, den er für ein zuerst von der
modernen Naturwissenscliaft zur Geltung gebrachtes
Princip hält, als den grundwesentlichen Factor für den
wissenschaftlichen Aufhau der Poetik nachzuweisen.
Dabei soll jedoch nicht Scherers Verfahren massgebend
sein, welches eine Geist Wissenschaft wie die Poetik ..auf
die naturwissenschaftliche Entwickelnng selbst pfropfe-'
(S. 7), Sündern die objectiv historische Betrachtung des
Ganges, welchen die Ausbildung der Poesie in der Auf-
einanderfolge der Zeitalter und bei den verschiedenen
Völkern eingeschlagen hat, Demgemäss soll der „regu-
lirende Massstab" der Abschätzung im Ganzen und Ein-
zelnen nicht aus der „beschränkten Sphäre" einer be-
sonders liervorragenden Periode (S, 1 1) entnommen,
sondern aus der Hereinnähme aller ..lebensfähigen Keime"
der verschiedenen Entwickliingsstadien hergestellt werden.
Als Grundgesetz der Entwicklung ergibt sich dem Verf,
auf diesem Wege (im Gegensatze zu Scherer), dass die
älteste Form der Poesie allenthalben einen epischen
Charakter trägt, dessen ,,starre Objectivität" im Ver-
laufe seiner Fortbildung ,,allmälig durdi individuell
lyrische EmiitindHiigcn erweicht und durchbroclien wird"
(9), — was nach S. 12 eine Analogie mit dem allge-
meinsten Inhalte der Descendenzlehre ergibt. S, 13 f,
sucht an einem Ueberblicke der deutschen Literatur den
weiteren Gang der Entwickelnng, wie er von jenem
Anfange aus wesentlich mit bedingt erscheint, wie au
einem typischen Vorgange aufzuzeigen. Das Folgende
ist ein Vei-such der Vennittelung des „evolutionistischen"
Princips mit der ,, herrschenden Poetik", die der Verf.
einfach dem ,.Kanon Aristoteles" (in dessen Definition
der Tragödie) gleichsetzt und als im ßegritte der
y.ühuijoic (= Entladung) gipfelnd auffasst. Die Ge-
sannntdefinitiou aller poetischen Wirkung ist (24): „Ent-
ladung von eignen immanenten Seelenaffectionen, thätige
Erleichterung der eignen Seele durch Darstellung frem-
den (?) Lebens", wozu als Ergänzung S. 25 die Be-
stimmung, dass die Lust an der Darstellung ,.fremden"
Lebens nicht bloss negativ-erleichternd, sondern auch
„positiv-bereichernd" sei. Wir „fühlen uns mit Lust
aufgehen im Ganzen".
Da die kleine Schrift ein Programm des Verf.'s
mehr bezeichnen als begründen will, so ist eine ein-
gehende Kritik nicht am Platze. Was in der modernen
Poetik seit unserer klassischen Zeit von dem ,.Kanon
Aristoteles" noch nachwirkt, i,st allerdings nicht so vor-
wiegend die Quintessenz seiner Definition der Tragödie,
als vielmehr die Bestimmimg der poetischen Auffassung
und Darstellung im Sinne nicht bloss des o'ia lyv tj fativ
sondern des o'ta ilvai ö(T (Poet, Kp, 25), d. h, das
idealisirende Jloment aller künstlerischen Thätigkeit,
Eine Auseinandersetzung mit diesem Princip wäre für
den Zweck der Schrift trotz der durch ihren Rahmen
geboteneu Kürze nicht überflüssig gewesen. Bei Gelegen-
heit einer solchen würde sich freilich vielleicht ergeben
(gegen S, 31), dass die nothwendige Berücksichtigung
des evolutionistischen Wesens der Poesie keine Veran-
lassung gibt, das Bestehen von stetigen, durch alle Ent-
j Wicklungsstufen durchwaltenden poetischen Gesetzen zu
1 leugnen,
Giessen, H. Siebeck.
Zo i tsch r i f t eu.
Revne de linguistiqne et de Philologie coniparee Juli :
Hovelacque, Les liniites de la langue franfaise. —
Stenipf, Glossar zu Dechepaics Poesien (Sclihiss). F.
Am Urquell II, 10: B. W. Schiffer, Sümlcnkauf. — 11.
Frischbier, Riithscl-Gcschicliteii. — II. Volks mann,
Abdcriten von heute. — J. Se ni b r zy c k i , Ostpreussiscbe
Sprichwörter, Volksreimo u. Provinzialismen. — II. Tliccn ,
Volkslied au.s Schlcswijf-IIolstcin. • — Knautho, Schimpf-
wörter. — H. Sundcrniann, Üstfricsisches Volkstlunn. —
R. F. Kaindl, Der Eid im Volksleben. — II. Volks-
ni a n n , Thierfubeln. — K. Ed. Ilaasc, Sagen und Er-
zählungen aus der Grafschaft Ruppin und Ünigcgond. —
Ln. , M. Landau, Pfeifer, II. Volksniann, Kleine
Mittheilungen. — 11: L. Frey tag, J, Loeb, K, Knau-
the, H. Vol ksmann, Zaubcrglnuben. — R, F. Kaindl,
Knauthe, H. V o 1 ksmann, Uiebglaubcn. — Feilberg
u. Schlegel, Geheime Spracinveisen. — Knauthe u.
W. Lehr mann, Bnuopfer. — II. v. Wlislocki, Volks-
lieder der Siebenbürger Sachsen. — R. Oftcrding, Ab-
deritcn von heute. — J. Stanke, Geisterglauben. Die
Geister der nordischen Felsenwelt, — H. Senibrzycki,
Ostpreussisclic Sprichwörter u. s, w. — H, Volksniann,
Schimpfwörter, F.
Vierteljahrsschrift f. Literaturgeschichte IV, 4: Fritz
Winter, Goethes Anthcil am Wandsbecker Boten. — Gust.
Kettner, Schillers Malthcser. — Th. Odinga, Hermann
Kirchners Coriolanus. — Th. Distel, Ein Gedicht Ulrich
Königs, — Felix Lindner, Rostocker Findlinge. — Karl
Obser, Friedrich Eugen von Würtemberg und Klinger. —
Herrn. Fischer, Ein Jugondbriof Hölderlins. — Bcrnlmrd
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Max von Sclienkendurfs. — H. Löbner, Zu Hans Sachs.
385
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Xr. 11.
386
— Daniel J a c o b y , „Hans Sachsens poetische Sendung". —
Register. — Berichtigungen und Nachträge.
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La coUezione CC* IV. 2so;J3 dclla Biblioteca Palatina-Par-
meiise. [Coniedias ile ditterentes autores.) — V. Creseini,
Note provenzali I. Per un luogo di Gaucclm Faidit. II. Per
Uli luogo (li Laiifranco Cigala.
Fraueo-Gallia VIII, 9/10: L'n.sere franz. Schulgranimatiken.
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faire les ceiit pas, a cäte df, <i son cOte, aux cOles de und
n ses ciiti.i. — Besprechungen: Körting, Lat.-roman.
Wörterbuch. — W i 1 1 h ü f t, Sirveiites Joglaresc. — B ad lie ,
Beiträije zur Lehre von den franz. Fürwörtern.
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vina Conimedia (Forts.). — Fl. Pelle grini, Franimenti
d' un codice sconosciuto della Div. L'ommedia. — A. A g r e s t i ,
Eva in Dante e in Pier Lonibardo. — P., „Voglia*" assuluta
e „altra** nella D. C. — Coninicnto del Re Giovanni di
Sas.?onia (Filalete) alla Divina Conimedia (Forts.). — P.,
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viaggio danteseo und I. Del Lungo, Beatrice nella vita e
nella poesia del fecolo XIII.
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Nummern.) — 2/3: ü. Jlarchesini, I Danti del „Cento".
— 4: I. Del Lungo, Un doeumento inedito del Priorato
di Dante. — U. Jlarchesini, Ancora dei Danti ,del Cento".
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formen des Altfranzösischen. — 44: Paulson, Fragmentum
vitne sanctae Catbarinae Alexandrinensis. — Restori, Let-
teratura provenzale. — Ein altfr. Marienlied aus einer
Pariser Hs. des 13. Jb. 's bisg. von Andresen. — Wetz,
Shakespeare vom Standpunkte der vergl. Literaturgeschichte.
Göttingische gelehrte Anzeigen 15: Walther, Brandes,
Die jüngere Glosse zum Reinke de Vos.
Mittheilun^en des Vereins f. Hambnrj;. Geschichte 1890:
Tli. Schrader, StOrtebecker. — C. F. Gaedchens,
Englisches Theater in Hamburg.
Württemberg. Vierteljahrshefte f. Lanflesgeschichte
1S9Ü. I u. II: Blind, Der Scbellenberg (Etymol.); Zum
medizinischen Aberglauben.
Jahresbericht des flistor. Vereins f. die Grafschaft
Ravensberg zn Bielefeld 1891 : Bielefelder Rathsverhand-
lungen von 1.5S6 — 162S.
Mitttieilnngen des Mnsennisvereins f. Krain IV, 1: S.
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lichen Alpenländer.
Berichte des Freien deutschen Hochstifts 3 u. 4: M.
Koch, Neuere Goethe- und Sohillerliteratur. — O. Heuer,
Pb. Chr. Kayser, Goetlie und Klinger.
Prenssische Jahrbücher 68, 4: M. Bernays, Vor- und
Nachwort zum neuen Abdruck des Schlegel-Tieckschen
Shakespeare.
Nord und Süd Oct. : Herrn. Hirt, Franz Bopp, der Be-
gründer der vergleichenden Sprachwissenschaft.
Die Gegenwart 38: A. W. Ernst, Theodor Körner. — 39:
Th. Zolling, Theodor Körners Stammbuch.
Die Grenzboten 41: W. Ribbeck. Lenau und Sophie
Löwentbal. — 42 : Das Grillparzer-Jahrbucb.
Schweizerische Rundschau 7: F. Wald mann. Die Hohe
Karlsschule und die Schweiz.
Blätter f. literar. Unterhaltung 37: A. Brieger, Zolas
,Geld''. — Ad. Schrötern. A. H e r ra a n n , Zur Geschichte
modernen Geistes. — F. Bienein an n. Zum Gedäclitnisse
Theodor Körners. — 38: L. Fränkel, Neues zur , Faust-
Philologie" (Stiller, Goethes Entwürfe zum Faust ; Strelilke,
Paralipomena zu Goethes Faust; Ders., Wörterbuch zu
Goethes Faust; Kraus, Das böhmisclie Puppenspiel vom
Doctor Faust : G. Hauck, Technikers Faust-Erklärung). —
39: H. Düntzer, Ein neues rätbselhaftes Blatt Goethes
über seinen Faust. — F. Bienemann, Die Spracbenfrei-
heit — ein neues völkerrechtliches Problem. — 42: M.
Groben, Ein Liebespaar (Lenau und Sophie Löwenthal).
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über Lenz; Sander, Fr. Lückes Briefwechsel mit den Brüdern
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Hölderlin. — 477: S. S(aino8ch), Sclilaraffenlanil (Mathible
Seraos ,11 paese di Cuccagna", 1891). — 507: M. v. Bun-
sen, George Mcredith, ein englisclier Erzähler. — .^09:
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Studie. — 267. 269. 271 : Otto B rali m. Aus Schillers Leben.
— 294 u. 295: II. Ostlioff, Germanischer Spratdie Eigen-
art. — 297: L. Fränkel, Friedrich Zarncke. — 304: L.
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our lady, by Lydgate. — Content, Contents. — 1014:Alleyn
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for measure I, 1. — Paget Toynbee, Guill. de Digulleville.
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private life of Sir Thomas More. — Rbys, Welsli fairies.
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The Atlantic Monthly 408: H. F. Randolph, In London
witb Doctor Swift. F.
The Contemporary Review 310: W. E. H. Locky, Car-
lyle's message to bis age. F.
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lon] et ses collections de portraits. F.
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387
1891. Literaturblatt fQr {germanische und romanische Philologie. Nr. 11.
388
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Atti della r. Accadeniia dei Lincei. Remlicunti. Scr. IV.
vol. VI, 1: V. de B ar t h o lo mac i 8, Di un eodice Senese
di Sucre rappicscntaziüni. — 2: Crescini, Del Canzoniere
provcn^ale \ (.Marc. App. XI). — O. B. Siragusn, L'e-
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d'Angiii del Petrarca. — Zaniioni, Serihi inediti di Lo-
renz!) Valln.
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])ucnia del see. XIV.
L'Ateneo Veneto Ser. XIII, vol. 1, fasc. 1. 2: V. Pas-
quini, La concubina di T-tone nel IX del Purgatorio. —
Vol. II, 1—3: Sabal ich. Per la storia critica di un vcrso
dnntescho (Inf. VII, 1). — 4 — 0 : L n ni ni a , II triunt'o d'Aniüre.
Archivio storico per le provincie Napoletane XV, 1:
Ci. Kacioppi, Per In storia di l'ulcinella.
Sliscellanea Francescana di Storia, di Lettere, d'Arti
vol. V, 1: Xovati, Suirnutore del piü nntieo poeuia della
vita di S. Francesco, congetturc e riHessioni. — 2: ¥.
Cristofani, Memorie del b. Pietro Pettinagno da Siena
(zu Purg. XIII, 52). — 3: Ed. d'Alenjon, Sul piü autico
poenia della vita di S. Francesco. — Novnti, LWnti-
cerberus di fr«' Bongiovanni da Cavrinna analizzato ed
illustrato.
11 Bibliofllo XI, 12: U. Cosmo, Lc stampe della Commedia
e ilellc üpeie luinori di Dnnte nel scicento.
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neo, Del sentimento nristocratico di Dante. — 9: Filo-
ni usi-Guelfi , L'angelico caiibo (Purg. XXXI, 132). — 10:
C o 1 a g r 0 s s 0 , La nietricn nclla cronologin del Canzoniere. —
F i 1 o m u s i - G u c 1 f i , Ancora due parole sul vedere di Salomone.
— 11: Rajna, Lo sclienin della Vita Xuovn. — 12: liat-
tistella, Quattro sonetti inediti di Cecco Angiolieii da
Siena. — 13: Fiammazzo, Di un nuovo Invoro sul testo
critico della D. Commedia. (Ueber Negroni s. Ltbl. XI, 273.)
— Colagrosso, Per una Variante di punteggiature (Par.
XIII, lOä). — 14: Fiammazzo, Di una lezione secon-
dnria della D. Commedia (Purg. XXI, 25). — Amirante,
Ancora sul v. 107 del o. V dell' Inferno. — III, 1: Medin,
Suir U80 del verbo Solere. — 2: Foffano, II classicismo
nel Morgante del Pulci. — Pasquini, II desdcgno di O.
Cavnlcanti. — 3: Biadene, Caribo. — Filoniusi-
Guelfi, Le Pnroffie del Cielo (Dnnte, Par. XXVIII, 84).
L'Arcadia 11, 1.2.3.5.7.8. 11: A. Bartolini, Commento
popolare della Divinn Commedia. — 2. 3. 4. 5. 11. 12: E.
Salvadori, La vita politica di F. Petrarca. — 5: Ders. ,
Note Dantcsche (Par. I, 38— 41). — 12: B ar t o 1 i ni , Dante
c la neve.
Nuova Antoln^ia A. XXVI. 3. serie. Vol. 35. fasc. 19: G.
Cliiarini, Theodor Körner.
Revista ile Espana 15. u. 30. Juli: Menendez y Pe-
layo, De los origenes del criticisnio y del esocpticismo y
especialmente de los piecursores espanoles de Kant. — Dela
Sala, Costumbres espafiolas cn el siglo XVII.
Neu erschienene Bücher.
Amira, K. v., Thierstrnfcn und Tliicr|irozesse. S.-A. aus den
Mittlicilungen des Institut.s für üstcrr. Gescliichtsforschung
XII. Bd. 4. Heft. S. 545— G02. Innsbruck, Wagner.
Borinski, K., Orundzüge des Systems der artikullrten Pho-
netik zur Revision der Principien der Sprachwissenschaft.
Stuttgart, Göschen. XI, G(j S. gr. 8. M. 1,50.
Jesperscn, Otto, Freinskridt i sproget. Kjobcnhavn, Klein,
et) S. 8. (Studier fra sprog- og oldtidsforskning udgivne nf
den philolügisk-historiske samfund N. 4.)
Per.sson, P., Studien zur Lehre von der Wurzelerwcitcrung
und Wurzelvarintion. Upsnla, Akud. Buchhandlung. VI,
294 S. 8. M. 8,80.
Varnh age n , Herrn., l'assio sanctnc Cntherinne Alexandrinac
mctrica c duobus libris manuscriptis ed. H. V. Erlanger
üniversitätsprograniin. 25 S. 4.
Bisch off, IL, Th. Kürners Zriny, nebst einer allgemeinen
Uebersicht über Th. Körner als Dramatiker. Leipzig, Fock.
90 S. 8. M. 1,50.
Brandstetter, Renward, Die Reeeptiun iler neuhoch-
deutschen Schriftsprache in Stadt und Landschaft Luzcrn,
IGOO - 1830. (Aus dem Geschichtsfreund der V Orte, Jnhrg. 46.)
Burghnuser, Gustav, Die neuhochdeutsche Dehnung des
mild, kurzen Stammvokals in offener Silbe, vornehmlich
unter phonetischem Gesichtspunkte. 25 S. 8. Aus dem XV.
Jahresbericht der deutschen Staatsrealsch. in Karolinenthnl.
D c n k ni ii 1 e r der älteren deutschen Literatur für den literntur-
gcscliichtlichen Unterricht an höheren Lehranstalten hrsg.
von G. Büttichor und K. Kinzel. II, 1 : VValther von der
Vogehveido und des Minnesangs Frühling. 2. Aufl. VIII,
115 S. M. 0,90. — III, 4: Kunst- und Volkslied in der
Reformationszeit. VII, 140 S. JI. I. Halle, Buchhandlung
des Waisenhauses.
Erdmnnn, Axel, Ueber die Heimat und den Namen der
Angeln. | Skrifter utgifna af Humanistika Vetenskapssnm-
fundet i Upsala I. l.]'Upsaln. .Vlnuivist & Wiksell. 1890—91.
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und Filz im Germanischen nebst einem Excurse. [Ebenda
L 3.] Up.sala. 48 S.
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Dissertation. 4G S. 8.
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lation from the Swedish, by Rasmus B. Anderson. 702 p. 8.
Sonnenschein. lÜ/G
Schauspiele, schweizerische, des IG. Jh. 's, bearb. unter
der Leitung von Jakob Bnechtold. Zweiter Band. Susnnnn
von Sixt Birck und der Weltspicgel von Valentin Boltz,
bcnrb. von Alb. Gessler. Fraucnfeld, Huber in Comm.
Wolff, J., Deutsehe Dorf- und Stadtnamen in Siebenbürgen.
Beilage zum Progr. des Gvmnasiums in Mühlbach, Sieben-
bürgen. 31 S. 4.
Wörterbuch, deutsches, VIII, 7: Romanbauherr— Ruck,
bearbeitet unter Leitung von M. Heyne.
Balg, O. IL, The first gcrmanic Bible translatod from the
greek by the gothic bishop Wulfdn in the fourth Century
und the other rcmains of the gothic language. Ed., with
an introductio.i, a syntox, and a glossary. Milwaukce, Wis.
XXII, 4G9 S. 8.
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zum Evang. Matthäus und der mercische Dialekt. I. Vokale.
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E. Karrns. gr. Lex. -8. M. S.
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Works. 28 p. 8. Gibbings (Canterbury). Siiiipkin. 1,
Mnundeuill, The Büke of John, being the travels of Sir
John Mandeville, Knight 1322 — 135G, a hitherto unpublished
English Version from the unique copy (Egcrton Ms. 1982)
in the British Museum ed. together with the Freneh text,
notes and an introduetion by George F. Warner. Illustrated
with twenty-eight miniatures reproduced in fac-siniile from
the ndditional Ms. 24, 189. l'rinted for the Roxburghe Club.
Wostminster, Nichols and Sons. gr. 4. XLVl, 232 p. 28 min.
Albert, P., La Littdraturc franjaise au XVII" sidcle. 8°
edition. In-18 Jesus, 471 p. Paris, Ilachette et C. fr. 3,50.
lübliotheque variee.
Blonilel, R. CEuvres de Robert Blondel, historien normand
du XV" sieile. Publiecs d'apre,s les manuscrits originaux,
avec introduetion, notes, variantes et glossnire, por A. Ilöron.
T. 1°''. In-8, 507 p. Konen, Lestringant. Publication de la
Societe de l'histoire de Norinnndio.
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lc odi bnrbnre di G. Carducci, con la nuova metrica clas.sicn
itnliana, seguitn ilnlle odi classiehe di Vittorio Da Camino.
Torino, G. B. Pnrnvin e C. XV, 343 p. L. 5.
389
1891. Literatarblatt für germanische und romanische Pliilologie. Nr. 11.
390
Canti politici popolaii, raccolti a Vittorio e ncUe suo vici-
nanzc da L. Mnrsou: capitolo di saggio d'una raccolta, giä.
proiita per la stanipa, di canti popolari trevigiani. Vittorio.
84 p. 16. Per le nozzc Sbrojnvacca-Marson.
Canti popolari pisani, raccolti c ainiotati da Alfrede Gian-
nini. l'isa. 100 p. lij.
Carrettü, Galeotto Del. Ciuque poesie spagnuole attribuite
a Galeotto Del Carietto, tratte dal codice estense XI. B.
10. Caipi. Pubbl. da Hetty ed. .\lc3s. Spiiielli per le nozze
di Donienico Vandelli con Laura Muratori.
C r e s c i n i , V., II contrasto bilingue di Rambaldo di Vaqueiras.
l'adova, Randi.
Crovato, G. B., Camillo Scroffa e la poesia pedantesca.
l'arma, L. Battei. 157 p. 16. L. 2.
Dante. .V translation of Dante's Eleven letters, with e.xplana-
tory notes and histurical comments by Charles Sterrett
Lathani. Edited by George Rice Carpeutcr. With a preface
by Charles Eliot Norton. Student's Edition. Boston and
New York, Hougliton, Mit'flin and Comp. XV, 284 p. 8.
Delfour, L. C, La Bible dans Racine. In-8, X.'CVI, 267 p.
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Doli sie, L., Ancicnues traduetions frangaises du Traite de
Petrarque sur les reraedes de l'une et l'autre fortune. In-4,
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raanuscrits de la ßibliotheque nationale et autres biblio-
theques (t. 24, premiere partie).
— — , Xotice sur un psautier latin-frangais du XIP siele
(Ms. latin 1670 des nouvelles acquisitions de la ßibliotheque
nationale). In-4, 18 p. et planche. Paris, Klincksieck. Tire
des Notices et Extraits des manuserits de la Bibliotheque
nationale et autres bibliotheques (t. 24, premiere partie).
Du Camp, 51., Les Grands Ecrivains francais. Theophile
Gautier. In-18 Jesus, 201 p. et portrait. Paris, Hachette et
C^ fr. 2.
Dugit, E., Racine et la tragedie classique. In-8, 25 p. Gre-
noble, impr. Allier pere et fils. E.\trait des Annales de l'en-
seignement superieur de Grenuble (t. 8, u° 1).
Eicke, Theodor, Zur neueren Literaturgeschichte der Roland-
sage in Deutscliland und Frankreich. Eine literarhistorische
Studie. Leipzig, Fock. 56 S. 8. M. 2.
Escrig y Martinez, J., Diccionario valenciano-castellano
de D. Jose Escrig y Martinez, y un ensayo -de Ortografia
lemosinu-valenciana, por una Sociedad de literatos, bajo la
direcciön de D. Constantino de Llombart. Cuaderno 22.
(Päginas 841 ä 880.) En 4. Madrid, Murillo. 1 y 1,25.
E .X t r a i t s des Chroniqueurs frangais. Villehardouin, Joinville,
Froissart, Commines, publies avec une introduction, des
notices, des observations grammaticales, un glossaire, des
notes et une carte ä l'usage de la classe de seconde par
Gaston Paris et A. Jeanroy. Paris, Hachette. In-16. fr. 2.
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italiane del medio evo: appunti. Reggio Calabria, Caruso.
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Leopardi, Giac, Lettcra (30 marzo 1821) al conte Giulio
Perticari. Pesaro. 4 p. 4. Pubbl. da Giac. Vanzolini per le
nozze di Giuseppe Picoiola con Bice Vaccai.
Littre, E., et A. Beaujean, Dictionnaire de la langue
frangaise. Abrege du Dictionnaire d'E. Littre. Nouvelle ed.,
entierement refondue et conforme, pour l'ortliographe, ä la
derniere edition du Dictionnaire de l'Acadeniie fran^aise.
In-8 ä 2 col., XI, 1, 296 p. Paris, Hachette et C. fr. 13.
Marchesini, U., Due studi biografici su Brünette Latini.
Venezia, Antonelli.
^ — , Documenti inediti di A. Mussato. Bologna, Fava e
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— — ,1 Danti del cento. Firenze, La"ndi.
Marien lob. Ein altfranzösisches, aus einer Pariser Hand-
schrift des 18. Jh. 's zum ersten Male hrsg. von Hugo An-
drescn. Halle, Niemeyer. 48 S. kl. 8.
Maruffi, G., Piccolo manuale di metrica italiana. Terra-
nova di Sicilia.
Mazzoni, G., Un pianto dclla Vergine in decinia rima.
Venezia, Antonelli.
Monticolo, G., Poesie latine del principio del sec. XIV.
Bologna, Fava e Garagnani.
Mosch i, Lor., Sonetti due. Pesaro. 2 p. 4. Estr. dal codice
Riccardiano 1108 e pubbl. per le nozze di Giuseppe Picciola
con Bice Vaccai.
Novati, F., Donato degli Albanzani alla Corte Estense. Fi-
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Oehlert, Gustav, .\lt-Veroneser Passion. Text, Laut- und
Formenlehre. Glossar. Hallenser Dissertation. 62 S. 8.
Petrarca, Francesco, I Trionfi. Facsimile in Zinkographie
nach der höchst seltenen in Florenz 1499 gedruckten Aus-
gabe. Rom, Loescher & Co. 72 S. mit Holzschn. fr. 20.
Ra.jna, P., Le origini della lingua italiana. Milano, Trevcs.
Roman de T liebes, Le. publie d'apres tous les manuserits
par L. Constans. 2 Bände. 513 u. CLXIX, 400 S. 8. Publ.
der Societe des anciens textes frangais.
Romani, I., Abruzzesisnii. 2." ediz. Teramo, Fabbri.
Ronsard, P. de, Qi^uvres. Nouvelle edition, collationnee sur
Celle de 1609, avec notice par Benjamin Pifteau. In-12, XII,
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Rossmann, Phil., und F. Schmidt, Lehrbucli der franz.
Sprache auf Grundlage der .Anschauung. Bielefeld u. Leipzig,
Velhagen & Klasing. VII, 262 S. M. 2.
S alo m 0 n e- M a r in 0 , S., Come si prepari la sposa: uso
nuziale dei contadini di Sicilia. Palermo, Vena.
, Buon capo d'anno! uso contadinesco siciliano. Palermo,
Giorn. d. Sic.
S 0 1 e r t i , Ang., Notizie del padre carmelitano Dionisio Solerti.
Bologna, Zanichelli. 19 S. 8. Seguono: la Magnificat, l'Anima
pellegrina e il Fuoco, poesie di Dion. Solerti. Pubbl. per le
nozze di Vincenzo Ferrari con ßeatrice Solerti.
Thomas, A., Vivien D'Aliscans et la legende de St. Vidian.
Paris, Bouillon.
Tocco, F., Nuove pubblicazioni del P. F. Elirle sul ranvi-
mento francescano nel sec. XIV. Estr. d. Arch. stör. ital. 1891.
Literarische Mittheilungen, Personal-
nachrichten etc.
Die Beschäftigung mit der neueren deutschen Literatur-
geschichte soll nunmehr vom Beginn des nächsten Jahres ab
gleich den anderen Wissenschaften ein Organ erhalten, das
dazu bestimmt ist, die Gesainmtheit der Fortschritte auf ihrem
ganzen Forschungsgebiete in jährlichen Berichten zusammen-
zufassen. Der Titel des neuen Organs wird lauten , Jahres-
berichte für neuere deutsche Literaturgeschichte". Für die
einzelnen Theile sind als Mitarbeiter die hervorragendsten
Fachgelelirten gewonnen, wie Prof. Dr. Jakob Bächtold, Prof.
Dr. Michael Bernays, Dr. Johannes Bolte, Prof. Dr. Wilhelm
Creizenach, Dr. Georg EUinger, Dr. Ernst Elster, Prof. Dr.
Ludwig Geiger, Prof. Dr. Ludwig Hirzel, Dr. Otto Harnack,
Prof. Dr. Gustav Kawerau, Dr. Karl Kochendörtfer, Dr. Albert
Köster, Dr. Rudolf Leiiniann, Prof. Dr. Berthold Litzmann,
Wirkl. Geheirarath Dr. Gustav v. Loeper, Dr. Victor Michels,
Prof. Dr. Franz Muncker, Dr. Ernst Naumann, Dr. Otto
Pniower, Director Dr. Carl Chr. Redlich,. Prof. Dr. Alexander
Reifl'ersoheid, Prof. Dr. Max Roediger. Prof. Dr. Gustav Roethe,
Prof. Dr. August Sauer, Prof. Dr. Erich Schmidt, Prof. Dr.
Edward Schröder, Prof. Dr. Philipp Strauch, Prof. Dr. Max
V. W'aldberg, Dr. Oscar F. Walzel, Dr. Alexander v. Weilen,
Prof. Dr. Richard Maria Werner. Die Leitung ruht in den
Händen der Herren Dr. Julius Elias, Privatdocent Dr. Max
.Herrmann und Dr. Siegfried Sz ama t 6 1 s k i (sämmtlich in
Berlin). Die , Jahresberichte für neuere deutsche Literatur-
geschichte'" werden im Verlage der Göschenscheu Buchhand-
lung zu Stuttgart erscheinen; die Redaction befindet sich in
Berlin W'., Mafthäikirchstr. 4 II.
An der Universität Halle habilitirte sich für romanische
Philologie Dr. F. Heuckenkamp.
Antiquarische Kataloge: Geering, Basel (218 :
Deutsche Litcraturgeseh., Folklore u. Sprachw.) : Hecken-
hauer, Tübingen (123 : Germ. Sprachen u. Lit.) : J o 1 o w i c z ,
Posen (Deutsche Lit.); Lindner, Strassburg (Deutsche Spr.
u. Lit.); List & Franke, Leipzig (233: Volkskunde, volks-
thüml. Lit.); Otto, Erfurt (438: Neuere Spr. u. Lit.; 439:
Literaturgeschichte, Deutsch).
Druckfehler. Sp. 351 Z. 16 v. u. 1. Giornale storico
della letteratura italiana.
Abgeschlossen am 9. November 1891.
391
1891. Litcruturblatt fQr gorniADische und romiiDischc Philologie. Nr. 11.
392
Anfrage und Bitte.
üntcrzeichiiotor pi-suelit nl!c diejenigen, die Handscliriftcn
(aucdi Ix'ii'its iiodiiK-ktcr) l'lilandsclior Oodiolito, liriofo von
i seiner Hand oder nn ihn sowie sonstifje auf ihn bczüf^liche
Papiere besitzen oder von ilcrcn Vorhandensein nn verstecktem
Orte wissen, um gütige Mittlieilung.
Leipzig. I)r. Ludwig Fränkel.
N 0 T I Z.
Den ccrmaiiistisctien Theil rcdigirt Otto Behaffliel (Giessen, BahnhofetraeAC 71), den romanietieclien und engUechcn Thril Fritz »amann
(llt^dclborc^. Hohrbachcretr. 51). und man bitlet die neilra;;c ( Kecetiaionen, kur/.e Notizen. Peraonalnacbricbtei. etc.) dem Piiteiprcchend grrftUi{:et /.u adrcesiren.
i)io Urdnctton richtet an dio Herren Verleger wie Vorfnaser die Bitte, dnfür Sorge trafen /u wollen, dasB alle neuen Werke ;;ernianiBti0chen und
roniaiiistif)ctien Inhalts ihr gleich nach KthcIi einen entweder dircct oder durch Vcrnuttelung von O. K- Koisland in l^ciprÄj; zu^eeaudl
worden. Nur in diesem Falle wird dieKrdactiun stets im Stande sein, über neue Publicatioueii cineBeBprecbung oder
k ii r r. r r e K e m o r k u n :• (In der B i b 1 1 o t; r.) /. u b r i n y- e ii. An O- 11. Uoisland sind auch die Aufragen über Honorar und Sonderabzüj^e zu richten.
11 Preis für dreigespaltcne 11
II Petitzeile 25 Pfennige. |
\<^^—^ —rrr —^^
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Umfang M. 12, 15 u. 18.
Verlag von O. R. REISLAND in Leipzig.
Phrases
d-
tous les jours
l.ar
Felix Franke.
Q u a t r i r m 0 c d i t i 0 n.
•!ll S. 8. Preis di 0, SO.
Ergänzungshefte zu Franke, Phrases.
Krgän/,iiiit;sheft zu Phrases de tous los
jours. Von Felix Franke. Dritte
_ Aufl. 1801. Geh. M 0, 80.
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valents of Franke's Phrases de tous
les jours by E. Th. True, Frcneh
and Oerman Master in the Harris
^ .\cademy, Dundee. 1890. Ji 0,80.
Kingoführt in :
Literarische Anzeii^eii.
Verlag von O. R. Reisland, Leipzig.
-^y
g Verlag von J. A. Barth in Leipzig,:
Silurch alle Huclihandlungen zu beziehen;^ „ , ,.
g 3 Soeben crscliion
jFr. Diez, Leben und Werke derj
^ Troubadours. 2.vcim. Aufl., Ins^-.ä
^ V. Karl Bartsch. 506 S. 8«. J6 I0.*)a
|— Die Poesie der Troubadours. ii
I 2. vtim..\urt.,hr.s-v. Karl Bartsch.-^
I 337 Seiten. 8". Ji 6.40.*)
§ *) Ex. in Ilalbfranzband M. 1.25 mehr.
g Beide Werke bilden dio Grundlage
Sdcs jetzt so aufgeblühten Studiums ilor
.\nistcrdam.
Berlin.
Boehuni.
Bonn.
Cliiiatiania.
Detmold.
Dundee.
Elberfeld.
Frankfurt a.
Genf.
Glasgow.
Graz.
Hannover.
Jin'n.
Kiel.
Köln.
Kopenhagen.
M.
Leipzig.
Liegnitz.
London.
Marburg.
München.
Münster.
Nürnberg.
Paris.
Prag.
Rotterdam.
Kumburg.
Stockholm.
Tilsit.
Traunstein.
Upsala.
"Wien.
Zürich.
Dieliter. — Sie sind rbciisoj
gilires wissens(diartlichen Wortlies, alsS
Qdes schönen, gut veratändlicliin StilsE
plialber klassisch zu nennen und gewäliron;^
gauch solchen Freunden der mittolaltcil. J
S.Minnepuesie reichen Genuss und Be-r
Blehrung, welche die provenzal. Spracliej
gnicht spccicU studiren.
3jL>i-ri:y,-rLFi-rLrrrcm>r»Tyi n ri m rrm-wrwt .
Dr. Gottlob Egelhaaf
Professor um Karlsi^ymnasium zu Stuttgart
Gruudzüge der deutscheu
Litteraturgeschiclite
Ein Hilfsbnch für Schulen und Privat-
gebraiich.
Afhic Anihiiie. Mit /eiltafel u. Ui'gister.
Prds ]i(li. 2 M., ijeh. 31. -JAO.
-= Auch für MädchenschDlen geeignet. =—
Amtlich em|ifoldcn vom Grossh. Bad.
Oberschulrat in Karlsruhe.
Verlag von O. R. RKISL.\ND in Leipzig.
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Zwei Sbakespeare'sche Fraaen-Ctiaraktere.
Xiiih Briefen von
Ilploiia Faucit Martin.
Ins Doutscbe üticilrasen von
Karl Lentzner.
62 Seiten. Lex.-8. Preis Jt 1,60.
Eingeführt
in :
Aarau.
Gumbinncn.
Kürnberg.
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Oldenburg,
An ArbOr (Ame-
Sohw. Hall.
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rika).
Heidelberg.
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Ba>loii-Bailon.
Ileilbronn.
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Berlin.
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Itiberfti'b.
I-Iau.
moi'kholm.
BruebKal.
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Htrarsburg.
Biickcburg.
Kartsruhe,
Stuttgart.
Bnnzlau.
Königsberg.
Trieat.
Canstatt.
Konstanz.
Tübingen.
Daiizi^;.
Kope'ihagen.
Ulm.
Dresden.
Leipzit.'.
Upsala.
EllwanKen.
Lürrach.
\\ andftbock
Emmendingen.
Ludwige>burg.
Wert beim.
Frankfurt o. M.
Mannheim.
\\ ien.
Freiburg i. B.
Marburg.
Zutphen.
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Verlag des Art. Institut Prell Füssü in Züricli.
KleiiiPiitarbiicli dor fraiizösisclien Sprache
für Obcrrcalscliulen, Koalschulon und ver-
wandte Anstalten. Von Dr. Gnstav
Luppe, Oberlehrer an der Oberrealsehulo
zu Kiel und Julius Ottens, ord. Lehrer
nn der Oborrealscliule zu Kiel.
FÜI! I. TKIfi. Das er.sto Scbuljabr. In Rück-
s K X T .V und Kcklcdcr geb. M. l.jO.
Ki'U II. TKIL. Das zweite Schuljahr. In Rück-
nUlSTA und Eckledcr geb. M. 1.80'.
KiJK III. TEIL. Das dritte Schuljahr. In
U II AK TA RQck- und Eckleder geb. M. 2.—
Französische Sclnil^n-aiiimatiiv im .\iiscliliiss
nn das Elementarbuch von Liij>/>c-<>ll(iis.
Bearbeitet von J. OttenB. In Rück- und
r.ckledor geb. M. S.dO.
*j* Der in dieser Grammatik gebotene
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Prima ausreichend.
Übnn^sbncli z. Übersetzen ins Französische.
l-'i'U Im Anscldusse an des Verfassers Schul-
"^"'"'''lUs''^'''''^ grammatik von J. Ottens. In Rück- und
UNTERSEKUNDA Kckleder geb. M. 1.40.
Verlag von O.
R. REISLAND.
Fl l{
i:ntei:tki!Tia
HIS
l'NTEI.'SK.KtNDA
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Soeben erschien:
SpokeU Euglish, Everyday talk with phonetlc
tranacription by E. T. TrilP. french and
german master, Harris Academy, Dundee and
Otto .lesper.seil. Ph. D., Leeturer at the Uni-
versity of Copenhagen. (iv, (iO S. kl. S».! Preis:
broch. 80 Pf.
(Knglisclie Ueberselzung und Bearbeitung von:
Franke, phrases do tous les jours, englischer Text mit
]>lionetischpr Umschreibung.)
Kurze Darstellung der euglischen Aus-
sprache für Schulen und zum Selbstunterricht
von An;ü,'. We.Steni. 2., vermehrte Auflage. (121 S.
kl. 8».) Preis: br. 80 Pf
Dio Vermehrung bringt ein nlphabotisches Wort-
verzoichniss und S|iraehproben, beide mit phonotisober
Umschreibung.
Verantworlliclier Uedacteur Prof. Dr. Fritz Neuinaiin in Heidelberg. — O. Otto's Hofbuchdruckerci in Darmstadf.
LITERATURBLATT
FÜR
GERMANISCHE UND ROMANISCPIE PHILOLOGIE.
HERAÜSGKGEBEX YOX
J3R. OTTO BEHAGHEL uxd D'' FRITZ NEUMANN
o. 5. Professor der germanischen Philolog-ie
in der Universität Giossen.
o. ü. Professor der romanischen Philologie
an der Universität Heidelberg.
VERLAG VOX
Erscheint monatlich.
O. R. REISLAND. LEIPZIG.
XII. Jahrgang.
Nr. 12. December.
PreiH halbjährlich M. 5.
1891.
Müllfnhoff, Deutsche Alterthumskunde iG v \ -
t h e r».
H e e er e r . L'eber die Trojanersii^e der Franken u.
Normannen 'Beha^b'elt.
Tan Hellen, Ahosifries. Grammatik t K a a f f -
mannt.
Ooldbeck-Loewe, Zur Geschichte der freien
Verse in der deutschen Dichtung (Heuslerj.
B e r g e r . Friedrich der Grosse und die deutsche
Dichtune (M u tu- k e rt.
Wetz. Shakespeare vom .Standpunkte der ver^I. ' Restori, Le gesta del Cid (Bai st).
Literaturgeschichte (Pröscholdti. [PhilologischeAbhandlun^en, Schweizer
Kosrbwitz, Grammatik der neufrauz. Schrift- i Sidier gewidmet iS c h u c ha rdti.
Sprache tMeyer-Lübke). Bibliographie.
La Fontaine, tEuvres. X. Ed. par M. H. Regier (Literarische Mittheilungen, Personal-
iMann). | nachrichten etc.
P 1 a 1 1 n e r , Franz. Stilschule (Becker). I W r e d e . Berichtigung.
Peregrinaggiü di tre giovani, figliuoli del re v. Grienberger, Antwort.
di Serendippo. Xach dem Drucke von 15öT hrsg. Cambridge University Press.
v«in Gassner '("W i e s ei. Foi'rster. Zu nie et Galeron.
Müllenb off. Deutsche Alterthnmsknnde. V, 2. Berlin,
Weidmann. 1S91. M. 2.
Das Xaehtragsheft zu DA. V, 1 enthält einen 40
Seiten starken Commentar zu den eddischeu Nibelungen-
liedern nach Müllenlioffs CoUegieuhet't und ein fiesammt-
register zum 5. Bande. Der Commentar behandelt
Siiifiotlaluk, Gripisspö. Eeginsmöl, Föfnesmöl, Sigrdrifo-
nif'd, Brot af .Sigur|)arkv.. Siginjiarkv. eii skamma, Hel-
iei{), dräp Nillunga imd die drei (jupriinlieder. Scharf-
sinnig und feinfühlig sind die Gedichte auf ihren Inhalt,
auf echte und unechte Theile, auf Strophenordnung, auf
ihr gegenseitiges Abhängigkeitsverhältniss 'hin geprüft.
MüUenhoff beschäftigt sich in dem veröffentlichten Theile
des Commentares nur mit den Liedern in ihrer über-
lieferten Fassung. Auf die hinter ihnen stehende Sage
und deren Scliicksal wird nicht eingegangen. Solche
l'ntersucliungen, wie sie hier geboten werden, sind aber
als unerlässliche Vorarbeiten zur Entscheidung weiterer
Fragen von hoher Wichtigkeit. Die verschiedenen Lieder,
ilie eingeschalteten Prosastücke, die einzelnen Strophen
im selben Gedicht und endlich die auf den Liedern be-
ruhenden Prosadarstellungen weisen liäufig abweichende
und unter einander widersprechende Berichte auf, aus
denen wir auf die Gestalt der nordischen Xibelungen-
<a.ge ZV. schliessen haben. Ehe man zu einem klaren
lüld der Sagenform, wie sie im Xorden zu verschiedenen
Zeiten umlief, vorzudringen vermag, nuiss man die
Genesis der erhaltenen literarischen Quellen kennen:
denn gar Vieles kam erst mit ihnen durch allerlei selt-
same Missverstäudnisse und Umdeutungeu auf. Ein ein-
ziger unrichtig aufgefasster .\usdi-uck brachte mitunter
tiefgreifende Veränderungen mit sich, vgl. z. B. S^nnons,
Zs. f. d, Ph. 24, 15 ff. über sifjrdrifa. Das literarische
Leben der Sage mit seinen oft wunderlichen An- und
Auswüchsen nniss in erster Linie erforscht werden, ehe
eine sichere Entscheidung möglich ist über die Grund-
züge der Sagenform, die in der ui'sprünglichen nordischen
r>ichtnng blühte, die aus deutschen Quellen floss. Diese
Aufgabe aber führt Müllenhoffs werthvoller Commentar
um ein gutes Stück Weges dem Endziele zu. Einige
besonders treffende Parthien seien hier hervorgehoben.
Gut ist Gripisspö charakterisirt als das jüngste Lied
der .Samraliuig, das die ganze Sammlung und zwar mit
allen ihren Interpolationen voraussetzt. Für Föfnesmöl
schlägt Mhff. die Strophenordnung 2.5, 28— .31, 2ti, 27
und dann Prosa vor, was mit einleuchtenden inneren
Gründen und durch Hinweis auf Vols. gerechtfertig^t
wird. Fm. 40 verstellt Mhff. von der Sigrdrifa, wohl
schwerlich mit Eecht: die Strophe meint Gulirün, vgl.
Sj'mons Zs. f. d. Ph. 24, 13. Besonders geglückt scheint
uns der Abschnitt über 'das erste Gujirünlied, Gulinms
Klage, das schon W''. Grimm HS. 3.50 angefochten hatte.
Die Schwachheit der Erfindung und Ausführung, die
Fnselbständigkeit und Armuth des Inhalts und Ausdnicks
wird im Einzelnen in sehr überzeugender Weise klar
gelegt. Ebenso vortrefflich sind die Ausfülirnngen übei'
die Signr[)arkvi[ia en skamma. Das Lied ist bekanntlich
als 'kurz' bezeichnet, aber das längste der .Sammlung.
„Es gab vielleicht einmal ein altes kurzes Sigur[)slied,
das später irgendwie dm-ch Interpolationen entstellt und
zu dem Lied aufgeschwellt ^\^lrde, das wir heute unter
dem Titel Sigurliarkvijia en skamma kennen. Ist diese
Annahme berechtigt, so niuss die philologische Kiütik
im Stande sein, die späteren Einschiebsel zu entfernen
und das alte SigurpsUed oder wenigstens seine Bruch-
stücke frei zu legen." Xnr im Anfang (1 — 5), in der
Mitte (22, 23, 29, 31 — 33) und am "Ende (von 47, 3
resp, 48 ab) finden sich vorzügliche echte alte Strophen,
während die .meisten andern mit dem Inhalte des ur-
sprünglichen Gedichtes im Widerspruche stehen, einen
ganz verschiedenen Ton anschlagen und noch obendrein
aus andern Liedern zusammengestohlen sind. Das alte
„kurze Sigurlislied" umfasste etwa 30 Strophen: sein
Hauptinhalt war eine kiu-ze Geschichte Signrps und der
Brynhild. SigurJ) hatte mit den G.jükungen einen Bund
geschlossen und Guliriiu zum Weib erhalten. Dann ritten
sie aus, um Brj'nhild zu werben. Sigurji gewann die
Maid tTir Gunnar und hielt ein keusches Beilager mit
ihr, ein Schwert lag zwischen ihm und der .Ttmgfrau.
Aber grimme Xornen traten dazwischen. Es war hierauf
wohl von dem Streit Gudruns und Biynhilds die Rede.
Von SigTU-ps Ermordung haben sich schöne Strophen er-
halten, BrjTihild aber Hess Sigurps Scheiterhaufen
prächtig autrichten, sie selber dui'chbohrte sich im
Schmucke der Goldbrüiine mit dem Schwert und befahl
neben den todten Helden gebettet zu werden, so wie
28
395
1891. Literaturblatt für germanischo und romanische Philologie. Nr. 12.
39ß
L-inst das scharfe Sc-liwert dazwischen, um gemeinsam
'.nit Sig'ur]! nach Valhidl zu fahren. Die .Sisrur[iarkvijia
en skamuia ist für die Kenntniss der nordisiheu Sagen-
iiberliefernMg- von der grüssten Wichtiirkeit (vgl. Symons,
Zs. f. d. Pli. ä4. 23 tf.). weslialb eine genaue Unter-
suchung über edite und unechte Stücke darin lie.<ouderes
Interesse hat. Die Helreip betrachtet iiliti. als ein
völlig in sich abgeschlossenes Denknuil und stimmt
CJrundtvigs und Bugges .\thetesen von H. S. 9, 10 nicht
zu: ebenso Symons. Zs. f. d. Ph. 24, 20 ft'. '/ lilyin-
tlqliiui' fasst Mhft'. mit Recht als einen poetischen Xamen
für 'Schlachtfeld', woraus die spätere Sage eine Orts-
bezeichnung heraus las und wohin sie den Heimir, Bryn-
hilds Erzieher verlegte. Dann aber ist Str. 11, wo
Bryiihilds föstre erwähnt wird, ein späterer Zusatz.
Symons meint. Heimir gehöre von Anfang an in die
HelreiJ). Mhtl'.'s Erklärung scheint mir den Vorzug zu
verdienen. 11. E. wai' in Str. 11 ursprünglich einfach
von Sigurjis Flamnieni'itt in (^unnars Gestalt (ob die
alte Sage überhaupt einen andern gekannt und hier also
von einer zweiten' Zusannnenkunft sprach, scheint mir
fraglich) die Rede; dann ist, wie ja auch Symons aus-
führt, Alles in f)rdnung, und Mliff.'s Bemerkungen auf
S. 3110 fallen. Ein Interpolator, den ich mit JIhtt'. für
Str. 1 1 in ihrer überlieferten Form annehme, brachte
den föatre herein, vielleicht weil er schon durch Str. 6
au ihn erinnert wurde. Sehr ansprechend deckt SIhff.
S. 387 f. die Missverstäudnisse der einleitenden Prosa
der Helrei|) auf und bahnt damit dem richtigen Ver-
ständniss des Liedes selber den Weg.
.Als Entstellungszeit des dritten lTU|irunliedes wird
S. 39;' der Anfang des 1 1. .rahrliunderts nachgewiesen:
das zweite (Tu[irunlieil aber setzt das dritte voraus, und
das erste Gulirunlied wiederum das zweite, so dass diese
beiden ebenfalls frühestens dem 11. .Fahrhundert ange-
hören.
Das von Ilanisch ausgearbeitete Register zu DA.
V. 1 und 2 ist bei der äusseren Formlosigkeit des
Jlüllenhoft'scheu Werkes ein walires Bedürfniss gewesen
und erleichtert sehr die Benützung.
München. W. Golther.
Heeger, Ceber die Trojanersagen der Franken und
Normannen. Programm der Studlenanstalt zu Landau.
38 ^. 8.
Heeger untersucht zuerst die Trojanerberichte Frede-
gars. Danach kann es keinem Zweifel mehr unterliegen,
dass die fränkische Trojasage rein gelehrten Ursprungs
und das Ergebniss einer Reihe von ergötzlichen Miss-
verständnissen und Willkürlichkeiten, ist. Das gleiche
Ergebniss erhält er für die normannische Trojasage; sie
ist eine freie Schöpfung, die wir der groben Unwissen-
heit Dudos von St. (^uentin verdanken. Die kleine
Arbeit macht einen vortreftiichen Eindruck.
Giessen. O. Behaghel.
van Reiten, W. L., Altostfriesiscbe Grammatik.
Herausgegeben im Auftrag de« Friescli Genootschap voor
GeHcliied-, Oudlieiii- en Taalkunde te Leeuwarden. Leeu-
warden, A Meijer (U. Kuipers & J. G. Wester). 1890.
Die Gegenwart verfügt über eine in ungewöhnlichem
Masse vervollkonimnete Methode der grammatischen
Forschung und Darstellung. Wir besitzen eine fest-
stehende Scala von Kategorien, die ein für allemal zum
Apparat si)ra(hgeschichtlicher Untersuchung gehört, der
sich erfreulicher Weise heutzutage niemand mehr eiit-
schlagen kann. Unsere Meister dürfen mit hoher Be-
friedigung auf dieses festgefügte \Verk ihres Fleisses
und ihres Scharfsinns blicken. Wir .lungeren haben die
dankbare Arbeit, jede einzelne Kategorie so scharf wie
möglich zu bestimmen un<l im einzelnen Fall ilie Grund-
sätze für das \'erständuiss der Thatsachen fruchtbar zu
machen: geschähe dabei auch nur sn viel, dass jede
Erscheinung in die (Tesammtheit der grannnatischen Zu-
sammenhänge an ihrer richtigen Stelle eingeordnet wird.
Was wir leisten wollen, ist damit allerdings keineswegs
erreicht: wissenschaftliche Ergebnisse werden nicht mit
der blossen Anhänfung von Daten gewonnen. Wer ge-
wohnt ist. die historische Gramnuitik im Zusammen-
hang der .\lterthumswissenschaft zu betreiben, wird sich
aber auch hüten, einer sachgemäss angelegten Statistik
von Laut- und Wortformen das wissenschaftliche Ver-
dienst abzusprechen, wie es gegenwärtig leider häutiger
geschielit, als sich von einem Standpunkt aus verant-
worten lässt, auf dem die Grannnatik als der eigentliche
(rrund- und Eckstein unseres gescliichtlichen Verständ-
nisses in Ehren gehalten wird.
Herr van Hellen hat grossen Fleiss aufgewendet
uns eine möglichst reichhaltige grannnatische Statistik
des altostfriesischen Dialektes zu bieten. Er hat das
Seine gethan uns in erster Linie zu vergewissern, dass
die gramuuUischen Formen, die er verzeichnet, auch
thatsächlich überliefert sind. v. Richthofens treffliche
Ausgabe der friesischen Rechtsdenkmäler hat er zu
Grunde gelegt, sich aber die Mühe nicht verdriessen
lassen, die Handschriften bezw. die Abschriften der uns
verloren gegangenen Manuscripte nochmals zu vergleichen,
so weit ihm ..dazu nicht die Gelegenheit gefehlt hat".
Er hat für die Correctheit der Citate keine Arbeit ge-
spart und v. Richthofens sorgfältige Lesung mit ver-
schwindenden Ausnahmen richtig befunden (vgl. z. B.
Noten wie § 21 Anm.: „thusternesse ist in der Hand-
schrift ganz unlesbar"'), deswegen auch Belegstellen in
der Regel nicht erwähnt, wenn dieselben in genügender
Zahl und richtig in v. Richthofens Altfriesiscliem Wörter-
budi zu tinden waren. Sind demnach in dankenswerther
Weise die Beilingungen erfüllt, welche die erste Voraus-
setzung der grammatischen Statistik bilden, so sind wir
leider im Unklaren gelassen über andere wichtige
Vorfragen.
Mit der Beschränkung auf das altostfriesiscbe Gebiet
bin ich vollkommen einverstanden, weil es am ehesten mit
Hilfe der Rüstringer Texte gelingen wird, in das Ge-
wirre der Sprachfornien des friesischen Jlittelalters
sichtende Ordnung zu bringen. Wii' besitzen für den
Rttstringer Dialekt zwei Handschriften, die eine aus dem
Jahre 1327 in einer Abschrift Oelrichs, die andere im
Original, das inn die Wende des 13. und 14. Jahrhun-
derts geschrieben ist, wie van Helfen meint, während
Siebs dasselbe noch ins 13. .lahrhundert versetzt haben
will. Für das Brokmerland stammen unsere beiden
Texte frühestens aus dem zweiten ^■iertel des 14. Jh.'s,
die Hunsigoer Sammlung ist um wenig älter, die Auf-
zeichnungen im Emsigo gehören, von einem einzigen
Fragment des 14. Jh.'s abgesehen, der ersten Hälfte
des 15. Jh.'s an und damit scheint die Fivelgoer Hand-
schrift iKilu-zu gleichaltrig zu sein. Sehen wir bei diesem
Ueberblick über die ostfriesischen Texte von den älteren
(13. Jh.), aber geographisch noch nicht detiuitiv lixirten
Psalmenbruchstücken aus Drenthe ab, die Gallee ver-
öffentlicht hat, lassen wir auch mit unserem Verfasser
die Namensformell bei Seite, so müssen strengere Au-
397
1891. Litoraturblatt für gernianisclie und rorannisclic Philologie. Nr. 12.
398
forderungen an die Festsetzung des clironologrischen
Vt'i'iuiltnisses gestellt werden, als in der vorliegen-
den Darstellung geschehen ist. Siebs hat in seiner
Behandlung des Gegenstandes in Pauls Gi'undriss der
irermanischen Philologie was ich meine wenigstens aufs
Jvoru genommen, aber wenn er fiir den Brokmerbrief
und die Hunsigoer Sammlung eine Vorlage des 13. .Ih.'s
vennuthet und behauptet die Emsigoer Texte gehen alle
auf eine "\'orlage vom Ende des 13. oder Anfang des
14. Jh. 's zurück, so ist uns damit wenig gedient. So
lange nicht allen Ernstes eine Geschichte des
Textes der friesischen Gesetze ausgearbeitet
wird, kann die jetzt mit so grossem Fleiss und
Eifer in Angriff genommene friesisclie Gram-
matik nicht auf dauernden Erfolg reclinen. Herr
van Helten gesteht denn auch zu. dass fiir Ihn das Altei'
der Jlanuscripte ein ungefährer Massstab fiii' das Alter
der Sprachformen gewesen sei, möglicher Weise sei
die Sprachstufe älter. Noch deutlicher gibt sich die Unzu-
länglichkeit zu erkennen, wenn er sich dahin ausspricht.
dass in einzelnen Fällen die Entscheidung, ob die Ver-
schiedenheit des Sprachmaterials auf der Verschiedenheit
des Alters oder des Ortes beruhe, nicht zu treifen sei.
Hier liegt die Ursache, wenn die grammatische Dar-
stellung nicht die Anerkennung linden wird, die des
Fleisses würdig wäre. Dritthalbhundert Seiten gleich-
massigen Druckes, so unübersichtlich als nur möglich,
fast jede Seite mit Formen und Citateu vollgepfropft,
werden nicht einmal als Xachschlagebuch v. Eichthofens
Wörterbuch Concurrenz machen. Die zusammenfassenden
Bemerkungen sind fast nur auf den Eingang einzelner
Paragraphen beschränkt und leiden zuweilen unter auf-
fallender Unbestimmtheit.
Es ist dem Verf. nicht geglückt, Grundlinien zu
ziehen. Die Schuld liegt einerseits daran, dass er sicli
nicht tief genug mit den Jlusterdarstellungen verwandter
Gebiete vertraut gemacht, zum andern wesentlich daran,
dass er sein Material nicht bis zu dem Grad verarbeitet
hat, dass die Gruppen sich wie von selbst sonderten.
Textgeschichtliche Studien hätten nach dieser Seite hin
grossen Xutzen gestiftet. Aber auch ohne diese hätte
der Verf. sich und der mitlernenden Wissenschaft viel
unnöthige Mühe erspart, wenn er auch nur die Sprach-
formen der einzelnen Handschriften für sich mit Rück-
sicht auf die orthographischen Mittel jedes Schreibers
studirt, oder auch nur die Aufmerksamkeit des Lesei'S
auf orthographische Einzelfälle hingewiesen hätte.
Die Beschränkung auf das altostfries. Territorium
zwischen Lauwers und Weser nebst den vernuitlilich im 12.
Jh. aus Eüstringerlaud besiedelten Würden und Wursten
auf der rechten Seite des Flusses empfiehlt sich, weil
wir dem Westfriesischen nur im Zusanunenhang mit der
niederländischen Sprachgeschichte gerecht werden und
das Xordfriesische noch nicht verwerthet werden kann.
Es ist zu loben, dass Herr van Helten von den nächst-
verwandten Dialekten abgesehen hat. Wenn es ihm
nur darauf ankam den Sprachzustand des Altostfrie-
sischen zn beschreiben, musste von einer Norm aus-
gegangen und von ihr das Unregelmässige abgehoben
werden. Dazu eignete sich der ältere Eüstringer Text
(E'). Eine Laut- und Formenlehre um das Jahr 1300
hatte den Grundriss zu bilden, die Abweichungen von
Br brauchten nicht in gleicher Vollständigkeit der Belege
gegeben zu werden und waren im Contact der Dar-
stellung von E' mit Geschick unterzubringen. Die Ver-
weise auf das Wurstenor Vokabular (Beitr. XIII, .')30 ff.)
aus dem .Taiire 16MS könnten dabei zu Gunsten der
Entwicklungsgeschichte etwas nachdrücklicher hervor-
gehoben werden, als es in der vorliegenden Arbeit ge-
schehen ist. Die Verschiedenheiten des Brokmerlandes,
des Hunsigo, Emsigo und Fivelgo wären danach in
Noten (Petit) zu rubricircu gewesen nach ähnlichen
Grundsätzen wie Braune seine althochdeutsche Gram-
matik eingerichtet hat. Dadurch gewann der Verfasser
nicht bloss an Eaum, sondern auch an Uebersichtlichkeit
und Ordnung des Gleich- und Ungleichmässigen, was die
Grundvoraussetzung für die grammatische Belehrung
bildet. Ich meine, es sollte den Verf. nicht verdriessen,
falls er sich von der Durchführbarkeit dieses Vorschlags
überzeugte, uns eine weniger schwerfällige Sammlung
zu liefern, die nicht so viel an Zahlen und Buchstaben,
jedoch niehi' an Ei'gebnissen bringen wird.
Eine Felilerliste aufzustellen ist hier nicht der Ort.
Die Vorliebe für urgermanische Constructionen geht mir
etwas zu weit, namentlich hätte ich Uuformen wie fon-
Jioni, feiihiäi etc. (Beitr. XIV, 241 fanhidi) und was
damit zusammenhängt, § 274 nicht wiederzufinden ge-
hofft. Die german. Dative (S. 21) *ihainuis und danach
als Analogiebildung *iwaiinuz sind mir neu'. Was lit.
teniKS beweisen soll, weiss ich nicht; ich kenne datür
nur lit. tems. Die fries. tliäm und ttcäm dürfen von
ags. ädin und tiräi» (neben dem lautgesetzlichen ä(Pm
und twf'em) nicht getrennt werden und sind leicht genug
zu erklären, aflitha (S. 9(i) aus *uthwo (zu efh Eid)
mit der angesetzten Grundbedeutung halte ich mit den
von Siebs, Engl, fries. Sprache S. 71 aufgeführten
Dialektformen nicht vereinbar. Bezüglich der Palatali-
sirungsfrage will ich nicht versäumen zu constatiren,
dass van Helten im Gegensatz zu Siebs (Pauls Grundr.
I, 71.5 f.) anl. k- mit Eecht nicht bloss vor primären
Palatalvokalen, sondern auch vor e als Umlaut von a
(nicht vor e als ..Tonerhöhuug" von a z. B. kerl aus
*ka>i, tserl aus *ke)i) die Assibiliruug eintreten lässt.
Zn lat. catimis, catillus, got. katils sind die fries. Formen
Dat. Sg. sthitle (Eustr.) Nom. Sg. szetel (Brokm.) u. a.. mit
Ausnahme von westfries. Icetel unserer Texte, dem nicht
bloss die auf Schierraonnikoog lebende Form tjöU, son-
dern ebenso die weiteren von Siebs, Engl, fries. Sprache
S. 102 verzeichneten neueren Belege widersprechen.
Die AssibiUrung zeigt das Westfries, wie zu erwarten
in dem von van Helten nicht citirten Izylik aus calikeiH
(Kelch). Bei dem ausserordentlich verwickelten Problem
ist nur von .den heutigen Mundarten eine Entscheidung
zu erwarten und ich rathe dringend, die neueste Ent-
wicklung für das Verständniss der alten Texte zum Aus-
. gangspunkt zu nehmen. Auf eine höchst bedenkliche
Weise hat sich unser ^'erf. mit den Schreibungen (ich
setze von ^--Formen her, was ich vor Jahren mir aus
V. Eichthofens Ausgabe notirt habe) für Kirche abge-
funden: Dat. kerka H. AV. Acc. B. Dat. kerk E. Acc.
kurka B. Gen. PI. kerkaiie W. kerspel W. kerec-
f reihe E. kerkfu-d W. kerek(/n)if/e H. kerclier W. (gegen
tsiurkhera E). kerchuue H (gegen tzerkhoii W u. a.).
kerckef;f E. Für diese Orthographie wird S. 107 eine
,.eigenthümliche sich dem a-Laute nähernde Qualität des
e" verantwortlich gemacht und S. 108 noch einmal von
einem ,.e mit eigenthümlicher Färbung"' gei'edet. Sater-
' Vom Verf. jetzt selbst zuriickgeuommcu Beitr. XVI, .
296 Anm. 2 [Correcturnote]. /
29 /
/
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1891. Litcraturblfttt für germanische und romanisehe Philologie. Nr. 12.
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länd. sier/cj, nordfries. sjörk, westfries. tsiwrht etc.
(Siebs, Engl, tries. Sprache S. 153), lassen derartige
.Ansrtiulite nicht zu. Nollstaudig hilflos steht van Helten
dem Wörtchen kiitd (uieuials szind) gegenüber; hier
müsse das k «oIil als -zufälliges Residiuuu" gelten
und der Leser sich damit trösten, dass dasselbe k als
Residuum auch im Adj. luid Subst. rikc sich finde. Was
das letztere betriftt (vgl. r'ik, rick der Kialekte), so ist
damit dem Leser viel zugemuthet, der einerseits bedenkt,
dass die Assibiliiung bekauntlicli nicht url'riesisch ist,
und anderseits nicht vergisst, dass die Flexion der [a-
Stännue in westgerm. Periode gewisse Veränderungen
erfahren hat, welche die Erhaltung des k sehr wohl-
begründet erscheinen lassen (z. B. edse neben e(fc/e u. a.
§ 13!i. 1.59 ft". Ifi.^). Das isolirte, jedem Lautgesetz spot-
tende ^kiiid'' (vgl. dagegen sziiibaciiui B. sziwe B) ist
ein ganz vortrefHiches Musterbeispiel dafür, dass in die
friesischen Texte Fremdwörter eingedrungen sind,
welche von den Lautwaudlungen des mundartlichen Wort-
schatzes nicht berührt wurden. Es fehlt nämlich
dieses AVnrt (ich muss leider daran erinnern) nicht bloss
dem Ost- und Xordgerm., sondern aucli dem Engl., und
wie wir nunmehr nach dem lautlichen Kennzeichen zu
schliessen iiaben, auch dem Friesischen : es ist ein Lehn-
wort aus der niederdeutschen Schriftsprache wie so viele
andere. In den heutigen friesischen Dialekten ist keine
Spur des Wortes kimi zu finden, vielmehr gebrauchen
dieselben ausschliesslich hani oder itiin/ u. älinl. (Siebs,
Engl, fries. Sprache S. 48 f. 17ii). Die Textgescliichte,
das ortiiograi)liische System, der heutige Dialekt liefern
Erkenntnissquellen, die niemand heutzutage vernachläs-
sigen sollte.
Marburg i. H. Friedricli Kauffmann.
Groldbeuk-Loewe, Adolf, Zur Geschichte der freien
Verse in der deutschen Dichtung. Von Klopstock bis
Goethe. Kiflor Dis.*ertation. 1S91. 82 S. 8.
Eine recht gute Arbeit, die in klarer Anordnung
und mit meist richtigem Blicke eine Erscheinung der
deutschen Versgescliichte behandelt. Unmotivirt dünkt
mich die breite 15esprechung von Willaniows 'Dithyramben',
die doch nur zum kleinern Theile den Namen der 'freien'
Verse verdienen. Warimi statt seiner nidit z. B. Schubart?
Nicht nur die Benennung dieser 'freien Verse', son-
dern auch die Autfassimg ihres Charakters ist eine
wechselnde gewesen. Der Verf. lässt seine Vorstellung
mehr durchblicken, als dass er sie genauer präcisirte.
Die Eigenart dieser Verse liegt darin, dass sie weder
in ilirer Takt zahl noch in ihrer Taktfüllung einem
bestimmten, regelmässige Wiederkehr gebietenden Schema
folgen. In dem ersten Punkte, der ungeregelten Takt-
zalil, zeigten diese Verse ein bedingungslos neues Phä-
nomen: seit urgermanischer und indogermanischer Zeit
hatte es zum Wesen der gebundenen Rede geliört, dass
die Zahl dei- Takte planmässig fixirt war. In dem
zweiten Punkte, der ungeregelten Takttülhmg, wurde
nnbewusst auf ältere Principien der deutschen Kunst-
dichtung zurückgegangen, die in der deutscheu ^'olks-
dichtung ja zu keiner Zeit erloschen waren. (Dass der
mehrsilbige .Auftakt seit Konrad von Würzburg ans der
deutschen \'erskunst verbannt war, S. 32, ist ein wunder-
licher Irrthum.)
.\us diesen Bedingungen folgt ohne weiteres, dass
auch eine wirkliche, ohrenfüllige Stroiihenbiklung einer
'freien' Dichtung abgehn muss. Ein strophisch gegliedertes
(lejiclii verlangt planmässige Wiederkehr von Versen
mit gleicher Taktzahl, wenn auch nicht mit gleicher
Taktfüllung. Mögen also innerhalb einer Versgruppe
die Zeilen verschiedener Taktzaiil sich noch so bunt
mischen (wie etwa im mhd. .Minnesang), — das Plan-
lose. Freie' hört auf, sobald die nämliche bunte
Mischung in einer zweiten und dritten Vei-sgruppe wieder-
holt wird. Klopstocks .später durchgetührte \'ierzeilen-
gruppen (S. IK (f.) sind in der That keine Stroi)lien.
Ein weiterer Zug, wiederum in engem Zusammen-
liang mit den zuerst genannten, dürfte stärker betont
werden. Die freien' Verse lassen es häufig fraglich, in
, welchem Tonfall sie dem Dichter im Ohre klangen; sie
überlassen es häufig dem Vortragenden, die Form für
sie zu wählen; sie bieten ilim ein Rhythmizomenon,
welchem er erst den concreten Rhythmus aufzuprägen
hat. Für die Austheilung der Icten wie der Zeittheile
(auch der pausirten) bieten sich oft eine ganze Reihe
von Möglichkeiten: man versuche es mit Gruppen wie
der folgenden:
Zürnest Du, Herr,
Weil Nacht Dein Gewand ist?
Diese Nacht ist Segen der Erde.
A'atcr, Du zürnest nicht I
Eine statistische Scheidiuig 3-, 4-, 5-hebiger Verse u. s. w.
ist deshalb von vornherein unsicher. Ich würde in
Goethes Oden, abweichend von dem S. (59 Bemerkten,
sehr viele einsilbige Takte lesen; z. B.
Und ruht tiefträuernd;
Dich, (li'ch strömt mein Lied;
Auch so das Glück
Tappt unter die Menge,
Fässt bAId des Knaben ....
Nach alledem kann man nicht sagen, dass mit diesen
freien Versen Klopstock „aus der Theorie der Schweizer
die letzte Consequenz"' zog, und dass die bewussten
\'erse dem Hau]>tgrundsatz der altdeutsciien Verskunst
entsprachen (S. 4). Was Breitinger in dem S. 2 citirten
Ausspruche (der in denkwürdiger Weise zeigt, dass er
die Hans Sachsischen Verse noch zu lesen verstand und
nicht den Irrthum der spätem, silbenzählenden Theorie
theilte) als empfehlenswerthe Freiheit des alten Verses
hinstellte, das bezog sich lediglich auf die Füllung der
Takte, nicht auf ihre Anzahl. Und dass die freien
Verse keine ..quantitirende Messung" haben (S. 4), das
tlieilen sie — insoweit der Ausdruck überhaupt richtig
angewandt ist — mit sämuitlichen alten und neuen
Versen seit der Entstehung des germanischen Nachdruck-
accentes.
Was diese 'freien' Verse dennoch als Verse von
der oratorischen Prosa abhebt, das kann nichts anderes
sein als der taktische Vortrag; — natürlich nicht so
streng taktirend, dass man dazu schreiten könnte, aber
doch mit beständigem Durchschimmern des Taktmasses.
Ich zweifle nicht, dass die Dichter an einen solchen
gebundenen' Vortrag dachten, wenn sie ihre Gedichte
in abgebrochenen Zeilen hinschrieben, und ich theile des
Verfassers Widerspruch (S. 60) gegen Schmeckebier, der
die betr, Gedichte als ungebundene Rede gelesen und
darum als fortlaufende Zeilen geschrieben wissen will.
Wer z. B. die Goethischen 'Oden' in Schuberts Com-
positionen gesungen oder gehört hat, der wird kaum
umhin können, sie in den nämlichen oder verwandten
lihyt innen auch beim Lesen erklingen zu lassen. Dann
ist es bei aller Freiheit gebundene Rede, — aber, das
wird man zugeben, sie steht an der Grenze der eigent-
lich metrischen Region, wie ja auch dem Widerspruche
401
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 12.
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g-eg-en die metrische Einengung: die ganze Art ihr Dasein
verdankt.
Weder mit den liithyraniben noch mit den 'bar-
disclien' Versmassen sind diese freien Verse metriscli
verwandt. Die Berufung auf jene wie auf diese berulite
auf Illusion. Es ist einer der Fälle, wo die vermeint-
liche Naclibildung' eines missverstandenen Vorbildes der
deutschen A'ersgeschichte neue Formen zuführte.
Der Verf. t»etont mit Recht den Unterschied der
tioethischen freien Verse von den Klopstockschen. Ich
möchte geradezu bezweifeln, ob man die betr. Producte
aus Goethes späterer Zeit (iu der Iphigenie. dem west-
östlichen Divan und dem zweiten Faust) zu dieser Vers-
klasse stellen kann: man ist versucht, ihnen in sanglich
gedehntem \'ortrage gleichmässige Taktzalil zu geben.
Allein hier beginnt wieder das Subjective; und ein
Factor, auf den unser Verf. keine Rücksicht genommen
hat, das schwerst zu controlirende Element des Rhj'tli-
mus, die Pause, spielt dabei keine geringe Rolle.
Basel. A. Heusler.
Berber, Arnold E., Friedrich der Grosse nnd die
deutsche Literatur. Akademisclie .\iitrittsrede, gehalten
am iö. April 1890 in der Aula der Kgl. Rheinischen Friedrieh-
Wilhelnis-Üniversität zu Bonn. Bonn, Strauss. 1890. 38 S. 8.
Seit ungefähr einem Menschenalter ist Friedrichs
des Grossen Verhältniss zu unserer Literatur und zwar
meistens in der apologetischen Absicht behandelt worden,
das alte Märchen von der Gleichgiltigkeit des grossen
Königs gegen deutsches Wesen und deutsche Dichtung
und Wissenschaft zu zerstören. Etwas sachlich Neues
dürfte sich schwerlich mehr über dieses Thema sagen
lassen, so lange nicht neue, bisher verborgene Urkunden
entdeckt werden. Durch die Mittheilung einzelner solcher
Documeute hat zuletzt Bernliard Suphan sein Büchlein
über Friedrichs Schrift von der deutscheu Literatiu-
(Berlin bei Wilhelm Hertz, 1888) geschmückt; Bergers
Vortrag über Friedrich gründet sich nicht auf neues
Material. Aber, obwohl er somit den selbständigen
Forscher auch nichts Neues lehrt, bietet er ihm doch
eine überaus geistvolle und klare Charakteristik des
Verhältnisses Friedrichs zum deutschen Geistesleben.
Berger stellt durchaus in den grössten Zügen zusammen-
fassend dar, ohne irgendwie am Kleinen oder Einzelnen
haften zu bleiben; er betrachtet Friedrichs Beziehungen
zu unsern Dichtern, Gelehrten und Denkern, zu der ge-
sammten schönen und wissenschaftlichen Literatur (nicht
nur zu den poetischen Werken), seinen mannigfaltigen
Antheil an der geistigen Bildung und Hebung des
deutsehen Volkes. Er gibt dabei einen eigenartig ge-
ordneten, diu-chweg von selbständiger Auffassung zeugenden
üeberblick nahezu über das g-anze deutsche Schriftthum
im vorigen Jahrhundert. Stilistisch ist der Vortrag ein
Meisterstück, rhetorisch schön abgefasst, mit dichterischen
Bildern und Ausdrücken reich ausgestattet. Mitunter
verleitet vielleicht gerade die poetische Färbung der
Darstellung den Verfasser zu einigen enthusiastischen
Ueberschwängliclikeiten, die bei einer nüchterneren Er-
örterung eher vermieden worden wären. So geht es
doch wohl etwas zu weit, in Friedrichs naehträg--
licher Entschuldigung, er hätte für die deutsche Literatur i
nichts Vortheilhafteres thun können als sich nicht um
sie zu bekümmern, den Schlüssel zu seinem Verhalten
gegen unsere Dichter und ihre Werke finden zu wollen,
gleich als habe sich der grosse König von vornherein
in dem sicheren BeW'Usstsein, dass er damit unserer
Literatur am meisten nütze, von den deutschen Dichtern
fern gehalten. Dass Friedrich sein deutsches Volk liebte
und auch das geistige Beste desselben wollte und un-
endlich viel zur selbständigen Entwicklung des deutschen
Geistes und der deutschen Kunst beigetragen hat, kann
kein verständiger Historiker leugnen ; aber daneben sollte
doch auch betont werden (viel stärker, als Berger es
gethan hat), dass er von den wirkliclien Fortschritten
deutscher Wissenschaft und Dichtkunst unter seiner
Regierung nichts oder doch so viel wie nichts wusste.
Seine Vorschläge in der Schrift „De la litteratui-e
allemande" (1780) sind daher fast ausnahmslos bewunderns-
würdig richtig, seine Urtheile dagegen über die bereits
vorhandenen Leistungen deutscher Autoren ebenso lücken-
haft oder schief. Dieser bestimmten Thatsache gegen-
über erscheint Bergers Satz (wenn er anders richtig ist)
wenigstens zu unbestimmt ausgedrückt : Friedrich „ fühlte
sich angeweht von einer neuen Luft, umflüstert von
Regungen, die er nicht zu deuten wusste, in denen er
aber schwirrende Vorboten eines mählieh anbrechenden
Frühlings ahnte". Den Genuss und die Anregung, welche
die Lectiüe des Schriftchens gewährt, schädigen indessen
solche wenige Einzelheiten, die zum Widerspruch heraus-
fordern können, keineswegs.
München. Franz Muncker.
Wetz, W., Shakespeare vom Standpunkte der ver-
gleichenden Literaturgeschichte. Erster Band. Die
Menschen in Shakespeares Dramen. Worms, P. Reiss. 1890.
XX, 579 S. 8. M. 7,20.
Wenn unsere Anzeige des W. "sehen Buches etwas
verspätet erscheint, so hat dies nicht etwa seinen Grund
darin, dass wir es bei Seite geschoben und ihm zu wenig
Beachtung geschenkt hätten, sondern im Gegentheil darin,
dass es uns seit langen Monaten in gar mancher freien
Stiuide beschäftigt hat, ohne dass wir zu einem ab-
schliessenden Urtheil darüber hätten gelangen können.
Ein Gutes hat indessen diese Verspättmg für sich gehabt,
insofern sich nämlich W. iu der Zwischenzeit noch ein-
gehender als in der Einleitung zu seinem Shakespeare
in seiner Kritik der ten Brinkschen Rede über das ge-
äussert hat, was er als die Aufgaben luid Ziele der
Literaturgeschichte betrachtet wissen will. Xeu sind
diese Aufgaben und Ziele, wie Wetz selbst sagt, keines-
wegs; aber der Weg. auf dem sie gelöst und verfolgt
werden, ist in Deutschland bisher nui' von Wenigen be-
treten worden. Er gleicht daher noch' einem versteckten
Pfad, der nur geringe Fussspui-en aufweist; Wetz aber
will ihn zur breiten Heerstrasse ausbauen, auf der alle
Literaturforscher bequem und sicher einherschreiteu sollen.
Von Deutschen sind es Otto Ludwig und Kleiu, in zweiter
Linie Flathe und Sievers, deren Ansätze zu vergleichen-
der Literaturforschtmg AVetz weiter ausgestaltet hat.
Der Hauptsache nach kann man ihn indessen als einen
Schüler und Gefolgsmaim Taines bezeichnen. Ein eng-
lischer Kritiker hat gesagt, in der .Auffassung und Be-
urtheilung der Shakespeareschen Dichtweise sei Wetz
ganz französisch, in. der Anwendimg und Diu'chführung
seiner vergleichenden Methode rein deutsch. Bis zu
einem gewissen Grade dürfte dieser Ausspruch das Rich-
tige treffen.
W.'s Literaturforschung hat, wie er (auf S. 5) selbst
sagt, mit eigentlicher Literaturgeschichte gar nichts
gemein. Der Titel seines Buches hat daher etwas Irre-
leitendes an sich, so lange man nicht darüber unterrichtet
ist, was der Verfasser unter vergleichender Literatur-
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1891. Literaturblatt fQr germanische und romanische Philologie. Nr. 12.
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gescliiehte verstellt. Nach ihm ist sie diejenige Literattu'-
betradituiig, die 'durch Verg-leicliung analnger Erschei-
uuiigen unter einander in das innerste Wesen jeder
einzelnen dei-selben einzudringen, die Gesetze zu ent-
decken [sucht], welche die Aehnlichkeiten wie die Ver-
schiedenheiten bewirkt haben'. Ihre Aufgabe besteht
also darin, durch Vergleichung der Eigcntliümliclikeiten
literarischer Erscheinungen zuniulist niiifrlichst scharf
und Vollständig zu erkennen, und dann eine causale
Erklärung dafür zu geben. Kiese Erklärung tindet
sie dadurch, dass sie von dem Werk auf den Dichter
selbst zurückgeht, dass sie seiner .\nsicht von Welt und
Menschen nachfoi-scht und so ertahrt, warum er gerade
solche und nicht andere Cliaraktere schuf. Sie misst
die Helden und ihre Handlungen nicht an einer be-
liebigen, sondern lediglich an des Dichters eigenster
Psychologie. Die bisherige ästhetische Literaturgeschichte
war vorwiegend beschreibend; sie begnügte sich mit der
Feststellung des ästhetischen Thatbestandes, besprach die
.Mannigfaltigkeit und Wahrheit der vom Dichter ge-
scliaftVnen Figuren, prüfte ihre Handlungen nnd legte
scblit'sslich das tragische Problem und dessen dichterische
Behandlung dar. Das alles geschah aber nach der Xorm
einer von vornherein feststehenden ästhetischen Theorie.
.\llein eine solche erkennt die vergleichende Literatur-
geschichte überhaupt nicht an: für sie sind die ästhe-
tischen Hegriti'e nicht etwas üegebenes, sondern vielmehr
erst zu Suchendes; sie will der Aesthetik zuverlässiges
Material liefern, auf das sie sich bei der Feststellung
ihrer Begriffe nnd Deliuitionen stützen kann. Auf eine
Wiederbelebung der ästhetisirenden Literaturgeschichte
hat es Wetz denniach ebenso wenig abgesehen wie auf
die Fortführung des in handwerksmässige Zerstückelung
ausartenden philologischen Literaturbetriebs. Auf die
Pliiloloiren hat Wetz überhaupt einen Zahn und hält es
für eine Anmassung und Ueberhebung, dass sie, die doch
ein so weites sprachliches Forschungsgebiet haben, sich
auch in die Literaturgeschichte einzudrängen bemüht sind.
Zu dem eigentlichen Gegenstaude seines Buches,
den Werken Shakespeares, übergehend, sucht Wetz zu-
nächst die Grundlage für die Psychologie der .Tugend-
dramen zu gewinnen. Unter diesen wählt er als seinen
Zwecken am meisten dienlich Titus Andronicns, die drei
Theile Heinrichs VI. und Romeo und .Julia aus. Als
hauptsächlichstes psychologisches Merkmal der .Tugend-
tragödien ergibt sich das impulsive Wesen aller Haupt-
charaktere. Bei ihnen setzt sich jede Begehrnng sofort
in die That um; immer ist der erste Antrieb bestimmend,
jeder neue verdrängt den früheren vollständig. Die
Menschen sind daher Sklaven des .\ugenblicks, lassen
Geübtlieit des Intellects vermissen und kennen fast nur
die auf der Selbstliebe bernhenden Gefühle (Liebe der
(ieschwister, Familienliebe und Freundschaft). Das Be-
wusstsein von Recht und Unrecht, der Begriff von der
sittlichen I'fliclit geht ihnen noch ganz ab. Ueherall
wirken persönliche Jlotive stark, abstracte nur schwach
oder gar nicht. Es fehlt also völlig an dem, was man
Gewissen nennt. Gerade dieser Punkt unterscheidet
nun abei- die frühern von den spätem W'erken. die
letztern sind ganz nnd gar auf dem Gewissen basirt
und können geradezu Tragödien des Gewissens genannt
werden. Liegt in den frühern Werken der Nachdruck
auf den äussern Vorgängen, so bringen die spätem viel-
nielir die innern Leiden, den duriTi das Gewissen be-
wii-kten Seelenschraerz und die dadm-ch hervorgerufene
völlige Gemüths Verödung zur Darstellung.
Sehr eingehend behandelt Wetz das Verhältuiss
zwischen Vernunft und Leidenschaft bei den Shake-
spearescheu Charakteren. Dabei gelangt er zu dem
Ergebniss, dass die Vernunft so gut wie gar keinen
Einfluss auf ihr Handeln ausübt; dies wird fast aus-
schliesslich durch die Neigungen, Triebe nnd Leiden-
schaften bestimmt, I)er Charakter ist zumeist schon
durch die Geburt ererbt; Erziehung, äussere Umgebung,
fremde Einflüsse wirken erst in zweiter Linie ein, Tugend
ist bei den Shakespeareschen Gestalten nur dann zu
finden, wenn man unter ihr nichts anderes als die stete
unbeabsichtigte Uebereinstinnnung zwischen dem Wollen
lind Sollen versteht. Für den Conflict bei Shakespeare
ist es bezeichnend, dass er den Seelenschmerz, den der
Mensch empfindet, zum Ausdruck bringt, während sich
andere Dichter damit begnügen, nur die Verlegenheit,
in der sich ihre Helden beim Conflict befinden, darzu-
stellen. Wurde an Titus Andronicus die Masslosigkeit
in den Empfindungen wie in den Handinngen im Einzelnen
nachgewiesen, so gibt Othello .\nlass, die völlige Ver-
dunkelung nnd Verblendung der Vernunft durch die
Leidenschaft zu zeigen. Im Gegensätze zu den meisten
frühem Shakespeare-Erklärem erblickt Wetz in Othello
weit mehr eine Leidenschafts- als eine Intriguanten-
tragödie. .\ber selbst wenn man den W. "sehen Aus-
führungen bis zu einem gewissen Punkte die Folge-
richtigkeit nicht abzusprechen vermag, so zeigt sich doch
gerade an ihnen, dass Wetz durch zu strenge Handhabung
seiner Methode das Ziel überschiesst. Um die Verblen-
dung Othellos recht augenfällig zu machen, wird dem
Wesen .Tagos alles Intriguante abgesprochen und sein
Thun und Treiben als plump hingestellt. Das ist es
aber keineswegs in dem Grade, wie Wetz seine Leser
glauben machen möchte. Im Gegentheil, je weniger
thatsächliche Wahrheit den ^'orspiegelungen .Tagos zu
Grunde liegt, desto grösserer Geschicklichkeit bedarf es,
sie als glaublich darzustellen. Auch in Bezug auf die
("harakteristik des Brutus wird der Verfasser bei vielen
seiner Leser auf Widerspruch sto.ssen. Sie werden sich
trotz alles sj'stematischen Vorgehens W.'s schwerlich
davon überzeugen lassen, dass der ruhige, bedächtige,
jeden seiner Schritte abwägende Brutus von der Leiden-
schaft verblendet sei. Ebenso muss gegen das von Wetz
gezeichnete Charakterbild Falstaffs Einwand erhoben
werden. Dem fetten Ritter wird moralische Verblendung
zugesehrieben, insofern er sich unter dem Einfluss der
Ijeideiischaft einzureden sucht, dass sein verwerfliches
Treiben thatsächlich nicht verwerflich sei. Man sieht,
die von Taine überkommene zu starke Hervorkehrnng
iler liCidenschaft und ihi'es Einflusses auf die Charak-tere
und deren Handlungen führt W. zu weit. Indessen das
soll ihm nicht zum Vorwurf gereichen. Er zieht so
heftig gegen die bisherige Weise der Shakespeare-
erklärung nnd der Literaturbetrachtung überhaupt zu
Felde, dass ein Ueberspannen des Bogens als eine Noth-
wendigkeit erscheint, wenn anders seine Art der Aus-
legung ihres Eindrucks nicht verfehlen will und nach
ihm Kommende das rechte Mass einhalten sollen. Kann
man auch nicht die scharfen und harten Aeusserungen
gut heissen, die Wetz im l'ebermass gegen Anders-
denkende, besonders gegen lierviiius, schleudert, ist mau
auch nicht im Stande, bei einem Werke wie Elzes Shake-
speare mit ihm das Gefühl des Unheimlichen zu tlieilen,
4or,
1891. Literaiurblatt für germanisclic und rotnanioolic Philologie. Kr. 12.
406
Sil braucht man iloch nicht anzustehen, das Erscheinen
seines Buches als einen Wendepunkt in der Shakespeare-
forscbung- zu bezeichnen. Es geht viel fruchtbare An-
regung von ihm aus, und, was die Hauptsache ist, es
will streng wissenschaftliche Methode in die Literatur-
forschung- bringen. Zwar hat man den Eindruck, dass
der Verf. die Unfehlbarkeit seiner Methode überschätzt,
zumal wenn er mit ihrer Hilfe die Ergebnisse der
Literaturforschung als ebenso sicher wie diejenigen der
exacten Xaturwisseuschafteu hinstellen will; allein so
viel steht fest, dass sie ebenso wohl der persönlichen
Willkür wie dem eiteln Dilettantismus ein Ziel zu setzen
geeignet erscheint. Möge uns der Verfasser mit der
Herausgabe des Schlussbandes recht bald in die Lage
versetzen, ein endgiltiges Urtheil über sein Werk ab-
zugeben !
Friedrichsdorf (Taunus). L. Proescholdt.
Koscbwitz, £., Grammatik der neufranzösischen
Schriftsprache (IG.— 19. Jahrhundert), l. Theil : Laut-
lehre. Oppeln u. Leipzig. 1S89. VH, 132 S. 8.
Was uns die französischen Grammatiker seit dem
XVII. Jh. über Laute und Aussprache ihrer Mutter-
sprache berichten, hat bekanntlich Thurot in ungemein
gewissenhafter, nur ganz selten zu Nachträgen Ver-
anlassung gebender Weise zusammengestellt in seinem
zweibändigen Werke De la prononciation frantjaise depuis
le commencement du XVI*" s.. einem für Jeden, der sich
mit der Geschichte des Xeufranzösischen beschäftigt, un-
entbehrlichen, leider aber nur noch sehr schwer erreich-
baren Buch. Jede weitere Forschung hat an Thurot
anzuknüpfen und die Werthschätzung einer neuen Arbeit
auf dem Gebiete neufranzösischer Lautlehre wird sich
aus ihrem Verhältniss zu Thurot ergeben. Die vor-
liegende Schrift von Koschwitz. der in läng'eren Fristen
noch Formeulehre und Syntax folgen sollen, scheint sich
zur Aufgabe gestellt zu haben, das von dem fleissigen
Franzosen zusammengetragene Material nicht sowohl zu
einer Geschichte der französischen Aussprache zu ver-
arbeiten, als vielmehr durch Weglassung aller Citate und
Wiederholungen und durch Unterdrückung mancher Einzel-
heiten denen bequem zugänglich zu machen, die keine
Lust verspüren zu eignen, tiefern Studien über den be-
treifenden Gegenstand, sich aber doch eine bestimmte
Masse von Wissenswerthem aneignen wollen. Ausserdem
ist ausführlicher als bei Diez I, 41.5 — 467 die Corre-
spondenz französischer und lateinischer Laute dargestellt,
und werden die Eegeln über die Quantität und Qualität
der neufranzösischen Vokale, über die Aussprache aus-
lautender Consonanten u. dgl. in grösserer Vollständig-
keit gegeben als in den gangbaren Grammatiken, aber
freilich beides nicht vollständig, wie schon Xj-rop Ltbl.
1891 Sp. 16.5 hervorgehoben hat. Altfranzösische Kennt-
nisse werden beim Leser kaum vorausgesetzt, wenigstens
bringt der Verf. nur selten altfranzösische Formen, und
diese, was schlimm ist. keineswegs immer richtig. So
heisst es S. 15: „pröne noch im 16. — 18. Jh. wie afr.
preone; prceconium". Ich kenne afr. nur proiie und
tinde premie weder bei Littre noch Godetroy noch Thurot;
das Etymon ist daher auch nicht prwcomum sondern,
wie die afr. Bedeutung zeigt, pronaos, wozu sich pröne,
afr. auch prosne, verhält wie frone, trosne zu throiius;
S. 15 afr. aurai, saiirai, während afr. doch nur nvrai,
arai, savrai, sarai vorkommt; S. 24 ..afr. ei, ei, e in
treibe, seise", vielmehr afr. ganz correct freze, sese
(vgl. z. B. Burg-\;y I, 108 f.); S. 39 „afr, aissel, esseis.
esse?/s, pik. wall, easieu", vielmehr afr. oissil, essil.i,
es^iei(S\ ebenda: afr. iicilz, ues, eus, pik. wal. ieiis,
was mindestens missverständlich ist, da ieits wie ßimt
n. s. w. doch zu allen Zeiten auch die Form der He de
France war u. s. w. Vertrautheit mit dem Latein oder
wenigstens Interesse für lateinische Formen dagegen
wird verlangt, doch dürfte ein aufmerksamer Leser an
xcüteUa S. 47 (neben sciifella S. 28), an bntijrum S. 31,
und wenn er gar selbständig dächte und wüsste, dass
nur Plinius serale kennt, an klass. lat. secäle: vulglat.
seeale (S. 24) Anstoss nehmen und sich fragen, mit
welcher Berechtigung kl. lat. siicäle angesetzt sei. —
Was die Anlage und die Vertlieilung des Stotfes betrilft,
so wird im ersten Kapitel, S. 1 — 10, die Orthographie
etwas zu knapp abgehandelt, da doch auch der Wirr-
warr französischer Schreibung manche mei'k würdige
Eegel zeigt, das zvieite spricht von den Einzellauten,
so zwar, dass zunächst eine genaue Beschreibung der
Artikulation gegeben wird, dann allfällige orthographische
bezw. die Aussprache betreffenden Schwankungen inner-
halb der letzten vier Jahrhunderte, endlich die latei-
nischen oder germanischen Quellen des französischen
Lautes. Ein zutreffendes Urtheil über den ersten Theil
wird nur der geborne Franzose fällen können, doch muss
ich sagen, dass die Ausführungen mir den Eindruck des
Zuverlässigen und Allgemeinverständlichen machen; die
beiden andern sind ziemlich mechanisch und, fürchte ich,
nicht immer fasslich. Wenn es z. B. S. 23 von den
Quellen des ai heisst: ,, Ausnahmsweise (analogisch) in
i'aire {rädere) aus lat. freiem a und in airain (aeramen)
aus vortonisch ac, das im Altfranzösischen und noch im
16. Jh. durch a ersetzt wurde", so stehe ich diesem
Satze rathlos gegenüber, da ich mit dem ,, analogisch "^
nichts anzufangen weiss, und nicht einsehe, weshalb raire
(afr. rere) von den wenige Zeilen vorher genannten
aile, pair, clair losgerissen wird. Und ähnlicher Fälle
gibt es noch manche. Auch schiefe oder niissverständ-
liche Ausdrucksweisen begegnen, so S. 44, wo als Quelle
für oy vortonisches S -\~ Pal., etwas weiter unten als
Quelle für oii vortonisches lateinisches o bezeichnet und
als Beispiel dort foi/er {focarium), hier loner (locare)
gegeben wird. Da auch in noyaii ^= niicalis die ,,Pala-
talis"' an dem '' Schuld ist, so weiden die meisten Leser
imter der Palatalis das lateinische c verstehen, sich aber
kaum Eechenschaft geben können, weshalb c das eine
Mal scheinbar zu i wird, das andere' Mal spurlos fällt.
Die Auswahl der Beispiele ist im Ganzen eine sorg-
fältige, doch durfte eciirie nicht unter die Fälle von u
aus ui gerechnet werden, nachdem Ltbl. 1885, 455,
Rom. 1887, 624 die richtige Herleitung gegeben war.
•Schlinnuer ist es, dass der ^'erf. immer nur constatirt,
nie erklärt, wodurch das Buch gerade für den. der nicht
bloss todten (Tedächtnisskram in sich aufnehmen will,
fast werthlos wird. So heisst es S. 87: ,,/> entstand
aus b . . . , zuweilen aus lateinischem intervokalischem
p, auch wenn es vor l tritt: abeille, boutirpie, ciboide,
Grenoble". Dass keines dieser Wörter französisch
ist, vielmehr das erste provenzalisch , das zweite
italienisch, weiss der Fachmann, kann aber der Leser,
für den das Buch bestimmt ist, nicht wissen, und so
bleibt er, wenn er überhaupt über die Dinge nachdenkt,
vor einem Räthsel, das zu lösen ihm seine „Grammatik"
auch nicht einmal einen Wink gibt. Und das halte ich
für einen grossen Mangel des Buches. Dem Romanisten
bringt es kaum etwas Neues und will es auch nicht
30
407
1891. Literaturblatt für ^crmanisclic und romanische Philologie. Kr. 12.
408
bringen, den lernbeffieiigen Studenten oder Lehrer kann
es nicht anreg'cn, weil Jedes Mittel (auch ■/.. H. die
Literaturangaben), sich über die (irenzen des Heftes
hinaus weiter zu unterrichten, fehlt. — Das letzte
Kapitel handelt von den Lauten im Wort und im Satzglied,
also von der Silbentheilung-, der Betonung, dem rheto-
rischen Accent. der Tonhöhe, der Silbenquaiitität, dem
CousonantenausJaut. der Bindung und den damit zusammen-
hängenden Erscheinungen. Es gibt, was man über diese
schwierigen Fragen geben kann, so lange noch nicht
ein genauer Phonogi-aph erfunden ist, in guter, ver-
ständlicher Fassung und kann Manchem willkommene
liienste leisten.
Wien. W. Meyer-Liibke.
Les tirands Ücrivains de la France. Oeuvres de J. de
La Fontaine. Xouvelle Edition par M. Henri Regnier.
Paria, Hachette. 1SS3 ff.
Bei (Gelegenheit der Einweihung eines La Fontaine-
Denkmals in Paris im .Sommer dieses .Tahres bezeichnete
der Festredner Sully Prudliomme von der Acadhme
fraJKjtiise den grossen Fabulisten als plim qu'immnriel,
foujoitrs Jeinie. Dieses foiijoiirs jeiüie kommt in der
That La Fontaine in höherem Grade als ii'geud einem
anderen französischen Dichter zu. Nach Legouves klas-
sischem Zeugnisse {La Lerture eii acfioii, eh. VI) lernen
schon die kleinen Kinder seine Fabeln auswendig, die
älteren studiren sie in den Schulen, reife Männer kehren
zu ihnen zurück, und die berühmtesten Seliauspieler
wählen sie gern für ihre Eecitationen. Und wer die
zeitgenössische schöne Literatur oder die Tagespresse
verfolgt, wird oft genug auf La Fontaine und La Fon-
tainesche Wendungen stossen. Er, der ,, französischste
Dichter", ist in seinem Vaterlande volksbeliebt wie kein
anderer, so dass immer neue Ausgaben erscheinen uiul
schnell Absatz finden, während bei uns selbst die besten
der Käufer harren.
Auch die vorliegende Ausgabe spricht deutlich für
des Dichters Werthschätzung bei seinen Landsleuten und
reiht sich den Scliwesterausgaben derselben Sammlung
würdig an. Sie war seit Langem vorbereitet : schon vor
dem grossen Kriege lag der gi-össere Theil des ersten
Bandes druckfertig vor, aber der damalige Herausgeber
.Julien Girard konnte leider seine Arbeit nicht weiter-
führen. Da ist Henri Regnier in dankenswerther Weise
für ihn eingesprungen, uud er führt nun nach jahre-
langen eifrigen Studien das so glücklich begonnene Unter-
nehmen seiner N'ollendung entgegen. Bd. 1. 18H3 er-
schienen, entiiält ausser einer Noticc hio(/ri(phkiue, die
durch die massvolle Besonnenheit in der Beurtlieilung des
Dichters besonders anspricht und die vollendete Akribie
der Grands Kcrivaius von neuem zeigt, die ersten fünf
Bücher der Fal/Ies, die in Bd. 2 (1884) bis zum neunten
Buche fortjresctzt und in Bd. 8 (188.5) abgeschlossen
werden. Bd. 4 (1887) ist den beiden ersten Theilen
der Coiites gewidmet, Bd. 5 (1889) bringt den .'}. und
4. Theil, während der letzte Theil in Bd. 6 (1890)
folgt. Derselbe Band enthält auch noch die grösseren
Gedichte: PhiUtnon ei Bands, Les Filles de Minie,
Adonis, La captirUe de saint Male, Le (Jiiinrjnitia.
Im 7. Bande (1891) werden die dramatischen Versuche
(mehr sind sie ja nicht gewesen) des Dichters veröffent-
licht: zuerst sein Erstlingswerk, eine Uebersetzung des
Kunuchus des Terenz, L'Ennwjne, dann Les Kieurs
du Beau-Rkhard, Clymene, Dapimi, Galatee, Ragotin,
Ae Florentin, Tai Coupe enrhantie, Le Vean perdu.
Astrce, Je rous prends saus verd, und endlich ArliUle.
Der eben ausgegebene 8. Band (1892) bietet Folgendes:
Les Amours de Psyche et de Cupidon, Fragments dn
Songe de Vaux, Opuscules en^prose et Epitres didi-
catoires, Poesies direrses (Eligies, Ödes, PUces
melees, Tradnctions en vers). So weit ist das Unter-
nehmen bisher gediehen. Ein letzter Band wird wohl
die Briefe des Dichters ])ringen und ein \Vörterbnch,
dem jeder Romanist mit Spannung entgegen sieht.
Der Berichterstatter hat die ersten sieben Bände zum
Theil wiederholt durchgearbeitet und ist von der Liebe
wohlthuend berührt gewesen, mit der der Herausgeber
alle Werke des Dichters ohne rnterschied ihres litera-
rischen Werthes behandelt hat, selbst die also, die längst
einer verdienten Vergessenheit anlieimgefallen sind. Mit
einer erstaunlichen Belesenheit in antiken und modernen
Schriftstellern zieht Regnier ein reiches Material zur
Yergleichung oder Erläuterung schwieriger Stellen heran.
Besonders ergibig für seine Arbeit sind da die fran-
zösischen Dichter. Es ist bekannt, dass La Fontaine
an verschiedenen Urten, so in den Vorreden zu den
Fabelsammlungen, auf die Männer zu reden kommt, an
deren Werken er sich gebildet hat. Da werden neben
den lateinischen Klassikern bunt durcheinander Malherbe
und Racan. Voiture und Marot, Houore dTrfe und andere
genannt, und einmal fügt er hinzu: j'unbliais ma'itre
Franrüis (Rabelais) dont je nie dis encore le disciple.
Der Eintiuss dieser Dichter auf seine ästhetische Ent-
wicklung wird durch Regniers Anmerkungen man möchte
sagen statistisch erwiesen. .\us einer ganzen Reihe von
Parallelen ergibt sich z. B. Rabelais' nachhaltige Ein-
wirkung, und wenn auch eine Nachlese noch manche
wichtige Stelle zu Tage fördern kann, so darf bei dem
Umfange der zu bewältigenden Literatur dem Heraus-
geber daraus kein ^'ür\vurf gemacht werden. Bei schwie-
rigen Wendungen wäre eine ausgedehntere Heranziehung
der anderen Werke wünsclienswertli gewesen, doch ist
das vielleicht dem Wörterbuche vorbehalten. So heisst
es in der Fabel Le Chat et un vienx Rat (III, 18): ('//
rat, saus plus, s'absfient d'allcr flairer autour. Ueber
die Bedeutung dieses sans plns haben selbst Franzosen
keine befriedigende Auskunft geben können. Es kommt
aber bei La Fontaine öfters vor, so dass der Sinn völlig
gesichert erscheint. D'interprete, sans plns, Je sers
d votre plre heisst es im Enmiqne (V, 3): als Dol-
metscher und niclits anderes diene ich eurem Vater.
Ferner bedarf der Ausdruck marfin-btiton aus der be-
kannten Fabel U Aue retu de la peau du Lion (V, 21)
einer Richtigstellung, denn er bedeutet da nicht Knecht,
sondern zunächst nur Stock; und anderes mehr.
Das Hauptinteresse nehmen natürlich die Fabeln in
Anspruch, insbesondere auch deshalb, weil der Heraus-
geber hier etwas Neues bietet. Zu jeder einzelnen gibt
er nämlich die hervorragenderen Fabeln gleichen oder
ähnlichen Gegenstandes an, die bei irgend einem Volke
vor La Fontaine oder zu seiner Zeit gedichtet worden
sind, während von den späteren nur die angezeigt werden,
deren Vergleichung wirklich lohnend ist. Ferner ver-
weist er auf die entsprechenden Fabeln der Mijthologia
aesopica Xeveleti (Francofurti 1610) aus der La Fon-
taine häutig geschöpft hat. So raarschiren denn vor
jeder einzelnen Fabel Aesopus, Aphthonius, Avianus,
Babrins, Phaedrus, Roniulus, 5Iarie de France, Haudent,
Corrozet, Le Noble und viele andere auf. So dankens-
werth diese Hinweise mit ihrer Fülle von Gelehrsamkeit
409
1891. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 12.
410
und Belehrung aucli sind, und so sehr man die Findig-
keit Regnlers anerkennen nmss, so wirkt doch die Zu-
sammenstellung der heiteren Kinder der Jlusen mit einem
so gelehrten Apparate beinahe wie die frohe Schaar der
Jäger in einem Festznge liinter schwerbepanzerteu Rittern.
La Fontaine ist nun einmal alles Andere denn ein ge-
lehrter Diihter gewesen. Oft genug war es ein Bild,
eine gliiekliche Wendung in einem Schriftsteller, die
eine verwandte Saite in ihm anschlug und erklingen Hess,
keinesfalls aber hat er etwa systematisch Quellenstudien
getrieben. Aber gerade bei der Eigenart seines Wesens
möchten wir gern wissen, woher ihm die Anregungen
gekommen sind, und der Berichterstatter ist deshalb der
Ansicht, dass es Wünschenswerther gewesen Aväre, statt
jener Hinweise anzugeben, woher La Fontaine seinen
Stoff entlehnt hat, so weit man überhaupt bei ihm von
Stoffentlehuung sprechen kann. Freilich hatten diese
Angaben oft eine peinliche Untersuchung erfordert, aber
Regnier wäre ja auch der riditige Mann dazu gewesen.
Bei der Fabel Le Loup devenu Berger (III, .3) wii-d
übrigens auf Verdizottis {Cento farole morali, Venetia
1590) // Lupo et le Pecore als mögliche Quelle hin-
gewiesen. Das ist dem Berichterstatter durchaus un-
wahrscheinlich. Andere Fabeln desselben \'erdizotti da-
gegen erinnern nicht nur im Wortlaute, sondern auch in
ihrem frischen Tone an La Fontaine, z. B. // Gafto
e' l Gallo an Le Loup et l'A(jrteau, aber da verraisst
man einen Verweis auf Verdizotti.
Selbstverständlich sollen diese Ausführungen das
Werk nicht heruntersetzen. Es ist ein Werk, zu dem
man Verlagsbuchhandlung und Herausgeber nur beglück-
wünschen kann.
Leipzig. Max Fr. Mann.
Plattner, Pb., Französische Stilschnle. Ausgewählte
Abschnitte aus Schillers Geschichte des dreissigjährigen
Krieges mit ausführlichen Bemerkungen für die Uebertragung
in das Französische und einer vergleichenden Zusammen-
stellung verschiedener Uebersetzungen. Karlsruhe 1891.
Vorliegendes Werkchen enthält 45 Xuuunern, 83
Seiten Text, 130 Seiten überaus reichhaltiger Anmer-
kungen. Ich will es nicht besprechen, sondern empfehlen ;
ich habe es zu Uebungen im romanischen Seminar ver-
wendet und glaube, dass es sich durchaus bewährt hat.
Auch für obere Klassen von Mittelschulen scheint es mir
geeignet.
F'reiburg i. B. Ph. Aug. Becker.
Erlanger Beiträge zur englischen Philolosie. Heraus-
gegeben von Hermann Varnhagen. X. Heft. Peregri-
naggio di tre giovani, figliuoli del re di Serendippo. Per
opra di M. Christoforo Armeno dalla persiana nell' italiana
lingua trapportato. Nach dem ältesten Drucke v. J. 1.557
herausgegeben von H e inr ich G ass n e r. Mit einem anti-
kritischen Vorworte von Hermann Varnhagen. Er-
langen, Fr. Junge. 1891. XIX, 112 S. gr. 8. M. 2,.50.
Varnhagens Antikritik, welche der Ausgabe voran-
steht, weist in sachlicher Weise die Vorwürfe zurück,
die ein anonymer Recensent in den Mittheilungen (Bei-
blatt zur Anglia) VIII gegen Dicks Einleitung zu der
Ausgabe der Gesta Romanorura (Erlanger Beiträge zur
englischen Philologie X. 7) erhebt. — Gassner hat sich
die Aufgabe gestellt, einen genauen Abdruck der oben
erwähnten editio princeps zu geben. Als Einleitung
lesen wir eine knappe, aber völlig ausreichende Inhalts-
angabe des Wei-kes in Ueberschriftenform, Nachrichten
über sonstige Drucke und eine Aufführung der Literatur,
welche sich mit dem Denkmal beschäftigt. Im Texte
I sollen nur offenbare Druckfehler gebessert werden, der
Apostroph bei de' ne' n. s. w. wird streng durchgeführt,
am .\nfang der Sätze sind grosse Buchstaben gesetzt,
und die Interpunktion ist geregelt. Wurde in einem
Falle eine bestimmte Schreibung durchgeführt, so sieht
man nicht ein, weshalb dies nicht auch z. B. bei den
Accenten geschehen ist. .Jetzt herrscht ein stetes
I Schwanken zwischen iisd und i(.<o, ciftä und citta, cid
und cio u. s. w. Gegen Ende mehren sich die Accente.
Dafür hätte auf ä und inä der Accent wegfallen können.
Für weniger kundige Leser wäre vielleicht auch eine
Scheidung von n und v am Platze gewesen. Die Ver-
besserungen im Texte sind vielfach unnöthig. Richtig
ist (jravamente S. 10, nelle S. 13 {carrere ist oft f. pl.
z. B. in der Margarethenlegende) ; de = di konnte S. 24
Z. 11 u. und 4u. wie auch S. 76 Z. 3 S. 94 Z. 14 u.
bleiben. Ebenso hätte ich S. 27 Z. 7 u. di = dei stehen
lassen, wie schon S. 5 Z. 10 di Franchi. S. 28 Z. 7
war fjl' zu belassen; so steht auch S. 100 Z. 17: S. 32
ist ordinorono eine richtige Form; S. 34 Z. 18 arro-
scisse wie S. 74 Z. 12 arroscitosi: S. 34 ist au fufta
tre Z. 10 u. kein Austoss zu nehmen; ebenso hier S. 66
Z. 3 u., S. 67 Z. 19 (so auch inia u. s. w. als Masc);
S. 35 Z. 19 ist che nicht zu ergänzen (oft so altitalie-
nisch); S. 37 Z. 17 ist der Satz Onde nascea nnvoll-
ständig; lies: diidsando passauci; S. 45 Z. 13 ist liii-
centiato richtig; ebenso S. 56 Z. 14 voi fussi: es steht
auch S. 111 Z. 7 u. neben potessi; S. 66 Z. 18 ist die
Aenderung uscite zu uscito unmöglich und überflüssig,
da uscite die 3. Sg. Pf ist; S. 84 Z. 11 u. 1. coricafo;
S. 90 Z. 14 u. 1. hauessero-, S. 99 Z. 8 kann das eine
io getilgt werden. Ich hätte auch Formen wie pasasse,
missero, spaccio, quaW u. s. w. unbeanstandet gelassen.
Das S. 10 in der Anmerkung hervorgehobene (jamhello
ist auch sonst bekannt. Vgl. Mussafia. Beitrag s. v.
Von Druckfehlern merkte ich an: S. XVII Z. 16 u. 1.
1557: S. 12 Z. 2 1. comparso; S. 15 Z. 15 u. 1. con-
tentisimo; S. 59 Z. 8u. 1. qualunchc; S. 67 Z. 16 u.
1. e statt e\ S. 70 Z. 8 1. aiientura; S. 70 Z. 12 u.
1. scritte: S. 77 Z. 8 1. restare di; S. 88 Z. 15 u. 1.
E; S. 90 Z. 4n. 1. auenuto*: S. 94 Z. 11 1. deyiiino;
S. 94 Z. 7n. 1. acroncio; S. 96 Z. 15 1. fu; S. 99
Z. 13 u. 1. all'hora.
Diese mehr nebensächlichen Bemerkungen thuu dem
Werthe des Buches, der ja nicht in der sprachlichen
Seite zu suchen ist, keinen Abbrucfi. Wir sind dem
Herausgeber für den Neudruck zu grossem Danke ver-
pflichtet.
Halle. Berthold Wiese.
Restori, Ant., Le gesta del Cid, raccolte e ordinale.
(Antologia spagnola.) Milano, Hoepli. 1890. 272 S. 8.
Restori lässt ausführlichen Auszügen mit ergänzender
Analyse aus dem Poema kürzere Proben der verschieden-
artigsten Behandlungen in ^'ersen und Prosa folgen,
welche die Materie vom t"id im Lauf der span. Literatur-
entwickluug erfahren hat. Man wii'd die Bruchstücke
aus zum Theil nicht leicht zugänglichen Drucken gerne
entgegennehmen, darunter auch eine solche aus der iin-
gedruckten Arlantina des Arredondo, welche freilich das
ungünstige Urtheil Ticknors nur bestätigt. Bei der
Auswahl aus der älteren Tradition hätte ich eutschiednere
Berücksichtigung der wichtigsten Episoden, bes. der Be-
lagerung Zamoras empfohlen. r)ie neuere Literatur ist in
Trueba etwas dürftig vertreten: sie bietet viel kräftigere
411
1891. Literaturblatt für ^erinanische und romanische Philologie. Nr. 12.
4ia
poetische Naclikläng'e. Da die Texte treu wiedergegeben
sind, ist die SaiiiinluiiK /u rehungsz wecken zu empfehlen,
um so mehr als Vollniiillers Abdruck des 1'. C. erschöpft
ist. Ein Wort- utul l'ersonenverzeicliniss schliessen sich
an, sorgfältig, wenn auch in der Erklärung schwierigerer
Formen nicht gerade glücklich. Auch die literarischen
.\ngaben des Vorworts sind brauchbar (Zs. VI, 167 hat
R. nicht gefunden): die persönlichen Ansichten freilieh
sind höchst bedenklich. So hören wir, dass der Held
des Poenia feudal und höfisch ist, im (.Gegensatz zu dem
der Romanzen, als besonders charakteristisches Zeichen
dieses Unterschiedes wird das Fehlen der Benennung
myo Cid in den Romauzen angeführt. Die „Frage"
nach dem Verhiiltniss Diamantes zu Corneille sollte end-
lich einmal verschwinden: es ist nachgerade oft genug
auf die entscheidende Notiz liarreras bei Latour hin-
gewiesen worden: R. citirt sie, hat sie aber nicht ge-
lesen. Was von ihm an dem Poema selbst geschehen
ist, entspricht der völlig werthlosen Abhandlung im
Propugnatore 20, 1 u. 2: das Beste daran ist, dass es
sich leicht abstreifen lässt. Die Correcturen sind Gemein-
plätze oder falsch, die metrische .\uftassung die unhalt-
barste, welche noch dem Denkmal entgegen gebracht
worden ist. Der Verfasser selbst wird es später be-
dauern sicli die Sache so leicht vorgestellt, und Halb-
vei-se gebaut zu haben wie
1 De los !<os ojos tun \ fiierte wientre lorando
5 E sin falcones e \ sin adtores mitdados.
Freiburg i. B. G. Baist.
Philologische Abhandinngen Heinrich Schweizer-Sidler zur
Feier des fünt'ziK)ährigen Jubiläums seiner Docententliätig-
keit an der Zürcher Hochschule gewidniet von der I. Section
der philosophischen Facultät der Hochschule Zürich. Zürich,
Druck von Zürcher und Furrer. 1891. IV, 79 S.
FAn .Tubelstrauss wie der dem ehrwürdigen Schweizer-
.Sidler dargebrachte, erfreut uns zunächst durch die Bunt-
heit der Blumen, die doch den gemeinsamen Ursprung,
die gemeinsam empfangene Besonnung niclit verleugnen.
In den fernen Osten führen uns A. K<egi und F. Misteli;
jener erbringt den Beweis dass ,.die Xeunzahl bei den
Ostariern" die entsprechende Rolle spielt wie bei den
Griechen, Römern, Germanen, dieser stellt einen Ver-
gleich zwischen „Neupersisch und Englisch" an, welcher
die völlige Beherrscliung des Gegenstandes bekundet,
dessen Zweck ich aber wohl erst nacli dem Erscheinen
des lange vorbereiteten Werkes „Charakteristik ausge-
wählter Tj'pcn des Sprachbaues", dem es als Abschnitt
angehört, völlig verstehen werde. A. Surber handelt,
au Früheres anknüpfend, das nnvcrdientermassen keine
Berücksichtigung gefniiden zu haben scheint, „über die
Verwerthung der wissenschaftlichen Ergebnisse für die
Schulsyntax des lateinischen Infinitivs". W. Meyer-
Lübke vertieft sich in Probleme der lateinischen Laut-
geschichte: „Ueber <>' und ii im Lateinischen". Die all-
gemeinen Bemerkungen mit denen er an seine Aufgabe
tritt, veranlassen mich zu ein paar Worten: man kann
sich über Etwas nicht verständigen, ohne sich vorher
verstanden zu liaben. Nienumd denkt daran die Sprache
je vom Zufall — der ^'erneinung des Kausalgesetzes —
beherrscht sein lassen zu wollen, .ledermann fragt nach
den Ursachen der einzelnen sich in so mannigfachem
Widerspruch zu einander darstellenden Erscheinungen.
Aber wie ich sclion längst ansgesijroclien habe (z. B.
Ltbl. 18«7 S. 24), man darf sich über den Werth der
aufgefundenen Ursachen nicht täuschen; wenn es nicht
leicht ist in jedem Falle unter so vielen und vielartigen
an sich denkbaren eine als die wirkende und zwar aus-
schliesslich wirkende mit grösserer Wahrscheinlichkeit
zu bezeichnen, so ist es meistens unmöglich zu erklären
warum sie wohl in diesem Falle, nicht aber in andern
entsprechenden gewirkt hat. Der Unterschied zwischen
den Tonvokalen in pondiis und dn/iiiiidi wird auf den
Unterschied zwischen Anlautsilbe und Mittelsilbe zurück-
geführt (S. H>): man muss sofort fragen inwieweit sonst
an den letzteren Unterschied gleichartige Folgen ge-
bunden sind. Stellen wir uns vor dass wir innerhalb
irgend welcher Grenzen schliesslich das unendliche Ge-
wirr der nach allen Richtungen hin verlaufenden Laut-
bahnen in seiner Gänze aufnähmen, würden wir den
Eindruck der Gesetzmässigkeit wohl in einem besondern
Masse empfinden? M.-L. zeigt auch in dieser Unter-
suchung die glänzenden Eigenschaften die wir an ihm
kennen, daneben aber hie und da jene Ueberhastung die
den W>rtli numcher früheren Arbeit von ihm nicht wenig
beeinträchtigt; ich meine Ueberhastnng nicht bloss was
die Schlussfolgerungen auch was die Grundlegungen
anlangt. In einer Wissenschaft welche es recht eigent-
lich mit den „Tüpfelchen auf dem «'" zu thun hat, ist
die „.Akribie" wie sie einst besonders von Fr. Ritschi
gepflegt und gelehrt wurde, das allererste Erforderuiss,
dessen sich auch die Besten mit der Entschuldigung dass
sie ihre Zeit besser verwenden könnten, nicht entbinden
dürfen. S. Iti sagt er: „auch colosira ist nach Aus-
weis von span. calostra portg. costra mit 0 oder aber
mit ü anzusetzen". Port, costra ist „Schorf" und >
lat. crusta; das hier gemeinte Wort lautet costro, man
wird ihm aber nicht in allen Wörterbüchern begegnen,
lind es darf nicht als port. ohne Weiteres bezeichnet
werden. M.-L. hätte sagen sollen woher er es ge-
nommen hat; ich vermnthe, aus dem Grundriss (I, 780),
uiul zwar steht da costro (Moi-aes Silva hat dafür crosto).
Coruu führt das auf colostro zurück, und diese Aussprache
gibt auch Moraes Silva an; bei Madureira (Ausg. vo)i
1861) S. 229 finde ich aber: „colostro, e näo cöstnr
(o = q). Ob man nun colostro oder colostro spricht,
ist deshalb von wenig Belang für uns weil das W'ort
gelehrte Form trägt; aus dem o von costro lässt sich
aber auch Nichts über die Natur des mittleren o er-
schliessen. Statt (span.) calostra ist colostro zu lesen;
die Möglichkeit dass wir es hier mit einer halbgelehrten
Form zu thun haben (es ist früher auch colostro ge-
schrieben worden), können wir im Hinblick auf port.
colostro nicht ganz abweisen. Wenn aber span. calosfro
wirklich auf ein lat. colUstrum oder colöstrinii zurück-
weist, lebt denn das \\'ort nur auf der pyrenäisclien
Halbinsel? Warum ist nicht von ital. colostro (sizil.
culostra) die Rede? Und falls dies etwa als gelehrte
Form betrachtet werden sollte, verdient nicht das pistoj.
calostra dasselbe Vertrauen wie das span. calostro?
Denniach würden wir tür das Latein Italiens Colostrum,
■a, für das Spaniens colüslrum, -a (weini nicht Colostrum,
-a) anzusetzen haben, wie z. B. auch ein schlechtweg
als lateinisch angefülirtes westlat. trncta einem ostlat.
tröcta gegenüber gestanden zu haben scheint. Jenes
coliistrum ist übrigens oft genug belegt; M.-L. hätte
sich nicht bloss anf Caper berufen sollen. Im Osten des
adriatischen Jleeres würden wir wieder coliislruin haben,
wenn Gustav Jleyers Herleitung des alb. kiiiinsts, „Jlilch"
die richtige ist (die ital. .\lbanier haben h'l'oistrf, kulostrs
„Biestmilch"). Das liumän. bietet uns colasträ, corastrd.
113
1891. Literaturblatt für gornianiBohe und romanische Philolojfie. Nr. 12.
414
corastä, ein Wurt welches die rumänisclieu Hirten unter
die Grieclieu, Magyaren, Rutlienen. Slowaken, Pulen ge-
bracht liaben. Ich glaube nicht dass hier (/, wie man
anzunehmen pflegt, aus oa entstanden ist; vielmehr ver-
niuthe ich ein '''colastra neben dem für anderswo anzu-
setzenden *calostruiu, -a. Wenn das Friaulische ciijostre
> -mtra sagt, sd hat sich hier das Wort für ..Lab-
niilch" eingemischt, indem dies mit dem Wort für ,. Biest-
milch" öfter verwechselt wird (vgl. altfranz. mer hetve,
..Lebermeer"*); adhustre, calastre heisst in südfranz.
Mundarten die Labmilch, auch caulisfre. So ist auch
kroat. kiiljada, „Biestmilch" (;\[iklosich Et. Wb. führt
unter kolastra nur slowen. kohida und zwar zweifelnd,
aus einer älteren Quelle an) der Form nach > ital.
(piaffliata. ladin. (Vorderrheinth.) cuc/liadn (ven. cagiada).
Im Mittellatein (Hiefenbach) begegnen wir jenen und
ähjilichen Formen: Colostrum, colustrum, cohistrum,
colistnim, calustrum, zum Theil auch iu der Bedeutung
von „Labmilch"'. Ich habe mich durch M.-L.'s unge-
nügenden Hinweis auf das Romanische verleiten lassen
diesem Worte weiter nachzugehen, und dabei hat es, wie
das oft geschieht, von der Beweiskraft die es beim
ersten Blick in „lautgesetzlicher"" Richtung zu haben
schien, viel eingebüsst. Auch M.-L. hat seiner laut-
geschichtlichen eine wortgeschichtliche Studie hinzugefügt,
nämlich über mampliiir: die lautliche Vermittelung von
franz. mandrin (das Südfranz, kennt das Stammwort:
mcuidro, niandre) mit mundartl.-ital. iiidiifano u. s. \v.
ist eine sehr scharfsinnige und glückliche. S. 24 wü"d
„das ntu' auf Lischriften vorkommende dunque — ital.
dunque" erwähnt: aber nicht dunqiie, sondern dune
kommt auf den Inschriften vor, und das ist um so wich-
tiger weil ein dunqite der neuerdings beliebten Her-
leitung des romanischen Wortes von donique Vorschub
leisten würde. Allerdings bezieht Zimmermann an der
von M.-L. angeführten Stelle auch diaic auf donique
oder vielmehr donicum-, aber das Nächstliegende ist doch
das Beste: dune, „während"' steht neben dum wie
tunc neben tum. Begrifflich geht das romanische Wort
meines Erachtens auf eine Vermischung von duuc und
tuiic zurück. Wenn das franz. donc beim Imperativ
ganz dem lat. dum entspricht, so wohl erst in Folge
späterer Entwickelung, wie A. Tobler innerhalb dieser
Festschrift in seinen ..kleinen Beiträgen zur franzö-
sischen Grammatik"' lehrt (S. 3). Ausser donc, dessen
I Gebrauch einen merkwürdigen Parallelismus mit dem
' des deutschen doch aufweist („komm doch!", „wie un-
wissend bin ich dochl"'), werden noch andere syntaktische
Punkte in Toblers gründlich-gediegener Weise besprochen.
Den Schluss bildet H. Morfs interessante Untersuchung
über tutti e tre. Er geht von einem tutfu tre aus und
weist zahlreiche Seitengänge eines solchen alten pro-
nominalen Xeutralpliu-als im Italienischen und im Roma-
nischen überhaupt nach. Gelegentlich der Formen mia,
tua, sua möchte ich hier eine Frage vorbringen die
allerdings mit der Hauptfrage Nichts zu tliun hat. Ich
finde überall nur von ihrer pluralischen \'ei'wendung
gesprochen; ich habe mir aber vor fast einem Viertel-
I Jahrhundert in Rom, allerdings nicht aus gehörter Rede,
I und auch nicht ans Belli, sondern aus andern Schriften
■• in römischer Mundart Fälle wie /yo niiu, er nome sua,
a commido sua, lo sposo mia u. s. w. aufgezeichnet.
Kommt nun Solches wirklich in der Volkssprache vor?
Morf hat eine Kleinigkeit übersehen ; futf' </ tre, tutt' e
tre sind nicht nur durch die .Schreibung von tultu tre,
tutte tre unterschieden. B. Bianchi, „Storia della pre-
posizione «"', der von Morf S. 72 hätte angeführt werden
können, sagt ausdrücklich S. ;{9: „che la nuda pronunzia
toscana delle diverse dizioni e tuttuddue, tuttettre".
In der S. 72 aus Nerucci mitgetheilten Stelle steht
nocciur tnttadna; aber dieselbe Stelle bietet in Fan-
fanis Ausgabe der „Mea di Polito" S. 2: nörciur tuttiddua.
Wenn ich nun auch als Ursprüngliches tutta tre gelten
lasse und daneben tutte tre gelten Hesse (obwoiil die
Anbihlung von tutte an due mir nicht wahrscheinlich
ist), Eines steht fest: die heute herrschende Sprechweise
zeigt Einmischung von a > ad und von e > et. Wo
aber deren secundäres Auftreten zweifellos ist, ist min-
destens ihr primäres nicht so unwahrscheinlich wie Morf
S. 71 f. annimmt. Und wenn wir auch ital. uniemlue >
*aniheddue (Ascoli Arch. glott. it. I, 204) auf *ambe
due und dies auf "ainha dua zurückführen könnten,
von dem sich *ai)ibaddua (oberengad. amanduos; vgl.
Span, ainhos d dos) abgezweigt hätte, so sind doch
altrettauto, altrettale unmittelbar aus altrotanto, altro-
tale hervorgegangen. Man vergleiche ogitiduii, quul-
cheduno, helV e fatto, und Anderes worüber ich Romauia
III, 18 f. gesprochen ^ Wie in tutt' e tre, tutt' a tre,
stehen e und a neben einander in röm. quant' e tte,
com' e tte = neap. quant' a tte, cumm' a tte (s. auch
d'Ovidio Arch. glott. it. IV, 180 f.): vgl. sizil. com' ed
ora = ital. conie ora. Auch in dem prov. cuma (neben
com) mit dem alt- und volksthümUch-port. coma (neben
como) steckt die Präposition «; das altfranz. come
(neben com) entspricht diesem coma, es muss zunächst
nur vor dem Xomen (com vor dem Verbum) gebraucht
worden sein wie es im Campobassoschen, d'Ovidio a. a. 0.
zufolge, heisst: cummette „wie Du"', aber cumme te
chiame, „wie heisst Du'?' Dieser ganze erweiterte Ge-
brauch von et und ad ist bisher nur gestreift worden,
hier wäre der Platz gewesen ihn ausführlich darzustellen.
Graz. H. Schuchardt.
Zeitschriften.
Archiv f. das Stndiniu der neuern Sprachen n. Litera-
turen LXXXVII, 2. 3: Alb. Leitzmann. Beiträge zur
Kenntniss Georsf Forsters aus ungedrucklen Quellen (Forts.).
— Hans S t r 0 h m e y er , Das Verbältniss der Handschriften
der Reimelirouik Roberts von Gloueester. — W. Foerster,
Zum Beaudous Roberts von Blois. — Herrn. Hager, Joseph
Green Cogswells Beziehungen zu Goetiie. — Fr. Meyer
V. Waldeck, Die Memoiren des Marschalls von Bassoni-
pierre und Goethes Unterhaltungen der Ausgewanderten. — -
A. S. Napier, Bruchstücke einer altenglischen Evangelien-
handschrift. — Der 8., Eine weitere Fassung des nie. Ge-
dichts Worldes lAis ne last no throne- — F. Holthausen,
Zu Chaucers Ciieilienlegende. — E. Stengel, Collation
des Originalabdrucks von Bezas Traotat De francicoe lin-
(juie recta pronunfiatione mit A. Toblers Neuausgabe. —
Adolf Tobler, Nachtrag zu Archiv LXXXVI, 442, Änm.
— G. Ellin ger, C. Reuling, Die komisclie Figur in den
wichtigsten deutschen Dramen bis zum Ende des 17. Jh.'s.
— J. Bolte, Die jüngere Glosse zum Reinke de Vos, hrsg.
von Herman Brandes. — G. Ell in ger, Johannes Rentsch,
Johann Elias Schlegel als Trauerspieldichter mit besonderer
Berücksichtigung seines Verhältnisses zu Gottsched. — Fr.
Speyer, Sämmtliche poetische Werke von J. B. üz. Hrsg.
von A. Sauer. — A. Döring, Wilhelm Cosack, Materialien
zu Gotthold Ephraim Lessings Hamburgischer Dramaturgie.
Zweite vermehrte u. verb. Auflage. — R. Palm, German
Classics edited with English Notes, etc. by C. A. Bucliheim.
* Zu ital. taV e quäle vgl. südfranz. tau e quau, port.
(C. de Figueiredo Licöes prät. da lingua port. S. 256) tal
c quäl.
415
1891. Literatarblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 13.
41ti
— .\cl. Müller, Muret, EncyklopSil. Wörterbuch der en^l.
u. deutschen Sprache. — W. Mangold, Otto Kares, Me-
thodical Hints for Spcakin^ Kn<;lish following closely the
lines of Instruction indicuted by each soparnte lesäon of
Degenhardt's Lehrgang der engl. Sprache. First Series,
Part I. Lesson 1 — 34. - J. Z.. The Works of William Shak-
sperc. Editeil with Critical Notes and Introductory Xotices
by W. Wagner and L. l'riescholdt. — R. Palm. Julius
Cajsar by William t^hakspere. Studcnts' Taiichnitz Edition.
Mit deutschen Erklärungen von Dr. Immanuel Schmidt. —
Joseph Schick, Ueber Titu.s .\ndronicus. Zur Kritik der
neuesten Shakspereforschung von Arnold Schröer. — O.
Glüde, II. Beyer, Edward .Moore. Sein Leben und seine
dramat. Werke. — J. /.., A Winter's Tale. By Mary K.
Mann. — J. Z., A Maideu Fair to See. By F. Philips and
C. J. Wills. — J. Z., Kirstcen. The Story of a Scotch Family
seventy Years ago. liy Mrs. Oliphant. — J. Z., Tlie Duclies.«.
X Story. By Mrs. Ilungerford. — J. Z., The Hired Bnby
with ütlier Stories and Social Sketches. By Marie Corelli. —
J. Z., Klialed. A Tale of Arabin. Bv F. Marion Crawford.
— J. '/,., Eight Day.s. By R. E. Forrest. — J. Z., Sunny
Stories and Some Shady Ones. By James Pnyn. — J. Z.,
Recha. By Dorothea Gcrard. — J. Z., Nouglits and Grosses.
Stories, Studios and Sketches. By Q. — j. Z., New Grub
Street. A Novel. By George Gissiiig. — J. Z., E.xtenuating
Circum.stanccs, a Novel ; ami A Freneh Marriage, a Xovel.
By F. C. Philips. — J. Z., The Blacksmith of Voe. A Novel.
By Paul Cusliing. — J. Z., Winchester Meads in the Time
of Thomas Ken, D. D., sometime Risliop of Bath and Wells.
By Emma .Mnrshall. — J. Z., The Sniuggler's Secret. .\
Romance. By Frank Barrett. — J. Z., A Scarlet Sin. By
Florenco Marryat. — J. Z., Misadventuie. By W. E. Norris.
— J. Z., The Light of Asia; or, The Great Renunciation.
Being the Life and Teacliing of Gautama, Prince of India
and Founder of Buddhism (as told in Verse by an Indiau
Buddhist). By Sir Edwin Arnold. — J. Z., Micah Clarke his
Statement as made to his thrce Orandchildren Joseph, Ger-
vas, and Reuben during tlie Hard Winter of 1734. By A.
Conan Doyle. — J. Z., More Social Vicissitudes. By F. C.
Philips. — J. Z., Letters from High Latitudes; being some
Account of u Voyagc, in 1856, in the Schooner Yacht
'Foam', to Iceland, Jan Mayen, and Spitzborgen. Bv the
Earl of DuB'erin. — J. Z., Not Like Other Girls. A Novel.
liy Rosa Nouchette Carey. — J. Z., Donald Ross of Heimra.
By William Black. — J. Z., Prisoners and Captives. By
Henry Seton Mcrriman. — J. Z., A Group of Noble Dames.
By Thomas Hardy. — J. Z., Won by Waiting. By Edna
Lyall. — R.Sprenger, Thomas Naogeorgus Pammachius
hrsg. von_ Johannes ßolte und Erich Schmidt. — A. Tob-
1er, E. Eticnne, La Langue fran^aise dcpuis les origines
jusqu'ü la fin du XP siecle. Tome premier. Phonetique,
dcclinaison. conjug.-iison. — Ders., Ein altfranz. Marienlob
aus einer Pariser Handschrift des 13. Jh. 's zum ersten Mal
hrsg. von Hugo Andresen. — Ders., Chansons Populaires
de la France. A Selection from Freneh Populär Ballads
edited with Introduction and Notes by Th. Fred. Crane. —
Fr. Speyer, Leitfaden für den ersten Untcrriclit im Fran-
zösischen. Unter Benutzung von „Hölzeis Wandbildern für
den Anschauungsunterricht" und mit Aufgaben zum Selbst-
cunstruiren durch die Schüler. Von S. Alge. — Ders.,
Lesebuch für den franz. Unterricht auf der unteren und
mittleren Stufe höherer Lehranstalten zur Einführung in
Land, Art und Geschichte des fremden Volkes von Hans
Rahn. Ausg. für Mädchenschulen. — J. Sarrazin, A.
Ricard, Manuel d'liistoire de la litterature fran^aise, resumö
encyclopödiqne h Pusage des maisons d'education et des
aspirants au diplönie de professeurs (sie!) de fran^ais. 4*
edition revue et auguientee. — Fr. Speyer, Athalie. Tra-
gödie Tiree de l'Ecriture Sainte 1691. Par J. Racine. Hrsg.
von Herrn. Holfelil. — Ders., Histoire de la Revolution
franfaise dcpuis 17S8 jusqu'en 1S14. Par Mignet. Hrsg. von
O. Tiede. Th. I. — Ders., Therfeso ou la petite Sccur de
Charitc par A.-E. de Saintes. Hrsg. von B. Klntt. — Ders.,
Neun Erzählungen aus Lettres de mon Moulin und Contes
choisis par Daudet. Hrsg. von J. Wychgram. — E. Braun-
holtz, „Sirventes Joglaresc". Ein Blick auf das altfranz.
Spicimannsleben. Von Fr. Witthoeft. — A. T., L. Cere-
botani, Vorwort zu dem sechs bis acht Üctavbände starken
druckfertigen Werke: Der Organismus und die Aesthetik
iler klassisch-italien. Sprache nebst einem reichhaltigen
Sprachpromptuarium für jedes Conccpt nach den besten
Klassikern elukubrirt. — E. Pariselle, G. A. Scartazzini,
Prolegomeni clella Divina Commedia. Introduzione allo studio
di Dante Alighieri e delle sue Opere. — H. Buchholtz,
L' Alighieri, Rivista di cose dantesche diretta da F. Pasqua-
ligo. — Ders., Gramätica del Castellano antiguo por Pedro
de Mugica. Primera parte; Fonetica. — L. Hölscher,
Programmschau.
Modern Lansuage Notes VI, 7: Ch. H. Ross, Chaueer
and ,the Mother of God'. — H. A. Todd, A new cxegcsis
of Purgatorio \IX, 51. — E. Hausknecht, The m. e.
hlauniut: — C. St. Wake, The Language of Madagascar.
— K. Franckc, Minor, Schiller. — T. Logie, Fontaine,
Merimce's Colomba. — W. F. Hewett, Walzel, Friedr.
Schlegels Briefe. — J. A. Fontaine, Edgren, a compcn-
dious freneh grammar. — A. S. Cook, Mayhew. Synopsis
of old english phonology. — H. A. Rennert, Ricci, L'ul-
timo rcfugio di Dante: .\gnelli, Topo-cronografia del viaggio
Dantesco ; Del Luiigo. Beatricc nclla vita e ncUa poesia
del s. XIII. — Ders., Hcnnigs, Studien zu Lopc de Vcga
Carpio. — Fr. N. Scott, Pronunciation of spanish-american
worils. — W. M. Tweedie, Chaucer's prologue. — W.
M. H. Browne u. J. W. Bright, Postscript to Chauccrs
Prologue. — H. Senger, Schiller Translation. — G.
H e m p 1 , irli in America ; The etymology of niichtern.
Beiträse znr Kunde der indogerin. Sprachen XVII, 3. 4:
II. Collitz, Die Herkunft des schwachen Praeteritums
der germ. Sprachen. — St räch au, Fick, Etymologien
(got. hiitis ; lat. cxpio = got. hiii/Ja ; lat. bnciiliim und ahd.
eheyil: lat. </raculus, ahd. chrayil: ß'/.tvra zu ahd. chlenaii:
germ. rienia und »o«.'»!'/.»; ; got. gildit; an. gn/)u: nd. döbel\
ahd. zimhay = ^f^ifpo,-).
Arcbivio per lo studio delle tradizioni popolari X, 2:
A. Ungarelli, Proverbi bolognesi : Agricoltura, Econoraia
rurale. — G. Crimi-Lo Giudice, Come si giuoca coi
bambini a Naso. — Luigi De Pasquale, Tre Leggende
calabresi: I. Fratia. II. Marcu. III. S. Stcfanu. — Paul
Sehillot, Contes ile Marins recueillis en Haute-Bretagne :
XHI. Le Prince Marin. XIV. Le Marin Georges, le Diablo
ecc. XV. Le Bar et lo Maquereau. XVI. Le Homard et le
Congre. — Pio Mazzucchi, Due macihiette carnevalesche.
I. L'orso. La torotolela. — M. Mcnghini, Canti popolari
roniani: 1. II ritorno. 2. L'abate che rimaiie senza camicia.
3. L' anellü caduto uel niare. 4. U Oonfessore. 5. La fan-
ciulla che vuole marito. 6. II mal d' amore. — G. Pitre,
Blasone popolare sieiliano. — Angela Nardo-Cibele,
La filata, o la coltivazione del canape nel Bellunese : Appen-
dice. — G. Kumagalli, Nuovo Contributo alla Biblio-
grafia paremiologica Italiana: I. Aggiunte Bernstein. — S.
S a 1 o mo n e - M a r i n o , La onnipotenza dei proverb.j di-
mostrata da una novclletta popolare siciliana. — Riccardo
Forster, Fiabe popolari dalmate: V. Fiaba de la Menega
rabiosa. VI. El re serpente. VII. El fazzoleto. VIII. El
Destin. IX. El pesse-can. — G. B. Corsi, Sena vetus:
Ninne-nanne, preghiere, storie: Storia di Giovanni di Bor-
dighiera. Susanna. Lisetta. — Alighiero Castelli, II Canto
di S. Giorgio. ■ — G. B. Corsi, Le dodici parole della
veritü in Siena. — G. Per rare, Folk-Lore dell' Agricol-
tura. — Miscellanea : La regina Giovanna I" nella tradiziono
popolare. — La festa di Maggie in Ärras (Francia). —
Come si leghi la febbre nel Belgio. — La morte di Alessio,
figlio di Pictro il Grande e quella di sua nioglie nella
tradiz. popolare. — Una superstizione su Napoleone 1°. —
II malocohio in Senegambia. — Alberto Lumbroso, Una
leggenda Chinese. — Rivista Bibliografica: G. Anialfi,
Croce, Lo Cunto de li cunti di G. B. Basile. — G. Pitre,
De Nino, Usi e Costumi abruzzesi — Ders., Ninni, Alcunc
pubblicazioni. — Ders., Rua, Intorno alle ,Piacevoli Notti"
dello Straparola. — Ders., Questionnaire de Folklore
Wallou ; Child, English and Scottish Ballads.
La Tradition V, 4: H. van El ven, Les proces de sorcellorie
au moyen Age. (Forts, in 5. 6.) — Fr. de Beaurepaire,
Chansons pop. de Quercy. (Forts, in 6.) — A. Harou, Le
folklore de la Belgique." — Th. Davidson, Clements de
traditionnisme ou Folklore. — A. Desrousseaux, Monstrcs
et geants. (Forts, in 5.) — .\. MiUien, L'enfant noy6. —
Bercnger-Ferau d, Contes de Provence. — R. Stiebal,
Surnoms des regiments et dos grades dans l'armöe alle-
mande. — 5: liercnger-Fe r a ud , Le feu de Promdthöe
chez les provemaux de nos jours. — St. Prato, Un Conte
d'Andree de Nerciat dans une nouvelle pop. livournaise in-
edite. — M. de Z m i g r od zk i , Le folklore polonais. —
417
1891. Litcraturblatt für germanisclie und romanische Philologie. Nr. 12.
418
6 : B e r c n ij e r - F 0 1- a u (1 , Lc crime (rOcdipe Jaus un conto
provenfal cuntompurain. — St. Pratu, ün conte de Gri''-
court Jans une nuuvelle pup. comiisque de Cavallasca. —
T. Cannizzaro, Chansons pop. de Sieile. — P. Vigni'-,
Croyanees et Cüutunicä an Dnliomey. — G. Doncieux, Le
roi Kenaud. (Linious. Version.) — H. Menü, Chansons
pop. de la Pieardie.
Revue des traditions populaires VI, 4 : D. F i t z g e r a 1 d ,
Sur quelques origines de la tradition celtique. — La bonne
feninie es preunes. (Norm. Vers.) — F. Sebillot, Tra-
ditions et superstitions des ponts et chaussees. VIII. — A.
Ilarou, Les chemins de fer. — A. Certeux, Pelcrins
et pelerinages. VIII. — E. P e n y , Les mines et les mineurs.
IX. X. — R. Basset, Allusions h des oontes populaires. —
5: G. Doncieux, Le cycle de Sainte Marie-Madeleine
dans la clianson pop. — jlad. P. Sebillot, Le rossignol.
— R. Basset, Les chaussees et les digues. (Forts, in 6.)
— Les cloches. — A. Certeux, La galette de paiu. I. —
A. H a r 0 u , Les pendus. — H. G. M. M u r r a y - A y n s 1 e y ,
Quelques usages de la semaine Sainte en Espagne, en Italic
et ä Corfou. — R. Basset, Contes arabes et orientaux. V.
— A. Certeux, Les eaux thermales et minerales. III. —
A. Perraud, Traditions et superstitions du Dauphine. IX.
X. — H. Le Bournisien, Le premier dimanche de
Careme. II. — A. Harou, Les mines et les mineurs. XI.
XII. — A. M i 1 1 i e n et P. S e b i 1 1 0 1 , Les pourquoi. LV. —
6: R. Rosieres, Aneiennete de quelques looutions usuelles.
F. Arnaudin, Quelques usages de la Semaine Sainte. II.
Dans les Landes. — J. Tier so t, Si j'etais hirondelle
(2 Vers.). — R. Basset, La legende de Didon. — M. De
Zmigrodzki, Les mines et les mineurs. XIII. — L.
Court hion. Legendes valaisannes. 6. — E. Auricoste
de Lazarque, Folk-lore de Lorraine. — B. Bezier,
Blason pop. de la Loire-Interieure. — La chansou de Bricou
(mehrere Versionen).
Zs. f. deatscbes Alterthnm n. deutsche Literatur 35, 4:
M u c h , Die Sippe des .\rminius. — D e r s. , Jupiter Tanarus.
— Ders. , Requalivahanus. — Schröder, Excurs über
die got. Adjectiva auf -alis. — Franck, Zu Bruder Her-
manns Jolande. — v. G r i e n b e r g e r , Germaniselie Götter-
nanien auf rheinischen Inscliriften. I. Mars 'Halamardus.
IL Dea SandrauJriga. III. Mercurius Leudisio. IV. Dea
Vagdavercustis. V. Hercules Saxo. — Duemmler, Le-
genden vom heiligen Xicolaus. — Petschenig, Altdeutsche
Glossen aus Laibach. — Schönbach, Zwei altdeutsche
Predigten. — Ders., Ein Bruchstück aus dem Alexander
des Ulrich von Eschenbach. — Schröder, Heimath und
Ueberlieferung der Vorauer Sündenklage. — B olt e, Königin
Maria von Ungarn und die ihr zugeeigneten Lieder. —
Levissohn, Eine obersteirische Fassung des Volksliedes
vom Tanhäuser. — H. E. Meyer, Rydberg, Undersökningar
i german. mythologi II. — Krause, Jacob, Welche Han-
delsartikel bezogen die Araber des MA.'s aus den nord.-
balt. Ländern ? — C o 1 1 i t z , Jellinek, Beiträge zur Erklärung
der german. Flexion. — Heus 1er, Brandstetter, Prolego-
mena zu einer Geschichte der Luzerner Mundart. — Ders.,
Blattner, Ueber die Mundarten des Kantons Aargau. —
Ders., Hoffmann, Der mundartliche Voknlisraus von Basel-
stadt. — Schröder, Kraus, Vom Rechte und Die Hoch-
zeit. — B i e 1 seh 0 wsky , Schütze, Die Lieder Heinrichs
von Morungen. — Bethge, Mennung, Der Bei Inconnu
des Renaut de Beaujeu. — Spengler, Wolkan, Böhmens
Antheil an der deutschen Literatur des XVI. Jh.'s. — K.
Meyer, OJinga, Das deutsche Kirchenlied der Schweiz im
Reformationszeitalter. — Köster, Goldbeck-Loewe, Zur
Geschichte der freien Verse in der deutschen Dichtung. • —
Walzel, Litzmann, Friedr. Hölderlins Leben. — R. M.
Meyer, Werner, Lyrik und Lyriker. — Steinmeyer,
E. Brauns Briefwechsel mit den Brüdern Grimm und Lass-
berg. — E. H. Meyer, Sepp, Die Religion der alten
Deutschen. — R. M. Meyer, Hjelmquist, Xaturskildringarna
i den norröna diktningen. — Steinmeyer, Kelle, Unter-
suchungen zur Ueberlieferung der Psalmen Notkers. — R.
M. Meyer, Denecke, Beiträge zur Entwickelungsgeschichte
des gesellschaftlichen Anstandsgefühls. — Singer, Murko,
Die Geschichte von den sieben Weisen bei den Slaven. —
Ders., Patzig, Zur Geschichte der Herzmäre. — Szama-
tölski, Votsch, U. V. Hütten. — Spengler, Reuling,
Die kom. Figur in den Dramen bis zum XVII. Jh. — Ders.,
Rachö, Die deutsche Schulkomödie. — Seuffert, Rentsch,
J. E. Schlegel als Trauerspieldichter. — Köster, Vetter,
Züricli als Vermittlerin engl. Literatur. — Wölfflin, Frey,
Gaucienz v. Snlis-Seewis. — Seemüller, Tesch, Die Lehre
vom Gebrauch der grossen Anfangsbuchstaben.
Vierteljahrschrilt f. Literaturgeschichte IV, 4: Winter,
Goethes Antheil am Wandsbecker Boten. — Kettner,
Schillers Maltheser. — Od Inga, Hermann Kirchner.s Corio-
lanus. — Distel, Ein Gedicht Ulrich Königs. — Lind-
ner. Rostocker Findlinge. — Obser, Friedrich Eugen v.
Würtemberg und Klinger. — Fischer, Ein Jugendbrief
Hölderlins. — S e u ff e rt , Gedichte Hölderlins. — Jonas,
Briefe Max von Sohenkendorfs. — Löbner, Zu Hans Sachs.
— Jacobv, Hans Sachsens poetische Sendung.
Zs. f. den deutschen Unterricht V, -Ki: Rudolf Hilde-
brand, Zur Metrik des Nibelungenliedes. — Aug. Nebe,
Die Lehnwörter im deutschen Unterricht. — E. S p e c k ,
Zur Erklärung von Schillers Jungfrau von Orleans. — W.
Cremer, Wanderungen und Wandlungen eines Volksliedes.
— Jos. Koulen, Ein alter Heilspruch. — S. Feist, Das
S und Z in den deutsehen Mundarten. — Schmitz, Stein
und Bein schwören. — K. J. Schmidt, Der Wolf als
günstiges Vorzeichen. — Karl Krüger, Zu dem Liede
vom „Rummelpott". — 0. Gl öde, Vom Osterhasen. —
Alfred Puls, „Auf eignen Zaum'". — G. B ö 1 1 i c h e r , Rud.
Lehmann, Der deutsche Unterricht. Eine Methodik für höhere
Lehranstalten. — Ludw. Fränkel, Albert Bielschowsky,
Geschichte der deutschen Dorfpoesie im 13. Jh. — F.
Kuntze, Theodor Längin, Die Sprache des jungen Herder
in ihrem Verliältniss zur Schriftsprache.
Zs. des allgem. deutschen Sprachvereins. Wissensch.
Beihefte Nr. 2: Wackernell, Eine Rector-Rede über die
Geschichte der nhd. Lexicographie. — C. Müller, Die
Wiederbelebung alter Worte. — Imme, Andeutungen über
das Wesen der Sprache auf Grund der neuern Psychologie.
— Zur s-Frage: 1) L. Tob 1er, Ueber das « in nhd. Zu-
sammensetzungen. 2) K. Seheffler, Einwendungen gegen
Trautmann. — van Hoffs, Das Marschlied der Lands-
knechte. — Unterforcher u. Lohmeyer, Zu Diomnot.
Noord eu Znid XIV, 4: F. Z. Mehl er, Pieter Langendijk
(Slot). Xantippe; Papirius ; De Spiegel der vaderlandsche
kooplieden. — A. J. Servaas van Rooijen, Een brief
van Mr. Jacob van Lennep aan den Hoogleeraar T. Roorda
over taal. — C. H. denHertog, De leer van den samen-
gestelden zin (Forts.). Samentrekking. Onderschikkend zins-
verband. — G. A. Geerligs, lets over de kunst van
stellen voor Candidaat-Hoofdonderwi.jzers. — C. J. Vier-
h 0 u t, Bijwoorden en onbuigbare adjectieven. — G. Duflou,
Anna Bi.jns. — T. H. de Beer, Taal-revolutie. — C. H.
den Hertog, Kollewijns voorstel. — Nauwkeurig lezen,
VIII. Uit PÖtgieters Proza. 't Is maar een pennelikker
(fragment). C. Busken Huet. Max Havelaar en de Camera
Obscura.
Arkiv tör nordisk fllologi XVIII, 2: R. C. Boer, Ueber
die Orvar-Odds saga. — j\.dolf Nor een, Bidrag tili den
fornnordiska slutartickelus historia. — Gustav Mo rg en-
stern, Zur Ueberlieferung der grossen Olafssaga Trygg-
vasonar. — Natanael ßeekman, Om ((-typen som tecken
för ändelsevokaler i Sia^linna Trost. Ett bidrag tili forn-
svenskans länga ändelsevokaler. — Ad. Noreen, Bidrag
tili äldre Vä^tgötalagens täkstkritik. II. — R. C. Unger,
Bemsrkninger om nogle islandske og norske Haandskrifter
fra Middelalderen. — Theodor Wisen, Anmälan av , An-
dreas Heusler, Der Li6{)ahättr. Eine metrische Untersuchung'".
. _ Gustaf Cederschiöld, Anmälan av ,Händskriftet
Nr. 2365 4:to (Codex regius af den a?ldre Edda), üdg. ved
Ludv. F. A. Wimmer og Finnur Jönsson". — Otto Lund,
Nekrolog över G. F. V. Lund.
Englische Studien XVI, 2: M. Kaluza, Strophische Gfie-
derung in der mittelengl. rein alliterirenden Dichtung. —
E. H. C. Oliphant, The works of Beaumont and Fletcher.
IIL — P. Holz hausen, Drydens heroisches Drama
(Schi.). — W. Swoboda, Vermittler im Streite um die
Reform im Sprachunterricht. — Karl D. Bül bring, Ar-
thour and Merlin nach der Auchinleck-Hs. nebst zwei Bei-
lagen hrsg. von Eugen Kölbing. — E. Kölbing, Pearl,
An English Poem of the Fourteenth Century. Edited with
a Modern Rendering by Israel Gollancz. — Ders., Chaucer,
The Prologue to the Canterbury Tales. Edited by the Rev.
Walter W. Skeat. — Ders., English Miracle Plays, Mo-
ralities and Interludes. Specimens of the Pre-Elizabethan
410
1801 Litcralurblait CGr germanische und roinanischo Philologie. Nr. 12.
t-20
Drnma eJiteil, witli an Introduction, Kotes and Glossnrr,
liy .\lfro.l W. Pollnr.l. - A. Soliröer, W. Wetz. Shake-
speare vom Stanilpunkte rler vergleichenden Literatur-
gesoliiclite. Krster Uainl: Die Menschen in Shakespeares
Üramen. — M. Koch, Erwin Hcuse, üeber die Erscheinung
des , Geistes" in Hamlet. — Ders. , Ophelia und Porzia.
Zwei Shakespearesche Frauen-Charaktere. Nach liriefen von
Helena Kaucit Martin ins Deutsehe übertragen von Karl
Lentzner. — L. Toulniin Smith, The Exempla, or Illustra-
tive storics from tlie Serniones Vulgares of Jacques de
Vitry. Edited with intniduction, analysis and notes by T. F.
Crane. — J. E. Wüll'ing, Alfred Rose, Darstellung der
Syntax in Cynewulfs C'rist. — .M. Krumraacher, Otto
Krancke, Was haben die Engländer für die Reinheit ihrer
Sprache gctiian ':■ — W. \V i I k e , Eiuil Penner, Metrische
Untersuchungen zu George Peele. — Uers. , Carl Knauf,
Ucber die Metrik Robert Greene's. — E. Kölbing, G.
Wittenbrinck, Zur Kritik und Rhythmik des alteugl. Lais
von Havclok dem Dünen. — Ders., F. IJaelimann, Die
beiden metrischen Versionen des mittelengl. C'anticum de
creatione. — Ders. , H. Aschenbcrg, Sir David Lyndsay's
Leben und Werke. I. Sein Leben. — J. Caro, Mettlich,
Bemerkungen zu dem anglonorm. Lied vom wackeren Ritter
Hörn. — L. Proescholdt, Joseph Spies, Otway's Titus
and lierenice and Racine's Berönice, a parallel. — Ders.,
M. Krummacher, Uebersetznngen aus üoldsmith (IV) mit
Anmerkungen. — M. Koch, Richard Thiel, A critical ana-
lysis of Edward Young's Nigth Thought.s. — E. Kölbing,
Fricdr. Blumenthal, Lord Byron's Mystery ^Cain" and its
relation to Milton's „Paradise Lost" and Gessner's ,Death
of Abel". Oldenburg 1891. — .M. .Mangold, E. A.Sonnen-
schein, Parallel Gramniar Series. An Englisli Grammar for
schools, based on the principles and requirements of the
Grammatical Society. Stereotyp. Edition. London 1890.
Part I. Parts of Speech, .\ceidence, by J. Hall, M. A. and
E. A. Sonnenschein. Part. II. .\nalysis and Syntax, by A.
J. Cooper, F. C. P. and E. A. Sonnenschein, M. A. — A.
Würzner, Sammlung franz. uml engl. Schriftsteller. Biele-
feld u. Leipzig, Velliagen & Klasing. Vol. 48—51 ; 54—56.
1891. — R. Thum, George II and George IH, by W. M.
Thackeray. Hr.ng. u. mit .\nmerkungen versehen v. R. Palm.
Anglia XIV (N. F. H), :i: K. Luick, Beiträge zur engl.
Grammatik (ö. Zur Entstehung des ne. ui. 0. Frz. eii ieii
im Engl. 7. Der Lautwcrth von nie. ne. oi). — F. Holt-
hausen, Zu alt- u. mittelengl. Dichtungen II (16. Die
nördl. Benedictincrregel. 17. Lob der Frauen. 18. A peni-
wor]) of Witte. 19. How a niercliande dyd hys wyfe betray.
2U. Hurn Childe and niaiden Rimnild. 21. Thomas of Ercel-
doun. 22. Lied auf Weihnachten ii. Epiphanias. 23. Legende
von Papst Cclestin. 24. De St. Wenefreda sermo. 25. St.
Hieronymus. 26. AE. Legenden ed. Horstniann. 27. Ywain
unil Oawain. 28. Zu Chaucer's Squiere's tale. 29. Reden der
Seele an den Leichnam. W. Die Boten des Todes. 31. Bale's
coniedy conccrnyng Ihre lawes). — G. Sarrazin, Die
Entstehung der Hanilettragüdie. IV: Die Modernisirung der
Sage. — E. Flügel, Die Gedichte der Königin Elisabeth
(1. Uebersetzung in Blankverse aus dem Chore zum 2. Akt
des Hercules Oetaeus. 2. Psalm 14. 3. On Fortune. 4. Ät
hir departing out from Wooilstoke. 5. „In defiance of for-
tune". 6. Wlicn I was faire and young. 7. Epitaph aus John
SüüWthern's Pnndora the Musyquo of the iJeautie of bis
Mistresse Diana 1584. 8. The doubt of future foes. 9. Liebes-
klage, lü. Elizabeth's nnswer to a Pupish Priest. 11. Rebus
on .Mr. Noel. 12. Characters of 4 Knights of Nottingliam-
«hire. 13. An Engl. Hexam. 14. Sir W. Ralcigh). — P.
Grade, Das Negcrenglisch an der Westküste von Afrika.
— F. H 0 1 1 h au so n , Zu alt- und mittelengl. Dichtungen
IIL 32 Robert Grosseteste's Chastcau d'amour.
pforta und der franz. Unterricht auf den Gymnasien. —
Kühn, üeber unsere Schulausgaben franz. und engl. Schrift-
steller.
Franco-Gallia VIII, U: Humbert, Einige Vorurtheile die
der Würdigung des klass. franz. Dramas im Wege stehn.
Koinan. Forschungen VII, l: C. Steinweg, Die hand-
schriftl. Oestaltuiigon der lat. Navigatio Brcndani. — C.
Michaelis de VasconcoUos, Der port. Infinitiv. —
Dies., Zur Cabdi'ireal-Frage. — E. Teza, Der Cancionero
von Neapel.
Zs. f. frauz. Sprache u. Literatur XIII, 5: G. Ritter,
Corrcspondancc de Sainte-Bouvc nvec Hermann Reuciilin. —
R. Mahrenboltz, Die Reformen des höhern Unterrichts-
wesens in Frankreich seit 1871 und ihre Literatur. — E.
Stengel, Textprobe einer neuen Ausgabe der Chanson
des Lohcrnins. — E. Rigal, Le theätre d'Alexandre Hardy.
— K. A. Martin Hartmann, Roctor Volkniann von Schul-
Litvrar. Centralblatt 45: Reich, Grillpnrzcrs Kunstphilo-
sophic. — Rahstede, Wanderungen durch die franz. Litera-
tur. — 46: Armeno, Peregrinaggio di tre Giovani. — 47:
Lungo, Beatrice nella vita e nella poesia del secolo XIII. —
48: D'Haussonville, Mme. de la Fayette. — Körting, La-
tcinisch-roman. W'örterbuch. — 48: [Mo]gk, Vodskov,
Rig-Veda og Edda. — 49: Brunetiere, L'evolution des
genres dans l'histoire de la litterature. — Jonsson, Codex
regius nf den teldre Edda. — v. d. Gabelentz, Die Sprach-
wissenschaft. — W. Caxton's Infantia Salvatoris. Hrsg. von
Ilolthausen.
Deutsche LiteraturKeitung 42: Kölbing, Die Volsunga-
sage hrsg. von Raniscli. — Sauer, Bulthaupt, Dramaturgie
des Schauspiels tGrillparzer, Hebbel, Ludwig, Gutzkow,
Laube). — B o 1 1 e , Haragiola, II canto popolare a Bosco o
Gurin, colonia tedesca nel cantone Ticino. — 43: Roe-
diger, J. Grimm, Kleinere Schriften VIIL — Werner,
Karpeles, Goethe in Polen. — Herford, Sir Philip Sid-
ney's Astrophel anil Stella und Defence of Poesie. Hrsg.
von Flügel; Phil. Sidney, An Apologie for Poetrie. Ed. by
Evelyn S. Shuckburgh. — 44: W. Golther, Rhys, 8tudie8
in the Arthurian Legend. — Kraus, B. ten Brink, Beo-
wulf. — Baist, Vollmöllcr, Laberinto amoroso; Spanische
Funde 1 — 3. — 45: Schmidt, Schönbach, Ueber eine
Grazer Hs. lat. -deutscher Predigten. — Hauffen, Stricker,
de düdesche Schlömer, hrsg. von Bolte. — Brandl, Timon,
Shakespeares Drama. — 46: Hartfelder, Albrecht von
Eyb, Deutsche Schriften hrsg. v. Max Hermann. — Breul,
Erlanger Beiträge zur engl. Philologie hrsg. von Varnhagen
1. G. — 47: Mali low, Collitz, Die Behandlung des urspr.
auslaut. ai im Got. Ahd. und As.; Jellinek, Beiträge zur
Erklärung der germ. Flexion. — Sauer, Bonet Maury,
Bürger et les origincs anglaises de la bailade litteraire en
Allemagne. — Pak sc her, Hoeift, France, Franceis und
Franc im Rolandsliede ; Selineegans, Die Quellen des sog.
Pseudo-Pliilomena und des Officiums von Gerona zu Ehren
Karls des Grossen als Beitrag zur Geschichte des altfranz.
Epos. — 48: Voigt, Paulson, Legenden om den hcliga
Katarina af Alexandria ; Fragmentum vitae Sanctae Catha-
rinae Alexandrinensis nietrioum. — v. Weilen, Köster,
Schiller als Dramaturg. — Auerlbach, Schiller, Die Künst-
ler, erklärt von Emil Grosse. — Michaelis, Soames, An
Introduction to Phonetics.
Göttingiscbe gelehrte Anzeigen 19: v. Below, v. Inama-
Sternegg, Deutsche Wirtlisclmftsgeschichte. II. — Müller,
Jacob, Welche Handelsartikel bezogen die Araber des Mittel-
alters aus den nordisch-baltischen Ländern? 2. AuH.
Berichte des Freien deutschen Hochstifts zu Frank-
furt a. M. N. F. VIII, 1 : S i e b e e k , Grundzüge zu Goethes
Lebensphilosophie. — Banner, Die Refornibestrebungcn
Malherbes auf dem Gebiete der franz. Verskunst. 2. —
Henri Boullenot, Coup d'oeil sur le th^ätre contemporain
fran^ais. — Valentin, Methodische Fragen zur Haiulet-
forschung. — Michel, Ucber einige neuere Er.'tchcinungen
der Slinke.'<peare-Literatur.
Chronik des Wiener Goethe- Vereins 11: Schrüer,
Ooetlips äussere Erschoiiuing und Goethe-Standbilder.
Neue Jahrbücher f. Philologie n. Pädagogik 134, 5:
A. Jung, Xerrlioh, Jean Paul.
Pädagogium XIV, 1 : R üben kam p, Die Bedeutung Schillers
für die Jugeml.
Zs. f. das Gymnasial Wesen Sept.: Naumann, Böhme,
Herder und das Gymnasium. — Kern, Lyon, Auswahl
deutscher Gedichte." — Oct. : Kern, Lyon, Abriss der
deutsche-i Grammatik. — Nov.: P. Geier, Der deutsche
.\biturientenaufsntz an den neunklassigen Mittelschulen.
Correspondenzblatt f. die Gelehrten- u. Realschulen
Württembergs : E. M ü 1 1 e r , Studien über Schillers Kabale
und Liebe. II.
Zs. f. die österr. Gymnasien VII: R. Schachinger,
Michael Enk von der Burg an Ferdinand Wolf. — R.
lleinzel, Wosidle, Imperativische Wortbildungen im
Niederdeutschen; Ottokar.H Reimchronik, hrsg. von See-
müller. — J. Schmidt, Muller-Frauenstein, Handbuch für
den deutschen Sprachunterricht, II.
421
1891. Literaturblatt für ^ermanischo und romanische Philologie. Nr. 12.
422
Archivaliscbe Zeitschrift X. F. II: L. v. Roc kinger,
Vier Handschriften und ein alter Druck deutscher Rechts-
bücher aus der Bodnjnnn-lIubel-Conradyschen Sammlung.
Anzeis;er des german. Nationalmusenms 4: J. R. Die-
terich, Deutsche Briefe des (jrafen Rudolf von Habsburg-
Laufenburg aus dem Jahre 1313.
Westdeutsehe Zeitschrift f. Geschichte n. Kunst X, 3 :
A. Riese, Die Sueben. Ein Sehlusswort.
Jahrbuch f. lothringische Geschichte n. Alterthnms-
kunde ISitO: H. Witte, Zur Geschichte des Deutsehthums
in Lothringen. Die Ausdehnung des <leutschen Sprachge-
bietes im 5Ietzer Bisthume v. der Zeit des ausgehenden Mittel-
alters bis zum Beginne des 17. Jh. 's. (Strassburger Diss.)
Sitzungsberichte der Altertbumsgesellschaft Prnssia
1890: A. Brosow, Was können wir aus Jordanes über die
Ursitze der Goten entuehmcn?
Mittbeilnngen der niederlausitzer Gesellschaft f. An-
thropologie u. Alterthumsknnde II, '2: C. 0 ander,
Sagen und sagenhafte Mittheilungen aus Kreis Guben. —
F. Weinuk, Glaube und Brauch in der Umgegend von
Lübben und Luckau. — C. Liersch, Nachrichten über
Tracht und Sitten der Slaven und Germanen aus dem 6.
Jh. n. Chr.
Hessische Quartalblätter 3: v. Pfister, Gegen Eindeutig-
keit des chattischen und hessischen Xantens.
Rentlinger Geschichtsblätter 11: J. C'aspart, Die Orts-
namen im Oberamt Reutlingen.
Korrespondenzblatt des Vereins f. siebenbürg. Landes-
kunde 14, 11: Spuren erloschenen Deutsehthums im nord-
östlichen Siebenbürgen. — Geza Kuun, Additament.i zu
dem germ. Glossar des Codex Cuman.
Preussische Jahrbücher 5: P. Graffunder, Der Erd-
geist und ilephistopheles in Goethes Faust.
Deutsche Revue Nov.: Angelo de Gubernatis, Dante
und Indien.
Baltische Monatsschrift 38, 7: L. v. Schi\öder, Aus den
Tagen der Empfindsamkeit.
Die Gegenwart 45: Fritz Lern ra'e'rmey,er , Neues über
Nikolaus Lenau.
Die Nation 3 u. 4: H. Falkenheini, Kuno Fischer als
Literarhistoriker. — 7: O. Gilde ni eiste r, Allerhand
Sprach dummheiten.
Die Grenzboten 42: Das Grillparzerjahrbuch. — 44: Ett-
linger, Hofmann von Hofniannswaldau. — 46: Brief-
weclisel Lückes mit den Gebrüdern Grimm.
Das Ausland 43: L. Wilser, Die Ostgermanen.
Beilage zur AUg. Zeitung 233: L. G., Goethes Tagebücher
1809 — 1812 u. sonstiges Ungedruckte. — 238: A. Schröer,
Germanische Mythologie (über E. H. Meyers Lehrbuch). —
240 : L., Die deutsch-franz. Sprachgrenze. — L. G., üeber
Foglar, Grillparzers Ansichten über Literatur, Bühne und
Leben. — 242: J. Ettlinger, Otto Heinrich von Gem-
mingen (über Flaisohlens Schrift). — 246 : L. G., Mörike-
Storni-Briefwechsel. — 252: H. Düntzer, Goethes Sesen-
heimer Lieder. — 253: J. B. Nord hoff, Die lombardischen
Bau- und Kaufleute in Altdeutschland. — Tb. jVchelis,
Völkerpsychologie und Völkerkunde. — 257 : F. M un c k er ,
Ein verschollenes Gedicht des preussischen Grenadiers. —
264 u. 265: H. Funok, Briefe Herders an Lavater.
Münchner Neueste Nachrichten 526 Morgenbl. : W. Gol-
ther, Deutsche Kunst und deutsche Sage (über Herrraa-
nowski. Die deutsche GQtterlehre und ihre Verwerthung in
Kunst und Dichtung).
Verslagen en Mededeelingen der Koningl. Vlaamsche
Acadeniie voor taal- en letterkunde 1890, 9 if. : Ueber
eine liäm. Uebersetzung der Chronik des Froissart von Geryt
Potter van der Loo (f 1478?). - S. 183 ff.: N. de Pauw,
Mittheilung über ein Fragment des Reinaert de Vos in
Darmstadt. — 250 £F. : P. Genard, lets over de oude
Naanivalsbiugingen der Nederlandsche eigennamen.
Het Beifort 1890, t. V 1" vol. 107 ff.: V. van de Kerk-
h o V e , Van de taal- en letterkunde der Noordmannen. —
Vol. 2 107 tf. : James, De sevenste bliscap van Maria
(Mystere aus dem Anfang des 15. Jh. 's).
Dietsche Warande X. R. 3, 1890, S. 100 ff.: W. Bäum-
k e r , Gesprek van eenen leeraar met zijnen scholier uit de
vijftiende eeuw. (Ms. 7970 der Fideicommis Bibl. der k. k.
Archive zu Wien; Dialect von Limburg oder Umgegend.)
The Acaderay 1017: Bradley, The old-english Celmert-
monn. — 1018 : Prince Louis Lucien Bonaparte (Xeorolog).
— Shelley's centenary. — 1019 : Macchiavelli, II Principe
ed. Burd, with an introd. by Lord Acton. — Watts, Life
of Miguel de Cervantes. — Toynbee, The balladc adressed
by Eustache Deschamps to Geoffrey Chaucer. — 1020: The
Story of Howard the Halt, of the Banded Man, of Hen
Thorir, of the Ere-Dwellers. Done into Euglish out of the
Icelandic by W. Morris and Eirikr Magnussen. — Prince
Louis Lucien Bonaparte.
The Athenaeum 3339: s k ea t, The true source of Chaucer's
Boethius. — Skeat, The verb „to slate". — 3341: La
Morte Darthur p. p. Sommer. — Racine's dramatic works,
transl. by Bosswell. — 3343: A. Morel-Fatio, Etudes
sur l'Espagne. II. — Gaudeau, Les precheurs burlesques
en Espague. — Di-^won, Diction. of idiomatic cnglish phrases.
— Addv, Supplcm. to the Sheffield glossary. — Behaghel,
a short histcir. graniuiar of the German language transl.
by Techmann.
Transactions of the philological Society 1888—90. III:
Fleischh ac k er , On the old cnglish Nouns of more than
one gender. — Bül bring, On twenty-five Mss. of Richard
Rolle's .,Pricke of Conscience", eighteen of then in the
British Museum, four in the Library of Trinity College,
Dublin, the Corser Ms., and two in Lishfield Cathedral
library. — Skeat, Notes on english etymology.
The American Journal of Philology XI, 4: Collitz,
Benfey, Kl. Schriften. — XU, 1; M." Bio o m f i e Id, On
-Adaptation of Suffixes iu Congeneric Classes of Substantives.
Bulletin international de i'Academie des sciences de
Cracovie Juli: Porebowicz, Catalogue des livres castil-
lans du XVi° siccle (Biblioth. de l'univ. de Cracovie).
Revue critique 45: Appcl, Petrarque. — Bossuet p. p. Le-
barq. III. — Voltaire, Siecle de Louis XIV p. p. Bourgeois.
Bossert, Histoire abregee de la litterature allemande. —
Poncelis, Histoire de la litterature. — 46: Guardione, La
litterature contcmporaine eu Italic. — ■ 48: Molines, Vinet,
critique littcraire. — 49: D'Arbois de Jubainville, Les noms
gaulois chez Cesar. — G. Paris, Extraits de la chansou de
Roland ; G. Paris et Jeanroy, Extraits des chroniqueurs
frangais. — Petersen, Faust et Brand, Hamlet. — Faguet,
Politiques et moralistes du XIX" siecle. — Billing, Chro-
nique colmarienne, p. p. Waltz. — Kluge, Dictionnaire
etymologique de la langue allemande. 5 ed.
Rev. pol. et litt. 16: R. Rosieres, Histoire d'une ancienne
ecole litteraire (1490—1540. Das wahnsinnige Gebahren der
(Kretin, Saint-Gelais, Molinet u. s. w. wird ergötzlich mit
dem der heutigen Symbolisten und Decadenten zusammen-
gestellt). — 17: G. Lanson, Etüde sur „Gil-Blas'", d'apres
un ouvrage recent (Le Sage romancier par Leo Claretie,
1890). — Georges Pelli ssier, Romanciers modernes. M.
Marcel Prevost. — 18: A. Bar ine. Au bou vieux temps.
Un erudit napolitain (aus Anlass der Autobiografia di Pietro
Giannone pubbl. da Augusto Pierantoni. Roma 1S90J. — L.
Gandera.\, Le „Don Juan" de Meliere, causerie (über
frühere Bearbeitungen des Stoffes). — 19: T. deWyzewa,
Frederic Nietsche, le dernier metaphysicien.
Le Moyen Age IV, 10: M. \V., Rhys, The .\ithurian legend.
— J. S. Conon de Bethune, ed. Wallensköld. — G. Dout-
repont, Cloetta, Beiträge zur Literaturgeschichte des
Mittelalters und der Renaissance. — W., Stecher, Jean-
Lemaire de Beiges, sa vie, ses Oeuvres.
Revue britanniqne 67, 6: A. Odin, La Basse Bretagne
conteuse et legendaire.
Revue des Deux Mondes 15. Oct. : Bcdier, Les lais de
Marie de France.
•Bibliotheqne universelle et Revue Suisse Oct: Ques-
nel, Poetes anglais: Robert Buchanan.
Bulletin de I'Academie royale des Sciences, des Lettres
et des Beaux-Arts de Belgique 3' scrie. T. XIX. S. 585 —
632: J. Stecher, La legende de Virgile en Belgique. —
T. XX. S. 637-688: Fr. van Veerdeghen, een paar
fragmenten van den Roman van Perchevael (Chrestien di
Troyes).
Memoires de rAcademie royale (Belgien) XLV: H. Lo ge-
rn an, l'Inscription anglo-sa.xonne du reliquaire de la vraie
croix au tresor de l'eglise des SS. Michel-et-Gudule, ä
Bruxelles.
Nnovo Archivio Veneto II, 1 : W i e I , I teatri musicali di
Venezia nel settecento.
423
1891. Literaturbintt für germanische und roiuanisohe Philologe. Nr. 12.
424
Neu erschienene Bücher.
.\nderson, Nicolai, Studien zur Ycrgleicliung der ugro-
finnisrlicn und indogerman. Sprachen. I. Durpatcr Disscrt.
III. 322 S. K.
B ar t h olomao, Chr., .\risfhcs und Linguistisches. Sonder-
iibilruck aus ilcii Heiträgen zur Kunde der idgni. Spniehen,
IJd. XV u. XVII. Oöttingen, Vandenhucck & Ruprecht. M. 5.
Bcchtcl, F., Die llauptprubleme der indogernian. Laut-
lehre seit Schleicher. Göttingen, Vamlenliocck & Ruprecht.
X, 414 S. gr. S. M. 9.
Iluffmnnn, Eduard, Stärke, Höhe, Länge. Ein Beitrag zur
Physiologie der Acccntuation mit bes. Berücksichtigung des
Deutschen. Strassburg, Trübner. 51 S. S. (Züricher Habili-
tationsschrift.)
Krause, E., Tuisko-Land der arischen Stämme und Götter
Urheimath. Olognu, Flemming. XII, (524 S. 8.
Krolin, K., Mann und I'uchs. Drei vergl. Märchenstudion.
Helsingfuis. 70 S. 4.
Ludwig. A., Die Genesis der grammatischen Tormen des
Sanskrit und die zeitliche Rcihciilülge in der Selbständig-
werilung der indoeuropäischen S|irachcn. Prag, Rivnac.
Sondenir. 1H4 S. 4. M. 4,80.
Ploix, Ob., Le surnaturel dans les contes populaires. Paris,
Leroux. IV, 211 p. 18. fr. 3,50.
Vodsküv, II. S., Rig-Veda og Edda eller den komparative
Mytologi. lüiiiiig til Bestemmelscn af mytologiske Metode.
Kopenhagen, Lehmann & Stage. CXLIX, 80 S. 8.
Behaglicl, A Short Ilistoiical Grammar of the Gernian
Language. Trans, and adapted from Prof. Behaghel's
.Deutsche Sprache' by Emil Trechmann. 12mo, p. 194. Mac-
milliin. 4/t>
Behrens, F. \V. B., Deutsches Ehr- und Xationalgefühl in
seiner Entwicklung durch Philosnphen und Dichter (1600 —
181.")). Leipzig, Fock. 152 S. 8. Leipziger Diss.
Bürgers Gedichte, hrsg. von Arnold E. Berger. Kritisch
durchgesehene und erläuterte Ausgabe. Leipzig u. Wien,
Bibliogr. Institut. (Mevers KUissiUerausgabe in 150 Bänden.)
52, 520 S. 8.
Dittniar, E., Die Blankenheinier Mundart. Eine lautliehe
Untersuchung. Leipzig, Fock. 48 S. 8. Jenenser Diss.
Dumcke, J., Die deutschen Faustbücher. Nebst einem An-
hange zum Widmannschen Faustbuche. Leipzig, Fuek. 101 S.
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Düntzer, IL, Zur Goethe-P'orschung. Neue Beiträge. Stutt-
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Faust buch, das, des christlich Meyncnden, nach dem Druck
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Forschungen, theatergeschichtliche. Hrsg. von B. Litz-
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Nr. 96 — 98: Flugschriften aus der Reformationszeit. IX.
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u. .S. 347—823 mit 1 Bildniss. M. 7.
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6. Heft: Die Gedichte des Wilden Mannes und Wernhers
vom Niederrliein, mit Einleitung und Anmerkungen hrsg.
V. K. Köhn. Berlin, Weidmann. XX.XVIII, 90 S. gr. 8. M 3.
Schultz, Alwin, Deutsches Leben im XIV. und XV. Jh.
Grosse .\usgabe, erster Halbband. Mit XV färb. Tafeln,
sowie 265 Voll- und Textbildern in Schwarzdruck. Wien u.
Prag, Tcmpsky. Leipzig, Freitag. 320 S. gr. 8. M. 30.
(Kleinere Familienausgabc M. 15.)
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auf ihre literar. Quellen und Vorbilder geprüft. Paderborn,
Schöningh. 183 S. 8. M. 2,80.
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stein. 1. Lief. 24 S. 8. M. 0,50.
Stein, A., Schillers Denietrius-Fragment und seine Fort-
setzungen. I. Tb.: Das Fragment, l'rogr. Mülhausen. 23 S. 4.
Story of the Ero-Dwellers (Eyrbyggja Saga). With the Story
of the Iloath .Slaylngs as Appendix, done into English out
of the Icelandic by William Morris and E. Magnussen.
(Saga Library.) Cr. 8vo, 4.50 p. Quaritch. 5/
Waltliers v. d. Vogel weide Gedichte, hrsg. von K.
Lacbmann 6. Ausg. Unveränderter Abdruck der von K.
MüllenhotV besorgten 5. Aufl. Berlin Reimer. .KVIII, 234 S.
8. M. 3.
Widerstreit, Der Sünden. Eine geistliche Dichtung des
13. Jh.'s, hr.sg. v. V. Zei<iler. Graz, Styria. 114 S. 8. M. 3,40.
Was t mann, 0.. Allerhand Spraclulummhciten. Kleine deutsche
Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häss-
lichen. Ein Hilfsbucli für alle, die »ich öllVntlicli der deutschen
Sprache bedienen. Leipzig, Grunow. 320 S. 8. M. 2.
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engl. Wörterbuch, jlit Angahe der Aussprache nach dem
phonet. i^ystem der Methode Toussaint-Laugenscheidt. Grosse
Ausg. I. Theil: Engl.-Deutsch. .'5. Lief. Berlin, Langenscheidt.
S. 193—304. gr. Le.x.-8. M. 1,50.
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Lehranstalten. Mit literarhistor. u. erläuternden Anmerk.,
1 Karte der brit. Inseln u. 1 Plan von London. 2. Aufl.
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wiesen und, soweit bisher ungedruckt, hrsg. von F. Lieber-
mann. Halle, Niemeyer. X, 108 S. gr. 8. M. 4,40.
Scher er, Edmond, Essays on English Literature. Trans, by
George Saintsbury. Cr. 8vo, 300 p. Low. 6/
Thomson, The .Seasons, and The Castle of Indolence. Edit.,
with Biographical Notice, Introductions, Notes and a GIos-
sary, by J. Logie Robertson. (Clarendon Press Series.) Cr.
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60 S. 8. JI. 0,80.
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Philologie. Vcrötfentliclit von E. Stengel. Marburg. Elwert.
LXXIX. Meyer, Fritz, Die Stände, ihr Leben u. Treiben,
dargestellt nach den altfranz. Artus- und Abenteuer-
romanen. M. 3.50.
XC. Schäfer, Hermann, Ueber die Pariser IIss. 1451 u.
22555 der Huon de Bonleuu.x-Sage. M. 2,80.
Aucassin u. Nicolette. Ein altfranz. Roman aus dem 13.
Jli. Uebersetzt von Fritz Gundlach. Leipzig, Reclam. Uni-
versalbibliothek 2848. 63 S. 8. M. 0,20.
Bibliotheca normannica. Denkmäler normann. Literatur
und Sprache, hrsg. von iL Suchier. Halle, Niemeyer. IV:
Eneas. Texte critique public par J. Salverda de Grave.
LXXIX, 465 S. gr. 8. M. 14.
Bibliothek, romanische, hrsg. von W. Foerster. Halle,
Niemeyer. 8°. Nr. 7 : Walter v. Arrns. 1. Hie u. Galeron.
Altfranz. Abenteuerroman des .\I1. Jh.'s, nach der einzigen
Pariser Hs. hrsg. von W. Foerster. XLVIIl, 244 S. M. 7.
Nr. 8: Bertran v. Born, hrsg. von A. Stimming. VIII, 247 S.
M. 4,60.
Bijvanck. W. G. C, Un poete inconnu de la societe de
FranQois Villon. Le Grant Garde derriere, poeme du XV"
siede, publie aveo introduction, glose et inde.x, suivi d'une
bailade inedite de Franfois Villon ä sa dame. In-16, 61 p.
Paris, Champion.
Bourciez, Les moeurs polies et la litterature de cour sous
Henri II. Paris, Hachette. 437 p. gr. 8.
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Brunetiere, Ferdinand, Etudes critiques sur l'histoire de
la litterature frangaise. 4. serie (.\lexandre Hardy; Le ro-
man frangais au dix-septieme siede; Pascal; Jansenistes et
Cartesiens; La philosophie de Meliere; Montesquieu; Vol-
taire ; Rousseau : Le ronian de .Madame de Stael). In-16.
Paris, Hachette. fr. 3,50.
— — , Le Ronian naturaliste. Nouvelle edition, avec une
preface et des chapitres entierement inedits. Paris, Calnian
Levy. Grand in-18. fr. 3,50.
Brunot, De Philiberti Bugnonii vita et eroticis versibus.
Thesis. Lyon, inipr. Storck. III, 163 p. 8.
Campanini, Naborre, Lodovico Ariustu nei prologhi delle
sue commedie: studio storico e critico. Bologna, Zanichelli.
212 p. 16. L. 2,50. [Inh. : 1. Le commedie di Lod. Ariosto
e 11 teatro di corte a Ferrara. 2. Prologo alla Ctixsan'a
in prosa (1508). 3. Prologe ai Supposili in prosa (1509).
4. Prologo ai Su2)posili in versi (1519). 5. Primo prologo
al Seijronuinte (1520). 6. Primo prologo alla Lena (1529).
7. Prologo alla Cassaria in versi (1529). 8. Seuondo pro-
logo al yegroniante (1530). 9. Secondo prologo alla Lena
(1531). 10. Prologo alla „Scolasticu" eomposto da Virginio
Ariosto. 11. Prologo alla Scolastica, eomposto da Gabriele
Ariosto.]
Canti popolari emiliani. Firenze. 16 S. 8. Pubbl. per le
nozze Giovanni Niemack con Paolina Carmi.
Canti popolari siciliani raccolti ed iUustrati da Giuseppe
Pitre. Preceduti da uno studio critico e, seguiti da melodie
popolari. Seconda edizione interamente rifusa. Con un' ap-
pendice di canti ünediti e un saggio di canti dell' Isola
d' Ustica. Palermo, C. Clausen. 2 vol. in-16 di p. XXIII,
438; 487 con 16 p. di musica. L. 10.
Cantii, Ces., L' abate Parini e la Lorabardia nel secolo
passato. 2" edizione. Milano, Cooperativa editrice italiana.
. Vn, 435 p. 16. L. 3,50.
Cervantes, Miguel de, Life of. By Henry Edward Watts.
(Great Writers.) Cr. 8vo, p. 185, XXIII. Walter Scott. 2/6
Cesarotti, Melchiore, Frammenti di lettere a Giuseppe e
Tommaso Olivi. Padova. 16 p. 24. Pubbl. da G. Mazzoni
per le nozze di Angelo Rasi con Lena Vanzan.
Chapelain, Jean, La Pucelle ou la France delivree, poeme
heroique en douze chants. Ouvrage en frangais moderne,
revu et annote par Emile de Molenes. Deux volunies in-16
elzevir. Paris, Flammarion, fr. 5. CoUection des Epopees
nationales.
Cimegotto, Ces., Studi e ricerche sul „Mambriano" di
Francesco Belle, il Cieco da Ferrara. Padova- Verona, fra-
telli Drucker ed. 115 p. 16. L. 2.
Circourt, A. de, Fragments d'une vie inedite de Camoens.
Catherine d'Atayde. Accompagnes d'un portrait de l'auteur
et precedes de sa biographie, avec une poesie inedite en
languedocien, de Reboul, adressee k M°"^ de Circourt. Grand
427
1891. Litcraturblatt für «fermanische und romanische l'hilologic. Nr. 12.
428
in-n;, 121 p. Paris, S. Pitrat. üollection camoensienne fran- |
^iiisf. II.
Clednt, L., Nouvelle Grammaire liistorique ilu franjais.
In-12, VI, 279 |). Paris, UnriiicT IVferes.
Cloetta, W., Beitrüge zur Literaturgeschichte des Mittel-
alters und der Renaissance. II. l)i^ Anfänge der Renaissance-
tragüdio. Halle, Nienieyer. IX, 244 S. gr. 8. M. 6.
Crescini, Yinc, Per gli studi roinanzi: saggi ed appunti.
Padova, Angelo Draghi. VIII, 22."> p. 8. L. 3. [1. Jaufrc
Rudel. 2. Per il testo eritico di una canzone di ßernart de
Ventailorn. 3. II contrasto bilingue di Ranibaldo de Vaqueiras.
4. Per un passo di Ranibaldo de Vaqueiras e per la storia
di Asti c del Monterrato. j. Una nuova poctessa provenzale.
ü. Per la questione delle corti d'amore. 7. II canzoniere
provenzale della Marciana. 8. La storia di Jourdain de
Hlaye e il framiuento d' una Serie d'arazzi. !). II cautn della
gatta. 10. Marin Snnudo precursorc del Melzi. 11. Per una
fräse di Ruzzante. 12. Le vite degli sorittori volgari di
Marcantoniü Nicoletti. 13. Jacopo Corbinelli nella storia
degli studi romnnzi. 14. Appendice.]
Crescini, V., Per il testo eritico della Divina Commedia.
Padova. 6 p. 8. S.-A. ans Biblioteca delle scuole italiane,
vol. I, X° 5.
Cron, Jos., Die Stellung des attributiven Adjcctivs im Alt-
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Mans et Laval. Etüde sur les sons, lea articulations et les
mots particuliers au Manceau, et la phraseologie nianccUe.
„Houbilles et Birouiiles'", nouvelle en patois manceau. In-i>.
X.IV-180 p. Laval inipr. V' Bonnieux.
Dante Alighieri's göttliche Comödie. Metrisch übertr. u.
mit krit. u. histor. Erläuterungen versehen v. Philalethes
(König Johann v. Sachsen). 4. Abdr. der bericht. Ausgabe
von 1865— tiG. Leipzig, Teubner. 3 Theile. gr. 8. fXX, 285;
VIII, 320 u. XII, 414 S. mit 3 Bildnissen in Stahlst., 3
Karten, 2 Grundrissen u. 1 Tnf.l M. 9.
Dammann, O., Die allegor. Canzone des Girant de Calanso :
,A leis cui am de cor e de sabcr'" u. ihre Deutung. Breslau,
Koebner. 87 S. gr. 8. M. 2.
Dante. Fratris Johannis De Serravalle ordinis miiiorum,
episcopi et principis firmani, trnnslatio et commentum totius
libri Dantis Aldigherrii, cum textu italico fratris Bartholoniaei
a CoUe eiuädem ordiiiis, nunc primum cdita cura et studio
fratruni Marcellini a Civezza et Theophili Domeniclielli.
Prati. Fol. XXXXVII. 1236 S.
Delisle. Bibliotheque Nationale. Manuscrits latins et fran^ais
ajoutös aux fonds des nouvelles acquisitions pendant les
ann^es 1875 a 1891. Inveiitaire alphabetique par L. Delisle.
Paris, H. Champion. 2 vol. in-8. fr. 20.
Demogcot, J., Histoire des litt^raturcs ^trangeres consi-
derees dans leurs rapports avec le developpement de la
litt^rature franraise. (Italic, Espagne.) 3' ed. In-12, VIH-
467 p. Paris, Hachette et C. fr. 4. Histoire universelle,
publiee par une societc de professeurs et de savants , sous
la direction de M. V. Diiruy.
Dcschamps, E., (Euvres completes. Publiecs d'aprfes !e
nianuscrit de la Bibliotheque nationale par Gaston Raynaud.
VII, In-8, 38S p. Paris, Firmin-Didot et C". Publication de
la So(;ietc des anciens textcs fran(.'ais.
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de la graniÄtica espanola. Madrid, Saenz de Jubera, her-
manos En 4, 469 pdgs. 8 y 9.
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court et son epoque. S.-A. aus Bd. XLVI des Memoires
publies par rAoademir royale de Belgique. 1891. 92 p. 8.
Extraits des clironiqueur» francais (Villhardouin, Joinville,
Froissart, Commines), publies avec des notices, des notes,
un appendice, un glossaire des ternies techniques et une
carte par Gaston Paris et A. Jeanroy. Petit in-16. III-485 p.
Paris, Hachette et C". fr. 2.
Fortini, P., Novelle. I: Le giornate delle novelle de' novizi.
Vol. II, disp. 5-7. Firenze, Giornale di erudizione etc.
S. 385-672. 16. L. 3 da dispensa. Bibliotechina grassoccia:
capricci e curiositä letterarie inedite o rare, raccolte da
F. Orlando e G. Baccini. N' 19—21.
Franke, F., Phrases de tous les jours. 4. ^d. Leipzig, Reis-
land. IV, 60 S. 8. M. 0,80.
Fr icke, F., Ueber die Chanson de Godin. Marburger Diss.
Leipzig, Fock. 57 S. 8.
Godefroy, F., Dictionnaire de l'ancienne langue franraise
et de tous ses dialectes du IX' au XV-" sieele, composc
d'apres le ddpouillement de tous les plus importants docu-
ments manuscrits ou imprimfs qui se trourent dans les
grandes bibliotlieques de la France et de l'Europe et dans
les principales archives departementales, niunicipales, hospi-
talieres ou privöes. Fascicule 67. Sordois-Sousterrer). In-4 ä
3 eol., p. 481 ä 560. Paris, Bouillon.
Hart mann 's, Miirt. , Schulausgaben französischer Schrift-
steller. Nr. 12; La Fontaine, ausgewählte Fabeln. Mit Ein-
leitg. , .Vnmerkungen u. e. Anh. hrsg. v. Max Frdr. Mann.
Leipzig. Seemann. XXIII, 52 u. 80 S. 8.
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.Denkschriften der k. Akad. d. Wiss.''] Wien, Tempsky in
Comm. 196 S. Imp.-4. M. 10.
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Hunger, E., Der Cidstreit in chronologischer Ordnung.
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Isola. Le Storio Ncrbonesi, Romanzo cavalleresco del secolo
XIV pubblicato per cura di J. G. Isola. Appendice: Storia
delle lingue e letterature romanze. Parte III. Disp. I. gr. 8.
fr. 3.
Kutscher, J., Die Aerzte des XVII. .lalirhunderts nach den
Komödien Moliercs. Progr. Karolinentluil. Leipzig, Fock.
34 S. 8.
La Bruyere, Les Caracteres ou les Moeurs de ce siiole.
Precödi'S du discours sur Theophraste, suivis du discours h
l'Academie fran(;aise. Publies avec une notice biographiquc,
une notice litteraire, un index analytique et des notes par
G. Servois et A. Röbelliau. Petit in-16, XLI-572 p. Paris,
Hachette et C'. fr. 2,50.
La Fontaine, CEuvres. Nouv. ed. par H. Regnier. T. 8.
II, 517 p. 8. I Inhalt: Avertissement. — Les Amours de
Psycho et de Cupidon. — Fragments du Songe de Vaux. —
Opuseules ,en prose et epitres dedicatoires. — Poesics
diverses: Elegies. Ödes. Pikees mi-lees. — Traductions en
vers.l Paris, Hachette et C. fr. 7,50.
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ci^te de l'histoire de France: Brantöme, sa vie et ses ecrits.
Lenient, Ch. , La poesie patriotique en France au moyen
äge. 1 vol. in-16. Paris, Hachette. fr. 3,50.
Mainetto, C, Frammento di un cantare toscano del secolo
XIY. Firenze. 24 p. 8. Publ. per le nozzc Oddi-Bartoli.
Malatesti, Malatesta de", Due sonetti. Pesaro. 6 p. 8. Pubbl.
da Ettore Viterbo per le nozze di Giuseppe Piociola con
Bice Vaccai.
Mazzoni, Guido, Le rinie profane d'un ms del s. XV. Pa-
dova. 44 p. 8. Aus den Atti e Meniorie della R. Accademia
di scienze, lettere ed arti in Padova. Vol. VII. I.
Meder, F., Pan, mie , jioiiit im Altfranzösisehen. Marburger
Diss. Leipzig, Fock. 37 S. 8.
Meier, C. , Ueber P. Corneilles Ersttingsdrama „M^lite"
nebst einem Beitrage zum Leben Jean de Mairets. Gel.
Schneeborg. Leipzig, Fock. 20 S. 4.
Meyer-Lübke, Willi., Ueber <i und li im Lateinischen.
S.-A. aus den philol. Abhandlungen für IL Schweizer-Sidler.
13 S. 4.
Miracolo dei tre pollegrini: poemetto sacro; pubbl. per
cura di Mario Menghiiii. Bologna, N. Znnichelli. Per le nozze
di Vittorio Augusto Marchosini con Carlotta Crotta 16 S. 8.
Moliere, Le jiisanthrope. Witli Introduction and Notes by
G. H. ClarUe. (ir. 8vo. Williams and Norgaie. 1/6.
— — , Le Misanthrope: A Coniody. Acted for the First Time
in Paris at the Theatre of the Palais Royal, on Friday, the
Fourtli of Juno, 1606. Edit., witli Introduction and Notes,
by H. W. Uegg Marklieim. (Clarendon Press Series. ) Gr.
8vo, pp. 105. Clarendon Press. 3,6.
Morf, H., Tutti 0 tre. S.-A. aus den philol. Abhandlungen
für lleinr. Schwoizer-Sidler. 9 S. gr. 8.
Morillot, P., Boilean. (Ce volumo contient de nombreuses
reproductions de la Bibliotheque nationale.) In-8, 239 p.
Pari.s, Lecene, Oudin et C". Nouvello coUection des classi-
ques francais.
Musatti, C, Duccento proverbi veneziani. Venezia. 34 S. 16.
Mysing, O., Robert Garnier und die antike Tragödie. Leip-
ziger Dias. Leipzig, Fock. 5C S. 8.
Nouvelles choisies de Masuccio (XV siiNcle). Edition
unique b, 250 excmpl. Paris, Liseux. fr. 20.
Novelline, Sei, gragnolesi e due lettere inedite a Francesco
Redi, col In lista di un desinare in ca.sa Redi. Firenze. 57 p.
429
1891. Litcraturblatt für germanische und romaDische Philologie. Nr. 12.
430
16. Estr. dagli iiutografi dl Vittoria Della Rovere e del
Principe di Toäcana e pubbl. da l''clice Biiriola per le nozze
di liuggcro üddi cuii Tercsu Biirtuli.
Oli Vieri, Gii>v., Note dauteselie. Campobasso. 3S p. 8.
uscal. Peiisees de Pascal publiees diiis leur Texte autlieii-
tique avec un coinmentaire xuivi ])ar Kniest Havel. Edition
classiquc iiouvelle, niise au courant de la deiiiieie edition
coniplete. Paris, Cli. Delagrave. In-12. t'r. ;S,5U.
Petit de Julie ville, L., Histoire litteraire. Leeons de
litterature fraiiraise. S' edition, revue et augmentee. 2 vol.
In-12. T. l": Des origincis ii Corneille, 272 p. ; t. 2: De
Corneille ä iios jüur.s, 2SS p. Pari.*, G. Massen.
I'etrarque. F., I.ettres de Franeois Petrarque ä Jean Boc-
cace. Traduites du latin poui- la iiremieie l'ois ]iar Victor
Develay. In-18 Jesus, XIX-29B p. Paris, Flaniniarion. fr. 3,50.
Ilacine, J., Les Plaideurs, oomedie. Publiee eonforraenieut
au texte de Tedition des Grands Eerivains de la France,
avec une analyse et des notes grammaticales, historiques
et litteraires par R. Lavigne. Petit in-16. 100 p. Paris,
Hachette et C". fr. 0,7.5.
Rech, J., Die Sentenzen und lehrhaften Stellen in den Tra-
gödien lies Robert Garnier. Strassburger Diss. Leipzig, Fock.
62 S. 8.
Renier, R., Ricerche sulla leggenda di Uggeri il Danese in
Frnncia. Torino , Clauseii. 73 p. 4. Estratto dalle memorie
della r. accademia delle scienze etc. di Torino. Serie II, T.41.
Robert v. Blois. s immtliclie Werke. Zum 1. Male hrsg. v.
J. Ulrich. II. Bd.: Floris u. Liriope. Ein altfraiizös. Roman
d. XIII. Jahrh., zusammen mit der Chansons d'Amors u. den
lyr. Gedichten. Nach den beiden Haupthandschriften hrsg.
Berlin, Mayer & Muller. Y, 150 S. S. M. 3.
Rod, Ed., Stendhal. Paris, Hachette. 161 S. kl. 8.
Ronca, Umb. , Principali elementi e caratteri della cultura
e poesia latina del niedio evo. Roma, Loescher. 182 p. 16.
L. 4.
Rossmann, Ph. u. F. Seh mi d t . Lehrbucli der französischen
Sprache auf Grundlage der Anscliauung. Bielefeld, Velhagen
^ und Klasing. VIII, 262 S. mit Abbild, gr. 8. M. 2.
Saint-Simon, Memoires. Nouvelle edition collationnee sur
le manuscrit autographe, augmentee des additions de Saint-
Simon au Journal de Dangeau et de notes et appeudices,
par A. de Boislisle , membre de l'Institut , .et siiivie d'un
Lexique des mots et locutions remarquables. Tome VIII.
[Memoires de Saint-Simon I 1701J. — Appendice: Premiere
partie : Addition de Saint-Simon au Journal de Dangeau
(No. 345 — 386J. — See. partie: Additions et corrections.
Tables.] Paris, Hachette et C'. 1 vol. in-S. fr. 7,50.
Sammlung beliebter spanischer Lust- und Schauspiele, zur
Vervollkommnung u. Unterhaltung im Spanischen hrsg. u.
mit deutschen Anmerkungen versehen von P.iul Förster. 6.
u. 7. Bändchen: A Madrid nie vuelvo de Don Manuel Breton
de los Herreros. Leipzig, Gloeckner. 115 S. 12. M. 1,20.
Schniid, Paul, Erklärung einiger Stellen in Corneille's
Horace. [Aus: „Einladungsschrift zur Einweihung des neuen
Gebäudes der Fürsten- und Landesschule zu Grimma".]
Grimma, Gensei. 8 S. gr. 4. M. 0,50.
Targioni-Tozzetti, Giov., Saggio di novelline, canti ed
asanze popolari della Ciociaria. Palermo, C. Clausen. VIII,
108 S. 16. L. 5.
Thomas, G., Michel- Ange poete. Etüde sur l'expression de
Tamour platonique dans la poesie italienne du moyen äge
et de la Renaissance (XIV'-XVI' sieclej. In-s, 171 p. Nancy,
Berger -Levrault et C^. Paris meme raaisoii. Extrait des
Memoires de TAcaderaie de Stanislas (18901.
Tiktin, H., Gramatica rominä pentru invätämintui seeundar.
Teorie si practica. Partea I. Etimologia. Jasi, Editura 11-
briiriei ^coaletor Fratii Saraga. X, 248 p. 8. Lei 2,80 B.
Tob 1er, Adolf, Kleine Beiträge zur franz. Grammatik (Donc;
des Cent ans; Asyndetische Paarung von Gegensätzen; s"il
faisait beau. Je partiraisj. S.-A. aus den philologischer. Ab-
handlungen für H. Schweizer-Sidler. 14 S. 8.
Todeschini, A. M., Etüde sur Andre Chenier. Milan. XVI,
180 p. 16. L 5.
Turclii, Emmanuele, La protasi della Divina Commedia di-
chiarata in modo da servire di prefazione allo studio dell'
iutiero poenia. Milano, E. Richiedei e C. edit. 59 S. IG. L. 1.
Vascon cell OS , F. Leite de, Poesia amorosa do povo por-
tuguez. Lisboa, Carvalho. 12. 144 S.
Vitti, Tom., Studi su Dante. Napoli. 63 p. 8. L. 1,50.
[II Le origini della Divina Commedia. 2) II Cinquecento
nella Divina Commedia. 3) Saggio di commenti politiei.]
Voigt, 0., Das Ideal der Schönheit und Hässlichkeit in den
altfrnnzösischen chansons de geste. Marburger Diss. 61 S. S.
Weigand. G., Vlacho-.Megleii. Eine ethnograpliiäch-philolog.
Uiitersucliung. Leipzig, Barth. XXXVI, 78 S. mit 4 Licht-
druck-Bildern, gr. 8. M. 3,60.
Williams, Cli. A., die französischen Ortsnamen keltischer
Abkunft. Sn-assburg. Heitz. 87 S. gr. 8. M. 2.
Wil motte, M., La chaiijon populaire au Moyen äge. Liege,
Vaillant-Carmanne. 23 p. S. S.-A. au-i Bulletin de Folklore,
Organe de la societe du Folklore Wallon. I.
M 1 1' r iir i s c 11 e M i 1 1 h e i 1 u u g e n , Personal-
11 a c li r i c li t e u etc.
In Lüttich erscheint demnächst ein Sammelband, der
folgende auf wallonische Sprache, Literatur und Folklore be-
zügliche Abhandlungen enthalten soll: Auguste Gittee. A
propos d'un jeu wiillüii; Eugene .Monseur, Notes de mytho-
logie germanique; Jules Simon, Les limites du picard et du
walon en Belgique: .\. Bovy. Les patois de Hanuut et de
Jehay-Büdegnee ; G. Doutrepont et J.Haus t, Les parlers
du Nord et du Sud-Ouest de la province de Liege; A.
Doutrepont. Formes variees de quelques mots wallons.
(I'reis 3 fr.: zu beziehen von Herrn Simon, 14, Montagne
Sainte-Walburge, Lütticli.)
Die Kedaction von ßirlingers .Alemannia hat Universi-
tätsbibliütliekar Dr. F. Pf äff in Freiburg i. B. übernommen.
Prof. A. M. Elliot in Baltimore arbeitet an einer
kritischen .Ausgabe der Fabeln von Marie de France.
Als Nachfolger von Fr. Zarncke ist Prof. Dr. E. Sie-
vers in Halle nach Leipzig berufen worden.
Der ao. Professor für deutsche Sprache am Polytechni-
kum zu Wien Dr. K. J. Schröer ist zum o. Professor da-
selbst ernannt worden.
Dr. Georg Doutrepont aus Lütticli wurde zum ao.
Professor der romanischen Philologie an der Universität Frei-
burg i. Schw. ernannt.
Zum o. Piofessor für roman. Philologie an der Universität
Genf wurde E. Muret ernannt.
Dr. Ferd. de Saussure ist zum ao. Professor für igm.
.Sprachen an der Universität Genf ernannt worden.
Dr. Alfred Henry Todd, bisher in Baltimore, wurde
zum Professor der roman. Philologie an der Leiand Stanford
Junior University, Menlo Park. California, ernannt.
Dr. Eduard Hofmann aus Basel hat sich an der Uni-
versität Zürich für deutsche Sprache habilitirt.
An der Universität Zürich habilitirten sich für deutsche
Philologie Dr. .\. Bach mann und Th. Oilinga.
In Berlin hat sich Dr. W. Cloetta (bisher in Göttingen)
für romanische Philologie liabilitirt, liest aber dieses Semester
in Vertretung von Prof. Gaspary noch in Göttingen.
Dr. A. Thumb hat sich an iler Universität Freiburg
für vergl. Sprachwissenschaft habilitirt.
t Dr. Ludwig Sieber, Überbibliothekar an der Uni-
versitätsbibliothek Basel, im Alter von 58 Jahren.
Antiquarische Kataloge: Ackermann, München
(Onomatologie-; Geering, Basel (Deutsche l.iteraturgesch.,
Folklore u. Sprachwissensch.): H e i n r i c Fi & Kemke, Berlin
(Folklore); Koebner, Breslau (Deutsche Sprache u. Lit.);
Raabe, Königsberg (Deutsehe Lit.); Meincke, Stralsund
(Neuere Phil, und Germanistik).
Abgeschlossen am 15. December 1891.
Berichtigung.
Es liegt mir fern, auf die Recension meines Buches
„Ueber die Sprache der Ostgoten in Italien" in der October-
nummer des Ltbl.'s (Sp. 333 ff.) eingehender zurückzukommen.
Es genüge, einen einzigen Satz ihrer Einleitung zu berich-
tigen, wozu ich mich im Interesse der Leser für verpflichtet
halte. „Der Verfasser", heisst es daselbst, „schliesst für den
Zweck seiner Untersuchung sowohl die Urkunden von Arezzo
und Neapel und das Kalenderfragment als auch den sog. got.
Trinkspruch der Anthologia latina aus." 1) Die Urkunden
von Arezzo und Neapel sind S. 138 — 144 ausführlich behan-
delt; 2) das Kalenderfragment ist überhaupt nicht ostgot.
(vgl. Sievers in Pauls Grundr. I, 408); 3) der got. Trinkspruch
ist S. 140 f. behandelt. Wer im übrigen für die ganze Ton-
art jener Kritik den Schlüssel wissen will, der suche ihn auf
S. 62 meines Uuehes.
Marburg i. H. Ferd. Wrede.
431
IS'Jl. Literaturblatt TQr gcrniiinisohc und romanische Philüla;;ie. Nr. l'J.
432^
A II t w o r t.
Die vorliegenile lioriolitiijuni; lialte ich für wi>seiitlicli
gesenstMiiilslos, ■leim in meiner Itespreoliuiijj ist nicht gesagt,
dass lue Urkunden vun Arezzo iinil Xea[)el suwie iler ;;iitisclie
Trinkspnicli vun Herrn Wreite ilurclinus übergiingen, sondern
nur, ilasg diese Denkmäler von ihm für den Zweck seiner
Untersuchung ausgesehlossen worden seien. Und das ist
ungefähr dasselbe, was er selbst S. 3 sagt: ,i|ieses ausser-
bililische Material (für ilie Feststellung des Lautstandes des
ostgot. Dialektes in Italien) darf nicht etwa in clen beiden
bekannten gotischen Urkunden bestehen . . . dieses nusscr-
hiblische Material sind vielmehr ilie zahlreichen ostgotischen
Eigennamen". S. 140 wird ferner aus den bis dahin ge-
wonnenen sog. Kcsultiiten über den ostgot. Dinlekt gefolgert,
dass der Trinksprucli nicht ostgotischer Zeit entstammen
könne, umi auch das werden Leute mit gemeinem Verstände
kaum für etwas anderes, als eine .Vblehnung des Denkmals
für den Zweck der Untersuchung halten können. Das Kalender-
fragment weist die vorliegende lierichtigung ,als überhaupt
nicht ustgotisch" neuerdings zurück. Ich sehe daher nicht,
inwiefern meine Aeusserungen der lierichtigung bedürfen.
Dass Herr Wrede die Namen und einiges aus den Te.\ten der
genanntin gotischen Urkunden, was ihm in di'U Kram passte,
für den Zweck sriner Untersuchung »llerdings verwcrthet
habe, ist mir nicht iMitgangen und mag zu seiner lieruhigung
hfer ausdrücklieh festgestellt sein. Wenn Herr Wreile zum
Schlüsse bemerkt, dass auf S. ti2 seines liuches der Schlüssel
für die ganze Tonart meiner Kritik zu linden sei. so erlaube
ich mir zu bemerken, ilass die Tonart meiner Besprechung
lediglich auf nndner wissensclmftliclu'n Ueberzeugung beruhe,
deren .\i'sdruck für mich vermutlilicher Weise ebenso billig
ist, wie ihn Herr Wre<le für sicli als sein unbestreitbares
Recht in Anspruch zu nehmen allzeit geneigt ist.
W i I- n. T h e 0 d o r v. G r i >■ n b e r g e r.
The ranibridge Universitv Press is |)repared ti>
take Photographie negatives from .MSS.. printed boi.ks, &c.,
belonging to the Library or ilepositecl there, and to supply
prints. at the folb'wing rates — permission liaving beeu fire't
obtained froin the Librarian:
s. d.
For a 10 in. x 8 in. negative 3 0
For an unmounted silver print from it . . . . 4
For a platinum print from it |0
For a Carbon print lo
For printing copies from one negative from a
printed book, in |ihptolithography:
•20 copies öl!
.50 copies SO
100 copies 12 0
For larger sizes or greater numbers, prices inay be
arranged on application. Only ordinary trouble to be in-
volved in making thi' negatives.
Orders to be accumulated and executed once a month.
except in special cases where a large number of negatives
are required at one time.
All Orders should bi- accompanicd by a remittance: if
postal Orders or cheques are sent, they should bc drawn in
iavour of C. J. Clay and Sons.
Zu nie und Oaleron (Rom. Bibl. VIF):
S. IX, .Anm. ;• 1. 1149— 125.S. — S. XIX. .\nm. 24. ,Vgl.
jedoch Chardri Siebenschläfer 54 JNV de Trixtraiii iie de Ga-
leriiii. — S. 228 zu 5709: [ist ZfrP. XV, 524 f. erschienen 1.
W. F.
NOTIZ.
Den gerniauistisc&en Theil redigirt Otto Behaghel (Gieseen, BahnhorstraRsc 71), den romaatstischen und englischen Theil Fritz N>DmaBn
(Heidelberg-, Rohrbacherstr. 51). "nd man bittet die Beitrage (Kec^nsionen, kur7.e Notizen, Fersonalnachnchtet. etc.) dem entsprechend gefälligst zu adreasiren.
Die Redaction richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, daHir Sorge trag-en zu wollen, das» alle neuen Werke germanistischen and
romanistischen Inhalte ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von O. K. Heisland in Leipeig sugeaftodt
werden. Nur in dieeemFalle wird dieKedaction stets imStande sein, über neue Public&tionen eineBeeprechung oder
kürzere Bemerkung (in A er B i b ! i o ^ r.) zu b r i n ;; e n. An O. R. Reisland ^ind auch die Anfragen übor Honorar und Soiiderabzüge tu richten.
^=
Preis für dreigespaltene
Petitzetle 35 Pfennige.
^>
Literarische Anzeigen.
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Beilagegebiihren nach
Umfang M. la, 15 u. 18.
=j!S
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Verlag des Art. Institut Prell Fiissli in Zürich.
Eleineiitarbucli der französischen Spraclie
für Oberrealschulen, Realschulen und ver-
wandte Anstiilten. Von Dr. Gnstav
Lappe, Oberlehrer an der Oberrealschule
7.n Kiel und Jnlius Ottens. ord. Lehrer
an iler Oberrealschule zu Kiel.
I. TKIL. Das erste Schuljahr. In Rück-
und Kckleder geb. M. 1.50.
II. TEIL. Das zweite ."Schuljahr. In Rück-
und Eokleder geb. M. 1.80.
III. TEIL. Das dritte Schuljahr. In
ROck- und Eckleder geb. M. 2.—
Französische Schul^ramraatik im Anschluss
an das Elemeiitnrbuch von Ltippe-Ottens.
Bearbeitet von .T. Otteng. In Rück- und
Eckleder geb. M. 2.40.
* « * Der in dieser Grammatik geboteno
Lernstoff ist auch für Obersekunda und
Prima ausreichend.
FIR
S E X T .\
FiR
(l ü l N T .V
FÜR
QD ARTA
FIR
INTEÜTKRTIA
BIS
I'NTEKSEKINDA
Übnnjrsbncli z. Übersetzen ins Französische.
f'i'J Im Anschlüsse an des Verfassers Schul-
•^ "^ '^^•'^'[J"''TIA Grammatik von J. Ottens. In Rück- und
UNTERSEKUNDA Eckleder geb. M. 1.40.
Vollsttindig erschienen:
Seniasiologisclie Beiträge
/utn
lateinischen Wörterbuch.
Von
Hermann Rönsch,
I>octor der Theologie.
I. Heft: Sabstantiva.
1887. 5 Bogen Or. 8. M 2,40.
II. Heft: Adjectiva u. Pronomina, Adverbia n. Adverbialia.
(86 S. Gr. 8.) Preis Jt 3,-.
IIL Heft: Verba.
(87 S. Gr. 8.) Preis MS,-.
Der Verfasser bringt keine semasiologischen Untersuchungen,
sondern nur das schwer zu erreichende Material zu solchen,
lateinische Wörter in neuen oder bisher ungenügend belegten
Bedeutungen, zur Kenntniss. Er bat seinen Stoff theils aus der
Patristik, iheils aus vulgär gefärbten Spracliquellen (Schollen
und Glossen) gezogen, so dass die , Beiträge" besonders auch
für Romanisten von grossem Werthe sind.
Leipziff. O. It. Iti'inluiul.
Hierzu eine Beilage: Prosjiect betr. Etymolog. Wörterb. der deutschen Sprache von Faulraann.
Titel und Register zum XII. .Jahrgang werden mit einem der niichsten Hefte nachgeliefert.
Vnr.intworrlichAr Rednnteur Prof. Dr. Fritz KeiiiiiHnn in Heidelberg. — G. Otfo'a Hofbuehilrnckerei in Darmutadt.
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